Window Dressing und der Fortsetzungstrade

Im Artikel -> der Weg zum Jahreswechsel <-, hatte ich Ihnen vor zwei Wochen gezeigt, wie ich den weiteren Verlauf zum Jahresende sehe und warum ich weiter von einem starken Jahresabschluss ausgehe.

Es scheint bisher ziemlich genau so zu kommen, den kleinen "November-Schluckauf" hatten wir wohl schon und insbesondere die US Märkte schieben weiter gnadenlos hoch.

Heute will ich Sie daher ganz kurz auf einen weiteren Aspekt des "Window Dressing" hinweisen, denn es führt nicht nur an der Oberfläche der Indizes dazu, dass das Jahresende einen guten Abschluss findet. Es führt vor allem auch dazu, dass die im Jahr besonders gut gelaufenen Aktien von den hinterher hängenden Fonds-Manager extra noch einmal gekauft werden, um sie im Depot zu haben und im Sinne "habe doch alles richtig gemacht" vorweisen zu könnnen.

Mit dem Jahreswechsel werden die Spielkarten dann aber neu gemischt, dann kann eine Sektor-Rotation stattfinden und sich neue Favoriten herausbilden. Und was im Vorjahr zu weit gelaufen war, kann dann zur Korrektur ansetzen - es muss nicht, es kann. Aber bis Ende des Jahres wird recht zuverlässig einfach fortgeschrieben, was schon das ganze Jahr erfolgreich war und auf diesen Mechanismus kann man auch ein paar Trades bis Weihnachten basieren.

Im Premium-Bereich haben wir das Thema schon letzte Woche unter dem Titel "Fortsetungstrades zum Jahresende" besprochen und dabei auch einige Beispiele diskutiert. Hier im freien Bereich, will ich Sie nur erneut auf den Umstand hinweisen und Ihnen ein paar Beispiele aus dem Umfeld der ganz grossen Bluechips zeigen, die für einen derartigen "Fortsetzungstrade" in Frage kommen (alle Charts von -> Finviz <-)

Alibaba (BABA), Home Depot (HD) und Paypal (PYPL) - wenig überraschende und keinesfalls neue Namen. Kann das so einfach sein?

Ja kann es, dieser Mechanismus zum Jahresende gehört zu den stabilsten überhaupt, was ihn immer noch nicht absolut sicher macht - sicher ist am Markt gar nichts. Aber dieser Mechanismus ist so wahrscheinlich, dass darauf zu setzen sich in der Mehrzahl der Jahre immer wieder gelohnt hat, zumal die Namen vom Investmentgedanken her ja auch keine Hasardeur-Aktien sind.

Wenn Sie weitere Namen suchen, schauen Sie mal in meine Tweets auf der rechten Seite des Blogs oder suchen Sie sich selber grosse Aktien, die das ganze Jahr gut gelaufen sind und idealerweise gerade eine kleine Konsolidierung hingelegt haben.

Denken Sie aber daran, dass dieses Spiel mit dem Jahreswechsel beendet ist, es ist also ein temporäre Wette auf die letzten Wochen des Jahres. Was nicht im Umkehrschluss bedeutet, dass diese Aktien dann fallen müssen, aber die "Sonderkonjunktur" zum Jahresende ist halt vorbei.

Viel Erfolg!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Überlassen wir 2018 noch der Prognosiritis

Letzte Woche habe ich Ihnen in -> Der Weg zum Jahreswechsel <- gezeigt, wie ein wahrscheinlicher Pfad zum Jahreswechsel aussieht und dass darin eigentlich noch ein begrenzter "November-Schluckauf" Platz hat.

Nun, letzte Woche hat sich dieser "Schluckauf" vielleicht schon in Gang gesetzt, zumindest in den europäischen Indizes wie dem DAX ist er schon zu sehen und die US Indizes könnten diese Woche auch leicht korrigieren.

Deshalb expandiere ich heute mal das Chart von letzter Woche und zeige Ihnen, was das im Leitindex SP500 bedeuten würde:

Wir sehen die Pfade (1) und (2), die beide auf den naheliegenden Unterstützungen drehen und beide extrem bullisch und bestätigend zu werten sind.

Erst wenn der Markt Pfad (3) einschlägt, muss man auch andere Varianten in Erwägung ziehen, wobei auch Pfad (3) bei einer Wende im Bereich 2.500 immer noch völlig gesund und normal wäre.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch das Marktsentiment. Das hat sich nicht nur bei den anhand technischer Daten gemessenen Indikatoren wie dem -> Fear and Greed Index <- wieder normalisiert, auch Joachim Goldberg berichtet -> hier <- treffend von einer vorsichtigen Haltung, die für den DAX positiv zu sehen ist, bei der Unterstützung um 12.900 wird es nach meiner Erwartung wieder interessant.

Und ich beobachte selber, auf welche Skepsis alle Hinweise bei normalen Anlegern treffen, dass dieser Markt durchaus weiter hoch laufen kann. Da stösst man schnell auf Widerstand, während es bei Warnungen dass dieser Markt gefährlich ist, sofort wohlgefälliges Kopfnicken gibt. Ich habe auf diesen Umstand zuletzt -> hier bei Tichy <- hingewiesen, viele Anleger erreichen kann man damit aber nicht, mit Horrorgeschichten vom nächsten Crash dagegen ohne Probleme.

Wirklich erfahrenen Anlegern - und ich hoffe Sie gehören dazu, wenn Sie meine langen Texte durchhalten 😉 - sollte das aber etwas über den Bias sagen, der im Markt vorhanden ist. Die "Herde" ist immer noch eminent skeptisch, die Profis in den US dagegen eher optimistisch, aber in Form eines nervösen Optimismus, der den Finger jederzeit am Abzugsknopf für den Notausgang hat.

-> Dieser nette Artikel <- macht zum Thema einen validen Punkt, den ich mal übersetzen möchte:

As such, independent investor sentiment levels about the stock market are about as euphoric right now as a stomach ulcer.

Das Sentiment der nicht-institutionellen Investoren zum Aktienmarkt ist ungefähr so euphorisch wie ein Magengeschwür.

Volltreffer und gleichzeitig sind die Wirtschaftsdaten um den Globus herum durchweg auf Expansionskurs. Passt nicht so recht zusammen, oder?

Was kann man da Anlegern raten?

Nun, zunächst einmal will ich Niemandem etwas raten, Anleger machen doch sowieso was Sie wollen, wenn es klappt sind sie die Helden und wenn nicht, sind die Informationsquellen schuld. 😉 Bei uns in der Community ist das anders, da sucht man im Spiegel den Schuldigen, das ist aber eine kleine Minderheit und das ist gut so.

Aber Anlegern, die keine Erfahrung im Markt haben und bis jetzt gezögert haben in den Markt einzusteigen, die sollten es jetzt wirklich sein lassen. Es gab viele bessere Punkte um die erste Aktie zu kaufen und der Markt ist ja auch objektiv unter der Decke verzerrt und daher inhärent riskant. Unerfahrene Anleger werden bei der nächsten unvermeidlichen 10-20% Korrektur nur in Panik geraten und ihr kurzes Gastspiel mit Verlust abschliessen.

Wer aber erfahrener ist, wer weiss wie man konsequent aussteigt wenn ein Trend sich dreht und wer ein Risikomanagement besitzt, der kann vorerst dabei bleiben, denn der Aufwärtsttrend ist intakt und die Aussichten zum Jahresende von den Wahrscheinlichkeiten her nicht schlecht. Wie letzte Woche erklärt, wird das Jahresende vielleicht stark sein, gerade *weil* das Jahr so stark war.

2018 ist dann eine völlig andere Geschichte, ein Dip im Konjunkturzyklus wahrscheinlich und die unvermeidliche - aber in 2017 ausgefallene - 10-20% Korrektur irgendwann mal fällig. Nur wann diese kommt ist weiter offen und vor allem muss das erfahrene Anleger heute nicht interessieren.

Die schauen auf die Füsse statt ins Wolkenkuckucksheim und sind auch nicht im Geschäft der -> Prognosiritis <-, weil diese völlig unproduktiv und sinnlos ist. Das Geld wird mit den Kursen verdient, die jetzt zwischen heute und Weihnachten aufgerufen werden und nicht mit Spekulationen über 2018. Und Aussteigen kann man bis zum oder zum Jahresende dann immer noch, wann immer es geboten erscheint.

Überlassen wir 2018 also mal noch den Prognostikern, die alle so eine tolle Glaskugel haben. Übrigens hat von denen letztes Jahr niemand, absolut niemand, das Jahr 2017 richtig auf dem Radar hatte. Schauen Sie noch einmal -> hier im Überblick <-, was diese vor einem Jahr geschrieben haben. Ganz grosses Kino im Herdenverhalten. 😉

Das wird die aber nicht davon abhalten, dieses Jahr wieder mit gewichtigem Gesicht das Offensichtliche fortzuschreiben und es wird viele Anleger wieder nicht davon abhalten, das ernst zu nehmen. Na dann viel Spass dabei, irgend jemand muss uns ja auch die Aktien verkaufen, die wir kaufen wollen oder umgedreht. 😉

Wenn Sie für kommendes Jahr sicherer sein wollen, lassen Sie das mit den Prognosen gleich ganz sein und schauen Sie wie beim Bergsteigen auf die Füsse. Irgendwann kommt man dann schon am Gipfel an, wenn man bei jedem Schritt aufgepasst hat nicht in den Abgrund zu stürzen. Hans-Guck-In-Die-Luft mit den grossen Prognosen, die das Ego vom Hans dann dem Markt "beweisen" will, weil alle andere im Markt ja nur Idioten sein können, ist da schon eher absturzgefährdet.

Übrigens, Bergsteiger mit intelligentem Risikobewusstsein und solche die es werden wollen, werden bei uns in der Community weiter gerne aufgenommen. "Weissager", "Alles-Besser-als-der- Markt-Wisser" und "Glaskugelbesitzer" werden sich dagegen eher deplatziert fühlen. 😉

Zum Jahreswechsel wird es übrigens eine Preissteigerung für Neumitglieder geben, vielleicht ein Grund mit dem Bergsteigen schon 2017 zu beginnen und die blöde Glaskugel wegzuwerfen, die sowieso nur "Made in China" ist und nicht funktioniert.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der Weg zum Jahreswechsel

Wir alle würden ja gerne wissen, was die Zukunft bringt. Schon ein kleiner Zettel mit dem DAX-Stand des 22.12. vor Weihnachten, würde ja genügen, einen intelligenten Menschen reich zu machen. Denn wenn man den exakten DAX Stand zu einem Zeitpunkt sicher kennt, könnte man alle möglichen Kredit- und Margin-Hebel in Bewegung setzten, um mit dem ganzen Vermögen und maximal möglichem Hebel darauf zu setzen.

Wir haben dieses Privileg aber nicht und alle Prognosen sind auch nur nette Raterei, am Ende ist die Zukunft offen.

Alles was wir haben sind Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten, die funktionieren aber erstaunlich gut, wenn man bereit und in der Lage ist, sich darauf einzulassen, statt nach etwas wie absoluter Sicherheit zu suchen, das es sowieso nicht geben kann. Wir müssen -> die Unsicherheit eben lieben lernen <-.

Die bekannteste Tendenz ist dabei der Trend und der ist das ganze Jahr schon hoch. Wenn wir den für den Leitindex S&P500 fortschreiben und einen kleinen Schluckauf im November vorher einplanen, sieht das Chart dann so aus:

Das ist ein realistische Annahme zum Jahresende. Nicht sicher, aber gut wahrscheinlich. Und dann haben wir noch eine zweite bekannte Tendenz, die berühmte Jahresendrally.

Nun kann man ja mit Fug und Recht argumentieren, dass der Markt schon das ganze Jahr nicht getan hat, was die Mehrheit erwartet hat und deshalb eine echte Korrektur genau dann kommen sollte, wenn keiner damit rechnet - kurz vor Weihnachten.

Ich bin weit davon entfernt, das als Möglichkeit in Abrede zu stellen, möglich ist fast alles, aber ich halte es für eher unwahrscheinlich. Denn die Jahresendrally hat ja einen Grund, die kommt ja nicht einfach vom Himmel herab, weil die Börsen Weihnachtsgefühle haben. Die typische Jahresendrally hat in hohem Masse auch mit Anlagedruck der Institutionellen Anleger zu tun - auch gerne Window Dressing genannt - und wann ist dieser Anlagedruck wohl am Grössten?

Sie ahnen es, in Jahren in denen die Mehrzahl dem Markt hinterher hechelt, weil dieser keinen sauberen Einstiegspunkt mehr gewährt - in Jahren wie 2017. Die Unterperformance zum Index dürfte für die meisten institutionellen Anleger in 2017 deutlich sein.

Ein Laie würde 2017 für einen einfach zu handhabenden Markt halten, der ist ja nur gestiegen. Diese "Einfachheit" entsteht aber nur im Rückblick, hinterher ist man halt klüger. Ein seriöser, institutioneller Anleger, der zum Beispiel in einem Family Office das Vermögen seiner Kunden verwaltet, kann aber nicht guten Gewissens in einem schon extrem überdehnten Markt einfach ohne Absicherung mit Vollgas mitfahren.

So ein Profi wird Absicherungsgeschäfte tätigen und die kosten ein wenig Performance. Und er wird bei Korrekturgefahr auch mal den Cash-Bestand erhöhen, was dann auch wieder Performance kostet, wenn der Markt wie das ganze Jahr 2017 dann doch wieder nach oben zieht.

Ein "einfacher" Markt ist ein nach oben laufender Trend, der schön zwischen Korrekturen und Aufwärtsbewegungen wechselt und dem klassischen Prinzip von "2 Schritte vor und 1 Schritt zurück" fröhnt. So ein Markt ist für einen erfahrenen Anleger ein leichter Markt, in dem er mit seiner Technik sogar eine Überperformance erzielen kann.

Wenn aber wie in 2017 jeder Korrekturansatz unterbleibt und der Markt nur eine Richtung kennt, ist das extrem schwierig zu handhaben. Nur ein Affe, der sich über Risiken keine Gedanken macht, kann da blind immer voll auf dem Gaspedal bleiben.

Nun ist eine gute Perfomance, die leicht hinter den Indizes bleibt ja kein wirkliches Problem. Für einen Fondsmanager aber schon, denn nach Gebühren wird das Delta noch grösser und die Rechtfertigung für das "Management" ist nicht da.

Und so macht so ein Jahr, in dem die Mehrheit hinter dem Markt hinterher hechelt, besonderen Druck auf das Jahresende und besonderen Druck die Gewinner auch noch ins Depot zu legen und ein paar Risiken auf der Long-Seite einzugehen. Und weil das so ist, hat die Jahresendrally auch 2017 wieder gute Karten.

Dieser Mechanismus kann eigentlich nur durch eine echte Richtungsänderung des Marktes ausser Kraft gesetzt werden, durch eine starke Abwärtsbewegung also und von dieser ist weit und breit nichts zu sehen. Nur eine sehr böse Überraschung wie ein Atomkrieg in Asien oder ein offener Konflikt im Nahen Osten mit brennenden Ölfeldern könnte den wohl triggern.

Wir tun also gut daran, auch dieses Jahr von der Jahresendrally auszugehen, gerade weil das Jahr davor schon so gnadenlos gut war.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Langfristige Investments in der kommenden technologischen Revolution

Heute möchte ich mal einen ganz grundsätzlichen Zusammenhang herstellen, der in meinen Augen immer noch unterschätzt wird. Ich tue das in einer abgewandelten und gekürzten Form basierend auf einem Artikel, den ich vor Monaten im Premium-Bereich geschrieben habe. Und ich schlage damit gleichzeitig den Bogen zur Auswahl von Aktien, die für einen ganz langfristigen Investitionsansatz geeignet sind.

Die aktuell gängige, einfache Logik dazu, die ich ja auch durchaus nicht verneine, ist sich einfach solide Aktien ins Depot zu legen, die schon 100 Jahre und zwei Weltkriege überdauert haben und sich durch hohen Cashflow auszeichnen. Das sind Aktien, die man zum Beispiel "Dividenden-Aristokraten" nennt und die jeder kennt.

Um es kurz zu machen, dieser Ansatz der "Dividenden-Aristokraten" ist sicher nicht falsch, er springt aber bei wirklich langfristiger Anlage - also für die kommenden Jahrzehnte - wahrscheinlich zu kurz.

Der Grund liegt darin begründet, dass wir vermutlich einen harten, geradezu brutalen Umbruch vor uns haben, gegen den die letzten 100 Jahre eine Phase gleichbleibender Ruhe waren. Die Stichworte dazu kennen wir alle, sie lauten "künstliche Intelligenz", "Robotics", "soziale Steuerung".

Es gibt viele Auswirkungen dieser Entwicklungen, die teilweise unsere heutige Phantasie übersteigen. So wird in 50 Jahren von heute, wohl nur noch eine Elite, eine Minderheit, einer Arbeit wie heute nachgehen. Es wird vielmehr ein Privileg sein, so gebraucht zu werden, dass man nicht durch Technik ersetzbar ist.

Diese Diskussion geht gerade leidenschaftlich los und einige halten diese Erwartung für übertrieben, weil ja in der Geschichte immer wieder solche technologiegetriebenen Umbrüche am Ende nicht zu weniger Jobs, sondern nur zu anderen Jobs geführt haben. Die Industrialisierung ist dafür ja ein Beispiel.

Ich will diese Diskussion hier im Artikel gar nicht ausführlich führen, da sie nicht der Kern dieses Artikels ist. Ich persönlich halte aber die Argumentation des "wird schon nicht so wild werden" für viel zu kurz gesprungen. Denn dabei wird versucht aus der Vergangenheit die Zukunft herzuleiten und es wird der grosse Unterschied übersehen, der diesen Wandel so einmalig macht.

Denn bisher war es immer so, dass Menschen die Arbeit machen mussten. So haben sich die Jobs in allen Umbrüchen immer nur verlagert, weil alte verschwanden und mit der neuen Technologie neue Jobs entstanden.

Im Saldo passte es aber wieder, auch wenn es immer wieder "abgehängte" Regionen oder Bevölkerungssschichten gab. Es "passte" deshalb, weil das Arbeitskräfteangebot prinzipiell gleich blieb bzw langsam mit der Gesamtbevölkerung stieg, nur Menschen konnten eben die Jobs machen und neue Jobs schafften bei den Menschen auch neue Nachfrage. Durch Technologie wurde also Arbeit verlagert, alte Nachfrage verschwand und neue entstand.

Was passiert aber, wenn durch künstliche Intelligenz und Robotics beliebig skalierbare Milliarden neuer Arbeitskräfte im historischen Massstab plötzlich "einfach da" sind und wettbewerbsfähiger als wir sind - und diese gleichzeitig keine Konsumenten sind (ausser Energie), diese also Arbeit übernehmen aber keine neue Konsumnachfrage schaffen?

Sicher wird auch dieser Prozess nicht über Nacht ablaufen, sondern vielleicht zwei oder drei Jahrzehnte andauern. Aber das ist historisch ein Wimpernschlag und vor allem bedeutet es, dass viele Menschen in ihrem Leben vom "System" ausgespuckt und nicht mehr gebraucht werden. Das ist nur vergleichbar dazu, dass nun eine Flotte von Raumschiffen von Aliens landet und plötzlich Milliarden Maschinenwesen auf den Planeten kommen, die uns jede Arbeit aus der Hand reissen.

Das Arbeitskräftepotential wird dadurch beliebig hochskaliert und ist nur noch durch Energie und Technologie begrenzt. Darauf die Logiken des Wandels der letzten 200 Jahre anzuwenden, bei dem die Jobs nur zwischen Menschen umverteilt wurden, ist völlig verfehlt.

Erneut, ich beschreibe das Problem hier nur grob, weil ich daraus eine Schlussfolgerung ziehen will. Die Diskussion ob das so kommt oder nicht ist sicher hochspannend, hat aber auch noch viele, viele andere Facetten. So zum Beispiel die Tatsache, dass Individualität und Freiheit durch Überwachungs-Technologie weltweit massiv unter Beschuss gerät und die, die den Menschen im Sinne -> Gustave Le Bon < - zu einem gesteuerten Schaf in der Masse machen wollen, neue schlimme Mittel in die Hand bekommen, wie in Sachen Chinas Diktatur zuletzt -> auch hier in der Süddeutschen < - zu lesen war.

Alles was ich klar machen will ist, dass vor uns ein brutaler Umbruch steht, der sich über die nächsten Jahrzehnte hinzieht und bestenfalls - wenn überhaupt - mit der ersten industriellen Revolution zu vergleichen ist. Und Technologie ist der Treibstoff dieses Umbruchs.

Dieser Umbruch wird in der Übergangszeit zu massiven, sozialen Verwerfungen und politischen Instabilitäten führen, bevor die Menschheit danach wieder ein eingeschwungenes Mass finden kann und sei es auch im sehr negativen Szenario für die Mehrheit nur die "Nährlösung" ala Matrix im Sinne "Saft und Spiele". 😉

Und dieser Umbruch wird auch vor der Unternehmenslandschaft nicht halt machen, 150 Jahre alte Unternehmen, die schon zwei Weltkriege überdauert haben, werden untergehen und ganz Anderes an ihre Stelle treten, das wir uns heute gar nicht vorstellen können.

Sicherheit gibt es nicht, alles kommt auf den Prüfstand und in die Mangel einer grossen Umwälzung mit ihren massiven soziologischen Folgen. Und die politischen Widerstände und Kämpfe gegen den Wandel werden gnadenlos und garantiert bei dem Wort "Kapitalismus" abgeladen, wo es doch vor allem der technische Fortschritt ist.

Und damit kommen wir zu meinem eigentlichen Thema, nämlich was das mit einer sehr langfristigen Geldanlage zu tun hat.

Die Antwort ist extrem viel. Denn kennen Sie noch die Manufakturen, die die Wirtschaft vor der industriellen Revolution geprägt haben? Kennen Sie die beherrschenden Hersteller von Pferdefuhrwerken, die sich auch über hunderte Jahre als "Hoflieferant" einen Namen gemacht hatten? Natürlich nicht. Der Punkt ist, die Zeit ist darüber hinweg gegangen.

Der Punkt ist aber auch, dass die letzten 100 Jahren, trotz zweier Weltkriege, relativ stabil waren, was wirtschaftlichen Erfolg angeht. Nicht nur die Autos fahren immer noch mit den gleichen Grundprinzipien wie vor 100 Jahren, auch der Verkauf und die Verteilung von Gütern aller Art, wurde bis vor wenigen Jahren, immer noch in Mehrheit mit den Methoden von vor 100 Jahren abgewickelt - Läden "an der Ecke" und deren Zulieferer aus dem Grosshandel eben. Und Unternehmen wie General Electric stellen am Ende immer noch die gleichen Dinge her, nur technologisch weiter entwickelt. Die Protagonisten des grossen, disruptiven Umbruchs dagegen, sind zwar schon da, dominieren aber noch nicht endgültig. Aber das wird sich rapide ändern.

Mein Punkt ist, die nächsten 100 Jahre werden viel brutaler als die letzten 100, einen ganz grundlegenden Wandel unseres Lebens und unserer politischen und sozialen Systeme herbei führen und deshalb ist es zu kurz gesprungen und höchst gefährlich, die erfolgreiche Existenz von Unternehmen in den letzten hundert Jahren, zum Massstab der langfristigen Geldanlage zu machen. Wer ist sich zum Beispiel sicher, dass das Prinzip Walmart überlebt? Ich nicht, ich bezweifele es sogar. Der direkten Lieferung ins Haus via Roboter/Drohnen gehört die Zukunft. Und nicht die Immobilie in der Fläche, sondern die zentrale Logistik und der extrem schnelle Umschlag machen das Rennen. Und wer will auf hohe Cashflows setzen, wenn man das Schicksal der deutschen Versorger vor Augen hat? Ich nicht.

Und noch schlimmer, der ganze - grundsätzlich auch von mir unterstützte - Ansatz der "Dividenden Aristokraten" hat leider einen grundlegenden Selektionsfehler in sich. Denn kennen Sie das -> anthropische Prinzip in der Astronomie? < -. Es besagt unter anderem, dass die Erde nur deshalb so absolut einzigartig und lebensfreundlich ist, weil wir hier sind um sie zu beobachten. Religiös wird daraus gerne ein Gottesbeweis gemacht, aber die Realität ist profaner - nur weil die Erde so lebensfreundlich ist, konnte sich Intelligenz bilden, die dann über das antropische Prinzip und Götter philosophiert. Sie *muss* also so lebensfreundlich und einzigartig sein, es geht gar nicht anders, weil wir da sind.

Weiterlesen ...Langfristige Investments in der kommenden technologischen Revolution

Investieren ist so einfach, aber ….

Der folgende Grundlagenartikel ist leicht abgwandelt im Januar diesen Jahres im Premium-Bereich erschienen. Er richtet sich an alle, die erst damit beginnen, ihren Weg am Markt zu suchen oder die bisher nie so richtig auf einen grünen Zweig gekommen sind. Denn er adressiert ein Grundproblem vieler Anleger.

-------------------

"Investieren" ist die Tätigkeit, mit der fast jeder anzufangen versucht, der mit dem Markt zum ersten Mal in Kontakt kommt.

Man könnte etwas spitz fragen: Woran erkennt man den totalen Anfänger, der noch viele, viele Fehler vor sich hat?

Die Antwort ist: "Er kann das Wort Buffett schon buchstabieren, ist von Value-Investing fasziniert und fängt an Buchwerte zu vergleichen, um selber "Perlen" zu entdecken. Und wenn er ein KBV von 0,5 findet, dann wird er ganz nervös." 😉

Ja, ich weiss, das ist ein wenig böse, aber mit dem berühmten Schuss Wahrheit. Die längere Erklärung, warum dieses Denken Anfänger auszeichnet und warum es eher der falsche Ansatz ist, steht in einem Artikel von 2014, den Sie kennen sollten:
-> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und vom Zerrbild des Value-Investing < -

Man soll ja aber nicht nur erklären wie es nicht geht, sondern auch zeigen wie es geht. Und das will ich heute und in einem zweiten Folgeartikel beispielhaft tun. Und Ihnen dann im Folgeartikel den Aufbau eines sehr einfachen Investitionsdepot liefern.

Vorher müssen wir aber noch einmal ins Theoretische. Denn zunächst einmal möchte ich betonen, was auch in obigem Artikel sehr nachdrücklich geschrieben wurde:

Für (fast) jeden von uns ist es wichtig, ein ruhiges Basisdepot zu haben, mit dem wir mit begrenzten Risiken, einfach mit dem Markt mitlaufen!

Das gilt auch für Trader, auch denen tut diese ruhige Basis in der Regel gut und mit dieser Basis ist es auch nicht das Ziel "den Markt zu schlagen", sondern einfach nur mit beherrschbaren Risiken mit dem Markt mitzulaufen - zu investieren eben. Denn das ist schon mehr, als viele schaffen, die sich für klüger als der Markt halten und genau deshalb am Ende schlechter abschneiden.

Denn es gibt zwei Arten den Markt schlagen zu wollen.

Die eine Methode ist die Methode der Markttechnik. Das ist die Methode, die wir hier auf Mr-Market präferieren. Der Kern dieser Methode ist, dass wir den Markt genau beobachten und so seine grossen Schwingungen mitnehmen bzw die Täler vermeiden.

Diese Methode ist schwierig genug und der Markt ist ein harter Gegner. Aber sie ist auch für normale Anleger realistisch umsetzbar und wir haben als kleine Anleger da keinen unaufholbaren Nachteil gegenüber den Profis.

Die andere Methode, mit der man den Markt schlagen kann, ist die Fundamentale. Bei der Methode, muss es das Ziel sein, zu einer Aktie sozusagen "klüger zu sein" als der Markt. Heisst konkret, dass man die Zukunftsaussichten, die Risiken, die Geschäftserwartungen usw des Unternehmens besser einschätzen kann, als das, was schon in den Kursen enthalten ist.

Genau das ist die Grundlage davon, am Markt "unentdeckte Perlen" zu entdecken. Genau das ist die Grundlage von "Value-Investing" und vielen anderen Arten, nach fundamentalen Gesichtspunkten Aktien zu selektieren.

Das Dumme ist, diese Methode ist für uns als Individuen *noch viel schwieriger* als die Methoden der Markttechnik. Denn das was die Kurse ausmacht, ist ja schon das Ergebnis eines Erkenntnisprozesses, an dem alle Marktteilnehmer mitgewirkt haben. Und die sind nicht doof, denn das sind auch Sie und ich und dann noch all die Profis dazu, die weit bessere Informationsquellen als wir haben.

Beschreiben wir das fundamentale Wissen um eine Aktie mal mit Schulnoten. Sagen wir, dass die Qualität dessen, was der Markt an öffentlichem Wissen über eine Aktie besitzt, einer Schulnote 3 entsprechen würde.

Wenn das so ist, hat der normale Anleger, der einen oder zwei mediale Artikel zu so einer Aktie liest und daraus seine fundamentale Entscheidung ableitet, die Schulnote 5. Der weiss bestenfalls Bruchstücke und definitiv viel weniger als der Markt. Er bildet sich aber gerne ein, wie unglaublich klug er ist. 😉

Nun nehmen wir an, dieser Mensch ist fleissig, er begnügt sich also nicht mit dem Artikel und forscht selber. Er liest vieles über die Aktie, studiert den Geschäftsbericht und saugt Informationen auf. Je nach dem wie gut und intensiv er das macht, erreicht er Schulnote 4 und nähert sich bei viel Fleiss der Note 3 an, weil er nun auch weiss, was der Markt schon in den Kurs der Aktie eingearbeitet hatte.

Das erfordert schon sehr, sehr viel Fleiss und ist für normale Anleger mit Beruf, nur für sehr wenige Werte gleichzeitig möglich. Nur schlagen kann der Anleger den Markt damit immer noch nicht. Aber wenigstens mit dessen Wissen gleich ziehen, das ist ja schon was.

Erst wenn besonderes Wissen oder Einsicht hinzu kommt, das/die die Mehrheit nicht besitzt, dann hat der Anleger die Chance die Note 2 zu erreichen und damit "klüger" als der Markt zu sein. Und dieses "Besondere" sind zum Beispiel besondere fundamentale Branchenkenntnisse, also Wissen, dass nur jemand hat, der auch in der Branche unterwegs ist.

Das kann zum Beispiel jemand sein, der in genau der Branche arbeitet und daher tiefere Einsichten hat oder jemand der sich seit vielen Jahren mit der Thematik befasst hat, die das Geschäftsmodell der Aktie bestimmt. Solche Menschen haben überhaupt erst die Chance, einen echten Mehrwert bei fundamentaler Betrachtung zu erzielen - die anderen eher nicht.

Und um da hin zu kommen, erfordert es Fleiss, Wissen, Erfahrung, Fleiss, Wissen, Erfahrung. Nichts was man "mal eben" am Nachmittag im Internet macht.

Genau das - dieser "Note 2 Zustand" - ist auch der Zustand, den gute (Value-)Investoren zu erreichen suchen. Sie haben sich dann so tief im Unternehmen eingegraben und sein Umfeld so intensiv abgeklopft, dass sie tatsächlich für diesen einen Wert etwas "klüger" als der Markt sind. Sie wissen mehr und können die Zukunft besser einschätzen.

Was glauben Sie wohl, was Buffetts Leute gemacht haben, bevor sie aktuell diesen -> eher kleinen Mittelständler < - gekauft haben. Sie haben über Wochen und Monate gegraben, intensiv mit dem Management gesprochen, abgewogen und den Markt sondiert. Und dann - dann! - haben sie zugeschlagen, nicht nur weil ein oder zwei Finanzkennzahlen gut aussehen.

Da der Markt aber schon ein hohes Mass an Wissen über die börsennotierten Unternehmen vereint, besteht der Preis für so eine Strategie, neben hoher Qualifikation aus enorm viel Zeit und Energie, die man einsetzen muss. Das ist etwas das der normale Anleger im Normalfall gar nicht aufbringen kann, zumal auch oft die Grundlagen fehlen. Denn ein Geschäftsmodell korrekt einzuschätzen ist ja nichts, das man einfach so kann, das ist das Ergebnis von viel Erfahrung. Wie ich mich da trotz all meiner massiven Erfahrung realistisch selber einschätze, habe ich im oben verlinkten Artikel deutlich gemacht, das sollte Warnung für jeden sein, der weiss was Demut ist.

Aber, es geht durchaus diesen Zustand zu erreichen. Der fundamentale Pfad sich einen Edge zu erarbeiten, funktioniert durchaus, ich will hier nicht Value-Investing schlecht reden, im Gegenteil. Aber es hat eben einen hohen zeitlichen und intellektuellen Preis.

Absurderweise ist aber genau das die Methode, in der fast jeder Aktien-Anfänger in grenzenloser Selbstüberschätzung versucht, seine ersten Schritte am Markt zu machen. Das sind dann die, die ich oben mit "kann das Wort Buffett schon bustabieren" etwas sarkastisch beschrieben habe. Ich habe da eine Aktie "entdeckt" - dieser Satz sagt schon alles und ist der zuverlässige Vorbote grosser Enttäuschungen. 😉

Weiterlesen ...Investieren ist so einfach, aber ….

Siehste – vom *Müssen* des Marktes



Ich weiss, ich weiss. "Siehste" Beiträge mit dem langen, oberlehrerhaften Finger des Lehrer Lämpel sind nicht sehr beliebt. 😉

Aber ich versuche hier ja auch nicht Leser um jeden Preis mit Versprechungen des schnellen Geldes an Land zu ziehen, sondern wünsche mir Mitglieder, die aus eigenem Entschluss erkennen, dass sie ihre Herangehensweise an den Markt ändern müssen. Denn nur so kann sich nachhaltiger Erfolg einstellen.

Und das heutige "Siehste" ist sehr wichtig, denn es zeigt Ihnen einen Kardinalfehler, der von sehr vielen Anlegern immer wieder gemacht wird. Immer wieder!

Denn wenn ein Markt steigt und steigt und neue Höchststände erklimmt, stellt man sich gerne emotional dagegen, ist skeptisch und bekommt warme Gefühle beim Lesen all der Crash-Propheten, die einem erzählen, dass dieser Markt ja "irrational" sei.

Warme Gefühle bekommt man wegen des eigenen Egos, denn wenn man nicht dabei ist und der Markt immer neue Gewinne generiert, setzt einen das ja unter Druck. Mit dem Bild des "irrationalen Marktes" kann man sich der wirklich wichtigen aber auch schmerzhaften Frage entziehen, ob man nicht vielleicht einen grossen Fehler gemacht hat. Auf die Argumente der Marktskeptiker zu hören, ist dann also nur eine fortgeschrittene Variante des beliebten "Wegschauens" und "Verdrängens", wenn einem die Wirklichkeit nicht gefällt.

Wer also in einem stark steigenden Markt nicht dabei ist, sucht gerne "Erleichterung" bei allen, die ihm Argumente liefern, warum die im Markt ja "Idioten" und "Lemminge" seien. Und wenn es viele von dieser Kategorie gibt - und das ist aktuell immer noch der Fall - muss ein Markt deshalb weiter steigen.

Genau deshalb habe ich Ihnen vor knapp 2 Wochen in -> Stärke gebiert Stärke <- geschrieben, dass ein starker Markt nicht einfach auf dem Fusse dreht, sondern eher weiter nach oben läuft.

Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, die Akzeptanz dieser Wahrheit ist bei Ihnen im freien Bereich nur sehr gering ausgeprägt. 😉 Und nun sind zwei Wochen vergangen und der Markt ist weiter hoch gelaufen und ist immer noch überkauft. Aber jetzt *muss* er korrigieren, jetzt *muss* der Markt doch endlich mal drehen, so sagt Ihnen Ihr Ego heute.

*Muss* er? Die Wahrheit ist, der Markt *muss* gar nichts und in einem so starken Markt, ist eine Fortsetzung des Trends gut möglich.

Die gleichen Anleger aber, die so einen Markt für "irrational" halten und schon lange nicht mehr dabei sind, würden dann, wenn der Markt 20-30% korrigiert hat, zugreifen wollen. Weil dann sind viele gute Aktien ja "billig".

Sind Sie das? Schauen wir mal auf diese beiden Charts des DAX im Jahre 2011 und des S&P500 im Jahre 2008:

Da, wo ich in den Charts zum Zwecke der Erklärung den notwendigen Exit mit blauen Pfeilen markiert habe, dort wäre der Markt für diesen Typus Anleger - der sich klüger als der Markt wähnt - "billig" gewesen und Anleger hätten mit dem gleichen Argument zugegriffen, mit dem sie heute an der Seite stehen.

Nun gut, wenn ich Sie nicht überzeugen kann, dann machen Sie einfach weiter so. Pflegen Sie Ihr Ego, suhlen Sie sich im Gefühl zu den "Querdenkern" zu gehören, die die Irrationalität des Marktes als Einzige erkennen können. Glauben Sie einfach weiter klüger als der Markt zu sein. "Be my guest", ein Markt braucht diesen Typus Marktteilnehmer. 😉

Wenn Sie sich aber darüber erheben können, wenn Sie erkennen können, wie Ihr Ego auf Ihr Handeln einwirkt, dann wiederhole ich für Sie sechs Grundregeln:

(1) Stärke gebiert Stärke

(2) Schwäche gebiert Schwäche

(3) Ein Markt der neue Hochs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Topbildung zu entwickeln.

(4) Ein Markt der neue Tiefs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Bodenbildung zu entwickeln.

(5) Ein Markt der neue Hochs generiert, ist wenig anfällig für einen Crash

(6) Ein Markt der schon 20% verloren hat und weiter abwärts bröselt, ist sehr anfällig für einen Crash.

Und natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme und irgendwann, wird es auch mal einen Crash direkt folgend auf neue Hochs geben. Falls heute Nacht ein Atomkrieg in Ostasien ausbrechen würde, würde das wohl so sein. Aber nach diesen Ausnahmen zu handeln macht keinen Sinn, das ist das unkontrollierbare Restrisiko des Lebens. Wir müssen am Markt nach dem handeln, was wahrscheinlich ist.

Nun alles klar? Wenn nein, kann ich Ihnen nicht helfen. Wenn ja, ist Ihre Aufgabe als Anleger, nach diesen Prinzipien zu handeln. Ihrem Depot wird es langfristig gut tun.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Von Opportunismus und Handelssetups

Heute teile ich mit Ihnen im freien Bereich einen Artikel, den ich am 09.02.17 für den Premium Bereich geschrieben habe.

Es geht darin um etwas sehr Grundsätzliches und sehr Wichtiges, die Trennung opportunistischen Handelns von langfristigen Investmentgedanken.

Und darum, wie absolut entscheidend gnadenloser, chancenorientierte Opportunismus für die ist, die als Trader mit Markttiming einen Gewinn erzielen wollen.

Was wir glauben und wünschen ist dabei völlig egal, alleine was der Preis uns sagt zählt. Die Wahrheit des Traders liegt eben auf dem Platz (im Chart).

Ich bin sicher, die Mehrheit von Ihnen, die Sie das hier nun lesen, verstösst gegen diese klare Trennung von Investment und opportunistischem Handeln. Um so wichtiger ist, sich das bewusst zu machen!

Ich wünsche gute Erkenntnisse!

---------------------------

Wir haben in den letzten Wochen im Premium Bereich einiges über Investments besprochen. Heute möchte ich den Blick mal wieder auf den kurz- und mittelfristigen, opportunistischen Handel richten.

Voraus schicken möchte ich aber erneut eine Warnung, diese beiden Dinge nicht miteinander zu vermischen!

Ich weiss, diese Warnung wird trotzdem teilweise unverstanden verhallen, denn wenn ich die Argumentation vieler Anleger "da draussen" in Foren lese, warum sie gerade jetzt eine Aktie kaufen oder verkaufen wollen, ist es zu oft eine wirre und intellektuell gruselige Mischung von langfristigem, fundamentalen "Hopium", verbunden mit dem kurzfristigen aber fehlgeleiteten Versuch, den Markt durch Herumraten zu Timen.

Das Irre dabei ist, diese Anleger fühlen sich dabei subjektiv auch noch als "Investoren", während sie in Gedanken permanent herum rätseln, ob der Kurs nun Morgen hoch oder runter geht. "Trader", die opportunistisch einen Edge identifizieren, sind sie aber auch nicht, eher Schafe, die von Angst und Gier getrieben dem Markt hinterher laufen. "Investoren", sind sie aber auch nicht, denn das bedeutet fachlich weit mehr, als sich von Hopium erfüllt eine schöne Zukunft auszumalen oder ein paar Indikatoren der Vergangenheit wie KGV und KBV abzulesen. Letzteres war ja in den letzten Wochen klar Thema hier.

Faktisch ist es so, dass eine Aktie problemlos ein gutes langfristiges Investment sein kann und trotzdem kurzfristig ein klarer, taktischer Short. Oder eine Aktie kann gute Chancen auf schnelle 20% Gewinn bieten, gleichzeitig sich aber auf einem endlosen "tiefer geht immer" Pfad in den Orkus befinden, der zuverlässig mit der Insolvenz enden wird. Werfen wir kurz- und mittelfristige Handelserwägungen also auf keinen Fall gedanklich mit Investmentfragen in einen Topf. Die beiden Dinge haben *nichts* miteinander zu tun. Nichts! Punkt!

Wer einen klaren Kopf hat, dem sollte klar sein, dass mit diesem gedanklichen Wirrwarr kein Blumentopf abseits von Zufallserfolgen zu gewinnen ist. Und ich kenne auch keinen der so agierenden Anleger, der wirklich am Markt Erfolg hat, weder als Trader noch als Investor.

Nein, wenn wir handeln, müssen wir wissen *warum* wir handeln, auf welcher *Zeitebene* wir agieren und *wo* unser Vorteil (Edge) konkret gegenüber dem Markt liegt. Denn der Markt ist klug und hat alles was man auf einfache Art und Weise wissen kann, sowieso schon in den Kursen eingebacken, so dass sich kein leichter Edge ergeben kann.

Was es bedeutet wirklich Investor zu sein, darüber habe ich zuletzt geschrieben. Heute geht es darum, was es bedeutet ein Trader zu sein, der auf einen Differenzgewinn aus ist.

Und dabei steht ein Wort im Mittelpunkt: Opportunismus. Purer, gnadenloser Opportunismus, der die harte Wahrheit der Kurse, nicht mit Hoffnungen und Überzeugungen vermischt.

Und in diesem Stil will ich Ihnen heute beispielhaft zwei typische Situationen zeigen, die taktisch oft aussichtsreich sind. Nicht weil uns die Unternehmen interessieren und auch nicht, weil wir zu deren fundamentaler Entwicklung eine Meinung haben, sondern alleine aus der Price-Action abgeleitet, die durch bestimmte Muster mit Tendenz in eine bestimmte Richtung weist:

Flaggenstruktur am Beispiel Tesla (TSLA):

Der Klassiker ist die gegenläufige Flagge im bestehenden Trend. Damit diese ideal ist, muss das Abwärtsvolumen in der Flagge abflauen und dann mit dem Ausbruch nach oben wieder ansteigen. Gerne gibt es am Ende von Flaggen auch einen Fakeout in die Gegenrichtung, trotzdem generiert eine lange genug gelaufene Flagge oft einen guten Einstiegspunkt - wie hier bei Tesla:

Wie weit jetzt der aktuelle Schub geht, kann ich Ihnen nicht sagen, wenn man drin ist, kann man mit "Trailing Stops" arbeiten. Und man kann mit dem "Prinzip des measured Moves" ein grobes Gefühl für das Bewegungspotential entwickeln. Diese Themen wurden alle ausführlich hier im Premium Bereich behandelt.

Weiterlesen ...Von Opportunismus und Handelssetups