Cloud – Nein Danke !

Erlauben Sie mir, als grau gewordener Informatiker der ersten Stunde, mal ein paar persönliche Worte zum Thema "Cloud" los zu werden, die mir schon lange auf der Zunge liegen. Durch ein paar aktuelle Anzeigen, die mir aufgefallen sind, fühle ich mich gedrängt, diese Sätze mal zu sagen. Mit der Börse hat das natürlich nur am Rande zu tun, aber immerhin verdienen damit ja mittlerweile viele Unternehmen gutes Geld, insofern ist ein Zusammenhang durchaus vorhanden.

Ich persönlich halte die "Cloud", die dem geneigten Privatkunden nun als "Sky Drive" (Microsoft) oder "iCloud" (Apple) oder unter anderen Namen angedient wird, für totalen Quatsch, für gefährlich und für eine Form der freiwilligen Entmündigung der Menschen. Entschuldigung für die deutlichen Worte. Das Bild von der Datenwolke, in der die eigenen Daten verschwinden, fällt für mich nicht unter Verheissung, sondern eher unter die Kategorie Marketinggeschwätz und Volksverdummung. Noch schlimmer wird es dann, wenn die Dienste selbst wie Office auch in die Cloud verlegt werden, dann verliert man jede Kontrolle.

Denn was ist Neu daran, dass man seine Daten "remote", also über die Leitung, in einem Rechenzentrum bzw einer Datenbank speichert? Und darauf von verschiedenen Endgeräten zugreift? Das gab es schon in den 70er Jahren und seit dem immer, in verschiedensten Ausprägungsformen.

Und die Vorteile die man heute den Privatnutzern verkauft, dass man geräteübergreifend und von überall her auf seine Daten zugreifen kann, sind auch nichts Neues. Das kann man auch schon seit mindestens 10 Jahren selber, wenn man zu Hause einen kleinen NAS (Network Attached Storage) stehen hat und den sinnvoll konfiguriert. Das erfordert ein wenig Grundlagenwissen und ein bisschen Disziplin, wie man seine Daten ablegt, aber wirklich schwierig ist es nicht. Und von überall im Web kann man auch auf den eigenen NAS zugreifen.

Mit diesem Marketing-Begriff der harmlos, weissen Cloud, wird in meinen Augen ein riesiger Nebel erzeugt, der das wahre Problem verbirgt. Denn es geht um die Daten selber und die Kontrolle über die selben. Hat man als Anbieter einer "Cloud" Ihre persönlichen Daten mal in seiner Hand, kann man auch wunderbar darauf Gebührenströme aufbauen, die Ihnen dann kostenpflichtig erlauben, Ihre eigenen Daten überhaupt zu nutzen. Und je abhängiger Sie mit wichtigen Daten werden und je mehr Ihr Tagesablauf auf diesen Zugriff ausgerichtet wird, desto sicherer sind die Umsätze der Cloud-Anbieter.

Denn WO - im Sinne auf welcher Hardware - die Daten gespeichert werden, ist doch völlig egal, solange die Speicherung zuverlässig, geschützt und ausfallsicher ist und die Daten leicht zugreifbar sind. Viel wichtiger ist eine ganz andere Frage. Die Frage WER unsere Daten speichert, WER Zugriff hat und WER nach welchem Rechtssystem kontrolliert, was damit passiert.

Auf dem Zugriff auf persönliche Daten der Menschen basieren mittlerweile ganze Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel von Facebook. Das Bild von der freundlichen, weissen, harmlosen "Cloud", soll den Anwender dort wohl hinein locken und ihn anfixen. Steckt er dann mit seiner digitalen Identität und wichtigen Dateien drin, ist der Ausstieg nicht mehr so einfach.

Dabei ist im 21. Jahrhundert unsere digitale Identität neben unserem nackten Leben und unserer Gesundheit fast das Wichtigste, das wir zu schützen haben. Denn davon hängt mittlerweile fast alles ab, die Fähigkeit einen Kredit zu bekommen ebenso, wie überhaupt einen Job zu bekommen.

Wie kann man als vernünftig denkender Mensch die Kontrolle über diese eigenen, persönlichen Daten freiwillig in fremde Hände geben und dann auch noch dafür zahlen, dass man gnädigerweise seine eigenen Daten verschieben und verarbeiten darf ? Witzig finde ich dabei, dass die gleichen Leute die sich bei den eher trivialen Fragen eines Zensus durch den Staat wahnsinnig aufregen, ohne zu zögern ihre persönlichsten Daten in fremde Rechtsräume kopieren und aus der Hand geben.

Das will mir nicht in den Kopf und wirkt auf mich wie eine Form von Gehirnwäsche, durch im wahrsten Sinne des Wortes "wolkig" klingende Begriffe. Die Vorstellung, das meine digitale Identität und meine höchst persönlichen und privaten Daten in einer "Wolke" verschwinden, in der ich keine wirkliche Kontrolle mehr über deren Verwendung und Zugriff habe, ist für mich eher eine Horrorvorstellung, als eine Verheissung. Und ist und bleibt ein absolutes NoGo. Und es gibt auch keinen einzigen zwingenden, technischen Grund das zu tun. All das, was mir diese Dienste bieten, kann ich leicht auch mit eigener Infrastruktur bekommen, über die ich die volle Hoheit behalte.

Wer braucht also die "Cloud" ? Die Industrie die davon lebt bestimmt, der Anwender dagegen nicht. Der lässt sich freiwillig entmündigen und seine persönlichen Daten in fremde Rechtsräume transportieren, die er in keiner Weise mehr überblickt. Und lässt den Zugriff auf seine eigenen Daten von seitenlangen AGBs in Englisch abhängig machen, die er sowieso nicht liest, nicht versteht und sowieso wegklickt. Und zahlt dann auch noch dafür, auf etwas Zugriff zu haben, was ihm sowieso gehört.

Wirklich lustig. Wobei ..... doch eher traurig.

Für mich gilt: Cloud nein Danke !

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Goldminen, Silberminen, GDX, SIL, Barrick Gold – Die grosse Chance ?

Für Positionstrader - und das sind die meisten von uns - gibt es nur wenige Momente im Jahr, an denen man die Chance hat, den Beginn einer grundlegenden Bewegung eines ganzen Sektors mitzunehmen. Und dann über Monate den Trend zu geniessen.

Den Unterschied zwischen langfristigem Erfolg und Misserfolg macht dabei, frühzeitig zu erkennen wie sich die Ströme der Gezeiten ändern und dann konsequent, wenn auch das "Big Money" auf diese Wende setzt, ohne falsche Furcht einzusteigen. Natürlich gut nach unten abgesichert, aber trotzdem mit gesunder Aggressivität. Denn wenn man eine klare Chance vor sich hat, muss man auch beherzt zupacken.

Sie wissen ja, dass ich für das Trading gerne die Metapher des Jägers und Fährtenlesers benutze und wenn das Wild, nachdem man die ganze Nacht gewartet hat, dann endlich vor einem aus den Büschen bricht, genau dann ist der Zeitpunkt zum Handeln gekommen !

Der letzte derartige Punkt war der 17.11.12, genau der Zeitpunkt an dem ab 14.11. die Liquidität der FED aus QE3 endlich den Markt erreichte. Und was war in den Medien vorher alles an prozyklischem Text produziert worden, das die Massnahmen der FED keine Wirkung mehr hätten. Alles nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben wurde.

Wie treue Leser wissen, hatte ich das Thema des 14.11.12 hier explizit und im deutschen Sprachraum nahezu exklusiv schon vorher thematisiert und ich empfehle noch einmal, sich diesen rückblickenden Artikel -> Dont fight the Fed <- anzuschauen. Denn im nachhinein muss man sich ja die Frage stellen, warum hat man selber diesen Punkt nicht gesehen und ist nicht aggressiv in die Märkte eingestiegen ? Was darauf nun 6 Monate lang folgte, haben wir ja alle erlebt. Und nur wenn man daraus lernt, kann man es das nächste Mal besser machen.

So eine grundlegende Chance könnte nun erneut - und zwar bei den Gold- und Silberminen - vor uns liegen.

Ich habe ja zum Sektor einiges geschrieben und schon vor 10 Tagen hier gegen den Mediendruck auch den potentiellen -> Doppelboden bei Gold <- thematisiert. Für die extrem verprügelten Minen war die Zeit aber bisher nie reif. Alle Gegenbewegungen waren von schwächlicher Natur und wurden eindeutig nicht von "Big Money" getragen.

Sicher, man konnte die extreme Überdehnung nach unten sehen und wir haben das hier auch besprochen. Aber Zeit für den Einstieg ist erst, wenn auch "Big Money" mitzieht. Und dieser Punkt könnte endlich gestern erreicht worden sein.

Warum und woran man das erkennt ? Dieses und auch welche Chancen und Risiken in diesem Trade liegen, das will ich Ihnen im Folgenden im Detail zeigen und erklären.

Schauen wir als erstes mal auf den 10-Minuten-Chart der letzten Woche im grossen Goldminen-ETF GDX, dem ETF in dem sich auch die grossen Namen wie Soros & Co. tummeln:

GDX 31.05.13 kurz

Das Chart dürfte weitgehend selbsterklärend sein. Es zeigt Ihnen exemplarisch, wie sich am Vortag sichtbares Momentum aufbaut, das sich auch in einem starken Closing zeigt. Dann am Folgetag der Gap-Up kommt und die Kurse nie mehr zurück schauen. Mitten im Tag dann eine klassische Konsolidierung als Bullenflagge, die zum Handelsschluss erneut gekauft wird und damit weitere Stärke indiziert. Und das alles mit einem brutalen Aufwärtsvolumen.

Jetzt macht eine Schwalbe ja noch keinen Sommer und ein Aufwärtstag noch keinen Trend. Das stimmt. Die Kunst ist aber, abseits der reinen Prozentzahlen die "besonderen" Tage zu erkennen. Und das dieser Tag auch im grossen Kontext "besonders" war, zeigt Ihnen höchst eindrucksvoll der Blick auf das Volumen im Tageschart, das hier einen Zeitraum von einem guten Jahr umfasst:

GDX 31.05.13 lang

Beeindruckend oder ? Sie erkennen im roten Kreis im April eindeutig das Kapitulationsvolumen. Klarer geht eine Kapitulation nicht mehr. Und Sie haben zur Referenz den Volumenschub, der vor einem Jahr die dreimonatige Aufwärtsbewegung des Sektors bis in den September hinein ankündigte. Und nun schauen Sie auf dieses aussergewöhnliche "Monster-Volumen" und wie es sich aufgebaut hat. Gestern war etwas Besonderes. Dieses Bild macht es deutlich.

Was schliessen wir daraus ?

Ganz einfach, dass "Big Money" nun in den Sektor einsteigt und die beiden letzten Tage die erste Welle neuen Momentums sind. Und glauben Sie nicht, dass diese Bewegungen den Algos verborgen bleiben. Momentum zieht Momentum nach sich, in Zeiten der Algos sowieso. Und sollte der Markt nun zur Gezeitenwende ansetzen erst recht. Denn das Geld, das aus den bisherigen Favoriten dann heraus fliesst, muss ja irgendwo hin. Und dieses "heisse Geld" wird auf der Suche nach dem nächsten Momentum-Trade sein.

Verbunden mit der fundamentalen Überdehnung, hoher Short-Quote und dem negativen Sentiment zum Sektor - alles Dinge die wir hier, insbesondere im Premium-Bereich, regelmässig besprechen - haben wir hier also ein sehr gutes Chance-Risiko-Verhältnis.

Das ist natürlich keine Garantie, dass dieser Trade funktionieren wird, absolute Garantien gibt es im Markt nicht. Wer hier einsteigen will, muss also unbedingt mit Stops operieren, spätestens wenn die alten Tiefs im GDX vom 20.05. bei 26,25 USD nachhaltig gebrochen werden, muss man raus.

Das Schöne ist aber, diese Tiefs sind nicht sehr weit weg, was das Verlustrisiko einer Long-Position damit doch sehr minimiert. Auf jeden Fall ist das Potential nach oben erheblich grösser und eine klareres Setup für eine Wende als derzeit, bietet der Markt selten. Ein Restrisiko bleibt immer.

Wie es nun weiter geht ? Dafür ist vielleicht eine gute Lehre, wie das damals vor einem Jahr im GDX war, sehen Sie selbst:

GDX 2012

Sie sehen diesen ganz typischen Moment, in dem eine neue Bewegung noch einmal getestet wird. Und erst wenn dieser Test erfolgreich ist und aggressiv gekauft wird, dann ist nach oben "Feuer frei". Dann hätten wir im aktuellen Chart des GDX auch eine klassische Umkehrformation in Form einer inversen Schulter-Kopf Formation.

Insofern haben wir auch eine gute Wahrscheinlichkeit, dass es diesen erneuten Test in den kommenden Tagen noch geben wird und der GDX dabei auch wieder in Richtung der Tiefs gedrückt wird. Und dann eine iSKS Formation ausbildet.

Wer nun also in den Sektor einsteigen will, sollte sich schon im Vorfeld klar machen, wie er damit umgehen wird, um dann nicht zu den "Dummen" zu gehören, die genau in diesem Moment das Falsche tun. Wer dagegen mit seinem Einstieg auf diesen erneuten Test warten will, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass dieser Test zwar wahrscheinlich, aber nicht sicher ist. Und das Volumen, dass nun in den Sektor fliesst, ist aktuell so gross, dass auch ein "Gap and Go" keineswegs unmöglich ist, sprich die Kurse vielleicht nie mehr zurück schauen.

Fazit:

Der Sektor der Gold- und Silberminen scheint eine attraktive Chance zu bieten, wie sie in dieser Klarheit nur selten im Jahr auftaucht. Eine Garantie ist das nicht, Garantien gibt es nicht. Wer hier also einsteigen will, muss unbedingt auch wissen wo und wann die Reissleine gezogen wird. Und bei aller Überdehnung der Minen nach unten, wenn Gold und Silber erneut einbrechen und die Tiefs durchschlagen, werden auch die Minen erneut einbrechen, das ist sicher. Die bullischen Szenarien oben basieren also alle zwingend auf einem zumindest stabilen Preis des Basismetalls.

Natürlich kann man auch die einzelnen Unternehmen wie Barrick Gold traden, Barrick ist gestern alleine über 7% gestiegen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass die Wenigsten unter uns in der Lage sind, wirkliches Wissen über diese Unternehmen aufzubauen, das dann auch einen Edge generiert. Und wenn man keinen Edge hat, weil man das Unternehmen besonders gut versteht, gibt es auch keinen Grund sich dem erhöhten Einzelrisiko auszusetzen. Und denken Sie daran, einen Artikel in einem Magazin zu einem Unternehmen gelesen zu haben, ist *kein* Edge, im Gegenteil. 😉

Für die Meisten sind Sektor-ETFs dafür also die bessere Wahl. Wer Zugang zur Wallstreet hat wählt GDX, GDXJ oder den SIL für die Silberminen. Das sind die hoch liquiden und massiv kapitalisierten ETFs, in denen sich auch das "Big Money" tummelt. Anleger mit deutschen Direktbanken können dagegen beispielsweise die ETFs WKN:ETF091 von Comstage und WKN: A1JS9D von iShares benutzen.

Ich wünsche gute Entscheidungen ! Ach ja, und "For the Record": Ich selber bin nun im Sektor voll Long investiert. Genau nach den oben beschriebenen Prinzipien. Und im Premium-Bereich werden wir die Entwicklung des Sektors nun intensiv verfolgen.

Ihr Hari

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Zeitenwende an den Märkten ? Von steigendem Gold und fallenden Bonds und Bluechips

Monatelang haben sich die Märkte - befeuert durch die Liquidität der Notenbanken - immer weiter nach oben bewegt. Der Trade war immer der gleiche, Long weltweite Bluechips insbesondere Nahrung und Healthcare, Long Nikkei, Short Gold.

Nun passieren aber seit einigen Tagen bemerkenswerte Dinge unter der Oberfläche der Märkte. Wir haben steigende Bondrenditen, in Japan wie in den USA. Gerade die langlaufenden US Bonds haben nun Chartstrukturen, die dazu verleiten den Hinterkopf zu kratzen und sich zu fragen, ob die "Great Rotation" nicht schon längst begonnen hat.

Und wir hatten nun erste Einbrüche bei den oben genannten Bluechips. Coca-Cola oder Procter & Gamble waren gestern über 2% im Minus. Das passiert nicht alle Tage und das der S&P500 sich trotzdem gut hielt, verbirgt nur hinter einer Fassade, dass unter der Oberfläche massive Umschichtungen im Gange sind.

Aber auch der Nikkei hat erste Einbrüche erlebt und der Rebound wurde an den beiden letzten Handelstagen wieder verkauft, was für eine grössere Topbildung spricht.

Passend dazu haben die Gold- und Silberminen gestern eine gewaltige Rally hingelegt. Hecla Mining (WKN: 854693) stieg alleine 11%, der GDX um 4,6%. Und Gold zieht heute in der Frühe nach, über Nacht wurde die hart umkämpfte 1400 USD Marke geknackt, über die ich hier so viel geschrieben habe.

All das sind Indizien, dass eine Zeitenwende an den Märkten bevor stehen könnte. Zeit dafür wäre es ja allemal ! Man beachte dabei aber auch bitte den Konjunktiv. 😉

Denn ich warne davor, zu schnell und zu überzeugt auf den Zug der Wende aufzuspringen. Ein derart starker Bulle wie wir ihn nun hatten stirbt nicht einfach mal "so eben". Das ist eher ein langwieriger, quälender Prozess der immer wieder von Gegenbewegungen unterbrochen wird. Solange aber die tieferen Hochs von Vorgestern nicht nach oben geknackt werden, bleibt die Topformation auf der Agenda und der Markt nervös. Anders herum ist aber nicht wirklich etwas passiert, solange der Leitindex S&P500 die 1600er Marke nicht nachhaltig nach unten durchschlägt. Ich hatte das ja -> hier <- ausführlich dargestellt warum und wieso.

Auch Markt- und Charttechnisch gibt es eine Reihe von Indikatoren, die zur Vorsicht mahnen. So wird im Moment im Markt viel über das "Island Reversal" geredet, das Vorgestern auftrat und das oft einen Top indiziert. Aber eben nur oft und wir wissen ja, wieviel diese technischen Parameter in den letzten 6 Monaten im Lichte der Steroide der Notenbanken wert waren: wenig bis nichts ! Hierzu gibt es im amerikanischen ein Sprichwort, das es gut trifft: "It doesn´t matter, until it matters." 😉

Auch hier lassen Sie sich also nicht von den ganzen Meinungsverkäufern mit Glaskugeln ins Boxhorn jagen, die vermeintliche Sicherheit in eine Richtung verbreiten. Das ist eine opportunistische Masche und die wissen es selber nicht und sind auch nur hinterher mit klugen Sätzen da. Mitten im Schlachtengetümmel ist da nur das grosse Schweigen.

Tatsache ist, dass die Märkte Signale senden die eine Zeitenwende nun möglich erscheinen lassen und zur Vorsicht mahnen. Tatsache ist aber auch, dass diese Zeitenwende erst vollzogen ist, wenn sie vollzogen ist. Und dafür braucht es mehr als ein gehyptes Island Reversal und ein paar Tage an denen die alten Trends in die Gegenrichtung laufen.

Denn Tatsache ist auch, dass die Notenbanken weiter drucken und dass der Markt voll ist mit Marktteilnehmern, die diese Rally verpasst haben und nur deshalb nun bärische Weissagungen produzieren, weil sie sich nichts sehnlicher wünschen, als das die Kurse Ihnen noch einmal einen Einstieg ermöglichen. Genau aus dieser Ecke kommt dann aber auch das Futter, dass jeden Dip kaufen lässt und so jede Korrektur sehr flach hält. Deutlich wird das erneut von den Erhebungen von -> Cognitrend <- unterstrichen, denn das Bärenlager ist erstaunlich gross und der Markt damit weit von einer euphorischen Überdehnung entfernt.

Die Zeitenwende ist also erst dann vollzogen, wenn dieses "Buy the Dip" aufhört. Im Moment ist das nicht der Fall, wie erst gestern erneut der S&P500 gezeigt hat. Und wie wir wissen, zählt im Markt das was ist und nicht das, was man sich wünscht oder erwartet.

Im Moment ist es also primär unsere Aufgabe wachsam und neutral zu sein. Statt uns von "Gurus" einen Bias in die eine oder andere Richtung aufdrücken zu lassen, müssen wir unsere Energie darauf verwenden zu beobachten. Was macht der Markt, kommt "Buy the Dip" wieder und wann ist die Wende vollzogen ?

Was wichtige Marken und Indikatoren sind, um die Lage bei S&P500, DAX, Bonds, Gold und Goldminen zu beurteilen, will ich im Folgenden mit den Premium-Mitglieder besprechen.

Und als Folge der neuen Lage auch Änderungen im Setup-Monitor vornehmen und zwei neue, erfolgsversprechende Setups aufnehmen:

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Gedanken zum Markt: Wacker Chemie, Klöckner, Französische Staatsanleihen

Der Markt scheint wieder Fahrt nach oben aufzunehmen, die Korrektur scheint vorbei und die alten Trends sind bereit, erneut ein gutes Stück weiter zu laufen.

Daher heute ein paar Gedanken zu drei Themen: Wacker Chemie, Klöckner und französischen Staatsanleihen:

Wacker Chemie und Klöckner

Beide Aktien zeigen aktuell deutliches Momentum nach oben und haben gleichzeitig in den letzten Wochen eine schwierige, unklare Chartstruktur ausgebildet. Und bei beiden Aktien dürfte diese unklare Struktur durch den Einfluss exogener Nachrichten hervor gerufen worden sein, da diese Nachrichten das natürlich Verhalten von Angebot und Nachfrage überlagert haben.

Wacker Chemie (WKN: WCH888) ist eigentlich reif für eine massive Erholung, nachdem der Solarsektor in den US zu boomen begonnen hat und auch die chinesischen Unternehmen Signale senden, dass der Tiefpunkt hinter uns liegen könnte. Diese Erholung wurde bei Wacker aber durch diese unsägliche Diskussion um einen Handelskrieg mit China überlagert und konterkariert - eine Diskussion die wir absurderweise zu einem guten Teil Solarworld zu verdanken haben.

Die Angst vor diesem Handelskrieg liess zuletzt den Kurs der Wacker Aktie wieder absacken, denn Wacker wäre als Lieferant von Polysilizium an viele Hersteller besonders betroffen. Mit jeder Meldung, die einen derartigen Handelskrieg aber unwahrscheinlicher macht, merkt man wie der Kurs wie ein angeleintes Rennpferd nach oben zerrt.

Wenn man bedenkt, dass der Boom im US Solarmarkt real und dauerhaft zu sein scheint, ist es möglicherweise nur eine Frage der Zeit, bis die Preise für Polysilizium wieder anziehen und auch Wacker wieder weit höher notiert.

Wacker Chemie 28.05.13

Im Chart ist das bullische "W" auffällig, dass im Widerspruch zu der massiven Schulter-Kopf Formation steht. Da diese Formation aber durch die zweimal von 50€ ausgehenden Gegenbewegungen in ihrer Bedeutung geschwächt wurde, gebe ich dem bullischen "W" nun mehr Aussagekraft.

Wenn man hier einen Trade wagt, darf der Doppelboden des "W" nicht mehr unterschritten werden. Darunter wäre ein Stop also sinnvoll platziert.

Klöckner (WKN: KC0100) ist ähnlich wie Wacker durch exogene Nachrichten beeinflusst, hier durch die Konsequenzen aus der Beteiligung des neuen Grossaktionärs Knauf. Auch bei Klöckner bin ich mittelfristig optimistisch. Die Stahlkonjunktur wird wieder kommen, es fragt sich nur wann. Klöckner restrukturiert und verringert derzeit seine Kostenbasis, während sich gleichzeitig der Geschäftsanteil in den konjunkturell besser dastehenden USA durch die Übernahme der Macsteel den 50% annähert - ein Sachverhalt der vielen noch nicht bekannt ist.

Es scheint mir möglich, dass der Markt das mittelfristige Potential aus dieser Mischung unterschätzt, eine leichte Verbesserung der Stahlkonjunktur würde auf jeden Fall schon genügen, um den Kurs erheblich nach oben hebeln. Eine starke Unterstützung bei 8,9€, ein Buchwert von um die 16€ pro Aktie, sowie die strategische Beteiligung von Knauf, machen das Abwärtspotential dagegen wohl eher überschaubar. Für alle Fälle kann ein Stop unter die 8,9€ nicht schaden.

Französische Staatsanleihen

Eine der Absurditäten der Politik der Notenbanken ist, dass der wahre kranke Mann Europas - Frankreich - sich zu absurd niedrigen Renditen refinanzieren kann. Bis zur Bundestagswahl rechne ich auch mit keiner Änderung, da die EZB und Eurozone alles dafür tun werden, dass solange "Ruhe im Karton" herrscht. Auch die Politik der BoJ stützt diese Politik, da mit den Geldern in einer Art "Carry Trade" unter anderem Staatsanleihen der Eurozone gekauft werden.

Nach der Wahl steht aber ein Renditenanstieg für Frankreich auf der Agenda, denn der Markt wird nicht ewig diese absurd niedrigen Renditen akzeptieren. Deswegen könnte es sich lohnen, sich schon heute dafür einen Short ETF zurecht zu legen, mit dem man auf steigende Renditen in der Eurozone, primär aber in Frankreich wetten kann.

Ein brauchbares Vehikel dafür könnte der ETF der Deutschen Bank: Short iBoxx € Sovereigns Eurozone Daily (WKN: DBX0AW) sein, der mit jeweils 24% die grösste Position in französischen und italienischen Staatsanleihen abbildet. Der ETF hat noch keine Wende vollzogen und der Abwärtstrend ist noch voll aktiv. Insofern ist es zu früh zum Einstieg. Aber beobachten kann man ihn nun intensiv, denn die Wende dürfte nicht mehr all zu weit entfernt sein.

Hier das eindrucksvolle Trendchart seit Anfang 2012, das eine absurde Fehlbewertung von Risiko deutlich macht, für die die Notenbanken die primäre Verantwortung tragen. Man könnte meinen, Herr Hollande hätte eine brilliante Wirtschaftspolitik betrieben, die ein erhöhtes Vertrauen in die Stabilität Frankreichs rechtfertigt. Wenn man irgendwo exemplarisch sehen will, wie die Notenbanken den Markt verzerren, dann kann man das hier.

DXSV 28.05.13

Sie sehen der Trend ist nicht gebrochen, ein Einstieg steht also noch nicht an. Wenn der Trend aber bricht, könnte sich hier ein interessantes Setup aufbauen. Und das Schöne dabei ist, dieser Trade funktioniert inhärent dann auch als Absicherung gegen ein erneutes Aufflammen der Eurokrise. Ein netter Nebeneffekt bei der Balancierung eines grösseren Depots.

Bedenken Sie bei so Short ETFs aber auch, dass diese in der Regel einige Prozent per Annum innerer Kosten für die Short-Struktur haben. Diese inversen ETFs machen also als langfristige Wette in der Regel keinen Sinn, in Seitwärtsmärkten verliert man damit nur Geld. Man sollte diese also nur dann einsetzen, wenn ein klarer Trend in die richtige Richtung etabliert ist. Hier heisst es also abwarten und beobachten.

Und bedenken Sie auch, dass Sie in der dominanten politischen Logik - und damit auch für Otto Normalbürger - ein "böser Zocker" sind, wenn Sie Zweifel an Frankreichs Schuldentragfähigkeit haben und auf fallende Staatsanleihen setzen. Denn Staatsanleihen ist immer und jederzeit zu vertrauen. Amen !

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Was das KGV aussagt – und was nicht

Was das KGV aussagt – und was nicht

Ein Gastkommentar von Tokay

Der DAX ist in den vergangenen Tagen beträchtlich gestiegen und eine Ende erscheint nicht in Sicht. Wohin wird der DAX gehen? Die einen sagen, aufgrund der monetären Expansion der EZB sei das Kursniveau überhöht und eine Korrektur unausweichlich. Die anderen meinen, der DAX habe doch eben erst alle historischen Marken gebrochen und einem Kursanstieg in zuvor unerreichte Höhen stünde damit nichts mehr im Wege. Wieder andere sind der Ansicht, dass der DAX auf seinem jetzigen Niveau ein realistisches Abbild der wirtschaftlichen Lage der großen deutschen Unternehmen sei.

Sehr häufig findet man die Ansicht, daß das KGV der großen deutschen Unternehmen auf einem historisch günstigen Niveau sei. Das Argument, der DAX sei mit einem KGV von aktuell 11,4 gegenüber einem langfristig gültigen Niveau von 15 bis 16 unterbewertet, lege den Schluß nahe, daß sich das DAX-KGV diesem langfristigen Niveau annähern müsse (mean reversion).

Im Monatsbericht der Bundesbank für den Mai 2013 beschäftigen sich die Autoren mit der Frage, inwieweit die gestiegenen Notierungen in den Fundamentaldaten verankert sind. Untersucht wird der langfristige Zusammenhang zwischen Kursen und Dividenden anhand der Dividendenbarwertmethode(Dividend Discount Model). Sie schreiben:

„Laut dem Dividendenbarwert-Modell entspricht der Kurs einer Aktie (P) dem Barwert aller zukünftig erwarteten Dividenden (D), die mit den Eigenkapitalkosten (EKK) abgezinst werden. Unter der Annahme konstanter Eigenkapitalkosten und einer konstanten Dividendenwachstumsrate (g) gilt für den Aktienkurs :
P=(D*(1+g))/((EKK-g))

Kurzfristig schwanken Aktienkurse erfahrungsgemäß zwar stärker als die von den Unternehmen meist möglichst verstetigten Dividendenzahlungen; langfristig legt die Formel aber ein identisches Wachstum beider Größen nahe. “

Dehnt man diese Überlegung auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bzw. (P/E) aus, dann ergibt sich das KGV quasi als Ausschüttungsquote (D/E), welche mit den Eigenkapitalkosten und unter Annahme einer konstanten Dividendenwachstumsrate abgezinst wird:
P/E=(D/E*(1+g))/((EKK-g))

Das hört sich zunächst reichlich abstrakt an. Was besagt dies?

  • Der Zusammenhang zwischen Fundamentaldaten und Kursen ist langfristig gültig. Daher kann auf lange Sicht nicht mehr an die Aktionäre ausgeschüttet werden, als an Gewinn erwirtschaftet wird. Die Ausschüttungsquote ist daher konstant und nicht der bestimmende Faktor des KGV;
  • Die Eigenkapitalkosten messen die Renditeerwartung an den DAX. Steigt diese Renditeerwartung, dann sinkt das KGV. Dann wären die Anleger nur bei einem tiefen KGV bereit, in den DAX einzusteigen. Sinkt die Renditeerwartung hingegen, dann akzeptieren die Anleger auch ein höheres KGV;
  • Erwarten die Anleger ein hohes Dividendenwachstum, dann billigen sie dem DAX ein hohes KGV zu – das künftige Dividendenwachstum bewirkt dann heute schon eine deutliche Wertsteigerung. Erwarten sie überhaupt kein Wachstum, muß das KGV sinken, damit die Anleger den DAX für kaufenswert erachten;

Es zeigt sich also, daß das KGV für sich genommen nur wenig darüber aussagt, ob der DAX gerade billig oder teuer ist. Das KGV sagt lediglich aus, welche Erwartungen über die erwartete Kapitalrendite bzw. über das Dividendenwachstum gerade vorherrschen.

Ein ganz wesentlicher Punkt dabei ist, daß die Eigenkapitalkosten nicht beobachtbar sind. Sie ergeben sich im Prinzip aus einem risikolosen Zins plus einer Risikoprämie.Diese Prämie wird dafür bezahlt, daß der Anleger daß Risiko trägt, etwa aufgrund einer Rezession weniger oder gar keine Dividende ausbezahlt zu bekommen.

Diese Überlegung darf nicht unterschätzt werden. Mit der Verschärfung der Eurokrise stieg die allgemeine Erwartung einer Rezession und es wurden folglich höhere Risikoprämien gefordert, was sich in z.T. sehr deutlichen Abschlägen gegenüber den bis dahin geltenen Kursen bemerkbar machte. Mit der Ankündigung einer deutlich expansiveren Politik steuerte die EZB dieser Erwartung entgegen. Zwischen den Bestimmungsfaktoren des KGV bestehen Wechselbeziehungen. Denn wenn die Risikoprämie sich auf hohem Niveau befindet, dann müssten die Unternehmen einen beträchtlichen Gewinnanstieg erzielen, um das erhöhte Anlagerisiko zu kompensieren. Wenn die Anleger aber zu dem Ergebnis kommen, dass ein solches Wachstum nicht zu erzielen ist, werden Gelder vom Aktienmarkt abgezogen und das Wirtschaftsklima insgesamt beeinträchtigt werden. Das erhöhte Risiko würde dann langfristig zu sinkendem Gewinn- und damit Dividendenwachstum führen. Dies dürfte bei der Geldpolitik der EZB eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Die Überlegung zeigt, daß tiefe KGV's nicht schon per se eine Voraussetzung für steigende Kurse sind. Die jüngere Entwicklung zeigt vielmehr, daß die Aktienkurse trotz niedrigem KGV auf einem tiefen Niveau verharren können; auch ein ausbleibendes Gewinnwachstum kann zu einer „Normalisierung“ des KGV führen, freilich auf dann reduziertem Niveau. Daraus ergibt sich, daß ein tiefes KGV kein stichhaltiges Argument für eine Investition in den DAX ist. Ein tiefes DAX-KGV besagt lediglich, daß die Anleger vom DAX im Moment nicht viel erwarten. Ob jedoch vom DAX in Zukunft mehr zu erwarten sein wird, das kann, so wie die Dinge liegen, niemand seriös prognostizieren.

Tokay

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Doppelboden bei Gold ? Arbeiten die Edelmetalle an der Wende ?

Am gestrigen Pfingstmontag sind im Segment Gold und Silber dramatische Dinge passiert, aber niemand scheint es so richtig zu registrieren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in den grossen Medien immer noch die Geschichte vom schlimmen Absturz erzählt wird (Metall des Teufels), während Silber gestern Abend um 18:15 Uhr Intraday schon fast 15% gestiegen war und eine sensationelle Wende hinlegte. Nicht bemerkt wurde auch, dass der Abverkauf unter geringem Volumen stattfand, während das Volumen im Rebound anzog.

Aber auch Gold hat gestern eine bedeutende Wende hingelegt, schauen Sie mit mir auf das Tageschart von XAUUSD mit Stand heute Morgen 09:00 Uhr :

XAUUSD 21.05.13

Sie sehen den potentiellen Doppelboden, bei dem das zweite Tief über dem ersten liegt. Wenn dieser Doppelboden bestätigt wird, ist das eine bullische Struktur mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Wende !

Entscheidend ist also die Bestätigung und die müsste in den folgenden 3 Tagen - also bis Donnerstag - durch eine starke Bewegung über 1400 USD kommen. Bis dahin ist heute zunächst mit leichtem Bröseln nach unten zu rechnen, nach dem gestrigen Tag kein Wunder. Kurzfristig stellt die 1400er Marke einen starken Widerstand dar.

Morgen gilt es dann, denn am morgigen Mittwoch spricht um 16 Uhr FED Chef Ben Bernanke und um 20 Uhr kommt das FOMC Sitzungsprotokoll in den Markt, dass in der Vergangenheit von den Bären gerne benutzt wurde, um den Sektor nach unten zu prügeln.

Was aber für einen Doppelboden spricht, sind mehrere Faktoren:

Erstens haben wir nun ein extrem negatives Sentiment in Sachen Gold und Silber, die Edelmetalle sind im Moment die am meisten verachtete Anlageklasse. Man kann es auch wunderbar an der typischerweise prozyklischen Presse beobachten. Überall, egal wo man hinschaut, wird vom Ende des Gold-Bullen geredet, Kursziele unter 1000 USD - ja bis zu 500 USD - werden herum gereicht und was findet man dagegen überhaupt nicht mehr ? Eben: Artikel, die eine bevorstehende Rally indizieren. Niemand traut sich mehr mit so einer Meinung heraus, zu gross ist die Angst, wieder auf dem falschen Fuss erwischt und mit Häme bedacht zu werden. Was aber selbst der dümmste Trader und Anleger schon mitbekommen hat, hat keine prognostizierende Wirkung im Markt mehr. Das Herdendenken ist schon wieder in voller Blüte zu bewundern !

Zweitens sind auch alle mir bekannten technischen Indikatoren im extrem überverkauften Niveau. Das gilt insbesondere auch für die COT Daten, in denen man sehen kann, wie professionelle Akteure aufgestellt sind.

Drittens gibt es mittlerweile eine hohe Short-Quote, denn ein Short auf Gold und Silber scheint ein "Sure-Play" zu sein. Diese Shorties werden covern, wenn Gold wieder über 1400 USD steigt und damit den Doppelboden bestätigt. Das erzeugt einen erheblichen Schub unter den Kursen.

Viertens sind entgegen der öffentlichen Rhetorik alle fundamentalen Argumente pro Gold gültiger denn je. Und ja, wir haben schon jetzt erhebliche Inflation, sie steckt halt in den Assetmärkten, wie man unschwerlich an den Indizes erkennen kann. Ich meine, es muss ja auch alles OK sein und Gold wird nicht mehr benötigt, denn Goldman Chef Blankfein hat ja nun die -> Bankenregulierung gelobt <- und glaubt an den -> Fortbestand des Euro <-. Damit wäre ja dann alles geklärt. Wer hier Sarkasmus findet, darf ihn behalten. 😉

Fünftens beobachte ich nicht nur eine Stabilisierung bei Gold und Silber, sondern auch andere verprügelte Rohstoffaktien wie Kohle oder Kupfer zeigen Lebenszeichen. Eine Sektor-Rotation wäre in dieser Phase der Rally nur typisch, denn das heisse Geld sucht nun - nachdem einige Sektoren nun extrem gut gelaufen sind - händeringend nach neuen Gelegenheiten. Am Ende hebt die Flut halt alle Boote, das war schon immer so.

Fazit:

Es gibt viele gute Argumente dafür, dass Gold nun einen Doppelboden gefunden hat. Dagegen steht einfach die Stärke des Abwärtstrends und der ist ja noch nicht gebrochen. In Anbetracht all dieser Faktoren sehe ich die Chancen für den Doppelboden aber oberhalb 50%. Natürlich kann alles wie immer ganz anders kommen, ein weiterer Absturz unter das Tief vom 16.04.13 ist in meinen Augen nun aber nicht mehr die wahrscheinlichere Wette. Und mit dem potentiellen Doppelboden haben wir nun ein hervorragendes Stopniveau, um potentielle Positionen nach unten abzusichern.

Wer ganz sicher gehen will wartet ab, bis Gold das Hoch vom 03.05.14 überschritten und damit dann nicht nur die 1500 USD, sondern auch die 50-Tage-Linie zurück erobert hat. Wenn das passiert ist, gibt es ein starkes Kaufsignal in Form eines dicken, fetten "W" im Chart. Nur dann kann das auch wieder jeder sehen.

Zu einer ähnlichen Sicht - vorsichtig, aber latent bullish - kommt ein Artikel zur gestrigen Bewegung in den Minen -> hier <-, die grossen ETFs wie der GDX stiegen gestern um 6%.

Summa Summarum ist es also zu früh, die Wende bei den Edelmetallen endgültig auszurufen. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung sind die Chancen für eine Wende hier aber keineswegs schlecht.

Ihr Hari

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Pfingsten 2013 – Die Ruhe Europas vor dem heissen Herbst

Pfingsten steht vor der Tür und leitet an den Börsen langsam die ruhigere Sommerphase ein. Die Strassen sind heute hier schon halbleer, halb Bayern flieht in vorgezogene Sommerferien. Eine Gelegenheit die ich nutzen möchte, um mit Ihnen ein paar emotionale Gedanken meinerseits zur Lage in Europa zu teilen.

100 Jahre ist nun der Sommer 1913 her. Ein Sommer, den meine Grosseltern noch als Kinder erlebt haben. Ein Sommer der oberflächlichen Ruhe und Gelassenheit, die Welt schien damals an der Oberfläche noch in Ordnung und fest gefügt. Man hätte damals meinen können, Europa sei in Bernstein gegossen, alles war wie es sein sollte - so schien es zumindest. Dabei waren unter der Decke schon all die Spannungen spürbar, die sich ein Jahr später so furchtbar entladen würden.

Ein Jahr später zerplatzte Europas alte Welt wie ein Spiegel, in den man einen Backstein geworfen hatte. Was sich anschloss, waren zwei Weltkriege, unsägliches Leid und brutaler Umbruch, an dessen Ende im wahrsten Sinne des Wortes kein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Folgen dessen, was nach diesem letzten Sommer des alten Europas passierte, beschäftigen uns noch heute. Und niemand, absolut niemand, konnte sich 1913 vorstellen, wo die Welt schon Jahre später stehen würde.

Heute, 100 Jahre später, beschleicht mich ein ähnliches Gefühl einer unwirklichen Ruhe, so wie wenn sich der Himmel schon gelb in Erwartung des kommenden Gewitters färbt, während die Luft noch warm und ruhig wirkt.

Dieses Gefühl einer untergehenden Welt, wird auch schön von Tolkien im "Herrn der Ringe" durch die Worte "Galadriels" vermittelt. Was kein Wunder ist, denn Tolkien (1892 geboren) war ein Kind dieser Zeit, in der das alte Europa unterging : "
Die Welt ist im Wandel
Ich spüre es im Wasser.
Ich spüre es in der Erde
Ich rieche es in der Luft.
Vieles, was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert.

Jetzt werden Sie denken: ja spinnt denn der Hari ? Ist er jetzt zum neuen Nostradamus geworden ?

Definitiv nein. Erstens steht uns in Europa kein neuer Krieg bevor, zumindest kann ich mir das nicht vorstellen. Und zweitens bin ich sehr optimistisch, was die Entwicklung der Welt als Ganzes angeht. Die Welt ist auf einem guten Weg und es gibt keinen Grund für Weltuntergangsromantik. Machen wir doch die Menschen und ihr Wohlergehen - ihr Leben in Freiheit und Wohlstand - zum Massstab und vergleichen 1913 mit 2013. Dann sehen wir schnell, wie positiv sich diese Welt verändert hat. Und ich bin voller Optimismus, dass die Welt das weiter tun wird. Dafür sorgt schon der technologische und kulturelle Fortschritt, der gerade in Deutschland immer gerne mit Skepsis betrachtet wird, ohne den wir aber noch Leibeigene eines Landvogtes wären.

Dieses voraus geschickt, beschleicht mich beim Blick auf Europa und Deutschland aber doch das Gefühl einer untergehenden Welt, die noch an der Oberfläche verzweifelt an ihrer Normalität festhält. Man könnte dazu viel schreiben, woher dieses Gefühl kommt, ich will nur zwei aktuelle Ereignisse beispielhaft heraus greifen.

Da haben wir auf der einen Seite den französischen Staatspräsidenten, der sich - wenn man den Medien -> hier <- glauben darf - nicht zu schade ist zu behaupten: "Die Finanzkrise ist hinter uns, die Ursachen sind behoben." Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt laut lachen.

Wir haben aber natürlich auch unsere Bundeskanzlerin, mit Ihrer ebenso verfehlten Logik der "Alternativlosigkeit". Und das bei einem Kernthema der Gestaltung unserer Zukunft, wirklich DER Frage unserer Generation. Und wir haben unzählige Parteisoldaten, die einfach nachplappern und damit gedankenlos das genaue Gegenteil von dem verkünden, was 50 Jahre lang seit Adenauer unter der Überschrift "eine starke Währung ist gut für Deutschland" das Mantra jeglicher bundesdeutscher Regierungspolitik war.

Wir haben also auf der einen Seite eine Politik, die sich den realen Problemen in eine Phantasiewelt entzieht und glaubt, wenn man nur immer wieder und ausreichend das eigene Mantra beschwört, würde ja alles gut. Gerade wir Deutschen haben ja eine traurige Tradition darin, über den rational vertretbaren Punkt hinaus an einer Überzeugung fest zu halten. Ich will dafür gar nicht die Reichskanzlei bemühen, sondern Honeckers "Vorwärts immer, Rückwärts nimmer" ist doch das viel schönere und passendere Zitat dieser Scheuklappenpolitik.

Und auf der andern Seite haben wir eine unglaubliche, unter der Decke brodelnde Wut im deutschen Bürgertum. Eine Wut, die medial nicht richtig an die Oberfläche tritt, weil ihr bisher das Vehikel fehlte, um sich zu artikulieren. Und weil die Presse in "diesem unserem Lande" eben doch eine teilweise Symbiose mit der Politik eingegangen ist - alleine der dominante öffentlich-rechtliche Rundfunk sorgt schon dafür. Das ist ja kein Wunder, wenn 65 Jahre lang letztlich die gleichen Parteien die Macht im Staate inne haben.

Diese Wut zeigte sich bisher eher in Resignation und in Form von immer weiter steigenden Nichtwählerzahlen. Mit der "Alternative für Deutschland" hat diese Wut nun aber einen Katalysator bekommen. Und einen treffenden Blick auf das Brodeln unter der scheinbar ruhigen Oberfläche erlaubt beispielsweise das, was aktuell im Handelsblatt passiert ist.

Da hat das Handelsblatt ein Interview mit Bernd Lucke, dem AfD-Chef gebracht und das unter eine - nunja, etwas populistisch überspitze - Überschrift gesetzt, die die AfD in Richtung NPD rückte. Nicht unüblich im "Kostenlos-Web", in dem man um Aufmerksamkeit ringen muss, aber deswegen keine hinreiche Entschuldigung. Insofern eigentlich geschenkt und nichts Überraschendes, der Artikel als solcher war aber überwiegend in Ordnung, da habe ich schon Schlechteres gelesen.

Darauf hin brach ein "Shitstorm" von Lesern des Handelsblatts los, den man teilweise hier nachlesen kann: -> Unverschämte und dreiste Beleidigung <-. Und die Leser des Handelsblatts entstammen im Schnitt ja schon dem, was man gemeinhin "gebildetes Bürgertum" nennt.

Und es gab eine (für mich persönlich) kleinkarierte Reaktion des Handelsblatt Chefredakteurs, die man hier nachlesen kann: -> Liebe AfD Freunde <-

Wäre ich der Verleger, würde ich den Mann sofort ablösen, denn auch wenn man inhaltlich schon seiner Meinung sein kann, ist es für eine Führungskraft ein absolutes "NoGo", den eigenen, nicht völlig grundlos empörten Kunden, mit einem beleidigten "you made my day" sozusagen den virtuellen Mittelfinger entgegen zu strecken.

Warum erzähle ich Ihnen diese Anekdote ? Weil sie bezeichnend für die wirkliche Stimmung in Deutschlands Bürgertum unter der Decke der "Alternativlosigkeit" ist. Und weil sie zeigt, wie offen die Nerven schon jetzt liegen. Schauen Sie einfach, was auch in anderen seriösen Publikationen wie der FAZ von gebildeten Bürgern geschrieben wird. Die unterdrückte Wut ist gewaltig. Und diese Wut sucht ein Ventil. Und nicht die Wut ist verwerflich, sondern die, die sie in einer für unser aller Zukunft entscheidenden Frage hervor rufen, weil sie sich einer ernsthaften Beschäftigung mit der Realität verweigern.

Zur Sache wissen Sie, dass ich kein Mitglied der AfD bin und auch keines werde. Wie ich auch kein Mitglied einer anderen Partei werde. Und das ich keineswegs alles gut und richtig finde, was die AfD vertritt. Das ich es aber massiv begrüsse, dass diese vermeintliche Alternativlosigkeit nun aufgebrochen wird und wir endlich über diese entscheidende Zukunftsfrage diskutieren. Dem Eindruck es mit "Blockparteien" zu tun zu haben, konnte man manchmal wirklich haben, wenn man von allen Parteien des Bundestages diese identischen Glaubenssätze zum Thema Euro hörte - einem Thema das hochkomplex und eben keineswegs "alternativlos" ist.

Und Sie wissen, dass es für mich persönlich offensichtlich ist, dass dieser Euro - so wie er ist - eine völlige Fehlkonstruktion ist und uns ökonomisch zwangsläufig um die Ohren fliegt. Die einzige Frage ist, wann das passiert und ob wir damit geordnet umgehen, oder ob die Realität eine ungeordnete, chaotische Auflösung erzwingt. Und mit jedem Monat der "Alternativlosigkeit", wird das Risiko der ungeordneten Krise erhöht. Insofern ja, dieser Euro ist für mich der Spaltpilz an Europa. Und insofern liege ich in dieser Frage nahe an dem, was die namhaften Ökonomen, die die AfD mitgegründet haben, auch vertreten.

Möchte ich deshalb die D-Mark zurück. Nein, nicht notwendigerweise. Und Deutschtümelei und einen Rückfall in rein nationalstaatliches Denken möchte ich schon gar nicht. Gerade auch deshalb muss dieser Euro weg, weil er nationalstaatliche Egoismen und die alten Schubladen des alten Europas der Weltkriege befördert. Nein, ich möchte gerne eine starke, stabile Währung - egal wie sie heisst - und würde es sehr begrüssen, wenn es ein "Taler" eines Kern- oder Nord-Europas wäre, das kulturell besser zueinander passt und sich wirklich als echter integrierter Wirtschaftsraum vereint. Was dann zwangsläufig auch die Aufgabe nationaler Souveränität bedeutet.

Wenn ich diesen "Taler" aber nicht bekommen kann - und es spricht viel dafür, dass im aktuellen Europa so eine Entwicklung ohne einen Bruch unmöglich ist (was wieder an Frankreich liegt) - dann leben wir in Deutschland nach meiner Überzeugung mit einer neuen D-Mark weit besser. Die Schweiz macht es uns doch als Antithese vor unseren Toren vor, was von der Rhetorik des "Untergangs der deutschen Wirtschaft" in diesem Fall zu halten ist. Der Schweizer Franken ist völlig überbewertet und lastet schwer auf der schweizer Wirtschaft. Und die vergleichsweise kleine Schweiz hat viel geringere Möglichkeiten als ein Deutschland, das durch Binnenkonjunktur zu kompensieren. Und trotzdem, vergleichen Sie mal Arbeitslosenraten oder eben den Wohlstand und die Vermögen der Bevölkerung. Haben Sie das Gefühl, man lebt schlecht in der Schweiz ? Muss man noch mehr dazu sagen ?

Womit wir wieder zu diesem Gefühl kommen, das ich aktuell in mir drin habe. Dem Gefühl eine Welt zu beobachten, die sich in einer trügerischen Ruhe sonnt, bevor sich die Zukunft wild und dynamisch Bahn bricht. Das Gefühl nun ein paar Wochen des Sommers vor mir zu haben, bevor uns Krise und Chaos wieder einholen.

Denken Sie an diese Wut, die da latent im Bürgertum brodelt. Die manchmal noch als Resignation daher kommt, eine Resignation die sich aber schnell in Aggressivität wandelt, wenn sich dafür ein Katalysator bietet.

Denken Sie an die kommende Bundestagswahl. Denken Sie daran, wie die Börsen der Welt auf die Umfragen starren werden. Denn in Deutschland entscheidet sich die Zukunft des Euros. Denken Sie daran, was die Handelsprogramme der Grossfinanz machen werden, wenn die AfD in den Umfragen steigt und steigt. Denken Sie daran, wie sich dadurch das Haupt der Eurokrise wieder erhebt und wie es ausgeschlachtet werden wird, um Sündenböcke zu suchen. Denken Sie daran, wie hier im Lande die Stimmung giftig werden wird, wenn die Pfründe der vorhandenen Parteien in Gefahr geraten.

Vor uns liegt ein heisser Herbst. So viel ist sicher. Und wenn in diesem Prozess etwas schief geht, dann kann es auch einen Knacks geben, der weit über Deutschland hinaus geht. Und die weltweiten Börsen werden darauf in einer Art und Weise reagieren, gegen die die Sorgen um Griechenland ein laues Lüftchen waren. Und die Notenbanken werden versuchen, die Dosis der Medizin zu erhöhen und noch aggressiver Geld aus dem Helikopter werfen.

Der Einsatz steigt auf jeden Fall. Für uns in Europa geht es in den kommenden Monaten und Jahren ums Ganze. Und wenn überhaupt etwas alternativlos ist, dann die Zwangsläufigkeit, mit der uns die ökonomische Realität in Europa in diese Entscheidung hinein treibt. Denn die Realität lässt sich eine Zeit lang mit Plakaten nach dem Motto "Vorwärts zum x-ten Parteitag" überkleistern, irgendwann bricht sie sich aber Bahn.

Womit ich mit dem absurdesten Satz enden möchte, den ich seit langem gelesen habe:

Die Finanzkrise ist hinter uns, die Ursachen sind behoben.

Amen !

Geniessen wir deshalb diesen Sommer 2013. Wir werden die Ruhe brauchen. Der Herbst kommt mit Stürmen. Denn die Welt ist im Wandel ...

Ihr Hari

PS: Und ich beginne mit dem "Geniessen" am Pfingstmontag. Das ist ein normaler Handelstag, aber ich werde ihn überwiegend als Feiertag geniessen. Rechnen Sie also mit einer Meldung in "Hari Live", aber nicht mit einem Artikel. Am Dienstag bin ich wieder voll da. Wir sprechen uns auf jeden Fall vorher am Sonntag im Premium Bereich bei den "Sonntag Links".

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Neue Setups – Neue Chancen

Fünf Setups haben wir ja derzeit im Setup-Monitor des Premium-Bereiches laufen, von denen sich vier positiv entwickelt haben, während eines immer noch nicht ausgelöst wurde.

Mit dem heutigen Tag lösche ich all diese Setups, um Raum und Aufmerksamkeit für neue Themen zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass diese Setups nun inaktiv wären. Im Gegenteil, da sind welche dabei, die noch lange das Potential für schöne Gewinne haben.

Nein, der Setup Monitor hat ja einen Sinn. Und der ist nicht monatelang den selben Trends zu folgen, das können Sie dann selber ohne mich, sondern Sie an das Arbeiten mit Setups zu gewöhnen. Und mit den eher ruhigen letzten Wochen habe ich Ihnen gezeigt, dass das Arbeiten mit solchen Setups keineswegs hektisch und von permanentem Rein- und Raus geprägt sein muss.

Insofern entlasse ich die aktiven Setups nun in Ihre individuelle Obhut und stelle Ihnen heute schon zwei Neue vor. Weitere werden in der nahen Zukunft folgen. Schauen wir uns das im Detail an.

Weiterlesen ...

The same procedure as every day – der DAX als ballistisches Projektil

Es gibt so Tage, die kann man unter der Formel "the same procedure as every day" zusammen fassen. Und heute ist so ein Tag. Die Märkte tun das, was sie seit November ohne signifikante Pause tun - sie steigen. Und alles ist dazu gesagt, man könnte sich nur wiederholen.

Ich mache es deshalb heute Nachmittag kurz und geniesse statt dessen mal die Sonne, die mal wieder pünktlich zum Wochenende verschwinden wird, wenn dann alle Trader ihr Leben als "Grottenolm" unterbrechen und an die Oberfläche kriechen. 😉

Bevor ich das tue, möchte ich Ihr Augenmerk aber mal auf die Struktur der Bewegung des DAX lenken. Schauen Sie hier im Chart seit November 2012:

DAX Parabel 15.05.13

Und jetzt schauen Sie sich mal auf Wikipedia die Regeln der -> Ballistik <- an und beachten Sie inbesondere auf der rechten Seite die typische Flugbahn !

Fällt Ihnen die Ähnlichkeit auf ? Der DAX sieht wirklich so aus, als hätte jemand Ende April einen massiven Treibsatz gezündet. Und die Bewegung ist immer noch aufwärts, auch wenn jetzt das Momentum etwas nachzulassen scheint.

Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied. Ein ballistisches Projektil wird zwangsläufig durch die Schwerkraft wieder nach unten gezwungen. Der DAX als ballistisches Projektil hat aber einen eingebauten, hoch-energetischen Treibstoff der berüchtigten Firma "Ben&Mario Alchemist Corp." an Bord. 😉

Insofern kann es durchaus sein, dass aus dem Projektil im Verlauf der Flugbahn wieder eine Rakete wird, die einfach die nächste Stufe zündet.

Womit wir wieder am Anfang sind. Es gibt nichts Neues. Und niemand - absolut niemand - weiss mit Sicherheit, wann diese Bewegung endet. Die typischen Methoden mit denen man so etwas misst, sind durch "Ben&Mario Alchemist Corp." temporär ausser Kraft gesetzt. Man kann immer noch Vermutungen anstellen, aber es gibt wenig konkrete Marken, an denen man echte Wahrscheinlichkeiten festmachen könnte. Nur weil wir schon so weit gestiegen sind, ist auf jeden Fall kein Kriterium dafür, dass es jetzt heute drehen muss.

Und lassen Sie sich daher auch nicht von den ganzen "Top-Callern" verunsichern, die wissen es alle ebenso wenig. Vielleicht dreht der Markt schon Morgen, vielleicht auch erst in Monaten bei DAX 9000+. Typisch ist auf jeden Fall, dass der Wendepunkt so einer Bewegung eher viel höher ist, als man sich gemeinhin vorstellen kann.

Also bleiben wir dabei und reiten das Projektil. Nehmen wir mit was geht und bleiben gleichzeitig demütig. Denn wir wissen, so eine ballistische Flugbahn findet ein Ende. Immer ! Und wenn der "Stall" kommt, dann geht es danach schnell und trudelnd runter. Immer !

Also lassen wir unseren Fallschirm besser fest angeschnallt und die Hand am Notausstieg und versuchen die Flugbahn zu geniessen, so lange sie andauert.

Mehr können wir nicht tun. Und jetzt geht es erst mal in den Wiwo Lunchtalk und dann in die Sonne ! Am Nachmittag melde ich mich wieder in "Hari Live".

Ihr Hari

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Der neue Solar Boom – Und was das mit Tesla Motors zu tun hat

Ein neuer Solar Boom ? Ich weiss, aus der vom deutschen EEG verkleisterten Brille, erscheint das eher merkwürdig. Da hat man eher den Niedergang der ganzen Branche vor Augen, vollendet nun durch die aktuellen Geschehnisse um die (für mich) "fetteste aller deutschen Solarkatzen" - Solarworld, ein Unternehmen das nach meiner Ansicht wie fast alle der Branche, primär von einer staatlich verordneten Vermögensumverteilung profitiert hat. Wobei genauer gesagt nicht das Unternehmen wie wir ja nun sehen, sondern primär sein Hauptaktionär.

Denn was dem normalen Stromzahler mit der einen Hand über überhöhte Strompreise aus der Tasche gezogen wurde, wurde via EEG mit der anderen Hand denen in die Tasche gesteckt, die sich ein Solarpanel auf das Dach schrauben konnten. Was aber erstens eine gewisse Kapitalkraft und zweitens eine Immobilie erfordert, beides nicht gerade Zeichen des malochenden Arbeiters. Das EEG ist wirklich mal eine der viel zu oft beschworenen Umverteilungen "von unten nach oben". Denn unter dem EEG leidet in Wirklichkeit der finanziell schwache Mieter und Arbeitnehmer. Profiteure dagegen sind Immobilienbesitzer, die sich so ein Ding aufs Dach schrauben können und dafür staatlich garantierte Rendite einkassieren, die von anderen über den Strompreis finanziert wird.

Und das obwohl der da erzeugte Strom immer noch oft genug nutzlos versickert, weil es im Netz massiv an Speicherkapazität für Strom mangelt. Und wenn man dann mal ein Speicherwerk, wie zuletzt das Pumpspeicherwerk im südlichen Hotzenwald bei Atdorf, bauen will, sind die üblichen Verdächtigen der "ich bin gegen alles" Fraktion natürlich sofort vor Ort.

Sie sehen, ich bin eher kein Freund des EEG und der dahinter stehenden dirigistischen Staatswirtschaft. Dieses Gesetz hat in meinen Augen Innovation eher verhindert und nicht sie befördert. Und es hat Deutschland aus einer Zukunftsbranche eher heraus katapultiert, obwohl die tüftelnde, mittelständische deutsche Industrie eigentlich alle Voraussetzungen hätte, in dieser Branche ganz vorne mit zu spielen.

Das als Sündenbock für den Untergang der deutschen Solarindustrie nun auf die "böse" chinesische Industrie gezeigt wird, fällt für mich dabei eher unter Folklore und das "Haltet den Dieb" Prinzip. Denn auch wenn die Chinesen ohne jede Frage zu aggressiven Preisen agiert haben, die teilweise den Charakter von Dumping hatten und auch wenn dabei staatlicher Rückenwind aus China eine Rolle spielte, ist das doch nur die logische Folge der wahren Ursache: zu grosse, überdimensionierte Futtertröge bar jeder wirtschaftlichen Vernunft. Futtertröge die Innovationskraft nehmen, Fett machen und Dritte (wie die Chinesen) anziehen, die auch an den staatlich umverteilten Gewinnen Teil haben wollen. Abgesehen davon habe andere, nicht subventionierte, Branchen doch den gleichen Wettbewerbsdruck aus China und setzen sich auch dank technologischer Stärke und Innovationskraft der deutschen Industrie durch.

Nein, wären es nicht die Chinesen, wäre es andere geworden, Ursache und Wirkung sind für mich aber eindeutig verteilt. Und Ursache ist für mich ein verfehltes EEG, das verfehlte Anreize setzt. Oder um es etwas harscher zu beschreiben: wenn jemand aus Ihrer Nachbarschaft jeden Tag grosse, prall gefüllte und duftende Wursttöpfe vor die Tür stellt, wer ist dann schuld, dass die Strasse permanent voller kläffender Köter ist, die selbst aus Nachbarorten angelaufen kommen: die Hunde oder der, der permanent die Wursttöpfe vor die Tür stellt ? Auf wen würden Sie als Nachbar Ihre Aggression richten ?

Aber lassen wir das Schimpfen über das EEG. Man könnte ja meinen, ich sei ein Verächter der Solarenergie. Weit gefehlt, ich bin von der Technologie tief überzeugt und bin sicher, diese wird ihren Weg machen. Und zwar ohne staatliche Gängelung, sondern einfach weil die Technologie eine lange Liste sehr überzeugender Vorteile vereint.

Vorteile die aber erst zum Tragen kommen können, wenn man endlich die erzeugte Energie auch lokal speichern kann. Und in einem Land, in dem selbst ruhig und blau schimmernde Pumpspeicherseen schon den Furor diverser Bürgerinitiativen nach dem St. Florians Prinzip auf sich ziehen, in so einem Land ist die beste Lösung einfach die individuelle Batterie im Keller.

Und damit kommen wir zu Tesla Motors. Denn der schnellste und beste Weg um die Batterietechnologie nach vorne zu bringen und Speicherkapazität bezahlbar zu machen, ist ein Erfolg der Elektroautos. Und Tesla Motors ist da ja nun auf bestem Wege.

Denn in der Kombination von Solarpanel auf dem Dach und Stromspeicher im Keller, bekommt die Solarenergie endlich ihren wahren Wert. Sie ermöglich Energie-Autarkie, verringert damit die Belastung der Netze, nimmt den Druck von den grossen Überlandleitungen und stellt sicher, dass der erzeugte Sonnenstrom auch wirklich vor Ort verbraucht wird, statt in überforderten Netzen zu versickern. In Kombination mit einer Speichermöglichkeit, steht der Solarenergie so der echte Durchbruch bevor. Dafür braucht es auch keine staatlichen Subventionen mehr, die Vorteile sind für sich alleine zu überzeugend. Und dafür gebe ich dann mein Dach auch gerne und aus Überzeugung her - lokale Stromerzeugung macht dann Sinn, wenn der Strom auch lokal verbraucht wird.

Insofern sollten alle Fans der Solarenergie nun Tesla Motors ebenso die Daumen drücken, wie den wenigen echten Vorreitern der Elektromobilität in Deutschland, mit BMW an der Spitze. Ein Durchbruch von Elektroautos zieht zwangsläufig die Solarenergie in den nicht subventionierten, weltweiten Massenmarkt. Und das Absatzpotential ist dann gewaltig, gerade in der dritten Welt, denn die bisherige Solarindustrie hat ja bisher nur in den wenigen Ländern eine schwüle Sumpfblüte erlebt, die durch die Subventionen künstlich gestützt wurden.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Musik in der Branche nun wieder ausserhalb Deutschlands spielt, insbesondere in den USA. Faszinierend finde ich dabei Solar City (WKN: A1J6UM) - das dritte Unternehmen in dem Elon Musk wirkt. Faszinierend nicht deshalb, weil die technologisch etwas Besonderes in Petto haben, sondern einfach weil das Unternehmen etwas Offensichtliches tut, worauf aber hierzulande scheinbar niemand so richtig gekommen ist. Denn Solar City produziert keine Panels, es kauft diese auf dem Weltmarkt günstig ein und vermarktet diese in eigenen Lösungen. Und hat damit auch immer Zugriff auf die beste Technologie. Von Solar City bekommt der Kunde alles aus einer Hand, so wie man auch ein Auto kauft, Installation und Service inklusive.

Und jetzt frage ich Sie: wenn Sie ein iPad in der Hand haben, interessiert es Sie dann, wenn die Chips von anderen Herstellern kommen ? Nein, es ist immer noch ein Apple Produkt. In vielen Industrien hat sich dieser Arbeitsteilung zwischen den Basisproduzenten und denen, die darauf basierend die Marken aufbauen und ihre Ingenieurskunst zu Geld machen durchgesetzt. Warum das niemand im Solarmarkt so richtig durchgezogen hat und statt dessen Panelfabrik nach Panelfabrik entstand, entzieht sich meiner Kenntnis. Solar City hat auf jeden Fall ein funktionierendes Geschäftsmodell und profitiert daher von niedrigen Panelpreisen, statt unter diesen zu leiden. Der Durchbruch der Solarindustrie in den USA ist damit gerade in vollem Gange und die Absatzzahlen steigen.

Und natürlich hat auch Mr. Market das längst erkannt. Es gibt eben keinen besseren Frühindikator als Mr. Market himself. Leider gibt es in Deutschland keinen grossen Solar-ETF, an dem man das zeigen könnte. Dafür aber an der Wallstreet den Guggenheim Solar ETF (TAN), in dem alle namhaften Unternehmen vertreten sind, angeführt von First Solar (WKN: A0LEKM). Und nun schauen Sie mit mir mal auf das Tageschart des TAN seit Mitte 2011:

TAN 14.05.13

Klarer bekommt man eine Bodenbildung selten geboten und diese Struktur hat erhebliches Potential nach oben. Das ist die klare Sprache des Marktes, während wir in Deutschland ein Unternehmen nach dem anderen abwickeln.

Fazit:

Die Solarenergie steht vor einer grossen Zukunft, die gerade jetzt beginnt, wo lokale Stromspeicher der Technologie einen Sinn abseits von staatlichen Subventionsorgien geben. Das weltweite Potential ist gewaltig und es ist für neue Branchen durchaus typisch, dass das richtige Geldverdienen erst in der zweiten Phase los geht, nachdem die erste Phase ihre Euphorie und Depression hinter sich gebracht hat.

Es ist schwer voraus zu sehen, welche Unternehmen das Rennen machen werden. In Deutschland muss man sie aktuell eher nicht suchen. Selbst eine SMA Solar hat gegenüber Power-One Boden verloren, weswegen ABB auch Power-One übernommen hat. Wer Zugriff auf einen breit aufgestellten ETF hat, tut also gut daran, diesem den Vorzug vor Einzelaktien zu geben.

Aber ich bin sehr optimistisch, was die langfristige Performance des Sektors in den nächsten Jahren angeht. Das ist ein Thema, was man nun vielleicht wirklich im Sinne "Buy and Hold" ins Depot legen kann und einfach gelassen abwarten, wie sich die Technologie entwickelt. Um die Zukunft der Solarenergie als Technologie ist mir auf jeden Fall nicht bange.

Ihr Hari

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Tesla Motors – Die Story und der Chart des Jahres !

Ich bin ja wahrlich kein Freund von Selbstbeweihräucherung. Und auch keiner von Superlativen. Aber manchmal muss man einfach doch dem Prinzip "Tue Gutes und rede darüber" folgen. Wenn nämlich bald alle auf das Thema aufspringen, gerät in Vergessenheit, wo man die frühen Gewinne mitnehmen konnte.

Insofern richtet sich dieser Post an Leser, die bisher Mr-Market.de noch nicht gefolgt sind. Treue Leser sind dagegen nicht überrascht, sondern geniessen glücklich, mit einem seeligen Grinsen im Gesicht. 😉

Und Ihnen, den neuen Lesern, möchte ich mit einem eindrucksvollen Chart die Story und insbesondere den Chart des Jahres zeigen. Und mit diesem Bild verneige ich mich vor Elon Musk, einem der begabtesten und visionärsten Unternehmer unserer Generation.

Und ja, die Leser von Mr-Market.de waren frühzeitig dabei. Schon seit Frühjahr 2012 war das hier regelmässig Thema.

Lesen Sie zum Beispiel mal: -> Tesla Motors - Eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <-.
Oder lesen Sie: -> Elon Musk, der Mann der mit Visionen nicht zum Arzt muss <-

Diese massive Bewegung hat natürlich auch mit einem Short-Squeeze zu tun - Unmengen an heissem Geld, das sich nicht vorstellen konnte, das Elon Musk seine Versprechungen wahr machen würde. Und ja, nach so einem Anstieg gibt es natürlich auch mal eine heftige Korrektur.

Aber in diesem Chart steckt auch eine sehr berechtigte Neubewertung von Tesla Motors, ein Unternehmen das sich anschickt, den Automarkt historisch zu verändern. Und die deutschen Premium-Marken sollten schnell aus Ihrem Tiefschlag aufwachen, wenn dieser Hype ihre Produkte nicht zu alten, unattraktiven Dinosauriern machen soll.

Mehr zum Thema lesen Sie hier im Blog und insbesondere im Forum, in dem Tesla Motors und Elon Musk intensives Thema sind. Nun aber zum Chart, mit dem ich mich vor Elon Musk verneige:

Tesla Motors 10.05.13

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DAX und S&P500 – Wie lange steigen die Indizes im Runaway-Move weiter ?

Die grossen Indizes steigen und steigen. Jeder Dip wird gnadenlos gekauft, die Geldflut der Notenbanken deckt die konjunkturellen Probleme zu und sorgt für eine Vermögenspreisinflation an den Märkten.

Da stellt sich die wichtige Frage, woran könnte man denn erkennen, dass diese Bewegung zu Ende geht ? Gibt es Methoden, die einen davor warnen, als letzter auf die Party zu kommen ?

Zunächst einmal sei gesagt, dass die klassischen Oszillatoren in solchen Bewegungen kaum Aussagekraft mehr haben. In solchen Phasen laufen diese am Anschlag und laufen länger am Anschlag, als es ein falsch aufgestelltes Depot aushält.

Und ich habe noch eine schlechte Nachricht, es gibt keine - zumindest kenne ich keine - Technik, mit der man den exakten Top und Wendepunkt eines Runaway-Moves zuverlässig vorhersehen kann. Es gibt nur einen Erfahrungswert und der lautet, dass dieser Punkt höher liegt als sich die grosse Mehrheit vorstellen kann. Bedeutet, mit Rationalität ist man eigentlich immer zu früh draussen.

Es gibt bei diesen Bewegungen aber ein Muster und das zeichnet sich dadurch aus, dass die Korrekturen zuverlässig von ähnlicher Grössenordnung in ähnlichen Abständen kommen. Und dieses Muster kann man nutzen.

Ich möchte Ihnen dieses Muster am aktuellen Chart des Leitindex S&P500 zeigen. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart der gesamten Anstiegsbewegung seit November 2012:

S&P500 10.05.13 Runaway-Move

Sie sehen, dass die Korrekturen sich immer im Bereich von ca. 50 Punkten bewegen. Sie sehen auch den immer ähnlichen Abstand zwischen den Korrekturen. Sie sehen weiter, dass jeder Korrektur ein temporäres "Exhaustion Top" voraus geht, also eine dynamische Bewegung, der die Kraft ausgeht.

Und Sie sehen jedes Mal da ein V-förmige Reversal, dass eigentlich recht selten ist, hier aber signalisiert, dass da unter der Decke eine Macht (Notenbank) am Werk ist, die immer wieder den Nachbrenner unter den Kursen zündet.

In Summe wie ich finde ein sehr eindrucksvolles Bild, das die Struktur dieser Bewegung deutlich macht. Und da der S&P500 der weltweite Leitindex ist, kann man in ihm die Struktur auch am deutlichsten heraus arbeiten. Im DAX wird diese Struktur durch andere Faktoren überlagert, letztlich folgt aber auch der DAX dem Geld der Wallstreet.

Nun können wir aus dem Bild aber auch etwas lernen und bekommen damit grobe Anhaltspunkte, wie wir mit der aktuellen Bewegung umgehen sollten:

Der Abstand zwischen den Korrekturen zeigt, dass der jetzige Anstieg möglicherweise noch Luft nach oben hat. Er ist im Rhythmus der Bewegungen auf jeden Fall noch nicht weit genug gelaufen, auch wenn nun viel dafür spricht, dass die Dynamik der Bewegung nachlässt. Ca. 1650 im S&P500 sind aber ein sinnvolles kurzfristige Ziel, das sich auch aus der Höhe der Umkehrstruktur ableitet.

Danach ist mit steigender Wahrscheinlichkeit mit einer erneuten Korrektur zu rechnen. Und dabei ist entscheidend, ob es sich wieder um eine ca. 50 Punkte Korrektur handelt oder ob sich daraus mehr entwickelt. Unter der Annahme einer Bewegung bis 1650 in der nahen Zukunft, wäre der Bereich um 1600 im S&P500 also entscheidend. Wie sich der Markt dort verhält - nachdem er erneut um ca. 50 Punkte korrigiert hat - gibt uns die wichtigen Informationen. Die eingezeichnete Trendlinie macht diesen wichtigen Bereich deutlich.

Fazit:

Den Top eines solchen Runaway-Moves zu treffen ist nahezu unmöglich und eher Glück. Es können noch drei weitere dieser Wellen kommen und niemand kann voraussagen, was die letzte Welle ist. Trotzdem sind wir nicht im völligen Blindflug, denn wir wissen was *nicht* passieren darf, wenn die Bewegung weiter andauern soll.

Wesentlich bedeutender ist deshalb, wie sich der Markt *nach* einer 50 Punkte Korrektur verhält. Sollte er zum ersten Mal seit November 2012 nicht zu einem V-förmigen Reversal ansetzen, muss man dann davon ausgehen, dass die Bewegung seit November 2012 am Ende ist. Und dann steigt das Risiko eines scharfen Einbruches immens, weswegen man diese Situation besser auf der Seitenlinie beobachtet.

Mit einem händisch jeden Tag gepflegten Trailing-Stop, kann man diese Struktur schön abbilden und absichern. Und solange der Stop nicht getroffen wird, lässt man die Gewinne laufen und spart sich das Grübeln darüber, wo der Top sein könnte. Denn denken Sie immer daran: er ist in der Regel höher, als Sie sich vorstellen können. 😉

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DAX-Betrachtung – The only way is up, Baby

DAX-Betrachtung - The only way is up, Baby

Ein Gastkommentar von Tokay

So lautete der Titel eines Dance-Hits, der im Sommer 1988 Nummer Eins in der britischen Hitparade wurde. "The only way is up"- Das fällt einem spontan auch ein, wenn man sich die Entwicklung des DAX in den letzten Wochen anschaut. Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus. Denn erst einmal ging es ordentlich bergab. Aber binnen kurzem ebenso steil wieder bergauf, denn eine EZB-Sitzung stand vor der Tür. Ob die Hüter des Geldes da nicht vielleicht die Zinsen senken würden? Denn mit den Wirtschaftsdaten sah es nicht mehr so gut aus. Von Inflation keine Spur. Und so passierte das, was Mr. Market bereits erwartet hatte. Nur leider ereignete es sich als etwas, das die meisten Börsianer nicht so gerne haben, nämlich als eine sogenannte V-Formation - Es ging ebenso rapide bergauf wie zuvor bergab. Dummerweise gehört die V-Formation zu den seltenen Formationen, für die die technische Analyse keine passenden Handelstaktiken parat hat. Man kann also nur hoffen, solchen Formationen nicht allzu oft zu begegnen.

Und wie haben sich diese Entwicklungen auf die längerfristigen Aussichten des DAX ausgewirkt? Schauen wir uns dazu die Grafik mit dem DAX an:

DAX -Betrachtung - The only way is up, Baby

Die Linien A1 und A2 bilden die äußeren Ränder des seit 2009 bestehenden Wachstumstrends. Sie weisen fast die gleiche Dynamik auf wie die langfristige exponentielle Wachstumsfunktion des DAX. Der "innere Trend" der seit 2009 anhaltenden Hausse, dargestellt durch die exponentielle Regression (Linie B) weist ebenfalls nach oben und ebenso Linie C, die untere Begrenzungslinie der seit Herbst 2011 anhaltenden neuerlichen Hausse.

Der DAX hat in den vergangenen Tagen diese Linie C nach oben verlassen. Er hat gleichfalls Linie B durchstoßen und nähert sich nun mit Macht der oberen Begrenzungslinie A. Man kann dies so interpretieren, dass mit dem Ende der Subprime-Krise Anfang 2009 ein Aufholprozess einsetzte, der nun seinen Abschluss zu finden scheint. Das ist aber nicht so zu interpretieren, als wäre nun sozusagen das Ende der Fahnenstange erreicht. Das derzeitige Momentum kann durchaus noch geraume Zeit anhalten und den DAX Richtung 8.500 Punkte tragen oder sogar noch darüber hinaus.

Es ist jedoch klar, dass ein solches Aufwärtsmomentum nur solange anhalten kann, wie die Risikoneigung der Marktakteure sich im unteren Bereich bewegt. Da die Wachstumsaussichten aber weiterhin generell eingetrübt sind, worauf nicht zuletzt gesunkene Rohstoffpreise und hohe Anleihenkurse ("Flight to Quality") hindeuten, muss man mit Rückschlägen rechnen. Andererseits ist kaum vorstellbar, dass die EZB einem Wiederaufflackern der Eurokrise einfach tatenlos zusehen wird.

Nach heutigem Stand dürfte die Aufwärtsdynamik des DAX in den nächsten Monaten abflachen, einfach deswegen, weil die Aufwärtsdynamik der vergangenen Jahre so kaum aufrechterhalten werden kann. Immerhin hat der DAX sich seit Frühjahr 2009 nahezu verdoppelt; seit Herbst 2011 hat er um etwa 50 Prozent zugelegt. Eine solche Entwicklung steht nicht in Einklang mit den fundamentalen Rahmendaten. Ein DAX-Stand von ca. 8.950 Punkten im Mai 2014 erscheint aber eine realistische Variante zu sein. Die Frage ist nur, auf welchem Pfad man dorthin gelangen wird. Sicherlich wird der DAX auf dem Weg dorthin den einen oder anderen Haken schlagen. Aber trotzdem: The only way is up, Baby!

Tokay

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Comdirect Finanzblog Award 2013 und Wirtschaftswoche Kolumne

Guten Morgen liebe Mr-Market Gemeinde.

Ein langer, spannender und anstrengender Tag ist gestern gegen Mitternacht zu Ende gegangen. Am Ende wurde es im Flieger dann noch einmal spannend, der kurz vor München so nahe an einer Unwetterzone vorbei flog, dass es ein paar Absacker und Luftlöcher mit den unvermeidlichen "Ahhhs" der Passagiere gab. Aber alles ist gut gegangen und auch das Aquaplaning rund um Eching konnte mich dann nicht mehr aufhalten, irgendwann müde mein Heim und Bett zu erreichen.

Das Wichtigste zuerst und Sie als meine Leser waren ja gestern via Twitter schneller als die Polizei erlaubt:
Mr-Market hat den 2. Preis beim Comdirect Finanzblog Award 2013 gewonnen !

Ich freue mich darüber und betrachte es als Auszeichnung für intensive Arbeit in den letzten knapp 1,5 Jahren. Besonders freue ich mich, weil hier eine qualifizierte Jury sich Mühe gegeben hat, die Blogs heraus zu filtern, die höheren Ansprüchen genügen. Insofern betrachte ich diesen Preis als wirkliche Auszeichnung.

Die Frage des Platzes ist dabei völlig nebensächlich und ich als Zweiter in der Reihe darf das hoffentlich sagen, ohne dass man mir dabei eine versteckte Agenda unterstellt. Denn wenn Sie sich mit den anderen preisgekrönten Blogs befassen, werden sie schnell feststellen, dass diese alle ihre ganz eigenen Schwerpunkte haben und deswegen auch schwerlich miteinander zu vergleichen sind. Es ist in meinen Augen ein bisschen wie beim Obst: Äpfel und Birnen sind beides schöne Früchte - aber die Frage ob Äpfel nun schöner als Birnen sind, ist eigentlich nicht zu beantworten.

Insofern gratuliere ich meinen vier Kollegen herzlich zu ihren verdienten Preisen, die in meinen Augen alle Ausdruck der Wertschätzung für engagierte und qualitativ hochwertige journalistische Arbeit sind.

Hier unter -> re:publica Finanzblogger 2013 <- finden Sie ein Bild und die Links zu den prämierten Blogs. Schauen Sie auch mal bei den Kollegen rein !

Danken möchte ich an dieser Stelle der Comdirect, die durch diese Auszeichnung mithilft, Finanzblogs bekannter zu machen. Dieses Engagement sollte man nicht kleinreden, denn andere Banken könnten es ja auch tun. Tun sie aber nicht - insofern Hut ab vor der Comdirect !

Die Möglichkeit in der Öffentlichkeit bekannter zu werden, ist auch für mich der eigentliche Wert dieser Veranstaltung. Sie bietet eine für Blogger ansonsten nur schwer erreichbare öffentliche Plattform und damit die Chance, noch mehr Leser für die vielen lesenswerten Finanzblogs zu begeistern. Und wie nötig das im (zum Thema Finanzmärkte) Entwicklungsland Deutschland ist, konnte man gestern auch wieder an einigen Twitter Tweets sehen, die mich im Saal irgendwo zwischen Lachen und Weinen zurück gelassen haben.

Eine eher lustige Situation will ich Ihnen auch nicht vorenthalten. Bei der Vorstellung meines Blogs verhaspelte sich die Moderation mit den Namen und rief mich als "Benjamin Graham" auf die Bühne - da der Name in der Laudatio erwähnt wurde. Das war natürlich eine Ehre und ein Ball den ich gerne aufgenommen habe. 😉 Und Sie wissen ja von mir, dass es andere Namen sogenannter "Gurus" gibt, bei denen ich bei einer Verwechslung nicht so wohlwollend reagiert hätte. 😉 Aber Benjamin Graham ist für jeden eine Zier.

Rund um die Veranstaltung konnte ich diverse interessante und spannende Gespräche führen. Ich will von diesen hier gar nicht im Detail berichten, denn wenn ich nun das eine erwähne, liegt darin die Gefahr andere Personen ungewollt zu vergessen. Einen Namen möchte ich aber herausheben, weil ich mich besonders über ein längeres Gespräch gefreut habe. Und das war Joachim Goldberg (-> Blognition <-, Cognitrend). Sie wissen ja, wie sehr ich auf der Seite der "Behavioral Finance" stehe und wie ich mich immer über ökonomische Modelle mokiere, die den entscheidenden Faktor der menschlichen Psychologie völlig unterschlagen, so als ob die Marktteilnehmer alle Roboter wären. Joachim Goldberg ist einer der namhaftesten Vertreter dieses Themas im deutsprachigen Raum und es war mir deshalb eine besondere Freude ihn kennen zu lernen.

Mit Franziska Bluhm, der Chefredakteurin von Wirtschaftswoche Online, habe ich vereinbart, dass ich in Kürze eine eigene Kolumne in -> Wirtschaftswoche Online <- beginne, für die ich dann voraussichtlich in lockerer Folge alle paar Wochen schreibe. Sie als treue Leser dieses Blogs werden dort aber zunächst nur schon Bekanntes vorfinden, denn natürlich muss man dem breiteren Publikum erst einmal erklären, worum es hier auf Mr-Market überhaupt geht.

So weit so kurz zu den Geschehnissen des gestrigen Tages. Ich muss nun heute erst einmal in den Tag finden und in meinen Systemen den gestrigen Handelstag aufarbeiten. Es ist immer wieder erstaunlich, welchen Backlog so ein Tag fern von den Börsen bei mir verursacht. Das ist halt der Preis, wenn man nicht "frei Schnauze" aus einem momentanen Gefühl heraus agiert, sondern mit wohl definierter Methodik und System.

Wobei eigentlich könnte ich öfter weg bleiben, wenn es so läuft wie gestern. Sie wissen ja, dass es hier im Blog drei spannende Hightech-Aktien gibt, über die ich immer wieder schreibe, die ich intensiv verfolge und in denen ich - mal mehr mal weniger - auch mit eigenem Geld unterwegs bin. Das sind:
- iRobot (WKN: A0F5CC) mit gestern plus 3,25%
- 3D Systems (WKN: 888346) mit gestern plus 8,25%
- Tesla Motors (WKN: A1CX3T) mit gestern plus 9,07%
jeweils bezogen auf die Schlusskurse der Wallstreet.

Es gibt wahrlich schlechtere Tage im Depot, Sie sollten mich also bald mal wieder in einen Flieger setzen. 😉

So - nun frisch ans Tagwerk - wir sprechen uns spätestens Morgen zu anderen Themen wieder.

Ihr Hari

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Die absurde Diskussion um Austerität versus Wachstum in der Eurozone

Schaut man in die Presse und sieht, was selbst höchste Politiker bis hin zu Staatspräsidenten so von sich geben, könnte man ja meinen, als gäbe es eine wichtige ökonomische Diskussion, die man als "Austerität versus Wachstum" umschreiben könnte.

Ich kann mit dieser Diskussion wirklich nichts anfangen. Sie ist für mich persönlich einfach lächerlich und absurd und wer sich nicht entblödet, dabei nur auf einer Seite der Medaille zu argumentieren, der ist für mich sowieso nicht ernst zu nehmen. Und um das zu erkennen, muss man nicht einmal Ökonom sein. Dafür reicht einfach ein durchschnittlicher IQ und eine Prise Realismus.

Denn an dieser Stelle ist die Wirklichkeit ganz einfach: Wir brauchen Beides ! Austerität und Wachstum ! Und das Eine kann ohne das Andere gar nicht funktionieren. Der vermeintliche Gegensatz ist konstruiert, um medial damit das eigene politische Süppchen zu kochen. Mit der Realität hat der vermeintliche Gegensatz aber nichts zu tun.

Nehmen wir doch mal den menschlichen Körper. Nehmen wir einen Menschen der jeden lieben Tag verfettet und vollgefressen in seinem Sessel hängt, drei leere Chips-Tüten daneben und die Fernbedienung in der Hand, unfähig sich selber aufzuraffen und mit seinem Leben etwas Sinnvolles anzustellen. Und nun soll dieser Mensch wieder fit und gesund werden.

Glauben Sie, es würde reichen, ihm nur die Chipstüten wegzunehmen und ihn ansonsten weiter im Sessel vegetieren zu lassen ? Nur mit dem Unterschied, dass er nun auch noch hungert ? Wird das den Menschen glücklicher, erfolgreich und gesünder machen ? Wohl kaum, nur mit dem Einsparen von Nahrung wird man gar nichts bewirken. Man wird den Menschen nur noch mehr frustrieren und unglücklich machen. Und sobald er dann irgendwo eine versteckte Chipstüte in die Hand bekommt, wird er sie gierig hinein stopfen. Und der Körper wird im Jojo-Prinzip noch fetter werden.

Faktum ist also, Einsparung und Reduktion alleine machen nicht gesund. Im Gegenteil, man kann sich auch tot hungern ! Und in der Wirtschaft ist es nicht anders. Gerade auch weil Wirtschaft auf Psychologie beruht und die Menschen brauchen einfach etwas Positives, wonach sie streben können. Hoffnung ist eine weit unterschätze Währung !

Bevor jetzt hier aber Vertreter der französischen Regierung jubilieren einen Deutschen zu finden, der reine Sparsamkeit schwachsinnig findet, muss ich klar stellen, dass das Gegenteil ebenso absurd ist.

Denn glauben Sie ernsthaft, dieser verfettete Mensch würde gesund werden, wenn man nichts an seiner Nahrungsaufnahme und seinem Lebensstil ändert und dem Menschen dafür nur teure Fitnessprogramme anbietet, ihn also massiv fördert ? Das Geld dafür könnte man auch gleich das Klo runter spülen oder zu einer Zigarre rollen und rauchen. Es ist völlig verschwendet. Denn ein derartiger Körper kann gar keine Freude bei Bewegung erleben. Und wird deshalb die teuren Programme bestenfalls halbherzig annehmen und nach drei Versuchen wieder fallen lassen. Und wieder Chips vor dem Fernseher mampfen, um im Bild zu bleiben.

Faktum ist also, wenn die Grundlage nicht da ist, bringen Wachstumsanreize gar nichts. Auch das ist so in der Wirtschaft. Wenn die Wirtschaft durch Bürokratie und Steuer- bzw. Regulierungs-Lasten erdrückt wird, ist es sinnlos, weisse Salbe zu verschmieren und irgendwelche Wachstumsprogramme aufzulegen. Die "süssen" Teile dieser Programme werden mit genommen, in den Mund gestopft und dann macht man weiter wie bisher.

Und deshalb braucht Europa beides. Die "Verfettung" des obigen Bildes ist dabei in vielen Ländern des "Club Med" ein übergrosser, ineffektiver und teilweise korrupter Staatsapparat, der wie Mehltau auf der Wirtschaftskraft des Landes liegt und letztlich die Menschen aussaugt. Darüber hinaus oft geschlossene Arbeitsmärkte und Branchen die von Bünden und illegalen Absprachen dominiert werden und sich gegen Wettbewerb und Wandel wehren. Und ebenso eine Kultur des gesellschaftlichen Egoismus, in der das Gemeinwohl im Wortschatz nicht vorkommt und jedes Individuum bereit ist, das Gemeinwesen - und damit letztlich den Nachbarn - gnadenlos zu "bescheissen", um einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen.

In Ländern wie Griechenland kann man da nur sagen, der Fisch stinkt vom Kopf und "die da oben" machen "denen da unten" vor, wie man den eigenen Vorteil um jeden Preis maximiert. Nur ist das keine Entschuldigung für "die da unten", sich ebenso moralisch windschief zu verhalten. Genauso wenig wie ein Hoeness die ebenso verwerfliche Schwarzarbeit des kleinen Mannes legitimiert. Und es ist schon gar keine Rechtfertigung dafür, in Deutschland den Sündenbock zu suchen, nur um das eigene gesellschaftliche Versagen zu kaschieren.

Und dieses Fett zu reduzieren geht eben nicht ohne Schmerzen wie Entlassung und nicht ohne (Gehalts-) und (Bürokratie-) Verzicht. Wer den Menschen etwas anderes erzählen will lügt in meinen Augen !

Leider gibt es in Demokratien eine Besonderheit, die erzwingt, dass Austerität am Anfang des Prozesses stehen muss. Denn in Demokratien gewinnen immer die, die den Menschen schöne Versprechungen machen. Mit der Ansage von Mäßigung, Verzicht und Training ist noch niemand gewählt worden, auch nicht in Deutschland. Deshalb können Demokratien diese schmerzhaften Schritte nur dann angehen, wenn die Lage für jeden spürbar kritisch und dramatisch ist. Erst die Krise in der Realität gibt in einer Demokratie denen die Oberhand, die für einen schmerzhaften Wandel eintreten.

Deswegen gibt es auch keine andere Wahl, als in Europa erst die strukturellen und schmerzhaften Massnahmen anzugehen, bevor man dann auch fördern kann und den Blick auf Wachstum richten kann und muss. Bevor man den Menschen Hoffnung gibt. Zu frühe Hoffnung raubt die Kraft endlich mal hart in das eigene Fett zu schneiden. Erst Austerität und danach Wachstumsanreize ist in Demokratien leider eine zwingende Reihenfolge. Versucht man es anders herum, wird Austerität ausfallen und nichts wird sich an den Grundlagen ändern, die die Krise hervor gerufen haben.

Schaue ich persönlich auf die südlichen Länder der Eurozone, sehe ich da mit Spanien und Portugal zwei Nationen, die schon harte und strukturelle Änderungen auf den Weg gebracht haben. Diese Länder waren und sind bereit, ihre Chipstüten wegzuwerfen, zu trainieren und sich selber aus dem Loch zu befreien. Beide Länder brauchen jetzt Wachstumsanreize und die Bevölkerung braucht eine Perspektive. Das haben sich diese Gesellschaften verdient und dort einfach mit reinem Sparen weiter zu machen, führt in die Katastrophe und hat keinen Sinn.

Dann haben wir mit Italien und Griechenland zwei Länder, in denen das Thema Korruption besonders schwerwiegend ist. Diese Länder haben mit ersten Änderungen angefangen, sind aber bisher nicht sehr weit gekommen. Und natürlich wird von den lokalen Politikern etwas anderes erzählt, aber die Kernprobleme im Bereich Arbeitsmarkt und öffentliche Verwaltung sind in meinen Augen bestenfalls angekratzt. Und der viel gelobte Monti hat leider mehr mediale Bugwelle, als echte harte Änderungen bewirkt. Die Ursachen der Misere sind dort aber nicht ausreichend aufgearbeitet und hier schon wieder das Ende von Anpassungsbestrebungen auszurufen, wäre deutlich verfrüht. Jeder Euro der Förderung, würde im derzeitigen Zustand nur erneut wieder versickern.

Und dann haben wir mit Frankreich den schlimmsten Fall von allen, denn dort wird sich noch in Verweigerung geübt, der Verweigerung die harte Realität anzuerkennen, dass man die Wettbewerbsfähigkeit weitgehend verloren hat und in einer grossen Illusion lebt, die das Vermögen der jungen Generation verfrühstückt. Frankreich will bildlich gesprochen seine Chipstüten noch nicht loslassen und es gibt auch noch keine Akzeptanz für die Notwendigkeit harter Massnahmen. Aussagen aus diesen Reihen, dass mit Austerität nun Schluss sein müsste, sind für mich einfach lächerlich. Man hat noch nicht einmal angefangen, sich aus dem weichen Sessel aufzuraffen ! Man stellt ja sogar die Existenz eines weichen Sessels in Frage !

Und damit niemand denkt, hier urteile ein typisch arroganter Deutscher nur über andere, es gibt dann noch ein Land, Deutschland. Das glaubt alles richtig gemacht zu haben und anderen Lehren erteilen zu können. Und übersieht dabei, dass es gerade dabei ist alles zu verspielen. Denn dieses Land kann trotz rekordhoher Steuereinnahmen und niedriger Arbeitslosenzahlen immer noch nicht mit den Einnahmen haushalten und will wieder den einfachen Weg wählen, in dem sich der Staatssektor noch mehr Steuer-Chips-Tüten in den Rachen schiebt, statt endlich mal anzufangen für eigene Fitness zu sorgen und das Geld der Bürger sinnvoll und sparsam auszugeben. Und diese Gier und Masslosigkeit bei der Staatsquote, für die das Programm der Grünen nur das offensichtliche Fanal ist, legt jetzt schon den Samen für den kommenden Niedergang, wenn die Welt aus konjunkturellen Gründen mal nicht so nach deutschen Exportgütern schreit. Denn dieser Niedergang trifft dann auf noch mehr unbezahlbare Versprechungen und noch mehr unbezahlbare Pensionslasten als heute schon.

In Summe ist die Ökonomie eines Turnarounds aber ganz einfach und immer gleich, in einem einzelnen Unternehmen wie in einem ganzen Land. Es braucht immer beides: Erstens Sparsamkeit und Reform in Form einer Fitnesskur für die Gesellschaft und zweitens Hoffnung und Wachstum, die Motivation damit Menschen mit Optimismus aufstehen und positiv den Tag angehen.

Wenn jemand Ländern wie Spanien und Portugal, die schon so harte Schnitte hinter sich haben, nun Hoffnung auf Wachstum verweigern will, wäre das fahrlässig und dumm. Das wäre dann tatsächlich "Brüning Reloaded" und eine Sünde an Europa.

Und wenn jemand in Ländern wie Italien, Griechenland und erst recht Frankreich nun davon faselt, dass schon genug der Anstrengungen erfolgt wären, ist das für mich einfach nur dummes Geschwätz, das von eigenem Versagen ablenken soll. Dort ist man bestenfalls auf dem Weg der notwendigen Anpassung, aber keinesfalls am Ende.

Und wenn jemand in Deutschland glaubt, wir seien so toll und bei uns sei alles anders, dem sei gesagt: es gibt einen Grund, warum bei uns die Dinge besser sind. Weil wir eine erfolgreiche, international wettbewerbsfähige Wirtschaft mit motivierten, loyalen und kreativen Mitarbeitern haben. Und wer an dieser Grundlage aus ideologischen Gründen zündelt, ist nicht ganz klar im Kopf !

Und wenn jemand die ganze Eurozone in einen Topf wirft und nicht in der Lage ist die Situation der Länder einzeln zu betrachten, verabschiedet er sich als ernst zu nehmender Gesprächspartner.

So weit meine Meinung zum Thema.

Und finden Sie nun, dass dieser Artikel nur Offensichtliches wiederholt hat ? Dann sind Sie nicht alleine, ich finde das auch !

Umso erstaunlicher ist dann doch wohl diese für mich lächerliche Kontroverse in Europa, in der zwei Dinge in Gegensatz gesetzt werden, die immer, egal ob im Körper oder in der Wirtschaft, gleichberechtigt angegangen werden müssen:

Fordern und Fördern,
Zuckerbrot und Peitsche,
Schlankheit und Training,
Abwerfen von Ballast und das Setzen der Segel,
Austerität und Wachstum !

Über die Details, das Ausmass und den Zeitpunkt, kann man sich füglich streiten. Aber doch nicht über das Prinzip !

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