11 Wahrheiten der Krise

Eine Krise bringt die Wahrheit an den Tag, das ist eine alte Weisheit, die wir auch in diesen Monaten wieder erleben dürfen.

Vielen von uns wird es in den letzten Wochen so gegangen sein, dass wir manch öffentliche Person plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel erlebt haben, als wir ihn bisher kannten.

Auch politische Frontlinien wurden viele Wochen lang durcheinander gewirbelt und individuelle ethische Grundüberzeugungen wurden viel wichtiger als Maßgabe für das eigene Handeln, erst in den letzten Wochen haben sich die politischen Lager dann wieder die Diskussionshoheit erkämpft.

Auch im privaten Umfeld hat bei vielen die Krise die Wahrheit ans Licht gebracht. Wir wissen nun viel eher, wer zuverlässig ist und wer nur an sich denkt. Wir wissen nun wer hilfsbereit und wer rücksichtslos ist. Wir wissen wer emphatisch und wer nur eine selbstverliebte Egobombe ist. Und wir wissen wer rational und wissenschaftlich denkt, die Komplexität und das teilweise Nichtwissen akzeptierend und wer lieber den Aluhut aufsetzt, weil er dringend einfache Antworten in einer zu komplexen Welt braucht.

Aber gerade auch bei der Geldanlage hat die Krise ein paar Wahrheiten wieder ans Tageslicht gebracht und Fehlentwicklungen sowie Lebenslügen enttarnt, was auch kein Wunder ist, viele Anleger sind nun im Markt, die erst nach 2009 dazu gekommen sind und ergo nie eine echte Krise erlebt haben.

Lassen Sie mich daher mal zusammenfassen, welche 11 Wahrheiten diese Krise bisher wieder besonders herausgearbeitet hat:

Erstens, es gibt kein absolute Sicherheit am Markt, jede Aktie, egal wie stabil in der Vergangenheit, kann bei der für sie "richtigen" Krise in existenzielle Nöte geraten.

Zweitens, zu erstens passend, stures Buy&Hold ist eine Lüge. Ruhiges Investieren ist richtig, es braucht aber immer den "Check", das Risikomanagement bei extremen Veränderungen. Auch Buffett hat das nun vollzogen und alle Fluglinien mit Verlust rausgehauen und den Kauf als Fehler bezeichnet. Ruhiges Buy&Hold&Check ist in Ordnung, blindes Buy&Hold ohne Check eine Lüge. Das gilt auch für Sektoren und damit Sektoren-ETFs, siehe Buffetts Entscheidung zu Airlines generell.

Drittens, eine Aktie die massiv gefallen ist und keine Lebenszeichen sendet, ist nicht "billig", sondern ein Pleitekandidat, mit dem man *alles* verlieren kann. Das kann man mit Sektoren-ETFs abmildern, aber auch nicht ganz ausschliessen, wenn ein ganzer Sektor ins Trudeln kommt.

Viertens, es ist gar nicht so schwierig einem schweren Einschlag wie Ende Februar aus dem Weg zu gehen, man muss es nur tun und die Technik dafür beherrschen. Wenn eine Vase von der Tischkante kippt, erkennen wir das Risiko auch sofort und sind in der Lage schnell zu handeln, dieser Absturz war nicht viel anders.

Fünftens, Risikomanagement ist in schweren Krisen Pflicht, wer nichts getan hat und jetzt wo die Kurse schon wieder ein gutes Stück hochgekommen sind denkt, dass doch alles nicht so schlimm gewesen sei, hat überhaupt nicht begriffen, dass ihn nicht die eigenen Fahigkeiten, sondern nur das pure Glück des historisch einmaligen Stimulus von Notenbanken und Staaten gerettet haben. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen, ohne die einmalige Geldschwemme von Staaten und Notenbanken, wären wir nun in einer schweren Depression, es gäbe reihenweise Pleiten, Firmen würden wie Dominosteine kippen und die Kurse wären 60-70% von den Hochs gefallen!

Sechtens, nach dem Absturz wieder in den Markt zu kommen ist schwieriger als rauszukommen, weil man ohne Glaskugel nie den perfekten Boden erwischt. Man sollte es auch gar nicht versuchen, sondern den Vorteil des vermiedenen Absturzes mitnehmen und in Scheibchen schön stufenweise wieder aufbauen. Denn unser Job als Investoren ist vor allem investiert zu sein, den schweren Krisen aber zumindest teilweise aus dem Weg zu gehen.

Siebtens, es ist Liquidität und der daraus entstehende Anlagedruck der Märkte bewegt, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt müssen Märkte steigen, egal wie die fundamentalen Daten aussehen. Denn der Markt ist *nicht* die Ökonomie, er war es nie und wird es nie sein.

Achtens, Dividenden waren nie, sind nicht und werden nie der neue Zins sein. Dividenden sind nichts weiter als der Sekundäreffekt von hohem Cashflow und guten Gewinnen. Nur gute, dauerhaft wachsende Firmen, können auch dauerhaft wachsende Dividenden ausschütten. Konzentrieren Sie sich also nicht auf die Dividendenhöhe, sondern darauf beständig wachsende Unternehmen zu finden! Ob diese dann eine Dividende zahlen ist nett und lobenswert, aber am Ende sekundär, siehe Amazon und viele Topaktien ohne relevante Dividende.

Neuntens, Kurse entstehen aus Erwartung, beim Markt im Zeithorizont von Monaten bis zu ca. einem Jahr. Es ist also Zukunft die an den Börsen gehandelt wird und nur Aktien mit guter Zukunft werden in Krisen auch relative Stärke und Stabilität zeigen. Alte Kennzahlen, Dividenden, Meriten der letzten Jahrzehnte, das hat in einer neuen Krise alles keine Relevanz, wenn es an Zukunft fehlt. Eine aussichtsreiche Zukunft und absehbares Wachstum stabilisiert Kurse, keine Lorbeeren der Vergangenheit!

Zehntens, Krisen sind wunderbare Zeiträume um zu lernen, Fehler zu erkennen und sich als Anleger weiterzuentwickeln. In Krisen können wir wachsen, aber nicht jeder schafft es das Wachstum zuzulassen. Denn Beharren, Sturheit, das Ego und irrationale Ängste sind unsere Feinde dabei, der Wahrheit ins Auge zu schauen, das Problem im Spiegel zu identifizieren und für uns Schlüsse zu ziehen. So ist jeder Anleger in dieser Krise seines eigenen Glückes Schmied und nicht die Umstände, denn auch diesen Crash von März hätte man so oder so durchleben können, der Unterschied liegt in uns und nicht in bösen Mächten.

Elftens, das Auf und Ab gehört zu den Märkten wie der Morgen zum Abend und das Yin zum Yang. Ohne den Abend würde es keinen Morgen geben und ohne den Crash keine Jahre der steigenden Kurse. Rein aus Anlegersicht, die mit unserer Sicht als Bürger nicht deckungsgleich sein muss, sollten wir diesen Crash des März also begrüssen und ihn für unsere Depots umarmen. Er ist wie ein frischer Gewitterguss nach einem drückend-schwülen Sommertag und der historisch einmalige Stimulus lässt "befürchten", dass uns wieder lange Hitzeperioden an den Börsen bevorstehen werden.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Von Spahn, Prävention, Draghi und der Mietpreisbremse – Die Reflexivität sozialer Systeme

Ich habe vor vielen Jahren einen wichtigen Artikel zur Reflexivität und ihrer -> Bedeutung für das Börsengeschehen <- geschrieben. Aber das wirklich Wichtige wird gerne überlesen, ist ja auch viel einfacher und weniger anstrengend die Welt oberflächlich mit simplen Kausalbeziehungen zu betrachten. 😉

Am Ende des Artikels habe ich dann im PS geschrieben:

Ach ja, kluge Köpfe, die es überhaupt bis hier unten zum PS geschafft haben und durchdrungen haben, wovon ich da oben schreibe, werden sich jetzt fragen, warum ich diese Erkenntnis in einem öffentlichen Blogeintrag teile, denn damit unterläge sie ja auch der Reflexivität. 😉 Guter Punkt, kann ich da nur sagen!

Die Antwort ist einfach, es wird sowieso kaum jemand wirklich durchdenken und schon gar keine Schlussfolgerungen für das eigene Handeln am Markt ziehen. Denn diese Erkenntnis läuft unseren menschlichen Gehirnstrukturen zuwider, wir mögen solche Wahrheiten nicht. Und was wir nicht mögen, strafen wir mit Nicht-Beachtung und sonnen unser Ego lieber in unserer kausalen Kontrollillusion, auch Prognose genannt. 😉

So dürfte es bei vielen auch gekommen sein und vor allem kann man dieses Unverständnis selbstreferenzieller sozialer Prozesse auch permanent in der Politik wiederfinden, die Gesetze verfasst, die sich durch ihre Existenz sofort selber unwirksam machen.

Und genau dazu will ich nun noch einmal kommen, gar nicht alleine auf die Börse bezogen, denn Reflexivität ist eine Eigenschaft *aller* sozialen Systeme, in denen die Beobachter bzw die Einflußfaktoren, selber Teil des Systems sind.

Lassen sie mich noch einmal erklären worum es geht, es ist wirklich wichtig - für die Börse, für die Politik und für das Leben überhaupt.

Bei nicht-sozialen Systemen ist es oft ganz einfach. Nehmen wir den berühmten Automotor. Den beobachten sie als Ingenieur genau und können im Laufe der Zeit seine Funktionsweise begreifen. Und Sie wissen, wenn Sie am Abend mit der Arbeit aufgehört haben und am Morgen wiederkommen, wird der Automotor noch genau so funktionieren.

Dann entwickeln sie dafür ein neues Ventil, von dem sie sich Verbesserungen erhoffen, setzen es ein und messen die Effekte. Die Messung liefert ihnen objektive Daten, die sie jedes Mal wenn sie unter identischen Bedingungen erneut messen, wieder erhalten werden.

Das ist ein System, das *nicht* selbstreferentiell, *nicht* reflexiv agiert. Ein System das kausal - nach bestimmten Naturgesetzen - funktionert und das auch unabhängig davon tut, ob sie es beobachten. So ein System kann man immer feiner verbessern und es macht, was wir wollen.

Und viele stellen sich vor, dass Gesellschaften oder eben die Märkte, genau so funktionieren würden und landen damit permanent auf der Nase. Der Sozialismus mit seiner Planwirtschaft hat auch diesen völlig verfehlten Ansatz von planbarer Kausalität sozialer Systeme, was völliger Quatsch ist, es gibt kein anderes Wort dafür.

Was passiert aber, wenn wir ein *soziales System* vor uns haben, bei dem die Teile des Systems selber zur Wahrnehmung und Anpassung befähigt sind, weil es zum Beispiel Menschen sind? Dann können sie ihre "Kausalität" vergessen, sie wird zur Illusion.

Das geht schon bei den berühmten Erdmännchen los, die ich im alten Artikel schon erwähnt hatte. Die führen ein reiches soziales Leben, wenn sie das als Tierforscher aber beobachten wollen, müssen sie das tunlichst so tun, dass die Erdmännchen davon nichts bemerken.

Denn wenn die Erdmännchen es bemerken, werden sie ihr Verhalten dem fremden Einflußfaktor anpassen und sich anders verhalten. Sie können Erdmännchen also systemimmanent nicht richtig beobachten, wenn die die Beobachtung bemerken!

Als kleiner Abstecher gibt es diesen "Beobachtereffekt" ja auch auf atomarer- bzw Quantenebene. Wenn sie sich klarmachen, dass unsere "Beobachtung" durch Mikroskope ja zwangsläufig selber aus Atomen bzw Wellen besteht, ist völlig klar, dass man auf dieser Ebene nicht mehr beobachten kann, weil die Beobachtung das Ergebnis verzerrt. Echte Beobachtung erfordert eben immer, dass das Ergebnis nicht verfälscht wird, kein Wunder dass niemand wissen kann, ob Schrödingers Katze tot oder lebendig ist. 😉

Aber zurück zu sozialen Systemen, das Verhalten der Erdmännchen ist doch bei Menschen nicht anders. Nehmen sie die Sozialdynamik einer unbeobachteten Schülergruppe auf dem Schulhof und dann stellen sie in der Nähe einen Lehrer zur Überwachung daneben - sie werden unterschiedliches Verhalten bekommen.

Das ist schon eine Abform der Reflexivität, denn alleine durch das Wissen um die Beobachtung hat das System - hier die Schülergruppe - seinen Zustand geändert. Eine objektive Beobachtung ist in einem reflexiven System eben unmöglich, weil schon die Beobachtung das System verändert - ausser diese bleibt völlig unerkannt und ohne jeden Einfluss.

Genau das passiert permanent in den Märkten, es ist unmöglich öffentlich etwas Analytisches über den Markt zu sagen, ohne ihn ein wenig zu verändern. Der Grad der Veränderung hat natürlich immer mit der Aufmerksamkeit zu tun, die der Botschaft entgegen gebracht wird, aber auch ich verändere den Markt nun ein wenig, weil vielleicht ein paar von ihnen nun auf neue Gedanken kommen und ihr Handeln anpassen.

Wenn Sie dann bekannte Investoren wie Ray Dalio nehmen, reicht es schon aus, dass der öffentlich eine Beobachtung äussert, um die Gelder wie mit Zauberhand in Bewegung zu setzen.

Wenn so jemand jetzt also sagt, die Aktie XYZ sei massiv unterbewertet und würde im nächsten Jahr sicher stark steigen, wird sich die Unterbewertung in kürzester Zeit auflösen, weil der Markt darauf schon reagiert!

Eine reine Beobachtung, hat im selbstreferentiellen (=reflexiven) System also sofort den Zustand des Systems verändert! Das hört sich vielleicht trivial an, ist es aber nicht, es ist zentral!

Es ist also unmöglich, den Markt öffentlich zu analysieren oder kommentieren, ohne ihn (zumindest ein wenig) zu verändern, weil wir Beobachter und Marktteilnehmer *gleichzeitig* sind und daher immer reflexive Auswirkungen generieren!

In dem Moment, wo wir die Beobachtung bzw Analyse öffentlich äussern und damit die Selbstreferentialität auslösen, ist der Markt - das Objekt der Analyse - also schon nicht mehr der Gleiche. Wenn alle fest davon ausgehen, dass der Markt steigen muss, kann er es deswegen gar nicht mehr, weil die Anpassung schon vorgenommen wurde - und umgedreht.

Also kann es auch keinen objektiven Marktzustand geben, im Gegensatz zum Automotor, dessen Zustand objektiv ist, weil er eben kein reflexives System ist.

Ich hoffe sie konnten mir bis hierhin folgen und jetzt will ich ihnen zeigen, dass diese wichtige Erkenntnis keineswegs auf den Markt begrenzt ist.

Gerade in der Politik - die Planwirtschaft habe ich oben schon erwähnt - führt das Unverständnis solcher reflexiven Prozesse zuverlässig zu Gesetzen, die bei Seiteneffekten das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich wollen.

Da gibt es zum Beispiel in vielen Gemeinden eine Baumschutzverordnung, nach der Bäume auch auf Privatbesitz nicht ohne (kaum erteilte) Genehmigung gefällt werden dürfen, wenn sie einen Umfang von zB 100cm erreichen.

Das schützt die Existenz bestehender Bäume. Stimmt. Gleichzeitig führt es aber dazu, dass Gartenbesitzer Bäume kurz unter der Grenze lieber still und leise abholzen und kleiner wieder neupflanzen, damit sie nie in diese Gängelung auf dem eigenen Grund hineinlaufen. Alte Bäume werden so geschützt, Neue werden gar nicht erst gross.

Das ist die Reflexivität sozialer Systeme. Alleine das Wissen um das Gesetz hat das Verhalten des Systems Baum-Grundstück-Mensch verändert und zwar anders, als erwünscht.

Dann haben wir natürlich die diversen "tollen" Gesetze rund um die Mietpreisbremse usw, die in Berlin ja besondere Urstände feiern. Es schützt die Mieter die drin sind. Stimmt.

Es führt aber dazu, dass kein vernünftiger privater Investor da neue Mietobjekte eröffnet. Langfristig wird es dort kaum mehr private Vermieter geben und Vermietung nur noch das Geschäft großer Konzerne sein, die sich das mit eigenen Rechtabteilungen leisten können. Der aktuellen Politik hilft dabei nur, dass diese systemische Veränderung nicht sofort sichtbar ist, sondern wegen der Trägheit der Immobilienmärkte ein Jahrzehnt brauchen wird. Mit den Folgen müssen sich dann andere herumquälen und es wird sich bestimmt wieder ein unschuldiger Schuldiger finden. Alte Mietverhältnisse werden geschützt, neue gibt es immer weniger.

Das ist die Reflexivität sozialer Systeme. Alleine das Wissen um das Gesetz hat das Verhalten des Systems Vermieter-Mieter verändert und zwar anders, als erwünscht.

Wir haben aber auch ein aktuelles Beispiel, da hat Jens Spahn aktuell -> diese Schnappsidee eines Immunitätsausweises <- vorgestellt. Theoretisch hört sich das ja vernünftig an, wer immun ist, kann sich frei bewegen.

Es führt aber zuverlässig dazu, dass die gefühlt 30% die das Virus sowieso für Humbug oder "nur eine Grippe" halten, alles versuchen werden um sich schnell anzustecken, damit man wieder alle Freiheiten geniessen kann. Gewollt war also ein leichteres Wiederanlaufen der Gesellschaft, bekommen wird man eine neue Ansteckungswelle, die man gerade vermeiden wollte.

Das ist die Reflexivität sozialer Systeme. Alleine das Wissen um das Gesetz wird das Verhalten des Systems Mensch-Virus-Gesellschaft verändern und zwar anders, als erwünscht.

Sie glauben mir sicher, dass ich mit unzähligen Beispielen weitermachen könnte, sie werden sicher selber eine Menge Beispiele finden.

Entscheidend ist dass wir verstehen, dass soziale System reflexiv auf sich selber reagieren, alleine die Beobachtung des Zustands des Systems reicht also, um es zu verändern.

Weswegen solche sozialen Systeme sich grundlegend einer objektiven Analyse entziehen und immer in Bewegung und im Fluß sind. Und das ist die Gesellschaft, aber eben auch der Markt.

Es gibt leider zu wenige Köpfe - gerade auch in der Politik - die das wirklich durchdringen. Egal was man von seinen Handlungen hält, Mario Draghi war so ein kluger Kopf, denn was genau war denn sein berechnendes "whatever it takes"?

In dem er glaubhaft ankündigte, dass die EZB unter seiner Führung zu allen Schandtaten bereit sei, hat er den Zustand des Marktes verändert und somit Dinge gar nicht erst tun müssen, die sonst nötig geworden wären.

Auch aktuell haben wir das erlebt, die Menschen haben schon vor dem Lockdown ihr Verhalten verändert und sich zurückgezogen und wenn das nur genügend diszipliniert in Breite passiert wäre, wären die Beschränkungen gar nicht nötig gewesen. Ohne die Beschränkungen und ohne das Risiko des Virus drastisch zu kommunizieren, hätte es aber diese Anpassung gar nicht gegeben! Die Dinge bedingen sich selbstreferentiell gegenseitig.

Der kluge Sinnspruch "There is no glory in Prevention" hat das erkannt, er beschreibt genau den reflexiven Effekt, dass in einem sozialen System eine erfolgreiche Prävention zwangsläufig in Frage gestellt werden wird, weil sie sich selber der sichtbaren Grundlage beraubt hat!

Das alles ist Reflexiviät. Sie liegt über dem Marktgeschehen, weswegen man wirklich nur lächeln kann über alle, die dem Marktgeschehen sozusagen mit "Exaktheit" und "Zollstock" auf Millimeterbasis zuleibe rücken wollen, wie einem Automotor.

Der reflexive Markt atmet und dreht sich in seinem eigenen Saft, Kurse machen Nachrichten und Analysen, die wiederum machen Kurse, die wiederum Nachrichten machen und so weiter und so fort, in einem ewigen Kreis. Und genau das macht den Markt so herausfordernd und spannend.

Da praktisch die gesamte neoklassische Wirtschaftstheorie diese reflexiven Effekte einfach ignoriert, obwohl sie der Kern des Marktes sind und da in diesen Theorien immer wieder versucht wird den Markt wie einen Automotor zu modellieren, sind deren Ergebnisse in der realen Anwendung auch so jämmerlich, weil sie mathematisch anspruchsvoll eine Wirklichkeit beschreiben, die so kausal gar nicht existiert.

Reflexive Systeme kann man eben nicht alleine mit Kausalitäten beschreiben, solche Systeme haben aber Muster, wie Strömungen im Fluß oder Wetterlagen. Und erfolgreiche Anleger sind in der Lage, diese zu identifizieren. Das ist aber eine andere Geschichte,

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Warum steigen (und fallen) Kurse eigentlich?



Auch unter Anlegern die sich mit der Börse beschäftigen, gibt es oft eine erstaunliche Wissenlücke, die deshalb so erstaunlich ist, weil sie mit dem grundlegenden Verständnis zu tun hat, wie Kurse am Markt überhaupt entstehen.

Gehört hat jeder schon mal davon, dass "Angebot und Nachfrage" die Kurse bewegen und man spricht umgangssprachlich von "Zuflüssen" oder "Abflüssen" im Markt und von "Kaufdruck" oder "Abgabedruck", ohne darüber nachzudenken.

Wenn die Anleger dann aber anfangen darüber nachzudenken, stocken Sie oft und stellen fest, dass da irgendwo noch ein großes Wissens-Loch sein muss. Und dann kommen Fragen wie die, wie denn dem Markt überhaupt Geld zufliessen kann, weil jedem Verkäufer doch ein Käufer gegenüber steht? Das Geld im Markt muss doch also gleichgeblieben sein? Oder?

Denken Sie mal darüber nach. 😉

Zunächst einmal ist völlig richtig: Wenn man nur eine Transaktion betrachtet und ein Verkäufer eine Aktie einem Käufer für exakt den derzeitigen Marktpreis verkauft, fliesst dadurch dem Markt weder "Geld zu", noch bewegen sich dadurch die Kurse. Durch den Verkauf einer Aktie wird dem Markt also weder Geld hinzugefügt, noch abgezogen, die Aktie wechselt den Besitzer und fertig.

Ist das Gerede von "Liquiditätsdruck" und "Zuflüssen" also Unfug?

Nein, weil diese Sicht oben viel zu statisch ist. In Wirklichkeit stehen sich an einem geregelten Handelsplatz - auch Börse genannt - Tausende von Käufern und Verkäufern in einer Aktie gegenüber und jeder will irgendetwas.

Wenn sich die gleiche Zahl an Verkäufern und Käufern mit gleichem Volumen gegenübersteht - von nun an "Angebot" und "Nachfrage" genannt - bewegt das den Kurs auch nicht. Die ganzen Transaktionen laufen, die Aktien wechseln den Besitzer und dem Markt fliesst weder etwas zu, noch fliesst etwas ab.

Jetzt stellen wir uns aber ein Ungleichgewicht vor, da ist vielleicht zur Aktie gerade eine sensationelle Nachricht hereingekommen und ganz viele wollen so schnell wie möglich nun die Aktie im Depot haben. Dummerweise haben aber auch die potentiellen Verkäufer diese Nachricht mitbekommen und wollen plötzlich nicht mehr verkaufen, oder nur zu weit höheren Preisen.

Nun stehen an der Börse also Massen an potentiellen Käufern nur wenigen Verkäufern gegenüber. Und jetzt passiert letztlich etwas Ähnliches, wie das was Sie ähnlich auch von einer Auktion von EBay kennen - viele Käufer treiben den Preis.

Der Druck in dem großen Überhang an Käufern ist also immens "zum Schuss" zu kommen und dafür werden von der Nachfrage höhere Preise geboten, um die anderen aus dem Feld zu schlagen.

Am Ende bekommt ein Käufer nach dem Algorithmus der Börse den Zuschlag, die Transaktion findet statt und die Aktie wechselt den Besitzer, aber eben zu einem *höheren Preis* als noch vor einer Minute.

Dieser Preis-Mechanismus läuft aber in den elektronischen Systemen in Sekundenschnelle tausendfach automatisiert ab, weswegen die Kurse sich zu bewegen scheinen, obwohl es nur tausende solcher kleinen Einzeltransaktionen sind, die den Kurs als einzelne Transaktion nur mininal bewegt haben.

Und damit ist dem Markt auch Geld "zugeflossen", denn die Aktie, die vorher vielleicht 50 Milliarden Marktkapitalisierung hatte, ist durch einen Anstieg um 2% nun auf 51 Milliarden gewachsen. Diese eine Milliarde Differenz ist jetzt *zusätzlich* im Markt gebunden, man könnte also sagen, diese sei "dem Markt zugeflossen".

Der Gedankenfehler der bei der obigen Frage gemacht wird, ist aber zu glauben, dass das Geld real in den Markt "injiziert" würde. Insofern ist das Wort vom "Zufluss" eigentlich missverständlich und im engen Sinne falsch!

Denn injiziert wurde hier gar nichts, der höhere Preis durch den gestiegenden Kurs wurde vom Verkäufer vereinnahmt. Denn der Druck von Anlagegeld, das sich in erhöhter Nachfrage zeigt, hat zu höheren Preisen geführt, womit der *Buchwert* der vorhandenen Aktien höher bewertet wird. "Geflossen" ist also im engen Sinne nichts, aber der Druck der Nachfrage treibt den Buchwert der Bestände nach oben - so ist es sprachlich präzise richtig.

Die Bilder von "Liquiditätsdruck" und "Zufluss" der zu höheren Preisen führt, sind also im engen Sinne falsch bzw missverständlich, beschreiben aber den wirtschaftlichen Effekt bezogen auf das Gesamtsystem völlig richtig und werden daher zurecht verwendet. Nachfrage-Druck lässt die Preise steigen und macht alle Besitzer dieser Güter damit "reicher" in den Büchern. Ob aus dem Buchgewinn ein echter Gewinn wird, weiss jeder aber erst, wenn er die Aktie wirklich verkauft.

Dieser letzte Hinweis ist wichtig, denn alles ist erst einmal "Buchwert", bis jemand bereit ist dafür wirklich etwas zu zahlen.

Briefmarkenbesitzer sollten das gut kennen, denn wer sammelt heute noch Briefmarken? Weil das so ist, ist die Nachfrage eingebrochen und damit sitzen viele auf theoretischen Buchwerten, die aber keine realen Werte sind, weil ihnen niemand das real zu den Katalogpreisen abkaufen wird.

Auch für Immobilien gilt das und auch für Gold, die vermeintlichen "wahren Werte" sind auch erst einmal nur Buchwerte, denn wenn heute über Nacht jemand eine Atomumformung erfinden würde, mit der man Gold nahezu kostenlos konstruieren kann, würde niemand mehr Gold kaufen, die Nachfrage also kollabieren und der realer Wert sich daher schnell der Null annähern.

Alles ist also Buchwert, bis jemand real dafür kauft und es gibt daher auch keine andere objektive Wahrheit als diesen Preis, der real gezahlt wird. Diese Kurs-Differenzen an Märkten, machen an einem aktiven Handelstag mit 1 oder 2% Index-Bewegung Milliarden an Buch-Effekt in den Depots aus. Milliarden!

Die Aussagen von "Kaufdruck", oder "Liquiditätsdruck" sind also im Ergebnis zutreffend. Zutreffend ist auch, dass dem Markt umgangssprachlich dadurch Kapital "zufliesst", weil sich der Wert der Bestände in den Büchern (Depots) erhöht.

Ich versuche das mal mit einem absurden Beispiel zu erklären.

Wie stellen uns eine Aktie mit 50 Milliarden € Marktkapitalisierung vor. Am Tag werden an der Börse aber nur 100 Millionen € Volumen gehandelt.

Da wir in dem Beispiel eine Diktatur sind, hat der große Zampano beschlossen, dass Verkäufe von Aktien "un" sind - wahlweise "un-deutsch", "un-sozial", "un-progressiv" oder was auch immer. Wer verkauft, wird also an die Wand gestellt, weswegen es nur eine minimale Zahl ganz mutiger Verkäufer gibt.

Gleichzeitig kann aber nur der in dem Land etwas werden, der sich mit Aktien eindeckt. Weswegen nun ein massiver Überhang an Nachfrage existiert und dieser die Kurse stark steigen lässt.

Nehmen wir nun an, dass an diesem Tag wieder 100 Millonen € gehandelt werden und die Kurse mangels Verkäufern um 10% steigen. In Summe wurden dann also ca. 110 Millionen € gehandelt.

Objektiv additiv "zugeflossen" ist dem Markt dabei gar nichts, die 110 Millonen und darunter die 10 Millonen Anstieg, wurden unter glücklichen Verkäufern verteilt, die damit von dann ziehen.

Durch diese Kurssteigerung, hat sich die Marktkapitalisierung der Aktie aber um 5 Milliarden € nach oben geschoben! Jeder der die Aktie im Depot hat, wurde also massiv "reicher", reiner Buchgewinn natürlich, denn erst beim Verkauf wird sich zeigen, ob da wirklich jemand real das Geld für diesen Preis auf den Tisch legt.

10 Millionen zusätzliches Kapital, das über das normale Maß hinaus in Käufe injiziert wurde - die 10% Anstieg bezogen auf das tägliche Handelsvolumen - haben also einen Buchgewinn von 5 Milliarden bei den Anlegern erzeugt. Cooles Ding oder? Aber genau das ist Börse. 😀

Der Transmissionsriemen der das ermöglicht, sind die tausenden "Kurs-Matches" die von den Ordersystemen der Börse in jeder Sekunde durchgeführt werden und die bei Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage zu sich bewegenden Kursen und damit einer Veränderung der Marktkapitalisierung führen.

Ich wiederhole also, es ist durchaus "Liquiditätsdruck", der zu einem Überhang von Nachfrage führen kann und dann steigen die Preise und damit auch die Buchbewertung der Aktien, die schon irgendwo im Besitz sind.

Das Bild von "Kaufdruck" und "zufliessender Liquidität" ist also zutreffend, auch wenn es oft fehlinterpretiert wird und mit dem Handelsvolumen als Ganzes verwechselt wird oder geglaubt wird, dass die Gelder der Käufer an die Unternehmen oder in den Markt "fliessen" würden. Nein, die "fliessen" nur an die Verkäufer, entscheidend ist der Kurseffekt!

Klar ist damit aber auch:

Nur Angebot und Nachfrage bewegen *direkt* die Kurse an einem freien Markt. Punkt!

Und Angebot und Nachfrage entsteht typischerweise, weil sich Erwartungen an die Zukunft verändern, die zu einer Handlung verleiten. Insofern kann man auch ganz legitim sagen, dass primär Erwartungen die Kurse bewegen und der Markt damit gedanklich permanent in der Zukunft schwebt.

Denn all die anderen Dinge, die für Kursbewegungen angeführt werden, bewegen die Kurse nur *indirekt*, über den Transmissionsriemen der Erwartungen, die Angebot und Nachfrage erzeugen.

Gute Quartalszahlen erhöhen eben beispielsweise die Nachfrage und eine Schreckensmeldung erhöht das Angebot, weil sich die Erwartungen verändern. Machen Sie sich bitte klar, dass Sie selber auch genau so funktionieren. Sie sehen eine Meldung, diese macht sie auf etwas aufmerksam, verändert also ihre Erwartungen und Sie beschliessen zu kaufen oder verkaufen. Und in Folge steigen oder fallen die Kurse und die Marktkapitalisierung ändert sich.

So funktioniert Börse, womit auch klar ist, welchen grundlegenden Fehler ganz viele Perma-Bären machen, die sich von fundamentalen Ängsten vor schlimmen Krisen zum Kampf gegen den Markt verleiten lassen.

Etwas vereinfach gesagt, stellen wir uns die schlimmste Krise vor, die es gibt, die Welt geht unter! Stellen wir uns weiter vor, in diese Krise beginnen die Notenbanken jeden Tag Billionen zu "schöpfen" und damit massiv am Aktienmarkt auf Kauftour zu gehen. Aktuell sind wir da ja schon fast.

Die Kurse werden dann steigen, weil die Nachfrage das vorhandene Angebot überwältigt. Die Kurse werden mitten in der schlimmsten Krise der Menschheit steigen, denn der Markt ist *nicht* die Wirtschaft!

Welche Nebeneffekte das hat und ob außer den Notenbanken dann irgend jemand etwas davon hat, ist eine ganz andere Frage, aber die Kurse werden steigen!

Machen Sie sich das unbedingt klar, der entscheidende Treiber der Märkte ist Angebot und Nachfrage! Und die Nachfrage hängt wiederum mit der freien Liquidität zusammen, die Anlagenotstand hat.

Solange also freie Liquidität dringend eine Anlagemöglichkeit braucht, entsteht ein Nachfrage-Überhang und die Kurse werden weiter steigen, egal was irgendwelche Fundamentaldaten sagen. Und Politik und Notenbanken tun derzeit alles dafür, dass das so bleibt.

Fundamentaldaten sind also nicht unwichtig, aber für die täglichen Marktbewegungen sekundär.

Primär ist der Kauf- oder Verkaufsdruck, also die Menge an Kapital, die sich in Bewegung setzen will - Angebot und Nachfrage eben. Fundamentaldaten haben darauf einen Einfluss, weil sie Erwartungen verändern, sind aber nicht der einzige wichtige Faktor der auf die Erwartungen wirkt.

Ich hoffe, ich konnte den Zusammenhang deutlich machen. Alles leitet sich aus Angebot und Nachfrage ab.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Vom ewigen V und vom Stockpicking


Es gibt mittlierweile eine halbe Anlegergeneration, nämlich alle die seit 2009 in den Markt gekommen sind, die Börsenkrisen nur noch so kennen, dass jedweder Einbruch sofort in Form eines "V" wieder aufgeholt wird.

Kein Wunder dass es bei denen viele Stimmen gibt, die Risikomanagement für völlig nutzlos halten, weil sie kennen halt nichts anderes und haben nie erlebt wie es ist, sich wie 2000-2003 drei Jahre lang durch einen langen Bärenmarkt zu quälen, einen langen, langen Tunnel bei dem jedes Licht immer nur die Scheinwerfer des entgegenkommenden Güterzuges sind.

Dass sich das so geändert hat, hat natürlich einen offensichtlichen Grund und das sind die immer aggressiveren Stimulus-Maßnahmen von Staaten und Notenbanken, die nun ein historisch absolut einmaliges Ausmaß erreicht haben - es wird eigentlich nur noch über Billionen und nicht mal mehr von Milliarden gesprochen.

Irgendwann wird dieser Mechanismus sich überdehnt haben und alle die auf das "Rettungs-V" warten, werden ihr ganz grausames, anlagetechnisches Armageddon erleben. Ein Hauch dieses Gefühls war ja im März schon in der Luft, aber nach 30-40% Verlust drehte der Markt dann doch wieder nach oben - noch einmal gutgegangen. 😉

Aber dieser Moment ist Spekulation und nicht zwingend heute, weswegen auch die Perma-Bären und Crash-Propheten wohl wieder Unrecht haben werden, die seit 10 Jahren einen Crash vorhersagen aus Gründen, die auch jetzt wieder nicht maßgeblich sind. Das hindert sie natürlich nicht, den aktuellen Crash für sich zu deklamieren, auch wenn Ende 2019 natürlich niemand dieses Szenario auf dem Radar für 2020 hatte. Aber Haupsache irgendein Crash, damit man "Recht gehabt" rufen kann und die gläubigen Jünger werden auch dem folgen - passt doch. 😉

Noch haben Notenbanken und Staaten aber ein paar Drehungen in ihren Schrauben drin und können nachlegen, ein Umstand von dem ich wie Sie wissen für die nächste Krise sowieso fest ausgegangen war.

Und bevor diese permanente Steigerung der "Rettungsversuche" gegen die Decke prallt, wird es sicher noch Helikoptergeld und massenweise Aktienkäufe der Notenbanken auf breiter Front geben. Solange wir das noch nicht gesehen haben und auch noch keine breiten Schuldenschnitte, sind die "Powers that be" eher nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen.

Wir haben also auf der einen Seite eine Krise die so gewaltig und einmalig ist, dass diese ohne diesen massiven Stimulus locker für eine längere, schwere Depression gut wäre.

Wir haben auf der anderen Seite aber den nach historischen Maßstäben gewaltigsten Stimulus von Staaten und Notenbanken, den dieser Planet in der Neuzeit je gesehen hat.

Das ist wie die zwei Sumo-Ringer *Depression* gegen *Mega-Stimulus* im Clinch und es gibt keine historischen Vergleichsmaßstäbe, wer da den Sieg davontragen wird.

Faktum ist, dass der Markt mit dem Rebound nun der positiven Verlaufs-Erwartung folgt und nur dieser. Der Markt geht also davon aus, dass uns nun ein "New-Normal" bevorsteht, in dem das Wirtschafts-Leben weitergeht, zwar gedämpft aber doch in vielen Bereich nahezu normal - bis es dann eine Impfung gibt.

Das ist optimistisch, aber ist aktuell das dominierende Mantra, ähnlich wie Anfang Februar das Mantra war, dass das Virus eine rein chinesische Angelegenheit sei. So ein Mantra kann sich eben später durchaus als falsch herausstellen, Ray Dalio wird beispielsweise nun sicher peinlich sein, wie er Anfang Februar das Virus kleingeredet hat.

Hier der SPY als Abbild des Leitindex S&P500:

Es kann aber auch sein, dass sich das aktuelle Mantra als richtig herausstellt und sich von hier die Infektions- und Todeszahlen trotz Erleichterungen stabilisieren. Wenn das so sein sollte, ist der Markt auch dem aktuellen Niveau sinnvoll bewertet, weil man ja den Stimulus nicht vergessen darf. Wenn das so ist, werden wir die Tiefs vom 23.03. also nicht mehr wiedersehen.

Sollte diese Annahme sich aber als falsch herausstellen, wird es noch einmal brutal nach unten gehen und es ist alleine der Verlauf der Infektionen, der dabei der wesentliche Katalysator ist, weil dann alle Erleichterungen zurückgedreht werden müssen und dann kommt die richtige wirtschaftliche Depression erst.

Nun könnte man ja sagen, das sei ja völlig unberechenbar und dann könne man ja gar nichts machen. Aber diese Aussage ist selbst auf Basis der Indizes falsch. Denn der Rebound war Ende März sehr wohl zu erkennen und man konnte ihn mitnehmen - gezielt, selektiv, scheibchenweise - und nun ein mittleres Exposure im Depot haben, das dem Risiko angemessen ist.

Es gibt aber noch einen ganz anderen Effekt und das ist die Tatsache, dass uns die Indizes hier sowieso nur begrenzt weiterhelfen. Denn der Markt selektiert sehr wohl und das ganz massiv. Und solange nicht die ganze Welt in eine Depression abrutscht, sind die Firmen auch höchst unterschiedlich getroffen.

Schauen Sie hier Boeing (BA) oder Carnival Corp (CCL), Flugzeuge und Schiffsreisen. Für beide ist die Lage ein Desaster und die Aktien sind weiter toxisch, bei beiden stehen theoretisch Staatshilfen zum Überleben im Raum, die die Alt-Aktionäre dann schwer treffen würden:

Kein "V" weit und breit, oder?

Und nun schauen Sie hier Abbott Labs (ABT) und Amazon (AMZN), zwei Aktien die bei uns zum Investment-Universum gehören:

Das ist kein "V" mehr, das ist ein Raketenstart!

Man kann fast nicht glauben, dass alle 4 Aktien Bluechips des gleichen Index sind, aber so ist es!

Das sind zwei Seiten der gleiche Medaille des Marktes, die in den Indizes dann zu dem aktuellen Rebound führt.

Und deshalb sollten wir erkennen, dass die Indizes oder breiten ETFs in dieser Krise sekundär sind, denn die bilden den grauen Schnitt ab. Stockpicking zählt in dieser Krise, denn das Virus ist in seinen Auswirkungen extrem selektiv!

Mit Aktien wie ABT oder AMZN mussten wir auch gar nicht darüber grübeln, ob die Ansteckungszahlen wieder steigen und die Märkte nun doch erneut nach unten abknicken, ober ob die Märkte das nun erreichte Niveau stabilisieren können.

Es spielt schlicht keine Rolle, wenn wir die richtigen Aktien haben!

Und die immense Chance die dieser Crash mit seiner Unsicherheit generiert hat, ist in den Charts von Aktien wie ABT und AMZN auch perfekt zu sehen.

In der Panikphase Anfang März hat der Markt alles rausgehauen, weil breite ETFs und Fonds einfach alles abgestossen haben. Damit wurde aber auch Top-Qualität grundlos rausgeworfen und wer Ende Februar die Reissleine gezogen hat und dann scheibchenweise diese Qualität eingesammelt hat, kann sich nun nicht beklagen und hat ein großes Alpha zum Markt generiert!

Konzentrieren Sie sich also auf die richtigen Aktien und Sektoren, achten Sie auf die Charts, die haben diese Botschaften durchaus wie oben.

Kaufen Sie Stärke und glauben Sie nicht das "billige" Gurken schnell wieder steigen. Denken Sie mal ernsthaft darüber nach, wie lange es dauern wird, bis beispielsweise Touristik und Luftfahrt wieder in den Normalbetrieb können. Denn das wird erst nach einer Impfung, also wohl erst 2021 sein.

Aber andere Aktien und Sektoren sind kaum betroffen und es ist unser Job als Anleger uns darauf zu konzentrieren. Ob eine Aktie ein "Aristokrat" war oder irgend eine andere schöne, Sicherheit vorgaukelnde Vergangenheits-Schablone besass, spielt dabei keine Rolle, das ist alles Marketing.

Eine Aktie ohne Zukunft ist nicht investierbar, egal wie ihre Vergangenheit war. Und dieses Virus wird in der Welt einiges verändern.

So einfach ist das. Börse bewertet Zukunft, nur darum geht es an den Märkten und Vergangenheit ist kalter Kaffee. Und "past performance is not indicative of future results", wie auch diese Krise wieder eindrucksvoll bei vielen Aktien beweist.

Zum Abschluß will ich den 96-jährigen -> -> Charlie Munger <-<- in einem aktuellen Interview zitieren:

“Nobody in America’s ever seen anything else like this,” said Mr. Munger. “This thing is different. Everybody talks as if they know what’s going to happen, and nobody knows what’s going to happen.”

Halten Sie sich also von allen fern, die Ihnen nun eine "Sicherheit" verkaufen wollen, die gar nicht existiert.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die Kräfte des Guten


Unsere Gesellschaft ist teilweise toxisch geworden.

Man verachtet Andersdenkende, ja spricht ihnen mit Worten wie "verrecke" die Lebensberechtigung ab.

Man ordnet sich Minderheiten zu und bezieht seine Identität daraus "anders" oder noch schlimmer "besser" als die Mehrheit zu sein - ein zivilisatorischer Rückfall in das gedankliche Stammeswesen.

Man unterstellt sich reihenweise unlautere Motive und "framed" den Mitbürger mit Worten, deren einziger Zweck in der sprachliche Gewaltausübung und der Ausgrenzung aus dem Diskurs besteht.

Man urteilt nach Äußerlichkeiten und hasst das Andere, die sprachlich vorgeschobene Toleranz endet schnell an den Brettern des eigenen Gedankenkäfigs.

Man zwingt Kinder zum funktionieren, steckt sie in ein enges, verrottetes Korsett voller "muss" und impft ihnen schon früh Versagensängste ein, statt Freude und Neugier an der Welt zu fördern.

Man lebt im Gefühl von beständiger Bedrohung, die von den Menschen ausgeht, die man früher mal als Mitbürger bezeichnet hat. Und auf Angst folgt dann irgendwann auch Hass.

Man selbstermächtigt sich selber zu Nötigung und Gewalt und rechtfertigt das mit dem guten Zweck, nicht sehend, dass man damit schon längst selber zum Bösen geworden ist.

Man ist von Zukunfts-Angst erfüllt, die Büßerbewegungen in neuem Gewande Popularität verschafft und sucht sein Heil in romantisch-naiven Idealen einer statischen, vorzivilisatorischen Welt, die es so nie gegeben hat.

Ich könnte weitermachen. All das ist eine unerfreuliche Entwicklung der Gesellschaft, die ihre Gründe hat und an der gesellschaftliche und technologische Entwicklungen, ebenso wie einzelne namhafte Personen aktiv mitgewirkt haben.

Ich kann dazu immer wieder nur "Yoda" zitieren, der dazu alles sagt, was man wissen muss:

Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.

Aber das soll alles hier nicht Thema sein, denn es verkennt die Kräfte des Guten, die sich alleine deshalb immer wieder durchsetzen, weil nur sie die Welt wirklich weiter bringen.

Und gerade Krisen - auch eine Krise wie jetzt rund um das Virus - schaffen durchaus Chancen, dass die Menschen sich wieder auf das Wesentliche besinnen, Orchideen-Themen wieder als das erkennen was sie sind und die Kraft des Guten wieder erlebbar wird.

Mal ernsthaft:

Glauben Sie nicht, dass Ihr Kind viel engagierter und motivierter zur Sache geht, wenn es Lob und Zuspruch erfährt und zweifelsfrei notwendiger Tadel immer mit dem Vorschlag verbunden ist, wie man den Fehler wieder ausmerzen könnte?

Glauben Sie nicht, dass ein Schiff im Sinne Antoine de Saint-Exupéry schneller und besser gebaut wird, wenn die Männer die positive Sehnsucht nach dem großen weiten Meer in sich tragen?

Glauben Sie nicht, dass Sie beruflich erfolgreicher werden, wenn Sie ihre Kollegen und Mitarbeiter anspornen, bestätigen und unterstützen, statt diese misanthropisch anzugranteln?

Glauben Sie nicht, dass Sie viel mehr Freunde und bessere Beziehungen haben werden, wenn Sie ihren Mitmenschen zugewandt, interessiert und freundlich begegnen?

Glauben Sie nicht, dass Ihr Mitmensch mit der völlig anderen politischen Überzeugung, nicht auch vielleicht einfach nur ein Mensch ist, der im Rahmen seiner Sozialisierung nach einer besseren Zukunft für sich und seine Lieben strebt?

Wenn Sie das alles glauben und wenn Sie so denken und handeln, dann haben Sie die Kräfte des Guten verinnerlicht. Man könnte auch sagen, es ist die Kunde von Lob, Freundlichkeit und der Schaffenskraft des Optimismus, der die Welt wirklich voran bringt und besser macht.

Nicht verwechseln darf man das mit Naivität und Blindheit, nicht alles ist gut und nicht alles kann man weglächeln, es gibt 20-30% im Leben, da muss man klare Grenzen ziehen, muss sich wehren und auch mal autoritär werden, damit Dinge nicht ausufern.

Es geht aber um die Frage, was unsere Grundhaltung ist. Ob wir in den 70-80% des Lebens, in denen es wirklich Grund zu Optimismus, Freundlichkeit und Lob gibt, auch so denken oder uns lieber in unserer misanthropischen Wolke einnebeln wollen.

Man könnte es auch einfacher sagen: Es ist die Frage ob für uns das Glas halbvoll oder halbleer ist und ob wir unseren Mitmenschen ehrenwerte Absichten zubilligen, bis wir vom Gegenteil überzeugt werden oder gleich vom negativen Gegenteil ausgehen.

Sie glauben vielleicht, ich würde hier eine Predigt halten, die auch von der Kanzel kommen könnte?

Nein bestimmt nicht und es ist auch nicht immer die beste Lösung für die Welt, auch noch die andere Wange hinzuhalten. Das richtig Böse wird dadurch nur ermutigt sich noch mehr zu nehmen, es wittert Schwäche und wer glaubt pure Aggression alleine mit Luftballons besiegen zu können, ist höchst naiv.

Aber es geht um die Grundhaltung, mit der wir der Welt und unseren Mitmenschen begegnen, ob wir in der Lage sind, die Macht des Lobes zu erkennen und des Optimismus.

Und an der Stelle kommt auch der Übergang zur Börse, denn ich behaupte dass nur Menschen die des Optimismus fähig sind, ernsthaft am Aktienmarkt erfolgreich sein können.

Wer dagegen überwiegend pessimistisch denkt, wer nur das Negative sieht und jeden Tag etwas Neues fürchtet, wird von den Crash-Propheten viel mehr angezogen, die Ängste instrumentalisieren.

Es braucht Mut, um immer wieder optimistisch zu sein.

Denn natürlich endet alles mit unserem Tod, das wissen auch Optimisten, die Frage ist nur, was man vorher aus dem Leben gemacht hat und wie glücklich man war.

Lebensmut ist nicht jedem gegeben. Aber er ist die Essenz des Erfolges, die Essenz der Tatkraft und auch die Essenz der Fähigkeit, an der Börse schon heute die Amazons und Apples von morgen ins Depot zu legen und optimistisch zu sein, nicht blind, nicht euphorisch und nicht naiv, einfach optimistisch und chancenorientiert.

In diesem Sinne lassen Sie uns doch in unserem Umfeld die Kräfte des Guten wieder mehr pflegen, die Zuwendung, das Lob, die Ermunterung und die liebevolle Mahnung, die nicht belehren oder vernichten, sondern helfen will.

Ein kleines Bisschen werden wir damit auch die Gesellschaft verbessern, aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Der Punkt ist, dass das in der Regel positiv zu uns zurück kommt und unser Leben verbessert.

Und lassen Sie uns auch an der Börse Optimismus wagen, die steigt einfach statistisch 2/3 der Zeit und ich muss Ihnen jetzt nicht jedes Mal so ein Chart zeigen, oder?

Und ja ich weiss, man müsste das um die Geldentwertung normalisieren, gleichzeitig sind aber ausgeschüttete Dividenden hier nicht enthalten, womit sich das Pi-mal-Daumen wieder ausgleicht.

Wie kann man angesichts so eines Bildes von mehr als 100 Jahren Börse seine Zeit permanent mit Pessimismus verbringen? Ist das nicht idiotisch?

Oder nehmen Sie doch die Entwicklung der Welt, es ist erdgeschichtlich nur einen Wimpernschlag her, da hatten wir noch nicht einmal das Feuer entdeckt und waren einfach nur Tiere, allerdings mit dem von der Leistungsfähigkeit her größten Denkorgan gesegnet, dass dieser Planet bisher zu vergeben hatte.

Wir waren nicht die Schnellsten, nicht die Größten und nicht die Stärksten, aber mit diesem Denkorgan haben wir Werkzeuge erfunden, den Widrigkeiten der Natur getrotzt und uns letztlich den Planeten untertan gemacht. Noch immer kann uns die Natur mit einem Fingerschnippen vernichten, aber dafür braucht es jetzt schon ganz große "Geschütze", wie einen riesigen Asteroiden oder eben eine Seuche, die ebenso tödlich wie Ebola und ebenso ansteckend wie das aktuelle Corona-Virus ist. Aber gegen viele der kleineren Gefahren sind wir zunehmend immun geworden.

Noch vor wenigen tausend Jahren, haben wir an Naturgötter geglaubt und noch vor wenigen hundert Jahren, war von all der Technologie die uns nun umgibt, nichts zu sehen. Würden diese Menschen uns heute sehen, wie wir durch die Luft fliegen, Worte und Bilder über große Entfernungen "teleportieren" und Krankheiten heilen, die ein sicheres Todesurteil waren, hätten diese Menschen damals nur ein Wort für uns gehabt: Götter.

Der bekannte Science Fiction Autor Arthur C. Clarke, vom dem auch Odyssee 2001 stammt, hat den treffenden Satz geprägt:

„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“

Wie kann man angesichts dieser Entwicklung der Menschheit, die letztlich auch nicht anders als das Chart oben aussieht, denn pessimistisch sein? Ist das nicht idiotisch? Die Welt wird besser, nicht gleichmässig, mit Rückschlägen, aber sie wird besser, nicht schlechter!

Und genau so wie ein freundlicher Mensch auch manchmal anderen deutliche Grenzen aufzeigen muss, muss auch ein optimistischer Anleger manchmal bärisch werden und sein Augenmerk alleine auf die Defensive legen. Sonst wäre er nur ein naiver Idiot.

Die entscheidende Frage ist aber, was der Normalzustand ist, in den wir sofort nach Ende der Krise zurückkehren. Und da gibt es nur eine Antwort, schon alleine weil unser Leben endlich ist und jeder Moment endgültig vorbei.

Und diese Antwort sind die Kräfte des Guten, denn Pessimisten leben in unserer modernen Welt, in der die Lebensgefahren doch deutlich reduziert wurden, keineswegs länger als Optimisten - im Gegenteil. In der Savanne war das noch anders und Pessimismus zum Überleben sinnvoller.

Man könnte auch etwas spitz für die modernen Zeiten sagen:

Die Pessimisten haben Recht, den Optimisten gehört die Welt. In die Kiste steigen sie beide gleichzeitig.

Und nun frage ich Sie: Welches Leben wählen Sie lieber? Meine persönliche Antwort kennen Sie.

Ihr Hari

PS:

Dieser Artikel ist sozusagen "mein Wort zu Ostern". Ich trete nun bis Ostermontag im Blog kürzer und mache Ferien, nach Ostern bin ich aber für die Mitglieder wieder da. Der nächste Artikel im freien Bereich kommt in ca. 2 Wochen.

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Von Maß und Mitte

Heute will ich mal abseits von konkreten Kursen ein grundsätzliches Problem beleuchten, das wir uns gerade mit den diversen Notmaßnahmen, insbesondere der Notenbanken und Staaten einhandeln.

Frau Merkel hat ja im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Krise von "Maß und Mitte" gesprochen, die wir in der Krise finden sollten. Eine Aussage die konkret für die epidemiologischen Fragen eher deplatziert erscheint, denn wenn man eine Pandemie eindämmen will, ist "Maß und Mitte" am Thema vorbei, dann geht es eher um "be fast and have no regrets" wie es WHO Director Michael Ryan -> hier <- beschrieben hat.

Wenn es aber um staatliche Rettungs-Billionen geht, ist "Maß und Mitte" wirklich eine sinnvolle Grundhaltung, leider läuft es weltweit nun eher umgedreht.

Bei den epidemiologischen Maßnahmen wurde eher zu lange gezögert und nun gibt es - nach nicht mal einer Woche Lockdown - schon wieder wildes mediales Geschnatter vom Ende des Lockdowns, das derzeit verfrüht und deplatziert ist, da alle gemeldeten Neuinfektionen heute, sich in der Regel noch *vor* dem Lockdown angesteckt haben.

Bei den fiskalischen Maßnahmen aber, schmeisst man derzeit mit "Rettungsbillionen" um sich und wirft jegliche Form von fiskalischer Disziplin über den Haufen, weil die Krise die Gegner in der Argumentation schwächt. Eine Lage frischen Schnees an "Rettungsmaßnahmen" legt sich über die Länder und die Frage ist berechtigt, ob diese tatsächlich notwendig sind.

Es scheint dabei jedes Gefühl für "Maß und Mitte" abhanden gekommen zu sein und an vielen Stellen scheint die Notlage einfach nur als Einfallstor und Hebel zu dienen, um alte poltische Wunschvorstellungen nun durchzudrücken, so zum Beispiel bei der Transferunion und den Eurobonds.

Versuchen wir uns der Sache doch mal rational und nicht ideologisch zu nähern und betrachten die Frage, ob diese massiven Maßnahmen nun wirklich notwendig sind.

Wenn wir davon ausgehen, dass wir nun noch monatelang in einer Art Lockdown leben müssen, dann würde ich diese Maßnahmen im Kern auch unterstützen, auch wenn wir selbst dann viele unsinnige Mitnahme- und Kollateraleffekte erleben werden. Aber es macht Sinn, dann den totalen Zusammenbruch der vernetzten Wirtschaft zu verhindern und es macht keinen Sinn, gesunde Unternehmen nur wegen kurzfristiger Liquiditäts-Engpässe Pleite gehen zu lassen. Grunsätzlich hat dieser Ansatz also durchaus meine Unterstützung, solange eben "Maß und Mitte" gewahrt bleiben und die Gesellschaftsordnung nicht gleich mit der "Rettung" mit ausgekehrt wird.

Und es gibt sowieso viele kleine Unternehmer, Selbstständige, Künstler und so weiter, die bei längerem Lockdown ohne Verschulden in ein Liquiditätsloch fallen werden und dass man diesen ermöglicht unbürokratische Notkredite aufzunehmen, ist nicht zu kritisieren und völlig richtig. Ein Notkredit ist ja auch kein Geschenk, er hilft einfach über eine unverschuldete Krisenphase hinweg. Bis hierhin unterstütze ich den Rettungsansatz im Notfall ausdrücklich!

Nur beginnt die Politik ja aber schon ziemlich eindeutig von einer Teil-Auflösung des Lockdowns nach Ostern zu sprechen, insbesondere für die Jüngeren, weil "das Land das nicht aushalte".

Da ist durchaus etwas dran, ich kann die Logik nachvollziehen, weil irgendwann tatsächlich die negativen Folgen des Lockdowns größer sind, als die Folgen des Virus selber. Für eine Zeit von 3 Wochen wäre das falsch, diese Zeit kann eine gesunde Volkswirtschaft im Lockdown definitiv durchstehen, bei 3 Monaten hätte ich aber auch meine Zweifel.

Das Dumme und Ärgerliche ist aber, dass wenn man wirklich nach 3 Wochen wieder "aufmacht", viele der fiskalischen Nothilfen *nicht nötig sind* und sogar *kontraproduktiv* sind!

Denn sagen wir es mal deutlich, zeitlich begrenzte Krisen gehören zur Wirtschaft und sind gesund, weil sie wie eine Gesundheitspolizei die schwächsten Unternehmen aussortieren und daher danach wieder mehr Freiraum für die Gesunden schaffen. Die wirtschaftlichen "Zombies" werden dahin überführt, wo sie hingehören - in die Holzkiste, auch Insolvenz genannt und das ist volkswirtschaftlich genau richtig so!

Ein Unternehmen aber, das derzeit so schwach auf der Brust ist, dass es nicht einmal 3 Wochen aus den eigenen Reserven und Banklinien überleben kann, hat meiner Meinung nach *eine Rettung nicht verdient*.

Diese Aussage gilt auch ausdrücklich für die Gesellschafter und Manager, die zu dieser Schwäche des Unternehmens potentiell beigetragen haben, in dem Gewinne zu schnell privatisiert wurden und nicht als Notreserve im Unternehmen belassen wurden, weswegen eine Sozialisierung der Pleite auch nun höchst unfair für den Rest der Gesellschaft wäre.

Insofern habe ich nun doch ein Problem mit den Rettungsbillionen, die so freizügig gestreut werden. Entweder fahren wir nun einen konsequenten Lockdown, der sich primär nach epidemiologischen Vorgaben richtet und durchaus lange dauern kann, dann bin ich prinzipiell *für* einen selektiven Rettungsansatz. Oder wir stellen die Wirtschaft in den Vordergrund, gehen schon nach 3 Wochen wieder in Richtung Normalmodus und dann sehe ich keinen Grund Steuergelder für Firmen zu verbrauchen, die ein Überleben nicht verdient haben.

Ich habe ehrlich großen Zweifel, ob wir die Interventionisten und "Retter" wieder loswerden, die die Krise nun auf den Plan gerufen hat. Dass zu einer gesunden Wirtschaft auch ein gesunder Ausleseprozeß gehört, hat keine Lobby in Politik und Bevölkerung, der Reflex ist immer, schon längst überflüssig gewordene "Zombies" mit dem Argument der Arbeitsplatzsicherung noch durchzuschleppen, nicht verstehend, dass man damit viel mehr neue Arbeitsplätze an anderen Stellen torpediert und die Zombies am Ende doch Pleite gehen, nachdem man Steuermilliarden da versenkt hat.

Wie schnell solch unsinniger Mißbrauch aufkommt, können wir zum Beispiel bewundern, wenn beispielsweise ein hoch liquider Weltkonzern wie Adidas - ermöglicht durch das -> neue Covid-19-Abmilderungs-Gesetz <- - nun -> einfach für geschlossene Läden keine Miete mehr zahlt! <-

Adidas, die vergleichsweise in Liquidität schwimmen, bekommen also einen Hebel sich einen Vorteil zu ergattern und nutzen ihn sofort. Andere werden folgen, die es auch nicht nötig haben und sich unsolidarisch einfach einen Vorteil ergattern. Der Vermieter aber, der vielleicht wirtschaftlich viel schwächer als Adidas dasteht, hat dagegen den schwarzen Peter gezogen.

Adidas ist ein schönes Beispiel für die Negativeffekte von mit heisser Nadel gestrikten "Notfall-Gesetzen". Das kann keiner gut finden und zeigt, dass die Rettungsarie schon Schlagseite hat.

Abgesehen davon sollten wir uns keiner Illusion hingeben, jemand wird die Rechnung für diese "Rettungen" nach der Krise präsentiert bekommen und ich kann Ihnen auch heute schon sagen wer das ist: nicht Adidas, der Profiteur, sondern die sogenannten "Reichen", womit präzise gesagt über 80% der Leser dieses Blogs gemeint sein dürften, weil der absurde, vom Bild einer wohlig-warm-miefig-gleichgerichteten "Volksgemeinsschaft" geprägte Reichenbegriff bei uns ja jeden umfasst, der sich erdreistet schon ein überdurchschnittliches Gehalt zu beziehen oder - Gott bewahre - unternehmerisch erfolgreich zu sein. Die vielen kleinen Leistungsträger der Gesellschaft werden also dafür blechen, Weltkonzerne die sich einen schlanken Fuß machen dagegen garantiert nicht!

Wer also gut gewirtschaftet hat und als Unternehmen Reserven gebildet hat, wird durch die "Rettungen" doppelt gestraft. In der Krise wird ihm der Vorteil gegenüber den verantwortungslosen Gesellen genommen, weil diese dank Hilfe trotzdem überleben können und der Markt nicht bereinigt wird. Nach der Krise wird es höhere Sondersteuern auch für die geben die keine Hilfe brauchten, weil man ja vermeintlich so von der "Rettung" profitiert hat.

Dass am Ende genau dieser Mechanismus einer Volkswirtschaft schadet, weil er Moral Hazards generiert und Fehlverhalten fördert, ist völlig klar, wird aber weder verstanden noch will es jemand hören.

Erneut, damit es da keine Missverständnisse gibt, ich bin ja nicht gegen liquiditätssichernde Notmaßnahmen, man darf aber in der "Rettungswut" auch nicht über das Ziel hinaus schiessen.

Aber auch im Grösseren sehen wir diese Mechanismen, wenn wir -> von der Aggressivität des italienischen Premiers <- lesen, der nun vermutlich die große Chance sieht, eine Vergemeinschaftung der Schulden via Eurobonds durchzusetzen.

Die Krise ist dabei nach meiner Einschätzung nur ein Mittel, das mit großer moralischer Inbrunst für den eigenen Vorteil genutzt werden soll, denn Italien hat ja derzeit gar kein Problem Schulden für die Krise aufzunehmen, die EZB und die EU haben schon längst alle Schleusen und Begrenzungen geöffnet. Aber mit den Folgen höherer Zinsen sollte man dann auch leben, so wie es sich gehört, zumal diese durch die Aufkaufprogramme der EZB doch sowieso schon weit unter den realen Marktzins gedrückt werden.

Was hier versucht wird ist für mich verwerflich und hat mit der Krise nichts zu tun. Auch hier haben wir die Parallelität zum obigen Thema des Moral Hazards, wer als Staat bisher solide gewirtschaftet hat, hat am Ende den Nachteil davon und soll dem Schuldensünder sein bisheriges Verhalten finanzieren, weil der "gerettet" werden muss. In dem Zusammenhang erinnere ich wieder daran, dass das statistische Vermögen von Italienern höher als von Deutschen liegt, ein Umstand der gerne verschwiegen wird und auch der Umverteilung im Euro geschuldet ist - ich habe darüber in der Vergangenheit schon öfter geschrieben.

Jetzt höre ich gleich die Stimmen, die an die "Solidarität mit Italien" appellieren, was aber beim Thema Eurobonds völlig am Thema vorbei ist.

Mangelnde Solidarität haben wir in Europa tatsächlich und ich empfinde es als eine Schande. Das ist aber die konkrete Solidarität bei Masken, bei Schutzanzügen, bei Atemgeräten, bei übernommenen Patienten und auch bei Hilfsgeldern die direkt ins Gesundheitssystem gehen.

Hier fehlte es zuletzt deutlich an Solidarität, wo sind denn die Lastwagen-Kolonnen gewesen, die nach Norditalien Hilfsmaterial aus Österreich, Deutschland, Dänemark, Polen etc transportiert haben? Ich habe keine gesehen und das ist etwas, worüber der italienische Premier tatsächlich wütend sein darf, das wäre echte Solidarität gewesen. In der Krise ist sich scheinbar jeder selber der Nächste und kein Mensch braucht so ein Europa, das sobald es eng wird, gleich wieder nur an sich selber denkt.

Das darf man kritisieren, das muss man kritisieren, mit dem Wunsch individuell gemachte Schulden zu vergemeinschaften, hat das alles aber rein gar nichts zu tun und macht auch keinen Patienten gesund, der nun in der Intensivmedizin um jeden Atemzug ringt.

Das Virus nun als Hebel zu benutzen um Widerstände zu beseitigen, ist politisch geschickt, aber ebenso zerstörerisch für die europäische Solidarität, wie absurde Auslieferungsstops für Masken in befreundete Nachbarländer.

Machen wir es doch mal konkret und wischen diese ganzen Girlanden weg, die gerne zur Vernebelung des Kerns benutzt werden.

Stellen Sie sich vor, Sie haben in Ihrem Wohnhaus in der Krise einen Nachbarn, mit dem Sie solidarisch sein wollen. Der Nachbar ist selbstständig, hat weniger Geld als Sie und wird durch die Krise so schwer getroffen, dass er Probleme hat sich nun notwendige Medikamente, Desinfektionsmittel und so weiter zu kaufen.

Wenn Sie dem nun die Tür zuknallen, sind Sie ein unsolidarischer Holzklotz und sollten sich schämen! Die Solidarität gebietet es, dass Sie dem etwas von ihren gebunkerten Desinfektionsmittel abgeben und ihm auch an anderer Stelle unter die Arme greifen. Daran gibt es keinen Zweifel, wer das nicht tut, handelt egoistisch und unsozial.

Nun machen Sie das aber, der Nachbar erdreistet sich aber trotzdem an Ihre Tür zu bollern und Sie mit moralischem Unterton laut aufzufordern, nun mitzukommen und bei seiner Bank für seine Schulden zu bürgen, weil wir ja in der Krise alle im gleichen Boot sitzen würden. Hallo?

Was würden Sie tun? Ihm die Tür zuknallen und vielleicht die Polizei rufen und richtig so!

Wer Schulden für Ausgabenprogramme und Versprechungen an Wähler macht, muss auch später für die Konsequenzen gerade stehen und kann diese nicht an Dritte abladen. Es muss immer eine Einheit der Verantwortung geben.

Wer dieses Grundprinzip schleifen will, zerstört langfristig unser Wirtschaftssystem und unseren Wohlstand und ersetzt es durch eine Kleptokratie, in der der Stärkste, Lauteste und Skrupeloseste die Macht hat. Auch eine Pandemie kann dafür keine Ausrede sein!

Man kann also sehr wohl Eurobonds einführen, aber genau dann wenn man das italienische Staatswesen auflöst und einer Euro-Zentralregierung überantwortet. Dort ist dann die Entscheidung und die Verantwortung für die Folgen wieder in einer Hand, so wie es richtig ist. Dass aber italienische Politiker an Ihre Wahl-Klientel Versprechungen machen, deren Folgen deutsche Wähler dann mitzufinanzieren haben oder natürlich auch umgedreht, ist in jeder Hinsicht indiskutabel und verwerflich und hat mit der Corona-Krise absolut nichts zu tun!

Sie sehen, unerkannt von der Öffentlichkeit, die auf das Virus starrt, fehlt es der wirtschaftlichen und finanzpolitischen Diskussion nun in meinen Augen zunehmend an "Maß und Mitte".

Davor bekomme ich zunehmend Sorge, die Geister die man rief, wird man dann nicht mehr los.

Ihr Michael Schulte (Hari)

Die Ersatzhandlung – dem Affen Zucker geben!



Die Covid-19 Krise frisst sich durch die Märkte und jeder giert derzeit nach Einschätzungen zur Lage und was nun anlagetechnisch zu tun ist.

Auffällig ist auch eine vergleichsweise hohe Zahl an Anlegern, die jetzt nur über den richtigen Einstieg nachdenken. Nun ist das bei 30% Minus kein grundlegend falscher Gedanke, es ist aber schon erstaunlich, dass da nun nicht noch mehr Angst vorhanden ist.

Kurzfristig besteht ja die Chance auf eine baldige Stabilisierung und es könnte bald ein erster Bounce in Bewegung geraten. Mittelfristig aber wird das Problem nicht schnell vorbei gehen und wir müssen von zumindest einem weiteren Test der Tiefs ausgehen.

Und falls wir Pech haben und gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit den Erfolg des jetzigen Lockdowns torpediert, kann es auch sein dass die Einschränkungen so lange dauern, dass wir ernsthaft in eine Kreditkrise laufen.

Denn natürlich kann die Wirtschaft 3 Wochen Stillstand aushalten, wenn es danach geordnet weiter geht und wir wieder im Modus "Webasto" mit einzelnen, begrenzten und beherrschbaren Infektions-Herden sind. Die Wirtschaft kann den Lockdown aber *nicht* als Dauerzustand ertragen und wenn diese große Chance die wir nun haben torpediert wird, *beginnt* das wahre wirtschaftliche Problem erst so richtig!

Es ist unklar ob es so weit kommt, alles hängt nun von der Fähigkeit jedes Einzelnen zu Disziplin und Vernunft ab, aber es sei daran erinnert, dass die Märkte 2008 nach Lehman 60-70% korrigiert haben und nicht nur 30%. Und wenn sich aus der Pandemie nun auch eine Finanzkrise entwickeln sollte, haben wir wahrscheinlich eine *schlimmere* Krise als Lehman vor uns.

Seien Sie sich also nicht zu sicher, dass das schon der Tiefpunkt war! Selektiv etwas Wagen kann man durchaus mal, muss dann aber auch emotional bereit sein, weitere Verluste auszuhalten oder konsequent wieder abzuschneiden. Und der bisherige Verlauf der Krise in den wirtschaftlich entscheidenden US lässt derzeit wenig Raum für kurzfristigen Optimismus. Gegenüber den US haben wir in Deutschland - trotz eines unsinnigen Karnevals und der Ignoranz die Leute ungetestet aus den Winterferien im Süden zurückkommen oder aus dem Iran einreisen zu lassen - immer noch "früh" reagiert, alles ist eben relativ. 😉

Ich merke die Krise hier im Blog auch an einer vergleichsweise hohen Zahlen an Neumitgliedern in den letzten Wochen, die wahlweise schon Chancen sehen, Bedarf nach Guidance haben oder auch eine Beruhigung der flatternden Nerven brauchen - was ja verständlich ist und wofür ich auch gerne im Premium-Bereich da bin.

In einer schweren Krise wie jetzt, werden aber auch unsere psychologischen Fehler wie im Brennglas deutlich, man könnte sagen die Krise bringt den Kern des Menschen zu Tage, sie trennt die Spreu vom Weizen.

Einer der größten Fehler der in so Phasen bei Anlegern passiert ist eine gewisse "Zappeligkeit". Weil es bei Vielen an einem eigenen, konsistenten Bild der Gesamtlage fehlt, werden diese Anleger zwischen Panik und Gier hin- und hergerissen, je nachdem was sie gerade lesen. Und für beide Emotionen liefern die Medien ja nun genug Futter, denn auch die Gier wird bedient, wenn alle sich nun vorbeten, wie "billig" nun bestimmte Aktien geworden seien - nicht verstehend, dass diese duchaus noch viel "billiger" werden können und manche durch Pleite sogar zum Totalverlust werden könnten - ohne Chance auf Rebound.

Und deshalb finde ich es wichtig, dass wir uns gerade *jetzt*, gerade weil wir solche emotional schwierigen Momente nun hautnah erleben, mal den psychologischen Sinn der Ersatzhandlung bewust machen, eine Technik, mit der wir unsere überschiessenden Emotionen auch beruhigen und befriedigen können, *ohne* die notwendige ruhige Hand im Depot zu verlieren.

Denn wir kennen und erleben doch alle gerade den Handlungsdruck, den der Markt in Kombination mit unserem "Affenhirn", nun im Absturz auf uns ausübt.

Begriffe wie FOMO (Fear Of Missing Out) künden davon, aber auch der Drang auch noch zu verkaufen dürfte bekannt sein, wenn Aktien schon tief gefallen sind, man aber mit "Hopium" daran festgehalten hat und es dann doch weiter runter geht. Irgendwann wird der Druck dann zu groß, man verkauft entgegen der vorherigen Absicht und dann natürlich am Tiefpunkt. Am Tiefpunkt, weil die Momente des höchsten emotionalen Stresses, eben gerne die Tiefpunkte des Marktes markieren, denn die anderen Marktteilnehmer fühlen doch ähnlich.

Weswegen es mich aktuell auch etwas irritiert, dass viele nicht über Verkaufen sondern Nachkaufen nachdenken. Die Vermutung dass die Menschheit statistisch "klüger" geworden sei, ist es garantiert nicht und kann getrost beiseite gelegt werden. Das passiert zwar individuell, aber für jeden der durch Fehler gelernt hat, wächst auch statistisch einer nach, der erst wieder auf die Herdplatte fassen muss.

Ob aufwärts oder abwärts, ein Markt der sich stark bewegt, übt Handlungsdruck auf uns aus, wenn wir ihn beobachten. Wir werden dann "zappelig" und machen Dinge, die nicht sein müssten. Wer das nicht kennt, begleitet entweder den Markt nicht, oder macht sich etwas vor. Die Gefahr der "Zappeligkeit" und schwieriger Impulskontrolle in bestimmten Situationen, steckt in uns allen. Wenn Sie ehrlich sind, haben viele von Ihnen genau das in den letzten Wochen erlebt.

Nun vertreten einige ja die Position, dass man deswegen gar nicht auf den Markt schauen darf und einfach halten muss. Das halte ich wie Sie wissen für Unfug und Selbstbetrug, denn der Moment der "Zappeligkeit" kommt auch für diese Anleger, die lange ignorieren konnten.

Er kommt dann, wenn die Presse voll mit Katastrophen-Szenarien ist und die Weltuntergangs-Stimmung zu greifen ist. Er kommt dann, wenn die Kurse im Depot schon 50% gefallen sind und der "ruhige" Anleger dann doch mal einen Blick darauf wirft. Dann wenn der Partner beginnt schwere Vorwürfe zu machen, ob man denn mit "der Zukunft der Familie" spielen wolle. Dann überwältigt der Impuls zu Retten was zu Retten ist völlig unvorbereitet und dieser Anleger hat dann dafür auch keine Mechanismen, weil er dieses Problem ja bisher nur verdrängt und negiert hat.

Ich habe es auch in Tweets -> wie hier zu Boeings Scheitern <- immer wieder gesagt, dass Buy&Hold ohne Check eine Lüge ist.

Denn *jede* Aktie braucht ein Risikomanagement, *jede* Aktie kann in eine schwere Krise laufen. Und nach jeder schweren Krise haben das alle dann wieder schmerhaft verstanden, dann kommen aber unweigerlich die Schallmeienklänge des anstrengungslosen Reichtums wieder auf und eine neue Anlegergeneration lässt sich wieder auf der Flöte vorspielen. Das Fiese ist, der Gegenbeweis braucht dann wieder Jahre, aber er kommt sicher - wie jetzt.

Ruhig zu Halten und als jüngerer Mensch in Schwäche eher zu Akkumulieren macht definitiv Sinn, aber nie blind und ohne Technik, die in Krisen die Risiken senkt und damit auch die Seele schützt. Das *Check* bei Buy & Hold & Check ist absolut zentral! Denn die Straßen der Märkte sind gepflastert mit "ruhigen" Anlegern, die irgendwann der fiese Mr-Market doch am emotionalen Schlawittchen gepackt hat und die typischerweise nahe der Tiefpunkte von Krisen dann doch verkauft haben - schon alleine um den Ehefrieden wieder herzustellen. Diese Anleger schauen dann auch nicht mehr hin, der Schmerz ist zu groß, Börse ist "Scheiße".

Wenn wir also nicht einfach alles ignorieren können, weil wir uns doch von der Welt nicht völlig abschotten können, wie können wir denn dann diese Impulskontrolle besser hinbekommen, wenn der Markt mal wieder so richtig in Bewegung gerät?

Wie bei allen Emotionen, bin ich überzeugt, dass die Lösung nicht darin liegt diese zu unterdrücken, das funktioniert einfach nicht, weil wir eben nicht aus unserer Haut können.

Die Lösung kann nur im Bewusstsein liegen und in kleinen "Tricks", mit denen wir uns sozusagen selber "bescheissen" und unsere Emotionen bewusst in ruhige Bahnen leiten.

Zur Impulskontrolle können Sie im Web viele psychologische Ratgeber und Beschreibungen finden, ich will das hier nicht ausbreíten. Viele Techniken können dabei helfen, eine entspannte Geisteshaltung, Techniken sich selbst zu beruhigen, all das kann helfen, das berühmte "Ommm" sozusagen. 😉

Auch Erfahrung hilft diese Impulse zu begrenzen, denn der Druck zu Handeln hat auch immer mit Ängsten und Unsicherheit zu tun und wo keine Ängste oder andere starke Emotionen sind, ist auch kein dringender Impuls, irgend etwas zu tun.

Situationen schon erlebt zu haben und erfahren zu haben, dass man auch einfach ruhig bleiben kann, ist also immer hilfreich, es geht einfach nichts über Übung, Übung, Übung!

Es gibt da aber noch einen kleinen Trick, wie wir uns selber "bescheissen" können und das ist die Ersatzhandlung. Und darüber will ich heute kurz schreiben.

Denn so ein Impuls ist stark und ihn zu begrenzen, erfordert wieder Energie, die man vielleicht im Moment nicht hat. Manchmal ist es dann besser, dem Impuls etwas Raum zu geben, die Auswirkungen aber zu begrenzen, so dass der Impuls keinen großen Schaden anrichten kann.

Wenn man zum Beispiel auf Schokolade aus gesundheitlichen Gründen verzichtet, kann es passieren, dass der Wunsch danach plötzlich stark da ist. Dann ist es einfach, dem Drang mit genau einem Stück nachzugeben, das man dann langsam geniesst und schon ist der Impuls schwächer und verklingt.

Bei der Geldanlage, liefert meine Positionsgrößen-Strategie für diese Art einen perfekten Rahmen, Impulse mit Ersatzhandlungen zu befriedigen und auslaufen zu lassen. Denn stellen wir uns vor, wir bekommen FOMO, weil der Markt uns wegzulaufen scheint.

Ohne klare Strategie, macht man jetzt *irgendwas* und in der Regel zu viel, was man schon am Folgetag bereut, wenn der Markt wieder abwärts rollt.

Solange man sich aber an die Positionsgrössen-Strategie hält, gibt es sicher ein oder zwei Aktien, deren Charts so aussehen, dass man rational eine Hochstufung der Positionsgrösse um eine Stufe vertreten kann.

Das macht man dann und befriedigt damit den Impuls, das aber in einem begrenzten und geordneten Rahmen, ohne regelfrei zum Opfer der eigenen Emotionen zu werden. Und wissen Sie was? Ich verspreche Ihnen, Sie werden sich nach diesen kleinen Käufen schon besser fühlen und der gierige Impuls ist erst einmal befriedigt!

Auch Abwärts funktioniert das, wenn Sie Sorgen bekommen und sich absichern wollen, es rational aber dafür keinen Grund gibt, dann verkaufen Sie ein wenig von dem, das rational zu vertreten ist, sie nehmen zum Beispiel ein klein wenig Risiko heraus und Sie werden sich gleich besser fühlen und der Impuls wird verklingen.

Letztlich ist das ein psychologischer Trick, der aber nur umzusetzen ist, wenn man den Impuls bewusst spürt, die Diskrepanz zu dem erkennt, was die Ratio eigentlich eingibt und dann den Impuls ausreichend befriedigt, ohne dass er echten Schaden anrichten kann.

Ohne Bewusstsein und die Fähigkeit in sich selber zu hören, ist das aber alles unmöglich und man wird von den eigenen Emotionen getrieben.

Man kann bei einer Ersatzhandlung also auch sagen, wir haben dem Affen etwas Zucker gegeben. Und befriedigt setzt der sich wieder hin, mampft seine Banane und stört nicht weiter. 😀

Denken Sie mal darüber nach, nicht für alle ist diese Technik geeignet, in der Psychologie muss jeder seinen Weg finden. Vielleicht ist es für Sie ja das "Ommm", eine Atemtechnik, oder das Drücken irgend eines Ersatzobjektes, das den Impuls wieder beruhigt.

Wichtig ist aber, dass Sie erkennen, wie bedeutend das Bewusstsein Ihrer Emotionen für Sie ist und dass der Weg zum Erfolg am Markt nicht in Negierung und Verdrängung der Emotionen liegt, sondern im der Fähigkeit, diese bewusst in sinnvolle Bahnen zu lenken.

Wichtig ist aber auch zu verstehen, dass Sie sehr wohl kraftvoll agieren sollen, wenn die Zeit gekommen ist. Diesen Zeitpunkt soll Ihnen aber *Ihre Strategie* und Ihre Indikatoren zeigen, nicht ein plötzlicher Impuls, der durch irgendetwas getriggert in Ihnen aufsteigt.

Das gilt ganz generell, in kritischen Phasen wie aktuell ist die Fähigkeit zur Impulskontrolle aber von zentraler Bedeutung!

Geben Sie dem Affen in sich also lieber ein klein wenig kontrollierten Zucker, statt mit ihm zu kämpfen und sich im falschen Moment überwältigen zu lassen.

Folgen Sie konsequent Ihrer Strategie und Ihrem Risikomanagement, Aktionen aus einem Impuls heraus, tendieren dagegen dazu dem Markt immer hinterher zu laufen.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Vom Boden



Es ist bei großen Krisen immer das Gleiche. Bei jeder kleinen Gegenbewegung sind sofort einige da, die einen Boden wittern und die Aktien nun für Schnäppchen halten. Bei 10% Minus, bei 20%, bei 30% und so weiter.

*Irgendwann* haben diese zu zappeligen und vorschnellen Käufer auch Recht, irgendwann entwickelt sich aus einem finalen Ausverkauf auch wirklich ein Boden, dumm ist nur, dass man das erst hinterher weiss und Kurse in schweren Krisen gerne tiefer fallen, als man sich zu Beginn vorstellen konnte.

Dabei ruhig zu bleiben und nicht zu schnell FOMO zu erliegen - der "Fear Of Missing Out" - hilft uns auch ein typischer Ablauf solcher Korrekturen, nennen wir es das "Standard-Modell". In dem Modell setzt nach einem massiven Ausverkauf eine starke Gegenbewegung ein, die typischerweise bis maximal zur Hälfte des Absturzes nach oben schiebt. Beim S&P500 würde das aktuell Potential bis etwa 2.800 begründen.

Danach entwickeln sich im Standardmodell neue Zweifel, lassen die Kurse erneut fallen, die Ausverkaufstiefs testen und im Idealfall drehen die Kurse dann vorher und dann ist der Boden da. Dann, nicht am Ende des ersten Ausverkaufs!

Weswegen es eben wenig Grund gibt, permant von FOMO getrieben in ein fallendes Messer hinein zu greifen, nur weil man meint, nun seien die Kurse weit genug gefallen.

Ja, erste Teilkäufe bei echten Qualitätsaktien können durchaus Rationalität haben, da man den exakten Boden sowieso nie trifft, macht ein scheibchenweiser Einstieg sowieso Sinn. Aber das wirkliche Einstiegssignal kommt eben nicht am Ende des ersten Absturzes, es kommt im Standard-Modell erst später danach.

Und auch klar ist, dass das Standardmodell nur in vielleicht 60-70% der Fälle richtig ist, Wert hat es trotzdem, sich daran zu erinnern.

Damit stellt sich vielen nun natürlich die Frage, wann dieser Zeitpunkt denn beim aktuellen Geschehen rund um Covid-19 gekommen ist?

Gerne werden dann eindimensionale Antworten gegeben oder man orientiert sich am eigenen Risikoempfinden, das aber sowieso nicht sychron mit dem Markt ist und daher ungeeignet.

Es wird nicht bis zum Ende der echten Krise dauern und auch nicht bis wir als Bürger aus dem Lockdown heraus dürfen, bis der Markt einen neuen Morgen riecht. Es genügt schon, dass ein Abflauen der Infektionen absehbar ist und der Markt wird mit neuem Zutrauen wieder steigen.

Und dabei kann uns nun der Lockdown immens helfen, der nun auch bei uns in Europa in Gang ist. Man kann nur hoffen, dass auch die US bald durchgreifende Maßnahmen beschliessen, denn erst ab dann besteht eine Chance, dass drei Wochen später die Fallzahlen zu fallen beginnen.

Gerne wird dann eindimensional argumentiert, dass ja diese Maßnahmen in der Wirtschaft viel mehr Schaden anrichten würden als das Virus. Das ist aber grundfalsch, denn die Wirtschaft kann mit planbaren Auszeiten gut umgehen, nicht aber mit monatelanger Unsicherheit. Eine 2-monatige Auszeit werden die meisten Firmen mit ihren Reserven überleben, ein unplanbares Chaos den Rest des Jahres dagegen nicht.

Ein Lockdown zieht auch den Moment der maximalen Unsicherheit nach vorne, genau das was wir gerade erleben. Wir sind dann persönlich betroffen und die Börsen rauchen ab, mehr gefühlte Krise geht gar nicht. Das Maximum der Angst ist aber auch gerne der Moment, an dem der Markt seine Tiefs auslotet.

Natürlich ist das Virus nach dem Lockdown nicht weg, das ist doch völlig klar und natürlich geht die Durchseuchung weiter, die entscheidende Frage ist aber ob chaotisch oder geordnet und der Umgang der Gesellschaft mit dem Problem ist nach dem Lockdown ein ganz anderer.

Es hat sich dann ein neuer "Modus Operandi" gefunden, wie das Leben mit verringerten Sozialkontakten weiter geht. Auch die Diskussionen um die Notwendigkeit der Maßnahmen sind weg. Kliniken und Firmen haben dann auch einen neuen Operationsmodus gefunden, der zwar wirtschaftlich gedämpft ist, aber das Leben weitergehen lässt.

Letztlich geht es darum, *jetzt* dem Monster der exponentiellen Entwicklung den Kopf abzuschlagen und damit ein handelbares Plateau zu erreichen, mit dem wir dann eben 1-2 Jahre leben müssen, bis Impfungen da sind.

Und genau das kann dieser Lockdown nun schaffen, je schneller er auch in den US kommt, desto besser.

Dass man dafür 2 unnötige Wochen noch gewartet hat und den Karneval noch hat laufen lassen, obwohl der Verlauf absehbar war, ist eigentlich unverzeihlich aber aus Sicht der Politik verständlich, wenn man sich selbst jetzt noch die Ignoranz von Teilen der Bevölkerung anschaut, was "Social Distancing" angeht.

In dem Zusammenhang empfehle ich uns allen mal -> dieses kurze Video von WHO Direktor Michael Ryan <- anzuschauen.

Was er mit "Be fast, have no regrets" als richtige Haltung in Krisensituationen beschreibt, entspricht dem was wir an der Börse "If panic, panic first" nennen und dessen Wahrheit im Absturz ja wieder bewiesen wurde.

Genau so ist es mit dem Containment dieses Virus, das genau dann perfekt gelingt und die ökonomischen Folgen minimiert, wenn man sofort konsequent agiert, wie es Taiwan beispielhaft getan hat und trotz der Nähe zu China nun kaum betroffen ist. Wer dagegen aus Angst vor wirtschaftlichen Folgen zu lange zögert, wird diese Folgen erst richtig schmerzhaft bekommen.

Wir werden nun also in Europa 2-3 Wochen stark steigende Fallzahlen erleben, die 2 wöchige Inkubationszeit plus die ca. 1 Woche die es braucht, bis der Zustand der schwer getroffenen Patienten sich dramatisch verschlechtert, werden ihre unerbittliche, mathematische Wirkung entfalten. Da ist schon Realität und unvermeidbar, das ist die Folge der Fehler die schon gemacht wurden.

Danach aber im April, besteht die Chance dass sich die Fallzahlen wie in China und Südkorea stabilisieren. Das alleine wird dem Markt schon immens gut tun und genau das ist der Punkt. Sobald dieser neue Modus Operandi gefunden ist, den China gerade im Begriff ist herauszufinden, wird der Markt vielleicht einen Boden finden können, denn das ist durchaus eine belastbare Grundlage.

Jeder weiss ja, dass das Problem sowieso vorbei ist, sobald Impfungen da sind und/oder die Durchseuchung der Bevölkerung hoch genug ist und damit ein Herdenschutz existiert. Wenn die Welt auf dem Weg dahin ein Plateau findet, geordnet mit immer wieder aufflammenden Neuansteckungen umzugehen, ist auch das eine belastbare Grundlage und der Markt wird schon steigen, weil er das Ende und die Impfungen schon vorweg nimmt.

Dann werden auch die massiven Liquiditätschübe der Notenbanken und die staatlichen Ausgabenprogramme ihre Wirkung entfalten. Die können zwar niemanden gesund machen und auch den Lockdown nicht verkürzen, aber den wirtschaftlichen Wiederaufstieg extrem beschleunigen und verstärken, weswegen Vergleiche mit dem langsamen Rebound nach der spanischen Grippe wohl falsch sind.

Heute, Montag früh, scheinen die massiven Maßnahmen der Notenbanken noch das Narrative der allgemeinen Panik zu bestätigen, ihre Wirkung werden sie trotzdem haben, nur verzögert, weil es erst Hoffnung an der Front der Infizierten braucht.

Heisst konkret für eine Bodenbildung:

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