Der Zinswahn – eine Geschichte von Bienen, Selbstüberschätzung, Crowdfunding und Mittelstandsanleihen

Immer wieder begegnen mir Zinsvergleiche, in denen verzweifelte Anleger nach Wegen aus der EZB-Nullzinsfalle suchen. So ist mir -> aktuell hier < - auch wieder einer begegnet, in dem an der Spitze der Liste "Immobilien-Crowdinvesting" und "P2P-Kredite" mit einem "Zins" von über 7% genannt werden.

Heureka, wir werden reich! 😛

Nun ist das mit Worten aber so, dass sie gerne benutzt werden, um einen emotionalen Eindruck zu erwecken. So wäre das -> aktuelle Volksbegehren < - in Bayern kaum so erfolgreich, wenn es statt "Rettet die Bienen" alternativ "Rettet die Spinnen" heissen würde. 😛

Dabei geht es im Volksbegehren gar nicht, bzw. nur indirekt am Rande um Bienen, es geht um Maßnahmen in Sachen Artenvielfalt - insbesondere dessen was insektoid kreucht und fleucht (Spinnen eben). Die Maßnahmen sind komplex und diskussionswürdig, sie sind weder perse gut noch schlecht, man könnte da vieles diskutieren, das eine gutheissen und das andere ablehnen.

Mit der Überschrift "Rettet die Bienen" hat man aber eine an die Emotion appellierende, populistische Überschrift gefunden, die viele sofort unterschreiben lässt. Gehen Sie hier in eine Schule ihrer Wahl und sie werden diese Plakate mit netten, von den Kindern gezeichneten Bienen finden. Wer will schon gegen die Biene Maja sein, was sind das denn für miese Typen?. 😉

Ja ich weiss, das ist ein -> moderner Ablaßhandel < -, aber es wirkt eben. Ich erlaube mir zu wetten, dass wenn man bei denen die unterzeichnet haben im Anschluß ein Quiz machen würde, in dem sie nur drei! konkrete Maßnahmen des Volksbegehrens benennen sollten, mindestens 50% - wahrscheinlich viel, viel mehr - scheitern würden. Mit Spinnen wäre das Ding krachend gescheitert, das steht außer Zweifel, was viel über die Qualität von so Entscheidungen sagt.

Damit will ich, wie oben schon gesagt, ausdrücklich den wirklichen Inhalt des Volksbegehrens nicht pauschal kritisieren, der wäre differenziert zu diskutieren. Aber ein einziges Wort hat zum Erfolg geführt, nicht der Inhalt. Und das Wort lautet Biene!

Und so wie die Biene bei Umweltbewegten, setzt der Zins bei Renditejägern eben die emotionalen Säfte in Bewegung.

Und deshalb wird gerne "Zins" genannt, was strukturell oft eher den Charakter einer riskanten Beteiligung hat. Und das was sich "Aktie" nennt, löst bei den gleichen Menschen Angstreflexe und Gedanken an Unsicherheit aus, obwohl wir dabei teilweise über die stabilsten und profitabelsten Konzerne der Welt reden, die es schon seit 100 Jahren und länger gibt.

Genau, dieses Spiel mit Worten und die dahinter stehende Realität, soll hier Thema sein. Ich bediene mich dabei teilweise bei Texten, die ich im Premium Bereich zum Thema schon 2015 geschrieben habe.

Denn ich will Ihnen erklären, warum ich mich an dem, was sich gerne „Crowdfunding“ wie auch "Mittelstandsanleihen" nennt und mit dem Wort "Zins" operiert um Sicherheit auszustrahlen, in der Regel nicht beteilige. Und warum man da genau hinzuschauen und beim kleinsten Zweifel eher die Finger davon lassen sollte.

Dabei gibt es unter den jungen Unternehmen, die via „Crowdfunding“ nach Kapital suchen, ja richtig attraktive Kandidaten, in die sich eine Investition durchaus lohne würde!

Wenn es tatsächlich eine *Investition* wäre, kann man auch wirklich mal etwas bei Unternehmen zu riskieren, zu denen man einen persönlichen Zugang hat oder bei denen man vielleicht sogar die Gründer persönlich kennt. Das kann Sinn machen!

*Investieren* bedeutet dabei aber das, was *investieren* bedeuten sollte. Man ist an der Gesellschaft *beteiligt* und gibt nicht nur ein Darlehen, wie eine Bank. Man ist also *Gesellschafter* mit allen Rechten und Pflichten und steigt typischerweise über eine Kapitalerhöhung ein.

Wenn man so wirklich *investiert*, kann man bei einer Pleite des Unternehmens natürlich seinen Einsatz verlieren. Wenn sich aus dem Startup aber ein Weltunternehmen entwickelt, kann man mit seinem Anteil auch reich werden. Wer mal 0,1% in Unternehmen wie Google oder Microsoft am Anfang investierte, hat nun ausgesorgt. 😉

Richtig *investieren*, kann also ein sehr attraktives Geschäft sein. Es kommt halt darauf an, das „richtige“ Unternehmen auszuwählen. Dummerweise hat das, was sich „Crowdfunding“ nennt, manchmal mit *Investieren* herzlich wenig zu tun.

Nun gibt es da auch diverse Varianten und bei einigen gibt es auch Boni, die einen zwar nicht zu einem vollwertigen Gesellschafter machen, die Geldgeber aber doch wenigstens teilweise an zukünftigen Wertsteigerungen beteiligen.

Solche Varianten, die echtes „Crowdinvesting“ darstellen oder dem nahe kommen, sind dann auch mal einen Blick wert und in jedem Meer der Unattraktivität, gibt es ja auch immer mal eine Handvoll Ausnahmen, die sich trotzdem lohnen. Über die Ausnahmen, will ich hier aber nicht schreiben, denn die müsste man ja erst einmal erkennen.

Klarmachen will ich, was sich hinter dem Begriff „Crowdfunding“ - und "Mittelstandsanleihen" oft verbirgt. Nämlich keine *Investition*, sondern schlichte (hochriskante) *Darlehensgewährung* - mit ein paar Marketing-Girlanden. 😉

Sprich, Sie geben einem - manchmal sehr jungen und meistens kleinen - Unternehmen ein Darlehen um sein Geschäft zu entwickeln. Ein Darlehen, welches das Unternehmen offensichtlich zu diesen Konditionen auf anderem Weg nicht bekommen kann.

Und wie der Name *Darlehen* schon sagt, ist auch hier Ihr Geld weg, wenn das Unternehmen Pleite geht. Als Ausgleich bekommen Sie dafür einen "Zins", der das Pleiterisiko ausgleichen soll. Wenn aus dem Unternehmen aber eine neue Google wird, hat man nichts davon, nur den *Zins*.

Sie sehen schon daran, dass hier Chance und Risiko recht asymmetrisch zu Ihren Ungunsten verteilt sind. Crowdfunding-Plattformen streuen dann für Sie das Risiko, was die Pleiten statistisch berechenbarer macht und ja, das ist ein echter Vorteil. Wenn Sie das schon unbedingt machen wollen, dann gestreut über so eine Plattform. An der asymmetrischen Verteilung von Chance und Risiko, ändert das nach meiner Erfahrung in der Regel aber nichts.

Bei der Pleite sind sie also dabei, beim Google-Szenario aber nicht oder je nach Konstruktion nur mit einem kleinen „Nasenwasser“, einem Bonus, damit Sie sich wie ein Gesellschafter fühlen können, ohne wirklich einer zu sein.

Nun könnte das ja theoretisch auch attraktiv sein, wenn der Zins das Risiko ausreichend abdecken würde. So machen ja auch Banken Gewinn, in dem sie die Zinsen ihrer Darlehen so kalkulieren, dass das Ausfallrisiko des Kredits gedeckt ist und am Ende etwas übrig bleibt.

Typische Zinssätze von „Crowdfunding“ liegen dann bei 7-12%. Oben in dem Link tauchen diese 7% wieder auf.

Das hört sich im Zeitalter der finanziellen Repression ja erst einmal attraktiv an. Ist es aber in der Regel nicht!

Nehmen wir mal 7% an. Der Zinssatz bedeutet, dass von ca. 15 Unternehmen an denen Sie sich beteiligen, im ersten Jahr nur EINES Pleite gehen darf, damit Sie Ihr Kapital im ersten Jahr überhaupt wieder sehen. Oder nach zwei Jahren dürfen nur zwei Pleite sein. Von Gewinn reden wir da noch gar nicht.

Das ist nach meiner Erfahrung völlig unrealistisch. Realistisch ist, dass von so Startups vielleicht 30-50% in den ersten Jahren scheitern. Wenn nicht mehr, 30-50% ist noch optimistisch!

Was bedeutet, dass ein vernünftiger Zinssatz, der Ihnen das Ausfallrisiko wirklich bezahlt, bei 20, 30 oder sogar 40% liegen müsste! Diesen Zinssatz könnten sich die Gründer aber nicht leisten.

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Der Zombie aus der Mottenkiste

Es gibt Dinge, bei denen kann man nur verzweifeln. Da gab es doch mal die Idee der -> Tobin Tax <- und diese Idee war keine schlechte.

Die Grundidee war eine Art "Wegesteuer" an den Finanzmärkten einzuführen, um diese zu entschleunigen und auf den Kern des volkswirtschaftlichen Sinns zurückzuführen, der Preisfindung für Assets wie Währungen, Aktien und Anleihen.

Im Zuge der Aufarbeitung der Finanzkrise kam diese Idee wieder auf, weil es ja gerade ein komplexer Wildwuchs von Derivaten war, der den Markt an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hatte.

Dann wurde diese Idee von der europäischen Politik zerredet, von den Lobbyisten zerkaut und was schon vor 5 Jahren zurück geblieben war, war das genaue Gegenteil dessen was die Tobin-Tax wollte: Eine jämmerliche Steuer alleine auf Aktiengeschäfte wie in Frankreich nun eingeführt. Diese Steuer ist sinnfreí und schädigt das was zu fördern ist, während sie gleichzeitig Derivate unbesteuert lässt.

Aber es reicht ja nicht, dass dieser Blödsinn in Frankreich eingeführt wurde und viele seitdem um franzöische Aktien einen Bogen machen, während Großbanken wie BNP Paribas abertausende von Derivaten in den Markt kippen.

Nein, nun geistern -> Meldungen herum <-, nach denen unser weiser Finanzminister genau diese französische "Blödsinnssteuer" auch in Deutschland einführen will - frei nach dem Motto: "Hauptsache wir machen irgendwas und beweisen Handlungsfähigkeit."

Ich weiss da nicht, ob ich lachen oder weinen soll, so absurd ist das. Der Kauf einer deutschen Aktie wird dann auch separat besteuert, der Kauf eines Derivats auf genau diese Aktie aber nicht. Die Finanzindustrie lacht sich tot und reibt sich die Hände, endlich gibt es mal einen echten Grund Derivate unters Volk zu bringen, statt dass sich die Bürger direkt am Produktivkapital der deutschen Wirtschaft beteiligen. Für mich: sinnfrei - lächerlich - absurd.

Es ist einfach schrecklich, wie der vom Ansatz her nicht falsche Gedanke von Tobin ins Gegenteil verkehrt wird. Der Grundansatz sollte Spekulation zurückdrängen und den volkswirtschaftlich wertvollen Handel mit Aktien und Anleihen damit aufwerten. Tobin war im übrigen auch klar, dass so eine Steuer nur dann Sinn macht, wenn beinahe alle in der Welt mitmachen.

Nun wird das genaue Gegenteil daraus, eine Förderung dessen, was an der Finanzkrise signifikant mitgewirkt hat. Und unsere Politik kann sagen: Jetzt haben wir es den bösen Kapitalisten aber gegeben. 😉

Am Ende wird der sowieso schwächliche Finanzplatz Deutschland weiter geschädigt und derivatives Unwesen gefördert. Bravo, von hinten durch die Brust ins Auge!

Und wissen Sie, warum mich das verzweifelt? Weil das genau so auch schon vor 5 Jahren klar war. Denn schon am 19.02.2014 habe ich hier geschrieben: -> Finanztransaktionssteuer nur auf Aktien ist grober Unfug! <-

Ich könnte heute jedes Wort wiederholen, Sie müssen nur "Schäuble" durch "Scholz" ersetzen.

Ist es nicht traurig, dass dieses Ding wie ein Zombie immer wieder aus der Mottenkiste kommt? Lesen Sie meine 5 Jahre alten Worte selbst:

Es gibt Dinge, die kann man gar nicht oft genug in einem persönlichen Kommentar aussprechen.

Vor fast exakt einem Jahr, habe ich im Artikel -> Finanztransaktionssteuer - Von Ahnungslosigkeit und Lobbyismus <- eine Wutrede auf den damaligen Vorschlag der EU zur Finanztransaktionssteuer losgelassen, in dem Geschäfte auf den volkswirtschaftlich sinnvollen Aktienhandel 10x so stark besteuert werden sollten, wie Geschäfte auf Derivate. Es macht Sinn diesen Artikel noch einmal zu lesen, denn die Argumentation ist unverändert gültig und ich werde heute diese Argumentation nicht wiederholen.

Wer jetzt aber glaubte, es würde sich etwas zum Besseren ändern, wurde getäuscht. Vielleicht kennen Sie ja den Aphorismus:

Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: "Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!"
Und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer!

Genau das passiert gerade, denn nun scheinen sich Frankreich und Deutschland in einem typischen, politischen Formelkompromiss darauf verständigen zu wollen, einen -> schrittweisen Start <- der Finanztransaktionssteuer vorzunehmen, bei dem zunächst nur Aktiengeschäfte besteuert werden sollen. Und das was wirklich entschleunigt werden müsste - der Wildwuchs der Derivate - kommt dann irgendwann .... uhmmm ..... ja vielleicht ...... ein bisschen ...... später ...... wenn überhaupt.

Das ist so klar und eindeutig grober Unfug, dass selbst die Mainstream-Presse bei dem Thema sofort richtig reagiert, die Welt hatte gestern den Artikel -> Transaktionssteuer nur auf Aktien ist eine Farce <- online und das Handelsblatt schreibt zu Recht vom -> Ungeheuer von Loch Ness <-.

Statt meine Position also erneut zu begründen und herzuleiten - das habe ich ausführlich vor einem Jahr getan - will ich hier nur in Stichpunkten mal ein paar Fakten zusammen fassen und Konsequenzen aufzeigen.

1. Ich bin persönlich für eine sinnvolle Finanztransaktionssteuer, deren Sinn die Entschleunigung der Finanzmärkte ist und die derivativen Wildwuchs zurück zu schneiden hilft. Bei dieser Steuer darf aber nicht die Einnahmenseite im Vordergrund stehen, sondern es geht darum, die volkswirtschaftlich schädlichen oder unsinnigen - weil Risiken produzierenden - Marktbereiche unwirtschaftlicher und damit unattraktiver zu machen. Nebenbei würde eine richtig gesetzte Finanztransaktionssteuer auch das HFT Unwesen eindämmen und uns allerlei regulatorische und tatsächliche Probleme und Risiken abnehmen.

2. Der Aktienhandel ist volkswirtschaftlich sinnvoll, er dient der Finanzierung der Unternehmen. Ohne Wagniskapital über die Börse, würde es eine Tesla Motors so nicht geben und viele andere erfolgreiche Unternehmen auch nicht. Der klassische Aktienhandel hat Null und Nichts mit den Ursachen der Finanzkrise zu tun. Im Gegenteil, der volkswirtschaftlich sinnvolle Aktienhandel steht unter Attacke. Unter Attacke durch Fehlentwicklungen wie das HFT. Unter Attacke durch die Zerfaserung des Handels auf diverse unregulierte Handelsplätze (Dark Pools). Unter Attacke durch diverse derivate Produkte, mit denen der echte Aktienhandel an echten Börsen umgangen werden kann.

3. Eine Börsenumsatzsteuer nur auf den Aktienhandel, ist ein Boom-Programm für Derivate und fördert die eigenen Transaktionen noch mehr in privaten Handelsplattformen (Dark Pools) zu verstecken. Dieser Formelkompromiss schädigt damit das volkswirtschaftlich Sinnvolle und fördert den Wildwuchs weiter. Das ist für mich grober Unfug ! Ein andere Formulierung fällt mir persönlich dazu einfach nicht ein.

4. Bezahlt wird diese Form von Finanztransaktionssteuer nicht von der Grossfinanz, die ausweichen kann und wird. Bezahlt wird sie vom normalen Bürger, dessen in Zeiten der finanziellen Repression sowieso schon schwieriger Versuch der Geldanlage, weiter verteuert wird. Aber selbst Verträge, bei denen man auf den ersten Blick gar nicht daran denken würde, wie Fondsparpläne bei Lebensversicherungen, werden negativ belastet werden.

5. Wer dagegen mobil ist oder der Grossfinanz angehört, wird je nach Ausgestaltung der Regeln einfach nicht mehr Aktien handeln und dafür Derivate nutzen. Oder auf Handelsplätze ausserhalb der EU ausweichen. Oder deutsche und französische Firmen am Aktienmarkt ganz meiden, die muss man auch nicht zwingend haben, es reicht sich in den USA und Asien zu tummeln. Geschädigt wird dadurch die Fähigkeit von deutschen oder französischen Unternehmen, an der Börse Kapital aufzunehmen.

Dieser aktuelle Vorschlag, mit einer reinen Finanztransaktionssteuer auf Aktien zu beginnen, ist auf jeden Fall ein Musterbeispiel, wie aus der prinzipiell guten Idee der "Tobin-Tax", durch politische Formelkompromisse ein Monster gemacht wird. Ein Monster, das vorhandene Fehlentwicklungen fördert und die verbleibenden Inseln der volkswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit an den Finanzmärkten mutwillig schädigt.

Ist es wirklich möglich, dass so ein offensichtlicher Blödsinn Gesetz werden wird ? Noch hoffe ich auf die Intelligenz bei den Beteiligten. Hoffentlich nicht zu Unrecht.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Das endlose Zögern und die Unsicherheit

Am 07. Januar habe ich Sie in -> Börsenjahr 2019 - Dem Optimismus eine Chance! <- motiviert, auch wieder Chancen im Markt zu suchen.

Das war hier beim lila Pfeil, Sie sehen den weiteren Verlauf:

Nun habe ich diesen Verlauf nicht "vorhergesehen", Blödsinn, ich habe wie der Rest der Welt auch keine Glaskugel. Aber nach einer 20% Korrektur und einem Ausverkauf am 24.12.18, darf man auch mal wieder optimistischer werden, denn langfristig steigt der Markt und fällt nicht.

Leider machen viele Anleger das instinktiv genau falsch herum. Erst wird (im Herbst) zu lange gezögert Risiken zu begrenzen, dann wird (zum Jahreswechsel) zu lange gezögert wieder zuzupacken. Das Ergebnis ist, dass diese Anleger immer hintendran sind und am Ende dann behaupten, dass Markt-Timing nicht funktionieren würde.

Blödsinn, was nicht funktioniert ist nur die Denkweise, am Markt immer so lange warten zu wollen, bis man "sicher" ist. So funktioniert das aber nicht und Sicherheit gibt es schon gar nicht. Zum Thema Markttiming empfehle ich auch -> diesen lesenswerten Artikel der NZZ <-

Ein Blick auf das obige Chart des S&P500 zeigt schnell, dass schon eine simple Mechanik wie der Aus- und Einstieg anhand der 50-Tage-Linie, zu einem positiven Ergebnis geführt hätte - ich habe das mit lila Kreisen im Chart markiert. In der Mitte war Anfang Dezember mal ein "Fakeout", bei dem man ein- und gleich wieder ausgestiegen musste. Wo ist dabei das Problem? Auch das gehört dazu.

Aber solche Techniken sollen heute hier nicht Thema sein. Ich will nur betonen, dass man Chancen ergreifen muss und Risiken begrenzen, zu langes Zögern ist am Markt die Garantie für Verluste. So lange man bereit ist, eine falsche Entscheidung sofort wieder zu ändern, ist es auch kein Problem mal was zu risikieren. Übel wird es nur, wenn man an Fehlentscheidungen dann endlos festhält und sich so immer weiter ins Minus reitet.

Klar ist auf jeden Fall, wenn Sie nun im Web unterwegs sind, damit Ihnen jemand sagt, ob der Markt nun von hier zu den Hochs läuft oder von hier doch wieder einbricht, sind Sie komplett - aber wirklich 100% - auf dem falsche Dampfer!

Niemand weiss das und niemand kann Ihnen das mit hinreichender Sicherheit sagen. Warum suchen Sie dann danach?

Ich sage es Ihnen. Sie suchen danach, weil die Unsicherheit Sie belastet. Die Unsicherheit und Angst, jetzt etwas "Falsches" zu machen. Das lässt Sie an Wendemarken auch zögern und damit - siehe oben - zögern Sie immer zu lange und wenn Sie dann endlich vorsichtig den Kopf heraus strecken, ist der nächste Wetterwechsel schon im Gange.

Dabei gibt es einen ganz einfachen Weg, sich von dieser Unsicherheit zu befreien und das ist *nicht* die Suche nach der Glaskugel und dem Zukunfts-Propheten.

Es ist wie schon oben erwähnt, die Fähigkeit, eine falsche Entscheidung ohnen zu Zögern wieder zu beenden. Wenn man auch dabei schnell ist, kommt man immer mit geringen Schmerzen davon. Und dann kann man auch mal was riskieren, weil was kann schon passieren, wenn man einen Notausgang hat?

Man nennt das im normalen Leben auch das Prinzip des "Zeh ins Wasser stecken". Ist das Wasser zu heiss oder zu kalt, zieht man ihn halt zurück und hat von kurzem Schmerz abgesehen, kein echtes Problem.

Solange Sie aber den Einstieg in den Markt als die "große Dauerentscheidung fürs Leben" betrachten, erzeugen Sie eine gewaltige Hürde, die Sie zögern und zögern und zögern lässt. Und dann gehen Sie auf die Suche nach "Propheten", die Ihnen diese Unsicherheit abnehmen. Dummerweise gibt es die nicht und die die so tun als ob sie welche wären, sind eher Scharlatane, die vor allem Ihr Bestes wollen.

Denken Sie also entspannter, lockerer. Machen Sie sich bewusst, dass wenn etwas schief läuft, man eine Entscheidung jederzeit mit geringen Schmerzen revidieren kann - man muss es dann aber auch tun!

Wenn Sie so denken, wird es einfacher Chancen zu ergreifen. Dann können Sie auch diesen Markt positiver betrachten und wenn Sie beim lila Pfeil eingestiegen wären, hätten Sie nun ein Grinsen im Gesicht. Aber das dürfte für viele nur ein "hätte, hätte, Fahrradkette" sein - mal wieder, wie so oft. 😉

Die Straßen der Börsen sind gepflastert mit Anlegern, die vor der Korrektur sagen, dass Sie in der nächsten Korrektur kaufen und wenn sie dann da ist, viel zu ängstlich und zu paralysiert sind, um tatsächlich zu handeln.

Womit wir beim Markt des Jahres 2019 sind.

Wird er in 2019 neue Hochs erreichen? Ich weiss es nicht.
Wird er bald wieder zusammenbrechen und in eine schwere Baisse wechseln? Ich weiss es nicht.

Was ich aber weiss ist,

  • dass die Marktmechanik aktuell positiv ist!
  • dass er oberhalb einer wichtigen Unterstützung notiert!
  • dass er eine 20% Korrektur hinter sich hat und damit die tiefste Korrektur seit 2009!
  • dass die Aufwärtsbewegung nun langsam müde wird und eine Konsolidierung/Korrektur bald kommen dürfte.

Das Glas ist also halbvoll und Chancen sind da, auch wenn man kurzfristig keine Wunderdinge mehr erwarten darf. Und wenn sich die Chancen doch nicht realisieren, geht man halt wieder raus.

Was ist daran so schwierig?

Ich sag es Ihnen, unser evolutionäres "Affenhirn" denkt anders und das macht es schwierig - es sorgt sich immer über die Zukunft und ist nie ganz in der Gegenwart. Das ist gut für die Savanne, um Löwen aus dem Weg zu gehen, für einen reflexiven Markt, denkt es aber *falsch*.

Wir haben die Wahl. Wir können das erkennen und uns darüber erheben. Oder wir können uns davon weiter treiben lassen, weil es sich "so gut anfühlt".

Die Entscheidung ist alleine Ihre, die Konsequenzen sind es auch.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Warum das „Smart Money“ mehr groß als „smart“ ist


Der folgende Grundlagen-Artikel erschien Anfang diesen Jahres im Premium-Bereich. Für die Lesbarkeit im freien Bereich, wurde er bei Referenzen und Links leicht überarbeitet

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In diesem Artikel, möchte ich für Sie einordnen, was sich hinter dem Begriff "Smart Money" verbirgt, für den es auch andere Begriffe gibt wie das "Big Money" oder die "Markt-Elefanten".

Und auch der "Composite-Operator" der sogenannten -> Wyckoff-Terminologie <- beschreibt die gleiche Gruppe, der Begriff ist eine abstrakte Metapher für die Gruppe im Markt, die alleine durch Größe und Wissen, die Richtung des Marktes ganz wesentlich beeinflussen kann.

Auch ich spreche oft flapsig vom "Smart Money" oder von den "Marktelefanten" und meine damit die gleiche Gruppe, die mit dem Begriff "Composite Operator" in ein eingängiges Bild gefasst wird. Womit sich vielleicht doch mal die Frage anschliesst, wer damit überhaupt gemeint ist und ob das "Smart Money" wirklich so smart ist?

Vor allem, wir lesen und erleben doch immer wieder, dass Hedgefunds zu Hunderten auch 2018 Pleite gegangen sind, dass Fondsmanager sich 2018 durchweg nicht mit Ruhm bekleckert haben und im tiefen Minus mit ihren Fonds hängen und selbst "Helden" wie David Eichhorn, der in der Reihe der -> greatest Investors <- genannt wird, in 2018 mal eben -> 28% Verlust gemacht haben <-.

Wie "smart" ist dieses "Smart Money" also eigentlich und stehen hinter dem "Composite Operator" konkrete Namen mit besonderem Insiderwissen?

Die wichtige Antwort drauf ist Nein! Alle kochen nur mit Wasser, auch die Einhorns dieser Welt! Und es gibt dieses "Smart Money" und diesen "Composite Operator" gar nicht als dedizierte Personen oder Gruppen, das ist eine Fiktion. Es sind einfach abstrakte Konzepte, die einen Sinn haben.

Bevor ich zum Sinn komme sei gesagt, dass es natürlich echtes Insiderwissen im Markt gibt. Wir erleben das immer wieder bei Einzelaktien, wenn schon Stunden oder einen Tag vor einer wichtigen Nachricht, die Kurse in die (im nachhinein) richtige Richtung zu laufen beginnen. Da wissen dann schon welche was, die gleicher als gleich sind und starten faktische Insidertrades, die in der Regel unentdeckt bleiben.

Nur das sind keineswegs immer die gleichen Personen und es ist vor allem spezifisches Wissen zu einem Ereignis oder einem Unternehmen - was den ganzen Markt angeht, ist das weit schwieriger bis unmöglich.

Schauen wir doch die letzten Wochen des Jahres 2018 an. FED-Chef Jerome Powell hat mit seiner Kommunikation schwer überrascht, wahrscheinlich er sich auch selber, weil ihm gar nicht klar war, welche Lawine des Missvergnügens er da vor Weihnachten in Gang setzen würde. Und Trump kaspert mit Chinas Xi herum und selbst seine eigenen Berater die um ihn sind wie Larry Kudlow, werden immer wieder von seiner nächsten Volte überrascht, siehe seine überraschende Entscheidung im Telefonat mit Erdogan aus Syrien abzuziehen.

Und dabei sind die beiden Themen FED und Handelskonflikt, die großen Sorgen die den Markt gerade bewegen und ich garantiere Ihnen, das "Smart Money" bzw der "Composite Operator" rätselt genau so über Trump wie wir. Wie will ein Dritter auch etwas wissen, das Powell nicht bewusst ist und Trump nicht mit seinen Beratern bespricht, bevor er es verkündet?

Ja, vielleicht bekommen die mal was von Kudlow gesteckt, der es wieder seinem alten Partner Jim Cramer steckt, wer weiss das schon? Und die haben die besseren Daten zu dem was im Markt passiert, als wir kleinen "Blindfische". Aber trotzdem, wirklich etwas "wissen" tun sie nicht und ökonomische Daten sind auch mehrdeutig und so besonders "smart" können sie dann auch nicht sein, wenn man sich - siehe oben - die Ergebnisse vor Augen führt.

Wie passt das dann denn überhaupt alles zusammnen?

Eigentlich gibt es also kein konsistentes Smart-Money und doch funktionieren Konzepte, bei denen man genau schaut, was diese Markt-Elefanten treiben und diese Konzepte führen zu besseren Anlageentscheidungen.

Es lohnt sich also den Handlungen der "Markt-Elefanten", des "Composite Operators" zu folgen und gleichzeitig ist der aber meistens gar nicht so smart und weiss nicht viel mehr als wir.

Erneut, wie passt das zusammen?

Meine Antwort ist einfach und elegant und sie ist absolut faszinierend, weil es mal wieder die -> Reflexivität <- ist, die hier den entscheidenden Faktor ausmacht.

Die Antwort ist verkürzt gesagt:

Die Markt-Elefanten bestimmen den Markt, weil sie Elefanten sind. Weil sie Elefanten sind, können sie von dieser Dominanz aber nicht immer profitieren.

Denn das "Smart Money" ist gar nicht besonders "smart", es ist aufgrund seiner schieren Feuerkaft aber trotzdem marktbestimmend.

Stellen Sie sich eine Kugelpyramide vor und nun will einer seine Kugel heraus ziehen, eine Kugel die so groß ist, dass die Statik der Pyramide davon abhängt. Wenn diese Kugel gezogen wird, fällt die ganze Pyramide zusammen.

Die Pyramide fällt aber nicht zusammen, weil der so "smart" war und das vorher geahnt hat. Sie fällt zusammen, weil die Kugel zu gross und wichtig war, um auf sie in der Pyramide zu verzichten.

Die großen Adressen bestimmen also wesentlich den Markt, aber nicht weil sie - von Ausnahmen abgesehen - die Zukunft besser kennen als wir, sondern ganz profan, weil sie der Markt sind!

Es ist also eine selbsterfüllende Prophezeihung, ein Markt erreicht sein Top dann, wenn die großen Adressen denken, dass er sein Top erreicht hat und deshalb zu verkaufen beginnen. Genau das haben wir diesen Oktober beobachtet, als der Markt fiel, obwohl es dafür keinen harten Anlass in den Wirtschaftsdaten gab.

Und noch schlimmer, diese großen Adressen können davon selber auch nur begrenzt profitieren, weil sie eben so groß sind, dass sie ihre Verkäufe über einen langen Zeitraum verteilen müssen, weil sie ansonsten sich durch einen zusammenbrechenden Markt selber ins Knie schiessen würden.

Genau das nennt man die Distributionsphase, genau das ist das Wirken des "Composite Operators". Und dahinter verbirgt sich kein konkreter, besonders "smarter" Mensch, sondern dahinter verbirgt sich einfach das große Volumen, das den Markt bestimmt und lange braucht, um sein Geld abzuziehen oder wieder zu investieren.

Es gibt also genau genommen gar kein "Smart Money", von Ausnahmen echten Insiderwissens abgesehen. Es ist im reflexiven Markt einfach so, dass das große Geld "der Markt ist" und wenn das verkauft, wird der Markt fallen - einen Grund braucht es dafür dann nicht, den liefern die Medien nach.

Dieses "große Geld", dieser "Composite Operator", sieht also smart aus, weil er Bewegungen auslöst, er weiss aber eigentlich gar nicht so viel, er reisst eher den Markt durch seine schiere Größe nach unten.

Deswegen sind die abstrakten Konzepte der "Markt Elefanten" und des "Composite-Operators" wichtig, weil wenn wir lernen zu erkennen, was die großen Institutionen machen, wir auch wissen wohin der Markt will. Denn die sind der Markt - mehr als wir auf jeden Fall!

Wirklich "smart" sind die aber auch nur in Ausnahmefällen, wenn sie wirklich Insiderwissen haben, ansonsten kochen die genauso mit Wasser wie wir.

Konkret gesagt, gib theoretisch einem Affen 20% der Marktkapitalisierung einer Aktie und lass ihn Stück für Stück verkaufen. Der Affe wird im Nachhinein unglaublich "smart" aussehen, weil er im Wesentlichen ab dem Hochpunkt des Kurses zu Verkaufen begonnen hat und danach ist der Markt nur noch gefallen.

Genau das ist aber die Reflexivität, das ist ein selbstreferentieller Markt. Der Affe war gar nicht "smart", er war einfach nur "gross". 😉

Ich hoffe das hilft ein wenig, diese Begriffe besser einzuordnen. Es gibt kein pauschales "Smart Money" und doch ist es für uns wichtig, seinen Bewegungen zu folgen. Ein vermeintlicher Widerspruch, den die Reflexivität auflöst.

Und die beste Methode das Verhalten des großen Geldes zu erkennen, ist auf die Preisstrukturen des Marktes zu schauen und dabei immer das Volumen im Auge zu behalten. Denn zum Ein- wie Ausstieg wird am Markt nicht geklingelt, der Erste der davon weiß, ist in der Regel der Kurs selber. Erst dann fangen andere an, darüber zu schreiben.

Ihr Hari

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Der neue, alte Markt – alles wie immer?

Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und ist doch der alte geblieben. Diesen Umstand und was das für Anleger bedeutet, will ich heute auch im freien Bereich kurz anreissen.

Gewandelt hat sich der Markt aufgrund zweier, grundlegender Entwicklungen, die in den letzten Jahren vermehrt Fahrt aufgenommen haben. Einerseits dem Aufstieg passiver Investmentvehikel wie der ETFs, andererseits dem Aufstieg des algorithmischen Handels.

Was die passiven Investmentvehikel angeht, ist deren Logik ja einfach und bestechend. Sie wollen die Bewegungen des Marktes - wie ein Beobachter an der Seitenlinie - aufnehmen und abbilden, wollen selber aber eigentlich gar keinen Einfluss nehmen.

In der idealen Welt steigt oder fällt also eine Aktie wie Apple aufgrund fundamentaler oder markttechnischer Gründe, der dazugehörige ETF, bildet das einfach passiv ab, wie ein guter, neutraler Dokumentator.

Leider funktioniert diese Theorie im reflexiven Markt nur solange, wie die Menge der passiven Investmentvehikel sehr klein und unbedeutend ist. Wir haben es hier also mit einer weiteren Variante des Beobachterproblems zu tun und sobald die ETFs selber zum Marktfaktor werden - was sie mittlerweile sind - beeinflussen sie auch direkt das Beobachtungsobjekt, die einzelnen Aktien nämlich.

Und das funktioniert so. Stellen Sie sich einen ETF auf Technologieaktien vor, den viele im Depot haben. Nun beginnt der Markt eine Baisse wie letzten Herbst und Anleger, die ihre Depots schützen wollen, verkaufen ihre Technologie-ETFs.

In diesem ETF enthalten, ist aber eine Aktie, die gerade eine neue Innovation höchst erfolgreich auf den Markt bringt und damit sensationelle Gewinne schreibt, die niemand erwartet hat. Individuelle Stockpicker kaufen diese Aktie auch massiv hoch und genau in dieser Phase beginnt der Markt zu fallen und Anleger stossen ihre ETFs ab.

Und was passiert? Wenn die ETFs nur eine Minderheit des Handelsvolumens der Aktie ausmachen, wird die Aktie weiter steigen, aber weniger steigen. Wenn aber die ETFs das Handelsvolumen der Aktie dominieren, wird die Aktie auch fallen, obwohl sie eigentlich von Stockpickern hochgekauft wird!

Je mehr ETFs also das Handelsvolumen einzelner Aktien dominieren, desto mehr steigen oder fallen alle enthaltenen Aktien unisono - ob die Aktien individuell gut oder schlecht dastehen, hat immer weniger Relevanz.

Genau das beobachten wir zunehmend und letztlich macht das den Markt ineffizienter bei der Preisfindung. Nun aber zum zweiten Faktor, dem algorithmischen Handel.

Das was man heutzutage "Algos" nennt, hat mit künstlicher Intelligenz noch herzlich wenig zu tun. Es sind einfach Methoden und Techniken, die bisher von Menschen gehandelt wurden und nun automatisch von Maschinen abgewickelt werden. Trendfolge ist ein sehr einfaches Beispiel, es gibt aber auch viele andere, komplexere Techniken.

Dadurch dass nun Maschinen das Gleiche im Markt machen wie Menschen, ändert sich erst einmal nichts, an einer wichtigen Stelle aber doch.

Denn Menschen würden Dinge in Frage stellen und auch versuchen proaktiv Bewegungen zu antizipieren. Menschen sind aber auch weniger diszipliniert und gnadenlos, als es Maschinen sein können.

Wenn also eine Sache fünfmal geklappt hat, hätte ein Mensch zunehmend Skepsis, ob es auch zum sechsten Mal funktionieren wird. Eine Maschine hat dieses Skepsis aber nicht, die machen störrisch immer weiter bei dem was Erfolg bringt, so lange, bis es eben nicht mehr funktioniert.

Auch die zunehmende Dominanz der Algorithmen im Markt, hat also einen ähnlichen Effekt wie den der ETFs. Es macht den Markt uniformer und macht in "störrischer", heisst die Flut hebt alle Boote, die Ebbe senkt alle Boote und eine Bewegung die Erfolg hat, läuft viel länger als Menschen sich vorstellen können.

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegung laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

Und das können wir auch wunderbar an den Entwicklungen der letzten Jahre festmachen. 2017 war ein ungemein störrisches Jahr, in dem der Markt jedwede negative Nachricht einfach ignoriert hat und gegen alle Logik ohne Pause hochgelaufen ist - Buy the f***ing Dip (BTFD)!

Im Herbst diesen Jahres, ist der Markt dann in eine Abwärtsbewegung gewechselt, die im Dezember in einen gnadenlosen Aberverkauf wechselte, so als ob es kein Morgen mehr geben würde - Sell the f***ing Rip (STFR)!

Und nun seit dem 26.12.18, ist der Markt wieder in einer ebenso gnadenlosen BTFD Bewegung, so als ob es nie wieder finstere Nacht geben würde:

Merken wir uns diesen Mechanismus also und passen uns an. Die Effekt ist nicht negativ für uns Menschen, sondern positiv.

Denn wenn einmal eingeschlagene Bewegungen oder Logiken länger als bisher stabil bleiben, gibt es noch weniger Grund als schon vorher, herumzuraten und Tops oder Bottoms im Vorfeld erkennen zu wollen.

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Machen wir nur einen Fehler nicht, übersetzen wir dieses störrische Verhalten nicht automatisch in so gleichförmige Bewegungen, wie wir sie aktuell haben. Wenn es Erfolg verspricht, nach einem positiven Tag immer auf einen negativen Tag zu setzen und umgedreht, werden auch diesen Mechnismus Algorithmen erkennen und ausnutzen, so lange, bis es nicht mehr funktioniert. Dann bekommen wir eine Schaukelbörse ohne Richtung, aus Sicht der Algorithmen ist aber auch das eine einheitliche Bewegung.

Dass Märkte sich wandeln, ist nichts Neues und nicht Schlimmes. Der Markt des Jahres 1970 war auch nicht vollständig mit dem des Jahres 1930 zu vergleichen. Die Essenz bleibt, die Details ändern sich, das ist der Lauf der Welt und sollte uns nicht schrecken.

Passen wir uns dem Wandel an und bekämpfen ihn nicht, das ist die Fähigkeit erfolgreicher Anleger.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Aktien die man ignorieren sollte

Es gibt eine Art von Artikel, die viele Anleger aktiv suchen. Das sind die, die ihm die Zukunft weisssagen, also was er nun kaufen soll. Und wenn das dann noch mit Trigger-Worten wie "Value" und "Buffett" gewürzt wird, dann wird dieser Anleger ganz nervös. 😉 Natürlich sind diese Weissagungen durchweg sinnlos, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wenn der arme Warren Buffett jede missbräuchliche Verwendung seines Namens abmahnen würde, wäre er wahrscheinlich alleine davon schon reich.

Dann gibt es aber auch die Artikel, die diesem Anleger einen finanziellen Vorteil verschaffen, so zum Beispiel weil sie verhindern, dass er einen schweren Fehler begeht. Diese Artikel sind nicht so beliebt, zumal sie oft unangenehme Wahrheiten mit sich tragen, die entgegen der eigenen Instinkte laufen. Aber es sind genau diese Artikel, von denen dieser Anleger wirklich profitieren würde.

Einen nach meiner Meinung Artikel der zweiten Kategorie, will ich nun mit Ihnen teilen, ich habe ihn im Premium-Bereich schon im März 2015 geschrieben. Es ging damals um einen Typus von Aktien, von denen ich lieber die Finger lasse und als Beispiel habe ich damals Euromicron (WKN: A1K030) benutzt. Das ist aber ausdrücklich nur ein Beispiel, der Artikel vermittelt ein Grundprinzip, das für viele derartiger Aktien gültig ist.

Bevor ich zum damaligen Artikel komme, will ich Ihnen noch den dann folgenden Chartverlauf von Euromicron zeigen, den Zeitpunkt des folgenden Artikels habe ich markiert. Dann können Sie selber sehen, was danach passiert ist und meine Worte von vor mehr als 3 Jahren daher besonders gut einordnen:

Nach dem März 2015 wurde die Aktie auch immer wieder von diversen Publikationen "empfohlen", so im Juli 2017 bei damals 8€, heute 3€. Immer "Morgen" wird die grossartige Zukunft für das sicher anbrechen, was bis dahin nie gelungen ist. Morgen aber schon! 😉

Nun lesen Sie mal, es verhindert hoffentlich ähnliche Dummheiten:

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Dienstag 24.03.15 16:40 - Aktien, die ich nicht mag - Der Fall Euromicron

Es gibt Aktien, die ich persönlich als Einzeltitel nicht mag. Und ein so ein Fall aus dieser Kategorie, liefert dafür heute perfektes Anschauungsmaterial.

Es ist Euromicron (A1K030), bei denen heute ein Bilanzskandal aufgedeckt wurde, der CEO muss gehen und die Aktie raucht um über 20% ab. Lesen Sie hier:

-> Euromicron hat Probleme mit der Bilanz < -.

Ich mag diesen Typus Aktien nicht, weil es bei denen ein Muster gibt. Und darüber will ich heute mit Ihnen sprechen. Euromicron ist dabei nur ein Beispiel, nicht mehr.

Typisch für so Aktien ist, dass diese vor allem in den bekannten Anlegerpostillen immer an die Privatanleger heran getragen werden. Zu Euromicron zum Beispiel, liest man seit Jahren immer die gleiche Geschichte davon, dass der Aktie ja "so eine grosse Zukunft" bevor stehen würde. Blöd nur, dass diese Zukunft seit Jahren irgendwo immer +12 Monate entfernt ist und nie näher kommt. 😉

Netzwerk, Datensicherheit und IT-Sicherheit hört sich ja auf den ersten Blick auch nach Wachstum an. Nur reichen die Schlagwörter halt nicht, man muss schon genauer schauen, was das Unternehmen macht und vor allem, ob es wirklich einen Wettbewerbsvorteil hat, der nachhaltiges Wachstum ermöglicht. "Me too" Lösungen braucht der Markt nämlich nicht, auch nicht bei Sicherheit und Netzwerken.

Erst am 01.03.15 hat "Finanzen" dazu den folgenden Artikel Online gestellt: -> Euromicron: massiv unterbewertet < -

Da schreibt mal wieder jemand von "Value", weil das KBV bei 0,7 ist und fusst das Ganze auf die Aussagen und Hoffnungen des Managements bzw öffentlichen Zahlen. Sie wissen wie ich dazu stehe und in Artikeln wie -> Das Zerrbild des Value-Investing < - habe ich ausführlich dargelegt, was davon in meinen Augen zu halten ist: Nichts!

Ich hoffe, Ihnen als treue Leser ist schnell klar, wie verfehlt diese ganze Argumentation ist. Denn die könnte nur dann zutreffend sein, wenn man davon ausgeht, dass der ganze Rest des Marktes schlicht zu blöd und beschränkt ist, diese "offensichtliche Unterbewertung" aufgrund öffentlich sichtbarer Zahlen selber zu erkennen. Ein Kurswert unter dem Buchwert ist deswegen ohne tiefgehende Kenntnisse erst einmal ein Problemindikator und kein Kaufgrund!

Jetzt ist der Markt ja sehr wohl immer wieder lokal ineffizient und neigt zu Übertreibungen und auch dazu, Dinge temporär zu übersehen. Aber so "blöd", eine in den Anleger-Medien über Jahre immer wieder breit getretene Aktie permanent völlig falsch einzuschätzen - so blöd ist Mr. Market dann doch nicht!

Nein, die Realität ist, dass die geballte Intelligenz des Marktes der Euromicron gerade einmal 100 Millionen € Marktkapitalisierung zubilligt. Und da wir ja auch verstanden haben, dass der Markt Erwartungen einpreist und auch Unternehmen ohne Umsatz schon einmal ein paar Milliarden Marktkapitalisierung gewährt, wenn die Aussichten gut sind, heisst das umgedreht, dass hier niemand grosse Erwartungen hat. Ausser den Gläubigen solcher "Value-Analysen" natürlich, das sind die einzig Intelligenten im Markt. 😉

Auch zum Thema -> Marktkapitalisierung < - habe ich mich ausführlich geäussert und ich mache um so Unternehmen eine Bogen, weil wie in dem Artikel argumentiert, ist der Informationsnachteil für Anleger viel zu gross - wie wir ja heute wieder bei Euromicron sehen.

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Börsenjahr 2019 – Dem Optimismus eine Chance!

Ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019, wünsche ich auch an dieser Stelle allen freien Lesern!

Seit dem letzten Artikel am 17.12. ist viel passiert und wir haben in der Community dazu auch viel besprochen. Die Grundlage eines schlechten Jahresanfangs wie beschrieben, wurde durch eine katastrophale Kommunikation des FED Chefs Powell in der Woche vor Weihnachten zerstört.

Denn die Grundlage der Vergleiche zu 2008 und 2016 war ja, dass im alten Jahr die Kurse noch zusammengehalten werden, um die Performance nicht zu versauen, dann aber im neuen Jahr das große Geld "abzuladen" beginnt.

Was aber passiert ist, ist in Folge der FED am 19.12. ein Zusammenbruch des Marktes, der mit einem Ausverkauf am Freitag vor Weihnachten und genau am Heiligabend, historische Ausmaße angenommen hatte. Je nachdem wie man rechnet, war das der schlechteste Dezember seit der großen Depression der 30er Jahre, in deren Folge dann auch Adolf Hitler an die Macht gespült wurde - oder es waren sogar die schlimmsten Börsenweihnachten überhaupt!

Damit war die Grundlage eines im alten Jahr zusammengehaltenen Marktes gar nicht da, womit uns schon vor Weihnachten klar war, dass kurzfristig eher ein Rebound anstehen würde und so ist es dann ja auch gekommen:

Klar ist nun, dass wir hier eine Situation vor uns haben, die nach einem klassischen Test der Einbruchszone bei 2.600 nachgerade schreit, der dann abgewiesen wird und zu neuen Tiefs führt. Das ist das Model das die Bären haben dürften und es ist nicht von der Hand zu weisen.

Klar ist aber auch, dass in den US alle Binnendaten eigentlich immer noch eher positiv sind. So passen solche extrem guten Arbeitsmarktdaten wie letzten Freitag, einfach nicht mit einer Rezession vor der Tür zusammen - überhaupt nicht!

Und klar ist daher auch, dass der US Markt mit seiner Korrektur der Realität schon deutlich voraus gelaufen ist. Und das weil der Markt zu zwei Themen eine negative Erwartungen entwickelt hat. Erstens zur FED, das hatte Powell Anfang Oktober ausgelöst und Mitte Weihnachten eskaliert. Zweitens zum Handelskrieg mit China, der das ganze Jahr schon seine Schleifspuren hinterlässt, siehe Apple.

Objektiv deutet in den US weiter wenig auf eine Rezession hin und *trotzdem* hat der S&P500 20% abgegeben und die stärkste Korrektur seit 2008 generiert. Und das alles nur aus Angst, dass es schlechter werden *könnte*, aus reinem Konjunktiv heraus!

Das ist nicht ungewöhnlich, der Aktienmarkt hat immer schon 9 der letzten 5 Rezessionen vorher gesagt, man sollte sich das aber klarmachen. Und genau deshalb, ist eine positive Überraschung hier wahrscheinlicher, als es die historische Erfahrung nach so massiven Einbrüchen impliziert. Man darf das bullische Szenario nicht vom Tisch wischen.

Ich will hier im freien Bereich die taktische Diskussion um das was die kommenden Woche ansteht und wie sich das auf die Kurse auswirkt, gar nicht führen. Wie das Jahr wird, weiss sowieso niemand und man kann bestenfalls die Entwicklung der kommenden Wochen richtig einschätzen. Und wenn wir das wieder wie so oft hinbekommen, ist das das Maximum was möglich ist. Man fliegt eben auf Sicht, aber gute Sicht kann schon einen Vorteil verschaffen.

Ich will hier stattdessen das ganz große Bild betrachten, wie es sich für langfristigen Investoren darstellt. Viele Anleger haben ja in den letzten Jahren immer gesagt, dass sie dann bei der nächsten Korrektur endlich einsteigen würden.

Ich habe mich darüber immer lustig gemacht, weil die Erfahrung sagt, dass die die in den letzten Jahren immer gezögert haben, es in der Korrektur erst recht nicht können, weil dann die Nachrichtenlage so negativ ist. Dann wird wieder gezögert und am Ende passiert das Gleiche wie 2009 oder 2013 oder 2016, man wartet auf den "ganz großen Crash", der aber dummerweise statistisch nur alle paar Jahrzehnte mal kommt, der letzte liegt jetzt 10 Jahre zurück.

Schauen wir doch mal, wo wir in 2019 nun stehen:

  • Kann diese Korrektur sich ausweiten, der S&P500 bis zur 2016er Ausbruchzone fallen und damit 30-40% korrigieren? Eindeutig ja!
  • Kann der DAX wieder vierstellig werden? Eindeutig ja!
  • Kann eine Einigung zwischen US und China scheitern und ein heißer Handelskrieg entstehen? Eindeutig ja!
  • Kann Italien zu einem Bruch der Eurozone führen? Eindeutig ja!
  • Kann die Konjunktur in Deutschland als Folge einer Mischung von gesellschaftlicher Larmoyanz und Selbstverstümmelung endgültig in eine Rezession abkippen? Eindeutig ja!
  • Können die Probleme mit Krediten in den Emerging Markets sich zu einer neuen Kreditkrise ausweiten? Eindeutig ja!

Und so weiter, ich könnte mit anderen Themen weitermachen. Das alleine sagt uns aber gar nichts, denn diese Aussagen hätte ich auch vor 2 Jahren am Anfang von 2017 mehr oder weniger so machen können und Sie wissen ja, wie gnadenlos die Börsen in 2017 hoch geschoben haben.

Entscheidend ist nicht, dass diese Risiken existieren, entscheidend ist wie wahrscheinlich sie sind und wie viel davon schon im Markt eingebacken ist!

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Jahresanfang 2019 – historische Parallelen?

Der Markt konnte sich bisher selbst zu einer schwächlichen Jahresend-Rally nicht mehr aufraffen, was für diese Jahreszeit schon extrem ungewöhnlich ist.

Bis vor 2 Wochen war die Welt noch halbwegs in Ordnung und das Modell einer begrenzten Korrektur mit traditionell starkem Jahresende, bei der Mehrheit zurecht dominant. Erst der massive Absturz am Dienstag vor 2 Wochen, hat diese positive Interpretation negiert und die Stimmung allgemein massiv nach unten gedrückt.

In dieser nun laufenden KW51 besteht durchaus eine Chance auf Stärke, weil die FED am Mittwoch als Katalysator existiert und die Stimmung allgemein sehr negativ geworden ist. Wenn ein überverkaufter Marktzustand auf die FED trifft, schafft das in einem normalen Markt in der Regel eine positive Mischung.

Aber ist das noch ein "normaler" Markt? Und selbst wenn der S&P500 diese Woche doch noch zur Jahresende-Rally antritt und dem großen Einbruch noch einmal im letzten Moment von der Schippe springt, dürfte er zum Jahresende bestenfalls in der Range von 2.820 bis 2.600 bleiben, neue Hochs und ein Ende der Korrektur, sind für 2018 wohl eher vom Tisch.

Selbst aber wenn der Index nun noch einmal 10% korrigiert und in den Bereich von 2.400 eintritt, was nun sehr gut denkbär wäre, wäre der langfristige Aufwärtstrend noch intakt und das Geschehen müsste als üble, aber notwendige Bereinigung eines zu guten Jahres 2017 gewertet werden:

Wir alle würden gerne wissen, wie das in 2019 weiter geht, nur leider hat niemand eine Glaskugel, gerade die nicht, die am lautesten mit Prognosen um sich werfen.

Für 2018, waren die DAX-Prognosen der Analysten der Banken mal wieder völlig falsch, wie schon für 2017, warum bitte, soll man da für 2019 auch nur eine Sekunde darüber nachdenken?

Schauen Sie -> hier sind die Prognosen für 2018 < - , kein Einziger der "Prognostiker" hat auch nur ansatzweise den aktuellen DAX-Stand auf dem Radar gehabt, alle waren zu optmistisch. Und -> hier in 2017 < - waren alle zu pessimistisch, der DAX Stand Ende 2017 war 12.918.

Würde man eine Horde Affen mit Dartpfeilen auf ein Ziel mit Markierungen zwischen 10.000 und 15.000 werfen lassen, wäre die Trefferquote wahrscheinlich deutlich höher. 😛

Wir sehen was diese "Prognosen" sind, Fortschreibungen der Gegenwart, die kein Profi ernst nimmt. Diese werden nach meinem Eindruck geschrieben, um Otto Normalanlegers fatales Bedürfnis nach Führung zu befriedigen und sich als Bank ins Gespräch zu bringen. Auch außerhalb der Banken hatte kaum jemand diese massive Schwäche im Herbst auf dem Radar, auch ich in diesem Ausmass nicht. Aber ich behaupte auch nicht den Schlussstand des Folgejahres prognostizieren zu können, da liegt der Unterschied.

Aber, wir sind nicht völlig blind. Denn wenn man seine Zeit nicht mit solchen Prognosen vergeudet, sondern nach Mustern in der Marktmechanik sucht, wird man gerade um den Jahreswechsel fündig. Da gibt es viele Muster die immer wiederkehren, das "Window-Dressing" zum Jahresende ist dabei einer der bekanntesten Faktoren. Und von diesen Mustern kann man einiges ableiten.

2018 ist dabei besonders spannend, weil wir - wenn nicht noch ein Weihnachtswunder passiert - weit ab von den Höchstständen schliessen werden und die Jahresendrally bestenfalls schwach war und schlimmstenfalls ganz fehlte.

Was bedeutet das für den Jahresanfang?

Oft nichts Gutes. Bis zum Jahresende werden die Börsen oft noch zusammengehalten, weil sich die großen Markt-Elefanten ihre Jahresperformance - an der auch Boni hängen - nicht völlig versauen lassen wollen. Am Anfang des neuen Jahres, kann dann nach schwachen Jahren aber das Großreinemachen losgehen und Hedge-Funds werden liquidiert, die nicht performt haben.

Während nach starken Jahren der Jahresanfang also gerne Stärke bringt, weil jeder im Sinne "neues Spiel neues Glück" sich wieder einkaufen will, wird es nach schwachen Vorjahren und einem schwachen Jahresabschluss gerne gefährlich.

Sie wollen einen Beleg dafür? Nun schauen Sie auf die letzten 12 Jahre, da hatten wir fast immer ein starkes Jahresende und dann einen brauchbaren Start ins neue Jahr. Aber es gab zwei Jahre mit schwachem Jahresabschluss, als die Jahresendrally faktisch ausgefallen ist - wie möglicherweise 2018, noch hat das Jahr ja 2 Wochen um was gut zu machen.

Und das waren 2007 und 2015 und hier ist, was danach passierte:

Ich denke das ist eindrucksvoll und eindrücklich.

Gerade wenn jetzt mit der FED doch noch späte Stärke kommt, hätten wir eine Replik dieser Vorjahre, eine schwache Jahresendrally mit Risiko, dass es zum Jahresanfang richtig zu rappeln beginnt.

Und für dieses "Rappeln" gibt es auch objektive Gründe, es dürfte in diesem schwierigen Jahr einige institutionelle Anleger, insbesondere Hedge-Fonds, "erwischt" haben, die dann in 2019 abgewickelt werden und das ist selten gut für einen Markt.

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