Momentum Factor ETFs – Ausdruck einer Fehlentwicklung?

Der folgende, grundsätzliche Artikel erschien schon Freitag 17.07.15 15:20 in Hari Live. Er ist aber inhaltlich unverändert gültig und adressiert grundlegende Probleme, die zunehmend durch die Dominanz der ETFs an den Märkten aufkommen.

Der Erfolg von ETFs steigt und gleichzeitig steigt auch die Kritik an ihnen. Denn letztlich sind ETFs ja überspitzt gesagt nur "Schmarotzer", die von den echten Kursbewegungen der Einzelwerte profitieren und erlauben, viele Einzelwerte günstig im Korb zu kaufen.

Der grundsätzliche, passive Ansatz von ETFs ist auch erst einmal legitim und kein Problem, so lange ETFs eine Minderheit sind und Einzelwerte noch ein Eigenleben haben und daher auch "eigene" Kurse haben.

Genau das dreht sich aber langsam, denn die Dominanz der ETFs sorgt zunehmend dafür, dass das Verhalten der einzelnen Aktien immer uniformer wird. Schön ist zum Beispiel in den letzten Wochen zu sehen, wie US Solar Werte durch den China Crash nach unten gezogen werden, obwohl sie wirtschaftlich damit gar nichts zu tun haben.

Wenn aber grosse Solar ETFs wie der US ETF "TAN", wegen des Absturzes der enthaltenen chinesischen Solaraktien massiv von Investoren verkauft werden und Stops gerissen werden, dann werden eben auch die Werte wie eine First Solar mitverkauft, die mit dem Problem eigentlich gar nichts zu tun haben. Die Ebbe senkt halt alle Boote.

Zum Problem wird diese Dominanz der ETFs werden, wenn es mal schnell abwärts geht und auch Carl Icahn hat das in meinen Augen zuletzt -> zurecht zum Thema gemacht <-, wobei es bei seiner Kritik primär um illiquide Bond-ETFs ging.

Ich sehe das Problem aber grösser, weil was passiert denn, wenn in einer kommenden Krise, ETFs in Massen aufgelöst werden? Wer kauft denn dann noch die Einzelaktien als Gegenpartei, wenn die ETFs alle gleichzeitig abladen wollen, weil die Anleger raus wollen? Da ist dann niemand mehr, was die Kurse ins Bodenlose fallen lässt. Und dann wird alles gleichzeitig fallen, egal ob von der Krise betroffen oder nicht, einfach weil die ETFs aufgelöst werden.

Vom Grundsatz her, begrüsse ich die Idee der ETFs und halte sie, wenn sie sich auf den Kern besinnen - also voll replizierend feste Aktienkörbe abbilden - für eine sinnvolle Idee.

Leider scheint auch hier der Erfolg zu Sumpfblüten zu führen, was wir unter anderem an der zunehmenden Zahl von Strategie-ETFs erkennen können, deren Konzept eigentlich ein Widerspruch in sich ist. Denn ein ETF sollte eigentlich keine Strategie haben, er soll nur einen Korb von Aktien zusammen fügen. Strategien sind die Sache von aktivem Fondmanagement.

Die neueste Gattung, die dabei von Blackrock erfolgreich in den Markt eingeführt wurde, sind sogenannte "Momentum Factor" ETFs, die Aktien beinhalten sollen, die besonderes Aufwärtsmomentum zeigen.

Merken Sie die gefährliche Selbstbezüglichkeit dabei? "Momentum" ist eigentlich eine aktive Trendfolgestrategie und das Fatale ist, die funktioniert ja zunächst durchaus und zwar ganz ausgezeichnet! Was mit so ETFs aber auch passiert ist, dass die Aufwärtsbewegung von etwas das funktioniert, reflexiv ins Extreme verstärkt wird. Fatal wird es dann aber, wenn es dann irgendwann mal in die Gegenrichtung geht.

Es ist in meinen Augen eine bedenkenswerte Kritik, dass der Erfolg von "Momentum Factor" ETFs bestehende Übertreibungen verstärken wird und die Anpassung dafür um so schmerzhafter macht, wenn alle gleichzeitig zum Exit rennen. Auch die Crash-Gefahr wird durch solche Konstrukte erhöht, denn Icahn hat in meinen Augen Recht, im Kern sind die, wenn es mal hart auf hart kommt, wohl eher nicht liquide.

Schauen wir mal als Beispiel auf den -> iShares MSCI USA Momentum Factor ETF MTUM <-

MTUM 17.07.15

Sieht ja nicht so schlecht aus oder? Und hat in 2015 tatsächlich den S&P500 outperformed. Sehen Sie das neue Hoch, das der S&P500 noch nicht hat?

Auch in Europa hat iShares nun so ETFs. Hier ist zum Beispiel der -> iShares Europe Momentum Factor ETF CEMR WKN: A12GXR <-.

Das Verrückte ist, das ist von der Titelauswahl und der Strategie her, ein in meinen Augen ausgezeichneter ETF. Denn die Momentum Strategie ist ja schlicht das, was ich hier im Premium Bereich immer "Stärke kaufen" nenne. Bedeutet, dass wir statt unten bei "Gurken" in tiefen Pfuhlen zu gründeln, wir schlicht darauf setzen, dass wir eine Top Aktie, die wir zu einem hohen Preis gekauft haben, später noch zu einem höheren Preis verkaufen können! Genau das predige ich doch immer und ist sehr erfolgreich als Strategie.

Dieser Fokus auf Wachstums-Qualität funktioniert also und letztlich haben wir so etwas Ähnliches ja auch mit unserem aktuellen Teamprojekt adressiert, mit dem wir ja 70 attraktive Aktien mit Momentum identifiziert haben, wenn auch für etwas geringere Marktkapitalisierung, als wir sie in obigen ETFs finden.

Und nun können wir so eine Strategie ganz einfach mit einem ETF kaufen. Kurzfristig: Toll! Auf jeden Fall 10x besser, als bei Gurken-Aktien sinnlos auf die Wende zu warten. Ich verweise zum Beispiel auf den Artikel -> Kohle, Aixtron und Goldminen - tiefer geht immer! <-

Langfristig entsteht aber Gefahr, wenn diese Strategie zu erfolgreich und beliebt wird und alle darauf einsteigen.

Fazit:

Die Momentum-Strategie ist richtig. Und sie funktioniert. Und wenn Sie im Moment darüber nachdenken, sinnvoll europäische Aktien zu kaufen, weil sie auf einen Rebound setzen, halte ich die Auswahl die dieser ETF oben bietet, für attraktiv und erwägenswert!

Das Dumme ist hier aber wieder die Reflexivität. Wenn diese ETFs zu populär werden - und danach sieht es im Moment aus - erzeugen sie selber prozyklisch Verzerrungen und verstärken diese. Und graben damit dem Erfolg der Strategie selber das Wasser ab und sorgen vor allem für ein böses Ende, wenn dann mal alle gleichzeitig zum Ausgang wollen.

Machen Sie sich also diese beiden Aspekte klar. Solange wir in diesem Bullenmarkt sind, sind solche ETFs hoch attraktiv. Aber wir hantieren da zunehmend mit Gefahrengütern.

Wenn der Handel mit Einzelaktien stark und liquide ist, dann sind passiv abbildende ETFs auch keinerlei Problem und eine superbe Innovation. Was aber, wenn kaum mehr jemand die Einzelaktien kauft, weil alle nur noch über ETFs handeln? Wer bestimmt dann überhaupt noch die Kurse, aus denen die ETFs berechnet werden? Merken Sie die gefährliche Selbstbezüglichkeit?

Allerdings ist es aber auch keine Alternative, einfach ganz auf ETFs zu verzichten und sich dann sicher zu wähnen. Wenn dieses Finanz-System, in dem wir da im Moment leben ins Wanken gerät, geht alles in die Knie, egal ob ETF oder Fond oder Einzelaktie. Und die Banken gehen mit in die Knie. Das ist dann der grosse *CRASH*, der grosse *RESET*.

Insofern nützt es alles nicht, wir müssen in diesem Spiel mittanzen, solange die Musik spielt. Weil wir eben keine Wahl haben und auch keinen Ort, an dem wir uns zuverlässig im Falle des Falles mit unserem Kapital verstecken können. Selbst Gold ist dieser Ort nicht.

Und jetzt treffen Sie eine Entscheidung, ob Sie aktuell Momentum-ETFs mögen. Ich mag sie im Moment und ich tanze. Widerwillig zwar, aber ich tanze.

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Was Fortinet und 3D Systems gemein haben

Der folgende Artikel erschien in erweiterter Form am Donnerstag 23.07.15 16:40 in Hari Live und führte die Thematik der "Erwartungen" fort, die ich zuletzt im Artikel -> Apple der Markt und die Erwartungen <- adressiert habe.

Heute habe ich ja den Tag der Erwartungen. Und Erwartungen sind ja nichts Objektives, sondern sind auch von Stimmungen und vor allem von Modetrends abhängig.

Gerade wenn Themen "Mode" werden, neigt Mr. Market auch mal dazu zu übertreiben, der Hype um die 3D Drucker war so ein klassisches Beispiel. Das Chart dazu liefert 3D Systems, zu dem man wohl nicht mehr viele Worte machen muss:

DDD 23.07.15

Dass die 3D Drucker Aktien Ende 2013 in einer Übertreibungsphase waren, war anzunehmen und haben wir hier auf Mr-Market auch so gesehen. Nur der genaue Zeitpunkt, zu dem so ein parabolischer Anstieg dann dreht, ist im Vorfeld nicht exakt zu antizipieren.

Und insofern kann man so Bewegungen mit Momentum, wenn sie sich noch in der starken Trendphase befinden, wie bei DDD 2012 und bis Mitte 2013, einfach mitgehen. "The trend is our friend".

Sobald die Kurse aber nur noch senkrecht steigen und aus einem stabilen Trend sogar nach oben ausbrechen, während das Thema gleichzeitig extrem in Mode ist, muss man vorsichtig werden.

Dann muss man irgend wann auf die Seite treten, wohl wissend, dass es vielleicht noch weiter hoch geht, weil Übertreibungen durchaus länger andauern, als wir uns vorstellen können. Weitere "entgangene" Gewinne sollten einen dann aber nicht mehr stören und man richtet seinen nach Chancen suchenden Blick auf andere Opportunitäten.

Klar ist aber auch, dass wenn so ein parabolischer Anstieg mal bricht, es ebenso brutal nach unten geht. Das Chart von DDD sagt dazu alles und im Moment muss man sich eher fragen, ob der Sektor "3D Druck" hier jetzt nicht unter Wert behandelt wird, denn das Thema ist ja immer noch ein Wichtiges für die zukünftigen Produktionsprozesse.

Aber auf Euphorie kommt halt der schwere Kater. Das ist nicht nur bei Alkohol und sonstigen Drogen so, sondern auch am Markt.

Womit wir zum Thema "Cyber Security" und im speziellen zu Fortinet (A0YEFE, FTNT) kommen.

Ohne jede Frage, ist das Thema "Cyber Security" ein riesiges Zukunftsthema. Und ohne Frage ist es aufgrund aktueller Geschehnisse nun besonders "en vogue" und das heisse Geld mäandriert in jede Aktie aus dem Sektor, die nicht schnell auf dem Baum ist.

Mein Problem mit dem Thema ist, dass ich bei vielen der Softwareanbieter nicht so sicher bin, was den langfristigen Wettbewerbsvorteil (Edge) gegenüber den Mitbewerbern angeht. Die Marktstellung ist für mich also das Fragezeichen.

Denn was in Wirklichkeit hinter schönen technologischen Begriffen verkauft wird, ist eigentlich primär *Vertrauen*. Ob in jedem Fall hinter der Software die super-intelligenten Konzepte sind, kann man von aussen sowieso nicht überprüfen und aus nahe liegenden Gründen bleibt Code im Bereich Cyber Security geheim.

Und Vertrauen ist eben ein scheues Reh und wenn es nur durch eine Kleinigkeit geschädigt wird, werden so Firmen brutal einbrechen. Bis dahin, können sie aber noch massiv steigen, der Sektor scheint in meinen Augen gerade den Übergang vom Trend zur parabolischen Phase zu vollziehen.

Schön kann man das an Fortinet sehen, die nach Zahlen heute erneut über 10% steigen und aus dem Trend nach oben auszubrechen "drohen".

FTNT 23.07.15

Wir sehen, dass ein KGV von 384 keineswegs ein Hindernis für grosse Gewinne sein muss. Da ist ein KGV von 6 eher das Hindernis, aber das Thema hatten wir ja ausführlich im Rahmen unseres Teamprojektes "Sicherheit durch Wachstum". 😉

Mir hat der Sektor auch lange gefallen, der nun auch im US ETF "HACK" abgebildet ist und ich hatte ja auch Cyberark Software (CYBR) hier bei Mr-Market eingeführt. Aber manchmal muss man wissen, wann es gut ist und bei Fortinet frage ich mich, ob der Zeitpunkt nicht nahe ist.

Denn wenn wir den selben Massstab wie oben bei DDD wählen, sehen wir Strukturen mit einer gewissen Ähnlichkeit. Es scheint wirklich so zu sein, als ob nun die parabolische Phase bei Fortinet eingesetzt hat.

FTNT 23.07.15 2

Eine Phase, die bei DDD ungefähr bei 50 USD einsetzte und bis 100 USD zu einer nochmaligen Verdoppelung führte. Bei Fortinet wären wir dann vergleichbar auch knapp unter 100 USD. 😉

Wo diese Phase endet, kann ich Ihnen also nicht sagen, vielleicht noch viel höher. Ich hatte schon im Januar das Video von Chuck Yeager beim Höhenrekordversuch in Hari Live, das zeigt, was bei parabolischen Flugbahnen passiert. Man nennt das "Stall", zu deutsch -> Strömungsabriss <-.

Für mich hat der Cyber-Security Sektor nun die Phase der Begeisterung erreicht, an der ich gerne einen Schritt zurück mache. Auch woanders gibt es schöne Gewinne in dafür stabilen Trends, bei denen man nicht Nachts in Schweiss gebadet aufwachen muss. Parabolische Flugbahnen voller Hype sind nicht so mein Ding und ich steige gerne ohne Reue vor dem Strömungsabriss (Stall) aus. Das ist mir mein ruhiger Schlaf wert. 😉

Wer es aber mag, bleibt bei Fortinet drin und zieht aber zwingend einen Trailing-Stop mit. Und wenn das Ding mal irgend wann - vielleicht viel höher - zu fallen anfängt, dann denke man bitte an DDD und jeder weiss dann hoffentlich, was zu tun ist!

Ihr Hari

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Apple, der Markt und die Erwartungen

Heute ein paar Zeilen im Nachgang der Quartalszahlen von Apple, die gestern zu einem deutlichen Kurs-Minus an der Börse geführt haben.

Überall liest man nun Unverständnis darüber, warum der Markt eine Apple Aktie so abverkauft, nach dem diese ja objektiv ganz ausgezeichnete Quartalszahlen abgeliefert hat, die man kaum besser machen kann.

Selbst im Handelsblatt, dass ja theoretisch der Hort von Finanz- und Börsenkompetenz sein sollte, versteigt sich der Herausgeber Gabor Steingart im -> heutigen "Morning Briefing" <- zum für mich ziemlich platten Satz: "Dieser Kursverlust sagt nichts über Apple aus, aber viel über die Investoren. Die Börse ist der einzige Ort, an dem Verrückte wie Propheten behandelt werden."

Ach Gottchen, da ist es wieder, dieses nicht ausrottbare Märchen, dass "die Börse" etwas Abstraktes sei, "herum spinnen" würde und die Realitäten nicht sehen würde. Und übrigens, das mit den "Verrückten als Propheten" findet sich noch in vielen anderen Bereichen des Lebens, aber das Thema will ich nun hier nicht vertiefen. 😉

Das Gegenteil ist aber bei der Börse der Fall, es gibt kaum einen besseren Frühindikator. Sie reagiert schneller und oft klüger, als wir es als Individuen in der Regel können und die Selbstüberschätzung, klüger als der Markt zu sein, ist der garantierte Weg zu Verlusten und Scheitern.

Aber auch überall in anderen Medien, konnte man dieses Unverständnis zur Marktreaktion auf Apple gestern wieder lesen und ich habe da mehrfach nur meine Hände vor dem Gesicht zusammen schlagen können, als ich die immer gleichen Texte dazu las.

Deshalb nun ein erneuter Versuch, auf ganz einfache Art und Weise zu erklären, wie wir Menschen agieren und wie deshalb der Markt zwangsläufig auch agiert. Denn ein Markt - nicht nur die Börse, auch andere Märkte - wird von Erwartungen geprägt.

In Grossbuchstaben, von ERWARTUNGEN! Die Zahlen und Fakten der Gegenwart, sind dagegen schon wieder Vergangenheit und kalter Kaffee - ausser sie verändern auch die Erwartungen.

Und der Markt ist auch nicht abstrakt, sondern besteht aus uns. Ja aus uns! Denn wir sind die, die mit unseren Handlungen die Kurse machen - plus ein paar Algorithmen, die aber von "uns" programmiert wurden. 😉

Nehmen wir also zwei hypothetische Beispiele um zu zeigen, wie wir agieren und wie deshalb zwangsläufig auch der Markt agiert:

Grundstücksverkauf

Nehmen wir an, Sie besitzen ein Grundstück, das Sie bald mal zu Geld machen wollen. Die Preise für Grundstücke steigen und steigen aber in Ihrer Umgebung und Sie haben keinen zeitlichen Druck und brauchen das Geld nicht sofort.

Was machen Sie? Sie warten mit dem Verkauf.

Ein halbes Jahr später kommt eine Marktanalyse zum Immobilienmarkt und die weist schon wieder deutlich gesteigerte Grundstückspreise aus und kein Indiz für eine Trendwende.

Was machen Sie? Sie warten.

Noch ein halbes Jahr später das gleiche Spiel. Wieder höhere Preise.

Was machen Sie? Sie warten.

Dann plötzlich eine Analyse, die erneut höhere Preise aufzeigt, Sie erleben nun die höchsten Grundstückpreise der Geschichte. Eigentlich ein Grund zum Jubeln! Aber da gibt es in dieser Studie diese feinen Hinweise, dass der Nachfragedruck auf die Makler abnimmt und auch aus Ihrem Freundeskreise hören Sie Signale von Leuten, die von anderen Regionen schwärmen, in denen das Leben auch schön und vor allem billiger sei. Sie hören sozusagen die "Flöhe husten".

Was machen Sie? Sie verkaufen nun!

Warum? Wegen der Erwartungen! Weil die Flöhe husteten. Nicht weil der Immobilienmarkt wirklich eingebrochen ist. Denn objektiv sind die Preise jedes Mal gestiegen. Aber Ihre Erwartungen bestimmen eben Ihr Handeln!

Was dann tatsächlich danach passiert, ist dass ein paar Monate nach dem Sie verkauft haben, ein grosser Konzern mit tausenden Arbeitsplätzen sich bei Ihnen in der Region nieder lässt. Und die Grundstückspreise steigen weit über Ihren Verkaufspreis.

Da Sie aber klug sind, ärgern Sie sich nicht. Denn das konnte man zum Zeitpunkt Ihrer Entscheidung nicht wissen. Ihr Handeln aber war damals aufgrund der Erwartungen rational und richtig.

Hochspringer

Sie sind Sportmanager und verdienen Ihr Geld damit, Talente zu finden und diese zu lukrativen Verträgen zu führen und daran mit zu verdienen. Sozusagen wie Willi Weber und Michael Schumacher.

Derzeit haben Sie den Dauerweltmeister im Hochsprung unter Vertrag, der den Wettbewerb seit Jahren dominiert. Beständig und zuverlässig produziert der Höhen von 2.40 Meter und mehr und ist unangefochten.

Dann gibt es da auch noch den jungen, 17-Jahre alten aufstrebenden Hochspringer, der grosses Potential zu haben scheint, dessen Rekord noch bei 2,20 Meter steht, aber er ist ja erst 17!

Im Sommer nun gewinnt Ihr Klient die Olympischen Spiele und springt dabei Weltrekord. Er steht auf dem Höhepunkt des Erfolges, höher scheint es nicht mehr zu gehen.

Da Sie ihn aber gut kennen wissen Sie auch, dass die Wehwehchen langsam los gehen, Jahrzehnte harten Trainings fordern halt ihren Tribut.

Für welchen Sportler interessieren Sie sich nun als Manager mehr. Für den der 2,40 springt oder den der 2,20 springt?

Die Antwort dürfte klar sein. Es sind die Erwartungen, die Ihr Handeln bestimmen.

Aber auch hier kann Ihre Erwartung sich im Nachhinein als falsch heraus stellen. Der junge Sportler hat bald danach einen Unfall und wird zum Sportinvaliden. Und der Champion, überwindet durch Umstellung des Trainings seine Wehwehchen und dominiert den Wettbewerb noch 5 Jahre, in denen ein anderer Manager mit ihm reich wird.

Apple

Und genau das ist nun das Problem der Quartalszahlen von Apple.

Apple hatte als "Dauersieger" die Anleger darauf konditioniert, die bewusst niedrig gehaltenen Prognosen, dann bei den Quartalszahlen jedes Mal in den Boden zu stampfen und deutlich zu übertreffen.

Nun ist das zum ersten Mal seit langer Zeit nicht passiert. Und die Prognosen sind noch vorsichtiger geworden.

Und das ruft wie beim Hochsprung-Weltmeister und wie bei dem Gerede Ihrer Freunde zu den Immobilienpreisen Fragezeichen hervor. Und da alle gerne am Hochpunkt verkaufen wollen, wie Sie mit Ihrem Grundstück auch, rennen alle gleichzeitig schnell zum Ausgang. Und das produziert so einen Tag wie gestern bei Apple.

Ist das nun übertrieben oder werden die schnellen Verkäufer am Ende bei Apple doch Recht haben? Das kann nur die Zukunft zeigen, wer behauptet er wüsste es heute, leidet unter Selbstüberschätzung.

Wenn Sie mich fragen, glaube ich auch, dass die Reaktion zwar verständlich, aber etwas übertrieben ist. Ich bin immer noch optimistisch, was Apples weitere Kursentwicklung angeht, aber ich verstehe solche Bewegungen und respektiere sie.

Und ich bin weit davon entfernt im Brustton der Selbstgewissheit zu sagen, dass ich klüger als der Markt bin und der Markt "spinnen" würde.

Wie soll das auch wahr sein, denn der Markt sind wir - Sie und ich und viele andere, die auch Intelligenz haben und denken können.

Letztlich zeigt der Markt also nur das Verhalten, das auch wir, die Marktteilnehmer, in so Situationen zeigen. Wir leiten unser Handeln aus den Erwartungen an die Zukunft ab und nicht aus den Fakten der Gegenwart.

Und diese Denkstrukturen führen bei Apple zu Kursbewegungen. Die objektiven Gewinne des alten Quartals sind dagegen kalter Kaffee und haben keine Relevanz für unser Handeln mehr, ausser die Zahlen verändern durch Überraschungen auch unsere Zukunfts-Erwartungen.

Wer diesen Mechanismus versteht, nimmt die gestrige Kursbewegung bei Apple ohne grosse Verwunderung zur Kenntnis. Und wer ihn nicht versteht, ist dazu verdammt, an der Börse immer auf der falschen Seite zu stehen.

Da bleibt mir nur angelehnt an Clintons berühmtes "It´s the economy stupid!" zu sagen:

"It´s the anticipation stupid!"

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Leverage kills – Von Selbstüberschätzung und Tail Risks

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 10.07.15 14:10 in Hari Live

Nach Europäern, die im Januar kreditfinanziert gegen den scheinbar "sicher" durch die SNB begrenzten Franken gewettet und sich dabei blutige Nasen geholt haben, trifft es nun Chinesen, für die "sicher" war, was die Regierung promoted hat:
-> Wie der Sozialismus Chinas Börsen retten soll <-

Wenn etwas scheinbar "sicher" ist, ist es am Markt in der Regel ganz besonders gefährlich. Eine Regel ist dabei universell: Leverage (hier Kredithebel) kills.

Denn wer nur eingesetzt hatte, was er tatsächlich besessen hat oder zumindest bereit zu verlieren war, ist nun zwar auch unter Wasser, kann aber vergleichsweise ruhig und gelassen abwarten, ob die Kurse nicht wieder zurück kommen.

Wem nun aber der "Margin Call" droht, weil der Kredithai zur Zurückzahlung drängt, ist nackt und dann nicht mehr dabei, wenn es später wieder hoch geht.

Ich weiss, ich weiss, immer wenn ich so etwas schreibe, erklären mir manche - je männlicher und jünger desto wahrscheinlicher 😉 - dass man das ja nicht so hart sehen muss und sie persönlich aber, das im Griff hätten.

Darauf kann ich dann nur die Schultern zucken und mit meiner ganzen Erfahrung und Autorität sagen: FALSCH!

Das ist wie beim Truthahn vor Thanksgiving, für den ist auch alles in Ordnung und er hat alles im Griff, bis ihm der Hals umgedreht wird. Plötzlich und unerwartet sozusagen. 😉

Männer, jung noch dazu, neigen einfach zur Selbstüberschätzung. Diese Selbstüberschätzung hat auch einen evolutionären Sinn, denn ohne den Mut sich etwas zuzutrauen und sich sozusagen auf einen Säbelzahntiger zu stürzen, wäre die Menschheit schon verhungert. Deshalb setzt man in jungen Jahren, wenn man vor Energie fast platzt, auch gerne das Auto gegen den Baum. 😉 Mir ist das zwar nicht passiert, dafür habe ich aber in Selbstüberschätzung andere Dinge gemacht, die nicht weniger idiotisch waren. Ich weiss also schon, worüber ich da rede.

Und es fehlt vielen ganz eindeutig die Phantasie, was alles schief gehen kann und nach Murphy auch irgendwann schief gehen wird. Die berühmten "schwarzen Schwäne" und ihre Auswirkungen eben, die spezielle Ausprägungen des allgemeineren Begriffs vom -> Tail Risk <- sind.

Wo steht zum Beispiel geschrieben, dass nicht in 10 Minuten eine massive, von einem Staat gesteuerte, Cyberattacke gegen die NYSE beginnt, deren Ziel nicht der "Denial of Service" (DoS) ist, sondern deren Ziel Chaos ist, weil Kurse willkürlich beeinflusst werden?

In dem folgenden Chaos würde Schlimmeres passieren, als beim Franken Anstieg im Januar. Da würden Margin Calls durch das System laufen, die es zum völligen Zusammenbruch bringen. Und alle, die das ja dann "im Griff" zu haben glaubten, würden sehr schmerzhaft aus ihrer selbstgefälligen Kontrollillusion aufwachen.

Auch hier wären natürlich auch die Anleger ebenso betroffen, die nicht gehebelt auf Kredit (mit Leverage) gewettet haben. Aber auch hier ist wieder der entscheidende Unterschied, ob man nach den Events weiter leben kann, oder aus finanzieller Sicht das Schicksal des Truthahns teilt.

Denn auch dieses Chaos wird durch Eingreifen der staatlichen Organe im Nachgang irgendwie bereinigt werden. Kurse werden zurück gerechnet werden und am Ende wird sich eine halbwegs akzeptable Lösung finden.

Wer nur mit Geld dabei war, das er wirklich hatte und/oder entbehren kann, kann diese Bereinigung abwarten, ohne dass die Existenz in Frage steht. Diese Anleger haben keinen Druck und keine unmittelbare Not. Sicher wird da auch jede Menge Sorge um das Kapital sein, aber es gibt eben keinen sofortigen Exitus.

Wer aber über seine eigene Finanzkraft hinaus mit Kredit spekuliert hat, der ist schlicht "platt". Und wenn Monate später Ausgleichszahlungen kommen und Kurse zurück gerechnet werden, ist das für diese armen Seelen zwar nett, löst aber das Problem des geplatzten Kredites nicht mehr.

Der entscheidende Unterschied, ist also wie beim Truthahn, dass man unbedingt das kurzfristige Fallbeil verhindern muss! Denn dann hat man auch die Chance, später bei wieder steigenden Kursen oder im Zuge einer Regelung wieder zu profitieren.

Wer aber mitten im Absturz vom Fallbeil getroffen wird, ist danach schlicht: tot!

Also: Leverage kills. Davon bin ich fest überzeugt. Und es gibt auch keinen Grund auf Kredit zu spekulieren. Ich mache es jedes Jahr vor, dass man auch ohne Leverage gute Performance erzielen kann. Und wer ein zu kleines Depot hat und glaubt, das mit Hebel aufpeppen zu müssen, um das grosse Rad zu drehen, ist mit Verlaub naiv. Denn ein Hebel wirkt in beide Richtungen und zu glauben, man würde sicher die richtige Richtung treffen, ist das Zeichen grosser Selbstüberschätzung.

Mir ist klar, dass es wohl Einige gibt, denen diese Worte nicht gefallen werden. Aber es gibt wenig, wovon ich so überzeugt bin.

Und wenigstens wird man nie sagen können, ich hätte nicht eindringlich davor gewarnt.

Ihr Hari

PS:

Weitere Worte dazu hier:
-> Leverage can kill <-

Natürlich hat der Artikel recht, wenn er sagt: "Leverage itself doesn’t kill people, people kill people. And people who don’t understand leverage or abuse it will inevitably get killed by it."

Am Ende sind es natürlich immer die Menschen, die die Verantwortung tragen. Ein Gewehr tötet auch nicht, sondern der Mensch, der damit schiesst tötet.

Und wenn man die Sache wirklich "im Griff" hat, kann man auch Leverage selektiv und sinnvoll einsetzen, weil man sich immer über das reale Gesamtrisiko im Klaren ist, mit dem man im Markt unterwegs ist.

Für sehr erfahrene Trader und Anleger, kann Leverage also Sinne machen. Aber sehr erfahrene Spezialisten können auch im sonstigen Leben mit Gefahrengütern hantieren, die bei Normalbürgern zu schweren Gesundheitsschäden führen würden. Diese Profis versuche ich hier nicht zu adressieren, die wissen schon was sie tun.

Um aber den Punkt für alle normalen Anleger und Nicht-Profis unzweideutig klar zu machen und gerade die zu erreichen, die sich in der Sonne der eigenen Selbstgefälligkeit räkeln, formuliere ich es hier aber bewusst etwas überspitzt und plakativ:

Leverage kills!

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Gold ein Jahr später – die Monstranz der Sicherheit

Vor einem Jahr, im Juli 2014 habe ich hier einen grundlegenden Artikel zu Gold und den Goldminen geschrieben, den ich nun zwölf Monate später genau so wieder schreiben könnte.

Bitte lesen Sie den unbedingt noch einmal, er ist immer noch hoch aktuell und die Aussagen sind immer noch sehr richtig und wichtig und ich werde darauf Bezug nehmen. Und selbst das Chart ist im Kern noch gültig, es dauert offensichtlich nur länger, bis die 1000 USD mal touchiert werden:

-> Gold und Goldminen, zwischen Mythen, Crash, Eurokrise und Propaganda <-

Ich weiss, ich mache mir bei echten "Gold-Bugs" mit den folgenden Worten keine Freunde, aber falls Sie zu den Gold-Liebhabern gehören, fragen Sie sich bitte mal, *warum* Sie von Gold so angezogen werden und vielleicht auch diese vielen Seiten so attraktiv finden, auf denen es permanent nur um "Crashs", Verschwörungen und den nahenden Weltuntergang oder zumindest Währungscrash geht.

Ich gebe Ihnen die Antwort: weil Sie (zu) sehr an Sicherheit interessiert sind! Daran ist ja erst einmal auch nichts Schlimmes und die Vermeidung unnötiger Risiken, macht jede Menge Sinn. Man muss aber wie bei allem im Leben das richtige Mass finden und darf es nicht übertreiben mit der Sicherheit und dabei das Leben nicht vergessen. Das gilt auch und gerade für die Geldanlage!

In den US gibt es beispielsweise Menschen, die so vom Untergang der Welt überzeugt sind, dass sie sich tief in der Provinz schon in ihren eigenen Bunker zurück gezogen haben, das Gewehr neben sich stehend und die Regale voller Konserven, um lange auszuhalten.

Und so sitzen die da und warten. Und warten. Jahre, Jahrzehnte. Sie sitzen ganz "sicher" und geschützt. Dummerweise haben die dabei vergessen zu leben, denn auch sie werden älter. Und irgendwann sterben sie, ohne vieles getan und erlebt zu haben, was das Leben lebenswert macht. Sie waren dabei aber immer sicher. 😉

Nun sind das Extremfälle, aber ich denke Sie wissen, worauf ich hinaus will. Das Leben ist halt nicht sicher, es ist bunt und lebenswert, voller Risiken aber auch Chancen. Nur eines ist wirklich sicher, dass wir am Ende bildlich gesprochen in der Holzkiste landen! Vielleicht sollten wir uns das auch mal so klar machen, wie das Risiko des nächsten Crashs.

Und wenn wir uns die jahrelange Rally am Aktienmarkt anschauen, die hinter uns liegt, dann ist es doch vielen zu sicherheitsbewussten Anlegern auch ganz ähnlich gegangen:

Sie waren unsicher und ihnen wurde 2010 erklärt, dass der Crash kommt. Also warteten sie. Dann wurde Ihnen 2011 erzählt, dass der Crash kommt. Also warteten sie. Und warteten. Bis heute. Und kommt heute der Crash? Vielleicht, aber schauen Sie mal, wie Gold auf das Thema Griechenland reagiert hat. Gar nicht, oder? Kommt nun also der Crash? Vielleicht. 😉

Manipuliert! werden jetzt einige zum Goldpreis sagen. Kann sein, kann auch nicht sein, ist aber völlig "wurscht". Denn der Preis der da steht, ist der zu dem Sie nun und auch in Zukunft beim Händler Ihrer Wahl kaufen oder verkaufen können. Zu keinem anderen. Und wenn einige Goldhändler ihre eigenen werbenden Worte ernst nehmen würden, müssten sie ja ihren Kunden aktuell mehr für den Ankauf von Gold zahlen, weil der Gold-Preis ja so manipuliert ist. 😉

Komischerweise orientieren aber auch die Händler sich am "manipulierten" Preis. Selbst wenn er "manipuliert" sein sollte, was ist es also wert, das zu wissen? Nichts! Um aus meinem obigen Artikel von vor einem Jahr zu zitieren:

Und nehmen wir doch mal theoretisch an, es gäbe diese konzertierte Manipulation, an der Staaten, Notenbanken und Grossbanken mitwirken. Was verleitet jemanden dann zu der völlig naiven Vorstellung, dass dieses Kartell dann in Kürze aufbrechen würde? Im Gegenteil, wenn das Kartell Realität wäre, könnte es auch noch Jahre und vielleicht Jahrzehnte weiter machen.

Was ich Ihnen aber sagen kann ist, dass es klüger war in 2010 Aktien zu kaufen, als jetzt in 2015 noch in den Aktienmarkt einzusteigen. Das ist ja offensichtlich, vielleicht sollten Sie im Moment also tatsächlich warten. Diese Unsicherheit gibt es aber *immer*, wenn Sie auf Sicherheit beim Einstieg warten, werden Sie bis zu Ihrem Tode warten.

Und woran erkennen Sie eigentlich, dass Sie aufhören sollten zu warten? Und glauben Sie eigentlich, dass Sie nach dem nächsten Crash dann kaufen werden? Und wenn ja, warum konnten Sie es 2009 dann nicht?

Fragen über Fragen, die Sie sich mal unbedingt selber stellen sollten, wenn Ihnen Sicherheit bei der Geldanlage so wichtig ist, dass es Sie bei sinnvollen Entscheidungen blockiert und Sie den massiven Anstieg der letzten Jahre daher verpasst haben.

Denken Sie an den Mann, der im Bunker auf den kommenden Weltuntergang wartet. Hat der ein schönes Leben? Und was ist zu viel Sicherheit überhaupt wert, wenn unser Leben sowieso endlich ist?

Ich kann auch eine Metapher aus dem Fussball benutzen. Defensive und Angriff sind kein Gegensatz, man braucht immer beides, um ein Fussballspiel zu gewinnen. Wer sich nur im eigenen Strafraum verkriecht, kann vielleicht ein 0:0 halten, kann aber nicht gewinnen. Und wer ohne Rücksicht auf die Abwehr stürmt, schiesst vielleicht 3 Tore, bekommt aber auch vielleicht 5 hinten rein!

Beide Extreme sind eindeutig ungeeignet, beim Fussball zum Erfolg zu führen und das versteht jeder. Bei der Geldanlage ist es nicht anders, warum verstehen es dann so viele nicht? Warum also, denken Sie permanent über den nächsten Crash nach und nicht mal über das nächste Tor, das Sie schiessen wollen?

Faktum ist:

Auch ich halte Gold für einen sinnvollen Teil einer durchdachten Vermögens-Diversifizierung. Ich weiss, dass Gold das älteste und bewährteste Geld der Welt ist und vor allem nicht beliebig vermehrt werden kann. Und ich bin überzeugt davon, dass es Sinn macht, ein derartiges "Ersatzgeld" für den "Fall des Falles" vorrätig zu haben.

Abgesehen davon handele ich den Goldpreis oder Goldminen auch manchmal und schreibe hier im Blog darüber. Handeln kann man aber alles. Das ist aber eine ganz andere Thematik, als die prinzipielle Anlagesystematik, die ich in diesem Beitrag adressiere. Und wenn man die Edelmetalle gewinnorientiert handeln will, hat das Gerede um Manipulation erst recht keinen Sinn, dann zählt sowieso nur der Preis, der an der Börse aufgerufen wird und sonst nichts!

Ich bin also bestimmt kein Gegner der Edelmetalle. Aber ich mache aus Ihnen auch nicht, was sie nicht sind.

Gold ist kein Investment, sondern einfach nur ein langfristiges Wertaufbewahrungsmittel, Geld eben. Und weil es kein Investment ist, kann man mit ihm von kurzfristigen Kursschwankungen abgesehen, auch keinen langfristigen Ertrag erzielen, sondern nur langfristigen Vermögenserhalt.

Goldbarren sind totes Metall, sie werfen nichts ab und erfinden auch nichts. Sie haben keine Wertschöpfung und generieren keinen Ertrag. Sie sind einfach Geld, ein langfristig stabiles Wertaufbewahrungsmittel. Das ist ja auch schon was und hat seine Bedeutung, gerade in einer Welt, in der die Notenbanken wie wahnsinnig die Geldmenge aufblähen. Aber mehr als das ist es auch nicht.

Und die Edelmetalle bieten auch keine universelle Sicherheit. Sie bieten einen Sicherheitsschirm für nur einen einzigen Risikobereich des Lebens, die Entwertung der Papierwährungen und eine Währungskrise. Und deshalb haben sie eine Berechtigung. Aber man kann Edelmetalle weder essen noch trinken und ob man sie im Falle des Falles überhaupt verkaufen und tauschen kann und das dann nicht unter Strafe steht, ist auch noch fraglich.

Beste Sicherheit bietet bei der Geldanlage nur ein diversifiziertes, weltweit aufgestelltes Portfolio! Zu dem können und sollten Edelmetalle im angemessenen Rahmen gehören, aber zwingend gehören dort vor allem Beteiligungen hinein, die dauerhaften Ertrag abwerfen, wie Aktien zum Beispiel!

Gehen Sie also nicht immer wieder all den Seiten auf den Leim, die Sie mit Crash-Szenarien zum Kauf der Edelmetalle treiben wollen. Machen Sie sich klar, wie stark Ihr Sicherheitsbedürfnis ist.

Legen Sie sich eine angemessene Menge Edelmetalle zur Diversifizierung physisch ins Depot und dann vergessen Sie das Thema und leben Sie mit positiven Gedanken!

Und konzentrieren Sie sich auf die Themen, bei denen man wirklich Rendite und Vermögensaufbau erreichen kann und nicht nur das Kapital erhalten.

Abwehr und Angriff! Anders kann man ein Spiel nicht gewinnen!

Ihr Hari

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