Der neue, alte Markt – alles wie immer?

Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und ist doch der alte geblieben. Diesen Umstand und was das für Anleger bedeutet, will ich heute auch im freien Bereich kurz anreissen.

Gewandelt hat sich der Markt aufgrund zweier, grundlegender Entwicklungen, die in den letzten Jahren vermehrt Fahrt aufgenommen haben. Einerseits dem Aufstieg passiver Investmentvehikel wie der ETFs, andererseits dem Aufstieg des algorithmischen Handels.

Was die passiven Investmentvehikel angeht, ist deren Logik ja einfach und bestechend. Sie wollen die Bewegungen des Marktes - wie ein Beobachter an der Seitenlinie - aufnehmen und abbilden, wollen selber aber eigentlich gar keinen Einfluss nehmen.

In der idealen Welt steigt oder fällt also eine Aktie wie Apple aufgrund fundamentaler oder markttechnischer Gründe, der dazugehörige ETF, bildet das einfach passiv ab, wie ein guter, neutraler Dokumentator.

Leider funktioniert diese Theorie im reflexiven Markt nur solange, wie die Menge der passiven Investmentvehikel sehr klein und unbedeutend ist. Wir haben es hier also mit einer weiteren Variante des Beobachterproblems zu tun und sobald die ETFs selber zum Marktfaktor werden - was sie mittlerweile sind - beeinflussen sie auch direkt das Beobachtungsobjekt, die einzelnen Aktien nämlich.

Und das funktioniert so. Stellen Sie sich einen ETF auf Technologieaktien vor, den viele im Depot haben. Nun beginnt der Markt eine Baisse wie letzten Herbst und Anleger, die ihre Depots schützen wollen, verkaufen ihre Technologie-ETFs.

In diesem ETF enthalten, ist aber eine Aktie, die gerade eine neue Innovation höchst erfolgreich auf den Markt bringt und damit sensationelle Gewinne schreibt, die niemand erwartet hat. Individuelle Stockpicker kaufen diese Aktie auch massiv hoch und genau in dieser Phase beginnt der Markt zu fallen und Anleger stossen ihre ETFs ab.

Und was passiert? Wenn die ETFs nur eine Minderheit des Handelsvolumens der Aktie ausmachen, wird die Aktie weiter steigen, aber weniger steigen. Wenn aber die ETFs das Handelsvolumen der Aktie dominieren, wird die Aktie auch fallen, obwohl sie eigentlich von Stockpickern hochgekauft wird!

Je mehr ETFs also das Handelsvolumen einzelner Aktien dominieren, desto mehr steigen oder fallen alle enthaltenen Aktien unisono - ob die Aktien individuell gut oder schlecht dastehen, hat immer weniger Relevanz.

Genau das beobachten wir zunehmend und letztlich macht das den Markt ineffizienter bei der Preisfindung. Nun aber zum zweiten Faktor, dem algorithmischen Handel.

Das was man heutzutage "Algos" nennt, hat mit künstlicher Intelligenz noch herzlich wenig zu tun. Es sind einfach Methoden und Techniken, die bisher von Menschen gehandelt wurden und nun automatisch von Maschinen abgewickelt werden. Trendfolge ist ein sehr einfaches Beispiel, es gibt aber auch viele andere, komplexere Techniken.

Dadurch dass nun Maschinen das Gleiche im Markt machen wie Menschen, ändert sich erst einmal nichts, an einer wichtigen Stelle aber doch.

Denn Menschen würden Dinge in Frage stellen und auch versuchen proaktiv Bewegungen zu antizipieren. Menschen sind aber auch weniger diszipliniert und gnadenlos, als es Maschinen sein können.

Wenn also eine Sache fünfmal geklappt hat, hätte ein Mensch zunehmend Skepsis, ob es auch zum sechsten Mal funktionieren wird. Eine Maschine hat dieses Skepsis aber nicht, die machen störrisch immer weiter bei dem was Erfolg bringt, so lange, bis es eben nicht mehr funktioniert.

Auch die zunehmende Dominanz der Algorithmen im Markt, hat also einen ähnlichen Effekt wie den der ETFs. Es macht den Markt uniformer und macht in "störrischer", heisst die Flut hebt alle Boote, die Ebbe senkt alle Boote und eine Bewegung die Erfolg hat, läuft viel länger als Menschen sich vorstellen können.

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegung laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

Und das können wir auch wunderbar an den Entwicklungen der letzten Jahre festmachen. 2017 war ein ungemein störrisches Jahr, in dem der Markt jedwede negative Nachricht einfach ignoriert hat und gegen alle Logik ohne Pause hochgelaufen ist - Buy the f***ing Dip (BTFD)!

Im Herbst diesen Jahres, ist der Markt dann in eine Abwärtsbewegung gewechselt, die im Dezember in einen gnadenlosen Aberverkauf wechselte, so als ob es kein Morgen mehr geben würde - Sell the f***ing Rip (STFR)!

Und nun seit dem 26.12.18, ist der Markt wieder in einer ebenso gnadenlosen BTFD Bewegung, so als ob es nie wieder finstere Nacht geben würde:

Merken wir uns diesen Mechanismus also und passen uns an. Die Effekt ist nicht negativ für uns Menschen, sondern positiv.

Denn wenn einmal eingeschlagene Bewegungen oder Logiken länger als bisher stabil bleiben, gibt es noch weniger Grund als schon vorher, herumzuraten und Tops oder Bottoms im Vorfeld erkennen zu wollen.

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Machen wir nur einen Fehler nicht, übersetzen wir dieses störrische Verhalten nicht automatisch in so gleichförmige Bewegungen, wie wir sie aktuell haben. Wenn es Erfolg verspricht, nach einem positiven Tag immer auf einen negativen Tag zu setzen und umgedreht, werden auch diesen Mechnismus Algorithmen erkennen und ausnutzen, so lange, bis es nicht mehr funktioniert. Dann bekommen wir eine Schaukelbörse ohne Richtung, aus Sicht der Algorithmen ist aber auch das eine einheitliche Bewegung.

Dass Märkte sich wandeln, ist nichts Neues und nicht Schlimmes. Der Markt des Jahres 1970 war auch nicht vollständig mit dem des Jahres 1930 zu vergleichen. Die Essenz bleibt, die Details ändern sich, das ist der Lauf der Welt und sollte uns nicht schrecken.

Passen wir uns dem Wandel an und bekämpfen ihn nicht, das ist die Fähigkeit erfolgreicher Anleger.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Das 2. Quartal – Sechs klare Thesen



Das 2. Quartal liegt vor uns und damit auch wie immer die Frage, wie es an der Börse weiter gehen wird.

Nun habe ich, wie Sie wissen, im Gegensatz zu den "Crash-Propheten" und anderen Grossmeistern der Zukunftsvorhersage, immer noch keine Glaskugel. Insofern lassen wir konkrete Zukunftsprognosen hier weiter mal sein. Wenn Sie Derartiges suchen, finden Sie vielfältige Angebote im Web und sind hier eher falsch.

Warum jemand der die Zukunft kennt, nicht schon längst an der Börse zum Milliardär geworden ist, verstehe ich zwar immer noch nicht, aber wahrscheinlich sind das einfach alles ganz herzensgute, altruistische Menschen, die für ihre Mitmenschen völlig selbstlos nur das Beste wollen. 😉

Aber lassen wir mal den Sarkasmus, hier sind für Sie sechs klare Statements bzw Thesen zum Nachdenken, die ich zum 2. Quartal mal in den Raum stelle - dann können Sie damit machen, was immer Sie wollen:

(1) Trump oder Konjunktur? Beides!

Seit dem Wahlsieg Trumps befindet sich der Markt in einer eindrucksvollen Aufwärtsbewegung. Da lag und liegt es doch nahe, diese Bewegung mit Erwartungen an Trumps Politik in Verbindung zu setzen, insbesondere zum Thema Steuerreform, Infrastrukturprogramm und Deregulierung des Finanzsektors.

Da ist auch was dran und insbesondere der erste Schub im November/Dezember letzten Jahres, dürfte stark damit korreliert sein. Auch heute ist dieser Faktor sicher noch im Spiel.

Aber - ein dickes Aber - an der aktuellen, fortdauernden Stärke dürfte in zunehmendem Masse auch die konjunkturelle Entwicklung beteiligt sein. Denn die Konjunktur-Signale sehen zunehmend positiv aus, selbst im bisher anämischen Europa.

Diese Rally als reine Hoffnungsrally abzutun und ihr einen Zusammenbruch zu prophezeihen, sobald die Hoffnung der Realität weicht, ist also viel zu kurz gedacht. Diese Rally hat eine fundamentale Unterlegung, auch wenn sie schon von recht hohen Kursniveaus aus erfolgt.

(2) Sell in May?

Im letzten Jahr habe ich mich in -> Sommerstarre statt Sell in May < - klar gegen den Sell in May Effekt ausgesprochen und so ist es dann auch gekommen.

Dieses Jahr dürften diese Art Prognosen daher spärlicher werden, gleichzeitig hat der Markt aber nach dem starken Anstieg bis in den April hinein durchaus Raum für eine Pause. Insofern sind die Chancen eines "Sell in May" Events dieses Jahr ungleich höher als letztes Jahr.

(3) Überschätztes politisches Risiko Europa?

Für die Kurse ist nicht nur wichtig, was wird. Wichtig ist vor allem die Differenz zwischen der in den Kursen enthaltenen Erwartung und dem was wird.

Und was die Erwartung angeht, ist der Markt in Europa mit diversen Katastrophenszenarien ins neue Jahr gegangen, die von einem Zerfall der EU bis zum Auseinanderbrechen des Euros reichen. All das war also schon in den Kursen und hat Europas Aktienmärkte gegenüber den US Indizes zurück fallen lassen.

Und nun bricht sich langsam eine realistischere Sicht Bahn, die man mit "not yet!" umschreiben könnte. Was bedeutet, dass die Sorgen zwar berechtigt sind und die strukturellen Mängel von EU und Euro ja objektiv da sind, diese aber wohl noch nicht in 2017 zur Eskalation führen werden.

Das politische Risiko in Europa wird also eher überschätzt und diese Anpassung der Erwartung treibt aktuell die Kurse und könnte sie weiter treiben.

(4) Überschätztes Risiko einer Zinswende?

Auch die in den US durch die FED laufende Zinswende, wird gerne als Grund für eine Wende an den Aktienmärkten argumentativ missbraucht. Und selbst die EZB beginnt ja ganz leicht zu zucken und der Markt beginnt ein Ende der Negativzinsphase in Europa zu antizipieren.

Auf den ersten Blick hört es sich ja auch logisch an, wenn Bonds höhere Renditen abwerfen, erzeugt das Druck auf die um das Anlagegeld konkurrierenden Aktienmärkte. Diese Logik dürfe aber überschätzt und übertrieben sein.

Denn erstens gibt es keinen historischen Automatismus, nachdem die Zinswenden schlecht für die Kurse waren. Erst viel später im Prozess, wenn die Zinsen sich wieder attraktiven Niveaus wie 3 oder 4% annähern, wird das zunehmend zum Problem, davon sind wir aber noch Jahre entfernt, wenn es dazu überhaupt je wieder kommt.

Und zweitens haben wir durch die von den Notenbanken induzierte Blase bei den Bonds sowieso eine historisch völlig einmalige Situation, in der Bonds auch bei marginal erhöhten Renditen weiter skeptisch gesehen werden dürften. An Aktien als Produktivvermögen führt weiter kein Weg vorbei und deshalb ist die Zinswende kein guter Grund für Sorgen.

Weiterlesen ...Das 2. Quartal – Sechs klare Thesen

Algo Trading – Es ist so verflucht artifiziell!


Ich stelle nun mal eine Behauptung auf, die ich nicht beweisen kann. Der Gegenbeweis kann aber auch nicht geführt werden.

Ich behaupte es trotzdem, im Premium-Bereich habe ich das schon direkt nach dem Brexit so argumentiert:

Wir sind in einem Markt angekommen, der fast nur noch aus (verfluchten) Algos besteht.

Und die Kursentwicklungen der letzten Monate beweisen es!

Denn die Bewegungen im S&P500, zum Beispiel um die Wende nach dem Brexit herum, sind nun so artifiziell, das wirkt wie aller menschlicher Emotion entkernt. Schon im Februar diesen Jahres aus dem Tief heraus, war das so.

Menschen werden aber durch den Brexit überrascht. Menschen schwitzen, sie ängstigen sich. Sie diskutieren, was nun passiert. Sie zögern und dann rennen sie alle rein.

All das sah man früher in den Kursen, nach so emotionalen Momenten, wie dem Brexit. Noch vor 5 Jahren, war das anders. Da gab es an so Wendepunkten einen emotionalen Ausverkauf.

Ich erinnere mich an den denkwürdigen 03./04. November 2011, dem Tiefpunkt der Eurokrise. Ich habe damals über diesen Moment geschrieben.

Die Finanzkrise lag keine 3 Jahre zurück und alle hatten noch den Schreck in den Gliedern. Der S&P500 kippte weg zu neuen Tiefs und allen Bären lief der Sabber aus den Lefzen, Tim Knight von Slope-of-Hope verteilte triumphierende Posts.

So sah das damals aus:

03.04.11.11

Weiterlesen ...Algo Trading – Es ist so verflucht artifiziell!

S&P500 und DAX – Ein Markt zum Misstrauen …. und zum Mitgehen.

Die folgende Marktlage habe ich in Hari Live gestern Montag 10.11.14 08:30 in leicht anderer Zusammenstellung veröffentlicht.
Diese ist aber auch heute immer noch unverändert gültig.

Guten Morgen!

Der Markt hat ja letzte Woche im wesentlichen mitgespielt und sich wie von mir erwartet verhalten: eine leichte Konsolidierung am Wochenanfang, die im S&P500 bis 2000 führte, wurde von einem erneuten bullischen Schub abgelöst.

Allerdings haben wir im Verlauf der Woche und vor allem gegen Ende, doch ein Menge wilder Swings gesehen, die Fragezeichen aufwerfen. Und das nicht nur bei einzelnen Aktien, sondern zum Beispiel auch gewaltige "Selling on Strength" Prints im Moneyflow, wie ich sie noch nie gesehen habe.

Vor uns liegt nun eine von äusseren Einflüssen her eher ruhige Woche. Die Quartalssaison nähert sich dem Ende, Notenbank-Events stehen nicht an und auch die Wirtschaftsdaten sind eher spärlich. Und am Dienstag ist in den US auch noch der Feiertag "Veterans Day", an dem zwar die Aktienmärkte geöffnet sind, aber die Anleihenmärkte geschlossen und deswegen das Volumen eher gering.

In der kommenden Woche kann der Markt sich also mal mit sich selbst beschäftigen, was aber keineswegs bedeutet, dass es von den Bewegungen her eine ruhige Woche wird. Denn die Spannung im Markt ist immens.

Ich denke wir alle fühlen diese Spannung. Der Schub heraus aus den Tiefs war in Geschwindigkeit und Momentum geradezu unglaublich und stärker als alles, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben. Unzählige Marktteilnehmer wurden dabei zurück gelassen, weil auf so etwas kann man einfach nicht wetten. Diese Marktteilnehmer haben nun aber Druck, bei jeder Gelegenheit wieder einzusteigen.

Gleichzeitig fühlt sich die Bewegung im S&P500 "falsch" und "unwirklich" an, sie passt einfach nicht zu menschlichem Verhalten und ich bin auch sicher, dass hier die immer grössere Dominanz der trendfolgenden Algos ihre Spuren hinterlässt.

Diese Dynamik wirkt aber in beide Richtung und auch nach unten, wir tun also gut daran, uns in den kommenden Jahren auf immer brutalere Swings einzustellen, wie sie von Menschen nie generiert würden, weil diese weit früher auf die Seite treten würden und eine Bewegung nicht bis zum letzten Tropfen ausquetschen.

Vor diesem Hintergrund machen die gewaltigen SOS Prints natürlich ein ganz mieses Gefühl im Nacken und auch die sonstige Markttechnik ist nach oben nun so überdehnt, dass man nach "normalen" Massstäben der vor ca. 5 Jahren vergangenen Börsenwelt, in keinem Fall mehr in diese Bewegung hinein kaufen dürfte.

Auch kompetente Marktbewertungen wie die -> Weekly Market Summary <- von "The Fat Pitch", signalisieren viele gute Gründe, sich nervös am Hinterkopf zu kratzen.

Genau diese Skepsis ist aber die Wall of Worry, die den Markt nach oben treibt. Und wir tun daher gut daran, uns nur nach dem einzigen objektiven Faktor zu richten, der am Markt existiert. Und das ist die Price-Action, die übrigens auch für die Algos die wesentliche Grundlage darstellt.

Schauen wir auf die Price-Action im Tageschart des S&P500, wird dann die komplexe Lage eigentlich für uns wieder einfach. Das Retracement von Dienstag hat uns den Gefallen getan, die 2000er Marke wieder von oben zu testen. Solange diese Marke nicht mehr unterschritten wird, kann man dem Aufwärtstrend mittelfristig weiter folgen, der durchaus das Potential hat, nach oben alle zu überraschen.

S&P500 09.11.14

Sobald aber die 2000 nach unten durchschlagen werden, ist die Wahrscheinlichkeit erheblich herauf gesetzt, dass der Markt in einen "Gapfill-Modus" nach unten geht. Und da lauern jede Menge Gaps, die in dieser unwirklichen Bewegung seit dem 15.10. offen gelassen wurden.

Oberhalb 2000 dabei bleiben, unter 2000 grosse Vorsicht, so einfach sehe ich aktuell die Lage im S&P500.

Im grösseren Bild mit Wochenkerzen, sehen wir dann den Trendkanal und sehen auch, dass da nach oben durchaus noch Platz bis ca. 2100 ist, bevor dann eine Gegenbewegung eine ganz hohe Wahrscheinlichkeit bekommt. Und wir sehen, wie intakt der Trend ist:

S&P500 09.11.14 2

Insofern muss man den Einbruch vom 15.10. als "false Move" betrachten und die Regel "from false moves come fast moves", hat sich mal wieder eindrucksvoll bestätigt.

Im DAX dagegen ist die Lage komplexer als im S&P500. Ein Blick auf das Wochenchart zeigt schnell, dass selbst eine Bewegung bis 9600 immer noch zu einer grösseren Topbildung passen würde. Erst ein Erreichen des "grünen Sterns", was einem Übersteigen des Hochs vom 15.09.14 bei 9891 gleichzusetzen ist, würde dieses Risiko überzeugend vom Tisch nehmen:

DAX 09.11.14

Wir sehen in dem Chart auch, dass der Aufwärtstrendkanal im Gegensatz zum S&P500 ganz klar im August gebrochen wurde. Und im Gegensatz zum S&P500 gab es eben keinen Schub, der das schnell negierte.

In der kurzfristigeren Sicht erkennen wir, wie der Measured Move der iSKS (blaue Pfeile) nun auch im DAX unter 9400 erreicht wurde:

DAX 09.11.14 2

Wir erkennen auch, dass die Lage nun offen ist, wobei kurzfristig die bullischen Signale noch! überwiegen, denn die Trendlinie, die sich seit dem Tief vom 16.10.14 geformt hat, ist (noch) völlig intakt. Allerdings ist diese so steil, dass ein Bruch schon bald auf der Agenda stehen sollte und dann ein erstes Warnsignal generiert. Und das könnte nun sehr schnell gehen.

Nach oben wäre nun also ein erneuter, schneller Anstieg über 9400 (grüner Stern) klar trendbestätigend und würde Kursziele im Bereich 96xx eröffnen. Nach unten darf aber das Tief von Freitag bei 9239 nicht mehr unterschritten werden, das wäre dann einem Trendbruch gleichzusetzen.

Fazit:

Es gibt tausend gute Gründe, diesem Markt und dieser Bewegung zu misstrauen. Auch ich habe ein mieses Gefühl bei der ganzen Geschichte, gefühlt "passt das nicht", was der Markt da gerade macht. Alle diese Gründe sind aber nichts wert, solange die Price-Action keine bestätigenden Signale liefert.

Denn der Preis ist der ultimative Richter. Und dem folgen wir. Und mit einem Risikomanagement bei einer Bewegung im S&P500 unter 2000, sind wir so nahe an den aktuellen Kursen, dass man sich auch innerlich entspannen kann und dem Markt überlassen, wie er dieses verrückte Geschehen am Ende auflösen will.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Über Algos, unfreie Märkte und die Guillotine der Kurse

Kurz vor Handelsstart an diesem Mittwoch, haben wir noch einen Tag bis zum Erreichen der Schuldengrenze in den USA. Und keine wirklich Einigung in Sicht. Die Parteien sind in ihren Schützengräben eingegraben.

Der Markt hält aber störrisch an seiner Sicht fest, das es keinen Grund gibt sich zum US Debt Limit Fiasko sorgen. Wahrscheinlich ist bei vielen Marktteilnehmern die Sorge grösser, die nächste Rally zu verpassen, als die Sorge vor einem Desaster an den Anleihenmärkten. Der Markt ist durch die Eingriffe der Notenbanken nun wie ein pawlowscher Hund dressiert, jeden Dip kompromisslos zu kaufen.

Zwei weitere Faktoren spielen bei der Gelassenheit des Marktes sicher auch eine Rolle:

Auf der einen Seite die immer mehr dominierenden Algos, die stur nach technischen Parametern agieren und so die Trends verstärken. Und der Trend ist aufwärts. Die Algos interessiert nicht, was wir Menschen über die politische Dysfunktionalität in Washington denken und welche langfristigen Folgen wir dem beimessen. Die Algos starren auf die Kurse und die steigen.

Und auf der anderen Seite gibt es noch den Recency Bias des Marktes, der dieses politische Kasperletheater schon mehrfach erlebt hat. Und der immer wieder erlebt hat, dass sich dann doch in der letzten Sekunden geeinigt wurde. Warum soll es dieses Mal also anders sein ?

Ausserdem ist da ja noch die FED. Die wird sowieso aus allen Rohren schiessen wenn nötig, das Wort "Tapering" dürfte nun auf die Liste der bedrohten Arten kommen. Und es gibt vielleicht auch noch eine kleine Wildcard, um das Problem im schlimmsten Fall "kreativ" lösen zu können.

Denn die FED ist ja durch die Ankäufe der Staatsanleihen ein grosser Gläubiger der US in einer Grössenordnung von Billionen Dollar. Diese "Schulden" der US sind für die FED aber einfach ein Buchungsposten in ihrer Bilanz. Und klar, wenn der einfach ausgebucht wird, kommt die FED Bilanz wohl in Schieflage, aber interessiert das irgend jemanden ? Die FED ist ja kein Wirtschaftsunternehmen, sondern hat unbegrenzten "Kredit" und zwar bei ihren eigenen Gelddruckmaschinen.

Würde die FED auf diese Forderungen gegen den US Staat verzichten, wäre das Debt Limit auf einen Schlag weit weg und den Extremisten bei den Republikanern wäre ihr Druckmittel aus der Hand geschlagen. Jetzt würde so ein Schritt unzählige juristische und fiskalpolitische Fragen aufwerfen. Und die FED würde damit endgültig den Boden seriöser Notenbankpolitik verlassen. Aber hat sie das nicht schon längst ? Die eher vorsichtigen FED Gouverneure werden so einen Schritt aber sicher nur dann andenken, wenn es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gibt und dieser Tag ist (noch) nicht heute.

Ein Notausgang könnte dieses Szenario aber schon darstellen. Viele gute Gründe für den Markt also, trotz des Wahnsinns der politischen Kaste in Washington ruhig zu bleiben.

Nun hat der Markt in der Regel recht. Aber manchmal - sehr selten, aber es kommt vor - liegt der Markt in einer Form kollektiver Illusion auch völlig daneben. Und das sind diese Momente, in denen die grossen Abstürze einsetzen, wenn der Markt seine Fehleinschätzung plötzlich bemerkt. Und dieses Risiko besteht aktuell.

Denn die Parteien in Washington sind so ineinander verbissen, dass es nun schon eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist, dass der Default zumindest technisch für ein paar Tage eintreten wird, bevor man irgend eine "Pseudolösung" zusammen schustert.

Und hier kommen wieder die Algos ins Spiel. Es würde jetzt reichen, dass eine der grossen Adressen der Wallstreet heute oder morgen oder übermorgen beschliesst: "jetzt reicht es". Die dann folgenden Verkäufe würden die Algos sofort erkennen und selber verkaufen. Und so setzt sich eine Kettenreaktion in Gang. Eine Kettenreaktion die im Jahr 2013 mit seiner Dominanz der algorithmischen Handelssysteme noch schneller und härter ablaufen würde als 2008.

Wir müssen uns einfach klar machen, dass auch wenn der Markt mit seiner Ruhe wahrscheinlich wieder Recht hat, diese Möglichkeit nun ganz real besteht. Und wer nun ungesichert und mit Dollars in den Augen voll Long im Markt investiert ist, legt seine Hand sozusagen unter eine Guillotine, deren scharfes Messer von dünnen, angewetzten Fäden gehalten wird.

Und einen weiteren Aspekt sollten Sie nicht übersehen. Das institutionelle Geld, das auf eine Lösung und eine anschliessende Rally setzt, ist wohl weitgehend im Markt. Wenn die Lösung dann kommt, kann es gut sein, dass es gar nicht mehr so viele potentielle Käufer gibt und die Rally dann in einer klassischen "Sell the News" Reaktion ausfällt. Das ist um so wahrscheinlicher, als mit jedem Tag an dem die US tiefer ins Schlamassel geraten, die Chance für eine saubere, langfristig tragbare Lösung geringer wird. Was dann unter Not zusammen geschustert wird, dürfte eher ein "Quick Fix" sein, der das Problem nur verschiebt.

Summa Summarum gibt es gute und rationale Gründe, das derzeitige Kursniveau zur Absicherung und Reduktion der Risiken zu nutzen. Auf die Short-Seite sollte man aber erst wechseln, wenn der Markt wirklich fällt. Und ob das passieren wird, ist in Anbetracht der riesigen Geschützrohre der FED die auf uns gerichtet sind, äusserst fragwürdig.

Mit einem gesunden, freien, in sich aufgrund wirtschaftlicher Parameter schwingenden Markt, hat das auf jeden Fall alles nichts mehr zu tun, was wir hier dank der permanenten Interventionen von Politik und Notenbanken im Jahre 2013 erleben dürfen. Freie Märkte ? Das ich nicht lache !

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der fiese Mr. Goldmarket – Gedanken eines hinterhältigen Gesellen

Vom fiesen Mr. Goldmarket - Ein Gastkommentar von Johann

Es passiert ja nicht so häufig, dass sich Mr. Goldmarket höchstpersönlich die Zeit nimmt, auch einmal mit einem privaten Anleger ein kurzes Schwätzchen zu halten. Aber vielleicht war es dem aus seiner Sicht gelungenen Börsenstart im neuen Jahr zu verdanken.

Ohne sich lange mit Förmlichkeiten aufzuhalten, stieg ich sofort ins Thema ein und berichtete ihm von meinem Einstieg bei ihm Mitte September letzten Jahres. Mir war, als hätte ich ein leichtes Grinsen in seinen Mundwinkeln bemerkt, und er meinte nur, da wäre ich wohl nicht der Einzige gewesen. „Aber so kann man doch nicht mit dem hart ersparten Geld von Kleinanlegern umgehen“, sagte ich und schob noch hinterher, dass doch alle Zeitungen damals darüber schrieben, dass dies eine todsichere Chance wäre, um schon in kurzer Zeit reich zu werden.

„So, so… haben Sie mal wieder ...“, oder so ähnlich grummelte er in sich hinein, und dabei war ich mir jetzt ziemlich sicher, dass er schelmisch grinste. „Mr. Goldmarket“, sagte ich, „aber was haben Sie sich denn dabei gedacht“? Er reichte mir ein weißes Blatt Papier und meinte, ich solle mal einzeichnen, was er im letzten Jahr ab Mai bis jetzt gemacht hätte. „Halt! Mal keine Kerzen! Viel zu zappelig im Moment“! Und schob noch ein trockenes -ob ich nicht wüsste, dass die Uploads der neuen Algos schon seit ein paar Wochen nur in der Betaversion laufen würden- hinterher. „Nimm die Tagesschlusskurse von mir; da steckt mehr Aussagekraft drin“! Gesagt, getan und ich reichte ihm den Chart. „Hätten Sie das nicht früher sagen können“, kam es mir fast ärgerlich und dennoch zögerlich und auch ein ganz kleinwenig demütig über die Lippen, als ich seine Gedanken lesen durfte:

der fiese mr gold market denkt 800

„Und jetzt?“, fragte ich ihn mit etwas zittriger Stimme und schob den Zusatz hinterher: “Sie müssen nämlich wissen, dass ich Ihnen am Donnerstag mein ganzes Gold zurück gegeben habe“! Da wäre ich wohl nicht der Einzige gewesen, sagte er nun schon zum zweiten Mal und fügte noch an, er müsse nun weg und sich wohl selber um die Algos kümmern. „Wir sehen uns wieder auf der nächsten Party! Aber komm dieses Mal vor Mitternacht“! rief er mir noch hinterher. Und weg war er.

😉

Schönes Wochenende und liebe Grüße
Johann

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Hari´s Märkte am Abend – 26.03.12 – Tesla Motors hebt ab, Gold gibt Kaufsignal

22 Uhr - Handelsschluss

Es ist doch einfach schön und befriedigend, wenn der Markt exakt macht, was man erwartet hat und heute war so ein Tag. Gab es am Anfang noch ein kleines Spiel um die 7000er Marke im DAX, setzten sich mit der näher kommenden Eröffnung der Wallstreet nachhaltig die Bullen durch und brachten uns erneut nahe an 7100 heran. Im Future im späten Handel sind wir nun sogar schon über 7100. Auch der S&P500 markierte mit 1416 neue Höchststände in der Aufwärtsbewegung.

Damit hat sich auch der immense "Buying on Weekness" Tag von letztem Donnerstag als richtiges Signal bestätigt. "Big Money" hat sich uns kleine Anleger am letzten Freitag also tatsächlich zurecht gelegt und so gute Einstiegskurse gefunden.

Technisch gesehen hat der S&P500 mit dem heutigen Schlussstand die Grundlage für eine bullishe Cup&Handle Formation gelegt, deren Kursziel bei 1441 liegen würde. Das wären 2% höher als heute, im Dax also ein Wert über 7200. Wenn die Algos weiter so berechenbar agieren wie zuletzt, kann es gut sein, dass wir dieses Ziel von 1441 im S&P500 schon bald auf den Punkt erleben werden.

Der (angenehme) Seiteneffekt so eines Tages ist, es gibt nichts, was man Neues sagen müsste. Insofern habe ich heute zu meinen Aussagen des letzten Reports von Freitag nichts hinzufügen. Lesen Sie im Zweifel noch einmal -> hier <-. Ich versuche von dieser Bewegung nach oben nun so viel mitzunehmen wie ich kann.

Erfreulich war für mich heute auch, wie sich meine Favoriten Continental (WKN 543900), Daimler (WKN 710000) und Rheinmetall (WKN 703000) entwickelten, die heute alle um die 3% zulegten und damit klar stärker als der Markt waren. Es bestätigt sich erneut, dass man bei fundamental gut dastehenden Unternehmen, die sich in einer Aufwärtsbewegung befinden, einen Dip konsequent kaufen sollte. Und Kurse unter 45€ bei Daimler oder unter 43€ bei Rheinmetall waren einfach Kaufkurse.

An die -> hier <- ausführlich vorgestellte Tesla Motors (WKN A1CX3T) möchte ich noch einmal erinnern. Zum Produktionsstart des Model S gab es gute Nachrichten, weil Analysten von "Wunderlich Securities" vor Ort in der Nähe der Produktionshallen waren und als Folge das Kursziel von Tesla von 30 auf 49! USD angehoben haben. Ergebnis war heute ein Kurssteigerung um ca. 10%, so dass Tesla seit der Vorstellung hier nun schon ca. 20% zugelegt hat. Einen Kurzbericht zum Thema können Sie -> hier <- bei Barron´s nachlesen.


Source: Finviz.com

Die Kernfrage bei Tesla ist, ob der Produktionsstart des Model S gelingt, des ersten Modells, das Tesla komplett in eigener Verantwortung in Serie produziert. Der Markt war da bisher noch sehr skeptisch, weswegen es Tesla bisher noch nicht gelungen war, sich von den alten Höchstständen aus November 2010 zu lösen, obwohl das Unternehmen heute fundamental viel weiter ist.

Hier liegt aber auch genau die Chance. Denn sollte der Produktionsstart gelingen, dürfte bei Tesla eine komplette Neubewertung der Aktie anstehen. Denn dann ist Tesla ein vollwertiger Autobauer mit eigener Produktion und ich rechne für den Fall mit jeder Menge Phantasie, die dann in den Titel eingepreist wird. Die von Wunderlich genannten knapp 50 USD kann auch ich mir dann sehr gut vorstellen ! Der heutige Tag mit 10% Plus hat einen ersten Vorgeschmack einer derartigen Neubewertung gegeben, alles hängt nun von der operativen Entwicklung beim Produktionsanlauf ab.

Diese Aktie ist also komplett durch Unternehmensnachrichten getrieben, charttechnische Betrachtungen machen in meinen Augen hier wenig Sinn. Ich bin mit einer kleinen "Fun-Position" Long bei Tesla, weil ich an dieser spannenden Story einfach teil haben will, egal wohin sie mich führt. Denn ich glaube an die unternehmerischen Fähigkeiten von Elon Musk und bei derartigen Newcomern in etablierten Märkten kommt es halt entscheidend auf die Fähigkeiten des Managements an.

Gold stieg heute dynamisch über 1670 USD, erreichte 1692 USD und bestätigte damit deutlich die Bewegung, die ich letzten Freitag schon identifiziert und hier kommuniziert hatte. Damit hat Gold ein kurzfristiges Kaufsignal gegeben. Das Feuerzeug an der Lunte war wohl mal wieder der "Meister des Helikoptergeldes" Ben Bernanke, mit einer Rede, die Mr. Market als einen versteckten Hinweis auf ein QE3 gedeutet hat. Wer daran interessiert ist, kann die Rede -> hier <- nachlesen.

Trotzdem würde ich in die Bewegung des Goldpreises noch nicht zu viel hinein interpretieren. Diese Bewegung ist gut, um wieder in den Bereich oberhalb 1700 USD vorzustossen. Um ein ganz klares mittelfristiges Kaufsignal zu geben, müsste Gold aber über 1800 USD steigen, wo die Nackenlinie einer möglichen inversen Schulter-Kopf-Schulter Formation und die alten Hochs von November 2011 und Februar 2012 liegen.

Ich bin noch skeptisch, ob Gold das kurzfristig gelingt und ich bin auch von der inversen SKS Formation nicht völlig überzeugt, da die linke Schulter für mich keine war, wenn man berücksichtigt, dass Gold am 26.09. bis fast 1530 USD gefallen ist. Diese "Fahne" war aber so schmal, dass man sie mit weniger guter Datenversorgung leicht übersieht und von einer weit höheren Wende oberhalb 1600 ausgeht. Ich sehe Gold derzeit eher in einer Seitwärts-Range zwischen 1500 und 1800 - solange bis mich Gold durch einen Ausbruch eines besseren belehrt.

Aber wie auch immer, 1800 USD ist für Gold nun die wichtige Marke, die einen neuen Hub in Richtung Höchststände definieren könnte. Damit es dazu kommt, braucht es aber nach meiner Ansicht eine Eintrübung des positiven Sentiments am Aktienmarkt oder eine neue Runde von Inflations- bzw. Euro-Ängsten. Insofern kann man die aktuelle positive Bewegung nun spielen, sollte aber in meinen Augen nicht zu gierig werden und immer zum Absprung bereit sein, solange wir die 1800 USD nicht nachhaltig hinter uns gelassen haben.

So weit so kurz heute, freuen wir uns, dass ich über keine neuen Katastrophen berichten muss und der Markt nun zum ausgezeichneten Wetter passend, deutlich nach oben schiebt. Und als täglicher Leser von Mr. Market, waren Sie ja in der glücklichen Lage, den heutigen Tag schon vorher antizipieren zu können. Geniessen Sie also mit mir die Reise nach oben, man soll die Feste feiern wie sie fallen ! 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !
Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 23.03.12 – Wochenabschluss – In der Hand der Algos

21 Uhr - Handelsschluss

Was für ein verrückter Tag. Wer am heutigen Tag als "normaler" Anleger versuchte zu verstehen was da los war, konnte nur verzweifeln und konnte nur Geld verlieren. Denn heute war der Markt rein von der Technik getrieben und völlig in der Hand der Algos. Ermöglicht wurde das heute auch durch das geringe Volumen, ideales Jagdrevier für die Algos um den Markt nach ihren Wünschen zu bewegen.

Es ging schon am frühen Morgen los. In der ersten Handelsstunde taten die normalen Anleger das, was in diesem Moment logisch war, nach der Korrektur kauften Sie den Markt über 7000. Und was machten die Institutionellen mit ihren Algos ? Sie verkauften die Bewegung brutal und drückten den Markt herunter bis 6920, verbreiteten bei den normalen Anleger Angst und Schrecken und trieben diese aus ihren Positionen. Nachdem das gelungen war, ging es wieder hoch und wir schwangen uns bei DAX 6960 ein, da wo wir schon gestern gewesen waren. Im Grunde war also gar nichts passiert, nur das die Algos mal eben die Bullen rasiert und danach die Ängstlichen aus dem Markt heraus geschüttelt hatten. Und damit jede Menge Profit gemacht hatten - alles ohne relevante Nachrichten.

Und dann kam die Wallstreet. Und von dem Moment an verlor der DAX wieder jedes Eigenleben und war nur noch das Abbild dessen, was im S&P500 passierte. Der hatte aber noch ein technisches Target aus einer H&S Formation bei 1386 zu schliessen, was er auch punktgenau tat, nur um danach wieder hoch zu laufen. Danach ergab sich eine bullishe Cup&Handle Formation mit Target 1402, was auch den Gap-Fill der gestrigen Handelseröffnung darstellen würde. Ganz geschafft haben wir es nicht mehr, aber mit 1397 schlossen wir nahe dran. Und im DAX schlossen wir nur knapp unter der 7000er Marke und stiegen als Folge des S&P500 im DAX Future dann etwas über 7000 hinaus.

Unglaublich, wie der Markt diese Marken abarbeitet ? Nein, genau das ist die Art wie die Algos programmiert sind. Die technischen Muster werden also durch die Computer verstärkt. Wir haben eine Art selbsterfüllende Prophezeihung klassischer Muster wie Head&Shoulder oder Cup&Handle durch das Handeln der Algos, denen ja eigentlich Emotionen egal sind - schöne neue Welt 😉 Diese Berechenbarkeit ist für uns als (immer noch) intelligentere Menschen eine grosse Chance, allerdings haben diese Muster nur im alles dominierenden Index, dem S&P500, wirklich durchschlagende Wirkung. Ein Muster im DAX steht immer in der Gefahr durch die Entwicklungen an der Wallstreet überrollt zu werden und ist daher nach meiner Erfahrung weit unzuverlässiger zu traden, als die Muster im S&P500.

Und wie ist es mir heute ergangen ? Ich wurde von der Heftigkeit des Abverkaufs heute früh ab 10 Uhr auch überrascht, einen erneuten Taucher unter 7000 hatte ich durchaus auf der Rechnung, nicht aber 6920 im DAX. Dann hatte ich um den Mittag herum ein Phase, wo ich mit dem DAX auch nichts so richtig anfangen konnte und mir sehr unschlüssig war. Ich kenne aber Regel 2 von unten gut und beachte diese und insofern habe ich dann einfach abgewartet. Erst mit dem Beginn der Wallstreet begann das dann alles wieder Sinn zu machen, und das Bild entstand, das ich Ihnen oben geschildert habe und das mich dann auch gut durch den Tag gebracht hat.

Was lernen wir grundsätzlich aus diesem Tag ?

1. Handele wenn Du es vermeiden kannst, nie in der ersten Handelsstunde. Das ist die Zeit der privaten Anleger die hektisch - im Glauben etwas zu verpassen - ihren Emotionen folgen. Die "Big Boys" mit ihren grossen Kanonen steigen erst danach in den Markt ein und machen sich einen profitablen Spass daraus, die Privaten ins Messer laufen zu lassen. Das gilt für DAX wie für S&P500.

2. Wenn Du merkst, dass Du unschlüssig bist und keine klare Richtung erkennst, steh lieber mal auf und mach einen Spaziergang oder leg die Hände unter den Hintern. Versuche aber nie, ins Unklare hinein zu agieren und zu raten - das macht Dich garantiert nur ärmer.

3. Unterschätze niemals die Macht der dunklen Seite ähhh... der Algos - Entschuldigung 😉 Da diese von Menschen programmiert sind, traden diese genau die klassischen Chartmuster und zwar vor allem in den grossen US Indizes.

Und was sagt uns das zur nächsten Woche und zum grossen Bild ?

Für mich spricht einiges dafür, das mein Bild der Quartalsendrally voll intakt ist und "Big Money" sich gestern und heute uns "dumme" Privatanleger so richtig zurecht gelegt hat, um in den Markt einzusteigen und nächste Woche abzusahnen. Es gibt dafür auch ein weiteres Indiz, wir hatten gestern einen gewaltigen "Buying on Weakness" Tag im SPY (ETF des S&P500) - zu besichtigen -> hier <-.

Das bedeutet etwas vereinfacht: Obwohl der SPY gestern deutlich im Minus lag, war das Volumen der Orders bei denen der SPY stieg grösser, als das Volumen der Orders bei denen der SPY fiel. Das ist meistens ein Zeichen dafür, dass "Big Money" in die Abgaben der kleinen Privaten hinein akkumuliert, denn "Big Money" hat einfach die grösseren Geschütze, sprich grössere Einzelorders. Ich habe diese Daten gestern erst am späten Abend gesehen und sie konnten daher nicht mehr in die gestrigen Märkte am Abend einfliessen. Der Indikator ist nicht perfekt und läuft einer Entwicklung auch mal ein paar Tage voraus. Ein derart grosser Wert kommt aber sehr selten vor und ist daher ein deutliches Indiz für die Theorie der Quartalsendrally.

Für mich gibt es also keinen Grund, von der bisherigen Erwartung abzuweichen. Ich rechne weiter eher mit Stärke zum Quartalsende, die sich bin in den Anfang April hinein fortsetzt. Und in diese Stärke hinein will ich bestimmte, gut gelaufene Sektoren mal ernsthaft abbauen und Gewinne mitnehmen.

Wie immer kann alles auch anders kommen, aber das sind die Signale die mir der Markt heute Abend sendet und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, diesen Signalen konsequent zu folgen. Solange bis andere Signale kommen. 😉

Auch die Einzelaktien wurden heute naturgemäss hin und her geworfen, insofern gibt es nicht viel Neues zu sagen. Viele der in den vergangenen Tagen genannten Werte, waren auch heute bei denen, die selbst bei DAX 6920 noch im Plus waren und relative Stärke zeigten. Ich habe es an meinem Depot gesehen, dass sich im Gegensatz zum Index selbst heute Mittag nicht ins Minus bewegte.

Sie erinnern sich vielleicht in Sachen Veolia (WKN 501451) an meine -> hier <- geäusserte Vermutung, dass sich mit den Wechseln im Management nun der CEO Antoine Frérot endgültig gegen seinen Vorgänger durchgesetzt hat und nun das grosse Aufräumen im Management beginnt ? Leider konnte oder wollte keiner der französisch sprechenden Leser mir zu dieser These direktes Feedback aus der französischen Wirtschafts-Presse liefern - schade ! Nun sehe ich einen Bericht der Börsenzeitung unter der Überschrift -> Veolia CEO Frerot verbannt Gefolgsleute seines Vorgängers <-. Ich scheine also mit meiner Vermutung genau auf den Punkt richtig gelegen zu haben.

Diese Bestätigung ist für mich sehr bedeutend. Denn das erklärt auch das bisherige, langsame Fortschreiten der Restrukturierung mit Widerständen des alten Managements. Diese Entwicklung ist für den Kurs der Veolia Aktie in meinen Augen eine sehr gute Nachricht, denn nun kann mit zügigen Erfolgen und grösserer Geschwindigkeit bei der Restrukturierung gerechnet rechnen. Ich denke, dass der starke Anstieg der letzten Tage genau durch diese Sicht des Marktes ausgelöst wurde, wir befinden uns mangels französischer Originalquellen hier halt etwas im Blindflug. Der Markt hat das also wohl schon eingepreist, was wir nun endlich begreifen. Veolia ist damit für mich weiterhin ein klarer Kauf mit einem Kursziel von 17,5€ bis Jahresende, das wären gut 40% über dem aktuellen Kurs.

Und eine Entwicklung sollte heute noch erwähnt werden. Gold hatte gestern ein "Swing Low", das heute bestätigt wurde. Sprich es kann sehr gut sein, das wir nun einen Boden im Edelmetallsektor haben. Der Chart des Goldpreises macht das sehr deutlich ! Zur endgültigen Bestätigung sollte Gold am Montag über 1670 USD steigen. Gelingt das am Montag nicht, stände das Signal heute im Zweifel.

Auch die Minen sprangen heute deutlich an. Und das Sentiment für Gold hat sich erheblich eingetrübt und viele haben die Edelmetalle nicht mehr so richtig auf dem Radar. Alles Faktoren, die dafür sprechen, dass wir nun einen kurzfristigen Boden haben oder nicht mehr weit davon entfernt sind. Ich bin im Sektor nun gut investiert und wenn sich dieser Boden nächste Woche bestätigen sollte, werde ich dieser Bewegung auch folgen - sprich der Edelmetallsektor wird von mir Ende März/ Anfang April dann nicht abgebaut, der Nachholbedarf ist einfach zu gross.

Da wir am Sonntag auch auf Sommerzeit umstellen, gelten ab nächster Woche wieder die normalen Handelszeiten für die Wallstreet - Eröffnung um 15.30 Uhr und Schlussglocke um 22 Uhr. Hari´s Märkte am Abend werden entsprechend dann wieder ab 22Uhr erscheinen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari