Marktupdate – 30.05.12 – Das Motto der Algos: Shoot First, Think Later

13.20 Uhr

Interessanten Anschauungsunterricht wie der Markt mittlerweile funktioniert, bekamen wir heute um exakt 13 Uhr. Schauen Sie auf den Minuten Chart des DAX-Future.

Exakt um 13 Uhr bewegte sich der DAX wie ein Strich um 100 Punkte nach oben. Was war passiert ?

Nun, ich vermute es war eine Reaktion auf die um 13 Uhr veröffentlichten Berichte der EU Kommission. Teil dieser Berichte war - laut einer Meldung des WSJ - dass die Kommission vorschlägt, in der Eurozone eine Art "Banken-Union" aufzusetzen, also eine Vergemeinschaftung des Risikos der Banken. Weiter soll die Kommission vorgeschlagen haben, den neuen Rettungs-Fonds (ESM) zu benutzen, um damit das Kapital der "Banken-Union" direkt zu erhöhen.

Ich betone, dass die obigen Zeilen Stand 13.20 Uhr komplettes Hörensagen meinerseits sind. Ich kann den Wahrheitsgehalt im Moment noch nicht klären und selbst wenn es wahr wäre, billige ich diesem Statement der Kommission zunächst nur begrenzte Bedeutung zu. Die einzelnen Staaten interessiert bei Fragen der Eurozone doch schon länger nicht mehr, was die Kommission für Empfehlungen ausspricht. Nur wenn sich die Schwergewichte der Eurozone positiv zu dem Vorschlag der Kommission äussern würden, würde ich das Thema ernst nehmen. Und Deutschland dürfte dagegen sein, also vielleicht ein Bounce der wieder verkauft wird. In ein paar Stunden werden wir aus der Presse sicher mehr wissen.

Spannend ist aber die Reaktion des Markte zu sehen, frei nach dem Motto "Shoot First, Think Later". Denn genau um 13 Uhr gab es die riesige Bewegung die Sie im Chart sehen können. Waren das Menschen die da auf den Knopf gedrückt haben ? "You never know", aber ernsthaft - ich halte das für weitgehend ausgeschlossen, denn Menschen hätten zumindest 30-60 Sekunden gebraucht um in der Meldung an die Stelle zum Thema "Banken-Union" zu kommen und dann auf "Buy" zu drücken.

Nein, ich gehe fest davon aus, diese Bewegung wurde durch Algos initiiert, die ja mittlerweile mit intelligenten Algorithmen die Meldungen selber auf Keywörter scannen. Und so machte es "Woosh" nach oben exakt in der Sekunde, in der das Wort "Banking-Union" über den Ticker ging. Und ganz typisch, exakt beim Widerstand von 6400 war dann vorläufig Schluss mit der Bewegung im DAX, auch typisch für Algos die sich stark an den technischen Marken orientieren.

Konsequenterweise setze danach das Bröseln der Kurse wieder ein, denn nun begannen Menschen nachzudenken, ob diese Meldung nun wirklich so bedeutend ist. Am Ende schossen die Algos also wie ein Cowboy aus der Hüfte und die Menschen dachten später darüber nach. Schöne neue Börsenwelt !

Soweit meine persönliche Interpretation des Geschehens "Live" um 13.20 Uhr. Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse daraus !

Ein Schluss ist aber wohl schon jetzt klar: falls so eine Nachricht als realer Plan bestätigt würde, dürfte der DAX innerhalb Minuten wie eine Rakete abheben. Ohne Stops wird man da als privater Anleger gegrillt, wenn man auf der falschen Seite steht. Vergessen Sie das nie, wenn Sie sich kurzfristig in diesem politischen Markt bewegen wollen !

Ihr Hari

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Aktuelles Update zu: Börsenregeln reloaded III – Never Catch A Falling Knife !

Ein Gastartikel von Tokay

Aktuelles Update zu: Börsenregeln reloaded III - Never Catch A Falling Knife !

Nachdem wir uns nun einer entscheidenden Phase nähern, hier eine neue Trendanalyse. Ich habe das Diagramm etwas vergrößert, um für die Einschätzung der nächsten Tage und Wochen etwas Raum zu lassen. Die Entwicklung des DAX der vergangenen Wochen und Monate wurde durch folgende Merkmale bestimmt:

  • Wir haben nach wie vor einen insgesamt rückläufigen gleitenden 200-Tage Durchschnitt(gelbe Linie). Für eine Baisse wäre es, wie wir gesehen haben, eher typisch, wenn ein langfristig positiver Trend durch einen kurzfristig sehr negativen Trend gebrochen würde.
  • Vom 24. November 2011 bis zum 16. März 2012 hatten wir einen positiven Trend.(Strecke AB) Dieser positive Trend wurde anschließend gebrochen.
  • In der Folge hatten wir einen negativen Trend(Strecke BCD). Dieser negative Trend wurde nach dem 27. April verstärkt(Strecke CE), da die anschließenden Topps immer schwächer ausfielen. In der vergangenen Woche fiel auf, dass der Anstieg vom Dienstag nicht bestätigt wurde. Es kam damit zur Ausbildung eines weiteren abgeschwächten Topps im kurzfristig negativen Trend.

Punkt E ist der Schnittpunkt zwischen dem linearisierten 200-Tage-Durchschnitt und dem zuletzt beobachteten kurzfristigen Trend. Dieser Schnittpunkt spielt eine kritische Rolle. Wird er unterschritten, steigt die Wahrscheinlichkeit einer beschleunigten Abwärtsdynamik deutlich und wir hätten damit im März das Ende einer Bärenmarktrallye erlebt. Dies ist deswegen so, weil zum einen das Unterschreiten des 200-Tage-Durchschnitts schon per se ein starkes Signal darstellt. Zum zweiten würde ein solches Ereignis, sofern es innerhalb der nächsten zwei Wochen passierte, die Abwärtsdynamik des Kurzfristtrends bestätigen.

Positiv wäre zu sehen, wenn die kurzfristig negativen Trends BCD bzw. CE gebrochen werden könnten. Dazwischen bewegt man sich im analytischen Niemandsland, in dem man nur schwer beurteilen kann, wohin die Reise geht. Es ist aber klar, dass ein Verlassen dieses Bereichs in die eine oder andere Richtung ein starkes Signal wäre. Eine Maßnahme, die ein solches Signal auslösen könnte, wäre aus heutiger Sicht naheliegenderweise das griechische Ausscheiden aus dem Euro(„Grexit“). Es ist aber auch denkbar, dass etwa eine Maßnahme der EZB stabilisierende Wirkungen auf die Märkte auslösen könnte.

Tokay

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Hari´s Märkte am Abend – 25.05.12 – Wochenabschluss – DAX Lagebesprechung

19.30 Uhr - heute etwas früher, da ich nicht glaube, dass heute am Markt noch viel passiert.

Zum Abschluss der Woche und in Vorbereitung auf die kommende Woche, möchte ich heute eine Reihe von Punkten ansprechen, die mir im Moment bedeutsam erscheinen.

TAKTISCHES

Lassen wir mal die ganze Politik beiseite und schauen mal nur auf den Chart des DAX. Ich habe dazu den Chart des Futures in der Stundensicht gewählt, weil wir dort wegen der Handelszeit bis 22 Uhr weniger Gaps haben und daher eine kontinuierliche Entwicklung sehen können. Lassen Sie sich von der Komplexität des Bildes nicht verwirren, ich werde weiter unten die Szenarien erklären.

Denn ich will Ihnen zeigen, dass man die aktuelle Entwicklung ebenso bullisch wie bärisch interpretieren kann, je nachdem welchen Blickwinkel man einnimmt.

Betrachten wir zunächst das bullische Szenario, das durch die grünen Linien gekennzeichnet ist. Man kann argumentieren, dass wir einen Abwärtstrend hatten, der durch die Bewegung vom 21.05., vom Montag dieser Woche, gebrochen wurde. Weiter kann man argumentieren, dass die Tiefs von Montag zwar getestet, aber danach nicht mehr gebrochen wurden. Als Folge hat sich eine Trendlinie immer höhere Tiefs gebildet, die ein Zeichen für eine Trendwende sein könnte. Und man kann argumentieren, dass der Non-Event des EU Sondergipfels ja eigentlich schlechte Nachrichten waren, weil Hoffnungen zerstoben. Und trotzdem hat der Markt keine neuen Tiefs gebildet, normalerweise ein Indiz für eine bevorstehende Wende nach oben.

Im bärischen Szenario würde man zunächst den typischen Ablauf solcher Korrekturen sehen. Nach einem ersten Absturz kamen wir in der starken Unterstützungszone um 6400 zum halten und haben danach eine Seitwärtsbewegung durchgemacht, in der wir versuchten die vorherige Unterstützungszone von 6600 zurück zu erobern, die nun zum Widerstand geworden war. Nachdem das mehrfach nicht gelang und durch die Seitwärtsbewegung die überverkaufte Markttechnik abgebaut war, gab es den ganz typischen nächsten Schwall nach unten, der erst oberhalb 6200 zum Halten kam. Nun begann das gleiche Spiel, 6400 war zum Widerstand geworden und mehrfache Versuche diese Marke zurück zu erobern scheiterten. Mit dem heutigen Tag ist der überverkaufte Marktzustand auch wieder deutlich abgebaut, was Raum für den nächsten Schwall nach unten schafft, der dann eine Zone 6000-6200 etablieren könnte. Und im übrigen haben wir zu keinem Zeitpunkt die Linie des 200er Durchschnitts zurück erobern können, der durch die feine schwarze Linie dargestellt ist. Das ist eher das Zeichen eines bestehenden Abwärtstrends.

Soweit die beiden Sichtweisen. Sie merken vielleicht schon aus meinen Worten, das ich rein von dem her was ich im Chart sehe, eine leichte Präferenz zum bärischen Szenario habe. Für mich sieht das was der Markt aktuell macht eher nach einer Konsolidierung vor der nächsten Abwärtsbewegung, als nach einer Wende aus. Allerdings hat die markttechnische bzw charttechnische Analyse in so einem politischen Umfeld natürlich massive Grenzen, diese liefert nur dann brauchbare Erkenntnisse, wenn der Markt ohne starken Einfluss von aussen alleine schwingen kann.

Das ist aber definitiv nicht der Fall, am Ende entscheidet die Politik und der griechische Wähler über das kurzfristige Schicksal des DAX. Insofern bleibe ich bei meiner schon geäusserten Sicht einer leichten (55:45) Präferenz für weiter fallende Kurse. Substantiell geändert werden kann das Bild bis zum 17.06. wohl nur durch überraschende Entwicklungen, die wir alle im Moment noch nicht sehen.

Insofern, abwarten, Tee trinken und Kapital schützen. So einfach kann Strategie sein und so schwierig ist das umzusetzen. 😉

STRATEGISCHES

Je mehr ich darüber nachdenke, lese und verstehe, desto mehr wird mir klar, dass das Thema des "Shale Gas" in den US zu einem echten "Game-Changer" mit weltweiten Konsequenzen wird. Es sieht so aus, als ob den USA damit auf Jahrzehnte eine billige Energiequelle zur Verfügung steht, als Folge davon könnte die USA zu einem Netto-Exporteur von fossilen Energierohstoffen werden. Schon heute ist eine Anpassungsbewegung im Gange, in deren Folge Kraftwerke und energieintensive Industrie auf Gas umstellen. Und die US Administration fördert das massiv.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind erheblich. Geopolitisch dürfte der Nahe Osten mit seinen Ölvorräten damit seine strategische Bedeutung für die USA langsam verlieren, aber auch Länder wie Russland, die ausser Öl und Gaslieferungen nicht viel zu bieten haben, dürften mittelfristig ein Problem bekommen. Noch wichtiger ist aber der Effekt auf die amerikanische Schwerindustrie, die einen rasanten Wiederaufstieg erleben dürfte. In den alten, abgewrackten Industrieregionen rund um Pittsburgh macht sich jetzt schon Aufbruchsstimmung breit. Denn billige Energie verschafft der US Industrie erhebliche Wettbewerbsvorteile. Und das betrifft nicht nur die Schwerindustrie, sondern alle Industriezweige, die Öl als Kostenfaktor haben, so auch die Chemieindustrie wie zum Beispiel die alt ehrwürdige Dow Chemical (WKN 850917). Die BASF (WKN BASF11) hat das übrigens auch erkannt und baut schon in den USA ein Werk. Falls Sie es übersehen haben, sollten Sie unbedingt -> dieses <- Interview mit dem US Chef von BASF lesen.

Übrigens, wir in Europa könnten den gleichen Boom erleben, so gibt es zum Beispiel in Polen, aber auch bei uns in der Norddeutschen Tiefebene, wahrscheinlich erhebliche Vorkommen unkonventionellen Gases, die gefördert werden könnten. Zumindest bei uns in Deutschland ist das aber unvorstellbar, da wären schon diverse Bürgerinitiativen vor. In Deutschland wehrt man sich zunehmend gegen alles, das die vermeintlich "heile" Welt vor der Haustür verändern könnte. Sie müssen sich einmal vorstellen, am Südrand des Schwarzwaldes bei Bad Säckingen wehren sich Bürgerinitiativen sogar gegen ein Pumpspeicherwerk, also gegen einen "ach so bösen" Speichersee oben im Schwarzwald, der als Energie-Zwischen-Speicher dienen soll und in der Nähe eines schon vorhandenen Speichers gebaut werden soll.

Ich kenne übrigens den Ort an dem gebaut werden soll und kann nur sagen, mir fehlt jedes Verständnis für Widerstand gegen das Projekt. Es gibt wohl kein Bauwerk im Bereich Energie, dass umweltfreundlicher ist und weniger Emissionen, Lärm und Risiko beinhaltet, als ein ruhiger, blau schimmernder Speichersee ! Und damit die Energiewende mit erneuerbarer Energie überhaupt gelingen kann, brauchen wir zwingend Stromspeicher, denn Sonne und Wind sind halt nicht 24 Stunden rund um die Uhr verfügbar. Was wäre also naheliegender, als neben einen schon vorhandenen Speicher noch einen grösseren zu setzen ? Aber selbst das ist nun nicht mehr gewollt, für einige Mitbürger scheint Wohlstand einfach vom Himmel herab zu fallen und der Strom aus der Steckdose zu kommen. Wenn Sie es nicht glauben, lesen Sie -> hier <-

Den USA steht nach meiner Erwartung auf jeden Fall eine positive Entwicklung bevor, das Bankensystem ist stabilisiert, der Häusermarkt zieht an, die Verbraucher fassen Vertrauen, das Land hat eine positive demographische Entwicklung und nun kommt noch billige Energie oben drauf. Und wer glaubt, dass Amerika seine "yes we can" Mentalität verloren hätte, der kennt das Land sowieso nicht. Diese war unter Depression verschüttet, gehört aber zur "genetischen Ausstattung" der amerikanischen Nation und wird sich wieder durchsetzen. Ich erwarte in den nächsten Jahren daher einen beeindruckenden industriellen Wiederaufstieg der USA, während Europa sich auf absehbare Zeit selbst lähmt. Auf meine Anlageschwerpunkte hat das schon heute deutliche Konsequenzen. Und wenn man sich dann noch einige mögliche Konsequenzen der Eurokrise ausmalt, macht es jede Menge Sinn einen Teil seines Depots im Dollarraum zu haben.

SELEKTIVES

Sie erinnern sich vielleicht daran, dass ich mich hier zuletzt mehrfach über das Management der Aixtron (WKN A0WMPJ) mokiert hatte, dass einerseits die Anleger mit Hoffnung beruhigt, andererseits aber da wo es zählt, beim eigenen Geld, keinerlei Anstalten macht die Ernsthaftigkeit der eigenen Worte durch Insiderkäufe zu untermauern. Nun hatten wir am 17. und 21.05. sogar einen massiven Insiderverkauf in Höhe von zusammen 1,7 Millionen € ! Jetzt ist nicht jeder Insiderverkauf gleich ein Grund in Panik zu geraten, auch Insider wollen mal was finanzieren und brauchen ihre Mittel an anderer Stelle. Trotzdem frage ich Sie: Wenn Sie beim eigenen Unternehmen, dessen Auftragsentwicklung Sie sehr gut kennen, davon ausgehen würden, dass die Wende im Gange ist und dass der Kurs im 2. Halbjahr wieder bei 16-18€ steht, würden Sie dann heute 1,7 Millionen zum Kurs von 13€ auf den Markt werfen ? Ich definitiv nicht, da hole ich mir dann lieber eine Zwischenfinanzierung, wenn ich das Geld wirklich brauche.

Ganz im Gegensatz dazu ist in meinen Augen übrigens der Kabelhersteller Leoni (WKN 540888) zu sehen, ein Unternehmen mit attraktivem Produktportfolio und klarem Wachstumstrend. Hier ist der Kurs im Zuge der Marktschwäche deutlich herunter gekommen und nun haben am 18., 21. und 22.05 drei Vorstände für zusammen ca. 420 Tausend € eigene Aktien gekauft. Das sieht eher nach Vertrauen in das eigene Unternehmen aus !

Wer mich fragt, welches Papier ich aktuell im Sinne von "Buy and Hold" in mein Depot legen würde, dem würde ich die schweizerische ABB (WKN 919730) nennen. ABB ist marktführend im Bereich Energie-Infrastruktur und dürfte massiv von den absehbaren Umbrüchen, auch durch die "Energiewende", profitieren. Kurzfristig leidet auch ABB natürlich etwas unter der Eurokrise, da bei diesen Grossprojekten auch immer politische Einflüsse eine Rolle spielen, wir konnten das ja zuletzt auch bei den Windkraft-Projekten von Siemens (WKN 723610) beobachten. Insofern sind kurzfristige Sprünge beim Kurs der ABB eher unwahrscheinlich. Aber mittelfristig führt an anderen Energienetzen und damit an ABB wohl kein Weg vorbei, selbst bei weiterer Krise in Europa.

Schaut man sich die aktuelle Kursentwicklung und Bewertung an, sieht man, dass die stocksolide ABB derzeit zu höchst attraktiven Kursen zu haben ist, sehen Sie selbst im Stundenchart, das den Kursverlauf des letzten Jahres abbildet:

In meinem Investmentdepot ist ABB nun auch vertreten und ein Titel, mit dem ich tatsächlich "Buy and Hold" umsetzen werde. Denn ich sehe langfristig erhebliche Chancen und kann ganz entspannt bis dahin warten, 4% Dividendenrendite versüssen die Wartezeit. Wer ganz sicher gehen will nicht deutlich ins Minus zu rutschen, legt einen Stop auf ca. 11,50 €.

WISSENSWERTES

Ich hatte ja zuletzt einiges über SpaceX, Tesla (WLN A1CX3T) und Elon Musk geschrieben und Tesla schon im Februar -> hier <- thematisiert. Nun ist im Handelsblatt ein interessanter Artikel erschienen, den ich Ihnen zum Lesen empfehle:
-> Elon Musk auf Apples Spuren <-

Am kommenden Pfingstmontag ist die Börse in Frankfurt zwar geöffnet, das dürfte aber einer der sinnlosesten Handelstage seit langem werden. Denn nicht genug damit, dass wegen des langen Wochenendes viele Marktteilnehmer sowieso lieber bei ihren Familien sind. Nein, dieses Jahr fällt in den US auch noch der Memorial Day auf den Pfingstmontag, weshalb die US Börsen geschlossen sind. Den kommenden Montag kann man also börsentechnisch wohl komplett ignorieren.

Bedenken Sie bitte auch, dass ich nächste Woche Urlaub von der Börse mache. Ich bin im Lande und werde gerne auf Kommentare reagieren, insofern keine Scheu, schreiben Sie. Und ich werde vielleicht sogar mal den einen oder anderen Beitrag im Blog verfassen. Ich werde aber die Börse nur mit einem Auge beobachten und daher wird es nach Handelsschluss auch keine "Märkte am Abend" geben. In der übernächsten Woche sollte dann alles wieder normal laufen.

Ich wünsche Ihnen schöne Pfingstfeiertage und viel Erfolg in der kommenden Woche !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 24.05.12 – Non-Event

22 Uhr - Handelsschluss

Das war irgendwie ein komischer Tag an den Börsen. Nachdem ich gestern damit rechnete, dass der EU Gipfel als Katalysator dafür sorgen würde, dass sich Mr. Market für eine Richtung entscheidet, hat es die Politik nun geschafft aber wirklich exakt und auf den Punkt die Erwartung des Marktes zu treffen.

Und die lautete wohl: da kommt nicht viel bei raus, aber es kommt auch nicht zum offenen Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich. Denn genau das ist passiert und Mr. Market reagierte heute mit einem vernehmlichen Gähnen. Es ging zwar Intraday etwas runter, aber am Ende hat es der S&P500 Future geschafft, exakt auf Vortagesniveau zu schliessen. Das war heute also ein "Non-Event".

Damit sehe ich aber meine Sicht bestätigt, dass es dem Markt gar nicht um Griechenland geht, Griechenland ist irrelevant und abgehakt. Denn andernfalls müsste die Angst sofort wieder losgehen, es wurde ja nichts entschieden was beruhigen könnte. Es geht Mr. Market aber primär um die Zukunft der Euro-Zone, die im Tauziehen zwischen Frankreich und Deutschland gestaltet wird. Der Markt hat nur deshalb Angst vor einem "Grexit", weil er (nicht ganz zu Unrecht) befürchtet, dass Panik und Chaos dann auf andere Länder wie Portugal und Spanien überschwappen und damit die ganze Eurozone gefährdet würde. Es geht also nicht um Griechenland, sondern um die möglichen Kollateralschäden in der Eurozone, für die ein "Grexit" nur der Auslöser wäre.

Wenn meine Sicht richtig ist, leitet sich daraus aber auch ab, dass es Europa theoretisch leicht fallen könnte einen "Grexit" zu beherrschen. Und zwar dann, wenn Frankreich und Deutschland sich sichtbar unterhaken und Einigkeit demonstrieren würden, einen "Grexit" um jeden Preis zu beherrschen. Wenn...

Denn damit ist traurigerweise nicht zu rechnen, da Hollande unbedingt auch noch die Parlamentswahlen gewinnen muss, damit er nicht schon frühzeitig in seiner Präsidentschaft gegen eine "feindseliges" Parlament regieren müsste. Bis dahin ist von Hollande also weiter Wahlkampfrhetorik zu erwarten. Und nun raten Sie mal, wann die Parlamentswahlen sind ? Am 10. und 17.06.12. Richtig, genau dem 17.06., an dem auch Griechenland wählt. Tragisch oder ? Es gibt also leider wenig Chance auf "Unterhaken" und ein starkes Signal der Einigkeit vor den Wahlen in Griechenland.

Nebenbei bemerkt will Hollande nach Presseberichten vor den Parlamentswahlen nun wohl auch ganz schnell sein "Rente mit 60" Versprechen einlösen. Wie das bezahlt werden soll ist scheinbar egal. Eine öffentliche Diskussion, die sich primär an dem Renteneintrittsalter festmacht, ist für mich ein Ärgernis, auch hier in Deutschland wird oft ähnlich plump argumentiert. Ich gönne jedem seine frühe Rente und ich würde auch gerne mit 50 in den "Ruhestand" gehen, wie so mancher Staatssekretär einer abgewählten Partei. Aber die Finanzierbarkeit einer Rentendauer hängt halt primär von dem Verhältnis der Beitragsjahre zu den Rentenjahren ab und das gilt unabhhängig davon ob man ein Umlage- oder Kapitalverfahren hat. Das ist simpelste Grundschul-Mathematik, aber selbst die scheinen nicht alle zu begreifen.

Früher haben die Menschen 40 Jahre eingezahlt, wurden 75 Jahre alt und hatten daher 10-15 Jahre Rentenbezugszeit. Die jetzige Generation wird aber im Schnitt 90 Jahre alt werden und hat daher 20-30 Jahre Rentenbezugszeit. Kann mir jetzt mal bitte jemand erklären, wie das bei immer noch 40 Jahren Anspardauer funktionieren soll, ohne dass entweder die Leistungen massiv gekürzt werden oder signifikant mehr in der Ansparphase eingezahlt wird ? Ich finde derartige Versprechungen deswegen in höchstem Masse unseriös. Ich habe nichts dagegen, den Menschen weiterhin eine Rente mit 60 zu gönnen, dann muss die Politik aber auch die Seriosität besitzen, den Wählern die Konsequenzen zu erklären: entweder mehr ansparen oder niedrigere Renten. Im Falle unseres Generationenvertrages würde sich die Last des "mehr ansparen" dann auf unsere Kinder verlagern, was es aber auch nicht besser macht, ausser das Wohl unserer Kinder wäre uns egal. Mathematik lässt sich halt nicht populistisch bestechen.

Ganz übel wird solche Wohltatenpolitik dann aber, wenn gleichzeitig Eurobonds verlangt werden, die defacto eine Vergemeinschaftung der Schulden und damit der Staatsfinanzierung wären. Als Ergebnis würde dann der deutsche Rentner der mit 67 in die Rente geht, die Rente mit 60 des französischen Rentners finanzieren. Das ernsthaft zu verlangen ist für mich eine Frechheit. Als Konsequenz sollten wir dann die Rente mit 50 einführen um den Spiess umzudrehen. Worauf die anderen mit der Rente mit 40 antworten. Wohin das führt, sollte selbst der verbohrteste Ideologe sehen, auf jeden Fall nicht zu mehr Wohlstand in Europa.

Ich habe auch nichts gegen Eurobonds, aber bitte nachdem wir in Europa alle die gleichen Sozial- und Steuersysteme haben und wir nach dem demokratischen Prinzip "ein Mensch eine Stimme" alle darüber abstimmen können, wenn jemand seine Wähler mit Geschenken beglücken will. Wenn die Eurozone so weit ist, dann sofort her mit den Eurobonds, dann bin ich sofort dafür. Davon sind wir aber noch Jahrzehnte entfernt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang zu sehen, dass auch SPD-Chef Gabriel nun scheinbar begriffen hat, welche Sprengkraft das Thema bei den deutschen Wählern hat. War Hollande bisher sein Held und wurde gefeiert, so heisst es nach einer Präsidiumssitzung der SPD, in der laut Presse Franz Müntefering seine Stimme erhob, nun plötzlich: der (Hollandes) Vorschlag sei "skurril". Lesen Sie zum Beispiel -> hier <- in der FAZ. Naja kann ich dazu nur sagen, besser eine späte Erkenntnis als nie.

Nun aber genug auf unsere "sozialistischen Freunde" in Frankreich geschimpft, kommen wir zurück zum Markt. Eben weil Hollande bis zum 17.06.12 Wahlkampf machen wird, dürfte das Ergebnis in Griechenland höchst riskant sein, weil es auf keine geeinte Eurozone trifft. Und deshalb dürfte auch die klare Botschaft der EU an die griechischen Wähler im Vorfeld der Wahl fehlen.

Insofern bin ich Stärke des Marktes gegenüber weiterhin eher skeptisch eingestellt. Und ich werde mich auch so weit es geht aus der Eurozone heraus halten, Anlagen erfolgen also primär im Dollarraum. Denn bis zur Entscheidung in Griechenland halte ich einen nachhaltigen Anstieg des Marktes für unwahrscheinlich, ausser die Umfragen würden schon vor der Wahl eine klare Mehrheit der Parteien vorausssagen, die die Vereinbarungen weiter honorieren wollen.

Da wir aber alle wissen, dass Griechenland so oder so keine Vereinbarungen einhalten kann - denn das würde vor allem anderen eine grundlegende Reform der staatlichen Institutionen mit Massenentlassungen bei Staatsbediensteten erfordern - hoffe ich persönlich zum Wohl der Eurozone, dass nach der Wahl endlich der "Grexit" kommt, die Folgen halte ich für beherrschbar, wenn man wirklich will. Eine Eurozone der 16 ohne diese schwelende Wunde hätte dann tatsächlich die Chance die Reihen zu schliessen. Und Griechenland könnte man dann gerne mit einer Art Marshallplan helfen. Denn nachdem die ganzen Illusionen der griechischen Radikalen dann endlich an der Realität gescheitert sind, würde man dann vielleicht ein Land vorfinden, dass sich wirklich helfen lassen will, statt den Helfern als Dank ins Gesicht zu spucken oder wie in Berlin beim Leiter der Griechenland-Task-Force geschehen, ihre Autos anzuzünden. Das wäre eine Chance für einen echten Neuaufbau zum Wohle des griechischen Volkes. Manchmal müssen die Dinge halt erst schlimmer werden, bevor sie besser werden können. So traurig das auch ist.

In dem Zusammenhang habe ich dank eines Leserkommentar in obigem FAZ Artikel einen Hinweis auf ein tolles Zitat zum Thema gefunden:
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Der Staatshaushalt muß ausgeglichen sein.
Die öffentlichen Schulden müssen abgebaut, die Arroganz der Behörden muß gemäßigt und kontrolliert werden.
Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen verringert werden, wenn der Staat nicht bankrott gehen soll.
Die Leute sollen wieder lernen zu arbeiten, statt auf öffentliche Rechnung zu leben.
Der Staatsdienst muß zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut sind, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist.

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Und jetzt raten Sie mal, von wem das ist: Marcus Tullius Cicero, Römischer Redner, Politiker und Schriftsteller, 106-43 v. Chr. Kaum zu glauben wie sich Geschichte immer wiederholt.....

Kommen wir zu dem, was man in so einer dramatischen Phase mit seinem Kapital machen kann.

Zunächst einmal ist Kapitalerhalt und Schutz allererste Anlegerpflicht, wie ich hier schon mehrfach schrieb. Das ist in meinen Augen definitiv nicht die Zeit für aggressive Wetten egal in welche Richtung, zu unsicher und erratisch ist die politische Grosswetterlage.

Ich will deswegen aktuell auch gar keine Tips oder Hinweise zu konkreten Anlagen geben, zu gross ist das Risiko durch eine politische Volte innerhalb 24 Stunden völlig falsch zu liegen. Statt dessen finden Sie es aber vielleicht interessant zu lesen, was ich persönlich in den letzten Tagen für Depotbewegungen vorgenommen habe. Ziehen Sie daraus Ihre eigenen Schlüsse.

Hier ist also als Premiere (*Fanfare* ;-)), die grobe Liste meiner Aktivitäten von Montag bis Donnerstag dieser Woche:

(1)
Positionen in den Gold- und Silberminen wurden teilweise verdoppelt und zwar im ETF GDX und in Einzelaktien.

(2)
Erste kleine Basis-Positionen bei Ölkonzernen wurden aufgebaut, nachdem ich diese vor ein paar Wochen fast auf Null herunter gefahren hatte. Im Depot sind nun wieder:
BP (WKN 850517), Apache (WKN 857530), Statoil (WKN 675210), Repsol (WKN 876845), Suncor (WKN A0NJU2).

(3)
Der Düngemittelsektor wurde ausgebaut, neben K+S (WKN KSAG88) sind nun auch Mosaic (WKN A1JFWK) und Yara (WKN A0BL7F) wieder im Depot. Darüber hinaus Bunge (WKN 762269) als Wette auf den Agrarsektor.

(4)
Erste kleinere Basis-Positionen bei Bluechips des NASDAQ wurden wieder aufgebaut, nachdem ich seit Wochen dort fast nicht mehr investiert war. Im Depot sind nun wieder: Sandisk (WKN 897826), Cisco (WKN 878841) und Broadcom (WKN 913684).

(5)
Short Euro im Verhältnis zur Norwegischen Krone aufgebaut, also Short EURNOK.

(6)
Heute (Donnerstag) bei S&P500 > 1320: Short auf die breiten Indizes S&P500 und DAX wieder aufgebaut. Stop bei S&P500 1345 und DAX 6620.

An obigen Bewegungen der bisherigen Woche sehen Sie, dass ich mich im Moment komplett aus dem europäischen Aktienmarkt fern halte, auch aus der DAX Familie. Ich habe zwar einige Positionen in Deutschland, die baue ich aber nicht aus und warte ab. In den US und im Bereich Öl und Agrar traue ich mich aber schon wieder einen ersten Zeh in den Markt zu stecken, aber auch nicht mehr. Meine Shortpositionen sind primär ein Hedge, ich bin in Summe aktuell 25% Net-Long, weit überwiegend im Dollarraum.

So weit so gut zu meiner aktuellen Aufstellung. Bedenken Sie dabei, dass ich meine Meinung blitzschnell ändern kann und wenn Morgen zum Beispiel im Ölsektor etwas passiert, was ich als "Gamechanger" betrachte, bin ich auch schneller wieder draussen, als ich hier im Blog "buh" schreiben kann. Treffen Sie also Ihre eigenen Entscheidungen, es ist Ihr wertvolles Kapital. Tun Sie alles dafür, es zu erhalten - wenn Sie das schaffen und damit lange genug im Spiel bleiben, kommt der Ertrag irgendwann von ganz alleine !

Zum Schluss vielleicht noch ein Hinweis: es gibt eine wichtige psychologische Voraussetzung so eine Phase gut zu überstehen. Man muss sich von der Angst lösen, nach oben etwas zu verpassen. Ich denke wir kennen alle den Reflex "oh es dreht, schnell noch aufspringen". Bedenken Sie, solche massiven Bewegungen wie aktuell enden nicht "mal eben". Und wie ich schon in einem Kommentar schrieb, in 9 von 10 Fällen stellt sich das "Oh es dreht" Gefühl als Bullenfalle heraus. Und selbst wenn Sie ein paar Prozent des Wiederanstiegs verpassen sollten, es bleibt danach immer noch genug Zeit Geld zu verdienen. Denken Sie an letzten Herbst, das Gezappel im Bereich 5000-5500 hätte man sich sparen können. Es hätte gereicht, gelassen bei 6000 einzusteigen als sich der Trend nach oben etablierte und gelassen bei 7000 auszusteigen.

In diesem Sinne, lassen Sie uns unser Kapital erhalten und gelassen auf bessere Börsenzeiten warten - glauben Sie mir, Sie werden definitiv kommen !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 23.05.12 – Von kulturellen Unterschieden in Europa

22 Uhr - Handelsschluss

Meine Skepsis der gestrigen Rally gegenüber war offensichtlich berechtigt. Wir gaben die Gewinne der beiden Vortage fast vollständig wieder ab und näherten uns bedenklich einem Test der Tiefs von Freitag. Dann aber kamen im späten Handel wieder Gerüchte um den EU Gipfel und ein QE3 in den Markt, die zu einem kleinen Short Squeeze führten. All das ist eindrucksvolles Zeichen der grossen Nervosität im Markt.

Wo stehen wir damit und wie geht es weiter ? Es ist alles offen, aber Morgen dürfte die Entscheidung für den Markt fallen.
Morgen, mit der Reaktion des Marktes auf die Ergebnisse des EU Sondergipfels, wird es wohl ernst und wir sollten uns alle für heftige Bewegungen festschnallen.

Entweder werden wir Morgen die Tiefs von Freitag durchschlagen, dann geht die Reise noch deutlich tiefer. Dann dürften wir im S&P500 in den Bereich zwischen 1250 und 1280 abstürzen und im DAX uns Richtung 6000 bewegen.

Oder, der Markt nimmt die Ergebnisse positiv auf, dann haben wir nun erhebliches Potential für einen mächtigen Short-Squeeze, der den DAX bis Freitag wieder bis 6600 treiben könnte.

Morgen dürfte also der "Tag des Gerichts" sein und wehe dem, der massiv auf der falschen Seite steht. Wie es ausgeht, kann niemand vorher sehen, auch ich nicht. Mein Eindruck ist aber, dass der Markt viel weniger vor dem "Grexit" Angst hat, als vor Streit zwischen Frankreich und Deutschland, der ein Ende der Eurozone herauf beschwören würde. Insofern wird der Eindruck ganz entscheidend sein, den Hollande und Merkel machen. Entsteht der Eindruck eines Zerwürfnisses, dürfte der Absturz nicht zu verhindern sein. Entsteht aber der Eindruck, dass man diese Sache fest "Seit an Seit" durchstehen will, dürfte die Angst vor dem "Grexit" eines Teils der Grundlage beraubt werden und dem Short-Squeeze steht dann wohl nichts im Wege.

In Anbetracht dieser dramatischen Situation, macht weitere Diskussion individueller Aktien heute absolut keinen Sinn. Es wird dann sowieso alles massiv in die eine oder andere Richtung gedrückt. Nach einem Abstecher zu den Goldminen, erlaube ich mir heute daher weiter unten ein paar philosophische Sätze zu den kulturellen Unterschieden in Europa.

Absolut eindrucksvoll und in Anbetracht meiner Aufstellung auch begeisternd, ist das was aktuell rund um die Goldminen passiert. Gold (XAUUSD) hatte heute offensichtlich beschlossen die Tiefs noch einmal zu testen, eine Variante, die ich hier ja schon antizipiert hatte. Das hielt den Goldminen ETF (GDX) aber nicht davon ab, nach anfänglicher Schwäche und trotz dickem Minus im Gold wieder ins Plus zu drehen. Und dann, im späten Handel, macht es noch einmal *BAMM* und der GDX sprang über die 44 USD und schloss mit 4% im Plus ! Und das trotz schwachem Goldpreis und schwachem Aktienmarkt, deutlicher kann man nicht zeigen, dass man nun nach oben will.

Damit haben die Goldminen die Wende vollzogen und haben in meinen Augen deutliches Aufholpotential. Ich gehe auch davon aus, dass nach dieser Performance nun frisches Geld in den Sektor strömt. Auch das Volumen der Bewegung ist positiv. Ich habe heute in die anfängliche Schwäche hinein meine Position im GDX deutlich erhöht, weil ich das wie hier ja mehrfach thematisiert so erwartet hatte. Mein Stop bleibt zur Sicherheit bei 39 USD, denn bei aller positiver Erwartung kann es trotzdem auch immer anders kommen. Aber von diesem Stop abgesehen, geniesse ich nun die Reise. Ein Zustand der zuletzt ja selten geworden ist. 😉 Schauen Sie auf den Chart von 21 Uhr, der sagt alles.

Heute flatterte mir der "Focus-Money-Kontraindikator" wieder ins Haus, diesmal in Sachen Eurokrise mit der Überschrift "Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut". Eigentlich ist das ein Signal, dass sich die Lage bald wieder entspannen könnte, zum Beispiel durch einen überraschenden Sieg der alten Parteien in Griechenland. Allerdings bin ich derzeit nicht davon überzeugt, man kann das Spiel mit dem Kontraindikator auch überdehnen und "Gänsehaut" habe ich zum Thema schon lange, wie sie von einigen meiner Artikel wissen.

Im Heft ist dann ein interessantes Interview mit Jamil Baz, einem Hedgefondmanager der MAN-Group, mit früheren Jobs bei Goldman Sachs, Pimco, DB und einem Lehrauftrag in Oxford. Baz bringt zwischen den Zeilen einen entscheidenden Faktor der Krise in Europa ins Spiel, der aufgrund "political correctness" in der öffentlichen Diskussion weitgehend vermieden wird. Es sind die kulturellen Hintergründe der verschiedenen Länder, die sich dann unter anderem auch in unterschiedlichem fiskalischem Verhalten zeigen. Wir alle unterschätzen unsere kulturelle Prägung in meinen Augen zu oft, weil uns oft gar nicht bewusst ist, dass unsere Wertvorstellungen nicht absolut "wahr", sondern nur Ergebnis dieser Prägung sind.

Konkret ist es geradezu auffällig, dass nahezu alle wirtschaftlich wackeligen und überschuldeten Länder der Eurozone historisch vom Katholizismus geprägt sind. Umgedreht sind fiskalisch stabile Länder mit geringerer Verschuldung eher calvinistisch/protestantisch geprägt. Bevor Sie jetzt Eier auf mich werfen, ich sage damit NICHT, dass Katholiken perse nicht mit Geld umgehen können. 😉 Man sieht hier in meinen Augen nur, dass die durch die Reformation bedingte Trennung Europas in einen primär protestantischen Norden und einen primär katholischen Süden selbst hunderte Jahre später immer noch massive kulturelle Auswirkungen hat, derer sich viele gar nicht mehr bewusst sind. Denn kulturelle Prägung wird von Generation zu Generation weiter gegeben und ändert sich nicht so schnell wie Regierungen.

Denn während der Katholizismus weit mehr Raum zur fülligen "Lebensfreude" (man kann es auch "Sünde" nennen) bietet, ist die calvinistisch/protestantische Ethik von Askese und Fleiss, aber oft auch übertriebenem Ernst geprägt. Die "Leichtigkeit des Seins" ist der protestantischen Ethik einfach nicht in die Wiege gelegt. Ohne diese protestantische Ethik wäre eine "preussische Kultur" unmöglich gewesen und ohne die Lebensfreude der katholischen Ethik, wäre manch prachtvolles Bauwerk nicht existent, das nun die Welt bereichert.

Jetzt will ich die Welt wirklich nicht holzschnitzartig und primitiv schwarz/weiss sehen, es gibt prosperierende, katholisch geprägte Regionen mit Weltunternehmen wie in Norditalien und ebenso protestantische, aber wirtschaftlich "arme" Landschaften wie in Mecklenburg-Vorpommern. Denn diese kulturelle Prägung aus der Reformation wird natürlich auch noch von vielen anderen historischen Faktoren überlagert und unterliegt natürlich noch anderen Faktoren, als nur der Trennlinie durch die Reformation.

Trotzdem darf man die Existenz und Bedeutung dieser kulturellen Prägung nicht übersehen und unterschätzen. Gerade hier in Deutschland, dass durch die Reformation geteilt wurde, sind doch zum Beispiel die Unterschiede zwischen hanseatischer und urbayrischer Lebensart offensichtlich. Sie verschwimmen natürlich zunehmend, weil "urbayrisch" ist in Bayern noch das Land, aber nicht mehr die wirtschaftlichen Zentren wie München, trotzdem sind die Unterschiede offensichtlich.

Damit es keine Missverständnisse gibt, ich werte das nicht und es geht hier auch nicht um persönliche Präferenzen, die ich im übrigen nicht habe - beide Wertsysteme haben für mich ihre guten Seiten, die ich versuche mir jeweils heraus zu picken. Und ich lebe gerne in Bayern, auch auf dem Land. 😉 Ich weise nur darauf hin, dass beide Kulturen eine unterschiedliche Ethik und Wertvorstellungen besitzen, deren Folgen wir auch heute noch in den Wirtschaftssystemen bewundern können. Und daraus folgt erneut, dass nicht nur dem Euro, sondern auch der EU als reinem "Reissbrettprodukt" der politischen Eliten, in Teilen das gemeinsame Wertesystem fehlt. Nordeuropäer und Südeuropäer sind sich in bestimmten Bereichen immer noch kulturell fremd.

Wir sind zwar alle Europäer, aber weder ein Volk noch eine Kultur. Das wird in meinen Augen massiv unterschätzt, bricht nun aber in Anbetracht der Eurokrise wieder mit Gewalt auf, was an den wieder auftauchenden Ressentiments auf beiden Seiten eindrücklich zu beobachten ist. Es gibt einfach keine wirklich europäische Identität und deshalb fühlen sich die Brüsseler Institutionen für die Bürger Europas auch so leer und emotionslos an. Deshalb würden auch in keinem Land Europas die Bürger für Brüssel auf die Strasse gehen, ein Faktum, das sehr zu denken geben sollte.

In Summe ist das keine hoffnungsvolle Prognose für "diesen" Euro und "dieses" Europa. Wie ich schon an anderer Stelle sagte, hat für mich die Politikergeneration der Kohls und Waigels mit dem Euro-Projekt ungewollt und in euphorischer Überschätzung der europäischen Entwicklung den Spaltpilz an Europa gelegt. Gewollt wurde genau die Überwindung dieser kulturellen Unterschiede, der Euro bewirkt aber das Gegenteil, er macht die Unterschiede wieder für die Bevölkerung erlebbar - ein Spaltpilz eben. Man war voller guter Absichten, aber wollte zu viel und zu schnell.

Und deswegen wäre es im Sinne Europas Zukunft in meinen Augen unbedingt nötig, dass wir diese Spannung schnell wieder abbauen, auch um den Preis des harten Austritts einiger Länder aus der gemeinsamen Währung und vielleicht sogar der EU. Denn nur dann, wenn diese Spannung wieder verschwindet, können wir als Europäer unsere kulturellen Unterschiede wieder zu etwas Positivem im Sinne von Vielfalt und Offenheit machen und so das Trennende überwinden. Die derzeitige Krise führt aber eher zum Gegenteil, zur Abschottung und zum Erwachen alter Ressentiments. Und das bedauere ich zutiefst.

Mich würde interessieren, wie Sie den Einfluss kultureller Prägungen auf die Eurokrise und unsere Probleme in Europa sehen.

Zum Abschluss noch ein Hinweis in eigener Sache:

Seit Anfang des Jahres war ich ohne Unterbrechung jeden Abend mit den "Märkten am Abend" Online. Jetzt brauche ich auch einmal einen kleinen Urlaub und muss mich auch mal um meine eigene Gesundheit kümmern.

In der kommenden Woche (der 4-Tage Pfingstwoche), macht Mr-Market.de daher Urlaub. Ich werde Kommentare weiter freischalten und auch (mit Verzögerung) darauf reagieren. Vielleicht schreibe ich auch mal den einen oder anderen kurzen Artikel. "Hari´s Märkte am Abend" um 22 Uhr werden aber kommende Woche weitgehend ausfallen, Updates des Blogs werden eher sporadisch und überraschend sein.

Sie werden also nächste Woche mal ohne mich durch den Markt navigieren müssen, in der Woche danach will ich dann wieder ganz normal täglich mit meinen Martkberichten online sein.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 22.05.12 – Wende oder Bullenfalle ?

22 Uhr - Handelsschluss

Mit dem heutigen Tag wurde im DAX der kurzfristige Abwärtstrend gebrochen und zwar egal, wie man die Trendlinie zieht. Sehen Sie hier auf dem Stundenchart:

Ein Bruch der Trendlinie bedeutet aber keineswegs, dass es nun einfach weiter nach oben geht. Man muss das wie eine Tür sehen, die nun geöffnet wurde, unser Blick kann sich nun auch wieder nach oben richten. Das ist schon einmal eine wesentliche Veränderung gegenüber der Lage in der letzten Woche. Aber ob Mr. Market wirklich durch diese offene Tür geht, ist keineswegs sicher !

Positiv war heute sicherlich, dass auch die schwer verprügelten Werte wie Klöckner (WKN KC0100) ansprangen, 5% Plus haben wir bei dem Titel schon lange nicht mehr gesehen. Ähnliches galt heute auch für eine ST Microelectronics (WKN 893438), die mit 8% haussierte. Auch bei einer Reihe weiterer Werte, die in den letzten Wochen besonders abverkauft wurden, sahen wir heute einen gewissen Nachholeffekt. Positiv ist sicher auch, dass der DAX zum Schlusskurs die 6400 zurück erobern konnte.

Trotzdem bleibe ich in Summe vorsichtig und dem Bounce skeptisch gegenüber eingestellt. Denn nichts von dem was wir in den letzten beiden Tagen gesehen haben, ging über eine technisch fast zwingende Gegenbewegung hinaus. Und wenn man sich anschaut, wie stark bestimmte Aktien in der letzten Woche verloren haben, ist die Gegenbewegung keineswegs von besonders Stärke und Überzeugung geprägt. Die Schwäche im späten Handel der Wallstreet war heute auch kein besonders gutes Zeichen.

So weit ich das einschätzen kann, wird dieser Bounce bisher aus überdehnter Markttechnik und der Hoffnung auf den EU Sondergipfel gespeist. Die überdehnte Markttechnik ist aber mit dem heutigen Tag als Katalysator schon wieder teilweise abgebaut. Bleibt die Hoffnung auf den EU Sondergipfel und da hat der Markt nun schon etwas an positiver Erwartung eingepreist, was Raum für Enttäuschungen bietet. Insofern kommt der wirklich Test erst morgen bzw am Donnerstag, je nachdem wie lange der Gipfel dauert und ob belastbare Ergebnisse schon morgen während der Handelszeit durchsickern.

Wir sind also mal wieder in der Hand der Politik und darauf zu wetten ist ein Lotteriespiel ohne Edge für uns - ein Spiel an dem ich deshalb nur ungern teilnehme. Ich habe daher meine Aufstellung bisher nicht geändert und bleibe im Imvestmentdepot weitgehend aus dem Markt mit nur geringem Long-Exposure. Den Bounce heute habe ich primär kurzfristig im Handelssystem gespielt. Sollte mich Morgen eine gewaltige Rally überraschen, habe ich halt Pech gehabt und verpasse diese teilweise, weil ich erst verspätet aufspringe. Das ist mir aber das geringere Risiko, als mich zu früh in eine potentielle Bullenfalle einzukaufen und mit frischen Long-Positionen wie ein Mühlstein um den Hals wieder unter Wasser gedrückt zu werden.

Wenn man mich zwingen würde mich heute für eine Seite zu entscheiden, hätte ich eine leichte Präferenz zur Aussage, dass wir am Freitag wieder tiefer stehen als heute. Glücklicherweise muss ich diese Entscheidung aber nicht treffen, zumal meine Präferenz für die Short-Seite auch nur gering ist, sozusagen 55:45. Warten wir also einfach ergeben ab, was beim EU-Sondergipfel passiert.

Bei den US Kohleaktien gibt es nun wirklich jeden Tag massive Bewegungen. War eine Arch Coal (WKN 908011) gestern noch 7% im Plus, ging es heute wieder um einen ähnlichen Betrag nach unten. Auslöser war dabei wohl Patriot Coal (WKN A0M5QB), die heute mit über 30% wie ein Stein fielen ! Ich kenne die Ursache nicht und kann nur Vermutungen anstellen. Für mich sieht das aber so aus, als ob bei Patriot Coal nun eine mögliche Pleite eingepreist wird. Patriot ist einfach nicht gross genug und hat wohl nicht genügend finanzielle Muskelkraft, um diese historisch niedrigen Kohlepreise lange durchzustehen. Als Folge wurden natürlich alle Aktien des Sektors mitgerissen.

So verrückt sich das anhört, bei so einem brutalen Schweinezyklus wie derzeit bei US Kohle gehören Pleiten aber einfach dazu und sind für den Markt positiv zu werten. Denn so würde Angebot vom Markt genommen und das Spielfeld bereinigt. Grosse, finanzstarke Konzerne dürften von den Pleiten der aggressiven Kleinen also eher profitieren. Wie Sie wissen bin ich im Sektor nur bei Arch Coal und Peabody Energy (WKN 675266) mit jeweils kleinen Basispositionen im Markt. In beiden Fällen mache ich mir um die finanzielle Überlebensfähigkeit aktuell keine Sorgen. Einen Anlass meine Positionen aufzustocken sehe ich aber noch nicht, auch wenn das Hin- und Her eher für eine volatile Bodenbildung spricht, möchte ich erst den Beginn eines nachhaltigen Aufwärtstrends sehen, bevor ich mich im Sektor weiter exponiere.

Und einen historischen Moment gibt es heute zu berichten, der an der deutschen Presse mal wieder weitgehend vorbei geht:

SpaceX hat heute den ersten kommerziellen Flug in der Geschichte der Raumfahrt zur International Space Station (ISS) erfolgreich gestartet. Lesen Sie -> hier <- !

Mein Glückwunsch gilt Elon Musk ! Ja genau, genau der Elon Musk, der auch CEO von Tesla Motors (WKN A1CX3T) ist und sicher zu den mutigsten Entrepreneuren dieses Planeten gehört. Während ich mich hier mühe meine Familie und mein Trading mit dem Blog in Einklang zu bringen, führt er "mal eben" SpaceX und Tesla in wahrlich historische Umbrüche. Chapeau ! Nebenbei bemerkt war Tesla Motors heute 7% im Plus. Das könnte durchaus mit dem Flug von SpaceX zu tun haben, weil es erneut zeigt, dass Elon Musk kein Spinner ist, sondern sehr genau weiss was er tut. Und wenn er auch bei Tesla den Launch (hier des Model S) sauber hinbekommt, könnte der Kurs bald höher stehen.

Übrigens, gerade weil die deutsche Presse schläft, das Thema der kommerziellen Raumfahrt ist auch aus Börsensicht hoch spannend. Da ist im Stillen eine wirklich Revolution im Gange, an der nicht nur ein Elon Musk, sondern auch Jeff Bezos (Amazon) mit Blue Origin, Robert Bigelow (Hotel Milliardär) mit Bigelow Aerospace, Richard Branson (Virgin) mit Virgin Galactic oder Larry Page und Eric Schmidt (Google) mit Planetary Resources mitwirken. Eine Revolution die das Potential hat die Welt in den nächsten Jahrzehnten zu verändern. Alle diese bekannten Unternehmer haben teilweise schon gewaltige Summen in ihre Firmen investiert und wer meint, dass diese Leute es nicht verstehen würden wie man profitable Geschäfte aufbaut, der sollte lieber mal seine Brille putzen und seine Arroganz herunter schlucken.

Ich werde das zum Anlass nehmen, demnächst ein ausführliches "Special" zu diesem spannenden Thema zu verfassen. Denn dieses Thema an der Börse zu verpassen, wäre in meinen Augen ein grosser Fehler. Alles was ich für dieses "Special" brauche ist Zeit und Ruhe, ein Gut das mir in den letzten Wochen fehlte. Vielleicht schaffe ich es in einem Kurzurlaub Ende Juni.

Manchmal bedauere ich sehr, dass uns Deutschen - die wir mit Namen wie Oberth oder von Braun die wahren Väter der Raumfahrt sind - der Mut zur historischen Tat seit dem Einschnitt des zweiten Weltkriegs irgendwie aus der Volksseele heraus operiert wurde. Unsere Milliardäre verstecken (bis auf löbliche Ausnahmen wie Plattner/Hopp) ihr Vermögen. Amerikanische Milliardäre investieren es dagegen in derartige Projekte oder spenden es ala Gates oder Buffet. Da muss ich nicht lange überlegen, wo meine Sympathien liegen.

Etwas Verständnis habe ich für die deutschen Milliardäre aber schon, denn würden einige namhafte Personen so ein Projekt starten, wären ihnen Neid und Spott sicher und das Feuilleton würde in Empörung über diese "Geldverschwendung" überquellen. Wahrscheinlich verstehen die deutschen Milliardäre das instinktiv und halten daher lieber die Füsse still. Und wie negativ Deutschland auf Warren Buffet reagierte, der mehr als 90% seines Vermögens der Gates Foundation zur Verfügung stellte, war vielen wohl auch eine eindrückliche Lehre. In der Logik des deutschen Mainstreams ist Hilfe die von einer privaten Gates-Foundation ausgeht perse schlecht, weil das sind ja nur "Almosen" aus den Händen eines "bösen Kapitalisten". Das gleich Geld aber gnädig vom Amtsvorsteher verteilt, ist dann aber "sozial" und "gerecht". Sehr merkwürdig und vielsagend das alles.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 21.05.12 – Kurzbericht

22 Uhr - Handelsschluss

Heute nur ein Kurzbericht, weil ich durch technische Probleme kaum zum geordneten Arbeiten gekommen bin.

(1) Das war heute ein typischer technischer Bounce, unterstützt von unspezifischer Hoffnung, dass beim EU Sondergipfel am Mittwoch etwas Positives heraus kommt.

(2) Wir haben den Abwärtstrend mit der heutigen Bewegung aber (noch) nicht gebrochen ! Insofern gibt es keinerlei Grund den heutigen Tag überzubewerten. Der Abwärtstrend ist (noch) intakt.

(3) Ehrlich gesagt tue ich mich schwer mir vorzustellen, was da am Mittwoch Positives heraus kommen soll. Ich denke der Termin dient vor allem dazu die politischen Kräfte in der neuen Konstellation mit Hollande zu testen. Wirklich durchgreifende Ergebnisse erscheinen mir bei so einem Setup unmöglich, ausser unsere Regierung knickt völlig ein und stimmt in den allgemeinen Chor ein, der nach ein paar Monaten fasten, gleich schon wieder zur fiskalischen Völlerei wechseln will.

(4) Trotzdem hat der Markt nun wirklich Potential für einen ausgedehnten Bounce, die heutige massive Stärke bei Apple (WKN 865985) mit 5% Plus sehe ich als positives Signal. Insofern könnte es morgen noch mal einen guten Tag geben und wir müssen uns dann im morgigen späten Handel die entscheidende Frage stellen, ob diese Stärke in den EU Gipfel hinein wieder zu verkaufen ist, oder ob sich doch eine Wende abzeichnet.

(5) Ein sehr typischer Ablauf wäre, wenn der Markt nach einem mehrtägigen Bounce wieder abkippt und dann in einem richtigen Selloff neue Tiefststände auslotet. Dieser Panik-Selloff fehlt nämlich noch. Idealerweise drehen aber die Oszillatoren bei diesem finalen Selloff schon wieder hoch, bilden eine Divergenz aus und die Marktbreite beim Absturz nimmt ab. Würde es so kommen, wäre es dann ein idealtypisches Setup für eine Wende. Eine echte Wende zum jetzigen Zeitpunkt wäre dagegen eher ungewöhnlich. Aber ungewöhnlich heisst nicht unmöglich, wir befinden uns als lebende Versuchskaninchen mitten in einem geschichtlich einmaligen Experment, da muss man mit historischen Vergleichen vorsichtig sein.

(6) Die Goldminen haben heute eindrucksvoll bestätigt, dass hier eine bedeutende Wende im Gange zu sein scheint. Über 3% Plus im GDX, während Gold um die Nulllinie schwankt, sind eine klare Ansage ! Um nach oben freie Fahrt zu bekommen, sollte der GDX noch die 44 USD erobern, dann ist die Wende wohl endgültig vollendet. Wer in der aktuellen Lage nach einem attraktiven Long-Setup sucht, bekommt hier vielleicht eines auf dem Gold- und Silber-Tablet präsentiert.

(7) Auch der US Kohlesektor ist heute deutlich im Plus. Arch Coal (WKN 908011) mit 7%. Derartige Tage häufen sich in letzter Zeit und ich wiederhole was ich schon vor Wochen sagte, die Tage des permanenten Absturzes sind scheinbar vorbei, der Sektor ist für mich nun höchst spannend. Aber von einem steilen Anstieg sind wir wohl noch entfernt, es dürfte volatil weiter gehen.

(8) Facebook (WKN A1JWVX) verliert heute ca. 11% und rutscht deutlich unter den Emissionspreis. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mir ein hämisches Grinsen nicht verkneifen konnte. Der Wunsch der Altaktionäre hier beim Börsengang einfach abzusahnen, war wirklich zu offensichtlich.

Mir ist der Hype um Facebook persönlich sowieso ein Rätsel. Und damit meine ich nicht die Sicht der Börse, wenn mir Millionen Menschen freiwillig ihre Geheimnisse anvertrauen würden, wäre ich auch euphorisch ob der wirtschaftlichen Verwertbarkeit. Ein Rätsel sind mir vielmehr die Menschen die Zuckerbergs Reichtum erst ermöglichen. Denn das sind oft die gleichen Menschen, die bei der Vorratsdatenspeicherung den Orwellschen Überwachungsstaat an die Wand malen, aber scheinbar kein Problem damit haben, einem "Bubi mit Sendungsbewusstsein" namens Zuckerberg, ihre Freunde, Einkaufsgewohnheiten, sexuellen Vorlieben, privaten Verhältnisse etc. etc. anzuvertrauen.

Und das obwohl ja offensichtlich ist, dass das ganze Geschäftsmodell das die Börse mit fast 100 Milliarden USD bewertet, in meinen Augen ausschliesslich darauf beruht, diese sehr privaten Informationen der Menschen zu Geld zu machen. Und zwar vor allem durch Datamining, mit dem Firmen und anderen Interessenten die höchst privaten Lebens-Profile der Facebook-Jünger zur wirtschaftlichen oder sonstigen Verwertung verkauft werden, natürlich nach datentechnischer Aufbereitung und "Veredelung".

Während man mit der Speicherung einer IP Adresse, deren Zweck die Verbrechensbekämpfung ist, ein Problem hat, lässt man sich dann aber mit im wahrsten Sinne des Wortes "heruntergelassenen Hosen" des gesamten eigenen Lebens offen auf beliebigen Servern der Welt speichern. Mir wird das ein ewiges Rätsel bleiben. Und wenn man wirklich soviel Angst vor dem "bösen" Staat in Sachen Vorratsdatenspeicherung hat, warum kommt dann keiner auf die Idee, dass CIA, NSA etc selbstverständlich auch Facebook nutzen und im Sinne des Patriot Act auch vermutlich Direktzugang auf die Server haben ? Alles sehr merkwürdig für mich.

Insofern kann ich zum heutigen Absturz der Facebook Aktie nur sagen: LIKE 😉

Am Ende muss ich wohl akzeptieren, dass ich mit meinem Staatsverständnis scheinbar eine Minderheit bin. Denn in meiner Welt sollte sich der Staat bitte aus meinem normalen Leben heraus halten und aufhören mich an allen möglichen sinnlosen Stellen durch Vorschriften, Gesetze und Verordnungen zu gängeln, wo es nicht notwendig ist. Auf der anderen Seite muss der Staat aber unbedingt in seinen Kernaufgaben stark sein. Und dazu gehört nicht nur Verteidigung, sondern unter anderem auch der ordnungspolitische Rahmen und die Erhaltung der öffentlichen Ordnung - sprich unter anderem Verbrechensbekämpfung. In breiten Schichten der Bevölkerung scheint es genau umgekehrt zu sein. Gegen allgemeine Gängelei wie man sein Leben zu führen hat, hat man nichts einzuwenden, bitte mehr davon wenn es politisch korrekt verpackt wird. Aber wehe der Staat zeigt in seinen Kernaufgaben mal klare Kante. Dann steht Orwell gleich vor der Tür. Für mich eine verkehrte Welt .....

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Börsenregeln reloaded III – Never Catch A Falling Knife !

Ein Gastartikel von Tokay

Börsenregeln reloaded III - Never Catch A Falling Knife !

Seit dem Frühjahr gibt es Befürchtungen bei den Börsenbeobachtern über bevorstehende Kurskorrekturen. Diese Mutmaßungen sind weitgehend eingetroffen. Auch wenn der Satz „Sell in May“ der längerfristigen Betrachtung nicht standhält, in diesem Jahr hat er sich leider bewahrheitet. Der DAX ist im Frühjahr über die 7.000er Marke geklettert und befindet sich seither im Sinkflug. Wird dieser Rückgang weiter gehen und gar in einem Crash enden? Oder handelt es sich nur um eine vorübergehende Konsolidierung? Können einem hier die alten Börsenregeln weiterhelfen?

Eine sehr alte Börsenstrategie ist die sogenannte Dow-Theory, die von Charles Dow, dem Begründer des „Dow Jones Index“ wie auch des „Wall Street Journals“ erdacht wurde. Demnach kauft man, sehr grob gesprochen, den Markt, wenn der Dow Jones Index seinen 200-Tage-Durchschnitt nach oben kreuzt und man verkauft ihn, wenn der Dow Jones unter diese Linie fällt.

Im folgenden Diagramm sehen wir die entsprechenden Entwicklungen im DAX seit 1991. Wir handhaben diese Regel von Dow ein wenig restriktiver und bauen noch einen Sicherheitspuffer ein, um die Anzahl der Fehlsignale zu verkleinern.Wir verkaufen also erst dann wenn der DAX den 200-Tage Durchschnitt abzüglich 2 Prozent dieses Durchschnittes unterschreitet(dargestellt durch die gelbe Linie). Umgekehrt würde erst dann gekauft werden, wenn der DAX höher steigt als der 200-Tage-Durchschnitt plus 2 Prozent vom gleitenden Durchschnitt(Überschreiten der grünen Linie). Innerhalb des Korridors entstünde keine Aktivität.

Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich:

  • In den 90er Jahren, aber auch während der Hausse 2003-2007 gab es sehr oft Fehlsignale. Verkaufte man den DAX, dann begann er kurz danach zu steigen und man musste zu höheren Kursen wieder einsteigen um die danach einsetzende Hausse nicht zu verpassen. Somit hieß es: The trend is your friend.
  • In trendlosen Zeiten(sie sind häufiger, als man glaubt), auch und gerade in den 90er Jahren, z.B. 1994 oder 1998, führte diese Regel dazu, dass man verkauft hätte und die Kurse weder nennenswert gestiegen oder gefallen wären. Die passende Börsenregel dazu: Hin und her macht Taschen leer.
  • Ein durchgreifender Wechsel passierte in den 200ern, denn dreimal, nämlich in 2000, 2008 und in 2011 hätte das Befolgen dieser Regel dazu geführt, dass einem schwere Verluste erspart geblieben wären. Somit also: Greife nicht ins fallende Messer!

Es ist offensichtlich, dass diese unterschiedlichen Entwicklungen mit den jeweiligen Bedingungen im Börsenumfeld zusammenhängen. So waren z.B. die Einbrüche 1998 nach der Asien-Krise nur von kurzer Dauer, da das Makroumfeld in den westlichen Ländern nach wie vor eindeutig positiv geprägt war. Eine Verkaufsentscheidung, die anhand der Dow Theory getroffen wurde, wäre demnach eine Fehlentscheidung gewesen.Die 2000er Jahre hingegen waren gekennzeichnet von der Korrektur der ins unermessliche gestiegenen Erwartungen der Investoren gegen Ende der 90er Jahre. Und in 2011wurden die Märkte von der Eurokrise dominiert, welche die Risikoabschläge insbesondere für den Finanzsektor dramatisch ansteigen ließ.

Betrachten wir anhand der besonders einprägsamen Jahre 2000 und 2011, wie sich damals das „fallende Messer“ abgespielt hat:

Hier sehen wir den DAX-Verlauf von Mitte März 2000 bis Mitte September 2000, als die Untergrenze des 200-Tage-Durchschnitts unterschritten und somit das Verkaufssignal ausgelöst wurde. Der DAX korrigierte damals bereits seit einem halben Jahr(Strecke AB). Der gleitende Durchschnitt, also die orangefarbene Linie plus dem Pufferbereich stieg jedoch bis dahin noch an. Bei Punkt C, also am 13. September 2000, unterschritt der DAX die gelbe Linie, somit also die Untergrenze des 200-Tage-Durchschnitts. Die Baisse, die danach entstand, kam erst im Frühjahr 2002 zum Stillstand. Was auffällt, ist die stark divergierende Entwicklung der Kurse kurz vor diesem Einbruch. Der kurzfristige Trend war bis dahin negativ, der langfristige Trend des DAX aber positiv, welch letzterer damit gebrochen wurde.

Recht ähnlich war die Entwicklung im August 2011, als sich die Eurokrise zuspitzte:

Die Entwicklung verlief hier zunächst gleichförmig,wurde dann durch die Reaktor-katastrophe von Fukushima jäh unterbrochen. Jedoch nicht abgebrochen, wie sich zeigte: Zwar wurde die 200-Tage-Linie knapp unterschritten, nicht jedoch die Signallinie! Man wäre also trotz der Katastrophe im Markt geblieben. Hätte man dennoch verkauft, so wäre kurz darauf ein Kaufsignal geliefert worden, als der DAX die grüne Linie überschritt. Man kann dies so interpretieren, daß aus Marktsicht die fundamentalen Bedingungen nach wie vor intakt waren.

Und nun kam es im August 2011 zum Aufeinandertreffen(Punkt B) zwischen der Halbjahres-Trendlinie(Strecke AB) und dem 200-Tage-Durchschnitt. Das Unterschreiten von Punkt B mochte noch nicht zum Auslösen eines Verkaufssignals führen, dies war aber spätestens am 02. August 2011 der Fall, als die gelbe Linie unterschritten wurde. Auch hier hatten wir eine auffällige Divergenz zwischen kurzfristig rückläufiger Trendlinie und der längerfristig wirkenden 200-Tage-Linie, aus der sich eine negative Dynamik entwickelte.

Der Nachteil dieser einfachen Methode liegt darin, dass man einen Teil des Rückgangs hinnehmen muss, da man nur schwer abschätzen kann, ob er von Dauer ist. Ihr Vorteil liegt darin, dass bei Abwärtsbewegungen mit großer Dynamik das Kapital weitgehend gesichert werden kann. Dies gilt, wenn die Kurse weiter fallen, aber auch dann, wenn sie wieder ansteigen, denn dann kann man nach der gleichen Methode wieder in den Markt einsteigen, hat aber die vorhergehenden Verluste vermieden.

Und nun werden sich die Leser sicher fragen, ob man mit dieser Analyse die Entwicklung der kommenden Wochen und Monate abschätzen kann? Hier ist sie:

Hier haben wir nun eine umgekehrte Gemengelage: Denn wir hatten im vergangene Jahr eine deutlich positive Entwicklung(Strecke AB), im wesentlichen bedingt durch verringerte Risikoabschläge und durch positive Gewinnüberraschungen. Aufgrund der Eurokrise des Sommers 2011, welche nun wieder erneut aufgeflackert ist, haben wir einen längerfristig negativen Trend. An Punkt B, den wir noch nicht erreicht haben, begänne die Entwicklung kritisch zu werden. Sollte auch noch die gelbe Toleranzlinie nach unten durchschritten werden, dann wäre dies höchste Alarmstufe. Somit ist die Entscheidung über die kommende Entwicklung zwar noch nicht gefallen, aber sie steht wohl in Kürze bevor. Daraus folgt, dass die kommenden Handelstage und -wochen mit größter Aufmerksamkeit beobachtet werden müssen. Dies gilt insbesondere auch für Nachrichten bezüglich der Eurokrise, bei der möglicherweise grundlegende Weichenstellungen kurz bevor stehen.

Tokay