Der Donnerstag als Wegscheide

Der gestrige Dienstag hat ein Ausrufezeichen verdient.

Denn zum ersten Mal seit langer Zeit, wurde im S&P500 ein sich anbahnender V-Rebound abgewürgt. Das ist das endgültige Signal, dass die Zeit der Sommerstarre vorbei ist und auch eine echte Korrekturgefahr wieder zur Realität geworden ist.

Letztlich beginnt nun das grosse Warten auf die FED, die am kommenden Mittwoch 21.09. ihren Entscheid bekannt geben wird. Nun befinden wir uns in der "Quiet-Period", in der die FED-Mitglieder nicht mehr reden dürfen, der Markt ist also mit sich selber beschäftigt.

Und trotzdem, schon am morgigen Donnerstag, wird der Markt wohl eine Entscheidung darüber treffen, was er von der FED erwartet oder nicht erwartet.

Denn der morgige Donnerstag hat eine eindrucksvolle Liste an Katalysatoren:

  1. Die Schweizer Nationalbank mit einem Zinsentscheid
  2. Die Bank of England mit einem Zinsentscheid
  3. Die britischen Einzelhandelsumsätze, die Auskunft über die Tiefe des "Brexit-Lochs" geben werden
  4. Die Verbraucherpreise der Eurozone
  5. Die US Einzelhandelsumsätze, die Auskunft zur Lage an der Retail-Front geben werden
  6. Den US Philly Fed Index, der Auskunft zur Konjunktur geben wird
  7. Der Erzeugerpreisindex, der Auskunft zur Inflation geben wird

Insbesondere die drei US Daten, werden ein verbindliches Bild der Konjunkturlage in den US zeichnen und dem Markt damit auch die Frage beantworten, ob es hier wirklich die Gefahr einer "Überhitzung" gibt, wie FED-Mitglied Rosengreen in den Raum gestellt hat, oder eben nicht.

Nach diesen Daten, wird sich der Markt daher eine abschliessende Meinung bilden, was er von der FED kommende Woche erwartet oder nicht erwartet. Und damit den FED-Entscheid kurstechnisch teilweise vorweg nehmen.

Am morgigen Donnerstag sollten wir also mit markanten Bewegungen rechnen. Heute dagegen, dürfte eher von zögerlichem Abwarten geprägt sein, an Wirtschaftsdaten kommt heute eher wenig in den Markt.

Leichte Stärke ist heute aber schon möglich, denn der S&P500 hat gestern den Test der Tiefs von Freitag bestanden. Für mehr, für einen Einbruch nach unten oder den Lauf zu neuen Hochs, müssen wir aber wohl zumindest bis Morgen warten.

Ihr Hari

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Die FED will es scheinbar zwingen

Die FED will es scheinbar zwingen. Und zwar eine Zinserhöhung noch im September.

Dahinter steckt ja auch eine gewisse Logik, denn um die Glaubwürdigkeit zu behalten, sollte dieses Jahr nun endlich eine weitere Zinserhöhung folgen und bedingt durch die US Präsidentschaftswahl, öffnet sich das nächste Fenster dann erst wieder im Dezember.

Noch vor einer guten Woche, hat der Markt nach den sehr durchwachsenen US Arbeitsmarktdaten, eine Zinserhöhung im September fast völlig wieder ausgepreist, so wie ich das im Artikel -> Profiteure fallender Zinserwartungen <- dargestellt habe. Der genannte EEM schoss in Folge nach oben.

Dann aber, kamen diverse FED Mitglieder mit klaren Aussagen pro Zinserhöhung. Und das in einer Breite und Klarheit, dass man von einer konzertierten Aktion zur Vorbereitung der Märkte ausgehen muss. Ich denke nicht, dass diese Kommunikationsoffensive, ohne einen informellen Konsens mit Yellen so stattgefunden hätte.

So sprach unter anderem der Präsident der Bostoner FED Eric Rosengren, der bisher eher als "Taube" bekannt war, am Freitag von der Gefahr einer "Überhitzung" der US-Wirtschaft als Folge der anhaltenden Niedrigzinspolitik und brachte damit eine Straffung auf die Agenda.

Diese Aussagen von Rosengren waren ganz massgeblich am Abverkauf von Freitag beteiligt.

Aber auch heute, kurz vor der Quiet-Period vor der FED Sitzung am 21.09., spricht das FED-Mitglied Lockhardt davon, dass die Daten "ernste Zinsdiskussionen" stützen würden.

Das alles lässt nur einen Schluss zu: starke Kräfte in der FED wollen die Erhöhung nun im September haben.

Für die Märkte bedeutet das kurzfristige Unsicherheit, danach aber einige Chancen. Denn wir können fast sicher davon ausgehen, dass wenn es zur Erhöhung im September kommt, es das für dieses Jahr dann auch war, zumal die US-Wahl jede Menge Unsicherheit verbreitet.

Damit ergeben sich interessante Handelsschancen, wir müssen nun "nur" den Punkt erwischen, zu dem die Zinserwartungen an den September vollständig eingepreist sind.

In der Community, wird das unser zentrales Thema der kommenden zwei Wochen sein.

Ihr Hari

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Notenbank-September

Der Börsenmonat August geht zur Neige. In seiner Starre und fehlenden Bewegung, war es ein aussergewöhnlicher Monat, man muss schon in die 90er Jahre zurück gehen, um historisch so viele Wochen mit so minimaler Bewegung im S&P500 zu finden.

Schauen Sie einfach selbst, wie volatil das letzte Jahr abgelaufen ist und wie starr der Markt seit Juli war. Der ATR Indikator, der sich auf historischen Tiefständen befindet, zeugt davon:

S&P500 30.08.16

Sie sehen auch die Symetrie der beiden Starre-Phasen diesen Sommer. Aktuell hatten wir wieder einen kleinen Fakeout nach unten, der nun vielleicht nach oben aufgelöst wird. All zu viel Potential sollte man dem S&P500 aber kurzfristig nicht mehr zubilligen.

In den September hinein blickend, ist es aber vor allem keine Kunst davon auszugehen, dass dieser wesentlich volatiler werden wird. Das nächste lange Wochenende mit dem "Labor Day" am Montag 05.09. markiert an der Wallstreet auch traditionell den Übergang vom Ferienmodus in den heissen Herbst. "All hands to Battlestations" sozusagen, die A-Teams der Handelsräume, kommen aus den -> Hamptons < - wieder zurück in die Handelsräume.

Und dann geht es im September Schlag auf Schlag, es ist der "Notenbank-Monat". Wir haben:

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Augustausblick S&P500, DAX und Gold – Der Retest kommt!

Der August liegt vor uns, normalerweise der ruhigste Börsenmonat des Jahres.

Ruhig deshalb, weil im August Politiker wie Notenbanker im Urlaub weilen. Und damit steht nicht mehr jeden Tag ein FED-Mitglied vor einem Mikrofon und analysiert die einzelnen Halbworte des letzten FOMC-Statements. Und auch die Politik verschont uns mit ihren Fülltexten und politisch korrekten Empörungen, die Kompetenz und Handlungsfähigkeit vorschützen sollen, wo leider zu oft keine ist.

Dieses Jahr ist das anders, weil auch im August jeden Tag wieder, ein Irrer jemandem den Kopf abschneiden oder unschuldige Kinder im Namen seines armseligen Egos niedermähen kann.

Gut ist dabei nur, dass die Börse da ganz gelassen ist. Die interessiert sich nur für wirtschaftliche Folgen. Wenn eine ganze Gesellschaft destabilisiert wird, dann interessiert sie sich dafür. Was dann passiert, könnte man zum Beispiel am türkischen Aktienmarkt sehen, je nachdem wie da die Entwicklung weiter geht.

Wenn aber wieder ein armer Tropf sich selbst und seine abartigen Moralvorstellungen in die Luft sprengen will, dann zuckt die Börse die Schultern und das ist genau gut so.

So wird der August börsentechnisch immer noch das Potential haben, der ruhigste Monat des Jahre zu sein, wenn - ja wenn - da nicht der Leitindex S&P500 massiv überkauft und korrekturanfällig wäre.

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Diamantenfieber oder das Geheimnis des Marktes

Am 17.06.16 - also vor einem guten Monat - habe ich vor dem Brexit, für die Mitglieder im Premium-Bereich den folgenden Artikel unter dem Titel "Diamantenfieber" geschrieben.

Nun werden Sie sich denken: "Warum soll ich denn einen über einen Monat alten Artikel lesen? Nichts ist so alt, wie eine alte Zeitung!"

Sie müssen natürlich gar nichts, Sie sind ja freiwillig hier. Sie dürfen nun also gerne wieder wegklicken.

Ich kann Ihnen nur sagen, es hat natürlich einen Grund, warum Sie den alten Artikel lesen sollten. Denn es vermittelt eine wichtige Wahrheit zum Markt.

Die Wahrheit, dass man keine wilden Spekulationen und Prognosen braucht, um am Markt erfolgreich zu sein und auch kein Herumraten, ob der Brexit oder irgend ein anderes Ereignis, nun so oder so ausgehen wird.

All diese -> Prognosiritis < -, verstellt uns nur den Blick auf das Wesentliche.

Denn das Wesentliche findet in den Märkten jeden Tag vor unserer Nase im "Hier und Jetzt" statt. Alleine das genau zu beobachten und aus dem Marktverhalten rationale Schlüsse zu ziehen, verschafft uns mehr Vorteil, als drei wilde Prognosen oder Spekulationen gleichzeitig.

Und wenn Sie den folgenden Artikel von vor dem Brexit lesen, werden Sie verstehen was ich meine:

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Euroland und das Maul des Schreckens

Viele normale Anleger sehen die Börsenwelt ja nur aus dem Blickwinkel ihres Heimatmarktes und wer da in 2016 den DAX erlebt, muss ja glauben, dass die Weltmärkte 2016 ein einziges Jammertal sind und der Brexit ganz schreckliche Folgen hat.

Stimmt aber nicht - beides nicht. Zumindest nicht für die Weltmärkte, wohl aber für Euroland und die Aktienindizes in Euroland, wie den DAX oder den Eurostoxx50.

Wie grauselig das Bild wirklich ist, erkennen wir, wenn wir in das sich seit Anfang 2016 öffnende Maul des Schreckens schauen:

SPY-DAX 06.07.16

Da ist er, der gruselig schwache DAX in Landeswährung im Vergleich zum weltweiten Leitindex S&P500, dem breiten Index der US Märkte. Anfang 2016 waren beide noch nebeneinander, nun hat sich das Maul des Schreckens weit geöffnet.

Nun könnte ja jemand auf den Gedanken kommen, das läge ja nur an einzelnen "Gurken-Aktien", von denen sich mit Versorgern, Autobauern und Banken ganz besonders viele im DAX tummeln.

Stimmt aber nicht, schauen wir mal auf den breiter gefassten Eurostoxx50:

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Ob nach dem Brexit das englisch Runde in das französisch Eckige geht?

Der Brexit hat die Märkte auf dem falschen Fuss erwischt, denn noch am Donnerstag Abend um 23 Uhr hatte in Anbetracht von Umfragen und Buchermacherwerten, niemand mehr ernsthaft mit dem Brexit gerechnet.

Wenn Sie sich aber beispielsweise mal den Wochensaldo des DAX letzte Woche anschauen, der sich nur um 74 Punkte von 9.631 auf 9.577 herab bewegt hat, sehen Sie schnell, dass wir trotz der 10% Minus am Freitag gar keinen Crash hatten, es wurden einfach nur die Gewinne von Montag bis Donnerstag mit einem Schlag wieder abgebaut, weil diese auf einer falschen Annahme (dem "Remain") fussten.

Summa Summarum, war das Marktverhalten am Freitag aber recht kontrolliert, sehr volatil zwar, aber ohne echte Panik. Auch die Finanzsysteme haben Stand gehalten und Banken, die trotz dieses lange planbaren Events ihre EDV trotzdem nicht im Griff hatten, sollte man konsequenterweise mit Abzug von Kapital strafen. Denn Schönwetterbanken braucht niemand.

Womit sich nun die Frage für Anleger stellt, wie es nun weiter geht.

Denn entscheidenden Punkt dafür, hatte ich schon vor einer guten Woche unter Punkt (5) des Artikels -> Brexit für Dummies < - geschrieben:

Fünftens, ob der "Brexit" oder das "Remain", dann Europa schwächen oder stärken wird, ob es Grossbritannien zu einem abgehängten, irrelevanten Wurmfortsatz Europas, oder gerade erst zu einem höchst erfolgreichen Wirtschaftsstandort macht, diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und hängt weniger von der Entscheidung selber, als davon ab, wie die Details danach gestaltet und verhandelt werden.

Der schlichte Narrativ, der nun vom "Remain"-Lager in Europa verbreitet wird, ist ja, dass die Briten nun das grössere Problem als die EU haben und sich "störrische, ungebildete Alte" in England, sozusagen selber in den Fuss geschossen haben.

Für bestimmte Denkschulen, ist die Welt ja immer simpel. Wenn man nicht ihrer Meinung ist, ist man wahlweise rechtsextrem, ungebildet, in der Vergangenheit lebend, fremdenfeindlich oder einfach nur blöd. Es lebt sich einfach gut, wenn die Welt so fein in Gut und Böse geteilt ist und man so immer nur bei den "Guten" ist.

Unsere Geldanlagen, sollten wir aber auf keinen Fall nach so einem dürftigen Narrativ richten, oder haben Sie den Eindruck, dass die Leute die dabei am Lautesten rufen, besonders erfolgreich an der Börse sind? 😉

Wahr ist, was ich oben schon geschrieben habe: Diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und hängt weniger vom Brexit selber, als davon ab, wie die Details danach gestaltet und verhandelt werden.

Und dabei beschleicht mich ein Verdacht. Der Verdacht, dass die EU nun das viel grössere Problem hat.

Denn das grösste Problem der Märkte ist nun Unsicherheit. Wo wird denn nun die Unsicherheit grösser sein?

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Es sind die Erwartungen, Dummkopf!

Erfahrene Marktteilnehmer werden nun nichts Neues lesen. Und trotzdem, sobald man den sehr kleinen Kreis der Marktkenner verlässt, stösst man bei der Frage, was die Märkte bewegt, auf breitestes Unverständnis, bis in die "Tagesschau" und die hohe Politik hinein.

Theoretisch Dinge zu erklären, ist ja schön und gut. Aber es tatsächlich zu erleben, hat eine ganz andere Qualität. Und deshalb will ich heute in Anlehnung an Bill Clintons "It´s the economy stupid" laut und deutlich zum Markt sagen: "Es sind die Erwartungen, Dummkopf"

Es sind wirklich einzig und alleine *nur* die (Zukunfts-)Erwartungen, die die Märkte bewegen. Nichts sonst. Nicht die Ereignisse selber, wie über 90% der Menschen glauben und deswegen den Markt immer für ein Buch mit sieben Siegeln halten.

Sicher haben die Ereignisse Bedeutung für die Kurse, aber eben *nur* über den Transmissionsriemen der Erwartungen. Nur wenn Ereignisse die Erwartungen verändern, wirken sie sich auch auf die Kurse aus. Nur dann! Ein Ereignis, das schon erwartet wurde, bedeutet dagegen nur ein grosses Gähnen!

Das hört sich vielleicht wieder theoretisch an, aber heute ist es ganz praktisch vor unseren Augen. Gerade läuft das "Brexit"-Referendum in Grossbritannien. Ergebnis werden frühestens in der Nacht auf Freitag zu vermelden sein, endgültige wohl erst zum morgigen Frühstück.

"Eigentlich" sollte der Markt nun also gespannt abwarten. Und was tut er? Im britischen Pfund zum Dollar gerade langfristig das:

GBPUSD 23.06.16 2

Und der DAX war heute schon bei 10.300 und im Rally-Modus mit mehr als 2% Plus, wie andere europäischen Märkte auch.

Was ist passiert? Ganz einfach, durch Umfragen und Buchmacherwerte, haben sich die Erwartungen des Marktes angepasst. Der Markt hat einen Brexit nun fast völlig ausgepreist.

Was umgedreht aber auch heisst, wenn der Brexit doch noch kommt, bekommen wir am morgigen Freitag einen Crash-Tag, denn darauf ist der Markt nun überhaupt nicht mehr vorbereitet.

Der Markt als perfekter Zukunftsradar, braucht aber die reale Abstimmung nicht mehr. Er schaut in die Zukunft und glaubt schon sicher zu wissen, wie die Briten heute abstimmen werden. Und fast immer hat der Markt recht, wenn er sich so eindeutig festlegt wie heute.

Und wenn er mal - ganz selten - nicht recht hat, dann wird es richtig übel. Der Markt sagt heute aber voller Überzeugung: Die ganze Aufregung, die Medien und Politik nun zum Brexit veranstalten, ist Bullshit. Das Ergebnis steht schon fest.

Es sind eben die Erwartungen - und nur die Erwartungen - die den Markt bewegen. Die echte Ergebnisse Morgen? Bah - kalter Kaffee - uninteressant. Ausser, ja ausser, es verändert wieder die Erwartungen, weil es eine böse Überraschung beinhaltet.

So funktioniert er, unser Mr. Market. Heute und hier bekommen wir es auf offener Bühne vorgeführt, man muss es nur sehen können.

Ihr Hari

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