Syngenta und der typische Ablauf von Übernahmen

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 08.05.15 12:50 in Hari Live und bezog sich auf das Übernahmeangebot vom Marktführer Monsanto für die schweizerische Syngenta.

Sie wissen auch im freien Bereich, dass ich sehr positiv zu Syngentas mittel- und langfristigen Aussichten eingestellt war.
Mein Artikel -> Syngenta als langfristiges Investment <- vom November letzten Jahres zeugt davon, in dem ich auch die Übernahmethematik schon adressiert hatte.

Insofern war es wichtig am Freitag nach Bekanntgabe des Angebots gleich zu entscheiden, ob die massiven Gewinne nun mitzunehmen waren oder da noch mehr für Anleger drin ist. Meine Argumentation des typischen Ablaufs solcher Übernahmen von Freitag, können Sie unten nachlesen.

Erste aktuelle Nachrichten bestätigen übrigens die im Artikel beschriebene Richtung: -> Monsanto pokert <-.

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Man kann den Fall Syngenta benutzen, um das Handeln von so Übernahmeszenarien mal ganz generell und abstrakt zum Thema zu machen und das will ich hier tun.

Die Frage ist also, wie geht man als Anleger damit um, wenn so ein Übernahmeangebot im Raum steht und die Aktie im Depot massiv hoch geschossen ist? Natürlich ist jeder Fall individuell, aber es gibt schon Muster, die in der Mehrzahl der Fälle so ablaufen.

So wäre die typische, emotionale und initiale Reaktion des geneigten Normal-Anlegers ja erst einmal, die Aktie sofort zu verkaufen, um den schönen Gewinn "zu sichern", bevor er vielleicht wieder weg ist.

Es wird Sie nicht wundern wenn ich Ihnen sage, dass dieses instinktive Verhalten in der Regel total *FALSCH* ist, wie fast alles, was uns unser Affenhirn so instinktiv an Marktverhalten eingibt. 😉

Wenn man mal nachdenkt, ist das auch ganz leicht und rational zu verstehen. Denn was ist hier passiert?

Da hat doch das Management des Marktführers und grössten Mitbewerbers - das ja auch kein Geld zu verschenken hat - gesagt: Ihr seid so und so viel wert! Und das Management des Unternehmens selber hat gesagt: Wir sind noch viel mehr wert! Und hat das Angebot abgelehnt.

Die beiden Gruppen im Markt, die den Wert also am Besten einschätzen können, haben eine klare Aussagen getätigt und diese öffentlich quantifiziert. Und jetzt sagen Sie mir, warum sollte Mr. Market sich gegen die klaren Aussagen dieser beiden besten Kenner der Situation stellen?

Sicher gibt es Ausnahmefälle, bei denen grosse Risiken im Angebot stecken und bei denen es deshalb gerechtfertigt ist, das Angebot nicht für bare Münze zu nehmen. Aber in der Regel gilt:

So ein Angebot zieht kurzfristig erst einmal einen Boden nach unten ein und nicht nach oben! Die instinktive Reaktion des "geneigten Anlegers" ist also in der Regel falsch und vergibt Chancen.

Bei der Frage, wie das Angebot denn zu bewerten ist, kann man sich auch am Besten auf den Markt verlassen. Der kann das viel besser als wir und preist das Angebot sehr schnell ein.

Auch bei Syngenta bietet Monsanto ja 449 CHF pro Aktie und der Kurs von Syngenta pendelt nun bei 390 CHF. Das ist aber kein Widerspruch, denn Monsanto bietet den Aktionären ja gar nicht 449 CHF für jede Aktie, sondern will nur 45% Bar zahlen und den Rest wohl mit Eigenaktien tauschen. Und damit muss der Markt noch einen Sicherheitsabschlag einplanen, denn sind die Aktien von Monsanto wirklich dauerhaft so viel wert, wie aktuell der Kurs ist?

Hinzu kommt dann noch ein genereller Sicherheitsabschlag, weil das Angebot sich ja theoretisch schnell auflösen könnte, es könnte von den Kartellbehörden abgelehnt werden und so weiter und so weiter. Und so kommt nun aktuell 390 CHF als fairer Wert des Angebots zustande, das ist der Preis, den Mr. Market heute so bewertet und keiner kann das besser und vor allem schneller als der Markt. Würde Monsanto zu 100% in Cash 449 CHF bieten, wäre der Kurs von Syngenta nun mit Sicherheit weit näher an 449 CHF, als aktuell.

Wir haben also nun ein Angebot von (gewertet) 390 CHF des Marktführers im Raum und wie oben gesagt, stellt so etwas viel wahrscheinlicher erst einmal einen Boden dar, als eine Obergrenze, die man schnell verkaufen muss.

Denn was jetzt typischerweise in so Fällen passiert ist, dass der Markt in den kommenden Tagen und Wochen durchspielt, wie viel mehr da nach oben noch geht. Denn das Syngenta Management sagt ja klar: "wir sind mehr wert". Da könnte nun viel passieren. Monsanto könnte erhöhen - das passiert in so Übernahmeschlachten ganz oft. Oder es kommt ein weiterer Bieter ins Spiel, vielleicht sogar ein "weisser Ritter", der vom Management von Syngenta gewollt wird. Oder oder oder, es bieten sich viele Möglichkeiten den Preis noch zu treiben.

Das wird der Markt nun ausloten in den kommenden Tagen und Wochen. Und irgendwann kommt dann ein Zeitpunkt, zu dem die Karten auf dem Tisch liegen. Zu dem nach oben die Möglichkeiten ausgereizt sind und entweder der Deal abläuft oder endgültig scheitert.

DAS ist dann der Zeitpunkt - nicht heute aber dann - zu dem bei Syngenta erst einmal für Monate die Luft nach oben raus sein dürfte. Denn der Marktführer hat ein Angebot gemacht, bis er nicht mehr weiter wollte und es gehört viel dazu, das dann noch schnell zu toppen.

Nun muss ich warnend erneut sagen, was ich beschreibe ist natürlich nur das generelle Muster solcher Abläufe, sozusagen der wahrscheinlichste Fall. Jeder Fall ist individuell und hier kann es anders ablaufen. Es lohnt sich aber, sich am Normalfall zu orientieren und der sagt, dass jetzt nicht der Zeitpunkt ist Syngenta zu verkaufen, dafür aber in ein paar Wochen, wenn das Angebot ausgelootet ist und nach oben nichts mehr geht. Dann dürfte mit guter Wahrscheinlichkeit die Luft für einige Zeit raus sein.

Sollte Monsanto dann doch Syngenta übernehmen, kann man als Minderheitsaktionär natürlich immer noch drin bleiben und auf einen Squeeze-Out spekulieren. Das sind aber Wetten, die nicht mein Fall sind. Aber wers mag, kann es ja machen, in der Vergangenheit sind solche Spekulationen auch oft ganz gut gelaufen, sie sind aber leider sehr abhängig von der Rechtslage und sehr langwierig.

Ich hoffe das war hilfreich, den Vorgang einzuordnen.

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Allianz Aktie – Wohin geht die Reise?

Der folgende Beitrag erschien schon Mittwoch 06.05.15 12:30 in Hari Live

Die Allianz hat heute überraschend gute Zahlen geliefert und der bisherige -> CEO Michael Diekmann übergibt an Oliver Bäte. <-

Da lohnt sich doch mal wieder ein Blick auf das Chart zu werfen, um zu schauen, was das zur Lage sagt. Dieses zumal die Allianz-Aktie ja über Monate zu meinen Favoriten gehörte und ich auch den Einbruch durch den Abgang von Gross bei Pimco, für übertrieben gehalten habe. Im Nachhinein war das ja auch eine geniale Kaufgelegenheit:

Allianz 06.05.15

Was wir sehen, ist erst einmal ein Chart, das danach schreit, dass es nun von 150€ erst einmal wieder hoch geht. Zu klar ist die Unterstützung und zu überverkauft die Lage. Die guten Zahlen sind nun ein Katalysator, der eine Wendeformation in Gang setzen sollte.

Berücksichtigen Sie aber bei der Betrachtung bitte den morgigen, massiven Dividendenabschlag, der dieses Chart-Bild optisch zerstören wird, ohne dass dem Einbruch ein wirklicher Vermögensverlust gegenüber steht. Nehmen Sie also bitte nicht 150€ als Stop. 😉

Nur wohin geht die Reise, nach dem dieser initiale Schub nach den Zahlen dann ausgelaufen ist? Dabei bin ich nun erst einmal latent skeptisch und kann mir einen Verlauf wie eingezeichnet gut vorstellen, der aber natürlich nur ein Szenario unter vielen ist.

Zwei Faktoren sind dabei dominant:

Erstens wäre die Allianz wohl eine der Hauptleidtragenden, falls sich der beginnende Anstieg der Renditen der Staatsanleihen weiter fortsetzt. Die Allianz ist durch regulatorische Anforderungen, wie andere europäische Versicherer, bis zur Halskrause mit Staatsanleihen voll geladen. Bis letzten Monat konnten diese Anleihen durch die sinkenden Zinsen Buchgewinne erzielen, nur was passiert in der Gegenrichtung? Und wie sind diese Buchgewinne bilanziert?

Denn die Interessen der Lebensversicherungskunden und der Aktionäre der Allianz sind nicht gleich gerichtet. Die extrem gefallenen Renditen sind gefährlich für die bestehenden Lebensversicherungsverträge, deren dauerhafte Tragfähigkeit in Frage gestellt werden könnte, wenn die Nullzinsphase lange andauern sollte. Für die Bewertung der riesigen Bestände an Staatsanleihen bei den Versicherern aber, waren die fallenden Renditen aber kurzfristig erst einmal positiv und das tat den Aktionären gut.

Langfristig werfen die Niedrigzinsen aber auch für die Aktionäre Fragen auf, denn wenn der temporäre Effekt der Buchgewinne ausgelaufen ist bleibt die Frage, wo denn die Erträge her kommen sollen. Das bei wieder steigenden Anleihen-Renditen auf die Versicherungskonzerne aber bilanzielle Fragezeichen zukommen, die die Börsen dann nicht kalt lassen werden, erscheint mir zumindest wahrscheinlich.

Aber auch ein zweiter Faktor ist am Werk und dass ist die Tatsache, dass der langjährige Chef Michael Diekmann nun seinen Abschied genommen hat und natürlich mit einer guten Zahlenbilanz. Es ist eine reine Vermutung meinerseits, aber es wäre nicht der erste Fall, bei dem zu so einer Abschlussbilanz dann allerlei "optimiert" wird, um das Bild zum Abschluss besonders gut aussehen zu lassen. Natürlich nur im legalen Gestaltungsrahmen, der ist aber im Bereich IFRS erheblich und gibt grossen Spielraum. Lesen Sie im Zweifel -> hier <-.

Und neue Chefs machen - wenn sie klug sind - dann am Anfang sowieso erst einmal ein bilanzielles "Grossreinemachen", weil sie bei den ersten Quartalen dafür noch nicht in persönliche Haftung genommen werden.

Beide Faktoren zusammen gemahnen in meinen Augen zur Vorsicht und das Risiko ist daher für mich da, dass wir am 13.04. bei 170€ bei der Allianz ein zumindest mittelfristiges Hoch gesehen haben.

Deswegen muss man nun nicht ins andere Extrem kippen und die Allianz zu einem Short erklären, dafür sehe ich keine Grundlage. Aber für mich ist die Allianz nun also kein zwingender Favorit mehr, sondern ich rechne eher damit, dass die Aktie dem Markt in den kommenden Monaten vielleicht sogar hinter hinken wird.

Wer in der Aktie drin ist, sollte den absehbaren Anstieg nach den guten Zahlen, nun also vielleicht kritisch beobachten.

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IBM (851399, IBM) – Wandlungsfähig durch starke Unternehmenskultur

Den folgenden Artikel zu IBM mit sehr persönlichem Hintergrund, habe ich mit den Mitgliedern im Premium-Bereich schon im Januar am Montag 26.01.15 16:40 geteilt.

Seit dem ist IBM gut gelaufen, steht heute deutlich höher und ist für mich auch weiterhin eine langfristige Position im Investment-Depot.

Das Chart der Gegenwart sieht nun auch weit attraktiver aus, als damals im Januar und IBM befindet sich mitten in einer deutlichen Wendeformation. Um so interessanter ist doch aber, wie die Argumentation im Januar war:

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Es gibt Dinge, die sind erstaunlich. Da bin ich doch eigentlich ein IBMer wie er leibt und lebt. Bin in dieser Firma Ende der 80er Jahre sozialisiert worden, was "Business" angeht und habe dort meine ersten Schritte ins Management grösserer, internationaler Einheiten hinein gemacht.

Und vor allem, kann ich mit Fug und Recht sagen: es war das bestgeführteste Unternehmen, mit der klarsten und durchdachtesten Unternehmenskultur, das ich bisher von innen kennen gelernt habe.

Als ich von IBM dann zu einem anderen Grosskonzern kam, hatte ich was die interne Kultur anging, etwas flapsig das Gefühl, von der Champions League in die 2. Liga abgestiegen zu sein. Animositäten, Revierkämpfe und ein völliger Mangel einer Gemeinsamkeit stiftenden Kultur waren dort viel mehr zu verzeichnen, als ich es von der vergleichsweise "heilen, internationalen Welt" in IBM Reseach & Development kannte.

Jetzt ist meine Zeit bei IBM über 20 Jahre her und ausser ab und zu mit alten Kollegen mal Skat zu spielen, die mittlerweile auch fast alle aufgestiegen sind, habe ich keine Verbindungen mehr. Und die IBM der Gegenwart, ist vielleicht eine ganz andere, als die die ich kannte, zumal "Research & Development" innerhalb der IBM sowieso schon damals eine ganz eigene Kultur hatte und auch noch hat. Insofern sind zu starke Verallgemeinerungen von persönlichen Erlebnissen, sicher fehl am Platze.

Trotzdem hat das Unternehmen bewiesen, dass es in der Lage ist, sich in schwierigen Zeiten zu häuten und neu zu erfinden. Die starke Unternehmenskultur spielt dabei eine ganz massive Rolle, ohne diese, wäre IBM wohl schon in den 90er Jahren beim Übergang von John F. Akers zu Lou Gerstner auseinander gefallen.

Zwei vom damaligen Chairman John F. Akers unterzeichnete Urkunden hängen hier übrigens bei mir immer noch im Büro an der Wand - das nur als Beweis, dass ich immer noch ein "alter IBMer" bin. 😉 Trotzdem bin ich vor allem ein -> Lou Gerstner <- Fan, der damals einfach einen superben Job gemacht hat.

Um diese Kultur zu beschreiben, will ich die Geschichte eines damaligen Management-Kollegen aus den US - aus dem Mid-Hudson-Valley nördlich von New York - erzählen, der über 25 Jahre bei IBM war und im Zuge des grossen Umbruches Anfang der 90er Jahre entlassen wurde.

Nach der überraschenden Entlassung, noch Tage vorher hatte ich mit ihm im Job telefoniert, habe ich ihn dann im Zuge eines regulären Visits an der Ostküste zu Hause besucht. Jeder "normale" Mensch wäre nun stinksauer auf die Firma gewesen, die so einen verdienten Mann einfach entlässt - ohne ihm persönlich etwas vorwerfen zu können, sondern einfach nur, weil es halt jemanden treffen muss. Ich erwartete also, einen giftigen und verbitterten Mann zu treffen, der auf IBM schimpfte.

Was ich vorfand, war ein Wohnzimmer voller Urkunden und Bilder aus der IBM Zeit, und darin einen Mann, der zwar bitter war, das aber vor allem auf das vorgesetzte Management, das ihn "auf die Liste" gesetzt hatte. Und im gleichen Atemzug dieses Frustes, kamen aber immer wieder die Worte ehrlicher Sorge im Sinne "wie soll das nur mit IBM weiter gehen" aus seinem Mund.

Er trennte also die Personen, die ihn entlassen hatten, von "seiner" IBM, um die er sich immer noch sorgte. Das nennt man Loyalität und Unternehmenskultur. Dieses Erlebnis hat mich sehr geprägt und mir gezeigt, was Unternehmen auszeichnet, die Umbrüche überleben und erneut zu wachsen anfangen können. Es ist vor allem die Unternehmenskultur und Loyalität der Menschen. Andere Unternehmen fallen auseinander, bei denen der Kit der Unternehmenskultur fehlt.

So weit meine kleine Anekdote.

Diese Fähigkeit sich neu zu erfinden, braucht IBM unter Virginia Rometty nun erneut, denn es ist mal wieder Zeit für den Wandel. Das alte von Gerstner begonnene und von Palmisano fort entwickelte Geschäftsmodell, stösst an Grenzen. Im Manager Magazin, finden Sie in einem Artikel vom Oktober letzten Jahres, eine gute Darstellung der Lage: -> Wie Virginia Rometty Big Blue neu beleben will <-.

So habe ich die letzten Jahre, in denen die inhaltliche Stagnation bei IBM für mich sichtbar wurde abgewartet, um einen Zeitpunkt zu finden, ab dem ich einen ersten kleinen Fuss bei "meiner IBM" wieder in die Tür stellen kann.

Nun, es kann gut sein, dass dieser Zeitpunkt gekommen ist. Eine erste kleine Position, habe ich als "Starter" nun wieder eröffnet.

Auslöser ist dabei nicht nur der Blick auf den fortschreitenden Umbau, der nun auch mit Entlassungen Fahrt aufnimmt. Es ist auch der Blick auf das mittelfristige Chart, das einen Doppelboden signalisiert, mit der Chance, das grosse Enttäuschungs-Gap vom Oktober 2014 wieder zu schliessen:

IBM 26.01.15

Es ist noch zu früh, eine Wende bei IBM endgültig auszurufen, das Unternehmen steckt noch im dunklen Tunnel und eine neue Strategie ist bestenfalls schemenhaft zu sehen, nur "yet another Cloud" anzubieten, kann es nicht sein.

Und auch ob Rometty überhaupt die richtige Nr. 1 für diesen Wandel ist, ist zweifelhaft. Es sollte also niemand glauben, die Probleme von IBM verschwänden nun einfach über Nacht und es ginge im Kurs nun nur noch hoch, nur weil ich als alter Kenner des Unternehmens hier davon schreibe.

Nein, das dürfte noch ein langer, dunkler Weg bei IBM sein und auch der Kurs wird mehr seitwärts als aufwärts laufen. Aber eine erste langfristige Position ist nun in meinen Augen zu rechtfertigen, auf die Fähigkeit des Unternehmens vertrauend, sich selbst neu zu erfinden.

Von der fundamentalen Bewertung her, hat der Markt nun sowieso jedes Wachstum aus IBM ausgepreist. Ich denke aber, der Markt unterschätzt die massive Substanz an Intelligenz, Marktmacht und Netzwerk, die dieser Konzern immer noch besitzt.

Der R&D Bereich von IBM ist immer noch Weltspitze, das Unternehmen muss nur wieder mehr daraus machen. Ausgehend von der aktuellen Bewertung, erlaube ich mir das nun wieder ganz gelassen zu betrachten. Nicht mehr nur als Ex-IBMer, sondern auch als kleiner Aktionär.

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Kohle – Tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss!

Heute möchte ich ein grundsätzliches Thema adressieren, das man schon aus vielen Börsenregeln wie "greife nie in ein fallendes Messer" kennt. Auch ich habe das Thema immer wieder adressiert, zuletzt auch im Artikel -> Der gefährliche Ankereffekt bei der Geldanlage <-. Was aber so richtig und wichtig ist, kann und muss man immer und immer wiederholen.

Und trotzdem, trotz all der Börsenregeln und Wiederholungen, wird dieser Fehler immer wieder und immer wieder begangen - einfach weil sich Menschen für klüger als der Markt halten. Und weil etwas, das sehr tief gefallen ist, auf den ersten Blick "billig" erscheint und bei unbedarften Anlegern laut "kauf mich" schreit.

Dahinter steht eine ebenso menschlich instinktive, wie grottenfalsche Interpretation von dem, was Kurse sind. Bei breiten Indizes kann man sehr wohl davon ausgehen, dass diese im Sinne "Mean Reversion" irgendwann von einem Extrem wieder auf einen Mittelwert zurück schwingen. Zumindest solange die Welt nicht untergeht. Aber auch bei Indizes kann das Jahre und manchmal ein Jahrzehnt dauern und insofern ist es auch da riskant, darauf blind zu wetten.

Bei einzelnen Aktien und selbst ganzen Sektoren, kann man aber selbst davon nicht ausgehen und es verschwinden weit mehr Unternehmen und auch Sektoren im Vergessen und fallen ins Bodenlose, als wir in der oberflächlichen Wahrnehmung glauben. Ich könnte endlose Beispiele dafür anführen und mit dem Thema Kohle bringe ich gleich auch noch einen prägnanten Fall.

Achten Sie übrigens mal darauf, was in den Medien, die die privaten Anleger bedienen, immer die beliebtesten Spekulationen sind. Es sind ganz oft die "gefallenen Engel" des letzten Börsen-Zyklus, die so vermeintlich "billig" erscheinen. Dummerweise ist es erstaunlich selten so, dass die Favoriten des letzten Zyklus sich dann im folgenden Zyklus komplett erholen. Viel erfolgsträchtiger ist es dagegen, in einem neuen, typischerweise mehrjährigen Börsenzyklus, die neuen Favoriten zu identifizieren und auf die zu setzen, statt mit den alten Favoriten am Boden herum zu "gründeln" und auf den nie so richtig kommenden Rebound zu warten.

Dieses Verhalten beruht auf dem schon oben im genannten Artikel besprochenen "Referenzeffekt" in unseren Hirnen. Wir empfinden einen Kurs mit einer weit höheren Referenz in der Vergangenheit, instinktiv als "sicherer" und "chancenreicher", als einen Kurs, der auf Höchstständen notiert, weil er Teil eines starken Aufwärtstrends ist. Dabei ist das eine völlige Fehlinterpretation von dem was Kurse sind und es ist zu oft in der Realtität genau anders herum!

Aber das nur am Rande, ich will Ihnen heute mit dem Thema Kohle einen besonders einprägsamen Fall mitbringen. Und dabei auch mal zeigen, was ich dazu im Juni letzten Jahres geschrieben habe.

Denn Kohle und die dazu gehörigen Aktien, waren vor Jahren auch für mich mal ein interessantes Thema, in dem ich mit Kandidaten wie Peabody Energy (675266, BTU) oder Arch Coal (908011, ACI) unterwegs war. Nur habe ich mich dann eben von der Entwicklung eines Besseren belehren lassen und haben eben *nicht* gegen einen fallenden Markt gewettet. Und den endgültigen Schlusspunkt setzte für mich dann vor einem knappen Jahr Obama mit seiner Klima-Politik.

Lesen Sie, was ich vor einem knappen Jahr am Montag 02.06. 17:00 dazu in Hari Live geschrieben habe:

US Kohle ist damit als Anlageform wohl endgültig tot: -> Obamas Anti Kohle Plan <-

Diese durchsichernden Pläne waren auch der Grund, warum Marktführer Peabody Energy (675266, BTU) und der ganze Sektor, nach einer eigentlich positiven Entwicklung und einer iSKS im Chart, plötzlich so brutal abverkauft wurden:

BTU 02.06.14

Brutal das Chart, oder ? Es zeigt die gnadenlosen Auswirkungen, von plötzlichem politischen Einfluss ab Mitte Mai.

Ich habe mit dem Thema Kohle seit Monaten abgeschlossen, seit BTU damals unter 18 USD fiel und den Anstieg seit Mitte 2013 nicht halten konnte. Mit diesen Nachrichten ist das Thema aber in meinen Augen endgültig durch - zumindest solange die Obama Administration im Amt ist. Denn gegen diese politischen Gegenwinde, können die Unternehmen nicht ankommen.

Und klar, BTU, ACI und Co. versuchen ausserhalb der US ihre Kohle an den Mann zu bringen und BTU ist mit seinen Firmen in Asien da gar nicht mal schlecht aufgestellt. Trotzdem ist es ja nicht so, dass nicht auch in Australien und China direkt Kohle gefördert würde und der Transportweg aus den US ist da ein unüberwindbarer Kostennachteil gegenüber den lokalen Mitbewerbern. Auch wenn diese Offshore-Operationen den Unternehmen vielleicht das Überleben sichern, als Aktionär scheint da während der Zeit der Obama Administration nichts mehr zu holen sein.

Fazit: Ich habe das Thema abgehakt und besitze seit Monaten nichts mehr im Segment. Vielleicht sollten auch Sie das Thema abhaken, falls Sie da noch gedanklich oder monetär involviert sind.

Das war klar und deutlich. Wie erinnern uns, Peabody Energy sah damals auch "billig" aus und war bei 16 USD. Und nun zeige ich Ihnen, wo die Aktie - eigentlich der "Blue Chip" im Sektor - heute im langfristigen Chart steht: unter 5 USD! Der Sektor-Führer hat sich also noch einmal mehr als gedrittelt! Ich habe den Zeitpunkt meines Artikels letzten Juni markiert:

BTU 23.04.15

In dem Zeitraum zwischen Juni letzten Jahres und heute habe ich dann endlose Artikel in den US gesehen, nach denen Kohle jetzt "tief genug gefallen sei" und der Rebound unmittelbar bevor stehen würde. Wenn Aktien, an deren Substanz man glaubt, so "billig" aussehen, macht das auf uns Menschen geradezu emotionalen Druck dort zuzugreifen. Und genau das ist diese Form von sich selbst überschätzendem Raten im Sinne der "Prognosiritis", vor dem ich immer hier warne.

Aber dieses Raten und blinde Wetten auf einen Rebound war auch hier Blödsinn. Wir sind eben nicht klüger als der Markt und wenn Aktien so stark fallen, dann fallen sie aus gutem Grund und wir sollten lernen, das zu respektieren.

Und das funktioniert auch in die Gegenrichtung. Wie oft werden starke Aktien mit Zukunftspotential sinnlos geshortet, weil sich Anleger einbilden, besser als der Markt einschätzen zu können, dass die Aktie ja "überbewertet" sein. Es gibt ja sogar Anleger, die diese ganzen Bullenmarkt mehr oder weniger seit 2009 bekämpfen und immer darauf setzen, dass "nun aber" das grosse Top kommen wird. Wobei so viele können das nicht mehr sein, denn auf die Dauer schrottet man mit dieser Selbstüberschätzung zuverlässig sein Depot. 😉

Und deswegen folgen wir Trends. Die können zwar auch mal drehen, aber weit überwiegend laufen sie weiter, immer weiter und weiter als man sich vorher vorstellen kann. Und deswegen lohnt es sich, denen zu folgen.

Nehmen wir also die Regel ernst: Tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss!

Denn Erfolg entsteht mit dem Markt und nicht gegen ihn!

Ihr Hari

PS:

Übrigens, falls Sie es nicht schon bemerkt haben. Mr-Market wächst als Plattform des ruhigen und kompetenten Austausches zur Börse und Geldanlage weiter. Und wächst weiter auch als Ort der Orientierung in einem Meer der chaotischen Informationsflut.

Wir haben nun einen weiteren -> Kolumnisten <- an Bord, der sich im Schwerpunkt volkswirtschaftlichen Themen widmen wird. Schauen Sie mal rein!

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Das Investment Thermo Fisher Scientific

Der folgende Beitrag erschien schon Freitag 27.03.15 13:45 in Hari Live

Ich habe ja schon mehrfach argumentiert, warum ich im Biotech-Boom die Hersteller der "Schaufeln" so sehr mag. Denn diese Unternehmen profitieren vom Boom, ohne die medikament-spezifischen Risiken der forschenden Unternehmen zu besitzen.

Selbst bei Branchen-Grössen wie Gilead Sciences (885823, GILD), genügt ja eine schlechte Nachricht zum Blockbuster Solvadi, und der Kurs knickt brutal ein.

Hinzu kommt dann noch die generelle Unsicherheit, ob durch den Aufstieg der Biosimilare und der wachsenden Macht der Intermediäre wie Express Scripts (A1JWJL, ESRX), nicht doch die riesigen Margen bald unter Druck geraten.

Einzelne Biotech-Unternehmen - und das gilt selbst für die Branchengrössen - sind daher für einen ruhigen Investmentansatz eher ungeeignet, weil zu volatil. Ein ruhiges Investment im Sektor macht daher nur bei breiter Diversifizierung via individuellem Basket, Fonds oder ETF Sinn.

Ganz anders dagegen ist die Lage bei den Unternehmen, die vor allem an den Tools, Hilfsmitteln, Testverfahren und Methoden verdienen, mit denen die Biotech Unternehmen forschen und ihr Geschäft betreiben.

Ganz analog zu den Herstellern von Schaufeln im Goldrausch des 19. Jahrhunderts, verdienen diese Unternehmen unabhängig davon, ob wirklich Gold gefunden wird. Und auch ein Medikament mit Nebenwirkungen oder eine Forschung, die von der amerikanischen FDA dann keine Genehmigung bekommt, kann die Hersteller der Schaufeln nicht tangieren.

Mein absoluter Favorit was das angeht und für mich *der* Bluechip in diesem Sektor, ist -> Thermo Fisher Scientific (857209, TMO) <- mit einem sehr breit aufgestellten, aussichtsreichen Produktportfolio.

Ich habe über das Unternehmen im Premium-Bereich schon mehrfach geschrieben und will mit diesem Post nun auch im freien Bereich darauf aufmerksam machen.

Denn gerade jetzt, während der Biotech-Sektor korrigiert, kann man im Chart leicht sehen, was die Vorteile eines Herstellers von "Schaufeln" sind, denn die Aktie hat im Vergleich zum Sektor deutlich weniger korrigiert:

TMO 27.03.15

Für mich ist das das Profil einer Aktie, wie ich sie für mein Investment-Depot mag.

Einerseits mit grossem Wachstum und Teil eines Marktes, der massiven Rückenwind hat. Sie wissen ja, ich segele bei Investments gerne mit dem Wind im Rücken und mag es nicht, dagegen ankreuzen zu müssen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen Artikel von Donnerstag 12.03.15 14:20 in Hari Live - "Mit dem Wind im Rücken segeln".

Andererseits ist es aber auch eine Aktie mit eingebauter Diversifizierung, die also nicht so schnell von einem einzelnen Problem aus der Bahn geworfen werden kann. Sicher kann man dadurch keine schnellen 100% Gewinn erwarten. Umgedreht sind aber auch nach unten die Risiken deutlich geringer und die Aktie kann vergleichsweise ruhig ihre Bahn ziehen.

Wenn Sie es nicht schon getan haben, tun Sie sich also den Gefallen und beschäftigen sich mal mit den Produkten von Thermo Fisher Scientific. Für mich ist das ein klarer Fall für mein Investmentdepot - und das nicht erst seit heute, wie treue Leser wissen.

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