Wie reagiert die Börse auf kriegerische Konflikte?



In der Community hatte sich am letzten Freitag eine Diskussion um die Lage im Nahen Osten entfaltet, die von so allgemeinem Interesse sein dürfte, dass ich dazu auch im freien Bereich schreiben möchte.

Dabei geht es mir primär darum, Grundprinzipien klar zu machen, denn es gibt weit verbreitete Missverständnisse darüber, wie und warum Börsen Preise bilden.

Zur aktuellen, konkreten Lage um den Iran, will ich mich hier nicht äußern, das können Sie alles medial nachlesen. Faktum ist, dass die Spannungen steigen und wir alle nun rätseln dürfen, wer da nur pokert und wer es ernst meint.

Auch die konkreten Risikobereiche eines potentiellen Krieges um den Iran, können Sie leicht selber herausfinden, Stichworte "Nahost-Flächenbrand", "Atomwaffen" etc.. Alles keine Stichworte, die man gerne hört.

Die Frage hier im Artikel ist dagegen ganz abstrakt gestellt und der Iran ist nur ein aktuelles Beispiel:
Wie reagiert die Börse auf kriegerische Konflikte?

Es gibt dazu ja auch das Bonmot "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" und da ist durchaus was dran, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Zunächst einmal ist entscheidend, dass man versteht, warum sich Kurse bewegen. Die meisten glauben, Kurse würden die Gegenwart bewerten, das ist aber *falsch*!

Denn Aktienkurse preisen ganz grundsätzlich Zukunfts-Erwartungen an wirtschaftliche Entwicklungen ein, die sich auf die Unternehmen auswirken.

Das ist alles was man tief durchdringen muss, dann ist auch die Reaktion auf Konflikte klar.

Märkte sind dabei reine Preisfindungsmaschinen für die im Index enthaltenen Unternehmen, keine moralischen Bewertungsmaschinen

Wenn wir uns also mal als Beispiel den Verlauf des S&P500 zum Irakkrieg 2003 anschauen, dann sehen wir das:

Nun dürfen wir nicht glauben, dass hier nur der Irakkrieg im Zeitraum auf die Kurse gewirkt hat, die Haupttreiber sind auch damals weiter Konjunktur und Notenbanken gewesen. Aber die Kriegssorgen waren eben Teil des Bildes und haben es verändert.

Wir sehen, dass der Tiefpunkt praktisch mit dem Kriegsbeginn zusammenfällt, was es öfters gibt und worauf auch die Daumenregel "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" beruht.

An diesem Bild können wir nun aber ein paar wichtige Erkenntnisse festmachen:

Erstens, dieses Chart sagt gar nichts über den Irak aus. Es bewertet nur die wirtschaftlichen Erwartungen an die Unternehmen die im S&P500 sind.

Wenn ein Krieg auf die Unternehmen keine Auswirkungen hat, bewegen sich die Kurse auch nicht. Zur Zukunft des Iraks oder der Sinnhaftigkeit dieses Krieges, der am Ende auf einer großen Lüge fusste, macht dieses Chart also *nicht die klitzekleinste Aussage!*

Zweitens, wir sehen wie Erwartungen die Märkte bewegen. Mit dem Irak-Krieg waren Sorgen einer Ausweitung bis zum Konflikt der Großmächte verbunden. Auch die Frage ob die Ölfelder des Nahen Ostens in Flammen aufgehen, sorgte die Märkte im Vorfeld und liess via Erwartungen die Kurse im Vorfeld fallen. Denn all das würde sich dann auf Unternehmen des S&P500 auswirken und deshalb wurden die Erwartungen im Vorfeld düsterer und die Kurse fielen.

Drittens, innerhalb von Tagen, wurde der durchschlagende Sieg der US-Truppen klar, weswegen diese Sorgen ausgepreist wurden und die Erwartungen an das Geschäft der Unternehmen im S&P500 sich normalisierte. Deshalb stiegen die Kurse wieder.

Erneute, eine Aussage über den Irak ist damit in keinster Weise verbunden gewesen! Der Irak ist nicht Teil des S&P500, also bewertet der Markt den Irak auch nicht.

Ich wiederhole also:

Aktienkurse preisen ganz grundsätzlich Zukunfts-Erwartungen an wirtschaftliche Entwicklungen ein, die sich auf die Unternehmen des Index auswirken.

Sonst nichts!

Wenn beispielsweise ein schrecklicher Krieg mit tausenden Toten zwischen verfeindeten Stämmen in Afrika losbricht, der aber ohne wirtschaftliche Effekte auf Lieferketten etc ist, interessiert das die Kurse gar nicht, weil es keine Auswirkungen auf die Unternehmen hat. Es gibt dann viele Gründe diesen Krieg zu verdammen und Mitgefühl zu haben, es gibt vielleicht auch Gründe zu helfen, die Börse wertet aber nur die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Unternehmen, so wie die Mathematik die Toten zählt.

Wenn aber auch nur das kleinste Risiko existiert, dass die Lieferketten wegen eines Konfliktes gestört werden könnten, fallen die Kurse schon bevor es passiert, weil die Erwartungen der erhöhten Unsicherheit angepasst werden.

So funktioniert Börse. So funktioniert Mathematik. So funktioniert alles, was Dinge "misst" und die Aktienmärkte bewerten (messen) letztlich wirtschaftliche Effekte auf Unternehmen. Sie geben der zukünftigen Entwicklung eines Unternehmens ein Preisschild.

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Jede Woche neuer Clickbait. Ermüdend.

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Der nicht so geheimnisvolle Stillhalter und warum es am Hexensabbat zunehmend ruhiger wird



Der folgende Grundlagenartikel erschien im Premium-Bereich vor 2 Jahren im März 2017 und wurde nur marginal angepasst, um alte Links auf damalige Aktualität zu bereinigen.

Irgendwie ist der Hexensabbat - der Tag an dem einmal im Quartal gleichzeitig Optionen auf Aktien sowie Optionen und Futures auf Indizes verfallen - auch nicht mehr, was er mal war und mit dem dramatischen Titel "Hexensabbat" ausgedrückt wurde. Ich kann mich in den letzten Jahren nicht mehr an viele Termine erinnern, zu denen "Triple-Witching" die berühmten "wilden Ritte" gezeigt hat.

Mit Ruhe meine ich damit nicht das Volumen an diesen Tagen, das ist natürlich immer noch weit überdurchschnittlich hoch, ich meine die wilden, direktionalen Kursausschläge, die nach meinem subjektiven Eindruck merkbar nachgelassen haben.

Man kann natürlich nur spekulieren, warum sich das geändert hat und die OpEx (OptionsExpiration, Verfallstag) "ruhiger" wurde und die Gründe dürften vielfältig sein. Aber zumindest eine qualifizierte Spekulation, kann man begründet machen, dafür muss man aber verstehen, worum es bei der OpEx geht und vor allem wer die sogenannten "Stillhalter" sind.

Um diese "Stillhalter" ("Option Writer") und ihre Motivation, wird nämlich manchmal ein unnötiges mediales Geraune veranstaltet, dessen Sinn nach meinem Eindruck auch manchmal ist, bei Unwissenden den Eindruck eines besonderen "Experten" zu erzeugen.

Die Antwort ist nämlich keineswegs geheimnisvoll. Wenn Sie als Anleger eine Put-Option auf den DAX kaufen wollen, heisst dass ja, dass Sie das Anrecht erwerben zu einem Zeitpunkt X den DAX zu einem Preis Y zu verkaufen. Das ist die "Option", das Recht genau das zu tun und dieses Recht hat einen Preis, den Preis der Option. So einfach ist das zunächst.

Wenn Sie nun ein bischen weiter denken, stellt sich sofort die Frage, von wem Sie diese Option denn kaufen, denn Sie brauchen ja eine Gegenpartei. Bei den bei kleineren Privatanlegern bekannteren "Optionsscheinen" - die sozusagen Derivate echter Optionen sind - ist das klar, das ist die Emissionsbank, die den Optionsschein begibt und die Preise stellt.

Und genau diese Gegenpartei ist der "Stillhalter". Es ist die Partei, die diese oben beispielhaft genannte Put-Option auf den DAX "schreibt". Der Unterschied in der Begrifflichkeit - schreiben vs emittieren - kommt daher, dass Optionen völlig standardisiert sind, während bei Optionsscheinen sich der Emittent die Parameter frei nach Gusto auswählt. "Schreiben" heisst also, dass man in einer fest definierten, standardisierten Option - zB eben DAX Put 12.000 - die Rolle des Stillhalters einnimmt, der die Option begibt. Diese Rolle ist zum Emittenten des Optionsscheins ähnlich, aber nicht identisch, weil die Menge der Freiheiten was man "begibt", bei echten Optionen eben wesentlich geringer ist.

Diese Partei, der Stillhalter, hat zwangsläufig das gegenläufige Interesse zu Ihnen als Käufer der Put Option auf den DAX. Während Sie in dem Beispiel als Käufer der Option den DAX abwärts wünschen, hat der Stillhalter - die Gegenpartei - im gleichen Volumen das Interesse, den DAX oben zu halten. Und da es bei Optionen um fixe Marken geht die den Unterschied machen, kommt es dabei sehr digital auf den Kampf an, ob der DAX am Ende oberhalb oder unterhalb der für die Option relevanten Marke schliesst.

Wir halten also fest, bei klassischen Optionen zählt die fixe Marke im Sinne Hopp oder Flop am Ende, es sind alle Ausstattungsmerkmale der Option standardisiert und darüber hinaus wird der Preis der Option nicht vom Emittenten (Stillhalter) gestellt, sondern ergibt sich im freien Spiel der Marktkräfte an dafür spezialisierten Handelsplätzen (Terminbörsen), zum Beispiel der Eurex.

Wenn wir uns das vor Augen halten, wird noch unklarer, was das Gerede über die geheimnisvollen, mächtigen "Stillhalter" soll, denn am Ende stehen sich doch zwangsläufig völlig identische Volumina gegenüber. Für eine bestimmte Marke im DAX wie zum Beispiel 12.000, muss doch das Volumen, das auf einen Kurs über 12.000 hofft, identisch zu dem sein, das auf einen Kurs unter 12.000 hofft. Und das ist auch so, das Volumen ist identisch.

Der Unterschied entsteht dadurch, dass in der Vergangenheit natürlich die Stillhalter vor allem Grossadressen wie Banken waren, die also Optionen in grossen Volumina begeben haben, denen aber viele kleine (unerfahrenere) Optionskäufer entgegen standen.

Und aus diesem Ungleichgewicht entstand Macht. Denn nun stellen Sie sich mal vor, der DAX steht knapp unter 12.000, es ist noch 30 Minuten Zeit bis zum Verfall der Option und der Stillhalter ("Big Money" mit hohen Volumina in dieser Option) hat das Interesse dass der DAX knapp über 12.000 schliesst, damit die Option verfällt. Es ist klar was passiert, "Big Money" gibt dem DAX mit seiner "Feuerkraft" einen "Stups" und freut sich über einen Abschluss über 12.000.

Das genau ist, was zum "Hexensabbat" früher manchmal passiert ist, das war der ausgetragene Kampf der Beteiligten, der zu wilden Bewegungen geführt hat, gerade in den letzten Stunden.

Die besondere Macht der Stillhalter entstand also dadurch, dass diese gebündelte Interessen haben, während sich die vielen tausend einzelnen Options-Käufer ja nicht organisieren können. Es ist wie bei einer Schlacht im Prinzip gleich grosser Heere, bei denen das eine aber eine intelligente, straffe Führung hat und das andere ziellos ohne Anführer vor sich hin wuselt. Der Sieger steht schon vorher fest.

Wenn Sie nun mitgedacht haben, wird Ihnen aber schnell klar, dass die gleiche Grossbank die diese 12.000er Put Option auf den DAX geschrieben hat, diverse andere Optionen im Markt hat, die vielleicht gegenläufige Interessen generieren.

Solange alle diese Optionen in ähnlichen Volumina existieren, gleichen sich die widerstreitenden Interessen wieder aus, womit die Grossbank eben kein besonderes Richtungsinteresse hat.

Und das ist auch der Kern. Besonderes Richtungsinteresse entsteht immer bei den Marken, bei denen die Optionsvolumina stark über den Durchschnitt hinaus ragen. Diese Marken sind besonders umkämpft, wenn sich der Hexensabbat nähert.

Und nun, da wir verstanden haben was ein Stillhalter ist und warum die in der Vergangenheit etwas "machtvoller" waren - es also Sinn machte sich an deren Interessen zu orientieren - können aufmerksame Leser und fixe Denker auch sofort erahnen, was eine sinnvolle Erklärung neben anderen dafür ist, dass die OpEx zunehmend ruhiger wird.

Denn die Welt, in der Stillhalter nur Gross-Adressen waren, denen viele kleine "dumme" Anleger gegenüber standen, ist definitiv vorbei. Die Vielzahl der leistungsfähigen, elektronischen Broker die nun überall existieren, haben dazu geführt, dass auch "normale" Trader wie Sie und ich, mit "normalen" Depots das Schreiben von Optionen zu ihrer Strategie gemacht haben. In dieser Strategie lebt man dann vor allem von der Optionsprämie, wie ein Geldverleiher vom Zins.

Das Schreiben von Optionen wurde also in den letzten Jahren zunehmend demokratisiert und dieser Prozess dauert an. Damit stehen sich nicht mehr so simpel ein paar wenige riesige Stillhalter und Massen kleinere Käufer gegenüber, die "Heere" auf beiden Seiten nähern sich in ihrer Struktur an. Damit verschwindet aber auch der eine grosse Vorteil im Sinne eines gleichgerichteten Interesses, der den Stillhaltern bisher einen Vorteil im Ringen um eine Marke gewährt hat. Und so wird die OpEx ruhiger und normaler und verhält sich zunehmend wie der breite Markt auch. Nur das massiv gesteigerte Volumen, zeichnet sie immer noch aus.

Das Obige ist eine Theorie, ausdrücklich nur eine Theorie, warum sich das Verhalten des Marktes am Hexensabbat scheinbar beruhigt, was die wilden Ausschläge angeht. Aber zumindest ist es eine durchdachte Theorie.

Es spielen sicher auch andere Faktoren herein, auch die zunehmende Dominanz der Volumen der US Anleger ist sicher Thema. Die haben ihre OpEx erst Abends nach MEZ, sie dominieren den deutschen Markt aber trotzdem und beeinflussen indirekt den DAX, der der Schwanz des Hundes S&P500 ist. Und je kleiner der durchschnittliche Stillhalter im Verhältnis zum Marktvolumen des DAX wird, desto weniger ist dieser in der Lage, einen zielgerichteten Einfluss auf den Verlauf zu nehmen.

So weit ein kurzer, oberflächlicher Ausflug in die Welt des Hexensabbat und der Optionen, ich hoffe es hebt ein paar Schleier und hilft beim Verständnis. Ein grosses Geheimnis, zu dem die Stillhalter aus naheliegendem Eigeninteresse der Selbstdarstellung medial manchmal gemacht werden, ist das Geschehen an den Terminbörsen wie der Eurex definitiv nicht.

Und auch dieses Geschehen an den Terminbörsen ist eben dem Wandel des Marktes unterworfen - Regeln die am Markt vor 20 Jahren galten, müssen nicht zwingend heute noch völlig identisch gelten. Der Markt ist immer im Wandel, wie die Welt!

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Was mich an der real existierenden EU nervt

Bald ist Europawahl, da ist es doch mal angemessen, dass ich Anspruch und Wirklichkeit der EU auf den Prüfstand stelle. Aber Vorsicht, was jetzt kommt ist bürgerlicher *Klartext*.

Normalerweise argumentiere ich ja differenziert und berücksichtige auch die Rahmenbedingungen, denn viele Dinge für die man "die EU" verantwortlich macht, beruhen nicht auf Brüsseler Versagen, sondern der Blockade der Einzelstaaten, die keinen gemeinsamen Nenner finden können und ihr Versagen dann gerne auf Brüssel abschieben.

Kurz gesagt, die Brüsseler Politik ist besser als ihr Ruf und die nationale Politik schlechter, wirklich gut kann ich beide aber nicht finden.

Ich mache es mir jetzt aber mal ganz einfach, denn ich bin ja nur ein "dummer kleiner" Wähler und besitze nicht die intellektuelle Potenz unserer weisen politischen Vertreter in der Politik von Berlin und Brüssel, die uns nun auf Plakaten anlächeln.

Denn wäre es anders, wären die ja wohl nicht in diese Positionen gekommen, oder? Schließlich geht es allen doch immer nur um das große Ganze. 😛

Ich betrachte die EU jetzt also mal ganz profan aus meinem lokalen Blickwinkel, ausdrücklich ohne den Blick auf andere Erwägungen zu weiten. Es ist ja auch legitim, denn wenn ich jemanden wähle, erwarte ich auch Lösungen. Das Lösen der Probleme ist dabei nicht mein Job, ich wurde ja nicht gewählt.

Wenn ich im Titel schreibe "Was mich an der real existierenden EU nervt", ist es mir einleitend auch noch sehr wichtig festzuhalten:

Die real existierende EU ist nicht gleich Europa!

Ich habe mir immer ein starkes, zusammenwachsendes Europa gewünscht, ein Europa das im Innenverhältnis die Unterschiede pflegt und aus der Diversität der Kulturen Stärke bezieht. Ein Europa das im Außenverhältnis - besonders im Bereich Aussenpolitik und Verteidigung - aber faktisch ein Bundesstaat ist, der Sicherheit für seine Bürger garantiert.

Mein Bild eines Europas war also immer das eines im Inneren sehr föderalen, freiheitlichen Europas der Regionen, das im Außenverhältnis aber als Block fest zusammen steht.

Die real existierende EU ist aber für mich persönlich das Gegenteil, im Außenverhältnis zerfasert und ohne Bindekraft, im Innenverhältnis aber vieles bürokratisch regulierend, das besser als Vielfalt gefördert würde. Der berühmte Krümmungsgrad der Gurken (und später Bananen) ist das klassische Beispiel, aber wirklich nur ein minimaler Einzelfall in einem Meer der Bürokratie.

Deshalb nervt mich die real existierende EU, nicht aber der Gedanke eines geeinten Europas - dieser Unterschied ist eminent wichtig!

Kommen wir nach dieser Vorrede mal zu drei Beispielen, was mich denn konkret nervt. Ausdrücklich nur Beispiele, ich kann auch 10 liefern, wenn es beliebt.

(1) Frontex - viel Blabla, wenig Ergebnis

Wer ein geeintes Europa will, in dem man sich frei und ohne Grenzen bewegen kann, muss dafür die Außengrenzen sichern. Das sieht selbst unsere Kanzlerin so, für die ansonsten Grenzen nicht mehr schützbar sind - zumindest die Deutschen nicht.

Die Bevölkerungs-Krise in Nahost und Afrika ist massiv und wird weiter eskalieren, schauen Sie mal -> hier bei "Our World in Data" < - in den weltweiten Armutsbericht hinein, der eine Projektion bis 2030 liefert. Man sieht, wie sich die ganze Welt aus eigener Kraft aus der extremen Armut heraus bewegt, bis auf Nahost und Afrika, wo kaum Fortschritt zu erkennen ist.

Die Gründe dafür sind nicht Thema dieses Artikels, haben aber außer für ahistorische Ideologen bestenfalls am Rande mit der Kolonialisierung zu tun, die gab es nämlich auch woanders und ist seit Generationen vorbei. Die Gründe sind in unterschiedlicher Form (nicht vollständig, aber doch überwiegend) hausgemacht, das sehen übrigens fortschrittliche Afrikaner ganz ähnlich. Und von ein paar "Niemand-ist-illegal-Nirgendwo-Phantasten" abgesehen, ist allen klar, dass massive Armutsströme aus dem ohne Geburtenkontrolle massiv wachsenden Afrika, Europa am Ende zerstören würden.

Wir haben es hier also mit einer absolut zentralen Herausforderung für Europa zu tun, die nicht durch Migration zu lösen ist, weil das Gesetz der großen Zahl es unmöglich macht. Ohne Grenzschutz geht es also nicht und wenn den die Staaten nicht mehr haben, muss ihn Europa haben.

Wir hatten in den letzten Jahren dazu diverse Runden in Brüssel, alle teuer und hochkarätig besetzt. Uns Bürgern wurde seitens der EU vermittelt, dass man Frontex zu einem echten Grenzschutz ausbauen würde.

Und was bekommen wir nun: -> Die Frontex Farce < -.

Wir bekommen wenig. Viele Worte, viele Meetings, nichts Substantielles.

Ich sagte ja, ich bringe Beispiele und es gibt genügend andere. Aber das ist ein wunderbares Beispiel für die Unfähigkeit dieser real existierenden EU, bei den wirklich wichtigen außenpolitischen Themen, etwas auf die Reihe zu bekommen.

Das nervt!

(2) Kapitalmarkt - Teure Regulierung gegen den Bürger

Ein weiteres Beispiel. Mit Mifid 2 haben wir eine "gloriose" Finanzmarkt-Regulierung bekommen, die in der Umsetzung in der EU die wahre Schönheit von Papierbergen und Bürokratie-Wahnsinn verströmt.

So wird mir als in Finanzfragen hochqualifizierter Bürger nun zum Beispiel verwehrt, die weltweit größten, solidesten und besten US ETFs zu kaufen, weil sie irgend ein bescheuertes Infoblatt nicht haben.

Offensichtlich will man mich vor mir selber schützen, wie nett diese Gängelei. 😛 Dafür kann ich aber weiter viel riskantere Derivate kaufen, die niemand braucht. Und noch schlimmer, ich kann auch Derivate auf diese großen US ETFs kaufen, nur die ETFs selber nicht mehr.

Geht es noch Bescheuerter? Nur schwerlich.

Weiterlesen ...Was mich an der real existierenden EU nervt

Die Marktbreite – Stock Market vs Market of Stocks



Der folgende Grundlagenartikel erschien im Premium-Bereich schon am 05. Februar diesen Jahres, also vor fast 3 Monaten. Er erklärte ein Grundprinzip und zeigte gleichzeitig auf, warum wir optimistisch in die Zukunft schauen und von einem "V" im Markt ausgehen konnten.

Genau so ist es gekommen, der S&P500 ist in Schlagdistanz der Allzeithochs und das "V" ist Realität geworden.

Jetzt können auch Sie im freien Bereich mal das Grundprinzip studieren und ich empfehle Ihnen, sich die aktuelle Marktlage mal auch mit dieser Methodik anzuschauen. Was lernen Sie dann daraus?

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Eines der Worte und Konzepte, das Ihnen bei der Beschäftigung mit der Börse früher oder später begegnet, ist die Marktbreite, Market Breadth in Englisch.

Die gängige Interpretation lautet: Hohe Marktbreite ist bullisch und geringe ist bärisch, aber ist das wirklich (noch) so?

Dieser Frage will ich heute in diesem Grundlagenartikel nachgehen und da stelle mer uns janz dumm und fragen: Wat is ene Marktbreite?

Die Antwort liegt in dem Unterschied zwischen dem Begriff des Stock Market (Aktienmarktes) und dem Market of Stocks (Markt der Aktien) begründet.

Der erste Begriff, der "Stock Market", bezeichnet den Markt als Ganzes, so wie ihn die Indizes aufzeichnen. Wenn wir den Leitindex S&P500 als Beispiel nehmen, bekommen wir mit einer Zahl den Durchschnitt über die 500 größten Aktien des US Marktes und damit faktisch mit einem Wert einen Blick auf den gesamten US Aktienmarkt.

Allerdings ist das eben nur ein Index, ein Durchschnitt, wie ein Blick auf einen ganzen Wald. Ein ganzer Wald sieht von außen auch durchweg grün aus, einzelne Bäume darin, können aber sehr wohl krank sein und verrotten. Der Blick auf den Wald zeigt uns nicht einmal, von welcher Art (Sektor im Aktienmarkt) die Bäume sind, es ist einfach nur eine grüne Wand, deren Ausdehnung man sehen kann und fertig.

Im Gegensatz dazu, ist ein Wald aber nichts weiter als die Ansammlung unzähliger unterschiedlicher Bäume von unterschiedlichem Charakter und unterschiedlicher Gesundheit. Und so ist es auch mit dem S&P500 und dem Markt, denn der Markt ist in Realität kein Stock Market (Aktienmarkt), sondern ein Market of Stocks (Markt der Aktien).

Jetzt gibt es im Wald große und kleine Bäume und in einem Index wie dem S&P500 ist das besonders prägnant, weil da Schwergewichte wie Apple (AAPL) oder Amazon (AMZN) den Index dominieren, während viele kleinere Aktien faktisch keinen merkbaren Einfluss auf den Index haben.

Das liegt daran, dass der S&P500 nach der Marktkapitalisierung gewichtet ist, je größer der Marktwert, desto stärker Einfluss auf den Index.

Michael Batnick hat -> hier in einem lesenswerten Artikel Mitte 2018 < - mal eine Grafik erstellt, die eindrucksvoll aber auch tückisch ist, wenn man nicht genau hinschaut.

Sie zeigt das Gewicht im S&P500 der 5 größten Aktien, das gleichgroß ist, wie das der 282 kleinsten Aktien. Das ist schon eindrucksvoll. Sie zeigt aber *nicht*, dass die 5 größten die Hälfte des Index ausmachen, was viele gedankenlos herein interpretiert haben, weil alle mittelgroßen Aktien fehlen.

Trotzdem ist es ein eindrucksvolles Chart, denn 5 sind so wichtig wie 282 andere Aktien.

Und genau hier kommt die Marktbreite ins Spiel. Denn stellen Sie sich nun mal als Gedankenexperiment vor, der S&P500 würde nur aus diesen 5 ganz großen und 282 kleinen Aktien bestehen.

Und nun stellen wir uns weiter vor, der Index mäandriert um die Nulllinie.

Im ersten Fall sind die 5 Aktien im Plus und alle 282 im Minus. Im zweiten Fall sind die 5 Aktien im Minus und alle 282 im Plus.

Und nun frage ich Sie, welcher Fall ist "gesünder" bzw "bullischer"? In welchem Fall würde Sie eher von einem starken Aktienmarkt ausgehen?

Ich denke die Antwort ist klar, wenn alle 282 kleinen Aktien im Plus sind! Denn dann läuft es in der Breite der US Wirtschaft gut. Dass die 5 großen im Minus sind, kann dagegen Gründe haben, die spezifisch in den Aktien selber begründet sind und mit der Stärke der Wirtschaft und des Marktes nichts zu tun haben!

Sehen Sie, genau jetzt haben Sie prinzipiell das Konzept der Marktbreite verstanden.

Denn die Marktbreite misst die Anzahl der steigenden und fallenden Aktien (ohne Gewichtung) und stellt diese gegenüber. Ein Markt, der weit überwiegend steigt, kann also kein schlechter Markt sein, auch wenn die Indizes noch vor sich hin dümpeln. Und ein Markt der überwiegend fällt, ist ein gefährlicher Markt, weil er nur noch von wenigen großen Aktien zusammengehalten wird.

Die klassische Art diese Marktbreite zu messen, ist die sogenannte Advance/Decline Linie, die das Verhältnis von steigenden zu fallenden Aktien misst. Ich habe Ihnen dieses Konzept hier schon in -> die Weisheit der Advance/Decline (AD) Linie < - nahegebracht.

Eine andere Art die Marktbreite zu messen, ist die Anzahl der Aktien zu messen, die ein 52 Wochen-Hoch bzw Tief erreichen.

Weiterlesen ...Die Marktbreite – Stock Market vs Market of Stocks

Hochschmelzen – Melt-Up!

Eigentlich mache ich ja um Ostern herum mal ein wenig Ferien und Artikel kommen daher nur sporadisch.

Heute gab es aber ein -> bemerkenswertes Interview <- des Chefs des weltgrößten Assetmanagers Blackrock, Larry Fink, mit CNBC.

Und das will ich hier kurz kommentieren, auch im freien Bereich. Denn die leichte, offensichtliche Reaktion darauf, ist durch den reflexiven Markt bedingt in der Regel falsch.

Und wissen Sie, was die leichte (und daher in der Regel falsche) Reaktion ist? Zu sagen, dass solche Statements das Zeichen von Überoptimismus seien und typischerweise das Top markieren.

Das erscheint auf den ersten Blick logisch und naheliegend nach der Rally aus dem Dezember-Tief. Ich sehe und höre jetzt schon die Perma-Bären, die natürlich erklären "Fink talks his book", auf gut Deutsch, er versucht den Markt zu seinem Vorteil zu beeinflussen. Dummerweise sprechen die Fakten eher für Larry Fink.

Wir haben uns hier in den letzten Wochen im Premium-Bereich diverse Indikatoren angeschaut, egal welche Parameter es sind, sie deuten darauf hin, dass große Investoren in Aktien eher unterinvestiert sind. Und Larry Fink bestätigt genau das und der sollte es wissen. Schauen Sie sich alleine mal die Abflüsse in ETFs in den letzten Monaten an, dann wissen Sie, dass das Geld nicht mit Euphorie in den Markt geflossen ist.

Die Skepsis ist immens und bildet die "Wall of Worry" des Marktes und gleichzeitig sind die Notenbanken weltweit so taubenhaft, wie man nur sein kann. Und Trump will in 18 Monaten eine Wahl gewinnen und wird alles dafür tun, dass die Stimmung und die Kurse hoch bleiben.

Ich sage nicht, dass ein Melt-Up nun zwingend kommt, der dann typischerweise die finale Phase eines Bullenmarktes markiert, aber vorher noch massive Gewinne aufruft. Niemand kann das sicher wissen, weil jederzeit geopolitisch etwas passieren kann, was das Spiel völlig verändert.

Aber im Gegensatz zu denen, die das Szenario mit einer Hand wegwischen, nur weíl Fink etwas sagt, dass auch seiner Firma nützen würde - welcher Firmenchef macht das eigentlich nicht? - nehme ich das Szenario ernst.

In aller Deutlichkeit: Wir haben im Markt tatsächlich die Voraussetzungen, dass so ein Szenario real möglich werden könnte!

Erneut, "könnte" heisst nicht, dass es auch passiert, aber die notwendigen Ingredienzen sind da: Performance-Druck, Notenbanken die die Welt mit Liquidität fluten und gleichzeitig mehr Negativzinsen, die verzweifelte - auch professionelle Anleger - in profitable Assets treiben.

Ich habe schon in -> Haltet den Dieb! Enteignung! <- dargestellt, dass die Notenbank mit ihrer Geldpolitik die Mutter aller Ursachen des Immobilien-Booms und damit auch der Miet-Problematik ist. Auch hier muss man das wieder betonen.

Wie Fink sagt, haben wir zunehmend einen Mangel an attraktiv bepreisten, hochwertigen Assets und das steigert den Druck noch auf die, die jetzt immer noch auf zu viel Cash sitzen. Und wenn nun die Notenbanken noch mehr in die Negativzinsen drücken, wird da langsam Panik ausbrechen.

Das treibt die Immobilien-Preise und treibt den Aktien-Markt und man kann das katastrophal und eine verantwortungslose Geldpolitik nennen - ich gehöre dazu - aber das nützt nichts. Nach der Regel "don´t fight the FED" müssen wir als Anleger mit den Wölfen der Notenbank-Technokraten heulen - nur monetäre Selbstmörder stellen sich gegen diese Dampfwalze!

Und klar, so ein -> Crack-up-Boom <-, den ich im Link schon im Sommer 2016 als reale Möglichkeit thematisiert habe, endet selten gut. Das endet fast immer mit einer üblen Depression. Das aber nach Jahren und hohen zweistelligen Gewinnen und das ist hier der Punkt.

Also, die Ingredienzien sind durchaus da, dass Finks Prophezeihung wahr werden könnte. "Könnte", ob sie es wirklich wird, werden wir sehen, wir sollten das aber ernst nehmen.

Kurzfristig können solche Äußerungen durchaus ein kleines Top markieren, der Markt ist durchaus reif für eine Pause und einen Rücksetzer, spätestens bei den Allzeithochs des S&P500.

Aber nach einem notwendigen Luftholen, gibt es derzeit wenig was dagegen spricht, dass der Markt in 2019 so eine Entwicklung wie unten im Chart nimmt und in einem angedeuteten Trendkanal, der seit 2011 Bestand hat, weiter nach oben schmilzt:

Wie man so etwas mitnimmt, aber trotzdem nach unten wachsam bleibt, war zuletzt oft Thema in der Community. Hier im freien Bereich will ich es damit bewenden lassen, Ihnen erneut zu raten, sich von den Perma-Bären nicht in eine negative Stimmung drücken zu lassen. Wenn die Kurse wirklich fallen, ist es früh genug bärisch zu werden.

Erinnern Sie sich, was ich Ihnen zuletzt zum -> Ankereffekt <- geschrieben habe und warum wir solchen starken Charts wie oben instinktiv misstrauen - was aber ein Fehler ist. Erinnern Sie sich, wie ich Ihnen vor einem guten Monat in -> (Zehn) Jahre zurück und die Lehren daraus <- das große Bild gezeigt habe. Oder erinnern Sie sich, wie ich Anfang 2019 dazu aufgerufen habe, -> dem Optimismus eine Chance zu geben <-.

Und jetzt sage ich Ihnen, dass der Reflex Larry Finks Statement einfach abzutun, ein Fehler sein könnte. Die notwendigen Voraussetzungen sind da, dass er recht behalten *könnte* und auch wenn auch das keine Sicherheit ist - die gibt es am Markt nie - ist es schon eine ganze Menge, das überhaupt so definitiv feststellen zu können.

Denn mit jeden Tag, den der Markt weiter steigt, steigt auch der Druck und das Leid der Unterinvestierten - besonders der institutionellen Anleger, die sich dann vor ihren Kunden rechtfertigen müssen.

Die Notenbanken haben also ein Feuer unter den Skeptikern angezündet, das diese nun langsam gar kocht. Und beenden könnten dieses Feuer wohl überwiegend nur die Notenbanken selber und dafür gibt es bisher kein Indiz nirgendwo.

Rechnen wir also nun jederzeit damit, dass ein Luftholen, eine Korrektur einsetzen kann. Setzen wir aber im weiteren Verlauf des Jahres bis auf weiteres besser auf einen starken Markt, der die 3.000 im S&P500 durchschneiden wird. Denn das ist der Trend und dem folgen wir - bis er endet.

Frohe Ostern allen Lesern!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Haltet den Dieb! Enteignung!

Enteignung! Das geliebte Schlagwort von der linken Straßenseite der Politik, wird mal wieder laut verkündet. Auch der herzensgute Liebling aller deutschen Schwiegermütter, hat es nun in den Mund genommen.

So wie bei anderen beim Porno die Säfte zu fliessen beginnen, löst das Wort *Enteignung* politisch in allen Lagern eben einen selbstbefriedigenden Effekt aus, man kann das lustvolle Stöhnen allüberall fast hören. 😉

Mir fallen da sofort viele spitze, sarkastische Sätze wie oben dazu ein, aber ich unterdrücke die, weil was bringt das? Die, die es lesen sollten, lesen es sowieso nicht und bleiben in ihrer Blase.

Ich will lieber mal versuchen, das Thema auf die Substanz zurückzuführen, also die Frage, warum die Dinge sind wie sie sind. Und wie man das ändern kann.

Zunächst, das Problem ist real, es ist ernst, es ist massiv und es zeichnet sich seit Jahren ab, ich habe schon mehrfach darüber geschrieben.

Wohnen ist ein Grundrecht und ein Staat, der seinen Bürgern keinen bezahlbaren Wohnraum mehr anbieten kann, steht irgendwann vor Aufständen und einer Revolution.

Alles schon dagewesen, die Zeichen sind schon länger an der Wand. In München können sich von außen kommende Polizisten und Krankenschwestern zum Beispiel schon länger keine Wohnung mehr leisten, wenn sie nicht schon länger im Bestand der Genossenschafts- oder Sozialwohnungen leben.

Es muss also dringend etwas geschehen, das Problem wurde viel zu lange verschlafen.

Warum ist es dazu aber gekommen? Es gibt drei eindeutig zu identifizierende, systemische Treiber:

Erstens, der Hauptgrund, die Mutter aller Ursachen, von der sich ganz viel ableiten lässt ... ist die Null- bzw sogar Negativ-Zinspolitik der EZB. Punkt, kein aber!

Denn dadurch wird Inflation in den Asset-Märkten erzeugt, das Kapital das auf dem Konto keine Rendite mehr abwirft oder sogar negativ besteuert wird, muss irgendwo hin und strömt in die Asset- aber auch die Immobilienmärkte.

Wohin soll es auch sonst, wenn es mit Negativzinsen vom Konto vertrieben wird? Was soll die Lebensversicherung denn machen, wenn sie irgendwie die versprochenen Renditen ihrer Versicherten erwirtschaften will? Warum hat sich das eigentlich niemand gefragt, als man diese Politik begonnen hat?

Dieser Druck treibt die Preise, das Geld fliesst in Neubauprojekte und treibt die Bodenpreise und fegt die Grundstücksmärkte leer. Und es fliesst in Sanierungen, mit denen alte Wohnungen "renoviert" teuer vermietet werden können - was den Bestand an billigem Wohnraum vermindert.

Gleichzeitig kann Otto Normalverbraucher Dank fast Nullzinsen sich Wohnraum leisten, der bei Zinsen von 5% unerreichbar wäre. Und auch das treibt die Preise, schon seit 10 Jahren, 2008 war der Tiefpunkt.

Diese Ursache ist für die große Mehrheit der Berliner Politik aber scheinbar sakrosant. Denn "Wenn der Euro scheitert, scheitert Europa" sagt schließlich auch die Kanzlerin, dann muss das wohl so sein. 😛

Nehmen wir diese Kernursache also ergeben hin, die Politik will es so. Kommen wir zur zweiten Kernursache.

Zweitens, wurden in wenigen Jahren dem Land mehrere Millionen Einwanderer zugeführt. Und das ist der zweite Grund, wenn auch weniger bedeutend, als der erste Grund oben.

Und in der Ökonomie ist das eine einfache Sache, wenn man einem halbwegs ausgeglichenen Markt massive Nachfrage hinzufügt, entsteht Mangel und Preisdruck. Zumindest im Kapitalismus ist das so, im Sozialismus kann man diese freie Entscheidung gar nicht treffen, weil Wohnungen zugewiesen werden. Nur welche? 😉

Dummerweise ist es jetzt aber so, dass diese Einwanderer doch in Mehrheit nicht die avisierten syrischen Top-Mediziner sind, die dann Einfamilienhäuser und Lofts und Dachterrassen in Toplagen kaufen. Vielmehr wird die Mehrheit, wenn sie die Aufnahmeinrichtungen verlässt, mit den unteren Schichten um den sowieso weniger werdenden, billigen Wohnraum konkurrieren.

Und dummerweise zieht es viele dieser Einwanderer mit geringerer Bildung statistisch nicht zur Integration aufs Dorf, sondern in die Großstädte mit ihren kulturellen Parallelstrukturen, womit das Problem in den Großsstädten noch schlimmer wird.

Auch das ist aber scheinbar von zumindest Teilen der Berliner Politik genau so gewollt. Weil Grenzen kann man ja nicht mehr schützen und so. Und niemand ist illegal nirgendwo. Und so. 😉

Nehmen wir also auch die zweite wichtige Ursache ergeben hin, die Politik will es scheinbar so. Kommen wir zur dritten Kernursache.

Weiterlesen ...Haltet den Dieb! Enteignung!

Der Ankereffekt und unser „Affenhirn“

Der folgende Artikel erschien im Premium Bereich am 19.02.19. Er wurde nur minimal umgestellt, um Referenzen zu bereinigen, die nur im Premium-Bereich bekannt sind.

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Gerade am Anfang, beim Einstieg in ein Wissensgebiet, haben die einfachsten Erkenntnisse und Regeln den größten Effekt. Auch bei Mr-Market kommen immer wieder neue Mitglieder dazu, die von einer lange Anlagegeschichte erzählen, in der sie auf keinen grünen Zweig gekommen sind.

Auch wenn diese Mitglieder sich vielleicht schon 20 oder 30 Jahre mit der Börse beschäftigen, sind sie dann faktisch Anfänger, wenn sie nie einen erfolgreichen Zugang zum Markt gefunden haben. Und die Bereitschaft sich so zu sehen und sozusagen mal einen gedanklichen Reset zu machen, erleichtert dann, einen eigenen Erfolgspfad zu finden.

Der Klassiker sind dabei Anleger, die sich seit 2009 nicht in den Markt getraut haben und jetzt nach 10 Jahren wieder langsam damit warm werden - wo doch jetzt das Chance/Risiko-Verhältnis definitiv schlechter ist, als noch 2009. Aber auch Anleger sind der Klassiker, deren Depot aus "Dauergurken" besteht, alles "Falling Angels" die in der Vergangenheit mal toll waren, dann vermeintlich mit "Rabatt" gekauft wurden, aber seitdem nie mehr auf die Beine gekommen sind.

Diese Klassiker des Verhaltens haben einen gemeinsamen Nenner und das ist der -> Ankereffekt in der Psychologie < -, eine der fiesesten Ausprägungen dessen, was wir hier etwas provozierend unser evolutionäres Affenhirn nennen.

Ich sage Ihnen klar und deutlich: Wenn Sie das, was ich Ihnen nun sage und zeige, akzeptieren und Ihr Handeln tatsächlich ändern können, wird sich Ihr Anlageerfolg alleine deswegen, ohne großen Aufwand deutlich verbessern!

Erfolg mit einem Fingerschnippen, das wollten Sie doch schon immer, oder? Den gibt es natürlich nie, aber die folgende Erkenntnis kann Ihnen trotzdem sehr helfen.

Sie werden aber sehen, dass das gar nicht so einfach ist, sich im Mindset umzustellen, denn der "Affe" in uns tobt und tobt und da der "Affe" evolutionärer Teil von uns ist, werden Sie ihn auch nie wirklich loswerden. Ihre Aufgabe ist, seine Fehleinschätzungen zu erkennen und in Zukunft zu vermeiden.

Was sagt der Ankereffekt also theoretisch? Ich zitiere leicht umgebaut die Wikipedia:

Menschen werden bei bewusst gewählten Zahlenwerten von momentan vorhandenen Umgebungsinformationen beeinflusst, ohne dass ihnen dieser Einfluss bewusst wird. Die Umgebungsinformationen haben Einfluss selbst dann, wenn sie für die Entscheidung eigentlich irrelevant sind. Die Folge ist eine systematische Verzerrung in Richtung des Ankers.

Hört sich sehr theoretisch an? Nun dann machen wir es mal konkret. Atmen Sie tief durch und lassen Sie den Affen in sich frei. Schauen Sie auf die Charts und sagen Sie instinktiv, ob Sie da ohne Nachzudenken eher eine Chance oder ein Risiko sehen:

Das sind alles instinktiv Chancen, weil das Aufholpotentiel so hoch ist, oder? Es sind übrigens Nvidia (NVDA), General Electric (GE) und Bausch Health Corp (BHC), ehemals Valeant.

In allen drei Fällen schreit uns das Chart geradezu an, dass das eine Chance sei. Und das liegt *nur* an dem Anker der alten Hochs. Weswegen das Chart von GE hier auch am wenigsten schreit, weil die Vergangenheit nicht ganz so glorios aussieht.

Machen Sie sich auch mal den Spaß und gucken Sie sich die drei Aktien auf kürzeren Zeitebenen an, so dass die "glorreiche Vergangenheit" nicht mehr sichtbar ist. Die Wirkung ist gleich eine ganz andere.

Die Vergangeheit ist aber kein Maßstab, wie vielen Anlegern die Telekom schmerzhaft beigebracht hat, die seit nun bald 20 Jahren im Depot dümpelt, die Hoffnung auf alte Zeiten stirbt zuletzt. 😉

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