Überlassen wir 2018 noch der Prognosiritis

Letzte Woche habe ich Ihnen in -> Der Weg zum Jahreswechsel <- gezeigt, wie ein wahrscheinlicher Pfad zum Jahreswechsel aussieht und dass darin eigentlich noch ein begrenzter "November-Schluckauf" Platz hat.

Nun, letzte Woche hat sich dieser "Schluckauf" vielleicht schon in Gang gesetzt, zumindest in den europäischen Indizes wie dem DAX ist er schon zu sehen und die US Indizes könnten diese Woche auch leicht korrigieren.

Deshalb expandiere ich heute mal das Chart von letzter Woche und zeige Ihnen, was das im Leitindex SP500 bedeuten würde:

Wir sehen die Pfade (1) und (2), die beide auf den naheliegenden Unterstützungen drehen und beide extrem bullisch und bestätigend zu werten sind.

Erst wenn der Markt Pfad (3) einschlägt, muss man auch andere Varianten in Erwägung ziehen, wobei auch Pfad (3) bei einer Wende im Bereich 2.500 immer noch völlig gesund und normal wäre.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch das Marktsentiment. Das hat sich nicht nur bei den anhand technischer Daten gemessenen Indikatoren wie dem -> Fear and Greed Index <- wieder normalisiert, auch Joachim Goldberg berichtet -> hier <- treffend von einer vorsichtigen Haltung, die für den DAX positiv zu sehen ist, bei der Unterstützung um 12.900 wird es nach meiner Erwartung wieder interessant.

Und ich beobachte selber, auf welche Skepsis alle Hinweise bei normalen Anlegern treffen, dass dieser Markt durchaus weiter hoch laufen kann. Da stösst man schnell auf Widerstand, während es bei Warnungen dass dieser Markt gefährlich ist, sofort wohlgefälliges Kopfnicken gibt. Ich habe auf diesen Umstand zuletzt -> hier bei Tichy <- hingewiesen, viele Anleger erreichen kann man damit aber nicht, mit Horrorgeschichten vom nächsten Crash dagegen ohne Probleme.

Wirklich erfahrenen Anlegern - und ich hoffe Sie gehören dazu, wenn Sie meine langen Texte durchhalten 😉 - sollte das aber etwas über den Bias sagen, der im Markt vorhanden ist. Die "Herde" ist immer noch eminent skeptisch, die Profis in den US dagegen eher optimistisch, aber in Form eines nervösen Optimismus, der den Finger jederzeit am Abzugsknopf für den Notausgang hat.

-> Dieser nette Artikel <- macht zum Thema einen validen Punkt, den ich mal übersetzen möchte:

As such, independent investor sentiment levels about the stock market are about as euphoric right now as a stomach ulcer.

Das Sentiment der nicht-institutionellen Investoren zum Aktienmarkt ist ungefähr so euphorisch wie ein Magengeschwür.

Volltreffer und gleichzeitig sind die Wirtschaftsdaten um den Globus herum durchweg auf Expansionskurs. Passt nicht so recht zusammen, oder?

Was kann man da Anlegern raten?

Nun, zunächst einmal will ich Niemandem etwas raten, Anleger machen doch sowieso was Sie wollen, wenn es klappt sind sie die Helden und wenn nicht, sind die Informationsquellen schuld. 😉 Bei uns in der Community ist das anders, da sucht man im Spiegel den Schuldigen, das ist aber eine kleine Minderheit und das ist gut so.

Aber Anlegern, die keine Erfahrung im Markt haben und bis jetzt gezögert haben in den Markt einzusteigen, die sollten es jetzt wirklich sein lassen. Es gab viele bessere Punkte um die erste Aktie zu kaufen und der Markt ist ja auch objektiv unter der Decke verzerrt und daher inhärent riskant. Unerfahrene Anleger werden bei der nächsten unvermeidlichen 10-20% Korrektur nur in Panik geraten und ihr kurzes Gastspiel mit Verlust abschliessen.

Wer aber erfahrener ist, wer weiss wie man konsequent aussteigt wenn ein Trend sich dreht und wer ein Risikomanagement besitzt, der kann vorerst dabei bleiben, denn der Aufwärtsttrend ist intakt und die Aussichten zum Jahresende von den Wahrscheinlichkeiten her nicht schlecht. Wie letzte Woche erklärt, wird das Jahresende vielleicht stark sein, gerade *weil* das Jahr so stark war.

2018 ist dann eine völlig andere Geschichte, ein Dip im Konjunkturzyklus wahrscheinlich und die unvermeidliche - aber in 2017 ausgefallene - 10-20% Korrektur irgendwann mal fällig. Nur wann diese kommt ist weiter offen und vor allem muss das erfahrene Anleger heute nicht interessieren.

Die schauen auf die Füsse statt ins Wolkenkuckucksheim und sind auch nicht im Geschäft der -> Prognosiritis <-, weil diese völlig unproduktiv und sinnlos ist. Das Geld wird mit den Kursen verdient, die jetzt zwischen heute und Weihnachten aufgerufen werden und nicht mit Spekulationen über 2018. Und Aussteigen kann man bis zum oder zum Jahresende dann immer noch, wann immer es geboten erscheint.

Überlassen wir 2018 also mal noch den Prognostikern, die alle so eine tolle Glaskugel haben. Übrigens hat von denen letztes Jahr niemand, absolut niemand, das Jahr 2017 richtig auf dem Radar hatte. Schauen Sie noch einmal -> hier im Überblick <-, was diese vor einem Jahr geschrieben haben. Ganz grosses Kino im Herdenverhalten. 😉

Das wird die aber nicht davon abhalten, dieses Jahr wieder mit gewichtigem Gesicht das Offensichtliche fortzuschreiben und es wird viele Anleger wieder nicht davon abhalten, das ernst zu nehmen. Na dann viel Spass dabei, irgend jemand muss uns ja auch die Aktien verkaufen, die wir kaufen wollen oder umgedreht. 😉

Wenn Sie für kommendes Jahr sicherer sein wollen, lassen Sie das mit den Prognosen gleich ganz sein und schauen Sie wie beim Bergsteigen auf die Füsse. Irgendwann kommt man dann schon am Gipfel an, wenn man bei jedem Schritt aufgepasst hat nicht in den Abgrund zu stürzen. Hans-Guck-In-Die-Luft mit den grossen Prognosen, die das Ego vom Hans dann dem Markt "beweisen" will, weil alle andere im Markt ja nur Idioten sein können, ist da schon eher absturzgefährdet.

Übrigens, Bergsteiger mit intelligentem Risikobewusstsein und solche die es werden wollen, werden bei uns in der Community weiter gerne aufgenommen. "Weissager", "Alles-Besser-als-der- Markt-Wisser" und "Glaskugelbesitzer" werden sich dagegen eher deplatziert fühlen. 😉

Zum Jahreswechsel wird es übrigens eine Preissteigerung für Neumitglieder geben, vielleicht ein Grund mit dem Bergsteigen schon 2017 zu beginnen und die blöde Glaskugel wegzuwerfen, die sowieso nur "Made in China" ist und nicht funktioniert.

Ihr Hari

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Wenn der Gnom nicht wäre

Der Ferienmodus mit geringerer Aktivität im Blog ist vorbei, nun stehen uns die 4 aktivsten Börsenmonate des Jahres bevor und dann steht schon 2018 vor der Tür.

Mein Gott, ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als "2001 Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick noch ferne Zukunft war und ich mit grossen Augen im Kino sass. Was bin ich doch ein alter Knacker geworden.

Dass eine weitere Korrekturphase im Zeitraum September/Oktober nicht unwahrscheinlich erscheint und das Jahr trotzdem ein gutes Börsenjahr werden dürfte, habe ich Ihnen schon in -> Vom Fischen gehen <- geschrieben.

Wenn wir aber die kommenden Tage dieser Woche gerade in den eurobasierten Indizes von DAX & Co. anschauen, sind die Chancen gar nicht so schlecht, dass hier nun eine Chance nach oben besteht:

Rund um die EZB am Donnerstag und Draghis Pressekonferenz, sollte sich nämlich allerlei Erwartung entfalten, dass Draghi den Anstieg des Euros deckelt und das sollte DAX & Co. helfen. Auch die Kerze letzter Woche als "Hammer" deutet in diese Richtung.

Leider wird das Bild heute durch den Gnom aus Korea etwas verzerrt, es macht aber Sinn davon auszugehen, dass diese Sorge ebenso verfliegt wie die Fälle vorher. Sicher, wenn es wirklich zum Krieg auf der koreanischen Halbinsel kommt, ist alles anders und alle normalen Szenarien hinfällig. Dass es aber dazu kommt, ist wohl weiter nur ein Restrisiko, auf das zu setzen keinen Sinn macht.

Wenn der Gnom nicht wäre, wäre es heute also einfacher und wir hätten wohl im Grünen eröffnet. Aber das kann ja noch werden. Solange die oben eingezeichnete Unterstützung hält, kann man im DAX nach oben schauen. Darunter zieht man die Reissleine - eine recht klare Ausgangslage.

Gold macht übrigens das, was ich hier schon Ende Juli in -> Erwachen der Edelmetalle <- auf den Radar genommen habe. Auch dabei hilft der Gnom aktuell mit, wie das Edelmetall aber den Ausbruch über 1.300 USD mit einem Retest bestätigt hat, ist schon eindrucksvoll:

So weit so kurz an diesem Montag im September 2017. Einem September der bekanntermassen keinen besonders guten Ruf als Börsenmonat hat. Das muss uns aber nicht schrecken, erfolgreiche Anleger nehmen ebenso wie erfolgreiche Bergsteiger oder Kletterer den Markt/Berg immer Schritt für Schritt und Zug um Zug. Das Spintisieren über den Horizont überlassen wir denen, die gerne eine Klippe herunter stürzen, weil sie als "Hans guck in die Luft" nicht auf ihre Füsse achten.

Ihr Hari

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