Die Evergrande-Krise 2022



Das "Montags-Video" kommt auch dieses Mal schon am Sonntag, nach 18 Uhr heute werden alle Deutschen sowieso erst einmal nur Anderes diskutieren. 😉

Wenn jetzt Nicht-Mitglieder im freien Bereich diesen Titel sehen, dann werden sie - geprägt von Börsenpornographie - natürlich denken, dass hier jetzt ein "Oberschlauer" eine ganz tolle Prognose zum Geschehen abgibt. Hehe 😀

Schauen sie einfach mal, das Video vermittelt wieder etwas ganz Grundsätzliches und ja, es geht mal wieder um das "Spiel auf dem Platz". Manche Dinge kann man eben nicht oft genug kommunizieren. 😉

Und ja, ich bin in dem Video nun spekulativ davon ausgegangen, dass Evergrande erst im Januar endgültig in den Exitus geht. Vielleicht passiert das auch schon im Oktober oder November oder gar nicht - das ist offen.

Nichts davon ändert aber etwas an den grundsätzlichen Aussagen, nur der Zeitstrahl verschiebt sich, der ist aber sowieso spekulativ um den Punkt deutlich zu machen.

Viel Spaß!

Ihr Hari

Die Wahrheit über 2008


Ein paar haben es im Forum geschrieben, aber ich denke dass im Herbst 2018 doch eine vergleichsweise große Zahl an Mitgliedern mit sich hadert, weil die Korrektur doch tiefer und schmerzhafter war, als man erwartet hat.

Dieses Hadern ist verständlich, gleichzeitig aber sinnlos und vor allem sachlich nicht gerechtfertigt, denn selbst falls wir jetzt weiter durchfallen und uns bald mit 20% Minus wiederfinden, muss man immer noch festhalten, dass niemand einen Fehler gemacht hat, der bis zur KW49, bis zum 04.12.18, von dem Modell einer begrenzten Korrektur mit anschließender Jahresendrally ausgegangen ist.

Und den Anfang der Korrektur im Oktober habe ich ja auf den Punkt erkannt, wenn Sie sich erinnern. Nur wusste man da natürlich nicht, wie tief sie wird, das weiss man aber nie.

Ich habe dieses Chart schon gezeigt, hier sieht man noch einmal, dass bis nach dem G20 Gipfel, vieles im Verlauf nach einem sauberen Doppelboden aussah. Erst dann kam der unerwartete Einbruch, den man so vorher nicht voraussehen konnte und das ist nun gerade mal 2 Wochen her:

"Falsch" hat man also nichts gemacht, nur weil man das vorher nicht erwartet hat, falsch hätte man nur dann etwas gemacht, wenn man auf diese deutliche Verschlechterung der Marktmechanik nicht konsequent reagiert hätte.

Ich habe das und war in -> Lügen treffen auf automatisierte Umschichtungen <- sowie in Folgeartikeln dazu sehr deutlich.

Überrascht hat mich dieser Einbruch am 04.12. aber wie die große Mehrheit der Profis und ein Grund sich zu grämen, ist das nicht, weil Überraschungen gehören dazu. Eigenkritik wäre aber dann berechtigt, wenn ich nicht in der Lage gewesen wäre, darauf schnell und konsequent zu reagieren.

Um das Reagieren geht es also, denn es wird immer wieder so Momente geben, die völlig überraschend sind - damit muss leben, wer im Markt unterwegs ist. Die Kunst ist das konsequente Reagieren und nicht das Raten vorher.

Diese abstrakte Aussage will ich mit einem Rückblick auf 2008 untermauern, im Nachhinein wird nämlich oft so getan, als ob das ein einziger großer Einbruch gewesen wäre, den man vorhersehen und dem man aus dem Weg gehen konnte.

Das ist aber *völliger Quatsch* und wenn ich so etwas lese, frage ich mich immer, ob die Schreiber wirklich dabei gewesen sind oder wie ein Eunuch vom Akt schreiben, ohne ihn je vollzogen zu haben. Denn ich war dabei und das war damals ganz anders.

Denn bis zu Lehman, bis die US Regierung sich im September 2008 entschieden hat Lehman abzuwickeln, sah das alles noch nach einer normalen 20-30% Korrektur aus und das will ich Ihnen nun zeigen. Das Chart ist klickbar:

Ja selbst nach der Insolvenz am 15.09., sah es noch ein paar Tage nach einem geordneten Ablauf aus, am 17.09. gab Barclays bekannt, dass das US Geschäft von Lehman übernommen wird und am 22.09. kaufte Nomura das Asiengeschäft. So schlecht war das doch nicht und ein katastrophaler Zusammenbruch keineswegs sicher.

Sie sehen oben, am 19.09. gab es sogar noch höhere Kurse als bei der Insolvenz und das sogar mit einem schönen Hammer unter Volumen, eine fiese Falle. Und bis zum 26.09. war ein Crash noch nicht sicher, erst am 26.09. geriet alles in Rutschen, was vorher nur "Brösel, Brösel" war.

Im größeren Bild sieht man auch den Verlauf, ein schwaches 2007, dann die Bear Stearns Krise im Frühjahr 2008, die aber scheinbar im Griff behalten wurde.

Im September 2008, war der Markt gegenüber den Hochs von 2007 genau ein Jahr gefallen und hatte dabei 27% abgegeben, was für eine saubere Korrektur absolut ausreichend gewesen wäre.

Und er befand sich einem fallenden Trendkanal, der sehr wohl auch nach oben hätte brechen können, ein Jahr und 27% sind dafür mehr als ausreichend:

Schauen Sie sich das Chart genau an, wer da den grünen Pfad für möglich gehalten hat, hat erst einmal keinen prinzipiellen Fehler gemacht. Das war damals sogar gut möglich und es war nicht zwingend absehbar, dass die US Regierung Lehman fallen lassen würde und schon gar nicht, dass es dann diese brutalen Konsequenzen haben würde.

Sicher, wer damals im Markt war und ein Gespür hatte - und ich hatte das - merkte die ganz miese Marktmechanik und das machte sehr vorsichtig und bärisch, so wie ich auch in der letzten Woche eine sehr miese Marktmechanik wahrgenommen habe. Und ohne dass der Markt wirklich zur Wende antritt, sollte man nicht blind auf die Wende wetten, auch heute übrigens nicht!

Mit wachem Geist war einem aber seit Bear Stearns im Frühjahr 2008 klar gewesen, dass sich da unter der Decke bei den Hauskrediten etwas zusammen braute. Es gab also auch am Tag vor Lehman, am 14.09., gute Gründe sehr vorsichtig zu sein, so wie es heute gute Gründe gibt sehr vorsichtig zu sein. Aber ein Crash war deswegen noch lange nicht zwingend und ich bin auch heute noch überzeugt, dass es ohne die Entscheidung der US Regierung, Lehman fallen zu lassen und ein Exempel zu statuieren, zu diesem Zusammenbruch nicht gekommen wäre und die Korrektur irgendwo bei 30%+ ausgelaufen wäre.

Der entscheidende Punkt ist, bis Lehman und mehr als eine Woche darüber hinaus, war es selbst für jemanden der die Risiken erkannte keineswegs klar, dass ein Crash kommt und daher keinesfalls perse falsch, von einem baldigen Ende einer ausgedehnten 30% Korrektur auszugehen.

Und wen dann der folgende Crash überrascht hat, wie uns diesen Spätherbst der 04.12. überrascht hat, brauchte sich daher auch nicht zu grämen, das ist vielen so gegangen!

Ein Grund mit sich zu schimpfen wäre aber, diesen sich entwickelnden Crash dann damals nicht zu sehen. Wer also ab dem 26.09.08 nicht begriffen hat was los war, wer da nicht in Deckung gegangen ist, der hat einen massiven Fehler gemacht!

Und damit sind wir bei der Analogie zu diesem Herbst. Es gehört einfach dazu, dass der Markt einen überrascht. Und wer 2008 im Nachhinein so darstellt, als wäre das absehbar gewesen und alles nur ein einziger großer Crash, ist ein Scharlatan und damals gar nicht dabei gewesen.

Als Lehman begann, war die Korrektur schon ein Jahr alt und es war bis zuletzt keineswegs absehbar, dass am Ende noch ein Crash kommt. Das ist die schlichte Wahrheit. Und ein Crash muss per Definitionem immer für die Mehrheit überraschend sein, sonst kann es wohl keiner werden.

Und weil das die Wahrheit ist, sollten wir uns auch in 2018 nur über das ärgern, was wir wirklich falsch gemacht haben. Wer nicht reagiert hat, der muss etwas ändern und hat Fehler gemacht. Wer aber vom 04.12. und den letzten 2 Wochen überrascht wurde, gehört zur Herde und sollte sich klarmachen, dass der 04.12. und die folgenden Tage eben *nicht* vorher klar und nicht einmal mit Wahrscheinlichkeit absehbar waren.

Kritisieren wir uns also für das, was wir wirklich falsch gemacht haben und akzeptieren wir, dass Überraschungen zum Markt dazu gehören. Die gibt es übrigens auch nach oben und das sogar öfter als nach unten.

*Konsequent Reagieren* ist das Zauberwort des erfolgreichen Anlegers, nicht das Voraussehen mit Glaskugel.

Übrigens, wer sich fragt, was denn der Unterschied von 2008 zu heute war, der sei daran erinnert, dass die Verwerfungen unter der Decke, damals sehr wohl wahrzunehmen waren. Diverse Parameter an den Kreditmärkten sendeten im Herbst 2008 Warnsignale.

Genau das haben wir heute nicht, die Wirtschaftsdaten erscheinen besser als die Stimmung. Nun kann sich das bis Herbst 2019 problemlos alles noch entwickeln, um hier die 2007/2008er Analogie zu benutzen, das gilt aber für jeden Moment der Geschichte, es kann sich immer etwas entwickeln.

Heute sind solche sichtbaren Verwerfungen aber (bis jetzt) nicht da und das ist ein markanter Unterschied, den man ernst nehmen sollte.

Ich gehe also weiter davon aus, dass wir hier eine normale 10-20% Korrektur vor uns haben, bis mich der Markt eines Besseren belehrt. Und dann heisst es konsequent zu *reagieren*, das ist die Kunst!

Ihr Hari

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Düstere Parallelen



Hallo liebe Mitglieder,

ein Lebenszeichen aus dem Ferienmodus am Dienstag Mittag. Sie merken ja, ich verfolge das Geschehen mit einem Auge und das ist ja auch nötig, leider gewährt mir der Markt diese Woche keine Zeit der Ruhe und des völligen Abschaltens.

Was das Geschehen von gestern und bisher heute angeht, entspricht das ja weitgehend dem, was ich im -> Wochenausblick KW44 <- antizipiert habe.

Der gestrige Pop in Europa hatte mit Merkel zu tun und wurde in den US wieder abverkauft. Der massive Abverkauf ging dann aber primär von den FAANG-Werten und dabei besonders von Amazon (AMZN) aus. Das ist auch kein Wunder, denn die Handelsriesen wie Amazon und Alibaba haben gestern zwei massive Nackenschläge bekommen. Zunächst das erste Mal echte Besteuerung aus den UK - zumindest als Absicht - und dann Trump mit seiner Drohung den gesamten Handel mit China unter neue Zölle zu nehmen.

Trotzdem war der gestrige Tag wie ein Tag im Frühmärz, in dem noch Schnee liegt und trotzdem die ersten Krokusse durch die Schneedecke schauen, denn die Marktbreite war viel besser als es die Indizes zeigten und viele kleine Aktien arbeiten nun an einer Stabilisierung.

Auch der DAX scheint nun Gegenwehr zu entwickeln und zeigt relative Stärke zu den US Märkten und der S&P500 ist mit dem gestrigen Tag in die erwartete Unterstützungszone ab 2.600 eingetaucht und hat damit auch den Measured Move nach der Mittel-Stabilisierung um die 200-Tage-Linie ausgeschöpft:

Es riecht also überall danach, dass der Markt nun eine - zumindest temporäre - Bodenbildung beginnt und sich auch wieder Chancen bieten. Wie lange diese Bodenbildung dauert ist unklar, sie kann sehr wohl volatil bis nach den US Zwischenwahlen seitwärts laufen, kann aber auch jederzeit nach oben starten.

Es bleibt also für diese und die kommende Woche bei der Lagebeschreibung des Wochenausblick wie folgt:

Die kommende Woche bietet also gute Long-Chancen mit guter Wahrscheinlichkeit. Und extreme Abwärts-Risiken mit geringer Wahrscheinlichkeit.

Für mich ist die Lage in den kommenden Wochen also erstaunlich klar. Spannend und riskanter als viele denken, ist dagegen das, was danach in 2019 kommen könnte.

Ich habe schon anklingen lassen, dass die überraschende Schärfe der Abwärtsbewegung nun das Risiko erhöht, dass wir mit dem nun anstehenden Rebound *keine* neuen Hochs mehr schaffen und *dann* würde es *wirklich* riskant. Denn der erste Einbruch ist in einem großen Bullenmarkt noch kein Problem, da schnappt es immer wieder hoch. Auch der zweite Einbruch - den wir jetzt haben - ist meistens noch kein Problem, da kommt noch einmal eine Gegenbewegung. Dann aber wird es gefährlich, eine große Topbildung braucht einfach Zeit.

Ich will Ihnen das an 2008 verdeutlichen. Schauen Sie mal, Sie können die Charts auch klicken, die sind selbsterklärend:

Sie sehen die durchaus vorhandene Parallelität? Gruselig? Dann schauen Sie wie es weiter geht:

So, jetzt will ich hier keine Panik machen, jetzt schauen wir erst einmal nach oben. Die Parallelität von 2008 hat Grenzen und einiges passt eben doch nicht als Vergleich und außerdem kommt es sowieso im Detail anders als man denkt. Erstens haben wir in der aktuellen Korrektur noch kein neues Tief unter dem von Februar generiert. Zweitens ist es ja noch völlig offen, ob der Rebound mit einem niedrigeren Hoch ausläuft oder nicht.

Es kann durchaus sein, dass die Bullen sich doch durchsetzen und wir noch dieses Jahr 3.000 im S&P500 sehen und dann ist dieses Risiko von oben wieder negiert - es ist eben bisher nur ein bärisches Szenario, nicht mehr.

Aber .... ein dickes aber .... von nun an müssen wir dieses massive Risiko im Auge behalten, wenn wir das große Bild des Marktes richtig einordnen wollen.

Kurzfristig spricht viel für einen Rebound. Viel wichtiger als die Frage ob er kommt - er wird schon irgendwann kommen - ist die Frage wie hoch er trägt!

Und das - die Stärke des Rebounds - wird uns mehr über den Marktzustand sagen, als alle einzelnen Indikatoren zusammen!

Lassen wir uns also weiter nicht von einzelnen Indikatoren und medial umgewälzten Risiken ins Bockshorn jagen, so funktioniert der Markt nicht und diese Leute machen immer wieder den gleichen Fehler und werden es nie lernen, weil sie sich zu stark mit einer Seite und einer Idee verheiraten.

Kluge Anleger sind weder Bullen, noch Bären, sie folgen den Signalen. Wenn der Markt klar bullisch ist, sind sie bullisch - bis er es nicht mehr ist, dann werden sie bärisch.

Wenn aber so Risiken auftauchen wie ich oben zeige, werden kluge Anleger aufmerksam und wenn dieser Rebound keine neue Hochs mehr schafft und schwächlich wegkippt, *dann* ist der Zeitpunkt da strukturell bärisch zu werden und den Bullen zu beerdigen.

Also liebe Mitglieder, folgen wir weiter dem Markt und blenden alles andere aus, denn der Markt selber mit seiner Price-Action ist unser Hirte.

Aktuell haben wir wegen der Dehnung des Gummibandes weiter ein kurzfristiges Crash-Risiko, wenn das nicht eintritt wird das Gummiband aber nach aller Wahrscheinlichkeit schnappen und ein Rebound kommen, der schöne Aufwärtschancen bietet. Nur ob der Rebound jetzt schon kommt oder noch eine Woche bis nach den US Wahlen braucht, das kann uns niemand sagen.

Mittelfristig wird es aber eminent wichtig, die Stärke des Rebounds zum Maßstab für die Gesundheit des Marktes zu machen. Wenn der nicht überzeugen kann - oder noch schlimmer gegen alle Wahrscheinlichkeit doch nicht kommt - ist es Zeit strukturell bärisch zu werden.

Ich melde mich am Donnerstag noch einmal.

Ihr Hari

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Nachbearbeitung und Ausblick



Guten Morgen!

Der heutige Schwerpunkt des Morgenberichts dreht sich nur um ein Thema: Was ist da gestern passiert und was bedeutet das?

Normalerweise bin ich an dem "warum" einer Bewegung ja wenig interessiert, es reicht auf die Charts zu schauen. Wenn aber das Risiko besteht, dass sich der Marktcharakter verändert, ist es schon wichtig die dahinter stehenden Mechanismen zu verstehen, weil man dann konsequent den Hebel umlegen kann, so wie wir das vor einem guten Jahr nach Trumps Wahl ja auch mit der "World of Donald" gemacht haben.

Definitives lässt sich zum gestrigen Tag natürlich nicht sagen, man kann aber ein paar sinnvolle Vermutungen anstellen.

Erstens, und das ist vergleichsweise offensichtlich, hat die US Steuerreform einen Einfluss, so wie -> Bloomberg das hier darstellt <-. Die Steuerreform hat gestern einen wichtigen Schritt getan und sollte schon bald im Senat zur Abstimmung kommen. Die Details darin deuten aber darauf hin, dass der grösste positive Effekt nicht bei Big-Tech mit seinem Auslandsvermögen liegen wird, sondern in der "alten" Ökonomie.

Dieser Zusammenhang ist recht sicher da, weil er im Hinterkopf der Investoren ist. So eine grundlegende Steuerreform verändert schon den Ausblick ganzer Sektoren und legt damit auch die Grundlage für sektorale Umschichtungen.

Gleichzeitig war seit Montag auch Morgan Stanley schon im Markt mit skeptischen Aussagen zum Halbleitersektor im Tenor, dass dieser sein Hoch gesehen hätte und die Preise zu fallen beginnen. Und wir wissen ja, dass der Halbleitersektor extrem zyklisch ist, das ist kein Sektor zum ruhigen Investoren, dort muss man Boom und Bust einfach spielen und wenn das Hoch mal erreicht ist, muss man raus.

Nur erklärt das alles nicht die Schärfe und Abruptheit der gestrigen Bewegungen, warum genau gestern und warum so scharf? Damit so etwas möglich wird, braucht es einen Katalysator, der die Geldströme deutlich verändert. Und vielleicht hat es den gestern an einer Stelle gegeben, wo nur wenige den Zusammenhang sehen: Bitcoin.

Die Cryptowährungen waren gestern massiv unter Druck, Handelsplätze waren ausgefallen. Ich weiss nicht ob die Handelsplätze ausgefallen sind weil die Cryptos fielen oder ob die Cryptos fielen weil die Handelsplätze ausgefallen waren, aber man kennt das aus anderen Krisen wie 2008, wo die technische Infrastruktur der Schönwetterbroker auch wie die Fliegen genau dann umgekippt, wenn man sie dringend braucht. Flatex (seitdem von mir nur noch Faltex genannt), war im Herbst 2008 nach meiner Erinnerung mal einen ganzen Tag vom Netz und auch in den Tagen danach kaum erreichbar. Der Druck aller die verkaufen wollten, liess die Systeme abschmieren. Wer da mit richtigem Geld drin steckte und dann handlungsunfähig beobachten musste, wie die Börsen weiter abschmierten, wird seine Lehre fürs Leben intus haben.

Zunächst also schmierten gestern ab Mittags die Cryptos ab, Gold folgte dann 2 Stunden danach, ob da ein Zusammenhang ist, weiss ich nicht. An den Cryptos hängt aber zu einem guten Teil auch die Performance von nVidia, AMD und Co. und damit wiederum verknüpft natürlich die grossen Semiconductors. Auch die Speicherpreise die zum Beispiel eine Micron (MU) treiben, haben Antreiber im Crypto-Boom. Das trifft auf einen Markt, der sowieso korrekturreif ist und - siehe Morgan Stanley - auch von den grossen Banken erste Abwertungen bekommt.

Und nun gibt es aber noch einen Zusammenhang, den AI-Trade, der gerade von institutionellen Anlegern stark gefahren wird. In dem rennen Bluechips wie Alphabet, Facebook oder Amazon, aber eben auch NVidia und Chipaktien, die direkte Profiteure sämltlicher AI-Entwicklungen sind, vom autonomen Fahren bis zu Alexa und Co.

Das könnte die Katalysatoren-Kette sein, die das gestern in Bewegung gebracht hat. Ein Sektor ist sowieso unter Beobachtung, hat keine Vorteile mehr aus der Steuerreform die andere bevorzugt und bekommt mit dem Absturz der Cryptos einen Katalysator für Gewinnmitnahmen. Und *Schwupps*, schon sind die Algos in Bewegung und so ein Tag wie gestern entsteht. Es ist auf jeden Fall auffällig, dass im Bereich BigTech gerade die Namen besonders abgestraft wurden, die auch mit dem AI-Trade verbunden sind, andere Namen wie Cisco dagegen kaum.

Nun ist das alles nur Vermutung, aber so macht ein Zusammenhang Sinn, es wäre auf jeden Fall schon ein arger Zufall, dass die Cryptos abschmieren und kurz danach die Semis und BigTech abzuschmieren beginnt und das in einer Aggressivität, wie wir das seit Anfang 2016 nicht mehr gesehen haben. Denn was BigTech angeht, war das wirklich der schwärzeste Tag seit Anfang 2016!

Welches Fazit ist daraus zu ziehen?

Zunächst einmal ein Grundsätzliches. Wir haben gestern wie im Brennglas erlebt, was uns bevor steht, wenn dieser Markt mal die Richtung wechselt. Es wird schnell sehr, sehr übel werden, denn die Algos legen den Hebel um und dann geht es in einer Brutalität nach unten, die die Märkte noch nie gesehen haben.

Die gleichen Mechanismen - Algos und passive Vehikel wie ETFs - die den Markt nun so beständig steigen lassen, werden ihn im Absturz brutale, sich selbst verstärkende Geschwindigkeit aufnehmen lassen.

Und wir haben gestern wieder erlebt, dass erneut Alles mit Allem zusammen hängt, sprich wenn es irgendwo richtig zu brennen beginnt, wird man das Feuer kaum containen können, sondern es wird sich auf den ganzen Markt ausbreiten, schon alleine weil einfach ETFs abgestossen werden.

Und wenn ich Recht habe, hat selbst die Fahnenstange in Bitcoin mittlerweile systemische Auswirkungen, was nicht gerade beruhigt. Denn es ist völlig klar, dass die aktuelle Preisentwicklung der Cryptos das klassische spekulative Geschehen in einem Schornstein ist, unten ist Feuer und oben nur ein kleiner Ausgang, also schiesst der Rauch hoch. Gleichzeitig ist aber völlig klar, dass die Technologie die mit den Cryptos kommt, dabei ist die Welt zu verändern und wahrscheinlich durch eine ähnliche S-Kurve laufen wird, wie das Internet mit seiner Blase in 2000.

Grundsätzlich gesehen, zeigt uns der gestrige Tag also die Gefahren die im System liegen. Glauben Sie denen kein Wort, die davon reden dass dieses Finanzsystem stabiler geworden wäre. Es ist es nicht. Man hat nun regulative Pflaster auf die Brüche geklebt, aus denen 2008 der Dampf austrat, dummerweise wird der Dampf in der nächsten Krise ganz woanders raus zischen.

Das spezielle Fazit ist aber die Frage, ob das gestrige Geschehen etwas grundsätzlich verändert hat und der Beginn einer Topbildung war.

Nun das kann man heute noch nicht sagen, ich glaube es aber nicht. Wir haben ja eben keine Abgaben quer durch den Markt gesehen, kein allgemeines "Risk-Off". Wir haben durch einen Katalysator eine scharfe Bereinigung bei zu schnell zu weit gelaufenen Sektoren gesehen und das ist erst einmal gut und gesund für den Markt.

Heute früh steigen die Cryptos auch schon wieder und wenn gestern der oben vermutete Zusammmenhang da war, werden dann heute auch die Semis zum Rebound ansetzen. Ob das der Beginn von mehr war können wir dann in den nächsten Tagen in bewährter Art und Weise erkennen, wenn wir wissen ob dieser Rebound zu neuen Hochs führt und mit einem tieferen Hoch wegknickt. Wenn Letzteres passiert, müssen wir skeptischer und vorsichtiger werden, aktuell kann man diese Schlussfolgerung noch nicht ziehen.

Soweit mein Blick auf das gestrige Geschehen, ich hoffe es hilft zur Einordnung.

Ein Blick auf den Angsthasen-Index DAX noch, der wird - wie es sich für einen Angsthasen gehört - heute wohl erstmal nur zögerlich nach oben gehen und sich erst ab dem späten Vormittag richtig trauen wenn klar wird, wie die Wallstreet heute weitermacht:

Wir sehen, dass sich die obere Begrenzung der Seitwärtsstrukur nun durch das gestrige Hin und Her nach oben verschoben hat, ein zulaufender Seitwärtskanal ist aber immer noch.

Und wir sehen in Blau eine alte Trendlinie, auf die bezogen man das gestrige Geschehen als Ausbruch und Rückfall interpretieren kann.

Im Saldo ist die Struktur aber immer noch indifferent und der DAX hat uns gestern wieder vorgemacht, wie wenig vertrauenswürdig und wie stark von den US abhängig seine Bewegungen sind. Während Dow, S&P500 und Russell doch weitgehend die Schultern gezuckt haben, hat der DAX durch den Absturz im Nasdaq sofort Schnappatmung bekommen.

Also, ich gehe heute eher von einem Rebound der gestern verprügelten Sektoren aus, die spannende Frage ist weniger ob der kommt, als wie stark und überzeugend er ist. Das wird uns der Tagesverlauf zeigen.

Bis später.

Ihr Hari

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Siehste – vom *Müssen* des Marktes



Ich weiss, ich weiss. "Siehste" Beiträge mit dem langen, oberlehrerhaften Finger des Lehrer Lämpel sind nicht sehr beliebt. 😉

Aber ich versuche hier ja auch nicht Leser um jeden Preis mit Versprechungen des schnellen Geldes an Land zu ziehen, sondern wünsche mir Mitglieder, die aus eigenem Entschluss erkennen, dass sie ihre Herangehensweise an den Markt ändern müssen. Denn nur so kann sich nachhaltiger Erfolg einstellen.

Und das heutige "Siehste" ist sehr wichtig, denn es zeigt Ihnen einen Kardinalfehler, der von sehr vielen Anlegern immer wieder gemacht wird. Immer wieder!

Denn wenn ein Markt steigt und steigt und neue Höchststände erklimmt, stellt man sich gerne emotional dagegen, ist skeptisch und bekommt warme Gefühle beim Lesen all der Crash-Propheten, die einem erzählen, dass dieser Markt ja "irrational" sei.

Warme Gefühle bekommt man wegen des eigenen Egos, denn wenn man nicht dabei ist und der Markt immer neue Gewinne generiert, setzt einen das ja unter Druck. Mit dem Bild des "irrationalen Marktes" kann man sich der wirklich wichtigen aber auch schmerzhaften Frage entziehen, ob man nicht vielleicht einen grossen Fehler gemacht hat. Auf die Argumente der Marktskeptiker zu hören, ist dann also nur eine fortgeschrittene Variante des beliebten "Wegschauens" und "Verdrängens", wenn einem die Wirklichkeit nicht gefällt.

Wer also in einem stark steigenden Markt nicht dabei ist, sucht gerne "Erleichterung" bei allen, die ihm Argumente liefern, warum die im Markt ja "Idioten" und "Lemminge" seien. Und wenn es viele von dieser Kategorie gibt - und das ist aktuell immer noch der Fall - muss ein Markt deshalb weiter steigen.

Genau deshalb habe ich Ihnen vor knapp 2 Wochen in -> Stärke gebiert Stärke <- geschrieben, dass ein starker Markt nicht einfach auf dem Fusse dreht, sondern eher weiter nach oben läuft.

Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, die Akzeptanz dieser Wahrheit ist bei Ihnen im freien Bereich nur sehr gering ausgeprägt. 😉 Und nun sind zwei Wochen vergangen und der Markt ist weiter hoch gelaufen und ist immer noch überkauft. Aber jetzt *muss* er korrigieren, jetzt *muss* der Markt doch endlich mal drehen, so sagt Ihnen Ihr Ego heute.

*Muss* er? Die Wahrheit ist, der Markt *muss* gar nichts und in einem so starken Markt, ist eine Fortsetzung des Trends gut möglich.

Die gleichen Anleger aber, die so einen Markt für "irrational" halten und schon lange nicht mehr dabei sind, würden dann, wenn der Markt 20-30% korrigiert hat, zugreifen wollen. Weil dann sind viele gute Aktien ja "billig".

Sind Sie das? Schauen wir mal auf diese beiden Charts des DAX im Jahre 2011 und des S&P500 im Jahre 2008:

Da, wo ich in den Charts zum Zwecke der Erklärung den notwendigen Exit mit blauen Pfeilen markiert habe, dort wäre der Markt für diesen Typus Anleger - der sich klüger als der Markt wähnt - "billig" gewesen und Anleger hätten mit dem gleichen Argument zugegriffen, mit dem sie heute an der Seite stehen.

Nun gut, wenn ich Sie nicht überzeugen kann, dann machen Sie einfach weiter so. Pflegen Sie Ihr Ego, suhlen Sie sich im Gefühl zu den "Querdenkern" zu gehören, die die Irrationalität des Marktes als Einzige erkennen können. Glauben Sie einfach weiter klüger als der Markt zu sein. "Be my guest", ein Markt braucht diesen Typus Marktteilnehmer. 😉

Wenn Sie sich aber darüber erheben können, wenn Sie erkennen können, wie Ihr Ego auf Ihr Handeln einwirkt, dann wiederhole ich für Sie sechs Grundregeln:

(1) Stärke gebiert Stärke

(2) Schwäche gebiert Schwäche

(3) Ein Markt der neue Hochs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Topbildung zu entwickeln.

(4) Ein Markt der neue Tiefs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Bodenbildung zu entwickeln.

(5) Ein Markt der neue Hochs generiert, ist wenig anfällig für einen Crash

(6) Ein Markt der schon 20% verloren hat und weiter abwärts bröselt, ist sehr anfällig für einen Crash.

Und natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme und irgendwann, wird es auch mal einen Crash direkt folgend auf neue Hochs geben. Falls heute Nacht ein Atomkrieg in Ostasien ausbrechen würde, würde das wohl so sein. Aber nach diesen Ausnahmen zu handeln macht keinen Sinn, das ist das unkontrollierbare Restrisiko des Lebens. Wir müssen am Markt nach dem handeln, was wahrscheinlich ist.

Nun alles klar? Wenn nein, kann ich Ihnen nicht helfen. Wenn ja, ist Ihre Aufgabe als Anleger, nach diesen Prinzipien zu handeln. Ihrem Depot wird es langfristig gut tun.

Ihr Hari

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Das Kreuz mit dem Timing



In der laufenden Umfrage sehen wir ja auch, dass eine nicht geringe Zahl der Mitglieder hier, ihren Schwerpunkt auf "Investments" legt, womit der Wunsch verbunden ist relativ ruhig am Wertzuwachs des Marktes zu partizipieren und vielleicht hier und da noch ein Sahnehäubchen darauf zu legen.

Das ist auch ein sehr berechtigter und kluger Wunsch, ich habe nie Zweifel daran gelassen, dass ich auch Tradern rate, sich parallel eine solide Basis zu legen, die sie eher als Investment betrachten. Und für diese Klientel des ruhigen Investierens, habe ich auch schon viele Artikel geschrieben, wie zuletzt:

-> Investieren ist so einfach Teil I <-

-> Investieren ist so einfach Teil II <-

Und trotzdem bin ich sicher - ich schaue Ihnen sozusagen gerade durch die Leitung auf die Finger 😉 - das es bei Einigen von Ihnen erhebliche Probleme damit gibt, diese ruhige Hand durchzuhalten und Sie sich von eher kurz- und mittelfristigen Markterwartungen zu übertriebenen Handlungen treiben lassen.

Machen wir es in der aktuellen Lage zum Jahresende mal ganz konkret.

  1. Ich stelle immer wieder heraus, dass wir in einem starken Bullenmarkt sind und ich zum Jahresende höhere Kurse erwarte
  2. Ich betone immer wieder, dass eine Herbstkorrektur immer noch gut möglich ist, auch wenn sie im September erneut ausgefallen ist
  3. Ich bin daher mit der Cashquote in der Lageampel für diese und wahrscheinlich auch die kommende Woche etwas unter dem Normalmodus

Und ich garantiere Ihnen - wie gesagt ich schaue gerade mit meinen "Hari-Trojanern" in Ihre Depotauszüge 😉 - dass da Mitglieder unter Ihnen sind, die sich einerseits eher als Investoren verstehen und aber nur weil "dieser Hari" noch eine Korrekturerwartung im Herbst hat, in ihren Investitionsdepot nun bei Null oder nur einem geringen zweistelligen Investment-Grad sind.

Ich sage es mal klar und deutlich: Das ist falsch und hat mit Investments nichts zu tun!

Sie haben dann sozusagen unter dem Druck Ihres Affenhirns (Angst & Gier) das richtige Mass und den Blick auf den Zeithorizont verloren. Lassen Sie mich das erklären.

Zunächst einmal, bedeutet "Investieren" ja gerade, dass man überwiegend am Markt partizipieren will, sonst sollte man es nicht "investieren" sondern "an der Seite stehen" nennen. 😉

Wenn ich in der Lageampel die Cashquote beschreibe, bezieht sich diese Aussage ja aber auf einen abstrakten Normalmodus, den jeder nach seinen Rahmenbedingungen definieren muss. Markttiming bei Investments heisst dann, von diesem Normalmodus nach oben oder unten in Schritten abzuweichen - zum Beispiel über die Positionsgrössen. Es heisst aber *nicht*, den Investmentgedanken komplett ad absurdum zu führen.

Wenn ich mir einen abstrakten Investor mit einer Menge Anlagekapital vorstelle, dann wäre ein Investitionsgrad von 80% also vielleicht ein sinnvoller Massstab für einen "Normalmodus". Wenn alles normal ist, ist man also überwiegend im Markt investiert und hält sich etwas Feuerkraft in der Hinterhand. So ist es im Regelfall gut und richtig.

Wenn ich nun in der Lageampel die Cashquote etwas erhöhe, entspricht das bei diesem Anleger vielleicht einer Rücknahme der Investitionsquote auf 70% aber eben nicht auf 20 oder 30%!

Das ist nur ein Beispiel und keine Vorgabe, Ihre "normale" Investitionsquote können Sie nur selber bestimmen, denn das hängt auch von vielen anderen Parameter wie Depotgrösse, Risikobereitschaft und anderen Anlageformen im Vermögen ab.

Ich will Ihnen damit aber klar machen, was "Normalmodus" bei einem Investment-Ansatz bedeutet - eben dass man überwiegend investiert ist!

Sie können das Ganze auch aus einer anderen Warte betrachten.

Stellen Sie sich die maximal negative Lage vor, in der Sie ganz aus dem Markt sein wollen - auch als Investor. Und stellen Sie sich die maximal positive Lage vor, in der Sie mit beiden Händen alles kaufen wollen, was nicht bei drei auf dem Baum ist.

Die maximal negative Lage hatten wir Anfang Oktober 2008, als Lehman explodiert ist und der Markt massiv nach unten abwärts rauschte. Bei so einem machtvollen Abwärtstrend will man ganz raus sein. Investitionsgrad Null sozusagen - lassen wir mal das Thema gegenläufiger Assets beiseite, ich will hier ja nur ein Prinzip erklären.

Die maximal positive Lage hatten wir ein Jahr später im Spätsommer 2009. Der Markt hat aus einem tiefen Tief einen neuen Aufwärtstrend begründet und eine erste Korrekturphase im Frühsommer 2009 erfolgreich durchschritten. Nun kann man beherzt zugreifen, Investitionsgrad 100%. Auch hier lassen wir Möglichkeiten der Hebelung etc beiseite.

Und nun frage ich Sie, wo stehen wir heute in dieser Bandbreite, wo wir so einen starken Aufwärtstrend haben, aber vielleicht noch etwas rumpeliges Fahrwasser vor uns, wobei das nicht einmal sicher ist.

Ich sage es Ihnen, vielleicht bei 70 oder 80% Investitionsgrad, also klar auf der bullischen Seite dieser Bandbreite des Marktenvironments. Aber bestimmt nicht bei 20% und schon gar nicht in einer Situation, in der wir uns mit Shorts gegen den Markt stemmen!

Und nun behaupte ich, es gibt Mitglieder unter Ihnen, die sind sehr gering investiert, weil sie auf die Herbstkorrektur setzen. Als Trader kann man das machen, aber mit Investments hat das nichts zu tun. Nichts!

Denn die Herbstkorrektur muss gar nicht kommen, sie ist nur eine sehr realistische Möglichkeit und der Markt ist im Kern immer noch bullisch, wie kann man da ganz raus sein?

Der Kern der Verwirrung ist mal wieder unser Affenhirn, das den -> Zeithorizont <- der Handlungen völlig durcheinander wirft. Man fühlt sich als Investor, handelt aber wie ein kurzfristig agierender "Alles-oder-Nichts" Trader. Das ist schlicht Falsch!

Kluge Investoren, die im Sinne der Positionsgrössen-Strategie ihren Investitionsgrad dem Marktenvironment anpassen wollen, lassen sich von kurzfristigen Korrekturrisiken doch nicht den Blick auf das grosse, eher bullische Bild verstellen!

Ja man kann den Investitionsgrad anpassen, über den Sommer war das keine schlechte Idee, aber solange wir nur über 5-10% Korrekturen reden, reden wir auch nur über inkrementelle Anpassung am eigenen Investitionsgrad, alles andere wäre völlig übertrieben.

Ein ruhiger Investor ist also überwiegend mit ruhiger Hand im Markt und ist bestenfalls dann weitgehend raus, wenn man Krisen wie 2008 und vielleicht noch 2011 (Eurokrise) hat. Davon kann derzeit keine Rede sein.

Sicher, wenn man sich das zutraut, kann man auch digitaler agieren. Ich neutralisiere im Urlaub zum Beispiel gerne mal mein ganzes Depot, sprich ich bin dann sozusagen bei Null, weil voll gehedged! Aber das bin ich, nur ich und nicht Sie! Was ich hier oben beschreibe ist erst einmal das Grundverständnis das jeder haben sollte und das hat mit massvollen Anpassungen zu tun und nicht mit vollem Hedging. Ich weiche davon manchmal bewusst ab, weil ich in den Ferien ganz Ruhe vor dem Markt haben will, aber das bin wie gesagt ich und nicht notwendigerweise Sie.

Es ist ja auch nichts dagegen einzuwenden, im vollen Bewusstsein dessen was man tut, ganz aus dem Markt zu gehen. Falsch ist aber, das Eine sein zu wollen (ein Investor) und sich dann unbewusst und von Angst und Gier getrieben, ganz anders (als alles oder nichts Trader) zu verhalten.

Damit Sie das schaffen und diese Disziplin Ihnen ins Anleger-Blut übergeht, ist es absolut zentral, dass Sie nicht mehr ihren eigenen Eingebungen des Momentes folgen, da redet nämlich nur Ihr Affenhirn mit Ihnen, auch und gerade wenn es von etwas getriggert wird, das ich hier im Blog vielleicht für eine ganz andere Zeitebene schreibe.

Nein, Sie brauchen eine eigene Strategie und einen eigenen Prozess und der muss nicht mal kompliziert sein. Als ein triviales Beispiel was das sein könnte, nehmen Sie doch diese oben genannte Bandbreite von 0% (2008) und 100% (2009) und fragen sich jede Woche einmal ganz ruhig am Sonntag, wie denn das aktuelle Marktenviroment mit Blick auf die kommenden Monate aussieht.

Wenn Sie das tun, können Sie aktuell zwischen 70 und 80% hin und her grübeln. Und Sie können im Extremfall auch 60 und 90% vor sich argumentieren. Aber 20 oder 30% sind völlig unangemessen und neben der Realität des Marktes in diesem Herbst. Mit ruhiger Hand hat das dann nichts zu tun, mit einem zappeligen "Affen" dagegen viel mehr. 😉

Ich hoffe die mahnenden Worte kommen an den richtigen Stellen an. Und alle andere die sich nicht angesprochen fühlen, können wissend nicken. 😉

Ihr Hari

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Wie die Endemann-Ebbe alle Boote senkt



Aus der Reihe "selbstgemachter Bockmist" habe ich heute eine kleine Erzählung für Sie, die aber trotzdem eine wichtige Botschaft enthält. Diese knüpft inhaltlich an den Artikel -> Du wirst Angst haben! <- an und würzt dessen Botschaft mit ein paar netten Anekdoten und Erlebnissen aus meinem Börsenleben.

Denn man kann am Markt eine Sache sehr richtig sehen und trotzdem das Falsche tun, oder in anderen Worten:
Zu früh ist auch nur ein anderes Wort für Falsch

Wir schreiben das Jahr 2000 und die Internet-Blase feiert an den Börsen fröhliche Urstände. Und mitten drin bin ich, der Ihnen bekannte "Hari", der damals schon Firmenchef eines grösseren Software-Unternehmens war.

Insofern war ich ja "Brancheninsider" und ich erinnere mich noch genau, wie ich mich damals immer wieder über den Wahn von Endemann!! lustig gemacht habe. Das war für mich offensichtlich eine nette Fassade mit ganz viel heisser Luft dahinter und ich weiss nicht mehr, wie oft und wie sarkastisch ich meine Gesprächspartner vor diesen "Geschäftsmodellen" gewarnt habe.

Hier noch ein paar Links zum Thema "Endemann!! geh Du voran" und "Endemann!! kauft Google". Das sollten Sie noch einmal lesen, es ist einfach zu schön. 😉

-> Ende für Endemann <-

-> Endemann Quartalsberichtlein <-

-> Fast hätte Endemann Google gekauft <-

Mir war also damals ziemlich klar, dass wir es hier und bei vielen anderen hochgejazzten Geschäftsmodellen, mit einer massiven Übertreibung zu tun hatten und ich habe meine Finger damit nicht verbrannt.

Gleichzeitig war ich ja schon seit Ende der 80er Jahre, seit über 10 Jahren aktiv im Markt unterwegs, wenn auch leider alles als Autodidakt - einen Online-Mentor wie diesen "Hari" hatte ich nicht. Und vor allem, ich hatte einen anstrengenden Job, war in den Jahren damals auf dem steilen Karrierepfad und hatte daher gerade mal die berühmte Stunde am Tag für Börse Zeit, die ja auch für viele von Ihnen nun das Thema ist.

Insofern war ich im Jahr 2000 für einen Privatanleger schon etwas erfahren und gleichzeitig Branchenexperte, der die Blase rund um Endemann!! und ähnliche Buden eindeutig sehen konnte. Da konnte doch nicht mehr viel schief gehen, oder?

Doch konnte es. 😉 Denn seit dem Ende der 80er Jahre - ich bin mehr oder weniger mit dem -> Schwarzen Montag 1987 <- zur Börse gekommen - gab es bis 2000 praktisch keinen einzigen harten Einbruch. Der einzige nennenswerte Event mit dem LTCM Crash 1998 wurde schnell wieder gekauft.

Nicht unähnlich wie es vielen heute gehen wird, die auch erst seit knapp 10 Jahren im Markt sind, hatte ich zwar von Baissen und Crashs gehört, aber nie selber eine erlebt und insofern konnte ich mir die Härte der Dinge auch nicht vorstellen. Nun, ich wurde ab 2000 aufgeklärt, wenn man so will, wurde ich da anlagetechnisch vom Jüngling zum Mann. 😉

Denn ich hatte als Branchenexperte nicht nur gesehen, was für ein aufgeblasener Luftballon Endemann und Co. waren, ich kannte auch viele grosse Softwarefirmen und war davon überzeugt, dass die in gar keiner Blase waren und erst am Anfang einer Erfolgsgeschichte.

Wie gesagt, hatte ich damals aber noch nicht viel Zeit für Börse und konnte daher auch nicht sinnvoll technisch geprägt handeln, sondern hatte Aktien primär nach fundamentaler Überzeugung im Depot, verknüpft mit ein bischen rudimentärem Risikomanagement auf der Ebene des Gesamtdepots - deshalb hatte ich ja 2000 auch schon allerlei verkauft.

So hatte ich damals Namen wie SAP, Adobe, Oracle, Microsoft und Co. im Depot und war von deren Substanz und Zukunftschancen überzeugt. Auf gut Deutsch, diese Aktien wollte ich nicht verkaufen!

Gleichzeitig war mir 2000 aber "mulmig", mein Instinkt war also schon da und ich habe wenigstens viele andere Sachen verkauft und so meine Risiken reduziert. Aber diese Software-Bluechips habe ich gehalten und ich kam ja aus der Branche, kannte deren Geschäfte, was sollte mir also passieren?

Wie schmerzhaft so ein Absturz sein kann, konnte ich mir nicht vorstellen, ich hatte ja noch nie einen wirklich erlebt. Tja ..... 😀

Ich hatte eben noch nicht das Wissen und die Erfahrung, die ich heute habe und wenn mir damals ein "Hari" einen Artikel wie -> Du wirst Angst haben! <- geschrieben hätte, wäre ich sicher konsistenter und disziplinierter auch bei diesen Werten raus gegangen. Aber hätte, wäre, Fahrradkette, ich war von meiner fundamentalen Sicht fest überzeugt. 😉

Bei Adobe beispielsweise ist es so wie unten gelaufen, ich weiss es noch wie gestern, weil ich mich so geärgert habe, vor allem weil es bald nach dem Ausstieg dann wieder hoch ging. 😉

Ich kann Ihnen nicht mehr den präzisen Aus- und Einstieg sagen, dazu müsste ich lange in alten Unterlagen forschen, aber ich weiss noch, dass ich erst bei mehr als 50% Minus raus bin und dann 2003 etwas tiefer wieder rein:

Das sieht ja nun nicht so schlimm aus, ist aber eine optische Täuschung wegen der logarithmischen Darstellung. Die echte, gefühlte Fallhöhe im Depot bringt die lineare Darstellung besser herüber, das war einfach *brutal*!

Beim Ausstieg hatte ich also bei Adobe, diesem Bluechip, schon über 50% von den Höchstständen verloren! Einfach weil ich fundamental so überzeugt war und mich damit lange gegen den Markt gestellt hatte. Heute würde mir das nicht mehr passieren, heute würde ich nicht mehr alleine wegen fundamentaler Erwägungen halten, sondern ganz hart mein Risikomanagement fahren.

Und das Perfide daran war ja, ich hatte ja trotzdem fundamental völlig Recht!

Ich war kein verblendeter Endemann-Jünger und ich hatte völlig Recht in meiner Einschätzung der Substanz und der Zukunftsentwicklung von Adobe. Ich hatte völlig recht und lag trotzdem falsch.

Denn mehr als 50% Verlust waren einfach zu viel und auch wenn man fundamental recht hat, zu früh ist eben nur ein anderes Wort für falsch.

Als es dann in 2003 wieder hoch ging, war ich schon klug genug solche Aktien wieder einzusammeln, im Saldo habe ich mich im Crash 2000-2002 auch gut geschlagen und sogar daraus einen kleineren Vorteil generiert, weil im Mittel tiefer wieder eingestiegen als ausgestiegen.

Aber wirklich richtig gut nach meinen heutigen Massstäben habe ich das nicht gemacht. Mir hat damals einfach diese Erfahrung gefehlt. Dank dieser Erfahrung und der Schlüsse die ich daraus gezogen habe, konnte ich dann 2008/2009 richtig profitieren. Ab März 2009 war ich praktisch mit dem Tief - ich weiss noch der DAX war noch knapp unter 3.800 als ich massiv eingestiegen bin - dann voll dabei und habe 2009/2010 richtig Gewinn "gescheffelt".

Aber 2000-2002 war trotz meiner fast idealen Voraussetzungen trotzdem noch "Lehrzeit" für mich, obwohl ich schon weit mehr als 10 Jahre im Markt und keineswegs unerfahren war.

Was lernen wir daraus? Ein Menge:

Erstens, senkt die Ebbe alle Boote - auch die Guten. Der Unterschied ist nur, die guten Boote steigen in der nächsten Flut wieder, die Endemanns saufen dagegen ab. Wir sollten also nie glauben, mit fundamentalen Argumenten stur Kurs halten zu können. Wie bei Adobe geht es - selbst wenn man am Ende Recht behält - stärker und tiefer runter, als man aushalten kann. Lieber also gleich frühzeitig ein sauberes Risikomanagement!

Zweitens, man kann am Markt fast alles richtig sehen und auch die richtigen Aktien haben und trotzdem Geld verlieren, weil einen das Affenhirn im falschen Moment überwältigt. Um das zu vermeiden, braucht es im Vorfeld eine klare, eindeutige Strategie, auf die man sich verpflichtet!

Drittens, ist zu früh nur ein anderes Wort für falsch. Auch für die besten Aktien, braucht man einen sinnvollen Einstiegspunkt und auch die beste Aktie, kann sich halbieren - jede Aktie kann das!

Viertens, geht erfolgreicher Börsenhandel nur über Erfahrung. Ich kann mit meinen Texten diesen Erfahrungs-Prozess beschleunigen und unterstützen, aber nicht ersetzen. Lassen Sie sich also Zeit und erwarten Sie nicht zu viel von sich. Die Börse lässt sich zu nichts zwingen und ein guter, erfolgreicher Trader/Anleger ist nicht jemand, der keine Fehler macht, sondern einer, der daraus lernt und das kostet Zeit!

So .... und wenn Sie sich diese Worte nun wirklich merken, dann haben Sie die Chance aufgrund der 20€ pro Monat die Sie hier bei Mr-Market lassen, dem nächsten 2.000er Event aus dem Weg zu gehen und gleich mit meiner 2008/2009er Performance zu beginnen. Was wäre ich im Nachhinein froh gewesen, mir hätte diese Wahrheit mal im Jahr 2000 jemand mit Macht ins Bewusstsein gepresst! 😉

Nun wissen Sie übrigens auch, warum ich so prägnant über diese Dinge schreiben kann: weil ich sie selber erlebt und durchlitten habe! Das ist der Unterschied zwischen einem Theoretiker und Praktiker, gerade im Trading ist der himmelweit!

Ihr Hari

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Wie eine Topbildung aussieht



Nein, wir haben noch keine Topbildung. Wir haben derzeit einen stampfenden, schiebenden, schwitzenden Bullenmarkt. 😀

Aber ich habe ja zuletzt immer wieder betont, dass neue Hochs *keine* Gefahr sind, dass Märkte in der Regel *nicht* sofort auf dem Fusse drehen - ausser es passiert etwas völlig Überraschendes - und dass man deswegen bei neuen Hochs keine Angst haben muss. Denn mir ist völlig klar, wie schwer es unserem Affenhirn fällt, so starke Märkte zu kaufen. Viel lieber greift unser Affenhirn zu, wenn etwas stark fällt, weil es sich dann billig anfühlt - Sie wissen schon, das berühmte fallende Messer - Aua! 😉

Berechtigten Grund zur Sorge gibt es dagegen, wenn klare Wendeformationen existieren, oder man so eine "Brösel, Brösel, Brösel" Situation hat, an deren Ende dann der Absturz über die Klippe kommt.

Nun sind Worte aber nur Worte, einprägsame Bilder machen mehr Eindruck. Deswegen mache ich mit Ihnen heute eine Chartreise durch die letzten 5 Situationen, die im langfristigen Bild mit Wochenkerzen den Namen "Crash" oder "Einbruch" zu Recht getragen haben. Als da sind:

  1. Eurokrise 2011 aus Sicht von S&P500 und DAX
  2. Lehman 2008 aus Sicht von S&P500 und DAX
  3. Internetblase 2000 aus Sicht von S&P500 und DAX
  4. Long Term Capital Management (LCTM) Crash 1998 aus Sicht von S&P500 -> LTCM Crash <-
  5. Schwarzer Montag 1987 aus Sicht von S&P500 -> Black Monday <-

Für die beiden Ereignisse von 1998 und 1987 habe ich keine sauberen Charts vom DAX mehr, daher nur die S&P500 Betrachtung. Ich rate dazu, sich die beiden Links zu 1998 und 1987 mal zu Gemüte zu führen, um zu verstehen, worum es dabei gegangen ist. Denn das wird für die Bewertung wichtig sein und viele werden diese Krisen nicht bewusst erlebt haben, es kann ja nicht jeder so eine alter "Knacker" wie ich sein. 😉

Der Black Monday von 1987 hatte übrigens keinen klaren Katalysator, man könnte sagen, der Markt ist unter dem eigenen Gewicht zusammen geklappt. Der LCTM Crash dagegen hatte für den Markt eine eindeutige, plötzlich und in ihrer Dynamik völlig überraschende Ursache. Insofern ist 1998 die Ausnahme und es wird interessant sein zu sehen, ob auch die Kurse da ein Ausnahmeverhalten zeigen.

Im Folgenden zeige ich Ihnen nun die 8 Charts mit Markierung und kurzen Worten, die weitgehend für sich sprechen. Gegen Ende dann eine Zusammenfassung.

So .... ich denke die Botschaft ist klar. In allen - wirklich in allen - Fällen ausser 1998 bei LCTM, hat sich der Einbruch vorher durch zumindest ein niedrigeres Hoch, eine klare Topbildung oder eine Brösel,Brösel,Brösel Situation mit klarem Abwärtstrend angedeutet. In vielen Fällen wie 2000 gab es sogar x-fache Warnungen mit niedrigeren Hochs und damit *Null* Grund, diese Reise nach unten mitzumachen.

Wer also die Charts und die Marktmechanik klar beachtet hat, wer dann ausgestiegen ist, wenn sich klar ein Abwärtstrend oder eine vollendete Topformation ergab, war immer auf der sicheren Seite und hat den grossen Absturz *nicht* voll mitmachen müssen. Vielmehr konnte dieser Marktteilnehmer dann viel tiefer wieder kaufen und so einen massiven relativen Ertrag erzielen. Der Crash legte die Grundlage für riesige Gewinne danach sozusagen.

Sicher, vom Top 10 oder 20% Prozent abgeben zu müssen ist nicht schön, wer das vermeiden will, muss halt auf kleineren Zeitebenen wie Tageskerzen solche Absicherungsaktionen machen und damit etwas intensiver rein und raus gehen. Der entscheidende Punkt ist aber, einen Grund den Weg nach unten mitzumachen, gab es nicht für die, die Augen hatten zu sehen und wenigstens die Grundkonzepte von Trends verstanden haben.

Es gab nur eine Ausnahme: LTCM 1998. Und das, weil das für die Märkte völlig überraschend und schnell, ohne grosse Vorbereitung kam. Gestern sprach ich davon, dass wir auch so einen Fall hätten, wenn der koreanische Gnom nun einen Atomkrieg beginnen würde. Stimmt, in dem Fall gibt es keine Vorwarnung in den Charts und keine tieferen Hochs die *Alarm* für sehende Augen schreien. In dem Fall geht es sofort massiv runter.

Mit diesem Restrisiko müssen wir aber leben, sonst dürfen wir Morgens gar nicht mehr aufstehen und selbst in so einem Fall ist noch Zeit, mittendrin händisch die Reissleine zu ziehen, wir haben im Chart da Wochenkerzen und keine Minutenkerzen!

Fazit: Keine Panik bei neuen Hochs. Sicher kann das ein Top werden, aber riskant wird ein Markt erst später, wenn er anfängt tiefere Hochs und tiefere Tiefs zu generieren. Brösel, Brösel eben. 😉

Ich hoffe das trägt zur Beruhigung bei und hilft Ihnen, Bullenmärkte in Zukunft auch mal richtig mitzugehen. Hören Sie nicht auf die ganzen Crash-Propheten mit ihrem Gebrabbel, die haben auch keine Glaskugel.

Der Markt weist uns den Weg, der ist nicht unser Feind, sondern unser Hirte. 😉

Ihr Hari

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Die begrenzte Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren



Eine der Besonderheiten dieser Plattform ist der Ansatz, den Mitgliedern grundlegende Zusammenhänge zu erklären. Und das nicht nur theoretisch, sondern immer wieder praktisch - eingeflochten in die Realität, die uns jeden Tag über die Märkte erreicht.

Dazu gibt es immer wieder Grundlagen-Artikel im Premium-Bereich, von denen ich heute mal wieder einen heraus greifen will um Ihnen zu zeigen, welche Inhalte Sie hier auch erwarten können.

Gerade im Bereich der Charttechnik gibt es leider auch medial zu viele, die einfach "bunte Linien" nachzeichnen, ohne den Kontext dessen was sie tun, verstanden zu haben. Zum teilweise schlechten Ruf der Charttechnik bzw der allgemeinen Markttechnik, hat das sicher beigetragen. Dabei ist die Markttechnik - richtig genutzt - das mächtigste und zuverlässigste Instrument das wir haben, wenn wir mit Mr. Market erfolgreich ringen wollen.

Der folgende Artikel stammt aus dem November letzten Jahres, ist aber wegen seiner grundsätzlichen Aussagen zeitlos gültig. Er wurde für den freien Bereich leicht angepasst um Referenzen zu glätten, die nur im Premium-Bereich aufzurufen sind.

Übrigens, falls Sie es noch nicht bemerkt haben, Mr-Market ist nun auch bei Twitter. Schauen Sie doch mal unter @HariMrMarket vorbei!

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Eine konkrete Frage stand vor Kurzem im Forum im Raum, nämlich in wie weit eine positive Divergenz des RSIs im Wochenchart, einen Edge in Richtung der Divergenz generiert. Sprich lohnt es sich zu kaufen, wenn der RSI eine positive Divergenz zeigt?

Ich will das als Anlass dazu nutzen, ein paar grundsätzliche Worte zu preisbasierten Oszillatoren wie dem RSI zu verlieren und auch zu thematisieren, welchen Wert Aussagen dieser Indikatoren, denn überhaupt für uns haben.

Zunächst einmal will ich das Wort "preisbasierter Oszillator" definieren, damit klar ist, was ich damit meine. Ich meine damit alle Oszillatoren (also Indikatoren, die die Bewegungen als Schwankungen zwischen zwei Extremen abbilden), die direkt auf den Preis, also die Kurse gehen.

Der RSI ist so ein Fall, ein preisbasierter Oszillator.

Die 200-Tage-Linie ist kein Oszillator, sondern eine Trendglättung.

Und das OBV ist nicht preisbasiert, da es auf das Volumen geht und auch kein Oszillator ist.

Hier geht es nun also um preisbasierte Oszillatoren, für die der RSI das bekannteste Beispiel ist.

Die erste klare und wichtige Aussagen, erscheint eine Binsenweisheit, wenn man das oben verstanden hat. Ich bezweifele aber, dass die Konsequenzen dieser Binsenweisheit allen wirklich klar sind und genau deswegen schreibe ich diesen Artikel:

Preisbasierte Oszillatoren beinhalten keinerlei neue Informationen, die nicht schon Teil des Charts selber sind.

Wie gesagt, das ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber sie ist sehr wichtig für die Schlussfolgerungen, die ich gleich ziehe. Wenn wir zum Beispiel auf den RSI schauen, ist der nichts weiter als ein abstrakte Darstellung wesentlicher Elemente des Charts selber.

Oder in anderen Worten, wenn man auf das Chart einen geübten Blick hat, beinhaltet der RSI keine Überraschungen, denn man sieht das, was der RSI indiziert, auch im Chart.

Der RSI vergleicht ja genau genommen nur im definierten Zeitraum (oft 14 Kerzen) die Stärke der Kursbewegungen. Das Überwiegen stark fallender Kerzen, sorgt dann für einen schwachen RSI, das Überwiegen stark steigender Kerzen, sorgt für einen starken RSI.

Eigentlich also eine triviale Aussage, die der RSI macht, die aber zu Fehlinterpretationen führt, wenn man dem Indikator eine übertriebene Aussagekraft zubilligt, die er nicht hat. Denn der RSI ist eben nur die abstrakte - in einen Oszillator gepresste - Darstellung des Charts selber, ohne auch nur einen einzigen Krümel neuer Information.

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Scharfe Gewinnmitnahmen



Guten Morgen!

Gestern war ein merkwürdig wirkender Börsentag. An der Oberfläche der Indizes, haben wir nur eine mässige Konsolidierung gesehen, wie sie zu erwarten war. Die genannten 9.600 im DAX und 1.950 im S&P500 kamen nie ernsthaft in Gefahr.

Unter der Decke aber, gab es massive und scharfe Abgaben in fast allen Sektoren, die zuvor lange sehr gut gelaufen waren. Rohstoffe, Edelmetalle, Biotech, Semiconductor, Solar, selbst Agrar. Alles wurde mit Macht ausgekehrt, was vorher wochenlang hoch geschossen war.

Das waren sie also nun, die lange überfälligen Gewinnmitnahmen, die schon vor ein paar Tagen hätten kommen sollen. Noch im europäischen Handel war in bestimmten Bereichen wie Biotech davon nichts zu merken, die Wallstreet und die "Goldmänner", haben dann einfach den Hebel umgelegt.

Nun war ja völlig klar, dass das kommen würde und auch in dieser Schärfe. Und trotzdem ist es nie möglich den exakten Tag auf den Punkt vorher zu sehen, auch wenn man gestern nach den China-Daten durchaus mit dem Risiko rechnen konnte.

Und selbst wenn man das wusste und im Vorfeld abgebaut hatte, fühlt es sich bei den verbleibenden Werten immer noch scharf und unangenehm an. Niemand gibt eben gerne "mal eben" 10% der Gewinne ab.

Aus diesem Grund erinnere ich an das, was ich in -> Vom Scheffeln und komplexen Korrelationen <- am Freitag sagte. In den Spätphasen solcher Rallies, wenn sich eine "Fahnenstange" nach oben bildet, ist der Trailing Stop eine legitime und sinnvolle Methode, um bis zuletzt dabei zu bleiben und dann vielleicht 5% unter den Hochs abgeworfen zu werden.

Oder alternativ man fährt sein Positionsgrössen-Management konsequent und dann wären in den letzten Tagen die Risiken so gross geworden, dass man etwas verringert hätte und Teilgewinne mitgenommen hätte. So habe ich es gemacht und auch gestern früh nach den China-Daten noch etwas abgebaut. Trotzdem geht es auch mir dann aber so, dass man hinterher am liebsten auf Null abgebaut hätte, denn Minus sieht immer unschön aus.

Aber so ist das halt, hinterher ist man immer klüger und perfekt kann man diesen Tag der scharfen Wende eben nicht treffen. Wenn man ihn halbwegs getroffen hat, also abwärts mit deutlich weniger Exposure unterwegs ist als aufwärts, hat man schon einen guten Job gemacht.

In Summe ist das Geschehen aber eher positiv. Es sieht bisher alles nach einer rein technischen Reaktion im Sinne Gewinnmitnahmen im überdehnten Markt aus. Und diese Gewinnmitnahmen waren ja wirklich lange überfällig, erstaunlich ist eher, dass sie jetzt erst einsetzen.

Nun muss man noch die Tiefe des Retracements abwarten und daraus Schlüsse ziehen und dann können sich hier vielleicht auch wieder Chancen zum Nachlegen ergeben. Oder eben nicht, wenn diese Sektoren nun wieder komplett wegkippen sollten.

Heute haben wir wieder recht wenig an bemerkenswerten Wirtschaftsdaten, die US Eröllagerbestände werden wie jede Woche um 16:30 Uhr etwas Aufmerksamkeit ziehen.

Sie erinnern sich ja sicher an die gestern Nachmittag gezeigten, beiden Charts zu GDX und XME. Nun schauen wir mal auf Öl und sehe die fast identische Struktur:

WTI 09.03.16

Wir bekommen dadurch bestätigt, dass der Einbruch gestern nicht darauf beruhte, dass sich durch neue Nachrichten bei einem der Rohstoffe etwas geändert hat. Wir haben einfach überfällige Gewinnmitnahmen gesehen, die synchron in allen gut gelaufenen Assets einsetzten.

Etwas verstörend ist diese massive Korrelation aber schon, aber so ist das halt in der schönen neuen Welt der Algos. Letztlich ist es egal, ob man Öl, Kupfer oder Gold hält, die grosse Tendenz ist synchron, weil automatisierte Programme weltweit alle das Gleiche machen.

Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie ein September/Oktober 2008er Event in diesem neuen Environment ablaufen würde. Es würde wohl viel, viel schlimmer, weil alles schnell und hart gleichzeitig zum Ausgang strebt. 2008 haben Algos noch keine bedeutende Rolle gespielt, 2016 dominieren sie zunehmen den Markt.

Was den DAX angeht, rechne ich heute und morgen früh vor der EZB nicht mit weltbewegendem. Grundsätzlich ist die aktuelle Schwäche aber sehr positiv, wir gehen nicht mit überzogenen Erwartungen in die EZB und das Sentiment ist eher skeptisch und nicht euphorisch/erwartungsvoll wie im Dezember.

Sicher hat die EZB die Latte wieder selber hochgelegt, aber dem Markt steckt der Dezember noch in den Knochen und die EZB wird auf keinen Fall ihre Reputation aufs Spiel setzen wollen.

Und dann haben wir noch ein Chart des DAX, das wenn ich mich festlegen müsste, für mich kurzfristig eher nach oben weist als nach unten:

DAX 09.03.16

Also .... wenn heute nichts völlig Überraschendes passiert, können wir wohl noch einmal durchschnaufen. Was bei der EZB dann passieren wird, ist völlig offen und können wir nicht wissen. Vielleicht gibt es grosse Uneinigkeit im Gremium, die harsche Kritik der Banken an den Negativzinsen wird ihre Wirkung entfalten. Und wenn nur ein lauwarmer Kompromiss zustande kommt, wird Draghi wieder enttäuschen und das dürfte ihm schon am Anfang der Pressekonferenz ins Gesicht geschrieben sein, denn diesen Gang tritt er sicher nicht gerne an.

Also noch einmal: versuchen wir nicht zu erraten, was wir nicht erraten können!

Wenn ich aber meinen Blick auf das werfe, was ich wissen kann - nämlich wie der Markt in diesen Termin herein geht und welches Sentiment herrscht, dann bin ich im Gegensatz zum letzten Dezember nicht skeptisch und bärisch eingestellt - damals waren die Erwartungen stark aufgeblasen, so dass man diese kaum übertreffen konnte und ich hatte das im Vorfeld mehrfach thematisiert.

Dieses Mal sind die Erwartungen zwar hoch, aber nicht übertrieben und eine gesunde Skepsis steckt in den Knochen des Marktes. Eine Überraschung nach oben ist also keineswegs unwahrscheinlich und ich habe wenn überhaupt einen klitzekleinen Bias für eine Auflösung nach oben nach der EZB, die den DAX über 10.000 steigen lässt.

So weit heute Früh, ich wünsche einen schönen Tag!

Ihr Hari

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