Wahre finanzielle Freiheit

Der folgende Artikel besteht aus Teil-Bausteinen diverser tiefergehender Artikel, die ich über Jahre zum Thema "finanzielle Freiheit" im Premium-Bereich geschrieben habe.

Er soll im freien Bereich einen Eindruck davon vermitteln, wie ich zum Thema "finanzielle Freiheit" denke und was ich von den extremeren Varianten des "Frugalismus" halte, frei nach dem Motto: "Ich spare mich reich wie Dagobert Duck!". Ja, ja ich weiss schon, Frugalismus ist ein weites Feld, es gibt vernünftige Formen und Gedanken darin und er unterscheidet sich fliessend vom reinen Minimalismus und ist nicht so lustfeindlich wie bei Dagobert, es geht um bewusste Sparsamkeit, die durchaus Konsum erlaubt, aber ein wenig Zuspitzung muss zum Einstieg mal sein. 😉

Finanzielle Freiheit oder auch finanzielle Unabhängigkeit, ist zu einem Thema geworden, das viele jüngere Menschen beschäftigt. Die Älteren haben es entweder erreicht, das Ziel aufgegeben oder träumen süsse Träume vom Lotto-Gewinn, wer aber noch 30 oder mehr Jahre Arbeitsleben vor sich hat, der kann dieses Ziel noch ohne die Hoffnung auf eine einzelne Riesensumme beeinflussen.

Vor Jahren hat Morgan Housel hier mal eine interessante Charakterisierung von finanzieller Freiheit ausgebreitet:
-> The Spectrum of Financial Dependence and Independence <-

Wie bei allen so Kategorisierungen kann man sich lange darüber streiten, ob das sinnvoll ist - in der Regel ein wenig schon, aber vollständig nein. Wenn ich versuche mich selber einzusortieren bin ich sicherlich irgendwo in den zweistelligen Leveln, wo genau überlasse ich ihrer Phantasie und ist auch hier irrelevant.

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Die Lage zu Beginn des 2. Quartal

Schon länger habe ich im freien Bereich die große Marktlage nicht mehr eingeordnet, zuletzt hatte ich vor 3 Monaten in -> wo wir am Jahresanfang stehen <- unter anderem den typischen, saisonalen Ablauf beschrieben, der nach einem starken 4. Quartal gerne eine Fortsetzung der Stärke im Januar kennt und dann zunehmende Korrektur-Gefahr ab Ende Januar in den Februar hinein in sich birgt. Im Anschluß daran, bin ich aber von einem starken 2. Quartal und prinzipiell positiven Börsenjahr ausgegangen, dass nach einer Sommerpause zum Ende noch einmal neue Stärke findet.

Auf diesem Kurs sind wir immer noch, 2021 war bisher ein "normales" Börsenjahr, das bisher dem typischen saisonalen Ablauf entsprach, den man -> hier bei Equity Clock <- für den Leitindex S&P500 sehr schön bewundern kann.

Es gibt deshalb derzeit wenig Grund, warum der Verlauf nicht weiter in der historischen Norm bleiben sollte. Diese beinhaltet eine Fortsetzung der nun sichtbaren Stärke bis in den Mai hinein, dann einen Sommer in dem nicht viel zu holen ist und es vielleicht auch zu einer Korrektur kommt und dann einen starken Jahresabschluss.

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Wussten sie eigentlich ….. ?

Vor fast 10 Jahren im Sommer 2011 - in der sich entwickelnden Eurokrise - habe ich hier auf Mr-Market die ersten Artikel geschrieben, noch nicht ahnend wie sich das entwickeln wird.

Einer der ersten Artikel war zum Beispiel dieser hier, der schon etwas tat was sie hier danach noch oft erlebt haben: Uns Anlegern den Spiegel vorzuhalten:

-> Über Investoren und Trader <-

In diesen fast 10 Jahren sind selbst im freien Bereich hunderte Artikel erschienen, für den Inhalt im Premium-Bereich können sie darauf locker einen Faktor von 10x und mehr anwenden. In Summe sind es nun - ich habe gerade im System nachgeschaut - genau 4.698 Artikel die bisher hier auf Mr-Market veröffentlicht wurden. Uff. 😀

Da liegt es in der Natur der Sache, dass selbst bei sehr interessierten Lesern, die auch mal die Suchfunktion benutzen, ein großer Teil der Inhalte unentdeckt bleibt. Verstärkt wird das durch die Tendenz des Internets sowieso nur in der Aktualität zu leben und Artikel die nicht sofort gelesen werden, verschwinden dann zu schnell im digitalen Nirwana.

Besonders im Bereich Börse ist das aber tragisch, denn es gibt wichtige Grundprinzipien, die man einfach "intus" haben muss, sonst kann man aus den täglichen Schwankungen auch keinen Honig ziehen.

Und dafür reicht es auch nicht mal einen Artikel zu lesen, wie bei allen Professionen ist es eine Mischung von theoretischem Wissen und echter Erfahrung, die erst im Laufe der Zeit echtes Können entstehen lässt.

Wie das funktioniert habe ich vor einem Jahr mal im folgenden Artikel thematisiert und ihnen dabei auch gezeigt, was Mitglieder dazu gesagt haben:

-> Vom Wissenserwerb im Zeitalter des Herumklickens <-

Deshalb will ich mit diesem Beitrag mal erneut einige Artikel in Erinnerung rufen, die schon vor Jahren im freien Bereich erschienen sind und heute ebensoviel Wert haben wie früher, die also zeitlose Themen beackern.

Denn wussten sie eigentlich, dass ich schon 2013 davor gewarnt habe, den Untergangspropheten besondere Aufmerksamkeit zu schenken? Heute sind die immer noch da, verdienen ihr Geld weiter mit den Ängsten der Anleger, nur dass die Märkte sich seitdem verdoppelt oder verdreifacht haben. Wie der Artikel schon damals sagte:

Der Gewinn wird hier und heute gemacht. Und das Glück kann auch im hier und heute gefunden werden !

-> Von Untergangspropheten und Erfolg an den Finanzmärkten <-

Wussten sie eigentlich, dass ich schon 2014 die "deutsche Anlegerseele" erklärt habe und dabei auch aufgezeigt habe was das mit Tesla zu tun hat? Und heute könnte ich ganz aktuell hinzufügen, was das mit der scheiternden, weil überkomplexen und bürokratischen Impfkampagne zu tun hat, weil es die gleichen Ursachen sind, die dazu beitragen. Lesen sie mal:

Der Markt erfordert Pragmatismus, Anpassungsfähigkeit, geistige Flexibilität und die Demut, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind.

Das ist verflucht schwer, für einen Menschen mit fest gefügten Überzeugungen. Und auch für jemandem, der den Dingen auf den Grund gehen will. Die Vorstellung, dass in komplex-dynamischen, selbstbezüglichen Systemen gar kein fester Grund ist, sondern nur die Dynamik der Systemtheorie, löst bei vielen eher Schaudern aus.

-> Börsenkultur und Finanzblogs – Ist die „deutsche Seele“ inkompatibel zur Börse ? <-

Wussten sie eigentlich, dass ich schon 2015 die übertriebenen Erwartungen thematisiert habe, die auf Gold als Anlagegut gerichtet werden und die letztlich nur mit einem fehlgeleiteten Sicherheitsbedürfnis vieler Anleger zu tun haben? Lesen sie mal:

Gehen Sie also nicht immer wieder all den Seiten auf den Leim, die Sie mit Crash-Szenarien zum Kauf der Edelmetalle treiben wollen. Machen Sie sich klar, wie stark Ihr Sicherheitsbedürfnis ist.

Legen Sie sich eine angemessene Menge Edelmetalle zur Diversifizierung physisch ins Depot und dann vergessen Sie das Thema und leben Sie mit positiven Gedanken!

Und konzentrieren Sie sich auf die Themen, bei denen man wirklich Rendite und Vermögensaufbau erreichen kann und nicht nur das Kapital erhalten.

-> Gold ein Jahr später – die Monstranz der Sicherheit <-

Wussten sie eigentlich, dass ich schon 2016 nachdrücklich versucht habe die fehlgeleiteten Menschen zu erreichen, die Aktien für "zu riskant" halten und ihr sauer verdientes Geld entweder in Konstrukte wie Riester oder in wirklich riskante Anlageformen wie "Mittelstandsanleihen" und Ähnliches stecken?

Es dürfte damals kaum etwas genützt haben, aber wenn ich nur einen Anleger mit dem Artikel abgeholt habe, war es das wert. Und auch heute suchen wieder viele nach "sicheren" Anlagemöglichkeiten und letztlich müsste man ihnen leicht abgewandelt den folgenden Artikel erneut schreiben.

Auch der gute Herr Scholz sollte den mal lesen, damit sein Geld nicht mehr auf dem Konto versauert, vielleicht würde durch mehr Kompetenz dann auch seine Politik als Finanzminister besser. Lesen sie mal:

Machen wir uns nichts vor, je nach Charakter der nächsten Krise, kann selbst Bargeld entwerten (Währungsreform, Inflation), Gold kann verboten werden und der Besitz unter Strafe gestellt. Immobilien können unverkäuflich sein oder zerstört werden und Staaten können Pleite gehen. Wenn es ganz schlimm kommt, zählt nur der eigene Brunnen und das eigene "Rübenbeet". Ist auch alles schon mal da gewesen...

Also ich bitte Sie, keine Geldanlage ist wirklich uneingeschränkt und zu 100% sicher. Punkt!

Warum werfen Sie das dann aber nur Aktien als "Teufelszeug" vor? Die oben genannten Unternehmen sind bestimmt "sicherer", als so manches, was da derzeit noch so an Geldanlagen vertrieben wird! Haben Sie eine Ahnung, wie lange viele dieser Unternehmen schon erfolgreich am Markt sind? Welche Krisen die schon überstanden haben?

-> Aktien sind Teufelszeug und die Börse ist eine Zockerbude! <-

Wussten sie eigentlich, dass Mr-Market sich aber auch intensiv mit Markttechniken und Trading befasst und ich daher wie hier in 2017 auch immer wieder bemüht bin grundlegende Techniken zu erklären und dabei Sinnvolles von Sinnlosem zu trennen?

Lesen sie mal, was ich zu mit tausend Indikatoren vollgepackten Charts zu sagen habe:

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Der Arzt in der Datenbrille

Börse ist keineswegs nur Daten und Charts, gewürzt mit der Psychologie des "unbehaarten Affen", der uns jeden Morgen im Spiegel anschaut.

Börse ist vor allem auch Zukunft, denn Kurse entstehen immer aus -> Erwartungen <- und die Kurse von heute beschreiben primär nicht was heute ist, sondern was die Marktteilnehmer für die kommenden 6-12 Monate erwarten.

Viele Gespräche und Themen der Community drehen sich daher auch um potentielle Entwicklungen, sei es kurz-, mittel- und langfristiger Art. Dabei darf man nicht in reine Spekulation und Besserwisserei abgleiten, weil die Zukunft ist unbestimmt, wandelbar und "et kütt wie et kütt".

Aber trotz dieser Demut einer unbestimmten Zukunft gegenüber macht es Sinn, sich immer wieder die großen Entwicklungslinien und Trends zu vergegenwärtigen, da man damit dann auch manche Bewegungen und Vorlieben des Marktes besser verstehen kann.

Immer wieder behandele ich daher solche Themen auch in Artikeln und so habe ich nun einen kleinen Teil einer Artikelreihe zur Zukunft für sie im freien Bereich, bei dem es um unser Gesundheitswesen und die Ärzteschaft geht.

Der Artikel ist im März 2020 erschienen, mitten im ersten Covid-Absturz. Bedenken sie das bei einigen Bezügen im Artikel, der weitgehend unverändert gegenüber von vor einem Jahr ist und den ich nur in Bereichen angepasst habe, die für den freien Bereich ohne verständlichen Kontext wären.

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Heute will ich ein weiteres Thema meiner Zukunfts-Reihe mit Ihnen besprechen. Diesen Artikel hatte ich schon vor Monaten vorbereitet, lange vor dem neuen Corona-Virus, er erlangt nun aber eine Aktualität, mit der ich damals wirklich nicht gerechnet habe.

Dieses Mal geht es um das Gesundheitssystem und was Technologie für dieses System in der Zukunft bedeuten wird. Während ich bei den voran gegangenen Themen recht deutlich eine Position eingenommen habe, dass sich die Welt mehr oder weniger schnell in diese Richtung entwickeln wird - Resistance is futile sozusagen - bin ich hier weniger eindeutig, weil das Gesundheitssystem extrem "politisch" ist, kein völlig freier Markt sein kann und daher auch in der Zukunft viele Formen annehmen kann, die eigentlich ineffizient oder unwirtschaftlich sind.

Hier sind eben auch andere Erwägungen im Spiel als Effizienz und das ist ja auch richtig so. Durch die aktuelle Pandemie kann es jetzt aber sein, dass Entwicklungen schnell in Gang kommen, die ansonsten noch 10 Jahre gedauert hätten. Und das ist gut so, denn die Abkehr vom "Wartezimmer-Gehocke" ist zum Beispiel schon lange überfällig!

Ich weiß im Übrigen auch, dass wir hier viele Ärzte mit eigenen Praxen in der Community haben, insofern würde ich mich über eine rege Diskussion dieser spannenden Thematik sehr freuen. Ich selber bin ein Bürger und Patient, habe keine spezielle medizinische Ausbildung, aber besitze das was man "Bildung" nennt und würde mich daher als sehr mündigen Patienten bezeichnen, der es schätzt Ärzte vor sich zu haben, mit denen man ein vernünftiges Gespräch über Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten führen kann.

Ärzte die nie mal etwas nachschlagen müssen und sich auch bei obskuren Symptomen mit wenigen Blicken immer sofort sehr sicher sind, sind mir höchst suspekt, weil jeder Akademiker hat zwangsläufig immer nur einen Ausschnitt des Fachwissens sofort parat und muss bei Details oder Sonderfällen nachschlagen. Ein Arzt der nachdenkt, auch mal nachliest und einen Zusammenhangsgedanken an sich heran lässt und ihn prüft, ist mir dagegen als Gesprächspartner hoch willkommen.

Ich bilde mir selber nicht ein, etwas von Medizin zu verstehen, nur weil ich ein paar Artikel im Web gelesen habe, bin aber sehr wohl in der Lage mögliche Zusammenhänge herzustellen und damit dem Arzt gleich potentiell wichtige Informationen zu liefern, die für die Beurteilung bedeutsam sein könnten. Der Typus "Chefarzt" mit wehendem Rockschoß und 5 Assistenzärzten im Schlepptau, der über die Patienten als "Fälle" spricht, hat bei mir eher kommunikativ schmerzhafte Erlebnisse, außer es geht mir so dreckig, dass ich dazu nicht mehr in der Lage bin. Und der Typus "Patientenspringer", der immer nur 2 Minuten bei einem ist, dafür aber gerne alles was er macht mit Faktor 3,5 abrechnet, wird von mir auch nur einmal besucht und dann nie wieder.

Bis auf seltene Ausnahmen, die ich dann auch nicht mehr besuche, sind meine Ärzte kluge, offene und nachdenkliche Menschen, die auf mich eingehen und mir tatsächlich helfen. Zum Tanz gehören natürlich immer zwei und wenn man einem Patienten die Informationen aus der Nase ziehen muss, würde ich wahrscheinlich auch ein anderes kommunikatives Verhalten an den Tag legen.

Letztlich gilt für die Gesundheit ja das Gleiche wie für die Börse, wir müssen vor allem selber dafür Verantwortung tragen und Ärzte eher als qualifizierten Dienstleister wie einen Architekten sehen, statt als "Halbgötter in Weiss", die uns unsere Probleme lösen. Denn das tun sie nicht und können sie nicht, bei diffusen, systemischen Krankheitsbildern, die nicht eindeutig einer Disziplin zuzuordnen sind, wird das schnell überdeutlich und ein Patient der intelligent mitdenkt, kann erheblich zur eigenen Genesung beitragen, denn niemand kennt uns so gut, wie wir selber.

Das aber nur zur Einleitung, die Frage ist ja nun, was technologische Entwicklungen in den nächsten Jahren bewirken werden. Dabei denkt man zunächst natürlich an den naheliegenden Schritt zur "Telemedizin", die zunächst einfach nur ein geschütztes Videokonferenz-System bedeutet und als solches nun im Jahr 2021 nicht mehr so spannend ist, auch wenn der Gesundheitssektor in diesen Fragen eher noch im letzten Jahrhundert hängengeblieben ist. -> Dieser Artikel <- zeigt uns aktuelle Entwicklungen in der Corona-Krise und nennt mit Kry, Teleclinic und Zavamed auch drei Anbieter, die schon im Markt unterwegs sind. Und aus den US kennen wir ja schon Teladoc (TDOC) mit ähnlichem Profil.

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Der ewige Markt und seine Strukturen

Ja, auch Videos gibt es im Premium-Bereich, ca. eines pro Woche.

Heute haben sie im freien Bereich die Gelegenheit, mal in Eines hineinzuschauen, das ich im Oktober letzten Jahres erstellt habe und in dem ich sie locker durch 70 Jahre Börse und ihre Stukturen führe.

Denn das Erstaunliche ist, wie wiederholbar doch vieles ist und wie vergleichsweise leicht man das erkennen kann, wenn man sich mal mit etwas Abstand vom täglichen Geplapper und der "Börsenpornographie" löst, die täglich die Sinne der Anleger vernebelt.

Ich habe allerdings lange überlegt, ob ich das im freien Bereich überhaupt veröffentliche, weil es dafür nicht gemacht ist. Die Mitglieder der Community kennen mich, da kann ich gleich einfach losreden, für die Leser des freien Bereiches gilt das natürlich nicht und eigentlich hätte ich dafür eine Einleitung machen müssen.

So benutze ich im Video auch ein paar Begrifflichkeiten, mit denen außerhalb der Community nicht jeder etwas anfangen kann und es braucht daher wahrscheinlich Zeit, bis sie in das Thema kommen und verstehen was ich ihnen da zeige. Wenn sie sich an das Video wagen, dann geben sie dem Video also mal bitte mindestens 10 Minuten Zeit, bis es seinen Fluß entwickeln kann oder lassen es lieber gleich sein. Für Klicksüchtige mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne ist Mr-Market sowieso nichts.

Außerdem hatte ich letzten Herbst einen ziemlichen Husten und musste während des Redens permanent Bonbons lutschen um den Husten im Griff zu behalten, was man durch den offenen Mund neben dem Mikrofon natürlich zwangsläufig schmatzend hört. 😛

Also kein ideales Video, aber authentisch und in freier Rede ohne Skript. Und daher denke ich, dass es für sie Sinn macht die Zeit mal zu investieren und das Marktgeschehen von 70 Jahren auf sich im Kontext wirken zu lassen. Ich denke sie werden etwas mitnehmen und es wird ihnen vielleicht helfen in Zukunft gelassener zu werden. Denn es gilt:

Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten

Sie kennen diese Weisheit sicher und diese gilt auch für uns Anleger. Jedesmal wenn irgendetwas passiert, kommen schnelle mediale Superlative und sogenannte "Experten" bekommen Schnappatmung und penetrieren die Anleger mit Aufgeregtheiten.

Besonders beliebt sind dann auch Statements, dass das ja nun alles so völlig anders als früher sei, lächerliches Seemannsgarn für Unbedarfte. Sicher verändert sich der Markt permanent, aber es gibt eben auch viele strukturelle Prinzipien, die einfach bleiben und sich nicht ändern und das gilt insbesondere für das Marktverhalten im großen Bild.

Man kann das auch anhand der martktechnischen Lehren sehr schön sehen, denn egal ob 1900 Richard Wyckoff, 1920 Jesse Livermore, 1950 Nicolas Darvas, 1960 William O´Neill, 1990 David Ryan oder ca. 2000 zum Beispiel der immer noch aktive Mark Minervini, alle haben ähnliche Ansätze und eine ähnliche Herangehensweise an den Markt, auch wenn sie für die Strukturen dann andere Worte benutzen.

Bei allen Unterschieden im Detail, bei aller unterschiedlichen Terminologie, die sich im Laufe von 100 Jahren halt verändert hat, haben doch alle den Markt sehr ähnlich verstanden, haben auf ganz ähnliche Techniken gesetzt und waren damit erfolgreich. Wie man die Struktur dann nennt, ist eben nebensächlich, solange die Substanz identisch ist.

So sehr kann sich der Markt in 100 Jahren also gar nicht verändert haben, wenn zum Beispiel die Techniken von Wyckoff unter anderen Namen auch 100 Jahre später noch Erfolg bringen können.

Folgen sie mir also auf eine Reise durch 70 Jahre Geschichte, mit ihren Krisen und immer wiederkehrenden Marktstrukturen.

Vielleicht erkennen sie dann auch, welchen Wert Gelassenheit in Krisen hat, wie sauber man oft den Boden von Krisen erkennen kann, wenn man sich nicht verrückt machen lässt und dass der Markt immer noch wie vor 70 Jahren nach dem Motto "2 Schritte vor, 1 Schritt zurück" nach oben schwingt.

Und in dem wir diese Vergangenheit verstehen, werden wir als Anleger ruhiger und souveräner, denn so viel hat sich beim Marktverhalten zwischen 1950 und 2020 eben gar nicht geändert, egal was "Experten" so alles reden, wenn der Tag lang und der Wunsch nach medialer Aufmerksamkeit hoch ist.

Hinweis: Das Video wurde temporär deaktiviert

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wo wir am Jahresanfang stehen

Im Premium Bereich ist schon seit einer Woche wieder Betrieb und wir haben schon viel besprochen und Einiges in der sehr bewegten und profitablen KW1 mitnehmen können.

Hier im freien Bereich will ich ihnen - sozusagen aus der Umlaufbahn - einen summarischen Überblick geben wo wir aktuell am Freitag 08.01.21 stehen - mit wenigen, klaren Sätzen.

Erstens, der US-Senat ist marginal wieder in demokratischer Hand, die Vize-Präsidentin kann mit ihrer Stimme nun das Zünglein an der Waage zu Gunsten der Demokraten sein.

Das erleichtert Biden das Regieren ungemein, ohne dass es dem linken Flügel der Demokraten zu viel Einfluß gibt, denn mit nur einer "halben Stimme" Mehrheit bekommt man immer noch keine kontroversen Themen durch.

Für Big Tech wie Facebook (FB) oder Amazon (AMZN) erhöht das Risiken von Regulierung und Zerschlagung, für die breite Ökonomie erhöht es aber die Chancen eines massiven Stimulus, der nun schneller und höher kommen wird, als vorher möglich.

Der Markt nimmt das schon vorweg, seit Mittwoch "feiert" er erneut in den Sektoren, die schon am 09.11.20 mit der Nachricht zum Impfstoff aus der Corona-Baisse erweckt wurden.

Der Russell2000, der Index der kleinren US Aktien, vollzieht eine massive Rally, die Hoffnung auf die Konjunktur ausdrückt:

Zweitens gehe ich davon aus, dass Trump nach dem Geschehen von Mittwoch nun politisch zum "Outlaw" wird und sein Einfluß auf die republikanische Partei damit geringer.

Trump konnte mit seinen Brüchen ziviler Normen bisher durchkommen, weil er in der Regel nur Einzelpersonen so angegriffen hat. Das nahm man zwar mit Abscheu zur Kenntnis, war aber nicht ausreichend selbst betroffen.

Mit diesen Bildern dieser Chaoten im Kapitol, angefeuert vom eigenen Präsidenten, wird er aber auf ewig verbunden bleiben und dabei hat er sich nun nicht mit Einzelpersonen, sondern mit den amerikanischen Mythen, mit der Selbstidentität des Landes angelegt und die ist wirkmächtig.

Viele brave Bürger werden sich abwenden, was ihm dann bleibt ist eine kleinere, aber radikalere Truppe gläubiger Jünger. Das bleibt gefährlich und auch mit Einfluss, aber der Zenit ist überschritten und das Momentum hat einen Knacks. Die heutige halbgare "Concession" zeigt, dass er den Fehler nun bemerkt hat.

Dass er seine Position selbst so geschwächt hat, ist eine schöne Pirouette der Geschichte und im Sinne von Faust "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft".

Denn Trump hätte aus der Executive heraus diese Wahl locker gewinnen können, der Gegner war schwach und in der Krise schlägt immer die Stunde der Anführer, wenn sie denn welche sind. Aber er hat - getrieben von seinen eigenen Geistern - alles dafür getan, den Gegner stark zu machen, dessen Anhänger zu Einen und selber Angriffspunkte zu bieten. Der größte "Loser" heisst also "Donald", er hat eine Wahl vergeigt, die für ihn wie ein Elfmeter war, den man nur noch eintüten musste.

Aber auch nach der Wahl hätte er noch mit Grandezza abtreten können, sein Ego befriedigen und am Image des "Comeback-Kids" basteln und so ein politischer Faktor bis 2024 bleiben. Das hat er nun wohl alles mit eigener Kraft beschädigt, seine politische Zukunft ist unklar und zweifelhaft.

Für den Markt ist das aber schon lange nicht mehr relevant, der schaut seit der Wahl nach vorne und was er sieht gefällt ihm, weil der dritte Punkt zum Tragen kommt:

Drittens garantiert das "dynamische Duo" von Yellen als Finanzministerin und Powell als FED-Chef weiter einen voll aufgedrehten Liquiditäts-Feuerwehrschlauch der FED.

Mit den Demokraten und dem Wechsel im Senat werden auch "Helicopter-Money" Konzepte im Sinne der MMT wahrscheinlicher, wovon wieder Aktien, aber auch Gold relativ profitieren werden.

Dieser Bullenmarkt ist also keineswegs zwingend vorbei und selbst wenn die jedes Jahr neu schnatternden Crash-Propheten wie eine gesprungene Schallplatte irgendwann mal recht bekommen, kann der Markt in den Jahren bis dahin noch massiv steigen und jeder der das nicht mitnimmt, sich in den Fuß beissen.

Oder anders gesagt, nachdem man 80% Gewinn mitgenommen hat, akzeptiert man dann gerne die 10-20% Verlust vom Hoch, bis man erkennen kann, dass die Party nun vorbei ist. Das ist der Weg. 😉

Falls jemand nicht weiss was los ist, hier ist noch einmal die Geldmenge M1 der USA seit den 90er Jahren. Das Chart ist logarithmisch, linear sähe es noch mehr nach einem Start einer Falcon 9 von SpaceX aus. 😛

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Ein historisches Anlagejahr

Ein historisches Jahr und Anlagejahr liegt in den letzten Zügen.

Wenn sie jetzt hier einen Jahresrückblick erwarten, sind sie schief gewickelt, denn ich finde kaum etwas langweiliger als Jahresrückblicke.

Die Zukunft ist weit spannender, die neuen Dinge die man noch beeinflussen oder zumindest erleben kann. Und auch die echte Vergangenheit ist interessant, weil wir aus ihr lernen können.

Aber das noch einmal durchzunudeln, was man gerade erst erlebt hat und noch im Kopf präsent ist? Eher nicht, es gibt Sinnvolleres mit der begrenzten Zeit zu tun, die einem zur Verfügung steht.

Trotzdem - und das ist etwas ganz anderes, als sich Jahresrückblicke anzuschauen - macht es Sinn aus dem Erlebten des Jahres 2020 zu lernen und insofern zu reflektieren, was das (Anlage-) Jahr so besonders gemacht hat.

Da fällt mir zum Beispiel die Tatsache ein, dass wir in 2020 den *schnellsten und härtesten Rebound der Börsengeschichte* nach einem Crash erlebt haben!

Hier von -> Advisor Perspektives <- sehen wir nur den Zeitraum seit 2009, aber auch darüber hinaus war die Härte des Rebounds historisch ohne Beispiel:

Dieses Jahr war es also sehr "leicht", hohe Gewinne zu erzielen. Man musste "nur" Ende Februar hart reagieren und sein Depot sichern und ab April dann auf die Covid-Gewinner setzen.

Wer dann auch noch am 09.11.20 - dem Tag der Erfolgsmeldung zur Impfung - sofort erkannt hat, dass der Markt nun über Covid hinausschaut und die Zeit der Nachzügler anbricht, wird sich in diesem Jahr über hohe zweistellige Prozentgewinne im Depot freuen können!

Letztlich hat sich die Pandemie aus Sicht der Börsen als Treibsatz der Veränderung herausgestellt, Entwicklungen die schon langsam liefen, wurden beschleunigt und um Jahre vorgezogen. Neben dem historisch einmaligen Stimulus, ist das auch einer der Gründe für die Stärke des Marktes.

Die Börsen sind kein 100%iges Abbild der breiten Wirtschaft, an den Börsen befinden sich überdurchschnittlich viele technologisch starke oder anderweitig resiliente Unternehmen mit Zukunftspotential, die von Covid profitieren konnten.

Was ja auch logisch ist, letztlich ist die Börsennotierung ein positiver Filter für Unternehmen, tendentiell wird an die Börse gebracht, was Chance hat bei Anlegern Geld einzusammeln und das sind eher weniger die sowieso schon lahmen oder fußkranken Unternehmen.

Ausnahmen bestätigen dabei die Regel, manchmal kommt Schwäche ja auch erst im Laufe des Börsenlebens einer Firma und auch Fälle wie Wirecard beweisen das letztlich. Denn Wirecard ist wohl eher ein Betrugsfall, hat aber gerade bis zu dessen Aufdeckung davon gelebt, den Eindruck technologischer Führerschaft und Wachstums zu erzeugen.

Hinzu kommt dann noch der historisch einmalige Stimulus von Notenbanken und Staaten, schauen sie nur als Beispiel, wie sich die Geldmenge M1 in den US ab März diesen Jahres entwickelt hat - die ist fast explodiert. Und die Inflation, die die Notenbanken in den Warenkörben suchen, ist natürlich längst da - in den Asset-Märkten!

Übrigens, das Chart ist logarithmisch, linear sieht es noch verrückter aus - die Modern Monetary Theory (MMT) wird schon faktisch umgesetzt.

Und dann waren in 2020 solche Charts von Covid-Profiteuren wie hier von Docusign (DOCU) keine Seltenheit und alles was man tun musste, war im Frühjahr das Spiel zu erkennen das gespielt wurde und aufzusatteln.

2020 war also ein verrücktes und denkwürdiges Anlagejahr, aber auch ein extrem Profitables, wenn man dem Spiel auf dem Platz folgte, statt den Markt zu bekämpfen.

Und wie es weitergeht?

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Beständiger Wandel

Am Montag vor fast 2 Wochen, am 09.11.20, hat der Markt etwas getan, was er sonst äusserst selten tut, denn es heisst völlig zurecht "zum Einstieg wird nicht geklingelt".

Aber keine Regel ohne bestätigende Ausnahme und diese Ausnahme war wohl am 09.11. und kam mit der Nachricht von der Covid-Impfung von Biontech (BNTX) / Pfizer (PFE), der ja bald danach auch die Erfolgs-Nachricht von Moderna (MRNA) folgte. Was in Summe sehr wahrscheinlich macht, dass wir im Laufe des Jahres 2021 eine Impfung haben und Covid dann im Laufe des Jahres langsam und stetig weniger wichtig für die Unternehmen wird.

Gleich an diesem Montag 09.11. habe ich die grundlegende Bedeutung erkannt und die Community deutlich darauf hingewiesen, dass dieser Tag wahrscheinlich aus Sicht der Börse den "Anfang vom Ende von Covid" bedeutet. Und dass nun endlich die Zeit gekommen ist, auch wieder einen Blick auf die schwer von der Pandemie getroffenen Sektoren wie Öl, Reise, Vergnügungsparks, Luftfahrt etc zu werfen.

Dass wir da gleich am ersten Tag so sicher waren liegt am Verständnis, wodurch Kurse bewegt werden. Wie ich hier vielfach erklärt haben, werden Kurse eben durch -> Erwartungen <- bewegt, die sich in die Zukunft richten und dabei einen Zeitraum von ca. 6 - 12 Monaten, also bis zu ca. einem Jahr im engen Fokus haben.

Die Kurse von heute zeigen also, was der Markt von einer Aktie in ca. 6-12 Monaten erwartet, nicht was die Realität des Unternehmens heute in der Gegenwart ist. Dieser Unterschied ist zentral und wer den nicht versteht, wird auch nie die Bewegungen des Markes verstehen können.

Natürlich steht den Unternehmen nun objektiv ein anstrengender Covid-Winter bevor und die oben genannten Sektoren werden in den kommenden Monaten weiter schwer getroffen sein. Mit den Kursen bepreist der Markt aber, was er nächsten Sommer/Herbst 2021 erwartet und da hat die berechtigte Aussicht auf Impfungen natürlich einen ganz wesentlichen Effekt.

Seit diesem 09.11. hat eine erneute Sektoren-Rotation an den Märkten stattgefunden, die weit gelaufenen Covid-Gewinner im NASDAQ sind in Korrektur-Bewegungen gewechselt, Sektoren und Aktien dagegen, die schwer unter Covid leiden, sind zum Leben erwacht.

Schauen sie nur als Beispiel mal auf Hexcel (HXL), einen Spezialisten für Verbundwerkstoffe (Composite-Material) im Flugzeugbau, wie die Aktie nun zu fliegen begonnen hat. Das Unternehmen ist natürlich stark von Boeing (BA) und Airbus (AIR) abhängig und natürlich hat sich aktuell in diesen Wochen in den Auftragsbüchern rein gar nichts an der Baisse geändert.

Die Aussicht aber auf ein Ende der Pandemie, der Blick auf 2021 lässt die Kurse schon heute massiv steigen. It´s the expectation stupid!

Umgedreht sieht die Geschichte aber bei den Impfaktien aus, wer glaubt die Nachricht dass die Impfungen kommen, sei nun der Katalysator für weitere Gewinne, hat auch den Mechanismus des Marktes nicht verstanden.

Die Erwartungen waren schon in den Kursen, jetzt wird sich der Fokus darauf richten, dass wahrscheinlich nur die ersten 2-3 Anbíeter im Rennen das große Geld machen können und alle anderen zu großen Teilen auf den Investitionen sitzenbleiben.

Schauen sie im Weekly wie Biontech (BNTX) und Moderna (MRNA) auf die Nachricht reagiert haben und wann die Aktien gestiegen sind - im Vorfeld! Das Thema ist überwiegend "gegessen", "it´s the expectation stupid!

Diese Erkenntnis, dass eine Impfung in 2021 kommt, hat aber natürlich Auswirkungen auf den ganzen Markt. Und deswegen ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, ab dem man die zurückgebliebenen Sektoren auch wieder eines Blickes würdigen darf - nicht im April diesen Jahres.

Wer sich im Frühjahr Öl-Aktien wie Shell ins Depot gelegt hat, weil diese ja "so billig" seien, hat sich nur nervige Verluste ins Depot geholt, während mit den "stay at home" Tech-Aktien absehbar viele Verdoppler möglich waren.

Ob Öl-Aktien noch ein langfristiges Investment sind, ist äusserst fraglich - ich halte solche Aktien seit vielen Jahren nicht mehr als Investment - aber zumindest als Trade ist jetzt mit der erneuten Rotation die Zeit gekommen auch mal wieder in die zurück gebliebenen Sektoren zu schauen - aber eben nicht im letzten Frühjahr.

Damit will ich auch hier im freien Bereich schon wieder schliessen. Die Kunst für mittel- und langfristige Anleger ist jetzt, von einer reinen Fokussierung auf die Covid-Gewinner wegzukommen und eine balanciertere Aufstellung zu finden.

Viele der Techaktien werden fraglos weiter zu den langfristigen Gewinnern gehören, weil die dahinterliegenden Trends zwar von Covid beschleunigt wurden, aber viel grundlegender sind. Und nicht jeder der verprügelten Sektoren wird schnell wieder zu alten Tagen zurückkehren, weil Covid auch Dinge dauerhaft verändern wird - so zum Beispiel den Anstieg von verteilter Heimarbeit und von Videokonferenzen.

Niemand sollte nun also seine Depots 180 Grad auf den Kopf stellen, wer Wachstum und dauerhaft steigende Kurse im Depot will, muss weiter vor allem auf den NASDAQ schauen.

Aber nicht jeder Covid-Gewinner wird seine Gewinne in die Zeit danach retten können, die Hersteller von Masken sollten dafür ein sehr einfaches Beispiel sein. Wer jetzt also den erneuten Wandel, die erneute Rotation der Märkte nicht sehen kann und will, wird den gleichen Fehler wie im Frühjahr erneut machen.

Beständig ist am Markt eben nur der Wandel und es sind und bleiben die Erwartungen, die Kurse bestimmen! Die Gegenwart ist dagegen "kalter Kaffee". 😉

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Vor und nach der Hochzeit

Die Auszählungen laufen noch, aber seit Mittwoch Mittag wird immer wahrscheinlicher, dass die Waage am Ende zu Gunsten Bidens ausschlagen wird.

Zeit auch im freien Bereich mal ein paar Gedanken zum Markt und der Wahl zu teilen, in der Community besprechen wir das natürlich täglich in Tiefe und Breite.

Da wir es beim Geschehen aber immer noch mit einem "Moving Target" zu tun haben, also einer Situation die sich dynamisch entwickelt, will ich mich hier im freien Bereich vor allem auf das Verständnis konzentrieren, warum der Markt überhaupt bestimmte, markante Bewegungen zeigt. Dazu wird medial nämlich viel Unsinn verbreitet und die Frage wer Präsident wird, war dafür in den letzten Tagen nur indirekt entscheidend.

Zunächst einmal haben wir letzte Woche die "Angst in der Nacht vor der Hochzeit" erlebt. Es ist ganz oft so, dass der Markt vor wichtigen Wegscheiden etwas zu stark in die Gegenrichtung ausschlägt. Auch vor 4 Jahren gab es zunächst einen Ausverkauf als Trumps überraschender Sieg bekannt wurde, dann aber begannen die Käufe die dann 15 Monate lange bis in den Januar 2018 hinein praktisch nicht aufgehört haben.

Auch bei technischen Konsolidierungs-Formationen - zum Beispiel sogenannten "bullischen Flaggen" - sieht man am Ende gerne einen Fakeout nach unten, bevor die Kurse dann mit Macht doch nach oben drehen.

Etwas Ähnliches haben wir letzte Woche gesehen und die Schärfe der Abgaben war letzte Woche auch für mich überraschend. Denn ich bin schon vor 2 Wochen mit Präferenz von einer Erleichterungs-Rally nach der Wahl ausgegangen, die scharfen Abgaben letzte Woche waren da irritierend, haben mich aber von der bullischen Erwartung nicht abgebracht, weil diese das Setup für Stärke danach nur verbessert haben:

Jetzt sehen wir, dass es letzte Woche wirklich nur ein "Fakeout" war, die bekannte "Angst vor der Hochzeit", also vor einem wichtigen Ereignis. Und wenn wir nun in bestimmten Sektoren eine massive Rally erleben, dann hat das genau auch damit zu tun, dass die schon eingepreiste Angst sich nun auflösen kann - eine klassische Erleichterungsreaktion.

Denn es war klar zu sehen und wurde im Rahmen meiner Artikel im Premium-Bereich ausführlich thematisiert, dass der Markt schon längst viele Sorgen in die Preise eingebacken hatte. Wenn sie meinen Artikel -> Der Markt und die Erwartungen <- im freien Bereich gelesen haben dann wissen sie, dass die Kurse sich aufgrund veränderter Erwartungen bewegen und nicht aufgrund des Inhalts von Nachrichten!

Nachrichten verändern zwar die Erwartungen, wenn aber die Erwartung vorher katastrophal schlecht war, wird eine marginal schlechte Nachricht dann trotzdem zu einer positiven Anpassungsreaktion führen.

Wenn also alle eine "Blaue Welle", einen durchschlagenden Erfolg der Demokraten erwarten, mit dem beide Häuser - auch der Senat - in die Hände der Demokraten fallen und die dann "durchregieren" könnten, dann stellen sich die Marktteilnehmer auch auf die damit verbundene und zu erwartende Regulierung zum Beispiel für Big Tech ein, die auch auf Zerschlagungen herauslaufen kann. Und so wurden diese Aktien in der Vorwoche ebenso abverkauft, wie alle Aktien die besonders unter wieder erhöhten Steuersätzen leiden würden.

Wenn diese Erwartung sich dann aber durch die ersten Ergebnisse nicht bestätigt und widerlegt wird, wenn klar wird, dass die US weiter ein "Split Government", einen "Gridlock" haben, dann können diese Sorgen ausgepreist werden und führen zu massiv steigenden Kursen - neben anderen Faktoren natürlich, der Markt ist immer die Überlagerung vieler Einflussfaktoren.

So zum Beispiel bei den Schwergewichten des NASDAQ wie hier bei Facebook (FB):

So auch zum Beispiel bei "Big Pharma", die bei einer demokratischen "blauen Welle" auch dem Risiko scharfer Regulierung bei den Medikamentenpreisen ausgesetzt waren. Und so kommen dann Charts wie bei Abbvie (ABBV) zustande.

Der Markt hatte seit dem Sommer mit steigenden Umfragen für Biden regulatorische Risiken eingepreist und von dieser Sorge wurde er nun mit einem Schlag befreit:

Wenn sie genau hinhören dann bemerken sie auch, dass es dabei gar nicht primär um die Frage Biden oder Trump geht. Der Markt hat kein Problem mit der Person Biden, er hatte ein Problem mit grundlegenden Eingriffen in Steuergesetze und in die Preisfindung im Gesundheitssektor.

Unabhängig vom Wahlausgang gab es ja aber auch große Sorgen vor gesellschaftlichen Unruhen nach der Wahl, auch das war in den Kursen, zum Beispiel der kleineren Unternehmen, die darunter leiden würden.

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Bidens Aktien richtig verstanden

Die US Wahl rückt näher, eine gute Woche, dann wird es ernst.

Zum Wahlausgang will ich mich nicht an der Raterei beteiligen, nur darauf hinweisen, dass die Erfahrung von 2016 den Wählern und Demoskopen noch in den Knochen steckt. Wenn sie wieder einen Fehler machen, dann wahrscheinlich eher einen Neuen, als den gleichen Fehler noch einmal. Überraschend sind eben eher die Dinge mit denen niemand rechnet und nicht, was man nach einer Vorerfahrung schon auf dem Radar hat.

Zeitgleich mit der näher kommenden Wahl, schwellen nun aber auch die Artikel zu Bidens möglicher Wahl deutlich an, die im Sinne "diese Aktien müssen sie kaufen wenn Biden Präsident wird", die Favoriten der möglichen neuen Präsidentschaft thematisieren.

Das macht ja auch Sinn, nur kommt es teilweise zu spät und vor allem verkennen diese Artikel gerne, dass der Markt das ja auch alles schon längst weiss.

Mal konkret, am 15. Juli habe ich der Comunity mit dem Artikel -> Bidens Aktien <- einen ersten Überblick gegeben.

Selbstverständlich hat der Artikel unter anderem auch die absehbare Präferenz der Demokraten für "Clean Energy" und damit für Aktien wie NextEra Energy (NEE), Enphase Energy (ENPH) oder die Solarwerte generell thematisiert.

Und selbstverständlich war da auch klar, dass die Ölwerte eher "Trump Werte" sind, das zu wissen erfordert wirklich keine Raketenwissenschaft, sondern war und ist offensichtlich.

Diese Erkenntnis im Juli, hat uns ermöglicht zum Beispiel im Clean Energy Sektor an solchen Bewegungen teilzuhaben, wie híer bei den Sektor-ETFs iShares Clean Energy (ICLN) und Invesco Solar (TAN).

Ich habe mir erlaubt, den 15.07. mal zu markieren:

Sie sehen, was danach passiert ist und sie sehen, wie massiv das Volumen angeschwollen ist. Große Adressen haben sich also danach in den Sektor eingekauft.

Und damit kommen wir zum Kern dessen, was ich ihnen hier und heute vermitteln will. Denn warum ist das wohl so? Warum haben sich die großen Adressen dann eingekauft?

Eben weil die nicht dümmer als wir sind. Weil der Markt auch weiss, was wir wissen. Weil die Erkenntnis, dass Clean Energy ein Biden Sektor ist, auch im Juli jeder haben konnte.

Und jetzt frage ich sie noch einmal: Was glauben sie welchen Wert es hat, wenn jetzt ein paar Tage vor der Wahl Artikel auf die "grandiose" Idee kommen, ihren Lesern diesen Sektor als Biden-Sektor zu empfehlen?

Der Punkt ist, das hat der Markt schon zu guten Teilen verarbeitet, der Kuchen ist also schon zumindest teilweise aufgegessen.

Ich sage bewusst *teilweise*, weil ja noch erhebliche Unsicherheit über der Wahl liegt und der Markt also auch noch nicht voll auf diese Aktien setzen kann.

Wenn Biden also klar gewinnen sollte, kann es gut sein, dass dieser Sektor dann noch einmal einen deutlichen Freudensprung macht, weil die letzten Nachzügler die das erkennen, die Aktien dann als Letzte in der Nahrungskette auch noch kaufen.

Dann spätestens aber dürfte der Sektor erst einmal reif zumindest für eine Konsolidierung sein, weil eben jeder der sich einkaufen will, das schon getan hat - die Mehrheit schon vorher, wie die Charts klar sagen.

Kurse steigen eben, wenn -> die Nachfrage überwiegt <- und wenn alle schon gekauft haben, die kaufen wollten, geht die Nachfrage zurück.

Das bedeutet nicht, dass der Sektor dann wieder ernsthaft fallen muss. Viele Faktoren wirken auf die Kurse und eine allgemeine Rally nach der Wahl hebt alle Boote, auch diese Sektoren. Es heisst nur, dass ein guter Teil der Chancen schon verfrühstückt wurde.

Man muss jetzt auch unbedingt den Zeithorizont auseinanderhalten. Denn es spricht viel dafür, dass der Clean Energy Sektor auch langfristig eine gute Performance hinlegen wird, egal wer die Wahl gewinnt. Und wenn später die richtige Gesetzgebung von der neuen Administration kommt, dann kann der Sektor durchaus nach einer Pause weiter steigen, weil diese Gesetzgebung ist dann ja wieder eine Neuigkeit. Das ist eben eine mittel- und langfristige Zukunft, die noch nicht geschrieben ist.

Ich speche hier aber über das kurzfristige Geschehen um die Wahl und da hat der Sektor nun kein besonders gutes Chance/Risiko-Verhältnis mehr. Denn die Erwartung eines Biden-Sieges ist vermutlich zu guten Teilen in den Kursen und reicht vielleicht noch für einen finalen Freudenschub vor einer Konsolidierungsphase. Ein Trump-Sieg dagegen würde wohl einigen Druck auf den Sektor machen.

Der Markt weiss eben mehr als wir oder zumindest genau so viel - auf keinen Fall aber weniger! Wer 7 Tage vor der Wahl glaubt mit der Erkenntnis dass Solar ein "Biden-Sektor" ist noch einen Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern zu haben, glaubt auch ernsthaft dass der Rest des Marktes nur aus Dummbeuteln besteht, die 2 und 2 nicht zusammenzählen können.

Merke:

Die richtige Erkenntnis zu spät zu haben, ist am reflexiven Markt leider oft nur eine andere Formulierung für "falsch". Der Markt als die gebündelte Erwartung aller Marktteilnehmer, weiss in der Regel mehr als wir und wir tun als Anleger gut daran, das nie zu vergessen.

Kurse werden auch nicht von Nachrichten gemacht, Kurse werden durch das Delta der Erwartungen gemacht, Erwartungen die durch Nachrichten beeinflusst werden.

Wie ich ihnen erst diesen Mai in -> Der Markt und die Erwartungen <- ausführlich geschrieben habe gilt:

Was schon erwartet wurde, kann die Kurse kaum mehr bewegen.

Starke Kursbewegungen entstehen dagegen bei echten Überraschungen, bei denen die Erwartungen schnell und hart angepasst werden müssen, wie 2016 nach Trumps Wahl. Erinnert sich noch jemand, wie Carl Icahn schnell von der Wahlparty verschwand um Kaufaufträge zu platzieren? 😉

Was wir oben in den Charts sehen, ist teilweise die Anpassung von Erwartungen, als Bidens Sieg in den Umfragen wahrscheinlicher wurde. Nicht nur, viele Faktoren wirken auf die Kurse, aber auch!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die neualte Wahrheit über den Markt

Mit den Erregungszyklen der neuen (a)sozialen Medien und der zunehmenden Klicksucht der Etablierten, ist die mediale Landschaft noch kurzatmiger geworden, als sie sowieso schon immer war.

Das gilt insbesondere auch für Börsenmedien und viele Menschen haben sich wie Lemminge vom "Allerneuesten" abhängig gemacht, etwas was einen Tag alt ist, ist da schon fast prähistorisch und keinen Gedanken mehr wert.

Diese Entwicklung hat viele negative Auswirkungen in die Gesellschaft hinein, die hier nun aber nicht Thema sein sollen und über die ich teilweise schon an andere Stelle geschrieben habe.

Diese Sucht nach "neuen Aufregern" macht aber gerade im Finanzmarkt den Scharlatanen das Leben leicht, die die natürliche Angst und Gier der Anleger bedienen und sich so Klicks und Umsätze verschaffen.

Immer wieder will ich sie dagegen ein wenig "immunisieren", was mir hier im nur lose gelesenen freien Bereich aber höchstens ansatzweise gelingen kann.

Aber immerhin ansatzweise und dem Einen oder Anderen wird vielleicht doch klar, wie sehr er sich über die Jahre hat in falsche Denkstrukturen locken lassen. Und deswegen will ich ihnen nun mit einem 4 Jahre alten Artikel von 2016 zeigen, dass bestimmte Wahrheiten eben nicht altern und viele gut daran tun würden, sich diese in Erinnerung zu rufen, statt dem nächsten Marktschreier hinterher zu rennen.

Die Originalversion findet sich -> hier <-, war vom 05.07.2016 und seitdem ich diese Zeilen geschrieben habe, ist der S&P500 von damals rund 2.100 auf rund 3.400 gestiegen, oder 62% oder rund 15% pro Jahr - ohne Dividenden, die noch einmal ca. 2% jährlich hinzufügen.

Und jetzt lesen sie mal die folgende Liste aus 2016 und fragen sich, welchen Wert für ihre Geldanlage die aktuellen Aufreger und ihre lauten Verkünder haben. Aber heute ist alles anders, schon klar. 😛

Dabei will ich ausdrücklich betonen, was ich auch 2016 betont habe, dass ich mich über die Risiken ja nicht lustig mache. Nein, ich nehme jedes einzelne Risiko verflucht ernst und teilweise schlafe ich deswegen schlecht, sonst hätte ich es nicht hingeschrieben. Und einige der Punkte von 2016 sind sogar eingetreten, siehe Trump.

Heute könnte man ein paar der Risiken von 2016 streichen, dafür sind andere hinzugekommen, im Saldo könnte man auch heute so eine Liste erzeugen.

Entscheidend ist aber: Welche Relevanz hatte das für ihre Geldanlage? Haben sie davon profitiert sich davor zu fürchten? Eben. 😛

Der Markt ist eben weder die Ökonomie, noch die Politik und hat seine eigenen Gesetze. Und wir tun gut daran, diese zu kennen und uns nicht von all denen ins Bockshorn jagen zu lassen, die ihr mediales Geld mit unseren Emotionen verdienen.

Und vor allem, man könnte problemlos eine ebensolche positive Liste erstellen, die sich dann vor allem mit Innovation, Fortschritt und einer sich im Saldo verbessernden Welt befasst. Die verschafft aber nicht so leichte Klicks wie Crash-Weissagungen und deswegen gibt es sie medial auch kaum.

Nun aber zurück ins Jahr 2016:

Ich habe so einen ähnlichen Artikel schon einmal geschrieben, aber doppelt genäht hält besser. 😉

Betrachten wir doch mal "fundamental" und "objektiv" die Welt- und Marktlage: [Anmerkung: von Juli 2016]

  • Die Flüchtlingskrise wird wieder anschwellen und zu einer veritablen Staatskrise mit Unruhen führen. Check!
  • Früher oder später werden Atomwaffen in den Händen von Selbstmordattentätern sein. Check!
  • Wenn man der Hydra des Terrorismus einen Kopf abschlägt, wachsen sofort drei Neue nach. Check!
  • Der Westen hat seinen inneren Kompass verloren und verliert sich und die Werte der Freiheit, in kulturellem Relativismus. Check!
  • Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und wird zwangsläufig scheitern. Check!
  • Das Brüsseler Europa der Beliebigkeit und des Konsens um jeden Preis, hat sich überdehnt und scheitert gerade. Check!
  • Der Brexit wird andere Länder dazu animieren auszutreten, wenn man sieht, dass die Briten vom Austritt profitieren. Check!
  • Der "Club Med" wird die EU zunehmend dominieren und sie zu einer Transferunion machen. Check!
  • Deutschland wird durch die weiche Währung langsam seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Check!
  • Amerika hat sich als unfähig heraus gestellt, mit seiner Dominanz die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Check!
  • Trump wird Präsident. Check!
  • Die Krise in der Ukraine ist kein bisschen gelöst. Check!
  • Der IS ist kein bisschen besiegt. Check!
  • Im chinesischen Meer kann jederzeit ein offener Konflikt auftreten. Check!
  • Deutschlands Wohlstand ist auf Sand gebaut, die Altersarmut weiter Bevölkerungsteile kommt. Check!
  • Die Notenbanken der Welt überheben sich gerade. Check!
  • Der "Race to the Bottom" der Währungen wird nicht gut ausgehen. Check!
  • Das Finanzsystem ist kein bisschen stabiler als 2008, die Beteiligten haben nichts oder zu wenig gelernt. Check!
  • Die aktuellen Verzerrungen der Preisfindung an den Märkten, basieren primär auf zu starken dirigistischen Eingriffen von Staaten und Notenbanken im Sinne "Planwirtschaft Light". Check!
  • Mit dem nächsten Finanzcrash, wird nicht nur von Radikalen das Gesellschaftssystem in Frage gestellt werden. Check!
  • Und an allem wird für die medialen Lautsprecher sowieso nur "der Kapitalismus" schuld sein - was immer das ist. Check! 😉
  • Die Märkte sind nach Jahren des Bullenmarktes für eine Korrektur überreif. Check!
  • Die Anleihenmärkte befinden sich in einer gigantischen, von den Notenbanken und Staaten aufgepumpten Blase. Check!
  • Wenn dieser Markt abwärts zu rollen beginnt, wird es sehr schnell, sehr übel werden, weil der Margin Call sich durch das System frisst. Check!
  • Die Dominanz der trendfolgenden Algorithmen, wird den nächsten Crash noch schneller, tiefer und brutaler machen, als alle vorher. Check!

Habe ich etwas vergessen? Bestimmt! Da fällt Ihnen doch mit Sicherheit noch ein wichtiger Punkt ein. Oder?

Ach ja, ich habe noch Einen mit einem Augenzwinkern: 😉

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Sommerferien

Dieser Blog ist im August im Ferienmodus, im freien Bereich wird es in dieser Zeit keine neuen Artikel geben. Im Premium-Bereich schreibe ich ca. 1x pro Woche und bin locker im Forum aktiv, aber auch da sind die Aktivitäten deutlich heruntergefahren. Administrativ läuft der Blog im August normal weiter, weil ja auch die Server laufen und ich bin administrativ normal erreichbar. Ab 31.08. geht der Blog dann wieder mit Vollgas los.

Hudson River bei Poughkeepsie ca 1989 mit Catskill-Mountains, 2 Stunden N von NY

Der August ist auch der ideale Monat zum temporären Abschalten, auch die Politik und die Wallstreet ist in dieser Zeit in den Ferien, wer nicht "wegjettet" weilt als Händler auf seinem Landsitz in den "Hamptons" oder zu Hause auf der Veranda im "Mid-Hudson-Valley" oder den anderen schönen Regionen rund um New York.

Das erste Bild habe ich mal in den 80ern im Spätwinter auf einer Dienstreise vom noch eisbedeckten -> Hudson-River <- gemacht, der Nähe Poughkeepsie (Mid-Hudson-Valley) nach Süden Richtung New York fliesst und am Ende die Wall Street erreicht. Dahinter sieht man die landschaftlich wunderschönen Berge der "Catskill Mountains", in denen sich auch Natty Bumppo (Lederstrumpf) herumgetrieben haben soll.

Das zweite Bild zeigt Anfang der 90er die damals noch stehenden Twin-Tower vom Hudson Highway Richtung Süden.

Hudson Parkway Richtung Wallstreet ca. 1991 - ja, da standen die Twin-Tower noch ;

Falls Sie mit dem Gedanken spielen zu Mr-Market dazu zu stossen, ist der August auch die ideale Zeit, sich in Ruhe einzulesen, denn hier erwarten sie im Premium-Bereich derzeit 4.000 Artikel die in den letzten 8 Jahren entstanden sind - davon viele grundsätzlicher Natur und auch heute noch interessant. Hinzu kommen alleine im seit 2015 eröffneten neuen Forum rund 70.000 Beiträge, davon 12.000 von mir.

Sie sehen, man muss sich erst einmal einlesen und wenn neue Mitglieder dann den Premium-Bereich sehen, ist die erste Reaktion bei vielen auch eher das Gefühl von der Menge des Contents "erschlagen" zu werden und sich zurecht finden zu müssen. Weswegen ein paar ruhige Wochen der Vorbereitung eine feine Sache sind, bevor es dann im September in Richtung US Wahl und Jahresende so richtig los geht. Ein August ist eben in jedem Jahr dabei, am Anfang macht er mehr Sinn für Neueinsteiger.

Was den Markt angeht, hat der aktuell noch vor allem die laufende Quartalssaison im Blick, auch wenn nun der US-China Konflikt etwas hereinspukt. Im August, nach dem Höhepunkt der Quartalssaison in der kommenden Woche, in der dann auch die FED hinzu kommt, wird sich der Fokus des Marktes dann langsam auf die US Wahl verschieben und spätestens ab September wohl das Hauptthema sein, das den Markt umtreibt.

Wenn man historische Daten nimmt, ist der August statistisch ein richtungsloser Börsenmonat, in dem man wirklich mal Pause machen kann. In US-Wahljahren dagegen wie diesem, gibt es statistisch gerne noch einen starken August und im September/Oktober dann Vorsicht vor den Wahlen und Markt-Schwäche, die sich dann ab November nach der Wahl, in der Regel positiv zum Jahresende auflöst.

Nun ist dieses Jahr stark vom Corona-Virus überlagert, weswegen man statistische Tendenzen nicht einfach für bare Münze nehmen und 1zu1 übertragen sollte, das wissen um diese typische Herbst-Delle vor US-Wahlen, kann aber im Hinterkopf nicht schaden.

Vor Biden selber hat der Markt keine große Angst, wenn dann eher davor, dass dieser vom linken Flügel der Demokraten abhängig wird und damit Abgaben, Steuererhöhungen und Regulierung drohen. Weswegen die Wahl des/der Vizepräsident/in dieses Jahr besondere Bedeutung haben wird, Biden hat den Namen für Anfang August angekündigt.

Diese Wahl ist also ein abstraktes Risiko für die Märkte, die mit einem knappen Sieg Bidens eher kein großes Problem haben, mit einem Erdrutschsieg der Demokraten dann aber doch, der auch den Senat für die Demokraten erobern würde. Denn dann würde der linke Flügel der Demokraten in seinen Forderungen gestärkt und es wären keine Kompromisse mit den Republikaner mehr nötig, was in keinem Fall börsenfreundlich sein wird.

Der Markt liebt es, wenn die Steuern gesenkt werden und er ansonsten von Politik in Frieden gelassen wird, denn der Markt ist unpolitisch und bewertet zukünftige Firmengewinne und nicht gesellschaftliche Entwicklungen. Die Steuern sind in den US schon markant gesenkt und eine gegenseitige Blockade beider Kammern bei der Gesetzgebung wäre nun das, was der Markt bei einem Sieg Biden bevorzugen würde.

Auf jeden Fall gibt es je nach Sieger bestimmte Sektoren, die klar vom Einen oder Anderen profitieren, wie beispielsweise Clean Energy von Biden. Eine genauere Analyse der "Biden-Aktien" haben wir schon im Premium-Bereich besprochen, das ist ein Thema, das jeder Anleger im Herbst im Hinterkopf haben muss. An der Entwicklung bestimmter Sektoren wird man teilweise indirekt die Umfragewerte ablesen können bzw die Umfragewerte beeinflussen die Sektoren - das ist vor jeder US Wahl so.

Der übergeordnete Trend des Marktes ist aber bisher weiter bullisch, was zentral mit den Billionen zu tun hat, die via Notenbanken und Staaten auf den Markt geschmissen werden. In einem -> Tweet von Tom McClellan <- den ich schon verlinkt hatte, hat dieser dazu die richtigen Worte gesagt:

There are only 2 fundamentals that matter to the overall stock market:
1. How much money is there?
2. How much does that money want to be invested?

Und im Grundlagen-Artikel -> Warum steigen (und fallen) Kurse eigentlich? <- habe ich das vor Wochen hier auch ausführlich thematisiert:

Machen Sie sich das unbedingt klar, der entscheidende Treiber der Märkte ist Angebot und Nachfrage! Und die Nachfrage hängt wiederum mit der freien Liquidität zusammen, die Anlagenotstand hat.

Solange also freie Liquidität dringend eine Anlagemöglichkeit braucht, entsteht ein Nachfrage-Überhang und die Kurse werden mittelfristig weiter steigen, egal was irgendwelche Fundamentaldaten sagen. Und Politik und Notenbanken tun derzeit alles dafür, dass das so bleibt.

Auch für den Rest des Jahres, sollten wir diesen Mechanismus nicht vergessen. Es ist nicht der alleinige Faktor der den Markt bestimmt, aber der langfristig Bestimmende. Das größte Risiko ist nun fraglos die Politik, denn ein Erdrutschsieg der Demokraten würde sich natürlich auch auf die FED auswirken.

Auch wenn wir die Politik nun im Auge haben müssen, sollten wir trotzdem die FED nicht bekämpfen, denn ob uns deren aktuelle, leise und scheibchenweise Implementierung einer faktischen -> Modern Monetary Theorie (MMT) <- behagt oder nicht, hat für die Konsequenzen in unseren Depots keine Relevanz.

Wir dürfen das als Bürger sehr wohl sehr kritisch sehen, dürfen diese Sicht aber nicht mit unseren Anlageentscheidungen vermischen, denn als Anleger gilt es mit dem Trend zu gehen und die Vorteile aus etwas zu ziehen, was man als Bürger nicht verhindern kann. Die Wahrheit liegt auf dem Platz und wer intelligent dem Markt folgt erzielt bessere und nachhaltigere Resultate, als der Wahrsager mit Ego, der sich gerne auch Prognostiker oder Crash-Guru nennt.

Nutzen wir also den August um durchzuatmen, den Kopf frei zu bekommen, mal Dinge zu lesen für die sonst keine Zeit ist und uns auf das Jahresende an den Börsen gedanklich vorzubereiten. Denn das wird extrem spannend und bewegt, wenigstens das kann ich garantieren.

Ich werde jetzt genau das tun und wünsche Ihnen auch einen schönen August!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Wirecard und wir im Spiegel



Puh. Jetzt hat doch wirklich jeder, sozusagen auch mein Opa seelig, seinen Senf zu Wirecard abgeliefert. Endlich beruhigt sich diese mediale Welle langsam, da kommt dieser blöde Hari daher und fängt nochmal damit an. 😛

Ganz genau, das mache ich mit Absicht so, auch der zeitliche Abstand ist gewollt. Sie sollen ruhig vom ganzen Meinungs-Schwall schon überrollt worden sein, dann können wir jetzt mal zu den Dingen kommen, die man daraus wirklich lernen kann. Denn - ich greife vor - zu viel "Meinung" ist hier genau das Problem und wenn sie das Problem nicht erkennen, wird es ihnen früher oder später wieder passieren.

Dieser Meinungs-Schwall hat natürlich mit allen möglichen Motivationen zu tun, Selbstrechtfertigung ist dabei, Schuldigensuche auch und grundsätzlich alles was die Seele beruhigt. Viel zu selten ist aber leider der ehrliche Blick in den Spiegel beteiligt, denn nur der kann verhindern, dass man die gleiche Dummheit noch einmal macht. Die derzeit oft zu beobachtende Selbstrechtfertigung und Delegation der Eigenverantwortung auf Schuldige behindert diesen Erkenntnisprozess dagegen nur.

Und da hinterher jeder gut Schwätzen und kluge Sprüche klopfen kann - hinterher gibt es dann plötzlich Millionen an "Warnern" und "schon immer gewusst Habern" - schreibe ich ihnen heute nur, was ich belegbar den Mitgliedern der Community zum Thema schon lange vorher gesagt habe. Und leite daraus wichtige Lehrsätze ab.

Los gehts:

Am 07. Februar 2019 habe ich den Mitgliedern im Hari Live Stream um 16:50 MEZ wie folgt geschrieben:

Sie haben vielleicht bemerkt, dass ich seit dem letzten Einschlag 2016 nichts mehr zu Wirecard (WDI) schreibe und ich auch jetzt das Geschehen nicht kommentiere.

Dahinter ist eine Philosophie und das will ich nun kurz erläutern.

Man kann es auf den kurzen Nenner bringen: Wirecard ist mir seit 2016 suspekt und das ist *keine* Wertung des Unternehmens, sondern Folge der damit verbundenen Unsicherheit, die ich mir im Depot nicht antun will.

Ich sage ausdrücklich, ich habe keine Ahnung ob an den Vorwürfen was dran ist oder nicht. Ich würde diese weder pauschal abtun, noch einfach so ernst nehmen.

Der Punkt ist ganz simpel, eine Aktie die ein derart undurchsichtiges Geschäftsmodell hat, das solche Einbrüche nach Attacken von Short Sellern überhaupt möglich macht, gehört nicht in mein Investmentdepot. Und auch als Trade ist sie ungeeignet, wenn man mit 20% Overnight-Gaps rechnen muss.

Der Punkt ist doch - und den Schuh muss sich Wirecard anziehen - wäre das Geschäftsmodell durchsichtiger und nicht so verschachtelt, würde der Markt so Attacken doch gähnend abtun, weil er sich seiner Sache sicher ist. Und verschachtelte Firmenkonstrukte habe ich noch nie gemocht, diese haben meistens ein Grund, der selten mit Transparenz zu tun hat.

Wirecard ist so angreifbar, weil sie so verschachtelt und undurchsichtig sind. Und das Management hat seit 2016 nichts daran geändert. Das sagt nichts über die Wahrheit der Vorwürfe aus, aber muss ich mir das im Depot antun? Meine Antwort ist klar: Nein.

Und sich an der Spekulation zu beteiligen und Position zu beziehen, ist da sowieso Unsinn, wir sind alle nur kleine Goldfische im Haifischbecken.

"Wo Rauch ist, da ist auch Feuer" heisst es als Bauernregel. Vielleicht ist Wirecard die Ausnahme wo der Rauch ohne Feuer ist. Kann gut sein. Ich habe aber keine Lust es mit meinem Geld heraus zu finden und das Aktienuniversum ist groß genug - auch ohne Wirecard.

Das ist meine Denkstruktur.

Damit haben wir einen ersten und wichtigen Lehrsatz.

Denn die Frage, ob man da wissen konnte was man nun weiss, ist völlig irrelevant! Nein, konnte man da 2019 natürlich nicht wissen, konnte man bei Enron vorher auch nicht. Aber man wusste da schon genug, dass es keinerlei Grund gab ein Unternehmen mit derartigen Fragezeichen im Depot zu haben. Das ist der Punkt!

Kein Mensch braucht so ein Unternehmen im Depot. Man verpasst auch nichts, weil es gibt 100 andere Unternehmen ohne so einen Rucksack an Problemen, die auch voller Zukunftschancen sind. Selbst wenn eine Wirecard vor der Aufnahme in den DAX stark steigt verpasst man nichts, denn andere Unternehmen steigen auch stark.

Weiter habe ich am gleichen Tag dazu um 17:05 MEZ geschrieben:

Übrigens, passend zu obigen Worten hier die meistgelesenen Nachrichten bei Finanznachrichten.de.

Fast überall nur Wirecard, jeder sabbelt was dazu. Praktisch jeder Kleinanleger ist nun also gerade hoch aktiviert und hofft auf ein "Schnäppchen".

Ich frage Sie, macht es wirklich Sinn sich daran zu beteiligen? Warum sollten wir einen Edge haben? Schauen wir doch besser dahin, wo diese Massen gerade *nicht* hinschauen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Alle reden über etwas, zu dem sie keinen EInblick haben, dafür aber ganz fest gefügte "Meinungen".

Daraus folgt ein weiterer Lehrsatz. Wir wollen doch alle so gerne "Querdenker" und "Durchblicker" sein, dann müssen wir uns vom Denken der Herde aber lösen.

Wenn praktisch jedes Medium eine Nachricht nach der anderen zu einer Aktie ausspuckt und alle mehr oder weniger das Gleiche denken, dann denkt eben niemand mehr!

Dann kam die Bafin mit dem Leerverkaufsverbot in den Markt und während ganz viele das im Frankfurter Umfeld begrüsst haben, habe ich das damals am 18.02.19. in einem eigenen Artikel sofort kritisch kommentiert - nur ein kurzer Auszug, der Artikel war lang und detailliert:

Zweitens macht sich die Bafin mit dieser Maßnahme in meinen Augen ungewollt selber zur Partei. Sie beklagt brutale, spekulative Swings und erzeugt mit ihrem Verbot genau so einen Swing, weil nun ein Short-Squeeze einsetzt.

Und Partei wird sie indirekt, weil sie damit faktisch das Management von Wirecard stützt, das selber Aktionär ist. Und wer trägt die Verantwortung für diese Aktion, wenn an den Vorwürfen doch was dran ist? Ist sich die Bafin so sicher, dass das alles nur Schall und Rauch bei den Vorwürfen ist?

Daraus folgt ein weiterer Lehsatz: Überall sitzen nur fehlbare Menschen. Sie können ihre eigene Anlageentscheidung nirgendwo hin delegieren, nicht an die Deutsche Börse, nicht an Anlegerschützer, nicht an Fondsmanager großer Banken und auch nicht an die Bafin! Und schon gar nicht an wichtigtuerische Foristen, die viel Meinung verbreiten und sich als "Bilanzspezialisten" gerieren.

Weswegen wir wieder zur ersten Lehre kommen und dass man den Rauch als Anleger scheuen sollte, weil da zu oft auch Feuer ist.

Dann habe ich wieder zu Wirecard geschwiegen, weil interessiert hat mich die Aktie gar nicht. Es gab in 2019 so viel internationale Topwerte und so viel zu verdienen, wer brauchte da Wirecard? Niemand.

Aber am Morgen des 29.04.20 als dieser "KPMG Prüfbericht" kam, da hat es mich zerrissen, da konnte ich nicht mehr an mich halten, da musste ich mein Schweigen brechen und habe deutlichste Worte gefunden, unter anderem diese:

Das ist das absurde Ergebnis, das Wirecard reinwaschen sollte. Es tut mir leid, da bleibt nach all den Jahren wohl nur festzuhalten, dass das Wirecard Management eine Laienspieler-Truppe sein muss, oder die Vorwürfe wohl berechtigt sind. Dazwischen fällt mir persönlich nichts mehr ein.

Oder mit anderen, drastischeren Worten: Verarschen kann ich mich alleine, da brauche ich den Braun nicht dafür..

Vorher war ich an der Aktie nicht interessiert, hatte aber keine Meinung zu den Vorwürfen. Jetzt hat das Management bei mir seine Glaubwürdigkeit *restlos* verloren.

Es ist bei uns weiter vor allem der klassische, kleine Retail-Anleger, der an Wirecard interessiert ist und sich in Foren die Finger wund schreibt, obwohl seine "Meinung" was bei Wirecard los ist, völlig irrelevant und substanzlos ist.

Deutlicher geht es wohl nicht, oder? Und ich frage sie nun, was genau "konnte man nicht wissen"?

Man konnte mehr als genug wissen, um sich von so Aktien generell fernzuhalten und seine Zeit *nicht* mit viel irrelevanter Meinung zu vergeuden!

Das ist die entscheidende Lehre. Es geht nicht darum was man wissen konnte, es geht auch nicht um Schuldige und Klagen. Und wer jetzt immer noch mit viel Meinung unterwegs ist, nur die Themen verlagert hat, hat rein gar nichts gelernt und ist dazu verdammt, so etwas wieder zu durchleben.

Bedenken sie auch, dass ich selber Vorstandschef einer AG war, das Zusammenspiel mit Wirtschaftsprüfern also kenne und weiss, wie so etwas abläuft. Und ich kann Bilanzen tatsächlich lesen und kenne auch ihre Schwächen und schwammigen Stellen sehr gut. Und ich bin trotzdem nie der Meinung gewesen zu wissen, was bei Wirecard wahr oder falsch ist, denn ich weiss eben, was ich *nicht* weiss und kann Risiken einschätzen. Aber jede Menge Anleger ohne jede Erfahrung in diesen Dingen haben sich eine Meinung zu Wirecard eingebildet und akzeptieren selbst heute das Problem nicht, das sie im Spiegel anstarrt.

Wer wirklich etwas aus dem Vorgang lernen will, für den geht es primär um die Frage, warum man sich *trotz aller Warnsignale* hat in diesen Meinungssog ziehen lassen. Und das obwohl das Ding schon einen mehr als deutlichen Geruch ausgeströmt hat, ich habe ihn ja auch riechen können.

Das ist die Frage, die man mit dem eigenen Spiegel ausmachen muss, wenn man so etwas nicht noch einmal erleben will. Schuldigensuche lenkt nur von diesem Kern ab, pflegt kurzfristig das wackelige Ego, verhindert aber den Lerneffekt.

Die Kunst ist also nicht die "richtige Meinung" zu haben, die Kunst ist *keine* Meinung zu haben, wo man keinerlei Einblick hat! Und die Kunst ist, das zu erkennen!

Es geht also um die Kunst zu wissen was man nicht weiss und Risiken zu respektieren. Das ist die Kunst die Depots schützt!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Thors Kurshammer



Manche glauben immer noch, dass fundamentale Daten der Vergangenheit maßgeblich für die Kursentwicklung in der Gegenwart seien.

Manche bilden sich immer noch ein, aus simplen fundamentalen Kennziffern der Vergangenheit attraktive Investitionsgelegenheiten selektieren zu können, weil alle anderen Marktteilnehmer einfach zu doof sind das "Schnäppchen" zu erkennen, das nur diese "Anlagehelden" aufgrund Ihrer Weisheit zwischen Abendbrot und Tagesschau identifizieren konnten.

Und Manche glauben immer noch, dass der Markt irgendwann diese "Wahrheit" auch entdecken *muss*, die Sie in Ihrem unermesslichen Ratschluss zwischen Abendbrot und Tagesschau erkannt haben wollen. Und glauben weiter, dass Sie nur ruhig darauf warten müssen, dass der Markt das auch erkennt.

Das ist leider Unsinn, weil es verkennt wie Kurse gemacht werden, ich habe das erst vor ein paar Wochen -> hier <- und -> hier <- beschrieben.

Ich will Ihnen daher heute als Ergänzung der obigen Thematik am Beispiel zeigen, wie der Markt in der Zukunft der nächsten Monate lebt und von Erwartungen geprägt ist. Und wie diese Erwartungen sich in Investment-Hypothesen bündeln, die dann Milliarden in Gang setzen, bis sie entweder genügend eingepreist sind, oder durch neue Erkenntnisse außer Kraft gesetzt werden.

Und ich kann ihnen das am Beispiel eines Volltreffers zeigen, den wir in der Community schon früh erkannt und auf den wir aus dem März-Tief heraus aufgesattelt haben. Und ich zeige Ihnen damit auch eine weniger bekannte Aktie, die aber durchaus für langfristiges Interesse geeignet ist.

Es ist Thor Industries (THO), der -> Weltmarktführer für Freizeitfahrzeuge <-, zu dem seit letzten Herbst auch der Marktführer in Deutschland -> Hymer <-, gehört, eine Firma von der wohl fast jeder schon mal gehört hat.

Das Besondere an Thor Industries ist, dass diese absehbar ein Profiteur der Covid-Krise waren und sind, denn auf Monate, im schlimmsten Fall noch auf Jahre, wird man nur mit Skepsis in enge Flugzeuge und überfüllte Züge steigen und auch Hotels meiden, in denen man sich beim Buffet duch Menschenmassen quetschen muss.

Das wird diese Formen von Urlaub weiter belasten, es ist in Covid-Zeiten einfach ideal individuell zu reisen und sein Ferienhaus "mitzuschleppen", weil es dann praktisch keine Ansteckungsgefahren gibt. Die neue Konzentration auf "Urlaub in der Heimat" wird also Anbietern von Freitzeitfahrzeugen absehbar zu einem Boom verhelfen.

Und davon abgesehen steht diesen Fahrzeugen sowieso eine riesige Zukunft bevor, sobald voll-autonomes Fahren mal Realität wird. Denn dann verreist man nicht mehr im "Auto" im Fahrersitz, sondern im Kabinenroller, der gleichzeitig Büro und Lebensraum ist und genau das ist die Kernkompetenz dieser Hersteller.

Aber diese ferne Zukunft soll heute nicht Thema sein, dafür aber, wie der Markt die kurzfristige Zukunft der nächsten Monate erkannt hat:

In Phase (1) war Thor einfach in einem gesunden Aufwärtstrend, weil die Geschäftszahlen nach oben zeigten.

In Phase (2) kam das Virus und die Gedanken des Marktes waren ausschliesslich auf wegbrechende Aufträge und damit auf die kommende Absatzkrise gerichtet. Nichts anderes hatte der Markt da auf dem Radar.

Dann aber in Phase (3) haben Marktteilnehmer erkannt, dass Thor eher zu den Profiteuren gehören wird, weil sobald die Krise sich abschwächt, eine landesinterne Reise mit dem eigenen Caravan weit eher und sicherer möglich sein wird, als ein Flug oder ein Hotelaufenthalt. Und dieser Erkenntnisse haben wir da auch gehabt, wir waren Teil deren, die in dieser Phase 2+2 zusammengezählt haben.

In Folge sind die Kurse stark gestiegen und liegen jetzt schon weit über den Hochs von Februar.
Thors Kurshammer ist niedergegangen und innerhalb von gut 2 Monaten hat sich ein Marktführer in der Krise verdreifacht!

Nun entstehen Kurse natürlich immer aus der Überlagerung vieler Faktoren und die allgemeine Marktentwicklung hat natürlich wesentlichen Anteil an diesem Verlauf. Aber die Überperformance aus dem Tief heraus, die Tatsache dass Thor schon weit auf neuen Hochs ist, die hat mit den sehr positiven Erwartungen zu tun, dass Thor zu den Profiteuren der Nach-Covid-Zeit gehören wird.

Und glauben sie ernsthaft, dass die Absatzzahlen bei Thor nun im Mai dreimal so hoch waren wie im März? Und immer noch doppelt so hoch wie letzten September?

Unsinn! Es sind alleine die Erwartungen, die diese Kurse machen. Erwartungen an den Markt im Allgemeinen und Thor im Speziellen. Und wenn diese Erwartungen sich bewahrheiten sollten, werden die Kurse auch nicht mehr zurückkommen und keinen billigeren Einstieg mehr gewähren.

It´s the expectation stupid! Der Markt hat Bilder der Zukunft von Unternehmen im Kopf und danach werden Kurse gemacht, nicht nach den Daten der Vergangenheit. Das war schon immer so und wird auch immer so sein, man muss es nur verstehen!

Fundamentale Daten können diese Erwartungen beeinflussen, sie dominieren sie aber nicht. Wer es nicht glaubt, dem kann ich immer nur wieder Amazon zeigen, die sind seit 20 Jahren vermeintlich "zu teuer", wenn man mit verfehlten Methoden an Aktien herangeht. Aber seit 20 Jahren hat der Markt mit seinen Erwartungen bei Amazon immer recht behalten, das Unternehmen ist in die Bewertung hineingewachsen.

Aber zurück zu Thor. In dem Moment, in dem der Markt die Chance verstanden hat, die Thor nun aus der Krise erwächst, haben die Kurse auch schon zu laufen begonnen. Die realen guten Umsatzdaten werden dann nachgeliefert und nur wenn diese dann nicht kommen, wenn die Annahme sich also als falsch herausstellen sollte, wird diese Rally auch wieder negiert werden.

Sie können diesen Mechanimus bei vielen Aktien in der Krise so nachvollziehen, Thor habe ich nur deshalb herausgehoben, weil der Effekt dort besonders sichtbar ist, eine Verdreifacher bei einem Marktführer in 2 Monaten nicht alltäglich ist und die Aktie sowieso mehr Bekanntheit verdient hat.

Ihr Michael Schulte (Hari)

11 Wahrheiten der Krise

Eine Krise bringt die Wahrheit an den Tag, das ist eine alte Weisheit, die wir auch in diesen Monaten wieder erleben dürfen.

Vielen von uns wird es in den letzten Wochen so gegangen sein, dass wir manch öffentliche Person plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel erlebt haben, als wir ihn bisher kannten.

Auch politische Frontlinien wurden viele Wochen lang durcheinander gewirbelt und individuelle ethische Grundüberzeugungen wurden viel wichtiger als Maßgabe für das eigene Handeln, erst in den letzten Wochen haben sich die politischen Lager dann wieder die Diskussionshoheit erkämpft.

Auch im privaten Umfeld hat bei vielen die Krise die Wahrheit ans Licht gebracht. Wir wissen nun viel eher, wer zuverlässig ist und wer nur an sich denkt. Wir wissen nun wer hilfsbereit und wer rücksichtslos ist. Wir wissen wer emphatisch und wer nur eine selbstverliebte Egobombe ist. Und wir wissen wer rational und wissenschaftlich denkt, die Komplexität und das teilweise Nichtwissen akzeptierend und wer lieber den Aluhut aufsetzt, weil er dringend einfache Antworten in einer zu komplexen Welt braucht.

Aber gerade auch bei der Geldanlage hat die Krise ein paar Wahrheiten wieder ans Tageslicht gebracht und Fehlentwicklungen sowie Lebenslügen enttarnt, was auch kein Wunder ist, viele Anleger sind nun im Markt, die erst nach 2009 dazu gekommen sind und ergo nie eine echte Krise erlebt haben.

Lassen Sie mich daher mal zusammenfassen, welche 11 Wahrheiten diese Krise bisher wieder besonders herausgearbeitet hat:

Erstens, es gibt kein absolute Sicherheit am Markt, jede Aktie, egal wie stabil in der Vergangenheit, kann bei der für sie "richtigen" Krise in existenzielle Nöte geraten.

Zweitens, zu erstens passend, stures Buy&Hold ist eine Lüge. Ruhiges Investieren ist richtig, es braucht aber immer den "Check", das Risikomanagement bei extremen Veränderungen. Auch Buffett hat das nun vollzogen und alle Fluglinien mit Verlust rausgehauen und den Kauf als Fehler bezeichnet. Ruhiges Buy&Hold&Check ist in Ordnung, blindes Buy&Hold ohne Check eine Lüge. Das gilt auch für Sektoren und damit Sektoren-ETFs, siehe Buffetts Entscheidung zu Airlines generell.

Drittens, eine Aktie die massiv gefallen ist und keine Lebenszeichen sendet, ist nicht "billig", sondern ein Pleitekandidat, mit dem man *alles* verlieren kann. Das kann man mit Sektoren-ETFs abmildern, aber auch nicht ganz ausschliessen, wenn ein ganzer Sektor ins Trudeln kommt.

Viertens, es ist gar nicht so schwierig einem schweren Einschlag wie Ende Februar aus dem Weg zu gehen, man muss es nur tun und die Technik dafür beherrschen. Wenn eine Vase von der Tischkante kippt, erkennen wir das Risiko auch sofort und sind in der Lage schnell zu handeln, dieser Absturz war nicht viel anders.

Fünftens, Risikomanagement ist in schweren Krisen Pflicht, wer nichts getan hat und jetzt wo die Kurse schon wieder ein gutes Stück hochgekommen sind denkt, dass doch alles nicht so schlimm gewesen sei, hat überhaupt nicht begriffen, dass ihn nicht die eigenen Fahigkeiten, sondern nur das pure Glück des historisch einmaligen Stimulus von Notenbanken und Staaten gerettet haben. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen, ohne die einmalige Geldschwemme von Staaten und Notenbanken, wären wir nun in einer schweren Depression, es gäbe reihenweise Pleiten, Firmen würden wie Dominosteine kippen und die Kurse wären 60-70% von den Hochs gefallen!

Sechtens, nach dem Absturz wieder in den Markt zu kommen ist schwieriger als rauszukommen, weil man ohne Glaskugel nie den perfekten Boden erwischt. Man sollte es auch gar nicht versuchen, sondern den Vorteil des vermiedenen Absturzes mitnehmen und in Scheibchen schön stufenweise wieder aufbauen. Denn unser Job als Investoren ist vor allem investiert zu sein, den schweren Krisen aber zumindest teilweise aus dem Weg zu gehen.

Siebtens, es ist Liquidität und der daraus entstehende Anlagedruck der Märkte bewegt, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt müssen Märkte steigen, egal wie die fundamentalen Daten aussehen. Denn der Markt ist *nicht* die Ökonomie, er war es nie und wird es nie sein.

Achtens, Dividenden waren nie, sind nicht und werden nie der neue Zins sein. Dividenden sind nichts weiter als der Sekundäreffekt von hohem Cashflow und guten Gewinnen. Nur gute, dauerhaft wachsende Firmen, können auch dauerhaft wachsende Dividenden ausschütten. Konzentrieren Sie sich also nicht auf die Dividendenhöhe, sondern darauf beständig wachsende Unternehmen zu finden! Ob diese dann eine Dividende zahlen ist nett und lobenswert, aber am Ende sekundär, siehe Amazon und viele Topaktien ohne relevante Dividende.

Neuntens, Kurse entstehen aus Erwartung, beim Markt im Zeithorizont von Monaten bis zu ca. einem Jahr. Es ist also Zukunft die an den Börsen gehandelt wird und nur Aktien mit guter Zukunft werden in Krisen auch relative Stärke und Stabilität zeigen. Alte Kennzahlen, Dividenden, Meriten der letzten Jahrzehnte, das hat in einer neuen Krise alles keine Relevanz, wenn es an Zukunft fehlt. Eine aussichtsreiche Zukunft und absehbares Wachstum stabilisiert Kurse, keine Lorbeeren der Vergangenheit!

Zehntens, Krisen sind wunderbare Zeiträume um zu lernen, Fehler zu erkennen und sich als Anleger weiterzuentwickeln. In Krisen können wir wachsen, aber nicht jeder schafft es das Wachstum zuzulassen. Denn Beharren, Sturheit, das Ego und irrationale Ängste sind unsere Feinde dabei, der Wahrheit ins Auge zu schauen, das Problem im Spiegel zu identifizieren und für uns Schlüsse zu ziehen. So ist jeder Anleger in dieser Krise seines eigenen Glückes Schmied und nicht die Umstände, denn auch diesen Crash von März hätte man so oder so durchleben können, der Unterschied liegt in uns und nicht in bösen Mächten.

Elftens, das Auf und Ab gehört zu den Märkten wie der Morgen zum Abend und das Yin zum Yang. Ohne den Abend würde es keinen Morgen geben und ohne den Crash keine Jahre der steigenden Kurse. Rein aus Anlegersicht, die mit unserer Sicht als Bürger nicht deckungsgleich sein muss, sollten wir diesen Crash des März also begrüssen und ihn für unsere Depots umarmen. Er ist wie ein frischer Gewitterguss nach einem drückend-schwülen Sommertag und der historisch einmalige Stimulus lässt "befürchten", dass uns wieder lange Hitzeperioden an den Börsen bevorstehen werden.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Kräfte des Guten


Unsere Gesellschaft ist teilweise toxisch geworden.

Man verachtet Andersdenkende, ja spricht ihnen mit Worten wie "verrecke" die Lebensberechtigung ab.

Man ordnet sich Minderheiten zu und bezieht seine Identität daraus "anders" oder noch schlimmer "besser" als die Mehrheit zu sein - ein zivilisatorischer Rückfall in das gedankliche Stammeswesen.

Man unterstellt sich reihenweise unlautere Motive und "framed" den Mitbürger mit Worten, deren einziger Zweck in der sprachliche Gewaltausübung und der Ausgrenzung aus dem Diskurs besteht.

Man urteilt nach Äußerlichkeiten und hasst das Andere, die sprachlich vorgeschobene Toleranz endet schnell an den Brettern des eigenen Gedankenkäfigs.

Man zwingt Kinder zum funktionieren, steckt sie in ein enges, verrottetes Korsett voller "muss" und impft ihnen schon früh Versagensängste ein, statt Freude und Neugier an der Welt zu fördern.

Man lebt im Gefühl von beständiger Bedrohung, die von den Menschen ausgeht, die man früher mal als Mitbürger bezeichnet hat. Und auf Angst folgt dann irgendwann auch Hass.

Man selbstermächtigt sich selber zu Nötigung und Gewalt und rechtfertigt das mit dem guten Zweck, nicht sehend, dass man damit schon längst selber zum Bösen geworden ist.

Man ist von Zukunfts-Angst erfüllt, die Büßerbewegungen in neuem Gewande Popularität verschafft und sucht sein Heil in romantisch-naiven Idealen einer statischen, vorzivilisatorischen Welt, die es so nie gegeben hat.

Ich könnte weitermachen. All das ist eine unerfreuliche Entwicklung der Gesellschaft, die ihre Gründe hat und an der gesellschaftliche und technologische Entwicklungen, ebenso wie einzelne namhafte Personen aktiv mitgewirkt haben.

Ich kann dazu immer wieder nur "Yoda" zitieren, der dazu alles sagt, was man wissen muss:

Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.

Aber das soll alles hier nicht Thema sein, denn es verkennt die Kräfte des Guten, die sich alleine deshalb immer wieder durchsetzen, weil nur sie die Welt wirklich weiter bringen.

Und gerade Krisen - auch eine Krise wie jetzt rund um das Virus - schaffen durchaus Chancen, dass die Menschen sich wieder auf das Wesentliche besinnen, Orchideen-Themen wieder als das erkennen was sie sind und die Kraft des Guten wieder erlebbar wird.

Mal ernsthaft:

Glauben Sie nicht, dass Ihr Kind viel engagierter und motivierter zur Sache geht, wenn es Lob und Zuspruch erfährt und zweifelsfrei notwendiger Tadel immer mit dem Vorschlag verbunden ist, wie man den Fehler wieder ausmerzen könnte?

Glauben Sie nicht, dass ein Schiff im Sinne Antoine de Saint-Exupéry schneller und besser gebaut wird, wenn die Männer die positive Sehnsucht nach dem großen weiten Meer in sich tragen?

Glauben Sie nicht, dass Sie beruflich erfolgreicher werden, wenn Sie ihre Kollegen und Mitarbeiter anspornen, bestätigen und unterstützen, statt diese misanthropisch anzugranteln?

Glauben Sie nicht, dass Sie viel mehr Freunde und bessere Beziehungen haben werden, wenn Sie ihren Mitmenschen zugewandt, interessiert und freundlich begegnen?

Glauben Sie nicht, dass Ihr Mitmensch mit der völlig anderen politischen Überzeugung, nicht auch vielleicht einfach nur ein Mensch ist, der im Rahmen seiner Sozialisierung nach einer besseren Zukunft für sich und seine Lieben strebt?

Wenn Sie das alles glauben und wenn Sie so denken und handeln, dann haben Sie die Kräfte des Guten verinnerlicht. Man könnte auch sagen, es ist die Kunde von Lob, Freundlichkeit und der Schaffenskraft des Optimismus, der die Welt wirklich voran bringt und besser macht.

Nicht verwechseln darf man das mit Naivität und Blindheit, nicht alles ist gut und nicht alles kann man weglächeln, es gibt 20-30% im Leben, da muss man klare Grenzen ziehen, muss sich wehren und auch mal autoritär werden, damit Dinge nicht ausufern.

Es geht aber um die Frage, was unsere Grundhaltung ist. Ob wir in den 70-80% des Lebens, in denen es wirklich Grund zu Optimismus, Freundlichkeit und Lob gibt, auch so denken oder uns lieber in unserer misanthropischen Wolke einnebeln wollen.

Man könnte es auch einfacher sagen: Es ist die Frage ob für uns das Glas halbvoll oder halbleer ist und ob wir unseren Mitmenschen ehrenwerte Absichten zubilligen, bis wir vom Gegenteil überzeugt werden oder gleich vom negativen Gegenteil ausgehen.

Sie glauben vielleicht, ich würde hier eine Predigt halten, die auch von der Kanzel kommen könnte?

Nein bestimmt nicht und es ist auch nicht immer die beste Lösung für die Welt, auch noch die andere Wange hinzuhalten. Das richtig Böse wird dadurch nur ermutigt sich noch mehr zu nehmen, es wittert Schwäche und wer glaubt pure Aggression alleine mit Luftballons besiegen zu können, ist höchst naiv.

Aber es geht um die Grundhaltung, mit der wir der Welt und unseren Mitmenschen begegnen, ob wir in der Lage sind, die Macht des Lobes zu erkennen und des Optimismus.

Und an der Stelle kommt auch der Übergang zur Börse, denn ich behaupte dass nur Menschen die des Optimismus fähig sind, ernsthaft am Aktienmarkt erfolgreich sein können.

Wer dagegen überwiegend pessimistisch denkt, wer nur das Negative sieht und jeden Tag etwas Neues fürchtet, wird von den Crash-Propheten viel mehr angezogen, die Ängste instrumentalisieren.

Es braucht Mut, um immer wieder optimistisch zu sein.

Denn natürlich endet alles mit unserem Tod, das wissen auch Optimisten, die Frage ist nur, was man vorher aus dem Leben gemacht hat und wie glücklich man war.

Lebensmut ist nicht jedem gegeben. Aber er ist die Essenz des Erfolges, die Essenz der Tatkraft und auch die Essenz der Fähigkeit, an der Börse schon heute die Amazons und Apples von morgen ins Depot zu legen und optimistisch zu sein, nicht blind, nicht euphorisch und nicht naiv, einfach optimistisch und chancenorientiert.

In diesem Sinne lassen Sie uns doch in unserem Umfeld die Kräfte des Guten wieder mehr pflegen, die Zuwendung, das Lob, die Ermunterung und die liebevolle Mahnung, die nicht belehren oder vernichten, sondern helfen will.

Ein kleines Bisschen werden wir damit auch die Gesellschaft verbessern, aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Der Punkt ist, dass das in der Regel positiv zu uns zurück kommt und unser Leben verbessert.

Und lassen Sie uns auch an der Börse Optimismus wagen, die steigt einfach statistisch 2/3 der Zeit und ich muss Ihnen jetzt nicht jedes Mal so ein Chart zeigen, oder?

Und ja ich weiss, man müsste das um die Geldentwertung normalisieren, gleichzeitig sind aber ausgeschüttete Dividenden hier nicht enthalten, womit sich das Pi-mal-Daumen wieder ausgleicht.

Wie kann man angesichts so eines Bildes von mehr als 100 Jahren Börse seine Zeit permanent mit Pessimismus verbringen? Ist das nicht idiotisch?

Oder nehmen Sie doch die Entwicklung der Welt, es ist erdgeschichtlich nur einen Wimpernschlag her, da hatten wir noch nicht einmal das Feuer entdeckt und waren einfach nur Tiere, allerdings mit dem von der Leistungsfähigkeit her größten Denkorgan gesegnet, dass dieser Planet bisher zu vergeben hatte.

Wir waren nicht die Schnellsten, nicht die Größten und nicht die Stärksten, aber mit diesem Denkorgan haben wir Werkzeuge erfunden, den Widrigkeiten der Natur getrotzt und uns letztlich den Planeten untertan gemacht. Noch immer kann uns die Natur mit einem Fingerschnippen vernichten, aber dafür braucht es jetzt schon ganz große "Geschütze", wie einen riesigen Asteroiden oder eben eine Seuche, die ebenso tödlich wie Ebola und ebenso ansteckend wie das aktuelle Corona-Virus ist. Aber gegen viele der kleineren Gefahren sind wir zunehmend immun geworden.

Noch vor wenigen tausend Jahren, haben wir an Naturgötter geglaubt und noch vor wenigen hundert Jahren, war von all der Technologie die uns nun umgibt, nichts zu sehen. Würden diese Menschen uns heute sehen, wie wir durch die Luft fliegen, Worte und Bilder über große Entfernungen "teleportieren" und Krankheiten heilen, die ein sicheres Todesurteil waren, hätten diese Menschen damals nur ein Wort für uns gehabt: Götter.

Der bekannte Science Fiction Autor Arthur C. Clarke, vom dem auch Odyssee 2001 stammt, hat den treffenden Satz geprägt:

„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“

Wie kann man angesichts dieser Entwicklung der Menschheit, die letztlich auch nicht anders als das Chart oben aussieht, denn pessimistisch sein? Ist das nicht idiotisch? Die Welt wird besser, nicht gleichmässig, mit Rückschlägen, aber sie wird besser, nicht schlechter!

Und genau so wie ein freundlicher Mensch auch manchmal anderen deutliche Grenzen aufzeigen muss, muss auch ein optimistischer Anleger manchmal bärisch werden und sein Augenmerk alleine auf die Defensive legen. Sonst wäre er nur ein naiver Idiot.

Die entscheidende Frage ist aber, was der Normalzustand ist, in den wir sofort nach Ende der Krise zurückkehren. Und da gibt es nur eine Antwort, schon alleine weil unser Leben endlich ist und jeder Moment endgültig vorbei.

Und diese Antwort sind die Kräfte des Guten, denn Pessimisten leben in unserer modernen Welt, in der die Lebensgefahren doch deutlich reduziert wurden, keineswegs länger als Optimisten - im Gegenteil. In der Savanne war das noch anders und Pessimismus zum Überleben sinnvoller.

Man könnte auch etwas spitz für die modernen Zeiten sagen:

Die Pessimisten haben Recht, den Optimisten gehört die Welt. In die Kiste steigen sie beide gleichzeitig.

Und nun frage ich Sie: Welches Leben wählen Sie lieber? Meine persönliche Antwort kennen Sie.

Ihr Hari

PS:

Dieser Artikel ist sozusagen "mein Wort zu Ostern". Ich trete nun bis Ostermontag im Blog kürzer und mache Ferien, nach Ostern bin ich aber für die Mitglieder wieder da. Der nächste Artikel im freien Bereich kommt in ca. 2 Wochen.

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Von Maß und Mitte

Heute will ich mal abseits von konkreten Kursen ein grundsätzliches Problem beleuchten, das wir uns gerade mit den diversen Notmaßnahmen, insbesondere der Notenbanken und Staaten einhandeln.

Frau Merkel hat ja im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Krise von "Maß und Mitte" gesprochen, die wir in der Krise finden sollten. Eine Aussage die konkret für die epidemiologischen Fragen eher deplatziert erscheint, denn wenn man eine Pandemie eindämmen will, ist "Maß und Mitte" am Thema vorbei, dann geht es eher um "be fast and have no regrets" wie es WHO Director Michael Ryan -> hier <- beschrieben hat.

Wenn es aber um staatliche Rettungs-Billionen geht, ist "Maß und Mitte" wirklich eine sinnvolle Grundhaltung, leider läuft es weltweit nun eher umgedreht.

Bei den epidemiologischen Maßnahmen wurde eher zu lange gezögert und nun gibt es - nach nicht mal einer Woche Lockdown - schon wieder wildes mediales Geschnatter vom Ende des Lockdowns, das derzeit verfrüht und deplatziert ist, da alle gemeldeten Neuinfektionen heute, sich in der Regel noch *vor* dem Lockdown angesteckt haben.

Bei den fiskalischen Maßnahmen aber, schmeisst man derzeit mit "Rettungsbillionen" um sich und wirft jegliche Form von fiskalischer Disziplin über den Haufen, weil die Krise die Gegner in der Argumentation schwächt. Eine Lage frischen Schnees an "Rettungsmaßnahmen" legt sich über die Länder und die Frage ist berechtigt, ob diese tatsächlich notwendig sind.

Es scheint dabei jedes Gefühl für "Maß und Mitte" abhanden gekommen zu sein und an vielen Stellen scheint die Notlage einfach nur als Einfallstor und Hebel zu dienen, um alte poltische Wunschvorstellungen nun durchzudrücken, so zum Beispiel bei der Transferunion und den Eurobonds.

Versuchen wir uns der Sache doch mal rational und nicht ideologisch zu nähern und betrachten die Frage, ob diese massiven Maßnahmen nun wirklich notwendig sind.

Wenn wir davon ausgehen, dass wir nun noch monatelang in einer Art Lockdown leben müssen, dann würde ich diese Maßnahmen im Kern auch unterstützen, auch wenn wir selbst dann viele unsinnige Mitnahme- und Kollateraleffekte erleben werden. Aber es macht Sinn, dann den totalen Zusammenbruch der vernetzten Wirtschaft zu verhindern und es macht keinen Sinn, gesunde Unternehmen nur wegen kurzfristiger Liquiditäts-Engpässe Pleite gehen zu lassen. Grunsätzlich hat dieser Ansatz also durchaus meine Unterstützung, solange eben "Maß und Mitte" gewahrt bleiben und die Gesellschaftsordnung nicht gleich mit der "Rettung" mit ausgekehrt wird.

Und es gibt sowieso viele kleine Unternehmer, Selbstständige, Künstler und so weiter, die bei längerem Lockdown ohne Verschulden in ein Liquiditätsloch fallen werden und dass man diesen ermöglicht unbürokratische Notkredite aufzunehmen, ist nicht zu kritisieren und völlig richtig. Ein Notkredit ist ja auch kein Geschenk, er hilft einfach über eine unverschuldete Krisenphase hinweg. Bis hierhin unterstütze ich den Rettungsansatz im Notfall ausdrücklich!

Nur beginnt die Politik ja aber schon ziemlich eindeutig von einer Teil-Auflösung des Lockdowns nach Ostern zu sprechen, insbesondere für die Jüngeren, weil "das Land das nicht aushalte".

Da ist durchaus etwas dran, ich kann die Logik nachvollziehen, weil irgendwann tatsächlich die negativen Folgen des Lockdowns größer sind, als die Folgen des Virus selber. Für eine Zeit von 3 Wochen wäre das falsch, diese Zeit kann eine gesunde Volkswirtschaft im Lockdown definitiv durchstehen, bei 3 Monaten hätte ich aber auch meine Zweifel.

Das Dumme und Ärgerliche ist aber, dass wenn man wirklich nach 3 Wochen wieder "aufmacht", viele der fiskalischen Nothilfen *nicht nötig sind* und sogar *kontraproduktiv* sind!

Denn sagen wir es mal deutlich, zeitlich begrenzte Krisen gehören zur Wirtschaft und sind gesund, weil sie wie eine Gesundheitspolizei die schwächsten Unternehmen aussortieren und daher danach wieder mehr Freiraum für die Gesunden schaffen. Die wirtschaftlichen "Zombies" werden dahin überführt, wo sie hingehören - in die Holzkiste, auch Insolvenz genannt und das ist volkswirtschaftlich genau richtig so!

Ein Unternehmen aber, das derzeit so schwach auf der Brust ist, dass es nicht einmal 3 Wochen aus den eigenen Reserven und Banklinien überleben kann, hat meiner Meinung nach *eine Rettung nicht verdient*.

Diese Aussage gilt auch ausdrücklich für die Gesellschafter und Manager, die zu dieser Schwäche des Unternehmens potentiell beigetragen haben, in dem Gewinne zu schnell privatisiert wurden und nicht als Notreserve im Unternehmen belassen wurden, weswegen eine Sozialisierung der Pleite auch nun höchst unfair für den Rest der Gesellschaft wäre.

Insofern habe ich nun doch ein Problem mit den Rettungsbillionen, die so freizügig gestreut werden. Entweder fahren wir nun einen konsequenten Lockdown, der sich primär nach epidemiologischen Vorgaben richtet und durchaus lange dauern kann, dann bin ich prinzipiell *für* einen selektiven Rettungsansatz. Oder wir stellen die Wirtschaft in den Vordergrund, gehen schon nach 3 Wochen wieder in Richtung Normalmodus und dann sehe ich keinen Grund Steuergelder für Firmen zu verbrauchen, die ein Überleben nicht verdient haben.

Ich habe ehrlich großen Zweifel, ob wir die Interventionisten und "Retter" wieder loswerden, die die Krise nun auf den Plan gerufen hat. Dass zu einer gesunden Wirtschaft auch ein gesunder Ausleseprozeß gehört, hat keine Lobby in Politik und Bevölkerung, der Reflex ist immer, schon längst überflüssig gewordene "Zombies" mit dem Argument der Arbeitsplatzsicherung noch durchzuschleppen, nicht verstehend, dass man damit viel mehr neue Arbeitsplätze an anderen Stellen torpediert und die Zombies am Ende doch Pleite gehen, nachdem man Steuermilliarden da versenkt hat.

Wie schnell solch unsinniger Mißbrauch aufkommt, können wir zum Beispiel bewundern, wenn beispielsweise ein hoch liquider Weltkonzern wie Adidas - ermöglicht durch das -> neue Covid-19-Abmilderungs-Gesetz <- - nun -> einfach für geschlossene Läden keine Miete mehr zahlt! <-

Adidas, die vergleichsweise in Liquidität schwimmen, bekommen also einen Hebel sich einen Vorteil zu ergattern und nutzen ihn sofort. Andere werden folgen, die es auch nicht nötig haben und sich unsolidarisch einfach einen Vorteil ergattern. Der Vermieter aber, der vielleicht wirtschaftlich viel schwächer als Adidas dasteht, hat dagegen den schwarzen Peter gezogen.

Adidas ist ein schönes Beispiel für die Negativeffekte von mit heisser Nadel gestrikten "Notfall-Gesetzen". Das kann keiner gut finden und zeigt, dass die Rettungsarie schon Schlagseite hat.

Abgesehen davon sollten wir uns keiner Illusion hingeben, jemand wird die Rechnung für diese "Rettungen" nach der Krise präsentiert bekommen und ich kann Ihnen auch heute schon sagen wer das ist: nicht Adidas, der Profiteur, sondern die sogenannten "Reichen", womit präzise gesagt über 80% der Leser dieses Blogs gemeint sein dürften, weil der absurde, vom Bild einer wohlig-warm-miefig-gleichgerichteten "Volksgemeinsschaft" geprägte Reichenbegriff bei uns ja jeden umfasst, der sich erdreistet schon ein überdurchschnittliches Gehalt zu beziehen oder - Gott bewahre - unternehmerisch erfolgreich zu sein. Die vielen kleinen Leistungsträger der Gesellschaft werden also dafür blechen, Weltkonzerne die sich einen schlanken Fuß machen dagegen garantiert nicht!

Wer also gut gewirtschaftet hat und als Unternehmen Reserven gebildet hat, wird durch die "Rettungen" doppelt gestraft. In der Krise wird ihm der Vorteil gegenüber den verantwortungslosen Gesellen genommen, weil diese dank Hilfe trotzdem überleben können und der Markt nicht bereinigt wird. Nach der Krise wird es höhere Sondersteuern auch für die geben die keine Hilfe brauchten, weil man ja vermeintlich so von der "Rettung" profitiert hat.

Dass am Ende genau dieser Mechanismus einer Volkswirtschaft schadet, weil er Moral Hazards generiert und Fehlverhalten fördert, ist völlig klar, wird aber weder verstanden noch will es jemand hören.

Erneut, damit es da keine Missverständnisse gibt, ich bin ja nicht gegen liquiditätssichernde Notmaßnahmen, man darf aber in der "Rettungswut" auch nicht über das Ziel hinaus schiessen.

Aber auch im Grösseren sehen wir diese Mechanismen, wenn wir -> von der Aggressivität des italienischen Premiers <- lesen, der nun vermutlich die große Chance sieht, eine Vergemeinschaftung der Schulden via Eurobonds durchzusetzen.

Die Krise ist dabei nach meiner Einschätzung nur ein Mittel, das mit großer moralischer Inbrunst für den eigenen Vorteil genutzt werden soll, denn Italien hat ja derzeit gar kein Problem Schulden für die Krise aufzunehmen, die EZB und die EU haben schon längst alle Schleusen und Begrenzungen geöffnet. Aber mit den Folgen höherer Zinsen sollte man dann auch leben, so wie es sich gehört, zumal diese durch die Aufkaufprogramme der EZB doch sowieso schon weit unter den realen Marktzins gedrückt werden.

Was hier versucht wird ist für mich verwerflich und hat mit der Krise nichts zu tun. Auch hier haben wir die Parallelität zum obigen Thema des Moral Hazards, wer als Staat bisher solide gewirtschaftet hat, hat am Ende den Nachteil davon und soll dem Schuldensünder sein bisheriges Verhalten finanzieren, weil der "gerettet" werden muss. In dem Zusammenhang erinnere ich wieder daran, dass das statistische Vermögen von Italienern höher als von Deutschen liegt, ein Umstand der gerne verschwiegen wird und auch der Umverteilung im Euro geschuldet ist - ich habe darüber in der Vergangenheit schon öfter geschrieben.

Jetzt höre ich gleich die Stimmen, die an die "Solidarität mit Italien" appellieren, was aber beim Thema Eurobonds völlig am Thema vorbei ist.

Mangelnde Solidarität haben wir in Europa tatsächlich und ich empfinde es als eine Schande. Das ist aber die konkrete Solidarität bei Masken, bei Schutzanzügen, bei Atemgeräten, bei übernommenen Patienten und auch bei Hilfsgeldern die direkt ins Gesundheitssystem gehen.

Hier fehlte es zuletzt deutlich an Solidarität, wo sind denn die Lastwagen-Kolonnen gewesen, die nach Norditalien Hilfsmaterial aus Österreich, Deutschland, Dänemark, Polen etc transportiert haben? Ich habe keine gesehen und das ist etwas, worüber der italienische Premier tatsächlich wütend sein darf, das wäre echte Solidarität gewesen. In der Krise ist sich scheinbar jeder selber der Nächste und kein Mensch braucht so ein Europa, das sobald es eng wird, gleich wieder nur an sich selber denkt.

Das darf man kritisieren, das muss man kritisieren, mit dem Wunsch individuell gemachte Schulden zu vergemeinschaften, hat das alles aber rein gar nichts zu tun und macht auch keinen Patienten gesund, der nun in der Intensivmedizin um jeden Atemzug ringt.

Das Virus nun als Hebel zu benutzen um Widerstände zu beseitigen, ist politisch geschickt, aber ebenso zerstörerisch für die europäische Solidarität, wie absurde Auslieferungsstops für Masken in befreundete Nachbarländer.

Machen wir es doch mal konkret und wischen diese ganzen Girlanden weg, die gerne zur Vernebelung des Kerns benutzt werden.

Stellen Sie sich vor, Sie haben in Ihrem Wohnhaus in der Krise einen Nachbarn, mit dem Sie solidarisch sein wollen. Der Nachbar ist selbstständig, hat weniger Geld als Sie und wird durch die Krise so schwer getroffen, dass er Probleme hat sich nun notwendige Medikamente, Desinfektionsmittel und so weiter zu kaufen.

Wenn Sie dem nun die Tür zuknallen, sind Sie ein unsolidarischer Holzklotz und sollten sich schämen! Die Solidarität gebietet es, dass Sie dem etwas von ihren gebunkerten Desinfektionsmittel abgeben und ihm auch an anderer Stelle unter die Arme greifen. Daran gibt es keinen Zweifel, wer das nicht tut, handelt egoistisch und unsozial.

Nun machen Sie das aber, der Nachbar erdreistet sich aber trotzdem an Ihre Tür zu bollern und Sie mit moralischem Unterton laut aufzufordern, nun mitzukommen und bei seiner Bank für seine Schulden zu bürgen, weil wir ja in der Krise alle im gleichen Boot sitzen würden. Hallo?

Was würden Sie tun? Ihm die Tür zuknallen und vielleicht die Polizei rufen und richtig so!

Wer Schulden für Ausgabenprogramme und Versprechungen an Wähler macht, muss auch später für die Konsequenzen gerade stehen und kann diese nicht an Dritte abladen. Es muss immer eine Einheit der Verantwortung geben.

Wer dieses Grundprinzip schleifen will, zerstört langfristig unser Wirtschaftssystem und unseren Wohlstand und ersetzt es durch eine Kleptokratie, in der der Stärkste, Lauteste und Skrupeloseste die Macht hat. Auch eine Pandemie kann dafür keine Ausrede sein!

Man kann also sehr wohl Eurobonds einführen, aber genau dann wenn man das italienische Staatswesen auflöst und einer Euro-Zentralregierung überantwortet. Dort ist dann die Entscheidung und die Verantwortung für die Folgen wieder in einer Hand, so wie es richtig ist. Dass aber italienische Politiker an Ihre Wahl-Klientel Versprechungen machen, deren Folgen deutsche Wähler dann mitzufinanzieren haben oder natürlich auch umgedreht, ist in jeder Hinsicht indiskutabel und verwerflich und hat mit der Corona-Krise absolut nichts zu tun!

Sie sehen, unerkannt von der Öffentlichkeit, die auf das Virus starrt, fehlt es der wirtschaftlichen und finanzpolitischen Diskussion nun in meinen Augen zunehmend an "Maß und Mitte".

Davor bekomme ich zunehmend Sorge, die Geister die man rief, wird man dann nicht mehr los.

Ihr Michael Schulte (Hari)

Vom Boden



Es ist bei großen Krisen immer das Gleiche. Bei jeder kleinen Gegenbewegung sind sofort einige da, die einen Boden wittern und die Aktien nun für Schnäppchen halten. Bei 10% Minus, bei 20%, bei 30% und so weiter.

*Irgendwann* haben diese zu zappeligen und vorschnellen Käufer auch Recht, irgendwann entwickelt sich aus einem finalen Ausverkauf auch wirklich ein Boden, dumm ist nur, dass man das erst hinterher weiss und Kurse in schweren Krisen gerne tiefer fallen, als man sich zu Beginn vorstellen konnte.

Dabei ruhig zu bleiben und nicht zu schnell FOMO zu erliegen - der "Fear Of Missing Out" - hilft uns auch ein typischer Ablauf solcher Korrekturen, nennen wir es das "Standard-Modell". In dem Modell setzt nach einem massiven Ausverkauf eine starke Gegenbewegung ein, die typischerweise bis maximal zur Hälfte des Absturzes nach oben schiebt. Beim S&P500 würde das aktuell Potential bis etwa 2.800 begründen.

Danach entwickeln sich im Standardmodell neue Zweifel, lassen die Kurse erneut fallen, die Ausverkaufstiefs testen und im Idealfall drehen die Kurse dann vorher und dann ist der Boden da. Dann, nicht am Ende des ersten Ausverkaufs!

Weswegen es eben wenig Grund gibt, permant von FOMO getrieben in ein fallendes Messer hinein zu greifen, nur weil man meint, nun seien die Kurse weit genug gefallen.

Ja, erste Teilkäufe bei echten Qualitätsaktien können durchaus Rationalität haben, da man den exakten Boden sowieso nie trifft, macht ein scheibchenweiser Einstieg sowieso Sinn. Aber das wirkliche Einstiegssignal kommt eben nicht am Ende des ersten Absturzes, es kommt im Standard-Modell erst später danach.

Und auch klar ist, dass das Standardmodell nur in vielleicht 60-70% der Fälle richtig ist, Wert hat es trotzdem, sich daran zu erinnern.

Damit stellt sich vielen nun natürlich die Frage, wann dieser Zeitpunkt denn beim aktuellen Geschehen rund um Covid-19 gekommen ist?

Gerne werden dann eindimensionale Antworten gegeben oder man orientiert sich am eigenen Risikoempfinden, das aber sowieso nicht sychron mit dem Markt ist und daher ungeeignet.

Es wird nicht bis zum Ende der echten Krise dauern und auch nicht bis wir als Bürger aus dem Lockdown heraus dürfen, bis der Markt einen neuen Morgen riecht. Es genügt schon, dass ein Abflauen der Infektionen absehbar ist und der Markt wird mit neuem Zutrauen wieder steigen.

Und dabei kann uns nun der Lockdown immens helfen, der nun auch bei uns in Europa in Gang ist. Man kann nur hoffen, dass auch die US bald durchgreifende Maßnahmen beschliessen, denn erst ab dann besteht eine Chance, dass drei Wochen später die Fallzahlen zu fallen beginnen.

Gerne wird dann eindimensional argumentiert, dass ja diese Maßnahmen in der Wirtschaft viel mehr Schaden anrichten würden als das Virus. Das ist aber grundfalsch, denn die Wirtschaft kann mit planbaren Auszeiten gut umgehen, nicht aber mit monatelanger Unsicherheit. Eine 2-monatige Auszeit werden die meisten Firmen mit ihren Reserven überleben, ein unplanbares Chaos den Rest des Jahres dagegen nicht.

Ein Lockdown zieht auch den Moment der maximalen Unsicherheit nach vorne, genau das was wir gerade erleben. Wir sind dann persönlich betroffen und die Börsen rauchen ab, mehr gefühlte Krise geht gar nicht. Das Maximum der Angst ist aber auch gerne der Moment, an dem der Markt seine Tiefs auslotet.

Natürlich ist das Virus nach dem Lockdown nicht weg, das ist doch völlig klar und natürlich geht die Durchseuchung weiter, die entscheidende Frage ist aber ob chaotisch oder geordnet und der Umgang der Gesellschaft mit dem Problem ist nach dem Lockdown ein ganz anderer.

Es hat sich dann ein neuer "Modus Operandi" gefunden, wie das Leben mit verringerten Sozialkontakten weiter geht. Auch die Diskussionen um die Notwendigkeit der Maßnahmen sind weg. Kliniken und Firmen haben dann auch einen neuen Operationsmodus gefunden, der zwar wirtschaftlich gedämpft ist, aber das Leben weitergehen lässt.

Letztlich geht es darum, *jetzt* dem Monster der exponentiellen Entwicklung den Kopf abzuschlagen und damit ein handelbares Plateau zu erreichen, mit dem wir dann eben 1-2 Jahre leben müssen, bis Impfungen da sind.

Und genau das kann dieser Lockdown nun schaffen, je schneller er auch in den US kommt, desto besser.

Dass man dafür 2 unnötige Wochen noch gewartet hat und den Karneval noch hat laufen lassen, obwohl der Verlauf absehbar war, ist eigentlich unverzeihlich aber aus Sicht der Politik verständlich, wenn man sich selbst jetzt noch die Ignoranz von Teilen der Bevölkerung anschaut, was "Social Distancing" angeht.

In dem Zusammenhang empfehle ich uns allen mal -> dieses kurze Video von WHO Direktor Michael Ryan <- anzuschauen.

Was er mit "Be fast, have no regrets" als richtige Haltung in Krisensituationen beschreibt, entspricht dem was wir an der Börse "If panic, panic first" nennen und dessen Wahrheit im Absturz ja wieder bewiesen wurde.

Genau so ist es mit dem Containment dieses Virus, das genau dann perfekt gelingt und die ökonomischen Folgen minimiert, wenn man sofort konsequent agiert, wie es Taiwan beispielhaft getan hat und trotz der Nähe zu China nun kaum betroffen ist. Wer dagegen aus Angst vor wirtschaftlichen Folgen zu lange zögert, wird diese Folgen erst richtig schmerzhaft bekommen.

Wir werden nun also in Europa 2-3 Wochen stark steigende Fallzahlen erleben, die 2 wöchige Inkubationszeit plus die ca. 1 Woche die es braucht, bis der Zustand der schwer getroffenen Patienten sich dramatisch verschlechtert, werden ihre unerbittliche, mathematische Wirkung entfalten. Da ist schon Realität und unvermeidbar, das ist die Folge der Fehler die schon gemacht wurden.

Danach aber im April, besteht die Chance dass sich die Fallzahlen wie in China und Südkorea stabilisieren. Das alleine wird dem Markt schon immens gut tun und genau das ist der Punkt. Sobald dieser neue Modus Operandi gefunden ist, den China gerade im Begriff ist herauszufinden, wird der Markt vielleicht einen Boden finden können, denn das ist durchaus eine belastbare Grundlage.

Jeder weiss ja, dass das Problem sowieso vorbei ist, sobald Impfungen da sind und/oder die Durchseuchung der Bevölkerung hoch genug ist und damit ein Herdenschutz existiert. Wenn die Welt auf dem Weg dahin ein Plateau findet, geordnet mit immer wieder aufflammenden Neuansteckungen umzugehen, ist auch das eine belastbare Grundlage und der Markt wird schon steigen, weil er das Ende und die Impfungen schon vorweg nimmt.

Dann werden auch die massiven Liquiditätschübe der Notenbanken und die staatlichen Ausgabenprogramme ihre Wirkung entfalten. Die können zwar niemanden gesund machen und auch den Lockdown nicht verkürzen, aber den wirtschaftlichen Wiederaufstieg extrem beschleunigen und verstärken, weswegen Vergleiche mit dem langsamen Rebound nach der spanischen Grippe wohl falsch sind.

Heute, Montag früh, scheinen die massiven Maßnahmen der Notenbanken noch das Narrative der allgemeinen Panik zu bestätigen, ihre Wirkung werden sie trotzdem haben, nur verzögert, weil es erst Hoffnung an der Front der Infizierten braucht.

Heisst konkret für eine Bodenbildung:

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Covid-19 und der Zeithorizont

Krisen wirken an der Börse wie ein reinigendes Gewitter. Sie decken Schieflagen auf, bestrafen Fehleinschätzungen und bringen die Erwartungen wieder auf ein angemessens Maß, von dem aus sich wieder ein belastbarer Aufwärtstrend in Gang setzen kann.

So wird das auch mit der aktuell begonnenen Corona-Krise sein, Firmen mit zu geringer Kapitaldecke in den betroffenen Sektoren werden in die Pleite kippen und Anleger denen der Sinn fehlt exponentielle Entwicklungen zu begreifen, werden immensen Druck spüren.

Im Umgang mit so Situationen ist dabei extrem wichtig, sich über den -> Zeithorizont <- der eigenen Absichten im Klaren zu sein und alles was man zum Thema liest darauf zu überprüfen, ob die Aussagen sich überhaupt darauf beziehen.

Nehmen wir an, ich würde jetzt von fallenden Kursen sprechen, dabei aber unausgesprochen die kommende Woche meinen. Welche Bedeutung hätte diese Aussage für jemanden, der langfristig anlegen will? Ich sage es Ihnen: Keine!

Genau dieses Hinterfragen passiert aber in der Regel *nicht*. Die große Mehrheit der Anleger ist sich des Problems noch nicht einmal bewusst, sondern interpretiert mediale Aussagen ohne Nachdenken im eigenen Kontext, auch wenn diese sich gar nicht darauf beziehen.

In Folge lässt sich der Investor dann von kurzfristigen Korrekturen aus der Bahn werfen und der Trader lässt sich von einem profitablen Trade abhalten, weil das Unternehmen langfristig wenig Zukunft hat.

Das ist aber falsch und ein zentrales Problem, gerade in so emotional schwierigen Krisenphasen wie aktuell!

Denn die Realität ist, dass der Markt kurzfristig steigen kann, mittelfristig fallen und langfristig weiter steigen! Und alle drei Aussagen können gleichzeitig *wahr* sein und wer das aber miteinander vermengt, wird nur Fehler machen und Verluste ernten.

Sie werden jetzt vielleicht denken "aber ich doch nicht". Das kann sein, dann gratuliere ich Ihnen, das Risiko ist aber hoch, dass Sie sich dabei etwas vormachen. Und das will ich Ihnen jetzt beweisen.

Denn ich habe nun am gestrigen Freitag zum dritten Mal -> hier bei Twitter <- meine Version des klassischen Sentiment-Zyklus eingestellt, der in Krisen von vielen Anlegern durchlaufen wird.

Der hat übrigens nichts direkt mit einem Kursverlauf zu tun, wie das vielfach hinein interpretiert wird, er stellt dagegen unsere emotionalen Schwankungen dar, mit denen wir Menschen bei dynamischen Entwicklungen eher hinterher laufen und ist auch für zyklische Krisen abseits der Börsen oft zutreffend.

Aber lassen wir das mal beiseite, der von mir implizierte - aber bewusst nicht explizit gesagte - Zeithorizont ist natürlich mittelfristig und bezieht sich auf die Krise rund um Covid-19, die im besten Fall in wenigen Wochen vorbei ist, im schlechtesten Fall aber viele Monate bis ein Jahr und über den nächsten Winter hinweg andauern wird - bis Impfungen am Horizont auftauchen.

Wenn Sie auf die Antworten in allen Tweets schauen - für die ich mich ausdrücklich bedanke - finden Sie eine erstaunliche Breite der Einschätzung, es scheint keinerlei Konsens zu geben.

Wenn man aber genauer hinschaut erkennt man, dass viele ohne nachzufragen den *Zeithorizont* subjektiv einordnen und zwar alleine basierend auf ihrer eigenen Wahrnehmung.

So gab es bei den ersten beiden Frage-Runden Stimmen, die schon "Panik" sahen, während zB die aktuellen -> AAII Daten der US Privatanleger <- noch viel zu viel Optimismus und Beschwichtigung zeigen.

Trotzdem können diese "Panik-Wertungen" absolut zutreffend sein, wenn man sich nur auf der kurzfristigen Zeitebene bewegt und die Frage nur für die erste Abwärtsphase beantwortet, die vorletzte Woche durchgelaufen ist. Da waren wirklich Panik-Effekte am Markt sichtbar, aber eben nur bezogen auf einen kurzfristigen Zyklus, der aber in weit längere Zyklen eingebettet ist.

Andere sagten, dass wir mangels Euphorie noch im Anstieg sind und gar nicht in der emotionalen Abwärtsbewegung.

Auch das kann durchaus wahr sein, wenn man sich den langfristigen Hut aufsetzt, denn dieser Bulle hat noch gar keine Euphorie gesehen. Und ich persönlich gehe hier auch von einem temporären, zyklischen Bärenmarkt aus, der aber in einen übergeordneten sekularen Bullenmarkt eingebettet ist. Auf gut Deutsch: Auch das geht vorbei!

Ja und dann haben wir natürlich auch die mit dem inneren Drang, der Welt mitzuteilen wie "cool" sie aktuell noch sind. Die gehören auch ganz typisch zu diesen Zyklen, auch wenn sie glauben nicht Teil davon zu sein, denn die Motivation das mitzuteilen kommt natürlich auch aus unserem Emotionshaushalt. Alles was wir tun hat eine Motivation, auch Kommentare in sozialen Medien.

Ich persönlich erwarte auf aktuellem Wissensstand nicht, dass wir hier mit Covid-19 ein Lehman-Szenario vor uns haben, denke aber schon, dass diese Korrektur und ihr Auslöser das Potential haben zu etwas Größerem als nur einer 08/15 Korrektur zu werden - wie sie im typischen Börsen-Jahr regelmässig 1-3 mal auftreten. Das Potential, nicht die Gewissheit, die Zukunft ist unbestimmt - weswegen man aber die aktuelle Krise ernst nehmen sollte.

Übrigens ist es ja völlig richtig Ruhe zu bewahren, wenn man eine langfristige Anlage-Strategie fährt, auch diese Krise wird vorbeigehen. Und es ist auch wichtig und völlig richtig nach vorne zu schauen und zu erkennen, dass diese Krise *immense Anlage-Chancen* schafft, wie wir sie teilweise seit 2009 nicht gesehen haben! Wer jetzt also Liquidität erzeugt hat, die er später wieder investieren kann, hat allen Grund für Vorfreude und nicht für Angst!

Auch dabei spielt aber der Zeithorizont eine entscheidende Rolle, denn wenn Sie sich ein Lehman-Szenario mit 70% Minus vorstellen, braucht man einen sehr langen Zeithorizont von mindestens 10 Jahren um voll investiert noch zuverlässig gelassen sein zu können.

Der 65-Jährige, der bald mit dem Depot seine Rente beginnen wollte, hat dann ein erhebliches Problem - zumindest ein emotionales Problem, selbst wenn die Ausschüttungen nicht gesenkt würden. Und der Familienvater in den 40ern, der in 6 Monaten das Haus der Familie damit finanzieren wollte, hat auch ein Problem und zwar ein massives, bei dem "Coolness" keine Option ist.

Aber in so extremen Krisen werden dann bei einigen Unternehmen auch Ausschüttungen gesenkt oder fallen ganz aus und dass ein Unternehmen bei der letzten Krise stabil war beweist dann wenig, weil bei einer langen Pandemie andere Unternehmen in existenzielle Nöte geraten werden, als bei einer Finanzkrise. Jede Krise ist eben anders. Oder mit anderen Worten, Schlangen vor Banken gibt es in der Pandemie weniger, weil die Leute Schlangen gerade vermeiden wollen. 😛

Schlimm wäre übrigens, wenn eine Pandemie zur Kreditkrise führt, dann wird es in Kombination richtig übel, aber da sind wir noch nicht, das sind noch abstrakte Risiken.

Auch bei den Betonungen der Coolness ist also eigentlich klar, dass diese ohne Aussage zum persönlichen Zeithorizont wertlos sind, denn auch völlig berechtigte Coolness braucht einen zeitlichen Kontext.

Sie sehen daran, wie unterschiedlich man diese Grafik werten kann, je nachdem auf welcher Zeitebene sich die Gedanken bewegen. Und Sie sehen, wie wir fast alle auf mediale Aussagen reagieren, ohne uns ernsthaft zu fragen, ob das medial Gesagte überhaupt zu unserem eigenen Zeithorizont passt und darauf überhaupt bezogen war.

Die mediale Schlagzeile "Der Crash steht bevor" schreckt uns also auf und viele denken dann nicht darüber nach, wie weit dieser Crash denn in der Zukunft liegt und was bis dahin alles passieren kann und ob dieses Risiko derzeit überhaupt Relevanz hat. Wäre es anders, würden nicht Heerscharen an Anlegern seit 10 Jahren den diversen Crash-Propheten hinterherlaufen, während der Markt weit überwiegend gestiegen ist und man die aufkommende Corona-Krise problemlos jetzt erkennen und darauf reagieren konnte.

Fazit:

Das fehlende Bewusstsein über den eigenen Zeithorizont und die fehlende Differenzierung, auf welche Zeitebene sich Aussagen Dritter beziehen, ist ein zentraler und in der Regel teurer Fehler, den sehr viele Anleger machen.

Gerade in Krisen wie aktuell, ist es absolut essentiell, dass Sie sich über *Ihren* Zeithorizont bewusst werden, der mit *Ihren* Plänen und Absichten im Einklang stehen muss.

Und dann sollten Sie sich nicht von jeder Schlagzeile aufschrecken lassen, sondern nur von denen, die sich wirklich auf Ihre Zeitebene beziehen!

Ach ja - wenn ich nächsten Freitag die Frage zum Sentiment-Cycle wieder stelle, dann wissen Sie, dass diese sich eindeutig auf den Krisenverlauf rund um Covid-19 und die damit verbundenen Auswirkungen an den Märkten bezieht.

Die Frage hat also einen mittleren Zeithorizont im Sinne Wochen bis Monate, aber weder Tage noch Jahre.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die große Dissonanz

Sie wissen aus vielen Artikel hier auf Mr-Market, wie wichtig es ist, sich nicht dem Markt entgegenzustellen und diesen zu bekämpfen, sondern ihm zu folgen. Viele, viele Jahre haben wir in der Community so profitiert und das Depot vervielfacht, während die, die glaubten klüger als der Markt zu sein und Crash-Gurus hinterher gelaufen sind, dabei ihre Depots ins Minus gedrückt haben.

Trotzdem gibt es Momente, in denen auch ich eine Dissonanz spüre, ein großes Loch zwischen dem was der Markt macht und dem, was ich glaube er normalerweise tun *würde* bzw *sollte*. Das kommt selten vor, aber es kommt vor und dann ist es fast immer eine Sondersituation, die für alle schwer einzuschätzen ist.

Und so einen Moment haben wir gerade im Zuge des Corona-Virus, der außerhalb Chinas zwar bisher noch im Griff zu sein scheint, aber innerhalb Chinas noch keineswegs beherrscht wird, sondern sich weiter ausbreitet.

Wer das visualisiert dargestellt sehen will, kann das -> hier bei John Hopkins <- jederzeit tun.

Dabei muss man nun zwei Dinge auseinander halten. Unsere eigenen Ängste, dass wir wie die Mitarbeiter bei Webasto angesteckt werden, sind die eine Sache. Darum geht es hier nicht und die Börse interessiert sich auch nicht für Individuen, außer sie sind Präsidenten mit Millionen an Followern bei Twitter.

Was die Börsen aber interessiert sind leerstehende Fabriken, stillgelegte Bänder, Zwangsferien und eine Störung der Lieferketten.

Und genau das haben wir zunehmend in China, der Werkbank der Welt und werden wir bei Fortschreiten des Virus in China schon bald auch hier mit Lieferschwierigkeiten bemerken, weil Vorprodukte fehlen. Auch das Gesundheitswesen steht unter diesem Risiko, weil in China auch Fabriken für Grundstoffe stehen, die zur Medikamentenproduktion benötigt werden und nur schwer zu ersetzen sind.

Vergleiche zu SARS sind dabei schief und leiten auf einen falschen Pfad, SARS hatte nicht so hohe Fallzahlen und hat sich nicht so ausgebreitet, wie der neue Corona-Virus.

Eine Reihe von Firmen haben schon vor Problemen wegen zusammenbrechender Lieferketten und fehlender Vorprodukte gewarnt oder ihre Fabriken in die Zwangsferien geschickt, Tesla, Apple, Nintendo und viele andere sind schon dabei. Und weitere werden folgen, mit jedem Tag mehr.

Alles hängt nun von der weiteren Entwicklung der Ansteckungszahlen ab, die an einem kritischen Punkt sind, denn langsam müssten sich nun Chinas Abschotttungsmaßnahmen bemerkbar machen, wenn sie tatsächlich eine positive Wirkung haben, es sind jetzt bald 3 Wochen seit dem Beginn vergangen.

Nun sind die Börsen ja aber dafür bekannt, dass sie als Seismographen schon kleine Risiken im Vorfeld erahnen und abstrakt in die Kurse einbacken. Börsen sind die besten Frühindikatoren die wir haben, die hören sozusagen schon das Gras wachsen.

Warum passiert das dann beim Virus nicht? Warum wurde die startende Korrektur, die vom Virus getriggert wurde schon aggressiv gekauft, obwohl es keinerlei Entwarnung und auch keine sich abflachenden Fallzahlen gibt?

Zum Einen spielt sicher eine Rolle, dass die Ausbreitung bisher weitgehend auf China beschränkt werden konnte. Wenn in Europa oder China die Fallzahlen hoch gehen sollten, wird das aber zu einer anderen Börsen-Reaktion führen.

Und wenn man die neuen Erkenntnisse ernst nimmt, nach denen das Virus bis 9 Tage auf Klinken und Handgriffen überleben kann und die Infizierten auch mit nur minimalen Symptomen ansteckend sind, erscheint es unwahrscheinlich, dass das Virus wirklich auf China begrenzt bleiben kann.

Aber selbst wenn man vom positiven Fall einer Begrenzung auf China ausgeht, bleibt doch die immense Gefahr für die Lieferketten, die der Markt aktuell einfach zu ignorieren scheint. Täglich kommen nun neue Nachrichten von Unternehmen herein, die in ihren Liefer- und Produktionsketten Probleme haben oder diese befürchten. Noch ignoriert der Markt das weitgehend.

Und genau dabei dürfte zum Anderen das frische Geld der Notenbanken eine Rolle spielen. FED, PBOC (People Bank of China) und wie sie alle heissen, fluten die Märkte mit Liquidität und Liquidität treibt.

Ich habe an anderer Stelle schon erklärt, dass selbst im Armageddon, im Weltuntergang, Kurse theoretisch steigen könnten, wenn die Notenbanken nur genug "drucken" und alles an Assets aufkaufen, was bei Drei nicht auf dem Baum ist.

Es ist diese Liquidität, die die Kurse wieder treibt und die Ängste vor ausfallenden Lieferketten in einer vernetzten Weltwirtschaft überlagert.

Und genau da liegt nun meine persönliche Dissonanz.

Denn ich bin nicht sicher, ob Liquiditätsspritzen noch helfen, wenn echte Waren einfach fehlen, wenn Medikamente nicht mehr lieferbar sind. Die Notenbanken haben hohe Macht, sie sind aber nicht allmächtig, weil man Geld nicht essen kann.

Eine Notenbank kann weder eine Pandemie mit einem erneuten Quantitative Easing (QE) bekämpfen, noch kann sie kranke Arbeiter wieder gesund machen, sie kann bestenfalls die wirtschaftlichen Folgen mindern, das wars dann aber schon.

In nun 30 Jahren, in denen ich an der Börse unterwegs bin, habe ich Demut gelernt dem Markt zuzuhören und ihn nicht zu bekämpfen. Diese Haltung hat seit 2009 zu hohen Gewinnen geführt, die andere verpasst und bekämpft haben.

Deshalb stellen wir uns bei Mr-Market auch nicht gegen die aktuelle Stärke und sind dabei. Allerdings haben wir ein wenig Luft heraus genommen, Teil-Gewinne mitgenommen und stehen sozusagen "Gewehr bei Fuss", um die eigenen Positionen abzusichern.

Denn ich traue dem Geschehen nicht, ich sehe die Lieferketten nun in Gefahr, wenn der Anstieg der Fallzahlen jetzt nicht ganz schnell endet und danach sieht es nicht aus. Und ich frage mich, wann der Markt durch die herabrieselnde Liquidität anfängt hindurch zu schauen und beginnt die zumindest große Konjunktur-Delle zu sehen, die da nun aus China kommen könnte - wenn nicht mehr.

Und über die Lieferketten hinaus, stellt sich ja vielleicht bald auch die Frage nach der Stabilität des chinesischen Systems, denn Repression kann man nur so lange aufrecht erhalten, solange die Vertreter der Repression selber nicht betroffen sind. Es gibt nicht viele Szenarien, die so ein ausgefeiltes System zum Einsturz bringen können, eine landesweite Gesundheitskrise gehört aber dazu.

Manchmal hat man eben eine Dissonanz zum Markt, daran ist nicht Anormales, das gehört dazu. Es ist wichtig diese zu erkennen und dabei eine rationale Schlußfolgerung zu ziehen. Man darf sehr wohl höhere Vorsicht walten lassen, das ist rational.

Nur *gegen* den Markt stellen sollte man sich nicht, denn der hat immer Recht - bis er die Richtung wechselt und dann wieder Recht hat. 😉

Ich halte höhere Wachsamkeit - nicht Panik, Wachsamkeit - in den kommenden Wochen nun für geboten, die Risiken sind nun deutlich erhöht, während sie das im ganzen 4. Quartal 2019 nicht waren.

It doesn´t matter until it matters.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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