Der Crash kommt! Oder doch nicht? Und was ist eigentlich eine „Wall of Worry“?

Betrachten wir doch mal "fundamental" und "objektiv" die Welt- und Marktlage:

  • Die Krise in der Ukraine ist kein bisschen gelöst. Check!
  • Der IS ist kein bisschen besiegt. Check!
  • Im chinesischen Meer kann jederzeit ein offener Konflikt auftreten. Check!
  • Früher oder später werden Atomwaffen in den Händen von Selbstmordattentätern sein. Check!
  • Wenn man der Hydra des Terrorismus einen Kopf abschlägt, wachsen sofort drei Neue nach. Check!
  • Der Westen hat seinen inneren Kompass verloren und verliert sich und die Werte der Freiheit, in kulturellem Relativismus. Check!
  • Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und wird zwangsläufig scheitern. Check!
  • Das Brüsseler Europa der Beliebigkeit und des Konsens um jeden Preis, hat sich überdehnt und scheitert gerade. Check!
  • Amerika hat sich als unfähig heraus gestellt, mit seiner Dominanz die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Check!
  • Deutschlands Wohlstand ist auf Sand gebaut, die Altersarmut weiter Bevölkerungsteile kommt. Check!
  • Die Notenbanken der Welt überheben sich gerade. Check!
  • Der "Race to the Bottom" der Währungen wird nicht gut ausgehen. Check!
  • Das Finanzsystem ist kein bisschen stabiler als 2008, die Beteiligten haben nichts oder zu wenig gelernt. Check!
  • Die aktuellen Verzerrungen der Preisfindung an den Märkten, basieren primär auf zu starken dirigistischen Eingriffen von Staaten und Notenbanken im Sinne "Planwirtschaft Light". Check!
  • Mit dem nächsten Finanzcrash, wird nicht nur von Radikalen das Gesellschaftssystem in Frage gestellt werden. Check!
  • Und an allem wird für die medialen Lautsprecher sowieso nur "der Kapitalismus" schuld sein - was immer das ist. Check! 😉
  • Die Märkte sind zu schnell zu weit gelaufen und für eine Korrektur überreif. Check!
  • Die Anleihenmärkte befinden sich in einer gigantischen, von den Notenbanken und Staaten aufgepumpten Blase. Check!
  • Die US Märkte sind voller negativer Divergenzen auf den unterschiedlichsten Ebenen. Check!
  • Ein langfristiges Top im S&P500 ist denkbar und nicht mal unwahrscheinlich. Check!
  • Wenn dieser Markt abwärts zu rollen beginnt, wird es sehr schnell, sehr übel werden, weil der Margin Call sich durch das System frisst. Check!
  • Die Dominanz der trendfolgenden Algorithmen, wird den nächsten Crash noch schneller, tiefer und brutaler machen, als alle vorher. Check!

Habe ich etwas vergessen? Bestimmt! Da fällt Ihnen doch mit Sicherheit noch ein wichtiger Punkt ein. Oder?

Ach ja, ich habe noch Einen mit einem Augenzwinkern: 😉

  • Gold ist neben einem Bunker, einem Colt und einem Rübenbeet, die einzige Rettung in der kommenden Katastrophe. Check? LOL!

Moment, ich habe noch Einen, dieses Mal Kategorie "Kalauer":

  • Auf -> Zero Hedge <- steht immer nur die reine Wahrheit und es wird alles genau so kommen, wie da gesagt wird. Check? LOL!

So, das sollte genügen. Und da die Lage so erfrischend und erfreulich ist, wie sie ist, schauen wir nun auf den DAX im langfristigen Bild, der dieser traurigen Lage sicher Rechnung tragen wird, denn der Markt hat ja immer Recht:

DAX 05.08.15 Long

Uppps! Das sieht ja ziemlich bullisch aus! Ja spinnen die denn alle, die Römer? Ähhh die Börsianer?

Hari hier - mit einer Erklärung:

Nein, die spinnen nicht alle. Denn "die Börsianer", das sind nicht unbekannte "Idioten", sondern das sind Sie - ja Sie! - und ich und tausende andere, ziemlich kluge, vernunftbegabte und kompetente Marktteilnehmer. Und die wissen das alles, was ich oben geschrieben habe.

Die kennen die obige Liste ganz genau und können selber noch ein paar Punkte hinzu fügen, an die ich nun auf die Schnelle nicht gedacht habe. Und trotzdem haben diese Marktteilnehmer - wir - beim DAX genau diesen Kursverlauf erzeugt.

Was sagt uns das?

Das ist die alles entscheidende Frage, wenn man an der Börse Geld verdienen will. Denn am permanenten Crash-Gerede verdienen nur die, die ihnen dafür ihre Bücher oder Börsenbriefe verkaufen. Klar irgendwann werden auch die Crash-Propheten mal Recht haben, das liegt in der Natur der Sache. Nur wann, das ist die Frage, die über Gewinn oder Verlust entscheidet!

Wenn Sie die Antwort auf obige Frage nicht kennen, sollten Sie diese unbedingt kennen lernen. Denn genau so eine Liste der Sorgen, zeichnet eine "Wall of Worry" - eine "Mauer der Sorgen" oder auch "Wand der Angst" aus.

Und wissen Sie auch, was Märkte gewöhnlich an so einer Wall of Worry machen? Sie steigen. 😉

Und wissen Sie auch, wann sie nicht mehr steigen können? Wenn es diese Ängste nicht mehr gibt und alle Zeichen auf Grün stehen.

Ich wollte das nur mal gesagt haben, Parallelitäten zur Aktualität sind natürlich rein zufällig. 😉

Und keine Frage, auch ich mache mir diese Sorgen, siehe auch -> Mr. Gnadenlos und das wahre Risiko <-, oder endlose Artikel zum Desaster des fehl konstruierten Euros. Es ist ja nicht so, dass ich die meisten Punkte oben nicht auch genau so sehen würde.

Aber wir sollten eben nicht den "Crash" schon handeln wollen, wenn in der Price-Action noch keiner zu sehen ist. Und nicht in die Honigfallen derer gehen, die mit der Angst vor dem Crash ihr Geld verdienen. Denn was wir derzeit in den Indizes sehen, ist bestenfalls eine Seitwärtskonsolidierung mit offenem Ausgang. Was daraus wird, ist noch offen.

Ja, das kann durchaus ein bedeutendes Top werden, was wir da gerade im S&P500 sehen. Muss es das? Nein, es ist nur eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit, gegen die man sich absichert, auf die man aber nicht blind wettet.

Wir sollten immer für alle Möglichkeiten offen sein. Und wir sollten erst handeln, wenn es etwas zu handeln gibt. Denn als kluge Marktteilnehmer handeln wir, was wir tatsächlich sehen und nicht, was wir zu sehen erhoffen oder befürchten.

Und wissen Sie was? Ich könnte eine ebenso lange und eindrucksvolle Liste zu den Dingen machen, die in der Welt besser geworden sind und zur Hoffnung Anlass geben. Den Unterschied macht die Perspektive - und die Erwartung.

Und um Ihnen endgültig den "Gnadenschuss" zu geben: Seien Sie mal ehrlich, hat diese Liste von oben, vor vier Jahren im Jahr 2011 so viel anders ausgesehen? Da war der DAX kurz unter 5.000, wie sie dem Chart oben leicht entnehmen. 😉

Was sagt uns das nun?

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Turnaround Tuesday – das neue Muster für den S&P500?

Seit über einem Jahr nun, ist der Dienstag der statistisch erfolgreichste Börsentag der Woche an den US Märkten. Und viele aufmerksame Marktbeobachter, sind schon auf dieses markante Muster aufmerksam geworden und haben dem Tag den treffenden Titel "Turnaround Tuesday" verpasst.

Wer die -> Reflexivität <- der Märkte wirklich begriffen hat, dem ist klar, dass solche Muster erst einmal stärker, stabiler und profitabler werden, bis sie dann irgend wann unter dem eigenen Erfolg und Gewicht krachend scheitern müssen und Geschichte sind.

Das liegt eben an dem Herdenverhalten der anderen Marktteilnehmer. Am Anfang werden immer mehr Marktteilnehmer auf das Muster aufmerksam und spielen es. Und es wird dadurch durch das Handeln der Marktteilnehmer im Sinne einer "selbsterfüllenden Prophezeihung" immer zuverlässiger und profitabler. Was wiederum noch mehr auf das Muster aufmerksam macht. Diese Phasen, haben wir im Premium-Bereich beim Turnaround Tuesday alle durchlebt und er hat uns in den letzten Monaten gute Dienste geleistet, so auch letzten Dienstag, mit einem perfekten, profitablen Ablauf.

Und heute ist wieder Dienstag und der US Markt hat sich diesen Trade wieder mit Macht zurecht gelegt. Wir hatten gestern wieder diese so typische Stärke der letzten halben Stunde am Ende des schwachen Handelstages:

S&P500 04.08.15

Und wir hatten gestern im "Moneyflow" deutliche Signale, dass das grosse Geld gestern in den letzten Minuten massiv akkumuliert hat.

Der typische Ablauf wäre nun, dass es am Anfang nach Handelsstart der US Börsen ab 15:30 Uhr noch leichte Schwäche gibt, denn in der ersten Handelsstunde agieren in DAX wie S&P500 typischerweise die von Emotionen getriebenen Anleger, die am Vortag zu spät gekommen sind und daher noch die Bewegung des Vortages nachvollziehen.

Diese Anlegerkreis wird im amerikanischen leicht bösartig "Dumb Money" gennant, während die Bewegung der letzten 30 Minuten eher vom "Smart Money" kommt, das sich schon für die absehbare Entwicklung des Folgetages zu positionieren versucht. Und wenn das "Dumb Money" seine Käufe oder Verkäufe erledigt hat, kann ca. 1 Stunde nach Handelsstart, an der Wallstreet also ab ca. 16:30 Uhr MEZ, das grosse Geld zur wahren Richtung des Tages antreten.

So war es ganz oft in den letzten Monaten, nicht immer, aber sehr oft. Letztes Dienstag sah das so aus:

S&P500 04.08. nachtr

Und heute haben wir wieder das analoge Setup zum letzten Dienstag. Die Chancen sind gut, dass der US Markt auch heute einen starken Tag hinlegt. Es lohnt sich bei so Mustern oft, einfach auf die Wiederholung zu setzen, auch das ist eine Form von Trendfolge.

Aber nur so lange, bis das Muster irgend wann zu bekannt ist und dann wegen der Reflexivität zwangsläufig scheitern muss. Denn wenn alle das Gleiche erwarten, kann genau das zwangsläufig am Markt nicht mehr eintreten, weil die Gegenpartei fehlt.

Insofern ist die Tatsache, dass ich dieses Muster des "Turnaround Tuesdays" hier nun im freien Bereich thematisiere eher Indiz, dass es langsam zu offensichtlich wird und ein Scheitern nicht mehr so lange auf sich warten lassen dürfte. Gut verdienen konnte man an dem Muster in den vergangenen Monaten aber allemal, das war aber dem Premium-Bereich vorbehalten.

Ich bin gespannt, wie das heute ausgeht. Der Trade, den sich der US Markt heute zurecht gelegt hat, ist auf jeden Fall offensichtlich für alle, die Augen für den Markt haben: Turnaround Tuesday!

Und es lohnt sich wahrscheinlich immer noch, auf eine erneute Wiederholung zu setzen - bis es sich irgendwann auf katastrophale Art und Weise nicht mehr lohnt. So ist er nun einmal, der fiese, reflexive Mr. Market. 😉

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Apple und die US Indizes an der Klippe

Vor einer guten Woche, hatte ich im Artikel -> Mr. Gnadenlos und das wahre Risiko <- schon darauf hingewiesen, dass die mittelfristigen Risiken in den US Indizes und im Speziellen im Leitindex S&P500 steigen.

Nun hatten wir gestern sogar noch ein fieses "Reversal des Reversals", denn der Dienstag brachte im Sinne "Turnaround Tuesday" eigentlich alle Parameter eines beginnenden Rebounds, wurde aber am gestrigen Mittwoch unter dem Druck von Grexit, China und einer über Stunden geschlossenen New York Stock Exchange, vollständig wieder abgegeben.

Die Price-Action im S&P500 wird daher immer fragwürdiger, das Chart zeigt deutlich, wie riskant die Lage nun ist:

S&P500 09.07.15 3

Wer jetzt also nur auf Griechenland starrt und eine Auflösung des Dramas für Käufe nutzen will, könnte damit auf mittelfristige Sicht deutlich zu kurz springen. Denn damit befindet man sich im massiven Konsens im deutschen Markt, alle warten darauf, den Grexit dann wieder als Kaufgelegenheit nutzen zu wollen. Und was alle erwarten, kann am Markt nur schwer eintreffen.

Ein denkbares und für den fiesen Mr. Market sehr typisches Szenario, wäre daher eine kurze Erleichterungsrally im DAX, die dann aber schnell von den wichtigeren Problemen im Rest der Welt aufgefressen wird. Stellen Sie sich nur mal vor, in China würde der Absturz weiter gehen und das Vertrauen der Bevölkerung erschüttern. Unsere Autobauer würden es wohl in den Absatzzahlen als Erste merken und der DAX in Folge auch.

Und mit den hektischen, dirigistischen Maßnahmen zur "Stützung" des Marktes, machen die chinesischen - nur dem Namen nach noch "kommunistischen" - Kader alles nur schlimmer, weil sie das Vertrauen untergraben und sich dem Risiko aussetzen, die eigene Machtlosigkeit deutlich zu machen. Und wenn Vertrauen bricht, dann geht es schnell und massiv nach unten. Eine Herde von Marktteilnehmern, die von Panik in eine Abwärts-Stampede getrieben wird, hält wirklich in ihrem Lauf, "weder Ochs noch Esel auf". Das müssen die Chinesen wohl noch lernen - Vertrauen ist das Zauberwort, nicht operative Hektik!

Deshalb ist es für uns nun so wichtig, auf die US Indizes zu schauen, denn wenn die nun zur ersten harten Korrektur seit über drei Jahren ansetzen sollten, wird sich der DAX dem nicht entziehen können!

Kurzfristig ist das Sentiment in den US nun aber so sauer geworden, dass eine positive Gegenbewegung in den nächsten Tagen, vielleicht auch im Zuge einer Auflösung des griechischen Dramas, ganz gute Chancen hat. Was danach kommt ist die Frage und da sieht die Marktmechanik im mittelfristigen Blick wirklich nicht mehr gut aus.

Will man den Zustand eines Marktes einschätzen, lohnt es sich dabei auch, einen Blick auf die führenden Aktien und deren Strukturen zu werfen und wer wäre da besser geeignet, als *der* Bluechip schlechthin: Apple.

Wir sehen im Chart schnell, dass bis zum 28.04. (dem blauen Pfeil) alles nach einer positiven Fortsetzung des Aufwärtstrends wie aus dem Lehrbuch aussah. Das böse Reversal am 28.04., hat dann aber alles verändert und seit dem ist der Wurm drin:

AAPL 09.07.15

Wir sehen auch, dass Apple nun im wahrsten Sinne des Wortes "an der Klippe" steht und die nun deutlich sichtbare Divergenz im On-Balance-Volumen, macht keine guten Gefühle. Eine diffuse Nachrichtenlage mit negativen Nachrichten zur Apple Watch, macht die Lage nicht einfacher. Diese Nachrichten sind nicht wegen der absoluten Zahlen bedeutend, dafür ist der Umsatz der Apple Watch zu gering. Sie haben aber Bedeutung, weil sie am Nimbus der Unbesiegbarkeit von Apple kratzen.

Trotzdem gehe ich auch bei Apple eher davon aus, dass wir hier nicht direkt durchfallen, sondern es nun kurzfristig erst einmal eher nach oben geht. Danach wird es aber wirklich riskant und wenn eine solche Gegenbewegung wieder verkauft werden sollte, muss man bei Apple, wie bei den US Indizes, von einer echten Korrektur ausgehen, die dann auch am DAX nicht vorüber gehen wird.

Fazit:

Die mittelfristige Lage in den US Indizes sieht zunehmend wackelig aus. Noch ist nichts entschieden und auch eine erneute Auflösung nach oben ist denkbar. Wir dürfen durch das griechische Gezappel aber auf keinen Fall blind für diese Entwicklungen werden, denn die sind für DAX und Co. am Ende wichtiger als die Frage, auf welche Art und Weise nun weitere Steuermilliarden in Griechenland verbrannt werden. Denn dass es dazu kommt, ist völlig klar. Die Frage ist nur, ob für ein Programm, das sowieso nicht eingehalten wird oder für humanitäre Rettungsmassnahmen, die von Teilen der Gesellschaft gar nicht gewollt werden, weil man ja "so stolz" ist.

Wir dagegen sollten als rationale und professionell agierende Marktteilnehmer "stolz" sein, wenn wir diese schwierige Marktphase weiter unbeschadet überstehen, denn die ist nicht ohne und voller versteckter Risiken. Wer dabei Hilfe braucht, sollte sich der Mr-Market Community anschliessen.

Ihr Hari

PS: Übrigens, wir haben einen weiteren Kolumnisten an Bord, schauen Sie -> hier <-. "Nun sind wir fünf!" kann ich also dankbar im Stile von "Chris", dem Anführer der -> glorreichen Sieben <- sagen. 😉

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

S&P500: Mr. Gnadenlos und das wahre Risiko!

Aus aktuellem Anlass erscheint der erste Beitrag in Hari Live von heute Dienstag 30.06.15 08:25 zeitgleich auch im freien Bereich

Mr. Market ist einfach gnadenlos. Da beschäftigt er unsere Aufmerksamkeit rund um die Uhr mit Griechenland, diesem kleinen und im globalen Masstab unbedeutenden Land, das sich seit Monaten selber zum Nabel der Welt macht und der Eurozone immer wieder seine Agenda aufzwingt.

Wir diskutieren Grexits rauf und runter, sehen gestern, wie der Markt wie von uns erwartet den Einschlag des potentiellen Grexits gut verdaut, haben gestern im Rebound sogar Gewinne gemacht und dann, wenn man Griechenland aus Börsensicht langsam abhaken kann passiert was?

Die US Märkte kippen vielleicht weg!

Sie wissen, wie skeptisch ich zu den US Märkten seit Jahresanfang bin, immer und immer wieder habe ich das in Hari Live geschrieben. Aber bisher konnten diese der Gravitation immer Stand halten.

Und nun, genau am Tag, an dem sich die europäischen Märkte in Sachen Griechenland fangen, scheint es auf der anderen Seite des Atlantiks möglicherweise "Knacks" auf dem dünnen Eis zu machen! So ist er halt, der Mr. Market oder besser Mr. Gnadenlos!

Und im Gegensatz zur nächsten Volte des Herrn Tsipras, ist das was nun in den US Indizes passiert, mal wirklich wichtig für unsere Depots. Denn das kann auch dem DAX nun den entscheidenden Schlag versetzen, jetzt wo er sowieso angeschlagen ist und um einen Boden bei 10.800 im DAX ringt!

Schauen Sie mit mir mal auf den S&P500. Sie sehen die alten Range in Schwarz, die wir so oft besprochen haben und nun eine neue Struktur in Blau: Autsch!

S&P500 29.06.15

Wir erleben also vielleicht mal wieder die alte Börsenweisheit, dass die Risiken dort am Grössten sind, wo niemand mehr hin schaut. Lassen wir uns also nicht von Tsipras und Co. den Blick auf den Rest der Welt verkleistern, wir geben diesen Radikalen damit mehr Aufmerksamkeit, als sie verdient haben.

Es wird jetzt heute sehr wichtig sein, dass die 200-Tage-Linie hält. Die Chancen dafür sind nicht schlecht, wir hatten gestern wieder einen grossen "Buying on Weakness" im Moneyflow des SPY. Ein sofortiger Rebound hat also immer noch gute Chancen und es lohnt sich wohl immer noch, auf die Fortdauer der Seitwärtsbewegung zu setzen. Ich gehe heute auf jeden Fall von einem Rebound aus, auch im S&P500. Was danach kommt, ist das wahre Risko.

Aber zum ersten Mal seit Monaten, ist diese Seitwärtsbewegung nun ernsthaft in Gefahr und das alleine sollte uns nun aufrecht sitzen und aufmerksam hinschauen lassen!

Denn kommt der Rebound heute nicht, nach dem es für mich aussieht und/oder fällt der S&P500 nach einem Rebound doch durch, kommt dann eine echte Topbildung auf die Agenda, die ich ja schon mehrfach thematisiert habe.

Achten Sie mal darauf, wo im langfristigen Chart mit Wochenkerzen nun die Trendlinie hoch kommt, die die Tiefs von Oktober 2011 und Oktober 2014 verbindet:

S&P500 29.06.15 2

Nein, durch diese Trendlinie im Wochenchart, sollte der S&P500 besser nicht durchfallen, die Implikationen wären unschön und das ist noch eine positive Formulierung!

Und falls der Leitindex S&P500 in eine grosse Topbildung gehen sollte, heisst das zumindest "Gelber Alarm" für alle anderen Märkte, wenn nicht je nach Verlauf sogar gleich "Roten Alarm". Denn davon kann sich dann kein anderer Index so richtig abkoppeln, der DAX schon gar nicht!

Glauben Sie mir, ich wünschte wirklich, dass wir nun Griechenland hinter uns lassen und dann mal über den Sommer innerlich durchschnaufen können. Wir hatten wirklich genug Aufregung im ersten Halbjahr 2015.

Und wir haben diese Korrektur im DAX seit April ja hier bei Mr-Market hervorragend durchgestanden, weil wir sie eben antizipiert haben. Und wir haben auch viele der Pirouetten des Marktes gut getroffen. Aber all das kostet Kraft und Nerven.

Seit dem gestrigen Abend, ist sommerliche Börsen-Ruhe aber leider zweifelhaft geworden. Und das nicht wegen Griechenland, sondern wegen des viel grösseren Risikos:

Der seit 3 Jahren überfälligen, deutlichen Korrektur in den US Indizes!

Insofern können die Bullen nur hoffen, dass der Markt heute doch wieder einen seiner bewährten "Turnaround Tuesdays" zusammen bekommt. Wenn nicht, wird es wohl richtig riskant. Und das ganz ohne Tsipras.

Und selbst wenn der Turnaround Tuesday kommt, bleibt die wichtige Frage, was kommt in den US Indizes danach? Nur ein neues Hoch könnte diese Sorgen verscheuchen, danach sieht es aber wirklich nicht aus.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Verfrühstückt – Die Marktlage des DAX im griechischen Chaos

In Anbetracht der starken Volatilität im Markt und der bedeutenden Entwicklungen, gibt es die tägliche, morgendliche Marktlage, die um 08:20 Uhr im Premium-Bereich erschienen ist, heute ausnahmsweise nur wenig später auch mal im freien Bereich.

Guten Morgen!

Der Berg kreiste und gebar die erwartete Maus. Aber der Markt hat klar sein Urteil gefällt und hakt das Thema Griechenland ab. Die DAX Futures stehen vor Handelsstart bei knapp unter 11.600!

Sie sehen nun, warum ich letzten Mittwoch klar gesagt habe, dass jeder nun eine Entscheidung treffen muss. Denn zum Einstieg wird nicht geklingelt und wenn man darauf wartet, bis "alles klar" ist, liegt der wesentliche Teil der Bewegung schon hinter einem.

Dass es bei einer positiven Auflösung so massiv nach oben gehen würde, hat uns der Markt auch schon im Vorfeld gezeigt und ist keineswegs überraschend. Erinnern Sie sich an den Hoffnungs-Schub vom 10.06.? Der gab klare Indikation, was in dem Markt steckt und ich habe das mehrfach entsprechend kommentiert.

Ist damit nun das "all clear" Signal für zögerliche Anleger da? Leider Nein.

Denn der Markt funktioniert eben anders und vor allem schneller, als unsere zögernden Hirne. Die grössten Chancen sind dann, wenn die grösste Unsicherheit herrscht. Wenn aber alles klar erscheint, ist das auch in den Kursen und schon verfrühstückt.

Ich habe Ihnen Mittwoch letzte Woche in deutlichen Worten geschrieben, dass nun der beste Zeitpunkt seit April ist, sich im Markt zu exponieren. Das war auf den Punkt. Und was ist nun? Leider ist nun, bei DAX 11.600 *nicht* mehr der optimale Punkt um sich im Markt zu exponieren.

Aber auch nicht der Schlechteste, wir haben nun einfach eine Grauzone, in der der Markt durch Griechenland hindurch schaut und sich neu positionieren wird.

Denn ich denke, dass der DAX mit den 800 Punkten, die er von grob 10.800 auf nun 11.600 hoch gelaufen ist, die Erleichterungs-Rally aus der Griechenlandsaga weitgehend verfrühstückt hat. Das zumal hier nun die Abwärtstrendlinie herunter kommt.

Es ist auch klar, wenn wir uns das grosse Bild deutlich machen. Der DAX hat ja nicht nur wegen Griechenland korrigiert, sondern auch, weil er schlicht überhitzt war. 11.600 ist ein sinnvolles Konsolidierungsniveau auch ohne das griechische Desaster.

Ich erinnere an meinen Artikel von Ende April -> Sell in May und der Supervulkan <-, in dem auch ohne griechische Pirouetten von einer Konsolidierung bis ca. 11.000 über den Sommer ausgegangen wurde.

Und wenn wir uns mal gedanklich vom griechischen Gezappel lösen und uns wieder das grössere Chartbild des DAX anschauen, das wir hier so oft vor Augen hatten, dann ist doch bisher im Rahmen einer Korrektur im bullischen Aufwärtstrend alles in Perfektion gelaufen.

Wir hatten eine 1-2-3 Korrektur bis zum 200er EMA und zum 38er Fibo Retracement, haben genau in der 10.600-11.000 Zone gedreht und genau das gemacht, was ich schon vor Monaten sagte: Unter 11.000 hat der DAX wohl mittelfristige Kaufkurse:

DAX 23.06.15

Im Nachhinein wird man sich fragen, warum man bei dieser klaren Struktur nicht zugegriffen hat. Denn klarer wird es nie sein, als es hier war. Gäbe es in diesen Momenten keine Unsicherheit, wären die Kurse nicht unten, sondern oben.

Wie geht es also von hier weiter?

Ganz ehrlich, das ist für mich auf der kurzfristigen Zeitebene im Moment ganz schwer zu sagen. Und genau so klar, wie ich den Zeitpunkt der Chance letzte Woche benennen konnte, genau so unklar, ist nun von hier ausgehend die kurzfristige Entwicklung für mich.

Auch im S&P500 bin ich übrigens keineswegs überzeugt, dass der jetzt wirklich nach oben weggeht. Das kann zwar sein, aber ganz ehrlich, eher rechne ich mit einem weiteren Rückfall in die Range und einer Fortdauer der indifferenten, leicht steigenden Seitwärtsbewegung.

Das für mich wahrscheinlichste Szenario ist eine Rückkehr des 1. Quartals. Sprich die europäischen Märkte steigen weiter und die US Indizes kommen nicht vom Fleck. Aber das muss sich erst noch zeigen, wir sollten abwarten, was der Markt daraus macht, wenn er nun durch Griechenland hindurch in die Zukunft zu schauen beginnt.

Fazit in kurzen klaren Worten:

1. Die Rebound-Chancen, die sich aus einer Auflösung des griechischen Debakels ergeben, liegen nicht vor uns, sondern bei DAX 11.600 weitgehend hinter uns. Wer diese Bewegung nun nicht mitgenommen hat, braucht nicht mehr auf sie zu warten.

2. Der S&P500 muss erst einmal beweisen, dass er wirklich nach oben weg kann. Zweifel sind erlaubt.

3. Das politische Risiko, dass doch noch ein Grexit kommt, ist aus Sicht des Marktes nun minimal und ich glaube er hat damit Recht. Sollte dieser Fall aber trotzdem eintreten, gäbe es ein Schlachtfest am Markt, denn nun ist der Markt ungeschützt, Hedges wurden aufgelöst.

4. In den europäischen Märkten kommt es nun sehr auch auf den Euro an. Wenn der wieder fällt und Goldman Sachs hat dafür heute punktgenau an der Wegscheide -> eine Studie in den Markt geknallt <-, dann kehrt im 3. Quartal die Welt des ersten Quartals zurück, mit ihren stark steigenden Kursen in Europa und dem fallenden Euro.

Das für DAX und Co. kurzfristig bullischte Szenario - die Rückkehr des 1. Quartals - tritt also absurderweise genau dann ein, wenn die Eurozone zwar den Grexit verhindert, aber ansonsten weiter herum irrt, herum eiert und noch mehr gutes Geld dem schon verlorenen schlechten hinterher wirft.

Also alles, was mir persönlich als politisch und ordnungspolitisch denkender Mensch den Bauch umdreht und übel aufstösst, wird den Euro drücken und eine Rally befeuern. Und nach dieser Variante sieht es ja wirklich aus.

Jegliche Form von klarem Schnitt aber, egal ob ein echter Grexit oder ein Griechenland in der Eurozone, dass nun endlich mit klaren, harten Massnahmen beginnt, wird den Euro eher stärken. Und damit eine massive Rally in DAX und Co. schwierig machen.

So sehe ich heute früh die Welt. Das "leichte Geld" wurde gemacht, nun blickt der Markt nach vorne und was er sieht ist indifferent. Nach einer Phase der Orientierung, sind aber weiter steigende Kurse in Europa das wahrscheinlichste Szenario.

Denn wie schon im Artikel Ende April gesagt, rechne ich weiter eher mit neuen Höchstständen in Europa zum Jahresende, als mit dem Gegenteil und einbrechenden Kursen. Don´t fight the EZB!

Ich wünsche einen erfolgreichen Tag!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***