24% Performance in 2016 und andere nette Geschichten

Wenn Sie sowieso regelmässig im freien Bereich mitlesen, gilt der folgende Satz für Sie nicht. Wenn Sie hier aber nun zum ersten Mal sind und gerade wegen der Überschrift diesen Artikel lesen wollen, dann habe ich Sie nun "erwischt". 😉

Denn der Sinn dieses Artikels ist Ihnen klar zu machen, wie wertlos öffentliche Performance-Aussagen sind und dass seriöse Kommentatoren sich davon fern halten und diese nicht brauchen. Ob ich persönlich im Jahr 2016 "über alles" wirklich 24% Performance hatte, überlasse ich Ihrer Phantasie - vielleicht, vielleicht auch nicht, es ist auch völlig egal. 😉

Warum aber sind öffentliche Performance-Aussagen unsinnig?

Der Fondsmanager

Nun es gibt einen transparenten Fall, in dem diese öffentlichen Aussagen real und ernst zu nehmen sind. Und das ist, wenn der Autor einen öffentlichen, regulierten Fonds betreibt - also Fondsmanager ist. Dann sind Performance-Aussagen nicht nur legitim, sondern auch zutreffend und daher relevant. Wie es um die Performance der Fondsmanager steht, wissen wir. Nur eine Minderheit ist in der Lage, den Markt immer wieder - und nicht nur als Einjahresfliege - hinter sich zu lassen.

Dass das so ist, hat gute Gründe, die aber hier nicht Thema sein sollen. Fakt ist aber, die Minderheit die das schafft, beweist damit grosse eigene Qualität und hat unseren Respekt verdient. Denn das zu schaffen ist mit realem Geld Dritter und unter dem Korsett der ganzen regulativen Grenzen *weit schwieriger*, als Otto Normalanleger glaubt, dem medial an jeder Strassenecke, wie auf der Hamburger Herbertstraße, verlockende Aussagen zur Performance zugerufen werden. Was von denen zu halten ist, soll hier nun Thema sein.

Die Behauptung

Gerade wenn Seiten im Aufbau sind und sich jemand medial Reputation erwerben will, finden wir diese Performance-Behauptungen. Aber auch bei bestehenden Diensten, die um neue Leser oder Mitglieder heischen, gehört die Behauptung zur gandiosen Performance zum festen Ritual.

Dass eine einfache Behauptung, weil von aussen nicht überprüfbar, einen Wert von Null hat, sollte jedem eingängig sein. Nehmen Sie meine Behauptung in der Überschrift um den Punkt zu machen. Ob es am Ende wirklich 24, oder nicht 14 oder 34 oder ganz etwas Anderes waren, ist völlig offen und für niemanden zu überprüfen. Und deshalb ist die Behauptung schlicht: Bullshit!

Anders herum wird ein Schuh daraus. Wenn jemand trotz dieser offensichtlichen Unüberprüfbarkeit, trotzdem an prominenter Stelle solche medialen Aussagen macht, muss man sich die "Cui Bono" Frage stellen. Was will der also von uns?

Die formal korrekte Behauptung

Nun gibt es ja aber auch mediale Angebote, in denen die dargestellten Zahlen tatsächlich real sind. Die genannte Performance wurde also erzielt. Und was sagt uns das? Leider auch herzlich wenig, es ist auch Blödsinn, damit medial zu werben.

Denn ganz entscheidend bei einer Performance-Betrachtung sind die Umstände. Es ist ein Unterschied von Tag und Nacht, ob jemand in seinem Depot zum Beispiel eine zweistellige Millionensumme langfristig bewegt, es also richtig um etwas geht wie bei einem Fondsmanager, oder ob jemand mit ein oder zwei Aktien und etwas Spielgeld nur "herum" spielt. Im ersten Fall ist es eminent schwer, langfristig immer wieder den Markt zu schlagen und Ausweis grosser Kompetenz, dieses Dickschiff erfolgreich durch die Gezeiten zu steuern. Im letzteren Fall schafft das jeder "Affe" mal in einem Jahr, um dann im Folgejahr alles zu verspielen.

Es gibt zum Beispiel ganz konkret Fälle, in denen die 2008er Performance medial ins Schaufenster gestellt wird, die vielleicht auch korrekt ist, dabei aber verschwiegen wird, dass man mangels Kapital gar nicht im Markt war und nur mit einer oder zwei Aktien glücklich herum gespielt hat, die zufällig halt konträr zum Markt liefen. xy% Performance in 2008 heisst es dann in so Fällen, ist formal sogar wahr, aber trotzdem eher irrelevant und irreführend.

Auch die formal korrekte Behauptung, kann also Unfug sein und sollte von uns gefliessentlich ignoriert werden. Auch hier stellt sich die "was soll das?" Frage mit aller Macht, wenn jemand mit so Behauptungen operiert. Und da man von aussen nie wissen kann, was frei erfunden und was zumindest formal korrekt ist, kann man alle diese Aussagen pauschal als irrelevant ignorieren und bestenfalls als Kontraindikator nutzen.

Das Musterdepot

Wer intelligenter ist, weiss um die berechtige Skepsis der Leser bei Behauptungen und versucht daher seine Behauptung mit einer belastbaren Grundlage zu untermalen. Leider ist auch das in vielen Fällen keine belastbare Aussage. Der Grund ist, dass die Manipulationsmöglichkeiten zu hoch sind und natürlich auch genutzt werden. Auch hier hilft also die "Cui Bono" Frage und was der, der mit so Musterdepot-Performance wirbt, uns eigentlich verkaufen will.

Das Problem bei Musterdepots ist nämlich der Zeitverzug zwischen dem Handel im realen Depot und der Kommunikation darüber. Nun könnte man ja laienhaft glauben, das sei ja nicht so schlimm, das ist aber ein Irrtum. Gerade eine Stunde an den richtigen Momenten des Jahres, macht über das Jahr den Unterschied von 20% und mehr Performance aus.

Immer dann, wenn singuläre Events anstehen, wie zB Quartalszahlen oder eine Wahl oder oder, wird es besonders lustig. Nehmen wir die Quartalszahlen und nehmen wir an, man würde ein Musterdepot führen und hätte Facebook im Auge, die diesen Mittwoch Zahlen liefern. Und nehmen wir an, Facebook würde überraschend und dann nachbörslich um 5% steigen.

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Großbritannien – Estimation Nation

Heute freue ich mich besonders, Ihnen unser Mitglied der ersten Stunde "Libertin", auch im freien Bereich als neuen Kolumnisten des Blogs vorzustellen. Eine Kurzvita finden Sie -> hier <-.

Libertin hat sich in seiner Kolumne "Libertannica" vor allem Großbritannien verschrieben, da er als regelmäßigen Pendler zwischen den Ländern, viel Zeit vor Ort verbringt. Dabei hat er sich aber auch die Distanz und den unabhängigen Blick des Ausländers bewahrt.

Innenansichten aus Großbritannien, werden für uns in den kommenden Jahren besonders wichtig sein, da das Geschehen nach dem Brexit in seinem potentiellen Erfolg wie Mißerfolg, massive Auswirkungen auf Deutschland und die europäische Union haben wird. Unabhängig davon, ist der Finanzplatz London sowieso mit einer Reihe hoch spannender und attraktiver Unternehmen bestückt.

Libertins Kolumne soll den Bogen von Landeskultur, Alltagserfahrungen und Politik bis zu den Finanzmärkten schlagen und so die Mr-Market-Mitglieder mit Einsichten und Opportunitäten zum Vereinigten Königreich bereichern.

Nun wünsche ich Ihnen viel Spass bei einem Artikel der Libertannica! Ihr Hari

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Nationalcharakter? Ein engstirniges Wort, zu recht veraltet. Doch die Abwehr von Stereotypien darf andererseits nicht blind machen für Unterschiede und Eigenheiten. „Andere Länder, andere Sitten“ - das ist zwar komplett abgegriffen, trifft es aber schon eher. Auch Gesellschaften, die begrifflichen Nachfolger der Völker, haben schließlich geteilte Sichtweisen, Denk-, Kommunikations- und Gefühlsmodelle, bestehen sogar in gewisser Weise geradezu aus ihnen. Und nicht immer verlaufen die Trennlinien zwischen den Denkstrukturen entlang der bekannten Klischees, mit denen sich die Nationen das Nachdenken über ihre Nachbarn einfach machen.

Oft sind diese Dinge daher schwer zu fassen. Wenn ich in meiner Kolumne „Libertannica“ hier solche Eigenheiten Großbritanniens aufgreife, dann gehe ich wohl oder übel von subjektiven Eindrücken aus, ohne Anspruch auf universale empirische Gültigkeit, ein Zickzack mal den Klischees entlang, mal quer zu ihnen.

Schwer zu fassen ist für mich auch folgendes Thema, das mir aber wichtig vorkommt, mir immer wieder auffällt - eigentlich eher ein Bündel von Themen. Ich will es versuchsweise unter dem – nicht wertend gemeinten – Stichwort „(Un-)Genauigkeit“ ansprechen. Zu diesem unübersichtlichen Bündel gehörten auch das britische „Durchwursteln“, von dem hier schon die Rede war, die Pragmatik, die Flexibilität, das Zugleich von puritanischer Strenge und Permissivität, sowie vieles mehr. Aber irgendworan muß man die Sachen ja aufhängen.

Ist Genauigkeit eine Zier? Oder schlägt Präzision prompt in lähmende Pedanterie um? Der aufdringlich oft zitierten deutschen Pünktlichkeit steht in der englischen Welt eine seltener erwähnte Laxheit entgegen, eine oft verblüffend nonchalante Einstellung, mit einem vielsagenden Idiom vielleicht zu bezeichnen als „a cavalier attitude“. Aber Achtung, die folgenden Beispiele und Gedanken sind willkürlich und ohne Gewähr...

Erstmals beobachten kann der Neuankömmling dies gleich bei der Wohnungssuche, zumindest wenn es sich um eine Mietwohnung handeln soll. Die große Überraschung: In den Anzeigen findet sich keine Angabe der Fläche. Wohnungen werden nach der Anzahl der Zimmer eingeteilt und allenfalls noch mit einem Adjektiv als „groß“ oder „geräumig“ beschrieben. Die Größe muß der Makler auf Nachfrage erst einmal nachschlagen und hat womöglich keine befriedigende Antwort. Die Idee, gar einen Quadratmeterpreis auszurechnen, erscheint dann vollends als neurotische Pfennigfuchserei. Das mag nun auch damit zusammenhängen, daß Mieten in UK traditionell einen Ruf als Übergangslösung genießt, daher ja auch die Häufigkeit möblierter Wohnungen am Mietmarkt: Vielleicht muß man es da nicht so genau sein wie beim Immobilienerwerb. Trotzdem ist dieses Wischi-Waschi aus deutscher Sicht erstaunlich.

Die Ungenauigkeit hat dabei aber eine ganz wichtige positive Dimension: die Großzügigkeit. Das zeigt sich etwa im Kernbereich des britischen gesellschaftlichen Miteinanders, beim Pub-Besuch. Die allerwichtigste kulturelle Lektion für jeden ausländischen Gast ist die vorauseilende Bereitschaft zum Bestellen von Runden. Geiz ist hier eine unaussprechlich üble Erzsünde, total ungeil.

Die Runden wecheln zwar im Lauf des Abends ab, aber keinesfalls wird penibel mitgezählt, ob man auch auf seine Kosten gekommen ist, wenn man aufbricht. Der Abgrund an Peinlichkeit ist erreicht, wenn ein deutscher Besucher dem Rundenholer verschämt eine Fünfpfundnote hinstreckt, um das eigene Bier auszulösen. Oh no! Wobei hinter dieser Großzügigkeit ein subtiles Wertesystem am Wirken ist, das das Verhalten unmerklich reglementiert. Wer sich notorisch vor seinen Runden drückt, wird irgendwann dann doch auffallen und geächtet werden. Geben und Nehmen als elegante Dialektik.

Mit diesem Widerspruch ist der Bereich der britischen Höflichkeit berührt. Selbstzurücknahme ist zentral, etwa beim zivilisisierten Schlangestehen, einer hohen Errungenschaft, über die zu spotten den notorisch rückichtslosen Deutschen nicht gut ansteht. Auch Lügen ist etwa moralisch strengstens verpönt – man erinnere sich an den allgemeinen Aufschrei hierzulande vor ein paar Jahren über den Spesenskandal im Unterhaus.

Andererseits ist im Bereich der Höflichkeit das Lügen geradezu vorgeschrieben. „How are you?“ Wehe dem, der darauf zur ehrlichen Antwort ansetzt. Er merkt nach langen Monolog-Minuten, daß das Interesse an der eigenen Gesundheit eher Konvention geschuldet war als Anteilnahme. Und dennoch ölt dieses rituelle Ballett der Unehrlichkeit das soziale Miteinander auf eine bewundernswerte Weise. Böse Zungen behaupten, es führe auch zu einer gewissen Verklemmtheit.

Einen weiteren Unschärfebereich im häuslichen Leben will ich noch anfügen: die Abrechnung mit Versorgern. Was in Deutschland allenfalls in vernachlässigten Altbauten anzutreffen ist, stellt in Großbritannien den Regelfall dar: Wohnungen ohne Wasserzähler. Berechnet wird nach „Haushaltsgröße“ - ein Schätzwert also, wobei die Fläche hier aus erwähnten Gründen eher eine Nebenrolle spielt. Über 40% der Haushalte hätten heute einen Wasserzähler, verkündet stolz der Industrieverband -> Water UK<-. Das heißt, 60% haben keinen. Shocking.

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Aktien sind unsicher und die Welt ist eine Scheibe

Ja ich weiss liebe Leser, die Überschrift ist so provokant, dass sie schon wieder platt ist. Und eigentlich bin ich hier ja nicht für kurze Plattheiten bekannt, sonderen für eher zu lange, differenzierte Texte zum Markt.

Aber heute hole ich mal testweise den Holzhammer heraus. Mir ist bewusst, dass die, die ich damit eigentlich aus ihrem gedankenlosen Phlegma aufrütten will, hier potentiell gar nicht mitlesen. Weil Aktien sind doch "Teufelszeug" und Charts sind "Hokuspokus". Und sicher ist nur Festgeld - schon klar, die Welt ist eben doch eine Scheibe. 😉

Sie werden als treue Leser nun also vielleicht grinsen, aber dieser Holzhammer muss einfach mal sein. Und damit er überhaupt bei den Jüngern des Festgeldes wahrgenommen wird, muss der Schlag kurz, hart aber eindrucksvoll sein. Zu viele Worte schaden nur.

Also liebe Jünger des Festgeldes, für Sie, die Sie Aktien "Teufelszeug" und "zu unsicher" finden, zeige ich Ihnen nun mal eine tolle Anlage, die Sie bestimmt mögen werden:

Seit 1984 (schon viel länger davor, nur dafür habe ich keine Charts mehr) geht es immer nur hoch. Manchmal seitwärts, aber im Kern immer nur hoch. Schwere Krisen wie 2000 oder 2008 fallen im grossen Bild bestenfalls als "Schlagloch" auf, ändern aber nichts am grossen Trend.

Ist so eine Geldanlage "sicher"? Wenn ich ihnen nun sage, dass man damit im Mittel zwischen 5 und 10% Rendite pro Jahr machen konnte und das in dieser Ruhe und Stabilität, dann wollen Sie doch vielleicht Ihr Festgeld mit Nullzinsen, das unter der Inflation nun fällt, doch vielleicht mal in Frage stellen?

Aber halt, das geht ja nicht. Denn das ist natürlich eine Aktie und Aktien sind ja "unsicher". Und es nicht "irgendeine" Aktie. Es ist das Chart eines der grössten Konzerne der Welt, eines der bekanntesten Dividenden-Aristokraten der Welt und eines der stabilsten Unternehmen der Welt. Es ist der Gesundheitskonzern -> Johnson & Johnson <- mit unzähligen bekannten Marken und einer Marktkapitalisierung von 336 Milliarden US Dollar.

Und wissen Sie was, ich habe noch ein Zückerchen für Sie. Dividenden sind hier gar nicht im Chart. Die kommen "oben darauf", so ca. 2-3% pro Jahr bei Johnson&Johnson. 😀

Und noch etwas muss ich nachlegen, das ist eine bewusst logarithmische Darstellung des Kursverlaufes, die damit die Dynamik des Anstiegs im Depot kaschiert. Objektiv ist Johnson&Johnson von 1,75USD in 1984 auf 124,46USD in 2017 gestiegen. Den Faktor dürfen Sie mit dem Taschenrechner selber ausrechnen, als Chart wäre er nicht mehr darstellbar. Autsch. 😉

Das ist also so ein "Teufelswerk", so eine "böse" Aktie, die so furchtbar riskant ist. 😉

Und wissen Sie noch etwas? Stellen wir uns mal vor, Ihre schlimmsten Albträume würden tatsächlich wahr und wir bekämen bald den Zusammenbruch des Euros, eine schwere Wirtschaftskrise, Bankenkrise, politische Unruhen, temporärer Zusammenbruch der staatlichen Ordnung. Was immer Ihnen an maximalen Horrorszenarien einfällt.

Was glauben Sie, was es 10 Jahre später noch geben wird, wenn sich der Nebel über dem traurigen Schlachtfeld verzogen hat? Hmmm?

Ihre Immobilie? Ja vielleicht, aber vielleicht auch schon mit einer Zwangshypothek belastet. Trotzdem im Kern Ja.
Ihr Gold? Ja vielleicht, aber nur wenn Sie es vergraben haben, denn es ist vielleicht verboten. Trotzdem im Kern Ja.
Ihr landwirtschaftlicher Grund oder Wald? Ja bestimmt.

Ihr Festgeld in Euro als Schuldverschreibung in Form einer elektronischen Zahl gegenüber einer Bank? Hahaha!
Ihre Lebensversicherung in Euro als Schuldverschreibung einer Versicherung gegenüber? Hahaha!
Ihre Rentenzusage des Staates? Muss ich nun noch einmal lachen? Aber gut kein Problem, die Riester-Rente wird Sie retten und ich sagte ja schon, die Welt ist eine Scheibe. 😉

Ich sage Ihnen, was dann in meinen Augen auch noch da ist, weil international aufgestellt und weltweit agierend und nicht von einem Land und einer Währung abhängig:

Johnson & Johnson. Die verkaufen dann immer noch Babypflege, Sonnenmilch und Tampons. In welcher Währung auch immer und immer noch weltweit.

Zwischenzeitlich in der Krise, wird auch der Kurs von Johnson & Johnson um 70% gefallen sein, sie sind aber danach noch da und erholen sich wieder, in welcher Währung auch immer. Und dass Johnson & Johnson nur ein Beispiel ist, dürfte hoffentlich klar sein, es gibt sehr viele solche Aktien!

Da haben Sie also Ihre "unsicheren" Aktien. War das nun genug Holzhammer? Wollen Sie in Zeiten der Inflation vielleicht nicht doch mal die Kraft aufbringen, sich aus der gedanklichen Sicherheitsfalle zu lösen und ihr Bargeld auf Konten in Frage stellen? Sind Sie in der Lage sich mal offen mit der Frage zu befassen, was genau "sicher" denn nun bedeutet?

Wenn ja, wissen Sie, wohin Sie sich wenden können. Wenn nein, winke ich Ihnen nach und wünsche ich Ihnen hiermit alles Gute. 😀

Und klar, der Markt ist aktuell überdehnt und kurzfristig korrekturreif. Mit dem prinzipiellen Bild oben hat das aber gar nichts zu tun, schauen Sie einfach, was solche Korrekturen im grossen Bild über Jahrzehnte sind: ein Fliegenschiss. 😉

Ihr Hari

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Korporatismus – ein zunehmendes Übel

Die wirklich wichtigen Dinge müssen immer wieder gesagt und wiederholt werden. Und dazu gehört auch immer wieder klar zu machen, dass wir in Deutschland keinen reinen Kapitalismus und in bestimmten Teilen nicht mal mehr eine soziale Marktwirtschaft haben, sondern dass das Land immer mehr von korporatistischen Strukturen geprägt und dominiert wird, in denen geschlossene Runden und Kommissionen von Besitzstandswahrern, sich zum eigenen Vorteil organisieren und Veränderung blockieren. Das zu unser aller Nachteil, aber durchaus mit wohlgefälligem Nicken großer Teile der Bevölkerung, die in Mehrheit die wichtigen Unterschiede und Folgen der unterschiedlichen Ansätze, Wirtschaft zu organisieren, gar nicht überreißt.

Was Korporatismus ist und was er bedeutet, habe ich schon vor einem Jahr in -> Korporatismus, Volkswagen und die Subventionen für die Autoindustrie <- zu thematisieren versucht. Darüber hinaus kann ich nur erneut nachdrücklich empfehlen, diese -> ausgezeichnete und abwägende Darstellung des Korporatismus <- der Konrad-Adenauer-Stiftung zu lesen, der ich inhaltlich nichts hinzuzufügen habe. Aber ich will auch der Bundeszentrale für politische Bildung in einem -> älteren Artikel zum Korporatismus <- Raum geben, auch wenn mir der Artikel den Korporatismus zu einseitig positiv betrachtet.

Besonders schön ist aber abseits aller Theorie immer, wenn die Konsequenzen korporatistischer Interessenvermischung so wunderbar erlebbar zu Tage treten wie zuletzt. Die kapitalistischer Aufwallungen unverdächtige, gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, hat 2016 in einer Studie aufgearbeitet, -> wie viel deutsche Vorstände im Vergleich zu durchschnittlichen Mitarbeitern verdienen <-. Der absolute Spitzenreiter mit dem Faktor 141 ist dabei - Sie ahnen es - der nach bösen Zungen sozusagen "volkseigene Betrieb" Volkswagen, der maßgeblich von Politik und Gewerkschaften beeinflusst wird wie kaum ein anderer Konzern Deutschlands. Vergleichbare, privatwirtschaftlich freiere Mitbewerber wie Daimler und BMW, haben deutlich geringere Werte. Gefolgt wird Volkswagen übrigens vom ehemaligen Staatskonzern Deutsche Post, was für eine Überraschung.

So viel zu den "segensreichen" Wirkungen korporatistischer Strukturen, der Korporatismus der real existierenden bundesdeutschen Ausprägung, ist eben etwas harsch und überspitzt gesagt für mich persönlich die Organisation derer an den Fleischtöpfen, gegen die Interessen derer, die zu diesen Kungel-Runden keinen Zugang haben. Nun ist das ohne Frage übertrieben, der Korporatismus hat abstrakt seine sinnvollen Seiten und auch sinnvolle Beiträge zur Entwicklung des Landes geleistet, aber er beginnt zu sehr zu dominieren und da liegt das Problem.

Das Tragische dabei ist, dass die große Mehrheit der Bürger ja Korporatismus gar nicht definieren kann, weil ja immer nur platt das Etikett "Kapitalismus" auf alle Fälle geklebt wird, in denen sich Individuen einen "goldenen Hintern" verdienen können, der objektiv nicht zu rechtfertigen zu sein scheint. Auch das Gehalt des Ex-VW-Chefs Winterkorn wird so gerne als "Exzess des Kapitalismus" verunglimpft, dabei fußt es nach meiner bescheidenen Meinung ja gerade nicht auf Wettbewerb, sondern auf korporatistischen Strukturen.

Alles was mit "runden Tischen" zu tun hat, ist für Otto Normalbürger halt irgendwie immer gut, weil damit das warme Gefühl von Konsens und "Händchenhalten" verbreitet wird. Dass diese "runden Tische" aber sehr oft zu unwirtschaftlichen Kompromissen zu Lasten nicht am Tisch sitzender Dritter neigen, wird nicht begriffen. Denn die Organisation in Koordinationsrunden, ist per Definitionem eine elitäre und exklusive, die andere Marktkräfte und Teilnehmer auszuschließen versucht und daher strukturell besitzstandswahrend und konservierend wirkt. Runde Tische sind selten gute Ordnungspolitik, und mit sozialer Marktwirtschaft haben sie bestenfalls am Rande zu tun. Die Durchlässigkeit für Aufsteiger und Paradigmenbrecher wird so auch nicht gefördert, sondern die korporatistische Tradition deckelt solche systemändernden Bestrebungen. In meinen Augen ist das einer der großen Webfehler der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte in Deutschland und bestimmt auch ein Grund, warum Firmen wie Tesla mit ihrer disruptiven Kraft bei uns gar nicht entstehen können.

Nun kenne ich an dieser Stelle natürlich sofort die Widerspruchs-Reflexe, die bei solchen Aussagen aufkommen. Gerne wird dann darauf verwiesen, dass die Sozialpartnerschaft doch ein Erfolgsmodell Deutschlands sei, soziale Marktwirtschaft eben, statt ungezügeltem Kapitalismus und dem reinen Recht des (wirtschaftlich) Stärkeren. Stimmt, das IST definitiv ein Erfolgsmodell. Der Widerspruch der keiner ist zeigt aber, dass von dem Argument gar nicht die Essenz des Korporatismus verstanden wird, weil die permanente, platte Demagogie, die jede Fehlentwicklung reflexartig und pauschal einem finsteren Bösewicht namens "Kapitalismus" zuordnet, differenziertes Denken stark erschwert.

Die soziale Marktwirtschaft definiert ja gerade den Ausgleich unterschiedlicher Interessen, dafür müssen diese sich aber offen und klar gegenüberstehen, damit zwischen denen dann ebenso offen ein Kompromiss gefunden werden kann. Auf gut Deutsch, die Interessen von Unternehmens-Eignern und Gewerkschaften sind erst einmal klar getrennt und aus diesen klaren und definierbaren Gegensätzen heraus, erzeugt die soziale Marktwirtschaft dann einen Ausgleich. DAS war tatsächlich ein Erfolgsmodell.

Dieses Modell wurde aber zunehmend verbogen, was man an der ->paritätischen Mitbestimmung <- der Gewerkschaften in den Aufsichtsräten großer Konzerne wunderbar beobachten kann. Statt diesen natürlichen Gegensatz zwischen den Unternehmenseignern und den Beschäftigten herauszuarbeiten und dann offen miteinander zu versöhnen, wurden Gewerkschaften einfach 50% der Sitze in den Aufsichtsräten zugeordnet. Der natürliche Gegensatz wurde damit in die Unternehmensspitze verlagert und wird dort nun in kleinen Runden im Aufsichtsrat aussortiert. Wie zu erwarten war, hat das aber eher nicht zu besseren Aufsichtsratsentscheidungen geführt, sondern nur dazu, dass Entscheidungen im kleinen Kreis von Untergruppen wie dem "Präsidium" ausgehandelt werden und dabei ganz natürlich auch das Konsens-Prinzip des "eine Hand wäscht die andere" zum Tragen kommt, welches kleinen sozialen Gruppen eben nun einmal zu eigen ist. Im durchschnittlichen Gemeinderat eines Dorfes ist es auch nicht anders.

Anders als so, kann man die inhärente Blockierung einer 50% zu 50% Gegenüberstellung im Aufsichtsrat ja auch gar nicht systematisch auflösen, man könnte böse sagen, die Kungelei ist politisch gewollt. Alles was in Hinterzimmern und kleinen Ausschüssen und Kreisen weniger Mächtiger aussortiert wird, ist eben per Definitionem nicht transparent und auch nicht marktwirtschaftlich, sondern eher die Herrschaft weniger Privilegierter über die Mehrheit. Ein Umstand, den mittlerweile selbst gemeine Aufsichtsräte hinter der Hand als unerfreulich empfinden, wenn die wesentlichen Entscheidungen im „Präsidium“ vorbereitet werden und sie nur noch als Abstimm-Staffage dienen.

Die Wirtschaft hat gelernt, sich mit der paritätischen Mitbestimmung zu arrangieren, weil die Macht der Gewerkschaften in Deutschland zu groß ist, und sie werden keinen Vorstand mehr finden, der offen dagegen auftritt, weil es sinnlos ist und nur Ärger macht. Sie werden aber auch kaum einen Unternehmer finden, der daran Gutes findet, wenn hinter vorgehaltener Hand offen gesprochen wird. Dabei sollte übrigens die Besetzung von 50% der Sitze im Aufsichtsrat durch Gewerkschaften nicht mit dem Betriebsrat in einen Topf geworfen werfen. Letzterer macht Sinn und wirkt in der Regel positiv auf den Betriebsfrieden; in Aufsichtsräten haben Gewerkschaften dagegen nichts verloren, davon bin ich persönlich weiter fest überzeugt. Und wenn man dieses deutsche, korporatistische Sondermodell anderen Unternehmern aus fast jedem Land der Welt erklärt, schauen sie einen oft fassungslos und ungläubig an, als ob man von einem anderen Planeten kommt. Auch wenn große Unternehmen von einer deutschen AG in eine europäische SE umfirmieren, spielt diese Thematik oft eine Rolle, auch wenn es aus politischer Korrektheit selten offen gesagt werden wird. So können Unternehmen knapp unterhalb der Grenze von 2.000 Beschäftigten in Deutschland nämlich durch SE-Umwandlung das Hineinwachsen in die paritätische Mitbestimmung vermeiden.

Erneut, damit das klar ist: es geht bei meiner Argumentation nicht darum, einen Ausgleich zwischen den Interessen des Kapitals und der Arbeitnehmer zu verhindern, im Gegenteil. Diesen zu orchestrieren ist ungemein wichtig und der große Standortvorteil einer wahrlich sozialen Marktwirtschaft. Die Kernfrage ist aber, ob dieser Gegensatz im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft offen und transparent durch die Politik aufgelöst und ausgeglichen, oder im Sinne des Korporatismus in geschlossenen Runden mit gegenseitiger „Handwaschung“ gleich ausgetreten wird, ohne diesen Gegensatz je offen zu Tage treten zu lassen - außer eben "rituell" kurz vor Wahlen. Genau diese "Handwaschung", diese stillen Kompromisse, sind eine Kernfolge des Korporatismus, dieser Tendenz, alles in Kommissionen und halbstaatlichen Organisation aushandeln zu lassen, die strukturell besitzstandswahrend wirken. Die SPD liebt diese Kommissionen mit ihrem Habitus des Gemeinschaftlichen, die real existierende CDU ist aber auch nicht mehr viel besser.

Echte soziale Marktwirtschaft hat es zunehmend schwer, auch weil es schlicht an Bildung und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und damit die gesellschaftliche Unterstützung fehlt. Und der Vater dieser sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard, würde mit seinen Ansichten heute wohl als "Marktradikaler" verunglimpft und an den medialen Pranger gestellt - auch das sagt viel über die Entwicklung, die wir genommen haben. Eine Wirtschaft aber, in der Vitamin B, das Parteibuch, der Zugang zur Politik und die Zugehörigkeit zur richtigen Kommission zum entscheidenden Faktor wird, ist eine Wirtschaft die erstarrt und ihre Wettbewerbskraft verliert.

Dass das in Deutschland derzeit noch nicht der Fall ist, liegt nicht an der real existierenden Politik, sondern primär an einer noch existierenden positiven Parallelwelt eines gesunden Mittelstands, der sich von diesem politisch-korporatistischen Zerrbild von Wirtschaft soweit fernhält, wie es nur irgendwie möglich ist. Wenn man so will, haben wir in Deutschland also zwei Arten von Wirtschaft. Eine reale, gelebt und geprägt von echten Unternehmertypen, die ganz wesentlich für unseren Wohlstand und die Steuereinnahmen verantwortlich ist. Und ein bei der Politik und großen Teilen der Bürger beliebtes Zerrbild von Wirtschaft, das aus Kommissionen, Räten, halbstaatlichen Organisationen und Verbänden beruht. Ein Zerrbild, das aber nicht begreifen kann, dass die eigenen Fleischtöpfe nur so lange gefüllt und warm bleiben, wie man denen, die die Fleischtöpfe füllen - den wahren Trägern des Wohlstands - nicht zu stark das Wasser abgräbt.

Nehmen Sie also das Wort "Korporatismus" bitte in Ihren Wortschatz auf. Wir haben davon schon viel zu viel im Land, auch wenn er in der richtigen Dosis hier und da ohne jede Frage mal sinnvoll sein kann. Nicht jede Kommission ist schlecht und auch ein runder Tisch kann in einzelnen (Konflikt-) Situationen durchaus wertvoll sein. Aber der institutionalisierte Hinterzimmer-Kompromiss ist schädlich - wie alles, was zu viel genossen wird, am Ende giftig wird. Und denken Sie jedes Mal an das Wort und seine Konsequenzen, wenn irgendwo wieder eine "Kommission" initiiert wird, in die Politik den ureigenen Job verlagert. Das Motto der Zukunft müsste eben "mehr soziale Marktwirtschaft wagen" lauten und nicht "mehr Kommissionen wagen".

Und es sollte auch "mehr Politik wagen" lauten, denn eine Politik, die Entscheidungen für die sie selber gewählt wurde in Kommissionen verlagert, um ihnen den Anstrich der Objektivität zu geben, statt sich selber dafür zu exponieren, zeigt nur ihre eigene Entbehrlichkeit. Im Übrigen wird die politische Tendenz dann über die Auswahl der Kommissionsmitglieder sichergestellt, das Ergebnis ist absehbar, jeder glaube sozusagen nur dem „Gutachten“, das er selber bestellt hat. Dem Bürger wurde aber Sand der „Objektivität“ in die Augen gestreut, wo stattdessen Besitzstände gewahrt und politische Interessen gesichert werden.

Ich habe leider wenig Hoffnung, dass sich das ändert, ohne dass wir einen „Reset“ auf sozusagen „Demokratie 2.0“ bekommen, der näher am partizipativen Modell der Schweiz ist. Die aus Steuergeldern finanzierten Frösche ohne gesellschaftliche Wertschöpfung werden ihren warmen Teich hart verteidigen. Womit wir auch bei dem strukturellen Problem dahinter sind, das der renommierte Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim in seinem lesenswerten Werk -> Die Hebel der Macht <- hervorragend herausgearbeitet hat.

Ihr Hari

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Der DOW und der DAX – zwei Indizes mit Problemen

Wissen Sie hier im freien Bereich eigentlich, warum ich immer über den S&P500 rede und nicht über den bei Laien bekannteren Dow Jones Industrial Average (DJIA), kurz auch DOW genannt?

Wissen Sie, dass der DOW ein Anachronismus ist, ein obskurer Index ohne eigene Aussagekraft?

Und wissen Sie auch, dass der bekannte DAX ein "Performance-Index" ist und fast alle anderen Indizes nicht und der DAX deswegen im Vergleich eine Stärke vorgaukelt, die in der Realität gar nicht gegeben ist?

Und wissen Sie auch, dass es den DAX auch als "Kursindex" gibt, der vergleichbar zu fast allen anderen Indizes wäre, den aber kaum jemand kennt und benutzt?

Wenn ja, werden Sie nun nichts Neues erfahren. Wenn nein, sollten Sie das wissen.

Das Problem, das beide teilen:

Der DOW - wie der DAX - besteht nur aus 30 Aktien. Das ist gerade für den riesigen US Markt nicht breit genug, um ernsthaft den Markt zu repräsentieren. Der S&P500 mit seinen 500 grössten US Aktien, ist dagegen eine sinnvolle Repräsentierung des US Aktienmarktes und damit der wichtigste Index weltweit.

Dieses Problem hat der DAX aber auch und wenn wir seinen Verlauf mit dem des MDAX vergleichen, der viel mehr "typisch deutsche" Mittelstandsaktien beinhaltet, sehen wir auch schnell, dass der DAX keine perfekte Repräsentierung des deutschen Aktienmarktes ist. So ist der MDAX in den letzten Jahren deutlich besser gelaufen, weil im DAX eben mit den Autobauern oder Banken Werte versammelt waren, die durch eine tiefe Baisse gegangen sind.

Dieses Problem ist ja aber noch erträglich, denn es gibt viele Indizes mit wenigen Werten, der spanische IBEX hat 35, der italienische MIB 40 und der französische CAC auch 40. Das macht die Aussagekraft dieser Indizes nicht besser und mit einem S&P500, Nasdaq100 oder Russel2000 (dem US Nebenwerte-Index) können die in ihrer Aussagekraft alle nicht ansatzweise mithalten. Aber immerhin ist der DAX keine Unikum in seiner Bandbreite, der DOW ist eben nicht besser.

Das Problem des DAX

Dieses Problem ist grösser, der DAX ist sozusagen ein "Scheinriese". Denn in der uns allen bekannten Form, ist der DAX als "Performance Index" konstruiert, der Dividenden inkludiert. Der DAX bildet also nicht die Summe der aktuellen Kurse bzw die Summe der aktuellen Marktkapitalisierung ab, sondern er führt auch aus der Vergangenheit alle ausgeschütteten Dividenden mit, so als ob man von Anfang an ohne Unterbrechung im DAX investiert gewesen wäre.

Nun kann man eine längliche Diskussionen darüber führen, ob Kurs- oder Performance-Index die bessere Variante wäre, die ein getreueres Abbild der echten beim Anleger ankommenden Performance liefert. Diese Diskussion ist aber akademisch, denn man kann ganz legitim beides machen und beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Dass die Darstellung des DAX als Performance-Index ein Problem ist liegt also nicht daran, dass die Darstellung perse "falsch" wäre, sondern an der mangelnden Vergleichbarkeit. Fast alle Indizes der Welt sind Kursindizes, die also mit verschiedenen Methoden die aktuellen Kurse summarisch abbilden, keine alten Dividenden inkludieren und damit auch keine Vergangenheitsdaten mitschleppen, um eine langjährige Pseudo-Performance zu errechnen. Eine Pseudo-Performance deshalb, weil diese wegen Steuereffekten bei den Dividenen-Zahlungen gar nicht zu erreichen ist, in dem man alle Aktien des DAX ins Depot legt.

Beim DAX ist es aber noch schlimmer, der schleppt durch seine Berechnungsmethode indirekt sogar noch die alten 1000er Kurse der Volkswagenstämme mit, weil durch die Umstellung auf die Vorzüge im Winter 2009, der alte Zustand sozusagen "eingefroren" wurde und von dort aus weitergerechnet wurde.

Aber wie auch immer, der Punkt ist, ein fairer Vergleich des DAX mit den meisten anderen Indizes müsste mit dem Kursindex erfolgen, denn auch S&P500 und Co. schütten ja Dividenden aus und das kräftig. Ein paar grobe Vergleiche können Sie sich -> hier < - anschauen, wenn es Sie interessiert. Dann wird klar, wie viel schwächer der DAX in Realität als die US Indizes ist, kein Wunder bei dieser nicht vorhandenen, inländischen Aktienkultur. 😉 Nur gegenüber dem Eurostoxx liegt der DAX richtig vorne, wer das "warum" verstehen will, muss nur auf die Eurokrise schauen.

Der DAX, so wie er uns immer als Perfomance-Index verkauft wird und am Jahresende mit seiner Performance dem S&P500 gegenüber gestellt wird, ist also ein "Scheinriese", der Vergleich ist so eigentlich unzulässig.

Wir haben aber in Deutschland keine Alternative wie den S&P500. Sicher gibt es breitere Indizes, wie zum Beispiel den CDAX, der das ganze deutsche Aktienuniversum abdeckt. Bei Indizes gilt aber die Regel, dass nur relevant ist, was auch beobachtet wird. Denn nur Indizes, die die Anleger vor Augen haben und auf die es viele Derivate und ETFs gibt, haben auch Aussagekraft im Sinne der Marktmuster. Insofern müssen wir hier weiter mit dem DAX leben, auch wenn er eher aus der Reihe fällt und die deutschen Akienmärkte nur höchst unzureichend abbildet.

Dieses markante Problem des DAX, das diesen im internationalen Vergleich als Scheinriesen aufpumpt, ist aber noch beherrschbar und nichts gegen das zweite grosse Problem des DOW.

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Hokuspokus und die technische Analyse

Nicht immer ist das neu Geschriebene das Beste, sondern manchmal lohnt sich auch zu wiederholen, was schon gesagt wurde. Besonders interessant ist das, wenn man nach Ablauf von vielen Monaten schauen kann, was denn damals aus den Worten in der Realität geworden ist.

Heute will ich daher an einen Artikel vom 09.06.2016, also von vor dem Brexit erinnern, mit dem Titel
-> Die Märkte auf dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-.

Und genau das ist mein Thema heute, denn hier im freien Bereich schlägt auch immer wieder "Otto Normalanleger" auf, der technische Analyse typischerweise für Hokuspokus hält. Böse Zungen könnten sagen: "wat de bur net kennt frett he net". 😉

Fairerweise muss man sagen, dass die Vertreter der technischen Analyse auch teilweise selber daran Schuld tragen, denn da es so einfach ist, ein paar bunte Linien zu malen, wird damit auch viel Schindluder getrieben. Vor allem fehlt es oft an dem Verständnis, wo die Grenzen der technischen Analyse sind und aufgrund welcher Mechanismen, sie überhaupt Deutungskraft hat.

Denn die technische Analyse sagt die Zukunft nicht voraus, nichts und niemand kann die Zukunft vorher sagen, auch nicht der der "Prognosiritis" anheim gefallende Glaskugeldeuter. Die technische Analyse gibt aber ein zutreffendes Bild des Marktzustandes der Gegenwart und ein derartiger objektiver Blick auf die Gegenwart ohne Bias, ist eine Menge wert, denn die Zukunft muss sich ja erst aus der Gegenwart entwickeln.

In obigem Artikel, wird das Prinzip besonders deutlich. Vor allem auch, weil wir nun 8 Monate weiter sind und uns im S&P500 anschauen können, wie sich die Märkte entwickelt haben. Nämlich so:

So und nun lesen Sie bitte diesen Artikel noch einmal. Bitte tun Sie sich den Gefallen!
-> Die Märkte auf dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-.

Danach wird klarer sein, was technische Analyse leisten kann und was nicht und warum sie so wertvoll für uns ist. Denken Sie an den Tiger. 😉

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die begrenzte Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren



Eine der Besonderheiten dieser Plattform ist der Ansatz, den Mitgliedern grundlegende Zusammenhänge zu erklären. Und das nicht nur theoretisch, sondern immer wieder praktisch - eingeflochten in die Realität, die uns jeden Tag über die Märkte erreicht.

Dazu gibt es immer wieder Grundlagen-Artikel im Premium-Bereich, von denen ich heute mal wieder einen heraus greifen will um Ihnen zu zeigen, welche Inhalte Sie hier auch erwarten können.

Gerade im Bereich der Charttechnik gibt es leider auch medial zu viele, die einfach "bunte Linien" nachzeichnen, ohne den Kontext dessen was sie tun, verstanden zu haben. Zum teilweise schlechten Ruf der Charttechnik bzw der allgemeinen Markttechnik, hat das sicher beigetragen. Dabei ist die Markttechnik - richtig genutzt - das mächtigste und zuverlässigste Instrument das wir haben, wenn wir mit Mr. Market erfolgreich ringen wollen.

Der folgende Artikel stammt aus dem November letzten Jahres, ist aber wegen seiner grundsätzlichen Aussagen zeitlos gültig. Er wurde für den freien Bereich leicht angepasst um Referenzen zu glätten, die nur im Premium-Bereich aufzurufen sind.

Übrigens, falls Sie es noch nicht bemerkt haben, Mr-Market ist nun auch bei Twitter. Schauen Sie doch mal unter @HariMrMarket vorbei!

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Eine konkrete Frage stand vor Kurzem im Forum im Raum, nämlich in wie weit eine positive Divergenz des RSIs im Wochenchart, einen Edge in Richtung der Divergenz generiert. Sprich lohnt es sich zu kaufen, wenn der RSI eine positive Divergenz zeigt?

Ich will das als Anlass dazu nutzen, ein paar grundsätzliche Worte zu preisbasierten Oszillatoren wie dem RSI zu verlieren und auch zu thematisieren, welchen Wert Aussagen dieser Indikatoren, denn überhaupt für uns haben.

Zunächst einmal will ich das Wort "preisbasierter Oszillator" definieren, damit klar ist, was ich damit meine. Ich meine damit alle Oszillatoren (also Indikatoren, die die Bewegungen als Schwankungen zwischen zwei Extremen abbilden), die direkt auf den Preis, also die Kurse gehen.

Der RSI ist so ein Fall, ein preisbasierter Oszillator.

Die 200-Tage-Linie ist kein Oszillator, sondern eine Trendglättung.

Und das OBV ist nicht preisbasiert, da es auf das Volumen geht und auch kein Oszillator ist.

Hier geht es nun also um preisbasierte Oszillatoren, für die der RSI das bekannteste Beispiel ist.

Die erste klare und wichtige Aussagen, erscheint eine Binsenweisheit, wenn man das oben verstanden hat. Ich bezweifele aber, dass die Konsequenzen dieser Binsenweisheit allen wirklich klar sind und genau deswegen schreibe ich diesen Artikel:

Preisbasierte Oszillatoren beinhalten keinerlei neue Informationen, die nicht schon Teil des Charts selber sind.

Wie gesagt, das ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber sie ist sehr wichtig für die Schlussfolgerungen, die ich gleich ziehe. Wenn wir zum Beispiel auf den RSI schauen, ist der nichts weiter als ein abstrakte Darstellung wesentlicher Elemente des Charts selber.

Oder in anderen Worten, wenn man auf das Chart einen geübten Blick hat, beinhaltet der RSI keine Überraschungen, denn man sieht das, was der RSI indiziert, auch im Chart.

Der RSI vergleicht ja genau genommen nur im definierten Zeitraum (oft 14 Kerzen) die Stärke der Kursbewegungen. Das Überwiegen stark fallender Kerzen, sorgt dann für einen schwachen RSI, das Überwiegen stark steigender Kerzen, sorgt für einen starken RSI.

Eigentlich also eine triviale Aussage, die der RSI macht, die aber zu Fehlinterpretationen führt, wenn man dem Indikator eine übertriebene Aussagekraft zubilligt, die er nicht hat. Denn der RSI ist eben nur die abstrakte - in einen Oszillator gepresste - Darstellung des Charts selber, ohne auch nur einen einzigen Krümel neuer Information.

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Hari-Notizen (Archiv)

Dienstag 17.01.17 16:45

Kaum ist die Wallstreet wieder da, geht es richtig los mit Bewegung im Markt.

Im britischen Pfund sehen wir einen brutalen Short-Squeeze nach Mays Rede zum Brexit. Wie immer wird nach "Gründen" gesucht, der naheliegendste ist aber, dass einfach zu viele auf einer Seite des Bootes waren.

Die Volatilität wird zur Amtseinführung Trumps hin wohl weiter steigen, zumal er eine ausführliche Antrittsrede vorbereitet.

Um uns herum wird dieser Tage Geschichte geschrieben und wir sind mitten drin. Aber uns kann ja nichts passieren, bei uns regelt Mutti ja alles. 😉

Freitag 13.01.17 09:25

Heute am Freitag den 13., beginnt mit den Zahlen von Bank of America (BAC), Blackrock (BLK), JP Morgan (JPM) und Wells Fargo (WFC) der ernsthafte Teil der neuen Berichtssaison.

Diese werden uns ein zuverlässiges Bild vermitteln, ob die hohen Erwartungen an den Finanzsektor berechtigt waren. Enttäuschungspotential ist hier daher vorhanden.

Dienstag 10.01.17 19:40

Wollen wir nicht mal etwas mehr Aufklärung wagen?

Wollen wir nicht mal etwas mehr Optimismus wagen?

Hier ist meine Suada zum Thema auf Tichys Einblick: 😉

-> Hope springs eternal < -

Fortune favors the bold.

Dienstag 10.01.17 08:40

Das haben Sie von mir schon oft - fast gebetsmühlenartig - gehört: -> Demut < -

Man kann es aber gar nicht oft genug sagen, weil die Versuchung des Egos, sich in seiner "Voraussicht" über alle andere zu erheben, einfach zu verlockend ist. Nur zielführend für Erfolg an der Börse ist es eben nicht, ausser man ist zu einem Thema wirklich ein Insider und hat Informationen, die die Anderen nicht haben.

Der Satz "ich weiss, dass ich nichts weiss", ist am Markt das Zeichen hoher Intelligenz und nicht des Gegenteils. Erst vor Kurzem war das hier bei -> DAX 15.000 und andere Verrücktheiten < - Thema.

Montag 02.01.17 11:15

Wir wünschen allen Mr-Market Lesern ein gutes, gesundes und börsentechnisch erfolgreiches Jahr 2017!

Der DAX startet ja, wie zu erwarten war. Von einer Wiederholung des 2016er Einbruchs, sind wir hier nicht ausgegangen, dafür gab es kein markttechnisches Indiz im Vorfeld.

Mit dem Schub über 10.500 im DAX, dürfte das "Covern" diverser Absicherungen beginnen, was die Aufwärtsbewegung darüber hinweg, besonders dynamisch macht.

Wirklich belastbare Einsicht in den Beginn des Börsenjahres, bekommen wir aber erst am morgigen Dienstag. Heute sind noch ganz viele der grossen Börsen geschlossen, inklusive der Wallstreet, aber auch London, Hongkong und Zürich. Insofern hat das Geschehen im DAX noch sehr begrenzte Bedeutung.

Dieser Blog ist diese Woche noch im Ferienmodus. Ab kommende Woche, ab dem 09.01., geht es wieder regulär los.

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