DAX 2012 und was wir daraus lernen können

Der folgende Beitrag erschien schon Montag 02.03.15 09:50 in Hari Live

Nein, wir haben *nicht* 2012! Und Nein, 2015 wird auch nicht so laufen wie 2012! Ich halte wenig davon, aus Verläufen der Vergangenheit, konkrete Vorhersagen für die Zukunft abzuleiten.

Trotzdem hat ein Blick zurück einen Wert. Denn er kann Bewegungen in eine Perspektive stellen, weil man in der Vergangenheit halt sehen kann, was "danach" kam. Und der Blick in die Vergangenheit verdeutlicht auch typische Muster, in denen der Markt schwingt. Denn Nein, es ist dieses mal *nicht* anders und auch dieser Markt 2015 wird nicht wie ein Strich ohne Halt nach oben gehen!

Aber 2012 war das nächstgelegene Jahr in der Vergangenheit, in dem wir völlig analog zu 2015 auch einen ganz ausgezeichneten Januar und Februar hatten. Und insofern lohnt sich doch ein Blick zurück:

DAX 2012

Wir sehen, wie der Markt Anfang März einen Einbruch vortäuschte, dann zurück kam, neue Hochs generierte, nur um doch im März eine temporäre Topbildung zu absolvieren.

Wir sehen aber auch, wie der Markt nach Ablauf der Korrektur, die im Juni die Werte des Jahresanfangs wieder erreichte, auf einem höheren Tief drehte und danach eine sehr gute zweite Jahreshälfte folgte.

Erneut, eine unmittelbare Vorlage für 2015 wird das nicht werden, zu unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen. 2015 hat ganz andere Rahmenbedingungen als 2012.

Der Vergleich verdeutlicht aber, dass auch starke Märkte korrigieren und auch in starken Jahren, mal eine deutliche Schwächephase enthalten sein kann.

Ob diese ab März einsetzt oder der Markt vorher noch etwas weiter hoch schmilzt, wissen wir letztlich nicht. Das Risiko für eine Korrektur bzw Konsolidierung ist nun aber so hoch, wie seit letzten Herbst nicht mehr. Und das sollten wir im Hinterkopf behalten und unser Risikomanagement nicht vernachlässigen, während wir mit beiden Händen Gewinne scheffeln.

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Warum 2012 ein leichtes und schwieriges Jahr war – und was uns das über Trends sagt

Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen um den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Denn wer das Jahr 2012 Tag für Tag erlebt hat und sich die einzelnen Bäume betrachtet, weiss das es ein schwieriges Börsenjahr war.

Ein Jahr das von permanenter politischer Intervention geprägt war. Und politische Intervention ist perse schwierig, weil kaum zu antizipieren.

Und ein Jahr bei dem der DAX mit um die 30% Plus eines der besten Jahre seiner Geschichte hingelegt hat und damit mit ganz an der Spitze der weltweiten Indizes stand. Gleichzeitig uns aber permanent so schwere Verwerfungen drohten, dass man diese Bewegung nur mit einem apathischen Gemüt hätte gelassen und ohne Sicherungsnetz mitnehmen können.

Ja, es war ein stressiges und anstrengendes Börsenjahr. Aber eigentlich war es auch ganz einfach.

Warum ? Treten wir dazu mal einen Schritt zurück, vergessen wir die täglichen Verwirrungen und betrachten den Wald. Um sein Kapital in 2012 um 70% zu erhöhen - ja 70% Performance ! - musste man nur 4 Trades auf den DAX machen. Und sich dazwischen statt im Büro an einem Strand in der Südsee vergnügen. Schauen Sie selbst auf das Jahr 2012 im DAX:

DAX 2012

Etwas vereinfacht also: Long Q1, Short Q2 und Long Q3. Das hätte locker für 60% Plus gereicht. Dann noch als I-Tüpfelchen den "Runaway-Move" im DAX seit Mitte November erwischen und die 70% Gewinn mit einem DAX ETF wären eingebucht gewesen.

Faszinierend oder, wie einfach das Jahr im Nachhinein aussieht. Und wer hat das so geschafft ? Ich vermute niemand. Ich auf jeden Fall trotz guter Performance nicht in dem Umfang und das obwohl ich die drei Bewegungen der ersten Quartale hier ziemlich genau getroffen habe. Die politischen und fiskalischen Atombomben über unseren Köpfen waren aber in 2012 zu gross, um ohne Vorsicht diese Bewegungen zu spielen.

Und was lernen wir daraus ? Erstens, dass man hinterher immer klüger ist. Überraschung ! 😉 Und zweitens, wie mächtig Trends sind und dass es das Beste ist was man tun kann, solchen Trends einfach zu folgen !

In 2013 machen wir das mit den Trends dann noch besser. Oder ? 😉

Ihr Hari

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Gastkommentar – DAX-Betrachtung: Weihnachts-Geld in Sicht ?

Ein Gastartikel von Tokay

DAX-Betrachtung: Weihnachts-Geld in Sicht ?

In diesen Tagen mehren sich wieder einmal die Spekulationen über eine bevorstehende sogenannte „Jahresendrallye“. Für und gegen eine solche Jahresendrallye werden allerlei Argumente ins Feld geführt. Dabei reden die einen von saisonal auftretenden Mustern, andere führen die mickrigen Geld- und Kapitalmarktzinsen ins Feld, und wieder andere warnen vor einem jähen Ende der bereits seit dem Sommer andauernden Rally an den Aktienmärkten. Und ja, die Eurokrise – die gibt es ja auch noch. Da stellt sich für uns die Frage: Was ist dran an solchen Mutmaßungen, gibt es saisonale Muster und wie verlässlich sind sie?

Anhand der seit Ende 1959 vorliegenden DAX-Kurse zum Monatsende haben wir einmal

  • als „Jahresendrally“-Zeitraum die Monate November bis Dezember definiert;
  • diesen Zeitraum mit den restlichen Monaten Januar bis Oktober und außerdem mit dem Gesamtjahr verglichen;
  • und nachfolgend die Entwicklung der beiden letzteren Zeiträume auf einen Zwei-Monats-Zeitraum umgerechnet – die Jahresendrallye hat für eine vermutete Outperformance ja nur zwei Monate zur Verfügung, also wäre es ein bisschen unfair, zwei Monate mit zehn bzw. zwölf Monaten zu vergleichen.

Es zeigt sich, dass die Zwei-Monats-Performance November bis Dezember mit 2,42 Prozent deutlich höher ausfällt als die umgerechneten Performancewerte für Januar bis Oktober bzw. für das Gesamtjahr, die beide unter 1 Prozent liegen. So positiv das Abschneiden der Jahresendrally sich darstellt, so variabel ist es allerdings auch. In den vergangenen 52 Jahren hat die Jahresendrallye in 28 Fällen besser abgeschnitten als der Vergleichszeitraum, aber 24 mal schlechter. In 30 Jahren legten die Kurse zum Jahresende zu, aber in 22 Jahren waren Verluste zu verzeichnen. Wasser auf die Mühlen derer, die sagen, dass sich Aktienkurse nicht vorhersagen lassen.

Extreme Entwicklungen gab es etwa 1973, als vor allem der rapide Anstieg der Ölpreise am Schluss des Jahres negative Wirkungen an den Börsen zeitigte. Sehr deutlich ging es hingegen am Jahresende 1982 nach oben, als die Gewinnerwartungen der Unternehmen rapide anstiegen. Ebenso geschah dies Ende 1989 im Rahmen der Euphorie, die mit dem Fall der Mauer entstand und ebenso Ende 1999, als der New-Economy-Boom, was man damals natürlich noch nicht wusste, in den letzten Zügen lag. 2000 hingegen war dieser Boom vorbei und 2002 steckte die deutsche Wirtschaft in einer schweren Rezession – in beiden Fällen konnte von einer Jahresendrallye keine Rede sein. Diese Entwicklungen sind nachfolgend deutlich zu sehen:

Insgesamt also sehen die Jahresendrallye-Perspektiven etwas wackelig aus – Es kann gut laufen, es kann aber immer auch irgend etwas dazwischen kommen. Dennoch meine ich: Es ist etwas dran an der Jahresendrally! Und warum? Nun, da könnte man sinngemäß mit Otto Rehhagel sagen: „Die Wahrheit liegt in den Daten“.

Denn es zeigt sich, dass die Datenverteilung der Jahresendrally-Performances vergleichsweise stabil ist – die Vergleichszeiträume sind viel wackeliger. Damit ist aber die Wahrscheinlichkeit, eine deutlich positives Ergebnis zu erzielen, zum Jahresende hin viel höher als sonst im Jahr. Sicherheiten, das wissen wir, gibt es natürlich auch hier keine. Aber Wahrscheinlichkeiten. Und die sprechen eindeutig für die Jahresendrally. Lassen wir Bilder sprechen:

Das sollte man sich wirklich einmal genau anschauen. Bei der Aussicht, ohne Verlust davonzukommen, sind sich die Wahrscheinlichkeiten der Jahresendrallye und der Vergleichszeiträume noch ähnlich: ungefähr 62 Prozent bei der Jahresendrally , 59 Prozent beim Rest. Gewaltige Unterschiede tun sich indes auf, wenn man etwa nach der Chance auf 6 Prozent Wertzuwachs fragt: Hier schlägt die Jahresendrally den Restzeitraum mit 32,2 zu 10,4 Prozent. Eintrittswahrscheinlichkeit.

Kaum geringer sind die Unterschiede bei der Chance auf einen Wertzuwachs von zehn Prozent in zwei Monaten: Im Jahresdurchschnitt – sprich im Normalfall - hat man eine Wahrscheinlichkeit von gerade einmal 1,3 Prozent, einen solchen Wertzuwachs zu erzielen, jedenfalls, wenn man die letzten 52 Jahre zugrunde legt – das kam praktisch nicht vor. Nicht so bei der Jahresendrally: Hier steigt die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Wertzuwachs auf 16,4 Prozent und ist damit über 15 Punkte höher, und ist in der Tat, wie wir gesehen haben, auch schon vorgekommen. Kleiner Wermutstropfen: Das Risiko, einen Verlust von mehr als fünf Prozent zu erleiden, ist in diesem Zeitraum höher – 17 zu 7 etwa. Kam leider auch vor. No risk, no fun sozusagen. Aber trotzdem: Wir haben für die Jahresendrallye eine höhere langjährige Renditeerwartung, und außerdem günstigere Risikoeigenschaften.

Dann nichts wie investieren – oder? Vorsicht: Wir haben uns gerade eben die Marktdaten der vergangenen 52 Jahre angeschaut. Aus denen aber Rückschlüsse für das Jahresende 2012 zu ziehen – nun, das ist vielleicht doch ein bisschen heikel. Noch mal zum Fußball: Auch wenn man vom Feeling her ein gutes Gefühl hat – eine Garantie hat man keine. Wer's probieren mag - Viel Erfolg beim Investieren!

Tokay

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