Linde – Von guter und schlechter Marktkommunikation

Der folgende Artikel zu Linde war Teil meines gestrigen Marktberichtes am Nachmittag im Premium-Bereich.

Ich möchte noch einmal zum Thema Linde zurück kehren. Die Aktie war wegen ihres stabilen Geschäftsmodells und ihres von mir geschätzten CEOs Wolfgang Reitzle, lange einer meiner Favoriten aus Investment-Sicht. Vorsichtig wurde ich dann mit dem personellen Übergang von Wolfgang Reitzle zu Wolfgang Büchele, wie unter anderem in dem folgenden Artikel von 2014 thematisiert: -> Whats next Linde? < -

Im Premium Bereich hatte ich am 01.12. nach der -> einkassierten Prognose < - zuletzt fest gestellt, dass es nun keinen Grund mehr gibt, sein Kapital in Linde zu binden. Denn besonders ärgerlich war für mich, dass kurz vorher bei den Quartalszahlen, davon noch keine Rede war. Seit dem ist die Aktie gefallen und gefallen.

Es sprint aber viel zu kurz, für diesen Einbruch nur schlechte Umstände der Weltkonjunktur und operative Gegenwinde verantwortlich zu machen. Denn bei der Tiefe der Verärgerung des Marktes, spielt nach meiner Ansicht mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die massive Enttäuschung über eine dürftige Marktkommunikation seitens Linde eine Rolle.

Und das ist für mich Anlass, mal wieder etwas in Erinnerung zu rufen, was leider zu wenig zum Thema gemacht wird. Es sind nämlich einzelne Menschen an der Unternehmensspitze, die oft einen erheblichen Unterschied machen. Und gerade am Fall Linde, kann man das sehr gut sehen:

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Die Zurich Versicherung und die kommende Altersarmut

Der folgende Artikel erschien schon Donnerstag 22.10.15 11:30 in Hari Live, ist aber aufgrund der langfristigen Betrachtung immer noch gültig.

Er richtet sich an langfristig orientierte Anleger, die überhaupt mal eine solide Basis in ihrem Depot legen sollten. Erst auf Basis dieser soliden Grundlage, kann man dann auch mal etwas mehr wagen.

Heute mal ein Hinweis für Dividendenjäger, Sicherheitssucher und Anleger, die einen Ersatz für nicht mehr vorhandene Zinssätze suchen, auch weil sie im Alter noch angenehm leben und nicht jeden Cent umdrehen wollen.

Hier im Artikel -> Das tote Pferd der Altervorsorge <-, wird indirekt erneut auf ein ganz massives Problem aufmerksam gemacht, das auf uns in Deutschland und Österreich mit Macht zurollt.

Es ist die absehbare Altersarmut der Babyboomer-Generation, denn ganz viele dürften sehr blauäugig bei ihren Rentenversicherungen und Lebensversicherungen noch die ehedem versprochenen Ablaufleistungen im Hinterkopf haben, die zu einer Zeit vermarktet wurden, als die Unternehmen eine Dauerrendite von 7% noch für möglich hielten.

Wir hier wissen, was seitdem alles passiert ist und die Kombination einer Weichwährung wie dem Euro, mit nicht vorhandenen Zinsen, ist absolut fatal für die Altervorsorge und wird mit Sicherheit, zu grossen Problemen, bösen Überraschungen und Armut führen - vom Pflegeproblem wollen wir da noch gar nicht reden.

Die Schweizer haben es da besser. Die ächzen zwar nun unter ihrem starken Franken, wie auch Deutschland Jahrzehnte unter einer zu starken D-Mark geächzt hat. Am Ende schafft die starke Währung aber Wohlstandsgewinne, denn die in Euro bezahlte Pflegekraft aus Südbaden, ist für den Züricher dann am Ende genau so günstig, wie die Polin für den Berliner Pflegefall.

Und auch die Option das Land zu verlassen und mit der Rente in Form des starken Frankens, in einem mediterranen Land mit Weichwährung den sonnigen Lebensabend zu verbringen, steht von den deutschsprachigen Ländern wohl nur den Schweizern zur Verfügung. Wohin das bei uns mit dem Weich-Euro führt, hat Stockpix zuletzt schön im Artikel -> All Inclusive <- beschrieben.

Und wir tun gut daran, uns diesem Thema *jetzt* zu stellen und es nicht durch Verdrängen in die Zukunft zu schieben, so wie einige VW Anleger den abstürzenden Kurs verdrängt haben und nun im Desaster sitzen.

Fragt sich nur, was wir tun können?

Wenig, denn der finanziellen Repression kann man nicht vollständig aus dem Weg gehen, ausser man verlässt die Eurozone mit "Mann und Maus und Haus". Aber ein paar Dinge schon. Wir könnten zum Beispiel langfristig in Aktien investieren, die hohe Ausschüttungen in strukturell stärkeren Währungen generieren, als dem Euro. So wie Procter & Gamble, der Aktie der ich in -> Wird es Zeit zum Einstieg <- einen eigenen Artikel gewidmet habe.

Aber vielleicht auch so wie eine Zurich Versicherung (WKN 579919), die - siehe den obigen Artikel der FAZ - scheinbar die Zeiten der Zeit erkannt hat und derzeit noch 7% ausschüttet, in Schweizer Franken!

Nun darf man auf keinen Fall nur auf die Dividendenhöhe gehen, das habe ich ja in Artikeln wie -> Die Dividende, überschätzt, overhyped und trotzdem wichtig <- mehr als deutlich gemacht.

Gerade sehr hohe Ausschüttungen, werfen Fragen zur Dauerhaftigkeit auf und gerade bei den Schweizer Versicherern, gibt es eine besonderes Bewertungsproblem, das hier gut beschrieben ist:
-> Bewertungsfalle in Aktien von Versicherungen <-

Aber trotzdem, wenn man ein "Rentendepot" aufbauen will, das lohnenswerte Erträge ausdrücklich in Währungen abseits des Euros produziert, dann ist eine Zurich Versicherung vielleicht einen Blick als Beimischung wert. Neben Werten wie Procter & Gamble, Johnson & Johnson, Nestle usw. - den Unternehmen, die einen langfristigen und positiven Trackrekord haben, was Ausschüttungen angehen.

Hier ist das sehr langfristige Chart der Zurich, das ich als "neutral" betrachte, ohne im Guten wie im Schlechten besonders aufzufallen:

Zurich 22.10.15

Ich bin auf jeden Fall in Einem sicher.

Wer heute vom Alter her in den 50ern ist und einen Betrag von ein paar hunderttausend Euro zur Alterssicherung und als Rente anlegen will, fährt mit einem ausgewogenen, diversifzierten Depot solcher Werte langfristig besser, als wenn er das Geld nun in einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung versenkt oder sich nun mit reinen Zinspapieren wie Anleihen volllädt.

Und darüber sollten wir mal nachdenken, die Altersarmut in Deutschland kommt, das betrachte ich als fast sicher.

Die Frage ist nur, ob wir selber dazu gehören müssen. Dagegen können wir etwas tun, die Politik mit ihren moralisierenden Träumereien, können wir dagegen mit einer Stimme bei der Wahl nicht wirklich ändern.

Ihr Hari

Luftfahrt, Raumfahrt und Rüstungsaktien – Stabiles Erfolgsmodell oder verwerfliche Anlage?



Wenn es einen Sektor im Markt gibt, mit dem wir im letzten Jahr bei sehr geringen Risiken immer wieder schöne Gewinne gemacht haben - und diese Entwicklung auch frühzeitig erkannt haben - dann waren das die Aktien des Sektors Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung.

Erkannt haben wir das schon Mitte 2014 mit der Ukraine Krise. Die Verteidigungshaushalte der europäischen Staaten waren so ausgedünnt und die Materialbestände so veraltet, dass man gar nicht die peinlichen Nachrichten über die mangelnde Einsatzbereitschaft der Bundeswehr hören musste um zu wissen, dass sich hier erheblicher Nachholbedarf angestaut hatte.

Dann kam ja aber auch noch die absehbare Entwicklung zur multipolaren Welt hinzu, mit der sich nun statt einer alleinigen Weltmacht ein zunehmendes Ringen mehrerer Blöcke abzeichnet, wobei der Aufstieg Chinas dabei der am stärksten wirkende Faktor ist.

Auch diese Entwicklung zur multipolaren Welt, bringt absehbar wieder grössere Verteidigungsanstrengungen mit sich und das nicht nur in den europäischen Ländern, sondern auch in den US und in China und Russland sowieso. Das zunehmende militärische Involvement durch die Krise im Nahen Osten, tut dann ein Übrigens, denn das dort verbrauchte Material, muss auch ersetzt werden.

Aber auch im zivilen Bereich boomt der Absatz, wie wir an Airbus immer wieder sehen können. Eine Umwältzung hin zu Drohnen und -> neuen Transportarten <- steht vor der Tür und auch im Weltraum, geraten die Dinge in Bewegung. Neue Spieler wie Elon Musks Space-X treten auf den Plan und wirtschaftliche Interessen an Mond und Asteroiden beginnen sich zu formieren - auch in China.

Alles in allem also die perfekten Ingredienzien für einen Sektor, dem der Wind der Nachfrage auf Jahre mit Macht in die Segel blasen wird. Dann noch ein Sektor mit hohen Eintrittsbarrieren, denn so "mal eben" wird man nicht zum Flugzeug- oder Raketenproduzenten.

In Summe also ein Sektor, der von stabilen und wachsenden Ertäge gekennzeichnet ist und in geopolitischen Krisenszenarien eher steigt, als zu fallen, wie die meisten anderen Aktien. Sicherheit und Wachstum also im Depot.

Alles in Butter?

Rein vom Blick auf die Aussichten dieser Aktien her eigentlich ja, wenn da nicht diese moralische Frage wäre, ob man denn in so einen Sektor investieren "darf"?

Nun man "darf" schon, wir leben in einem freien Land und auch wenn die politische Korrektheit uns manchmal vorschreiben will, wie wir zu leben haben, sind das alles erst einmal seriöse und legale Unternehmen.

Aber die Frage, ob es denn moralisch geboten ist, in Aktien zu investieren, die eben auch Rüstung herstellen, steht ja berechtigterweise im Raum. Und dieser Frage kann und sollte man sich auch nicht entziehen.

Dabei kann man dummerweise in diesem Sektor zwischen zivilen und militärischen Anwendungen selten trennen, weil viele Unternehmen bedienen beide Segmente mit ihren Produkten, wie auch beispielsweise eine Airbus eine Verteidigungs-Sparte besitzt.

Darf man also die Airbus Aktie eines A320 nicht kaufen, weil es auch einen Militärtransporter A400 gibt?

Im Gegensatz zu sehr dogmatischen Menschen, will ich diese Entscheidung niemandem vorschreiben und darüber auch kein moralisches Urteil fällen. Denn ich bin überzeugt, dass das eine sehr individuelle, moralisch zu beantwortende Frage ist.

Sicher, man kann es sich einfach machen und einfach einen der derzeit beliebten "Ethik-Fonds" kaufen, die dann nach irgend welchen Kriterien beschliessen, dass das eine "gut" und "moralisch" geboten und das andere "unethisch" ist.

Wenn man sich aber nicht durch Delegation an so Fonds billige moralische Absolution verschafft, sondern sich mal ernsthaft damit beschäftigt, merkt man schnell, das dahinter höchst schwierige moralische Dilemmata stehen.

Nehmen wir das simple Gewehr oder die Pistole. Damit kann man ja jemanden ermorden. Stimmt. Ich kann damit aber auch meine Familie beschützen, die vielleicht von einem Mörder bedroht wird.

Wäre die Welt eine Bessere, wenn niemand eine Waffe hätte? Bestimmt! Ist das die Realität, kann mir also kein Mörder mit Waffe gegenüber stehen? Bestimmt nicht!

Oder nehmen wir die Granate. Eine Kriegswaffe. Damit kann man als Terrorist einen Ballsaal in die Luft sprengen. Man braucht Sie aber auch wie aktuell die französischen Spezialeinheiten, die bei der Razzia in Saint-Denis den Drahtzieher des Anschlags in Paris in einer mehrstündigen Aktion ausräuchern mussten, der sich hinter Panzerplatten verschanzt hatte.

Ist also die Granate schlecht? Wirklich ein schwierige Frage. Worauf man sich wohl einigen kann ist, dass das was Menschen damit machen gut oder schlecht, moralisch verwerflich oder sogar geboten sein kann.

Am Ende kommt es also vielleicht weniger auf das Hilfsmittel an, sondern auf den Menschen in seinen Handlungen und die Frage, was er damit tut. Moralisch gut oder schlecht, ist primär die Handlung des Menschen und weniger die Sache, die für die Handlung benutzt wird.

Und damit sind Rüstungsaktien für mich persönlich keineswegs perse moralisch verwerflich und kommen sehr wohl als solide, krisensichere Geldanlage in Frage. Zumal ich dann den ganzen, spannenden Luft- und Raumfahrt-Sektor links liegen lassen müsste, weil er sich auch mit Rüstung beschäftigt. Es gibt aber auch ein paar Dinge wie Streubomben, bei deren Produktion ich beim besten Willen keine defensive, schützende Verwendung mehr erkennen kann und die als Investition für mich damit keinesfalls diskutabel sind.

Aber das sind nur meine ganz persönlichen Massstäbe und ich verneine vehement, dass es bei diesem schwierigen Thema voller moralischer Dilemmata, eine "allumfassende" Wahrheit gibt, der sich jeder zwingend zu unterwerfen hat.

Und deswegen will ich hier auch Niemandem eine moralische Sicht aufzwingen, sondern nur erklären, warum Aktien aus dem Sektor Luft-, Raumfahrt und Verteidigung, derzeit einen Lauf haben und sich diese positive Entwicklung wohl auf Jahre fortsetzen wird.

Wer also stabile, krisensichere Aktien sucht und das mit seiner Vorstellung von Ethik verantworten kann, wird hier wohl fündig.

Wenn Sie an dem Sektor interessiert sind, finden Sie hier 20 Ideen aus dem Bereich Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung, die Sie mal einer genaueren Prüfung unterziehen können. Nicht alle der Aktien sind auch im Rüstungssegment tätig, aber viele eben schon. Viele dieser Aktien haben wir in der Community im letzten Jahr auch intensiver besprochen:

  1. Airbus Group (938914)
  2. BAE Systems (866131)
  3. Boeing (850471, BA)
  4. Dassault Systems (901295)
  5. Finmeccanica (A0ETQX)
  6. General Dynamics (851143, GD)
  7. Lockheed Martin (894648, LMT)
  8. MTU Aero Engines (A0D9PT)
  9. Northrop Grumman (851915, NOC)
  10. OHB (593612)
  11. Orbital ATK (A14NES, OA)
  12. Precision Castparts (865685, PCP)
  13. Raytheon (785159, RTN)
  14. Rheinmetall (703000)
  15. Rockwell Collins (694062, COL)
  16. Saab (914879)
  17. Teledyne Technologies (926932, TDY)
  18. Textron (852659, TXT)
  19. Thales (850842)
  20. United Technologies (852759, UTX)

Bei Precision Castparts ist übrigens vor wenigen Monaten Warren Buffetts Berkshire Hathaway massiv eingestiegen.

Sie werden durch die Bank feststellen, dass diese Aktien in der Regel im letzten Jahr schon sehr gut gelaufen sind und das hat Gründe, auf die ich hier hinweisen wollte und die wohl über den Tag hinaus Gültigkeit behalten.

Bleibt am Ende wieder die individuelle Frage, ob wir diese Aktien im Depot haben wollen. Denn glücklicherweise leben wir in einem freien Land und können uns diese Frage individuell stellen.

Würde man sich eine Welt wünschen, in der wir uns nicht permanent an die Gurgel gehen? Bestimmt!

Ist das die reale Welt die wir haben? Bestimmt nicht!

Machen wir das besser oder schlechter, wenn wir in solche Aktien investieren? Oder ist es egal?

Das ist die Frage, auf die Sie Ihre persönliche Antwort brauchen.

Ihr Hari

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Warum der VW-Skandal vom Himmel geschickt wurde – und was das mit Apple zu tun hat

Der folgende Artikel erschien Dienstag 20.10.15 16:40 in Hari Live und wurde für den freien Bereich etwas erweitert, um den Kontext zu erhalten

Tim Cook gibt dem WSJ ein ausführliches Interview, in dem er faktisch Apples Interesse am Automarkt bestätigt:
-> Massive Change in car industrie <-

Sicher hat er damit nichts Konkretes gesagt, aber jemand in seiner Rolle müsste und würde ein Interesse an einem Markt wohl dementieren, wenn da gar nichts dran wäre. Wenn der Apple Chef aber von einem "massive Change" in der Autoindustrie redet, der auch Quereinsteigern Chancen eröffnet, dann ist das für mich die deutlichste Interessensbekundung, die man nur machen kann, ohne Konkretes zu sagen.

Als deutscher Automanager, sollte man nun mal langsam unruhig werden. Treue Leser wissen ja noch, wie ich schon vor 3,5 Jahren hier -> Die Zukunft des Automobils <- und vor 2,5 Jahren hier -> Eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <- die deutschen Automanager deutlich und massiv aufs Korn genommen habe, die sich schon nach meinem damaligen Eindruck, zu sehr in Selbstgefälligkeit und Trägheit gesonnt haben.

Insofern ist der Skandal bei VW für die deutsche Autoindustrie am Ende vielleicht vom Himmel geschickt worden. Denn ohne den Skandal, hätte man wohl noch 2-3 Jahre weiter gewurschtelt, bis es wirklich zu spät gewesen wäre und die neuen Wettbewerber im Sinne Google, Apple und Co. irgendwann das Feld des autonomen, elektrischen Fahrens betreten.

So aber weckt der Skandal aus der Selbstgefälligkeit auf, schwemmt Leute weg, denen scheinbar der Professorentitel wichtig war, die aber nach meinem Eindruck keine mutige, der Zukunft zugewandte Modellpolitik hinbekommen haben. Und so schafft der Skandal die Chance für die ganze Industrie, gerade noch rechtzeitig das Ruder mit Macht in Richtung Zukunft herum zu reissen.

Wenn es den Skandal nicht gegeben hätte, hätte man ihn also erfinden müssen. Wer immer das Ding tatsächlich in Bewegung setzte, hat am Ende der deutschen Autoindustrie eher einen Gefallen getan, davon bin ich mittlerweile überzeugt. Denn nun weht der "Wind of Change" und das ist gut so!

Apple aber, ist für mich als Aktie mittelfristig weiter attraktiv.

Ich weiss zwar immer noch nicht, warum der Markt Apple mit einem Malus bei der Bewertung belastet, denn Apple wird schlechter bewertet, als vergleichbare Bluechips.

Nehmen wir eine Microsoft, der billigt der Markt aktuell ein Forward P/E von 15 zu, Intel eines von 14 und Apple aber nur eines von 11!

Nun kann ich völlig verstehen, dass der Markt Skepsis hat, ob Apple seine Margen und seine Stellung dauerhaft halten kann. Und auch Skepsis hat, ob das Wachstum dauerhaft zu halten ist.

Ich teile diese Skepsis und für so ein cashflow-starkes Unternehmnen wie Apple, würde das dann auch nicht mehr als ein P/E von 14-16 rechtfertigen, wie bei Intel, Microsoft und vielen anderen vergleichbaren Bluechips auch.

P/Es von 20 und mehr, sind einfach stark wachsenden Unternehmen vorbehalten und da muss man sich bei Apple schon fragen, wo starkes Wachstum nun schnell herkommen soll. Bei allen Zukunftschancen im Bereich Pay oder Wearables oder später im Automobilbereich, schnelles hohes Wachstum ist da eher nicht.

Warum der Markt Apple keinen Bewertungsbonus mehr gibt, kann ich also sehr gut verstehen und das ist auch völlig in Ordnung. Warum aber so ein massiver Malus existiert, bleibt mir rätselhaft. Denn bei einem P/E von 15 wäre Apple eher bei 150 USD im Kurs und nicht bei aktuell gut 110!

Ich verstehe das nicht und habe noch keine gute Erklärung dafür gehört. Klüger als der Markt bin ich bestimmt nicht, aber auch bei angestrengtem Nachdenken fällt weder mir, noch den Mitgliedern der Community, ein überzeugender Grund für diesen Malus ein, der Apple schwächer bewertet als Intel und Microsoft, zwei Unternehmen mit durchaus relevanten Zukunftsfragezeichen, mitten in der strategischen Repositionierung.

Und insofern ist es mir auch mittlerweile egal. Ich schaue einfach auf die Price-Action und richte mich nach der.

Und was ich da heute sehe ist, wie die Aktie in Bewegung gerät und diese Struktur nach oben erzeugt und dabei auch wieder über 20- und 50-Tage Linie steigt. Ich habe schon schlechtere Ausgangslagen gesehen, als das:

AAPL 20.10.15

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Deutsche Bank – Grossreinemachen als Chance?

Nein, ich mag keine Banken als Aktien. Ganz einfach, weil diese eine "Black Box" sind und selbst Bilanzexperten der Branche oft nicht durchdringen können, was sich hinter den diversen Positionen verbirgt.

Ich mag die Aktien gerade dann nicht, wenn wie bei der Deutschen Bank ein wirklich konsistentes und funktionsfähiges Geschäftsmodell noch zu fehlen scheint - ein Geschäftsmodell, das die UBS schon wieder gefunden hat, während die Deutsche Bank nach meinem Eindruck strategisch immer noch schwankt und eiert.

Nun hat die Deutsche Bank ja aber mit John Cryan einen neuen Chef, der die Chance auf "den Zauber des Neuanfangs" hat. Und einen Chef, dem auch klar sein dürfte, dass das die letzte Chance der Bank sein könnte.

Denn ich lehne mich mal weit aus dem Fenster: Wenn auch Cryan scheitern sollte, dann ist nach meiner persönlichen Vermutung nicht nur Aufsichtsratchef Achleitner weg, dann wird es die Deutsche Bank in dieser Form wohl nicht mehr geben, dann rechne ich persönlich mit einer Zerschlagung wegen "erwiesener Unführbarkeit" des Kollosses.

Nun wäre die Zerschlagung ja eigentlich das, was ich persönlich mir wünschen würde, siehe auch meinen Artikel von 2012:
-> Deutsche Bank - Zerschlagt sie endlich! <-.

Aber meine Wünsche in Richtung eines Trennbankensystems sind hier keine Kategorie und ohne Relevanz. Was ich hier dagegen betrachten will, ist die Frage, wie die Aktie der Deutschen Bank nun für Anleger zu sehen ist.

Und aus dieser Warte, hat das aktuelle -> Großreinemachen <- für mich alle Ingredienzien, den Tiefpunkt zu markieren.

Für kluge Manager, die einen angeschlagenen Konzern übernehmen, ist es sowieso eine Pflichtveranstaltung und beliebte Übung, am Anfang ihrer Zeit als Chef, schnell alle Altlasten bilanziell zu entsorgen. Denn was man direkt nach dem Start entsorgt, kann einem nicht mehr persönlich angekreidet werden - dafür sind die Vorgänger verantwortlich. Wenn man aber so dumm ist, Probleme erst einmal liegen zu lassen, werden diese einen einholen und später zum eigenen Problem.

Und John Cryan ist gewiss nicht dumm, ganz sicher das Gegenteil. Und er weiss, dass das vielleicht die letzte Chance der Bank ist, die Kurve noch zu kriegen. Denn andere Banken - siehe die UBS - sind strategisch schon viel weiter.

Und auch die mit permanenten Umorganisationen und mit sich selbst beschäftigten, frustrierten und sich in Abstimmungs-Kämpfen erschöpfenden Management-Ebenen darunter, werden hoffentlich erkennen, dass nun entweder ein "Relaunch" der Deutschen Bank gelingt, oder sie alle ein hartes, persönliches Problem haben.

Insofern ist die Chance nun so gut wie nie, dass das nun ein Großreinemachen wird, das dauerhaft Bestand hat, weil man tief genug geschnitten hat. Eine Chance ist aber eine Chance und noch keine Gewissheit.

Ist die Aktie deswegen ein Kauf?

Ich sagte ja, ich mag keine Banken und eine im strategischen Interregnum, ohne stabiles Geschäftsmodell, schon gar nicht. Von mir werden Sie so eine Empfehlung also nicht hören.

Und wenn ich auf das Chart schaue, sehe ich zwar eine potentielle Unterstützungszone, die durchaus Chancen nach oben bietet, aber noch nichts, weswegen man die Deutsche Bank nun unbedingt haben muss:

DB 08.10.15

Aber ....

Ich sehe eben auch, dass der Markt auf dieses Grossreinemachen nur noch mit geringem Minus reagiert, eben weil die institutionellen Anleger die Welt wahrscheinlich ähnlich wie ich oben einschätzen. Und das ist ein positives Zeichen. Wenn eine Aktie bei schlechten Nachrichten nicht mehr fallen will, ist das Tief in der Regel nicht mehr weit.

Eines kann man also doch sagen:

Wenn Sie persönlich die Aktie der Deutschen Bank mögen und früher oder später sowieso einsteigen wollten, ist nun wohl der relativ beste Zeitpunkt seit vielen Jahren. Die Chance auf den "Zauber des Neuanfangs" ist da, sie muss nun "nur" konsequent ergriffen werden.

Ich sage damit nicht, dass es objektiv ein *guter* Zeitpunkt ist, der schnelle Gewinne garantiert - siehe oben meine Sicht auf Banken und die deutsche Bank im Speziellen. Aber relativ besser und aussichtsreicher, als die Zeitpunkte der vergangenen Jahre, ist der heutige Tag wohl allemal.

Lassen Sie sich also nun nicht zu stark vom "Recency-Bias" beeinflussen und auch nicht von denen, die nun nur nachleiern, was alle schon wissen: die Deutsche Bank als endlose Gruselgeschichte. Das ist aber alles schon in den Kursen und deswegen als Information wertlos. Was nun zählt ist dagegen die Frage, ob das der dunkelste Moment der Nacht vor dem Morgen ist?

Ob das für Sie genug ist, um in die Aktie einzusteigen, müssen Sie selber wissen. Ich konzentriere mich derzeit lieber auf die Aktien, die wirklich nach oben schieben, weil sie ihre Probleme abschütteln können. Wie eine -> Procter & Gamble <-. Oder auf Aktien im Aufwärtstrend mit brummendem Geschäftsmodell, wie eine -> Wirecard <-

Die Deutsche Bank steckt aber noch mittendrin im Turnaround, aber immerhin ist nun zumindest eine Chance da!

Ihr Hari

PS:

Noch läuft die Abstimmung zum Comdirect Finanzblog Award 2015.

Wenn Sie dieses Blog mögen und die freien Artikel zu schätzen wissen, wäre ich für Ihre Unterstützung dankbar. Diese eine Minute, haben Sie dann doch bestimmt für mich übrig, oder?: -> Abstimmung Finanzblog Award 2015 <-

Vielen Dank im Voraus!

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Petrobras & Volkswagen: Non-Value

Der folgende Artikel erschien Montag 28.09.15 10:30 in Hari Live und adressiert das ganz grundsätzliche Problem eines fehl interpretierten Value-Gedankens, mit dem sich zu viele Anleger immer wieder "Anlage-Gurken" ins Depot holen und daran dann auch noch zu lange festhalten.

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Ich habe hier ja schon oft gegen einen naiven, völlig falsch verstandenen Value-Gedanken gewettert, der dummerweise gerade in Deutschland immer wieder den unbedarften Anlegern verkauft wird und dort - typischerweise auf der Suche nach "Sicherheit" - auf fruchtbaren Boden fällt.

Und das ist der Irrglaube, dass es reichen würde, auf vergangene Stärke und die damit verbundenen Parameter wie KBV und KGV nach dem Motto "je kleiner desto besser" zu schauen, um "Value-Aktien" zu identifizieren.

Ich muss hier die Argumentation warum das Unfug ist, nicht wiederholen, sie steht sehr ausführlich im Artikel
-> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing <-.
Der Tenor lautet: Value-Investing funktioniert. Aber nicht so trivial und nicht so einfach für normale Anleger.

Es gibt aber aktuell einen geradezu wunderbaren Fall, um das Zerrbild zu demontieren und nein, das ist nicht Volkswagen, obwohl man das Thema auch da fest machen kann.

Es ist der brasilianische Öl- und Staats-Konzern Petrobras, der nicht nur mit dem niedrigen Ölpreis, sondern auch mit Korruption und zu grossem staatlichem Einfluss zu kämpfen hat. Und darüber wollte ich schreiben.

Dummerweise ist mir Ende letzter Woche dann Mark Dittli von der FuW im Artikel -> Der Bondmarkt-Wahnsinn <- zuvor gekommen, so dass ich die Story dahinter nun nicht wiederholen muss.

Ich will aber trotzdem noch ein paar ähnliche Sätze aus der Sicht der Aktienanlage hinzu fügen. Denn einige von Ihnen werden sich sicher daran erinnern, wie Petrobras 2010 oder 2011 gesehen wurde:

Riesig, erfolgreich, gigantische Ölfelder neu entdeckt, Teil einer dynamisch wachsenden Volkswirtschaft, gering bewertet, hohe Dividenden usw usw. Genau das war ein klassischen Beispiel für das Zerrbild des Value-Investings.

Und hier haben wir nun die US notierten ADRs zu Petrobras. Tiefer geht immer, oder? Und das soll "Value" sein?

Petrobas 28.09.15

Was ist passiert? Sie lesen es zum Teil bei Markt Dittli, aber gewisse Parallelitäten zu Volkswagen sind für mich persönlich durchaus da, wo es ja auch eine Staatsbeteiligung über das Land Niedersachsen gibt:

Grössenwahn, Korporatismus, Gemauschel und Rücksichtsnahmen zwischen Regierungen und Unternehmen und bei Petrobras zusätzlich und als I-Tüpfelchen sogar noch Korruption.

Und dann bringt das Schicksal halt plötzlich eine unerwartete Änderung der Spielregeln, wie bei Petrobras der stark fallende Ölpreis oder bei VW nun das aktuelle Geschehen, vermengt mit der Gezeitenwende der Elektromobilität.

Und es macht *Autsch* und alle schlummernden Probleme treten offen und schmerzhaft zu Tage. Was ist also eher "Value" als eine Petrobras?

Es sind Unternehmen mit einem dauerhaft stabilen Geschäftsmodell, die wachsen, agil sind und bewiesen haben, dass sie sich verändernden Umgebungsbedingungen schnell anpassen können und nicht wie die Dinosaurier beim ersten Meteoriten-Einschlag zu Grunde gehen. Und die auch nicht nur von einem Faktor wie dem Ölpreis abhängen.

Und um die zu finden, muss man sich intensiv mit dem Geschäftsmodell beschäftigen und auch nicht nur mit der Bewertung der Vergangenheit, sondern mit dem, was die Zukunft wahrscheinlich zu bieten hat. Das ist für normale Anleger kompetent fast nicht zu leisten und stellt sehr hohe Anforderungen, die weit über das Ablesen von Vergangenheits-Indikatoren wie KBV hinaus gehen.

Wenn man dem aber mit geringem Aufwand ein wenig näher kommen will, dann sind das Unternehmen wie die vorgestellte -> Procter & Gamble <- und eben nicht eine Petrobras, bei der alles von einem Parameter - dem Ölpreis - abhängt. Und auch nicht Volkswagen, das kurz vor einer bedeutenden Umwälzung der Technologie, einfach zu gross und träge geworden ist und auch ohne den aktuelle Skandal schon zum Problemfall geworden ist, siehe auch meinen Artikel schon von Mitte Juli -> Problemfall Volkswagen <-.

Übrigens, wer sehen will, wie es bei Volkswagen weiter geht, findet hier auch in der FUW ein treffendes Muster: -> BP has not outperformed since the scandal <-.

Wer also unbedingt VW mag und als Aktie nun unbedingt will, kann das mit Kursen unter 100€ vielleicht mit sehr langfristigem Ansatz tun. Vielleicht. Ich persönlich mache das nicht und bin daran völlig desinteressiert, aber ein langfristiges Investment mit Einstieg unter 100€ wäre vielleicht zu verantworten.

Nur schnelle Gewinne braucht man eher nicht zu erwarten, das Thema wird nun lange und schmerzhaft Folgeschäden generieren. Und wenn das so ist, warum will man dann überhaupt VW nun näher treten? Ich will und werde es auf jeden Fall *nicht*, ausser als taktischer Trade.

Denken wir einfach an Petrobras und wie wenig Grösse und Vergangenheitszahlen bedeuten, wenn ein Gezeitenwechsel in der Welt ansteht! Und wer davon auch noch nicht überzeugt ist, kann ja mal an E.ON und RWE denken.

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