Die Gesellschaft der Schatten



Ich möchte an diesem ruhigen Tag noch einmal explizit auf den neuen Thread -> Sonderthemen-Wünsche <- hinweisen.

Darin hatte ich Sie gebeten, mir die Themen zu nennen, die Ihnen persönlich auf den Nägeln brennen oder die Sie interessieren, so dass ich dann wenn möglich auf Ihre Bedürfnisse eingehen kann. Denn ich kann nicht Gedankenlesen und kann immer nur vermuten, wo Ihre Defizite oder Bedürfnisse in Sachen Geldanlage liegen.

Sie dürfen aber auch über das reine Thema Geldanlage hinaus gehen, die ganze Bandbreite dessen, was ich hier thematisiere ist offen, von Politik bis zu privaten Themen. Wenn ich zu etwas nichts sagen kann oder nichts sagen will, bin ich ohne Probleme in der Lage, dazu *Nein* zu sagen. Sie müssen sich also keine Sorgen machen "zu viel zu verlangen", weil meine Schultern breit genug sind, dass Sie gar nichts von mir "verlangen" können, sondern ich nur das bereit bin zu geben, was ich auch geben will. Es gibt aber eben viele Themen, die ich bestimmt gerne mit Ihnen teile, auf die ich jetzt aber nicht komme und genau dazu dient dieser Thread.

In diesem Zusammenhang will ich gleich als Hinweis loslassen, dass zu allgemeine Wünsche eher geringe Chancen haben erfüllt zu werden. Wir hatten das Thema im letzten Frühjahr und Herbst schon einmal, als ich unter den Überschriften -> Themen die Sie interessieren <- und -> Was würde Sie interessieren? <- einen ähnlichen Aufruf gestartet habe.

Schon damals habe ich geschrieben und es ist weiter gültig:

Bedenken Sie, dass ein Artikel ein Artikel ist und kein Buch. Fragen wie "wie funktioniert Risikomanagement" sind nicht zu beantworten, dazu kann man nur schweigen. Denn das ist ein ganzer Themenkatalog, zu dem man eben ein Buch schreiben könnte.

Das heisst aber nicht, dass Sie so allgemeine Wünsche nicht formulieren sollten, ich betrachte das ja auch mehr als Ideenquelle und greife mir dann vielleicht einen Teilaspekt heraus. Nur erwarten Sie bitte nicht, dass ich ein Buch schreibe und so eine Frage umfassend beantworten werde.

Also, damit frisch ans Werk. Wer bisher noch nicht im Forum geschrieben hat, macht aber bitte vorher seine -> Vorstellung <-

Damit will ich mich aber auch gleich mit der ersten Frage zu "Big Money" beschäftigen, das ist nämlich eine, zu der ich leider recht wenig sagen kann:

Was mich fasziniert und aber auch neugierig macht ist folgende Frage: Wer ist eigentlich das "Big Money"? Wie funktioniert das? Mal ganz lapidar in den Raum geworfen, gibt es in der ersten Handelsstunde eine Telko, wo alle "Wichtigen" zusammen sitzen und sagen, okay heute wollen wir mal wieder up oder lasst mal lieber heute den Markt verkaufen? Oder, wer wacht 15 Minuten vor Handelsschluß auf und kauft und verkauft im großen Stil? Wie ist das koordiniert, ist es überhaupt koordiniert? Oder sind nur die Algos alle so ziemlich gleich?

Tja, das würde ich auch gerne wissen. 😉

Denn an den Börsen steht am Dollar der den Besitzer wechselt ja nicht, ob er vom Kleinanleger oder Finanzinvestor kam. Wenn der Begriff "Big Money" benutzt wird, ist es also eine abstrakte Kategorie, mit der man die Anleger zusammenfassen will, die Millionen pro Trade bewegen und nicht nur Tausende wie der typische Kleinanleger.

Das Dumme dabei ist, der Begriff ist eine "amorphe Masse", die ganz viel zusammenfasst, was ganz unterschiedlich ist. Und vor allem, man weiss *nie* ob man es wirklich richtig identifiziert, man kann es immer nur deduktiv bzw durch Empirie vermuten.

Vermuten kann man, weil das grosse Geld ja indirekte Spuren hinterlässt, anhand derer man dann Schlussfolgerungen zieht, wo und wann es sich tummelt. Eine klassische Spur dabei ist das Volumen, wenn das Volumen markant hochschiesst, *muss* grosses Geld beteiligt sein.

Wenn man also zum Beispiel sieht, wie jeden Tag in den letzten 15 Handelsminuten im SP500 das Volumen hochgeht und die Kurse ausschlagen, ist die Vermutung naheliegend, dass sich hier grosses Geld für den Folgetag positioniert. Naheliegend, sicher weiss man es aber nicht. Aber weil das grosses Geld sein muss, dass da beteiligt ist, können die letzten 15 Minuten oft einen Hinweis darauf geben, wie der Markt wirklich denkt.

Oder wenn man sich im -> Moneyflow <- grosse Sprünge bei den "Blocktrades" anschaut, dann muss das "Big Money" gewesen sein, denn jemand anders macht keinen Blocktrades.

So gibt es viele kleine Indizien, verknüpft mit dem Wissen wie bestimmte Klassen von Marktteilnehmern arbeiten, die zu einem deduktiv bzw empirisch generierten Bild führen, wie sich "Big Money" im Markt bewegt und was es gerade will. Aber dieses Bild ist erstens immer nur eine Annäherung, sicher weiss man gar nichts und zweitens verändert es sich im Laufe der Zeit, weil der Markt sich eben verändert und das Verhalten der Teilnehmer auch. Eine fixe, definitive Antwort wo das "Big Money" zu finden sei, kann es also nicht geben.

Nun kann man sich ja fragen, warum man sich überhaupt um das Thema bemüht, wenn es so unscharf und gar nicht zu messen ist. Das ist ganz einfach, gerade weil grosse Marktteilnehmer mit ihrem schieren Volumen die Chance haben, den Markt direkt zu beeinflussen, wäre es ein Edge, wenn man ihre Absichten schon im Vorfeld erhaschen könnte.

Dabei wird das leider immer schwieriger, weil diese ihre Handlungen zunehmend in Dark Pools verstecken, wie ich das schon 2013 in der Wirtschaftswoche in -> Das Kreuz mit den Dark Pools <- und 2014 hier im Blog in -> Dark Pools und schädliche Marktfragmentierung <- erklärt habe.

Das Problem für uns dabei ist, dass das "Big Money" in seinen Absichten damit unserer Sicht entzogen ist, es ist wie wenn ein Vorhang vor das Geschehen gezogen wurde. Ich sage ja immer in Anlehnung an den Fussball "Die Wahrheit liegt auf dem Platz". Das ist auch so, wenn alle Transaktionen über geregelte Börsen laufen, dann kann sich niemand an den Märkten verstecken.

Mit einem Dark Pool aber, ist das so wie wenn im Stadion unter den Augen der 70.000 Zuschauer das Endspiel Deutschland gegen Argentinien läuft und Deutschland gewinnt 1:0, der Weltmeister scheint festzustehen. Dann aber kommt die Meldung, dass in einem Parallelspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit Argentinien 2 Tore geschossen hat und damit das Ergebnis 1:2 steht.

Würde das beim Fussball jemand akzeptieren? Natürlich nicht. An der Börse wird es mit den Dark Pools zur Regel und damit liegt die Wahrheit eben nur noch teilweise auf dem Platz.

Aber zurück zum "Big Money", an der Tatsache dass das "Big Money" sich zu verbergen versucht, kann man im Umkehrschluss erkennen, wie wichtig und mächtig es wäre, seine Absichten erahnen zu können. Denn wäre das ohne Einfluss, müsste sich dieses Geld nicht in Dark Pools verstecken. Und deshalb arbeiten wir weiter daran, seine Fussspuren zu entdecken, wohl wissend, dass wir nie eine definitive Antwort haben werden, "wer" das denn nun wirklich war.

"Big Money" wird für uns immer "huschende Schatten in der Dunkelheit" bleiben, die Gesellschaft der Schatten eben.

Aber wenn ich als Jäger oder als Wache im Dunkeln lauere, ist es ein Vorteil wenigsten die Schatten und das Rascheln erkennen zu können, statt von den Bewegungen gar nichts mitzubekommen und dann völlig überrascht zu werden.

Womit wir bei der Frage sind, wer dieses "Big Money" denn ist und auch diese Antwort ist heterogen. Und so heterogen sind dann auch die Arbeitsweisen dieser grossen Marktteilnehmner.

"Big Money", das ist auch das grosse Family-Office oder der grosse Fonds und dort läuft es oft tatsächlich so, dass erst mal eine Konferenz stattfindet, in der das weitere Vorgehen besprochen wird.

Wenn also in der kommenden Nacht etwas Grundlegendes passiert, so zum Beispiel ein Krieg in Korea sich anbahnt, werden bei grossen, klassischen Fonds die weltweit anlegen, am frühen Morgen des kommenden Tages erst mal definierte Investment-Komitees zusammen kommen, die das weitere Vorgehen absprechen. Und erst dann wird gehandelt. Solche Fonds gibt es.

Dann gibt es aber auch (Hedge-)Fonds, mit einer genau definierten Strategie, die sehr eng ist und den Menschen wenig Freiheiten lässt. Dann wird diese Strategie wohl in Algos übersetzt sein und weitgehend automatisch ablaufen. Dieser Teil von "Big Money" agiert dann also schon in der Nacht bzw sofort zur Handelseröffnung, eine Diskussionszeit gibt es da nicht und diese Art von "Big Money" wird stärker, während die Fonds mit "menschlicher Strategie" und "Komitee-Ansatz" weniger werden.

"Big Money" sind aber auch die High-Frequency-Trader (HFT), denen es gar nicht um echte Bewegungen, sondern eher um klitzekleine Divergenzen im Millisekundenbereich geht. Das läuft natürlich vollautomatisch.

Sie sehen, es gibt nicht *das* "Big Money", das ist ein schwammiger Begriff, der ganz viel zusammenfasst, was man nur als "Gesellschaft der Schatten" im Markt wahrnehmen kann.

Und ja, da derzeit die Algos stark am Kommen sind, viele davon aber nach ähnlichen Logiken programmiert sein dürften, kann man aktuell auch im Gleichmass der Bewegungen und der Sturheit der Trends den Fussabdruck des "Big Money" erkennen.

Das wird sich aber wieder ändern, je "intelligenter" diese Algorithmen werden. Der Markt ist eben immer in Bewegung.

So... damit habe ich zu dieser Frage in allgemeiner Form Stellung bezogen. Dass es eher eine Problembeschreibung denn eine präzise Definition von "Big Money" geworden ist, liegt eben daran, dass es diese nicht gibt und es trotzdem Sinn macht, dieser Gesellschaft der Schatten nachzujagen.

Ihr Hari

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Die „Super-Algos“ und die „Ugly Bags of mostly Water“



Im freien Bereich, habe ich den Ihnen bekannten Artikel -> Algo-Trading - es ist so verflucht artifiziell <- aufgearbeitet und zweitverwertet.

Damals im Forum zum ursprünglichen Artikel hat unser Mitglied Silvianna mir -> hier <- den folgenden Vorschlag gemacht:

@Hari

bevor Du in den wohlverdienten Ferienurlaub startest, habe ich einen Wunsch an Dich und natürlich auch alle anderen Forenteilnehmer: wie wäre es wenn wir uns alle in sommerlich still entspannter Ruhelage mal wirklich versuchen klarzumachen, was das übernehmende Algotraiding bedeuten wird.

Die Chartechnik entwickelt jedes einmal programmierte Algo selbstständig weiter und wird immer schneller sein als jeder Mensch. Gibt es künftig noch einen Edge für den Menschen ? Wenn ja, worin besteht er? Ist das selbstreferenzielle System in Kürze fähig, einen großen Crash zu produzieren, in voller Absicht ? Und das Scherbenaufsammeln ist gleich mitprogrammiert ? Was soll einen skrupellosen Spekulanten davon abhalten, einen solchen Algo in Auftrag zu geben ? Und ist das Algotraiding nun eigentlich der totale Triumph oder das totale Ende der Charttechnik ?

Eine richtig gute Idee. Und ich habe nachgedacht...

Wer schaut, was heute im -> Basic Algorithmic Trading <- gemacht wird, erkennt klassische "Brot und Butter Techniken", die Menschen auch machen und die recht stur abgearbeitet werden.

Und weil das so ist, verstärken die aktuellen Algos die bekannten Marktmuster und Strukturen. Trends dauern länger, Muster werden sauberer. Die Algos machen technischen Handel derzeit also einfacher und nicht schwerer, das ist mein Eindruck. Wir erleben derzeit eine gute Zeit für Markttechniker und klassische Strukturen wie Trendfolge.

Aktuelle Algos sind derzeit also nicht viel mehr, als bekannte menschliche Handelstechniken, nur automatisiert und mit der Gnadenlosigkeit der Maschinen unterlegt.

Aber was ist, wenn diese Algos intelligenter werden und sich Wandlungen des Marktes anzupassen lernen?

Ich glaube es ist müssig, über den Zustand des Marktes in 20 Jahren zu philosophieren. Denn wenn eine echte künstliche Intelligenz entsteht, dann wird sich weit mehr verändern, als die Art wie die Märkte funktionieren. Das ist also alles Spekulation und Science Fiction.

Aber 5 Jahre, können wir ja versuchen in die Zukunft zu schauen. Und da ist relativ klar, dass die derzeitige Front der KI Entwicklung, die mit sich selbst adaptierenden, lernenden Algorithmen zu tun hat, auch in der Finanzwelt Einzug halten wird. Siehe auch hier: -> Google KI Forschungszentrum Zürich <-

Nun haben wir ja erlebt, wie Computer-Algorithmen die Menschen bei Schach und zuletzt auch Go, mit der rohen Gwalt ihrer tiefen Zuganalyse besiegen können. Heisst das, dass menschliche Trader auch an den Börsen bald nutzlos werden?

Gemach, wohl kaum. Denn da ist eine "Naturkonstante" der Märkte vor, die das verhindert. Sie ahnen es, es ist die -> Reflexivität <-.

Ich weiss, ich mache mich nun bei Schach- oder Go-Enthusiasten unbeliebt, aber beide Spiele sind im Vergleich zu einem selbstreferentiellen System vergleichsweise "trivial". "Trivial", weil sie einen prinzipiell endlichen und statischen -> Zustandsraum <- besitzen. Denn es gibt zu jedem Zeitpunkt eine (am Anfang gigantisch grosse) Menge von möglichen Zügen, die wiederum neue Züge ermöglichen und damit diverse Spielenden implizieren. Wenn man so will, ein gigantischer Baum der Möglichkeiten, dessen Verästelungen immer weniger werden, je weiter das Spiel voran schreitet.

Sicher, die Menge der Möglichkeiten ist so riesig, dass sie für einen Menschen faktisch unendlich erscheint. Sie ist aber eben begrenzt und mit jedem Zug werden es weniger Möglichkeiten, so dass im Endspiel des Schachs, selbst ein geübter menschlicher Spieler mit seinem "Affenhirn", den weiteren Verlauf schon um viele Züge voraus ahnen kann und auch ein zwangsläufiges Ende (Matt) schon viele Züge vorher erkennen kann.

Die Möglichkeiten und Züge des Spiels verändern sich auch nicht, sie sind prinzipiell statisch, weil die Regeln statisch sind und bei jedem Spiel prinzipiell wieder gleich und "berechenbar". Heisst, wenn zwei Spieler genau gleich agieren, wie beim Spiel vorher, wird auch das Spiel völlig identisch ablaufen. Alleine die hohe Zahl der Möglichkeiten lässt das Spiel unberechenbar erscheinen, obwohl es das nicht ist.

Theoretisch kann man also einen Algorithmus bauen, der im Schach mit weissen Steinen prinzipiell unbesiegbar ist. Dafür reicht zwar die aktuelle Rechenpower der schnellsten Computer immer noch nicht, es ist aber theoretisch machbar.

Der Markt ist ganz anders und in ihm kann auch theoretisch keine unbesiegbare Maschine gebaut werden. Und das aus einem entscheidenden Grund: der Reflexivität. Denn der Markt ist nicht statisch, sondern selbstreferentiell dynamisch.

Und das eben, weil die Markteilnehmer, hier die Algos, den Markt durch ihre Handlungen selbstreferentiell verändern. Der Markt hat keine (zwar riesige aber doch) endliche Menge von Zuständen wie Schach oder Go und spielt auch nicht nach festen Regeln wie diese, er verändert seine Regeln permanent aus sich heraus. Das ist ungleich viel komplexer, da es ein Spiel auf beweglichem Untergrund mit sich wandelnden Regeln ist.

Machen wir es mal konkret. Stellen wir uns adaptive Algorithmen mit fortgeschrittener künstlicher Intelligenz vor, die mit gigantischer finanzieller Feuerkraft am Markt gegeneinander spielen. Können diese riesige Gewinne machen und sind die menschlichen Trader dabei chancenlos?

Meine Antwort ist Nein und Nein. Bei Schach und Go, mit ihren prinzipiell endlichen (wenn auch riesigen) Zustandsräumen, hätten menschliche Spiele gegen diese fortgeschrittenen Algorithmen keine Chance.

Im Markt aber, treten diese "Super-Algos" gegeneinander an und in dem sie mit ihrem Kapital im Markt agieren, verändern sie diesen reflexiv und müssen damit letztlich gegen sich selber kämpfen. Und damit paralysieren sie sich gegenseitig.

Und ein menschlicher Trader mit "normalem" IQ muss nur eine einzige Eigenschaft, ein einziges Muster finden, dass diese Algos vereint und er hat wieder einen (temporären) Edge.

Was natürlich für die Super-Algos auch gilt, diese haben diese Chance der Mustererkennung auch. Aber ihre Super-Intelligenz und Ihre Geschwindigkeit verschafft Ihnen eben keinen alles entscheidenden Vorteil gegen diesen "haarigen Affen", den die Evolution hervor gebracht hat. Sicher, sie werden extrem harte Gegner sein, aber nicht unbesiegbar. Schon gar nicht in 5 Jahren, wenn diese "Super-Algos" wohl immer noch Science-Ficton sind.

Ich bin nicht sicher, ob mein Punkt verständlich war. Ich will es mal anders sagen:

Unsere menschlichen Gehirne sind von der Evolution zu genialen Mustererkennungs-Genies geformt worden. Was das angeht, lassen wir alle Maschinen noch weit hinter uns.

Und Mustererkennung ist im reflexiven Markt der entscheidende Faktor, eben weil sich die Regeln des Marktspiels selbstreferentiell ändern und es keine fixen Wahrheiten gibt. Weswegen alle die, die nach der absoluten "Erfolgsformel" im Markt suchen, auch so zu bedauern sind. Diese sind auf der Suche nach dem heiligen Gral, den es nicht gibt. Und wenn es ihn gäbe, würde das Gewicht des eigenen Erfolges diesen "Gral" sofort wieder zerstören.

Wo wir Menschen gegenüber den Maschinen klar unterlegen sind, schon heute, ist bei Geschwindigkeit und Disziplin und Konsequenz des Handelns. Das Gehirn unserer haarigen Vorfahren, spielt uns hier immer Streiche, weil es sich noch in der Savanne wähnt.

Aber wenn es darum geht, die eine kleine Gemeinsamkeit, das feine Muster im Meer der Bewegungen des Marktes zu finden, werden uns die Maschinen noch lange, lange nichts vormachen und selbst wenn, wird der Markt Ihnen durch die Reflexivität Demut einbläuen - so Demut für einen Algorithmus überhaupt eine Kategorie ist.

Damit kommen wir auch wieder zu -> Gödels Unvollständigkeitssatz <-, der der Mathematik - und damit auch algorithmischen Systemen - eine prinzipielle Grenze setzt, wenn die Selbstreferentialität zuschlägt.
Denn "hinreichend starke widerspruchsfreie Systeme, können eben ihre eigene Widerspruchsfreiheit nicht beweisen".

Ich weiss, die Essenz dessen ist schwer zu erfassen, ich habe es aber schon einmal gesagt: Ich halte Gödels Unvollständigkeitssatz für eine der wichtigsten Erkenntnisse der Menschheit, mit weiten Implikationen auch in die Philosophie hinein.

Siehe dazu auch -> Des Kaisers neue Kleider <-, das Buch des berühmten Mathematikers und Physikers Roger Penrose, das damals eine massive Diskussion ausgelöst hat. Ich bin nicht in allem seiner Meinung, aber er hat einen Punkt, über den man nachdenken sollte.

Hier ist das Argument zusammen gefasst und einem Review unterzogen: -> The Lucas-Penrose Argument <-

Und hier ist ein -> Review <- zusammen mit -> Gödel, Escher, Bach <-, dem Buch, das ich Ihnen schon im Reflexivitäts-Artikel empfohlen hatte, das besser als Penrose zu lesen ist und das ich Ihnen erneut ans Herz legen will, wenn Sie das Thema in seiner Tiefe interessiert.

All diese Argumente widersprechen nicht dem Aufstieg künstlicher Intelligenz. Wenn diese aber an die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns heran will, muss sie wohl teilweise "menschlich" werden und sich von der -> Turing Maschine <- lösen. Und damit bekommt die KI auch ein paar Probleme, die uns plagen.

Zurück aber zu uns als menschliche Trader im Zeitalter der Algos. Und alle aktuellen Algos, sind derzeit noch "reine, puristische, Turing Maschinen".

Das Leben für uns menschliche Trader wird in Zukunft nicht leichter und nur die Besten werden gegen die harte, gandenlose Hand der Maschinen bestehen können. Aber man wächst mit seinen Aufgaben und wir -> ugly bags of mostly water <- sind im reflexiven Markt noch lange, lange nicht chancenlos, während wir bei Spielen mit statischen Entscheidungsbäumen wie bei Schach und Go, schon heute klar geschlagen sind.

Hier sind ein paar Links und Bücher zum Einlesen, lernen und weiter verzweigen, wer sich für das Thema interessiert:

-> Algotrading101 <-
-> Quantopian <-
-> Quantstart <-
-> Quantnet <-
-> Mathlab <-

-> The play at home version <-
-> Rise of amateur algo traders <-
-> Algo trading restrictions coming <-
-> Algo trading is a ticking litigation bomb <-
-> The rise of algo trading <-

-> Trading Systems and Methods - Perry Kaufman <-
-> Building algorithmic trading systems - Kevin Davey <-
-> Algorithmic trading - Barry Johnson <-

So weit meine Gedanken zum Thema. Es ist ein hoch spannendes Thema, das unser immer mehr begleiten wird. Insofern ideal für eine paar intelligente Gedanken im Forum.

Was meinen Sie zum Thema? Bin ich zu optimistisch oder habe ich damit Recht, dass im reflexiven Markt selbst ein "Gott" keine beständigen Gewinne generieren kann, wenn er gegen andere "Götter" spielen muss?

Reicht es für uns "Ugly Bags of mostly Water", diese eine Achillesferse, dieses eine den "Göttern" gemeinsame Muster zu erkennen, um daraus immer noch am reflexiven Markt Kapital schlagen zu können?

Ich bin gespannt, was Sie denken. Und ich hoffe, ich habe Sie nicht erschlagen und es gibt eine angeregte Diskussion von Philosophie, über Mathematik bis Algo-Praxis und KI.

Ihr Hari

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Strategien – Wie Sand am Meer


Ich mache heute bei der Beantwortung der -> Themen, die Sie interessieren <- weiter und nehme mir ein sehr schöne und auch schwierige Frage vor, die da lautet:

Ein für mich zentraler Hari Live-Artikel der letzten Tage war "Information, Strategie und Disziplin". Und der für mich wichtigste Satz daraus lautete: "Erstens, wenn Sie keine konkrete, definierte Strategie haben, sondern nur nach Lust und Laune "herum kaufen", haben Sie sowieso keine Chance. Tut mir leid, das ist so."

Ich muss mich da an der Nase nehmen und zugeben, dass sich dieser Punkt durch die lehrreichen Artikel von Hari zwar etwas gebessert hat, aber bei weitem noch nicht ausreicht. Die Hausaufgabe der kritischen Selbstwahrnehmung kann mir niemand abnehmen, aber eine Vorstellung der verschiedenen Strategien wäre toll. Mir ist nämlich gar nicht klar, welche und wie viele Möglichkeiten es hier gibt und was am besten zu mir passt.

Oh je. 😀

Der Antworten sind viele. Wie Sand am Meer.

Vielleicht ist die Metaebene die beste Antwort die ich geben kann, ob sie befriedigt, ist eine andere Frage:

Erstens, eine gute, reproduzierbar Ertrag bringende Strategie, muss nicht komplex sein. Sie kann durchaus nur auf einem einzigen beobachtbaren Sachverhalt im Markt beruhen, den man dann "rauf und runter handelt". Zum Beispiel:

  • dass ein Asset eine inverse Korrelation zu einem anderen hat
  • oder dass ein Asset dem anderen Asset zeitlich etwas vorläuft
  • oder dass eine Kursstellung durch Zeitverzögerung immer wieder suboptimal ist
  • oder dass es immer wiederkehrende Handelsstrukturen in der letzten Handelsstunde eines Assets gibt
  • oder dass man Aktien nach einem bestimmten fachlichen Beuteschema kauft, in dem man sich aus beruflichen Gründen besonders gut auskennt
  • oder dass man Assets mit bestimmten technischen Merkmalen wie beispielsweise Volumenausbrüchen kauft
  • oder dass man die Foren überwacht und sich an besonders gehypten Aktien labt und zwar am Anfang Long und am Ende des Hypes Short
  • oder dass man bestimmte Chartmuster gezielt scannt und handelt, bis man diese in jedem Detail beherrscht
  • oder dann man sich tief in die fundamentalen Fakten des Unternehmens einwühlt, bis man fast so viel wie das Management weiss
  • oder dass man gezielt Insiderdaten überwacht und darauf basierend handelt
  • oder dass ein selbst geschriebener Algo für einen bestimmte Daten durchsucht und Korrelationen herstellt
  • oder oder oder .... ich denke Sie sehen den Punkt. Wie Sand am Meer eben. 😉

Zweitens, wie oben beispielhaft erwähnt, ist jedes, ausnahmslos jedes Detail des Finanzmarktes, theoretisch dazu geeignet, darauf eine Strategie aufzubauen, wenn man in dem Detail etwas finden kann, was man für sich so verfeinert, vertieft, erkennt oder ausgestaltet, dass man damit einen kleinen (Wissens/Zeit-)Vorsprung vor den Anderen hat. Den "Edge" eben. Es gibt also tausende, wenn nicht Millionen potentielle Strategien, von ganz trivial bis hoch komplex.

Drittens, neben dem zu beschreibenden Edge, zeichnet eine erfolgsträchtige Strategie aus, dass sie genau definiert: WAS man tut, WARUM man es tut, WIE man es tut und WANN man damit aufhört (= wann man den Gewinn mitnimmt oder Verlust begrenzt). Wenn man das hat, braucht man "nur" noch Disziplin, eine der schwierigsten Aufgaben. Eine Strategie ist also auch nichts anderes, als eine Art "Projekt" mit genau definiertem Ziel und diszplinierten Schritten dahin.

So ....

Nun befürchte ich, dass die Antwort nicht befriedigend ist. Möglicherweise ist das was gesucht wird, nicht eine Vorstellung aller verschiedenen, potentiellen Strategien, denn das würde eine Bibliothek füllen, sondern ein paar Vorschläge, "was man denn so machen könnte".

Nun, oben bei Erstens stehen die Beispiele eigentlich. Man muss nur das Wort "Asset" durch etwas Konkretes ersetzen und dort etwas finden, was andere so nicht sehen können.

Und damit sind wir bei Viertens.

Viertens, richtig erfolgreiche Strategien, gedeihen im Verborgenen oder im kleinen Kreis, wobei so ein kleiner Kreis auch eine abgeschlossene Gruppe wie diese Community sein kann, weil wir zuwenig sind, um das Verhalten des Marktes durch unser Handeln rückkoppelnd zu ändern. Denn die verfluchte Reflexivität sorgt dafür, dass das was alle sehen und tun, kaum mehr einen Edge haben kann.

Und damit komme ich zum letzten Satz der Frage zurück:

Mir ist nämlich gar nicht klar, welche und wie viele Möglichkeiten es hier gibt und was am besten zu mir passt.

Den ersten Teil kann ich beantworten: Endlos viele! Die Welt des Finanzmarktes mit all seinen Zahlen und Korrelationen steht Ihnen offen!

Der zweite Teil ist nicht zu beantworten. Das müssen Sie selber heraus finden. Denn nur Sie kennen sich selber und wissen was zu Ihnen und Ihren Rahmenbedingungen passen könnte.

Denken Sie aber an "keep it simple". Eine erfolgreiche Strategie muss nicht komplex sein, sie muss aber durchdacht sein und auch diszipliniert durchgezogen werden.

Also auch ganz simpel die 200-Tage-Linie für Käufe und Verkäufe zu nutzen, ist eine (simple) Strategie. Ob man damit mangels Edge viel gewinnen kann, ist zu bezweifeln, aber eine Strategie ist es!

Aber eine Erkenntnis ist vielleicht noch wichtig: Der Wunsch "zeige mir Strategien, damit ich eine für mich auswählen kann" wäre zwar nicht völlig falsch und auch verständlich und hätte doch den falschen Zungenschlag.

Denn so herum wäre es richtig:

Beobachte den Markt, bis Dir etwas auffällt, das regelmässig, wiederholbar, berechenbar abläuft. Dann kannst Du darauf vielleicht eine Strategie aufbauen.

Und das müssen keineswegs nur Trading-Szenarien sein, auch eine bestimme fundamentale Kennziffer, die eine bestimmte wichtige Aussage macht, wenn richtig interpretiert, kann so etwas sein. Auf so etwas, fusst eine erfolgreiche Strategie. Einfach zu kaufen, weil es fast allen anderen empfehlen, kann aber wegen der Reflexivität keine sein. Eine erfolgreiche Strategie, erarbeitet man sich also aktiv.

Erneut, das war möglicherweise nun nicht, was erhofft wurde. Die dann erhoffte Antwort, kann ich aber nicht liefern, denn der Strategien sind eben "wie Sand am Meer".

Erfolgreiche Strategien am Finanzmarkt, sind also nicht wie Anzüge, für die man in den Laden geht, sich anschaut was so angeboten wird und dann den mitnimmt, in den man am besten herein schlüpfen kann und der ganz "cool" aussieht.

Erfolgreiche Strategien am Finanzmarkt, mit denen man reproduzierbar besser als dieser abschneiden will, sind eher wie Schätze, die man findet, bevor zu viele andere sie finden und hütet, wie einen goldenen Reichsapfel. 😉

Und die Botschaft ist dann vielleicht am Ende doch ganz hilfreich. 🙂

Wenn Sie aber eine bestimmte, konkrete Strategie im Auge haben und dazu meine Meinung wollen, dann stellen Sie das als Frage gerne im Thread ein. Wenn ich eine Antwort geben kann - was ich nicht zu allen kann - dann gebe ich sie gerne!

Und wenn Sie gar nicht nach Strategien suchen, mit denen Sie reproduzierbar besser als der Markt abschneiden, sondern beispielsweise nur Ihr "Affenhirn" kontrollieren wollen und schon zufrieden sind, mit dem Markt einfach mit zu laufen, dann sind wir in einer ganz anderen Fragestellung, in der die Reflexivität nicht mehr so sehr ihre gnadenlose Wirkung entfaltet. Wenn Sie das suchen, dann stellen Sie mir eine konkrete Frage, denn der Möglichkeiten sind auch da viele.

Ihr Hari

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Menschliche Dinosaurier



Guten Morgen!

Der schwache Januar liegt hinter uns, das Ergebnis aus Dollarsicht der einzelnen Märkte und Sektoren, können wir -> hier <- bewundern.

Wirklich gut gelaufen sind die Versorger als klassischer "Safe-Haven" - in den US sind sie das noch, die haben aber auch keine Energiewende. Daneben dann die Edelmetalle und US Staatsanleihen, die wir ja sowieso im Auge haben. Alles andere, war ein mehr oder weniger rotes Meer.

Dass man in diesem Januar mit automatisierten Systemen trotzdem gut Geld machen konnte, zeigt uns der folgende interessante Artikel zu -> Automated Hedge Fonds <- -, die im Januar grosse Erfolge hatten

Und dass automatisierte Systeme selbst bei College Kids auf dem Vormarsch sind, können wir ebenso interessant hier nachlesen:
-> College Kids and High Frequency Trading <-

Menschliche Trader wie ich, werden also mehr und mehr zu "Dinosauriern". Solange wir unsere Emotionen im Griff haben, sehe ich aber keinen Nachteil darin und wenn die Algos mal keine Menschen mehr haben, deren offensichtliche Schwäche sie abschöpfen können, bin ich mal gespannt, wo dann der konsisitente Gewinn herkommen soll, denn auf der Gegenseite muss ja jemand verlieren.

Auch im obigen Fall haben die meisten Algos wohl mit einer eher einfachen Trendfolge-Logik "Short Energy, Long Bonds" Erfolg gehabt. Aber jeder derartige Trade braucht eben auch einen klaren Trend, sonst wird auch der beste Algo ein Problem haben. Und wenn ein klarer Trend da ist, kann ihn auch ein Mensch für sich nutzen.

Aber zurück zum Markt diese Woche.

Dieser hat ja mit den letzten Handelsstunden am Freitag endlich, -> auf den allerletzten Drücker <- das Signal zum Rebound gegeben, auf das wir die ganze letzte Woche gewartet haben.

Wäre es trotz dreier Notenbanken im Stimulus-Modus nicht gekommen, hätte man sich auch allergrösste Sorgen machen müssen.

Aber selbst jetzt bleibt Skepsis, denn immer noch ist die Reaktion eher schwach und verhalten, gegenüber der langen Liste an Parametern, die seit fast 2 Wochen für einen markanten Rebound sprachen.

Etwas Essig in den Wein, hat dann heute Nacht auch mal wieder China geschüttet, wo der ISM Einkaufsmanagerindex noch schwächer im Kontraktionsmodus herein kam, dafür aber wenigsten Index für Dienstleistungen im positiven Bereich lag. Die Transisiton der chinesischen Wirtschaft weg von der rohstofflastigen Schwerindustrie, hält also an. Alle temporären Rebounds im Rohstoff-Sektor, müssen daher bis auf Weiteres mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden.

Für die Indizes und den DAX, wird der vom Freitag von der Wallstreet ausgehende Schub heute vormittag vielleicht noch für etwas Aufwärtsbewegung sorgen, aber schon am Nachmittag ist das Risiko hoch, dass die Wallstreet erst einmal in ein Retracement fällt und wieder etwas nachgibt.

Und dann wird sich an den Folgetagen zeigen, ob dieser Rebound nun endlich auch nachhaltig in Bewegung kommt und Schwäche nun konsistent gekauft wird.

Ich persönlich glaube, dass der Rebound noch Luft bis zur genannten 2.000er Zone im S&P500 hat und im DAX wohl über 10.000 schauen wird. Alles darüber hinaus, ist für mich aber mit einem dicken Fragezeichen versehen. Um mich davon zu überzeugen, muss ich mehr bullischen Kaufdruck sehen, als wir die letzten beiden Wochen hatten.

Bei Gold kommt nun ein ganz entscheidender Test. Wird Gold auch in einem starken Markt trotzdem steigen? Und geraten die Minen endlich nach oben in Bewegung?

Derzeit sieht es noch gut aus:

Gold 01.02.16

Der Beweis, dass Gold auch gegen einen starken Aktienmarkt steigen kann, muss aber noch angetreten werden und dieser Beweis ist zwingende Voraussetzung, bevor man hier optimistisch werden darf. Auch weiter wachsende Bestände im physischen Gold-ETF GLD, wären als Signal sehr wichtig.

Der ganze Sektor ist es nun also wert, intensiv beobachtet zu werden. Ein klares Signal, gibt es aber noch nicht und Vorsicht und Skepsis ist weiter angebracht.

Der wichtigste Termin im Verlauf dieser Woche, werden - wie immer in der ersten Woche eines Monats - wieder die US Arbeitsmarktdaten am Freitag sein. Heute haben wir um 09:55 Uhr noch den deutschen Einkaufsmanagerindex, um 16 Uhr den US Einkaufsmanagerindex und um 17 Uhr eine Rede von Mario Draghi.

Auch an Quartalszahlen, ist es eine massive bewegte Woche, schauen Sie sich selber die Kandidaten -> hier im Earnings Calender <- an.

Der Montag ist noch vergleichsweise ruhig an der Quartals-Berichts-Front, hat aber mit Alphabet (Google), Anadarko, Hain Celstial oder Rayonier, schon ein paar bekannte Namen.

Am morgigen Dienstag geht es dann aber mit voller Wucht und vielen bekannten Namen weiter, darunter Agco, Archer Daniels Midland, Baxter, BP, Chipotle, Dow Chemical, Exxon, Gilead Sciences, Illumina, Infineon, Pentair, Pfizer, Qiagen, Yahoo.

Setzen wir also diese Woche auf eine Erholung, bleiben aber vorsichtig und rein opportunistisch. Solange wir unter Neupositionen sofort einen Stop setzen, spricht nichts dagegen, nach oben auch mal etwas agressiver zu werden. Gerade im Bereich der im Januar stark verprügelten Sektoren, gibt es viele attraktiv aussehende Wendeformationen.

Um aber ohne Stop einfach mit beiden Händen das Depot zu füllen und auf einen neuen Bullenmarkt zu hoffen, ist dieser Markt viel zu wackelig und gefährlich. Diese Art "Hopium" zu atmen, sollten wir anderen überlassen.

Ich wünsche eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 05.04.15 – 11.04.15

Premium gross

Hari Live - Archiv 05.04.15 - 11.04.15

Freitag 10.04.15 15:50 - Wir sind Helden!?

Sie sehen ja das Fragezeichen neben dem Ausrufezeichen in der Überschrift und dann ahnen Sie als treue Leser schon, worauf ich hinaus will. 😉

Denn in Moment klappt fast alles. Man nehme ein aussichtsreiches technisches Setup, warte maximal 2 Tage und *boom* ist der Kurs locker 10% höher.

Man nehme einen Dartpfeil, werfe den auf einen Bluechip und ein paar Tage später saust der Kurs hoch.

General Electric ist gerade so ein Fall, ich habe in blau markiert, wo da nun der Kurs schwebt, nachdem GE seine ganze Finanzsparte GE Capital verkauft, die das Unternehmen 2008 fast an den Rand des Exitus gebracht hatte. Damit wird GE wieder zu einem reinen Industrieunternehmen. Die Börse liebt es.

GE 10.04.15

Der Markt befindet sich für Anleger im Euro-Raum gerade in der Besten aller Welten - zumindest in Euro gerechnet. Und deswegen klappt fast alles. Eigentlich braucht man nur einen europäischen Index kaufen und der ist eine Woche später höher - fertig. 😀

Ist das unser "Verdienst" und sind wir nun "Anlage-Helden" geworden? Eher nein, auch wenn es schön wäre.

Weiterlesen ...

Raptoren im DAX

Der folgende Beitrag ist ein kleiner Auszug aus Hari Live von gestern Dienstag 06.01.15 14:30

Ich weiss nicht, ob Sie es bemerkt haben, aber wir hatten heute im DAX wieder so einen massiven Fakeout - ohne Sinn und Verstand sozusagen.

Derartiges Geschehen beobachte ich nun zunehmend im DAX und denke, dass dahinter wahrscheinlich aggressive Raubtier-Algorithmen stehen, sozusagen die "Raptoren des DAX Handels".

Schauen Sie mit mir mal auf das Intraday Chart des DAX Futures:

DAX 06.01.15

Sie sehen eine perfekte Wende, die sich da andeutete. Ich hatte diese heute früh angekündigt und sie ist ja nun auch gekommen, wir sind im DAX nun Stand 14:30 Uhr unter 9600 und damit genau da, wo ich die Gegenbewegung vermutet hatte.

Nur um ziemlich genau 09:38 Uhr brach der DAX "ohne Sinn und Verstand" massiv ein. Einfach aus dem Nichts, ich kann dafür keinen Auslöser verorten. Der S&P500 hat diesen Einbruch auch nicht bestätigt und sich im Zeitraum kaum bewegt, da war also nichts Relevantes. In anderen europäischen Märkten sieht man auch solche Effekte, wenn auch oft schwächer, das können aber "Schatten" der DAX Bewegung sein, denn die Märkte sind durch automatische Handelssysteme miteinander verknüpft.

Auffällig ist einfach, dass damit eine ganz logische Erholungsbewegung noch einmal abgeschossen wurde und alle frühen Bullen vernichtet wurden, obwohl die Bewegung danach doch wie geplant und als ob nichts passiert wäre, abgelaufen ist.

Ich erinnere mich besonders an den denkwürdigen 16.10.14, als der DAX auf der wichtigen Unterstützung von 8500 sass und ganz klar für einen deutlichen Rebound reif war. Auch an dem Tag kam am Vormittag dann noch ein massiver Einbruch "ohne Sinn und Verstand", der alle frühen Bullen zerstörte und danach, am Nachmittag begann dann - initiiert durch die Wallstreet - doch die V-förmige Bewegung, die den DAX in kurzer Zeit von 8.354 bis über 10.000 Punkte brachte.

Eine gewaltige Rally also, bei der alle besonders gekniffen waren, die eigentlich richtig positioniert waren und dann aber durch diesen plötzlichen Einbruch rausgekegelt wurden und den Einstieg nicht mehr schafften. Aber auch in den folgenden Wochen, habe ich im kleineren Massstab im DAX immer wieder solche Fakeouts am Vormittag erlebt, bevor dann eine echte Erholungsbewegung einsetzte.

Es ist mir unmöglich die Quelle dieser Bewegungen genau zu verorten, ganz klar ist aber für mich, dass das kein normales Marktgeschehen ist, sondern hier grosse Kräfte ihr Spiel mit den Anlegern treiben. So viel gehört im vormittäglichen Handel im DAX gar nicht dazu, der DAX ist halt einfach nur ein Index der zweiten Reihe mit beschränktem Volumen und ein Algo, der gut getimed und mit genügend Feuerkraft, den Index an der richtigen Stelle über die Klippe schiebt und dabei vielleicht noch Zugriff auf die Order- und Stopdaten hat, kann schnell eine Kaskade der Verkäufe in Gang setzen und davon selber profitieren, weil er unten - nach der Kaskade - wieder covered und die Gewinne einstreicht.

Für uns bedeutet das Geschehen ein weiteres klares Indiz dafür, dass wir uns bei mittelfristigen Trades von im System liegenden und Intraday scharf geschalteten Stops mehr und mehr verabschieden müssen. Nur bei echtem Intraday-Handel kann man darauf trotz dieser Einflüsse nicht verzichten.

Ich selber traue mich mit Stops im System eigentlich nur noch an die sehr liquiden S&P500 und NASDAQ heran, die noch am verlässlichsten und ruhigsten agieren. Im DAX und bei Einzelaktien, stelle ich bei mittelfristigen Anlagen aber zunehmend auf Stops auf Basis von Tagesschlusskursen um, die ich händisch kurz vor Handelsschluss in die Wege leite. Diese Technik ist mit mehr Disziplin und Zeitaufwand verbunden, schützt aber dagegen, durch solche Spielereien wie heute permanent rasiert zu werden.

Denn es gibt fast nichts Schlimmeres, als den Markt auf den Punkt exakt antizipiert zu haben und dann durch solche Eingriffe doch heraus geworfen zu werfen, bevor genau das passiert, was man sowieso erwartet hatte. Der Begriff "Raptoren" ist für diese Art Algos völlig zutreffend.

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DAX – Das Zeichen an der Wand – Über die Bedeutung der 7500er Zone – 17.04.13

Ich habe die Premium-Mitglieder schon am Montag darauf hingewiesen, möchte es nun aber noch einmal explizit im freien Bereich machen. Gestern hatte ich ja auch schon die Möglichkeit einer Topbildung im US Leitindex S&P500 thematisiert.

Heute um 09.45 Uhr gab es dann diesen plötzlichen Einschlag im DAX, der nun etwas hilflos Algos zugeschoben wird. Natürlich waren das computergesteuerte Programme, anders geht so etwas gar nicht so schnell ohne Nachricht. Die Algos sind aber permanent da und nicht nur in diesem Moment. Die Frage ist doch eher, warum gehen diese Einschläge nun los ?

Denn eines ist klar, solche Einschläge sind Zeichen an der Wand und sie kommen nicht in sicheren Phasen des Aufwärtstrends, sondern genau dann, wenn der Markt wackelig an einer entscheidenden Marke hängt. Genau dann machen sie ja auch für die Initiatoren so richtig Spass, denn sich gegen einen klar trendenden Markt zu stellen, macht wenig Sinn, ausser man hätte unbegrenzte Feuerkraft.

Und eine entscheidende Zone haben wir im DAX. Die Zone um 7500 ist für den DAX massive Unterstützung, da sie seit Dezember 2012 mehrfach einer Abwärtsbewegung die Grenzen aufzeigte. Und deswegen ist die heutige Bewegung nach einem kurzen Taucher bis 7490 da auch erst einmal abgeprallt. Aber *falls* diese Zone nachgibt, dann haben wir da erst einmal erhebliche Fallhöhe, weil dann mit Sicherheit jede Menge Stops gezogen werden.

Schauen Sie mal mit mir auf den Tageschart des DAX, der spricht eine klare Sprache:

DAX 17.04.13

Wir sind also in einer Phase erhöhten Risikos. Es kann gut sein, dass die 7500 hält und wir hier wieder drehen. Niemand weiss das und Charts wissen genau so wenig über die Zukunft wie wir. Aber dieses Chart sagt etwas anderes, es sagt etwas über die Gegenwart und die ist real: denn wenn es unter diese Zone geht, dann droht eine ausgedehnte Korrektur. Und gegen dieses Risiko kann und sollte man sich schützen !

Nach oben würde ich eine Auge auf diese Abwärtstrendlinie haben. Wenn die nachhaltig gebrochen wird, könnte das eine Entscheidung nach oben sein.

Im Moment - Stand 12:00 Mittags - hängt der DAX in unschlüssiger Wartestellung bei ca. 7590.
Die Wallstreet wird es also mal wieder richten, so oder so. 😉

Ihr Hari

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Leitindex S&P500 nimmt die historischen Höchststände ins Visier – 05.03.13

Im frühen Handel in Europa merken Sie schon, wie die Indizes wie S&P500 und DAX heute scheinbar mit Macht nach oben drehen. Auslöser dürfte die absehbare Auflösung diverser Sorgen sein.

Erinnern Sie sich bitte daran, dass Mr. Market nichts so sehr hasst wie Unsicherheit. Deshalb kehrt nach dem ersten Schreck nun auch vorerst Ruhe an den südeuropäischen Aktienmärkten ein und die Indizes nehmen ihre alte Aufwärtstendenz wieder auf. Deshalb kehrt nach dem Vollzug des Sequesters auch in den USA nun wieder Ruhe ein, denn die Furcht war grösser, als die unmittelbar spürbaren Auswirkungen. Und auch Signale, dass eine -> Entspannung im Haushaltsstreit <- kurz bevor steht, tragen zu der guten Stimmung bei. Damit gibt es im Moment kurzfristig keine grosse Hürde mehr im Fokus der Wallstreet, die einer Fortsetzung der Rally im Wege stehen könnte.

Die alte Regel "buy the rumor, sell the news" hat halt universelle Gültigkeit. Und da sich diese Regel auf positive Nachrichten bezieht, funktioniert Mr. Market bei erwartet schlechten Nachrichten bzw Sorgen genau umgekehrt: "sell the rumor, buy the news".

Auch technisch hat der Rücksetzer rund um Berlusconi und Sequester das Sentiment bereinigt und eine bullische Übertreibung beseitigt. Damit ist der Boden bereitet, damit die Indizes den lange erwarteten Run auf historische Höchststände doch noch dieses Frühjahr in Angriff nehmen können.

Und zu allem Überfluss generiert der Leitindex S&P500 gerade eine beeindruckende, bullische, inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation im Stundenchart, die ein rechnerisches Ziel von 1565-1575 generiert. Sehen Sie selbst im Stundenchart:

S&P500 iSKS 05.03.13

Sie sehen die überdeutliche inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation, die kurz vor der Aktivierung steht (in den Futures ist es aktuell schon geschehen). Eine so deutliche inverse SKS macht es sehr wahrscheinlich, dass diese von den Algos getradet wird, was wiederum das Eintreffen des rechnerischen Ziels wahrscheinlich macht.

Das einzige Fragezeichen dieser Formation ist im Moment, wo die Nackenlinie sinnvoll zu ziehen ist. Die 1525 eignen sich dafür ebenso wie die 1530. Daraus ergeben sich dann die rechnerischen Kursziele von ca. 1565-1575 im S&P500.

Und jetzt raten Sie mal, was auch um die 1570 herum liegt .... genau, die historischen Jahreshöchststände vom 08.10.2007 bei 1576. Da sag doch noch mal jemand, der Markt hätte keinen Sinn für die Schönheit von Zahlen 😉

Diese inverse SKS nimmt also exakt die historischen Höchststände ins Visier. Ehrlich gesagt wäre ich schon fast erstaunt, wenn sich die Algos diese Gelegenheit nehmen lassen !

Das diese Entwicklung auch für den DAX die 8000 in Reichweite bringt, dürfte offensichtlich sein.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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DAX und S&P500 nach der Rückkehr der Mumie – Marktupdate – 26.02.13

Guten Morgen, in Anbetracht des gestrigen beeindruckenden Reversals in Euro, DAX und S&P500, erscheinen mir ein paar Worte der Orientierung dringend nötig.

(1)
Das gestrige Reversal war klassisch und fast mit Ansage. Nur deshalb konnte ich den Top auch gestern Live um 15:16 Uhr in den Tips auf den Punkt festnageln. Denn gegen 15 Uhr, als die ersten Prognose kamen, waren alle positiven Erwartungen eines Sieges Bersanis schon in den Kursen verfrühstückt. Es konnte also nur eine Enttäuschung geben, zumal für uns Europäer leichter als für manch amerikanischen Investor zu erkennen ist, welche Fallstricke in der komplizierten Wahlarithmetik liegen, selbst wenn auf den ersten Blick jemand vorne liegt. Denn die Amerikaner sind einen starken Präsidenten gewohnt. Selbst bei gebildeten und politisch interessierten US-Bürgern, fehlt oft das Gespür für die komplexe Entscheidungsfindung in den europäischen Demokratien.

(2)
Wenn Sie sich jetzt fragen, woher der Markt denn die Glaskugel hatte, die ihn den ganzen Tag einen Sieg Bersanis in den Umfagen bei Schliessung der Wahllokale erahnen liess und zur Rally führte, habe ich eine vielleicht verstörende Antwort für Sie: Der Markt hatte gar keine Glaskugel, da ist Insiderwissen im Spiel ! Solche Umfragen werden doch nicht erst um 15Uhr gemacht, sondern sie werden den ganzen Tag erstellt, in dem Wähler nach Verlassen der Lokale befragt werden. Und zwar seit Sonntag, denn solange waren die Wahllokale auf. Das bedeutet, schon am Sonntag Abend lagen erste Zwischenergebnisse in den Wahlforschungsinstituten vor. Natürlich war es eigentlich verboten diese zu veröffentlichen. Aber daran glaubt wirklich nur meine Oma, dass das auch unter der Decke gehalten werden kann. Zu viele Leute wissen davon und zu gross ist die Versuchung, damit Geld zu machen. Auch die Politiker und auch unser schöner Freund bekommen vorab Ergebnisse, wie auch die Politik in Deutschland an Wahltagen. Und auch die Mitarbeiter der Institute sind doch nicht blöd und wissen, was diese Information in dieser Spannung wert ist. Darüber hinaus haben unzählige Hedgefonds nur im Sinn, an solche Informationen rechtzeitig zu kommen. Und natürlich fliesst auch Geld für solche Informationen. Illegal ? Natürlich ist es das ! Aber who cares - zumal in Italien ?

Mr. Market hatte also keine Glaskugel, sondern "Big Money" wusste was, was wir nicht wussten. Und wenn dann die Big Boys kaufen, dann sehen das Algos und Trendfolgeprogramme und springen auf den fahrenden Zug. Und ganz am Ende auch der private Investor. Und deshalb rauscht ein Markt so hoch wie am Montag, obwohl offiziell noch gar nichts veröffentlicht war.

Meine Leser sollten daher unbedingt als Lehre mitnehmen: glauben Sie nicht daran, dass es im Markt "fair" zugeht. Das ist ein Spiel von Raubsauriern und nur die Stärksten, Schnellsten und Klügsten sind erfolgreich. Aber auch kleine unscheinbare Säugetiere wie wir können da überleben. Aber nur wenn wir unsere Nische kennen, uns hinsichtlich der Raubsaurier keiner Illusion hingeben und diese so gut beobachten, dass wir ihnen nicht als Nahrung vor die Füsse fallen.

Und merken Sie sich ein für allemal: wenn der Markt sich in eine Richtung in Bewegung setzt und Sie wissen nicht warum - dann ist nicht Mr. Market dumm sondern wir! Und richtig dumm ist es dann, Mr. Market auch noch beweisen zu wollen, dass man Recht hat, Sie wissen schon: Ego lässt grüssen. 😉

Und das Schöne ist doch auch, all die Abermillionen die da unter der Hand fliessen, können eine Fehleinschätzung nicht verhindern, wie wenn man etwas zu trivial von einem Sieg Bersanis im Abgeordnetenhaus gleich auf eine stabile Mehrheit schliesst. Intelligenz und Wissen zählen also immer noch und da haben die Säugetiere keinen Nachteil gegenüber den Sauriern.

(3)
Wie gehts weiter ? Erst einmal dürfte klar sein, dass niemand vorhersehen kann, welche Wendungen die Rückkehr der Mumie nun wieder hervorrufen wird. Dem ist fast alles zuzutrauen, meine Phantasie reicht da nicht aus. Insofern sind wir wieder in einem politischen Markt, zumindest zeitweise.

Was aber auch ganz klar ist, ist dass wir im S&P500 technisch nun eine ganz klassische Topbildung vor uns haben. Wir hatten am 21.02.13 den ersten Warnschuss, den ich ja -> hier <- als Artikel verarbeitet habe. Schauen Sie insbesondere mal auf das Chart und fragen Sie sich, wo wir jetzt stehen. 😉

Gestern kam nun der zweite, schwerere Einschlag, der auch die wichtige Marke von 1495 durchschlagen hat. Was nun ganz typisch ist, dass heute zunächst einmal sofort wieder die "Dip-Käufer" in den Markt kommen. Denken Sie daran, dass wir Menschen den Recency-Bias haben. Und weil wir nun so an die Rally gewohnt sind, gehen wir auch davon aus, dass diese weitergeht. Heute werde garantiert auch Stimmen kommen, die von Kaufgelegenheit reden. Und dann geht es erst einmal wieder hoch, weil diese Chance will sich niemand entgehen lassen, zu prägnant ist die immerwährende Rally in den Köpfen. Gestern hatten wir auch sofort einen Buying on Weakness Print im SPY, ich gehe also davon aus, dass der S&P500 heute zumindest die 1500 wieder testet.

Erst dann kommt die Entscheidung. Wenn das nun ein Top war - und das ist im Bereich des Möglichen - wird diese Buy-the-Dip Bewegung auslaufen. Und die dann folgende Abwärtsbewegung wird blutig. Und erst dieser Schmerz wird die Wahrnehmung der Menschen ändern, den Recency Bias ändern und damit den Boden für den nächsten Anstieg bereiten.

Das wäre der klassische technische Ablauf. Aber denken Sie an den politischen Markt. Es reicht jetzt dass eine Handvoll neuer Senatoren von Grillo zum bürgerlichen Lager überlaufen und schon ist die stabile Mehrheit da. Insofern kann ein derartiger Ablauf jederzeit ausser Kraft gesetzt werden. Und wenn heute Nachrichten kommen, dass eine Mehrheit im Senat doch klar ist, wird der S&P500 nicht nur die 1500 wieder erobern, sondern jubelnd zu neuen Hochs laufen. Denken Sie auch an den Sequester, auch diese Entscheidung steht bevor und kann ein positiver Katalysator für die Märkte sein.

Jetzt werden Sie vielleicht denken, wenn das alles so unklar ist, was macht man sich dann überhaupt Gedanken ?

Falsch ! Es geht um Wahrscheinlichkeiten und wir haben nun eine erhebliche Verschiebung der Marktstruktur. Bisher hatten wir einen etablierten, gesicherten Aufwärtstrend ohne jedes Anzeichen einer Wende. Auch da ist eine Wende immer möglich, aber das ist ein Restrisiko. Nun haben wir eine klassische Reversal-Struktur mit bärischem Risiko einer 10% Korrektur, die nur dann ausser Kraft gesetzt wird, wenn "gute" Nachrichten aus Italien oder vom Thema "Sequester" kommen. Damit sehen die Wahrscheinlichkeiten erheblich! anders aus und eine vorsichtige Haltung zum Markt ist rational geboten.

(4)
Mittel und Langfristig für den Verlauf des Jahres hat sich aber in meinen Augen trotz aller Frustration über die Rückkehr der Mumie nicht viel geändert. Die "grosse Rotation" scheint in Gang zu kommen und viel spricht für weiter steigende Kurse. Insofern kann es gut sein, dass eine Korrektur nun eine schöne Kaufgelegenheit ist. Aber eben nicht notwendigerweise heute. Siehe (3).

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Kurzkommentar zur Lage in DAX und S&P 500 – 18.10.12

18:45 Uhr

Ein paar kurze Worte *Live* zur aktuellen Lage.

Leicht macht es einem Mr. Market im Moment wirklich nicht. Schon gar nicht, wenn man *Live* versucht die Lage einzuschätzen und sich damit an die Öffentlichkeit wagt, hinterher ist natürlich alles einfacher. 😉

Sicher, der DAX hat nun die 7410 durchschlagen und damit das Risiko vom Tisch genommen, dass wir nun eine Serie immer niedrigerer Hochs bekommen. Ein Punkt für die Bullen und ein Indiz, dass eine ganz schlimme Wende wohl nícht auf der Agenda steht.

Aber .... es fehlt noch die Erreichung der alten Hochs vom 21.09. bei 7478. Und vor allem, der DAX war mit seinem Anstieg heute ein eher singulärer Event. Denn der Leitindex S&P500 hat sich bisher kaum bewegt und auch andere europäische Börsen wie die Märkte in Spanien und Italien waren eher im Minus.

Schlimmer noch, der S&P500 hat gerade um 18 Uhr eine Bewegung ins Plus bis zu 1464 im Sinne eines kleinen "Swing Highs" sofort wieder negiert und notiert wieder leicht im Minus. Und die Leitaktie Apple schwächelt weiter und technisch sind wir nun sowieso überkauft und reif für einen Rücksetzer.

Das Dumme ist nach wie vor nur, dieser Rücksetzer sollte besser erst kommen, wenn die alten Hochs hinter uns liegen. Andernfalls dürften das die Algos als Signal sehen, den Markt erst einmal bis zur unteren Trendbegrenzung zu traden. Und das würde dann schmerzhaft.

Alles gute Gründe dem singulären Hoch im DAX nur begrenzt zu trauen und vorsichtig und opportunistisch zu bleiben.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habe oft eine klare Meinung zum Markt, heute aber aus kurzfristiger Sicht nicht ! Ich traue dem Braten noch nicht endgültig. Nenne Sie es einen "Riecher". Ich habe deshalb auch meine Hedges bisher im Markt behalten und nicht glatt gestellt. Ich warte ab, bis ich ein klareres Gesamtbild habe. Vielleicht ist es Morgen so weit, vielleicht erst Montag.

Da ja einige Sektoren im Moment klare Aufwärtstrends aufgenommen haben - siehe zb Kohle und Stahl und alles was damit zusammen hängt - gibt es ja für uns auch genügend "Futter" abseits der breiten Indizes.

Und mittelfristig habe ich sowieso und nach wie vor eine klare Meinung. Und die ist zum Jahresende unverändert bullisch, wie schon ohne Unterbrechung seit Juli. Rücksetzer jetzt hin oder her.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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