Problemfall Volkswagen

Der folgende Artikel erschien gestern, Montag 13.07.15 17:10 Uhr in Hari Live

Wenn ich eine Aktie auswählen sollte, für die ich im DAX derzeit am skeptischten bin, würde mir Volkswagen, konkret hier die im DAX notierenden Vorzüge, einfallen.

Warum?

Erstens wissen Sie, wie sehr ich Ferdinand Piëchs Kritik inhaltlich geteilt habe. Zu gross, zu komplex, zu zentralistisch unter Winterkorn, zu selbstgefällig unter Winterkorn, zu stark von Gewerkschaften und Politik dominiert. So sehe ich persönlich Volkswagen.

Zweitens gibt es kaum ein Unternehmen, dass so stark vom chinesischen Markt abhängt. Wenn die Autoverkäufe in China kippen, hat VW schnell ein ernstes Problem. Das auch, weil man unfähig erscheint, das US Geschäft richtig zum Laufen zu bringen.

Drittens zeigt das Chart nicht nur weiter einen klaren Abwärtstrend und auch heute wieder relative Schwäche zum DAX. Auch eine deutliche negative Divergenz im On-Balance-Volumen zeigt sich, sprich das grosse Geld scheint so skeptisch wie ich zu sein:

VW VZ 13.07.15

Nun kann man sich darüber streiten, ob VW wirklich die Aktie im DAX mit dem zweifelhaftesten Ausblick ist, um solche Superlative geht es mir aber auch nicht.

Klar ist aber, dass das keine Aussichten und keine Rahmenbedingungen sind, die mich derzeit dazu veranlassen, bei VW nun Long zu sein. Wenn schon unbedingt deutsche Autos, dann immer noch besser BMW oder Daimler. Wobei auch bei denen das Upside langsam begrenzt sein sollte.

Sicher, man versucht bei VW nun mit einer Umorganisation etwas gegenzusteuern und auch der neue VW Marken-Chef Herbert Diess, könnte frischen Wind bringen. Auch wenn das keiner zugeben will, hat Ferdinand Piëchs harsche Kritik doch etwas in Bewegung gesetzt.

Aber auch ein Herbert Diess muss sich erst einmal gegen die in meinen Augen wahren Mehrheitsgesellschafter - die Gewerkschaften - durchsetzen. Denn bei aller Liebe und aller Berechtigung einer starken Mitarbeitervertretung, im Zusammenspiel mit der Politik scheinen die Gewerkschaften mir bei VW zu mächtig zu sein. Und davon abgesehen, was ist wenn der Fisch wirklich vom Kopf stinkt, wie es Piëchs Kritik für mich persönlich implizierte?

Nein, VW macht mir als Aktie den Mund gerade nicht wässrig.

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Amputationsschmerz – Europa in der Sackgasse

Der folgende Artikel erschien schon gestern, Montag 13.07.15 08:30 Uhr in Hari Live, als das Ergebnis des Gipfels noch nicht fest stand

Guten Morgen!

Was schreibt man an so einem historischen Tag, an dem zum Zeitpunkt dieser Worte, immer noch kein weisser Rauch aus Brüssel aufgestiegen ist?

Sie wissen, wie ich zum Thema stehe. Wer nun immer noch nicht sieht, wie der -> fehlkonstruierte Euro <- Europa zerstört, dem kann ich nicht mehr helfen.

Denn was jetzt in Brüssel passiert, ist das Ergebnis eines Patts zwischen zwei unvereinbaren Grundpositionen, für die Frankreich und Deutschland stehen. Grundpositionen, die sich in 20 Jahren nicht geändert haben. Es geht nur vordergründig um Griechenland, in Wirklichkeit geht es darum, was das für eine Eurozone ist. Die auf Regeln und Stabilität ausgelegte Eurozone als Nachfolger der D-Mark. Oder die weiche und unter dem Primat politischer Wünsche stehende Eurozone Frankreichs, als Nachfolger des Franc.

Da sich beide Positionen unlösbar gegenüber stehen und auch keiner nachgeben kann - Frankreich schon alleine nicht aus Angst, als nächstes in den Fokus der Märkte zu geraten - wird nun ein Kompromiss auf Kosten Griechenlands geschmiedet, in dem Griechenland dem Wunsch Frankreichs entsprechend im Euro bleibt und die Bedingungen dafür aber so hart sind, dass es die deutsche Seite zufrieden stellt.

Dieser "Kompromiss" ist in der Zwangsjacke des Euros der kleinste gemeinsame Nenner zwischen beiden Positionen. Und gleichzeitig - und das ist das Fatale - kann er nicht über den Tag hinaus tragen.

Glaubt jemand ernsthaft, dass dieses Griechenland mit dieser sozialistisch/populistischen Regierung und einer Haltung der Bevölkerung, die Schuldige immer woanders sucht, einen Massnahmenkatalog umsetzt und dafür Mehrheiten gewinnt, der weit über alles hinaus geht, was bürgerliche Vorgängerregierungen getan haben? Unfug!

Damit stehen wir bald wieder an der gleichen Stelle und gewonnen ist Nichts. Nur das ganz viel Vertrauen und Zusammenhalt in Europa kaputt gegangen ist. Und das Blame-Game ist ja schon im vollen Gange und alter Hass gegen Deutschland bricht wieder auf.

Dabei ist es objektiv Frankreich und die Kommission, die mit ihrer kompromisslosen Haltung den einzigen sauberen Weg geschlossen haben und zu diesem Patt geführt haben. Griechenland hätte aus dem Euro gemusst und ganz wohlwollend, ausserhalb von der EU massiv gestützt werden müssen. Billiger wäre es dadurch nicht geworden, aber es wäre die sauberere Lösung gewesen - die Lösung die Hoffnung für die Zukunft macht. Auf die frechen Forderungen Tsipras einzugehen. hätte die Eurozone dagegen erst recht zerstört. Das war nie eine Option.

Mehr will ich dazu heute früh gar nicht schreiben, die Dinge sind ja noch im Fluss. Klar geworden sind aber endgültig zwei Dinge:

1. Der Euro ist in seiner Fehlkonstruktion der Totengräber Europas Einigkeit und bringt die Völker gegeneinander auf.
2. Der Ansatz in ein anderes demokratisches Land hinein zu regieren, ist absurd und kann nicht funktionieren.

Es gibt zwei Wege, wie Europa sich retten kann.

Der Erste wäre eine schnelle Integration zum föderalen Bundesstaat. Das ist irreal und scheitert vor allem an Frankreich. Daran sieht man auch, wie viel vom Europa-Gerede aus Paris zu halten ist. Frankreich, das sich immer noch als "Grande Nation" begreift, wird als Letztes bereit sein, seine Staatlichkeit aufzugeben. Der Weg ist unrealistisch.

Der zweite Weg ist, dass der Euro sich gesund schrumpft auf die Staaten, die unter dem gemeinsamen Korsett auch leben können, weil sie sich kulturell am nächsten sind. Der Weg der Gesundschrumpfung durch Austritt der Schwachen wird gerade entschieden. Wenn Griechenland nun nicht geht, wird nie irgend ein Land den Euro freiwillig verlassen, denn gerade die schwachen Länder profitieren am meisten und nicht Deutschland, wie immer unter Verdrehung der Tatsachen behauptet wird.

Wenn aber der Weg der Schrumpfung durch Austritt der Schwächsten nicht geht, bleibt nur der freiwillige Austritt Deutschlands. Das ist aber auch unrealistisch und wird keine Mehrheiten finden bzw erst dann, wenn die Krise wirklich schwer und für alle merkbar wird.

Im Moment geht es aber den Deutschen oberflächlich zu gut und die D-Mark ist so lange her, dass viele jüngere Menschen sich etwas anderes als den Euro gar nicht vorstellen können. Und die Herde hat hohe Beharrungskräfte, sie wird in Unsicherheit immer wählen, was sie kennt.

Bei der Einführung des Euros waren 60% der Deutschen gegen den Euro und für der Erhalt der eigenen Währung. Darüber sind die europatrunkenen Parteien ausnahmslos einfach hinweg gegangen. Hinweg gegangen auch über all die unzähligen warnenden Worte qualifizierter Ökonomen und Geldpolitiker. Heute gäbe es wohl eine 60:40 Mehrheit für den Euro, weil die Mehrheit sich etwas anderes nicht vorstellen kann und das Problem auch gar nicht versteht und nicht erkennt.

Abgesehen davon, wäre an dem Tag, an dem Deutschland aus dem Euro ausscheidet - und mit dem Euro wahrscheinlich einige andere Länder wie die Niederlande - der Euro am Ende, weil ihm der Anker fehlt. Auch das ist realistisch kein gangbarer Weg. Der einzige Weg, in dem der Überdruck hätte geordnet entweichen können, das Überdruckventil sozusagen, wurde aber gerade von Frankreich zugestellt.

Die Situation ist übel und ohne heftigen Amputationsschmerz nicht mehr zu lösen. Alles was jetzt passiert, ist wieder nur teuer Zeit zu erkaufen, ohne Chance auf Besserung oder Lösung. In jeder Krise liegt auch Chance, alleine mir fehlt die Wahrnehmung, dass die Beteiligten - insbesondere die Brüsseler Truppen um Juncker, Schulz und Co. - überhaupt das Problem begriffen und/oder wahrhaben wollen. Und diese Selbsterkenntnis, steht am Anfang jeder Chance auf Besserung.

So schnell geht es, wenn Radikale zu zündeln beginnen und dabei auf Verlogenheit und mühsam kaschierte Gegensätze treffen, die sie frei legen.

An dem Problem, das wir nun haben, hat Griechenland auf jeden Fall keine Schuld. Die griechischen Demagogen, sind in ihrer Verantwortungslosigkeit nur der Katalysator, der den Schleier all der Verlogenheiten frei legt und den Blick auf die im Kern bestehenden Widersprüche des Euros und Europas lenkt.

Am Ende gewinnt halt die Mathematik, die kann man weder betrügen, noch politisch umschiffen. 1+1 ist immer noch 2. Und 19-1 ist 18 und nicht Null.

Ach Europa!

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Hari Live – Archiv 05.07.15 – 11.07.15

Premium gross

Hari Live - Archiv 05.07.15 - 11.07.15


Freitag 10.07.15 17:10 - Genervt

So liebe Mitglieder, ich gehe ins Wochenende. Ich muss Ihnen gestehen, ich bin richtig genervt.

Genervt, weil wir nun das x-te Wochenende hintereinander haben, an dem wir wieder so eine politische Entscheidung vor uns haben, die uns am Montag ein paar hundert Punkte tiefer oder höher aufwachen lässt.

Genervt, weil das völlig dabei blockiert, sich mit einzelnen Aktien, selbst ETFs und Wirtschaftsdaten zu befassen. Weil was bringt das alles, wenn die Geschehnisse in Brüssel das sowieso alles überschreiben?

Genervt, weil ich bei diesem Spiel mit der "Slot Machine" nicht mitspielen kann und will, denn es ist einfach Zufall. Der Markt hat sich nun entsprechend der Wahrscheinlichkeiten positioniert, einen Edge gibt es nicht mehr. Wer meint, nun den Ausgang besser als der Markt einschätzen zu können, kann ja zocken, ich halte davon nichts.

Genervt, weil durch die politischen Faktoren, die Aussagekraft der Tools und Methoden der Markttechnik stark herab gesetzt ist und die nächste politische Volte jedes Signal einfach überschreibt.

Genervt, weil das Geschehen in Brüssel mir als Europäer inhaltlich völlig gegen den Strich geht und ich der festen Überzeugung bin, dass wenn man jetzt nicht konsequent ist und das Thema der Euro-Mitgliedschaft von Griechenland beendet, die politischen Folgen in den kommenden Jahren dramatisch werden.

Genervt, weil ich befürchte, dass das Thema auch am kommenden Montag nicht zu Ende ist. Weil wenn der Grexit kommt, wird das Blame-Game richtig los gehen und auch die Einigkeit der Eurozone in Frage stellen. Und wenn er nicht kommt, werden wir, nach dem wir weiteres Geld in Griechenland versenkt haben, schnell merken, was von den Reformzusagen zu halten ist: nicht viel.

Genervt, weil wir mit China so einen weiteren Fall politischer Einflussnahme haben. Würde man die Märkte nun mal die Panik auskosten lassen, könnte man irgendwann guten Gewissens sagen: "das wars jetzt" und wieder auf sicherem Boden kaufen. So machen die Interventionen alles wackeliger und auch das macht Entscheidungen für den DAX nun völlig ungewiss, denn wenn Chinas Problem sich verstärkt, wird es der DAX (vor allem über die Autowerte) massiv merken.

Nein, der Markt macht mir im Moment keinen Spass. Das ist die ehrliche Antwort und Sie wissen ja, dass ich hier ehrlich schreibe. Der Grund sind keine Verluste, ich bin seit Ende Mai in hohem Masse an der Seitenlinie, wie Sie ja wissen. Der Grund ist dieses Gefühl der Hilflosigkeit im Angesicht von für uns wichtigen Entscheidungen, die in meinen Augen falsch laufen. Und Grund ist dieses sinnlose Hin- und Her im Markt, an dem man wirklich nicht teilnehmen muss, solange es andauert. Gut, dass bald Urlaub ist.

Ich frage Sie: wie oft haben wir die letzten Wochenenden und im ganzen ersten Halbjahr vor einer vergleichbaren Situation gestanden? Ich habe beim Zählen den Überblick verloren. Für mich werden wir gerade Zeuge totalen Politikversagens, was Brüssel angeht.

Ich habe Ihnen im DAX mal die Slot Machine eingezeichnet, vor der wir nun stehen. Das sind die beiden Punkte, zu denen ich denke, wir je nachdem am Montag eröffnen werden.

Der Markt hat sich nun schon sehr stark auf die Seite einer Einigung am Wochenende gelegt, weswegen die beiden Alternativen gegenüber dem heutigen Kurs nicht ganz symmetrisch sind.

Auch ich würde sagen, die Chance für eine Einigung ist nun grösser als ein Scheitern, genau deshalb ist aber auch die Fallhöhe grösser, wenn der Grexit doch kommt:

DAX 10.07.15

Aber es nützt ja alles nicht. Ich muss tief durchatmen und "Ommm" sagen. Wir lesen uns am Montag wieder, wenn dieser unerträgliche B-Movie wieder in diesem Theater aufgeführt wird: "Tsipras Reloaded - Der Fluch der guten Tat".

Ihr Hari

PS: An die 39 Teammitglieder des Projektes, denken Sie mir bis Sonntag Abend trotz Tsipras bitte an die Abstimmung über die finalen 10 Aktien. Danke!


Freitag 10.07.15 14:10 - Leverage kills

Nach Europäern, die im Januar kreditfinanziert gegen den scheinbar "sicher" durch die SNB begrenzten Franken gewettet haben, trifft es nun Chinesen, für die "sicher" war, was die Regierung promoted hat:
-> Wie der Sozialismus Chinas Börsen retten soll < -

Wenn etwas scheinbar "sicher" ist, ist es am Markt in der Regel ganz besonders gefährlich.

Die Regel ist universell: Leverage kills. Denn wer nur eingesetzt hatte, was er tatsächlich besessen hat oder zumindest bereit zu verlieren war, ist nun zwar auch unter Wasser, kann aber vergleichsweise ruhig und gelassen abwarten, ob die Kurse nicht wieder zurück kommen.

Wem nun aber der "Margin Call" droht, weil der Kredithai zur Zurückzahlung drängt, ist nackt und dann nicht mehr dabei, wenn es später wieder hoch geht.

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Apple und die US Indizes an der Klippe

Vor einer guten Woche, hatte ich im Artikel -> Mr. Gnadenlos und das wahre Risiko <- schon darauf hingewiesen, dass die mittelfristigen Risiken in den US Indizes und im Speziellen im Leitindex S&P500 steigen.

Nun hatten wir gestern sogar noch ein fieses "Reversal des Reversals", denn der Dienstag brachte im Sinne "Turnaround Tuesday" eigentlich alle Parameter eines beginnenden Rebounds, wurde aber am gestrigen Mittwoch unter dem Druck von Grexit, China und einer über Stunden geschlossenen New York Stock Exchange, vollständig wieder abgegeben.

Die Price-Action im S&P500 wird daher immer fragwürdiger, das Chart zeigt deutlich, wie riskant die Lage nun ist:

S&P500 09.07.15 3

Wer jetzt also nur auf Griechenland starrt und eine Auflösung des Dramas für Käufe nutzen will, könnte damit auf mittelfristige Sicht deutlich zu kurz springen. Denn damit befindet man sich im massiven Konsens im deutschen Markt, alle warten darauf, den Grexit dann wieder als Kaufgelegenheit nutzen zu wollen. Und was alle erwarten, kann am Markt nur schwer eintreffen.

Ein denkbares und für den fiesen Mr. Market sehr typisches Szenario, wäre daher eine kurze Erleichterungsrally im DAX, die dann aber schnell von den wichtigeren Problemen im Rest der Welt aufgefressen wird. Stellen Sie sich nur mal vor, in China würde der Absturz weiter gehen und das Vertrauen der Bevölkerung erschüttern. Unsere Autobauer würden es wohl in den Absatzzahlen als Erste merken und der DAX in Folge auch.

Und mit den hektischen, dirigistischen Maßnahmen zur "Stützung" des Marktes, machen die chinesischen - nur dem Namen nach noch "kommunistischen" - Kader alles nur schlimmer, weil sie das Vertrauen untergraben und sich dem Risiko aussetzen, die eigene Machtlosigkeit deutlich zu machen. Und wenn Vertrauen bricht, dann geht es schnell und massiv nach unten. Eine Herde von Marktteilnehmern, die von Panik in eine Abwärts-Stampede getrieben wird, hält wirklich in ihrem Lauf, "weder Ochs noch Esel auf". Das müssen die Chinesen wohl noch lernen - Vertrauen ist das Zauberwort, nicht operative Hektik!

Deshalb ist es für uns nun so wichtig, auf die US Indizes zu schauen, denn wenn die nun zur ersten harten Korrektur seit über drei Jahren ansetzen sollten, wird sich der DAX dem nicht entziehen können!

Kurzfristig ist das Sentiment in den US nun aber so sauer geworden, dass eine positive Gegenbewegung in den nächsten Tagen, vielleicht auch im Zuge einer Auflösung des griechischen Dramas, ganz gute Chancen hat. Was danach kommt ist die Frage und da sieht die Marktmechanik im mittelfristigen Blick wirklich nicht mehr gut aus.

Will man den Zustand eines Marktes einschätzen, lohnt es sich dabei auch, einen Blick auf die führenden Aktien und deren Strukturen zu werfen und wer wäre da besser geeignet, als *der* Bluechip schlechthin: Apple.

Wir sehen im Chart schnell, dass bis zum 28.04. (dem blauen Pfeil) alles nach einer positiven Fortsetzung des Aufwärtstrends wie aus dem Lehrbuch aussah. Das böse Reversal am 28.04., hat dann aber alles verändert und seit dem ist der Wurm drin:

AAPL 09.07.15

Wir sehen auch, dass Apple nun im wahrsten Sinne des Wortes "an der Klippe" steht und die nun deutlich sichtbare Divergenz im On-Balance-Volumen, macht keine guten Gefühle. Eine diffuse Nachrichtenlage mit negativen Nachrichten zur Apple Watch, macht die Lage nicht einfacher. Diese Nachrichten sind nicht wegen der absoluten Zahlen bedeutend, dafür ist der Umsatz der Apple Watch zu gering. Sie haben aber Bedeutung, weil sie am Nimbus der Unbesiegbarkeit von Apple kratzen.

Trotzdem gehe ich auch bei Apple eher davon aus, dass wir hier nicht direkt durchfallen, sondern es nun kurzfristig erst einmal eher nach oben geht. Danach wird es aber wirklich riskant und wenn eine solche Gegenbewegung wieder verkauft werden sollte, muss man bei Apple, wie bei den US Indizes, von einer echten Korrektur ausgehen, die dann auch am DAX nicht vorüber gehen wird.

Fazit:

Die mittelfristige Lage in den US Indizes sieht zunehmend wackelig aus. Noch ist nichts entschieden und auch eine erneute Auflösung nach oben ist denkbar. Wir dürfen durch das griechische Gezappel aber auf keinen Fall blind für diese Entwicklungen werden, denn die sind für DAX und Co. am Ende wichtiger als die Frage, auf welche Art und Weise nun weitere Steuermilliarden in Griechenland verbrannt werden. Denn dass es dazu kommt, ist völlig klar. Die Frage ist nur, ob für ein Programm, das sowieso nicht eingehalten wird oder für humanitäre Rettungsmassnahmen, die von Teilen der Gesellschaft gar nicht gewollt werden, weil man ja "so stolz" ist.

Wir dagegen sollten als rationale und professionell agierende Marktteilnehmer "stolz" sein, wenn wir diese schwierige Marktphase weiter unbeschadet überstehen, denn die ist nicht ohne und voller versteckter Risiken. Wer dabei Hilfe braucht, sollte sich der Mr-Market Community anschliessen.

Ihr Hari

PS: Übrigens, wir haben einen weiteren Kolumnisten an Bord, schauen Sie -> hier <-. "Nun sind wir fünf!" kann ich also dankbar im Stile von "Chris", dem Anführer der -> glorreichen Sieben <- sagen. 😉

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Warum Frau Merkel immer noch keine Anführerin ist

Heute Abend kommt der Gipfel der Eurostaaten zusammen, um vordergründig über das weitere Vorgehen im Fall Griechenland zu entscheiden. Wir haben ja schon viele Gipfel erlebt und immer war "nach dem Gipfel" letztlich nur "vor dem Gipfel".

Dieses Mal wird es aber anders sein, denn die normative Kraft faktisch insolventer griechischer Banken, erlaubt keine weiteren Verschiebungen und Illusionen mehr.

Was auf dem Gipfel wirklich verhandelt wird, ist hinter dem vordergründigen Thema Griechenland, eine viel grundsätzlichere Thematik. Die Frage nämlich, ob die Währungsunion endgültig zur Transferunion mutiert oder im letzten Moment diese Bewegung gestoppt wird.

Hinter der Fassade der Konsensfloskeln, sind dabei die Kampflinien klar. Im Wesentlichen steht das südeuropäische Bild von Wirtschaft, gegen das auf Leistungsfähigkeit ausgerichtete nordeuropäische Bild von Wirtschaft. Und die südeuropäischen Denkstrukturen, haben eine strategische Mehrheit in der Eurozone.

Dahinter im Hintergrund spielen auch geostrategische Einflüsse herein und die US machen aus Eigeninteresse Druck, dass es zum "südeuropäischen Europa" kommt - dazu habe ich heute im Premium Bereich ausführlicher geschrieben.

Es ist dieser Moment des Abwartens auf eine wichtige Entscheidung, an dem ich gerne mal in alten Archiven krame, was ich zum Thema schon so alles geschrieben habe. Und dabei fiel mir der folgende Artikel in die Hände, den ich -> am 30.11.2012 unter obigem Titel <- verfasst habe.

Damals 2012 liefen im Bundestag gerade die diversen Abstimmungen zu den "Rettungsprogrammen" in Sachen Griechenland und wir erinnern uns an Interviews mit völlig desorientierten Bundestagsabgeordneten, die wie Schlafwandler keinen blassen Schimmer davon hatten, was sie da taten.

Dabei war schon damals für klar sehende Augen mit ein wenig ökonomischer Bildung klar, was für ein Schwachfug diese "Rettung" war und wie man für nichts und wieder nichts die Regeln der Währungsunion mit Füssen getreten hat.

Sicher verstehe ich auch, dass Motivation der damaligen Rettung vor allem Sorge um das eigene Bankensystem war. Nur das Problem hätte man mit dem gleichen Geld auch anders lösen können, ohne den Maastricht Vertrag zu zerstören.

Lesen Sie einfach noch einmal, was mir damals zu Frau Merkel eingefallen ist und wie aktuell das noch ist. Und wundern Sie sich - oder wundern sich nicht 😉 - wie wenig sich seit dem geändert hat.

Liebe Frau Merkel, Führen ist mehr als moderieren. Moderieren ist ein Teil der Gleichung und oft sinnvoll. Aber es gibt die Momente, in denen es ohne klare Richtungsentscheidung nicht geht.

Heute steht so eine Richtungsentscheidung über eine fehlkonstruierte Währungsunion an. Und Sie haben erneut eine Chance zu beweisen, dass Sie doch eine Anführerin sind!

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November 2012: Ein sehr persönlicher Kommentar zu Frau Merkel und zum Thema Führung:

Manchmal entstehen Gedankengänge adhoc aus dem Nichts. Sie wissen aus vielen grundsätzlichen und durchaus politischen Artikeln zur Eurokrise, wie sehr mich die Konsequenzen dieser Fragen für unsere Zukunft umtreiben.

So erinnere ich an Artikel wie -> Ja aber .. oder wie man sich selber abschafft <- oder -> Das Ende Deutschlands wie wir es kennen <-.

In Anbetracht der Meldungen zur wievielten? Abstimmung des Bundestages über die wievielte? "letzte" Stützung Griechenlands, wurde mir selber bewusst, dass selbst ich mittlerweise komplett auf geistigen Durchzug geschaltet habe, sobald von Politik, Berlin und Bundestag die Rede ist. Und ich habe mich gefragt, woran das liegt, denn an mangelndem politischen Interesse oder fehlendem Verständnis für die sachliche Problematik, kann es bei mir nun wirklich nicht liegen.

Die Antwort war mir schnell klar. Es handelt sich um eine Art unbewussten Selbstschutz meinerseits, weil ich das konzeptlose "Geschwurbel" der Politik in Anberacht der gewaltigen Konsequenzen die daraus erwachsen, einfach nicht ertrage. Es tut meinem Seelenheil gut, die Bilder der weitgehend hilf- und ahnungslosen Bundestagsabgeordneten, die da nach Fraktionsdisziplin abstimmen, zu verdrängen. Denn ansonsten würde ich jeden Tag die Verzweiflung spüren, die aus einem Gefühl der Hilflosigkeit erwächst. Hilflosigkeit, wenn man glaubt weit besser als die Mehrzahl der Politiker zu verstehen was nötig wäre, aber keinen Einfluss auf das Ergebnis hat.

So kam es zu einem Kommentar in den Live-Tips, darauf Kommentaren von Lesern und Antworten von mir, und so entstand ein Gedankengang, den ich für so wichtig halte, dass ich Ihn auch in Form eines Artikels verewigen will.

Denn eines ist doch offensichtlich. Wir haben in Europa, speziell aber gerade in Deutschland, ein gefühltes Führungsvakuum. Es fehlt dem Land an Orientierung und an Visionen, die seinen Weg in die Zukunft beschreiben. Von all den grundsätzliche Fragestellungen, die sich über Jahrzehnte aufgestaut haben, aber ohne konzeptionelle Antwort bleiben, ganz zu schweigen. Dieser gefühlte Mangel trägt wesentlich dazu bei, dass sich in schwierigen Zeiten dieses Gefühl der Hilflosigkeit breit macht, weil man glaubt sowieso nichts ändern zu können und so der Zukunft ausgeliefert zu sein.

Und wir haben mit unserer Bundeskanzlerin eine Meisterin des Machterhalts und der Organisation der komplexen Gegenwart, die aber nach meinem persönlichen Eindruck sofort ein spürbares Unbehagen zu befallen scheint, sobald es darum geht eine Richtung vorzugeben - ausser wenn diese Richtung sowieso Common Sense und damit offensichtlich ist. Denn etwas vorzugeben und sich mit seiner Überzeugung in den Wind zu stellen, ist aktiv und nicht reaktiv. Und es birgt die Gefahr in sich, dabei falsch zu liegen. Leider ist aber genau das Führung, das andere nur das Verhalten eine Verwalters. Immer nur aus der Deckung zu agieren, schützt vor Wunden, das Verhalten eines Anführers ist das nicht. Und Menschen werden so auch nicht motiviert.

Worauf sich die Frage anschliesst, warum das gerade in Deutschland so ausgepägt ist. Dem Land, auf das nun ganz Europa und die ganze Welt schaut, um in Europa Führung zu zeigen. Wer, wenn nicht Deutschland, könnte man fragen - und so sieht es auch die Welt ausserhalb Europas.

Ich befürchte wir sehen hier in Deutschland die Gegenbewegung zu den traumatisierenden Erfahrungen der zwei Weltkriege. Denn alles was mit Vision und Charisma zu tun hat, steht bei uns seit dem unter Generalverdacht.

Gerade bei den Deutschen ist das auffällig. Deutschland hatte seit der Reichsgründung 1870/71 eine beeindruckende Kraftentfaltung. Man konnte sozusagen vor Kraft kaum Laufen. Es gab so etwas wie ein kollektives Gefühl der Bestimmung zur Grösse, das dann natürlich auch primitiver Kraftmeierei eine Steilvorlage gab, statt klug eingesetzt zu werden. Mit dem Ende der Nazi-Herrschaft entstand dann ein gewaltiger Kater und seitdem ist alles diskreditiert, das mit Charisma und Vision zu tun hat.

Ich konnte es doch im Nachhinein an den Erzählungen meines Grossvaters beobachten. Ein Idealist wie er im Buche steht und überzeugtes Mitglied der Partei. Und irgendwann ist das dann umgeschlagen in ein Gefühl betrogen und missbraucht worden zu sein. Die Folge war innerlicher Rückzug in die überschaubare Welt des Schrebergartens.

Nun hindert uns diese kollektive Erfahrung, wieder in grösseren Dimensionen zu denken und die Welt gestalten zu wollen, statt sie nur zu erdulden und uns in ihr einzurichten. Und dieser Gestaltungswille ist nun im Zeitalter der Globalisierung dringend geboten ! Denn entweder wir gestalten, oder wir werden von anderen gestaltet !

Dabei ist Gestaltungswillen, Vision und Führungskraft zunächst einmal moralisch wertfrei und es sind Fähigkeiten, die immer wieder zwingend nötig werden. Moralisch “gut” oder “böse” wird Führung immer erst im Nachhinein, wenn man das Ergebnis der Führung dann bewundern und werten kann.

So können Visionen uns in den Untergang führen, aber auch in eine bessere Welt. Und wenn wir aufhören wollen, das Gute zu wagen, nur weil es auch schief gehen könnte, sollten wir in Deutschland besser gleich im Bett bleiben. Ich habe es schon einmal geschrieben, wir begehen hier in Deutschland in meinen Augen “Selbstmord aus Angst vor dem Tod !”

Und unsere Bundeskanzlerin passt perfekt dazu. Sie scheint mir persönlich so viel Angst davor zu haben, dass ihr die Kontrolle über die komplexe Situation entgleitet, dass sie darüber die wahre Rolle jedes Anführers vergisst: dem Land Orientierung, Richtung und das Gefühl eines gemeinsamen Sinns zu vermitteln. Genau die Fähigkeiten, die übrigens einen guten CEO von einem schlechten unterscheiden.

Dabei sind Führungsfragen und die Anforderungen an Führungspersonal ja nun nichts Neues und begleiten die Menschheit, solange wir Aufzeichnungen über die Geschichte haben. Und über die Jahrtausende haben sich daher auch bewährte Mechanismen heraus geschält, die jede grössere Gruppe von Menschen benötigt, wenn sie kollektiv vor schwierigen Herausforderungen steht.

So gibt es auf jedem gut geführten Schiff nicht ohne Grund neben dem Kapitän den 1. Offizier. Es ist der erste Offizier, der den Laden operativ am Laufen hält und auch die Disziplinargewalt ausübt, bewusst nicht der Kapitän. Der Kapitän dagegen bestimmt die Richtung und befeuert die Herzen der Mannschaft. Der Kapitän muss daher diese Eigenschaft besitzen, die man als Charisma bezeichnet. Diese Rollenverteilung hat sich über Jahrhunderte bewährt. Und auf einem Segelschiff über Monate eingepfercht den Naturgewalten trotzen zu müssen, hat durchaus Parallelen zu den "Naturgewalten" der einfachen Mathematik, mit denen wir uns nun im Angesicht der Staatschuldenkrise auseinander setzen müssen.

Wir in Deutschland haben mit Frau Merkel einen gut funktionierenden 1. Offizier, dem wir operativ nach aller Erfahrung auch vertrauen können. Der Kapitän ist dagegen schmerzlich “Missing in Action”.

Und nein, ich persönlich kann im derzeitigen politischen Personal niemanden erkennen, der diese Rolle des Kapitäns überzeugend ausfüllen kann. Schon gar nicht dünnhäutige Polterer, die eher Schafe im Wolfspelz als umgekehrt sind. Aber auch das ist für mich Zeichen des Elends unseres politischen Systems, das eher den angepassten Parteisoldaten fördert, als den unabhängigen, kantigen Überzeugungstäter.

Wenn wir in der globalen Weltgeschichte in Zukunft gestalten und nicht nur passiv hin- und her geworfen werden wollen, dann brauchen wir in meinen Augen eine Art Demokratie 2.0. Eine Demokratie, die die besten, klügsten und durchsetzungsstärksten Mitglieder unserer Gesellschaft dazu motiviert, sich politisch zu engagieren. Und ihnen das auch ermöglicht, ohne vorher eine stromlinienförmige Wandlung durchlaufen zu müssen. Eine Verfassung, die einer Regierung auch die Mittel gibt, dann mal "durchzuregieren" wenn sie gewählt ist, statt sie in eine permanente Quasi-Grosse-Koalition mit permanentem Vermittlungsausschuss zu zwingen, der nur graue Einheitssosse hervor bringt. Und als Gegenwicht zu dieser stärkeren Exekutive stärkere plebiszitäre Elemente, so dass der wahre Souverän, der Bürger, die Regierung zur Räson bringen kann, falls diese ihre Macht zu missbrauchen beginnt.

Und wir brauchen eine(n) Bundeskanzler(in), die/der zur Führung befähigt ist und von eigenen Überzeugungen über den richtigen Weg geleitet wird, verbunden mit der unverzichtbaren Fähigkeit, diesen Weg dem Land auch überzeugend zu vermitteln. Die operative Gestaltung der Details ist Aufgabe der ersten Offiziere, in Form der Bundesminister.

So weit meine Sicht auf das Elend unserer Politik. Und auf Frau Merkel, die ich persönlich als verlässliche Sachwalterin der Gegenwart durchaus schätze. Als Anführerin unseres Gemeinwesens aber persönlich für einen ziemlichen Ausfall halte.

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