Mediale Schlagzeilen und die Börse

Wenn man nach den absehbaren Terminen und Ereignissen geht, gehört diese Woche wohl zu den ereignisreichsten des Jahres. Es wäre aber ein grober Fehler, von der medialen Welle mit der Ereignisse kommentiert werden, unmittelbar auf die Bedeutung für die Börsen zu schliessen.

Hier ist also für Sie die "Vorschau" die Ihnen sagt, was in meinen Augen diese Woche wirklich für die Märkte wichtig ist:

Options Expiration (OpEx) am Freitag: geringe Bedeutung

Die OpEx wird von manchen "Börsenexperten" immer gerne wie eine geheimnisvolle Monstranz vor sich her getragen, deren Verständnis die "Logenmitglieder" von den "Uneingeweihten" unterscheidet. Dabei ist die Wirklichkeit viel profaner, die OpEx entfaltet ihre Wirkung vor allem mit zunehmender zeitlicher Nähe, weil sie Kurse bei bestimmten Marken "festtackert" bzw wenn diese Marken nachgeben, dann eine Bewegung verstärkt. Ich vergleich das gerne mit magnetischer Kraft, in der Nähe der OpEx werden Kurse an den wichtigen Marken gehalten, wenn sie sich aber entfernen, dann mit einem "Schnappen" wenn der Magnet sich löst. Diesen Vorgang gibt es aber jeden Monat bzw jedes Quartal und insofern ist die OpEx nicht unwichtig, aber doch business as usual.

Türkei: geringe bis keine Bedeutung

Was da an präpotentem Gehabe abläuft, erspare ich mir zu kommentieren. Der Markt sieht das aber auch so, die Türkei ist wirtschaftlich ein Nebenthema und mit dem aktuellen wirtschaftlichen Absturz, wird sie bald selbst das nicht mehr sein. Politisch und kulturell ist das Geschehen von hoher Bedeutung. Aber die Märkte interessiert das bestenfalls am Rande und langfristige gesellschaftliche Entwicklungen werden an den Märkten eher nicht bewertet.

Die FED Sitzung am Mittwoch: mittlere Bedeutung

Eigentlich hat die FED Sitzung eine sehr hohe Bedeutung, nur ist dieses Mal ja schon weitgehend klar, dass die FED eine Zinserhöhung vollziehen wird und das ist auch schon in den Kursen. Überraschend wäre nur, wenn es zu keiner Zinserhöhung kommt. Insofern liegt das Augenmerk wieder auf den Formulierungen und vor allem dem weiteren Ausblick und das kennen wir ja schon und hat mittlere Bedeutung.

Eine Menge wichtiger Wirtschaftsdaten wie den ZEW oder den Philly Fed: mittlere Bedeutung

Auch das ist ja "Business as usual" und kennen wir. Die Daten haben einige Bedeutung, weil daraus ja Schlussfolgerungen für die Aktivitäten der Marktteilnehmer gezogen werden. Da derzeit viele Daten aber recht konsistent auf eine anziehende Weltkonjunktur hinweisen, werden die Daten nur dann richtig Wirkung entfalten, wenn sie von der Erwartung abweichen.

Beginn des Brexit: mittlere Bedeutung

Nach Vermutungen -> könnte am Dienstag der Brexit beginnen <- und die Erwartungen wie dieser Brexit sich dann real gestalten wird, haben hohe Bedeutung für die Märkte. Nicht dass der Brexit kommt, das ist natürlich in den Kursen, aber die feinen Hinweise wie der Hase dann in den kommenden 2 Jahren laufen wird, haben erhebliche Konsequenzen und die Märkte reagieren sensibel darauf.

Notenbanksitzungen der Bank of Japan (BoJ), der Bank of England (BoE) und der Schweizer Nationalbank (SNB) am Donnerstag: mittlere Bedeutung.

Pauschale Aussagen sind hier schwer, die Sitzung der BoE möglicherweise nach einem beschlossenen Brexit, wird natürlich besondere Aufmerksamkeit ziehen. Aber im Saldo kann man auch hier eher "Business as usual" erwarten.

Wahl in den Niederlanden am Mittwoch: mittlere Bedeutung

Die Wahl selber hätte - selbst wenn Geert Wilders gewinnen würde - aufgrund des Wahlsystems eher mässige Bedeutung für die Märkte. Aber die politischen Implikationen für Frankreich sind hoch und dort dürfte sich im Mai erst einmal das Schicksal des Euros entscheiden und das interessiert die Märkte natürlich immens.

Merkels Besuch bei Trump am Dienstag: hohe Bedeutung

Für die Märkte potentiell das zentrale Ereignis der Woche. Und das nicht weil da zwei Politiker reden, sondern wegen der Implikationen. Merkels Besuch wird der Lackmustest für die neue Handelspolitik der Trump-Administration sein, zumindest wird der Markt das unter dieser Überschrift beäugen.

Besonders schwierig einzuschätzen ist dabei die Lage wohl auch, weil in Trumps Administration selber wohl ein -> Civil War <- zur Handelspolitik ausgebrochen ist, in dem sich die Goldmänner als Vertreter des freien Welthandels und Protektionisten wie Navarro und Bannon gegenüber stehen. Wo der Präsident steht, ist unbekannt.

Die Bedeutung dieses Ausgangs für die Börsen, kann man gar nicht hoch genug hängen und der Verlauf des Besuchs von Merkel wird dafür Indiz sein. Denn mit dieser grundlegenden Machtfrage stehen und fallen dann Handelsbeschränkungen und Konflikte, oder eben ein eher ruhiges Umsteuern und Neuverhandeln der Handelsbeziehungen im Konsens. Bisher hat der Markt einseitig darauf gesetzt, dass "schon alles gut werden wird". Falls das eine Fehleinschätzung ist, dürfte die Reaktion der Börsen sehr harsch sein. Ein sehr freundlicher und konsensualer Termin, kann aber gerade deutschen Aktien noch einmal zu einem Schub verhelfen.

So sehe ich persönlich die börsentechnische Bedeutung der absehbaren Ereignisse dieser Woche. Möge es Ihnen bei Ihren Entscheidungen helfen.

Ihr Hari

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Cyberdyne Systems und ob das noch ein menschlicher Markt nach alten Regeln ist?

Es ist nun fast 2 Wochen her, dass ich Ihnen im freien Bereich die -> Börsenwetterlage aus der Umlaufbahn <- beschrieben habe.

Was ist in den zwei Wochen nicht alles passiert, die Welt ist in Aufruhr, Unruhen, Krisen, politischer Irrsinn scheinbar allüberall. Dass Griechenland mal wieder "gerettet" wird, ist nicht mal mehr eine Fussnote wert und die Frage der Verantwortung derer, die in den vergangenen Jahren x-mal von einer alternativlosen "Rettung" gefaselt und zweistellige Milliardensummen in Gang gesetzt haben, wird nicht mal ansatzweise mehr gestellt, weil das durch viel wichtigere Themen verdrängt wurde.

Aber auch bei dem, was die Börsen angeht, gab es in den 2 Wochen jede Menge Bewegung und vor allem Enttäuschungen, die so einen nach oben exponierten Markt, eigentlich zum Wackeln oder zumindest zu einer Konsolidierung bringen sollten. So zum Beispiel, dass Trumps grosse Steuerreform und seine Infrastruktur-Programme eben doch viel länger brauchen, bis sie gesetzlich Realität werden können, wenn überhaupt. Oder eine FED, die eben wohl doch schon im März auf die Zinserhöhung drücken wird.

All das scheint aber nicht mehr zu interessieren, der Markt scheint unfähig, ernsthaft nach unten in Bewegung zu geraten. Und das ist höchst merkwürdig.

Nun bin ich ja schon seit drei Jahrzehnten in diesem "Geschäft". Faktisch bin ich mit dem "Schwarzen Montag" 1987 zur Börse gekommen. Und klar, es hat gerade in den späten 90ern schon solche Phasen eines gnadenlosen Bullenmarktes gegeben, in denen es ein ganzes Jahr lang nur aufwärts ging.

Aber doch waren die Dinge damals anders als heute. Auch wenn die Kursentwicklung der späten 90er in langfristigen Charts wie eine Linie nach oben aussieht, war es doch das übliche Hin und Her von Ebbe und Flut, das menschliche Märkte nun einmal auszeichnet. Auch in diesen Bullenmärkten stieg der Markt also ein paar Tage stark, um dann für ein oder zwei Tage wieder etwas zu korrigieren.

Dieses "Zwei Schritte vor, Einer zurück" Prinzip ist in menschlichen Bullenmärkten eigentlich universell und genau das ist nun völlig anders und macht den Markt so unwirklich, so artifiziell für mich. Ich sehe den starken Trend und gehe mit, wie ich ja eben auch im Artikel vor knapp 2 Wochen beschrieben habe, aber es fühlt sich nicht gut, sondern eher wie eine Fassade aus Pappe an, die jeden Moment ihr wahres Gesicht offenbaren könnte.

Mit dem Wort "artifiziell", sind wir dabei auch gleich bei dem, was nach meiner Vermutung den Unterschied ausmacht. Es ist die zunehmend Dominanz automatischer Handelssysteme (Algos), die grob geschätzt schon 70% des Handelsvolumens ausmachen und ja nun via "Robo-Advisern" auch bei "Otto Normalanleger" im Depot angekommen sind.

Und diese haben eben keine Emotionen mehr, die nach ein paar Tagen des Anstiegs den "Affen in uns" innerlich zur Gewinnmitnahme drängen, diese Algos versuchen gerade diese menschlichen Mechanismen auszunützen. Nun wird das auch nicht dauerhaft funktionieren, weil das "Naturgesetz" der -> Reflexivität <- dafür sorgt, dass alles was zu erfolgreich ist, sich damit selber kaputt macht.

Aber solange haben wir eben nun einen Markt, der dieses Gefühl der Menschen, dass die Dinge "nicht stimmen" einfach gnadenlos ausnutzt. Der Markt steigt eben die "Wall of Worry", genauer gesagt die Algos steigen eine menschliche Wand der Angst.

Weil das so ist, kann ich nur erneut betonen, wie wichtig hier die Trendfolge ist. Auch wenn das für uns schwer ist, sollten wir uns von den Versuchungen zu befreien suchen, hier permanent ein Top auszurufen, so verlockend sich das auch anfühlen mag. Denn es sind genau diese Denkstrukturen des Zweifels, aus denen sich die Maschinen gnadenlos ernähren und den Markt immer weiter hoch schieben. Damit das aufhört und sich wendet, muss wohl erst die Sorge weichen und eine ungerechtfertigte Gelassenheit auftreten, dann können die Algo-Bären ihre Krallen ausfahren, dann geht der Weg endlich nach unten.

Für uns heisst das, wir müssen dem Trend weiter folgen. Es heiss aber auch, dass wir uns nicht einlullen lassen dürfen und trotzem wachsam bleiben müssen. Und sobald der Trend dreht, müssen wir konsequent raus.

Das ist kein schönes Gefühl bei etwas mitzugehen, dem man nicht mehr uneingeschränkt traut. Aber es ist notwendig, zumal die Wirtschafts- und Konjunkturdaten der Welt ja objektiv positiv sind.

Wir müssen einfach akzeptieren, dass unsere Gegner im Markt nicht mehr schwitzen und keine Ängste mehr kennen. Es sind die ersten Ausprägungen der fiktiven -> Cyberdyne Systems <- und auch wenn "Skynet" noch etwas entfernt ist, müssen wir uns doch einer gnadenlosen, artifiziellen Logik stellen, die menschliche Schwächen und Verhaltensweisen kalt auszuschöpfen trachtet.

In dem wir das können, in dem wir in so einem Markt Kurs halten und trotzdem wachsam bleiben können, zeigen wir dass wir biologischen Gehirne noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Denn viel anpassungsfähiger als diese Algos sind wir noch allemal, denn die Algos müssen noch von "Affen wie uns" programmiert werden. Das wird sich ändern, aber dieser Tag ist noch nicht heute.

Klettern wir also weiter die Wall of Worry, den Fallschirm immer griffbereit und jederzeit bereit abzuspringen.

Ihr Hari

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Die Börsenwetterlage aus der Umlaufbahn

Kann man die ganz grundsätzliche, langfristige Börsenwetterlage in sechs Sätzen und mit einem Chart beschreiben? Ich glaube ja, ich versuche es mal.

Erstens, sind die konjunkturellen Signale rund um den Globus gut und sprechen derzeit gegen eine grosse Baisse. Die Lage ist besser als die Stimmung.

Zweitens, ist die Skepsis im Angesicht der vorhandenen Risiken (Trump, Handelskriege, Eurokrise, EU-Zerfall, China etc) im Markt massiv vorhanden, auch die Bullen schielen permanent zum Notausgang. Ein derartiges Sentiment spricht gegen eine grosse Baisse. Bullenmärkte enden in Euphorie und klettern dagegen eine "Wall of Worry".

Drittens, sind die Kurse nun seit Trumps Wahl permanent ohne Korrektur gestiegen, das macht den Markt anfällig. Eine scharfe Korrektur, dürfte im ersten Halbjahr 2017 nun anstehen, sollte aber den grundlegenden Aufwärtstrend eher nicht stoppen.

Viertens, sind wir gerade Zeuge eines veritablen Ausbruchs aus einer 1,5 jährigen, grossen Konsolidierung im S&P500 und das spricht trotz im ersten Halbjahr anstehender Korrektur, für prinzipiell weiter steigende Kurse und ein gutes Aktienjahr 2017.

Fünftens, befindet sich der Aktienmarkt im grossen, zyklischen Bild sicher eher im letzten Drittel und der Beschleunigungsphase eines grossen Zyklus. In dieser Phase lassen sich aber typischerweise besonders deutliche Gewinne machen. Eine Topbildung braucht Zeit und geschieht in so einem starken Markt nicht "über Nacht".

Sechstens, sind alle obigen Aussagen natürlich nur eine Momentaufnahme und stehen unter dem Vorbehalt völlig neuer, überraschender Entwicklungen, die der Markt heute nicht kennt und die dann eingepreist werden müssten. Das ist aber eine Binsenweisheit und das Restrisiko, mit dem man immer leben muss. Wer das nicht aushalten kann, ist im Markt fehl am Platz.

Ihr Hari

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Der Mutmacher

Wir haben ja nun einen neuen Bundespräsidenten, der sich als "Mutmacher" versteht. Was ist immer das heisst, "Mut" ist ja eine ebenso schöne Leerformel wie "Gerechtigkeit" - entscheidend ist eher, womit man die Leerformel füllen will.

Das mit dem "Mutmachen" von jemandem wie Steinmeier, der sein ganzes Berufsleben im öffentlichen Dienst in der Politik verbracht hat und auf eine abgesicherte Staats-Pension herab schauen kann, ist aber eine interessante Haltung. Den selbstständigen Unternehmer, der gegen überbordende Staats-Bürokratie kämpft und um jeden Kunden ringt, kann er nicht meinen, dazu fehlt der Bezug. Den Arbeitnehmer mit Mini-Rente (die aber ist sicher ;)), der jeden Euro umdreht und am stärksten unter dem schwachen Euro leidet, kann er auch nicht meinen, auch dazu fehlt der Bezug.

Aber vielleicht will er ja der Politik "Mut machen", mal sinnvolle Ordnungspolitik zu betreiben und an die langfristige Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit des Landes sowieso seine staatstragenden, steuerzahlenden Bürger zu denken. Dann fände ich das mit "Mut machen" richtig gut, alleine mir fehlt der Glaube an diese Interpretation. Wir werden sehen, womit diese Worthülse gefüllt werden wird.

Weil wir es aber gerade mit dem Mutmachen haben, will ich auch Ihnen als Anleger ein wenig "Mut" machen.

Denn ich denke Sie bemerken es auch, dass eine Art Beruhigung einzutreten scheint, was die Fragezeichen rund um Steinmeiers "Hassprediger" Donald Trump angeht. Aussenpolitisch wurde in diversen Terminen zuletzt Berechenbarkeit und eine gewisse Stetigkeit bewiesen. Die all zu grossen Sorgen, dass Trump die Welt sofort total auf den Kopf stellen würde, dürften übertrieben gewesen sein. Er wird sie schon auf den Kopf stellen, das ist recht wahrscheinlich, es dauert nur länger. 😉

Für den Markt ist das positiv, denn der kann sich damit zunächst auf die wirtschaftlichen Konsequenzen der Politik Trumps konzentrieren und diese sind für die US zunächst positiv. Und mit dem Versprechen aggressiver Steuersenkungen, gibt es nun auch einen neuen "Buy the Rumor" Katalysator. Irgendwann werden auch diese Hoffnungen und Versprechungen einen Realitätscheck machen müssen und dieser wird wohl nicht uneingeschränkt positiv ausgehen und mit einer Korrektur enden, aber dieser Tag ist wohl nicht heute.

Diesem eher bullischen Aufwärtsdruck der von der Wallstreet kommt, steht dagegen die berechtigte Sorge gegenüber, dass es den Euro und Europa zerlegt, denn die systemimmanenten Spannungen werden grösser. Zwischen diesen beiden Polen muss der Markt nun navigieren, wobei die US mit ihrer Politik eindeutig der grösste Gorilla im Raum sind. Insofern kann man in den kommenden Wochen in den US von einer eher positiven Marktentwicklung ausgehen, die aber immer wieder durch Schreckmomente und sorgenvolle Aufwallungen unterbrochen wird, die eher aus Europa kommen werden und die hiesigen Märkte belasten.

Im Leitindexx S&P500, sehen wir ganz eindeutig einen bestehenden und immer wieder bestätigten Aufwärtstrend seit Trump gewählt wurde:

Dieser Trend hatte zuletzt nachgelassen, durch die Hoffnung auf Steuersenkungen aber letzte Woche wieder Fahrt aufgenommen. Aber ganz egal wie wir das interpretieren, wir stellen uns *nicht* gegen so einen Trend. So einen Trend geht man mit, bis er irgendwann bricht und dann erst steigt man aus. Alleine die Frage wie sehr man sich dabei exponiert, ist diskussionswürdig. Und in Anbetracht der erhöhten Risiken, dürfte etwas erhöhter Cash, derzeit weiter keine schlechte Idee sein.

Ich kann das hier im freien Bereich nicht oft genug wiederholen, es bringt nichts sich gegen den Markt zu stellen und klüger als dieser sein zu wollen. Die wichtige Fähigkeit für Börsenerfolg ist nicht, mit der nicht vorhandenen Glaskugel schon heute wissen zu wollen, wann dieser Markt in eine Korrektur wechselt. Die Kunst ist, wenn es passiert, dann schnell und konsequent zu handeln. So wie es auch die Kunst war, nach der Wahlnacht von Trump schnell und konsequent zu handeln, danach war noch mehr als genug Zeit den steigenden Kursen zuzuschauen. Abwärts geht es am Markt zwar immer etwas schneller als aufwärts, das Prinzip ist aber das Gleiche.

Übrigens, was Gold macht, sieht weiter sehr konstruktiv aus, ganz besonders wenn man sich vor Augen führt, dass die Wallstreet gerade "Risk ON" spielt, was für Gold eher ein Kontraindikator ist. Wer sich gegen Wirrungen und Irrungen rund um den Euro etwas absichern will, ist hier wahrscheinlich ganz gut aufgehoben:

Geben wir also den Steinmeier, haben wir Mut! 😉

Ihr Hari

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Gold und der Dollar – Die Situation ist da!

Manchmal liegt in der Kürze die Würze und so soll es heute auch sein.

In all den letzten Wochen, seit Gold so langsam wieder nach oben zu kriechen begann, habe ich darauf hingewiesen, dass Gold nicht wirklich Eigenleben hatte, sondern seine Zuckungen alleine inverses Abbild des Dollars waren.

Und solange Gold kein Eigenleben hat, gibt es auch keinen Grund von echter Stärke zu sprechen. Bis vor ca. einer Woche.

Denn seit dem steigt Gold trotz wieder steigendem Dollar. Die Situation ist da!

Und das kann fast nur Eines bedeuten, wenn Dollar und Gold gleichzeitig steigen: Risk Off!

Die Ursachen sind auch klar, die Eurokrise erhebt wieder ihr Haupt, gerade habe ich etwas retweetet, das zeigt wie die Spreads zwischen Italien und Deutschland wieder aufgehen. Die Wahlen in den Niederlanden und vor allem Frankreich werfen ihren Schatten voraus.

Und Griechenland? Das ist natürlich das gleiche Desaster wie schon vor Jahren, nur dass unser hart erarbeitetes Steuergeld dort in inkompetenten und sinnlosen Rettungsversuchen verschleudert wurde. Die "Kredite" werden wir selbstverständlich nie wiedersehen. -> Der Euro und der Grexit - Der Kern des Problems <-

Da kann man nur hoffen, dass dieser dank der Hoffnung auf Trumps Politik (noch) erstaunlich stabile Aktien-Markt, nicht das Schicksal des Truthahns vor sich hat. Peter Brandt hatte dazu vor vielen Jahren eine nette Parallele: -> The surprising correlation between a turkey and a short gamma trader <-

Suprise! 🙂

Ihr Hari

PS:

Für alle Anfänger und Angst-Getriebenen. Das heisst *nicht* jetzt alles zu verkaufen. Auch ein Truthahn kann bei Thanksgiving verschont werden und noch ein Jahr vor sich haben. Denn noch ist der Trend hoch, das sollten wir nie vergessen.

Aber es heisst nun sehr aufmerksam zu sein und dann konsequent zu agieren, falls hier die Kurse durch die wichtigen Unterstützungen schneiden. Und die sind nicht mehr so weit entfernt. Denn ein Fallbeil fällt schneller, als steigende Kurse steigen - das war schon immer so an der Börse.

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Kriechender Zweifel

Was ist nicht alles über Trump geschrieben worden. Das Wort Trump ist eines der meistgeschriebenen der letzten Monate und die Person polarisiert auf eine brutale Art und Weise, wie wir das bei einem Spitzenpolitiker schon lange nicht mehr erlebt haben.

Und während dieser ganzen Zeit, ist der Markt ruhig gestiegen und gestiegen. Einfach nur gestiegen, frei nach dem Motto: "Lass doch all die aufgeregten Moralisten sabbeln, wir verdienen lieber Geld".

Bis Heute.

Aber jetzt könnte sich das ändern. Könnte - Konjunktiv. Aber zum ersten Mal seit seiner Wahl könnte es sich tatsächlich ändern.

Nicht wegen seiner angekündigten oder absehbaren Wirtschaftspolitik. Sicher, da sind Risiken dass daraus ein Handelskrieg erwächst. Aber da scheint der Markt eher gelassen zu sein und das aus gutem Grund. Denn der Kern des Wahlversprechens Trumps an seine Gefolgschaft, ist dass er wieder industrielle Jobs in die US holt.

Dabei kann etwas Druck und harte Verhandlungen nicht schaden, um einen besseren Deal zu bekommen, aber am Ende wird er das tun, was gut für Amerikas Wirtschaft ist und ein allgemeiner Handelskrieg ist es nicht. Und weil das logisch und nachvollziehbar ist, sitzen die Aktionäre von US Unternehmen ohne starke internationale Verpflichtungen da nun eher entspannt und freuen sich auf die Infrastruktur-Programme die da kommen mögen. Und die Indizes stehen nahe der Höchststände.

Diese Haltung beruht aber auf einer Annahme. Der Annahme, dass Trump bei aller konfrontativ, aggressiven Rhetorik, im Kern ein rational agierender, auf ein konkretes Ziel zusteuernder Deal-Maker ist, der schon weiss, was er tut.

Mit dem als Prämisse, kann man die medialen Wellen schulterzuckend aussitzen und sich auf das konzentrieren, was am Finanzmarkt interessiert: Mit der neuen "World of Donald" Geld zu verdienen.

Was aber wenn Trump gar nicht rational ist? Was, wenn er real so ist, wie er wirkt, wenn er sich narzzistisch selbst lobt und extrem dünnhäutig auf jeden kleinen Kratzer am Ego reagiert? Was wenn er gar kein wirtschaftliches Ziel für Amerika mit taktischen Mitteln verfolgt, sondern vor allem nur sein Ego überhöhen will?

Dann sind wir in einem anderen Spiel. Und dieses Spiel würde dem Markt nicht mehr gefallen, denn er könnte nicht mehr entspannt sich aufs Geld verdienen konzentrieren, sondern müsste damit rechnen, dass alle Pläne auf die man Multi-Millionen gesetzt hat, am nächsten Morgen obsolet sein können, weil jemand "The Donalds" Ego zu nahe gekommen ist.

Ein erster kleiner Zweifel, wurde vor Kurzem mit der chaotischen Umsetzung der Einreise-Beschränkungen gesetzt. Nicht die Beschränkungen an sich sind für den Markt das Problem, sondern die chaotische Umsetzung, die auf wenig Professionalität schliessen lässt. Wenn man das auf zukünftige, für den Markt wichtige Projekte überträgt, hat es keine vertrauenerweckenden Implikationen.

Aber gestern wurden weitere Zweifel gesäht, ein abgebrochenes, aggressives Gespräch mit dem australischen Premier, das wohl so stattgefunden hat, da auch aus Australien unter der Hand Bestätigungen kommen. Vorwürfe an mit Japan, Deutschland und Australien, mehrere treue und wichtige Verbündete gleichzeitig, so als ob es nicht genügen würde, sich nun mit Mexiko, China und dem bewusst zündelnden Mullah-Regime im Iran anzulegen.

Das vermittelt nicht das Bild von rationalem Handeln, von taktischer Finesse, sondern eher von gefühlsgetriebenem "Umsichschlagen". Und diese Wirkung ist fatal, sie kriecht wie Kälte in die Knochen und säht Zweifel.

Noch will der Markt glauben und vertrauen. Und wenn Trump nun tatsächlich rational und mit strategischem Weitblick die Politik umsetzt, die er versprochen hat und wenn wirtschaftliche Erwägungen wieder Dominanz über moralische Weltverbesserungs-Kategorieren erlangen, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Schaden der US Börsen sein und wir werden da in den kommenden Jahren noch eine erstaunliche Kraftentfaltung erleben, die den S&P500 auf Höhen führt, die wir uns heute nicht vorstellen können.

Aber der Zweifel ist nun gesät und wenn sich dieses Bild nun in den kommenen Tagen festigt, dann ist die Korrektur wohl nicht weit, die sowieso irgendwann in den kommenden Wochen und Monaten einsetzen sollte. Die kommenden Tage kommt es also aus Börsensicht noch mehr auf Trumps Verhalten an, die Frage ist: Har er einen Plan, oder schlägt er emotionsgetrieben um sich?

Seien wir also nun sehr aufmerksam, ob die Stimmung am Markt kippt. Erwartung und das dafür nötige Vertrauen ist alles am Markt und an Erwartung steckt nun Einiges in den Kursen. Wenn Vertrauen aber bröselt, wird es sehr schnell sehr übel.

Trump kann sich weiter jeden Tag mit der Presse anlegen und 3 Stunden am Tag seine Einschaltquoten kommentieren, das interessiert den Markt nicht. Aber wenn er den Eindruck vermittelt, dass er keinen taktischen Plan verfolgt und die genannten Absichten nicht mit der nötigen taktischen Raffinesse umgesetzt werden, dann ist das sehr börsenrelevant.

Kurzfristig sollten wir dazu im S&P500 diese Linie im Auge behalten, die seit dem Jahresanfang Bestand hat und den Ausbruch von einem Rückfall trennt:

Wenn diese Linie fällt, steigt das Risiko. Solange wir darüber sind, darf man weiter darauf setzen, dass wir noch einen Schluck aus der "Kurspulle" vor uns haben, bevor die zwangsläufige Gravitation ihr Recht einfordern wird.

Ihr Hari

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Die Euro-Krise erhebt wieder ihr Haupt

Vielleicht haben Sie ja mitbekommen, dass Mr-Market seit Kurzem unter @HariMrMarket nun auch bei Twitter ist. Ich nutze den Dienst zweiteilig. Einerseits um den Premium-Mitgliedern, die selber bei Twitter sind, neue Artikel anzukündigen. Andererseits aber auch, um immer mal wieder interessante Infos auch an Sie im freien Bereich weiter zu geben. Die Tweets werden rechts auf Mr-Market direkt eingeblendet, das ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen.

In dem Zusammenhang habe ich übrigens festgestellt, wie faszinierend gering die Durchdringung von Twitter bei gebildeten und gut verdienenden Menschen ist, denn um die handelt es sich bei den Premium-Mitglieder fast durchweg. Zum Start hatten gerade mal 5% der Mitglieder wohl einen Twitter-Acount, mittlerweile haben einige alleine deswegen einen angelegt, es ist aber immer noch eine klare Minderheit. Das ist für die Twitter-Aktie ein interessantes Thema, hier nun aber zurück zum Kern dieses Artikels, dem Euro.

Denn wenn Ihnen Mr-Market bei Twitter aufgefallen ist, haben Sie bestimmt auch schon diverse Tweets der letzten Zeit gesehen, die sich um ein zentrales Thema drehen: Die Eurokrise erhebt wieder ihr Haupt.

Hier dazu ein paar Links:

-> Sentix Euro Break-up Index <-

-> Political Risks emerge <-

-> Renditespanne zu Frankreich und Italien weiter sich <-

-> Draghis abwegige Auslegung der Inflation <-

Insbesondere letzterer Artikel weist auf einen unterschätzten Vorgang hin, denn Mario Draghi hat bei seiner letzten Pressekonferenz eine Menge dafür getan, um sich in seiner bekannt herablassend-süffisanten Art und Weise, diverse sprachliche Ausreden und grossen Spielraum zu generieren, um die Nullzinspolitik auch dann weiter führen zu können, wenn die Inflation in Deutschland schon weit über 2% liegen wird.

Auch dass Sabine Lautenschläger nun deutlich dem -> Ende des billigen Geldes das Wort redet <- und Weidmanns Bundesbank zeitnah eine Studie veröffentlicht, nach der -> die EZB bewusst den Euro schwächt <-, darf man ebenso wie Draghis rabulistische Verrenkungen als klares Indiz dafür werten, dass unter der Oberfläche der EZB die Friktionen wieder massiv steigen und der Richtungskampf tobt. Wo Mario Draghi dabei steht, braucht wohl keine weitere Erklärung.

Und das zu einem Zeitpunkt, in dem in Kerneuropa, in Frankreich, Niederlanden und Deutschland, wichtige Wahlen anstehen. Insofern dürfte Draghi sich auch wieder der Unterstützung der deutschen Regierung sicher sein, das Feuer um jeden Preis auszutreten, denn Frau Merkel kann garantiert nicht gebrauchen, dass im Wahlkampf zu Tage tritt, dass Griechenland weiter ein schwarzes Loch ist und der Euro kein bischen "gerettet" ist, sondern nur mit Steuerzahlergeld temporär ruhig gestellt.

Ich will hier im freien Bereich nicht tiefer einsteigen, die Thematik wird uns dieses Jahr in der Community sicher massiv beschäftigen, denn schon alleine der Umgang der Anleger mit der Inflation, die dann bei Nullzinsen eine Negativrendite von 2% generieren wird, ist ein Thema zu dem man Bücher schreiben könnte.

Und wenn derzeit beruhigend auch von Draghi betont wird, dass die aktuelle Inflation ja nur aus Basiseffekten der Rohstoffpreise resultiert, ist das einerseits richtig und gleichzeitig eine Nebelkerze. Denn es gibt im aktuellen, weltweiten Umfeld ganz grundlegende inflationäre Entwicklungen vor denen man Sorge haben muss, vor dem Basiseffekt ohne Frage nicht. Darüber aber an anderer Stelle und in anderem Rahmen in Kürze mehr.

Ich will hier nur darauf verweisen, was ich hier 2015 in -> Der Euro und der Grexit - Der Kern des Problems <- geschrieben habe:

Der Euro versucht in eine Währung zu pressen, was nicht zusammen gehört. Griechenland und Deutschland können nicht in einer gemeinsamen Währung sein, wenn es nicht eine einheitliche Regierung und gemeinsame Kultur gibt. Das ist die grosse Lebenslüge des Euros. Er ist eine fatale Fehlkonstruktion, die den Spaltpilz an Europa legt, aber kaum einer in der Politik traut sich, es zu sagen und daraus die logischen Konsequenzen zu ziehen.

Und diese meine Erkenntnis ist wahrlich nicht neu, wer mag muss nur nachlesen, was 62 nahmhafte Professoren 1992 und später 160 Professoren 1998 in den Maastricht Manifesten gesagt haben.
Lesen Sie einfach noch einmal im PDF Download von -> Prof. Ohr Uni Göttingen <-: -> Die Maastricht Manifeste im Wortlaut <-

Sehr lesenswert auch ein aktueller Artikel der NZZ, der auch über Prof. Ohr verlinkt ist: -> Plädoyer für eine flexiblere Eurozone <-

Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozess hatte es damals nicht, wen interessiert auch das "Geschwätz" von Fachleuten. Insofern muss man auch heute befürchten, dass das Gewürge um den Euro unverändert weiter geht, man wird den Krug eben zum Brunnen tragen, bis er bricht. Dann aber werden alle Verantwortlichen mit weltschwerer Miene in die Kameras schauen und treuherzig wahlweise ihrem "Entsetzen" oder ihrer "Besorgnis" Ausdruck geben, natürlich verbunden mit dem Hinweis, dass man nun nicht den "Rattenfängern" nachlaufen dürfe. Sie sehen, ich habe doch eine Glaskugel. 😉

Machen Sie es trotzdem gut, lassen Sie uns das Leben geniessen, wir haben nur das eine.

Ihr Hari

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Das britische Pfund: Keep Calm and Carry On!

Theresa May hat ihren Plan für einen Brexit vorgestellt.

Die einen gehen nun von einer glorreichen Zukunft eines freien "Global Britain" aus, eines wirtschaftlichen "Flugzeugträgers", der seine alten Traditionen des Commonwealth und die Liebe zu den Handelsbeziehungen über die Weltmeere hinweg, wieder belebt.

Die anderen sehen ein zerfallendes, unter wirtschaftlicher Depression ächzendes Königreich, aus dem Schottland und Wales austreten und die Nordirland-Frage wieder mit Macht aufbricht.

Ich halte Beides für möglich, weiß aber auch, dass die Zukunft noch nicht geschrieben ist und es aber die Details der Umsetzung und nicht die grossen Worte sind, die den Unterschied zwischen dem Einen und dem Anderen ausmachen werden.

Warten wir also mal ab.

Interessant ist aber, was uns der Devisenmarkt sagt. Und da hat das Pfund zum Euro nun mit einem massiven Reversal gestern eine Struktur generiert, die an eine klare Wendestruktur erinnert:

Geht es hier nun also weiter hoch?

Langsam, was wir gestern gesehen haben, war in meinen Augen eher ein Short-Squeeze, als eine Reaktion auf irgendetwas, weil einfach zu viele Marktteilnehmer auf einer Seite des Bootes sassen.

Und das GBPEUR Währungspaar ist ja auch nicht das Wichtigste, das ist das Pfund zum Dollar, also GBPUSD und da sieht es noch lange nicht nach einer klaren Wendestruktur aus:

Aber trotzdem, wenn die Phase der grossen Verunsicherung nun durchgelaufen ist - und bis dahin kann das Pfund noch tiefer fallen - dann stellt das britische Pfund gerade für uns hier im Euro-Raum wohl eine immense Chance und auch potentielle Alternativwährung dar, die genau deswegen erhebliches Aufwertungspotential hat.

Denn wenn wir uns hier vielleicht mit der Existenz der Euro-Zone befassen müssen, die bei der nun stark steigenden Inflation vielleicht schneller auf die Agenda kommt als gedacht, dann werden wir noch froh sein, eine Weltwährung direkt vor unserer Haustür zu haben, in der wir Geld anlegen können und die nicht so massiv mit dem Euro verheiratet ist, wie nun der Franken, der komplett von Euroland umgebenen Schweiz.

Schauen wir also gespannt, wie tief dieses Pfund nun noch fallen will. Sobald ich aber den Eindruck habe, dass es das nun war, werde ich kaufen und zwar in grossem Umfang. Das nur als Ankündigung. 😉

Ihr Hari

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