Betrachtung Deutsche Aktienindizes: Klimawandel – Ende der Liquiditätshausse ?

Betrachtung Deutsche Aktienindizes: Klimawandel – Ende der Liquiditätshausse ?

Ein Gastkommentar von Tokay

In den letzten Wochen kam gewaltige Bewegung in die Aktienmärkte, insbesondere in den deutschen Markt. Die neuerliche Verschärfung der Krise in der Ukraine wirkte sich hier besonders stark aus. Die Nerven zumal der Privatanleger wurden heftig auf die Probe gestellt. Man mochte sich nach der Annexion der Krim noch beruhigt haben mit „Politische Börsen haben kurze Beine“. Doch es steckt wohl noch etwas mehr hinter den Kursturbulenzen.

Betrachten wir zunächst wieder einmal das Chart des DAX. Seit Herbst 2011 ging es mit nur geringfügigen Unterbrechungen bergauf, der Trend war nach unten begrenzt durch die Linie ABC, nach oben war er begrenzt durch die Linie DEF. Seit etwa Jahresanfang ist nun der Aufwärtstrend ins Holpern gekommen. Die Kurse unterliegen ja immer gewissen Schwankungen, und es mag sein, dass der Aufwärtstrend nur zeitweilig verletzt wurde. Aber sicher ist das keineswegs. Ein Ansteuern des Bereichs um die 9000 Punkte kommt zunächst in Betracht. Sollte auch die 900er Marke nachhaltig verletzt werden, hätte man wahrscheinlich eine längere Korrekturphase zu gewärtigen.

DAX 2009 bis heute

Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn man sich den kleinen High-Tech-Bruder des DAX anschaut, den TecDAX. Seit Herbst 2011 haben sich die Kurse der TecDAX-Aktien nahezu verdoppelt, und es ist völlig klar, dass ein solches Wachstum nicht unbegrenzt fortgeschrieben werden kann. Das Wachstum des TecDAX hat sich in dieser Zeit von der Geraden BD auf die Gerade DG beschleunigt, nach oben wurde es begrenzt durch die Linie EF. Diese Woche war es nun soweit und der Aufwärtstrend DG wurde deutlich gebrochen. Und doch könnte der TecDAX noch auf 1050 Punkte fallen, ohne dass sein übergeordneter Aufwärtstrend in Frage gestellt wäre. Indes hätte man dann aber bereits einen Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Kurshöchst hinzunehmen. Die Psychologie der Anleger dürfte bei solch beträchtlichen Verluste leiden. Eher trübe Aussichten also beim TecDAX.

TecDAX 2009 bis heute

Ganz ähnlich wie beim TecDAX die Situation beim MDAX: Dem Aufwärtstrend AB folgte die Trendbeschleunigung BC, begrenzt nach oben durch die Linie DE. Der Aufwärtstrend BC wurde nun in dieser Woche gebrochen. Eine Rückkehr auf die frühere Trendlinie AB wäre mit einem Fall auf 12000 bis 13000 Punkte verbunden, dies entspräche einer Kurseinbuße von immerhin ca. 25 Prozent. Und dennoch wäre der seit Herbst 2011 laufende Aufwärtstrend nicht verletzt, so dynamisch war dieser bisher. Freilich gelten Kursverluste von mehr als 20 Prozent als Baisse, und dem sollte man nicht schicksalsergeben zuschauen.

MDAX 2009 bis heute

Die neuerliche Entwicklung bei TecDAX und MDAX ist also bislang nur als Korrektur einer sehr dynamischen Aufwärtsentwicklung zu sehen. Von einer echten Korrektur oder gar einer Baisse kann man noch nicht sprechen, genausowenig beim DAX.

Dennoch sollte man die bisherigen Rückgänge nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn es sind durchaus bereits einige Wolken am Horizont aufgezogen:

  • Die Entwicklung des Anleihenmarktes, ablesbar am Kursverlauf des REX, hat bereits im vergangenen Frühjahr einen Höhepunkt erreicht, oder anders ausgedrückt, die Anleihezinsen haben zu jenem Zeitpunkt ein historisches Tief erreicht. Immer, wenn am Anleihenmarkt ein neuer Höchststand erreicht war, folgte bald darauf ein Markttop am Aktienmarkt. Im Rahmen der langjährigen Zyklizität ging es dann bei den Aktien nach unten.
  • Die monetäre Expansion ist weitgehend ausgereizt. Natürlich kann die EZB den Leitzins noch weiter senken, natürlich kann sie Anleihekaufprogramme starten, jedoch ist die Frage, ob sie damit die Entwicklung auf den Zinsmärkten nachhaltig beeinflussen kann. Die Erfahrungen in den USA sind eher ernüchternd.
  • Das Konjunkturklima hat bereits ebenfalls einen Höchststand erreicht. Die entsprechenden Befragungen des Ifo Instituts und des ZEW zeigen an, dass das Geschäftsklima wieder abnimmt. Wenn aber die Spitzenleute in den Unternehmen Verschlechterungen bei Umsätzen, Kosten und Gewinnen erwarten, dann werden diese Erwartungen demnächst ihren Niederschlag in den tatsächlichen Unternehmenszahlen finden. Auch trägt die aktuelle Regierungspolitik nicht eben zu einer Verbesserung der längerfristigen Rahmenbedingungen bei.
  • Und schließlich das an dieser Stelle unvermeidliche Stichwort „Sell in May“: Wie wir im letzten Jahr ausführlich untersucht haben, ist es so, dass das Gros der Gewinne am Aktienmarkt in der Wintersaion erzielt wird. Warum das so ist, íst umstritten. Die gängige Meinung ist wohl die, dass das Gros der Börsianer in der Sommersaison vornehmlich auf dem Golfplatz oder am Badestrand anzutreffen ist, aber nicht vor dem Computerbildschirm. Ausnahmen ausgenommen....

Wie es weitergeht, weiß natürlich niemand. Zu Überschwang besteht aber jedenfalls erst einmal kein Anlass. Es scheint, dass die Liquiditätshausse, die im Herbst 2011 begann, nun allmählich ausläuft und irgendwann übergeht in – ja was eigentlich ? Möglicherweise in eine später einsetzende Gewinnhausse, möglicherweise in eine Zeit der Unsicherheit, die geprägt ist von großer Volatilität. Die Entscheidung darüber wird, wie könnte es anders sein, jenseits des großen Teichs fallen. Denn die USA sind der große Taktgeber und sie sind es auch, die das Quantitative Easing irgendwann werden beenden müssen.

Tokay

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Sind Industrieaktien – am Beispiel General Electric – nun billig oder teuer ?

Ich möchte heute mal ein Gedankenexperiment mit Ihnen machen und die plakative Frage stellen, ist General Electric (WKN 851144, GE) nun billig oder schon zu teuer ?

GE wähle ich aus zwei Gründen. Erstens weil es nur wenige Aktien gibt, bei denen man so schöne Vergleichsdaten in die Vergangenheit hinein bekommen kann. Und zweitens, weil GE immer noch, der Benchmark für die US, aber auch für die weltweite Industrie ist.

Und wenn die US Industrie nun auf die Beine kommen sollte - wonach es ja aussieht - wird die breit aufgestellte GE profitieren. Insofern ist die Frage doch spannend, ob GE heute schon überbewertet ist.

Jetzt könnte man diese Frage natürlich anhand der populären Parametern wie KGV und KBV beantworten wollen, aber das führt für langfristige Betrachtungen nicht wirklich weiter. Denn das KGV ist ein Wert, der sich an den Gewinnerwartungen orientiert, dummerweise ändern diese sich im Laufe der Zeit massiv.

Und das KGV ist entgegen der landläufigen Annahme auch ein ziemlich mieser Indikator, um Unter- oder Überbewertungen aufzuspüren, bei Zyklikern ist das KGV an den Wendepunkten sogar ein Kontraindikator. Ich habe diese Problematik ausführlich im Artikel -> Warum billige Zykliker teuer sind und umgekehrt <- ausgeführt und kann jedem, der diesen Zusammenhang nicht kennt, nur wärmstens empfehlen, den Artikel noch einmal zu lesen.

Aber auch das vermeintlich so objektive KBV ist in Zeiten des IFRS auch nicht mehr das , was es mal war, weil auch der Buchwert zyklischen Schwankungen unterliegt, von Verzerrungen durch Goodwill ganz zu schweigen. Denken Sie alleine mal an die Bewertung von Lagerstätten bei Rohstoffen, die natürlich auch vom langfristigen Rohstoffpreis abhängt. Auch diese Problematik habe ich in dem Artikel -> Vom Irrsinn des IFRS oder warum einfache Kennziffern wie das KBV kaum Aussagekraft haben <- ausgearbeitet.

Was uns also sinnvoll bleibt um das Bewertungspotential, der GE Aktie zu vergleichen, ist der Kursverlauf im sehr langfristigen Chart, den man - wenn man es ganz genau machen wollte - um die Inflation diskontieren müsste. Letzteres ist schwierig und habe ich hier nicht vollzogen, aber auch ohne die Anpassung bekommt man ein Gefühl dafür, welche Bewertungen bei einer Aktie wie GE im Maximum wie Minimum möglich sind, wenn die Gewinnsituation und Konjunktur die entsprechenden Voraussetzungen schaffen.

Schauen wir also auf das GE-Chart mit Wochenkerzen, das bis 1996 zurück reicht. Und was sehen wir ?

GE 09.01.14

Wir sehen eine phantastische Chance Ende 2008, diese Ikone zu Ausverkaufspreisen auf dem "Grabbeltisch" ins Depot zu legen und sich dann bis heute schlafen zu legen - genau da, wo auch Warren Buffet zugeschlagen hat.

Und wir sehen auch, dass sich für GE bald die Frage stellt, ob die Aktie aus der jahrzehntelangen Konsolidierung ausbrechen kann. Diese Konsolidierung ist gleichbedeutend mit dem säkularen Bärenmarkt an den Aktienmärkten, der 2000 begann.

Das es sich nur um eine Konsolidierung handelt wird klarer, wenn wir das Bild bis 1984 expandieren:

GE 09.01.14 842

Ich betrachte GE als das Musterbeispiel für die übergeordnete Lage der weltweiten Industrie-Märkte. Wir sehen anhand GE, dass die Industriesektoren immer noch in einem säkularen Bärenmarkt gefangen sind, der 2000 begann.

Aber wir sehen auch, dass GE im langfristigen Massstab aktuell zwar nicht mehr billig, aber auch keineswegs zwingend zu teuer ist. Wenn die US Industrie wirklich anziehen sollte, gibt es keinen Grund, warum GE nicht auch doppelt so hoch notieren könnte wie heute. Und damit würde das Ende dieses säkularen Bärenmarktes eingeleitet.

Das sagt jetzt nichts darüber aus, ob wir in 2014 eine 20% Korrektur erleben oder nicht. Das ist sehr gut möglich. Es eröffnet aber den Blick für die sehr langfristige Perspektive. Denn irgendwann wird dieser Bärenmarkt enden und eigentlich ist die Zeit bald reif dafür. Und dann beginnt der Spass an den Aktienmärkten erst so richtig.

Lassen wir uns also von den Zahlen der hohen Indexstände nicht blenden. Es gibt noch Bluechips mit Potential. Und diese dürften unter anderem im Industriebereich zu finden sein.

Ziehen Sie aus diesen Aussagen aber keine Schlussfolgerungen für die Kursentwicklung morgen oder nächste Woche. Das sind zwei verschiedene paar Schuhe. Ich will mit dem Beispiel GE eigentlich nur erneut klarmachen, dass die hohen Zahlen der Indizes genau nichts bedeuten. Die langfristige Frage ist eher, ob die Weltwirtschaft wieder Katalysatoren oder innovative, technologische Durchbrüche erlebt, die den nächsten grossen Bullenmarkt einleiten. Denn bei aller Begeisterung über die aktuelle Kursentwicklung, im ganz grossen Bild befinden wir uns immer noch in einem säkularen Bärenmarkt. Vielleicht am Ende desselben, aber immer noch nicht endgültig raus.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal an den Artikel
-> Aktienmärkte von 1896 bis heute – Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor ? <- erinnern.
Ein Artikel, der aus einer anderen Warte, zu einer sehr ähnlichen Schlussfolgerung kommt.

Bleiben wir also offen für die Möglichkeiten. Alle hacken auf den Notenbanken herum und ich gehöre da ja auch dazu, weil ich weiss auf welcher Rasierklinge wir da gerade balancieren. Und die Vernunft gebietet, nun von einer baldigen, scharfen Korrektur an den Märkten auszugehen.

Aber kurzfristige Korrektur hin oder her, stellen wir uns nur mal theoretisch vor, es gelänge den Notenbanken doch das Kamel durchs Nadelöhr zu bugsieren und einen selbst tragenden, weltweiten Aufschwung zu initiieren, der dann durch neue Technologien wie 3D Druck oder Biotech massiv befeuert wird.

Wo stehen wir denn 2020 dann an den Aktienmärkten ? Hat sich 1981, bei einem Stand des Dow Jones Index von 1000, als der letzte grosse säkulare Bärenmarkt zu Ende ging, jemand ernsthaft vorstellen oder glauben können, dass der gleiche Index 1999 bei rund 11.000 notieren würde ?

Lassen Sie uns einfach offen für die Möglichkeiten bleiben. Die Zukunft ist und bleibt unbestimmt und hat jede Menge Überraschungen für uns parat. Und lassen Sie uns auf den menschlichen Erfindergeist setzen. Auch wenn in Deutschland gerade "bewahren" und das Festhalten am Status Quo en vogue ist, Deutschland ist nicht die Welt ! Und der Wandel ist gut, unsere ganze menschliche Existenz beruht auf dem evolutionären Erfolgsmodell Wandel. Früher nannte man das auch hier im positiven Sinne "Fortschritt" !

Ihr Hari

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