Was zu tun war und nun zu tun ist


Vor einem guten Monat, am 20. April diesen Jahres, habe ich ihnen hier im freien Bereich einen Artikel geschrieben, auf den ich zu Beginn zurückschauen möchte.

Er hiess -> Vom ewigen V und vom Stockpicking <- und seine Kernaussage war, dass man schon damals zugreifen konnte, weil Aktien- und Sektorpicking das Entscheidende in dieser sich sehr selektiv auswirkenden Krise ist! Festgemacht hatte ich das damals am Vergleich der starken Charts von ABT und AMZN gegenüber den schwer getroffenen BA und CCL.

In dem Artikel hatte ich mit Bezug auf das andauernde Weltuntergangsgerede der Crashpropheten auch geschrieben:

Aber dieser Moment ist Spekulation und nicht zwingend heute, weswegen auch die Perma-Bären und Crash-Propheten wohl wieder Unrecht haben werden, die seit 10 Jahren einen Crash vorhersagen aus Gründen, die auch jetzt wieder nicht maßgeblich sind. Das hindert sie natürlich nicht, den aktuellen Crash für sich zu deklamieren, auch wenn Ende 2019 natürlich niemand dieses Szenario auf dem Radar für 2020 hatte. Aber Haupsache irgendein Crash, damit man "Recht gehabt" rufen kann und die gläubigen Jünger werden auch dem folgen - passt doch. 😉

Und genau das haben wir erlebt, medial bekannte "Talking Heads" haben sich nicht entblödet, sich mit der Vorhersage des Crash zu brüsten. Und allgemeine Vorhersagen zu einem Crash irgendwann - aus ganz anderen Gründen und typischerweise mit der Geldpolitik der EZB und der Eurozone verknüpft - taugen nur für schlichte Gemüter als Testimonial.

Besonders witzig ist in dem Zusammenhang, dass wenn man mal die absehbaren Kollateralschäden in der Zukunft ignoriert, der massive Stimulus von Notenbanken und Staaten ja tatsächlich einen schweren Crash verhindert hat. Wäre hier ein nicht-expansiver Ansatz wie in den 30er Jahren gefahren worden, als der Goldstandard in abgewandelter Form nach der Konferenz von Genua 1922 noch galt, würden wir gerade in die große Weltwirtschaftskrise schliddern, die vor 100 Jahren dann unter anderem den Braunauer Gröfaz hervorgebracht hat. Theoretisch kann die auch noch kommen wenn einiges schlecht läuft, aber zunächst wurde sie verhindert.

Man sieht daran wieder, wie das Geschäftsmodell dieser Leute funktioniert und ich kann ihnen nur raten: Halten Sie ihr Depot davon fern!

Ich selber habe 2019 wie der Rest der Welt von einem Corona-Vírus nicht die leiseste Ahnung gehabt, war aber im Januar schon durch die Nachrichten aus China aktiviert und mir der Gefahr bewusst, war im Februar extrem vorsichtig und irritiert, dass die Märkte das Virus noch ignorieren - siehe meine Dissonanz - und bin dann mit dem Blog am 21./24.02.20 sofort in die Defensive gegangen und kaufe seit Ende März scheibchenweise Qualität zu, wie ich ihnen das ja auch hier im freien Bereich nahegelegt habe.

Ich habe also keine sowieso nicht existente Glaskugel bemüht, sondern einfach konsequent *reagiert*.

Und das Ergebnis ist, dass das Depot schon wieder deulich im Grünen ist und den Einbruch mehr als voll aufgeholt hat und 2019 war trotzdem ein ausgezeichnetes Jahr mit hohen zweistelligen Prozent-Gewinnen - im Gegensatz zu den Permabaeren, zu denen ich jetzt kein weiteres Wort mehr verlieren will.

Aber genau darüber wie das möglich war, will ich nun mit ihnen sprechen, denn in dem Artikel stand am 20.04.20 sehr deutlich:

Und deshalb sollten wir erkennen, dass die Indizes oder breiten ETFs in dieser Krise sekundär sind, denn die bilden den grauen Schnitt ab. Stockpicking zählt in dieser Krise, denn das Virus ist in seinen Auswirkungen extrem selektiv!

Mit Aktien wie ABT oder AMZN mussten wir auch gar nicht darüber grübeln, ob die Ansteckungszahlen wieder steigen und die Märkte nun doch erneut nach unten abknicken, ober ob die Märkte das nun erreichte Niveau stabilisieren können.

Es spielt schlicht keine Rolle, wenn wir die richtigen Aktien haben!

Das war Mitte April und wir haben nun viele Topwerte, die mittlerweile auf oder nahe der Allzeithochs stehen und das war absehbar, weil es klare Profiteure der Krise sind.

Besonders die mittelgroßen Software-Aktien schiessen dabei neben dem Healthcare & Biotech-Sektor den Vogel ab. Hier sind mit Docusign (DOCU) und Everbridge (EVBG) zwei schöne Beispiele, beide wurden bei uns im Blog intensiv begleitet, bei beiden gibt es sehr gute Gründe *warum* diese so erfolgreich sind. Von einem Covid-Crash ist da schlicht nichts zu sehen:

Aber auch bei ganzen Sektoren kann ich ihnen diese Spreizung eindrucksvoll zeigen, vergleichen Sie mal den US ETF XBI der den Biotech-Sektor abbildet zum US ETF XLI, der die Industriewerte abbildet:

Ein beeindruckender Unterschied oder? Runter ist im allgemeinen Ausverkauf der ETFs alles gegangen, dann hat der Markt das Stock- und Sektorpicking begonnen und differenziert.

Das war, was zu tun war, der Job kluger Anleger war zu differenzieren, was vom Virus profitiert und was nicht.

Und damit komme ich zu dem, was nun zu tun ist.

Wir wissen nicht, ob wir beim Virus im Herbst/Winter eine zweite Welle erleben werden. Wir kennen die Zukunft nicht und es nützt auch nichts diese erraten zu wollen. Jeder der uns nun mit der Bugwelle der Pseudosicherheit erzählen will, dass das Virus dieses oder jenes sei und eine zweite Welle nicht mehr kommen oder alternativ ganz schlimm werden wird, ist für mich eher ein Scharlatan mit Agenda, der nur selektiv Informationen aufnimmt und weitergibt. Solche "Prognosen" helfen uns nicht weiter, sie befriedigen nur das Bedürfnis nach vermeintlich einfachen Antworten, die aber von der Realität schnell enttarnt werden.

Denn objektiv besteht weiter erhebliche Unsicherheit, auch in der Wissenschaftsgemeinde und viele Auswirkungen werden nun erst langsam öffentlich bekannt, so zum Beispiel auch dass das Virus zu guten Teilen eine -> schwere Gefäßerkrankung <- ist.

Wir müssen das aber auch gar nicht wissen, denn wir wissen jetzt schon genug um sinnvolle Anlage-Entscheidungen zu treffen:

Erstens wissen wir, dass das Virus im Verlauf von 1-2 Jahren wahrscheinlich endgültig beherrscht werden wird, sei es mit Impfungen oder sei es mit Medikamenten. Es ist *nicht* der große Weltkiller, wenn auch keineswegs nur eine normale Influenza sondern weit tödlicher.

Zweitens wissen wir, dass wir den größten Stimulus der Weltgeschichte erleben, der koordiniert von Notenbanken und Staaten über uns ausgegossen wird und wenn sie den Artikel -> Warum steigen (und fallen) Kurse eigentlich <- aufmerksam gelesen haben, dann wissen sie, dass Kurse wegen eines Nachfrageüberhangs steigen und der kann auch von schierer Liquidität ausgelöst werden.

Drittens wissen wir, dass das Virus viele Umbrüche massiv beschleunigt, innerhalb eines Jahres wird verändert, was sonst 3 oder 5 Jahre gedauert hätte. Und das Virus bereinigt auch, es verdrängt alte Geschäftsmodelle und verschafft neuen Modellen den Durchbruch, die oben geannnte DOCU ist so ein Beispiel mit ihrer elektronischen Signatur.

Und das sind die einfachen, aber entscheidenden drei Punkte.

Wegen Erstens und Zweitens dürfen wir bei aller berechtigten Vorsicht vor einer zweiten Welle keinesfalls zu bärisch sei, die Welt steht eher vor einem Wachstumsschub, denn einer schweren Depression!

Stellen sie sich doch mal das zur 2. Welle umgedrehte Extremszenario vor, stellen sie sich vor das Virus verschwindet nun, die Wirtschaft läuft wieder an und das mit der historisch unvergleichlichen Geldschwemme im Rücken. Ich sage ihnen was dann passiert: S&P500 4.000! Und auch das ist ein Risiko und zwar für alle, die nun zu zögerlich sind!

Es wäre deswegen auch völlig falsch gewesen mit dem Wiedereinstieg zu warten, weil vielleicht eine zweite Welle kommt, denn genau das war ja sinnloses Raten, man legt sich so auf ein Szenario fest und wenn das nicht eintritt, hat man die anlagetechnische A****karte gezogen. So geht intelligente Geldanlage *nicht*!

Richtig war mit dem Markt mit hoch zu gehen und selektiv und Stück für Stück Qualität wieder aufzubauen, von unten aber langsam Absicherungen nachzuschieben, für den Fall dass die zweite Welle doch kommen sollte.

Richtig ist also weiterhin ein abgesicherter Optimismus und nicht das Warten auf eine zweite Welle, die vielleicht kommt, vielleicht aber eben auch nicht!

Und wegen Drittens muss uns das Virus auch gar nicht mehr interessieren, wenn wir auf die richtigen Aktien und Sektoren setzen, die mit ihren Geschäftsmodellen Zukunft atmen. Denn mit Covid gewinnt alles was:

  • Online abgewickelt werden kann
  • Die IT herstellt, die für Online benötigt wird (Cloud etc)
  • Reisen individuell ohne Aufenthalt in Massenverkehrsmitteln oder Massen-Hotels organisiert
  • An modernsten Wirkstoffen und Verfahren forscht
  • Die Medizintechnik und das Laborequipment für diese Forschung herstellt
  • Von den absehbaren, riesigen Stimulusprogrammen der Staaten profitiert
  • usw und so fort

Diese Gedanken müssen sie jetzt weiter denken. Das ist nun zu tun! Diese Gedanken waren seit Ende März richtig und sind bestimmt auch noch über den Sommer richtig!

Machen Sie sich klar, dass das Virus die Wirtschaft in einem Sprung einige Jahre in die Zukunft katapultiert, weil es schon bestehende Entwicklungen kurzschliesst und beschleunigt. Das Virus ist für die Welt letztlich ein Innovationsprogramm, weil die Umstände Innovation erzwingen, das war schon in allen Krisen so.

Und Anleger die in der Lage sind diesen Wandel zu erkennen und darauf zu setzen, statt tote Anlagepferde weiter zu reiten, nur weil diese eine lange Historie besitzen, haben durch das Virus auch jetzt immer noch immense Chancen vor sich!

Und jetzt denken Sie mal nach und identifizieren die Marktführer dieser Sektoren, dann haben sie gute Kandidaten für ihr Depot. Oder stossen sie zu unserer Community dazu, denn wir tun genau das und haben auch viele Firmen im Fokus mit positiven Sekundäreffekten von Covid. So verbergen sich zum Beispiel hinter dem "individuellen Reisen ohne Massenverkehrsmittel" auch ganz konkrete Überlegungen, die der Markt auch schon hat, weil die Kurse dort schon deutlich anspringen.

Also, die Gefahr einer zweiten Welle ist keineswegs gebannt, aber es macht keinen Sinn auf sie zu warten, weder im April noch jetzt. Stattdessen sind kluge Anleger selektiv optimistisch und sichern sich für den Fall des Falles nach unten ab.

Wenn man so agiert, braucht man kein Herumraten und muss auch nicht hinterher deklamieren, was man vorher alles gewusst haben will. Kluges Beobachten und Reagieren mit ruhiger Hand genügt dagegen, man muss es nur tun und da stehen wir Menschen uns oft selber im Weg.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Never.

And you witnessed it. What a bright future is ahead of us if we do not lack the courage and grace to go forward into it.

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Der Markt und die Erwartungen

Ich habe diesen Artikel schon einmal vor Jahren im öffentlichen Raum geschrieben, aber es gibt wichtige Dinge, die wollen immer wiederholt werden, weil sie generell gültig sind.

Und beim Thema Erwartungen ist es auch dringend nötig, denn die Sicht von Otto Normalbürger auf die Börse ist von katastrophalen Missverständnissen geprägt, die wenn nicht ausgeräumt, zu zuverlässigem Scheitern bei den ersten Versuchen führen werden. Aber auch im sonstigen Leben wirkt sich dieses Unwissen aus und lässt Situationen falsch einschätzen, ja kann sogar zu Unglück und Missmut führen kann, wenn man sich dessen nicht bewusst wird.

Wer kennt es nicht, wenn in einer Nachrichtensendung verkündet wird, dass ein Konzern den größten Gewinn (oder wahlweise Verlust) seit x Jahren gemacht hat. Man schaut dann am nächsten Morgen auf die Börse und der Gewinn wurde erstaunlicherweise mit 5% Kursverlust beantwortet oder wahlweise der Verlust mit 5% Kursgewinn – auf jeden Fall anders herum, als man gedacht hat.

„Die spinnt die Börse, das sind doch alles nur Zocker“, ist dann die natürliche Reaktion derer, die den Zusammenhang nicht verstehen - dabei hat die Börse objektiv rational agiert, man muss nur verstehen, wie Kurse an einem freien Markt zustande kommen. „Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich" heißt es dazu im Plattdeutsch, die Ablehnung von allem was man nicht versteht, ist das Zeichen derer mit begrenztem Horizont.

Vielleicht sollten wir uns zunächst klar machen, warum wir selber in etwas investieren. Stellen wir uns vor, da ist dieses superstabile, tolle Unternehmen, das wir sehr mögen und das seit Jahren steigende Gewinne ausweist. Warum investieren wir in dieses Unternehmen?

Ganz einfach, wir tun das nicht wegen der Gewinne der Vergangenheit, die sind ja vergangen und haben andere einkassiert. Wir tun das, weil wir aufgrund der Gewinne der Vergangenheit und der positiven Entwicklung *erwarten*, dass die Gewinne auch in Zukunft sprudeln und zu steigenden Dividenden führen.

Wir investieren also aufgrund einer positiven *Erwartung*, die sich aus Daten der Vergangenheit und einem positiven Bild der Zukunft ableitet.

Und dann haben wir da noch das Unternehmen, das tief gefallen ist und neue Tiefststände im Kurs generiert. Gerade solche Unternehmen erzeugen bei unerfahrenen Anlegern einen starken Sog, darin nun zu „investieren“ – „Bottom Fishing“ nennt man das im Amerikanischen.

Der Grund für den Drang, dort sein Geld einzusetzen ist wieder die *Erwartung“. Die Erwartung also, dass das Unternehmen die Kurve bekommt, man „billig“ eingestiegen ist und dann in der Zukunft einen großen Gewinn machen kann. Und wer sich nicht vorstellen kann, dass so ein Unternehmen auch weiter fallen kann, erlebt dann oft eine böse Überraschung – seine Erwartung hat den Anleger auf die falsche Fährte gesetzt.

Es sind also immer die Erwartungen, die uns zu Handlungen veranlassen, nicht die Nachrichten selber.

Und der Markt lebt deswegen immer in der Zukunft, mindestens ein paar Monate voraus.

Es ist also nicht das gute Zahlenwerk, das uns zum Kauf animiert, es ist die Erwartung, dass es in Zukunft noch besser wird.

Es ist nicht die Ausschüttung der Vergangenheit, die uns zum Kauf animiert, es ist die Erwartung, dass diese auch in Zukunft fließen und sich noch steigern wird.

Und dieser Mechanismus ist doch nicht auf die Börse beschränkt, er wirkt überall im Wirtschaftsleben. Warum kauft ein Händler eine Ware an? Weil er *erwartet* diese später teurer zu verkaufen. Warum legt sich jemand Goldbarren in den Tresor? Weil er *erwartet*, darin sein Vermögen wertstabil konservieren zu können.

Und wir Menschen lassen uns damit natürlich auch manipulieren. Warum reagieren wir auf Rabatt-Schilder? Weil wir *erwarten*, dass es in Zukunft wieder teurer wird und wir deshalb nun bei „Rabatt“ schnell zugreifen sollten.

Die Erwartung an die Zukunft ist also ein zentrale Faktor, der unser Handeln bestimmt. Nicht nur an der Börse, aber auch.

Und weil das so ist, kann ein Unternehmen einen großen Gewinn vermelden, der Kurs aber trotzdem fallen, weil die Marktteilnehmer einen noch größeren Gewinn *erwartet* haben und nun enttäuscht sind. Und ein Unternehmen kann einen großen Verlust vermelden, der Kurs aber trotzdem steigen, weil die Marktteilnehmer einen noch größeren Verlust *erwartet* haben und nun erleichtert sind.

Beides sind zutiefst rationale und zutreffende Reaktionen, denn eine Kursbewegung bildet nicht eine Nachricht ab, eine Kursbewegung bildet das Delta zwischen bisheriger und neuer Erwartung ab. Und dieses Delta kann durch Nachrichten beeinflusst werden, die die Realität anders zeichnen, es kann aber auch durch Gerüchte und Vermutungen beeinflusst werden, die die Erwartung beeinflussen.

Genau deshalb ist Wirtschaft zu mindestens 50% Psychologie und Börse sowieso, weil Erwartungen der zentrale Faktor sind und diese ja auch durch weiche, subjektive Faktoren wie Gerüchte, Vorlieben, Stimmungen etc. beeinflusst werden.

Um es also ganz klar und eindeutig zu sagen:

Wer den Markt antizipieren will, muss die Erwartungen der Marktteilnehmer verstehen.

Es gibt keinen anderen Weg, denn nicht die Nachrichten bewegen die Kurse, sondern die Veränderungen der Erwartungen, die unter anderem – aber nicht nur – durch Nachrichten ausgelöst werden und höchst subjektiven Einflüssen unterliegen.

So sind wir Menschen nun einmal. Auch in den Goldrausch in Kalifornien sind die Menschen nur gezogen, weil sie vor ihrem geistigen Auge den großen Reichtum gesehen haben. Und viele Werbemethoden, gerade auch am Finanzmarkt, beruhen gerade darauf den Kunden eine Wurst vor die Nase zu halten und so ihre Erwartungen zu manipulieren, um diese zu einer Handlung zu bewegen. Und warum spekuliert jemand mit Bitcoin? Weil er *erwartet*, dass es morgen noch höher ist.

Und witzigerweise bewegen damit auch Kurse die Kurse, weil bestimmte Kursbewegungen die Erwartungen verändern, weswegen Kurse am Ende auch Nachrichten machen können und völlig unklar ist, wer hier Henne und Ei ist.

Das ganze nennt man dann ein -> selbstreferentielles System oder auch Reflexivität <-, da schliesst sich der Kreis.

Um Börsenbewegungen zu verstehen, sind also die Daten der Markttechnik, zu denen Charts wie auch Sentiment-Daten gehören, ebenso wichtig, wie die objektiven Unternehmensdaten selber. Denn in der Markttechnik spricht der Markt zu uns, er offenbart seine Vorlieben und seine Erwartungen.

Wie zentral das Thema aber ist, das weit über Börse hinaus geht, sieht man dann, wenn man sich klar macht, dass unser ganzes gefühltes Glück im Leben auch zentral mit Erwartungen zu tun hat.

Wir alle kennen die Geschichten von Urvölkern, die glücklich ohne die Segnungen der Zivilisation leben. Denn was man nicht weiß, macht einen nicht heiß, wie der Volksmund sagt. Und wenn man nichts vermisst – also keine weitergehenden Erwartungen hat – kann man durch das Fehlen der Dinge auch nicht enttäuscht oder frustriert werden. Sobald diese Urvölker aber mit uns in Kontakt kommen, sehen sie den Unterschied und verändern die Erwartungen und werden unglücklich.

Nehmen Sie einen Hochspringer, der objektiv 2,20m hochspringt. Der erste Springer ist Weltmeister, springt 2,20 und ist zutiefst frustriert über seinen katastrophal schlechten Tag. Der zweite Springer ist Amateur, bisher nicht ernsthaft über 2 Meter gekommen, springt auch 2,20m und ist beseelt und begeistert, von der tollen Leistung. Die Erwartung macht den Unterschied, nicht der objektive Vorgang.

Oder nehmen Sie den (wahren) Spruch, dass Reichtum nicht dauerhaft glücklich macht. In dem Moment, in dem man von einem Lottogewinn ereilt wird, ist man euphorisch und glücklich – das hatte man nicht *erwartet*. Schon bald aber wird aus dem Reichtum der Normalfall, es gibt kein positives Erwartungsdelta mehr und schon beginnen die Verlustsorgen zu drücken und zu belasten.

Und auch aus dem Urlaub kennen wir das doch alle. Wenn man lange hart gearbeitet hat und alles Glück auf den kommenden Urlaub projiziert, dann wird dieser eher eine Enttäuschung werden. Nicht weil er objektiv schlecht ist, sondern weil die Erwartungen zu hoch sind.

Wer also sein Leben glücklich erleben will, muss unbedingt an seinen Erwartungen arbeiten.

Auch für die Partnerschaft gilt das, wer erst dann zufrieden ist, wenn er einen Partner gefunden hat, der in allem der eigenen, idealen Traumvorstellung entspricht, wird kaum eine glückliche Partnerschaft erleben.

Umgedreht wäre es aber falsch, das Fehlen jeglicher Erwartungen als Königsweg zu beschreiben. Denn dann könnten wir auch gleich wieder in die Höhlen der Steinzeit zurückkehren, nichts erwarten und uns einfach der Willkür einer Natur hingeben, die keineswegs so freundlich und schützenswert ist, wie sie neuerdings in grün-romantischer Aufwallung gerne gemacht wird.

Mit Erwartungen kommt nämlich auch der Wille zur Veränderung, der Wille seinen Zustand zu verändern und nach einer besseren Zukunft zu streben. Erwartungen holen also das Beste aus uns heraus und treiben uns an. Nur sollten wir uns ihnen nicht ausliefern und darauf achten, dass wir auch das schätzen, was wir haben und nicht nur das, was wir hinter dem nächsten Baum erwarten können.

Aber zurück zur Börse. Ich hoffe ich konnte klar machen, dass Börsenkurse durch Erwartungen bewegt werden und nicht durch die Nachrichten selber. Natürlich haben Nachrichten Auswirkungen auf Kurse, aber nicht direkt, sondern nur „um die Ecke herum“, indem Nachrichten eben wieder die Erwartungen verändern. Wenn ein Unternehmen als stabil bekannt ist und plötzlich einen Verlust ausweist, verändert das die Erwartungen. Wenn es aber einen guten Grund gibt, diesen Verlust als einmalige Anomalie zu betrachten, wird es kaum eine Kursreaktion geben und das ist genau richtig so. Es sind die Erwartungen an die Zukunft, die die Kurse bewegen.

Wir können alle massiv vom Verständnis profitieren, dass menschliche Entscheidungen – und damit auch Kurse - durch Erwartungen gemacht werden. Man setze heute ein glaubwürdiges Gerücht in die Welt und schon sind die Kurse andere. Mario Draghi hat mit seinem "Whatever it Takes" genau das gemacht. Wirtschaft und Börse ist eben zu mindestens 50% Psychologie, bei der Börse eher mehr. Vergessen wir das nie!

Am Ende will ich ihnen noch einen Artikel von der MaxPlanckForschung empfehlen, der nach meinem ersten Artikel zum Thema erschienen ist, aber mit anderen Worten zum identischen Ergebnis kommt: -> Zur Sache: Die Macht der Erwartungen <-

Die deterministisch-kausale Welt der klassischen Ökonomie, die sich ua in Konzepten wie "Homo Öconomicus" und "Random Walk" zeigt, ist eben grundlegend verfehlt, die Wirtschaft ist keine Maschine, die wie ein Automotor funktioniert, sie ist ein reflexives soziales System, das sich an sich selber labt.

Und Theorien die auf verfehlten Grundannahmen beruhen, produzieren auch bei anspruchsvollster Mathematik am Ende nur unbrauchbare Ergebnisse, die von der Realität immer wieder falsifiziert werden - was wir ja jede Woche wieder neu erleben können und zum berechtigt unterirdischen Ruf klassischer ökonomischer Prognosen beiträgt.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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11 Wahrheiten der Krise

Eine Krise bringt die Wahrheit an den Tag, das ist eine alte Weisheit, die wir auch in diesen Monaten wieder erleben dürfen.

Vielen von uns wird es in den letzten Wochen so gegangen sein, dass wir manch öffentliche Person plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel erlebt haben, als wir ihn bisher kannten.

Auch politische Frontlinien wurden viele Wochen lang durcheinander gewirbelt und individuelle ethische Grundüberzeugungen wurden viel wichtiger als Maßgabe für das eigene Handeln, erst in den letzten Wochen haben sich die politischen Lager dann wieder die Diskussionshoheit erkämpft.

Auch im privaten Umfeld hat bei vielen die Krise die Wahrheit ans Licht gebracht. Wir wissen nun viel eher, wer zuverlässig ist und wer nur an sich denkt. Wir wissen nun wer hilfsbereit und wer rücksichtslos ist. Wir wissen wer emphatisch und wer nur eine selbstverliebte Egobombe ist. Und wir wissen wer rational und wissenschaftlich denkt, die Komplexität und das teilweise Nichtwissen akzeptierend und wer lieber den Aluhut aufsetzt, weil er dringend einfache Antworten in einer zu komplexen Welt braucht.

Aber gerade auch bei der Geldanlage hat die Krise ein paar Wahrheiten wieder ans Tageslicht gebracht und Fehlentwicklungen sowie Lebenslügen enttarnt, was auch kein Wunder ist, viele Anleger sind nun im Markt, die erst nach 2009 dazu gekommen sind und ergo nie eine echte Krise erlebt haben.

Lassen Sie mich daher mal zusammenfassen, welche 11 Wahrheiten diese Krise bisher wieder besonders herausgearbeitet hat:

Erstens, es gibt kein absolute Sicherheit am Markt, jede Aktie, egal wie stabil in der Vergangenheit, kann bei der für sie "richtigen" Krise in existenzielle Nöte geraten.

Zweitens, zu erstens passend, stures Buy&Hold ist eine Lüge. Ruhiges Investieren ist richtig, es braucht aber immer den "Check", das Risikomanagement bei extremen Veränderungen. Auch Buffett hat das nun vollzogen und alle Fluglinien mit Verlust rausgehauen und den Kauf als Fehler bezeichnet. Ruhiges Buy&Hold&Check ist in Ordnung, blindes Buy&Hold ohne Check eine Lüge. Das gilt auch für Sektoren und damit Sektoren-ETFs, siehe Buffetts Entscheidung zu Airlines generell.

Drittens, eine Aktie die massiv gefallen ist und keine Lebenszeichen sendet, ist nicht "billig", sondern ein Pleitekandidat, mit dem man *alles* verlieren kann. Das kann man mit Sektoren-ETFs abmildern, aber auch nicht ganz ausschliessen, wenn ein ganzer Sektor ins Trudeln kommt.

Viertens, es ist gar nicht so schwierig einem schweren Einschlag wie Ende Februar aus dem Weg zu gehen, man muss es nur tun und die Technik dafür beherrschen. Wenn eine Vase von der Tischkante kippt, erkennen wir das Risiko auch sofort und sind in der Lage schnell zu handeln, dieser Absturz war nicht viel anders.

Fünftens, Risikomanagement ist in schweren Krisen Pflicht, wer nichts getan hat und jetzt wo die Kurse schon wieder ein gutes Stück hochgekommen sind denkt, dass doch alles nicht so schlimm gewesen sei, hat überhaupt nicht begriffen, dass ihn nicht die eigenen Fahigkeiten, sondern nur das pure Glück des historisch einmaligen Stimulus von Notenbanken und Staaten gerettet haben. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen, ohne die einmalige Geldschwemme von Staaten und Notenbanken, wären wir nun in einer schweren Depression, es gäbe reihenweise Pleiten, Firmen würden wie Dominosteine kippen und die Kurse wären 60-70% von den Hochs gefallen!

Sechtens, nach dem Absturz wieder in den Markt zu kommen ist schwieriger als rauszukommen, weil man ohne Glaskugel nie den perfekten Boden erwischt. Man sollte es auch gar nicht versuchen, sondern den Vorteil des vermiedenen Absturzes mitnehmen und in Scheibchen schön stufenweise wieder aufbauen. Denn unser Job als Investoren ist vor allem investiert zu sein, den schweren Krisen aber zumindest teilweise aus dem Weg zu gehen.

Siebtens, es ist Liquidität und der daraus entstehende Anlagedruck der Märkte bewegt, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt müssen Märkte steigen, egal wie die fundamentalen Daten aussehen. Denn der Markt ist *nicht* die Ökonomie, er war es nie und wird es nie sein.

Achtens, Dividenden waren nie, sind nicht und werden nie der neue Zins sein. Dividenden sind nichts weiter als der Sekundäreffekt von hohem Cashflow und guten Gewinnen. Nur gute, dauerhaft wachsende Firmen, können auch dauerhaft wachsende Dividenden ausschütten. Konzentrieren Sie sich also nicht auf die Dividendenhöhe, sondern darauf beständig wachsende Unternehmen zu finden! Ob diese dann eine Dividende zahlen ist nett und lobenswert, aber am Ende sekundär, siehe Amazon und viele Topaktien ohne relevante Dividende.

Neuntens, Kurse entstehen aus Erwartung, beim Markt im Zeithorizont von Monaten bis zu ca. einem Jahr. Es ist also Zukunft die an den Börsen gehandelt wird und nur Aktien mit guter Zukunft werden in Krisen auch relative Stärke und Stabilität zeigen. Alte Kennzahlen, Dividenden, Meriten der letzten Jahrzehnte, das hat in einer neuen Krise alles keine Relevanz, wenn es an Zukunft fehlt. Eine aussichtsreiche Zukunft und absehbares Wachstum stabilisiert Kurse, keine Lorbeeren der Vergangenheit!

Zehntens, Krisen sind wunderbare Zeiträume um zu lernen, Fehler zu erkennen und sich als Anleger weiterzuentwickeln. In Krisen können wir wachsen, aber nicht jeder schafft es das Wachstum zuzulassen. Denn Beharren, Sturheit, das Ego und irrationale Ängste sind unsere Feinde dabei, der Wahrheit ins Auge zu schauen, das Problem im Spiegel zu identifizieren und für uns Schlüsse zu ziehen. So ist jeder Anleger in dieser Krise seines eigenen Glückes Schmied und nicht die Umstände, denn auch diesen Crash von März hätte man so oder so durchleben können, der Unterschied liegt in uns und nicht in bösen Mächten.

Elftens, das Auf und Ab gehört zu den Märkten wie der Morgen zum Abend und das Yin zum Yang. Ohne den Abend würde es keinen Morgen geben und ohne den Crash keine Jahre der steigenden Kurse. Rein aus Anlegersicht, die mit unserer Sicht als Bürger nicht deckungsgleich sein muss, sollten wir diesen Crash des März also begrüssen und ihn für unsere Depots umarmen. Er ist wie ein frischer Gewitterguss nach einem drückend-schwülen Sommertag und der historisch einmalige Stimulus lässt "befürchten", dass uns wieder lange Hitzeperioden an den Börsen bevorstehen werden.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Von Spahn, Prävention, Draghi und der Mietpreisbremse – Die Reflexivität sozialer Systeme

Ich habe vor vielen Jahren einen wichtigen Artikel zur Reflexivität und ihrer -> Bedeutung für das Börsengeschehen <- geschrieben. Aber das wirklich Wichtige wird gerne überlesen, ist ja auch viel einfacher und weniger anstrengend die Welt oberflächlich mit simplen Kausalbeziehungen zu betrachten. 😉

Am Ende des Artikels habe ich dann im PS geschrieben:

Ach ja, kluge Köpfe, die es überhaupt bis hier unten zum PS geschafft haben und durchdrungen haben, wovon ich da oben schreibe, werden sich jetzt fragen, warum ich diese Erkenntnis in einem öffentlichen Blogeintrag teile, denn damit unterläge sie ja auch der Reflexivität. 😉 Guter Punkt, kann ich da nur sagen!

Die Antwort ist einfach, es wird sowieso kaum jemand wirklich durchdenken und schon gar keine Schlussfolgerungen für das eigene Handeln am Markt ziehen. Denn diese Erkenntnis läuft unseren menschlichen Gehirnstrukturen zuwider, wir mögen solche Wahrheiten nicht. Und was wir nicht mögen, strafen wir mit Nicht-Beachtung und sonnen unser Ego lieber in unserer kausalen Kontrollillusion, auch Prognose genannt. 😉

So dürfte es bei vielen auch gekommen sein und vor allem kann man dieses Unverständnis selbstreferenzieller sozialer Prozesse auch permanent in der Politik wiederfinden, die Gesetze verfasst, die sich durch ihre Existenz sofort selber unwirksam machen.

Und genau dazu will ich nun noch einmal kommen, gar nicht alleine auf die Börse bezogen, denn Reflexivität ist eine Eigenschaft *aller* sozialen Systeme, in denen die Beobachter bzw die Einflußfaktoren, selber Teil des Systems sind.

Lassen sie mich noch einmal erklären worum es geht, es ist wirklich wichtig - für die Börse, für die Politik und für das Leben überhaupt.

Bei nicht-sozialen Systemen ist es oft ganz einfach. Nehmen wir den berühmten Automotor. Den beobachten sie als Ingenieur genau und können im Laufe der Zeit seine Funktionsweise begreifen. Und Sie wissen, wenn Sie am Abend mit der Arbeit aufgehört haben und am Morgen wiederkommen, wird der Automotor noch genau so funktionieren.

Dann entwickeln sie dafür ein neues Ventil, von dem sie sich Verbesserungen erhoffen, setzen es ein und messen die Effekte. Die Messung liefert ihnen objektive Daten, die sie jedes Mal wenn sie unter identischen Bedingungen erneut messen, wieder erhalten werden.

Das ist ein System, das *nicht* selbstreferentiell, *nicht* reflexiv agiert. Ein System das kausal - nach bestimmten Naturgesetzen - funktionert und das auch unabhängig davon tut, ob sie es beobachten. So ein System kann man immer feiner verbessern und es macht, was wir wollen.

Und viele stellen sich vor, dass Gesellschaften oder eben die Märkte, genau so funktionieren würden und landen damit permanent auf der Nase. Der Sozialismus mit seiner Planwirtschaft hat auch diesen völlig verfehlten Ansatz von planbarer Kausalität sozialer Systeme, was völliger Quatsch ist, es gibt kein anderes Wort dafür.

Was passiert aber, wenn wir ein *soziales System* vor uns haben, bei dem die Teile des Systems selber zur Wahrnehmung und Anpassung befähigt sind, weil es zum Beispiel Menschen sind? Dann können sie ihre "Kausalität" vergessen, sie wird zur Illusion.

Das geht schon bei den berühmten Erdmännchen los, die ich im alten Artikel schon erwähnt hatte. Die führen ein reiches soziales Leben, wenn sie das als Tierforscher aber beobachten wollen, müssen sie das tunlichst so tun, dass die Erdmännchen davon nichts bemerken.

Denn wenn die Erdmännchen es bemerken, werden sie ihr Verhalten dem fremden Einflußfaktor anpassen und sich anders verhalten. Sie können Erdmännchen also systemimmanent nicht richtig beobachten, wenn die die Beobachtung bemerken!

Als kleiner Abstecher gibt es diesen "Beobachtereffekt" ja auch auf atomarer- bzw Quantenebene. Wenn sie sich klarmachen, dass unsere "Beobachtung" durch Mikroskope ja zwangsläufig selber aus Atomen bzw Wellen besteht, ist völlig klar, dass man auf dieser Ebene nicht mehr beobachten kann, weil die Beobachtung das Ergebnis verzerrt. Echte Beobachtung erfordert eben immer, dass das Ergebnis nicht verfälscht wird, kein Wunder dass niemand wissen kann, ob Schrödingers Katze tot oder lebendig ist. 😉

Aber zurück zu sozialen Systemen, das Verhalten der Erdmännchen ist doch bei Menschen nicht anders. Nehmen sie die Sozialdynamik einer unbeobachteten Schülergruppe auf dem Schulhof und dann stellen sie in der Nähe einen Lehrer zur Überwachung daneben - sie werden unterschiedliches Verhalten bekommen.

Das ist schon eine Abform der Reflexivität, denn alleine durch das Wissen um die Beobachtung hat das System - hier die Schülergruppe - seinen Zustand geändert. Eine objektive Beobachtung ist in einem reflexiven System eben unmöglich, weil schon die Beobachtung das System verändert - ausser diese bleibt völlig unerkannt und ohne jeden Einfluss.

Genau das passiert permanent in den Märkten, es ist unmöglich öffentlich etwas Analytisches über den Markt zu sagen, ohne ihn ein wenig zu verändern. Der Grad der Veränderung hat natürlich immer mit der Aufmerksamkeit zu tun, die der Botschaft entgegen gebracht wird, aber auch ich verändere den Markt nun ein wenig, weil vielleicht ein paar von ihnen nun auf neue Gedanken kommen und ihr Handeln anpassen.

Wenn Sie dann bekannte Investoren wie Ray Dalio nehmen, reicht es schon aus, dass der öffentlich eine Beobachtung äussert, um die Gelder wie mit Zauberhand in Bewegung zu setzen.

Wenn so jemand jetzt also sagt, die Aktie XYZ sei massiv unterbewertet und würde im nächsten Jahr sicher stark steigen, wird sich die Unterbewertung in kürzester Zeit auflösen, weil der Markt darauf schon reagiert!

Eine reine Beobachtung, hat im selbstreferentiellen (=reflexiven) System also sofort den Zustand des Systems verändert! Das hört sich vielleicht trivial an, ist es aber nicht, es ist zentral!

Es ist also unmöglich, den Markt öffentlich zu analysieren oder kommentieren, ohne ihn (zumindest ein wenig) zu verändern, weil wir Beobachter und Marktteilnehmer *gleichzeitig* sind und daher immer reflexive Auswirkungen generieren!

In dem Moment, wo wir die Beobachtung bzw Analyse öffentlich äussern und damit die Selbstreferentialität auslösen, ist der Markt - das Objekt der Analyse - also schon nicht mehr der Gleiche. Wenn alle fest davon ausgehen, dass der Markt steigen muss, kann er es deswegen gar nicht mehr, weil die Anpassung schon vorgenommen wurde - und umgedreht.

Also kann es auch keinen objektiven Marktzustand geben, im Gegensatz zum Automotor, dessen Zustand objektiv ist, weil er eben kein reflexives System ist.

Ich hoffe sie konnten mir bis hierhin folgen und jetzt will ich ihnen zeigen, dass diese wichtige Erkenntnis keineswegs auf den Markt begrenzt ist.

Gerade in der Politik - die Planwirtschaft habe ich oben schon erwähnt - führt das Unverständnis solcher reflexiven Prozesse zuverlässig zu Gesetzen, die bei Seiteneffekten das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich wollen.

Da gibt es zum Beispiel in vielen Gemeinden eine Baumschutzverordnung, nach der Bäume auch auf Privatbesitz nicht ohne (kaum erteilte) Genehmigung gefällt werden dürfen, wenn sie einen Umfang von zB 100cm erreichen.

Das schützt die Existenz bestehender Bäume. Stimmt. Gleichzeitig führt es aber dazu, dass Gartenbesitzer Bäume kurz unter der Grenze lieber still und leise abholzen und kleiner wieder neupflanzen, damit sie nie in diese Gängelung auf dem eigenen Grund hineinlaufen. Alte Bäume werden so geschützt, Neue werden gar nicht erst gross.

Das ist die Reflexivität sozialer Systeme. Alleine das Wissen um das Gesetz hat das Verhalten des Systems Baum-Grundstück-Mensch verändert und zwar anders, als erwünscht.

Dann haben wir natürlich die diversen "tollen" Gesetze rund um die Mietpreisbremse usw, die in Berlin ja besondere Urstände feiern. Es schützt die Mieter die drin sind. Stimmt.

Es führt aber dazu, dass kein vernünftiger privater Investor da neue Mietobjekte eröffnet. Langfristig wird es dort kaum mehr private Vermieter geben und Vermietung nur noch das Geschäft großer Konzerne sein, die sich das mit eigenen Rechtabteilungen leisten können. Der aktuellen Politik hilft dabei nur, dass diese systemische Veränderung nicht sofort sichtbar ist, sondern wegen der Trägheit der Immobilienmärkte ein Jahrzehnt brauchen wird. Mit den Folgen müssen sich dann andere herumquälen und es wird sich bestimmt wieder ein unschuldiger Schuldiger finden. Alte Mietverhältnisse werden geschützt, neue gibt es immer weniger.

Das ist die Reflexivität sozialer Systeme. Alleine das Wissen um das Gesetz hat das Verhalten des Systems Vermieter-Mieter verändert und zwar anders, als erwünscht.

Wir haben aber auch ein aktuelles Beispiel, da hat Jens Spahn aktuell -> diese Schnappsidee eines Immunitätsausweises <- vorgestellt. Theoretisch hört sich das ja vernünftig an, wer immun ist, kann sich frei bewegen.

Es führt aber zuverlässig dazu, dass die gefühlt 30% die das Virus sowieso für Humbug oder "nur eine Grippe" halten, alles versuchen werden um sich schnell anzustecken, damit man wieder alle Freiheiten geniessen kann. Gewollt war also ein leichteres Wiederanlaufen der Gesellschaft, bekommen wird man eine neue Ansteckungswelle, die man gerade vermeiden wollte.

Das ist die Reflexivität sozialer Systeme. Alleine das Wissen um das Gesetz wird das Verhalten des Systems Mensch-Virus-Gesellschaft verändern und zwar anders, als erwünscht.

Sie glauben mir sicher, dass ich mit unzähligen Beispielen weitermachen könnte, sie werden sicher selber eine Menge Beispiele finden.

Entscheidend ist dass wir verstehen, dass soziale System reflexiv auf sich selber reagieren, alleine die Beobachtung des Zustands des Systems reicht also, um es zu verändern.

Weswegen solche sozialen Systeme sich grundlegend einer objektiven Analyse entziehen und immer in Bewegung und im Fluß sind. Und das ist die Gesellschaft, aber eben auch der Markt.

Es gibt leider zu wenige Köpfe - gerade auch in der Politik - die das wirklich durchdringen. Egal was man von seinen Handlungen hält, Mario Draghi war so ein kluger Kopf, denn was genau war denn sein berechnendes "whatever it takes"?

In dem er glaubhaft ankündigte, dass die EZB unter seiner Führung zu allen Schandtaten bereit sei, hat er den Zustand des Marktes verändert und somit Dinge gar nicht erst tun müssen, die sonst nötig geworden wären.

Auch aktuell haben wir das erlebt, die Menschen haben schon vor dem Lockdown ihr Verhalten verändert und sich zurückgezogen und wenn das nur genügend diszipliniert in Breite passiert wäre, wären die Beschränkungen gar nicht nötig gewesen. Ohne die Beschränkungen und ohne das Risiko des Virus drastisch zu kommunizieren, hätte es aber diese Anpassung gar nicht gegeben! Die Dinge bedingen sich selbstreferentiell gegenseitig.

Der kluge Sinnspruch "There is no glory in Prevention" hat das erkannt, er beschreibt genau den reflexiven Effekt, dass in einem sozialen System eine erfolgreiche Prävention zwangsläufig in Frage gestellt werden wird, weil sie sich selber der sichtbaren Grundlage beraubt hat!

Das alles ist Reflexiviät. Sie liegt über dem Marktgeschehen, weswegen man wirklich nur lächeln kann über alle, die dem Marktgeschehen sozusagen mit "Exaktheit" und "Zollstock" auf Millimeterbasis zuleibe rücken wollen, wie einem Automotor.

Der reflexive Markt atmet und dreht sich in seinem eigenen Saft, Kurse machen Nachrichten und Analysen, die wiederum machen Kurse, die wiederum Nachrichten machen und so weiter und so fort, in einem ewigen Kreis. Und genau das macht den Markt so herausfordernd und spannend.

Da praktisch die gesamte neoklassische Wirtschaftstheorie diese reflexiven Effekte einfach ignoriert, obwohl sie der Kern des Marktes sind und da in diesen Theorien immer wieder versucht wird den Markt wie einen Automotor zu modellieren, sind deren Ergebnisse in der realen Anwendung auch so jämmerlich, weil sie mathematisch anspruchsvoll eine Wirklichkeit beschreiben, die so kausal gar nicht existiert.

Reflexive Systeme kann man eben nicht alleine mit Kausalitäten beschreiben, solche Systeme haben aber Muster, wie Strömungen im Fluß oder Wetterlagen. Und erfolgreiche Anleger sind in der Lage, diese zu identifizieren. Das ist aber eine andere Geschichte,

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Warum steigen (und fallen) Kurse eigentlich?



Auch unter Anlegern die sich mit der Börse beschäftigen, gibt es oft eine erstaunliche Wissenlücke, die deshalb so erstaunlich ist, weil sie mit dem grundlegenden Verständnis zu tun hat, wie Kurse am Markt überhaupt entstehen.

Gehört hat jeder schon mal davon, dass "Angebot und Nachfrage" die Kurse bewegen und man spricht umgangssprachlich von "Zuflüssen" oder "Abflüssen" im Markt und von "Kaufdruck" oder "Abgabedruck", ohne darüber nachzudenken.

Wenn die Anleger dann aber anfangen darüber nachzudenken, stocken Sie oft und stellen fest, dass da irgendwo noch ein großes Wissens-Loch sein muss. Und dann kommen Fragen wie die, wie denn dem Markt überhaupt Geld zufliessen kann, weil jedem Verkäufer doch ein Käufer gegenüber steht? Das Geld im Markt muss doch also gleichgeblieben sein? Oder?

Denken Sie mal darüber nach. 😉

Zunächst einmal ist völlig richtig: Wenn man nur eine Transaktion betrachtet und ein Verkäufer eine Aktie einem Käufer für exakt den derzeitigen Marktpreis verkauft, fliesst dadurch dem Markt weder "Geld zu", noch bewegen sich dadurch die Kurse. Durch den Verkauf einer Aktie wird dem Markt also weder Geld hinzugefügt, noch abgezogen, die Aktie wechselt den Besitzer und fertig.

Ist das Gerede von "Liquiditätsdruck" und "Zuflüssen" also Unfug?

Nein, weil diese Sicht oben viel zu statisch ist. In Wirklichkeit stehen sich an einem geregelten Handelsplatz - auch Börse genannt - Tausende von Käufern und Verkäufern in einer Aktie gegenüber und jeder will irgendetwas.

Wenn sich die gleiche Zahl an Verkäufern und Käufern mit gleichem Volumen gegenübersteht - von nun an "Angebot" und "Nachfrage" genannt - bewegt das den Kurs auch nicht. Die ganzen Transaktionen laufen, die Aktien wechseln den Besitzer und dem Markt fliesst weder etwas zu, noch fliesst etwas ab.

Jetzt stellen wir uns aber ein Ungleichgewicht vor, da ist vielleicht zur Aktie gerade eine sensationelle Nachricht hereingekommen und ganz viele wollen so schnell wie möglich nun die Aktie im Depot haben. Dummerweise haben aber auch die potentiellen Verkäufer diese Nachricht mitbekommen und wollen plötzlich nicht mehr verkaufen, oder nur zu weit höheren Preisen.

Nun stehen an der Börse also Massen an potentiellen Käufern nur wenigen Verkäufern gegenüber. Und jetzt passiert letztlich etwas Ähnliches, wie das was Sie ähnlich auch von einer Auktion von EBay kennen - viele Käufer treiben den Preis.

Der Druck in dem großen Überhang an Käufern ist also immens "zum Schuss" zu kommen und dafür werden von der Nachfrage höhere Preise geboten, um die anderen aus dem Feld zu schlagen.

Am Ende bekommt ein Käufer nach dem Algorithmus der Börse den Zuschlag, die Transaktion findet statt und die Aktie wechselt den Besitzer, aber eben zu einem *höheren Preis* als noch vor einer Minute.

Dieser Preis-Mechanismus läuft aber in den elektronischen Systemen in Sekundenschnelle tausendfach automatisiert ab, weswegen die Kurse sich zu bewegen scheinen, obwohl es nur tausende solcher kleinen Einzeltransaktionen sind, die den Kurs als einzelne Transaktion nur mininal bewegt haben.

Und damit ist dem Markt auch Geld "zugeflossen", denn die Aktie, die vorher vielleicht 50 Milliarden Marktkapitalisierung hatte, ist durch einen Anstieg um 2% nun auf 51 Milliarden gewachsen. Diese eine Milliarde Differenz ist jetzt *zusätzlich* im Markt gebunden, man könnte also sagen, diese sei "dem Markt zugeflossen".

Der Gedankenfehler der bei der obigen Frage gemacht wird, ist aber zu glauben, dass das Geld real in den Markt "injiziert" würde. Insofern ist das Wort vom "Zufluss" eigentlich missverständlich und im engen Sinne falsch!

Denn injiziert wurde hier gar nichts, der höhere Preis durch den gestiegenden Kurs wurde vom Verkäufer vereinnahmt. Denn der Druck von Anlagegeld, das sich in erhöhter Nachfrage zeigt, hat zu höheren Preisen geführt, womit der *Buchwert* der vorhandenen Aktien höher bewertet wird. "Geflossen" ist also im engen Sinne nichts, aber der Druck der Nachfrage treibt den Buchwert der Bestände nach oben - so ist es sprachlich präzise richtig.

Die Bilder von "Liquiditätsdruck" und "Zufluss" der zu höheren Preisen führt, sind also im engen Sinne falsch bzw missverständlich, beschreiben aber den wirtschaftlichen Effekt bezogen auf das Gesamtsystem völlig richtig und werden daher zurecht verwendet. Nachfrage-Druck lässt die Preise steigen und macht alle Besitzer dieser Güter damit "reicher" in den Büchern. Ob aus dem Buchgewinn ein echter Gewinn wird, weiss jeder aber erst, wenn er die Aktie wirklich verkauft.

Dieser letzte Hinweis ist wichtig, denn alles ist erst einmal "Buchwert", bis jemand bereit ist dafür wirklich etwas zu zahlen.

Briefmarkenbesitzer sollten das gut kennen, denn wer sammelt heute noch Briefmarken? Weil das so ist, ist die Nachfrage eingebrochen und damit sitzen viele auf theoretischen Buchwerten, die aber keine realen Werte sind, weil ihnen niemand das real zu den Katalogpreisen abkaufen wird.

Auch für Immobilien gilt das und auch für Gold, die vermeintlichen "wahren Werte" sind auch erst einmal nur Buchwerte, denn wenn heute über Nacht jemand eine Atomumformung erfinden würde, mit der man Gold nahezu kostenlos konstruieren kann, würde niemand mehr Gold kaufen, die Nachfrage also kollabieren und der realer Wert sich daher schnell der Null annähern.

Alles ist also Buchwert, bis jemand real dafür kauft und es gibt daher auch keine andere objektive Wahrheit als diesen Preis, der real gezahlt wird. Diese Kurs-Differenzen an Märkten, machen an einem aktiven Handelstag mit 1 oder 2% Index-Bewegung Milliarden an Buch-Effekt in den Depots aus. Milliarden!

Die Aussagen von "Kaufdruck", oder "Liquiditätsdruck" sind also im Ergebnis zutreffend. Zutreffend ist auch, dass dem Markt umgangssprachlich dadurch Kapital "zufliesst", weil sich der Wert der Bestände in den Büchern (Depots) erhöht.

Ich versuche das mal mit einem absurden Beispiel zu erklären.

Wie stellen uns eine Aktie mit 50 Milliarden € Marktkapitalisierung vor. Am Tag werden an der Börse aber nur 100 Millionen € Volumen gehandelt.

Da wir in dem Beispiel eine Diktatur sind, hat der große Zampano beschlossen, dass Verkäufe von Aktien "un" sind - wahlweise "un-deutsch", "un-sozial", "un-progressiv" oder was auch immer. Wer verkauft, wird also an die Wand gestellt, weswegen es nur eine minimale Zahl ganz mutiger Verkäufer gibt.

Gleichzeitig kann aber nur der in dem Land etwas werden, der sich mit Aktien eindeckt. Weswegen nun ein massiver Überhang an Nachfrage existiert und dieser die Kurse stark steigen lässt.

Nehmen wir nun an, dass an diesem Tag wieder 100 Millonen € gehandelt werden und die Kurse mangels Verkäufern um 10% steigen. In Summe wurden dann also ca. 110 Millionen € gehandelt.

Objektiv additiv "zugeflossen" ist dem Markt dabei gar nichts, die 110 Millonen und darunter die 10 Millonen Anstieg, wurden unter glücklichen Verkäufern verteilt, die damit von dann ziehen.

Durch diese Kurssteigerung, hat sich die Marktkapitalisierung der Aktie aber um 5 Milliarden € nach oben geschoben! Jeder der die Aktie im Depot hat, wurde also massiv "reicher", reiner Buchgewinn natürlich, denn erst beim Verkauf wird sich zeigen, ob da wirklich jemand real das Geld für diesen Preis auf den Tisch legt.

10 Millionen zusätzliches Kapital, das über das normale Maß hinaus in Käufe injiziert wurde - die 10% Anstieg bezogen auf das tägliche Handelsvolumen - haben also einen Buchgewinn von 5 Milliarden bei den Anlegern erzeugt. Cooles Ding oder? Aber genau das ist Börse. 😀

Der Transmissionsriemen der das ermöglicht, sind die tausenden "Kurs-Matches" die von den Ordersystemen der Börse in jeder Sekunde durchgeführt werden und die bei Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage zu sich bewegenden Kursen und damit einer Veränderung der Marktkapitalisierung führen.

Ich wiederhole also, es ist durchaus "Liquiditätsdruck", der zu einem Überhang von Nachfrage führen kann und dann steigen die Preise und damit auch die Buchbewertung der Aktien, die schon irgendwo im Besitz sind.

Das Bild von "Kaufdruck" und "zufliessender Liquidität" ist also zutreffend, auch wenn es oft fehlinterpretiert wird und mit dem Handelsvolumen als Ganzes verwechselt wird oder geglaubt wird, dass die Gelder der Käufer an die Unternehmen oder in den Markt "fliessen" würden. Nein, die "fliessen" nur an die Verkäufer, entscheidend ist der Kurseffekt!

Klar ist damit aber auch:

Nur Angebot und Nachfrage bewegen *direkt* die Kurse an einem freien Markt. Punkt!

Und Angebot und Nachfrage entsteht typischerweise, weil sich Erwartungen an die Zukunft verändern, die zu einer Handlung verleiten. Insofern kann man auch ganz legitim sagen, dass primär Erwartungen die Kurse bewegen und der Markt damit gedanklich permanent in der Zukunft schwebt.

Denn all die anderen Dinge, die für Kursbewegungen angeführt werden, bewegen die Kurse nur *indirekt*, über den Transmissionsriemen der Erwartungen, die Angebot und Nachfrage erzeugen.

Gute Quartalszahlen erhöhen eben beispielsweise die Nachfrage und eine Schreckensmeldung erhöht das Angebot, weil sich die Erwartungen verändern. Machen Sie sich bitte klar, dass Sie selber auch genau so funktionieren. Sie sehen eine Meldung, diese macht sie auf etwas aufmerksam, verändert also ihre Erwartungen und Sie beschliessen zu kaufen oder verkaufen. Und in Folge steigen oder fallen die Kurse und die Marktkapitalisierung ändert sich.

So funktioniert Börse, womit auch klar ist, welchen grundlegenden Fehler ganz viele Perma-Bären machen, die sich von fundamentalen Ängsten vor schlimmen Krisen zum Kampf gegen den Markt verleiten lassen.

Etwas vereinfach gesagt, stellen wir uns die schlimmste Krise vor, die es gibt, die Welt geht unter! Stellen wir uns weiter vor, in diese Krise beginnen die Notenbanken jeden Tag Billionen zu "schöpfen" und damit massiv am Aktienmarkt auf Kauftour zu gehen. Aktuell sind wir da ja schon fast.

Die Kurse werden dann steigen, weil die Nachfrage das vorhandene Angebot überwältigt. Die Kurse werden mitten in der schlimmsten Krise der Menschheit steigen, denn der Markt ist *nicht* die Wirtschaft!

Welche Nebeneffekte das hat und ob außer den Notenbanken dann irgend jemand etwas davon hat, ist eine ganz andere Frage, aber die Kurse werden steigen!

Machen Sie sich das unbedingt klar, der entscheidende Treiber der Märkte ist Angebot und Nachfrage! Und die Nachfrage hängt wiederum mit der freien Liquidität zusammen, die Anlagenotstand hat.

Solange also freie Liquidität dringend eine Anlagemöglichkeit braucht, entsteht ein Nachfrage-Überhang und die Kurse werden weiter steigen, egal was irgendwelche Fundamentaldaten sagen. Und Politik und Notenbanken tun derzeit alles dafür, dass das so bleibt.

Fundamentaldaten sind also nicht unwichtig, aber für die täglichen Marktbewegungen sekundär.

Primär ist der Kauf- oder Verkaufsdruck, also die Menge an Kapital, die sich in Bewegung setzen will - Angebot und Nachfrage eben. Fundamentaldaten haben darauf einen Einfluss, weil sie Erwartungen verändern, sind aber nicht der einzige wichtige Faktor der auf die Erwartungen wirkt.

Ich hoffe, ich konnte den Zusammenhang deutlich machen. Alles leitet sich aus Angebot und Nachfrage ab.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Vom ewigen V und vom Stockpicking


Es gibt mittlierweile eine halbe Anlegergeneration, nämlich alle die seit 2009 in den Markt gekommen sind, die Börsenkrisen nur noch so kennen, dass jedweder Einbruch sofort in Form eines "V" wieder aufgeholt wird.

Kein Wunder dass es bei denen viele Stimmen gibt, die Risikomanagement für völlig nutzlos halten, weil sie kennen halt nichts anderes und haben nie erlebt wie es ist, sich wie 2000-2003 drei Jahre lang durch einen langen Bärenmarkt zu quälen, einen langen, langen Tunnel bei dem jedes Licht immer nur die Scheinwerfer des entgegenkommenden Güterzuges sind.

Dass sich das so geändert hat, hat natürlich einen offensichtlichen Grund und das sind die immer aggressiveren Stimulus-Maßnahmen von Staaten und Notenbanken, die nun ein historisch absolut einmaliges Ausmaß erreicht haben - es wird eigentlich nur noch über Billionen und nicht mal mehr von Milliarden gesprochen.

Irgendwann wird dieser Mechanismus sich überdehnt haben und alle die auf das "Rettungs-V" warten, werden ihr ganz grausames, anlagetechnisches Armageddon erleben. Ein Hauch dieses Gefühls war ja im März schon in der Luft, aber nach 30-40% Verlust drehte der Markt dann doch wieder nach oben - noch einmal gutgegangen. 😉

Aber dieser Moment ist Spekulation und nicht zwingend heute, weswegen auch die Perma-Bären und Crash-Propheten wohl wieder Unrecht haben werden, die seit 10 Jahren einen Crash vorhersagen aus Gründen, die auch jetzt wieder nicht maßgeblich sind. Das hindert sie natürlich nicht, den aktuellen Crash für sich zu deklamieren, auch wenn Ende 2019 natürlich niemand dieses Szenario auf dem Radar für 2020 hatte. Aber Haupsache irgendein Crash, damit man "Recht gehabt" rufen kann und die gläubigen Jünger werden auch dem folgen - passt doch. 😉

Noch haben Notenbanken und Staaten aber ein paar Drehungen in ihren Schrauben drin und können nachlegen, ein Umstand von dem ich wie Sie wissen für die nächste Krise sowieso fest ausgegangen war.

Und bevor diese permanente Steigerung der "Rettungsversuche" gegen die Decke prallt, wird es sicher noch Helikoptergeld und massenweise Aktienkäufe der Notenbanken auf breiter Front geben. Solange wir das noch nicht gesehen haben und auch noch keine breiten Schuldenschnitte, sind die "Powers that be" eher nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen.

Wir haben also auf der einen Seite eine Krise die so gewaltig und einmalig ist, dass diese ohne diesen massiven Stimulus locker für eine längere, schwere Depression gut wäre.

Wir haben auf der anderen Seite aber den nach historischen Maßstäben gewaltigsten Stimulus von Staaten und Notenbanken, den dieser Planet in der Neuzeit je gesehen hat.

Das ist wie die zwei Sumo-Ringer *Depression* gegen *Mega-Stimulus* im Clinch und es gibt keine historischen Vergleichsmaßstäbe, wer da den Sieg davontragen wird.

Faktum ist, dass der Markt mit dem Rebound nun der positiven Verlaufs-Erwartung folgt und nur dieser. Der Markt geht also davon aus, dass uns nun ein "New-Normal" bevorsteht, in dem das Wirtschafts-Leben weitergeht, zwar gedämpft aber doch in vielen Bereich nahezu normal - bis es dann eine Impfung gibt.

Das ist optimistisch, aber ist aktuell das dominierende Mantra, ähnlich wie Anfang Februar das Mantra war, dass das Virus eine rein chinesische Angelegenheit sei. So ein Mantra kann sich eben später durchaus als falsch herausstellen, Ray Dalio wird beispielsweise nun sicher peinlich sein, wie er Anfang Februar das Virus kleingeredet hat.

Hier der SPY als Abbild des Leitindex S&P500:

Es kann aber auch sein, dass sich das aktuelle Mantra als richtig herausstellt und sich von hier die Infektions- und Todeszahlen trotz Erleichterungen stabilisieren. Wenn das so sein sollte, ist der Markt auch dem aktuellen Niveau sinnvoll bewertet, weil man ja den Stimulus nicht vergessen darf. Wenn das so ist, werden wir die Tiefs vom 23.03. also nicht mehr wiedersehen.

Sollte diese Annahme sich aber als falsch herausstellen, wird es noch einmal brutal nach unten gehen und es ist alleine der Verlauf der Infektionen, der dabei der wesentliche Katalysator ist, weil dann alle Erleichterungen zurückgedreht werden müssen und dann kommt die richtige wirtschaftliche Depression erst.

Nun könnte man ja sagen, das sei ja völlig unberechenbar und dann könne man ja gar nichts machen. Aber diese Aussage ist selbst auf Basis der Indizes falsch. Denn der Rebound war Ende März sehr wohl zu erkennen und man konnte ihn mitnehmen - gezielt, selektiv, scheibchenweise - und nun ein mittleres Exposure im Depot haben, das dem Risiko angemessen ist.

Es gibt aber noch einen ganz anderen Effekt und das ist die Tatsache, dass uns die Indizes hier sowieso nur begrenzt weiterhelfen. Denn der Markt selektiert sehr wohl und das ganz massiv. Und solange nicht die ganze Welt in eine Depression abrutscht, sind die Firmen auch höchst unterschiedlich getroffen.

Schauen Sie hier Boeing (BA) oder Carnival Corp (CCL), Flugzeuge und Schiffsreisen. Für beide ist die Lage ein Desaster und die Aktien sind weiter toxisch, bei beiden stehen theoretisch Staatshilfen zum Überleben im Raum, die die Alt-Aktionäre dann schwer treffen würden:

Kein "V" weit und breit, oder?

Und nun schauen Sie hier Abbott Labs (ABT) und Amazon (AMZN), zwei Aktien die bei uns zum Investment-Universum gehören:

Das ist kein "V" mehr, das ist ein Raketenstart!

Man kann fast nicht glauben, dass alle 4 Aktien Bluechips des gleichen Index sind, aber so ist es!

Das sind zwei Seiten der gleiche Medaille des Marktes, die in den Indizes dann zu dem aktuellen Rebound führt.

Und deshalb sollten wir erkennen, dass die Indizes oder breiten ETFs in dieser Krise sekundär sind, denn die bilden den grauen Schnitt ab. Stockpicking zählt in dieser Krise, denn das Virus ist in seinen Auswirkungen extrem selektiv!

Mit Aktien wie ABT oder AMZN mussten wir auch gar nicht darüber grübeln, ob die Ansteckungszahlen wieder steigen und die Märkte nun doch erneut nach unten abknicken, ober ob die Märkte das nun erreichte Niveau stabilisieren können.

Es spielt schlicht keine Rolle, wenn wir die richtigen Aktien haben!

Und die immense Chance die dieser Crash mit seiner Unsicherheit generiert hat, ist in den Charts von Aktien wie ABT und AMZN auch perfekt zu sehen.

In der Panikphase Anfang März hat der Markt alles rausgehauen, weil breite ETFs und Fonds einfach alles abgestossen haben. Damit wurde aber auch Top-Qualität grundlos rausgeworfen und wer Ende Februar die Reissleine gezogen hat und dann scheibchenweise diese Qualität eingesammelt hat, kann sich nun nicht beklagen und hat ein großes Alpha zum Markt generiert!

Konzentrieren Sie sich also auf die richtigen Aktien und Sektoren, achten Sie auf die Charts, die haben diese Botschaften durchaus wie oben.

Kaufen Sie Stärke und glauben Sie nicht das "billige" Gurken schnell wieder steigen. Denken Sie mal ernsthaft darüber nach, wie lange es dauern wird, bis beispielsweise Touristik und Luftfahrt wieder in den Normalbetrieb können. Denn das wird erst nach einer Impfung, also wohl erst 2021 sein.

Aber andere Aktien und Sektoren sind kaum betroffen und es ist unser Job als Anleger uns darauf zu konzentrieren. Ob eine Aktie ein "Aristokrat" war oder irgend eine andere schöne, Sicherheit vorgaukelnde Vergangenheits-Schablone besass, spielt dabei keine Rolle, das ist alles Marketing.

Eine Aktie ohne Zukunft ist nicht investierbar, egal wie ihre Vergangenheit war. Und dieses Virus wird in der Welt einiges verändern.

So einfach ist das. Börse bewertet Zukunft, nur darum geht es an den Märkten und Vergangenheit ist kalter Kaffee. Und "past performance is not indicative of future results", wie auch diese Krise wieder eindrucksvoll bei vielen Aktien beweist.

Zum Abschluß will ich den 96-jährigen -> -> Charlie Munger <-<- in einem aktuellen Interview zitieren:

“Nobody in America’s ever seen anything else like this,” said Mr. Munger. “This thing is different. Everybody talks as if they know what’s going to happen, and nobody knows what’s going to happen.”

Halten Sie sich also von allen fern, die Ihnen nun eine "Sicherheit" verkaufen wollen, die gar nicht existiert.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Kräfte des Guten


Unsere Gesellschaft ist teilweise toxisch geworden.

Man verachtet Andersdenkende, ja spricht ihnen mit Worten wie "verrecke" die Lebensberechtigung ab.

Man ordnet sich Minderheiten zu und bezieht seine Identität daraus "anders" oder noch schlimmer "besser" als die Mehrheit zu sein - ein zivilisatorischer Rückfall in das gedankliche Stammeswesen.

Man unterstellt sich reihenweise unlautere Motive und "framed" den Mitbürger mit Worten, deren einziger Zweck in der sprachliche Gewaltausübung und der Ausgrenzung aus dem Diskurs besteht.

Man urteilt nach Äußerlichkeiten und hasst das Andere, die sprachlich vorgeschobene Toleranz endet schnell an den Brettern des eigenen Gedankenkäfigs.

Man zwingt Kinder zum funktionieren, steckt sie in ein enges, verrottetes Korsett voller "muss" und impft ihnen schon früh Versagensängste ein, statt Freude und Neugier an der Welt zu fördern.

Man lebt im Gefühl von beständiger Bedrohung, die von den Menschen ausgeht, die man früher mal als Mitbürger bezeichnet hat. Und auf Angst folgt dann irgendwann auch Hass.

Man selbstermächtigt sich selber zu Nötigung und Gewalt und rechtfertigt das mit dem guten Zweck, nicht sehend, dass man damit schon längst selber zum Bösen geworden ist.

Man ist von Zukunfts-Angst erfüllt, die Büßerbewegungen in neuem Gewande Popularität verschafft und sucht sein Heil in romantisch-naiven Idealen einer statischen, vorzivilisatorischen Welt, die es so nie gegeben hat.

Ich könnte weitermachen. All das ist eine unerfreuliche Entwicklung der Gesellschaft, die ihre Gründe hat und an der gesellschaftliche und technologische Entwicklungen, ebenso wie einzelne namhafte Personen aktiv mitgewirkt haben.

Ich kann dazu immer wieder nur "Yoda" zitieren, der dazu alles sagt, was man wissen muss:

Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.

Aber das soll alles hier nicht Thema sein, denn es verkennt die Kräfte des Guten, die sich alleine deshalb immer wieder durchsetzen, weil nur sie die Welt wirklich weiter bringen.

Und gerade Krisen - auch eine Krise wie jetzt rund um das Virus - schaffen durchaus Chancen, dass die Menschen sich wieder auf das Wesentliche besinnen, Orchideen-Themen wieder als das erkennen was sie sind und die Kraft des Guten wieder erlebbar wird.

Mal ernsthaft:

Glauben Sie nicht, dass Ihr Kind viel engagierter und motivierter zur Sache geht, wenn es Lob und Zuspruch erfährt und zweifelsfrei notwendiger Tadel immer mit dem Vorschlag verbunden ist, wie man den Fehler wieder ausmerzen könnte?

Glauben Sie nicht, dass ein Schiff im Sinne Antoine de Saint-Exupéry schneller und besser gebaut wird, wenn die Männer die positive Sehnsucht nach dem großen weiten Meer in sich tragen?

Glauben Sie nicht, dass Sie beruflich erfolgreicher werden, wenn Sie ihre Kollegen und Mitarbeiter anspornen, bestätigen und unterstützen, statt diese misanthropisch anzugranteln?

Glauben Sie nicht, dass Sie viel mehr Freunde und bessere Beziehungen haben werden, wenn Sie ihren Mitmenschen zugewandt, interessiert und freundlich begegnen?

Glauben Sie nicht, dass Ihr Mitmensch mit der völlig anderen politischen Überzeugung, nicht auch vielleicht einfach nur ein Mensch ist, der im Rahmen seiner Sozialisierung nach einer besseren Zukunft für sich und seine Lieben strebt?

Wenn Sie das alles glauben und wenn Sie so denken und handeln, dann haben Sie die Kräfte des Guten verinnerlicht. Man könnte auch sagen, es ist die Kunde von Lob, Freundlichkeit und der Schaffenskraft des Optimismus, der die Welt wirklich voran bringt und besser macht.

Nicht verwechseln darf man das mit Naivität und Blindheit, nicht alles ist gut und nicht alles kann man weglächeln, es gibt 20-30% im Leben, da muss man klare Grenzen ziehen, muss sich wehren und auch mal autoritär werden, damit Dinge nicht ausufern.

Es geht aber um die Frage, was unsere Grundhaltung ist. Ob wir in den 70-80% des Lebens, in denen es wirklich Grund zu Optimismus, Freundlichkeit und Lob gibt, auch so denken oder uns lieber in unserer misanthropischen Wolke einnebeln wollen.

Man könnte es auch einfacher sagen: Es ist die Frage ob für uns das Glas halbvoll oder halbleer ist und ob wir unseren Mitmenschen ehrenwerte Absichten zubilligen, bis wir vom Gegenteil überzeugt werden oder gleich vom negativen Gegenteil ausgehen.

Sie glauben vielleicht, ich würde hier eine Predigt halten, die auch von der Kanzel kommen könnte?

Nein bestimmt nicht und es ist auch nicht immer die beste Lösung für die Welt, auch noch die andere Wange hinzuhalten. Das richtig Böse wird dadurch nur ermutigt sich noch mehr zu nehmen, es wittert Schwäche und wer glaubt pure Aggression alleine mit Luftballons besiegen zu können, ist höchst naiv.

Aber es geht um die Grundhaltung, mit der wir der Welt und unseren Mitmenschen begegnen, ob wir in der Lage sind, die Macht des Lobes zu erkennen und des Optimismus.

Und an der Stelle kommt auch der Übergang zur Börse, denn ich behaupte dass nur Menschen die des Optimismus fähig sind, ernsthaft am Aktienmarkt erfolgreich sein können.

Wer dagegen überwiegend pessimistisch denkt, wer nur das Negative sieht und jeden Tag etwas Neues fürchtet, wird von den Crash-Propheten viel mehr angezogen, die Ängste instrumentalisieren.

Es braucht Mut, um immer wieder optimistisch zu sein.

Denn natürlich endet alles mit unserem Tod, das wissen auch Optimisten, die Frage ist nur, was man vorher aus dem Leben gemacht hat und wie glücklich man war.

Lebensmut ist nicht jedem gegeben. Aber er ist die Essenz des Erfolges, die Essenz der Tatkraft und auch die Essenz der Fähigkeit, an der Börse schon heute die Amazons und Apples von morgen ins Depot zu legen und optimistisch zu sein, nicht blind, nicht euphorisch und nicht naiv, einfach optimistisch und chancenorientiert.

In diesem Sinne lassen Sie uns doch in unserem Umfeld die Kräfte des Guten wieder mehr pflegen, die Zuwendung, das Lob, die Ermunterung und die liebevolle Mahnung, die nicht belehren oder vernichten, sondern helfen will.

Ein kleines Bisschen werden wir damit auch die Gesellschaft verbessern, aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Der Punkt ist, dass das in der Regel positiv zu uns zurück kommt und unser Leben verbessert.

Und lassen Sie uns auch an der Börse Optimismus wagen, die steigt einfach statistisch 2/3 der Zeit und ich muss Ihnen jetzt nicht jedes Mal so ein Chart zeigen, oder?

Und ja ich weiss, man müsste das um die Geldentwertung normalisieren, gleichzeitig sind aber ausgeschüttete Dividenden hier nicht enthalten, womit sich das Pi-mal-Daumen wieder ausgleicht.

Wie kann man angesichts so eines Bildes von mehr als 100 Jahren Börse seine Zeit permanent mit Pessimismus verbringen? Ist das nicht idiotisch?

Oder nehmen Sie doch die Entwicklung der Welt, es ist erdgeschichtlich nur einen Wimpernschlag her, da hatten wir noch nicht einmal das Feuer entdeckt und waren einfach nur Tiere, allerdings mit dem von der Leistungsfähigkeit her größten Denkorgan gesegnet, dass dieser Planet bisher zu vergeben hatte.

Wir waren nicht die Schnellsten, nicht die Größten und nicht die Stärksten, aber mit diesem Denkorgan haben wir Werkzeuge erfunden, den Widrigkeiten der Natur getrotzt und uns letztlich den Planeten untertan gemacht. Noch immer kann uns die Natur mit einem Fingerschnippen vernichten, aber dafür braucht es jetzt schon ganz große "Geschütze", wie einen riesigen Asteroiden oder eben eine Seuche, die ebenso tödlich wie Ebola und ebenso ansteckend wie das aktuelle Corona-Virus ist. Aber gegen viele der kleineren Gefahren sind wir zunehmend immun geworden.

Noch vor wenigen tausend Jahren, haben wir an Naturgötter geglaubt und noch vor wenigen hundert Jahren, war von all der Technologie die uns nun umgibt, nichts zu sehen. Würden diese Menschen uns heute sehen, wie wir durch die Luft fliegen, Worte und Bilder über große Entfernungen "teleportieren" und Krankheiten heilen, die ein sicheres Todesurteil waren, hätten diese Menschen damals nur ein Wort für uns gehabt: Götter.

Der bekannte Science Fiction Autor Arthur C. Clarke, vom dem auch Odyssee 2001 stammt, hat den treffenden Satz geprägt:

„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“

Wie kann man angesichts dieser Entwicklung der Menschheit, die letztlich auch nicht anders als das Chart oben aussieht, denn pessimistisch sein? Ist das nicht idiotisch? Die Welt wird besser, nicht gleichmässig, mit Rückschlägen, aber sie wird besser, nicht schlechter!

Und genau so wie ein freundlicher Mensch auch manchmal anderen deutliche Grenzen aufzeigen muss, muss auch ein optimistischer Anleger manchmal bärisch werden und sein Augenmerk alleine auf die Defensive legen. Sonst wäre er nur ein naiver Idiot.

Die entscheidende Frage ist aber, was der Normalzustand ist, in den wir sofort nach Ende der Krise zurückkehren. Und da gibt es nur eine Antwort, schon alleine weil unser Leben endlich ist und jeder Moment endgültig vorbei.

Und diese Antwort sind die Kräfte des Guten, denn Pessimisten leben in unserer modernen Welt, in der die Lebensgefahren doch deutlich reduziert wurden, keineswegs länger als Optimisten - im Gegenteil. In der Savanne war das noch anders und Pessimismus zum Überleben sinnvoller.

Man könnte auch etwas spitz für die modernen Zeiten sagen:

Die Pessimisten haben Recht, den Optimisten gehört die Welt. In die Kiste steigen sie beide gleichzeitig.

Und nun frage ich Sie: Welches Leben wählen Sie lieber? Meine persönliche Antwort kennen Sie.

Ihr Hari

PS:

Dieser Artikel ist sozusagen "mein Wort zu Ostern". Ich trete nun bis Ostermontag im Blog kürzer und mache Ferien, nach Ostern bin ich aber für die Mitglieder wieder da. Der nächste Artikel im freien Bereich kommt in ca. 2 Wochen.

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