Kurzkommentar – 31.10.12 – Der DAX will. Wallstreet kann (noch) nicht. Gold kann.

16:00 Uhr

Ein paar kurze Worte zur Lage. Achtung, die Wallstreet läuft wg Winterzeit schon seit 14.30 Uhr MEZ !

Von der gestern von mir antizipierten guten Stimmung war bisher nur in Europa etwas zu spüren. Der DAX lief durchaus bemerkenswert fast bis 7350. Die Märkte in Italien und Spanien sind auch jetzt immer noch im Plus.

Die Wallstreet aber kann sich immer noch nicht entscheiden, wohin sie nun will, was die europäischen Märkte logischerweise wieder einbremste. Der S&P500 hat nun gerade das Gap Fill seines Opening-Gap vollzogen. Jetzt dürfte sich zeigen ob wir wirklich abkippen oder nun langsam zu steigen beginnen. Denken Sie an die Möglichkeit einer sehr bösen Schulter-Kopf-Schulter Formation im S&P 500 !

Bemerkenswert finde ich zwei Dinge:

Erstens Apple (WKN 865985). Die Aktie kann die 600 USD nicht halten und fällt aktuell bis auf 590 USD auf die 200-Tage-Linie. Damit dürfte möglicherweise bei 570 USD auch bald ein Test anstehen, ob der Aufwärtstrend erhalten bleibt oder nun zum ersten Mal seit langer Zeit ein tieferes Tief generiert wird. Auf jeden Fall riecht das nun bei Apple nach Gezeitenwende und man muss nun nicht mehr unbedingt in der Aktie sein. Ich bin es seit Ende September nicht mehr.

Zweitens Gold (XAUUSD). Gold ist aus der Seitwärtsbewegung um 1715 USD nach oben ausgebrochen und hat kurz über die 1720 USD geschaut. Auch wenn die Bewegung noch nicht dynamisch ist, bleibe ich bei meiner -> hier <- am 25.10. geäusserten Erwartung, dass die Wende am 24.10. mit Tief bei 1698 ein bedeutendes SwingLow war. Auch die Minen bestätigen diese Sicht, der GDX ist über 2% im Plus.

Da es dazu diverse Kommentare gab, möchte ich noch einmal betonen, dass langes Gegrübel um die 20 oder 30% Wahrscheinlichkeit, dass wir bei Gold doch wieder unter 1700 USD laufen, in meinen Augen relativ sinnlos ist. Denn Sicherheit hat man nie, egal bei welchem Trade. Und 20% Restwahrscheinlichkeit immer. Und wenn man zu lange grübelt, grübelt man immer noch, wenn der Kurs schon wieder dynamisch steigt.

Nachdem das SwingLow kam, bin ich konsequent eingestiegen und habe unter 1698 USD abgesichert. Damit war das Verlustpotential für mich nur minimal gewesen. So konnte ich ganz entspannt abwarten. Setup erkennen -> Absicherung (Risikomanagement) definieren -> Exekutieren ! So entsteht Erfolg, mit Exekution, die darf man nicht vergessen. Das ein Teil der Trades am Ende gegen einen läuft, gehört zum Spiel und ist nicht zu vermeiden !

Auch bei Gold kann es durchaus so sein. Wie gesagt 20 - 30% Eintrittswahrscheinlichkeit nach meiner Einschätzung. Der Gewinn aber entsteht im Depot aus dem prozentualen Verhältnis der erfolgreichen zu den falsch laufenden Trades und mindestens so wichtig aus der Höhe der durchschnittlichen Gewinne im Verhältnis zu den durchschnittlichen Verlusten. Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen also. Hört sich so leicht an und ist soooo schwierig. 😉

Deshalb sind Stops unter derartigen Swings so herrlich für einen Trader. Weil Sie enge Absicherung erlauben, ohne das Risiko zu haben durch einen volatilen Swing blöd ausgestoppt zu werden. Ich denke man hat in den letzten Tagen auch bei Gold gesehen, dass das funktioniert. Wir waren zwar wieder nahe dran an den 1698, haben diese aber nie mehr touchiert.

PS: 16:20 Uhr: Soeben steigt Gold (XAUUSD) dynamisch auf 1725 USD. Damit dürfte die Frage wohl entschieden sein. Und die Restwahrscheinlichkeit ist immer noch da, aber nun noch kleiner als vorher. Und ich habe meine Stops nun ins Grüne auf 1703 USD nachgezogen.

Ich wünsche viel Erfolg !

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Marktupdate – 30.10.12 – Die Kraft nach dem Sturm.

08:45 Uhr

Der Sturm "Sandy" ist über New York hinweg gefegt und bringt die Wallstreet auch heute zum Erliegen. Am morgigen Monatsletzten könnte es aber weiter gehen. Die heutige Ruhe an den Märkten sollte man also noch einmal geniessen.

Sie wissen ja, dass ich immer noch mit der Jahresendrally rechne, die irgendwann im November einsetzt. Gleichzeitig bin ich in Anbetracht der Schwäche der Bullen aber vorsichtiger geworden und behalte die Möglichkeit im Auge, dass sich im Leitindex S&P500 eine massive Schulter-Kopf-Schulter Formation bildet, die ich Ihnen ja -> hier <- nahegebracht habe.

Ich kann mir gut vorstellen, dass "Sandy" die Kräfte nun kurzfristig noch etwas zu Gunsten der Bullen verschoben hat. Sie wissen ja, Börse ist vor allem Psychologie und Stimmungen der Marktteilnehmer spielen auch eine Rolle.

Da hat sich die Wallstreet über alles mögliche gesorgt, über das Fiscal Cliff, die Konjunktur, Europa, die Unternehmenszahlen usw. usw. Und dann kommt so eine Naturgewalt, die man am eigenen Leib erlebt und ruft einem in Erinnerung, wie unwichtig das alles ist. Dann, wenn man die Phase der Angst überwunden hat, wenn man wieder hinaus tritt und feststellt, das es die Welt immer noch gibt, stellt sich ein positives Gefühl ein. Man möchte den Tag umarmen, es ist ein Gefühl des Neuanfangs. Ich weiss nicht ob Sie diesen Ablauf kennen, ich kenne ihn. Dieser Ablauf braucht keinen Monstersturm, sondern jeder Einschnitt - wie zb schlimme Krankheit - kann diesen psychologischen Ablauf auslösen.

Wenn die Wallstreet also am Mittwoch an ihre Desks zurück kehrt, kann es gut sein, dass viele mit derart positiver Stimmung die Ärmel hoch krempeln. Und sie treffen dann auf einen technisch überverkauften Markt, auf die klassische Stärke zum Monatsende/Monatsanfang, auf europäische Aktienmärkte in Lauerstellung die heute vielleicht Stärke zeigen und Notenbanken weltweit beim Gelddrucken.

Jetzt ist völlig klar, dass so eine positive, der Zukunft zugewandte Stimmung vielleicht 24 oder 48 Stunden anhält, dann werden die bekannten Sorgen wieder zuschlagen. Wenn diese 48 Stunden bis zum 01.11. aber ausreichen um den initialen Schub einer Rally auszulösen, kann es gut sein, dass sich diese von da an selbstständig trägt. So funktioniert Börse nun einmal. Wenn die Herde einmal so richtig in eine Richtung rennt, schliessen sich auch die an, die eigentlich gar nicht rennen wollten. Schlechte Unternehmensdaten sind dann plötzlich irrelevant. Zumal Unternehmensdaten die Vergangenheit sind und sowieso nur der Ausblick zählt.

Auch die Unsicherheit die von der US Wahl am 06.11. ausgeht, dürfte nur mässig sein. Denn ein erneuter Sieg von Obama ist eingepreist, damit hat sich die Wallstreet abgefunden. Ein überraschender Sieg von Romney hat dagegen eher das Potential für eine kleine Freundenrally zu sorgen. Ausgenommen davon dürften nur stark subventionierte oder vom Staat beeinflusste Branchen wie Solar oder Healthcare sein. In diesen Branchen müsste man bei einem Sieg Romneys mit Verwerfungen rechnen. Umgedreht wäre es für die klassischen Energieträger wie Kohle und Öl wohl ein Freudenfest.

Jetzt überbewerten Sie bitte obige psychologische Spekulation als Folge des Sturms "Sandy" nicht, es ist nur ein kleiner Faktor in der Gleichung und einfach nur eine Spekulation meinerseits. Aber die Chance, dass wir nach Handelseröffnung der Wallstreet zur Rally ansetzen ist definitiv da. Auch andere Parameter sprechen dafür. Wenn, dann setzt die Rally wohl auch schon früher ein, denn Hedge-Fonds die heute den Kopf heraus strecken und sehen, dass der Sturm weggezogen ist, werden schon heute und morgen früh die Weltmärkte nutzen um sich zu positionieren. Die entscheidende Frage dürfte auch eher sein, wie weit die Rally trägt, wenn sie denn kommt. Wird es die rechte Schulter einer sehr üblen SKS-Formation oder erreichen wir neue Höchststände ?

Insofern dürfte klar sein, dass ich nun nicht mehr Short im Markt bin. Ich bin wieder überwiegend Long aufgestellt und habe ja nun durch die Kursverläufe der letzten Tage schöne Stopniveaus unter den Tiefs, die eine Long-Spekulation zum Jahresende ohne grosses Risiko erlauben.

Übrigens, bei Leoni bin ich nun auch wieder Long und bin - wie in den Tips und in einem eigenen Artikel -> hier <- mit Kursziel 24€ angekündigt - bei 24,5€ wieder eingestiegen. Stop bei 23,4€.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag !

Ihr Hari

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Kurzupdate – 29.10.12 – Die Ruhe vor dem Sturm

07:00 Uhr

Guten Morgen, ich bin gerade aufgestanden. Wie immer gilt mein erster Blick den Märkten.

Und dabei fällt mir die Nachricht in die Hände, dass die New York Stock Exchange wegen des Sturms nun ganz geschlossen ist. Siehe hier: -> NYSE geschlossen <-. Siehe auch -> hier <- im Handelsblatt.

Dabei ist die Einstellung des Parketthandels gar nicht mal so wichtig, Teile des viel bedeutenderen elektronischen Handels laufen ja vielleicht weiter - zumindest bis zu einem längeren Stromausfall, den auch die Notstromaggregate nicht mehr kompensieren können. 😉

Wichtiger ist, dass auch die Menschen des "Big Money" der Wallstreet aus der Stadt fliehen und heute kaum aktiv sein werden, damit dürfte das Handelsvolumen weltweit eher gering sein. Und das bedeutet auch, dass die amerikanischen Investoren heute kaum in Europa und damit auch nicht im DAX aktiv sein werden. Und wie schlapp und unmotiviert der DAX oft rumhängt, wenn das Geld der Wallstreet fehlt, haben wir ja an US Feiertagen oft genug erlebt.

Im Moment spricht also alles für einen eher ruhigen, volumenarmen Tag an den Märkten. Weswegen ich es heute wie die Händler der Wallstreet mache und nur noch mit einem Auge auf den Markt schaue. Die starken und viel zu frühen Schneefälle hier vor den Alpen - obwohl die Pflanzen alle noch Blätter haben - haben unseren Garten durch Schneebruch teilweise "verwüstet"- Da wartet viel Arbeit draussen. Insofern passt es gut, dass die Börsen voraussichtlich etwas ruhiger sein werden.

Sollte sich heute doch etwas Bemerkenswertes an den Märkten tun, melde ich mich - zumindest kurz in den Live Tips. Insofern schauen Sie ruhig im Laufe des Tages noch einmal auf Mr-Market.de.

Ansonsten wünsche ich Ihnen einen schönen Tag !

Ihr Hari

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Gastkommentar – DAX-Betrachtung: Weihnachts-Geld in Sicht ?

Ein Gastartikel von Tokay

DAX-Betrachtung: Weihnachts-Geld in Sicht ?

In diesen Tagen mehren sich wieder einmal die Spekulationen über eine bevorstehende sogenannte „Jahresendrallye“. Für und gegen eine solche Jahresendrallye werden allerlei Argumente ins Feld geführt. Dabei reden die einen von saisonal auftretenden Mustern, andere führen die mickrigen Geld- und Kapitalmarktzinsen ins Feld, und wieder andere warnen vor einem jähen Ende der bereits seit dem Sommer andauernden Rally an den Aktienmärkten. Und ja, die Eurokrise – die gibt es ja auch noch. Da stellt sich für uns die Frage: Was ist dran an solchen Mutmaßungen, gibt es saisonale Muster und wie verlässlich sind sie?

Anhand der seit Ende 1959 vorliegenden DAX-Kurse zum Monatsende haben wir einmal

  • als „Jahresendrally“-Zeitraum die Monate November bis Dezember definiert;
  • diesen Zeitraum mit den restlichen Monaten Januar bis Oktober und außerdem mit dem Gesamtjahr verglichen;
  • und nachfolgend die Entwicklung der beiden letzteren Zeiträume auf einen Zwei-Monats-Zeitraum umgerechnet – die Jahresendrallye hat für eine vermutete Outperformance ja nur zwei Monate zur Verfügung, also wäre es ein bisschen unfair, zwei Monate mit zehn bzw. zwölf Monaten zu vergleichen.

Es zeigt sich, dass die Zwei-Monats-Performance November bis Dezember mit 2,42 Prozent deutlich höher ausfällt als die umgerechneten Performancewerte für Januar bis Oktober bzw. für das Gesamtjahr, die beide unter 1 Prozent liegen. So positiv das Abschneiden der Jahresendrally sich darstellt, so variabel ist es allerdings auch. In den vergangenen 52 Jahren hat die Jahresendrallye in 28 Fällen besser abgeschnitten als der Vergleichszeitraum, aber 24 mal schlechter. In 30 Jahren legten die Kurse zum Jahresende zu, aber in 22 Jahren waren Verluste zu verzeichnen. Wasser auf die Mühlen derer, die sagen, dass sich Aktienkurse nicht vorhersagen lassen.

Extreme Entwicklungen gab es etwa 1973, als vor allem der rapide Anstieg der Ölpreise am Schluss des Jahres negative Wirkungen an den Börsen zeitigte. Sehr deutlich ging es hingegen am Jahresende 1982 nach oben, als die Gewinnerwartungen der Unternehmen rapide anstiegen. Ebenso geschah dies Ende 1989 im Rahmen der Euphorie, die mit dem Fall der Mauer entstand und ebenso Ende 1999, als der New-Economy-Boom, was man damals natürlich noch nicht wusste, in den letzten Zügen lag. 2000 hingegen war dieser Boom vorbei und 2002 steckte die deutsche Wirtschaft in einer schweren Rezession – in beiden Fällen konnte von einer Jahresendrallye keine Rede sein. Diese Entwicklungen sind nachfolgend deutlich zu sehen:

Insgesamt also sehen die Jahresendrallye-Perspektiven etwas wackelig aus – Es kann gut laufen, es kann aber immer auch irgend etwas dazwischen kommen. Dennoch meine ich: Es ist etwas dran an der Jahresendrally! Und warum? Nun, da könnte man sinngemäß mit Otto Rehhagel sagen: „Die Wahrheit liegt in den Daten“.

Denn es zeigt sich, dass die Datenverteilung der Jahresendrally-Performances vergleichsweise stabil ist – die Vergleichszeiträume sind viel wackeliger. Damit ist aber die Wahrscheinlichkeit, eine deutlich positives Ergebnis zu erzielen, zum Jahresende hin viel höher als sonst im Jahr. Sicherheiten, das wissen wir, gibt es natürlich auch hier keine. Aber Wahrscheinlichkeiten. Und die sprechen eindeutig für die Jahresendrally. Lassen wir Bilder sprechen:

Das sollte man sich wirklich einmal genau anschauen. Bei der Aussicht, ohne Verlust davonzukommen, sind sich die Wahrscheinlichkeiten der Jahresendrallye und der Vergleichszeiträume noch ähnlich: ungefähr 62 Prozent bei der Jahresendrally , 59 Prozent beim Rest. Gewaltige Unterschiede tun sich indes auf, wenn man etwa nach der Chance auf 6 Prozent Wertzuwachs fragt: Hier schlägt die Jahresendrally den Restzeitraum mit 32,2 zu 10,4 Prozent. Eintrittswahrscheinlichkeit.

Kaum geringer sind die Unterschiede bei der Chance auf einen Wertzuwachs von zehn Prozent in zwei Monaten: Im Jahresdurchschnitt – sprich im Normalfall - hat man eine Wahrscheinlichkeit von gerade einmal 1,3 Prozent, einen solchen Wertzuwachs zu erzielen, jedenfalls, wenn man die letzten 52 Jahre zugrunde legt – das kam praktisch nicht vor. Nicht so bei der Jahresendrally: Hier steigt die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Wertzuwachs auf 16,4 Prozent und ist damit über 15 Punkte höher, und ist in der Tat, wie wir gesehen haben, auch schon vorgekommen. Kleiner Wermutstropfen: Das Risiko, einen Verlust von mehr als fünf Prozent zu erleiden, ist in diesem Zeitraum höher – 17 zu 7 etwa. Kam leider auch vor. No risk, no fun sozusagen. Aber trotzdem: Wir haben für die Jahresendrallye eine höhere langjährige Renditeerwartung, und außerdem günstigere Risikoeigenschaften.

Dann nichts wie investieren – oder? Vorsicht: Wir haben uns gerade eben die Marktdaten der vergangenen 52 Jahre angeschaut. Aus denen aber Rückschlüsse für das Jahresende 2012 zu ziehen – nun, das ist vielleicht doch ein bisschen heikel. Noch mal zum Fußball: Auch wenn man vom Feeling her ein gutes Gefühl hat – eine Garantie hat man keine. Wer's probieren mag - Viel Erfolg beim Investieren!

Tokay

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Marktupdate – 26.10.12 – Mr. Market macht es schwierig

15:50 Uhr

Heute nur ein kürzerer Artikel zur Markteröffnung der Wallstreet. Ich habe diese Woche genug getippt, zumal mich immer noch der Infekt plagt.

Mr. Market macht es schwierig. Der Rücksetzer heute früh warf Fragen auf, in den Indizes wie in Gold. Gerade Gold und sein "Swing Low" war nicht völlig klar. Die Minen sprangen gestern wie erwartet an, aber die 1715 USD waren noch nicht nachhaltig erobert, was ja auch den erneuten Test heute früh auslöste.

Nun betrache ich aber den Swing-Low bei Gold als bestätigt. Der zweite erfolgreiche Test der 1700 USD hat das Bild runder gemacht. Diverse Parameter wie Zyklen-Analyse, Saisonale Muster, Markttechnik sprechen nun alle für eine folgende starke Phase der Edelmetalle und der damit verbundenen Aktien, die bis zum Jahresende andauern könnte. Ich habe vor, an dieser Phase massiv zu partizipieren und habe mittlerweile signifikante Positionen aufgebaut.

Die Stops sind nun auch klar und nicht weit entfernt, was das Risiko minimiert. Das ist das Schöne an einem sauberen "Swing-Low" mit seinen definierten Tiefs. Insofern hoffe ich mich jetzt zurück lehnen zu können und zu geniessen. Was den GDX angeht, wage ich mal eine optimistische Erwartungshaltung zu formulieren. Er notiert aktuell bei 51,5 USD. Zum Jahresende reche ich persönlich mit einem Kurs zwischen 60 und 65 USD - das ist mein Kursziel. Das wären ca. 20 % von heute. Aber auch eine Bewegung bis ca. 70-75 USD, also 40% und mehr, halte ich für denkbar. Sollten wir das Kursziel erreichen, würde ich aber wohl 50% der Gewinne aus dem Markt nehmen und nur die andere Hälfe weiter laufen lassen.

Sie sehen, ich bin bei dem Thema sehr optimistisch, was bei mir selten vorkommt. Selten lehne ich mich so aus dem Fenster. 😉 Schaun wir mal, ob Mr. Market mich für derartigen Hochmut bestraft. Verdient hätte ich es, wir wissen ja alle, was nach dem Hochmut kommt. 😉

Was die breiten Aktien-Indizes angeht, ist meine grundlegend bullische Haltung zum Jahresende auch weiter vorhanden. Hier bin ich aber nicht mehr ganz so eindeutig optimistisch. Zum "warum" habe ich Ihnen den Tageschart des Leitindex S&P500 mitgebracht:

Sie sehen, das wir aufgrund des bisherigen Verlaufes nun die Gefahr haben, eine ziemlich fiese Schulter-Kopf-Schulter Formation auszubilden. Die bärische Divergenz im RSI sieht auch nicht so toll aus. Eine Steigung bei den drei Hochs wäre eine Divergenz, die ich lieber gesehen hätte. 😉

Das ist für sich alleine kein Grund ängstlich zu werden, es verhindert aber blinden Optimismus. Im Thema Edelmetalle oben habe ich derartige Fragezeichen nicht.

Man könnte es auch so formulieren: nicht der Absturz der letzten Tage irritiert mich, den hatte ich ja wie Sie wissen auf der Rechnung. Aber die Schwäche der Bullen nun einen Bounce zusammen zu bekommen, das irritiert mich schon und lässt mich vorsichtiger werden. Das ist für mich ein "Change of Charakter" im Markt.

Auch wenn ich nach wie vor von einer Jahresendrally ausgehe, werde ich mich also nun erst dann so richtig sicher fühlen, wenn wir die alten Hochs hinter uns gelassen und damit diese potentielle SKS invalidiert haben. Bis dahin bleibe ich auf Zehenspitzen.

Die heutige Stärke im Markt ist ja mal ein Anfang. Um mich richtig zu beeindrucken, sollten die Bullen nun aber mal die 1420 im S&P500 nehmen können. Ehrlich gesagt finde ich die Performance des Marktes technisch im Moment nicht überzeugend. Es riecht eher danach, dass wir auch heute die frühe Stärke im Verlaufe des Handels wieder abgeben. Aber wir werden sehen.

Nur eines sollten wir nie vergessen. Wenn konsistent in der zweiten Handelshälfte die Stärke der ersten Stunde verkauft wird, spricht das für Distribution, dafür das "Big Money" sich aus dem Markt schleicht. Und das macht mich vorsichtig. Nicht ängstlich, aber vorsichtig. Erst wenn sich diese Schwäche wieder ändert und der Markt zum Handelsschluss gekauft wird, werde ich wieder optimistischer.

So, jetzt wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende. Ich nehme mir heute Abend mal frei und werde mal nicht der Wallstreet folgen.

Ihr Hari

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Marktupdate – 25.10.12 – SwingLow bei Gold ?

08:40 Uhr

Guten Morgen. Ein paar Worte zum Markt vor Handelseröffnung.

Das vor 11 Tagen -> hier <- skizzierte Szenario des "Wegs des maximalen Schmerzes" dürfte sich ja nun nachhaltig in Ihre Wahrnehmung gefressen haben, weil es bisher geradezu beängstigend eingetreten ist.

Ich sehe daher nun die Gefahr, dass der "Confirmation Bias" zuschlägt. Denn da das Szenario bisher so gut getroffen hat, geht man dann ohne Nachzudenken davon aus, das es auch so wie im Szenario weiter gehen wird. Sprich das nun die gewaltige Jahresendrally vor uns liegt.

So zu denken wäre aber ein Fehler. Ich muss daran erinnern, das es nur ein Gedanken-Szenario war um die Sinne zu schärfen und sich innerlich vorzubereiten. Was ja auch treffend gelungen ist. Nur weil die ersten zwei Phasen aber so abgelaufen sind, ist es keine Garantie, das es so weitergeht. Denken Sie bitte daran.

Das ist aber auch kein Problem, denn wenn der Markt bald tatsächlich wieder mit Macht nach oben läuft, setze ich meine Stops einfach unter die letzten Tiefs. Sollte das Szenario eintreffen, werden diese Tiefs nicht mehr erreicht. Und wenn sie doch wieder gerissen werden, ist das Szenario inaktiviert. So kann man ganz entspannt auf den Ablauf des Szenarios wetten, ohne sich dem Risiko des "Confirmation Bias" auszusetzen.

Nun zum Markt.

Die Lage am Markt ist noch unklar. Mir fehlt eigentlich immer noch der "Woosh" nach unten mit Anzeichen der Panik, der solche Korrekturphasen gerne beendet. Mit dem gestrigen "Buying on Weakness" Print im SPY, hatten wir aber nun das erste von mir ernst genommene Signal, das ein Auslaufen der Abwärtsbewegung indiziert. Insofern kann man einen heute gut möglichen Bounce durchaus mitgehen, sollte aber die gleiche Strategie wie oben anwenden und sich durch Stops unter den letzten Tiefs absichern. Ansonsten ist abwarten angesagt.

Ich bin aber sicher, dass bald ein Bounce kommt. Die entscheidende Frage ist dann, ist es der Beginn der Jahresendrally oder nur eine Gegenbewegung im andauernden Abwärtstrend ? Diese Frage wird im Vorfeld in keinem Fall zu beantworten sein. Weswegen eine Strategie wie oben geboten ist.

Besonders aufmerksam sollte man nun bei Gold sein. Ich zeige Ihnen hier mal den 10-Minuten-Chart von XAUUSD von 08:35 Uhr:

Sollten wir nun die 1715 USD im Laufe des Tages nachhaltig übersteigen, haben wir einen klassischen "Swing-Low" vollzogen. Sprich eine Intraday-Wende gestern, die am Folgetag bestätigt wird. Passiert das nicht, muss das "All Green" Signal noch warten und ein erneuter Test der 1700 USD wäre wahrscheinlich.

Bei Gold sind diese Signale relativ zuverlässig, weswegen eine gute Wahrscheinlichkeit besteht, dass mit einem bestätigten SwingLow die von mir erwartete starke Bewegung in Richtung 1900 USD zum Jahresende einsetzt. Besonders profitieren sollten dabei die Minen, GDX und GDXJ haben sich in der Konsolidierung sehr gut gehalten.

Denken Sie bitte auch an den Erfahrungswert, dass eine Wende bei Gold dem Aktienmarkt oft etwas voraus läuft. Das würde perfekt zu dem oben skizzierten Szenario passen.

Aber noch einmal: auch wenn diese Szenarien bisher so perfekt eintrafen, schliessen Sie daraus nicht, das es so weitergeht ! Ich rede hier von Wahrscheinlichkeiten. Auch wenn Sie es hier jetzt oft erlebt haben, wie ich es mit meinen Techniken schaffe, mit Wahrscheinlichkeiten deutlich oberhalb 50% die Richtung des breiten Marktes zu antizipieren, können und werden auch 20 oder 30% Wahrscheinlichkeit früher oder später eintreffen. Nehmen Sie also nie Ihren Schild herunter und bleiben Sie wachsam !

Ich wünsche viel Erfolg !

Ihr Hari

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Vom Irrsinn des IFRS – oder warum der Buchwert alleine kaum Aussagekraft mehr hat.

Heute möchte ich mit Ihnen mal wieder ein grundsätzliches Thema besprechen. Und zwar in Form eines persönlichen und höchst subjektiven Kommentars zum Thema IFRS.

Ausgelöst durch einen der zahllosen Artikel, in denen dem privaten Anleger mal wieder das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) als einfaches Mittel angedient wurde um "Value-Aktien" nach Graham und Buffet zu finden, habe ich mich dazu despektierlich geäussert und den Versuch so ein Thema auf das KBV zu reduzieren als "Plattheit" gebranntmarkt.

In diesem Artikel möchte ich genauer erläutern was ich damit meine. Und warum Sie sich nach meiner Erfahrung keinen Gefallen damit tun, Ihre Anlageentscheidungen alleine nach solchen trivialen Kennziffern zu treffen. Wenn mir die Welt so stark vereinfacht dargeboten wird, ist für mich eher sofort die Frage, "warum" man mir das so darlegt und welche Interessen die Beteiligten haben könnten.

Noch vor 15 Jahren, war die Welt der Bilanzierung in Ordnung. In Deutschland galt das HGB, das die Tendenz hatte, in den Bilanzen stille Reserven - also eine Sicherheitsmarge - aufzubauen. Kaufte man damals ein anderes Unternehmen oder Rechte oder oder, wurde der Aufwand als "Kosten" verbucht oder aktiviert und das Wirtschaftsgut langsam abgeschrieben. Irgendwann war das Wirtschaftsgut in der Bilanz bei Null angekommen, hatte aber immer noch einen realen Gegenwert. Manchmal war dieser Gegenwert sogar gestiegen.

Diese stillen Reserven schlummerten unerkannt in den Bilanzen und wurden erst dann gehoben, wenn das Wirtschaftsgut zum Beispiel verkauft wurde, wenn es also durch einen Preis einen "Wert" bekam. Das war auch im Wesentlichen die Bilanz-Welt, in der Benjamin Graham (der diesem Blog seinen Namen gab und dessen Schüler Warren Buffet war) seine berühmte "Value-Strategie" entwickelte, wie in seinem Buch "The intelligent Investor" ausgeführt. Sicher waren die Bilanzierungsregeln auch damals in den USA anders als das HGB, aber auch in den US war die Bilanzierung damals viel mehr vom Sicherheitsgedanken geprägt als heute.

Dann begann aber der Siegeszug der IFRS (International Financial Reporting Standards). Eigentlich ein richtiger Gedanke, die Rechnungslegungsvorschriften weltweit zu vereinfachen und damit vergleichbar zu machen. Ich zitiere mal einen Satz aus dem WiWo Artikel zum "grossen Bilanz Bluff", den ich Ihnen unten verlinkt habe: "Die 15-köpfige Gruppe ist privat organisiert. Sponsoren der Gruppe sind nahezu alle wichtigen internationalen Konzerne, Banken und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Europäische Union winkt deren Beschlüsse regelmäßig durch und gibt sie weiter in die Hauptstädte von Berlin bis Rom, wo sie in nationales Recht umgewandelt werden."

Meine Lebenserfahrung gebietet anzunehmen, dass es die Interessen der genannten Spieler sind, die indirekt Einfluss auf die Bilanzierungsregeln nehmen. Und das selbst, wenn man den 15 Personen individuelle Untadeligkeit und das Bemühen um Unabhängigkeit attestiert, was ich hiermit gerne annehme. Denn jeder Mensch ist durch sein Arbeitsumfeld geprägt, auch wenn er sich persönlich um Unabhängigkeit bemüht. Lässt man Bilanzstandards von den genannten Gruppen erarbeiten, wird man andere bekommen, als wenn das Standardisierungsgremium zum Beispiel aus den Finanzchefs von Mittelständlern besteht. Bezeichnend für die deutsche Politik ist übrigens, dass sie dieses so entscheidende Thema aus meiner Sicht mal wieder völlig verschlafen hat.

Und die Interessen der grossen Spieler sind für mich naheliegend. Indem man stille Reserven hebt, in dem man die Bilanzen aufbläht, erzeugt man höhere Kurse an Börsen (= mehr Boni) weil die Kennziffern wie zB KBV besser aussehen, erhöht man das Volumen der Mandate, erzeugt neue Beratungsfelder für Banken und Wirtschaftsprüfer und gibt dem Management Spielraum, sich die Bilanz nach Gusto zu bauen. Es entspricht meiner Lebenserfahrung anzunehmen, dass diese Interessen auch in die Entscheidungsprozesse einfliessen.

Das Schlüsselprinzip das seit IFRS dabei eingesetzt wird und das es vorher nicht gab, ist dabei das "Fair Value Measurement“. Theoretisch ein richtiger Gedanke, statt das stille Reserven wie oben in den Bilanzen schlummern und diese defensiv aufgebaut sind, sollen alle Bilanzpositionen mit ihrem aktuellen "fairen Wert" bewertet werden. Das Problem ist nur, wer legt denn fest wenn es keinen echten Marktwert gibt, was die Regel ist ? Wer hat die Kompetenz zu entscheiden, ob eine Investition zB in eine innovative Technologie diesen oder jenen "fairen" Wert hat ? Womit wir beim massiven Spielraum sind der nun entstanden ist und der die modernen Bilanzen eher zu einem Pudding macht, den man verzweifelt versucht an die Wand zu nageln.

Es übersteigt den Umfang eines solchen Artikels, hier auf alle Aspekte einzugehen. Ich will Ihnen mit diesen Worten auch nur ein Problembewusstsein schaffen. Und dazu braucht es Beispiele.

Nehmen wir also mal beispielhaft Daimler und die Brennstoffzelle. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Daimler in das Thema schon mehr als 1 Milliarde Entwicklungskosten hinein gesteckt haben soll. Ich weiss nicht ob das stimmt und ich will vorausschicken, das ich keinerlei Ahnung habe wie Daimler das Thema bilanziert. Und ich will mit den folgenden Worten auch keine Behauptungen über die Bilanz bei Daimler aufstellen. Ich will Ihnen nur an einem Beispiel das jeder kennt ("Daimler" und "Brennstoffzelle") klar machen, was IFRS potentiell bedeutet.

Daimler hat also massive Investitionen in die Brennstoffzelle gesteckt, um in der Zukunft damit Geschäft zu machen. In der alten Welt des HGB wäre das ganz einfach gewesen. All die Investitionen in die Brennstoffzelle, all die Millionen an Entwicklerstunden, die gekauften Maschinen, Patente und Rechte, wären Kosten bzw aktivierbare Wirtschaftsgüter gewesen. Wirtschaftsgüter wie zb eine Testanlage wären bis auf Null abgeschrieben worden. Bilanziell wären also all diese Aktivitäten irgendwann nichts mehr "wert" gewesen, bis dann der Moment eintritt, an dem man mit der Brennstoffzelle Umsatz macht, Kunden gewinnt etc. So einfach, so defensiv, so konservativ.

Heute, im IFRS, darf man aber Entwicklungsaufwand aktivieren. Und muss den Wert dieser "virtuellen Wirtschaftsgüter" nicht zwingend auf Null abschreiben. Nein, man muss für die Bilanz bestimmen, was der "Fair Value" dieser Aktiva ist. Und bläht die Bilanz entsprechend auf, was bedeutet das KBV sieht optisch attraktiver aus. Nur wer entscheidet was die Investitionen in die Brennstoffzelle Wert sind ? Nach welchen Kriterien ?

Viel schlimmer, kann das überhaupt jemand kompetent entscheiden ? Ich behaupte ganz frech: NEIN ! Denn die entscheidende Frage wird sein, ob sich die Brennstoffzelle am Markt gegen die alternativen Antriebsformen durchsetzen kann. Und das hängt von unzähligen, auch politischen, Parametern ab und kann niemand vorher sehen. Und deshalb kann auch niemand seriös den "Fair Value" bestimmen.

Im Endeffekt masst sich IFRS damit ganz arrogant an, via Bilanz die Zukunft vorher sehen zu können. Klar, theoretisch soll es der aktuelle "Fair Value" der Gegenwart sein, nur ist der nicht zu bestimmen ohne Annahmen zur Zukunft zu machen. Das ist in meinen Augen die traurige Realität. Und Realität ist für mich auch, dass sich damit das Management der Konzerne nach meiner Erfahrung mehr oder weniger selber in die Bilanzen schreiben kann, was es will. Oder glauben Sie ein durchschnittlicher Wirtschaftsprüfer kann eine ernsthafte Diskussion mit dem Entwicklungsvorstand bestehen, welchen aktuellen Wert frische Innovationen in einem innovativen Spezialthema haben ? Sicher haben die Wirtschaftsprüfer "Krücken" zur Bewertung in ihrer Methodik, es sind und bleiben aber Krücken und am Ende entscheidet das Management.

Das ist nur ein Beispiel. Und um es noch einmal zu erwähnen, ich weiss nicht wie Daimler das real bilanziert, das ist nur ein theoretisches Gedankenszenario um einen Punkt klar zu machen. Und es ist auch keine Problematik von Daimler, sondern vor diesen Fragen stehen mit IFRS alle Unternehmen mit signifikanten Entwicklungsaufwendungen, egal aus welcher Branche. Aber von dieser Art "Bewertungen" nach "Fair Value" werden die Bilanzen der Konzerne seit IFRS bestimmt. Und es ist beileibe nicht nur das Thema aktivierter Entwicklungsleistungen um das es hier geht, weitere Stichworte sind der Goodwill bei Firmenkäufen, die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen usw. usw..

Warum wohl weist Microsoft plötzlich, von einer Sekunde auf die andere einen Quartalsverlust aus und schreibt 6 Milliarden auf eine Akquisition ab ? Womit die Bilanz um diese 6 Milliarden verkürzt wird. Hat sich die Welt in dieser Sekunde so verändert ? War die Bilanz vor 3 Monaten also richtig ? Lesen Sie -> hier <-. Und warum wundern sich Redakteure, das der Markt dabei nicht mal zuckt ? Ganz einfach, weil die Redakteure den (Un)Sinn des IFRS nicht verstehen und noch denken, Bilanzen hätten Aussagekraft. Big Money weiss es aber und zuckt deshalb nicht einmal über die Abschreibung. Die Profis im Markt wissen : "sowieso Bullshit" und kümmern sich um die bedeutenden Dinge.

Am schlimmsten sind in diesem Zusammenhang übrigens nicht die Bilanzen von IT Unternehmen, sondern die von Banken. Da hier fast keine "realen" Güter dahinter stehen, bestehen die Bilanzen aus Bewertungen, der Bewertungen, der Bewertungen, der Bewertungen. Natürlich alles "Fair Value". 😉 Erfahrene Bilanzspezialisten, die bei einem Industrieunternehmen durchaus noch sinnvolle Schlüsse aus der Bilanz ziehen können, streichen bei Bankbilanzen die Segel. Denn die wissen, das sie *nicht* wissen, eben gerade weil sie kompetent sind. Um so absurder wird es dann, wenn man im Web von Laien "fundamentale Analysen" zu Banken anhand der klassischen Bilanzkennziffern liest. Da kann man in meinen Augen auch gleich wie im Mittelalter das Gekröse eines Frosches untersuchen, das läst ähnlich kompetente Rückschlüsse zu. 😉 Bank-Bilanzen sind einfach eine "Black-Box", die selbst für Insider extrem schwer zu durchdringen sind.

Faktum ist, dass man aufgrund dieser durch IFRS aufgeblähten Unternehmensbilanzen die Kennziffern wie KBV gar nicht mehr mit der Vergangenheit vergleichen kann. Wer Ihnen also erzählt, dass das KBV des DAX im historischen Massstab billig sei, ist nicht ernst zu nehmen. Die Bilanzen sind nicht vergleichbar und keiner kann Ihnen genau sagen, wie aufgebläht sie nun im Vergleich zu den 90er Jahren sind.

Und dann lächeln Sie Personen von Magazinen an und und implizieren, dass Sie ja nur das KBV und die Dividende anschauen müssen, um sich wie Graham und Buffet zu fühlen. Wenn Geldanlage so einfach wäre, wären wir alle Multimillionäre. Komisch nur, dass wir es nicht sind. 😉

Sage ich damit, dass eine Kennziffer wie das KBV gar keine Aussagekraft mehr hat ? Nein, wenn man das Geschäft des Unternehmens versteht, wenn man die Substanz der wesentlichen Bilanzpositionen einschätzen kann und wenn man weiss, wie "aggressiv" das Management bilanziert, dann hat eine Bilanzanalyse immer noch gute Aussagekraft. Das ist das was ein Buffet macht und mehr. Machen Sie das ? Können Sie das ? Wenn nein, lassen Sie sich nicht von den grossen Vereinfachungen blenden.

So weit meine hoffentlich deutliche und zugegeben spitzzüngige Rede zum Thema. Wie gesagt, ich wollte damit nicht in die Details der Bilanzierung einsteigen, sondern Ihnen nur eine sehr grundsätzliche Problematik klar machen.

Im Folgenden habe ich daher für Sie noch zwei Links um das Thema zu vertiefen. Gerade den ersten Link "Der grosse Bilanz Bluff" möchte ich Ihnen dringend zum intensiven Studium empfehlen. Danach sind Sie hoffentlich kuriert und können nur noch bitter lachen, wenn Ihnen einer mal wieder etwas vom KBV als entscheidendem Kriterium erzählt und dafür dann noch der arme Warren Buffet ungefragt als Testimonial benutzt wird.

-> Der grosse Bilanz Bluff <-

-> DAX Pensionen teure Versprechen <-

Ich hoffe ich konnte Ihren Horizont ein wenig erweitern. Und ich bedauere, dass ich Ihnen keine "einfachen" Lösungen anbieten kann. Das muss ich anderen überlassen.

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *

Marktupdate – 23.10.12 – DAX, S&P500, Gold, Silber, Salzgitter, Peabody

09:30 Uhr

Heute morgen möchte ich mit Ihnen einen gedanklichen Flug über wesentliche Aspekte des Marktes vollziehen.

(1) Die Indizes: DAX und S&P 500

Gestern Abend haben es die Bären erneut versäumt, eine grosse Chance zu nutzen. Die Stärke der letzten Stunde an der Wallstreet zeigt, wie schwach das Bärenlager ist und das "Big Money" eher auch auf steigende Kurse zum Jahresende setzt.

Heute haben die Bären durch den POMO Sell Operation Tag über 8 Milliarden USD eine weitere Chance. Die Schwäche nach Handelseröffnung in Europa indiziert, das heute der finale und entscheidende Versuch laufen wird, die Märkte nach unten zu drücken. Die Folgen die eine Bewegung unter 1425 im S&P500 hätte, habe ich ja in den letzten Artikeln ausführlich dargelegt. Selbst ein Taucher unter 7000 wäre beim DAX dann nicht ausgeschlossen und das -> hier <- beschriebene Szenario des Weges des maximalen Schmerzes wäre voll aktiv.

Wenn die Bären diese Gelegenheit allerdings erneut nicht nutzen können, sinken ihre Chancen in Folge wohl rapide. Denn erstens ist am Mittwoch wieder grosser Notenbanken-Tag mit FED-Sitzung und Reden von EZB-Chef Draghi. Und auch wenn von den Notenbanken keine Überraschungen zu erwarten sind, dürfte es auch keine negativen Überraschungen geben, sondern eher Bestätigung und Beruhigung.

Zweitens tendieren die Märkte dazu, wenn eine wichtige Barriere wie S&P500 1425 nicht fällt, dann irgendwann an das andere Ende des Gummibandes zu laufen. Wir konnte das ja erst letzte Woche beobachten, als die Indizes es nicht zu Höchstständen schafften. Die Konsequenz war der Freitag, der uns im S&P500 wieder an die untere Unterstützung heran führte.

Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass der Markt auch noch später in der Woche dann eine überraschende Bewegung durch den Widerstand nach unten macht. Möglich ist immer alles. Aber wir reden hier ja über Wahrscheinlichkeiten. Und die sinken mit jedem Tag, den die Bären die Chance nicht ergreifen können.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang zu beobachten, wie der DAX am Freitag und Montag durch relative Stärke glänzte und heute dagegen den Absturz der US Indizes nachzuholen scheint. Ich habe aber nach wie vor den Eindruck, dass wer eine mögliche Rally zum Jahresende maximal ausschöpfen will, nun in den europäischen Aktienmärkten investiert sein sollte. Europas Märkte haben wahrscheinlich kurzfrstig mehr Luft nach oben als die US Indizes.

(2) Gold und Silber

Sollte Gold heute über 1730 USD schwingen, hätte das Edelmetall ein SwingLow vollzogen und damit das Ende der Korrekturbewegung eingeläutet. Allerdings gebe ich dem Szenario eines finalen Tauchers unter 1700 USD nach wie vor höhere Chancen. Danach erwarte ich aber eine attraktive Long-Chance ins Jahresende, denn ich rechne mit mittelfristig höheren Notierungen in den Edelmetallen.

Besonders gilt das nach wie vor für die Minen. Die Stärke die sich in einzelnen Werten wie Kinross Gold (WKN A0DM94) oder Hecla Mining (WKN 854693), ebenso wie in den grossen ETFs wie dem GDX zeigt, ist beeindruckend. Und spricht dafür, dass beim nächsten Anstieg der Edelmetalle hier erhebliche Kurschancen liegen. Da der Einstiegspunkt nach meiner Erwartung nicht mehr weit entfernt ist, bin ich schon im Prozess meine Positionen wieder aufzubauen, die ich Ende September taktisch abgebaut habe.

(3) Stahl am Beispiel Salzgitter

Der Stahlsektor ist in Bewegung geraten, was man beispielhaft am Chart der Salzgitter Aktie (WKN 620200) nachvollziehen kann. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart:

Klar sichtbar ist, das eine Trendwende vollzogen wurde. Deutlich markiert durch immer höhere Tiefs und höhere Hochs. Sichtbar ist auch, wie wir am 38er Fibonacci Retracement das erste Mal drehten. Auch jetzt sieht es so aus, als ob wir dort erneut abprallen, was neue Risiken aufbeschwören würde, weil wir kein neues Hoch schaffen. Allerdings war die Stärke bei Salzgitter selbst heute Morgen zu spüren. Das wir dort wieder drehen erscheint mir heute eher am sehr schwachen Markt zu liegen, ansonsten wäre der Kurs wahrscheinlich schon Richtung 200-Tage-Linie unterwegs.

Alles in allem halte ich es für wahrscheinlich, das der Aufwärtstrend weiter Bestand hat. Bei Salzgitter kann man das auch relativ gelassen aussitzen, da das Unternehmen - im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern - eine sehr starke Bilanz besitzt.

(4) Kohle am Beispiel Peabody Energy

Vielleicht erinnern Sie sich an das Chart zu Peabody Energy (WKN 675266) -> hier <- vor erst fünf Tagen. Was seit dem passiert ist, bestätigt die Trendwende bei Kohle eindrucksvoll. Sehen Sie selbst, wenn Sie erneut auf das Tageschart von Peabody schauen:

Das ist eine klassische Umkehrformation nach Lehrbuch ! Achten Sie auch auf das hohe Volumen, nach dem gestrigen Ausblick des Managements. Normal wäre jetzt eine Konsolidierung herab zur 200-Tage-Linie. Dann ist es aber wahrscheinlich, dass der Titel die Aufwärtsbewegung weiter fortführt.

Das ich hier beispielhaft für Kohleaktien Peabody zeige, liegt daran, dass es im Sektor der solideste Titel ist. Peabody hat selbst in der Krise immer Gewinne geschrieben und erlaubt daher eher eine ruhige Spekulation, als aggressive Titel, wie einige Anleger ja erst vor Kurzem bei Patriot Coal schmerzhaft erleben mussten.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *