Mittelfristige Trendfolge Teil I

Hier ein weiterer Doppel-Artikel unseres Mitglieds Pasolini, der uns erneut mit seinen ausformulierten Gedankengängen erfreut. Der zweite Teil folgt voraussichtlich Donnerstag in einer Woche.

Danke an Pasolini und nun hat er das Wort:

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Im Vergleich zur -> Demonstration langfristiger Trends mit Hilfe von Vierteljahrescharts <-, stellt die Identifizierung und Darstellung mittelfristiger Trends die etwas größere Herausforderung dar. Das liegt an der per definitionem kürzeren Betrachtungszeit und dem häufigeren Wechsel, dem Trends auf dieser Zeitebene unterliegen.

Doch auch die Beschäftigung mit diesem Thema kann zu einer lohnenden Investition werden, denn zum einen winken hier die etwas größeren Gewinne, und zum anderen sind sie auf entspanntere Weise zu erzielen als beim kurzfristigen, nach Minuten, Stunden und Tagen getakteten Trading.

Wenn man sich dem Thema nähert, tauchen sogleich zwei Fragen auf. Die erste lautet: was meint mittelfristig? Für mich steht der Begriff für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr, gern auch länger, im Gegensatz zu langfristig, wo der Zeitrahmen über eine Dekade hinausgeht.

Die zweite Frage ist die schwierigere: wie und woran erkenne ich einen Trend? Da die Mehrheit der Mitglieder im Blog weder Unternehmensinsider noch professionelle Marktteilnehmer sind, bleiben ihnen die fundamentalen Auslöser und Treiber von Trends in der Regel verborgen. Doch was zunächst als Nachteil erscheint, lässt sich kompensieren. Das geeignete Mittel dazu ist die Charttechnik, die uns die Werkzeuge zur Verfügung stellt, um hier konkurrenzfähig zu sein.

Den Klassiker der Trendbestimmung finden wir in der Dow‒Theorie, die einen Aufwärtstrend als eine Folge von höheren Hochs und höheren Tiefs und einen Abwärtstrend in Analogie als eine Folge von tieferen Hochs und tieferen Tiefs definiert. Trendbrüche entstehen, wenn diese Vorgaben nicht mehr eingehalten werden.
Als weitere geeignete Hilfsmittel können Trendlinien und gleitende Durchschnitte verwendet werden.

Eine wichtige Rolle beim Erkennen von Änderungen im Trendverlauf spielen Chartmuster (patterns) ― im Blog häufig von Hari thematisiert ― und Candlestick‒Signale, vor allem natürlich die Hauptumkehrsignale. Dazu kommt noch das Volumenprofil, denn das Volumen muss den Trend bestätigen.

Das ist der Werkzeugkasten des Kleinanlegers, und damit ist er gut ausgestattet. Weitere Analysetools aus dem Repertoire der Charttechnik gibt es in Hülle und Fülle, aber die brauchen wir nicht, denn unser Ziel ist es, mit einfachen Mitteln Erfolg zu haben.

Nachdem der Werkzeugkasten gefüllt ist, richtet sich der Blick auf das Zeitfenster der Darstellung. Vieles spricht dafür, hier eine Wochenperiode zu verwenden, denn sie blendet das Tagesrauschen aus, glättet den Kursverlauf und erlaubt es, auch einen Zeitraum von zwei, drei oder vier Jahren so übersichtlich abzubilden, dass wichtige Informationen auf den ersten Blick ins Auge fallen.

Und dann ist da auch noch die Frage nach der Zeitökonomie, die nicht ausgeblendet oder als nebensächlich abgetan werden darf, denn nur wenige normal Berufstätige können die Zeit aufbringen, jeden Tag Hunderte oder Tausende von Charts durchzuklicken, um geeignete Handelskandidaten zu finden. Daher muss auch hier eine einfache Lösung gefunden werden.

Im Folgenden wird ein Ansatz vorgestellt, der versucht, mit den beschriebenen Werkzeugen und einem vertretbaren Zeitaufwand in einem überschaubaren Pool von Aktien Kandidaten zu finden, mit denen eine mittelfristige Trendfolgestrategie verfolgt werden kann.

Es ist nicht "der" Ansatz, es ist einer von mehreren möglichen, und in diesem konkreten Falle ist es meiner.

Das Ganze beginnt mit der Frage, wo, d.h. in welchen Branchen am ehesten Werte zu finden sind, deren Chartverläufe den zuvor beschriebenen Kriterien genügen. Die Antwort darauf ist überraschend einfach: bei den Zyklikern. Und der Grund dafür ist auch leicht einzusehen: Zyklische Aktien bilden keine langfristigen Trends aus, sondern höchstens mittelfristige, kehren dann um und laufen in Gegenrichtung. Das ist natürlich der Idealfall, nicht selten gibt es dabei noch die eine oder andere Seitwärtsbewegung. Und längst nicht alle Zykliker zeigen ein Chartbild mit einem klar erkennbaren Trend. Das macht aber überhaupt nichts, denn wir wollen ja nicht alle Zykliker im Blick haben, sondern nur die mit dem mustergültigen Trend-verlauf, der auf den ersten Blick zu erkennen ist.

Dem Idealbild eines Zyklikers sehr nahe kommt die Aktie der Lufthansa [LHA]. Wenn jemand ein Beispiel sucht für die Aussage: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" ― hier ist es.
(Achtung: hier Langfristchart mit Quartalskerzen ― nur zur Demonstration).

Das erinnert mich stark an die Starts und Landungen eines Flugzeugs ― anschaulicher kann man seine Branche bildlich kaum darstellen. Beim letzten Flug wurde allerdings die übliche Reiseflughöhe nach oben verlassen.

Und damit zur praktischen Umsetzung des Konzepts. Die Grundidee besteht darin, drei bis vier geeignete Vertreter aus verschiedenen zyklischen Branchen mit klarem Trendverhalten auszuwählen und ihre Charts im Wochenzeitfenster zu speichern. Diese brauchen dann nur einmal pro Woche angeschaut zu werden, um zu erkennen, wann Handlungsbedarf angesagt ist. Die folgenden Beispiele sollen diese Herangehensweise demonstrieren.

Den Anfang machen zwei Vertreter aus der Transportindustrie, einem Klassiker unter den zyklischen Branchen. Ich wähle zwei bekannte Unternehmen aus, je ein Luft‒ und ein Schiff‒ fahrtunternehmen, und zwar die Lufthansa [LHA] und Kreuzfahrers Liebling, Royal Caribbean Cruises [RCL].

Und damit zur Handelsstrategie, bei der natürlich wie immer mehrere verschiedene Ansätze verfolgt werden können. Klassisch nach der Dow‒Theorie erfolgt der Einstieg entweder mit der Ausbildung eines neuen höheren Tiefs (das in der zweiten Januarhälfe 2017 erreicht wurde ― mit hohem Volumen), oder mit der Ausbildung eines neuen höheren Hochs, das Mitte März ebenfalls mit hohem Volumen erzielt wurde.

Eine weitere und von mir gern genutzte Möglichkeit besteht darin, den SMA 20 als Signal-geber zu verwenden. Beim Einstieg besteht die offensive Variante darin, beim nachhaltigen Überwinden des SMA 20 (große weiße Kerze und höheres Volumen — sowohl bei LHA als auch bei RCL Ende Oktober 2016 eingetreten) aktiv zu werden, während die defensive Variante den Einstieg erst nach dem ersten Rücksetzer auf und erfolgreichem Abpraller vom SMA 20 vollzieht. Ein solches Geschenk gab es allerdings nur bei Lufthansa.

Gelegenheiten zum Nachkaufen bilden bei diesem Ansatz die Rückläufe des Kurses an den SMA 20 ― sofern sie eintreten.

RCL zeigt das typische Treppenmuster, das in regelmäßigen Abständen höhere Hochs mit hohem Volumen ausbildet und so gleich eine ganze Reihe von Einstiegsgelegenheiten bietet.

In Analogie dazu gibt es natürlich auch eine Reihe von Varianten für den Ausstieg: im Sinne der Theorie wäre das beim Erscheinen eines tieferen Hochs / tieferen Tiefs, bei meinem Ansatz ist es das nachhaltigen Durchbrechen des SMA 20 (lange rote Kerze und höheres Volumen). Bei LHA war das in der Woche vom 11.2, bei RCL in der vom 4.3. der Fall. Eine andere Möglichkeit besteht darin, beim Erreichen eines bestimmten Kursziels und / oder einer größeren Entfernung des Kurses vom SMA 20 die Position zu reduzieren, also einen Teil zu verkaufen und den Rest weiter zu halten. Die Ideallösung zu antizipieren ist nicht möglich, wie sie aussieht, wird erst im Nachhinein deutlich. Manchmal landet man hier einen Glückstreffer; den sollte man dann auch als solchen betrachten und nicht auf eigenes Können zurückführen.

Bei weitem nicht alle Luftfahrtgesellschaften weisen während der Beobachtungsperiode einen ähnlichen Kursverlauf auf wie die Aktie der Lufthansa. Am nächsten kommen ihr All Nippon Airways / ANA Holdings [ANCA] und Qantas Airways [QAN].

Natürlich reizt es, an dieser Stelle das Chart des Ölpreises zum Vergleich heranzuziehen. Ich verwende hier Brent Crude [BC].

Während der späten Akkumulations‒ und frühen, moderaten Anstiegsphase des Ölpreises bilden die Aktien der beiden Transportunternehmen einen gut erkennbaren mittelfristigen Aufwärtstrend aus, der Ende 2016 beginnt und bis in den Januar 2018 reicht. Ab der Jahresmitte 2017 laufen sogar alle drei Kurse parallel, und alle drei machen auch die etwa zehnprozentige Korrektur im ersten Quartal 2018 mit. Ab da trennen sich die Wege, und der bisher synchrone Verlauf wird diachron: Öl setzt auf den SMA 20 auf, prallt nach oben ab und beginnt stärker zu steigen. Die Kurse von LHA und RCL dagegen durchbrechen den SMA 20, scheitern an der Rückeroberung und gehen fortan in einen klar erkennbaren Abwärtstrend über.

Was könnte der Grund dafür sein — und gibt es hier einen Zusammenhang? Eine naheliegende Vermutung ist, dass ein auf niedrigem Niveau verweilender oder nur moderat ansteigender Ölpreis die Geschäfte der beiden Unternehmen kaum beeinträchtigt, während ein Preisanstieg in höhere Regionen wie aktuell von 60 auf 80 EUR seit Februar, sehr wohl Spuren bei Umsatz und Gewinn hinterlässt: " It doesn't matter until it matters". Sicher gibt es noch weitere Faktoren, die hier eine Rolle spielen, wie die Entwicklung der Personal‒ und Cateringkosten, aber ich vermute, dass die wesentliche Ursache für die Änderung des Trendverlaufs in der Entwicklung des Ölpreises zu suchen ist.

Das Ganze bleibt jedoch eine Spekulation, und wir brauchen sie auch gar nicht, denn Erfolge werden wir viel weniger durch fragwürdige Vermutungen erzielen als durch die richtige Interpretation der Charttechnik.

Eine weitere Branche mit zyklischem Charakter ist die Halbleiterindustrie, die hier mit drei bekannten Unternehmen mit mustergültigen Chartbildern vertreten ist: Micron [MU]. nVIDIA [NVDA] und Siltronic [WAF].

Die Charts sprechen für sich und bedürfen keiner weiteren Bemerkung.

Ähnliche Chartverläufe weisen auch andere große Chiphersteller wie Taiwan Semiconductor [TSM] und Texas Instruments [TXN] auf, ebenso führende Zulieferer der Halbleiterindustrie wie Applied Materials [AMAT] und ASML Holdings [ASML].

Neben der Transport‒ und Halbleiterindustrie gibt es einige weitere zyklische Branchen. Dazu zählen Auto, Chemie und Stahl, und natürlich der Rohstoff‒ und Energiesektor. Auch hierzu ein paar Namen: bei Stahlunternehmen lohnt der Blick auf ArcelorMittal [ARRJ], bei den Rohstoffkonzernen auf Anglo American [AAL], Glencore [GLEN], Teck Resources [TECK] und Vale [VALE].

Fazit

  • Auf der Suche nach Chartbildern mit guten Chancen auf die Ausbildung mittelfristiger Trends sollten bekannte Vertreter zyklischer Branchen besondere Aufmerksamkeit finden. Neben den hier vorgestellten und erwähnten etwa einem Dutzend Werten gibt es sicher noch ein oder auch zwei weitere Dutzend Kandidaten mit ähnlichen Kursverläufen. Das ist ein überschaubarer Pool.
  • Wenn man als Zeitfenster für die Darstellung dieser Charts die Wochenperiode wählt, lassen sich die Kursentwicklungen mit vertretbarem Zeitaufwand verfolgen.
  • Für Ein- und Ausstiege gibt es eine Reihe von Varianten, aus denen je nach persönlichen Vorlieben und individueller Risikoneigung gewählt werden kann.

P.S. Natürlich treten mittelfristige Auf‒ und Abwärtstrends auch bei Aktien von Unternehmen nicht‒zyklischer Branchen auf. Beispiele dafür können in einem Folgebeitrag demonstriert werden.

Pasolini

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Wie Börsenerfolg funktioniert – Drei Aktien im Blick



Drei aktuelle Einzelfälle, an denen man Lehrreiches festmachen kann, besonders prägnant ist der letzte Fall Wacker Chemie:

Unilever, der grosse Konsumgüterkonzern hat Zahlen geliefert, die vordergründig gut aussahen, bei der Börse aber trotzdem nicht auf Wohlgefallen trafen, weil -> das Wachstum dann doch nicht so gross war wie erhofft <-.

Das Ergebnis sind mehr als 3% Minus heute und wir sehen daran, dass dieser Sektor einfach schon stolz bewertet ist und droht noch länger in der grossen Seitwärtsbewegung zu verbleiben:

Zu den Aktien, die von Trumps Politik profitieren, gehört der ganze Sektor definitiv nicht. Man kann und sollte den aufgrund seiner Solidität und der Qualität als Basisinvestment halten, Blütenträume sind aber dieses Jahr wohl nicht drin.

Blütenträume sind im Rohstoff-Sektor aber dieses Jahr durchaus nicht unrealistisch, die Konjunktur zieht an und gleichzeitig will Trump noch einmal den Investitions-Nachbrenner zünden. Dass die Kurse des Sektors noch nicht ausgereizt sind, zeigt der an sich enttäuschende Produktionsreport, der heute beim Rohstoff-Konzern Anglo American herein gekommen ist: -> Anglo American mit deutlich geringerer Kupferausbeute <-.

Nun könnnte man ja meinen, dass der Kurs nach so einer Nachricht abschmiert, zumal er ja in den letzten Monaten erheblich gewonnen hat. Aber Pustekuchen, es sind nicht einmal 1% Minus und an solchen Indizien sehen wir die Sektoren, die noch Nachholbedarf haben und als Gegensatz die Fälle wie oben bei Konsumgütern, die derzeit eher ausgereizt erscheinen. Man muss nur beobachten, was der Markt für Signale sendet.

Das Chart von Anglo American ist auf jeden Fall fast ein Kunstwerk: V for Victory. Na, war jemand von ganz unten mit dabei? 😉

Nun zum Hauptthema dieses Artikels, Wacker Chemie.

Wacker Chemie ist mein bester Trade der letzten Wochen am deutschen Markt. Ich hatte ja schon kurz vor Weihnachten in -> Die Strasse gleitet fort und und fort <- darauf hingewiesen, wie perfekt dort der Einstieg gelungen ist. Hier ist noch einmal der Foreneintrag vom 14.12. der aber keine Resonanz fand, damals bei 90,8: -> Foreneintrag Wacker <-

Nun sieht das Baby so aus (Schluck :)):

Genau diesen Fall, möchte ich noch einmal zum Anlass einer erklärenden "Predigt" benutzen, wie so etwas funktioniert. Eine "Predigt", die sich vor allem an die vielen neuen Mitglieder richtet, von denen viele mit hoher Wahrscheinlichkeit immer noch dem völlig falschen Zerrbild nachhängen, als ob Börsenerfolg etwas damit zu tun hätte, dass man die Zukunft kennen oder erraten muss.

Dieses Zerrbild wird ja auch in Börsenzeitschriften wie Interviews so penetrant bemüht, dass es sich einfach in den Köpfen eingefressen hat und sich davon wieder zu lösen, dauert Zeit und viele Worte. 😉

Wenn ein Reporter einem Max Otte oder wem auch immer gegenüber sitzt, ist die erste Frage auf jeden Fall fast immer "wie entwickelt sich den XYZ dieses Jahr"? Es geht immer darum, die Zukunft erhaschen zu wollen und das natürlich besser, als alle anderen, die diese Zukunft schon in die Kurse gebacken haben - schon klar.

Das ist Blödsinn! Punkt. Nun schauen wir mal auf Wacker Chemie.

Wichtig ist zu verstehen, ich habe am 14.12. keinen blassen Schimmer gehabt, wie sich das weiter entwickelt. Ich habe auch keine Sekunde darüber nachgedacht.

Ich habe aber die markante technische Struktur gesehen, eine Flagge nach einem ersten scharfen Schub, die für sich schon in den meisten Fällen in einen zweiten Schub überleitet. Hier hat die Flagge aber gleichzeitig auch den Ausbruch getestet, was die Situation besonders attraktiv machte.

Was habe ich also getan? Am 14.12. - nachdem die Flagge sich nach oben aufzulösen schien - die Nase zugehalten und bin eingestiegen. Und habe sofort einen Stop unter die Flagge, also bei etwas unter 88€ gesetzt. Diese Differenz, diese knapp 3€ waren also mein Risiko, nach oben war aber die Chance völlig offen.

Und dann habe ich einfach abgewartet. So einfach. Ein simples Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Technische Struktur mit positivem Chance/Risiko-Verhältnis, saubere Absicherung und Verlustbegrenzung, nach oben hohes Potential. That´s it!

Erneut, ich habe keine einzige Sekunde fundamental darüber gegrübelt, wie das bei Wacker Chemie weitergeht. Ich habe mich um einen attraktiven Einstieg bemüht, die Risiken begrenzt und dann den Rest dem Schicksal überlassen.

"Schwer" ist das nur wegen unseres "Affenhirns", das uns permanent ein anderes Verhalten einreden will und bei solchen Situationen gerne quer schiesst und sei es nur, nach den ersten Gewinnen ängstlich dann auf Gewinnsicherung zu bestehen.

So geht´s aber! Bitte merken Sie sich das und nehmen das ernst. Und lassen Sie bitte das Herumraten sein, die Zukunft kennen wir nicht und die bestmögliche Erwartung an die Zukunft, steckt schon in den Kursen und wir sind eben *nicht* klüger als der Markt.

Wenn Sie so wollen, ist diese Botschaft identisch zu der, die ich aus Investment-Sicht vor Kurzem in den beiden Artikel -> Investieren ist so einfach <- mit Ihnen geteilt habe. Wir sind eben in der Regel *nicht* klüger als der Markt und wenn doch, kostet uns das viel Energie und Zeit. Aber wir können den Markt beobachten und das abschöpfen, was er uns liefert. Das nennt man Markttechnik.

Wir müssen es halt nur tun. Und natürlich hätte der Trade bei Wacker Chemie auch scheitern können. Solche Dinger scheitern trotz eines gutes Einstiegs ganz oft, drehen mittendrin auf dem Absatz, verlieren Momentum, was auch immer.

Der Einzelfall geht oft schief, der Erfolg entsteht erst in der statistischen Wiederholung. Und er entsteht nur deshalb, weil die Verluste begrenzt werden und geringer sind, als die Gewinne. Und weil durch guten Einstieg die Zahl der Gewinner etwas höher ist, als die Zahl der Verlierer.

Der Rest ist Mathematik, auf den Einzelfall kommt es nicht an, auch nicht hier bei Wacker Chemie, der Fall hier soll nur das Prinzip deutlich machen! Auf jede Wacker Chemie, kommt definitiv auch ein gescheiterter Trade, solange die Gewinne aber höher als die Verluste sind, ist das alles in bester Ordnung!

Und wie geht es jetzt weiter bei der Aktie? Ganz einfach, das Chart sagt es uns:

Man muss eben einfach mal wissen, wann es gut ist und das ist es bei Wacker nun bald. Eine Korrektur dürfte demnächst unvermeidlich sein. Nun benutzen wir also Trailing Stops, die wir eng heran ziehen und dann können wir das Geschehen wieder dem Schicksal überlassen, denn irgendwann wirft uns das einfach raus und dann ist es auch gut.

Alles klar? 😉

Ihr Hari

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Quartalszahlen – Novartis, MTU, Anglo American



Novartis

Novartis -> steigert den Gewinn <- und kann den Markt trotzdem nicht völlig überzeugen.

Die Aktie leidet in 2016 neben hausinternen Problemen auch an der Last, die durch Clintons Ankündigungen auf dem ganzen Sektor liegt.

Genau wie ich vor einem Jahr Rohstoffaktien für das Folgejahr ins Auge genommen habe, weil sie Nachholbedarf haben, habe ich nun eine Novartis im Auge und betrachte diese als Basisinvestment für 2017.

Meine persönliche Erwartung sieht ungefähr so aus:

novartis-25-10-16

MTU Aero Engines

MTU -> erhöht die Jahresprognose <-.

Ich hatte die Aktie mit ihrer Ausbruchsstruktur schon vor drei Wochen in -> Bewegung! <- auf dem Radar, hier ist ein Update zur Struktur:

mtu-25-10-16

Anglo American

Der lange und stark verprügelte und an internen Problemen leidende Bergbaukonzern Anglo American, bekannt für seine Diamantenförderung, -> berichtet höhere Produktion <- im 3. Quartal.

Der Konzern ist strukturell nicht so solide wie BHP Billiton oder Rio Tinto, hat dafür aber auch immer noch das grössere Aufholpotential, insbesondere, falls der Dollar nun mal drehen und wieder fallen sollte.

Vorsicht, das Bild wird durch die aktuelle Pfund-Schwäche etwas übersteigert, aber das ist doch ein nettes "V" in Pfund oder? Wer hat da unten gekauft? 😉

anglo-25-10-16

Ich übrigens nicht, ich halte Rio Tinto. Aber Anglo American ist ein schönes Beispiel für die Chancen, die uns der Markt immer wieder bietet.

Über Mittag, vor Eröffnung der Wallstreet, kommen heute noch: 3M (MMM), AK Steel (AKS), Agenus (AGEN), Alibaba (BABA), Baker Hughes (BHI), Baxter (BAX), Caterpillar (CAT), Corning (GLW), DuPont (DD), Eli Lilly (LLY), Freeport McMoran (FCX), General Motors (GM), Lockheed Martin (LMT), Merck&Co (MRK), Pentair (PNR), Procter & Gamble (PG), Under Armour (UA), United Technologies (UTX), Valero Energy (VLO)

Wie schon gesagt, meine Kommentierung dieser Zahlen kann heute bis 18 Uhr und vielleicht sogar danach dauern.

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Rio Tinto, BHP Billiton und Co. – Rohstoffe vor der Wende ?

Ich habe das Thema hier schon mehrfach angesprochen, zuletzt hatte ich das Chart hier im Artikel von letztem Freitag. Und im Premium-Bereich sind wir schon seit Juli am Thema dran.

Aber man kann es gar nicht oft genug wiederholen: der Rohstoff-Sektor sendet massive Signale der Wende !

Ich könnte Ihnen die Charts von China zeigen, die ähnlich aussehen oder auf die chinesischen Wirtschaftsdaten verweisen, die zuletzt verhalten positive Signale sendeten. Ich könnte Sie darauf hinweisen, dass der extrem verprügelte Australische Dollar möglicherweise eine Bodenbildung vollzieht oder Ihnen erneut das Chart von Kupfer zeigen. Ich könnte Ihnen zeigen, wie US Kohle ebenso wie Stahlwerte trotz schlechter Nachrichten nicht mehr fallen und erste Lebenszeichen zeigen. Und ich könnte Ihnen noch vieles andere zeigen.

Alle diese Indikatoren weisen aber in eine Richtung, die man wie im Brennglas in den Kursen der grossen Rohstoff-Riesen wie Rio Tinto (WKN: 852147), BHP Billiton (WKN: 850524) oder Anglo American (WKN: A0MUKL) sehen kann. Und diese Rohstoffriesen, werden zum Beispiel im ETF iShares Europe 600 Basic Resources (WKN: A0F5UK) zusammen gefasst.

Und ich könnte Ihnen erneut erklären, dass der ganze Sektor extrem zyklisch ist und es völlig normal ist, dass er zwischen Hosianna! und Weltuntergang, zwischen Boom and Bust, hin und her schwingt. Und auch wenn man nie weiss, wie lange eine Depression dauert und wann der Zyklus wieder anspringt, man kann sich doch darauf verlassen, dass es irgendwann wieder passieren wird.

Und nun schauen Sie mit mir erneut beispielhaft auf das Chart obigen ETFs mit Tageskerzen:

Basic Resources 05.09.13

Und Sie sehen, wie sich nun unter unserer Beobachtung eine fast vollendete inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation heraus gebildet hat. Noch ist die Nackenlinie nicht durchschlagen, die auch noch mit der 200-Tage-Linie korreliert. Und insofern ist der Trade noch nicht in Gang gesetzt, aber schon jetzt sieht das sehr vielversprechend aus.

Klar ist auf jeden Fall, dass hier grosse Chancen liegen, wenn die Weltkonjunktur nun wirklich ans Laufen kommen sollte und auch Europa aus seinem Tal der Tränen heraus finden würde. Und ich muss hoffentlich hier nicht immer wieder erwähnen, dass grosse Chancen nie ohne ebenso grosse Risiken daher kommen. Aber wie man sich hier absichert, sollte in Anbetracht dieses Charts jedem klar sein und wenn doch nicht, lade ich Sie ein, zur Mr-Market Community dazu zu stossen, die erklärt Ihnen schon, wo hier eine Absicherung hin gehört.

Ich werde mir diese Chancen auf jeden Fall nicht entgehen lassen und bin seit Mitte Juli im Sektor auf der Long-Seite engagiert, bisher mit viel Spass und schönen Gewinnen. Wenn diese Nackenlinie aber wirklich durchschlagen wird, dürfte der Spass durchaus noch in eine zweite Halbzeit gehen.

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Hari´s Märkte am Abend – 06.06.12 – Es grünt so grün ….

22 Uhr - Handelsschluss

Meine Wende hin zu einer positiveren Marktsicht gestern und vorgestern, war auf den Punkt ein Treffer. Selbst die fehlende Zinssenkung der EZB konnte den Markt heute nur kurz verunsichern, es fehlt zwar noch an der richtigen Überzeugung, aber das muss nicht schlecht sein und kann noch kommen. Wie schon die letzten Tage antizipiert, will Mr. Market nun kurzfristig hoch und zumindest ein Test der 200 Tage Linie von unten bei ca. 6200 sollte nun im DAX drin sein, wenn uns nicht wieder irgendwelche politischen Nachrichten mitten im Flug absschiessen. Möglicherweise kommt dieser Test schon am morgigen Donnerstag.

Auch die Performance des S&P500 sah sehr gut aus, erneut schoben die Kurse ruhig hoch, auch das "Beige Book" um 20 Uhr sorgte nur für kurze Verunsicherung, bevor der Index dann im späten Handel noch einmal richtig Fahrt aufnahm, um auf Höchststand zu schliessen.

Das Potential mir den Tag zu verderben, hatten dann aber Berichte aus dem politischen Raum, wie -> dieser <- hier zu Obama und Cameron. Ich empfinde es als bodenlose Frechheit, wie sich die beiden Herren aus für mich höchst eigensüchtigen Motiven bemühen, Deutschland den Arm umzudrehen. Insbesondere dem guten Cameron steht es ja frei, als "solidarisches" EU Mitglied die spanischen Banken mit britischen Steuermitteln zu stützen. Aber für Solidarität hat der Herr ja keinen Cent, dafür aber um so mehr Chuzpe diese medial von anderen zu fordern. Ich empfinde das als dreist und abstossend, tut mir leid für diese harten Worte.

Aber auch die spanische Regierung hat für mich die Grenze des Erträglichen überschritten, wenn sie einerseits unbedingt Hilfen für die Banken will - die ihr ja auch niemand verwehren will und die schon längst bereit stehen - sich aber andererseits nicht den gleichen Bedingungen der Rettungsschirme wie das Nachbarland Portugal unterwerfen will, weil sie dafür zu stolz ist. Seit neuestem diktieren die Schuldner also den Rettern die Bedingungen - o Tempora, o Mores ! Mir wird da ganz schlecht, was die Zukunft Europas angeht, "Gemeinschaft" und "Solidarität" fühlen sich eigentlich anders an.

Ich hoffe nur, dass unsere Regierung hier hart bleibt, habe aber allergrösste Bedenken ob das wirklich der Fall ist. Auf jeden Fall ist Deutschland mal wieder der Bösewicht, das kennen wir geschichtlich ja zu Genüge, dieses mal aber wirklich ohne Schuld. Solange man um jeden Preis den Euro retten will und die anderen das wissen, wird man halt immer erpressbarer. Das würde sich erst ändern, wenn man den anderen klarstellt, dass man auch ohne Euro kann. Ein einschneidender Schritt, den ich der vorsichtigen Frau Merkel leider nicht zutraue. Den passenden Kommentar dazu können Sie -> hier <- lesen.

Morgen und am Freitag gibt es dann eine ganze Reihe von Wirtschaftsdaten, die das Potential haben den Markt zu bewegen. Allerdings sagt die Erfahrung, dass wenn der Markt an so Wendepunkten beschlossen hat die Richtung zu ändern, die guten Nachrichten dann hinterher kommen, unter anderem weil einfach positiv interpretiert wird, was vielleicht vor Wochen davor zum Absturz geführt hätte. Denn nicht die Fakten bewegen die Kurse, sondern die Interpretation derselben, gemessen an der Erwartung, was ein bedeutender Unterschied ist !

Bei aller Freude und allen Signalen für eine (zumindest kurzfristige) Wende, bitte ich aber nicht zu vergessen, dass wir uns in einem etablierten Abwärtstrend befinden, der auch durch eine Bewegung bis 6200 nicht ausser Kraft gesetzt würde ! Je nachdem wie man eine Trendlinie beim DAX zieht und wann der Markt versucht diese zu schneiden, kommt man auf einen Abwärtstrend dessen obere Begrenzung irgendwo zwischen 6200 und 6400 verläuft. Erst wenn wir die 200 Tage Linie hinter uns gelassen haben und den Abwärtstrend mit Schlusskurs gebrochen haben, kann man mit gutem Gewissen anfangen von einer nachhaltigen Trendwende zu reden !

Schauen Sie bitte genau auf den folgenden Tages-Chart des DAX, in dem ich einen möglichen Trendkanal eingezeichnet habe.

An der Stelle des Fragezeichens bei etwas über 6200, dort wo der DAX einerseits die 200-Tage-Linie testet und sich andererseits wieder der oberen Trendbegrenzung nähert, findet eine ganz wichtige Entscheidung statt. Aber erst ungefähr dort bei über 6400, wo der grüne Stern eingezeichnet ist und man das Zwischenhoch vom 29.05. hinter sich gelassen hat, hat man Anlass ernsthaft davon auszugehen, dass der aktuelle Bounce mehr als eine Bärenfalle ist ! Und bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Insofern warne ich davor, unvorsichtig zu werden. Ich geniesse den Anstieg und hoffe, Sie sind mit mir zusammen eingestiegen, aber meine Stops führe ich auch mit und bin auch schnell wieder draussen, wenn wir erneut drehen. Denn zu einem Bärenmarkt gehören auch Bärenmarkt-Rallys - und ob das, was wir gerade erleben, mehr als eine Bullenfalle ist, werden erst die kommenden Tage zeigen.

Auch bei den Einzelaktien grünte es heute ganz erheblich in den Depots. Alleine die sechs gestern hier im Blog genannten Titel brachten folgende Performance mit den Schlusskursen:

  • Rheinmetall (WKN 703000) +7,0%
  • Leoni (WKN 540888) +5,5%
  • Continental (WKN 543900) +4,5%
  • Broadcom (WKN 913684) +4,5%
  • Cisco (WKN 878841) +3,5%
  • Apple (WKN 865985) +1,5%

Es gab schon schlechtere Tage als heute. 😉

Erwähnenswert sind aber auch eine ganze Reihe anderer, hier schon mehrfach besprochene Titel wie zb Veolia (WKN 501451) mit 6% Plus, Klöckner (WKN KC0100) mit 6,5% Plus oder auch Anglo American (WKN A0MUKL) mit 7% Plus. Diese Bewegungen sind Signal, dass der Markt bei diesen Aktien wohl nach unten übertrieben hat und sich diese Erkenntnis heute Bahn bricht.

Bemerkenswert ist für mich auch erneut die Performance des Edelmetallsektors. Nicht nur dass Gold (XAUUSD) heute zeitweise 1640 USD erreichte, auch Silber (XAGUSD) sprang heute mit bis zu 4% massiv an. Mir drängt sich im Moment das Gefühl auf, als ob sich im Edelmetallsektor etwas Bedeutendes zusammen braut.

Eher eine Bestätigung dieser Sicht war für mich auch, wie der Sektor dann um 20 Uhr die Enttäuschung des "Beige Book" aufnahm, denn im "Beige Book" wurde ein positives Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA gemalt und insofern nahm das Spekulationen um weitere fiskalische Massnahmen der FED erst einmal etwas die Grundlage. Gold fiel in Folge auch Richtung 1620 USD zurück, konnte aber wie der GDX am Ende doch im Plus schliessen, ein positives Signal der Überzeugung der Marktteilnehmer. Trotzdem wäre es nun nur normal und gesund, wenn bei den Goldminen ein paar Tage der Konsolidierung und leichter Gewinnmitnahmen einsetzen würden.

So weit so gut für heute, ich wiederhole, geniessen Sie den Flug, aber werden Sie nicht unvorsichtig ! Und ich gönne mir jetzt einen guten Wein als Belohnung und versuche den Ärger über die politischen Erpresser um uns herum runter zu spülen. 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 17.04.12 – Turnaround Tuesday

22 Uhr - Handelsschluss

Wie schon gestern antizipiert, machte der heutige Dienstag seinem Ruf als "Turnaround Tuesday" alle Ehren.

Nach der erfolgreichen spanischen Anleihen-Auktion, zogen die europäischen Finanzwerte auf breiter Front an und der breite Markt folgte - das hatte heute alles den Charakter einer echten Erleichterungsrally. Der gute Wert beim ZEW-Indikator und gute Daten zum Häusermarkt in den USA, haben heute sicher auch etwas geholfen. Da sich aber am grundlegenden Umfeld in der Euro-Zone nichts geändert hat, besteht aber durchaus die Gefahr, dass die positive Stimmung Morgen im Laufe des Tages schon wieder abflaut und die Geister rund um Spanien wieder zurück kehren.

Anders sieht es dagegen in den US Indizes aus. Mit einem Schlussstand von über 1390 ist der S&P500 überzeugend wieder in die bisherige kurzfristige Range und fast sogar wieder in den steigenden Trendkanal zurück gekehrt und hat die Korrektur damit möglicherweise abgeschlossen. An der grundlegenden Lage, dass die US Indizes den europäischen Indizes derzeit vorzuziehen sind, dürfte sich nach meiner Erwartung also zunächst nichts ändern. Sollte sich die Rückkehr in den steigenden Trendkanal im S&P500 morgen durch weitergehende Stärke bestätigen - denken Sie immer an die notwendige Bestätigung einer Bewegung am Folgetag ! - besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Kurse in Folge erneut an die obere Begrenzung des Trendkanals laufen, die je nach Zeitpunkt irgendwo bei 1450 liegen sollte. Aber ein Schritt nach dem anderen, erst muss die Bewegung zurück in den Trendkanal morgen durch erneute Stärke bestätigt werden.

Im DAX gehe ich bis Juni weiter von einer volatilen Seitwärtsbewegung aus, die sich nach meiner unveränderten Erwartung im weiten Bereich zwischen 6400 und 7100 abspielen könnte. Sollte der S&P500 tatsächlich bis zur oberen Begrenzung des Trendkanals laufen, dürfte der DAX selbst bei fortgesetzter relativer Schwäche wieder an der 7000er Marke schnuppern.

Aktie des Tages war für mich ganz klar Daimler (WKN 710000). Die geballten Call-Optionen der führenden Investmentbanken waren mir einen eigenen Artikel wert, den Sie -> hier <- nachlesen können, falls Sie den Artikel bisher übersehen haben. Das diese Spekulation bei Daimler nun schon läuft, legt auch die Tatsache nahe, dass Daimler heute mit fast 4% Plus weit stärker stieg, als BMW oder VW.

Und ich habe möglicherweise auch ein Indiz für den unbekannten Daimler Investor gefunden. Schauen Sie in -> diesen <- Bericht des Manager Magazins von Ende letzten Jahres, der im Vorweihnachtstrubel etwas untergegangen ist und dann zählen Sie 2 + 2 zusammen. Es könnte sich also möglicherweise um den Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) handeln, für den die Investmentbanken hier ihre Call-Optionen vorrätig halten.

Ein derart seitens Daimler gewolltes Investment würde auch dazu passen, dass es von Seiten des Daimler Managements bisher keinerlei Reaktion gab, obwohl ihnen diese massiven Call-Optionen mit Sicherheit aufgefallen sind. Nur bei einer freundlichen, bekannten und gewollten Aktion dürfte man wohl auf Seiten des Managements so ruhig bleiben. Im übrigen, falls es sich um den chinesischen Staatsfond handeln sollte, hat sich dieser dann mit Sicherheit auch das Wohlwollen der Bundesregierung eingeholt. Ich betone ausdrücklich, das ist oben alles nur Spekulation aufgrund öffentlich verfügbarer Informationen, verbunden mit logischem Denken, aber es ist eine Spekulation, die sich sehr vernünftig anhört.

Für den Daimler Kurs wäre ein solcher Einstieg eines grossen Staatsfonds natürlich nicht der "Kracher" einer feindlichen Übernahme, aber positiv und kurssteigernd dürfte es nach meiner Erwartung trotzdem sein, denn falls die CIC-Theorie stimmt, sollte alleine die Schlussfolgerung, das Daimler damit sein immer wichtiger werdendes China-Geschäft absichert, für steigende Kurse gut sein. Warten wir einfach ab, in Anbetracht der Laufzeit der meisten Optionen könnte man vielleicht mit einer Meldung im Laufe des zweiten Quartals rechnen.

Auch zum Drama um den spanischen Ölkonzern Repsol (WKN 876845) möchte ich noch ein paar Zeilen verlieren. Was da gerade los ist, können Sie zum Beispiel -> hier <- bei der FTD noch einmal nachlesen. Die Lehre daraus ist, welche Bedeutung politische Sicherheit für Aktionäre hat. Und einige Teile Südamerikas machen in den letzten Jahren primär durch Verstaatlichungen von sich reden, dass das nicht nur auf Hugo Chavez sozialistisches "Paradies" Venezuela beschränkt ist, kann man ja nun an den Handlungen der populistisch agierenden, argentinischen Staatspräsidentin bewundern.

Der Vorgang ist in seiner Art natürlich ein Skandal und wird massiv auf Argentinien zurück fallen. Wenn sich zwischen Privatpersonen jemand derart das Recht des Stärkeren heraus nimmt, würde man das "Raub" nennen und strafrechtlich verfolgen. Welcher internationale Konzern wird denn jetzt noch im grösseren Umfang in Argentinien investieren ? Dabei wäre eine Verstaatlichung im nationalen Interesse ja noch diskutabel und nicht perse ein Skandal, wenn sie geordnet, mit nachvollziehbaren Begründungen ausgestattet und begleitet von fairen Ausgleichszahlungen ablaufen würde. Aber diese handstreichartige Übernahme mit in meinen Augen vorgeschobenen, lächerlichen Begründungen - und das nachdem der argentinische Staat YPF ja erst Ende der 90er Jahre privatisiert hatte - spottet in meinen Augen jeder Beschreibung.

Insofern halte ich es für sehr wichtig - gerade auch bei Minenunternehmen, von denen viele in Südamerika unterwegs sind - immer genau hinzuschauen in welchem Land die Aktivitäten statt finden. So liegt zum Beispiel bei der in einigen Kreisen beliebten Silber Aktie: Silver Standard Resources (WKN 858840) die einzige grössere in Produktion befindliche "Pirquitas Mine" mitten in Argentinien. Alle anderen Lokationen des Unternehmens sind im Projektstadium oder tragen noch nicht signifikant zum Output bei. Was würde mit der Aktie von SSRI passieren, wenn Frau Kirchner zum Thema Silber theoretisch die nächste populistische Anwandlung haben sollte ? Die Aktie von SSRI dürfte dann ins Bodenlose fallen, ein Risiko, bei dem ich nicht sicher bin, ob sich jeder Aktionär dessen bewusst ist.

Was den Kurs von Repsol angeht, sieht es für mich so aus, als ob der Markt gerade eine nahezu entschädigungslose Enteignung einpreist. Nachdem diese Bewegung ausgelaufen ist, könnte Repsol vielleicht wieder kaufenswert werden, denn noch ist nicht aller Tage Abend und auch wenn die prinzipielle Verstaatlichung sicher nicht mehr zurück genommen wird - dem steht die Gesichtswahrung eines gerade erst bestätigten Staatsoberhauptes entgegen - wird um die Entschädigung noch ein Ringen einsetzen. Und wenn die EU und Spanien wollten, könnten Sie Frau Kirchner wohl die Hölle heiss machen und Argentinien als Reaktion weitgehend vom Welthandel abschneiden - denn immerhin ist Spanien der grösste Investor in Argentinien - ein Pfund mit dem sich beim Entschädigungs-Geschacher trefflich wuchern liesse.

Übrigens, falls Ihnen nicht klar ist, welchen Geistes Kind die Verantwortlichen in der argentinischen Regierung sind, empfehle ich noch einmal einen Blick auf -> diese -< Meldungen aus letztem November. Man könnte meinen, die argentinische Regierung wolle den Tauschhandel der Steinzeit wieder einführen. Der Irrglaube, ein Land mit solchen dirigistischen Knebelvorgaben wieder auf einen Weg der wirtschaftlichen Prosperität zu führen, wird Argentinien nach meiner Überzeugung endgültig ins Aus führen. Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit lässt sich nicht durch dirigistischen Staats-Aktionismus beheben. Spassig formuliert, wissen die BMW Mitarbeiter ja nun scheinbar, woher der Reis aus der Betriebs-Kantine kommt - falls BMW ihn nicht lieber auf See verklappen sollte, um die unsinnigen Transportkosten zu sparen. 😉 Ernsthaft, konkrete Aussagen von BMW zum neuen "Geschäftsfeld" als Reis-Importeur sind nicht bekannt ...

Richtig Leben kommt nun auch in den Rohstoffsektor. Möglicherweise hat die China Analyse doch recht, die Reuters -> hier <- in einem Artikel ausgeführt hatte, den ich Ihnen ja schon am Wochenende per Kommentar nahegebracht hatte. Egal wohin man heute schaute, waren die Rohstoffwerte nahezu alle deutlich im Plus. So lieferte die hier vor kurzem beispielhaft besprochene Anglo American (WKN A0MUKL) heute zum Beispiel ein Plus von über 4% ab, eine positive Bewegung, wie wir sie in dem Titel schon seit Wochen nicht mehr gesehen haben.

Ich bin im gesamten Rohstoff-Aktien-Sektor nun gut investiert, bin aber auch bereit jederzeit wieder heraus zu springen, wenn wir doch nach unten drehen. Denn denken Sie daran, wie -> hier <- ja ausführlich dargestellt, sind wir bei vielen Rohstoffaktien in einer entscheidenden Phase, in der wie eine bärische Schulter-Kopf-Schulter Formation entweder bestätigen oder negieren. Sollte die Formation aber negiert werden und der Markt hier drehen, weil China doch eine weiche Landung vollzieht, hat der ganze, weitgehend überverkaufte Sektor nach meiner Ansicht nun deutliches Potential nach oben !

Besonders erwähnenswert finde ich in diesem Zusammenhang den Marktführer für Uran Cameco (WKN 882017), der exakt wie -> hier in meinem Artikel vom 30.03.12 <- antizipiert, die Schulter-Kopf-Schulter Formation abgearbeitet hat, kurz unter 20 USD schaute um eine paar Stops zu ziehen und dann heute mit fast 4% Plus nach oben zog. Ich bin neben anderen Werten auch Long bei Cameco.


Source: Finviz.com

So weit für heute, ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 12.04.12 – QE 3 oder der Kasper aus der Kiste

22 Uhr - Handelsschluss

Na endlich mal wieder ein erfreulicher Tag an den Börsen. Das war ja aber nun auch überfällig, die überkaufte Markttechnik hatte schon darauf hingedeutet.

Ob das aber mehr als eine kleine Gegenbewegung in einer fortdauernden Korrektur ist, ist lange nicht so klar wie es scheinbar aussieht. Den die 6743 im DAX sind nach so einem Absturz lange nicht überzeugend genug, um von einer V-förmigen Erholung auszugehen. Und auch die Banken, die ja ein Frühindikator der Abwärtsbewegung waren, konnten heute nicht so richtig überzeugen. Der S&P 500 konnte aber die alte Seitwärtsrange oberhalb 1387 wieder erreichen und hat gegenüber dem DAX nach wie vor die weit überzeugendere Markttechnik, was gegen einen generellen Absturz spricht.

Nur der gesamte Rohstoffsektor und bestimmte Industrieaktien konnten heute so richtig überzeugend haussieren, was nach dem brutalen Abverkauf seit Wochen aber nun auch mal fällig war. Der Grund dafür war aber zweifelhaft, nicht gute Konjunkturaussichten gaben den Ausschlag, sondern die schlechten Zahlen zu den Anträgen auf Arbeitslosenuntersützung verbunden mit weiterhin fehlender Inflation und FED-Aussagen, schalteten heute die Hoffnung auf QE3 an der Wallstreet wieder scharf. Diese kommt ja alle paar Woche wie der Kasper aus der Kiste, ein Drogensüchtiger wie Mr. Market kann halt nicht dauerhaft an etwas anderes denken. Auf die Perversität der Denkstrukturen Mr. Markets nach dem Motto "Schlechte Arbeitslosenzahlen = QE3 Gelddrucken = Gut für die Börse" hatte ich ja schon am Freitag hingewiesen.

Auch die Hoffnung auf brauchbare chinesische Wirtschaftdaten (unter anderem das BIP) heute nacht um 4 Uhr MEZ, sollten die Rally im Rohstoffsektor befeuert haben. Sollten die Zahlen negativ überraschen, dürften wir Morgen den ganzen Anstieg in obigen Sektoren wieder abgeben. Aber bisher hatte Mr. Market vor solchen Zahlen immer einen ganz guten Riecher, weswegen ich auch nicht zu pessimistisch bin.

In Summe sieht es für mich so aus, als ob die Ängste um die Eurozone unverändert auf dem Tisch bleiben, was den DAX weiter in einer Seitwärtsrange begrenzen würde, während die Hoffnung auf QE3 und gute chinesische Wirtschaftsdaten die Erholung des Rohstoff- und Industriesektors ermöglichte. Konsequent waren daher auch im DAX vor allem die Autobauer und Stahltitel sehr stark, während die Banken nur wenig vom Fleck kamen.

Morgen früh haben wir im DAX die Chance die 6800 wieder zurück zu erobern, wenn die chinesischen Daten brauchbar ausfallen. Wenn der Bulle im DAX noch Kraft hat, sollte der DAX am morgigen Freitag mal so richtig um 2% oder mehr nach oben schieben. Sollte das Morgen trotz guter Zahlen aus China auch nicht gelingen und wie heute wieder nur ein durchwachsener Anstieg drin sein, werde ich wohl in die Stärke hinein erneut abbauen.

So bleibe ich in Anbetracht der labilen Lage weiter tendentiell vorsichtig. Sollte sich die Entwicklung bei den Rohstoffaktien verfestigen - dazu unten mehr - werde ich mein Exposure in dem Sektor erhöhen. In Anbetracht der rein spekulativen Ursache ist das aber noch unklar - Morgen früh wissen wir mehr. Ansonsten bleibe ich vorerst in Wartestellung und habe in der Schwäche bisher nur verhalten und sehr selektiv zugekauft.

Was Nokia (WKN 870737) angeht, scheint Mr. Market ja meinen gestrigen Artikel gelesen zu haben und beginnt sich nun auch die Frage zu stellen, ob Nokia überhaupt noch überlebensfähig ist. Ein Minus von über 7% nach dem gestrigen Tag ist bemerkenswert und spricht eine deutliche Sprache. Und an einem durchweg positiven Tag wie heute ganz besonders. Denn bei einer Aktie der Mr. Market eine gute Zukunft zubilligt, wären nach dem gestrigen Tag heute wieder Käufer gekommen, um das vermeintliche "Schnäppchen" aufzusammeln. Mr. Market hält aber Nokia nicht für ein Schnäppchen, sondern scheinbar für ein Auslaufmodell, und verlässt fluchtartig das sinkende Schiff. Nur die 3€ Marke konnte den weiteren Absturz vorerst aufhalten, ich wäre nicht überrascht, wenn auch die demnächst fällt.

Richtig auffällig sind nun die US Kohlewerte. Nachdem die Werte schon in den letzten Tagen relative Stärke zeigten und im abstürzenden Markt vergleichsweise wenig abgaben, kam heute nun ein kräftiger Schub nach oben. Peabody Energy (WKN 675266) und Arch Coal (WKN 908011) beide mit fast 8% im Plus - das ist doch eine Erwähnung wert und haben wir lange nicht mehr gesehen. Dafür gab es keinen konkreten Auslöser, der QE3 Trade sollte hier aber wenig Auswirkungen haben, hier sind in meinen Augen andere Kräfte am Werk.

Denn bei den Kohletiteln sahen wir in den letzten Wochen nun schon mehrfach starke Bewegungen nach oben. Zwar wurden diese bisher immer wieder abverkauft und neue Tiefststände erreicht und es ist durchaus möglich, das sich das erneut wiederholt. Trotzdem ist das nun eine auffällige Änderung des Marktverhaltens gegenüber der gnadenlosen Wasserfolter seit letzten Herbst. Das Ganze ist nicht untypisch für eine volatile Bodenbildung, ungefähr wie ein Pferd das zwar noch angezäumt ist, sich aber schon unruhig in seinem Stall hin und her bewegt.

Ich habe heute früh - Fanfare 😉 - bei Peabody Energy wieder einen kleinen Zeh ins "Kohle-Wasser" gesteckt, um zu sehen wie sich das anfühlt - bisher war es ein gutes Gefühl. 😉 Meine kleine Basisposition bei Arch Coal halte ich ja sowieso, um den Kontakt zum Sektor nicht zu verlieren. Denn nun scheint sich frisches Geld in den ausgebombten Rohstoffsektoren zu positionieren, auch Kupfer wurde heute übrigens in Form von Freeport McMoran (WKN 896476) um 6% nach oben gekauft.

Zur Kernfrage aber, ob der Rohstoffsektor generell nun billig oder teuer ist - und damit auch zum Thema meines Artikels von heute Mittag "warum billige Zykliker teuer sind - und umgekehrt" - möchte ich Ihnen heute Abend beispielhaft den 10 Jahres Chart seit 2001 des breit aufgestellten Rohstoffriesen Anglo American (WKN A0MUKL) mitbringen. Fundamental sieht der Titel mit einem KGV von 7-8 derzeit billig aus, aber ist er es auch wirklich ? Der Langfristchart sieht dagegen furchtbar aus. Wir haben ein massives Doppeltop, eine klare Schulter-Kopf-Schulter Formation, sitzen gerade an der Nackenlinie und haben eine gewaltige Fallhöhe, wenn sich die SKS - Formation bestätigen sollte.

So furchtbar sehen übrigens viele Charts der Grundstoffaktien derzeit aus. Sind Rohstoffaktien nun also ein Kauf, oder ist das was wir heute erleben, nur ein kurze technische Gegenbewegung, bevor es weiter runter geht ?

Ehrlich, ich weiss es im Moment nicht, dieser Chart macht mich aber ebenso demütig wie vorsichtig. Ich sehe das aktuell als eine "Do-or-Die" Situation für den ganzen Sektor. Sollten wir von der Nackenlinie wieder nach oben drehen, dürfte es zumindest kurzfristig ein Kauf sein. Da sind dann schnell 10% nach oben drin, selbst wenn wir danach erneut drehen und letztlich in ein paar Wochen doch die Nackenlinie nach unten durchschlagen.

Vollenden wir aber die SKS-Formation, sollte man dann wohl schnell aus dem ganzen Sektor raus. Und der fundamentale Faktor hinter alle dem ist die politische und konjunkturelle Entwicklung in China. Wer kann da schon hinter die Fassade schauen ? Ich kann es definitiv nicht.

Ach ja und Gold (XAUUSD) machte heute erneut einen Schub in wenigen Minuten. Erinnern Sie sich an das Geschehen von Vorgestern ? Dann schauen Sie sich mal den Chart der letzten Tage an:

Das ist "Big Money", das da Positionierungen eingeht - Privatanleger erzeugen nicht solche Bewegungen. Jetzt spielt auch hier natürlich der QE3 Gedanke eine Rolle, diese Schübe kann das aber nicht völlig erklären. Ich bin nun überzeugt, dass hier etwas im Gange ist, das über den einzelnen Tag hinaus geht. Es ist noch zu früh das vollständig zu werten und bevor Gold nicht wieder über 1800 USD gestiegen ist, ist die Phase der Konsolidierung sowieso nicht abgeschlossen und bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber für mich spricht nun einiges dafür, dass wir den Beginn weiterer Stärke erleben. Auch die Goldminen zogen heute im Schnitt zwischen 3 und 5% kräftig an.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 05.03.12 – China und die Rohstoffe – Rio Tinto und Arch Coal

22 Uhr - Handelsschluss

Da lag der Elfmeter für die Bären, wie ich ja im Marktupdate heute Mittag -> hier <- schon geschrieben hatte. Nur verwandeln konnten die Bären erneut nicht, überzeugende Bären sehen wirklich anders aus.

Ich kann nur an meine Marktanalyse von Freitag erinnern, für mich sieht das so aus, als ob die innere Spannung des Marktes weiter zunimmt und sich bald mit einer starken Bewegung nach oben oder unten entladen wird.

Die Richtung des Ausschlags ist weiter unklar, zum Marktsentiment hatte ich Sie ja schon letzte Woche zweimal auf die letzte Cognitrend Studie hingewiesen. Für diese Sicht gab es heute eine weitere Bestätigung. Der von mir geschätze Börsendienst der "Bespoke Investment Group" hat bei einer regelmässigen Umfrage unter seinen Lesern - die eher den Marktprofis zuzuordnen sind - erneut eine Mehrheit mit bärischen Erwartungen identifiziert. Siehe -> hier <-.

Das ist nicht verwunderlich, denn es gehört wirklich nicht viel Phantasie dazu, sich nach 2,5 Monaten unaufhörlichem Anstieg nun eine grössere Korrektur vorzustellen. Deshalb ist die Korrektur auch im Moment nicht die Contrarian-Sicht, sondern entspricht eher dem Mainstream. Und wie ich hier ja immer hier predige, liebt es Mr. Market geradezu, genau den Weg der Mehrheit nicht zu gehen, sondern den Weg einzuschlagen, auf dem die wenigsten positioniert sind. Und deshalb kam die Korrektur bisher noch nicht und es bestehen durchaus Chancen, dass das länger so bleibt, als viele an der Seitenlinie aushalten können.

Warten wir einfach weiter ab, in welche Richtung der Pendel ausschlägt, schenken aber den Bullen weiterhin etwas mehr Vertrauen, denn die Bären haben ihren Mangel an Durchschlagskraft heute erneut unter Beweis gestellt.

Unabhängig von dem Verlauf der Indizes, gab es heute aber erhebliche Schwäche bei den Rohstoffaktien. Wesentlichen Einfluss hatten dabei nicht nur wenig überzeugende US Wirtschaftdaten, sondern vor allem auch die Meldung, dass in China für 2012 "nur" noch ein Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent erwartet wird - dies wäre das geringste Wirtschaftswachstum in China seit 1990. China braucht hohe Wachstumraten, um den sozialen Zusammenhalt überhaupt sicher stellen zu können.

Dabei sind die Zahlen aus China gar nicht so überraschend, immerhin hat die Zentralregierung ja zuletzt deutlich auf die Bremse getreten. Die Reaktion Mr. Marktes ist daher nach meiner Ansicht heute auch primär seiner aktuell skeptischen Stimmungslage geschuldet. Was Rohstoffe angeht, hat er gerade wieder seine manisch depressive Phase. Denn an anderen Tagen hätte Mr. Market nach solchen Aussagen durchaus auch eine Rally hingelegt, weil er das so interpretiert hätte, dass weitere monetäre Stimuli seitens der chinesischen Regierung nun wahrscheinlich sind - und genug Geld ist dafür in China ja vorhanden - zumindest solange man US Staatsanleihen noch werthaltig verkaufen kann. 😉

Diese Fragezeichen um die Weltkonjunktur haben aber heute bei vielen Rohstoffwerten bittere Spuren hinterlassen. Schon vor Wochen, Anfang Februar, haben die Rohstoffwerte zu bröseln begonnen, und nahmen heute nach unten Fahrt auf. Eine derartige Trendbeschleunigung findet oft gegen Ende starker Trends statt. Darauf folgen dann typischerweise noch ein paar Tage in Richtung des Trends mit abnehmender Intensität und dann setzt die Gegenbewegung ein.

Exemplarisch kann man die aktuelle Situation bei Rohstoffaktien am Chart des Rohstoffgiganten Rio Tinto (WKN 852147) nachvollziehen, den ich Ihnen heute in Britischen Pfund mitgebracht habe.

Sie sehen im Chart, dass wir bis zu einer gedachten Trendlinie noch etwa 5% nach unten haben, der Trend läuft bei ca. 3250 Pence. Sollte Rio Tinto noch einmal kurzfristig 5% nachgeben, würden wir auf dem Trend aufsitzen und genau dann würden auch die Oszillatoren wie zb der RSI wohl noch stärkere Kaufsignale senden, als sie das heute schon tun.

Wenn Sie jetzt noch davon überzeugt sind, dass die Liquiditätsflut der Notenbanken früher oder später ihren Weg in die Rohstoffmärkte findet - und ich bin dieser Ansicht - liegen bei Werten wie Rio Tinto, die ihr Geschäft primär mit Industriemetallen wie zB Kupfer betreiben, möglicherweise bald attraktive Kaufkurse vor uns.

Weitere interessante Aktien im Bereich Industriemetalle könnten sein: BHP Billiton (WKN 908101), Anglo American (WKN A0MUKL), Freeport McMoran (WKN 896476) oder Teck Resources (WKN 858265). Die brasilianische Vale (WKN 897998) mag ich persönlich nicht so sehr, weil mir da der Staatseinfluss zu hoch ist (genau deshalb wird sie auch vom Markt so niedrig bewertet) und bei der ansonsten interessanten XStrata (WKN 552834) machen mir die aktuellen Diskussionen um eine Fusion mit Glencore (WKN A1JAGV) eine Investition im Moment zu unberechenbar.

In diesem Zusammenhang noch ein paar warnende Zeilen zu den US Kohlewerten, insbesondere die Arch Coal (WKN 908011) wurde hier ja schon mehrfach besprochen. Ich warne davor, hier einfach billige Kurse perse als Kaufgelegenheiten zu betrachten. Denn entgegen meiner bisherigen Erwartung haben die meisten Kohlewerte - auch Arch Coal - das Tief von letztem Oktober nun doch nach unten durchbrochen. Damit wurde das, was auch ich bisher als multiplen Boden interpretiert hatte, nun negiert. Und damit haben wir rein vom Chart her noch einiges an Fallhöhe. Ich habe gelernt derartige Bewegungen für die kurzfristige Sicht zu respektieren, auch wenn mir meine fundamentale Sicht etwas anderes nahelegt und ich den Kohlesektor mittelfristig für einen guten Kandidaten für einen Rebound halte. Nur der Marktführer Peabody Energy (WKN 675266) hält sich noch knapp über den Oktober-Tiefs, was die Hoffnung am Leben hält.

Noch einmal zum Verständnis. Der US Kohlesektor leidet unter Überkapazitäten, die neben schwacher Konjunktur unter anderem von chinesischen Produzenten ausgehen, aber auch Folge des massiven Preisdruckes durch billiges US Gas (US Shale-Gas) sind. Denn Kohle und Gas streiten um die selben Abnehmer in Kraftwerken, Industrie etc. und das könnte zu einer Substitution von Kohle durch Gas führen, zumindest befürchtet das der Markt. Deshalb ist der Kurs des Shale-Gas Pioniers Chesapeake Energy (WKN 885725) auch für Kohle wichtig und die sind heute auch wieder schwach. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Tief der Kohlepreise noch länger weitergeht als man denkt und Mr. Market signalisiert mit seiner Kursentwicklung im Moment genau das !

Ich bin zwar nach wie vor fest überzeugt, dass wir es hier mit einem Schweinezyklus zu tun haben, der auch absehbar wieder zu weit höheren Preisen führt. Und wenn Sie sich an letzten Oktober nach meiner Besprechung von Arch Coal hier erinnern - wonach eine Arch Coal mal eben 40% gewonnen hat - wissen Sie wie schnell das gehen kann. Aber dieser Anstieg wurde halt Ende Oktober bei ca. 20 USD beendet und seit dem sagt die Kursentwicklung bei den Kohleaktien nur, dass die Luft nachhaltig raus ist. Aufgrund des Wissens um den schnellen Anstieg bei einer Wende, bin ich bei den US Kohleaktien zwar immer auf der Suche nach dem Wendepunkt. Aber die Zeit bis dahin könnte möglicherweise noch lang und schmerzhaft werden.

US Kohleaktien drängen sich mir im Moment daher nicht zwingend auf. Wäre der multiple Boden bestätigt worden, würde ich das heute anders sehen, dann würden wir aber bei den Kursen heute schon längst wieder nach oben laufen. Aber wir sind im Chart bei den meisten Titeln durchgefallen und das erhöht nun das Risiko in ein fallendes Messer zu greifen. Ich selber bin nur noch bei Arch Coal mit einer Basisposition investiert und bleibe das auch im Sinne "Buy and Hold", bis der Schweinezyklus nach oben dreht, was schon Morgen, in einem Monat aber auch erst in einem Jahr passieren kann. Dann - aber erst dann - lege ich bei den Kohlewerten nach. Das ich als Folge dieser Strategie die ersten paar Prozent Anstieg verpasse, nehme ich in Kauf und ist ein Preis den ich zu zahlen bereit bin.

Würde ich jetzt unbedingt in den Sektor einsteigen wollen, würde ich die Entwicklung am morgigen Dienstag abwarten, um zu schauen wie der Markt nach dem heutigen Abverkauf reagiert. Hält der Marktführer Peabody Energy das Tief von Oktober und dreht wieder nach oben, kann man einen Einstieg vielleicht tatsächlich wagen. Fällt aber auch Peabody durch, würde ich erst einmal mit noch deutlich tieferen Kursen im Sektor rechnen.

Und damit meine obigen Warnungen keine Missverständnisse erzeugen, ich sehe nach wie vor grosse Chancen in den US Kohletiteln und habe Ihnen deshalb -> hier <- noch eine sehr bullishe Studie von "Seeking Alpha" mitgebracht, die ich vom Timing abgesehen inhaltlich sehr teile ! Aber bei allen Chancen, muss halt auch das Timing sitzen.

Auch für die US Kohleaktien kommt wieder die richtige Zeit, da bin ich sicher. Wenn diese Zeit aber nicht heute ist, muss man es auch nicht erzwingen wollen, es gibt nach meiner Ansicht aktuell genug andere, profitable Setups im Markt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend, bis Morgen in alter Frische,
Ihr Hari