Hari´s Märkte am Abend – 30.04.12 – Konsolidierung – Nokia, Metro, US Gas

22 Uhr - Handelsschluss

Ein ruhiger Tag an den Börsen geht zu Ende. In Anbetracht der positiven Bewegung der letzten Woche, die viele auf dem falschen Fuss erwischt hatte, ist die heutige, ruhige Konsolidierung positiv zu werten. Wir haben daher gute Chancen, morgen an der Wallstreet einen "first of month jumper" zu erleben.

Insofern wird auch dieser Marktbericht heute etwas kürzer, es ist doch auch einmal schön, wenn es etwas ruhiger zugeht, zumal das herrliche Wetter bei uns in der Nähe der Alpen, heute sowieso nach draussen lockte.

Nokia (WKN 870737) zeigte uns erneut, wie finster es scheinbar um die wirtschaftliche Lage aussieht. Denn nach einem Bericht der -> Financial Times <- will Nokia nun seine Edelmarke Vertu verkaufen, um damit ca. 200 Millionen USD zu erlösen. Dieser Bericht ist seitens Nokia nicht bestätigt, passt aber ins Bild.

Schlimm genug ist es für mich, dass es eine Nokia scheinbar nötig hat, um die vergleichsweise kleine Summe von 200 Millionen USD Liquidität zu kämpfen. Erinnern Sie sich daran, dass Apple einen Quartalsgewinn von 11,6 Milliarden USD hatte, aufs Jahr hochgerechnet, kann man da also mit 40 Milliarden USD Gewinn rechnen !

Aber für mich noch schlimmer, mit Vertu gibt Nokia vielleicht einen der wenigen Bereiche ab, in denen Nokia noch führend war und eine starke Marke hatte. Denn Vertu ist scheinbar ganz gut gelaufen, was ja auch das kolportierte Interesse des Finanzinvestors Permira zeigt. Luxus geht halt immer und andere Luxuskonzerne wie LVMH (WKN 853292) oder Richemont (WKN A0Q9J3) sind an der Börse hoch bewertet und reihen ein Rekordergebnis an das nächste. Die Marke Vertu war also scheinbar durchaus ein Erfolg und aus der etablierten Marke hätte man vielleicht noch mehr machen können, wenn man die Marke nach unten etwas weiter gedehnt und so den Kundenstamm erweitert hätte. Hohe Margen sind in diesem Geschäft auf jeden Fall möglich, wenn man es richtig macht. Und hohe Margen sind ja nun nicht gerade etwas, womit Nokia im Moment in den anderen Segmenten im Überfluss gesegnet scheint.

Ich persönlich würde den möglichen Verkauf von Vertu daher nicht als logischen Schritt werten, sondern als Zeichen der schwierigen Lage und Ausdruck von Schwäche - nun müssen scheinbar auch die wenigen verbleibenden Kronjuwelen raus, um dringend benötigte Liquidität zu generieren. Ein Indiz mehr für mich, von Nokia nun weiten Abstand zu halten.

Metro (WKN 725750) war heute stark, nachdem Meldungen über den Ticker liefen, dass Haniel an der Beteiligung zumindest kurzfristig festhalten soll. Mir erschliesst sich diese Logik ehrlich gesagt nicht so recht, denn unter der Ägide von Haniel hat sich Metro so schlecht entwickelt wie erlebt und neue Gesellschafter würden dem Konzern daher möglicherweise gut tun. Für mich ist die heutige Stärke eher ein Signal, wie ausgebombt der Titel ist, so dass selbst solche Nachrichten für 3% Plus gut sind.

Trotzdem, und trotz der mehrfachen signifikanten Insiderkäufe der letzten Wochen, ist der Zeitpunkt zum Einstieg möglicherweise noch nicht gekommen. Denn noch ist der Metro-Kurs ein "fallendes Messer", in das man tunlichst nicht greifen sollte und ein erreichen der 20€ Marke ist für mich durchaus denkbar.

Allerdings liefert die Metro am 03.05.12 Quartalszahlen - und sollten diese überraschend gut ausfallen, könnte es einen gewaltigen Short-Squeeze geben. Ich persönlich rechne aber eher nicht damit, weil das die ersten Quartalszahlen sind, die alleine vom neuen Management zu verantworten sind. Es ist ganz typisch und durchaus üblich, dass ein neues Management alle Verluste und "Bilanz-Leichen" in die erste Bilanz hinein packt, weil diese noch dem alten Management zugerechnet werden. So entledigt man sich elegant bilanzieller Risiken und schafft die Grundlage dafür, in den folgenden Quartalen - die einem selber zugerechnet werden - dann eine positive Entwicklung zeigen können.

Insofern gebe ich diesem Szenario bei Metro eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit, als dem Short-Squeeze nach den Zahlen. Sollte das so kommen und Metro am 03.05.12 noch einmal deutlich Richtung 20€ abgeben, könnte das dann aber möglicherweise ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg sein.

Bei Rheinmetall (WKN 703000) gab es heute unbestätigte Berichte, nach denen der Börsengang des Automobilzulieferers "Kolbenschmidt Pierburg" schon im Juni stattfinden soll. Gleichzeitig gab es heute ein Kursziel 51€ seitens BNP Paribas. Ich bleibe ganz ruhig investiert und bin zuversichtlich, dass ein erfolgreicher Börsengang von Kolbenschmidt Pierburg, dem Kurs der Aktie deutlich nach oben helfen wird.

Das bei Daimler (WKN 710000) im Bereich der Hauptaktionäre etwas in Bewegung ist, wird immer wahrscheinlicher. Heute geisterten -> Gerüchte <- durch die Presse, dass Daimler an sogenannten "Giftpillen" arbeitet um eine mögliche feindliche Übernahme abzuwehren. Die Meldung ist erneut unbestätigt, die Summe der Gerüchte und Indizien wie die Call-Optionen der Investmentbanken, legen aber die Vermutung nahe, dass hier mehr als ein Korn Wahrheit an den Gerüchten ist. Ich denke nach wie vor, dass in dieser Thematik mehr Chance als Risiko für den Kurs liegt und warte gespannt ab, was uns in den kommenden Wochen an Nachrichten zum Thema erreichen wird.

Etwas Bemerkenswertes scheint bei US Gas zu passieren. Der Kurs (hier dargestellt am ETF "UNG"), hat eine Abwärts-Trendlinie gebrochen, die aus letztem Herbst stammt und hat gleichzeitig ein ATR Kaufsignal gegeben. Für die, die mit dem Begriff ATR nichts anfangen können, das steht für "Average True Range", ist ein Konzept um die normale Schwankungsbreite eines Titels zu definieren und kann für eine Art von Stops verwendet werden, bei denen die Volatilität der Aktie (die True Range) mit in den Abstand zum Kurs einfliesst. Ein ATR Kaufsignal bedeutet also stark trivialisiert, dass ein Kurs aus seinem bisherigen Verhalten (seiner True Range) nach oben ausgebrochen ist. Das ist ganz typisch für Wendepunkte im Markt. Wenn Sie das Thema "ATR" interessiert, finden Sie ausführliche Erklärungen im Web.

Zurück zum US Gaspreis, den Ausbruch kann man auch Anhand des RSIs nachvollziehen, der nun im Tageschart auf Höhen ist, die wir bei US Gas nicht mehr seit letzten Sommer gesehen haben. Es könnte sich hier möglicherweise um eine bedeutende Trendwende halten. Eine Trendwende die sich heute auch sofort in den Kursen von Chesapeake Energy (WKN 885725), aber auch in den US Kohlewerten wie Peabody Energy (WKN 675266) oder Arch Coal (WKN 908011) gezeigt hat. Wir haben nun also einen weiteren Baustein, der für eine Bodenbildung im Sektor spricht. Ich kann nur wiederholen, dass ich diesen Sektor nun unter intensivster Beobachtung habe, denn das Upside ist gewaltig, wenn der Schweinezyklus endlich drehen sollte ! Die endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen, insofern ist Vorsicht weiter nötig, aber die Markttechnik in diesem Segment bessert sich nach meiner Ansicht nun zunehmend.

Morgen, am Tag der Arbeit, ist in Deutschland und einigen europäischen Ländern Börsenfeiertag. Die Wallstreet arbeitet aber und deswegen auch ich. Morgen Abend kommt dann ein kurzes Marktupdate wie immer gegen 22 Uhr.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Börsenregeln reloaded II: Don´t fight the Fed !

Ein Gastartikel von Tokay

Börsenregeln reloaded II: Don´t fight the Fed !

Heute möchte ich meine Serie fortsetzen mit einem, wie ich finde, mindestens ebenso aktuellen Thema wie beim letzten Mal. Es geht um die Regel: „Don't fight the fed“.

Die „Fed“ - das war bei uns früher die Bundesbank und ist heute die Europäische Zentralbank/EZB. Nach dieser Regel soll man nicht gegen die Zentralbank, heutzutage also somit nicht gegen die EZB spekulieren, sondern mit ihr. Ein Aktieninvestor, der diese Regel beherzigen wollte, müsste somit Aktien kaufen, wenn die EZB ihren Leitzins senkt, und Aktien verkaufen, wenn sie ihn erhöht. Warum sollte er das tun? Wenn die Zentralbank die Zinsen erhöht, dann steigen im allgemeinen auch die Anlagezinsen. Der Investor könnte dann sein Kapital auf einem Geldmarktkonto parken und einen Zins vereinnahmen. Außerdem hat eine solche Maßnahme direkten Einfluss auf die Kreditpolitik der Geschäftsbanken und damit auf die allgemeine Wirtschaftstätigkeit.

Die wichtigste Steuerungsgröße früher unter der Bundesbank und heute unter der EZB waren bzw. sind Offenmarktgeschäfte. Über einen sogenannten Mengentender teilt die Zentralbank den Geschäftsbanken mit, zu welchem Zins sie bereit sind, Zentralbankgeld bereitzustellen bzw. anzukaufen. Die Geschäftsbanken teilen dann der EZB mit, welchen Betrag sie zu kaufen bzw. verkaufen bereit sind. Daraufhin kauft bzw. verkauft die Zentralbank Wertpapiere von den Geschäftsbanken und teilt den Geschäftsbanken nach einem festgelegten Verfahren zu den vereinbarten Konditionen Zentralbankgeld zu. Man nannte diese Geschäfte zu Bundesbankzeiten auch Wertpapierpensionsgeschäfte, da die Geschäftsbanken Wertpapiere bei der Bundesbank sozusagen „in Pension“ gaben. Zeitweise hat man auch mit Zinstendern gearbeitet, bei denen dann die Zentralbankgeldmenge fixiert wurde. Seit 2008 ist die EZB wieder zum Mengentender zurückgekehrt. Der Leitzins der EZB ist der sogenannte Zinssatz für Hauptfinanzierungsgeschäfte(main refinancing operations); er liegt derzeit bei 1,0 Prozent.

Wir haben also unsere Fälle wie folgt konstruiert:

Wir nehmen an, es hätte schon in 1959 den DAX gegeben und man hätte eine „DAX-Aktie“ im Verhältnis 1 DAX-Punkt zu 1 € kaufen können. Weiter nehmen wir an, das Depotkonto wäre nicht verzinst worden und es wären keine Depotgebühren berechnet worden.

Im Fall 1 haben wir einen Investor, der am 31.12.1959 den Gegenwert von 100.000 € auf seinem Anlagekonto gehabt habe. Dann hätte dieser Investor beobachtet, ob die Bundesbank sich in einer Phase der Zinssenkungen befunden hat. Am Ende des ersten Monats, an dem dies der Fall gewesen wäre, hätte er dann von seinem Anlagebetrag so viele DAX-Aktien wie möglich gekauft. Er hätte weiterhin beobachtet, wann die Bundesbank bzw. dann später die EZB begonnen hat, ihren Leitzins zu senken. Am Ende der ersten Monats, an dem dies der Fall war, hätte er er seinen Aktienbestand wieder verkauft. Bei einem Verkauf wäre der erlöste Betrag auf das Depotkonto verbucht und dieser Betrag bei Eintreten der Kaufbedingungen erneut investiert worden. Für jede Transaktion wären 0,5 % der Kaufsumme fällig geworden. Derartige Operationen hätte er dann bis Ende 2011 durchgeführt.

Fall 2 wäre genau gleich wie der Erste, aber hier wären keine Transaktionskosten fällig geworden.

Im Fall 3 hätte dieser Investor zum selben Zeitpunkt einmalig für 100.000 € DAX-Aktien gekauft und bis Ende 2011 behalten.

Nachfolgend sind die Monate dargestellt, an deren Ende der Investor einen Kauf bzw. Verkauf getätigt hätte. Zum Ende eines grün unterlegten Monats hätte er gekauft, zum Ende eines rot unterlegten Monats hätte er verkauft.Der Beginn der ersten Zinssenkungsphase in diesem Zeitraum fand demnach im November 1960 statt. Der fiktive DAX stand am Ende dieses Monats bei 538,4 Punkten. Somit hätte der Investor zu Ende dieses Monats eine „DAX-Aktie“ für €538,40 gekauft. Die Bundesbank senkte in der Folgezeit den Diskontsatz solange, bis sie ihn im Januar 1965 wieder erhöhte. Somit hätte der Investor diese „DAX-Aktie“ zu einem Kurs von € 489,00 wieder verkauft. Dieser Logik folgend, hätte er folgende Operationen bis Ende 2011 durchgeführt.

Wie wir sehen, trat meistens der Effekt ein, den man erwarten würde, aber nicht immer. So senkte die EZB den Zinssatz für Hauptfinanzierungsgeschäfte im Mai 2001 von 4,75 Prozent auf 4,5 Prozent. Die Börsenkurse stiegen in der Folge aber nicht, sondern gingen erst einmal deutlich nach unten, ehe es im Frühjahr 2003 während des Irakkrieges wieder zu einem Anstieg kam. Die längste Phase der Zinssenkungen gab es in den neunziger Jahren; im September 1992 senkte die Bundesbank den Diskontsatz von 8,75 auf 8,25 Prozent. Dieser Prozess kam erst gegen Ende der Neunziger Jahre zum Ende, als der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte von der EZB von 2,5 auf 3,0 Prozent erhöht wurde.

Hier ist der Betrag, der aus den 100.000 € geworden wäre: sowie die Jahresrendite über den untersuchten Zeitraum:

Die Jahresrenditen sähen so aus:

Damit hätte der Investor mit der Strategie „Don't fight the fed“ eine Überrendite erzielt. Diese Überrendite wäre durch die mit den Transaktionen verbundenen Kosten nur unwesentlich gemildert worden. Der Zinseszinseffekt hätte sich in diesem Fall zugunsten des Anlegers ausgewirkt. Sie wäre in Wahrheit sogar noch deutlich größer ausgefallen, denn natürlich hätte ein Investor den erlösten Betrag auf einem Tagesgeldkonto geparkt. Die Strategie, sich an der Zinspolitik der heimischen Notenbank zu orientieren, hätte also langfristig funktioniert.

Berechnet man das geometrische Mittel über die Phase der Zinssenkungen sowie über die Phase der Zinsanstiege, dann ergeben sich folgende Werte:

Eine Zinssenkung bewirkt also im längerfristigen Mittel einen Anstieg der Aktienkurse auf Jahressicht um fast 10 Prozent, eine Leitzinserhöhung lässt diese hingegen um gut 3 Prozent sinken. Außerdem dauert eine Zinssenkungsphase ungefähr doppelt so lange wie eine Phase der Zinserhöhungen; im Durchschnitt hatten wir also eine Zykluslänge von etwa fünf bis sechs Jahren. Auch daran sieht man, dass es sich im Allgemeinen lohnt, mit Zinssenkungen im Rücken anzulegen, und es bei Zinsanstiegen schwerer hat.

Wenn man wissen möchte, in welchem Zeitraum sich eine zinspolitische Maßnahme ausgewirkt hat, dann sieht man folgendes:

Spätestens ein Jahr nach dem Beginn einer Phase der Leitzinssenkungen kommt es also im allgemeinen zu einer sehr deutlichen Aufwärtsentwicklung der Aktienkurse. Außerdem steht nach sechs und nach zwölf Monaten der Index im allgemeinen nach Zinssenkungen deutlich höher als bei Zinsanstiegen. Anders sieht es nach drei Monaten aus: Beginnende Zinserhöhungen haben noch nicht sofort ungünstigere Auswirkungen auf die Märkte als beginnende Zinssenkungen. Genauso wenig haben in der Vergangenheit Zinssenkungen bereits nach einem Quartal positive Auswirkungen an den Aktienmärkten gehabt.

Dies hängt sehr wahrscheinlich mit der Wirkungsweise von Leitzinsänderungen zusammen. Denn das Ziel sowohl der Bundesbank als auch heute der EZB ist in erster Linie die Gewährleistung der Preisstabilität. Der Leitzins wird im allgemeinen dann erhöht bzw. gesenkt, wenn das Preisniveau in Gefahr bzw. nicht mehr von der Notenbank in Gefahr gesehen wird. Wenn aber das Preisniveau nicht mehr in Gefahr ist, dann hat sich bereits länger vorher die Geschäftstätigkeit zurückentwickelt. Bis eine Veränderung der Leitzinsen in der Realwirtschaft ankommt, vergeht ebenfalls einige Zeit.

Man erkennt allerdings auch, dass sich die Mechanismen seit dem Beginn der Finanzkrise 2008 in ihrer Wirkungsweise verändert haben. So hat die EZB seither den Geschäftsbanken in bisher ungekanntem Ausmaß Liquidität zur Verfügung gestellt, da das Interbankengeschäft andernfalls vollständig zum Erliegen gekommen wäre. Der im April 2011 eingeleitete Zinserhöhungszyklus wurde im November bedingt durch die Eurokrise schon wieder abgebrochen. Die Geldmarktzinsen werden seither wieder niedrig gehalten, um eine erneute Verschärfung der Eurokrise zu verhindern. Das Problem ist hierbei die gravierende Verschuldungssituation von Staat und Privatsektor in den Euro-Peripheriestaaten. Auch wenn die Erhaltung der Preisstabilität natürlich weiterhin das vorrangige Ziel der EZB ist, so geht es ihr doch auch darum, den Euroraum vor dem Absturz zu bewahren.

Wird man die Formel „Don't fight the fed“ in naher Zukunft gewinnbringend für seine Anlagen nutzen können? Ich fürchte nein. Denn die Zinsen befinden sich bereits auf rekordtiefem Stand; eine weitere Senkung ist nur denkbar bei noch weiterer Verschärfung der europäischen Situation. Eher muss man befürchten, dass die monetäre Expansion irgendwann ihren Niederschlag in der Realwirtschaft finden könnte und die EZB sich hierdurch veranlasst sehen könnte, gegenzusteuern, was die Märkte eher dämpfen würde. Und so muss man als Anleger vor allem zum einen darauf hoffen, dass die Weltwirtschaft wieder in ein ruhigeres Fahrwasser gerät, das es den Unternehmen ermöglicht, ihre Erträge kontinuierlich zu steigern. Zum anderen könnte ein intelligenteres Management der Eurokrise als bisher dafür sorgen, dass die Risikoabschläge auf dem Aktienmarkt geringer werden. Die Notenbanken alleine, wenngleich sie Hauptakteure sind, können dies nicht bewirken.

Tokay

Hari´s Märkte am Abend – 27.04.12 – Wochenabschluss

22 Uhr - Handelsschluss

Das war heute eine überzeugende Vorstellung der Bullen. Betrachtet man alleine den Indexstand, könnte man meinen, es sei ja nicht viel passiert. Wir hatten aber eine Herabstufung Spaniens und der Markt hat es verdaut, höhere Zinsen bei einer italienischen Anleihen-Auktion und der Markt hat es verdaut und zu guter Letzt ein richtig schlechtes Quartals-BIP in den USA und der Markt hat es auch verdaut !

In Anbetracht dieses Störfeuers also eine richtig überzeugende Vorstellung der Bullen, die in den US Indizes scheinbar die Kontrolle über den Markt zurückerlangt haben. Im S&P500 sind wir mit einem Schlussstand von 1403 nun nur noch ein gutes Prozent von den Jahreshöchstständen entfernt ! Wäre es im DAX ähnlich, würden wir aktuell bei 7100 notieren.

Nächste Woche stehen uns dann eine ganze Reihe Wirtschaftsdaten bevor - unter anderem der US Einkaufsmanagerindex am 01. Mai - bevor dann die Wahlen in Frankreich und Griechenland den "krönenden" Abschluss der nächsten Woche bilden. Zum Thema Hollande, Euro und Frankreich hat der ehemalige Chefredakteur der Spiegel Wirtschaftsredaktion und des Manager Magazins übrigens einen in meinen Augen ganz treffenden Artikel verfasst, den Sie hier unter dem Titel -> Superhits der Achtziger<- nachlesen können.

Es gibt also in den nächsten Wochen genug Futter für wilde Swings im Markt, in Anbetracht der zuversichtlichen Verfassung die Mr. Market nun zeigt, darf man aber durchaus mit einem ruhigen Optimismus auf die kommende Woche schauen. Technisch gesehen wurde im DAX die gestern dargestellte Cup&Handle Formation erneut bestätigt, aus dieser Sicht spricht nun viel dafür, dass wir uns im DAX demnächst auch mal wieder an der 7000er Marke versuchen werden.

Ein gesundes Mass an Skepsis kann aber weiterhin nicht schaden, ich rechne weiter damit, dass wir dieses Quartal an den Börsen noch einige "Aprilschauer" erleben werden. Ich selber werde daher bis auf weiteres die von mir definierte Range 6400-7100 im DAX spielen. Sprich bei Kursen oberhalb 6900 werde ich zunehmen abbauen und bei Kursen unter 6600 zunehmen kaufen. Sollte ich irgendwann Signale erkennen, die für einen starken Trend aus der Range heraus nach oben sprechen, werde ich diese Strategie anpassen. Bis dahin gilt aber für mich die oben genannte grundlegende "Schaukelstrategie".

Damit zu einzelnen Aktien:

Rheinmetall (WKN 703000) und Daimler (WKN 710000) lieferten Zahlen im Rahmen der Erwartungen, Rheinmetall leicht schwächer und Daimler leicht stärker als erwartet. Beide Zahlenwerke boten aber nichts, was aus meiner Sicht eine Neubewertung der Titel notwendig machen würde. Für die heutige Schwäche von Daimler in Anbetracht guter Zahlen habe ich keine vernünftige Erklärung - so ist das manchmal und dann bleibt nur abwarten. Ich bleibe bei beiden Aktien Long.

Einer meiner Favoriten, Continental (WKN 543900), lieferte heute ganz ausgezeichnete Zahlen und wurde vom Markt dafür mit 3% Plus belohnt. Ich habe diese Zahlen nun aber zum temporären Ausstieg genutzt. Grund sind keineswegs Zweifel an der Geschäftsentwicklung, sondern die Fragezeichen wie Schaefler nun ab Sommer mit seinen Anteilen an Continental umgeht. Eine aus der Krise 2008 datierende Beschränkung von Schaeffler läuft scheinbar dieses Jahr aus.

Ich kenne den detaillierten Inhalt der Klauseln nicht, aber die Vermutung ist naheliegend, dass die Klauseln Schaeffler in der unternehmerischen Freiheit begrenzt haben. Insofern, und in Anbetracht der bei Schaeffler wohl nach wie vor vorhandenen Schulden, sind für mich allerlei gesellschaftsrechtliche Szenarien denkbar, die den Aktienkurs beeinflussen könnten - gute, ebenso wie schlechte für den Kurs. Da ich ungern in Aktien investiere, wenn diese unter dem Risiko unberechenbarer externer Einflüsse stehen, bin ich nun erst einmal auf die Seitenlinie getreten. Nachdem diese Unsicherheit verschwunden ist, wird Continental aber sicher wieder in meinen Fokus geraten, denn an der ausgezeichneten Geschäftsentwicklung und den langfristig guten Perspektiven habe ich wenig Zweifel.

Einen riesigen Satz machte heute Wacker Chemie (WKN WCH888), nachdem der Vorstandsvorsitzender Rudolf Staudigl anlässlich des Betriebstarts der Anlagen in Nünchritz davon sprach, dass die Absatzmengen im 1. Quartal 2012 um knapp 50 Prozent höher waren als vor einem Jahr. Die entsprechende Pressemitteilung können Sie -> hier <- nachlesen.

Der Markt beantwortete das mit einem Feuerwerk, das Intraday zeitweise ein Plus von 10% erreichte. Besonders positiv ist, dass der Markt nach mässigen Abgaben bis 60€ herunter, sich dann erneut Richtung 63€ und damit 10% Plus bewegte. Das bedeutet, dass Mr. Market auch nach intensivem Nachdenken den heutigen Nachrichten hohe Bedeutung bemisst.

Wacker Chemie hatte zuletzt massiv unter den ins bodenlose gefallenen Polysilicium-Preisen gelitten und sollte sich dort nun eine nachhaltige Wende andeuten, wäre der Titel ein ganz heisser Kandidat für deutlich höhere Kurse. Mit der heutigen Bewegung beginnt der Markt also nun einen besseren Quartalsbericht am 04.05.12 und vor allem einen besseren Ausblick einzupreisen. Ich habe nach dem explosionsartigen Anstieg heute den leichten Rücksetzer genutzt, um bei 60,8€ eine erste spekulative Long-Position einzugehen.

Gold (XAUUSD) und die Goldminen arbeiten nun heftig an dem vor drei Tagen -> hier <- antizipierten Ausbruch. Das Preisverhalten sieht in dem Bereich weiter sehr vielversprechend aus, es ist aber noch zu früh um Vollzug zu melden. Insofern ist weiter Geduld gefragt, bisher läuft aber alles wie erwartet.

Wenn Sie Lust haben, schauen Sie auch mal am Wochenende bei Mr-Market.de vorbei, denn mit etwas Glück und abschliessender Arbeit schafft es ein neuer Gast-Artikel von "Tokay" zum Thema "Dont fight the Fed !" vielleicht dieses Wochenende in den Blog.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 26.04.12 – Die Bullen gewinnen die Oberhand

22 Uhr - Handelsschluss

Ein spannender Tag an den Börsen geht zu Ende, an dem es unter der Decke viel mehr Bewegung gab, als die mässige Bewegung des DAX Index impliziert.

Eine Entwicklung ist dabei von besonderer Bedeutung:
Der S&P 500 hat mit einem Schlusskurs von fast 1400 in einer sehr überzeugenden Art und Weise die alte Range und den alten Trendkanal zurück erobert !

Damit ist aus Sicht des Leitindex S&P500 die Korrektur schon wieder vorbei. Und die Wahrscheinlichkeit ist deutlich gestiegen, dass wir jetzt eine Bewegung an die obere Begrenzung des steigenden Trendkanals bekommen, die irgendwo bei 1450 liegen sollte.

Für den DAX bedeutet das, das selbst bei fortgesetzter Schwäche in der Euro-Zone, nach unten nun eine Absicherung im Markt ist. Denn wenn der Leitindex S&P500 sich in der Nähe der Jahreshochs bewegt, dann wird der DAX nicht ungebremst abstürzen. Eine derartige Divergenz gibt es in der Realität einfach nicht, dafür ist unsere Wirtschaft weltweit zu stark miteinander vernetzt. Solange der S&P500 also nicht erneut abstürzt, sollte der DAX das Verlaufstief vom 23. und 24.04. bei 6500 nicht mehr unterschreiten. Das bedeutet nicht zwingend, dass der DAX nun eine Rally hinlegt, der Mühlstein "Euro" ist einfach sehr schwer. Aber das das Risiko eines harten Absturzes erst einmal gebannt erscheint, sind doch auch schon mal gute Nachrichten !

Um das kurzfristige Potential des DAX nach oben abzuschätzen, haben wir nun auf dem Stundenchart eine sehr schöne Cup & Handle Formation mit Doppelboden, die ich Ihnen hier mitgebracht habe:

Im nachbörslichen Handel im Future, hat der DAX den Durchbruch durch die Nackenlinie bestätigt und bei 6763 geschlossen. Wendet man die Daumenregeln zum Potential der Cup & Handle Formation an, kommt man auf ein Kursziel von knapp unter 7000. Das würde auch zu einer Bewegung in den oberen Bereich der von mir mehrfach genannten volatilen Range 6400-7100 passen.

Mehr würde ich dem DAX im Moment noch nicht als kurzfristiges Potential zugestehen, dafür ist die Lage in der Euro-Zone zu kritisch und die Wahlen in Frankreich und Griechenland hängen auch noch bis Ende nächster Woche über unseren Köpfen. Aber das ist doch schon mal was und diese 250 Punkte im DAX nach oben könnten schöne Gewinne in sich bergen, wenn das Szenario genau so eintreffen sollte.

Für die neuen Leser dieses Blogs muss ich noch einschränkend hinzufügen, dass obiger Chart keineswegs bedeutet, dass es nun zwingend genau so kommt. Es bedeutet nur, dass die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario nun deutlich gestiegen ist. Und das ist doch schon mal eine wichtige Erkenntnis ! Börse ist immer nur ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten - "Gewissheiten" bieten nur diversen Dienste und Börsenbriefe, die Sie mit "Geheimtips" gegen Geld alle "reich" machen wollen. Komisch nur, warum diese Leute sich dann überhaupt noch um Kunden bemühen, wenn sie das perfekte System oder den heissen, reich machenden "Geheimtip" schon selber gefunden haben. Aber das sind halt bestimmt einfach nur alles gute, altruistisch engagierte Menschen. 😉

Aktie des Tages war sicher Rhön-Klinikum (WKN 704230), die nach einer Übernahmeofferte von Fresenius um 50% nach oben katapultiert wurde. Glückwünsch an alle, die zufällig dabei waren - ich war es nicht und dieses Angebot hat auch niemand vorher gesehen, sonst wäre der Kurs von Rhön-Klinikum schon im Vorfeld angesprungen. Meinen Glückwunsch auch an Fresenius, die damit gezeigt haben, dass man Übernahmen auch professionell und geräuschlos planen kann. Im Gegensatz zu manch anderer Übernahme, bei der die Information schon im Vorfeld an "Smart Money" heraus leckt, sichtbar daran, dass die Aktien schon vor der Übernahme steigen.

Bemerkenswert war heute auch Aixtron (WKN A0WMPJ), die heute wirklich grottenschlechte Zahlen ablieferten und dazu auch noch einen sehr unsicheren Ausblick des Managements. Und was machte der Kurs ? Der sprang um 6% nach oben. Normalerweise wäre das ein klares Kaufsignal, denn wenn ein Kurs in Anbetracht solcher Zahlen steigt, ist der Boden erreicht.

Bei Aixtron bin ich aber nicht so sicher, denn der Titel ist ein Spielball privater Spekulanten und gehört im Umfeld der Privatanleger zu den meistbesprochenen spekulativen Titeln in Deutschland. Wäre ich sicher, dass institutionelles Geld für den heutigen Anstieg verantwortlich ist, wäre ich nun sehr bullisch was Aixtron angeht. Das bin ich mangels Daten aber leider nicht und fürchte eher, das sich hier einfach die massive Hoffnung der Privatanleger zeigt. Denn übersehen wird in meinen Augen in der heutigen Euphorie, dass auch das Management nichts anderes als Hoffnung zu bieten hatte. Die Zahlen und Auftragseingänge waren so unglaublich schlecht, das Aixtron brutal in die Verlustzone rutschen würde, wenn die Hoffnung für die nächsten Quartale auch trügen sollte. Insofen bleibe ich wie schon vor 3 Monaten bei Aixtron weiter an der Seitenlinie, denn alleine auf Hoffnung basiere ich keine Investitionsentscheidungen.

Wie schon vor Wochen hier in einem Artikel bemerkt, gäbe es ein ganz einfaches Mittel um zu beweisen, dass das Aixtron Management selber an die Hoffnung glaubt, die es verbreitet: Insiderkäufe ! Ich habe aber aktuell keinerlei Insiderkäufe gesehen und das selbst nicht bei Kursen unter 10€ Ende letzten Jahres. Wenn Management und Aufsichtsrat aber so wenig Zutrauen in die weitere Geschäftsentwicklung des eigenen Unternehmens haben, warum glaubt dann Otto Normalanleger es ohne konkrete Indizien besser zu wissen ?

Volkswagen (WKN 766403) lieferte ganz ausgezeichnete Zahlen, die der Markt zu Recht mit einem Anstieg von 8% quittierte ! So gut die Zahlen auch waren, den massiven Anstieg muss man wohl teilweise auch als Gegenbewegung zu einem übertriebenen Abverkauf in den Tagen zuvor werten. Letztlich ist VW damit nur wieder in der Region oberhalb 130€ angekommen, in der sich der Titel schon in den vergangenen Monaten bewegte. Erst wenn der Deckel bei ca. 146€ vom Februar geknackt würde, wäre das ein Signal für eine positive Neubewertung der Aktie durch den Markt.

Ich halte Volkswagen für ein hervorragendes Unternehmen und traue dem Titel durchaus noch einige Kursanstiege zu, bin aber trotzdem nicht investiert, weil ich andere Titel vorziehe. Mir persönlich ist Volkswagen zu sehr von den Interessen des dominierenden "Piëch-Netzwerkes" geprägt. Auch wenn der halb liebevoll, halb spöttisch mit dem Spitznamen "Fugen-Ferdl" versehene Ferdinand Piëch ohne jede Frage ein herausragender Ingenieur und Unternehmer ist, hat er nach meiner Meinung aber auch schon gezeigt, wie wenig er auf die Interessen Dritter - hier der kleinen Aktionäre - Rücksicht nimmt, wenn deren Interessen seinem grossen Plan im Weg stehen. Die Geschehnisse rund um Porsche sollten da jedem zu denken geben.

Aus der Sicht von jemandem, der einen grossen Weltkonzern formen will, sind das nach meiner Einschätzung zwingend notwendige "machiavellistische" Fähigkeiten, ohne die es unmöglich wäre, einen solchen Firmen-Koloss wie Volkswagen unter alleiniger Kontrolle zu behalten. Insofern hat Ferdinand Piëch meinen grossen, professionellen Respekt. Für einen kleinen Aktionär muss das aber nicht zwangsläufig Gutes bedeuten. Insofern schaue ich mir Ferdinand Piëchs Lebenswerk mit einiger Bewunderung trotzdem lieber von der Seitenlinie aus an.

Das ist nach meiner Einschätzung übrigens auch der Grund, warum VW schon lange fundamental so unterbewertet ist und sich bisher trotzdem keine nachhaltige Änderung dieser Unterbewertung abzeichnet. Denn rein von den Zahlen, der Wettbewerbsstärke und der ausgezeichneten Marktposition her, müsste VW in meinen Augen wesentlich höher als heute notieren und einen Aufschlag auf die Sektorbewertung haben. Aber viele grosse internationale, institutionelle Anleger machen nach meiner Einschätzung einen Bogen um diese Aktie, weil sie als Aktionäre ohne jeden Einfluss wären. Die Kombination der Beteiligung Niedersachsens mit Ferdinand Piëchs Machtsystem, macht alle anderen Aktionäre in meinen Augen zu Statisten ohne Einfluss - wie zuletzt bei der Wahl zum Aufsichtsrat wieder zu bewundern. Das ist eine Situation, die grosse internationale Anleger mit verwaltetem Milliardenvolumen gar nicht schätzen.

Spätestens mit den Ereignissen rund um Porsche, wurde auch diesen Institutionellen gezeigt, wie hilflos sie bei VW als Aktionär diesen Kräften ausgeliefert sind. Es wird lange dauern, bis dieser Eindruck verblasst und deshalb dürfte VW nach meiner Einschätzung noch weit länger unter seinem wahren Wert gehandelt werden, als man in Anbetracht der reinen Zahlen vermuten könnte.

Ein weiterer Grund hat damit zu tun, das für institutionelle Anleger sowieso nur die Stämme in Frage kommen dürften, denn wenn man schon grosse Summen in ein Unternehmen steckt, dann will man auch sein Recht als Aktionär ausüben können. Die Stämme sind aber mit nur noch 10% Freefloat nicht liquide genug, um grosse Orders aufzunehmen. Der Kurs der Vorzüge - in denen sich die meisten Kleinanleger tummeln - ist aber letztlich ein Abbild der "wahren Aktien", der Stämme. Ohne diese internationalen, institutionellen Anleger, ist aber ein massiver Kursaufschwung nach meiner Ansicht nicht darstellbar. Anders herum formuliert, hätte VW aktuell einen Freefloat von 80% bei seinen Stämmen und nicht diese Porsche-Historie am Bein, wäre der Kurs der Stämme nach meiner Einschätzung aktuell sicher eher bei 180€ als bei 120€. Und diese 180€ wären nach meiner Ansicht auch angemessen, entsprächen dem aktuellen fundamentalen Wert und wären keineswegs eine Überbewertung.

In Anbetracht der offensichtlichen Unterbewertung, kann ich eine Investition in VW also durchaus nachvollziehen. Nur mit einem schnellen Anstieg zum fundamentalen Wert, rechne ich aus oben genannten Gründen nicht so schnell wie erhofft.

Morgen liefern dann auch Rheinmetall (WKN 703000) und Daimler (WKN 710000) Quartals-Zahlen, beides Aktien, die ich intensiv auf dem Radar habe. Ich bin bei Rheinmetall aktuell mit 50% meiner Zielgrösse und bei Daimler voll mit meiner Zielgrösse im Investmentdepot investiert und bin gespannt, was Morgen heraus kommt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 25.04.12 – Apple hebt die Stimmung – FED bleibt gelassen

22 Uhr - Handelsschluss

An Apple (WKN 865985) sieht man heute mal, was eine einzelne Aktie für eine Auswirkung haben kann. Sicher spielten auch andere Effekte eine Rolle, aber die grandiosen Zahlen von Apple, verbunden mit 10% Plus im heutigen Handel haben ganz klar weltweit die Börsenstimmung gehoben und so erste Käufer motiviert in den Markt zu gehen. Und dann passiert, was heute passiert ist, die ersten Käufe ziehen weitere nach sich und so entsteht ein positiver Trendtag wie heute.

Die FED hat dagegen keine Überraschung geliefert. Und da der Markt genau das auch erwartet hatte, gab es auch kaum Reaktion auf die Beschlüsse. Die Rede von Ben Bernanke ab 20.15 Uhr sorgte dann noch für etwas Volatilität, weil jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird und zu Reaktionen führt. Ausserdem gibt es mittlerweile Algos, die direkt auf die Worte einer Rede traden, was solche Reden noch gefährlicher macht. Algos die schriftliche Nachrichten direkt nach Keywörtern durchsuchen und darauf traden gibt es schon länger. Um das eine mit dem anderen zu verbinden, braucht es nur Software die eine Rede live "mitschreibt" - auch das ist nichts Neues, zum Beispiel für Diktatsoftware. So hängen nun nicht mehr nur Menschen, sondern auch Computer-Algorithmen an den Lippen des FED Chairmans - welch schöne neue Welt. 😉 Aber am Ende lief auch die Rede ohne Überraschungen ab.

Trotz des heutigen starken Tages, hat sich an meiner Erwartung an den DAX wenig geändert. Ich denke die volatile Schaukelphase (Aprilbörse) geht weiter. Viel besser sieht es mal wieder in den US Indizes aus. Die heutige Stärke hat eine Reihe bärischer Formationen negiert und es könnte nun gut sein, dass wir nachhaltig in die alte Range zurück kehren und die in den US Indizes milde Korrektur schon wieder erledigt ist.

Um Verwirrung mit den unterschiedlichen Zeithorizonten zu vermeiden, habe ich im folgenden meine aktuelle Erwartung an den DAX noch einmal kompakt und übersichtlich zusammen gefasst, die ich ja in diversen Artikeln schon ausführlicher thematisiert hatte. Meine persönliche Erwartung an die Börsenentwicklung ist Stand 25.04.12 Abend:

(1) Sehr kurzfristig für die nächsten Tage: eher optimistisch wg des überverkauften Zustands des Marktes.

(2) Kurzfristig für die nächsten Wochen: eher vorsichtig bzw. skeptisch, die schwierige “Aprilbörse” geht wohl weiter, mindestens bis zum 06.05.

(3) Mittelfristig zum Jahresende: eher optimistisch, weil ich denke die Notenbanken werden drucken und drucken und den Markt stützen solange es geht.

(4) Langfristig mit Horizont 3 Jahre: eher pessimistisch, ich befürchte wir werden noch “den grossen Knall” und “Reset” des Währungssystems erleben. Erst wenn das Thema aus dem Weg geräumt ist, kann es wieder richtig aufwärts gehen.

(5) Sehr langfristig für die nächsten 10 Jahre und darüber hinaus: sehr optimistisch, die Welt steht an der Schwelle neuer Innovationen, die den nächsten säkularen Bullenmarkt begründen werden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Erwartungen nicht in Stein gemeisselt sind, sondern sich durch eine sich um mich herum verändernde Welt auch ändern - je kürzer der Zeithorizont, desto öfter und schneller. Die sehr kurzfristige Sicht ändert sich jeden Tag, wie soll es auch anders sein. Obige Erwartungen sind also eine reine Momentaufnahme, nicht mehr und nicht weniger.

Damit zu einzelnen Aktien bzw. Themen:

Auffällig war heute die Stärke des europäischen Bankensektors. Einen überzeugenden Anlass konnte ich nicht feststellen. Die ganz brauchbaren Zahlen der Credit Suisse (WKN 876800), die die grosse Presse im scheinbaren Bedürfnis für alles einen "Grund" zu finden anführte, dürften für die Profis kein Anlass gewesen sein, ihre Sicht auf PIGS-Banken zu ändern - zumal die anfänglichen Gewinne der Credit Suisse schnell wieder abgegeben waren. Und ein Zusammenhang zu Apple ist bei aller Phantasie sowieso Unfug. Insofern gehe ich bei den Banken von einer rein technischen Erholung nach dem wochenlangen Absturz aus, der man nicht all zu viel Bedeutung beimessen muss.

Auch das Gerede, dass die mässigen Zahlen von Siemens (WKN 723610) ein Indiz für eine kommende Rezession seien, halte ich für verfehlt. Siemans hat dürftige Zahlen, weil es bei einigen Grossprojekten wie der Windkraft in der Nordsee "hakt". Mit Konjunktur hat das für mich wenig zu tun, eher mit eigenen Fehlern bei Siemens. Wie es um die deutsche Maschinenbaukonjunktur aussieht, kann man da in meinen Augen eher beispielhaft an Dürr (WKN 5565209) sehen, der Auftragseingang im ersten Quartal stieg um über 20%. Wobei man von "der" Konjunktur sowieso nicht mehr reden kann. Denn wer primär seine Kunden im Süden Europas hat, der hat natürlich ein Problem, da ist die Rezession schon längst da. Wer aber wie die meisten deutschen Maschinenbauer und Industriewerte seine Kunden weltweit und insbesondere in China oder USA hat, dürfte in der Regel keine Probleme mit seinen Auftragseingängen haben.

Die -> hier <- Mitte Februar ausführlich besprochene Corning (WKN 850808) lieferte heute vorbörslich "überraschend" solide Zahlen, die ein Ende des Abwärtstrends bei den Glaspreisen nahelegen und ist 7% im Plus ! Ich habe zu meiner langfristig positiven Sicht auf die Aktie und das Geschäftsfeld nichts hinzufügen. Wenn der Titel für Sie neu ist, lesen Sie bitte den verlinkten Artikel vom 21.02.12 noch einmal.

Auf dem Chart sieht man sehr schön das zulaufende Dreieck mit der zunehmenden Kompression. Sollte der Aktie demnächst ein Ausbruch nach oben gelingen, wäre die folgende Expansion für mich ein klarer Kauf mit einigem Potential.


Source: Finviz.com

Einen grossen Satz nach oben machte heute das Agrardünger-Segment. Mosaic (WKN A1JFWK) lieferte einen positiven Ausblick und der Kurs zog um 5% an. Auch K+S (WKN KSAG88) wurde davon natürlich positiv beeinflusst und ist auch 4% im Plus. Ich bin bei beiden Aktien auf der Long-Seite investiert und sehe das ganze Segment als mittel- und langfristig sehr aussichtsreich an. Sicher unterliegt die Nachfrage saisonalen Schwankungen, aber an dem prinzipiell steigenden Bedarf für Dünger zur intensiven Bewirtschaftung der begrenzten Ackerflächen der Welt, führt in meinen Augen kein Weg vorbei. Die aktuelle Situation erlaubt diese attraktiven Aktien nun zu niedrigen Kursen einzusammeln - für mich persönlich eine Gelegenheit zur langfristigen Investition, die ich nicht verpassen werde.

Im Bereich Agrar möchte ich auch noch einmal Ihren Blick auf den hier schon besprochenen Traktorenhersteller Agco (WKN 888282) richten, der gerade ein schönes Reversal hinlegt und auch den 200er Moving Average zurück erobert hat. Die fundamentale Bewertung ist in meinen Augen sowieso attraktiv.


Source: Finviz.com

Bei Veolia (WKN 501451) , die ich als Aktie nach wie vor attraktiv finde, muss man nun genau auf die Frankreich-Wahl achten. Das gesamte Geschäftsfeld ist sehr staatsnah und wäre massiv durch Regulierung betroffen. Gerade die Wasserversorgung, die ja nun wirklich zur Grundversorgung gehört, ist ein beliebtes Ziel staatsdirigistischer Anwandlungen. Aber auch die Abfallwirtschaft könnte unter Dirigismus leiden. Ob Hollande in diesen Bereichen dann wirklich aktiv wird und "Sozialpolitik" über Preisvorgaben betreibt ist unklar, aber für uns als Aktionäre auch nicht relevant. Denn der Kurs würde schon lange vorher betroffen sein, wenn der Markt auch nur vermutet, dass dergleichen auf die Agenda kommt. Insofern könnte ein Sieg von Hollande den Kurs von Veolia möglicherweise belasten. An meiner grundlegend positiven Sicht auf den Turnaround ändert das nichts, man sollte das aber nicht aus dem Auge verlieren. Denn ohne ein positives politisches Umfeld hat ein öffentliches Versorgungsunternehmen wie Veolia keine Chance, ganz egal wie gut man intern eine Restrukturierung gestaltet.

Sehr stark waren heute die Gold-Minenwerte die im Mittel um mehr als 2% stiegen, wie man dem GDX oder HUI entnehmen konnte. Und Gold zuckte wie ein nervöses Pferd hin und her. Die gestern besprochene Expansion ist scheinbar nicht mehr weit entfernt - fasten your seatbelts !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 24.04.12 – Beruhigung, Apple übertrifft erneut.

22.45 Uhr - Handelsschluss, Apple Zahlen

Der heutige Tag brachte eine Beruhigung im DAX, aber nicht mehr. Eine dynamische Gegenbewegung sieht auf jeden Fall anders aus ! In Anbetracht des vorangegangenen Absturzes, ist das eine sehr dürftige Vorstellung der Bullen. Auch die US Märkte waren heute wenig überzeugend. Auch hier Beruhigung, aber nicht mehr.

Rein von der Markttechnik her, habe ich kurzfristig für die nächsten Tage eine leicht bärische Tendenz und rechne eher damit, dass wir noch tiefere Kurse im DAX sehen und mindestens noch die Zone oberhalb 6400 erreichen. Auch vom politischen Umfeld her, ist eine Beruhigung vor den Wahlen in Frankreich und in Griechenland am 06. Mai eher unwahrscheinlich.

Erst danach hat Mr. Market nach meiner Einschätzung wohl die Chance, seinen Frieden mit dem Ergebnis zu machen, was immer bei den Wahlen heraus kommt. Es ist halt einfach eine ganz typische psychologische "Macke" von Mr. Market, das er sich in der Unsicherheit vor wichtigen Ereignissen immer sehr stark sorgt, während er nach der vollendeten Tatsache eher desinteressiert die Schultern zuckt - selbst wenn das Ergebnis nicht so ganz das war, was er erhofft hatte. Mr. Market ist einfach gnadenlos auf die Zukunft fixiert, die Gegenwart und erst recht die Vergangenheit sind für ihn völlig uninteresssant.

Die "Wildcard" im Spiel ist die FED Sitzung, die heute begonnen hat und deren Ergebnisse morgen Abend bekannt werden. Die Erwartung des Marktes an die FED ist verhalten, kaum jemand rechnet wirklich mit wichtigen Neuigkeiten. Insofern könnte ein einzelner Satz der zur Interpretation eines neuen QE Progamms ab Juni einlädt, morgen Abend durchaus ein Überraschungsfeuerwerk zünden und das obige Bild völlig auf den Kopf stellen.

Und eine weitere Karte im Spiel sind die Zahlen von Apple (WKN 865985). Apple hat im 2. Quartal 2012 mit 39,2 Milliarden USD Umsatz und 11,6 Milliarden USD Gewinn die Erwartungen erneut deutlich geschlagen ! Auch die Verkäufe des iPhones lagen weit über den Erwartungen, da China für Apple als Absatzmarkt immer wichtiger wird. Stand 22.45 Uhr ist Apple nachbörslich 7% im Plus. Diese Zahlen sollten dem Markt morgen sicher gut tun und für einen guten Start sorgen. Wie weit das dann über den morgigen Tag hinaus trägt, werden wir sehen. Ich bin seit Freitag Long Apple.

Von diesen zwei potentiell positiven Katalysatoren abgesehen, ist man aber in meinen Augen weiter gut beraten, vorsichtig zu agieren und den Kapitalerhalt zum Hauptziel zu machen. Wie ich schon Ende März schrieb, rechne ich damit, dass fast das ganze 2. Quartal an der Börse ein "Aprilwetter" hat. Das beinhaltet durchaus die Chance auf schöne Gegenbewegungen, aber wir sollten in der grossen Range zwischen 6400 und 7100 im DAX bleiben und darin volatil hin und her schwingen.

Frühestens ab Mai, ich rechne aber eher erst ab Juni in den Sommer hinein, haben wir in meinen Augen vielleicht die Chance, dass der Markt eine langsame, kriechende Bewegung nach oben beginnt, die dann im Herbst Fahrt aufnimmt. Ich habe keine signifikanten "Beweise" für dieses Szenario, nur mein Marktgefühl aus Erfahrung. Aber das lag ja im Januar ebenso wie Ende März gar nicht so falsch.

Repsol (WKN 876845) hat nun möglicherweise nach dem Absturz durch die YPF Verstaatlichung den Punkt erreicht, an dem die negativen Effekte eingepreist sind. Basierend auf dem gewaltigen Abschlag den der Markt nun erzwungen hat, scheint nach meiner Einschätzung der komplette Verlust ohne jede Entschädigung nun im Kurs eskompiert zu sein. Für mich nun Grund hier einzusteigen, weil alles weitere zum Thema YPF das Potential positiver Überraschungen hat. Ich bin seit heute früh Long bei Repsol. Ziel 17,5€ oder 25% Plus gegenüber dem Einstand bei ca. 14€.

ST Microelectronics (WKN 893438) wurde gestern ganz übel und zweistellig verprügelt. Nicht wegen der Zahlen, sondern weil ST Micro im Rahmen seines Joint Ventures mit Ericsson, die defizitäre "Application Processor" Sparte nun ganz übernimmt, statt nur 50% zu halten. Das mochte der Markt gar nicht, weil sich damit der Verlust verdoppelt, der auf die Bücher von ST Micro genommen werden muss. Die Sparte leidet unter der Schwäche der Hauptkunden Nokia und Ericsson als Smartphone Hersteller. Ich habe diese Entwicklung bei den Geschäftsanteilen des Joint Ventures nicht geahnt und wurde wie der Markt davon auch überrascht, denn ich war nach den voran gegangenen Rückgängen schon wieder Long bei ST Micro. Ich sehe aber in der Massnahme keinen Grund meine Sicht auf den Titel zu ändern, denn der Markt reagiert hier auf schon aufgelaufene Verluste, was ST Micro nun unter alleiniger Führung mit der Sparte macht, steht auf einem anderen Blatt. Ich bleibe weiter Long ST Micro. -> Hier <- eine kurze Meldung des Handelsblatt zum Thema.

Auffallen sollte auch, dass die US-Kohlewerte rund um Peabody Energy (WKN 675266) auch heute wieder leicht im Plus waren. Ich glaube im Sektor nun eine Veränderung des Kursverhaltens zu erkennen und wer an dem Sektor interessiert ist, sollte nun ganz genau hinschauen ! Noch ist es deutlich zu früh eine Wende auszurufen, aber der Sektor zeigt nicht mehr das Verhalten eines ungebremsten Absturzes.

Gold (XAUUSD) steht vermutlich kurz vor einer grossen, dynamischen Bewegung. Denn Gold steckt mitten in einer immer enger werdenden Kompression, der Kurs bewegt sich kaum noch von 1640 USD weg. Auf eine Kompression folgt aber typischerweise eine Expansion. Denn wenn sich dann eine neue Richtung etabliert, ist das oft mit einer sehr dynamischen Bewegung verbunden.

Nur die Richtung der Expansion ist leider unklar, wäre es anders wäre es ja auch zu einfach. 😉 Um die Situation aus charttechnischer Sicht zu betrachten, empfehle ich allen Interessierten den folgenden Artikel des erfahrenen Traders Peter L. Brandt : -> Analyse Peter L. Brandt <-

Auch ich kenne die Richtung nicht, ich habe aber eine leicht bullische Tendenz für Gold. Und die beruht darauf, dass zusätzlich zu den Chartmuster die in dem obigen Artikel ausgeführt werden, das Sentiment bei Gold und Goldminen nun sehr negativ ist. Gerade die Goldminen sind massiv überverkauft und das sollte das Downside begrenzen. Und das die politische Grosswetterlage rund um den Euro eigentlich Gold stützen sollte, ist wohl auch klar.

Insofern sehe ich leichte Vorteile für die Bullen bei Gold, werde aber ohne zu zögern und ohne Ankündigung aus allen Positionen springen, sollten wir tatsächlich durch die 1610 USD nach unten durchlaufen. Denn 1610 USD entspricht dem Tief vom 04.04.12 und wenn wir das nach unten durchschlagen, ist nach meiner Erwartung dann doch die Entscheidung zu Gunsten der Bären gefallen !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 23.04.12 – Europa zerfällt, wo ist nur das ganze Geld hin ?

17.30 Uhr - Ein paar sehr persönliche Gedanken zur Euro-Krise.

Ein bitterer Tag ist an den europäischen Märkten zu Ende gegangen. Wie schon lange von mir erwartet, traten heute endlich die Implikationen der Wahl in Frankreich in das Bewusstsein der Märkte. Und Mr. Market gefällt nicht, was er sieht. Ein richtig mieser Einkaufsmanager-Index und eine Regierungskrise in den Niederlanden, sowie durchwachsene Daten aus China taten dann ihr übriges.

Europa zerfällt, rette sich wer kann - so kann man wohl die Wahrnehmung des Marktes am heutigen Tage beschreiben.

Ich werde mich heute daher auch nicht zum aktuellen Marktgeschehen äussern, "Sea of Red" ist eine ausreichende Beschreibung und das sagt alles. Ich will mich vielmehr in einer Art Essay meiner persönlichen, höchst subjektiven Sicht auf das "grosse Ganze" nähern. Wenn Sie nicht noch mehr schlechte Nachrichten wollen, dann lesen Sie bitte nicht weiter, ich habe wenig Positives zu bieten.

Wo ist nur das ganze Geld hin ? Diese Frage lag mir in Anbetracht der Märkte heute auf der Zunge.

Denn auf der einen Seite haben wir Notenbanken, die wie wahnsinnig die Druckmaschinen anwerfen. Und wir haben Staaten, die über beide Ohren verschuldet sind und mit hunderten Milliarden ihr Banksystem stützen. Nun sollte man ja meinen, das sich diese Billionen - ja es sind Billionen ! - an Liquidität irgendwo sammeln und zu neuen Blasen führen.

Aber was passiert heute ? Aktien runter, Gold runter, Euro Staatsanleihen (bis auf Bunds) runter. Alles runter. Und wo ist das ganze Geld ? Wo ist der sichere Hafen, in den man sich retten kann ? Irgendwo müssen sich diese Billionen doch sammeln ? Wir befinden uns mitten im grössten fiskalischen Experiment der Weltgeschichte und ich habe nicht den Eindruck, dass wir uns auf einem guten Weg befinden.

Obige Fragen sind natürlich rhetorisch und es gibt natürlich Antworten. Aber Antworten die einem nicht gefallen, wenn man darüber nachdenkt. Der heutige Tag gibt uns auf jeden Fall einen Vorgeschmack darauf, was uns in Europa blüht, wenn wir diese Krise nicht endlich in den Griff bekommen. Denn Wohlstand kann sehr wohl "verdampfen", sich einfach in Luft auflösen - auch das ist in der Geschichte schon mehrfach passiert. Und nur weil es in Deutschland die letzten 65 Jahre nicht passiert ist, ist das keine Garantie für die Zukunft.

Im Endeffekt gäbe es in meinen Augen für Europa eigentlich nur zwei grundlegende Wege, die wirklich funktionieren würden.

Entweder müsste sich Europa sofort zu einem funktionierenden Bundesstaat mit zentraler Finanz- und Wirtschafts-Regierung zusammen schliessen. Das ist irreal und wird durch den "Spaltpilz Euro" immer unwahrscheinlicher, der in den einzelnen Ländern ja gerade nationalistisches Gedankengut fördert und in den Parlamenten stärkt.

Oder wir müssten das Experiment Euro sofort beenden und in einem geordneten Prozess und (noch) in Freundschaft wieder in ein Wechselkurssystem mit nationalen Währungen wechseln, eine Rückkehr zum EWS also. Auch das ist irreal, die Politik ist durch die permanente Agitation der Grossindustrie gedanklich zu verseucht und in dem Irrglauben gefangen, dass ein Ende des Euros auch der Untergang Europas wäre. Dabei ist das Gegenteil offensichtlich der Fall, dieser fehlkonstruierte Euro ist der Spaltpilz Europas ! Die Väter des Euros haben sich - ohne es zu wollen - durch Naivität und wirtschaftliches Unwissen an der Zukunft Europas versündigt, das ist meine traurige Meinung zum Thema.

Ich halte es da wie -> Linde Chef Wolfgang Reitzle <- und bin davon überzeugt, dass ein (geordnetes!) Ende des Euros für Deutschland am Ende gut tragbar wäre. Deutschland war "Exportweltmeister" mit der starken D-Mark und ist es wieder mit dem Euro. Warum bitte, soll das Deutschland nach einem heftigen, aber kurzen Anpassungsschmerz nicht auch wieder mit einer neuen, harten Währung gelingen ? Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit beruht auf dem Wissen, dem Ideenreichtum und dem Tüftlergeist seiner Ingenieure in der Exportindustrie und eben gerade nicht auf "Financial Engineering". Das war schon in den letzten 150 Jahren Deutschlands Stärke und wird es auch in Zukunft sein.

Und damit es da keine Missverständnisse gibt, ich bin Europäer aus Überzeugung und der echte Bundesstaat wäre die Lösung meiner Wahl. Aber das ist derzeit leider irreal und wird mit jedem Monat der Krise irrealer. Und bevor Europa ungeordnet zerfällt und nationale Egoismen endgültig wieder ihr hässliches Haupt erheben, ist ein schnelles Ende dieses fehlgeleiteten Experiments immer noch die bessere Lösung, als der quälende, langsame Zerfall, in dem wir uns nach meiner Ansicht gerade befinden.

Neben diesen zwei grundlegenden Alternativen gibt es natürlich auch durchaus seriöse und funktionierende, technokratische Lösungsansätze im System. Ein paar wurden hier im Blog auch schon skizziert. Nur werden diese nach meiner Ansicht reine Theorie bleiben, denn was wirtschaftlich oder volkswirtschaftlich sinnvoll ist, lässt sich in dem Geschnatter von 27 Demokratien und Millionen Wählern in Panik nicht durchsetzen. So wird das, was wirtschaftspolitisch und volkswirtschaftlich sinnvoll wäre, in der Eurozone wohl keine reale Chance haben.

Wir werden also nach meiner Erwartung einfach weiter machen wie bisher, bis zum bitteren Ende. Die Politik wird weiter "retten" und die Notenbanken weiter Geld drucken. Und wir werden noch 2 oder 3 solche Wellen zwischen Krise und Entspannung erleben. Bis wir dann irgendwann gegen die Wand laufen und dieser "Reset" wird dann sehr, sehr schmerzhaft werden.

Ich habe es vor ein paar Tagen schon einmal gesagt: ich wäre überrascht, wenn es den Euro in der heutigen Form in ein paar Jahren noch gäbe. Und auch das Europa im Jahr 2015 wird mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich anders aussehen als heute.

Ich weiss, das sind finstere Worte, aber so sehe ich die Welt um uns herum und das schon länger und nicht erst seit heute. Aber heute ist ein guter Tag um es mal auszusprechen, denn heute dürfte jeder verstehen wovon ich rede.

Und trotzdem bieten die Aktienmärkte kurzfristig jede Menge Chancen und ich bin immer noch überzeugt, dass wir ein gutes zweites Halbjahr 2012 erleben werden. Aber nicht, weil wir in der Welt unsere grundlegenden Schulden-Probleme lösen, sondern in Form einer "Sumpfblüte", weil die Liquidität eben doch am Ende ihren Weg in die Sachwerte finden wird, also in Aktien und Gold. Und weil die Notenbanken alles tun werden um den Laden zusammen zu halten, solange man den Schein noch wahren kann. Und für ein paar Runden "Sumpfblüte" reicht es durchaus noch, bevor uns dann in den kommenden Jahren die sehr bittere Rechnung präsentiert wird.

Es gibt ja auch wirklich keine Alternative, wenn Sie etwas Kapital angesammelt haben. Irgendwo muss es ja hin. Schauen wir uns die zum "Geld auf dem Konto" alternativen Anlageklassen doch mal aus meiner sehr persönlichen, subjektiven Sicht an:

- Kopfkissen ? Müssen wir nicht ernsthaft darüber reden oder ? Papierschnipsel einer dann vielleicht untergegangenen Währung unter einem Kopfkissen sind wirklich keine gute Idee, ausser für den Bollerofen in einem kalten Winter. Hat noch jemand Reichsmark ?

- Lebens- oder Renten-Versicherungen ? Igitt ! Man gibt gutes Kapital heute, um ein Versprechen der Finanzindustrie auf einem Blatt Papier zu bekommen, das Jahrzehnte später eingelöst werden soll. Und selbst wenn das Versprechen nominal eingelöst wird, weiss keiner was die Zahl dann wirklich noch wert ist. Inflation, Währungsreform - alles möglich und alles mit den Mickerzinsen nicht annähernd abgegolten.

- Staatsanleihen ? Igitt ! Wie oben, nominal in den USA, Deutschland und anderen stabilen Ländern wohl recht sicher, aber was bekommt man dann für diese Zahl auf dem Papier tatsächlich ? Und es soll keiner glauben, dass sich die aktuellen "Fluchtstaaten" wie Kanada, Australien, Norwegen, Schweiz etc mit ihren vergleichsweise kleinen Anleihemärkten einem globalen Problem entziehen könnten - das ist Illusion !

- Deutsche Rentenversicherung ? Sie werden erstaunt sein: Ja, bei mässigem Einsatz durchaus sinnvolle Anlage ! Eben gerade weil kein Kapital existiert, dass vernichtet oder entwertet werden kann. Es ist vielmehr ein Anspruch an die Kreativität und Leistungskraft unserer Kinder - egal in welcher Währung unsere Kinder dann ihre Leistung verrechnen. Und wenn wir als Eltern nicht alles falsch machen, werden unsere Kinder kreativ und erfolgeich sein. Unsere Ansprüche sind solange sicher, wie wir eine Demokratie haben, denn die Stimmenmehrheit der Versicherten wird immer dafür sorgen, dass die Politik auch eine Gegenleistung für das eingezahlte Kapital sicher stellen muss. Rendite darf man natürlich keine erwarten, aber mit Kapitalerhalt kann man in diesen Zeiten ja schon zufrieden sein.

- Immobilien ? Naja, die selbstgenutzte Immobilie macht sicher Sinn. Aber darüber hinaus ? In den unattraktiven Regionen werden die Leerstände eher grösser und in den Boomzentren wie München sind die Preise doch jetzt schon jenseits von Gut und Böse. Wer heute in München zu 10.000€ pro qm kauft, der wird sein Kapital nach meiner Einschätzung so schnell nicht wiedersehen.

Bei den Immobilienpreisen wird ja gerne vergessen, dass sie keinen "echten" Wert darstellen, sondern direktes Abbild der Wirtschaftskraft sind. Nur wegen der Wirtschaftskraft zahlt man im München 10.000 € pro qm bei guten Eigentumswohnungen. Und in ländlichen Regionen des Nordostens dagegen nur dreistellig pro qm. Nicht die Immobilie oder der Grund und Boden in München ist so und soviel wert - die Wirtschaftskraft der Stadt ist es ! Dieser kleine, aber wichtige Unterschied, wird von vielen Immobilienbesitzern gerne übersehen.

Klar, eine Immobilie behält man und die kann man auch in der Krise anfassen. Aber was ist sie dann noch wert ? Wer Anfang 1923 aus Angst vor der Hyperinflation mit Eigenkapital noch schnell eine Immobilie kaufte, hat ein ziemlich schlechtes Geschäft gemacht und bekam zusätzlich zweimal in 25 Jahren massive Sondersteuern aufgebrummt, die einer Teilenteignung gleichkamen. Wer die Immobilie aber nur mit Darlehen kaufte, machte damals das Geschäft seines Lebens. Die Darlehen waren wertlos und konnten mit einer Rolle Klopapier abgegolten werden, die Immobilie war aber noch da.

- Ackerland und Wald ? Ja, eigentlich eine gute Idee, aber das will bewirtschaftet werden und wirft nur Mickerrenditen ab. Zumal auch bei Ackerland schon die Preise kräftig steigen. Wer genügend Vermögen hat und eine professionelle Bewirtschaftung organisieren kann, für den sicher eine gute Idee. Aber für den durchschnittlichen, wohlhabenden Bürger ? Funktioniert nicht und über die diversen geschlossenen Fonds eher auch nicht - daran verdienen nach meiner Erfahrung in der Regel die Initiatoren, nicht aber die Anleger.

- Kunst oder Oldtimer ? Ja, funktioniert, aber in den engen Märkten nur für die wenigen Spezialisten, die sich wirklich auskennen. Für die breite Masse der Bürger mit Anlagenotstand keine Lösung.

Was bleibt also an liquiden, fungiblen Sachwerten, in denen man sein mühsam erarbeitetes Kapital einigermassen sinnvoll parken kann ?

>>> Aktien und Edelmetalle <<<

Es gibt dazu keine seriöse Alternative und weil das so ist, sind für mich persönlich miese Aktien-Kurse Kaufkurse - gerade weil wir mitten in einer Krise stecken, die die Welt verändern dürfte.

Und wissen Sie auch, woran Sie erkennen werden, dass die Krise ihrem Höhepunkt zusteuert ? Wenn die Aktienkurse steigen, obwohl die Wirtschaftsdaten mies sind ! Weil die Geldkonten dann leer geräumt werden um schnell noch liquide Sachwerte zu kaufen - Aktien oder Gold - weil man den Konten der Banken und der Währung nicht mehr traut.

Jetzt werden Sie denken, so finster haben ich den Hari ja noch nie erlebt. Stimmt aber nicht, so denke ich schon seit einiger Zeit über unser Problem in Europa. Ich bin aber auch überzeugt, dass die aktuellen Kurse an der Börse kurzfristig wieder interessante Kaufgelegenheiten bieten und wir schon bald wieder deutlich höher stehen könnten, vielleicht schon diesen Mittwoch nach der FED Sitzung. Aber darüber schreibe ich dann Morgen wieder. Heute ist dagegen der passende Tag, um die traurigen, mittelfristigen Aussichten meines Makrobildes rund um die Euro-Krise mal auf den Punkt zu bringen.

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Abend ! Denken Sie daran, dass "Hier und Jetzt" zu geniessen. Morgen ist es schon Vergangenheit und kommt nie wieder ....

Ihr Hari

PS: Hari´s Märkte am Abend erscheinen Morgen Abend etwas später gegen 22.30 - 23 Uhr. Ich möchte die Zahlen von Apple noch berücksichtigen, die grosse Bedeutung haben werden.

Hari´s Märkte am Abend – 20.04.12 – Wochenabschluss – Kurzbericht

22 Uhr - Handelsschluss

(1)
Nichts was heute in den breiten Indizes passiert ist, hatte Bedeutung über den Moment hinaus. Insofern abhaken und das Wochenende mit IWF und G20 Treffen abwarten.

(2)
Schaut man auf die Erwartung des Marktes an das IWF und G20 Treffen, geht dieser fest davon aus, das wir wieder jede Menge warme Worte und nettes Gerede nach dem Motto "alles wird gut und alles im Griff" haben werden. Insofern wird zur Schau gestellte Einigkeit keinen mehr überraschen. Positiv wäre es wohl, wenn tatsächlich neue konkrete Abreden getroffen würden. Negativ wäre es für die Kurse am Montag, wenn man sich im IWF zwischen Europa und den aufstrebenden Mächten (BRIC) nicht einigen könnte.

(3)
Faszinierend ist für mich zu sehen, wie Krones (WKN 633500) exakt das Szenario abarbeitet, das ich -> hier <- am 30.03.12 dargestellt habe. Die Aktie hat nun oberhalb 35€ gedreht und legt heute eine Rally mit 5,6% Plus hin. Schauen Sie noch einmal in den alten Beitrag und auf den aktuellen Kursverlauf.

Am 24.04.12 kommen die Zahlen, es könnte sein, da weiss schon jemand was, denn die Bewegung heute war ohne für mich sichtbare Nachricht. Das die Kurszielerhöhung der UBS auf 40€ Ursache für ein solche Feuerwerk ist, wage ich mal stark zu bezweifeln. Wenn ich jetzt noch nicht drin wäre, würde ich nun vielleicht die Zahlen abwarten, selbst wenn das ein paar Prozent kostet. Denn nach dem heutigen Tag wären auch kleine Gewinnmitnahmen am Montag nur normal. Da ich aber schon drin bin, kann ich nun weiter Long bleiben. Falls die Zahlen halten was ich davon erwarte, hat Krones noch gutes Potential nach oben, bei sehr beschränktem Risiko - das Unternehmen ist in meinen Augen grundsolide und ebenso grundsolide finanziert.

(4)
Passend zu Krones, weil im selben Artikel dargestellt und erst vor drei Tagen erneut mit Chart dargestellt, Cameco (WKN 882017) fliegt nun ab, heute fast 5% Plus !

(5)
Faszinierend ist auch, was der Markt bei Microsoft (WKN 870747) macht. Die hervorragenden Verkäufe von Windows 7 und Office kurz vor der Veröffentlichung von Windows 8 werden mit fast 5% Plus gefeiert. Dabei ist für mich offensichtlich, dass diese Verkäufe gerade deswegen zustande kommen, weil sich viele Kunden schon gegen Windows 8 entschieden haben und sich nun noch mit Windows 7 Lizenzen eindecken.

Warum feiert der Markt dann diese Zahlen so, insbesondere im Hinblick auf das Nokia-Desaster, dass sich ja direkt auf Microsofts Windows-Mobile Bemühungen auswirkt ? Ehrlich, ich weiss es nicht ! Und der Markt hat ja meistens recht, aber eben nicht immer. Und hier denke ich ganz arrogant, das der Markt möglicherweise falsch liegt. Grund ist wohl, das fast alle Analysten noch das Hohelied der tollen Windows 8 Strategie singen. Theoretisch ist die Idee ja auch gut, nur praktisch mangelt es bei Windows 8 nach meiner Einschätzung an der Umsetzung. Und diese positive Stimmungsmache wird sicher noch Monate so weiter gehen, bis gegen Ende des Jahres die ersten echten Verkaufszahlen kommen.

Für mich sind die aktuellen Zahlen aber Bestätigung meiner negativen Sicht auf Windows 8 und nichts zu feiern. Fragen Sie sich doch einmal selbst: wenn Sie sich auf Windows 8 für Ihr Unternehmen freuen, kaufen Sie dann ein paar Monate vor Launch noch im grossen Umfang die alten Versionen ? Und ja ich weiss, die meisten Grosskunden haben langlaufende Lizenzverträge und Serviceverträge, die unabhängig von Einzelversionen sind. An dem grundlegenden Mechanismus ändert das aber nichts.

Insofern kann Microsoft nun über den Sommer im Lichte der allgemeinen Analysten-Begeisterung durchaus noch weiter steigen, selbst 38 USD halte ich nicht für unmöglich. Aber ich bin überzeugt, das dicke Ende kommt gegen Ende des Jahres. Falls Sie ihn nicht gesehen haben, lesen Sie -> hier <- meinen Artikel zum Thema vom 30.03.12.

(6)
Mein erst gestern Mittag skizziertes Bild von Nokia (WKN 870737) als der Titanic, war wohl scheinbar nicht ganz falsch. Seit dem Peak auf 3.1€ nach den Zahlen - der meinen Artikel auslöste - ist der Kurs um sage und schreibe 10% gefallen ! Tendenz weiter fallend ins Nirwana. Irgendwann wird Nokia dann vielleicht von Microsoft aufgekauft, ob das für die Aktionäre aber dann noch ein Spass ist, wage ich mal zu bezweifeln. Denn warum soll Microsoft heute einen Kurs von 3€ und damit 10 Milliarden MarketCap zahlen ? Durch die Abhängigkeit zu Windows Mobile kann wohl sowieso kein anderer der grossen Konkurrenten bei Nokia zugreifen. Im Falle eines weiteren Absturzes fällt Nokia nach meiner Einschätzung in die Hände von Microsoft.

(7)
Apple (WKN 865985) fällt weiter - Völker hört die Signale ! 😉 Apple sitzt nun fast auf dem 50er Moving Average, der für ein vorläufigen Stop der Abwärtsbewegung gut sein könnte. Kommenden Dienstag nach Handelsschluss kommen dann die Zahlen. Was da raus kommt kann jeder selber raten, ich habe keine Ahnung. Bisher hat Apple aber immer positiv überrascht, und es ist in meinen Augen eher wahrscheinlich, dass das erneut passiert. Dann ist Apple für schnelle 10% nach oben gut. Sollte aber der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Apple das erste Mal seit Jahren negativ überrascht, dann wird das aber heftig nach unten rauschen, das wird ein Spektakel, das dann die Indizes mitzieht. Sehr spannend das Ganze !

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 19.04.12 – Kurzbericht

22 Uhr - Handelsschluss

Auch heute und voraussichtlich auch am morgigen Freitag, bleibt es bei einem Kurzbericht. Die ganze Familie, mich eingeschlossen, ist eine "Lazarett" aus Fieber, Husten, Schnupfen, Erbrechen - so dass ich nicht zu einem regulären Tagesablauf finde. Nächste Woche ist das Elend dann hoffentlich vorbei und alles geht wieder seinen normalen Gang. Wenn nur mal jemand etwas gegen diese verfluchten Rhinoviren finden würde, Reichtum und 100 Milliarden Börsenwert wären wohl garantiert.

(1)
Wir hatten wieder deutliche Schwäche im DAX und es dürfte nun wohl dem Letzten klar sein, wie hier die Euro-Krise wieder ihren Tribut fordert. Ich sehe nach wie vor nicht, wie das Problem kurzfristig verschwinden kann, insofern sind starke Tage im DAX oberhalb 6800 nach meiner Einschätzung weiterhin eher dazu geeignet Risiko heraus zu nehmen, bis die Lage aufklart. Nach wie vor rechne ich mit einer schwierigen Phase bis in den Juni. Ich würde aber eher die IWF Sitzung am Wochenende abwarten, dort wird man sicher mit vielen warmen Worten versuchen, den Märkten Vertrauen einzuhauchen. Und manchmal - wenn er verzweifelt genug ist - will Mr. Market so etwas einfach glauben. Insofern besteht schon die Chance für eine Erleichterungsrally und ich würde nicht zu pessimistisch werden, das Szenario der volatilen Range 6400-7100 ist in meinen Augen voll intakt.

(2)
Aber auch die US Märkte konnten heute nicht überzeugen und das wir nun auch am zweiten Tag die Range und den steigenden Trendkanal nicht zurück erobern konnten, lässt die Risiken nach unten deutlich steigen. Eine halbe Stunde vor Handelschluss, kamen dann aber noch zwei grosse Kaufprogramme in den Markt und schoben den S&P500 etwas höher bis 1377, allerdings ohne eine überzeugende Performance abzuliefern. Noch ist also nicht aller Tage Abend, aber es steht nun wirklich auf des "Messers Schneide" und der Markt sendet völlig indifferente Signale. Sollten wir allerdings nun auch noch in den US Indizes abkippen, rechne ich im DAX mit einem Schlachtfest, dass uns dann schnell bis 6400 bringt. Die Alternative hatte ich gestern skizziert - schaffen wir es doch wieder in den steigenden Trendkanal, haben wir gute Chancen aus technischen Momentum heraus bis zur oberen Begrenzung bei 1450 zu laufen und im DAX wieder an der 7000 zu schnuppern.

(3)
Apple fällt heute erneut um über 3%, nachdem es nur eine eintägige Gegenbewegung gab. Das ist kein gutes Zeichen, bedeutet wohl das der Abwärtstrend noch andauert und ist ein Indiz, dass sich im Markt gerade etwas Grundlegendes ändert - und das dürfte für die breiten Indizes nicht unbedingt gut sein.

(4)
Zu Daimler und Nokia habe ich mich heute schon geäussert, wer es übersehen hat, schaut bitte -> hier <- und in einen aktuellen Kommentar, den ich auf eine Frage geschrieben habe.

(5)
Peabody Energy (WKN 675266) lieferte die erwartet mässigen Zahlen und der Markt beantwortete das mit einem 7% Anstieg, der den ganzen Tag Bestand hatte und nicht sofort wieder verkauft wurde ! Auch die anderen Kohle-Titel wurden mitgezogen. Das ist der Klassiker einer Überdehnung ins Negative und nach den verschiedenen Indizien der letzten Wochen ein weiteres Teil des Puzzles, das ein nahes Ende der Abwärtsbewegung im Kohle-Sektor indizieren könnte.

Übrigens, falls bei dem katastrophalen Kursverlauf der Kohletitel jemand denken sollte, die Kohleunternehmen würden kein Geschäft mehr machen, hier die Quartalszahlen von Peabody gegenüber dem 1. Quartal 2011: Umsatz + 17%! auf 2,04 Milliarden USD, Gewinn 172,7 Millionen USD vs 176,6 USD Millionen vor einem Jahr - also fast identisch. Sieht so ein wackelndes Unternehmen aus ? Und nun vergleichen Sie bitte den Kurs von vor einem Jahr mit heute, der hat sich halbiert. Warum ? Weil die Erwartungen ins Bodenlose gefallen sind ! 😉

Allerdings muss man klar feststellen, dass die guten Zahlen vor allem aus der australischen Operation von Peabody kamen, die die asiatischen Märkte beliefert. Aber selbst der US Umsatz ist bei Peabody um 5% gewachsen, was in Anbetracht der Überversorgung mit Shale Gas eine Leistung ist. Insofern muss man bei Kohletiteln in Zukunft genau schauen, wo sie ihre Operation und ihre Kunden sitzen haben. Ein reiner US Miner ohne internationale Kunden dürfte es auch weiterhin weit schwerer haben, als international agierende Kohle-Grössen wie Peabody.

Ich denke, es wäre auch ein Fehler, den grundlegenden Effekt von Shale Gas zu ignorieren. Das scheint in den US ein echter "Game-Changer" zu sein, den ich in seinen brutalen Auswirkungen vor einem halben Jahr auch noch nicht in diesem Umfang auf dem Radar hatte. Weswegen ich bei rein in den US operierenden Kohleförderern temporäre Stärke in den kommenden Monaten eher zum Ausstieg nutzen würde. Gerade in Asien und speziell China aber, ist Kohle massiv auf dem Vormarsch und noch lange ein entscheidender Energieträger.

Wie -> hier <- vor einer Woche geschrieben, bin ich bei Peabody nun wieder long, wenn auch bisher nur verhalten. Sobald sich bestätigen sollte, dass im US Kohlesektor der Boden drin ist, werde ich in diesem Segment deutlich nachlegen.

(6)
Gold und Goldminen sehen für mich nun zunehmend spannend aus. Immer bei 1640 USD scheint bei Gold Kaufinteresse in den Markt zu kommen und auch die Minen sind derart überverkauft, dass die Chance für eine überraschende Rally besteht - eine Chance, keine Sicherheit. Die Lage ist nach wie vor wackelig, aber in dem Sektor fühle ich mich nun wohler, als in manch bisher gut gelaufener Industrie- oder Technologie-Aktie.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Marktupdate 19.04.12 – Daimler und Nokia im Fokus

14 Uhr

Aktie des Tages ist für mich mal wieder Daimler (WKN 710000), nachdem bekannt wurde, dass sich Abu Dhabi als Grossinvestor zurück ziehen will. Die Nachricht ist um 14 Uhr noch nicht bestätigt, insofern könnte es ein Gerücht sein, ich finde die Nachricht aber zum Bild passend und schätze den Wahrheitsgehalt daher hoch ein. Der Kurs reagierte verhalten negativ, für mich ist das aber eher eine positive Nachricht.

Denn das passt für mich in das von mir -> hier <- skizzierte Bild der Kaufoptionen, hier wird scheinbar im Hintergrund schon lange ganz massiv um einen neuen Grossinvestor gerungen, der dann möglicherweise mehr als die paar Prozent investieren wird, die Abu Dhabi bisher in die Waagschale werfen konnte. Und das es sich dabei um Chinesen handelt, ist für mich auch ein Stück wahrscheinlicher geworden. Und sollte es Daimler am Ende nicht gelingen, einen Ankerinvestor zu finden, dürften die Übernahmespekulation erst recht ins Kraut schiessen, denn mit seinen aktuell gut 40 Milliarden € Marktkapitalisierung ist Daimler ein höchst attraktiver Happen. Sollte einem anderen Autobauer eine Übernahme zu dieser Bewertung gelingen, wäre das wahrscheinlich ein ausgesprochen lukrativer Deal. Insofern werde ich die aktuelle Schwäche dazu nutzen, meine Positionen bei Daimler aufzustocken.

Achja und Nokia (WKN 870737), normalerweise bin ich ja ein Fan von überverkauften Aktien, die dann trotz mieser Zahlen steigen, weil schon alles Negative im Kurs war. So wie kurz nach den Zahlen bei Nokia geschehen. Nicht aber hier und ich glaube auch der Markt wird das schon bald so sehen und nach unten drehen. Denn der Verlust als solcher war ja gar nicht so tragisch, der hatte auch zu einem guten Stück mit der Sanierung des Netzwerkausrüsters "Nokia Siemens Network" zu tun. Viel schlimmer finde ich aber, das überall auf der Welt die Erlöse sanken, in China sogar um über 60%. Am allerschlimmsten ist aber für das Massengeschäft in dem Nokia noch stark ist, dass sogar der durchschnittliche Preis eines Mobiltelefons um 22 Prozent von 65 auf 51 Euro absackte !

Und die Antwort des Managements darauf war, den Sparkurs zu beschleunigen und den Vertriebschef auszutauschen und den Vertrieb erneut umzukrempeln. Hallo ? Sieht so ein Comeback aus ? Ich denke nein, das sieht für mich eher nach Hilflosigkeit und Panik aus. Vor einem Jahr war die Zeit den Vertrieb neu aufzustellen, es jetzt tun zu müssen - mitten in der Phase in der man eigentlich den Neustart mit neuen Produkten machen will - zeigt mir nur wie katastrophal tief das Problem bei Nokia scheinbar ist. Ich sage das ungern, aber für mich bekommt das langsam den Charakter einer Titanic, die schon mit dem Eisberg in Form von Apple und Samsung kollidiert ist. Ich habe spätestens heute bei Nokia jegliche Hoffnung fahren lassen - nicht wegen der Verluste, sondern wegen der Antwort darauf.

Meine negative Sicht auf Nokia hatte ich ja vor einer Woche -> hier <- schon erläutert.

Hari´s Märkte am Abend – 18.04.12 – Kurzbericht

22 Uhr - Handelsschluss

Mangels Zeit für schöne Formulierungen, heute nur ein kurzes Marktupdate und ein paar Meinungen zum Euro in Kurzform:

(1) Die Konsolidierung nach dem gestrigem Anstieg bewegt sich im DAX im normalen Rahmen. Das ist kurzfristig leicht positiv zu werten, mittelfristig spricht alles dafür, dass uns die Phase wilder Swings erhalten bleibt - und zwar in beide Richtungen.

(2) Ähnlich ist die Lage im S&P 500. Wir konnten das gestrige Niveau zwar nicht ganz halten, haben aber nur wenig abgegeben. Das war heute zwar keine Bestätigung des gestrigen Tages, aber auch keine völlige Negierung. Geduld ist gefragt, an dieser wichtigen Wegscheide.

(3) Nur die Schwäche der letzten Minuten in den US Indizes war unschön, mit der wir auch die Trading-Range wieder verloren haben. Von einem schwachen Auftakt im DAX ist also Morgen auszugehen, dann könnte es im Laufe des morgigen Tages wieder drehen, falls die erneute spanische Anleihen-Auktion gut läuft.

(4) Chesapeake Energy (WKN 885725) stürzt heute zeitweise um 10% ab, bevor sich die Verluste etwas verringern, nachdem durch Reuters dubiose Finanzierungen des CEOs und Gründers Aubrey McClendon in Milliardenhöhe bekannt werden. Nach meiner Einschätzung reagiert der Markt so negativ, weil die Lage völlig undurchsichtig ist, Auswirkungen auf die Finanzierung von Chesapeake selber und einen anstehenden Börsengang einer Tochter befürchtet werden und keiner in eine Art "Enron II" Szenario geraten will. "Sell first, think later" lautet das Motto. Lesen Sie -> hier <-. Ich kann Ihnen auch nicht sagen, was da richtig ist und ob man Chesapeake nun kaufen sollte oder nicht. Rein technisch ist die Aktie brutal überverkauft und schon lange für einen Bounce fällig. Aber ich nutze diese Schwäche trotzdem definitiv nicht zum Kauf, weil auch ich finde, dass das Thema richtig "stinkt". Auf jeden Fall zeigt es mir persönlich, dass Aubrey McClendon vor allem an die eigene Brieftasche und weniger an die Aktionäre denkt.

(5) Freeport McMoran (WKN 896476) (Kupfer) zieht in der sonstigen leichten Schwäche an, ein gutes Zeichen für Kupfer, die Konjunktur und den Rohstoffsektor. Und eine Aktie bei der ich optimistisch bin, obwohl erst Morgen die Quartalszahlen kommen. Selbst eine Übernahme von Freeport durch einen der ganz Grossen wie BHP Billiton ist denkbar. Lesen Sie zum Beispiel mal -> hier <- und -> hier <-

(6) Die Spanien-Krise schwelt weiter und ich sehe nicht, wie das Thema schnell verschwinden soll. Wir erleben in meinen Augen wieder alle Inkredenzien einer schwelenden Krise, wie wir es zuletzt im Herbst letzten Jahres hatten. Gelddrucken ist eben keine Lösung, Sparen alleine auch nicht. Politisch verordnete Wachstumspakete ala Hollande aber auch nicht. Wettbewerbsfähigkeit muss sich hart und mühsam erarbeitet werden, wie jeder Mittelständler weiss und kann nicht politisch verordnet werden. Aufgabe der Politik ist es, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen und nicht sich selber via Fördermittel als Investor zu betätigen.

(7) Trotzdem wird auch diese Eskalation immer wieder von Erleichterungsphasen durchbrochen werden und ich kann mir durchaus vorstellen, dass so eine Phase im Falle Spanien nun ab Morgen mal wieder ansteht, denn am Donnerstag steht eine erneute Auktion spanischer längerlaufender Anleihen bevor. Insofern macht es für mich kurzfristig wohl wenig Sinn, nun als Letzter auch noch in die Untergangsgedanken zum Euro einzustimmen. Am Wochenende ist darüber hinaus IWF Sitzung und da dürfte es auch wieder wohl klingende Aussagen geben, die ein dürstender Markt wohl gerne aufgreifen wird.

(8) Mittelfristig wäre ich aber überrascht, wenn es die Euro-Währungsunion in der jetzigen Form in ein paar Jahren so noch gibt. Denn der fehlkonstruierte Euro beraubt die schwachen Volkswirtschaften des entscheidenden Stellhebels, um ihre mangelnde Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt auszugleichen - den Wechselkurs. Ich sehe keine konventionelle Lösung im Rahmen des jetzigen Euros, die das Problem grundlegend behebt. Alle Aktionen der EZB verzögern das Unvermeidliche in meinen Augen nur und schaffen kurze Phasen der Ruhe, bevor die fundamentalen Realitäten wieder zuschlagen. Eine gemeinsame Währung ohne gemeinsame Regierung, Gesetzgebung und Wirtschaftsraum kann einfach nicht dauerhaft funktionieren. Und für eine wirklich einheitliche Regierung und Union ist Europa (noch) nicht reif. Keine schönen Aussichten für unser unmittelbares Lebensumfeld !

Ich wünsche trotzdem einen schönen Abend. Die Kunst ist, trotz dieser Aussichten, im "Hier und Jetzt" das Leben zu geniessen - eine Fähigkeit, an der auch ich immer mal wieder scheitere !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 17.04.12 – Turnaround Tuesday

22 Uhr - Handelsschluss

Wie schon gestern antizipiert, machte der heutige Dienstag seinem Ruf als "Turnaround Tuesday" alle Ehren.

Nach der erfolgreichen spanischen Anleihen-Auktion, zogen die europäischen Finanzwerte auf breiter Front an und der breite Markt folgte - das hatte heute alles den Charakter einer echten Erleichterungsrally. Der gute Wert beim ZEW-Indikator und gute Daten zum Häusermarkt in den USA, haben heute sicher auch etwas geholfen. Da sich aber am grundlegenden Umfeld in der Euro-Zone nichts geändert hat, besteht aber durchaus die Gefahr, dass die positive Stimmung Morgen im Laufe des Tages schon wieder abflaut und die Geister rund um Spanien wieder zurück kehren.

Anders sieht es dagegen in den US Indizes aus. Mit einem Schlussstand von über 1390 ist der S&P500 überzeugend wieder in die bisherige kurzfristige Range und fast sogar wieder in den steigenden Trendkanal zurück gekehrt und hat die Korrektur damit möglicherweise abgeschlossen. An der grundlegenden Lage, dass die US Indizes den europäischen Indizes derzeit vorzuziehen sind, dürfte sich nach meiner Erwartung also zunächst nichts ändern. Sollte sich die Rückkehr in den steigenden Trendkanal im S&P500 morgen durch weitergehende Stärke bestätigen - denken Sie immer an die notwendige Bestätigung einer Bewegung am Folgetag ! - besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Kurse in Folge erneut an die obere Begrenzung des Trendkanals laufen, die je nach Zeitpunkt irgendwo bei 1450 liegen sollte. Aber ein Schritt nach dem anderen, erst muss die Bewegung zurück in den Trendkanal morgen durch erneute Stärke bestätigt werden.

Im DAX gehe ich bis Juni weiter von einer volatilen Seitwärtsbewegung aus, die sich nach meiner unveränderten Erwartung im weiten Bereich zwischen 6400 und 7100 abspielen könnte. Sollte der S&P500 tatsächlich bis zur oberen Begrenzung des Trendkanals laufen, dürfte der DAX selbst bei fortgesetzter relativer Schwäche wieder an der 7000er Marke schnuppern.

Aktie des Tages war für mich ganz klar Daimler (WKN 710000). Die geballten Call-Optionen der führenden Investmentbanken waren mir einen eigenen Artikel wert, den Sie -> hier <- nachlesen können, falls Sie den Artikel bisher übersehen haben. Das diese Spekulation bei Daimler nun schon läuft, legt auch die Tatsache nahe, dass Daimler heute mit fast 4% Plus weit stärker stieg, als BMW oder VW.

Und ich habe möglicherweise auch ein Indiz für den unbekannten Daimler Investor gefunden. Schauen Sie in -> diesen <- Bericht des Manager Magazins von Ende letzten Jahres, der im Vorweihnachtstrubel etwas untergegangen ist und dann zählen Sie 2 + 2 zusammen. Es könnte sich also möglicherweise um den Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) handeln, für den die Investmentbanken hier ihre Call-Optionen vorrätig halten.

Ein derart seitens Daimler gewolltes Investment würde auch dazu passen, dass es von Seiten des Daimler Managements bisher keinerlei Reaktion gab, obwohl ihnen diese massiven Call-Optionen mit Sicherheit aufgefallen sind. Nur bei einer freundlichen, bekannten und gewollten Aktion dürfte man wohl auf Seiten des Managements so ruhig bleiben. Im übrigen, falls es sich um den chinesischen Staatsfond handeln sollte, hat sich dieser dann mit Sicherheit auch das Wohlwollen der Bundesregierung eingeholt. Ich betone ausdrücklich, das ist oben alles nur Spekulation aufgrund öffentlich verfügbarer Informationen, verbunden mit logischem Denken, aber es ist eine Spekulation, die sich sehr vernünftig anhört.

Für den Daimler Kurs wäre ein solcher Einstieg eines grossen Staatsfonds natürlich nicht der "Kracher" einer feindlichen Übernahme, aber positiv und kurssteigernd dürfte es nach meiner Erwartung trotzdem sein, denn falls die CIC-Theorie stimmt, sollte alleine die Schlussfolgerung, das Daimler damit sein immer wichtiger werdendes China-Geschäft absichert, für steigende Kurse gut sein. Warten wir einfach ab, in Anbetracht der Laufzeit der meisten Optionen könnte man vielleicht mit einer Meldung im Laufe des zweiten Quartals rechnen.

Auch zum Drama um den spanischen Ölkonzern Repsol (WKN 876845) möchte ich noch ein paar Zeilen verlieren. Was da gerade los ist, können Sie zum Beispiel -> hier <- bei der FTD noch einmal nachlesen. Die Lehre daraus ist, welche Bedeutung politische Sicherheit für Aktionäre hat. Und einige Teile Südamerikas machen in den letzten Jahren primär durch Verstaatlichungen von sich reden, dass das nicht nur auf Hugo Chavez sozialistisches "Paradies" Venezuela beschränkt ist, kann man ja nun an den Handlungen der populistisch agierenden, argentinischen Staatspräsidentin bewundern.

Der Vorgang ist in seiner Art natürlich ein Skandal und wird massiv auf Argentinien zurück fallen. Wenn sich zwischen Privatpersonen jemand derart das Recht des Stärkeren heraus nimmt, würde man das "Raub" nennen und strafrechtlich verfolgen. Welcher internationale Konzern wird denn jetzt noch im grösseren Umfang in Argentinien investieren ? Dabei wäre eine Verstaatlichung im nationalen Interesse ja noch diskutabel und nicht perse ein Skandal, wenn sie geordnet, mit nachvollziehbaren Begründungen ausgestattet und begleitet von fairen Ausgleichszahlungen ablaufen würde. Aber diese handstreichartige Übernahme mit in meinen Augen vorgeschobenen, lächerlichen Begründungen - und das nachdem der argentinische Staat YPF ja erst Ende der 90er Jahre privatisiert hatte - spottet in meinen Augen jeder Beschreibung.

Insofern halte ich es für sehr wichtig - gerade auch bei Minenunternehmen, von denen viele in Südamerika unterwegs sind - immer genau hinzuschauen in welchem Land die Aktivitäten statt finden. So liegt zum Beispiel bei der in einigen Kreisen beliebten Silber Aktie: Silver Standard Resources (WKN 858840) die einzige grössere in Produktion befindliche "Pirquitas Mine" mitten in Argentinien. Alle anderen Lokationen des Unternehmens sind im Projektstadium oder tragen noch nicht signifikant zum Output bei. Was würde mit der Aktie von SSRI passieren, wenn Frau Kirchner zum Thema Silber theoretisch die nächste populistische Anwandlung haben sollte ? Die Aktie von SSRI dürfte dann ins Bodenlose fallen, ein Risiko, bei dem ich nicht sicher bin, ob sich jeder Aktionär dessen bewusst ist.

Was den Kurs von Repsol angeht, sieht es für mich so aus, als ob der Markt gerade eine nahezu entschädigungslose Enteignung einpreist. Nachdem diese Bewegung ausgelaufen ist, könnte Repsol vielleicht wieder kaufenswert werden, denn noch ist nicht aller Tage Abend und auch wenn die prinzipielle Verstaatlichung sicher nicht mehr zurück genommen wird - dem steht die Gesichtswahrung eines gerade erst bestätigten Staatsoberhauptes entgegen - wird um die Entschädigung noch ein Ringen einsetzen. Und wenn die EU und Spanien wollten, könnten Sie Frau Kirchner wohl die Hölle heiss machen und Argentinien als Reaktion weitgehend vom Welthandel abschneiden - denn immerhin ist Spanien der grösste Investor in Argentinien - ein Pfund mit dem sich beim Entschädigungs-Geschacher trefflich wuchern liesse.

Übrigens, falls Ihnen nicht klar ist, welchen Geistes Kind die Verantwortlichen in der argentinischen Regierung sind, empfehle ich noch einmal einen Blick auf -> diese -< Meldungen aus letztem November. Man könnte meinen, die argentinische Regierung wolle den Tauschhandel der Steinzeit wieder einführen. Der Irrglaube, ein Land mit solchen dirigistischen Knebelvorgaben wieder auf einen Weg der wirtschaftlichen Prosperität zu führen, wird Argentinien nach meiner Überzeugung endgültig ins Aus führen. Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit lässt sich nicht durch dirigistischen Staats-Aktionismus beheben. Spassig formuliert, wissen die BMW Mitarbeiter ja nun scheinbar, woher der Reis aus der Betriebs-Kantine kommt - falls BMW ihn nicht lieber auf See verklappen sollte, um die unsinnigen Transportkosten zu sparen. 😉 Ernsthaft, konkrete Aussagen von BMW zum neuen "Geschäftsfeld" als Reis-Importeur sind nicht bekannt ...

Richtig Leben kommt nun auch in den Rohstoffsektor. Möglicherweise hat die China Analyse doch recht, die Reuters -> hier <- in einem Artikel ausgeführt hatte, den ich Ihnen ja schon am Wochenende per Kommentar nahegebracht hatte. Egal wohin man heute schaute, waren die Rohstoffwerte nahezu alle deutlich im Plus. So lieferte die hier vor kurzem beispielhaft besprochene Anglo American (WKN A0MUKL) heute zum Beispiel ein Plus von über 4% ab, eine positive Bewegung, wie wir sie in dem Titel schon seit Wochen nicht mehr gesehen haben.

Ich bin im gesamten Rohstoff-Aktien-Sektor nun gut investiert, bin aber auch bereit jederzeit wieder heraus zu springen, wenn wir doch nach unten drehen. Denn denken Sie daran, wie -> hier <- ja ausführlich dargestellt, sind wir bei vielen Rohstoffaktien in einer entscheidenden Phase, in der wie eine bärische Schulter-Kopf-Schulter Formation entweder bestätigen oder negieren. Sollte die Formation aber negiert werden und der Markt hier drehen, weil China doch eine weiche Landung vollzieht, hat der ganze, weitgehend überverkaufte Sektor nach meiner Ansicht nun deutliches Potential nach oben !

Besonders erwähnenswert finde ich in diesem Zusammenhang den Marktführer für Uran Cameco (WKN 882017), der exakt wie -> hier in meinem Artikel vom 30.03.12 <- antizipiert, die Schulter-Kopf-Schulter Formation abgearbeitet hat, kurz unter 20 USD schaute um eine paar Stops zu ziehen und dann heute mit fast 4% Plus nach oben zog. Ich bin neben anderen Werten auch Long bei Cameco.


Source: Finviz.com

So weit für heute, ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Daimler im Visier der Investmentbanken

15 Uhr

Als Spekulation sehr spannend, finde ich nach wie vor die hier schon mehrfach besprochene Daimler (WKN 710000). Die Aktie ist in meinen Augen fundamental sauber bewertet und im Vergleich leicht günstiger zu haben als BMW oder Volkswagen. Das alleine wäre aber kein Grund, Daimler gegenüber den anderen Autobauern vorzuziehen, den der leichte Abschlag war ja in der Vergangenheit auch gerechtfertigt, die operative Performance von BMW oder Volkswagen war einfach besser.

Der Grund warum ich mit so viel Spannung gerade auf Daimler schaue ist, dass sich grosse namhaften Investmentbanken mit Call-Optionen auf Daimler eingedeckt haben !

So hält die Deutsche Bank laut Stimmrechtsmitteilung derzeit Call-Optionen auf Daimler, die wohl einem Stimmrechtsanteil von ca. 18% entsprechen. Goldman Sachs von geschätzt ca. 10-15%, der Anteil ist bei Goldman nicht ganz klar, da einige der in der Stimmrechtsmitteilung vom 19.03. gemeldeten Call-Optionen bzw CFDs mittlerweile schon ausgelaufen sind. Und nun, nach der allerneuesten Information, hält auch Morgan Stanley Call-Optionen im Wert von ca. 10% !

Die Daten habe ich von der offiziellen Daimler Investor Relations Seite und können Sie selber -> hier <- bei "Stimmrechtsmitteilungen" nachlesen und werten.

Ich finde diesen Gleichklang der grossen Investmentbanken äusserst bemerkenswert ! Ebenso bemerkenswert ist, dass das bisher kaum öffentliches Thema wurde, scheinbar hat kaum jemand diese Einzelinformationen zusammen gesetzt.

Natürlich weiss ich auch nicht was dahinter steckt, aber logisch wäre, wenn da jemand - zum Beispiel einer der arabischen Aktionäre wie Abu Dhabi - einen grösseren Anteil an Daimler übernehmen will und die namhaften Investmentbanken beauftragt hat, das abzuwickeln. Der ganz grosse Knaller wäre natürlich, wenn sich einer der weltweiten Autokonzerne in die deutschen Premiumanbieter einkaufen will. Denn Daimler ist im Gegensatz zu BMW oder Volkswagen nicht durch einen Ankeraktionär geschützt und der Wert von Daimler für einen aufkaufenden Autokonzern ist sicher höher, als die derzeitige Marktkapitalisierung von ca. 44 Milliarden €. Eine andere Erklärung fällt mir persönlich nicht ein, ich kann mir nicht vorstellen, dass die grossen Namen der Investmentbanken alle in die gleiche Richtung auf eigene Rechnung spekulieren, zumal der Eigenhandel bei den US Banken ja nun stark eingeschränkt ist.

Aber Vorsicht, nicht immer realisieren sich solche Spekulationen und mehr als eine Spekulation sind die obigen Gedanken nicht. Insofern sind die Call-Optionen keine Garantie für gar nichts ! Aber da Daimler auch ohne diese Spekulation in meinen Augen bei ca. 41€ fair bewertet ist, finde ich das eine interessante Wette mit nettem "Sahnehäubchen" in Form von Übernahmephantasie und bin Long bei Daimler.

Marktupdate – 16.04.12 – 21 Uhr

Durch Krankheit in der Familie komme ich heute nicht dazu, ausführliche "Märkte am Abend" zu erstellen.

Deshalb - Stand 21 Uhr - kurz ein paar Stichworte und Hinweise ohne Zusammenhang.

1. Marktverhalten bisher immer noch nicht überzeugend, den heutigen Tag sollten man nicht überbewerten, weder positiv noch negativ.

2. Müssten im S&P500 über 1388, besser 1390 um die Korrektur technisch zu beenden.

3. Achtung, Apple heute erneut Minus 3% - ein Zeichen an der Wand !

4. Europäische Banken stürzen weiter ab, Eurokrise eskaliert langsam und "unter der Decke". Achten Sie unbedingt auf die Bankaktien (ETF WKN 628930) als Indikator !

5. Denke irgendwann diese Woche kommt die EZB mit einer Aktion oder Aussagen in den Markt, weil diese langsame Eskalation so nicht weiter geht - dann wird der Markt heftig schwanken !

6. Morgen ist "Turn-Around-Tuesday". Könnte sein, dass es sich Morgen entscheidet - entweder drehen wir nach oben oder es geht Richtung DAX 6400 und S&P500 1350. Habe aktuell keine Meinung zur Richtung. Markt ist indifferent.

7. Morgen nach Börsenschluss wichtige Quartalszahlen (IBM, Intel) die das Potential haben den Markt massiv zu bewegen.

8. Gold und Silber weiter neutral in Wartestellung. Auch hier scheint sich eine Entscheidung nach oben oder unten zu nähern.

9. Repsol stürzt ab, weil die Teil-Verstaatlichung der Tocher YPF ins Argentinische Parlament geht. Markt könnte nun nach unten übertreiben, denn selbst in Argentinien geht das nach Verfassung nicht ohne Entschädigung. Allerdings ist der populistischen Kirchner vieles zuzutrauen, was die Reaktion des Marktes begründet.

10. PS: ein Tip noch, schauen Sie mal auf AGCO (WKN 888282) - Traktoren, ua Marke "Fendt", geführt von einem Deutschen (Richenhagen). Kämpft um 200 Tage Linie.

Hari´s Märkte am Abend – 13.04.12 – Wochenabschluss – Woche der Volatilität

22 Uhr - Handelsschluss

Im Lichte der gestrigen Gewinne bin ich ja skeptisch geblieben und noch nicht in Begeisterung ausgebrochen. Heute konnten Sie sehen warum. Es ist immer die Bestätigung am Folgetag, die erratische Bewegungen an der Börse von ernst zu nehmenden Entwicklungen unterscheidet. Und diese Bestätigung ist heute nicht gekommen.

Und heute sahen wir erneut hinlänglich bekannte Muster. Während der DAX am Vormittag seine "Kinderspielchen" machte, ging es dann pünktlich um 15.30 Uhr mit Eröffnung der Wallstreet zur Sache und die "Erwachsenen" begannen das wahre Spiel. Zu Beginn der Session wurde gleich alles wieder massiv abverkauft, was den DAX unter 6600 drückte und bei 6553 im DAX Future den Tiefpunkt markierte. Der S&P500 konnte sich dann lange im Bereich des 50er Moving Average bei 1374 stabilisieren. In den letzten Handelsminuten setzten aber auch dort wieder Abgaben ein, was dafür spricht, dass Big Money nicht von steigenden Kursen in der kommenden Woche überzeugt ist.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang erneut, wie viel relativ schwächer der DAX war. Auf dem Tiefpunkt hatte der DAX im Future 2,8% verloren, während der S&P500 gerade mal 0,9% im Minus war. Mehr als 2% hat der DAX also alleine heute gegenüber der Wallstreet abgegeben. Das ist nicht nur bemerkenswert, sondern erneute Bestätigung für meine hier mehrfach getätigte Aussage, dass man in der jetztigen Phase in den US Indizes besser aufgehoben ist, als in europäischen Aktien. Aber auch gegenüber MDAX und SDAX war der DAX überdurchschnittlich schwach, das liegt sicher an der weit höheren Gewichtung von Banken und Versicherungen im DAX und ist auch ein Spiegelbild der Sorgen um die Eurozone.

Falls sich jemand für solche Techniken interessiert, könnte man bei der relativen Schwäche des DAX über einen "Straddle" nachdenken. Sprich Long im S&P 500 und Short im DAX mit jeweils identischem Volumen. Bleibt uns die Unterperformance des DAX wie im letzten Herbst nun für Wochen erhalten, hätte man so Chancen auf nette Erträge, ohne sich all zu grossen Risiken auszusetzen.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch eine Warnung an die aktiveren Anleger unter meinen Lesern los werden. Wie Sie wissen, habe ich Ende März eine "volatile Seitwärtsbewegung mit Tendenz nach unten" für das 2. Quartal beschrieben. Und was diese Volatilität bedeutet, konnten Sie heute wieder beobachten. Geben Sie sich also keiner Illusion hin, die Zeit der ruhigen Aufwärtsbewegung des ersten Quartals ist erst einmal vorbei. Ich bin ziemlich sicher, die Volatilität bleibt uns nun für Wochen erhalten.

Das bedeutet aber auch, dass es kaum mehr Trends gibt, die länger als einen Tag halten. Was gestern richtig war, wird morgen schon wieder falsch sein - der Markt schwingt wild hin und her. Wenn man nicht ganz aus dem Markt gehen will, was sicher aktuell nicht die schlechteste aller Alternativen ist, gibt es zwei Arten, wie man erfolgreich mit dieser Volatilität umgehen kann:

1) Wenn man so viel Zeit mit der Börse verbringt wie ich und während der Handelszeit präsent ist, kann man diese Volatilität spielen, denn darin liegt nicht nur Risiko, sondern auch grosse Chance für kurzfristige Trades.

2) Man kann das Ganze aber auch mit einer ruhigen Hand angehen, sich überlegen wie man die Grosswetterlage sieht und sich dann ruhig die richtigen Titel ins Depot legen. Dafür Stops definieren, diese aber je nach Titel deutlich von den Einstandskursen entfernt legen, um nicht durch die Volatilität dumm ausgestoppt zu werden. Oder mit Stops "Auf Papier" operieren, wenn man dafür diszipliniert genug ist. Und dann könnte man die wilden Swings einfach ignorieren.

Beide Methoden können in solchen volatilen Phasen funktionieren. Was aber nach meiner Erfahrung in solchen Phasen nicht funktioniert, ist der Versuch kurzfristiges Markttiming zu betreiben, während man noch seinem normalen Job nachgeht und nur sporadisch auf die Börse schaut. Dann ist man garantiert immer zu spät dran und kann nur verlieren. So etwas kann in Phasen mit klaren Trends wie im 1. Quartal durchaus funktionieren, nicht aber in einer Phase, wie wir sie augenscheinlich im Moment durchlaufen.

Insofern mein gut gemeinter Hinweis: prüfen Sie, ob Ihre zeitliche Verfügbarkeit zu dem aktuellen Markt passt und bedenken Sie, dass tägliche Swings nun wohl der Normalfall sein werden. Sollten wir im 2. Halbjahr wieder einen klaren Trend bekommen, sieht die Welt wieder anders aus, aber wir müssen den Markt so nehmen, wie er aktuell ist. Wir haben ja sowieso keine Wahl.

Zum Wochenende möchte ich hier nun tabellarisch die wichtigsten Botschaften auflisten, mit denen mich Mr. Market heute nach meiner höchst subjektiven Interpretation des Geschehens ins Wochenende schickt:

(1) Die Volatilität ist im Markt und wird nicht so schnell weggehen, man stellt sich entweder darauf ein oder geht aus dem Markt.

(2) Die europäischen Aktienmärkte werden weiter von der Eurokrise belastet und es ist unwahrscheinlich, dass sich das ändert, bevor nicht in Frankreich ein neuer Präsident gewählt wurde.

(3) In den Edelmetallen und Minen haben wir heute nur einen Teil der gestrigen Gewinne wieder abgegeben. Auf den ersten Blick scheint der Tag heute weit negativer, ein guter Teil der Schwäche war aber nur das Spiegelbild der Stärke des USD. Das Bild einer Stabilisierung bleibt also auf der Agenda, wirklich bestätigt ist es aber auch noch nicht.

(4) Ähnliches in den Rohstofftiteln. Wir haben zwar wieder kräftig abgegeben, aber es war am Ende trotzdem nur ein Teil der gestrigen Gewinne. Das ist kein schlechtes Zeichen, ein Beweis einer Wende aber auch noch nicht.

(5) Die chinesischen Wirtschaftsdaten waren eigentlich nicht schlecht und viel spricht dafür, dass wir dort wirklich eine "weiche Landung" erleben - wovon der Markt auch ausgeht, siehe (4). Sollte sich das bewahrheiten, dürfte der Unsicherheits-Abschlag aus den Rohstoffaktien weichen und diese wieder deutlich steigen. Bestätigt sich die "weiche Landung" Chinas dagegen nicht, haben die Rohstoffaktien noch gewaltige Fallhöhe, ebenso wie unsere Autobauer und der gesamte DAX und MDAX !

(6) Apple hat heute fast 3% abgegeben, etwas was wir schon lange nicht mehr gesehen haben. Bedenkt man, dass Apple auch am starken gestrigen Tag schwach war, könnte sich hier eine Korrektur andeuten. Den Indizes und insbesondere dem NASDAQ, dürfte eine solche Entwicklung in Anbetracht der hohen Gewichtung von Apple nicht gut tun.

(7) Die deutschen Autowerte produzieren eine gute Nachricht nach der anderen, und können trotzdem nicht mehr steigen. Auch wenn man das in Anbetracht der guten Aussichten nicht glauben mag, derartiges Verhalten des Marktes signalisiert oft eine Topbildung. Allerdings glaube ich in diesem Fall eher, dass die gleichen Gründe die die Rohstoffaktien am Boden halten - die Sorge um China - auch für die Schwäche der Autoaktien verantwortlich zeichnet. Insofern ist zwar Vorsicht angesagt, von einer originären Topbildung gehe ich aber im Falle der Autobauer nicht aus.

(8) Rein technisch gesehen, ist mit dem Bruch der 6600 im DAX nun der Weg herab in die Unterstützungszone oberhalb 6400 frei. Ich wäre nun eher überrascht, wenn wir im 2. Quartal nicht mehr in diesen Bereich abtauchen. Sollte dort die Abwärtsbewegung aber auch nicht zum Stillstand kommen, würde ich deutlich skeptischer als aktuell, was die weitere Marktentwicklung in diesem Jahr angeht.

Wie Sie sehen, stellen die obigen Punkte ein sehr gemischtes Bild dar. Und genau so ist auch der Markt, je nachdem welche Nachricht gerade die Schlagzeilen beherrscht, schwankt er wild und panisch von links nach rechts. Stellen Sie sich darauf ein !

In diesem Sinne verabschiede ich mich ins Wochenende. Ich wünsche Ihnen ein paar schöne Tage !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 12.04.12 – QE 3 oder der Kasper aus der Kiste

22 Uhr - Handelsschluss

Na endlich mal wieder ein erfreulicher Tag an den Börsen. Das war ja aber nun auch überfällig, die überkaufte Markttechnik hatte schon darauf hingedeutet.

Ob das aber mehr als eine kleine Gegenbewegung in einer fortdauernden Korrektur ist, ist lange nicht so klar wie es scheinbar aussieht. Den die 6743 im DAX sind nach so einem Absturz lange nicht überzeugend genug, um von einer V-förmigen Erholung auszugehen. Und auch die Banken, die ja ein Frühindikator der Abwärtsbewegung waren, konnten heute nicht so richtig überzeugen. Der S&P 500 konnte aber die alte Seitwärtsrange oberhalb 1387 wieder erreichen und hat gegenüber dem DAX nach wie vor die weit überzeugendere Markttechnik, was gegen einen generellen Absturz spricht.

Nur der gesamte Rohstoffsektor und bestimmte Industrieaktien konnten heute so richtig überzeugend haussieren, was nach dem brutalen Abverkauf seit Wochen aber nun auch mal fällig war. Der Grund dafür war aber zweifelhaft, nicht gute Konjunkturaussichten gaben den Ausschlag, sondern die schlechten Zahlen zu den Anträgen auf Arbeitslosenuntersützung verbunden mit weiterhin fehlender Inflation und FED-Aussagen, schalteten heute die Hoffnung auf QE3 an der Wallstreet wieder scharf. Diese kommt ja alle paar Woche wie der Kasper aus der Kiste, ein Drogensüchtiger wie Mr. Market kann halt nicht dauerhaft an etwas anderes denken. Auf die Perversität der Denkstrukturen Mr. Markets nach dem Motto "Schlechte Arbeitslosenzahlen = QE3 Gelddrucken = Gut für die Börse" hatte ich ja schon am Freitag hingewiesen.

Auch die Hoffnung auf brauchbare chinesische Wirtschaftdaten (unter anderem das BIP) heute nacht um 4 Uhr MEZ, sollten die Rally im Rohstoffsektor befeuert haben. Sollten die Zahlen negativ überraschen, dürften wir Morgen den ganzen Anstieg in obigen Sektoren wieder abgeben. Aber bisher hatte Mr. Market vor solchen Zahlen immer einen ganz guten Riecher, weswegen ich auch nicht zu pessimistisch bin.

In Summe sieht es für mich so aus, als ob die Ängste um die Eurozone unverändert auf dem Tisch bleiben, was den DAX weiter in einer Seitwärtsrange begrenzen würde, während die Hoffnung auf QE3 und gute chinesische Wirtschaftsdaten die Erholung des Rohstoff- und Industriesektors ermöglichte. Konsequent waren daher auch im DAX vor allem die Autobauer und Stahltitel sehr stark, während die Banken nur wenig vom Fleck kamen.

Morgen früh haben wir im DAX die Chance die 6800 wieder zurück zu erobern, wenn die chinesischen Daten brauchbar ausfallen. Wenn der Bulle im DAX noch Kraft hat, sollte der DAX am morgigen Freitag mal so richtig um 2% oder mehr nach oben schieben. Sollte das Morgen trotz guter Zahlen aus China auch nicht gelingen und wie heute wieder nur ein durchwachsener Anstieg drin sein, werde ich wohl in die Stärke hinein erneut abbauen.

So bleibe ich in Anbetracht der labilen Lage weiter tendentiell vorsichtig. Sollte sich die Entwicklung bei den Rohstoffaktien verfestigen - dazu unten mehr - werde ich mein Exposure in dem Sektor erhöhen. In Anbetracht der rein spekulativen Ursache ist das aber noch unklar - Morgen früh wissen wir mehr. Ansonsten bleibe ich vorerst in Wartestellung und habe in der Schwäche bisher nur verhalten und sehr selektiv zugekauft.

Was Nokia (WKN 870737) angeht, scheint Mr. Market ja meinen gestrigen Artikel gelesen zu haben und beginnt sich nun auch die Frage zu stellen, ob Nokia überhaupt noch überlebensfähig ist. Ein Minus von über 7% nach dem gestrigen Tag ist bemerkenswert und spricht eine deutliche Sprache. Und an einem durchweg positiven Tag wie heute ganz besonders. Denn bei einer Aktie der Mr. Market eine gute Zukunft zubilligt, wären nach dem gestrigen Tag heute wieder Käufer gekommen, um das vermeintliche "Schnäppchen" aufzusammeln. Mr. Market hält aber Nokia nicht für ein Schnäppchen, sondern scheinbar für ein Auslaufmodell, und verlässt fluchtartig das sinkende Schiff. Nur die 3€ Marke konnte den weiteren Absturz vorerst aufhalten, ich wäre nicht überrascht, wenn auch die demnächst fällt.

Richtig auffällig sind nun die US Kohlewerte. Nachdem die Werte schon in den letzten Tagen relative Stärke zeigten und im abstürzenden Markt vergleichsweise wenig abgaben, kam heute nun ein kräftiger Schub nach oben. Peabody Energy (WKN 675266) und Arch Coal (WKN 908011) beide mit fast 8% im Plus - das ist doch eine Erwähnung wert und haben wir lange nicht mehr gesehen. Dafür gab es keinen konkreten Auslöser, der QE3 Trade sollte hier aber wenig Auswirkungen haben, hier sind in meinen Augen andere Kräfte am Werk.

Denn bei den Kohletiteln sahen wir in den letzten Wochen nun schon mehrfach starke Bewegungen nach oben. Zwar wurden diese bisher immer wieder abverkauft und neue Tiefststände erreicht und es ist durchaus möglich, das sich das erneut wiederholt. Trotzdem ist das nun eine auffällige Änderung des Marktverhaltens gegenüber der gnadenlosen Wasserfolter seit letzten Herbst. Das Ganze ist nicht untypisch für eine volatile Bodenbildung, ungefähr wie ein Pferd das zwar noch angezäumt ist, sich aber schon unruhig in seinem Stall hin und her bewegt.

Ich habe heute früh - Fanfare 😉 - bei Peabody Energy wieder einen kleinen Zeh ins "Kohle-Wasser" gesteckt, um zu sehen wie sich das anfühlt - bisher war es ein gutes Gefühl. 😉 Meine kleine Basisposition bei Arch Coal halte ich ja sowieso, um den Kontakt zum Sektor nicht zu verlieren. Denn nun scheint sich frisches Geld in den ausgebombten Rohstoffsektoren zu positionieren, auch Kupfer wurde heute übrigens in Form von Freeport McMoran (WKN 896476) um 6% nach oben gekauft.

Zur Kernfrage aber, ob der Rohstoffsektor generell nun billig oder teuer ist - und damit auch zum Thema meines Artikels von heute Mittag "warum billige Zykliker teuer sind - und umgekehrt" - möchte ich Ihnen heute Abend beispielhaft den 10 Jahres Chart seit 2001 des breit aufgestellten Rohstoffriesen Anglo American (WKN A0MUKL) mitbringen. Fundamental sieht der Titel mit einem KGV von 7-8 derzeit billig aus, aber ist er es auch wirklich ? Der Langfristchart sieht dagegen furchtbar aus. Wir haben ein massives Doppeltop, eine klare Schulter-Kopf-Schulter Formation, sitzen gerade an der Nackenlinie und haben eine gewaltige Fallhöhe, wenn sich die SKS - Formation bestätigen sollte.

So furchtbar sehen übrigens viele Charts der Grundstoffaktien derzeit aus. Sind Rohstoffaktien nun also ein Kauf, oder ist das was wir heute erleben, nur ein kurze technische Gegenbewegung, bevor es weiter runter geht ?

Ehrlich, ich weiss es im Moment nicht, dieser Chart macht mich aber ebenso demütig wie vorsichtig. Ich sehe das aktuell als eine "Do-or-Die" Situation für den ganzen Sektor. Sollten wir von der Nackenlinie wieder nach oben drehen, dürfte es zumindest kurzfristig ein Kauf sein. Da sind dann schnell 10% nach oben drin, selbst wenn wir danach erneut drehen und letztlich in ein paar Wochen doch die Nackenlinie nach unten durchschlagen.

Vollenden wir aber die SKS-Formation, sollte man dann wohl schnell aus dem ganzen Sektor raus. Und der fundamentale Faktor hinter alle dem ist die politische und konjunkturelle Entwicklung in China. Wer kann da schon hinter die Fassade schauen ? Ich kann es definitiv nicht.

Ach ja und Gold (XAUUSD) machte heute erneut einen Schub in wenigen Minuten. Erinnern Sie sich an das Geschehen von Vorgestern ? Dann schauen Sie sich mal den Chart der letzten Tage an:

Das ist "Big Money", das da Positionierungen eingeht - Privatanleger erzeugen nicht solche Bewegungen. Jetzt spielt auch hier natürlich der QE3 Gedanke eine Rolle, diese Schübe kann das aber nicht völlig erklären. Ich bin nun überzeugt, dass hier etwas im Gange ist, das über den einzelnen Tag hinaus geht. Es ist noch zu früh das vollständig zu werten und bevor Gold nicht wieder über 1800 USD gestiegen ist, ist die Phase der Konsolidierung sowieso nicht abgeschlossen und bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber für mich spricht nun einiges dafür, dass wir den Beginn weiterer Stärke erleben. Auch die Goldminen zogen heute im Schnitt zwischen 3 und 5% kräftig an.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Warum billige Zykliker teuer sind – und umgekehrt

Gerne wird ja das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Anlegern benutzt, um einzuschätzen, ob eine Aktie "billig" oder "teuer" ist. Wie sehr dieses Kriterium aber bei Zyklikern in die Irre führt, will ich mit Ihnen heute besprechen.

Zyklische Aktien wie zum Beispiel Stahl, laufen ja in der Regel mit der Konjunktur in Wellen - auch Schweinezyklus genannt. Der Ablauf ist dabei immer der gleiche. Eine anziehende Konjunktur sorgt für erhöhte Nachfrage. Das treibt bei bestehendem Angebot die Preise und die Gewinne der Unternehmen. Was wiederum zur Kapazitätsausweitung und Investitionen der Zykliker führt - siehe die neuen Stahlwerke von ThyssenKrupp. Diese Kapazitätsausweitungen werden solange vom Markt aufgesogen, solange die Nachfrage weiter steigt, was wiederum zu erneuten Kapazitätsausweitungen führt.

Irgendwann steigt die Nachfrage nicht mehr, die Kapazität steigt aber weiter, weil diese Investionen ja Jahre brauchen bis sie den Markt erreichen. So trifft dann am Höhepunkt der Konjunktur eine seitwärts laufende oder leicht fallende Nachfrage auf immer weiter steigende Kapazitäten, was zwangsläufig den Preis ins Bodenlose drückt. Der sinkende Preis sorgt für die Abschaltung oder Aufgabe von Kapazitäten, solange bis die Nachfrage nicht mehr fällt und eine wieder steigende Nachfrage auf immer noch fallende Kapazitäten trifft. Und so setzt sich eine neue Runde des Schweinezyklus in Bewegung.

Der Grund für diesen Effekt liegt also in der zeitlichen Disparität zwischen der Entwicklung der Nachfrage und der Entwicklung der kapitalintensiven Produktionskapazitäten.

Schauen wie uns nun einmal an, wie sich die Aktien der Zykliker und das KGV entwickeln. Und hier haben wir auch eine massive Disparität zwischen den Gewinnschätzungen und dem Kursverlauf, die von unerfahrenen Anlegern immer wieder falsch interpretiert wird. Denn die Gewinnschätzungen laufen der Wirklichkeit um Monate nach. Die Kursentwicklung läuft aber der Konjunkturentwicklung vor, weil der Aktienmarkt ein ausgezeichneter konjunktureller Frühindikator ist.

Am Höhepunkt des Booms werden die Gewinne der Zykliker in die Folgejahre fortgeschrieben, was auf dem Papier zu sehr geringen KGVs führt. Auf dem Höhepunkt sehen die Aktien also "billig" aus. Und wenn dann der Frühindikator "Mr. Market" schon zu fallen beginnt, werden die Kurse optisch nur noch billiger, was viele veranlasst, dann 20% unter dem Zyklushoch die Aktien für "sehr billig" zu halten. Sie sehen aber nur so aus, weil die Gewinne des Aufschwungs einfach fortgeschrieben wurden. In Wirklichkeit hat der Absturz gerade erst begonnen.

Umgedreht ist es am Tiefpunkt. Der Tiefpunkt ist typischerweise dadurch gekennzeichnet, dass die Firmen kein Geld mehr verdienen, weil der Marktpreis ins Bodenlose gefallen ist. Genau dann werden die Entscheidungen getroffen Kapazität abzubauen und aus dem Markt zu nehmen. Und genau dann sehen die KGVs extrem hoch aus, da sind 50 oder 60 durchaus möglich - was kein Wunder ist, wenn die Firmen kaum mehr Geld verdienen. Genau dann stabilisiert sich aber der Marktpreis und die Gewinne beginnen wieder zu fliessen, was die KGVs dann ganz schnell wieder in normale Regionen bringt.

Abweichend von dem was unerfahrene Anleger erwarten würden, gilt also:

-> Der beste Zeitpunkt einen Zykliker zu verkaufen ist dann, wenn die Aktie optisch billig aussieht und die Kurse aber schon fallen und sich gerade ein neuer Abwärtstrend etabliert.

Genau in diesem Moment kauft Otto Normalanleger aber, weil die vermeintlich billigen Kurse den "Buy-the-Dip" Reflex auslösen.

-> Der beste Zeitpunkt einen Zykliker zu kaufen ist dann, wenn die Aktie optisch teuer aussieht und die Kurse aber wieder steigen und sich gerade ein neuer Aufwärtstrend etabliert.

Genau in diesem Moment traut sich Otto Normalanleger aber nicht zu kaufen. Vielmehr ist der Kursanstieg bei so "hoher" Bewertung für ihn das Signal, nun endlich seine Verluste zu realisieren und endgültig auszusteigen, nachdem er den gesamten Absturz bis dahin brav ausgesessen hatte.

Hari´s Märkte am Abend – 11.04.12 – Nokia bricht ein, ThyssenKrupp leidet

22 Uhr - Handelsschluss

Wie erwartet erholten sich die Märkte heute etwas von den gestrigen, schweren Einschlägen. Der S&P500 konnte zeitweise den 50er Moving Average bei 1371 zurück erobern und der DAX stieg bis über 6700, bevor er zum Handelsschluss etwas zurück fiel.

War es das schon mit der Korrektur ? Kann sein, aber ehrlich gesagt, ich bin noch nicht überzeugt. Die heutige Stärke war nach der überverkauften Markttechnik wenig überraschend und ist nach Art und Umfang noch nicht ausreichend, um zwingend ein Ende der Abwärtsbewegung auszurufen. Im S&P 500 ist auch eigentlich noch ein technisches Ziel bei 1351 abzuarbeiten, falls das noch passiert, würde es den DAX sicher unter 6600 drücken. Auf der anderen Seite kann man das heutige Marktverhalten auch als "Bullenflagge" interpretieren, die dann Morgen nach oben aufgelöst würde.

Im Ergebnis hatten wir heute weder genug Stärke um dieser besondere Bedeutung beizumessen, noch weitere Schwäche, die einen fortgesetzten Absturz indizieren würde. Wir hatten heute eine Beruhigung, das alleine ist schon latent positiv, mehr aber auch nicht.

Insofern bleibe ich verhalten, habe gestern selektiv hier und da ein bisschen zugekauft, halte aber den wesentlichen Teil meines Pulvers noch trocken und war heute eher inaktiv. Mehr gibt es heute auch nicht zum Markt zu sagen, abwarten und Tee trinken ist das Gebot der Stunde.

Ein ganz übles Kapitel des heutigen Tages schrieb Nokia (WKN 870737). Überraschend gab Nokia bekannt, dass im 1. Quartal die Margenziele für die Smartphones verfehlt werden. Man könnte das flapsig übersetzen als: "Nokia bekommt in dem Markt kein Bein mehr auf die Erde". Der Markt reagierte entsprechend und strafte Nokia mit einem Minus von bis zu 18% ab. AUA !

Als ob das nicht genügen würde, kam heute noch eine Katastrophen-Nachricht hinzu, die gut ins traurige Bild passt. Nokia hat scheinbar den US Marktstart seines Lumia 900 Smartphones vergeigt. Das letzten Sonntag in den USA eingeführte Gerät hat wohl einen Softwarefehler und kann laut Nokia die Datenverbindung verlieren. „Um den 16. April“ soll es eine Software geben, die den Fehler behebt, gleichzeitig zahlt Nokia 100 USD Entschädigung, womit das Gerät wohl zum Zuschussmodell wird.

Schlimmer gehts nimmer, kann man da nur sagen und so kann man sich einen Ruf auch nachhaltig ruinieren. Bei so einem entscheidenden Anlauf im wichtigsten Markt einen derartig grundlegenden Fehler zu produzieren, zeugt für mich von schweren Verwerfungen in der Organisation und ruiniert den Ruf der Marke. 15% Minus bei Handelsschluss sind da in Anbetracht der heutigen Nachrichten noch harmlos.

Das sieht in meinen Augen nun ganz finster aus bei Nokia und das einzig Positive, das mir nun zu dem Titel einfällt ist, dass nun wohl alle die Nokia verkaufen wollen, endgültig draussen sind. Insofern könnte nun kurzfristig eine technische Gegenbewegung möglich sein. Ich werde aber nicht versuchen diese zu spielen und bin froh, dass ich beim Unterschreiten der 4€ Linie durch meinen Stop schon vor Wochen aus dem Titel gekommen bin.

Denn diese Nachricht wirft in meinen Augen nun weit tiefergehende Fragen nach der prinzipiellen Profitabilität von Nokia auf. Und damit steht mittelfristig auch die Überlebensfähigkeit im Markt im Raum. Denn im Massengeschäft der Emerging Markets, in denen Nokia immer noch grosse Volumina mit einfachen Handys absetzt, ist der Preisdruck auf die Margen ja nun auch nicht gerade klein.

Nokia steht nun auf der einen Seite neben einer Marke "Apple", die eine Macht darstellt und auf absehbare Zeit den Markt dominieren sollte. Und auf der anderen Seite steht der aggressive Technologie-Riese Samsung, der alle wesentlichen Technologien im Haus hat und praktisch nichts zukaufen muss, was einen hohen Spielraum bei aggressiven Preiskämpfen gewährt. Wo da Nokia zur Spitze durchstossen will, ist derzeit schwer vorstellbar.

Circa ein Jahr ist es nun her, dass Stephen Elop den Schwenk hin zu Microsoft bekannt gab. Diesen Zeitablauf vor Augen, sind die bisherigen Ergebnisse in meinen Augen wenig überzeugend, denn wenn man so einen gewaltigen Schritt bekannt gibt, sollte man dann auch bald liefern können. Sicher, derzeit ist Nokia nicht mehr viel mehr wert, als alleine das Patentportfolio ausmachen dürfte. Insofern sichert das den Kurs nach unten ab. Aber ob das in Anbetracht der immer weiter schwindenden Kraft der Marke "Nokia" alleine ein Grund für eine Investition ist, wage ich nun zu bezweifeln.

Lange bin auch ich ja davon ausgegangen, dass Nokia wieder auferstehen kann. Und vor einem halben Jahr, vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft 2011, habe ich die Lage bei Nokia auch als weit hoffnungsvoller eingeschätzt. Da hatte Nokia auch eine Chance und ein Erfolg im Weihnachtsgeschäft hätte den Ruf wieder stabilisieren können. Da hätte man liefern müssen und als dem Markt klar wurde, dass Nokia das nicht ausreichend hinbekommt, begann auch die Reise abwärts vom Bereich um 5€, die nun mit fast 3€ einen traurigen Tiefpunkt erreicht.

Der heutige Tag, den ich als Offenbarungseid empfinde, erzeugt da bei mir nun ein tiefgehendes Fragezeichen und ich sehe nun wenig Grund, rein auf Verdacht und Hoffnung Kapital in Nokia zu binden. Eigentlich sind die Lumia ja schöne Geräte, aber eigentlich reicht halt nicht, sie müssen auch funktionieren und technologisch etwas zu bieten haben. Die Geschwindigkeit des Duos Microsoft/Nokia lässt also offensichtlich deutlich zu wünschen übrig, wie man so gegen Apple und Samsung bestehen will, bleibt für mich im Dunkeln. Und wie ich über den Erfolg der "Metro" Strategie bei Microsoft denke, habe ich ja -> hier <- deutlich gemacht.

Ich werde mir das "Spektakel" um Microsoft und Nokia auf jeden Fall weiter nur von der Seitenlinie anschauen. Sollten die beiden doch noch ihre Hausaufgaben zusammen bekommen und langsam wieder Marktanteile gewinnen, ist noch genug Zeit auf den Zug aufzuspringen. Das so eine Bewegung über Jahre geht, kann man ja gerade gut bei Apple beobachten.

Stark waren heute die Stahlwerte rund um Salzgitter (WKN 620200) und Klöckner (WKN KC0100), die heute nicht nur von den guten Alcoa-Zahlen profitierten, sondern ja auch technisch mehr als ausgebombt sind. Vor diesem Hintergrund ist der Anstieg heute aber auch nicht mehr als eine kleine Gegenbewegung, auch wenn die Stahlkonjunktur in Deutschland wieder anzuziehen scheint. Der Preisdruck aus China liegt aber wie Blei auf diesen Werten. Sollte sich der Häusermarkt in China weiter abschwächen, dürfte uns dieser Preisdruck auch noch länger erhalten bleiben.

Für Stahlkocher wie ThyssenKrupp (WKN 750000), die zusätzlich zur schwierigen Marktlage noch mit selbst verursachten operativen Problemen und Verlusten kämpfen, sind das keine guten Nachrichten. Da fühle ich mich in einer finanziell soliden Aktie wie Salzgitter wesentlich wohler. Und wer es etwas internationaler mag, kann zum Marktführer Arcelormittal (WKN A0M6U2) greifen. Arcelormittal hat übrigens seine Erzminen nicht verkauft und baut diese im Moment weiter aus. Damit ist Arcelormittal von den grossen Erzförderern rund um Vale oder Rio Tinto weitgehend unabhängig und hängt mit seiner Marge nicht derart eingequetscht zwischen "Baum und Borke" wie ThyssenKrupp.

In dem Zusammenhang erinnere ich an meinen kritischen Artikel -> Vom Donnerhall zum Anlagenbauer <- zu den Fehlgriffen der Verantwortlichen bei ThyssenKrupp. Der Verkauf der eigenen Erzminen von 2001 ist dabei für mich auch so eine strategische Fehlleistung der "grossen Restrukturierer", mit der ein derartiges Traditionsunternehmen überhaupt erst den wilden Preisschwankungen bei Erz ausgesetzt wurde.

Ich habe dazu mal -> hier <- die Pressemitteilung von 2001 heraus gekramt, mit der der Verkauf der brasilianischen Erzminen des Thyssenkrupp Konzerns an Vale bekannt gegeben wurde. Heute liest sich das für mich wie ein Auszug aus dem Kuriositätenkabinett, ich zitiere Ekkehard Schulz: "Diese Transaktion ist ein Schritt zur Wertschaffung für ThyssenKrupp Stahl und den gesamten ThyssenKrupp Konzern. Sie ist ein weiterer Baustein in unserer Strategie des wertorientierten Managements".

Bravo, kann ich da nur sarkastisch sagen, das prozyklische Timing ist aller Ehren wert - Verkauf der Erzminen auf dem Tiefpunkt, bevor dann eine langjährige Hausse bei den Roherzen einsetzte, die Rio Tinto, Vale und Co. in ungeahnte Höhen katapultierte und den Wert der verkauften Minen vervielfachte. Und der Neubau der beiden Stahlwerke in Amerika, die nun solche Probleme machen, wurde ja auch prozyklisch mitten im Höhepunkt der Stahlkonjunktur beschlossen. Wenn es einen Preis für das schlechteste Timing gäbe, die Herren Cromme und Schulz hätten in meinen Augen gute Chancen auf eine Nominierung. Es wäre ja eigentlich lustig, wenn nicht durch diese Fehlgriffe die Gefahr bestünde, dass Deutschland seinen einzigen Stahlkonzern von Weltruf mit 150 jähriger Geschichte verliert.

Und auch wenn Herr Cromme in der Pressemitteilung nicht erwähnt wird, er bildete laut -> ThyssenKrupp Homepage <- bis September 2001 mit Ekkehard Schulz eine Doppelspitze bei ThyssenKrupp, bevor er dann in den Vorsitz des Aufsichtsrates wechselte. Es ist schon erstaunlich, wie er es geschafft hat, dass von solchen Entscheidungen nichts an ihm persönlich hängen geblieben ist und er so zu einer der mächtigsten Personen der deutschen Wirtschaft aufsteigen konnte. Eines muss man Herrn Cromme lassen, ein Händchen für Machtpolitik hat er mit Sicherheit.

Zum Abschluss noch ein exzellenter, kurzer Artikel, der so gut und treffend ist, dass ich Ihnen die Lektüre wärmstens ans Herz legen möchte ! Es dauert nur 2 Minuten und hält uns als Anleger den Spiegel vor. -> There is a difference between knowing and doing <-

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 10.04.12 – Vom Tag der Abrechnung

22 Uhr - Handelsschluss

Mein "Red Alert" von Freitag war offensichtlich mehr als gerechtfertigt. Und erneut war völlig irrelevant, was am Vormittag im DAX passiert ist. Das Hin und Her des DAX am Vormittag ist an so bewegten Tagen dem Spielen kleiner Kinder vergleichbar, bevor dann am Nachmittag endlich die Erwachsenen in Form der Wallstreet kommen, die die ernsten Dinge des Lebens angehen.

Denn der DAX machte heute Vormittag oberhalb 6700 erste Stabilisierungs-Versuche und erste Käufer steckten ihren Kopf aus ihren Verstecken. Aber dann kam die Leitbörse Wallstreet und die riss den DAX dann bis fast 6600 herunter. Im S&P 500 haben wir nun eine Reihe von Marken durchschlagen und haben die 1351 als nächstes Ziel vor Augen.

Dabei kaschieren die Indizes noch die Stärke der Abwärtsbewegung, denn in den meisten Depots dürfte es wesentlich schlimmer als in den Indizes aussehen. Grund ist, das die gross kapitalisierten Titel noch vergleichsweise stabil bleiben und so die Indizes zusammen halten, während in der zweiten Reihe teilweise massiv abverkauft wird. Viele Aktien notieren nun wieder auf den Niveaus des letzten Herbst, so als ob es nie eine Erholung gegeben hätte.

Besonders übel für uns deutsche Anleger ist an der Situation, dass in den US Indizes noch gar nicht viel passiert ist und diese noch jede Menge Fallhöhe besitzen, während wir im DAX heute schon bei 6600 stehen.

Trotzdem sollten wir nach meiner Ansicht nun nicht zu sehr in Trübsal verfallen. Denn zumindest der DAX ist nun klar überverkauft und sitzt bei 6600 auf einer Unterstützung. Auch wenn noch ein Schwall bis 6400 herunter sehr gut vorstellbar ist, glaube ich, dass wir uns nun langsam wieder Kaufkursen bei deutschen Aktien nähern.

Es gibt in meinen Augen nur ein Szenario, in dem das aktuelle Niveau keine mittelfristigen Kaufkurse wären. Und das wäre der Fall, wenn der Markt dann trotz Notenbank-Intervention immer weiter fällt und damit die letzten Bastionen - die Notenbanken als "Lender of the last Resort" - auch ausfallen. Wenn dieser Tag kommt, dürfte das an den Börsen einem Armageddon gleichen, gefolgt von dem Reset des Währungssystems, den ich sowieso irgendwann in den kommenden Jahren erwarte.

Aber ich glaube wirklich nicht, dass dieser "Tag der Abrechnung" schon so nahe ist und schon dieses Jahr ansteht. Vorher werden wir die Methode "Dicke Bertha" wohl noch mehrfach mit steigender Verzweiflung der Handelnden beobachten dürfen, bevor dann auch die Wirkung des stärksten Medikaments nachlässt und das Unvermeidliche naht. Schon im ersten Weltkrieg konnte die "Dicke Bertha" den Deutschen letztlich auch nicht zum Sieg verhelfen. Und ich glaube nicht, dass man durch einen Papiergeld-Regen, die substantiellen Probleme grosser Teile der Eurozone wird lösen können - weder die Überschuldung, noch den Mangel an Wettbewerbsfähigkeit. Bis dahin werden wir aber wohl noch viele Rallys erleben und deshalb habe ich heute leicht zugekauft und werde das bei weiterer Schwäche in den nächsten Tagen auch weiterhin Zug um Zug tun.

Wer nun aber auf Verlusten sitzt weil er zu spät eingestiegen ist, sollte sich aber auch nicht der Hoffnung hingeben, dass diese aktuelle Schwäche ganz schnell wieder vorbei ist. Natürlich ist das möglich, aber eher unwahrscheinlich. Denn nun ist viel technischer Schaden entstanden, und ich rechne ja seit Ende März sowieso damit, dass das ganze 2. Quartal eher schwierig wird und wir uns noch mehrfach in diesen Kurs-Regionen bewegen werden.

Das von mir hier Ende März skizzierte Szenario einer sehr volatilen Seitwärtsbewegung, die sich aber wie eine ausgewachsene Korrektur anfühlt, ist offensichtlich voll in Kraft. Und in Anbetracht der bevorstehenden Frankreich-Wahl sowie der Unsicherheit um die weiteren Massnahmen der FED rechne ich nicht damit, dass sich die Volatilität schnell wieder legt, sondern rechne mit ihr bis in den Juni hinein. Dann besteht aber eine Chance auf einen schönen, ruhigen Börsensommer.

Kurzfristig sehe ich gute Chancen für einen "Bounce", der uns im DAX dann wieder über 6700 führen könnte. Allerdings dürfte der DAX morgen Vormittag erst einmal in Schockstarre verharren und am frühen Nachmittag ist mit erneuter Schwäche zu rechnen, da die Wallstreet wohl noch die 1351 abzuarbeiten hat. Danach, im morgigen späten Handel der Wallstreet könnte aber vielleicht auch dort eine Gegenbewegung einsetzen. Verändert könnte das Szenario werden, wenn Alcoa (WKN 850206) heute nach Börsenschluss überraschend gute Zahlen und vor allem einen optimistischen Ausblick liefern würde. Wie es um Alcoas Zahlen steht, werden wir bald wissen.

[Nachtrag 22:15 Uhr: Alcoa hat mit 94 Millionen USD Gewinn gute Zahlen für das Q1 geliefert und einen positiven Ausblick abgegeben. Nachbörslich ist die Aktie im Moment 5% im Plus. Dem sowieso verprügelten "Materials" Sektor sollte das Morgen Auftrieb geben. In wie weit es dem gesamten Markt hilft, werden wir sehen.]

Nach den Verlusten der letzten Tage bekam heute ST Microelectronics (WKN 893438) mit 7% Minus noch einmal richtig einen "auf den Deckel", nachdem in einem Rechtsstreit mit NXP Semiconductors nicht nur 59 Millionen € zu zahlen sind, sondern das Ergebnis auch die Marge schmälert. Ich habe zu Kursen unter 5,4€ nun zugekauft, da für mich ST Micro nach wie vor eine mittel- und langfristig attraktive Aktie ist. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man mit ST Micro defacto eine indirekte Wette auf den Erfolg der grössten Kunden Ericsson, Nokia und HP eingeht, die ja alle derzeit Probleme haben.

LED Marktführer Cree (WKN 891466) war heute mitten im schwachen Markt zeitweise 5% im Plus, am Ende standen immer noch 3,5% Plus auf dem Kurszettel ! Und das nachdem Cree bekannt gab, dass die Preise für die Strassenlicht-LEDs halbiert werden. Ja, Sie haben richtig gehört, eine Preissenkung führt bei Mr. Market zu Begeisterung. Offensichtlich erhofft man sich nun wesentlich höhere Absatzzahlen, weil LEDs nun direkt mit den normalen Leuchten konkurrieren können. Und höherer LED-Absatz ist natürlich auch gut für Aixtron (WKN A0WMPJ), die heute relative Stärke zeigten.

Nicht zu übersehen war auch, was heute bei Gold (XAUUSD) um 18.30 Uhr herum passierte. Der Kurs schien Richtung 1630 USD abzukippen und in dem Moment kamen grosse Käufe in den Markt, die den Goldpreis in wenigen Minuten bis 1660 USD hochschoben. Ich bin noch nicht in der Lage das zu werten, beobachte es aber mit Aufmerksamkeit. Denn in den letzten Monaten, während der Abwärtsbewegung, war es genau umgekehrt: die schnellen Bewegungen kamen nach unten. Dann robbte sich der Kurs wieder etwas nach oben, bevor es wieder *bamm* nach unten ging. Zuletzt am 03.04.12.

Wenn sich dieses Muster nun ins Gegenteil wandelt, könnte das einen Trendwechsel einläuten. Natürlich liegt die Erklärung nahe, dass es sich einfach um eine Verlagerung in den "Safe Haven" in Anbetracht des abstürzenden Marktes handelt. Ich halte diese Erklärung aber nicht für zutreffend. Dafür war die Bewegung zu schnell und zu stark und die Märkte hatten auch schon vorher abgegeben, ohne das Gold profitieren konnte.

Das Apple (WKN 865985) auch heute lange wieder im Plus war und am Ende nur 1% abgab, muss man ja wohl nicht weiter erwähnen. Wer in den letzten 12 Monaten sichere Gewinne wollte, hätte nur Apple und Staatsanleihen kaufen müssen. So einfach kann Börse sein, hinterher ist man halt immer klüger. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in den Indizes passiert, wenn diese Apple Parabola mal brechen sollte .....

Wenn Sie meinen Markteinschätzungen hier auf Mr-Market.de in den letzten Wochen gefolgt sind, dürften Sie wie ich nun einigen freien Cash an der Seitenlinie haben. Ich werde mich von der nun zwangsläufig folgenden medialen Weltuntergangslyrik nicht verrückt machen lassen und habe mir Kauflisten zusammen gestellt, die ich bei weiter fallenden Kursen Zug um Zug umsetzen werde. Was immer Sie nun mit ihrem Geld vorhaben, ich kann nur dazu raten sich einen schriftlichen Plan zu machen. Denn sonst läuft man Gefahr durch die Medien so emotional beeinflusst zu werden, dass man nicht mehr in der Lage die notwendigen Schritte konsequent umzusetzen.

Ich wünsche Ihnen (trotzdem) einen schönen Abend !

Ihr Hari

Marktupdate – 09.04.12 – Ostermontag

22 Uhr - Handelschluss

Ein ganz kurzes Update zum heutigen Geschehen an der Wallstreet.

Tja, was war das heute nun für ein Tag ?

War das heute ein Zeichen von Stärke, weil der Markt von den ca. 1380 im S&P 500 ausgehend, die er schon Freitag im Future hatte, nicht weiter abgegeben hat ?

Oder war das heute ein Zeichen von Schwäche, weil dem Markt nach einem kurzen Rallyversuch bei 1387 die Puste ausging und er wieder Richtung 1380 fiel ?

Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Das war ein komischer, überraschend ruhiger Tag an der Wallstreet. Ein Tag an dem Mr. Market nicht so richtig wusste wohin er wollte. Für Shorts war es ihm wohl zu spät. Und für Longs reichte der Mut nicht. So zappelte der S&P 500 zwischen 1378 und 1387 hin und her.

Und ich kann Ihnen nicht sagen was Morgen an der Wallstreet passiert. Das der DAX Morgen früh zunächst unter 6700 läuft ist aber wohl zu erwarten. Aber wie es dann weitergeht ist die grosse Frage. Wenn man keinen Edge in eine Richtung hat, bleibt einem nur abwarten.

Ich werde in der Zone 6600-6650 im DAX Morgen wohl ein paar kleine Käufe tätigen, wohl wissend, dass auch 6400 bald möglich sind.

Gold war heute recht stark, ebenso wie die Goldminen. Dabei bestand wohl kein Zusammenhang zur Marktschwäche, sondern es dürfte vielmehr die Reaktion auf die steigenden Inflationszahlen in China gewesen sein. Ich sehe aber keinen Grund da mehr hinein zu interpretieren.

Morgen nach Börsenschluss eröffnet dann Alcoa die Berichtssaison, es bleibt spannend.

Und Morgen gíbt es hier dann auch wieder mehr zu lesen, bis dann - schlafen Sie gut !

Ihr Hari