Wir Cyborgs – Widerstand ist zwecklos


Wir hier in der Mr-Market Community haben die Zukunft immer auch als Chance im Blick. Natürlich gehören zu Chancen auch immer Risiken, die werden aber von der derzeit allgegenwärtigen "Apokalypse-Industrie" mehr als ausreichend bedient. 😉

Und wenn man in der Wirtschaft und an den Börsen mit Innovation und technologischen Umbrüchen erfolgreich sein will, braucht man sowieso einen chancenorientierten, der Zukunft zugewandten, positiven Blick, denn mit der Haltung eines mürrischen Grantlers oder panischen Karnickels ist es schwer, die "Apples" und "Googles" des Jahres 2050 früh zu identifizieren und dann auch früh ins Depot zu nehmen, geschweige denn so eine Firma aufzubauen.

Deshalb tauschen wir uns auch immer mit offenem Visier über Zukunftsszenarien aus und diskutieren, was das für die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Firmen darin bedeutet. Und schauen, ob wir schon heute börsennotierte Firmen finden, die in diese Richtung unterwegs sind.

Deshalb gibt es auch immer wieder Artikelreihen zu Zukunftsthemen und eine aktuelle Reihe behandelt gerade die Frage, was uns im Jahr 2050 denn so erwarten könnte und welche technologischen Entwicklungen heute schon im Gange sind, die vielleicht 2050 zum täglichen Straßenbild gehören.

Daraus will ich Ihnen heute einen kleinen Auszug im freien Bereich zeigen, der aus einem größeren Artikel vom Oktober 2019 stammt. Viel Spaß beim Blick durchs Bullauge in die Zukunft!

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Szenario 2: Cyborgs sind 2050 die Norm

Die IT Technik schreitet mit exponentieller Geschwindigkeit voran, gleichzeitig wachsen "Life Sciences" und das Bedürfnis, sich selber zu verbessern.

Schon bald werden Sensoren und Chips nur noch so marginale Grössen haben und so wenig Strom verbrauchen, dass sie problemlos und unsichtbar implantiert werden können, um diverse Funktionen zu erfüllen.

Das können rein medizinsche Funktionen sein, sozusagen wie eine Medikamentendosierung oder ein mikroskopischer Herzschrittmacher. Medizinische Anwendungen werden aber nur eine kleine Untermenge sein.

Schon bald wird aber auch die Verbesserung von Körper- und Geistesfunktionen ein Thema der Forschung sein, weil damit riesige Gewinne winken. Muskeln stimulieren, Übersetzungschips im Ohr, das Gehirn anregen, Körperprozesse verbessern oder verlängern, der Phantasie und dem Wunsch einen Vorteil zu erlangen, sind kaum Grenzen gesetzt. Die Forschung in dem Bereich wird explodieren, weil dahinter ein massiver Bedarf steckt.

Getrieben wird der Bedarf auch durch den massiven Aufstieg von Unterhaltungssystemen, in denen Menschen in virtuellen Welten unterwegs sind. Wofür man heute noch eine Brille aufsetzt, wird dann durch den Anschluss einer bionischen Schnittstelle an zentrale Unterhaltungssysteme viel effizienter möglich sein und das Thema weiter pushen, weil die Menschen es haben wollen. Die Pornoindustrie wird dabei ganz vorne dabei sein.

Niemand wird deswegen wie ein "Borg" aussehen, dazu sind diese Implantate des Jahres 2050 viel zu klein. Von einer kleinen Schar Puristen abgesehen - so wie heute die Amish-People - wird die Mehrheit nach anfänglichem Zögern diese Implantate aber annehmen, so wie heute Brillen normal sind. Und diese Implantate sind nicht zu sehen.

Aber wenn andere beispielsweise ihre Konzentrationsfähigkeit erheblich anheben können, dann braucht man das auch, um selber nicht zurück zu bleiben. Wer will zB nicht das Gesichtsfeld erheblich verbessert haben?

Klar, heute sagt man leichthin "das brauche ich nicht". Das hat man anfangs aber auch zu Handy, Notebook und vielem anderen gesagt. Warten wir aber mal ab, wenn die Menschen den Vorteil erlebt haben.

So werden Menschen des Jahres 2050 auf die eine oder andere Art und Weise durch Implantate "verbessert" sein, ansehen wird man es Ihnen aber nicht. Mit den heutigen Vorstellungen von Cyborgs, wird das also nichts zu tun haben, Menschen werden aber faktisch welche sein.

Ein riesiges Geschäft wird um das Thema der Verbesserung der Körper- und Sinnesfunktionen entstehen, einerseits medizinisch motiviert und andererseits darüber hinaus, mit dem Ziel einen Vorteil zu erlangen oder sich medial zu unterhalten.

Steve Jobs hat mal gesagt, dass er glaube, dass die größten Innovationen des 21. Jahrhunderts an der Schnittstelle von Biologie und Technologie entstehen werden. Und das eine neue Ära beginnt. Ich glaube dass er recht hat.

Das Geschäft wird von neuen Firmen oder neuen Ablegern alter Firmen wie Apple gemacht werden, die eine Form von "biologischen Chips" entwickeln, also die Synthese von heutigen Chips und Biofunktionen.

Eine Apple Watch mit der Überwachung der Herzfrequenz, ist von diesem Trend der erste ganz klitzekleine, klobige Anfang. Glaubt jemand ernsthaft, dass man zur Überwachung dieser Körperfunktionen in 30 Jahren noch Uhren braucht? Nein, mikroskopisch kleine Implantate werden genügen.

Und es wird nicht nur "überwacht", sondern auch massiv "verbessert" und mit elektronischen Systemen "verbunden" werden. Ein Multi-Billionen-Markt - nicht Milliarden, Billionen.

Und falls Sie denken, dass ich hier "spinne", behaupte ich, dass ich wahrscheinlich zum Thema noch zu defensiv bin, wenn man 30 Jahre als Zeitraum nimmt. Schauen Sie mal, -> was Facebook hier gekauft hat <-.

Die Verschmelzung von Mensch und Maschine, hat schon begonnen. Nach einer Hype-Phase, die bald beginnen könnte, werden erst einmal die Mühen der Ebene kommen und alles nicht so schnell gehen, wie erhofft. Aber in 30 Jahren? Da ist wohl das Plateau der Produktivität erreicht.

Was die Verbindung des Gehirns mit Computern angeht, bin ich auch im Zeitraum 30 Jahre immer noch eher skeptisch. Was sonstige Verbesserungen von Körperfunktionen angeht, aber nicht.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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The market always finds an excuse when it needs to unwind. The virus may just be its excuse. I say the charts are telling us caution at a minimum. Raising stops here and not putting on new swing longs.

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Von Konsequenz – Wann man verkaufen muss

Der folgende Grundlagen-Artikel erschien letzten November im Premium Bereich und wurde für den freien Bereich nur marginal bei Referenzen überarbeitet.

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Wir sprechen oft über Setups und richtige Einstiege, wir sprechend über Techniken wie Stops, mit denen wir unser Risikomanagement gestalten.

Aber wissen wir eigentlich wann wir verkaufen *müssen*, mit der Betonung auf *müssen*?

Und vor allem, ist uns klar, dass es dafür eine universelle Antwort gibt? Eine Antwort, gegen die wir andauernd verstossen und auch deswegen in unangenehme Situation geraten?

Eine universelle Antwort für alle Arten von Handelsgeschäften, von Intraday-Trades bis zu mehrjährigen Investments, kann natürlich nur generisch sein - ist aber trotzdem wichtig.

Diese Antwort ist sehr schlicht und einfach. Hier ist sie:

Grund des Einstiegs und Grund des Ausstiegs bilden eine logische Einheit, das eine folgt aus dem anderen.

Für Stops habe ich das Prinzip in einem Grundlagen-Artikel den Mitgliedern schon nahe gebracht:

-> Grundlagen der Stops III - Das Spiegelbild der Strategie <-

Darin heisst es:

Stop sind also immer das Spiegelbild der Strategie.

Wer keine Strategie und kein Setup hat, kann auch keine sinnvollen Stops haben!

...

Denken Sie also daran, wenn Sie sich das nächste Mal den Kopf zermartern, wo Sie denn nun den Stop hinsetzen sollen. Denn wenn Sie diese Frage plagt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das nur ein Indiz für ein weit schwerer wiegendes Problem ist: fehlende oder mangelnde Strategie!

Sie lösen das Problem dann auch nicht, in dem Sie "irgendwohin" einen Stops setzen. Sie lösen es nur, in dem Sie sich klar darüber werden, warum Sie diese Position eingegangen sind, was Sie davon erwarten und wann diese Erwartungen sich eindeutig als unzutreffend heraus gestellt haben. Genau das nennt man ein Setup. Wer ein präzise definiertes Setup hat, hat auch einen logischen Stop.

Das Prinzip ist aber universell und auch ganz logisch, denn egal ob Sie Daytrader oder Investor sind, es gab ja einen Grund, warum Sie eine Position eingegangen sind, Sie haben damit eine Erwartung verbunden.

Und diese Erwartung hängt wiederum von Kriterien oder Geschehnissen ab, die entweder eintreffen oder eben nicht.

Ihr Trade oder Ihr Investment ist genau dann gescheitert, wenn diese Erwartungen sich als falsch heraus gestellt haben! Das ist der Moment, an dem man verkaufen *muss* und sich die Lage nicht mit Hopium schön reden darf.

Bei einem Daytrader, der vielleicht gerade den Schub nach einer wichtigen Nachricht spielt, ist es die Erwartung, dass die Nachricht zu einer direktionalen Bewegung führt. Diese Bewegung will er dann mitnehmen, bis sie dreht. Er *muss* verkaufen, wenn entweder der Schub nicht kommt oder der Schub ausläuft. Beide Bedingungen sind das Spiegelbild der Absicht, mit der der Trade eröffnet wurde.

Bei einem SwingTrader, der eine mehrwöchige Ausbruchsbewegung spielen will, ist es die Erwartung, dass die Bewegung nun nicht mehr unter das Ausbruchsniveau zurückfällt und nach oben Fahrt aufnimmt. Und deshalb *muss* er verkaufen, wenn das passiert, was nicht passieren darf.

Bei einem Positionstrader, der eine mehrmonatige Mean-Reversion einer verprügelten Aktie spielen will, liegt die Erwartung vor, dass die Aktie eine Bodenbildung abgeschlossen hat und die Tiefststände nicht mehr sehen wird. Deshalb *muss* er verkaufen, wenn die Aktie doch zu neuen Tiefs läuft.

Bei einem Investor, der eine Aktie wegen ihres stabilen Dividendenwachstums kauft, *muss* diese Position in Frage gestellt und nach einiger Zeit verkauft werden, wenn das Wachstum verschwindet und das Management von seinem stabilen Pfad abweicht und das Geld für sinnlose Projekte zu verschleudern beginnt.

Bei einem Investor, der eine Aktie wegen ihres herausragenden Managements und dessen Track-Records kauft und lange halten will, *muss* diese Position in Frage gestellt und nach einiger Zeit verkauft werden, wenn dieses Management unter dubiosen Umständen das Weite sucht oder es zu Machtkämpfen kommt, die das Unternehmen belasten.

Ich könnte mit beliebigen Beispielen weitermachen, das Prinzip ist universell. Die Absicht und die Erwartungen, mit denen man eine Position eröffnet, sind auch die Kriterien, wann diese Position zu schliessen ist.

Weiterlesen ...Von Konsequenz – Wann man verkaufen muss

Zwei Schritte vor, Einer zurück.

Was man für das Anlagejahr 2020 aus historischer/statistischer Sicht erwarten kann, habe ich Ihnen hier im freien Bereich -> am 15. Dezember letzten Jahres <- nahegebracht.

Und ich habe Ihnen da an vielen historischen Charts der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass auf ein starkes Börsenjahr wie 2019, gerne ein volatileres, aber immer noch starkes Börsenjahr folgt.

Der typische Verlauf eines Jahres mit US Präsidentschaftswahl, hat dabei eine Seitwärtsbewegung oder Korrektur im 1. Quartal, eine markante Rally nach Ostern bis in den Frühsommer hinein, eine scharfe Korrektur im Früherbst vor der Wahl und eine Rally nach der Wahl ins Jahresende.

Ob das wieder so kommt ist unklar, jede Regel hat auch ihre Abweichungen, aber es lohnt sich trotzdem, diesen typischen Verlauf im Auge zu behalten, bis man vom Marktgeschehen vom Gegenteil überzeugt wird.

Nun sind wir nach markanter Rally im ganzen letzten Quartal, im Jahr 2020 angekommen und haben als "Sahnehäubchen" nun auch noch einen eskalierenden Konflikt im Nahen Osten bekommen.

Für die Börsen ist dieser Konflikt aber nur temporär relevant, solange er eben heiss läuft. Er führt dann zu steigendem US Dollar, steigendem Gold, steigenden Ölpreisen und tendentiell wackeligen Börsen, was sich aber schnell umdreht, sobald das Risiko geringer wird oder Gewöhnung eintritt - weswegen man eher "kaufen sollte, wenn die Kanonen donnern".

Wobei auch dieser Sinnspruch - wie so viele - natürlich nichts über das Timing sagt, denn wer weiss schon, ob und wie lange nun die Kanonen im Nahen Osten donnern?

Man kann das sehr schön am Beispiel der Lufthansa sehen, denn an den Börsen profitieren natürlich vor allem Rüstungsaktien, während beispielsweise Luftfahrtgesellschaften abverkauft werden.

Die Lufthansa hatte eine saubere Wendeformation, einen Ausbruch und hat dann klassisch und geordnet entlang der 200-Tage-Linie nach unten konsolidiert, unter anderem wegen der neuen Streikproblematik.

Das sah sehr sauber und aussichtsreich aus, um aus dieser Konsolidierung wieder nach oben zu ziehen. Dann kam am Freitag die Eskalation im Nahen Osten und natürlich reagiert der Markt darauf mit Macht - eine neue Information führt immer zu einer Anpassung der Erwartungen.

Klar ist aber auch, dass diese negative Belastung wieder verschwindet, falls und sobald sich der Rauch im Nahen Osten verzieht und die Lufthansa dann wieder ihre alte Grundstruktur ohne diese Sonderthematik aufnehmen wird. Man kann hier also Chancen sehen, weiss aber trotzdem nicht, wie tief dieser Nahost-Effekt noch geht, weil wir eben nicht wissen, was die Mullahs und Trump als Nächstes machen werden:

Diesen Einfluss von kriegerischen Geschehnissen auf die Kurse, müssen wir also zur Kenntnis nehmen, dürfen ihn aber auch nicht überbewerten, weil er eher temporär ist.

Wichtiger für das große Bild ist aber weiter die innere Marktmechanik der großen Indizes und über die will ich nun ein paar Worte verlieren. Denn jetzt, mit dem Beginn des neuen Jahres, steigen die Risiken deutlich, dass dieser Markt mal wieder in eine unvermeidliche Korrektur läuft.

Sollte der Markt nun einfach weiter steigen, zum Beispiel weil der Rauch in Nahost sich schnell verzieht, würde es die Schärfe und Fallhöhe der Korrektur sogar nur erhöhen, so wie das auch Anfang 2018 zu beobachten war:

Völlig unabhängig vom Geschehen in Nahost, sollten wir nach einem tollen 4. Quartal in 2019 nun also etwas mehr taktische Vorsicht an den Tag legen.

Verwechseln Sie diese taktische Warnung für die kommenden Wochen aber nicht mit einem grundlegend bärischen Blick auf 2020. Zu einem gesunden Markt gehört einfach, dass er nach zwei Schritten vorwärts auch wieder einen zurück geht und danach ist der Weg für weitere Hochs wieder frei. Das ist gesund und völlig natürlich, eine baldige Korrektur - vielleicht nun durch Nahost in Gang gesetzt - ist also aus emotionaler Sicht nicht zu befürchten, sondern zu wünschen!

Glauben Sie aber auch nicht, dass man den Beginn der Korrektur auf den Tag genau erkennen kann, das ist einfach Unsinn und jede Minute des Grübelns darüber vergeudet. Dieser Markt kann nun durchaus Nahost schnell abschütteln und doch noch Wochen aufwärts laufen, so wie er das schon 2018 gemacht hat, es würde aber die Notwendigkeit und Unvermeidlichkeit der Korrektur nur erhöhen.

Beginnen wir das Jahr 2020 an der Börse nun also mit etwas mehr taktischer Vorsicht, begrüssen wir eine Korrektur freudig, wenn sie denn kommt und dann können wir in frischer Luft wie nach einem Sommergewitter, wieder optimistisch in die Zukunft schauen.

Auch in 2020 gilt, dass wir als mündige Anleger das Gebrabbel der Crash-Propheten weiter dahin entsorgen sollten, wohin es in der Regel gehört: in den Mülleimer. Diese Leute haben oft treffende Problembeschreibungen und wenn sie dabei bleiben würden und Demut zeigen könnten, wären ihre Gedankengänge sogar lesenswert.

Das Problem entsteht aber durch die Hybris der Prognose, etwas was wiederum nötig ist, um möglichst viele Schafe an die Kassen zu bringen, die sich dann im Besitz des Wissens einer "Geheimloge" wähnen und doch nur bei ihren Ängsten abgeholt wurden.

Dieser Blick ins Gekröse mit Jahreszahlen verursacht massiven Schaden in den Depots der gläubigen Anleger, denn selbst wenn die Problembeschreibungen richtig sind, kann ein System, von dessen Überleben die Existenz so vieler "Eliten" abhängt, problemlos noch 10 oder 20 Jahre weiter machen und in dieser Zeit die Kurse vervielfachen.

Verwechseln Sie eine richtige Problembeschreibung also bitte nicht mit einer zeitlichen Prognose, das sind zwei völlig verschiedene paar Schuhe. Und ich habe Ihnen das schon oft gesagt und es bleibt am Markt auch für 2020 wahr:

Zu früh ist nur ein anderes Wort für Falsch!

Aber wenn Sie hier schon länger mitlesen, dann renne ich jetzt offene Türen ein und wenn Sie sogar im Premium-Bereich Mitglied sind, dann haben Sie erlebt, wie wir im letzten Jahr mit einfachen Depots 40% und mehr Gewinn verbucht haben, während die Jünger des nahen Weltuntergangs sich dafür gut fühlen durften. 😛

Auch für das Jahr 2020 gilt also:

Wir folgen dem Markt. Wir raten nicht, wir bekämpfen den Markt nicht, wir reagieren auf den Ton, den er vorgibt.

Und wenn wir dann von 40% Gewinn ein paar Prozent wieder abgeben, bevor wir den neuen Ton hören können, dann ist das genau gut so und liegt im System.

Das Jahr 2020 hat gute Chancen ein Jahr der Überraschungen zu werden, ein Jahr das vielleicht wieder einen positiven Kurssaldo liefert, aber doch weit stärkere Pirouetten liefert, als 2019.

Wir nähern uns so einem Jahr am Besten wieder Schritt für Schritt und die Augen immer in der Gegenwart, bei der nächsten Biegung des Weges. So wird auch 2020 wieder ein profitables Jahr werden.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wie das Anlagejahr 2020 wird

Das Anlagejahr 2019 war für uns hier auf Mr-Market ausgezeichnet. Wir waren frühzeitig ab Januar bei der Rally dabei und selbst Sie hier im freien Bereich, hätten das auch sein können.

Schauen Sie mal, was ich Ihnen zum Beispiel hier schon am 07. Januar 2019 zum Jahresanfang geschrieben habe, im Lauf des Januar hat sich das bullische Bild dann zunehmend klar entwickelt:
-> Börsenjahr 2019 - Dem Optimismus eine Chance geben <-.

Und danach war mein Tenor in vielen Artikeln immer wieder positiv, die Sie gerne hier nachlesen können. Niemand wusste am Jahresanfang konkret und auf den Punkt, wie gut es 2019 tatsächlich laufen würde - dass das Glas halbvoll war und die Chancen die Risiken überwogen, war aber schon da klar zu sehen. Unser Fokus auf die US Märkte, war dabei in 2019 goldrichtig, dort musste man sein, dort gab es viel zu holen.

Nun stehen die drei Mitgliederdepots ohne jede Anpassung seit dem Jahresanfang bei ca. 40% Plus, einzelne Mitglieder haben mit langfristig laufenden Depots auch 80% Gewinn, andere "nur" 10-20% je nach Strategie. Man darf das also mit Fug und Recht ein gutes Anlagejahr nennen, das uns mit der klaren Wende aus dem "Loch" von Heiligabend 2018 heraus, im Januar dann sogar ein recht deutliches Kaufsignal gegeben hat, denn die besten Gewinne sind oft die nach einem bedeutenden Tief, aus dem Loch heraus - so auch 2009.

Damit stellt sich doch die Frage, wie das Anlagejahr 2020 wird und wir finden in den Medien ja auch wieder die diversen Weissagungen mit konkreten Kurszielen der Analysten der Banken, die wie immer eher Spökenkiekerei und Marketing sind. Von den diversen Crash-Gurus, brauche ich dabei ja gar nicht erst reden, jetzt aber kommt der große Crash nächstes Jahr bestimmt - diese Aussage ist seit 2009 jedes Jahr zu hören, nur die Jahreszahl muss man dann alle 12 Monate wieder ändern. 😛

Aber da ich ja in der Überschrift so vollmundig davon geschrieben habe, wie das Anlagejahr 2020 wird, wollen Sie nun bestimmt von mir eine Zahl zum Jahresende 2020 hören. Oder?

Habe ich Sie nun "erwischt"? Wenn ja, wenn Sie das hier jetzt wirklich erwarten, dann haben Sie vermutlich noch nicht viel auf Mr-Market gelesen.

Denn meine klare Antwort ist: Ich habe keine Ahnung! 😀

Denn Erfolg am Markt, auch der von 2019, kam und kommt nicht vom *Raten* mit einer Glaskugel, sondern primär vom intelligenten *Folgen*. Aber das ist ein anderes Thema, das ich hier oft genug thematisiert habe.

Falls Sie nun gleich wegklicken wollen, ist das in Ordnung. Machen Sie das bitte, das ist gut so!

....

So, nachdem alle auf der Suche nach konkreten Zahlenprognosen für das Jahresende 2020 weg sind, kann ich mit allen anderen, die noch dabei sind, ja jetzt mal über ein paar substantielle Dinge zum Thema reden. 😉

Natürlich kennen wir den Verlauf von 2020 nicht und es macht auch keinen Sinn, irgendwelche Fundamentaldaten hochzurechnen. Selbst der "Dot Plot" der FED über die weitere Zinsprojektion, ist erfahrungsgemäß über 12 Monate das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt ist.

Aber wir können zwei Dinge tun. Wir können erstens mal schauen, wie denn in der Vergangenheit Börsenjahre nach ähnlichem Vorlauf waren. Und wir können zweitens schauen, was denn an wichtigen Themen für 2020 schon absehbar ist und uns darauf gedanklich vorbereiten, in dem wir Szenarien durchdenken.

Zum Zweiten will ich heute hier im freien Bereich nicht schreiben, das besprechen wir im Premium-Bereich. Eines der Hauptthemen wird dabei die US-Wahl sein, die wohl so aggressiv und "giftig" verlaufen wird, wie keine andere zuvor.

Der für die Börsen absehbar wichtigste Faktor, wird dabei neben dem fortdauernden US-China Handelskonflikt, der in 2020 weiter schwären wird, wohl die Vor-Auswahl des demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten sein. Sollte es jemand wie Bloomberg werden, den die Börse mag, wird diese sich entspannt zurücklehnen und werden sich die Kurse nur wenig vom politischen Klamauk beeinflussen lassen. Sollte es aber jemand wie Warren werden und ein Sieg von Warren in Reichweite rücken, dürften die US-Börsen darauf mit Volatilität und Abgaben reagieren.

Aber das soll wie gesagt hier jetzt nicht Thema sein, ebensowenig wie die Folgen des Brexit, die Folgen einer zunehmenden Abgrenzung und Blockbildung im Bereich der IT, eine mögliche Rotation weg von den US Titeln nach Asien und marginal auch Europa, oder die weitere Entwicklung in der deutschen, politischen Landschaft. Das sind alles eigene Themen für 2020, die separat besprochen werden wollen.

Was ich Ihnen heute hier im freien Bereich zeigen will ist, wie sich Börsenjahre *nach* so einem Jahr wie 2019 in der Vergangenheit entwickelt haben.

Und wie kann man 2019 charakterisieren? Ganz einfach.

Erstens war es ein Jahr, das mit hohen Gewinnen auf eine bedeutende Korrektur folgte. 2018 hatten wir am Tiefpunkt Heiligabend 2018 im S&P500 ca. 20% Minus gegenüber den Jahreshochs von Ende September 2018. Das ist schon mal ein Wort.

Zweitens war es ein Jahr, in dem die Kurse ohne größere Korrekturen, weit überwiegend hochgekrochen sind.

Man könnte weitere Faktoren hinzufügen, wie das Jahr im Präsidentschaftszyklus zum Beispiel, aber das macht mir die Auswahl schon wieder zu eng und statistisch insignifikant. Lassen wie es doch mal bei den beiden Parametern und gehen einfach zeitlich rückwärts:

2016 hatte die scharfe Korrektur am Jahresanfang, die als Korrektur Phase aber schon mit dem ETF-Flash Crash im August 2015 begann. Der Rest des Anlage-Jahres war trotz Brexit toll, 2017 wurde dann mit beständigem Anstieg nach Trumps Wahl noch besser:

2013 war nach dem Auslaufen der Eurokrise und dem Beginn diverser QE der Notenbanken ein superbes Jahr, 2014 war dann volatiler, aber noch deutlich positiv:

2009 war nach dem Tiefpunkt der Lehman-Krise im März ein sensationelles Jahr, 2010 war dann deutlich schwieriger, aber immer noch klar positiv:

2003 war das Jahr, in dem die Börsen die 2000er Internet-Blase hinter sich gelassen haben und markant wieder zu steigen begannen. 2004 war deutlich schwächer, aber immer noch ruhig und positiv:

Weiterlesen ...Wie das Anlagejahr 2020 wird

Der Edge des Volumenschubes

Wenn Sie schon länger im freien Bereich um Mr-Market "herumschleichen" ;), dann kennen Sie das folgende Interview bestimmt.

Wenn aber nicht, will ich Sie noch einmal auf das Interview aufmerksam machen, das ich letztes Jahr dem Traders´ Magazin gegeben habe.

Denn zuletzt habe ich hier im freien Bereich wenig zum Thema Trading geschrieben, dabei nimmt es in der Community und in meinen Artikeln im Premium-Bereich auch einen wichtigen Raum ein, denn wir haben hier alles vom Daytrader bis zum Langfristinvestor versammelt, vom Anfänger bis zum Fondsmanager.

Vor einem Jahr hatte ich Ihnen das Interview schon -> in diesem Artikel <- gezeigt und das mit einem Video mit Jens Rabe verbunden, das auch noch sehenswert ist. Hier ist es erneut:

-> Interview Michael Schulte Traders´ Magazin 08-2018 <-

Wenn Sie dieses Interview nun lesen, dann wird Ihnen dabei eine Strategie begegnen, mit der ich schon länger erfolgreich operiere. Ich nenne es die "Volumenschub-Strategie" und wie bei vielen meiner Strategien, antizipiere ich im Vorfeld vielleicht, agiere aber idR nicht. Agiert wird idR erst reaktiv, *nachdem* der Markt eine Richtung gewiesen hat.

Denn wenn eine Aktie nach einer fundamental bedeutenden Nachricht zu einem massiven Satz ansetzt, dann würden die Meisten instinktiv denken: "Oh Schade, verpasst. Nun ist die schon zu weit gelaufen".

Was sagen Sie nun, wenn ich behaupte, dass bei kluger Selektion wirklich substantieller Schübe, in vielleicht 60-70% der Fälle auf den ersten Schub eine weitere, mehrere Tage andauernde Aufwärtsphase folgt? Und dass kaum einer dieser Schübe sofort am Folgetag wieder zusammenbricht? So dass man weit überwiegend seinen Stop ins Grüne ziehen kann?

Und was sagen Sie, dass vielleicht 20% dieser Schübe, die schon im Grünen sind, dann nicht nur ein paar Tage steigen und mit geringem Gewinn ausgestoppt werden, sondern in eine sehr profitable Wochen- und Monate andauernde Aufwärtsbewegung münden?

Dann würden Sie als Trader sich wohl die Finger lecken, weil das ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis bedeutet.

Schauen Sie mal in das Interview, da sind vergangene Beispiele von Tesla (TSLA) aus dem April 2013, NVidia (NVDA) aus dem Frühjahr 2016 und Exact Sciences (EXAS) aus dem Sommer 2016, die damals alle so Live auch im Blog Thema waren.

Aber hinterher ist immer gut Quatschen 😉 - viel interessanter ist doch, was gerade passiert. Und in der aktuellen, starken Marktphase, finden sich auch eine ganze Reihe Fälle dieser Art.

Ich zeige Ihnen nun mal drei Beispiele aus den letzten Wochen, die nach dem ersten Schub weiter gestiegen sind. Jedes dieser Beispiele war konkret und Live im "Hari Live Stream" Thema. Die Setups sind ein paar Wochen alt, weil man ja nur so genügend Zeitablauf bis zur Gegenwart hat, um sehen zu können, was daraus geworden ist.

Letztlich sind es aber einfach "Teaser" um Ihnen zu vermitteln, was wir in der Community auch machen, denn in dem Stil gibt es ganz viele Setups, in fast jedem, täglichen Live Stream, sind Setups dieser Art.

Und natürlich klappt nicht jedes Setup so perfekt wie diese drei, zu den Wahrscheinlichkeiten nach meiner Erfahrung, habe ich mich oben ja geäussert. Erfolgreiches Trading ist nie der eine große "Supertrade", sondern ist Statistik, die vielen Trades, von denen die einen scheitern und die anderen gelingen, die aber wegen des Edge in Summe eine gute Performance erzeugen.

Schauen Sie sich mal diese drei Teaser mit -> Finviz-Charts <- an, um ein Gefühl für die Art dieses Setups zu bekommen:

United Health (UNH) am 15.10.19 im Stream

Centene (CNC) am 23.10 im Stream

Crispr (CRSP) am 12.11. im Stream

Das Muster dieser Schübe ist bestimmt zu sehen, trotzdem gibt es ein paar Dinge, auf die man achten sollte, denn nicht jeder Schub hat die gleiche Substanz.

Es wird Sie sicher nicht überraschen, dass ich das hier jetzt nicht im Detail ausbreite, sondern auf den Premium-Bereich verweise, in dem wir über so Fälle im Forum auch diskutieren können.

Was ich Ihnen mit diesem Beitrag nur zeigen wollte ist, dass derzeit auch eine glückliche Zeit für Trader ist und dass neben dem Investieren, in Mr-Market das Trading auch einen breiten Raum einnimmt.

Wobei ich zum Trading schon klar warnen will, dass mehr Anleger sich das zutrauen, als dafür geschaffen sind. Für die Mehrheit der Anleger ist ruhiges Investieren der richtige Weg, alleine schon zeitliche Verfügbarkeit begrenzt die Möglichkeiten in einer Art und Weise, mit der viele nicht rechnen. Das Zerrbild vom Cohiba rauchenden Trader, dem mit Notebook am Strand anstrengungslos die Dollars zufallen, ist sowieso genau das - ein Zerrbild.

Erfolgreiches Trading im kompetitiven Markt ist sehr harte Arbeit, die Minderheit die es wirklich beherrscht und die typischen Anfängerfehler "überlebt", hat dann aber viel Spaß damit.

Es gibt viele Wege nach Rom. Keiner ist aber ohne Mühen, Lernen und geistige Anstrengung zu begehen.

Die Community lebt gerade davon, dass sie keine "Dogmen" kennt und man von unterschiedlichen Sichten auf den Markt profitiert.

Wer glaubt dogmatisch den alleinigen Pfad zum Anlageerfolg vertreten zu müssen, beweist damit vor einem reflexiven Markt, sowieso nur die eigene Beschränktheit und eine Dominanz des Egos, die im Ringen mit dem Markt eigene Gefahren in sich birgt.

Was funktioniert ist richtig, auf den Nenner kann man einen undogmatischen Zugang zum Markt bringen. Und für manche sind solche Setups "richtig", für andere wiederum das Investieren nach DGI in wachsende Dividenden-Werte.

Beides kann funktionieren, wenn man es richtig macht. Aber auch nur, wenn man es richtig macht. Geschenkt wird einem am Markt gar nichts.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der „Gründler“ und der „Measured Move“

Der folgende Artikel erschien am 10.07.17 im Premium-Bereich und wurde nur marginal angepasst.
Er ist zeitlos gültig und erklärt, warum mathematische Präzision beim Börsenhandel eher hinderlich ist und es mehr auf den Umgang mit Wahrscheinlichkeiten und Daumenregeln ankommt.

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Es gibt eine gewisse Art von Denkstrukturen, die sich ganz besonders schwer am Markt tun. Wir nennen das immer den "Gründler", das ist der durchweg gebildete, gut ausgebildete Anleger, der aber - zum Beispiel als Ingenieur - in Fachdisziplinen zu Hause ist, in denen man die Dinge exakt "messen" kann und in denen die Investition in eine noch tiefergehende, feingliedrige Analyse, zusätzliche Erkenntnisse verschafft.

Das ist auch bei allen "Dingen" und Naturgesetzen so, die nach replizierbaren und berechenbaren Mechanismen funktionieren. Die Charakteristika eines Automotors kann man messen. Und wenn man dann am Folgetag wieder zur Testinstallation tritt und die Messung erneuert, nur im Detailgrad vertieft, wird man - von geringen und auch wieder replizierbaren und berechenbaren Umwelteinflüssen wie Temperatur abgesehen - wieder zum nahezu identischen Ergebnis kommen, nur eben mit einem höheren Detailierungsgrad.

Dieses Prinzip, durch tiefere Analyse zu besseren Ergebnissen zu kommen, weil das Objekt der Untersuchung eben ein zuverflässig replizierbares Verhalten nach festen Naturgesetzen zeigt, ist bei diesen "Gründlern" so tief in die Denkstrukturen eingegraben, dass es unreflektiert auf den Aktienmarkt übertragen wird.

Deswegen ist auch das gerade in Deutschland gerne verbreitete -> Zerrbild des Value-Investing <- bei diesen Anlegern so beliebt, obwohl es gar nicht mehr so wie dargestellt funktionieren kann. Benjamin Grahams Buch "The intelligent Investor", das diesem Blog auch seinen Namen gab, ist immer noch ein Meilenstein der Börsengeschichte. Aber die darin dargestellten Methoden können im Jahr 2017 nur einen viel kleineren Edge als damals generieren - wenn überhaupt, weil alles für jeden mit einem Fingerklick verfügbar ist, wofür ein Graham viel Fleiss in Bibliotheken aufbrachte und sich damit einen Vorteil gegenüber dem Rest der Herde verschaffte.

Die Illusion, durch intensives Studium der öffentlichen Zahlen eines Unternehmens sich einen Vorteil am Markt zu verschaffen, ist für die Denkstrukturen des Gründlers aber so attraktiv, dass er von diesen Logiken geradezu angezogen wird. Und deshalb werden sie natürlich auch vermarktet, sie verschaffen Abonnenten und bei Fonds zufliessende Gelder.

Nur dummerweise funktioniert der Markt nicht so und was jeder mit einem Klick zur Verfügung hat, verschafft keinen Vorteil mehr. Der Markt ist ein -> reflexives <-, selbstreferentielles soziales System, was bedeutet dass wenn man zu lange "misst", die Messung unsinnig wird, weil der Markt sich schon längst weiterbewegt hat.

Es ist nicht Thema dieses Artikels, in die reflexiven Mechanismen einzusteigen, klar ist nur, dass der Typus "Gründler" mit seinem Ansatz zwangsläufig scheitern muss und es regelmässig auch tut.

Es geht eben nicht um die Tiefe der Messung, es geht darum die systemischen Tendenzen und Richtungen schnell und grob zu erfassen, so dass man daraus mit Wahrscheinlichkeit einen profitablen Schluss ziehen kann.

Lassen Sie mich das Prinzip als Metapher an einem weiteren, chaotischen System beschreiben, das *weniger* komplex als der Aktienmarkt ist und trotzdem immer noch zu komplex ist, um vollständig "berechenbar" zu sein: Das Wetter.

Stellen wir uns vor wir stehen auf einer Wiese und über uns ziehen die Wolken an uns vorbei. Der Wind frischt auf und die Frage ist, wie wird das Wetter?

Der "Gründler" würde im übertragenen Sinne hingehen, von den Wolkentürmen Schnappschüsse machen und diese aufwändig vermessen. Eine halbe Stunde später macht er wieder Schnappschüsse, vermisst diese wieder und wundert sich, dass diese so völlig anders sind. Dann fängt er an zu theoretisieren, warum die einen Wolkentürme zu den anderen geworden sind und was das bedeuten könnte. Während er theoretisiert, ist das Wetter aber schon wieder ganz anders geworden. Der Wind hat nachgelassen, die Wolkendecke ist geschlossen und ein leiser Nieselregen hat eingesetzt.

Was hat es dem "Gründler" nun gebracht, die Wolken im Detail zu vermessen? Ich sage es Ihnen, er wurde nass. 😉

Ein "Bauer" steht neben ihm. Er hebt seinen Daumen in den Wind, schnuppert herum, schaut zum Horizont und sagt das Wetter wird so und so und wendet sich ab. Und die Wahrscheinlichkeit dass der Bauer die Wetterentwicklung besser voraussagt, ist verdammt hoch.

Was ist der Unterschied? Der Bauer erkennt die grossen systemischen Linien, weil er Erfahrungsmuster die in mehreren Jahrzehnten gewachsen sind, auf die Wetterlage anwendet. Die Details interessieren ihn dabei nicht. Er muss nicht wissen wie gross die Wolken nun genau sind, er muss auch nicht die exakte Windstärke und Richtung kennen und auch nicht den auf einen Kommapunkt berechneten Feuchtigkeitsgehalt.

Es reicht, die grossen Linien der Entwicklung, die Muster einer typischen Wetterentwicklung, schnell zu erkennen und man erreicht damit eine hohe Prognosegüte mit minimalem Aufwand und kann sofort handeln, während der "Gründler" noch rechnet.

Natürlich kann auch mal etwas passieren, was nicht in das Muster des Bauern passt, aber damit muss man leben.

Wetter ist eben keine exakte Wissenschaft und Börse auch nicht! Beide bemühen sich um stochastische Annäherungen und nicht um Exaktheit.

Wie beim Wetter ist es auch an der Börse. Das Ziel ist nicht eine 100% Exaktheit der Analyse und Prognose zu erreichen, das ist sowieso nicht möglich, weil der Markt sich permanent weiterbewegt.

Das Ziel ist, mit 20% des Aufwands 80% der weiteren Entwicklung halbwegs passend zu antizipieren. Und nicht anders herum!

Weiterlesen ...Der „Gründler“ und der „Measured Move“

Vom Zappeln, Verdrängen und der besten Strategie


Der folgenden Text erschien im Premium-Bereich im Oktober 2018 im Rahmen einer grösseren Thematik. Hier stelle ich Ihnen den Kerntext zur Verfügung, der sich um unsere Psychologie als Anleger dreht.

Am Ende folgt dann noch ein aktueller Nachtrag meinerseits.

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Das Fiese und gleichzeutig Schöne am Markt ist, dass er - wenn wir das hören wollen und es nicht verdrängen - uns aufzeigt, wie stark wir doch von Ängsten getrieben sind.

Wenn wir im Markt sind, haben wir Angst es könnte eine Korrektur geben und wir Geld verlieren.

Wenn wir aus dem Markt heraus sind, haben wir Angst er könnte uns weglaufen und wir den Einstieg verpassen.

Wenn wir gerade eingestiegen sind, mit der Absicht diese Position als Investment lange zu halten, macht uns das schnelle Minus an den folgenden Tagen doch nervös und wir fragen uns, ob wir nicht gleich wieder aussteigen sollten.

Wenn wir dann aber ausgestiegen sind, haben wir wieder Angst, es könnte genau jetzt drehen und "unsere" Aktie uns weglaufen.

Wenn wir gerade eingestiegen sind, mit der Absicht diese Position als Investment lange zu halten, macht uns das schnelle Plus an den folgenden Tagen doch nervös und wir fragen uns, ob wir die Gewinne nicht sichern sollten.

Ich könnte endlos weitermachen, ich denke wenn wir ehrlich sind, kennen wir das alle. Das genau ist unser "Affenhirn" und der Markt zeigt uns durch seine Rückkopplung via Kurse unsere Fratze im Spiegel. Und wir sollten nicht glauben, dass dieses unser Verhalten auf den Markt begrenzt sei, nein es ist Teil unseres normalen Verhaltens, nur zeigt es uns der Markt mit der Rückkopplung über die Kurse wie im Brennglas.

Einen Weg zu finden, sich darüber zu erheben, ist die Kernaufgabe, vor der wir alle stehen. Wer diesen Weg findet und die Ruhe ihn zu beschreiten entwickelt, hat eine gute Chance für konsistenten Erfolg an den Märkten. Wer diesen Weg nicht findet, ist chancenlos und wírd nur mit Glück auch mal Erfolge sehen, die man sich dann schönreden kann.

Es gibt zwei klassische Arten, wie wir damit umgehen, die beide eine Form von Selbstbetrug sind und nicht funktionieren. Es sind aber die Wege die die meisten gehen, weil es vermeintlich die einfachsten Wege sind.

Da haben wir auf der einen Seite die, die sich ihrer Affenfratze im Spiegel eigentlich gar nicht stellen wollen. Diese versenken sich in ihre Emotionen, lassen sich von ihnen treiben und versuchen durch Kompensationshandlungen ihre Emotionen zu befriedigen. Und natürlich redet man sich die Kompensationshandlungen dann vor sich selber schön.

Das führt zu einem Stil den ich immer "zappelig" nenne, sobald so ein emotionaler Trigger kommt, meint man was "tun" zu müssen, um sich selber das Gefühl zu geben, noch Herr der Lage zu sein. Wenn man einfach nur in den Wald gehen und Holz hacken würde, wäre das ja sinnvoll und würde vor allem keinen Schaden anrichten. Am Markt aber, richtet es Schaden an und es ist dieser Typus, der nie bei seinen Absichten bleibt, sondern wie ein Baum im Sturm hin und her gebogen wird und sich das noch schön redet.

Neben den zappeligen Anlegern mit mangelnder Impulskontrolle, haben wir auf der anderen Seite aber die Verdränger. Das sind die, die einen Trade als langfristiges Investment umdefinieren wenn er schlecht läuft, aber auch die, die sich schönreden, wie sehr sie sich doch über den nächsten 50% Crash freuen werden, weil sie billiger kaufen können. Natürlich können sie es in Realität dann nicht, der Vorteil der Verdränger ist aber, dass ihr Selbstbetrug nicht sofort vom Markt aufgedeckt werden kann, weswegen dieser Ansatz lange "zu funktionieren" scheint.

Zu dieser Kategorie gehören auch die, die komplett aus dem Markt, auf den richtigen Einstiegspunkt warten. Nur kommt der nie und wenn er kommt, ist die Lage so katastrophal, dass man sich nicht traut, denn eine katastrophale Lage kann immer noch desaströser werden und jeder Kurs kann sich noch einmal halbieren, auch der, der schon 50% gefallen ist.

In dem man sich einredet, man würde "weise" an der Seitenlinie warten, pflegt man auch sein Ego und betrügt sich selber, auch hier kann der Markt den Selbstbetrug aber erst viel später aufdecken, weswegen die Methodik des Verdrängens eindeutig die beliebteste ist und von vielen geflegt wird - natürlich auch ohne echten Erfolg. Denn letztlich ist diese Haltung nichts anderes als eine große, selbstgefällige Prognose, dass der Markt noch einmal auf Kurse kommen wird, die man sich wünscht. Man kann sich dabei vor sich selber auch so wunderbar als Teil einer wissenden Minderheit produzieren, die im Markt sieht, was andere nicht sehen können, die wie Schafe in ihren Untergang laufen. Nur dummerweise muss der Markt gar nichts und macht gerne das Gegenteil dessen, was wir uns wünschen. Und wer am Ende das Schaf ist, darüber entscheiden alleine die Kurse.

Beide "Methoden" sind letztlich Ersatzhandlungen. Man stellt sich dem wahren Problem nicht, weil es zu schwierig und schmerzhaft ist und pflegt den eigenen Emotionshaushalt mit Placebos. Man optimiert eben nicht das Verhalten als Anleger, man optimiert den eigenen Emotionshaushalt. Erfolg geht so nicht.

Erfolg kommt nur, wenn wir einen Weg finden, diese emotionalen Bedürfnisse an anderer Stelle als im Markt abzufackeln und wir uns bei unseren Handlungen einer klar definierten Strategie verpflichten. Mit der Strategie kommt dann im Laufe der Zeit auch Sicherheit und mit dem Gefühl der Sicherheit kommt am Ende auch emotionale Ruhe. Die können wir aber nur erreichen, wenn wir uns darauf einlassen und mal an etwas halten. Und die können wir nur im Umgang mit dem Markt erreichen, nicht ohne Impulskontrolle indem wir jeder Zuckung hinterher rennen, aber auch nicht außerhalb, in dem wir uns vor uns selbst als "weiser Außenseiter" produzieren, wo wir doch nur simple Verdränger und Vermeider sind.

Aktueller Nachtrag 24.11.19:

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