Der gefährliche Ankereffekt bei der Geldanlage

Der folgende Artikel erschien am Freitag 10.10.14 09:15 in Hari Live

Ein Thema aus dem Bereich unseres "Affenhirns", das in der aktuellen Marktlage für uns ganz wichtig wird, ist der sogenannte
-> Ankereffekt <-.

Ein Begriff aus der Psychologie der beschreibt, dass unsere Einschätzung ob am Markt etwas "billig" oder "teuer", "chancencreich" oder "gefährlich" sei, massiv mit dem "Anker" zu tun hat, also mit den Werten, an denen wir uns orientieren. Dummerweise liegen diese "Ankerwerte" immer in der nahen Vergangenheit und führen damit dazu, dass wir zu lange brauchen, um uns neuen Realitäten anzupassen.

Nehmen wir die Aktie von Leoni (540888) als reines Beispiel. Und Leoni ist nach wie vor fundamental eine "gute" Aktie, mit gutem Geschäftsmodell, fähigem Management und guten, langfristigen Wachstumsaussichten.

Nun schauen wir aber mal, ob Leoni nun billig oder teuer ist. Leoni notierte im Hoch am 04.07.14 bei 61,44€. Seit dem hat die Aktie, die aktuell bei 39,3€ notiert, ca. 35% des Wertes verloren. Bei einer fundamental "guten" Aktie, ist die dann doch billig und das eine Kaufgelegenheit. Oder?

Schauen wir nun aber mal anders auf die Aktie. Im Tief am 09.03.2009 notierte genau diese Leoni bei 6,07€. Und auf dem Höhepunkt der Eurokrise am 04.10.2011 bei 20,55€ !

Etwas vereinfacht gesagt, hatten wir also ein Hoch bei 60 und ein vergleichbares Tief 2011 bei 20. Und nun steht Leoni mittendrin bei 40.

Stellen Sie sich nun vor, es wäre Anfang 2012 und Sie hätten Leoni bei 20 gekauft und Leoni hätte sich auf 40 verdoppelt. Was würden Sie instinktiv denken?

Genau: verflixt, Leoni ist schon so weit gelaufen, ich muss nun mal Gewinne mitnehmen/sichern. Und heute denken Sie bei genau den gleichen 40, dass Leoni nun attraktiv bewertet ist.

Was ist der Unterschied? Der Anker ist ein anderer und der Ankereffekt verleitet uns immer dazu, bei Änderungen der Realität zu lange an der alten Realität festzuhalten!

Da ist es wieder, unser verfluchtes Affenhirn! Denken Sie dieser Tage an den Ankereffekt, wenn Sie versuchen Aktien einzuschätzen. Und ich mache damit keinerlei konkrete Aussage zu Leoni, vielleicht dreht die Aktie nun, vielleicht auch nicht. Der Punkt ist: 40 ist nur eine Zahl.

Und falls jemand denkt, dass eine Aktie nur deshalb billig sei, weil sie schon so weit gefallen sei, der irrt auf fatale Art und Weise!

Ich habe auch das Gegenbeispiel dafür. Nehmen wir Arch Coal (908011, ACI), ein in der Vergangenheit solider, stabiler und Cash-starker Kohleförderer. Und Kohle braucht man ja immer oder?

Nun schauen wir mal hier und fragen uns, wie viele Menschen unzählige Male bei diesem Chart gedacht haben, es könnte nun nur noch aufwärts gehen. Pustekuchen! Abwärts geht immer, solange der Kurs nicht bei Null ist. Das ist die einzige Regel, auf die wir uns da verlassen können:

ACI 10.10.14

Übrigens habe auch ich in 2011 und 2012 bei ACI mal eine Gegenbewegung gespielt. Ich bin dann aber auch immer wieder raus gegangen, wenn sich diese Bewegung nicht realisierte oder wieder in sich zusammen fiel. Wer da aber ungesichert dabei geblieben ist, weil er klüger als der Markt sein wollte und weil man "Kohle ja immer braucht", hat nun ein Desaster erlebt. Denn "Tiefer geht immer!"

Ich will Ihnen mit diesen eindrücklichen Zeilen keine Angst machen und nicht behaupten, dass der Markt nun eine Entwicklung wie ACI nehmen wird. Ich will aber etwas bewirken. Und das ist die Erkenntnis, dass wer in so Abwärtsbewegungen ungesichert! dabei bleibt, weil er auf die Wende hofft und "Hopium" atmet, wegen Dummheit geohrfeigt gehört!

Risikomanagement ist Pflicht!

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Ein Gedanke zu „Der gefährliche Ankereffekt bei der Geldanlage

Hinterlasse einen Kommentar