Microsoft nach Ballmer – Anleihenersatz mit Potential

Müsste man einen Wettbewerb um die High-Tech Aktie machen, die bei den Anlegern am ehesten Gähnen hervorruft und der nicht mehr viel zugetraut wird, wäre Microsoft wohl definitiv in der engeren Wahl.

Und das durchaus berechtigt, denn wie viele Chancen hat Microsoft im letzten Jahrzehnt unter der Regentschaft von Steve Ballmer verstreichen lassen oder durch Mangel an Flexibilität und Kreativität selber vergurkt ? Ich fange lieber nicht an zu zählen, es würde zu lange dauern. 😉

Auch zuletzt hat sich Microsoft ja mit Windows 8 und nun 8.1 ein grosses Ei gelegt, weil ein im Kern richtiger Gedanke unzureichend und konzeptionslos umgesetzt wurde. Dieser Eindruck hatte mich ja schon vor knapp 2 Jahren dazu veranlasst, Microsoft aus meinen Depots zu schmeissen, im Artikel -> Warum ich Microsoft nun aus meinem Depot verbanne <- habe ich das ja damals begründet und der Kurs ging danach auch erst einmal massiv auf Tauchstation.

Leser des Premium-Bereiches wissen aber auch, dass sich mein Blick auf Microsoft seit Sommer 2013 immer weiter aufhellt. Ich halte die Übernahme von Nokia für grundlegend richtig und ein "Schnäppchen" und zuletzt hat der Abgang von Steve Ballmer nicht nur die Märkte, sondern auch mich beglückt. Denn ich habe Ballmer in den 90er Jahren als guten COO und als Nummer 2 neben Gates für perfekt besetzt gehalten, aber die Rolle als alleiniger CEO bei Microsoft, war für ihn nach meiner Einschätzung eine Nummer zu gross.

Mit dem Wechsel besteht nun die Chance, dass Microsoft nun endlich mehr aus seinen Potentialen macht. Denn Microsoft/Nokia hat sehr wohl die Chance, die grosse Überraschung im Trio der Ökosysteme neben IOS und Android zu werden. Auf jeden Fall werden die Möglichkeiten unterschätzt, wenn diese Kombination endlich mal die selbst gestellten Bremsen lösen könnte.

Ich selber bin seit Ende der 70er Jahre ein klassischer "Early Adaptor" und habe vor ein paar Wochen mein Ipad eingemottet und bin auf ein Windows 8.1 Tablet von Dell (Venue Pro) gewechselt. Und obwohl ich mich über all die idiotischen Nickeligkeiten bei Windows 8.1 schwarz ärgere, wo Dinge unlogisch sind oder nicht richtig funktionieren, die bei Apple einfach beim ersten Versuch klappen. Und obwohl die Qualität und Stabilität des Gerätes zwar OK ist, aber kein bisschen mit der Perfektion eines Ipad mithalten kann. So bin ich doch froh, endlich wieder einen richtigen PC als Tablet in den Händen zu halten, mit dem ich alles machen kann. Und investiere selber lieber Zeit in das System, statt den einfacheren, aber beschränkteren Weg in IOS weiter zu gehen.

Nun ist noch nicht klar, wer der Nachfolger von Ballmer wird. Heiss gehandelt werden der bisherige "Cloud-Chef" bei Microsoft Satya Nadella und auch der "Android-Chef" Sundar Pichai, der noch bei Google ist. Aber wer es auch immer wird, er wird Durchsetzungsvermögen mitbringen müssen, denn die Beharrungskräfte der Organisation sind immens, ganz typisch bei erfolgreichen Firmen, sie lassen in der Regel zu spät von dem ab, was zu lange zu Erfolgen führte. Nur wenn eine kreative Ausnahmeerscheinung wie Steve Jobs, an der Spitze als unumschränkter Herrscher agieren kann, können solche Organisationstanker frühzeitig gedreht werden, bevor die Schmerzen da sind. Diese Glück hatte Microsoft aber im letzten Jahrzehnt nicht.

Aber wie auch immer, all das ist bekannt. Und trotzdem, trotz all dieser verpassten Chancen und vergurkten Gelegenheiten, generiert Microsoft immer noch riesige Gewinne und ist, was den Cashflow angeht, wohl eine der "sichersten" Aktien der Welt.

Wenn der neue Chef nur ein paar Dinge richtig macht, wird alleine das schon für neue Phantasie im Kurs bei Microsoft sorgen und diesen potentiell nach oben bewegen. Auch das Chart zeigt uns, dass der Markt langsam wieder eine positiver Sicht auf Microsoft entwickelt.

Wir sehen im Chart mit Tageskerzen einen klaren Ausbruch aus einer Wendeformation, der durch das Volumen bestätigt wird. Und wir sehen einen deutlichen und stabilen Aufwärtstrend. Viel spricht für neue Hochs, die in den kommenden Wochen anstehen könnten.

Microsoft 03.02.14

Mit dem Überwinden des Hochs vom 04.12.13 bei 38,98 USD wäre ein Ausbruch dann endgültig bestätigt. Besonders interessant ist aber der ganz langfristige Blick auf ein Chart mit Monatskerzen, das bis in die 90er, die Jahre Microsofts Aufstieg unter Gates, zurück reicht:

Microsoft 03.02.14 monatlich

Man könnte die Zeit seit 2000 also mit spitzer Zunge auch die "Ballmer-Konsolidierung" nennen. 😉 Aber wie auch immer, Sie sehen schnell, an welch bedeutender Wegscheide Microsoft nun im grossen Bild steht. Und obwohl nichts sicher ist und natürlich auch eine Microsoft in unerwartete, massive Probleme laufen kann. Und obwohl der neue CEO nicht nur eine Chance, sondern auch ein Risiko ist. Trotz all dem, gibt es schlechtere Aktien als eine, der der Markt nichts mehr zutraut und die nach wie vor im Cash schwimmt. Auf jeden Fall ist Überraschungspotential da und die Konkurrenz hat ja auch ihre Schwächen und Steve Jobs ist halt nicht mehr.

Und so kann ich ganz klar sagen: Wenn mir einer nur die Wahl lassen würde, mein Kapital auf Microsoft oder auf eine Staatsanleihe eines grossen Staates zu setzen, ich würde ohne zu zögern Microsoft wählen. Knapp 3% Dividendenrendite plus Chancen, können sichere Staatsanleihen derzeit nur schwerlich bieten.

Ihr Hari

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Das trojanische Pferd und das Ende von Nokia

09:00 Uhr. Heute ist ein trauriger Tag für Finnland. Das Ende von Nokia ist nach meiner Einschätzung da. Lesen Sie zunächst -> hier <- erst einmal die offiziellen Nachrichten.

Warum das Ende von Nokia werden Sie fragen ? Das will ich Ihnen im Folgenden erklären, denn ich persönlich habe den Eindruck des Vollzugs einer intelligent eingefädelten Zerschlagung zum primären Wohle Microsofts, die mit dem Wechsel von Stephen Elop auf den Chefwechsel am 21.09.2010 vor fast 3 Jahren begann.

Es ist sicher nicht so, dass es schon vor drei Jahren einen festen Plan gab, der einfach nur abgearbeitet wurde und das Stephen Elop insofern nur ein Trojanisches Pferd zum Wohle Microsofts war. Zu unberechenbar sind die Entwicklungen in der Branche, als das man 3 Jahre im voraus planen könnte. Und Stephen Elop hat vielleicht vor drei Jahren einfach nur eine grosse persönliche Chance ergriffen, ohne weitere Gedanken im Hinterkopf. Aber trotzdem haben viele der Schritte Nokias in den letzten Jahren in meinen Augen primär Microsoft gedient, was ich Ihnen im Folgenden darstellen will.

Dass das Ende nun gekommen ist, war für mich absehbar. Vielleicht erinnern Sie sich ja an meinen Artikel von vor ca. 9 Monaten, in dem ich Nokia wie Blackberry als -> Tote Katzen <- bezeichnet habe und nur Facebook von den Dreien Zukunftspotential zusprach ? Bei Nokia wie Blackberry hat sich das nun bewahrheitet und die Liebe der Privatanleger zu diesen Aktien war mal wieder die typische, fehlgeleitete Liebe zu "Fallen Angels" - die klassische Honigfalle, die wir auch bei Commerzbank, Praktiker und Co. immer wieder beobachten können und die viele Privatanleger zum Schaden Ihrer Depots wohl nie ablegen werden. Auch K+S hat aktuell das Potential in die gleiche Kategorie zu fallen.

Zu verlockend sehen Aktien ja auch aus, wenn man sie von früher gut kennt und diese früher viel teurer waren. Das fühlt sich dann emotional wie ein "Rabatt" an und man meint zuschlagen zu müssen. Dass der Markt aber gute Gründe hat eine Aktie nun anders zu bewerten, wird dabei übersehen. Und der Markt ist definitiv viel klüger, als all die Laien, die sich da etwas zusammen reimen.

Klar, wer nun in den letzten Wochen mit Nokia gezockt hat, wird nun durch den Verkauf an Microsoft nette Gewinne mitnehmen können. Diese Chance einer Übernahme war immer da und habe ich auch in meinem Artikel von vor 9 Monaten als einzige realistische Chance auf Gewinne bezeichnet. Aber wie viele Privatanleger sind immer noch seit Jahren bei Nokia drin und warten auf bessere Zeiten, so wie sie bei Commerzbank gewartet haben ? Diese Aktionäre wissen nun mit Gewissheit, dass sie Ihre Verluste nicht mehr wettmachen können.

Aber zurück zum Geschehen um Nokia. Schauen wir doch mal, wie sehr die Aktivitäten der letzten drei Jahre Microsoft gedient haben:

(1)

Vielleicht erinnen Sie sich ja daran, wie ich hier in den Anfängen von Mr-Market den von Elop betriebenen Wechsel Nokias weg von den eigenen Betriebssystemen Symbian und MeeGo hin zu Windows Mobile spöttisch gegeisselt habe ? 2 Jahre später fühle ich mich mehr als bestätigt. Den aktuellen, ärmlichen Zustand der Smartphone Umsätze hätte man locker auch mit Symbian und erst Recht mit MeeGo haben können. Genügend Zeit diese Systeme weiter zu entwickeln war auch - durch die Entscheidung zu Windows Mobile zu wechseln, hat sich Nokia ja auch für mehr als ein Jahr völlig aus dem Wettbewerb verabschiedet. Genau dieses Jahr war das entscheidende, in dem die Marke endgültig ihre Strahlkraft verloren hat.

Nein, der Wechsel war für mich völlig unnötig und hat primär Microsoft gedient, weil sich Nokia so selber kastriert und abhängig gemacht hat. Das Problem das Nokia hatte, war ja auch gar kein technologisches, MeeGo war gut genug. Es war primär ein Management-Problem - die Entwicklungsabteilungen waren zu behäbig und dem Wettbewerb von Apple und Google nicht mehr gewachsen. Dieses Problem hat man aber sowieso lösen müssen, der Wechsel zu Windows Mobile hat nur neue Probleme geschaffen und war aus Sicht von Nokia unnötig wie ein Kropf.

(2)

Was das "Ende von Nokia" angeht, könnten einige jetzt denken wieso, es gibt doch Nokia weiter ? Es wird doch "nur" das Smartphone Geschäft samt Patenten verkauft ?

Stimmt theoretisch, aber das verbleibende Netzwerkgeschäft hat in meinen Augen nicht das Potential dauerhaft selbstständig zu bleiben. Am Ende vermute ich, dass das Geschäft von Mitbewerbern wie Ericsson einverleibt wird und Nokia ganz vom Kurzszettel verschwindet. Man schaue auch mal am Kurs von Ericsson, wie schwierig dieses Infrastrukturgeschäft im Telekombereich ist, wo aggressive Mitbewerber aus China und Taiwan ala Huawei in den Markt drängen. Finnland ist damit sein bekanntestes Unternehmen los geworden. Eine Zeitlang wird es dort sicher noch ein Entwicklungszentrum von Microsoft geben, aber wie lange steht in den Sternen.

Vor dem Hintergrund dieser Aktion wird mir nun aber auch deutlicher, warum Nokias Managements so aggressiv Siemens aus dem NSN Joint Venture gedrängt hat. Das war nach meiner Vermutung eine nötige Voraussetzung um diesen Deal so machen zu können und hilft wiederum massiv Microsoft. Denn für den Übernehmer ist es viel einfacher, einen Teil eines börsennotierten Konzerns heraus zu kaufen, als ein komplettes Übernahmeangebot vorlegen zu müssen. Die Herauslösung von Nokia Networks aus dem Joint Venture war also vielleicht eher notwendige Voraussetzung, damit Microsoft nun diesen Schritt tun kann.

Und damit kommen wir zum dritten Punkt meiner Argumentation:

(3)

Stephen Elop - der Gedanke an ein trojanisches Pferd kann mir da schon kommen - auch wenn ich wie oben gesagt nicht an den grossen drei Jahre andauernden "Masterplan" glaube. Elop ist jetzt ein ganz heisser Kandidat auf die Nachfolge von Ballmer, der - Überraschung - vor kurzem zurück getreten ist. Damit hat Elop defacto - nicht aktienrechtlich und insofern legal - aber doch defacto mit sich selber verhandelt. Auf der einen Seite als Nokia Chef, der nun das Smartphonegeschäft an Microsoft schiebt und auf der anderen Seite als "mitgehender" neuer/alter Microsoft Mitarbeiter, der potentiell neuer CEO werden kann, aber zumindest eine sehr herausgehobene Funktion bei Microsoft haben wird.

Ich denke das "Geschmäckle" ist offensichtlich, auch wenn der Vorgang aktienrechtlich wohl legal ist. Und erneut hilft das am Ende Microsoft. Bei einer Komplett-Übernahme durch Microsoft wäre Elop aber nicht Verhandlungspartner gewesen, wie im Szenario der Herauslösung des Smartphone-Geschäftes. Bei einem Übernahmeangebot hätte sich Microsoft direkt mit den Nokia Aktionären auseinander setzen müssen. Und das wird typischerweise teuer. Sicher, auch jetzt wird Elop die Aktionäre fragen müssen, aber das ist ein weit einfacheres Szenario, als sich bei einem kompletten Übernahmeangebot mit aggressiven Mitspielern ala Icahn und Co. auseinander setzen zu müssen.

Summa Summarum, perfekt getimter Deal aus Sicht von Microsoft. Die Aussagen der Deal sei Ballmer bisher "zu teuer" gewesen, halte ich für ein Ablenkungsmanöver und für bewusst erzeugten Rauch, um den Blick der Gegner zu vernebeln. Dieser Deal - inklusive Patente - ist nicht teuer für Microsoft, der ist ungemein billig. Ich bin sicher, gäbe es Nokia nicht und jemand würde Microsoft heute das gleiche Portfolio an Patenten, Mitarbeitern und Produkten andienen - genau das was Microsoft nun dringend für seine neue Strategie braucht - dann würde Microsoft auch 10 Milliarden USD zahlen. Denken Sie daran, dass Microsoft für Skype locker 8,5 Milliarden USD gezahlt hat und das ganze Smartphone Geschäft von Nokia ist für Microsoft um Faktoren bedeutender, als ein einzelner Dienst für Video-Telephonie.

Nein, das ist nach meiner festen Überzeugung ein toller Deal für Microsoft und ich vermute, die Börse wird das heute auch Microsoft mit einem Premium danken und nicht wie üblich einen Übernahmeabschlag erzwingen. Ein Mitbewerber wird erst umarmt, dann kastriert und dann der schmackhafte Teil einverleibt. Und man bekommt auch gleich einen potentiellen CEO aus dem eigenen Stall geliefert, der nun Branchen-Knowhow aufsaugen konnte, das Microsoft bisher fehlte. Und nun hat Microsoft alle Inkredenzien beisammen, um ernsthaft gegen Apple und Co. antreten zu können.

Einfach perfekt und man könnte meinen, da hätte ein genialer Mastermind im Hintergrund einen perfekten Plan durchgezogen. Wie gesagt, so einfach wird es wohl nicht sein, zu wenig planbar ist die Zukunft und in dem Geschäft sowieso, aber zumindest zeigt Bill Gates nach meiner Meinung die Züge eines genialen Autisten und hat ohne jeden Zweifel einen extrem hohen IQ. Wer weiss ? 😉

Für die Aktionäre von Nokia heisst das in meinen Augen:

Nehmen Sie die schönen kurzfristigen Gewinne (oder verringerten Verluste) mit, die Ihnen Microsoft nun gewährt und schliessen Sie mit dem Kapitel Nokia ab. Ich werde das tun.

Es war eine schöne Zeit mit Dir liebe Nokia und ich war damals einer der ersten Kunden des ersten Communicators - des ersten "Smartphones" der Welt.

Rest in Peace Nokia ! Ich werde Dich vermissen.

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