Laboratorium der Selbsterkenntnis

Der letzte Monat - mal wieder der sowieso gefürchtete Oktober - hat uns ja auch an den US Märkten endlich die seit Sommer überfällige Korrektur gebracht.

Für die nächsten Wochen sind die Chancen damit gar nicht so schlecht, dass mit der Korrektur eine Grundlage für ein starkes Jahresende gelegt wurde. Risiken nach unten bleiben, wie ich das letzte Woche hier im freien Bereich in -> Wir Hochseiltänzer < - beschrieben habe, aber die Chancen eines guten Jahresendes überwiegen.

Aber darüber hinaus? Was ist über das Jahresende hinaus in 2019?

Darüber hinaus kann sich dieser scharfe Einbruch von Oktober als gesunde Korrektur herausstellen, nach der der Markt weiter im langfristigen Trend hoch schiebt:

Der Einbruch kann sich aber auch als Beginn einer größeren Topbildung herausstellen, die im S&P500 dann ungefähr so aussehen würde und an der Unfähigkeit des Marktes zu erkennen ist, dieses Jahr noch ein neues Hoch zu generieren:

Die Medien - gerade auch die sozialen Medien - verdienen Ihre Klicks und damit Ihr Geld damit, uns zu diesen beiden Varianten immer alle möglichen Theorien zu bieten. Idealerweise mit einer reisserischen Überschrift versehen, wird irgend ein Indikator in den Vordergrund geschoben um Angst und Schrecken oder Gier zu erzeugen. Und Anleger lassen sich davon "inspirieren" und beginnen in die eine oder andere Richtung loszulaufen.

Es ist ja auch so schön, wenn einem jemand die Zukunft "weissagt", schon weiland im Jahrmarkt-Zelt, haben die Gekröse-Leser immer das beste Geschäft gemacht, die den Leuten geweissagt haben, was sie gerne hören wollten. 😉

Wem es aber wirklich um ein gut laufendes Depot geht, der sollte seine Energie nicht für derart sinnlose Ratespiele verbrauchen. Der sicherste Indikator ob der Markt nun eine Topbildung vollführt oder nicht, wird die Stärke des Marktes selber sein, also wie überzeugend der aktuelle Rebound abläuft.

Wenn der zum Jahresende neue Hochs generiert, kann man die Top-Szenarien getrost erst einmal beiseite legen. Wenn der aber schwächlich bleibt und sich jetzt in den kommenden Wochen ein Gewürge seitwärts anschließt, sollten wir das als Signal werten und für den Jahresanfang 2019 Vorsicht walten lassen.

Weit besser investiert ist Energie nun in Reflektion unseres eigenen Verhaltens in der Korrektur, denn diese stellt für uns ein Laboratorium der Selbsterkenntnis dar.

Wir können nicht beeinflussen und nicht vorhersehen, was der Markt in 2 Monaten macht, deshalb ist das Grübeln darüber vergeudete Zeit. Wir können aber beeinflussen, wie wir auf bestimmte Situationen reagieren, was wir also daraus machen, wenn der Markt dieses oder jenes zu machen beliebt.

Und da liegt der Gewinn der Zukunft, nicht in dem wir diese zu erraten versuchen, sondern in dem wir - was immer sie bietet - damit optimal umzugehen lernen.

Gerade so Phasen wie die letzten Wochen, zeigen uns dabei wer wir wirklich sind und wo wir zu ängstlich oder zu gierig agieren. Und das Fiese und gleichzeitig Schöne am Markt ist, dass er - wenn wir das hören wollen und es nicht verdrängen - uns aufzeigt, wie stark wir doch von Ängsten getrieben sind. Wir müssen uns dazu aber ehrlich im Spiegel anzuschauen und uns die Zeit nehmen, darüber zu reflektieren. Das tun die Wenigsten, die lesen lieber die nächste Weissagung. 😉

Schauen wir doch auf die letzten Wochen zurück und prüfen, was in uns los war. Viele unter Ihnen kennen das doch:

Wenn wir im Markt investiert sind, haben wir Angst es könnte eine Korrektur geben und wir Geld verlieren.

Wenn wir aus dem Markt ganz heraus sind, haben wir Angst er könnte uns nach oben weglaufen und wir den Einstieg verpassen.

Wenn wir gerade eingestiegen sind, mit der Absicht diese Position als Investment lange zu halten, macht uns das schnelle Minus wie auch das schnelle Plus an den folgenden Tagen doch nervös und wir fragen uns, ob wir nicht gleich wieder aussteigen sollten bzw wir die geringen Gewinne nicht lieber mitnehmen sollten.

Wenn wir dann aber ausgestiegen sind, haben wir wieder Angst, es könnte genau jetzt drehen und "unsere" Aktien uns weglaufen.

Ich könnte endlos weitermachen, ich denke wenn wir ehrlich sind, kennen wir das alle. Das genau ist unser "Affenhirn" und der Markt zeigt uns durch seine Rückkopplung via Kurse dessen Fratze im Spiegel. Und wir sollten nicht glauben, dass dieses unser Verhalten auf den Markt begrenzt sei, nein es ist Teil unseres normalen Verhaltens, nur zeigt es uns der Markt mit der Rückkopplung über die Kurse wie im Brennglas.

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Hari-Tweets

Indikatoren für einen Bärenmarkt.

Nicht perfekt, aber besser als herumzuraten und dem nächstbesten Crash-Propheten hinterzurennen, ist das allemal:

How to Tell a Bear Market Is About to Hit https://t.co/5wu0gI6ap9

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Nicht klonbar
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War auch bei uns in der Community intensiv Thema. Europa verschläft den neuen Raumfahrtboom und die Nation von Oberth, Winkler und von Braun, hat sich gedanklich sowieso völlig verabschiedet.

https://t.co/5nfGCTkPX9

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Wallstreet Stream 15.11.18
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Fed Chair Powell “opted to try to calm the markets, at least from the Fed’s side.” https://t.co/7Q532ut94h

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Pasolinis Investmentkonzept
https://t.co/n596fUJPI6

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Halbleeres Glas
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Wallstreet Stream 14.11.18
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Auswüchse des Gleichheitswahns, die an religiöse Glaubensbekenntnisse erinnern.

Wer nicht genau die Liturgie befolgt, wird mit der Inquisition bestraft.

https://t.co/7NHdnYBGhz

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Die "Hari-Methodik" in der "Light-Version"
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Wir Hochseiltänzer

Der US Markt hat in den letzten zwei Wochen die Unterstützungszone der Tiefs vom Frühjahr wieder angelaufen und danach ab letzten Dienstag einen erwartbaren und gut handelbaren Rebound gestartet.

So ein erster Rebound kommt bei stark überverkaufter Marktlage recht zuverlässig, er stellt aber in der Regel noch keinen belastbaren Boden da. Zu einem ausgewachsenen Bärenmarkt gehören eben solche "Snapper" (Ein Schnappen des Gummibandes) nach oben zuverlässig dazu, sie sind dann aber ebenso zuverlässig zu verkaufen - Sell the f***ing Rebound (STFR).

Damit sich nach einem derart scharfen Einbruch überhaupt ein belastbarer Boden bilden kann, ist idealerweise noch ein Retest der Tiefs nötig und genau dieser ist nun vielleicht ab Ende letzter Woche in Bewegung geraten.

Jetzt muss das zweite, höhere Tief nicht genau so aussehen wie oben eingezeichnet, es kann schon deutlich höher drehen und nur schwach ausgeprägt sein, oder die Tiefs können noch einmal marginal in einem "Undercut" unterschritten werden. Das Bild oben visualisiert nur die Grundstruktur, um die es hier diese Woche gehen wird.

Mit den US Zwischenwahlen, deren Ergebnisse nach MEZ in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch eintrudeln werden, existiert dafür auch ein absehbarer Katalysator, der diesen Test mitentscheiden dürfte. Allerdings nur, wenn die Überraschung Realität wird und die Demokraten beide Häuser erobern - das wahrscheinlichere Szenario eines Patt, eines demokratischen Repräsentantenhauses und eines weiter republikanischen Senats, ist dagegen wohl schon in den Kursen.

Damit befindet sich der Markt nun an einer entscheidenden Wendemarke, vermutlich diese Woche wird die Entscheidung fallen, ob der Markt einen Boden findet und damit einen starken Jahresabschluß einleitet, oder ob diese bisher begrenzte Korrektur sich zu etwas Größerem und Schlimmerem ausweitet.

Genau an dieser Stelle tendieren schwankende Anleger dann dazu, sich von anderen Stimmen vermeintliche "Sicherheit" zu holen und geraten so in die Fänge der Einen, die den großen Weltuntergang herbeischreiben, oder der Anderen, für die das eine große, sichere Chance auf steigende Kurse ist.

Wenn Sie auch dazu gehören und solche Weissagungen hier suchen, muss ich Sie enttäuschen. Ja, wir haben im Premium-Bereich die ganze letzte Woche - mit Rally ab Dienstag und Beginn eines Retracement ab Donnerstag - ganz ausgezeichnet getroffen, das aber nicht weil wir eine Glaskugel für die Zukunft hatten, sondern weil die Marktsignale bestimmte Entwicklungen impliziert haben und der Markt sich sauber an diesen technischen Pfad gehalten hat.

Und genau das ist auch jetzt die Lage, wie immer besteht eine seriöse Marktbetrachtung auch jetzt nicht aus Gewissheiten, sondern nur aus Wahrscheinlichkeiten für verschiedene Szenarien.

Ich werde hier im freien Bereich auch nicht auf die Details der aktuellen Lage, ihre Chancen und Risiken eingehen. Wem meine täglichen Marktbetrachtungen wichtig sind und wer in so einer Lage Guidance, Grundlagen und aktuelle Setups sucht, der kann ja zu uns in der Community dazustossen. Für alle anderen habe ich im freien Bereich einmal die Woche ein paar selektive Hinweise, denn Mr-Market funktioniert eben nicht über Klicks, Klicks und Statistiken bei Google interessieren uns nicht. "Börsenpropheten" die sich über Klicks finanzieren, gibt es wie Sand am Meer, ich wünsche da viel Erfolg.

Was ich Ihnen aber für die kommende Woche auch im freien Bereich mitgeben will - ganz "umsonst" sozusagen 😉 - ist dass Chance und Risiken an dieser Unterstützung nicht gleichverteilt sind - das sind sie auch selten.

Es gibt derzeit viele Parameter die darauf hindeuten, dass die etwas höheren Wahrscheinlichkeiten auf der Seite eines bevorstehenden Rebounds zum Jahresende sind.

Ob dieser Rebound - falls er kommt - dann am Ende neue Hochs schafft und den Bullenmarkt damit bestätigt, oder ob er mit niedrigerem Hoch den Beginn einer großen Topbildung auslöst, ist eine Frage der wir uns dann am Jahresende stellen, wenn es soweit ist und nicht heute. Aber hier und heute spricht mehr für eine Bodenbildung vor einem starken Jahresende, als für das Gegenteil.

Ist damit nun alles in Butter und wir kaufen uns nun in diesen Markt wieder mit Karacho ein? Leider ist das nicht so einfach, denn das Risiko ist asymetrisch auf die negative Seite verlagert.

Dass wir die eingezeichnete Unterstützung verlieren, ist zwar weniger wahrscheinlich, als dass wir mit einem höheren Tief nach oben wegziehen. Wenn es aber anders kommen sollte, würde die Abwärtsbewegung viel dynamischer ablaufen, als die Aufwärtsbewegung.

Denn diese Widerstandszone haben alle im Auge und wenn der Markt da durchfällt, werden alle versuchen sich in Deckung zu bringen und das schafft die Grundlage für einen massiven Ausverkauf, der dann durchaus crashartigen Charakter annehmen könnte.

Ja, Sie haben richtig gehört - crashartigen Charakter! Aber eben nur, wenn wir die Unterstützung verlieren, dann ist das Risiko erheblicher Schmerzen real, weil dann alle zum gleichen Ausgang streben werden, der dann schnell verstopft sein könnte.

Beides ist eben wahr und sich alleine auf eine Seite festzulegen, macht keinen Sinn! Wir haben nun gute Chancen auf einen Rebound zum Jahresende. Diese Aufwärtsbewegung ist wahrscheinlicher als ein sofortiger, erneuter Einbruch. Wenn der Einbruch aber doch kommt, wird er sehr viel schneller erhebliche Schmerzen bereiten, als die Aufwärtsbewegung Wohlbefinden verbreiten kann.

Das ist ein asymetrisches Risiko, auf dem wahrscheinlichen Pfad ist weniger zu holen, als auf dem unwahrscheinlichen Pfad zu verlieren.

Das ist die Realität dieser Woche, was wirklich passieren wird, weiss im Vorfeld nur der liebe Gott oder Scharlatane.

Damit haben Anleger nun zwei Möglichkeiten, prinzipiell damit umzugehen.

Die Einen warten nun an der Seitenlinie ab, wohin die Reise geht. Wenn der Markt durchfällt sind sie sicher, wenn er steigt, satteln sie später auf. Der Preis dieser "sicheren" Variante ist, dass man die ersten Prozent einer Aufwärtsbewegung verpasst und erst dann einsteigen kann, wenn ein Doppelboden wirklich eindeutig zu sehen und bestätigt ist.

Die Anderen wollen die Chancen jetzt aber nutzen, was sehr legitim ist und müssen sich daher am Verhalten anderer orientieren, die ebenso mit erheblichen Risiken hantieren.

Da haben wir doch die Hochseiltänzer im Zirkus, die die Zuschauer positiv beeindrucken wollen, für den Fall eines Fehltritts ja aber nicht sofort mit Genickbruch sterben wollen. Diese haben daher ein Sicherheitsnetz unter ihren Kunststücken gespannt, das sie im Falle eines Falles auffangen wird. Ohne das, kann man als Mensch dem sein Leben lieb ist, solche akrobatischen Kunststücke nicht riskieren.

Und das ist, was ich heute auch allen Anlegern mitgeben will, die diese mögliche Rally zum Jahresende schon jetzt ergreifen und nicht warten wollen. Schaffen Sie sich ein Sicherheitsnetz für den Fall, dass der Markt die Tiefs von Montag letzter Woche im S&P500 doch wieder unterschreiten wird. Denn das wird dann dringend nötig sein und es kann dann sehr schnell, sehr übel nach unten werden, weil alle gleichzeitig zum Ausgang strömen werden.

Wir müssen also das Beste hoffen und uns auf das Schlimmste vorbereiten. Einseitige Weissagungen, dass der Markt "sicher" das Eine oder das Andere tun wird, sind schlicht unseriös. Die Zukunft besteht aus Wahrscheinlichkeiten und wenn man diese Ernst nimmt, kann man die Zukunft auch sehr gut handeln - wie ein Hochseiltänzer.

Denken Sie daran, dass gute Chancen immer mit erhöhten Risiken einhergehen. Das ist nicht nur an der Börse so. Man darf sich von den Risiken nicht blockieren lassen und sollte Chancen auch mal ergreifen, man darf dabei die Risiken aber nicht ignorieren, sondern muss darauf eine bewusste Antwort haben.

Das nennt man ein "Risikomanagement" und das ist in der aktuellen Marktlage zwingend nötig. Alleine "Hopium" zu atmen, ist keine Strategie.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die Fördertürme des 21. Jahrhunderts und die Illusion der Sicherheit

Normale Anleger sind Sicherheitssucher. In der idealen Welt würde man gerne 6% Rendite ohne Verlustrisiko kassieren und wenn einem so eine Verheißung dann als "Mittelstandsanleihe" daher kommt, ist man Feuer und Flamme.

Nur ist das natürlich eine Illusion, wie viele Anleger solcher Anleihen schmerzhaft lernen mussten. Denn Chance und Risiko bilden immer eine Einheit und wer ihnen Chancen ohne Risiko verkaufen will, der lügt und optimiert primär die eigene Brieftasche.

Klügere Anleger, suchen die Sicherheit dann bei soliden Firmen und Geschäftsmodellen, die schon Generationen überdauert haben. Kein grundlegender falscher Ansatz, aber auch keine Garantie für irgendetwas, wie uns gerade der große US Einzelhändler -> Sears <- mit seiner Pleite vormacht. Wer oft in Amerika war oder ist, wird die großen Kaufhäuser noch kennen, die nun den Weg allen Irdischen gehen.

Sears (SHLD) ist das Opfer von technologischen Umbrüchen geworden, die man sich vor 20 Jahren noch nicht vorstellen konnte und unter anderem den Namen Amazon (AMZN) tragen:

Das nennt man Disruption und machen wir uns nichts vor, *nichts* ist am Ende davor gefeit, auch keine 100 Jahre alten Geschäftsmodelle. Läden braucht man immer ... ja, ja ... 😉

Deswegen macht es immer noch Sinn, nach stabilen, bewährten Geschäftsmodellen Ausschau zu halten, nur kann man auch die nicht 40 Jahre einfach liegen lassen, weil der sich weiter beschleunigende Wandel, noch vieles auf den Kopf stellen wird, was wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.

Wo kann man denn dann "Sicherheit" finden?

Absolute Sicherheit gibt es nicht, sie ist eine gerne kostenpflichtig verkaufte Illusion, um die Seelen von uns Nußschalen auf dem Strom des Schicksals zu beruhigen. Denn am Ende steht immer der Tod, im Leben, in der Wirtschaft und im ganzen Univerum.

Aber relative Sicherheit kann man finden, denn es gibt Themen, die in den nächsten Jahrzehnten mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Boom erleben werden.

Daten seien das Öl des 21. Jahrhunderts, kann man derzeit allenthalben lesen und jederman der weitsichtig und als "Innovations-Experte" erscheinen will, nimmt das gerne in den Mund.

Nun gut, das kann sein und einen wahren Kern hat es bestimmt, ich bin aber trotzdem noch nicht vollständig überzeugt. Nicht nur weil mir zu viele gewichtig darüber reden, von denen einige im wahrsten Sinne des Wortes "von Tuten und Blasen keine Ahnung haben". Sondern auch weil das Bild hakt, denn bei Öl hat schon sehr schnell auch Otto Normalverbraucher begriffen, wie wertvoll Öl ist - ältere Semester denken dabei an James Dean und "Giganten".

Bei den Daten ist diese Erkenntnis aber noch nicht gereift, Otto Normalverbraucher gibt immer noch sein Wertvollstes für ein paar Likes und bunte Pixel-Herzchen her, wenn sich das aber ändert, werden auch viele "Geschäftsmodelle" wieder sterben, die heute die Welt zu dominieren scheinen. Wer dabei unter anderem an Google und Facebook denkt, liegt nicht ganz falsch.

Aber egal ob Daten nun das Öl des 21. Jahrhunderts sind oder nicht, es gibt "Fördertürme", die auch für Daten benötigt werden, die aber auch alles andere fördern können, was das 21. Jahrhundert braucht. Und diese "Fördertürme" sind Chips!

Ja Chips und die damit verbundene Chipindustrie, es wird praktisch nichts mehr ohne Chips darin geben. Herzschrittmacher? Kühlschränke? Lampen? Fortbewegungsmittel? Sie könne nehmen was Sie wollen, ja selbst die Verpackungen die auch in der langsam verendenden Sears in den Grabbeltischen lagen, haben schon Chips, auch RFID genannt. Und das wird nicht weniger werden, sondern mehr.

Die Chipindustrie hat die wahren Fördertürme des 21. Jahrhunderts in der Hand und ohne Fördertürme kein Öl, auch das hat schon James Dean gewusst.

Nun hatte die Chipindustrie in der Vergangenheit eine unschöne Eigenschaft, sie wurde von Boom&Bust Zyklen getrieben, weil es durch den langen Vorlauf beim Aufbau von Produktionsanlagen, zu einem beständigen Wechsel von Unter- und Überkapazitäten kam.

Das zeichnete aber vor allem Massenschips wie DRAM (Arbeitsspeicher) aus und die Frage ist berechtigt, ob in einer Welt in der Spezialchips immer mehr Lebensbereiche durchdringen, diese Zyklen noch so tief und ausgeprägt sein werden, wie in der Vergangenheit - ich glaube eher Nein!

Aber selbst wenn die Zyklen doch so bleiben, eine Einzelfirma in der Chipindustrie kann immer mal auf eine falsche Technologie setzen und vom Markt verschwinden. "Sicher", ist daran rein gar nichts.

An diese Stelle lohnt es sich, sich erneut an das Prinzip der -> Schaufeln für den Boom <- zu erinnern. Beim Goldrausch in Kalifornien, wurden wie wir wissen nicht die sicher reich, die nach Gold gruben, sondern die, die die Schaufeln dafür verkauft haben!

Im übertragenen Sinne sind das für die Chipindustrie die Chipausrüster, die die Produktionslinien der Chiphersteller mit Technologie ausrüsten. Ich will Ihnen hier mal Charts der eher bekannten Applied Materials (AMAT) und der niederländischen ASML Holding, aber auch der etwas weniger bekannten Lam Research (LRCX) zeigen:

Wir sehen überall klare Trendbrüche, die erfahrenen Anlegern schon vor Monaten ein sauberes Ausstiegssignal gegeben haben. Im seit Jahren boomenden Sektor, hat also ein neuer Abwärtsyzklus schon längst eingesetzt - Boom&Bust aus dem Lehrbuch eben!

Egal wie positiv die Zukunft der Chipindustrie aussieht - denn wenn sich die Menschheit nicht ausradiert, werden Chips immer mehr und immer dominanter werden - ich kann nur dringend davon abraten, hier nun sofort und nur auf Verdacht herein zu greifen. Denn man nennt das zu Recht ein "fallendes Messer" und in das greift man nicht, wenn einem die eigenen Finger etwas wert sind!

Das hier noch eine Menge theoretisches Potential nach unten ist, will ich Ihnen anhand der letzten 30 Jahre von Lam Research (LRCX) in logarithmischer Darstellung zeigen:

Von aktuell 145$, im schlimmsten realistisch vorstellbaren Fall noch auf vielleicht 60$ herunter, das wäre noch ein schmerzhafter Weg! Vorsicht also, kluge Anleger warten ab, bis so ein Abwärtszyklus ausgelaufen ist und das kann - muss nicht, kann - möglicherweise noch dauern!

Beachten Sie also, dass wir den Wendepunkt nicht kennen. Der kann erst in einem Jahr kommen, aber auch schon diese Woche, denn der Sektor zeigt kurzfristig aktuell erste Anzeichen einer Bodenbildung.

Wir müssen den Wendepunkt aber auch nicht kennen, den exakten Boden trifft man sowieso nie. Wir müssen einfach akzeptieren, dass wir die ersten paar Prozent einer Wende verpassen - unsere Aufgabe ist nicht im Vorfeld herumzuraten, sondern dann beherzt zuzupacken, wenn die Wende real da ist! Und dann ist noch mehr als genug Potential vorhanden, in der nächsten Aufwärtsphase kann sich der Sektor kurstechnisch problemlos wieder verdoppeln.

Klar ist also, dass dieser aktuelle Abwärtszyklus massive Chancen generiert, denn eines ist so klar, wie etwas in einer sich immer schneller wandelnden Welt nur klar sein kann:

Den Chips gehört die Zukunft und die wenigen Ausrüster, die der Chipindustrie ihre "Schaufeln" zur Verfügung stellen, werden noch lange, lange stark wachsen, auch wenn dieses Wachstum - wie in den letzten 30 Jahren von Lam Research (LRCX) zu sehen - immer in großen Aufwärtswellen vonstatten geht.

Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück, der Charakter jedes aufwärts strebenden Marktes. Die Chipausrüster machen gerade einen Schritt zurück, danach dürften hier erhebliche Chancen liegen.

Das wollte ich auch mal mit Ihnen im freien Bereich teilen, in der Community ist das schon länger Thema.

Ihr Michael Schulte (Hari)

PS: Übernächste Woche bin ich übrigens im Ferienmodus. Der nächste Artikel im freien Bereich kommt also erst in 2 Wochen.

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Verlierer und Gesundbeter

Was vor einer Woche noch der Beginn einer Korrektur war, hat in den US nun in wenigen Tagen voll auf die langfristige Trendlinie und 200-Tage-Linie des S&P500 durchgeschlagen.

Solange der Trend aber Bestand hat, ist er weiter unser Freund und die Chance auf eine gute Ausgangslage zum Jahresende immer noch vorhanden.

Aber natürlich besteht nun die reale Möglichkeit, dass dieser Trend bricht und sich die Korrektur zu etwas weit Größerem auswächst.

Was wiederum bedeutet, dass man sinnvoller die Regel befolgt, nach der man auf das Beste hofft, sich aber auf das Schlimmste vorbereitet. Optimismus ist also angesagt, verbunden aber mit der Bereitschaft gnadenlos in Deckung zu gehen, wenn sich dieser Optimismus als falsch heraus stellen sollte.

Es ist nicht unsere Aufgabe als Anleger, jetzt zu erraten, was der Markt in den nächsten Wochen machen wird. Es ist unsere Aufgabe, auf das konsequent und klar zu reagíeren, was der Markt tatsächlich macht. Insofern kann man aktuell beides gleichzeitig tun. Man kann sich Chancen zurecht legen und sich trotzdem wohl bewusst sein, dass nicht mehr viel fehlt, um in volle Deckung zu gehen und alle Chancen zu beerdigen.

Vor diesem Hintergrund und einer Ausgangslage, wie sie eigentlich an *jedem* Wendepunkt der Börsengeschichte immer wieder gegeben ist, ist es faszinierend zu beobachten, wie die medialen Mechanismen immer gleich ablaufen und die Anleger sich davon beeinflussen lassen.

Ganz typisch ist aktuell wieder, wie die Verlierer aus den Löchern kommen, die seit Jahren praktisch immer falsch gelegen und die Depots ihrer Jünger geschrottet haben, weil sie seit Jahren den Markt bekämpfen. Nun ist endlich deren Zeit mal "siehste" zu rufen - wirklich lustig. Das Dumme ist nur die Vergeßlichkeit der Anleger, da kann so ein "Marktexperte" monate- und jahrelang nur Mist erzählt haben, wenn in den Anlegern dann aber die Unsicherheit und Angst hoch kriecht und dieser "Experte" diese Angst bedient, wird er plötzlich ernst genommen.

Aber natürlich sind auch die Gesundbeter wieder unterwegs, die vor allem auf der "Sell Side" bei Fonds und Co. angestellt sind und deren schlichte Aufgabe es ist, die Anleger bei der Stange zu halten. Die versuchen Beruhigungstabletten zu verteilen, was aber so pauschal auch falsch ist, weil wenn ein Markt so einbricht wie aktuell, sehr wohl eine abstrakte, wenn auch kleine Crash-Gefahr existiert und dieser Einbruch sehr wohl der Beginn von größeren Schmerzen sein könnte. Könnte - der Konjunktiv ist dabei wichtig!

All dieses "Meinungs-Gerede" über das was der Markt vermeintlich morgen machen muss, das entweder Klickgenerierung oder dem Ego dient, ist aber in Wirklichkeit nicht hilfreich und eher weißes Rauschen, bei dem ich Ihnen nur eindringlich empfehlen kann, dieses so weit wie möglich auszublenden und sich davon nicht beeinflussen zu lassen.

Machen Sie sich klar, dass die Apples und Amazons dieser Welt genau die gleichen sind wie vor 2 Wochen, nur dass sie jetzt 5-10% billiger zu haben sind. Und natürlich können die Preise die am Markt aufgerufen werden, auch noch einmal 10% fallen, niemand kann Ihnen das vorhersagen. Das ist schon alleine logisch, weil der Markt nun lange ohne Korrektur nach oben übertrieben hat, da kann das Pendel auch mal nach unten in die Gegenrichtung ausschlagen.

Es ändert aber nichts daran, dass wir für die gleichen Unternehmen nun bessere Preise haben als vor 2 Wochen, warum also entdecken nun plötzlich so viele die Weissagungen, dass der "Untergang" nun unvermeidlich vor uns liegt? Weissagungen, die sie vor 2 Wochen noch nicht tangiert haben?

Ich sage es Ihnen, weil diese Anleger sich vom "Meinungs-Gerede" anstecken lassen. Wir Menschen sind halt soziale Wesen, böse Zungen sagen auch "Herden-Tiere".

Wer aber am Markt Erfolg haben will, der wird vom Meinungs-Gerede anderer nur gestört, weil der hat seine eigenen etablierten Mechanismen die ihm schon sagen, was die Lage ist und was zu tun ist. Der ist dagegen an Beobachtungen, an unabhängigen Analysen, an Zusammenhängen und an Ideen interessiert, also an allem was ihn bereichert, aber nicht an dem was andere glauben, was der Markt zu machen hat. So jemand denkt in Szenarien und Wahrscheinlichkeiten und kann mit Unsicherheit umgehen.

Und weil das so ist, komme ich wieder auf die Lagebeschreibung am Anfang zurück. Wir müssen als rationale Anleger nun einfach damit leben, dass nun große Chancen und großes Risiko eng beeinander liegen. So ist das schon immer in so Momenten, schon immer solange es Börsen gibt.

Wenn der S&P500 hier auf der 200-Tage-Linie wieder dreht und ein recht wahrscheinlicher, zweiter Test der Linie auch positiv ausgehen sollte, haben wir gerade einen wunderbaren Einstiegspunkt zum Jahresende vor uns. Wenn der S&P500 hier aber einbricht und den Trend verliert, ist das ein bedeutender Bruch, den man nicht einfach ignorieren darf.

Beides ist wahr und man kann sein Handeln auch auf beide Alternativen einrichten. Man kann auf das Beste hoffen und sich auf das Schlimmste vorbereiten. Man kann Chancen ergreifen und gleichzeitig ganz hart das Risiko begrenzen, wenn es nötig wird. Und man kann eine gekaufte Position zügig wieder verkaufen und eine verkaufte Position zügig wieder kaufen, wenn eine Wende es erfordert.

All das kann man, man muss es nur tun! Wenn man aber damit beschäftigt ist die Zukunft zu erraten, wird das kaum gelingen.

Bedenken Sie bitte, der von vielen erhoffte Moment, an dem man "sicher" wieder in den Markt einsteigen kann, ist der Moment an dem alle Chancen schon Geschichte sind. Es muss so sein, es kann gar nicht anders sein, die Reflexivität des Marktes sorgt dafür.

Machen Sie sich bewusst, dass alle in die Zukunft gerichtete Vermutungen nur Szenarien sind, die unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten haben. Grundsätzlich ist immer alles möglich, aber nicht alles ist gleich wahrscheinlich.

Genau dieses Spiel mit Wahrscheinlichkeiten, macht den erfolgreichen Anleger aus. Wer sich auf einen Ablauf festlegt und sich einbildet dass es genau so kommen "muss", gehört garantiert *nicht* zu dieser erfolgreichen Kategorie, auch wenn jedes blindes Huhn auch mal ein Korn finden kann.

Nicht durch die Verleugnung der Unsicherheit, sondern im Umgang mit ihr, trennt sich eben die Spreu vom Weizen.

Übrigens, der DAX ist eine ganz andere Geschichte als der S&P500. Der sieht nun wirklich äusserst bedenklich aus, nachdem die Topbildung doch getriggert wurde. Ein Rebound dürfte es hier schwer haben, schnell über 11.800 zurück zu kommen und die heutige Nachricht, dass die Brexit-Gespräche erst einmal wieder gescheitert sind, wird auch nicht helfen.

Der DAX ist und bleibt aber der (schlappe) Schwanz des Hundes US Markt. Heisst wenn die US Märkte einen Rebound hinbekommen, hat auch der DAX eine Chance zurück zu kommen. Brechen die US Märkte dagegen ein, kann man den DAX wohl endgültig abschreiben und muss weit tiefere Kursziele ins Auge nehmen.

Ich habe Ihnen schon vor Monaten gezeigt, wie stark Europa und auch der DAX gegenüber den US Märkten hinterher hängt. Das hat mit vielen Faktoren zu tun und nicht nur einem. Teil der Faktoren dürfte aber auch sein, dass in diesem unserem Lande eine Menge strukturell schief läuft und wir uns nach meinem persönlichen Eindruck derzeit immens "anstrengen", die Grundlagen unseres Wohlstands in einer Mischung aus Naivität, ideologischer Aufladung und moralischer Selbsterhöhung zu zerstören.

Das hat nichts mit einzelnen Wahlergebnissen oder einzelnen Parteien zu tun, es ist ein strukturelles Problem. Durch den auch von den Notenbanken befeuerten, andauernden Boom, ist wohl bei vielen Mitbürgern in Vergessenheit geraten, was die Grundlagen des Wohlstands sind. Man könnte auch sagen, wesentliche Teile der Gesellschaft sind selbstgefällig geworden.

Und ich habe nicht den Eindruck, dass das bald besser wird, erst die nächste Krise kann da vielleicht die Wahrnehmung wieder etwas verrücken. Aber das ist eine ganz andere Geschichte und soll hier nicht Thema sein, zumal Deutschland nicht die Welt und noch nicht einmal Europa ist.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Lawinenkunde

An den US Märkten hat Mitte letzter Woche eine schon lange überfällige Korrektur eingesetzt, die im S&P500 mit der 50-Tage-Linie und dem Ausbruchsniveau zu neuen Hochs, schon die erste wichtige Unterstützung erreicht hat.

Ob die US Märkte hier schon wieder drehen oder noch bis zur 200-Tage-Linie unter 2.800 korrigieren - oder sogar noch tiefer - soll hier im freien Bereich nicht Thema sein. Klar ist aber, dass die US Konjunktur in ausgezeichnetem Zustand ist und unabhängig davon wie tief das noch geht, die Chance hoch ist, dass wir hier die willkommene, kaufbare Korrektur vor uns haben, auf die so viele den ganzen Sommer gewartet haben.

Thema hier und heute ist die Frage, ob man solche Einbrüche im Vorfeld erahnen kann. Und die Antwort ist Ja und Nein. Mit den wilden Prognosen, die permanent einen einzelnen negativen Faktor zum Elefanten aufblasen, ganz bestimmt nicht - ich habe darüber schon oft geschrieben, diese dienen der Klickgenerierung, sonst nichts. Mit einer aufmerksamen Beobachtung dessen, was vor unseren Augen passiert, aber sehr wohl.

Genau das ist mir letzte Woche wieder gelungen, als ich punktgenau am Dienstag, bevor der Markt am Folgetag zu fallen begann, eine Warnung im Sinne erhöhter Aufmerksamkeit ausgesprochen habe.

Da man hinterher ja immer klüger ist und gerne hinterher so getan wird, als ob schon vorher Klarheit herrschte, habe ich Ihnen daher den fraglichen Artikel aus dem Premium-Bereich von Dienstag auch hier im freien Bereich freigeschaltet. Um Ihn lesen zu können, müssen Sie aber zumindest im Blog registriert sein, es gibt ja keinen Grund jedem Bot der Welt darauf Zugriff zu geben. 😉

Lesen Sie also meine Worte von Dienstag im Premium-Bereich: -> Aufrecht im Sessel <-

Am Abend des gleichen Tages, sagte dann FED-Chef Jerome Powell ein paar Sätze zu weiteren Zinserhöhungen, die man als überraschend falkenhaft interpretieren konnte und das Ungemach setzte sich ab Mittwoch in Gang - die Anleihen-Renditen stiegen und die Aktienmärkte wechselten in den Korrekturmodus.

Dieser Ablauf ist eine wunderbare Gelegenheit Ihnen hier im freien Bereich erneut zu zeigen, was die kompetente Analyse der Markttechnik leisten kann und was nicht. Denn es gibt dazu eine wunderbare Analogie und das ist die Lawinenkunde.

Denn im Winter lesen Sie jeden Tag Vorhersagen zum Lawinenrisiko und wenn das sehr hoch ist, sollte man besser keine Skitouren abseits der gesicherten Pisten unternehmen.

Die Fachleute, die solche Lawinenwarnungen ausprechen, raten dabei auch nicht über die Zukunft herum, sie behaupten nicht zu wissen, was in 4 Wochen passieren wird, weil das weiss sowieso niemand.

Diese Fachleute analysieren den Zustand der Schneedecke im "Hier und Jetzt" in der Gegenwart, genau das was der Markttechniker macht, wenn er sich die Marktmechanik im "Hier und Jetzt" anschaut.

Diese Analyse der Schneedecke ist objektiv, rational und reproduzierbar, im Sinne dass sie nach objektiven Parametern erfolgt. Wenn die Schneedecke sehr labil ist, wird für einen Hang vielleicht eine Lawinenwarnung ausgesprochen.

Die Warnung alleine sagt uns aber noch nicht, ob dann tatsächlich eine Lawine abgeht. Denn dafür braucht es einen Katalysator, wie zB eine Erschütterung durch Sturm. Es kann sehr wohl auch sein, dass dieser Katalysator ausbleibt und sich die Schneedecke stabilisiert und die Lawinengefahr wieder verschwindet.

Wenn so eine Lawinengefahr wieder verschwindet, ohne dass es zum Abgang kommt, war deswegen die Lawinenwarnung vorher aber nicht sinnlos, so diese kompetent durchgeführt wurde.

Genau das Gleiche kann kompetent ausgeübte Markttechnik leisten und können Sie beobachten, wenn Sie lesen, was ich am Dienstag sagte, als die Kurse noch auf Allzeithochs waren und was danach passiert ist.

Es geht dabei *nicht* darum, über die Zukunft herumzuraten, wie das bei der "Prognosiritis" so gerne gemacht wird und viel Schaden in den Depots der Anleger anrichtet. Es geht darum, das Spiel auf dem Spielfeld der Märkte genau im Blick zu haben, zu sehen wie stabil die "Schneedecke" des Marktes ist, die sich aus Angebot und Nachfrage speist. Und auch dafür gibt es Parameter und Erfahrungswerte, die uns dazu Indikatoren liefern, dann aber immer noch kompetent eingeordnet werden müssen.

So konnte man am Dienstag sagen, dass der Markt nun riskant wird, weil offensichtlich in seiner Mechanik Unwuchten (Divergenzen) auftraten. Deswegen war aber immer noch nicht klar, dass eine Korrekturbewegung wirklich kommen würde, dafür brauchte es den Katalysator.

Genau diesen Katalysator hat Jerome Powell dann geliefert und dass er schon einen Tag später kam, war reiner Zufall und keine "Verdienst" meinerseits. Wäre der Katalysator ausgeblieben, wären wir heute vielleicht immer noch auf Höchstständen, die Gefahr wäre weiter gestiegen und alle würden sich anschauen und denken, dass die Warnung unnötig war. Die Analyse der Lawinenlage, wäre aber nicht weniger richtig gewesen.

Nehmen Sie diese Analogie der Lawinenkunde also bitte mit, wenn Sie von kompetenten Quellen über die Marktmechanik lesen. Die Warnung vor einer labilen Hanglage wird nicht dadurch falsch, dass es doch stabil bleibt und nichts die Lawine auslöst. Und eine kompente Lagebeurteilung hat immer mit den Beobachtungen der Geschehnisse in der Gegenwart zu tun und *nicht* mit irgendwelchen feuchten Träumen darüber, was man denkt die Märkte machen "müssten".

Die Märkte müssen nämlich gar nichts, auch ein Schneehang muss gar nichts, beide sind aber immer in bestimmten Zuständen, die einen bestimmten Ausgang statistisch bevorzugen. Und diese Zustände kann man erkennen, wenn man genau hinschaut und den Kopf nicht stattdessen in den Wolken der Zukunft hat.

Die Wahrheit liegt eben auf dem Platz. Nicht nur beim FC Bayern, sondern auch an den Märkten.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Der langfristige Blick auf das Spielfeld

Oft lesen Sie hier von mir viele Worte. Heute will ich den Spieß einmal umdrehen und Sie dazu animieren, sich ein eigenes, objektives Bild zu machen. Nicht das Bild, das Ihnen andere mit vielen Worten erzählen wollen, die in der Regel auch Interessen haben und sei es nur der Wunsch nach Klicks. Sondern das Bild, das Sie selber sehen können, wenn Sie einen Blick auf das Fußballfeld des Spiels der Märkte werfen.

Denn wir stehen vor dem Beginn des 4. Quartals 2018, Weihnachten ist nur noch 12 Wochen entfernt. Das ist ein guter Grund, mal einen sehr langfristigen, objektiven Blick auf die Lage der Märkte zu werfen. Etwas, was ich nun mit Charts mit Monatskerzen machen werde, die durchweg bis zur Lehman-Krise zurück reichen.

Ich finde die Charts weitgehend selbsterklärend und werde diese bewusst *nicht* kommentieren, vielleicht finden Sie ja selber mal heraus, was die Ihnen sagen. Zur Hilfestellung, ich habe ja in den letzten Wochen meinen Tenor immer wieder erläutert, der mehr oder weniger sagt, dass wir fraglos bis spätestens 2022 auch mal wieder in eine Rezession laufen, nur kennt den Zeitpunkt niemand und es lohnt sich daher nicht, darüber herum zu raten. Wir reagieren besser konsequent, als vorher die Zukunft erraten zu wollen.

Bedenken Sie dabei auch die Reflexivität des Marktes, denn das was Ihnen Ihr Hirn intuitiv eingibt, ist selten die richtige Interpretation, weil das Intuitive jeder sehen kann, nicht nur Sie. Denn am Markt ist es keineswegs so, dass etwas was sich in eine Richtung bewegt hat, unbedingt vollständig zurückschwingen muss.

Das Schwingen des Marktes ist zwar Teil seiner Gene und wird in dem Wort "Mean Reversion" festgehalten, aber es ist kein hin- und herschwingen zwischen festen Grenzen, es ist ein Prozeß des 2-Schritte-vor und 1-Schritt-zurück, der prinzipiell nach oben ohne Grenze offen ist.

Denn langfristig steigen die Aktienmärkte und ich will ausdrücklich an meinen Artikel -> Vom Glauben, dem Weltuntergang und dem säkularen Bullenmarkt <- erinnern, der ursprünglich -> aus 2013 stammt <- und in dem ich schon 2013 mit einem eindrucksvollen Langfristchart geschrieben habe:

Die wichtige Schlußfolgerung dieses grossen Bildes ist aber, dass wir möglicherweise am Beginn eines neues jahrzehntelangen Bullenmarkets stehen könnten.

Lassen Sie bitte dieses große Chart von 2013, das bis 1896! zurück geht mal auf sich wirken und dann schauen Sie selber auf die aktuelle Lage an den Weltmärkten und ziehen Sie daraus Ihre Schlüsse.

Charts kennen die Zukunft ebensowenig wie fundamentale Daten, wie ich -> erst letzte Woche erklärt habe <-. Aber es ist der weit bessere Weg, Charts als objektiven Blick auf die Lage in der Gegenwart ernst zu nehmen, als herum zu raten und zu glauben, dass der Markt machen müsste, was man sich so zusammen reimt.

Damals, im November 2017 habe ich hier zu 2018 geschrieben, was im Nachhinein so falsch nicht war:

Der wahrscheinliche Pfad für die Börsen ist weiter nach oben, unterbrochen von einer 10-20% Korrektur, die nun mehr als überfällig ist und von der wir in 2018 sinnvoll ausgehen. Was ist so schwer daran, diese wahrscheinlichste Realität zum Massstab des kontrollierten Handelns zu machen?

Das Folgende ist nun die aktuelle Lage mit logarithmischer Skalierung, wie es sich für den langfristigen Blick gehört.

Und es gilt wie beim Fußball: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz!":

Ihr Hari

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Der Preis ist immer noch der ultimative Richter

Der folgende Grundlagenbeitrag erschien vor mehr als 2 Jahren am 13.07.16 im Premium-Bereich und ist von so grundsätzlicher Natur, dass ich ihn heute mit minimalen Anpassungen auch in den freien Bereich stelle:

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Theoretisch die Funktionsweise der Markttechnik zu erklären, ist die eine Sache. Mit theoretischen Erklärungen kommt man in der Regel nicht weit. Sie werden gelesen, aber oft nicht wirklich begriffen und durchdrungen.

Für diesen Unterschied gibt es im Deutschen das Wort "begreifen". Es kommt vom Haptischen und versinnbildlich damit, dass man eine Sache selbst erfahren, verinnerlicht und daher "begriffen" hat. Theoretische Erklärungen werden dagegen zwar oberflächlich "verstanden", aber oft eben nicht "begriffen", denn das ist erst dann der Fall, wenn die Wahrheit sozusagen "in Fleisch und Blut" übergegangen ist.

Hier auf Mr-Market versuche ich, Zusammenhänge "begreifbar" zu machen und nutze daher immer wieder konkrete Anlässe aus dem Marktgeschehen, um daran die prinzipiellen Mechanismen des Marktes zu erläutern.

Und eine der entscheidenden Fragen ist dabei immer wieder: Warum funktioniert denn Markttechnik überhaupt?

Wir kennen doch die Kommentare von denen zur Markttechnik, die irrigerweise glauben, Kurse würden sich alleine aufgrund fundamentaler Bewertungen bilden. Da kommen dann Argumente wie Markttechnik sei ja nur bunte Linien, sei Kaffeesatzleserei und die empörte Frage: Wie soll man denn aus reinen Vergangenheitsdaten etwas über die Zukunft heraus lesen können?

Leider zeigt gerade der letzte Satz, dass überhaupt nicht verstanden wird, worum es geht. Denn es geht nicht um die Zukunft, es geht um die Gegenwart.

Und was sind denn Fundamentalwerte anderes als Vergangenheitsdaten? Die sind wirklich und eindeutig in der Vergangenheit verhaftet, denn zwischen dem Datum, in dem sie erhoben werden und dem Zeitpunkt der Veröffentlichung, vergeht immer Zeit. Mit der Markttechnik können wir aber in der Gegenwart, im "Hier und Jetzt" dem Markt "unter die Haube" schauen und was das bedeutet, will ich Ihnen nun an einem konkreten Beispiel zeigen.

Denn gestern Nachmittag habe ich Ihnen mit Exact Sciences (EXAS) eine Aktie vorgestellt, von der ich wenig bis nichts wusste und die nur aufgrund der Markttechnik auf meinen Radar gekommen ist. Ich schrieb:

Eine weitere Aktie aus dem Healthcare/Biotech-Universum, die wir hier aber nach meiner Erinnerung noch nicht besprochen haben, ist der "Schaufel-Hersteller" -> Exact Sciences (EXAS) <- mit seinen Krebs-Tests.

Auf meinen Radar ist die Aktie aufgrund ihrer Chartstruktur gekommen und das Wissen darum was sie machen, hat mich zumindest nicht abgeschreckt, wie wohl ich bestimmt nicht alles verstehe.

Hier ist die Chartstruktur:

EXAS 12.07.16

EXAS 12.07.16 2

Sehen Sie, wie die Aktie unter erhöhtem Volumen "nach oben schmilzt"? Da ist eine Menge Dampf darauf und die Struktur indiziert einen baldigen, weiteren Schub nach oben.

So weit gestern um 17 Uhr. Schon wenige Stunden später, sah die Aktie so aus:

EXAS 13.07.16

Stunden nach dem Hinweis schon 6% höher. Habe ich eine Glaskugel? Was ist passiert?

Ganz einfach, medial wurden Gerüchte bekannt, dass vielleicht der grosse Gensequenzierer Illumina (ILMN) das Unternehmen kaufen will. Und diese Nachricht war schnelle 6% wert.

Nun würden Andere sich vielleicht darin sonnen, welch "tolle Analyse" sie ja zu Exact Sciences gemacht hätten - Blah, Blubb, Bläh. 😛

Ich nicht. Ich sage klipp und klar, ich bin von der Nachricht ebenso überrascht wie Sie. Ich hatte keine Ahnung, dass das diskutiert wird und kann Ihnen heute auch kein bischen sagen, ob und was da dran ist oder nicht.

Ich bin aber *nicht* überrascht, dass überhaupt so ein Schub kommt. Genau diese Chance hat mir ja die Markttechnik - das "Hochschmelzen" - signalisiert und deshalb bin ich auf die Aktie aufmerksam geworden, die statt Krebs-Tests auch Verhütungsmittel herstellen könnte, es hätte keinen Unterschied gemacht.

Wie ist das möglich? Ganz einfach, weil man viel reden kann, wenn es aber darum geht in eine Aktie zu investieren, muss man kaufen und das zeigt sich im Volumen und in steigenden Kursen. Die Wahrheit liegt eben auf dem Platz.

Wir müssen uns auch klar machen, dass der Moment in dem solche Gerüchte in den Medien auch die völlig ahnungslose Mehrheit erreichen - wie uns - in der Regel nicht der Moment ist, in dem die Gerüchte entstehen.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, wurde die Frage einer Übernahme durch Illumina, schon bei Investoren diskutiert, die weit näher am Unternehmen sind. Und wenn die das Gerücht für belastbar halten, dann kaufen die und das zeigt sich wie? Eben in dem eine Aktie so hochschmilzt, wie sie das getan hat.

Erst viel später wird dann "Joe Sixpack" - also wir 😛 - durch die Medien auch auf das aufmerksam, was andere schon vorher auf dem Radar hatten.

Hier war also schon eine Art "fundamentale Ursache" für die plötzliche Stärke in der Aktie vorhanden und sei es auch nur ein mehr oder weniger qualifiziertes Gerücht. Wir hatten aber keine Ahnung davon, weil andere im Markt mehr wussten und es vor allem früher wussten als wir.

Trotzdem konnten diese "Anderen", diese "Insider" sich nicht vor uns verstecken, denn sie mussten ja beständig kaufen. Und das konnten wir in dem Muster des zulaufenden Dreiecks unter Volumen erkennen.

Markttechnik hat uns also einen Blick in die unmittelbare Gegenwart gewährt und uns damit besser für die Zukunft aufstellen lassen, als ohne dieses Wissen.

Markttechnik kennt aber immer noch nicht die Zukunft, darum geht es nicht. Vielleicht wird heute das Gerücht hart dementiert und alles fällt wieder zusammen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht stehen auch noch ganz andere Gründe hinter dem Schub, die wir nicht kennen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Markttechnik sagt uns aber mit Erfahrungswerten, was wahrscheinlicher ist, weil sich Muster eben immer wiederholen. Und da gilt nach dem "Measured Move Prinzip", dass nach so einem initialen Schub eher noch mehr nachkommt. Das ist nicht sicher, aber doch wahrscheinlicher, als dass alles wieder zusammen bricht.

Ich hoffe, ich konnte an dem Beispiel noch einmal das Prinzip deutlich machen. Denn der Preis (die Kurse) sind der ultimative Richter. In ihnen kristallisiert sich das gesamte Wissen des Marktes im "Hier und Jetzt" und wenn diese Preise plötzlich stark steigen, obwohl dafür kein Grund sichtbar ist, dann gibt es sehr wohl einen Grund, wir kennen ihn nur (noch) nicht.

Nichts gibt uns so ein ehrliches und ungeschminktes Bild auf die Wahrheit des Marktes, wie der Preis.

Und die Markttechnik in all ihren Unterarten ist die Methodik, mit der wir diesen Preisbewegungen Struktur und Aussagekraft geben und daraus Wahrscheinlichkeiten für die Zukunft ableiten können.

Und deshalb gilt:

Der Preis ist der ultimative Richter

Oder in etwas griffigerer Formulierung in Anlehnung an Fussball-Weisheiten:

Die Wahrheit liegt auf dem Platz!

Denn "auf dem Platz" kann sich niemand vor uns verstecken. Vorher und hinterher, bei all dem Gerede und Geschwätz vor und nach dem Spiel, aber schon.

Ob EXAS nun von ILMN übernommen wird oder nicht, weiss ich aber immer noch nicht. Und die Markttechnik auch nicht. Das weiss abseits von den echten Insidern, schlicht *Niemand*.

Aber wenn ein Kurs stark steigt, dann steigt er stark und das ist Botschaft genug. Denn wo Rauch ist, da ist sehr oft eben auch Feuer!

Ihr Hari

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Aktueller Nachtrag:

Wenn Sie mir nun bis zum Ende des alten Artikels gefolgt sind, habe ich noch ein Schmankerl für Sie. Denn hier ist das Langfristchart von Exact Sciences (EXAS) mehr als 2 Jahre später, den Zeitpunkt des Artikels habe ich mit einem schwarzen Kästchen eingezeichnet:

Und erneut, die Markttechnik mit dem sichtbaren Volumenschub hat nicht "gewusst", dass das im Nachgang passieren würde. Niemand "wusste" das im Juli 2016, schon gar nicht die fundamentalen Daten von damals.

Die Markttechnik mit dem sichtbaren Volumenschub hat uns aber darauf aufmerksam gemacht, dass da etwas Relevantes in Bewegung gerät und großes Geld in die Aktie zu fließen beginnt. Und dieses Wissen hat offensichtlich jede Menge Wert!

Das leistet Markttechnik, nicht mehr, aber auch nicht weniger!

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Alle Charts und Markierungen im Artikel basieren mit Dank auf Charts von -> finviz.com <-