Hari´s Märkte am Abend – 30.04.12 – Konsolidierung – Nokia, Metro, US Gas

22 Uhr - Handelsschluss

Ein ruhiger Tag an den Börsen geht zu Ende. In Anbetracht der positiven Bewegung der letzten Woche, die viele auf dem falschen Fuss erwischt hatte, ist die heutige, ruhige Konsolidierung positiv zu werten. Wir haben daher gute Chancen, morgen an der Wallstreet einen "first of month jumper" zu erleben.

Insofern wird auch dieser Marktbericht heute etwas kürzer, es ist doch auch einmal schön, wenn es etwas ruhiger zugeht, zumal das herrliche Wetter bei uns in der Nähe der Alpen, heute sowieso nach draussen lockte.

Nokia (WKN 870737) zeigte uns erneut, wie finster es scheinbar um die wirtschaftliche Lage aussieht. Denn nach einem Bericht der -> Financial Times <- will Nokia nun seine Edelmarke Vertu verkaufen, um damit ca. 200 Millionen USD zu erlösen. Dieser Bericht ist seitens Nokia nicht bestätigt, passt aber ins Bild.

Schlimm genug ist es für mich, dass es eine Nokia scheinbar nötig hat, um die vergleichsweise kleine Summe von 200 Millionen USD Liquidität zu kämpfen. Erinnern Sie sich daran, dass Apple einen Quartalsgewinn von 11,6 Milliarden USD hatte, aufs Jahr hochgerechnet, kann man da also mit 40 Milliarden USD Gewinn rechnen !

Aber für mich noch schlimmer, mit Vertu gibt Nokia vielleicht einen der wenigen Bereiche ab, in denen Nokia noch führend war und eine starke Marke hatte. Denn Vertu ist scheinbar ganz gut gelaufen, was ja auch das kolportierte Interesse des Finanzinvestors Permira zeigt. Luxus geht halt immer und andere Luxuskonzerne wie LVMH (WKN 853292) oder Richemont (WKN A0Q9J3) sind an der Börse hoch bewertet und reihen ein Rekordergebnis an das nächste. Die Marke Vertu war also scheinbar durchaus ein Erfolg und aus der etablierten Marke hätte man vielleicht noch mehr machen können, wenn man die Marke nach unten etwas weiter gedehnt und so den Kundenstamm erweitert hätte. Hohe Margen sind in diesem Geschäft auf jeden Fall möglich, wenn man es richtig macht. Und hohe Margen sind ja nun nicht gerade etwas, womit Nokia im Moment in den anderen Segmenten im Überfluss gesegnet scheint.

Ich persönlich würde den möglichen Verkauf von Vertu daher nicht als logischen Schritt werten, sondern als Zeichen der schwierigen Lage und Ausdruck von Schwäche - nun müssen scheinbar auch die wenigen verbleibenden Kronjuwelen raus, um dringend benötigte Liquidität zu generieren. Ein Indiz mehr für mich, von Nokia nun weiten Abstand zu halten.

Metro (WKN 725750) war heute stark, nachdem Meldungen über den Ticker liefen, dass Haniel an der Beteiligung zumindest kurzfristig festhalten soll. Mir erschliesst sich diese Logik ehrlich gesagt nicht so recht, denn unter der Ägide von Haniel hat sich Metro so schlecht entwickelt wie erlebt und neue Gesellschafter würden dem Konzern daher möglicherweise gut tun. Für mich ist die heutige Stärke eher ein Signal, wie ausgebombt der Titel ist, so dass selbst solche Nachrichten für 3% Plus gut sind.

Trotzdem, und trotz der mehrfachen signifikanten Insiderkäufe der letzten Wochen, ist der Zeitpunkt zum Einstieg möglicherweise noch nicht gekommen. Denn noch ist der Metro-Kurs ein "fallendes Messer", in das man tunlichst nicht greifen sollte und ein erreichen der 20€ Marke ist für mich durchaus denkbar.

Allerdings liefert die Metro am 03.05.12 Quartalszahlen - und sollten diese überraschend gut ausfallen, könnte es einen gewaltigen Short-Squeeze geben. Ich persönlich rechne aber eher nicht damit, weil das die ersten Quartalszahlen sind, die alleine vom neuen Management zu verantworten sind. Es ist ganz typisch und durchaus üblich, dass ein neues Management alle Verluste und "Bilanz-Leichen" in die erste Bilanz hinein packt, weil diese noch dem alten Management zugerechnet werden. So entledigt man sich elegant bilanzieller Risiken und schafft die Grundlage dafür, in den folgenden Quartalen - die einem selber zugerechnet werden - dann eine positive Entwicklung zeigen können.

Insofern gebe ich diesem Szenario bei Metro eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit, als dem Short-Squeeze nach den Zahlen. Sollte das so kommen und Metro am 03.05.12 noch einmal deutlich Richtung 20€ abgeben, könnte das dann aber möglicherweise ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg sein.

Bei Rheinmetall (WKN 703000) gab es heute unbestätigte Berichte, nach denen der Börsengang des Automobilzulieferers "Kolbenschmidt Pierburg" schon im Juni stattfinden soll. Gleichzeitig gab es heute ein Kursziel 51€ seitens BNP Paribas. Ich bleibe ganz ruhig investiert und bin zuversichtlich, dass ein erfolgreicher Börsengang von Kolbenschmidt Pierburg, dem Kurs der Aktie deutlich nach oben helfen wird.

Das bei Daimler (WKN 710000) im Bereich der Hauptaktionäre etwas in Bewegung ist, wird immer wahrscheinlicher. Heute geisterten -> Gerüchte <- durch die Presse, dass Daimler an sogenannten "Giftpillen" arbeitet um eine mögliche feindliche Übernahme abzuwehren. Die Meldung ist erneut unbestätigt, die Summe der Gerüchte und Indizien wie die Call-Optionen der Investmentbanken, legen aber die Vermutung nahe, dass hier mehr als ein Korn Wahrheit an den Gerüchten ist. Ich denke nach wie vor, dass in dieser Thematik mehr Chance als Risiko für den Kurs liegt und warte gespannt ab, was uns in den kommenden Wochen an Nachrichten zum Thema erreichen wird.

Etwas Bemerkenswertes scheint bei US Gas zu passieren. Der Kurs (hier dargestellt am ETF "UNG"), hat eine Abwärts-Trendlinie gebrochen, die aus letztem Herbst stammt und hat gleichzeitig ein ATR Kaufsignal gegeben. Für die, die mit dem Begriff ATR nichts anfangen können, das steht für "Average True Range", ist ein Konzept um die normale Schwankungsbreite eines Titels zu definieren und kann für eine Art von Stops verwendet werden, bei denen die Volatilität der Aktie (die True Range) mit in den Abstand zum Kurs einfliesst. Ein ATR Kaufsignal bedeutet also stark trivialisiert, dass ein Kurs aus seinem bisherigen Verhalten (seiner True Range) nach oben ausgebrochen ist. Das ist ganz typisch für Wendepunkte im Markt. Wenn Sie das Thema "ATR" interessiert, finden Sie ausführliche Erklärungen im Web.

Zurück zum US Gaspreis, den Ausbruch kann man auch Anhand des RSIs nachvollziehen, der nun im Tageschart auf Höhen ist, die wir bei US Gas nicht mehr seit letzten Sommer gesehen haben. Es könnte sich hier möglicherweise um eine bedeutende Trendwende halten. Eine Trendwende die sich heute auch sofort in den Kursen von Chesapeake Energy (WKN 885725), aber auch in den US Kohlewerten wie Peabody Energy (WKN 675266) oder Arch Coal (WKN 908011) gezeigt hat. Wir haben nun also einen weiteren Baustein, der für eine Bodenbildung im Sektor spricht. Ich kann nur wiederholen, dass ich diesen Sektor nun unter intensivster Beobachtung habe, denn das Upside ist gewaltig, wenn der Schweinezyklus endlich drehen sollte ! Die endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen, insofern ist Vorsicht weiter nötig, aber die Markttechnik in diesem Segment bessert sich nach meiner Ansicht nun zunehmend.

Morgen, am Tag der Arbeit, ist in Deutschland und einigen europäischen Ländern Börsenfeiertag. Die Wallstreet arbeitet aber und deswegen auch ich. Morgen Abend kommt dann ein kurzes Marktupdate wie immer gegen 22 Uhr.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Börsenregeln reloaded II: Don´t fight the Fed !

Ein Gastartikel von Tokay

Börsenregeln reloaded II: Don´t fight the Fed !

Heute möchte ich meine Serie fortsetzen mit einem, wie ich finde, mindestens ebenso aktuellen Thema wie beim letzten Mal. Es geht um die Regel: „Don't fight the fed“.

Die „Fed“ - das war bei uns früher die Bundesbank und ist heute die Europäische Zentralbank/EZB. Nach dieser Regel soll man nicht gegen die Zentralbank, heutzutage also somit nicht gegen die EZB spekulieren, sondern mit ihr. Ein Aktieninvestor, der diese Regel beherzigen wollte, müsste somit Aktien kaufen, wenn die EZB ihren Leitzins senkt, und Aktien verkaufen, wenn sie ihn erhöht. Warum sollte er das tun? Wenn die Zentralbank die Zinsen erhöht, dann steigen im allgemeinen auch die Anlagezinsen. Der Investor könnte dann sein Kapital auf einem Geldmarktkonto parken und einen Zins vereinnahmen. Außerdem hat eine solche Maßnahme direkten Einfluss auf die Kreditpolitik der Geschäftsbanken und damit auf die allgemeine Wirtschaftstätigkeit.

Die wichtigste Steuerungsgröße früher unter der Bundesbank und heute unter der EZB waren bzw. sind Offenmarktgeschäfte. Über einen sogenannten Mengentender teilt die Zentralbank den Geschäftsbanken mit, zu welchem Zins sie bereit sind, Zentralbankgeld bereitzustellen bzw. anzukaufen. Die Geschäftsbanken teilen dann der EZB mit, welchen Betrag sie zu kaufen bzw. verkaufen bereit sind. Daraufhin kauft bzw. verkauft die Zentralbank Wertpapiere von den Geschäftsbanken und teilt den Geschäftsbanken nach einem festgelegten Verfahren zu den vereinbarten Konditionen Zentralbankgeld zu. Man nannte diese Geschäfte zu Bundesbankzeiten auch Wertpapierpensionsgeschäfte, da die Geschäftsbanken Wertpapiere bei der Bundesbank sozusagen „in Pension“ gaben. Zeitweise hat man auch mit Zinstendern gearbeitet, bei denen dann die Zentralbankgeldmenge fixiert wurde. Seit 2008 ist die EZB wieder zum Mengentender zurückgekehrt. Der Leitzins der EZB ist der sogenannte Zinssatz für Hauptfinanzierungsgeschäfte(main refinancing operations); er liegt derzeit bei 1,0 Prozent.

Wir haben also unsere Fälle wie folgt konstruiert:

Wir nehmen an, es hätte schon in 1959 den DAX gegeben und man hätte eine „DAX-Aktie“ im Verhältnis 1 DAX-Punkt zu 1 € kaufen können. Weiter nehmen wir an, das Depotkonto wäre nicht verzinst worden und es wären keine Depotgebühren berechnet worden.

Im Fall 1 haben wir einen Investor, der am 31.12.1959 den Gegenwert von 100.000 € auf seinem Anlagekonto gehabt habe. Dann hätte dieser Investor beobachtet, ob die Bundesbank sich in einer Phase der Zinssenkungen befunden hat. Am Ende des ersten Monats, an dem dies der Fall gewesen wäre, hätte er dann von seinem Anlagebetrag so viele DAX-Aktien wie möglich gekauft. Er hätte weiterhin beobachtet, wann die Bundesbank bzw. dann später die EZB begonnen hat, ihren Leitzins zu senken. Am Ende der ersten Monats, an dem dies der Fall war, hätte er er seinen Aktienbestand wieder verkauft. Bei einem Verkauf wäre der erlöste Betrag auf das Depotkonto verbucht und dieser Betrag bei Eintreten der Kaufbedingungen erneut investiert worden. Für jede Transaktion wären 0,5 % der Kaufsumme fällig geworden. Derartige Operationen hätte er dann bis Ende 2011 durchgeführt.

Fall 2 wäre genau gleich wie der Erste, aber hier wären keine Transaktionskosten fällig geworden.

Im Fall 3 hätte dieser Investor zum selben Zeitpunkt einmalig für 100.000 € DAX-Aktien gekauft und bis Ende 2011 behalten.

Nachfolgend sind die Monate dargestellt, an deren Ende der Investor einen Kauf bzw. Verkauf getätigt hätte. Zum Ende eines grün unterlegten Monats hätte er gekauft, zum Ende eines rot unterlegten Monats hätte er verkauft.Der Beginn der ersten Zinssenkungsphase in diesem Zeitraum fand demnach im November 1960 statt. Der fiktive DAX stand am Ende dieses Monats bei 538,4 Punkten. Somit hätte der Investor zu Ende dieses Monats eine „DAX-Aktie“ für €538,40 gekauft. Die Bundesbank senkte in der Folgezeit den Diskontsatz solange, bis sie ihn im Januar 1965 wieder erhöhte. Somit hätte der Investor diese „DAX-Aktie“ zu einem Kurs von € 489,00 wieder verkauft. Dieser Logik folgend, hätte er folgende Operationen bis Ende 2011 durchgeführt.

Wie wir sehen, trat meistens der Effekt ein, den man erwarten würde, aber nicht immer. So senkte die EZB den Zinssatz für Hauptfinanzierungsgeschäfte im Mai 2001 von 4,75 Prozent auf 4,5 Prozent. Die Börsenkurse stiegen in der Folge aber nicht, sondern gingen erst einmal deutlich nach unten, ehe es im Frühjahr 2003 während des Irakkrieges wieder zu einem Anstieg kam. Die längste Phase der Zinssenkungen gab es in den neunziger Jahren; im September 1992 senkte die Bundesbank den Diskontsatz von 8,75 auf 8,25 Prozent. Dieser Prozess kam erst gegen Ende der Neunziger Jahre zum Ende, als der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte von der EZB von 2,5 auf 3,0 Prozent erhöht wurde.

Hier ist der Betrag, der aus den 100.000 € geworden wäre: sowie die Jahresrendite über den untersuchten Zeitraum:

Die Jahresrenditen sähen so aus:

Damit hätte der Investor mit der Strategie „Don't fight the fed“ eine Überrendite erzielt. Diese Überrendite wäre durch die mit den Transaktionen verbundenen Kosten nur unwesentlich gemildert worden. Der Zinseszinseffekt hätte sich in diesem Fall zugunsten des Anlegers ausgewirkt. Sie wäre in Wahrheit sogar noch deutlich größer ausgefallen, denn natürlich hätte ein Investor den erlösten Betrag auf einem Tagesgeldkonto geparkt. Die Strategie, sich an der Zinspolitik der heimischen Notenbank zu orientieren, hätte also langfristig funktioniert.

Berechnet man das geometrische Mittel über die Phase der Zinssenkungen sowie über die Phase der Zinsanstiege, dann ergeben sich folgende Werte:

Eine Zinssenkung bewirkt also im längerfristigen Mittel einen Anstieg der Aktienkurse auf Jahressicht um fast 10 Prozent, eine Leitzinserhöhung lässt diese hingegen um gut 3 Prozent sinken. Außerdem dauert eine Zinssenkungsphase ungefähr doppelt so lange wie eine Phase der Zinserhöhungen; im Durchschnitt hatten wir also eine Zykluslänge von etwa fünf bis sechs Jahren. Auch daran sieht man, dass es sich im Allgemeinen lohnt, mit Zinssenkungen im Rücken anzulegen, und es bei Zinsanstiegen schwerer hat.

Wenn man wissen möchte, in welchem Zeitraum sich eine zinspolitische Maßnahme ausgewirkt hat, dann sieht man folgendes:

Spätestens ein Jahr nach dem Beginn einer Phase der Leitzinssenkungen kommt es also im allgemeinen zu einer sehr deutlichen Aufwärtsentwicklung der Aktienkurse. Außerdem steht nach sechs und nach zwölf Monaten der Index im allgemeinen nach Zinssenkungen deutlich höher als bei Zinsanstiegen. Anders sieht es nach drei Monaten aus: Beginnende Zinserhöhungen haben noch nicht sofort ungünstigere Auswirkungen auf die Märkte als beginnende Zinssenkungen. Genauso wenig haben in der Vergangenheit Zinssenkungen bereits nach einem Quartal positive Auswirkungen an den Aktienmärkten gehabt.

Dies hängt sehr wahrscheinlich mit der Wirkungsweise von Leitzinsänderungen zusammen. Denn das Ziel sowohl der Bundesbank als auch heute der EZB ist in erster Linie die Gewährleistung der Preisstabilität. Der Leitzins wird im allgemeinen dann erhöht bzw. gesenkt, wenn das Preisniveau in Gefahr bzw. nicht mehr von der Notenbank in Gefahr gesehen wird. Wenn aber das Preisniveau nicht mehr in Gefahr ist, dann hat sich bereits länger vorher die Geschäftstätigkeit zurückentwickelt. Bis eine Veränderung der Leitzinsen in der Realwirtschaft ankommt, vergeht ebenfalls einige Zeit.

Man erkennt allerdings auch, dass sich die Mechanismen seit dem Beginn der Finanzkrise 2008 in ihrer Wirkungsweise verändert haben. So hat die EZB seither den Geschäftsbanken in bisher ungekanntem Ausmaß Liquidität zur Verfügung gestellt, da das Interbankengeschäft andernfalls vollständig zum Erliegen gekommen wäre. Der im April 2011 eingeleitete Zinserhöhungszyklus wurde im November bedingt durch die Eurokrise schon wieder abgebrochen. Die Geldmarktzinsen werden seither wieder niedrig gehalten, um eine erneute Verschärfung der Eurokrise zu verhindern. Das Problem ist hierbei die gravierende Verschuldungssituation von Staat und Privatsektor in den Euro-Peripheriestaaten. Auch wenn die Erhaltung der Preisstabilität natürlich weiterhin das vorrangige Ziel der EZB ist, so geht es ihr doch auch darum, den Euroraum vor dem Absturz zu bewahren.

Wird man die Formel „Don't fight the fed“ in naher Zukunft gewinnbringend für seine Anlagen nutzen können? Ich fürchte nein. Denn die Zinsen befinden sich bereits auf rekordtiefem Stand; eine weitere Senkung ist nur denkbar bei noch weiterer Verschärfung der europäischen Situation. Eher muss man befürchten, dass die monetäre Expansion irgendwann ihren Niederschlag in der Realwirtschaft finden könnte und die EZB sich hierdurch veranlasst sehen könnte, gegenzusteuern, was die Märkte eher dämpfen würde. Und so muss man als Anleger vor allem zum einen darauf hoffen, dass die Weltwirtschaft wieder in ein ruhigeres Fahrwasser gerät, das es den Unternehmen ermöglicht, ihre Erträge kontinuierlich zu steigern. Zum anderen könnte ein intelligenteres Management der Eurokrise als bisher dafür sorgen, dass die Risikoabschläge auf dem Aktienmarkt geringer werden. Die Notenbanken alleine, wenngleich sie Hauptakteure sind, können dies nicht bewirken.

Tokay

Hari´s Märkte am Abend – 27.04.12 – Wochenabschluss

22 Uhr - Handelsschluss

Das war heute eine überzeugende Vorstellung der Bullen. Betrachtet man alleine den Indexstand, könnte man meinen, es sei ja nicht viel passiert. Wir hatten aber eine Herabstufung Spaniens und der Markt hat es verdaut, höhere Zinsen bei einer italienischen Anleihen-Auktion und der Markt hat es verdaut und zu guter Letzt ein richtig schlechtes Quartals-BIP in den USA und der Markt hat es auch verdaut !

In Anbetracht dieses Störfeuers also eine richtig überzeugende Vorstellung der Bullen, die in den US Indizes scheinbar die Kontrolle über den Markt zurückerlangt haben. Im S&P500 sind wir mit einem Schlussstand von 1403 nun nur noch ein gutes Prozent von den Jahreshöchstständen entfernt ! Wäre es im DAX ähnlich, würden wir aktuell bei 7100 notieren.

Nächste Woche stehen uns dann eine ganze Reihe Wirtschaftsdaten bevor - unter anderem der US Einkaufsmanagerindex am 01. Mai - bevor dann die Wahlen in Frankreich und Griechenland den "krönenden" Abschluss der nächsten Woche bilden. Zum Thema Hollande, Euro und Frankreich hat der ehemalige Chefredakteur der Spiegel Wirtschaftsredaktion und des Manager Magazins übrigens einen in meinen Augen ganz treffenden Artikel verfasst, den Sie hier unter dem Titel -> Superhits der Achtziger<- nachlesen können.

Es gibt also in den nächsten Wochen genug Futter für wilde Swings im Markt, in Anbetracht der zuversichtlichen Verfassung die Mr. Market nun zeigt, darf man aber durchaus mit einem ruhigen Optimismus auf die kommende Woche schauen. Technisch gesehen wurde im DAX die gestern dargestellte Cup&Handle Formation erneut bestätigt, aus dieser Sicht spricht nun viel dafür, dass wir uns im DAX demnächst auch mal wieder an der 7000er Marke versuchen werden.

Ein gesundes Mass an Skepsis kann aber weiterhin nicht schaden, ich rechne weiter damit, dass wir dieses Quartal an den Börsen noch einige "Aprilschauer" erleben werden. Ich selber werde daher bis auf weiteres die von mir definierte Range 6400-7100 im DAX spielen. Sprich bei Kursen oberhalb 6900 werde ich zunehmen abbauen und bei Kursen unter 6600 zunehmen kaufen. Sollte ich irgendwann Signale erkennen, die für einen starken Trend aus der Range heraus nach oben sprechen, werde ich diese Strategie anpassen. Bis dahin gilt aber für mich die oben genannte grundlegende "Schaukelstrategie".

Damit zu einzelnen Aktien:

Rheinmetall (WKN 703000) und Daimler (WKN 710000) lieferten Zahlen im Rahmen der Erwartungen, Rheinmetall leicht schwächer und Daimler leicht stärker als erwartet. Beide Zahlenwerke boten aber nichts, was aus meiner Sicht eine Neubewertung der Titel notwendig machen würde. Für die heutige Schwäche von Daimler in Anbetracht guter Zahlen habe ich keine vernünftige Erklärung - so ist das manchmal und dann bleibt nur abwarten. Ich bleibe bei beiden Aktien Long.

Einer meiner Favoriten, Continental (WKN 543900), lieferte heute ganz ausgezeichnete Zahlen und wurde vom Markt dafür mit 3% Plus belohnt. Ich habe diese Zahlen nun aber zum temporären Ausstieg genutzt. Grund sind keineswegs Zweifel an der Geschäftsentwicklung, sondern die Fragezeichen wie Schaefler nun ab Sommer mit seinen Anteilen an Continental umgeht. Eine aus der Krise 2008 datierende Beschränkung von Schaeffler läuft scheinbar dieses Jahr aus.

Ich kenne den detaillierten Inhalt der Klauseln nicht, aber die Vermutung ist naheliegend, dass die Klauseln Schaeffler in der unternehmerischen Freiheit begrenzt haben. Insofern, und in Anbetracht der bei Schaeffler wohl nach wie vor vorhandenen Schulden, sind für mich allerlei gesellschaftsrechtliche Szenarien denkbar, die den Aktienkurs beeinflussen könnten - gute, ebenso wie schlechte für den Kurs. Da ich ungern in Aktien investiere, wenn diese unter dem Risiko unberechenbarer externer Einflüsse stehen, bin ich nun erst einmal auf die Seitenlinie getreten. Nachdem diese Unsicherheit verschwunden ist, wird Continental aber sicher wieder in meinen Fokus geraten, denn an der ausgezeichneten Geschäftsentwicklung und den langfristig guten Perspektiven habe ich wenig Zweifel.

Einen riesigen Satz machte heute Wacker Chemie (WKN WCH888), nachdem der Vorstandsvorsitzender Rudolf Staudigl anlässlich des Betriebstarts der Anlagen in Nünchritz davon sprach, dass die Absatzmengen im 1. Quartal 2012 um knapp 50 Prozent höher waren als vor einem Jahr. Die entsprechende Pressemitteilung können Sie -> hier <- nachlesen.

Der Markt beantwortete das mit einem Feuerwerk, das Intraday zeitweise ein Plus von 10% erreichte. Besonders positiv ist, dass der Markt nach mässigen Abgaben bis 60€ herunter, sich dann erneut Richtung 63€ und damit 10% Plus bewegte. Das bedeutet, dass Mr. Market auch nach intensivem Nachdenken den heutigen Nachrichten hohe Bedeutung bemisst.

Wacker Chemie hatte zuletzt massiv unter den ins bodenlose gefallenen Polysilicium-Preisen gelitten und sollte sich dort nun eine nachhaltige Wende andeuten, wäre der Titel ein ganz heisser Kandidat für deutlich höhere Kurse. Mit der heutigen Bewegung beginnt der Markt also nun einen besseren Quartalsbericht am 04.05.12 und vor allem einen besseren Ausblick einzupreisen. Ich habe nach dem explosionsartigen Anstieg heute den leichten Rücksetzer genutzt, um bei 60,8€ eine erste spekulative Long-Position einzugehen.

Gold (XAUUSD) und die Goldminen arbeiten nun heftig an dem vor drei Tagen -> hier <- antizipierten Ausbruch. Das Preisverhalten sieht in dem Bereich weiter sehr vielversprechend aus, es ist aber noch zu früh um Vollzug zu melden. Insofern ist weiter Geduld gefragt, bisher läuft aber alles wie erwartet.

Wenn Sie Lust haben, schauen Sie auch mal am Wochenende bei Mr-Market.de vorbei, denn mit etwas Glück und abschliessender Arbeit schafft es ein neuer Gast-Artikel von "Tokay" zum Thema "Dont fight the Fed !" vielleicht dieses Wochenende in den Blog.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 26.04.12 – Die Bullen gewinnen die Oberhand

22 Uhr - Handelsschluss

Ein spannender Tag an den Börsen geht zu Ende, an dem es unter der Decke viel mehr Bewegung gab, als die mässige Bewegung des DAX Index impliziert.

Eine Entwicklung ist dabei von besonderer Bedeutung:
Der S&P 500 hat mit einem Schlusskurs von fast 1400 in einer sehr überzeugenden Art und Weise die alte Range und den alten Trendkanal zurück erobert !

Damit ist aus Sicht des Leitindex S&P500 die Korrektur schon wieder vorbei. Und die Wahrscheinlichkeit ist deutlich gestiegen, dass wir jetzt eine Bewegung an die obere Begrenzung des steigenden Trendkanals bekommen, die irgendwo bei 1450 liegen sollte.

Für den DAX bedeutet das, das selbst bei fortgesetzter Schwäche in der Euro-Zone, nach unten nun eine Absicherung im Markt ist. Denn wenn der Leitindex S&P500 sich in der Nähe der Jahreshochs bewegt, dann wird der DAX nicht ungebremst abstürzen. Eine derartige Divergenz gibt es in der Realität einfach nicht, dafür ist unsere Wirtschaft weltweit zu stark miteinander vernetzt. Solange der S&P500 also nicht erneut abstürzt, sollte der DAX das Verlaufstief vom 23. und 24.04. bei 6500 nicht mehr unterschreiten. Das bedeutet nicht zwingend, dass der DAX nun eine Rally hinlegt, der Mühlstein "Euro" ist einfach sehr schwer. Aber das das Risiko eines harten Absturzes erst einmal gebannt erscheint, sind doch auch schon mal gute Nachrichten !

Um das kurzfristige Potential des DAX nach oben abzuschätzen, haben wir nun auf dem Stundenchart eine sehr schöne Cup & Handle Formation mit Doppelboden, die ich Ihnen hier mitgebracht habe:

Im nachbörslichen Handel im Future, hat der DAX den Durchbruch durch die Nackenlinie bestätigt und bei 6763 geschlossen. Wendet man die Daumenregeln zum Potential der Cup & Handle Formation an, kommt man auf ein Kursziel von knapp unter 7000. Das würde auch zu einer Bewegung in den oberen Bereich der von mir mehrfach genannten volatilen Range 6400-7100 passen.

Mehr würde ich dem DAX im Moment noch nicht als kurzfristiges Potential zugestehen, dafür ist die Lage in der Euro-Zone zu kritisch und die Wahlen in Frankreich und Griechenland hängen auch noch bis Ende nächster Woche über unseren Köpfen. Aber das ist doch schon mal was und diese 250 Punkte im DAX nach oben könnten schöne Gewinne in sich bergen, wenn das Szenario genau so eintreffen sollte.

Für die neuen Leser dieses Blogs muss ich noch einschränkend hinzufügen, dass obiger Chart keineswegs bedeutet, dass es nun zwingend genau so kommt. Es bedeutet nur, dass die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario nun deutlich gestiegen ist. Und das ist doch schon mal eine wichtige Erkenntnis ! Börse ist immer nur ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten - "Gewissheiten" bieten nur diversen Dienste und Börsenbriefe, die Sie mit "Geheimtips" gegen Geld alle "reich" machen wollen. Komisch nur, warum diese Leute sich dann überhaupt noch um Kunden bemühen, wenn sie das perfekte System oder den heissen, reich machenden "Geheimtip" schon selber gefunden haben. Aber das sind halt bestimmt einfach nur alles gute, altruistisch engagierte Menschen. 😉

Aktie des Tages war sicher Rhön-Klinikum (WKN 704230), die nach einer Übernahmeofferte von Fresenius um 50% nach oben katapultiert wurde. Glückwünsch an alle, die zufällig dabei waren - ich war es nicht und dieses Angebot hat auch niemand vorher gesehen, sonst wäre der Kurs von Rhön-Klinikum schon im Vorfeld angesprungen. Meinen Glückwunsch auch an Fresenius, die damit gezeigt haben, dass man Übernahmen auch professionell und geräuschlos planen kann. Im Gegensatz zu manch anderer Übernahme, bei der die Information schon im Vorfeld an "Smart Money" heraus leckt, sichtbar daran, dass die Aktien schon vor der Übernahme steigen.

Bemerkenswert war heute auch Aixtron (WKN A0WMPJ), die heute wirklich grottenschlechte Zahlen ablieferten und dazu auch noch einen sehr unsicheren Ausblick des Managements. Und was machte der Kurs ? Der sprang um 6% nach oben. Normalerweise wäre das ein klares Kaufsignal, denn wenn ein Kurs in Anbetracht solcher Zahlen steigt, ist der Boden erreicht.

Bei Aixtron bin ich aber nicht so sicher, denn der Titel ist ein Spielball privater Spekulanten und gehört im Umfeld der Privatanleger zu den meistbesprochenen spekulativen Titeln in Deutschland. Wäre ich sicher, dass institutionelles Geld für den heutigen Anstieg verantwortlich ist, wäre ich nun sehr bullisch was Aixtron angeht. Das bin ich mangels Daten aber leider nicht und fürchte eher, das sich hier einfach die massive Hoffnung der Privatanleger zeigt. Denn übersehen wird in meinen Augen in der heutigen Euphorie, dass auch das Management nichts anderes als Hoffnung zu bieten hatte. Die Zahlen und Auftragseingänge waren so unglaublich schlecht, das Aixtron brutal in die Verlustzone rutschen würde, wenn die Hoffnung für die nächsten Quartale auch trügen sollte. Insofen bleibe ich wie schon vor 3 Monaten bei Aixtron weiter an der Seitenlinie, denn alleine auf Hoffnung basiere ich keine Investitionsentscheidungen.

Wie schon vor Wochen hier in einem Artikel bemerkt, gäbe es ein ganz einfaches Mittel um zu beweisen, dass das Aixtron Management selber an die Hoffnung glaubt, die es verbreitet: Insiderkäufe ! Ich habe aber aktuell keinerlei Insiderkäufe gesehen und das selbst nicht bei Kursen unter 10€ Ende letzten Jahres. Wenn Management und Aufsichtsrat aber so wenig Zutrauen in die weitere Geschäftsentwicklung des eigenen Unternehmens haben, warum glaubt dann Otto Normalanleger es ohne konkrete Indizien besser zu wissen ?

Volkswagen (WKN 766403) lieferte ganz ausgezeichnete Zahlen, die der Markt zu Recht mit einem Anstieg von 8% quittierte ! So gut die Zahlen auch waren, den massiven Anstieg muss man wohl teilweise auch als Gegenbewegung zu einem übertriebenen Abverkauf in den Tagen zuvor werten. Letztlich ist VW damit nur wieder in der Region oberhalb 130€ angekommen, in der sich der Titel schon in den vergangenen Monaten bewegte. Erst wenn der Deckel bei ca. 146€ vom Februar geknackt würde, wäre das ein Signal für eine positive Neubewertung der Aktie durch den Markt.

Ich halte Volkswagen für ein hervorragendes Unternehmen und traue dem Titel durchaus noch einige Kursanstiege zu, bin aber trotzdem nicht investiert, weil ich andere Titel vorziehe. Mir persönlich ist Volkswagen zu sehr von den Interessen des dominierenden "Piëch-Netzwerkes" geprägt. Auch wenn der halb liebevoll, halb spöttisch mit dem Spitznamen "Fugen-Ferdl" versehene Ferdinand Piëch ohne jede Frage ein herausragender Ingenieur und Unternehmer ist, hat er nach meiner Meinung aber auch schon gezeigt, wie wenig er auf die Interessen Dritter - hier der kleinen Aktionäre - Rücksicht nimmt, wenn deren Interessen seinem grossen Plan im Weg stehen. Die Geschehnisse rund um Porsche sollten da jedem zu denken geben.

Aus der Sicht von jemandem, der einen grossen Weltkonzern formen will, sind das nach meiner Einschätzung zwingend notwendige "machiavellistische" Fähigkeiten, ohne die es unmöglich wäre, einen solchen Firmen-Koloss wie Volkswagen unter alleiniger Kontrolle zu behalten. Insofern hat Ferdinand Piëch meinen grossen, professionellen Respekt. Für einen kleinen Aktionär muss das aber nicht zwangsläufig Gutes bedeuten. Insofern schaue ich mir Ferdinand Piëchs Lebenswerk mit einiger Bewunderung trotzdem lieber von der Seitenlinie aus an.

Das ist nach meiner Einschätzung übrigens auch der Grund, warum VW schon lange fundamental so unterbewertet ist und sich bisher trotzdem keine nachhaltige Änderung dieser Unterbewertung abzeichnet. Denn rein von den Zahlen, der Wettbewerbsstärke und der ausgezeichneten Marktposition her, müsste VW in meinen Augen wesentlich höher als heute notieren und einen Aufschlag auf die Sektorbewertung haben. Aber viele grosse internationale, institutionelle Anleger machen nach meiner Einschätzung einen Bogen um diese Aktie, weil sie als Aktionäre ohne jeden Einfluss wären. Die Kombination der Beteiligung Niedersachsens mit Ferdinand Piëchs Machtsystem, macht alle anderen Aktionäre in meinen Augen zu Statisten ohne Einfluss - wie zuletzt bei der Wahl zum Aufsichtsrat wieder zu bewundern. Das ist eine Situation, die grosse internationale Anleger mit verwaltetem Milliardenvolumen gar nicht schätzen.

Spätestens mit den Ereignissen rund um Porsche, wurde auch diesen Institutionellen gezeigt, wie hilflos sie bei VW als Aktionär diesen Kräften ausgeliefert sind. Es wird lange dauern, bis dieser Eindruck verblasst und deshalb dürfte VW nach meiner Einschätzung noch weit länger unter seinem wahren Wert gehandelt werden, als man in Anbetracht der reinen Zahlen vermuten könnte.

Ein weiterer Grund hat damit zu tun, das für institutionelle Anleger sowieso nur die Stämme in Frage kommen dürften, denn wenn man schon grosse Summen in ein Unternehmen steckt, dann will man auch sein Recht als Aktionär ausüben können. Die Stämme sind aber mit nur noch 10% Freefloat nicht liquide genug, um grosse Orders aufzunehmen. Der Kurs der Vorzüge - in denen sich die meisten Kleinanleger tummeln - ist aber letztlich ein Abbild der "wahren Aktien", der Stämme. Ohne diese internationalen, institutionellen Anleger, ist aber ein massiver Kursaufschwung nach meiner Ansicht nicht darstellbar. Anders herum formuliert, hätte VW aktuell einen Freefloat von 80% bei seinen Stämmen und nicht diese Porsche-Historie am Bein, wäre der Kurs der Stämme nach meiner Einschätzung aktuell sicher eher bei 180€ als bei 120€. Und diese 180€ wären nach meiner Ansicht auch angemessen, entsprächen dem aktuellen fundamentalen Wert und wären keineswegs eine Überbewertung.

In Anbetracht der offensichtlichen Unterbewertung, kann ich eine Investition in VW also durchaus nachvollziehen. Nur mit einem schnellen Anstieg zum fundamentalen Wert, rechne ich aus oben genannten Gründen nicht so schnell wie erhofft.

Morgen liefern dann auch Rheinmetall (WKN 703000) und Daimler (WKN 710000) Quartals-Zahlen, beides Aktien, die ich intensiv auf dem Radar habe. Ich bin bei Rheinmetall aktuell mit 50% meiner Zielgrösse und bei Daimler voll mit meiner Zielgrösse im Investmentdepot investiert und bin gespannt, was Morgen heraus kommt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 25.04.12 – Apple hebt die Stimmung – FED bleibt gelassen

22 Uhr - Handelsschluss

An Apple (WKN 865985) sieht man heute mal, was eine einzelne Aktie für eine Auswirkung haben kann. Sicher spielten auch andere Effekte eine Rolle, aber die grandiosen Zahlen von Apple, verbunden mit 10% Plus im heutigen Handel haben ganz klar weltweit die Börsenstimmung gehoben und so erste Käufer motiviert in den Markt zu gehen. Und dann passiert, was heute passiert ist, die ersten Käufe ziehen weitere nach sich und so entsteht ein positiver Trendtag wie heute.

Die FED hat dagegen keine Überraschung geliefert. Und da der Markt genau das auch erwartet hatte, gab es auch kaum Reaktion auf die Beschlüsse. Die Rede von Ben Bernanke ab 20.15 Uhr sorgte dann noch für etwas Volatilität, weil jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird und zu Reaktionen führt. Ausserdem gibt es mittlerweile Algos, die direkt auf die Worte einer Rede traden, was solche Reden noch gefährlicher macht. Algos die schriftliche Nachrichten direkt nach Keywörtern durchsuchen und darauf traden gibt es schon länger. Um das eine mit dem anderen zu verbinden, braucht es nur Software die eine Rede live "mitschreibt" - auch das ist nichts Neues, zum Beispiel für Diktatsoftware. So hängen nun nicht mehr nur Menschen, sondern auch Computer-Algorithmen an den Lippen des FED Chairmans - welch schöne neue Welt. 😉 Aber am Ende lief auch die Rede ohne Überraschungen ab.

Trotz des heutigen starken Tages, hat sich an meiner Erwartung an den DAX wenig geändert. Ich denke die volatile Schaukelphase (Aprilbörse) geht weiter. Viel besser sieht es mal wieder in den US Indizes aus. Die heutige Stärke hat eine Reihe bärischer Formationen negiert und es könnte nun gut sein, dass wir nachhaltig in die alte Range zurück kehren und die in den US Indizes milde Korrektur schon wieder erledigt ist.

Um Verwirrung mit den unterschiedlichen Zeithorizonten zu vermeiden, habe ich im folgenden meine aktuelle Erwartung an den DAX noch einmal kompakt und übersichtlich zusammen gefasst, die ich ja in diversen Artikeln schon ausführlicher thematisiert hatte. Meine persönliche Erwartung an die Börsenentwicklung ist Stand 25.04.12 Abend:

(1) Sehr kurzfristig für die nächsten Tage: eher optimistisch wg des überverkauften Zustands des Marktes.

(2) Kurzfristig für die nächsten Wochen: eher vorsichtig bzw. skeptisch, die schwierige “Aprilbörse” geht wohl weiter, mindestens bis zum 06.05.

(3) Mittelfristig zum Jahresende: eher optimistisch, weil ich denke die Notenbanken werden drucken und drucken und den Markt stützen solange es geht.

(4) Langfristig mit Horizont 3 Jahre: eher pessimistisch, ich befürchte wir werden noch “den grossen Knall” und “Reset” des Währungssystems erleben. Erst wenn das Thema aus dem Weg geräumt ist, kann es wieder richtig aufwärts gehen.

(5) Sehr langfristig für die nächsten 10 Jahre und darüber hinaus: sehr optimistisch, die Welt steht an der Schwelle neuer Innovationen, die den nächsten säkularen Bullenmarkt begründen werden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Erwartungen nicht in Stein gemeisselt sind, sondern sich durch eine sich um mich herum verändernde Welt auch ändern - je kürzer der Zeithorizont, desto öfter und schneller. Die sehr kurzfristige Sicht ändert sich jeden Tag, wie soll es auch anders sein. Obige Erwartungen sind also eine reine Momentaufnahme, nicht mehr und nicht weniger.

Damit zu einzelnen Aktien bzw. Themen:

Auffällig war heute die Stärke des europäischen Bankensektors. Einen überzeugenden Anlass konnte ich nicht feststellen. Die ganz brauchbaren Zahlen der Credit Suisse (WKN 876800), die die grosse Presse im scheinbaren Bedürfnis für alles einen "Grund" zu finden anführte, dürften für die Profis kein Anlass gewesen sein, ihre Sicht auf PIGS-Banken zu ändern - zumal die anfänglichen Gewinne der Credit Suisse schnell wieder abgegeben waren. Und ein Zusammenhang zu Apple ist bei aller Phantasie sowieso Unfug. Insofern gehe ich bei den Banken von einer rein technischen Erholung nach dem wochenlangen Absturz aus, der man nicht all zu viel Bedeutung beimessen muss.

Auch das Gerede, dass die mässigen Zahlen von Siemens (WKN 723610) ein Indiz für eine kommende Rezession seien, halte ich für verfehlt. Siemans hat dürftige Zahlen, weil es bei einigen Grossprojekten wie der Windkraft in der Nordsee "hakt". Mit Konjunktur hat das für mich wenig zu tun, eher mit eigenen Fehlern bei Siemens. Wie es um die deutsche Maschinenbaukonjunktur aussieht, kann man da in meinen Augen eher beispielhaft an Dürr (WKN 5565209) sehen, der Auftragseingang im ersten Quartal stieg um über 20%. Wobei man von "der" Konjunktur sowieso nicht mehr reden kann. Denn wer primär seine Kunden im Süden Europas hat, der hat natürlich ein Problem, da ist die Rezession schon längst da. Wer aber wie die meisten deutschen Maschinenbauer und Industriewerte seine Kunden weltweit und insbesondere in China oder USA hat, dürfte in der Regel keine Probleme mit seinen Auftragseingängen haben.

Die -> hier <- Mitte Februar ausführlich besprochene Corning (WKN 850808) lieferte heute vorbörslich "überraschend" solide Zahlen, die ein Ende des Abwärtstrends bei den Glaspreisen nahelegen und ist 7% im Plus ! Ich habe zu meiner langfristig positiven Sicht auf die Aktie und das Geschäftsfeld nichts hinzufügen. Wenn der Titel für Sie neu ist, lesen Sie bitte den verlinkten Artikel vom 21.02.12 noch einmal.

Auf dem Chart sieht man sehr schön das zulaufende Dreieck mit der zunehmenden Kompression. Sollte der Aktie demnächst ein Ausbruch nach oben gelingen, wäre die folgende Expansion für mich ein klarer Kauf mit einigem Potential.


Source: Finviz.com

Einen grossen Satz nach oben machte heute das Agrardünger-Segment. Mosaic (WKN A1JFWK) lieferte einen positiven Ausblick und der Kurs zog um 5% an. Auch K+S (WKN KSAG88) wurde davon natürlich positiv beeinflusst und ist auch 4% im Plus. Ich bin bei beiden Aktien auf der Long-Seite investiert und sehe das ganze Segment als mittel- und langfristig sehr aussichtsreich an. Sicher unterliegt die Nachfrage saisonalen Schwankungen, aber an dem prinzipiell steigenden Bedarf für Dünger zur intensiven Bewirtschaftung der begrenzten Ackerflächen der Welt, führt in meinen Augen kein Weg vorbei. Die aktuelle Situation erlaubt diese attraktiven Aktien nun zu niedrigen Kursen einzusammeln - für mich persönlich eine Gelegenheit zur langfristigen Investition, die ich nicht verpassen werde.

Im Bereich Agrar möchte ich auch noch einmal Ihren Blick auf den hier schon besprochenen Traktorenhersteller Agco (WKN 888282) richten, der gerade ein schönes Reversal hinlegt und auch den 200er Moving Average zurück erobert hat. Die fundamentale Bewertung ist in meinen Augen sowieso attraktiv.


Source: Finviz.com

Bei Veolia (WKN 501451) , die ich als Aktie nach wie vor attraktiv finde, muss man nun genau auf die Frankreich-Wahl achten. Das gesamte Geschäftsfeld ist sehr staatsnah und wäre massiv durch Regulierung betroffen. Gerade die Wasserversorgung, die ja nun wirklich zur Grundversorgung gehört, ist ein beliebtes Ziel staatsdirigistischer Anwandlungen. Aber auch die Abfallwirtschaft könnte unter Dirigismus leiden. Ob Hollande in diesen Bereichen dann wirklich aktiv wird und "Sozialpolitik" über Preisvorgaben betreibt ist unklar, aber für uns als Aktionäre auch nicht relevant. Denn der Kurs würde schon lange vorher betroffen sein, wenn der Markt auch nur vermutet, dass dergleichen auf die Agenda kommt. Insofern könnte ein Sieg von Hollande den Kurs von Veolia möglicherweise belasten. An meiner grundlegend positiven Sicht auf den Turnaround ändert das nichts, man sollte das aber nicht aus dem Auge verlieren. Denn ohne ein positives politisches Umfeld hat ein öffentliches Versorgungsunternehmen wie Veolia keine Chance, ganz egal wie gut man intern eine Restrukturierung gestaltet.

Sehr stark waren heute die Gold-Minenwerte die im Mittel um mehr als 2% stiegen, wie man dem GDX oder HUI entnehmen konnte. Und Gold zuckte wie ein nervöses Pferd hin und her. Die gestern besprochene Expansion ist scheinbar nicht mehr weit entfernt - fasten your seatbelts !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari