Großbritannien – Estimation Nation

Heute freue ich mich besonders, Ihnen unser Mitglied der ersten Stunde "Libertin", auch im freien Bereich als neuen Kolumnisten des Blogs vorzustellen. Eine Kurzvita finden Sie -> hier <-.

Libertin hat sich in seiner Kolumne "Libertannica" vor allem Großbritannien verschrieben, da er als regelmäßigen Pendler zwischen den Ländern, viel Zeit vor Ort verbringt. Dabei hat er sich aber auch die Distanz und den unabhängigen Blick des Ausländers bewahrt.

Innenansichten aus Großbritannien, werden für uns in den kommenden Jahren besonders wichtig sein, da das Geschehen nach dem Brexit in seinem potentiellen Erfolg wie Mißerfolg, massive Auswirkungen auf Deutschland und die europäische Union haben wird. Unabhängig davon, ist der Finanzplatz London sowieso mit einer Reihe hoch spannender und attraktiver Unternehmen bestückt.

Libertins Kolumne soll den Bogen von Landeskultur, Alltagserfahrungen und Politik bis zu den Finanzmärkten schlagen und so die Mr-Market-Mitglieder mit Einsichten und Opportunitäten zum Vereinigten Königreich bereichern.

Nun wünsche ich Ihnen viel Spass bei einem Artikel der Libertannica! Ihr Hari

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Nationalcharakter? Ein engstirniges Wort, zu recht veraltet. Doch die Abwehr von Stereotypien darf andererseits nicht blind machen für Unterschiede und Eigenheiten. „Andere Länder, andere Sitten“ - das ist zwar komplett abgegriffen, trifft es aber schon eher. Auch Gesellschaften, die begrifflichen Nachfolger der Völker, haben schließlich geteilte Sichtweisen, Denk-, Kommunikations- und Gefühlsmodelle, bestehen sogar in gewisser Weise geradezu aus ihnen. Und nicht immer verlaufen die Trennlinien zwischen den Denkstrukturen entlang der bekannten Klischees, mit denen sich die Nationen das Nachdenken über ihre Nachbarn einfach machen.

Oft sind diese Dinge daher schwer zu fassen. Wenn ich in meiner Kolumne „Libertannica“ hier solche Eigenheiten Großbritanniens aufgreife, dann gehe ich wohl oder übel von subjektiven Eindrücken aus, ohne Anspruch auf universale empirische Gültigkeit, ein Zickzack mal den Klischees entlang, mal quer zu ihnen.

Schwer zu fassen ist für mich auch folgendes Thema, das mir aber wichtig vorkommt, mir immer wieder auffällt - eigentlich eher ein Bündel von Themen. Ich will es versuchsweise unter dem – nicht wertend gemeinten – Stichwort „(Un-)Genauigkeit“ ansprechen. Zu diesem unübersichtlichen Bündel gehörten auch das britische „Durchwursteln“, von dem hier schon die Rede war, die Pragmatik, die Flexibilität, das Zugleich von puritanischer Strenge und Permissivität, sowie vieles mehr. Aber irgendworan muß man die Sachen ja aufhängen.

Ist Genauigkeit eine Zier? Oder schlägt Präzision prompt in lähmende Pedanterie um? Der aufdringlich oft zitierten deutschen Pünktlichkeit steht in der englischen Welt eine seltener erwähnte Laxheit entgegen, eine oft verblüffend nonchalante Einstellung, mit einem vielsagenden Idiom vielleicht zu bezeichnen als „a cavalier attitude“. Aber Achtung, die folgenden Beispiele und Gedanken sind willkürlich und ohne Gewähr...

Erstmals beobachten kann der Neuankömmling dies gleich bei der Wohnungssuche, zumindest wenn es sich um eine Mietwohnung handeln soll. Die große Überraschung: In den Anzeigen findet sich keine Angabe der Fläche. Wohnungen werden nach der Anzahl der Zimmer eingeteilt und allenfalls noch mit einem Adjektiv als „groß“ oder „geräumig“ beschrieben. Die Größe muß der Makler auf Nachfrage erst einmal nachschlagen und hat womöglich keine befriedigende Antwort. Die Idee, gar einen Quadratmeterpreis auszurechnen, erscheint dann vollends als neurotische Pfennigfuchserei. Das mag nun auch damit zusammenhängen, daß Mieten in UK traditionell einen Ruf als Übergangslösung genießt, daher ja auch die Häufigkeit möblierter Wohnungen am Mietmarkt: Vielleicht muß man es da nicht so genau sein wie beim Immobilienerwerb. Trotzdem ist dieses Wischi-Waschi aus deutscher Sicht erstaunlich.

Die Ungenauigkeit hat dabei aber eine ganz wichtige positive Dimension: die Großzügigkeit. Das zeigt sich etwa im Kernbereich des britischen gesellschaftlichen Miteinanders, beim Pub-Besuch. Die allerwichtigste kulturelle Lektion für jeden ausländischen Gast ist die vorauseilende Bereitschaft zum Bestellen von Runden. Geiz ist hier eine unaussprechlich üble Erzsünde, total ungeil.

Die Runden wecheln zwar im Lauf des Abends ab, aber keinesfalls wird penibel mitgezählt, ob man auch auf seine Kosten gekommen ist, wenn man aufbricht. Der Abgrund an Peinlichkeit ist erreicht, wenn ein deutscher Besucher dem Rundenholer verschämt eine Fünfpfundnote hinstreckt, um das eigene Bier auszulösen. Oh no! Wobei hinter dieser Großzügigkeit ein subtiles Wertesystem am Wirken ist, das das Verhalten unmerklich reglementiert. Wer sich notorisch vor seinen Runden drückt, wird irgendwann dann doch auffallen und geächtet werden. Geben und Nehmen als elegante Dialektik.

Mit diesem Widerspruch ist der Bereich der britischen Höflichkeit berührt. Selbstzurücknahme ist zentral, etwa beim zivilisisierten Schlangestehen, einer hohen Errungenschaft, über die zu spotten den notorisch rückichtslosen Deutschen nicht gut ansteht. Auch Lügen ist etwa moralisch strengstens verpönt – man erinnere sich an den allgemeinen Aufschrei hierzulande vor ein paar Jahren über den Spesenskandal im Unterhaus.

Andererseits ist im Bereich der Höflichkeit das Lügen geradezu vorgeschrieben. „How are you?“ Wehe dem, der darauf zur ehrlichen Antwort ansetzt. Er merkt nach langen Monolog-Minuten, daß das Interesse an der eigenen Gesundheit eher Konvention geschuldet war als Anteilnahme. Und dennoch ölt dieses rituelle Ballett der Unehrlichkeit das soziale Miteinander auf eine bewundernswerte Weise. Böse Zungen behaupten, es führe auch zu einer gewissen Verklemmtheit.

Einen weiteren Unschärfebereich im häuslichen Leben will ich noch anfügen: die Abrechnung mit Versorgern. Was in Deutschland allenfalls in vernachlässigten Altbauten anzutreffen ist, stellt in Großbritannien den Regelfall dar: Wohnungen ohne Wasserzähler. Berechnet wird nach „Haushaltsgröße“ - ein Schätzwert also, wobei die Fläche hier aus erwähnten Gründen eher eine Nebenrolle spielt. Über 40% der Haushalte hätten heute einen Wasserzähler, verkündet stolz der Industrieverband -> Water UK<-. Das heißt, 60% haben keinen. Shocking.

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Mit dem Wind im Rücken zum Markterfolg segeln

Der folgende Beitrag erschien schon vor ca. 5 Monaten am Donnerstag 12.03.15 14:20 in Hari Live und wurde für den freien Bereich nun noch gering angepasst, weil einige Referenzen im Originalartikel nicht frei verfügbar sind.

Da fragen Sie sich sicher, wie kann ein 5 Monate alter Beitrag noch interessant sein?

Die Antwort ist, weil er sehr grundsätzlicher Natur ist und die Entwicklung der letzten Monate sehr präzise gezeigt hat, wie zutreffend er doch ist.

Und er passt gut zu anderen Beiträgen der letzten Monate im freien Bereich, wie -> Kohle - tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss! <-

Hier geht es los:

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Ich habe schon mehrfach über eine -> Sektorenstrategie für normale Anleger <- geschrieben.

Und in Hari Live habe ich unter dem Titel "Das langfristige Megatrend-Depot für den kleinen Geldbeutel" auch darüber geschrieben, warum es für kleine Depots Sinn machen könnte, seine Investments auf die grossen Megatrends zu konzentrieren.

In dem Artikel hatte ich darauf hingewiesen, dass:

  • Zykliker zwar wild hin- und her schwingen, langfristig aber nicht vom Fleck kommen.
  • Rohstoffe oder Gold, in ihren Bewertungen zwar wild schwanken können, aber kein echtes Wachstum durch Innovation in sich tragen.
  • Reine "Cash-Kühe" ohne Wachstum, zwar jede Menge Cash per Dividende ausschütten, am Ende aber langfristig nicht vom Fleck kommen.
  • Niedrige KBVs und KGVs und hohe Ausschüttungen, keine langfristige Sicherheit verschaffen.
  • Sehr langfristig über Jahrzehnte genau die Firmen am "sichersten" sind, die sich neben starken, eigenen Produkten, in einem stark wachsenden Marktumfeld bewegen, denen neue Kunden also sozusagen von alleine zufliegen, weil der sie umgebende Markt einfach wächst

Ich halte diese Aussagen immer noch für grundlegend richtig und wichtig.

Heute will ich mal daran anknüpfen und erklären, warum die Sektorenwahl bei der Frage, welche Aktie in ein Investmentdepot gehört, für mich das erste wichtige Nadelöhr ist, durch das ein potentielles Investment durch muss.

Denn wenn man ein langfristiges Investment tätigt, macht es jede Menge Sinn, das aus einem Sektor zu wählen, der langfristig wächst. Ein Sektor, bei dem der zu verteilende Kuchen also immer grösser wird.

Erfahrene Segler wissen zu Genüge, wie viel einfacher es ist, mit dem Wind im Rücken zu segeln, als gegen den Wind anzukreuzen. Letzteres geht zwar auch, erfordert aber weit höheren Aufwand, um voran zu kommen.

Und was beim Segeln der Wind ist, ist bei der Geldanlage der fundamentale Trend, der für steigende Umsätze und Gewinne sorgt. Unternehmen, die in so einem Markt sind, haben es leicht, den Aktionären Freude zu machen. Warum also, sollten wir bei der Geldanlage freiwillig auf diesen Vorteil verzichten?

Ich bin sowieso ein Fan des "Growth"-Gedankens. Denn Bewertungen, die sich aus der Vergangenheit herleiten, sind genau das: Vergangenheit. Viel wichtiger damit unsere Investmentdepots ergrünen ist aber, dass das Geschäftsmodell in der Zukunft Wachstum zulässt. Denn Wachstum wird langfristig in steigende Kursnotierungen umgesetzt. Und wenn die Grösse des zu verteilenden Kuchens wächst, fällt es Unternehmen leicht, daran Teil zu haben.

Neben der Grösse des zu verteilenden Kuchens, sind dabei aber die Eintrittshürden ebenso wichtig. Denn wenn ein Markt wächst, wollen andere auch daran Teil haben. Je schwerer das ist, je mehr Anlaufinvestitionen das erfordert, desto leichter tun sich die an der Börse notierten Platzhirsche, ihre Margen zu verteidigen.

Der ideale Sektor für ein Investment wäre also einer, der absehbar in den kommenden Jahren wächst und bei dem der Neueintritt neuer Mitbewerber aber aufgrund hoher Eintrittsbarrieren fast ausgeschlossen ist.

Nach dieser Vorrede, will ich daher eine Diskussion mit Ihnen beginnen, welche Sektoren im Sinne eines mehrjährigen Investments zu bevorzugen sind und welche nicht. Treue Leser werden über die Liste nicht überrascht sein, denn natürlich finden sich diese Präferenzen auch in den Einzelaktien wieder, die ich immer wieder mit Ihnen bespreche.

Damit konkret zu den Sektoren. Vorab sei noch gesagt, dass natürlich keine Regel ohne Ausnahme existiert. Auch in starken Sektoren, gibt es schwache Aktien, von denen man die Finger lassen sollte. Und in kritischen Sektoren, gibt es trotzdem starke Aktien, vielleicht gerade weil diese den Sektor so aufmischen, wie eine Tesla Motors die Autoindustrie.

Zunächst einmal die Sektoren, die ich bevorzuge, weil hier nach meiner Erwartung langfristiges Wachstum zu finden ist:

Clean Energy & Clean Tech

Ich denke das "warum", muss ich hier nicht mehr aufführen. Solange nicht als "schwarzer Schwan" eine ganz neue Technologie wie die "kalte Fusion" auftaucht, die alles auf den Kopf stellt, habe ich am langfristigen Erfolg und Wachstum des Sektors keinerlei Zweifel. Kurzfristige Verwirrrungen wie aktuell durch den Einbruch in China, ändern nichts am grossen Bild.

Aerospace & Defense

Natürlich inklusive Raumfahrt. Langfristig ein klarer Wachstumssektur und auch unsere Art uns und unsere Waren zu transportieren, wird bestimmt "dreidimensional" werden, sobald die autonomen Systeme so weit sind, dass "Fahr-Flug-Zeuge" alleine wie an einer Schnur gezogen fliegen können. Coruscant lässt sozusagen grüssen. 😉

Aber das dauert noch ein paar Jahrzehnte. Real ist aber nun die durch die multipolare Welt geförderte Rückkehr der strategischen Konflikte. Russland, China, Japan - überall wird massiv aufgerüstet und die Friedensdividende nach dem Fall des eisernen Vorhangs wieder abgebaut. Der Westen und insbesondere Europa wird nachziehen, das betrachte ich auf Jahre als nahezu sicher. Und die Eintrittsbarrieren im Sektor sind immens hoch. Wachsende Umsätze werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit unter den Unternehmen verteilt, die heute schon bekannt sind.

Biotech & Life Sciences

Auch das muss ich wohl nicht weiter begründen, für mich immer noch *der* langfristige Boomsektor des neuen Jahrhunderts.

Agro Tech

Die Betonung liegt dabei auf "Tech", denn die eher profanen Düngemittel verstehe ich nicht darunter. Die fallen eher unter Rohstoffe und sind zyklischer Natur.

Aber alles was durch Innovation dabei hilft, die wachsende Weltbevölkerung trotz schlechter werdender Böden zu ernähren, vom robotergeführten Traktor bis zur intelligenten Bewässerung, wird seinen Weg machen und hat absehbar steigende Geschäftsvolumina vor sich.

Robotics

Eigentlich kein richtiger Sektor und nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Denn Robotics ist eigentlich eine Basistechnologie, die sich an ganz unterschiedlichen Stellen auswirken kann. Zum Beispiel in der Medizin bei Intutive Surgical. Oder in der Agrarwirtschaft durch autonome Erntemaschinen. Oder im Rüstungsbereich bei Drohnen. Oder in der Autoindustrie beim autonomen Fahren. Oder bei der Produktion wie bei Kuka. Oder. Oder.

Die verschiedenen Ausprägungen dieser Basistechnologie, stehen aber vor massivem Wachstum, auch davon ist auszugehen.

Software

Wie Robotics ist auch "Software" eine Basistechnologie und man kann nicht pauschal sagen, dass ein Investment in Software per se aussichtsreich sei. Es ist aber an ganz vielen Stellen Software, die den Unterschied macht. Überlegen Sie sich alleine mal, wie die zunehmenden Fähigkeiten von Spracherkennung (Siri und Co.) ganze Industrien umkrempeln werden - "Tea - Earl Grey - Hot!";). Oder denken Sie an das Thema Cyber-Security, auch das ist offensichtlich ein Wachstumsthema.

....

So weit als Beispiele ein paar Sektoren, die ich mag und aus denen ich gerne Aktien für mein Investmentdepot wähle. Es gibt noch andere und keiner der obigen Sektoren sollte sie überraschen. Aber allen diesen Sektoren ist gemein, dass der Wind des Wachstums in den Rücken des Investments bläst. Und es macht jede Menge Sinn, auf diesen Rückenwind zu setzen.

Nun noch kurz und beispielsweise ein paar Sektoren, um die ich in der Regel bei Investments einen Bogen mache und warum.

Versorger

Versorger braucht man immer? Habe ich auch mal gedacht und ist wahrscheinlich falsch. Die Technologie macht zentrale Versorger zwar nicht völlig unnötig, drängt sie aber in den Hintergrund und nimmt damit die Wachstumspotentiale. Dezentraler Energie gehört nach meiner Überzeugung die Zukunft.

Und die etablierten Versorger haben für mich schlicht kein Geschäftsmodell mehr und keine wirklich überzeugende Idee, wie ein neues entstehen soll. Warum da "gegen den Wind" segeln?

Autoindustrie

Von den Paradigmenbrechern wie Tesla abgesehen, ist die Autoindustrie derzeit in einem gesättigten Markt unterwegs. Etwas flapsig gesagt, passen mehr Autos nicht mehr auf diesen Planeten - ausser man geht in die dritte Dimension, siehe oben.

Und die Industrie steht vor einer Zeitenwende voller Risiken und neuer Mitbewerber ala Google und Apple. Sicher, vielleicht setzen sich von den derzeit etablierten Autobauern ein paar durch und starten in das neue Zeitalter der Mobilität. Aber das ist völlig unklar.

Warum also sollte man sich als Investment diese Risiken antun? Hier scheinen mir die Risiken kurzfristig höher als die Chancen.

Öl und Gas

Das Öl- und Gaszeitalter geht zu Ende. Und neue Quellen zu finden, wird immer teurer. Paradoxerweise könnten gerade die aktuell niedrigen Ölpreise diese Entwicklung noch befördern. Denn in dem neue Investitionen unterbleiben, könnte der nächste Preissschub um so stärker ausfallen und den Wechsel von Öl und Gas auf andere Energieformen (siehe oben) befeuern.

Banken

Brauchen wir (traditionelle) Banken in einer modernen Welt überhaupt noch? Als Transmissionsriemen für Kredite funktionieren sie ja schon jetzt nicht mehr richtig. Und um Zahlungen abzuwickeln, braucht man sie bald auch nicht mehr, Paypal und Co. lässt grüssen.

Dann sind die Banken noch völlig undurchsichtig, weil selbst Branchenexperten vor deren Bilanzen kapitulieren. Und Wachstum soll woher kommen? Hallo, ist da jemand?

Wie können solche Aktien also Grundlage eines langfristigen, mehrjährigen Investments sein?

So..... so weit ein paar Beispiele. Nichts davon dürfte Sie überraschen, ich wollte es nur einmal im Zusammenhang darstellen.

Und selbstverständlich habe ich nicht die Weisheit gefressen und wenn es um die Einschätzung der Zukunft geht, kann ich auch nur Vermutungen anstellen, ohne diese zu kennen.

Der wesentliche Punkt den ich hier machen will ist, dass bei einem langfristigen Investment die Sektoren vorzuziehen sind, bei denen der zu verteilende Kuchen absehbar grösser wird - uns also der Wind in den Rücken bläst und uns ganz ohne Anstrengung antreibt.

Es macht in meinen Augen weit mehr Sinn, sich bei Investments über diese Potentiale der Zukunft Gedanken zu machen, als sich in den Zahlen der Vergangenheit zu vergraben.

Und wenn Sie mal genau hinschauen, werden Sie bemerken, dass sich die hohen Dividenden gerade in den Sektoren sammeln, denen das Wachstum fehlt. Das ist auch kein Wunder und habe ich in dem lesenswerten Artikel -> Dididenden - überschätzt, overhyped, missverstanden und trotzdem wichtig <- dargestellt.

Für mein langfristiges Anlageverhalten gilt daher der vielleicht überraschende Satz "Wachstum schafft Sicherheit!". Ich persönlich bin damit über Jahre sehr gut gefahren.

Ihr Hari

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Ballard Power, FuelCell Energy, Plug Power – die grosse Tesla Brennstoffzellen Rally

Elon Musk hat ja vor kurzem die Pläne zur Tesla Gigafactory vorgestellt, auf die der Markt im wahrsten Sinne des Wortes "elektrisiert" reagiert hat. 😉 Ich habe das vor knapp einer Woche -> hier <- ausführlich thematisiert.

Die Begeisterung des Marktes beruht dabei nicht nur auf der schieren Grösse des Vorhabens - diese Fabrik soll so viel Batterien ausstossen, wie die gesamte weltweite Produktion zum jetzigen Zeitpunkt. Vielmehr sieht der Markt einen Paradigma-Wechsel im Energie-Geschäft am Horizont. Denn damit werden dezentrale, lokale Energiespeicher konkurrenzfähig und zwar weit über die Anwendung in Autos hinaus.

Die Konsequenzen sind erheblich und strahlen in viele Wirtschaftszweige aus. Das sind eher schlechte Nachrichten für zentrale Versorger und gute für die Solarindustrie, aber auch die Produzenten von Lithium profitieren, das ja für die Produktion der Batterien benötigt wird.

Im Global X Lithium ETF "LIT", der die Produzenten von Lithium zusammem fasst, kann man gut sehen, was Elon Musk mit seiner Ankündigung ausgelöst hat. Wir verfolgen den ETF in der Mr-Market Community schon länger:

LIT 05.03.14

Wer jetzt aber glaubt, die Begeisterung des Marktes würde sich auf die Industrie rund um die in der Fabrik produzierten Lithium Batterien beschränken, irrt gewaltig.

Denn für den Markt war dieses Announcement tatsächlich der endgültige Startschuss für eine gewaltige Rally in allen Aktien, die im weitesten Sinne mit dezentraler Energiespeicherung zu tun haben. Insbesondere die Brennstoffzelle profitiert von Elon Musks gewaltigem Projekt.

Schauen Sie mit mir auf die Charts der führenden Brennstoffzellen-Unternehmen wie Ballard Power, FuelCell Energy und Plug Power und staunen Sie über den "Elon Musk Effekt" im blauen Kreis:

Ballard 05.03.14

FCEL 05.03.15

Plug 05.03.14

Das ist beeindruckend oder ? Und ich könnte Ihnen noch andere Aktien aus dem Sektor mit ähnlichem Chartbild zeigen. Weitere Namen im Sektor sind zum Beispiel Arotech (ARTX), China BAK Battery (CBAK), Highpower International (HPJ) oder Hydrogenics (HYGS).

Hier nimmt der Markt offensichtlich eine Neubewertung vor und er hat damit in meinen Augen grundsätzlich recht. Denn wir stehen tatsächlich vor einem bedeutenden Wandel hin zu dezentraler Energiegewinnung und vor allem Speicherung. Ich habe hier darüber unter der Thematik "Solar" schon mehrfach ausführlich geschrieben. Und die Technologie, egal ob über klassische Batterien ala Tesla oder Brennstoffzellen oder andere Lösungen, wird nun langsam reif und konkurrenzfähig dafür.

Wie immer nimmt der Markt solche Entwicklungen schnell vorweg und dieser Anstieg in dieser Dynamik ist natürlich nicht wirklich rational begründbar. Insofern muss man sich schon die Frage stellen, ob man da kurzfristig hinterher hechten sollte oder nicht doch lieber auf die erste Korrektur wartet, um in den Sektor einzusteigen. Rational erscheint das der bessere Weg, noch etwas Geduld zu haben und die erste Begeisterung auslaufen zu lassen.

Wer aber nicht begreift, dass sich hier gerade langsam ein langfristiger Megatrend der nächsten Jahre in Gang setzt, ist in meinen Augen selber schuld und insofern wäre eine Korrektur vielleicht tatsächlich eine Einstiegsgelegenheit in den Sektor.

Aber auch wenn der Sektor vor einem absehbaren Boom steht, werden natürlich nicht alle Unternehmen und alle Technologien am Ende profitieren. Einige werden auch untergehen und den Wettlauf verlieren. Weswegen die Anlage in einzelne Aktien im Sektor hoch riskant ist.

Es ist daher schade, dass es noch keinen ETF gibt, der alle Unternehmen mit dezentralen Energiespeicherlösungen unter einem Dach zusammen fasst, darunter die drei oben genannten Unternehmen. Ein solcher ETF wäre dann tatsächlich ein gutes Investment in einen Megatrend.

Bis die Finanzindustrie so weit ist, uns damit zu versorgen, müssen wir uns aber mit Einzelaktien behelfen und idealerweise unseren eigenen kleinen Aktienkorb zusammen stellen. Übersehen sollten wir diesen absehbaren technologischen Trend aber nicht.

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Tesla Motors, die Gigafactory und der „Man of Steel“

Guten Morgen. Die ersten News zur Gigafactory für Batterien sind raus. Und zwar im eigenen Blog von Tesla Motors, lesen Sie -> hier <- und schauen Sie sich bitte selber die kleine Präsentation an.

Die wichtigen Eckdaten sind, dass wenn alles klappt, die Fabrik 2017 - also in 3 Jahren - in Produktion ist. Und dass Tesla wesentliche Teile der Finanzierung selber stemmen wird - und zwar über fast 2 Milliarden USD, die man sich via Wandelanleihen am Kapitalmarkt holt.

Die Fabrik hätte dann alleine die gesamte Kapazität der heutigen LiOn Batterie-Industrie in sich vereint ! Sie soll 6500 Mitarbeitern Arbeit geben und soll es Tesla ermöglichen, im Jahr 2020 eine halbe Million Fahrzeuge pro Jahr zu verkaufen.

Partner sind auch dabei, dazu gab es aber noch nichts Konkretes. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Panasonic und Co. dabei zwiespältige Gefühle haben. Einerseits reizt das immense Volumen, andererseits ist offensichtlich, dass Tesla die Kontrolle über die Fabrik behalten will, womit Tesla seine Abhängigkeit von Panasonic und Co. verringern wird. Und am Ende haben die Batteriebauer sich vielleicht dann den ultimativen Konkurrenten heran gezüchtet.

Ob man sich nun mit Musk verbündet oder ihn im Regen stehen lässt, ist daher keine leichte Entscheidung für die, die heute mit Batterien ihr Geld verdienen.

So weit zu den offiziellen Fakten. Das muss man erst einmal sacken lassen. Denn das ist eine der mutigsten und gleichzeitig riskantesten unternehmerischen Entscheidungen, die ich in meinem Leben gesehen habe.

Wie denke ich darüber ? Was bedeutet das für die Aktie ?

Inhaltlich bin ich erst einmal begeistert. Treue Leser wissen ja, dass wir hier auf Mr-Market, von Anfang an am Thema dran waren und den initialen Anstieg der Aktie mitgenommen haben. Lesen Sie vielleicht noch einmal, was ich vor über 2 Jahren unter dem Titel -> Die Zukunft des Automobils in einer der spannendsten Aktien der Welt <- geschrieben habe. Und viele andere Artikel kamen danach, die den Aufstieg von Tesla begleitet haben.

Ich liebe die Idee und ich liebe den Drang nach vorne, den Elon Musk entwickelt. So etwas ist nur in Amerika möglich, hier in Deutschland würden die typischen, kleinteiligen Bedenkenträger, so etwas schon im Ansatz verhindern.

Ich liebe den Gedanken, dass endlich diese Benzin-Dinosaurier von den Strassen verschwinden. Die aktuellen Autos sind für mich Fortbewegungsmittel, deren letzte echte Innovation nun schon Jahrzehnte her ist und die nur noch durch Marketing und Schnickschnack neue Produktlinien und immer höhere Preise rechtfertigen.

Sollte Elon Musk mit der Fabrik erfolgreich sein, dürften Elektroautos auf der Kostenseite bald an den Benzinern vorbei ziehen, da die Batterien der entscheidende Faktor sind. Insbesondere wenn man die Kosten über den ganzen Lebenszyklus betrachtet, denn ein reiner Elektromotor ist weit weniger anfällig, als das komplexe Gemisch von Kolben, Ventilen, Pumpen und Katalysatoren, dass in den heutigen Autos steckt.

Ich liebe den Gedanken, dass Öl nicht mehr aus der Erde gebohrt werden muss, um es dann nach Durchlaufen diverser komplexer Prozesse, als Benzin in die Luft zu blasen. Und Ölwechsel ? Wofür ist das noch einmal ? 😉

Ich liebe den Gedanken einer dezentralen Energieversorgung, in der man durch eigenen Batteriepuffer für eine beschränkte Zeit Energieautark ist und das Netz nur noch als Backup braucht.

Ich drücke also Elon Musk ganz fest beide Daumen, dass er Erfolg hat und die Welt verändert.

Aber ...... damit ist Tesla Motors nun endgültig zu einer digitalen Wette auf den Erfolg dieser Batteriefertigung geworden. Letztlich ist es eine Art von Vorwärtsverteidigung, die Elon Musk nun spielt, denn er steckt durch den unerwarteten Erfolg in einem Dilemma. Es gibt eben im Moment gar nicht genug Batterien, um den Erfolg von Tesla in die gewünschten Regionen zu führen.

Und mit dieser digitalen Wette, hat sich Elon Musk unglaublich viele Feinde gemacht, die durch seinen disruptiven Ansatz alle bedroht werden. Und die alle nur auf den ersten Fehler warten, um ihn und Tesla zu zerfleischen.

An erster Stelle natürlich die bestehende Autoindustrie, die wenn Musk Erfolg hat, im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich alt aussieht. Wer will sich schon gerne "Dinosaurier" nennen lassen ?

Dann die ganze Zuliefererindustrie, die mit Kolben, Ventilen, Zylindern, Getrieben, Katalysatoren usw ihr Geld verdient. All diese komplexen Mechanismen, um einen Benzin-Motor überhaupt ans Laufen zu bringen, sind dann alter, rostiger Plunder. Selbst ein Getriebe braucht ein Elektromotor nicht mehr !

Damit verbunden Millionen an Arbeitnehmern, die als KFZ-Mechaniker, Tankstellenbetreiber und ähnlichem vom derzeitigen Benzin-Motor abhängen. Und Menschen sehen ja bekanntlich das stärker was ihnen weg genommen wird, als die Chancen, die in einer neuen Welt liegen. Sollte der Umbruch zur Elektromobilität kommen, sehe ich schon die öffentlichen "Förderprogramme" für eine schwindende Industrie vor meinem geistigen Auge, ganz ähnlich zu den hoch subventionierten Kohle-Kumpels der Vergangenheit. Gerade in Deutschland, wird sich der Blick nicht nach vorne richten, sondern man wird versuchen mit Milliarden zu bewahren, worüber die Geschichte schon längst hinweg gegangen ist. Und die gleichen Politiker, die sich noch vor Jahren mit Bergarbeiterhelmen haben medienwirksam photographieren lassen, werden dann einen ölverschmierten Schraubenschlüssel in die Hand nehmen, um schöne Bilder zu produzieren.

Dann die unglaublich mächtige Ölindustrie. Was glaube Sie wohl, wie sich das auf deren Geschäft auswirkt, wenn Benzin nicht mehr benötigt wird ?

Und zum Schluss auch noch die US Versorger, denn ein Energie-Markt mit halbautarken Endverbrauchern, ist ein Markt, in dem die Versorger in ihrer zentralen Machtposition degradiert werden.

Das sind sehr viele, sehr sehr mächtige Feinde, die alle nur auf einen Fehler warten.

Ich sehe jetzt schon die hämischen Kommentare über Musk vor mir, wenn er nur den allerkleinsten Fehler machen wird. Dann werden sie alle da sein, die Krämerseelen und die, die heute still das Messer in der Tasche wetzen und nicht den Mumm haben aufzustehen, weil Musk auf einer Welle der medialen Begeisterung reitet, die ihn im Moment unangreifbar macht. Und alle die werden im Ton der Selbstgerechtigkeit heraus posaunen, dass das ja sowieso alles nur Hybris war und Elon Musk ein Bauernfänger. Ich kann jetzt schon die Artikel schreiben, die dann produziert werden.

Man sagt zwar "Viel Feind viel Ehr". Es heisst aber auch zu Recht "Zu viele Füchse sind des Hasen Tod". Und "wer hoch steigt, fällt tief". Für Letzteres sorgen im sozialen Geflecht der Menschheit immer die, die mit Neid verfolgt haben, wie sich da jemand über den Durchschnitt erhoben hat.

Und genau das ist nun das Problem von Tesla Motors. Und von Elon Musk. Es ist eine digitale Wette auf den Erfolg der Gigafactory. Und viele mächtige Feinde werden alles tun, um den Erfolg zu verhindern.

Dummerweise hat der Markt die Hoffnung und die positiven Aussichten aber schon in die Aktie eingepreist.

Weswegen man in meinen Augen - nach dem die aktuelle Begeisterungs-Bewegung und Neubewertung ausgelaufen ist - aus der Aktie raus muss und in ihr wahrscheinlich, bis die Fabrik realer wird, nicht mehr viel zu holen ist.

Ich will Ihnen das an einem Chart mit Wochenkerzen klar machen:

Tesla 27.02.14

Wir haben damit im Jahr 2012 das Muster, wie sich der Markt verhält, wenn er einerseits grosse Pläne schön findet, aber andererseits noch nicht so richtig daran glaubt.

Die Wahrscheinlichkeit ist in meinen Augen gross, dass die Aktie von Tesla damit nach der aktuellen Begeisterung in eine Phase der volatilen Seitwärtsbewegung übergeht. Bis entweder Musk auch die Gigafactory ans Laufen bringt und Tesla in den Hundertausenden ausliefert. Dann ist er wirklich der "Man of Steel" und steht in einer Reihe mit den grossen Innovatoren und Unternehmern der Menschheitsgeschichte.

Oder bis irgend etwas schief geht und alle Gegner endlich eine Chance sehen, sich auf ihn zu stürzen. Dann wird er in die Knie gehen, denn Elon Musk ist ein sterblicher Mensch wie wir. Er hat zwei Beine, zwei Arme und kann durch ein Marotte des Schicksals aus der Bahn geworfen werden. Vielleicht ist das Projekt irgendwann so weit, dass es auch ohne ihn voran schreitet. Dieser Punkt ist im Moment aber noch nicht erreicht.

Deshalb sehe ich das Geschehen mit Freude und grosser Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Und drücke Elon Musk und Tesla Motors ganz feste beide Daumen. Macht weiter und verändert die Welt - meine Unterstützung habt ihr !

Als rationaler Anleger, ist nach Auslaufen der aktuellen Bewegung die Aktie von Tesla Motors aber für mich absehbar kein Thema mehr. Bis die Fabrik näher rückt oder ein neuer Katalysator wieder das Bild verändert.

Ihr Hari

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