Gewürzte Charts – Von Oszillatoren und Indikatoren

Neben der täglichen Aktualität, besprechen wir auf Mr-Market auch immer wieder grundsätzliche Themen rund um die Märkte und diskutieren über die Techniken, die nötig sind, um Erfolg haben zu können.

Hier ist beispielhaft ein Beitrag vom 20.01.16, der aufzeigt, wie wichtig es ist, sich bei der Marktanalyse auf das Wesentliche zu konzentrieren und Charts nicht zu überladen.

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Wenn Anleger beginnen, sich mit technischer Analyse zu beschäftigen, entdecken Sie fasziniert eine Unmenge an Indikatoren und Oszillatoren, die sie in Charts sehen, oder die ihnen in Lehrbüchern nahe gebracht werden.

Jeder dieser einzelnen Parameter hat eine spezielle Bedeutung und das weckt Reflexe in uns, den "heiligen Gral" der Börsenindikatoren zu finden. Wäre ja auch toll, einfach nur auf ein paar Indikatoren zu schauen und *schwupps* sagen die einem, was zu tun ist. 😉

Gerade Menschen mit einem technischen beruflichen Hintergrund sind ja darauf gepolt, Dinge so lange zu verfeinern und an Details zu feilen, bis diese perfekt geworden sind. Und so macht man sich voller Elan daran, all diese Oszillatoren und Indikatoren in die eigenen Charts und in eine sich entwickelnde Strategie aufzunehmen.

Leider ist der Markt nicht wie beispielsweise ein Motor, an dem man tatsächlich so lange an Details feilen kann, bis man in Perfektion das Maximum aus der Physik heraus geholt hat. Und leider führt der Versuch, durch eine grosse Menge an Indikatoren und Signalgebern das Anlage-Ergebnis zu verbessern, eher zum Gegenteil. In der Regel werden Strategien so zu komplex und Charts sind dann so mit Linien und Symbolen überladen, dass das Wesentliche dabei unter zu gehen droht.

Mit diesem Beitrag, will ich daher auf ein paar wichtige Dinge und Prioritäten hinweisen, in der Hoffnung, einige von Ihnen von unnötigen Sackgassen bei der Entwicklung abzuhalten:

Das Wichtigste, das Allerwichtigste, nach dem lange nichts kommt, ist immer die "Price-Action" selber.
Also die Kurse, die wir real im Chart sehen können.

Jede erfolgreiche Strategie, muss auf diesen realen Kursbewegungen aufbauen. Oszillatoren und Indikatoren sind dagegen nichts weiter als "Gewürze" bei einem leckeren Essen. Gewürze alleine, machen den Magen aber nicht voll - ohne den Inhalt im Kochtopf, sind Gewürze für sich alleine nichts wert.

Und ein Essen wird auch nicht dadurch besser, dass man jedes Gewürz aus dem Küchenschrank durcheinander in den Topf gibt. Nein, oft ist eine kleine, triviale Prise Salz alles, was ein gutes Essen braucht!

So ist es auch bei allen Indikatoren und besonders bei den Oszillatoren, die ja sowieso nur ein abstrakte Ableitung der Price-Action sind. Schon alleine deshalb, kann es keinen Mehrwert generieren, zu viele Oszillatoren gleichzeitig einzusetzen, denn am Ende zeigen die alle das Gleiche an.

Aber auch bei Indikatoren, die andere Marktparameter visualisieren, schafft zu viel keinen Mehrwert, sondern nur Verwirrung. Denn erneut, wie beim Gewürz, schafft der Indikator alleine kein belastbares Signal. Erst die reale Price-Action in Kombination mit einem Indikator, kann ein sinnvolles Signal geben.

Nehmen wir das On-Balance-Volumen (OBV) als Beispiel. Dessen Signale sind in der Regel ohne Belang. Wenn aber das OBV eine Divergenz zum Kurs zeigt und der Kurs gerade eine Wendebewegung vollführt, kann das OBV ein hervorragender Indikator sein um zu überprüfen, ob diese Wende substantiell ist oder bald wieder in sich zusammen fällt. Das OBV hat also nicht immer Bedeutung, sondern nur als "Gewürz" in bestimmten Situationen.

So ist es eigentlich mit allen Indikatoren. Man muss immer von der Price-Action selber ausgehen und wenn man da etwas Interessantes sieht, kann man einen geeigneten Indikator zu Rate ziehen, um die Situation weiter heraus zu arbeiten.

Damit dieser Artikel nicht zu lang wird, will ich Ihnen daher einfach mal summarisch sagen, wie nach meiner Erfahrung erfolgreiche Trader mit Charts und Indikatoren arbeiten.

Nun sind Menschen und Strategien sehr unterschiedlich und es mag immer die Ausnahme von der Regel geben. Aber zumindest alle Trader die ich kenne *und* denen ich auch gleichzeitig Kompetenz und Erfahrung zubillige, werden Ihnen Ähnliches sagen wie folgt. Das ist kein Beweis, weil meine Menge statistisch nicht relevant ist, aber zumindest ein Indikator, in welche Richtung Sie denken sollten:

(1) Fokus

Konzentrieren Sie sich auf Indikatoren, die eine wirklich Ergänzung für die speziellen Situationen darstellen, die Sie handeln wollen! Wer sich beispielsweise auf Trendfolge spezialisiert, braucht andere Indikatoren als jemand, der Reversals handeln will. Indikatoren haben für sich alleine keinen Wert, erst durch das, was man mit ihnen wie durch eine Lupe heraus arbeiten will, bekommen sie Bedeutung. Die allgemeine Frage nach den "optimalen" Indikatoren, ist also ohne den konkreten Kontext sinnlos.

(2) Weniger ist Mehr

Konzentrieren Sie sich auf wenige Indikatoren, die sie wirklich beherrschen. Zu viele gleichzeitig, verschmieren das Bild nur und verbessern es nicht. Das ist wie zu grosse Diversifizierung, wenn man die übertreibt, kann man gleich den MSCI World kaufen.

(3) Struktur und das Wesentliche

Das Wichtigste ist, dass Sie die Struktur der Price-Action im Chart heraus arbeiten und daraus Schlussfolgerungen ableiten. Der Indikator hilft dann nur, dieses Bild zu "würzen". Wenn Sie ohne Indikatoren keine Struktur entdecken können, hilft Ihnen ein Korb an Indikatoren auch nicht weiter. Konzentrieren Sie sich in der Darstellung auf das Wesentliche, das Sie handeln wollen.

Soweit kurz die drei wichtigen Regeln, die ich wie gesagt bei allen erfolgreichen Tradern gesehen habe, zu denen ich jemals Kontakt hatte.

Nun findet man im Web ja immer wieder so überladene Charts mit unzähligen Indikatoren und Linien kreuz und quer. Für mich persönlich ist das eher ein negatives Zeichen, statt ein Qualitätsmerkmal.

Sicher, Laien kann man mit der Komplexität beeindrucken, aber für mich wirft es sofort die Frage auf, ob der Trader das Wesentliche überhaupt noch sieht oder ob er nur Eindruck schinden will.

Erneut, ich will gar nicht ausschliessen, dass es da draussen die Ausnahme gibt, den sehr erfolgreichen Trader, der gerade so überladene Charts und Indikatoren-Bündel sinnvoll zum eigenen Vorteil einsetzen kann. Die Regel, ist das wohl eher nicht.

Die Regel ist eher, dass solch überladene Darstellung Indiz dafür ist, dass noch keine ausreichend ausgeformte Strategie existiert.

Fazit:

Gehen Sie nicht in die Falle zu glauben, dass Ihre Börsenaktivitäten besser werden, weil Sie noch mehr Indikatoren darauf werfen oder Ihre Strategie bis ins kleinste Details verfeinern. Dem ist nicht so, denn der Markt ist nicht statisch, sondern immer im Wandel.

Was Ihnen hilft, ist wenige Hilfsmittel perfekt zu beherrschen und nicht ganz Viele nur ein bischen.

Worauf Sie sich konzentrieren sollten, ist also das Wesentliche, fokussieren Sie sich auf die Struktur der Charts selber und betrachten Sie Indikatoren als Beiwerk.

Denn am Ende, um zum Bild des Jägers mit dem Speer zurück zu kommen, kommt es nur auf diese Zehntelsekunde an, in der der Arm den Speer mit Wucht wirft. Alles andere drum herum ist nur Beiwerk. In dieser Zehntelsekunde aber, muss die Bewegung sitzen. Und das geht nur mit Fokus und Konzentration auf das Wesentliche.

Ihr Hari

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2 Gedanken zu „Gewürzte Charts – Von Oszillatoren und Indikatoren

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