Deutsche Bank – zerschlagt sie endlich !

by Hari on 8. März 2012

Heute erlaube ich mir aus gegebenem Anlass einen persönlichen Kommentar zum Umbau bei der Deutsche Bank (WKN 514000).

Kaum waren die Meldungen über die neue Mangement-Struktur draussen, da hatte die einschlägige Presse natürlich nicht besseres zu tun, als das Bild vom “bösen Gierbanker” Anshu Jain zu malen, der die Herrschaft an sich reisst.

Für mich sind das demagogische Zerrbilder für die Volksseele, die auf dem Rücken von einem Menschen ausgetragen werden, der sich mangels deutscher Sprache nicht angemessen verteidigen kann. Bestimmte Teile der Presse haben mit so etwas ja aber scheinbar Erfahrung, wie man an einigen sehr persönlichen Kampagnen der Vergangenheit nach meiner Ansicht nachvollziehen kann.

Wenn man das so liest, könnte man fast meinen, deutschsprachige Manager ala Ackermann, Börsig und Co. seien ja perse weit weniger “gierig” und ihnen ginge es ja nur um das Gemeinwohl, während der “böse” Herr Jain uns ja wie Graf Dracula nur aussaugen will. Das ich nicht lache, das sind für mich Zerrbilder, sonst nichts !

Die neuen Herren Jain und Fitschen machen nichts anderes, als was auch jeder Minister gleich welcher Partei von links bis rechts macht, wenn er Chef eines Ministeriums wird. Sie bringen Vertraute auf die Schaltstellen der Organisation. Solange man es dabei nicht im Sinne einer “Säuberung” übertreibt und alter Kompetenz ihren Raum lässt auch wenn sie einen eigenen Kopf hat, macht das für Organisationen auch durchaus Sinn. Denn die Leistungskraft der Organisation als Ganzes steigt dadurch, Sand im Getriebe durch Machtkämpfe in der zweiten Reihe kann man im weltweiten Wettbewerb nicht gebrauchen.

Aber ein Korn Wahrheit ist nach meinem Einddruck an dem Gerede vom “Putsch” vielleicht ja doch dran, wie so oft haben Gerüchte einen wahren Kern. Denn die Investmentbanker haben scheinbar noch mehr Macht im Konzern bekommen, eine Macht die ihnen nach meiner Ansicht übrigens primär die Herren Ackermann und Vorgänger gewährt haben, in dem sie zuliessen, dass sich dort Aktienanteile in Form von Boni im (vermutlich) zweistelligen Prozent-Bereich des Stammkapitals der Deutschen Bank ansammelten.

Den Investmentbankern “gehört” die Deutsche Bank im wahrsten Sinne des Wortes. Und deswegen sollte sie sowieso besser in “Londoner Bank” umbenannt werden. ;-) Nicht wegen der paar Posten die Jain nun vergibt, sondern weil die Investmentbanker durch für mich völlig überzogene Boni mächtige Aktionäre wurden !

Und an der Stelle werde ich dann doch wütend, wenn ich mir anschaue, dass der Staat – und damit wir Steuerzahler – eine defacto Ausfallgarantie für die Deutsche Bank aussprechen, die die Herren der Deutschen Bank aber nichts kostet. Denn die Deutsche Bank ist bei dieser Grösse einfach “too big to fail”. Was bedeutet, dass wir alle – Sie und Ich – das Risiko des grossen, gehebelten Rades mittragen, dass die Truppen um Jain drehen und weiter drehen werden.

Und damit es da kein Missverständnis gibt, ich habe nichts gegen das grosse Rad und halte die Investmentbanker als “böse Buben” wie oben beschrieben für ein Zerrbild, mit dem man die unwissende Volksseele aus höchst eigensüchtigen Motiven knetet. Investmentbanken machen einen wichtigen Job, an dem zunächst einmal nichts auszusetzen ist, solange Risiko und Haftung an der richtigen Stelle liegen.

Ich habe aber massiv etwas dagegen, dass ich ungewollt für die Fehler der Investmentbank mithafte. Herr Jain und seine Truppen hätten bestimmt auch etwas dagegen für die Millionen an Darlehen deutscher Bürger mit dem persönlichen Vermögen zu haften, ohne darauf Einfluss zu haben.

DAS finde ich auf gut Deutsch eine “Sauerei” und ich verstehe nicht, warum die Politik das zulässt.

Und die bisherigen “Lösungen” der Politik sind für mich unzureichend und nicht mehr als ein Nasenwasser. Die vermeintlich so “hohen” neuen Eigenkapitalanforderungen an die Banken sind beim Profil der Deutschen Bank nach wie vor viel zu gering und können einen katastrophalen Zusammenbruch nicht verhindern, da das im Investmentbanking gedrehte Rad viel zu gross ist. Deutschland sollte sich da ein Beispiel an der Schweiz nehmen, die ihre UBS und Credit Suisse weit stärker an die Kandarre nimmt.

Die einzige, in meinen Augen wirklich funktionierende Lösung wird aber politisch gar nicht diskutiert und es ist mir ein Rätsel warum das nicht passiert. Die Deutsche Bank gehört für mich im Sinne des Amtseides aller deutschen Verantwortlichen “zum Wohle des deutschen Volkes” zerschlagen ! Und zwar in eine Investmentbank die frei agieren darf und eine “Geschäftsbank”, die nur für die Kontenführung und Kreditvergabe zuständig ist. Ein Trennbankensystem eben !

Dann endlich könnte man die Investmentbank im Falle des Falles auch leichter abwickeln und müsste keinen Bankrun in ganz Deutschland befürchten. Dann endlich wäre auch die implizite Staatsgarantie durch uns Steuerzahler vom Tisch.

Natürlich werden sich gerade die Investmentbanker massiv dagegen wehren und wie Ackermann permanent von den Vorteilen einer integrierten Gesamtbank reden. Diesen Vorteil haben aber nur die Aktionäre und Bonusempfänger der Bank.

Richtig ist natürlich, dass es diese Investmentbank auf eigenen Füssen weit schwerer hätte, weil sie eben nicht mehr wie heute die Einlagen von “Oma Büllerbeck” in der Filiale als Grundlage nutzen könnte, um an den Märkten das grosse Rad zu drehen.

Aber wäre nicht genau das wünschenswert ? Was hat es noch mit dem Gedanken einer Bank zu tun, dass Spareinlagen braver Bürger ungewollt und ungefragt das indirekte Treibmittel für grosse Spekulation sind ? Eine reine Investmentbank hätte nur noch das Kapital der Anleger zur Verfügung, die es auch bewusst für die Geschäfte der Investmentbank einsetzen wollen. Das ist fair und sauber und da kann und sollte sich der Staat dann auch raus halten. Und wenn diese Investmentbank riesige Gewinne macht, seien Sie den handelnden Personen zu gönnen. Und bei Verlusten haften die, die dafür zuständig sind – die Aktionäre und nicht wir Steuerzahler !

Also zerschlagt endlich den Koloss Deutsche Bank ! Warum meine Damen und Herren Politiker, trauen Sie sich da nicht ran ?

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1 Ramsi März 8, 2012 um 10:32

“Für mich sind das demagogische Zerrbilder für die Volksseele, die auf dem Rücken von einem Menschen ausgetragen werden”
” Bestimmte Teile der Presse haben mit so etwas aber ja jede Menge Erfahrung”

Du sprichst mir aus der Seele. Ich könnte manchmal kochen, wenn ich beim Bäcker stehe und die Titelseite sehe. Und sich dann auch noch als moralisch weißer Ritter aufführen … >.<

2 felix März 8, 2012 um 11:24

Ich finde es vor allem Schade, dass die “Deutsche Bank” durch die eingeleiteten Schritte (gewollt) ein neues, (evtl.) internationaleres Image zulegt. Bisher stand doch die Bank selber eher für eine Art und Weise, die zu dem Attribut “Deutsch(e)” ganz gut gepasst hat (vielleicht etwas weniger in den letzten Jahren durch diverse Angelegenheiten) und hat sich dadurch vielleicht etwas herausheben können (finde ich zumindest ganz subjektiv). So sein zu wollen wie,GS, JPM, Citi oder andere, muss sich zeigen, wie das die “kleineren” Kunden langfristig ausfassen werden. Hoffen wir für die DB, dass ihre PR-/Image-/Marketing-Experten sich das gut überlegen (werden).

3 Phil März 8, 2012 um 14:57

Grundsätzlich stimme ich dir zu, Hari, d.h. die Stoßrichtung ist absolut richtig. Aber ich möchte noch zu Bedenken geben, dass dieses System von Seiten der dann neu geschaffenen Investmentbank ganz leicht unterminiert werden könnte und zwar ganz einfach durch Kreditaufnahme bei den Geschäftsbanken. Wenn dann nämlich die Investmentbank abgewickelt werden müsste und mithin einen Default auf die Schulden hinlegen würde, würde dies wiederum zu einer Schieflage bei den Geschäftsbanken führen. Wirklich gewonnen hätte man unter diesen Umständen also nicht viel und die faktische Staatsgarantie für die Investmentbanken würde demnach auch weiter bestehen.

Diese Problematik kann man meiner Meinung nach auch nicht dadurch umgehen, dass man den Investmentbanken verbietet, sich von den Geschäftsbanken Geld zu leihen (Stichwort Vertragsfreiheit etc.). Die Entflechtung von Universalbanken in zwei getrennte Einheiten halte ich aber dennoch für richtig. Man müsste dies dann aber noch durch weitere Maßnahmen flankieren, bspw. noch restriktivere Eigenkapitalvorschriften, “Testament” und/oder eine wie auch immer geartete Investment-Bankenabgabe wo die Erlöse dann in einen Rettungsfonds ala SoFFin fliessen o.ä.

4 Hari März 8, 2012 um 14:58

Stimmt Phil, guter Punkt ! Lösen kann man das auf der Ebene der Geschäftsbank, die an ihre Kreditvergabe durch Regulierung so harte Anforderungen stellen muss, dass es sich für die Investmentbank entweder nicht lohnt, oder ein Zins gezahlt wird, der wirklich einen adäquaten Gegenwert zum Risiko darstellt. Und der wäre sicher sehr hoch.

5 timschaefer März 8, 2012 um 20:43

Ich gebe Ihnen teilweise durchaus Recht: Es ist unfair undifferenziert zu diskutieren.

Dass die Branche als ganzes aber ein selbstverschuldetes Imageproblem hat, ist ziemlich unbestritten.

Schauen Sie sich nur all die Betrugsfälle der vergangenen 2 bis 3 Jahre in den USA an. Die Liste des US-Justizministeriums scheint nicht zu enden:
http://www.nytimes.com/2011/04/14/business/14response.html?_r=1&ref=business

Übrigens werden Bankaktien derart “gehasst”, dass einige regelrechte Value-Schnäppchen geworden sind:
http://www.timschaefermedia.com/?Banken_stehen_vor_Erholung_das_Schlimmste_scheint_ueberstanden&id=1194&det=1

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