Marktupdate – 11.10.12 – Die Spannung steigt !

09:00 Uhr

Gegenüber gestern ist die Lage an den Märkten unverändert. Der DAX hält sich im Unterstützungsbereich 6200.

Einerseits hatten die Bullen gestern keine Kraft, die überverkaufte Situation für eine Rally zu nutzen. Das ist gegenüber den letzten Wochen eine bärische Änderung im Charakter des Marktes, die man nicht übersehen sollte.

Andererseits fehlt aber auch den Bären (bisher) der Biss, den Indizes nun den "Todesstoss" zu geben. Denn die Bären waren seit dem 2. Quartal nicht mehr in so einer idealen Ausgangslage wie aktuell. Wenn es jetzt gelingt den Markt zu einer dynamischen Bewegungen nach unten zu bewegen, dürfte sich das zu einer Lawine der Gewinnmitnahmen auswachsen, die uns im DAX dann möglicherweise unter 7000 schauen lässt und das ganz schnell.

Nur haben die Bären selbst im Angesicht der Abstufung Spaniens noch nicht die Kraft um den Markt über die Klippe zu stossen. Was wiederum die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, dass wir ausgehend von dem aktuellen Niveau einen Bounce sehen.

Insofern ist die Spannung gegenüber gestern nun weiter gestiegen und diese unklare Lage dürfte sich in Kürze auflösen. So oder so. Wenn Mr. Market dann mal eine Richtung einschlägt, dann dürfte das mit Dynamik geschehen, weil nun alle in der Gegenrichtung aufgestellten hinterher hechten werden.

Uns bleibt nur - statt sinnlos zu raten - das Urteil des Marktes gelassen entgegen zu nehmen und für jeden der beiden Fälle eine klare Strategie zu besitzen, die wir dann kalt umsetzen. Ich selber bin immer noch eher Long im Markt und setze im Saldo der Positionen eher auf steigende Kurse, auch wenn ich mittlerweile wieder einige Shorts im Portfolio habe. Meine Stops für die Longs sind nach unten nun aber nicht mehr sehr weit entfernt.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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Marktupdate – 10.10.12 – Miese Stimmung = DAX steigt ?

08:45 Uhr

Ein sehr kurzes Update vor der Handelseröffnung.

Gestern hat Alcoa seine Zahlen im erwarteten Rahmen geliefert. Sie waren objektiv - aufgrund der weltweiten Konjunktur - wie erwartet nicht gut, aber auch nicht katastrophal schlecht. Das Spielchen mit den "besser als erwartet" Meldungen kann man da sowieso vergessen, die Analysten drücken die Erwartungen bewusst etwas unter die tatsächlichen Zahlen, um diesen psychologischen Effekt zu erzeugen.

In Summe ist die Stimmung im Markt eher schlecht. Das Web quillt über von Kommentaren, nach denen wir gerade eine grosse Topbildung erleben und die Quartalszahlen schrecklich sein werden. Auch die gestrigen Abgaben müssen nach meiner Einschätzung vor diesem Kontext gesehen werden.

Man kann aber als Anleger nichts dümmeres machen, als sich nach diesen Stimmungen zu richten. Lässt man es zu, wird man wie eine Sau durchs Dorf getrieben und ist schnell sein Geld los.

Statt dessen sollten wir uns nach dem richten, was uns Mr. Market mit seinen Kursen sagt. Und diese Botschaft ist:

Wir sind nun etwas überverkauft und notieren nahe an Unterstützungszonen, wie die Zone um die 7200 im DAX. Das Sentiment ist schlecht und die Erwartungen gering. Sollte der Bulle noch leben, sind das die Inkredenzien um die Bären auf dem falschen Fuss zu erwischen.

Insofern wird uns die Price-Action diese Woche sehr genau zeigen was los ist. Drehen wir nun trotz der miesen Stimmung wieder nach oben, ist der Bulle am Leben und man sollte kurzfristig eher mit einem weiteren Schub nach oben rechnen, der die Bären aus ihren Positionen squeezed.

Fallen wir nun aber durch, ohne dass die Bullen ihre Muskeln zeigen, dann ist eindeutig etwas anders im Markt als bisher. Dann werde ich zum ersten Mal seit dem Juni wieder ernsthaft über einen fallenden Markt nachdenken.

In diesem Sinne ignorieren Sie die Stimmung, die über Medien an Sie heran getragen wird. Folgen Sie statt dessen den Signalen des Marktes. Denn da wo echtes Geld eingesetzt wird, hört das Spiel der Behauptungen und Vermutungen auf und es wird bitter ernst.

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Marktupdate – 16.08.12 – Und täglich grüsst das Murmeltier

09:10 Uhr

Seit Montag letzter Woche - also seit 10 Handelstagen - schwankt der DAX nun zwischen 6900 und 7000 hin und her, ohne eine klare Richtung aufnehmen zu können. Ich muss lange zurück denken, um mich an eine vergleichsweise bewegungslose Phase an den Märkten erinnern zu können.

Jeden Morgen grüsst das Murmeltier mit einem Gap - heute nach oben auf 6980 - der dann folgerichtig zügig geschlossen wird. Wer in den letzten Tagen Daytrading betrieb, konnte mit der simplen Strategie unter 6930 kaufen und über 6970 verkaufen eine Menge Geld machen.

Auch im S&P500 sieht das Bild nicht anders aus, mal kurz unter 1400 dann wieder darüber, zu einem echten Ausbruch reicht es aber nicht.

Ich erinnere daran, dass die Zukunft unbestimmt ist und insofern weiss niemand in welche Richtung sich diese sehr enge Range auflösen wird. Klar ist nur, dass es mit grossem Momentum und damit einem virtuellen *Boom* geschehen wird, ein Knall den man in seinem Depot wohl deutlich merken wird.

Was uns bleibt ist statistisch in die Vergangenheit zu schauen, und die indiziert einen klaren Vorteil für die Bullen. Eine derartige Konsolidierung knapp unter den Höchstständen nach einer vorangegangenen bullischen Bewegung ist in der Mehrzahl der Fälle als "Continuation Pattern" zu sehen. Es spricht also viel für einen Ausbruch nach oben über die 7000, irgendwann in den nächsten Tagen.

Letztlich wird das Schicksal der Indizes aber wohl durch den nächsten Katalysator bestimmt, insofern ist alles - auch ein Einbruch - möglich. Da aber für die Eurozone die meisten denkbaren Szenarien vom Markt nun schon mehrfach durchdacht sind, bin ich nicht sicher ob dieser Katalysator wirklich mit der Euro-Krise zu tun haben wird.

Aber wie auch immer, es bleibt nur abzuwarten, seine Positionierung weiter zu verfeinern und Stops zur Sicherung einzubauen. Da ich so positioniert bin wie ich will, falte ich also heute erneut meine Hände, warte ab und geniesse solange den Sommer und das Gefühl von Ferien !

Man soll die Feste feiern wie sie fallen ... und mein Fest ist die Ruhe und Gelassenheit des Sommers !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag !
Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 06.03.12 – Risk OFF – von volkswirtschaftlichen Irrlehren

22 Uhr - Handelsschluss

Na endlich möchte man sagen. Die Bären leben und haben ihre Zähne doch nicht verloren. In vielen Aktien hat man heute zum ersten Mal dieses Jahr fühlen dürfen, wie sich der schmerzhafte Biss eines Bären anfühlt. Mit dem Bruch der DAX 6800 nach unten, haben sich die Bären heute wieder meinen Respekt erworben und ich nehme sie seitdem wieder ernst.

Und - man glaubt es kaum - aber Mr. Market macht auch mal was die Mehrheit erwartet. Alles was ich bisher sehe, spricht aber dafür, dass das nicht mehr ist, als die lange erwartete Korrektur in der Aufwärtsbewegung.

Denn der kommunizierte "Auslöser" in Form von erneuten Ängsten um den griechischen Schuldenschnitt ist für mich eher ein schlechter Witz. Insbesondere dieses "überraschend aufgetauchte" vertrauliche IIF Dokument vom 18.02.12, in dem wohl vor Schäden im Bereich von einer Billion im Falle einer Pleite Griechenlands gewarnt wird, kann ich nicht ernst nehmen. Wer immer dieses Dokument in den Markt lanciert hat, dürfte wohl einen schönen Schnitt gemacht haben, denn die Wirkung 2 Tage vor dem Fristende ist nun wirklich berechenbar, wenn sie auf einen ziellosen Markt trifft, der durch das China Thema schon angeschlagen ist.

Inhaltlich gibt es zu diesem Dokument von mir auch nur zu sagen: wenn Banken nach über 2 Jahren der Vorbereitung und nach der Möglichkeit selbst Fussballer-Darlehen an die EZB abzuschieben, nun immer noch von Griechenland oder ihrem CDS Engagement in den Orkus gezogen würden, dann sollte man die verantwortlichen Manager nach meiner Ansicht wegen erwiesener Unfähigkeit und grober Fahrlässigkeit am besten gleich vor ein Schnell-Gericht stellen. Das wird aber nicht passieren, denn so unfähig wird wohl keiner sein. Das Risiko liegt schon lange primär beim Steuerzahler und wurde sozialisiert. Das IIF Dokument halte ich für Theater um die Beteiligung an der Umschuldung zu erhöhen und die Lancierung heute hat für mich ein ziemliches Geschmäckle.

Auf jeden Fall ist der heutige - teilweise brutale - Abverkauf quer durch alle Bereiche ganz typisch für eine Korrektur aufgrund plötzlich aufwallender - und damit irrationaler - Angst. Der steile Anstieg des VIX bestätigt das auch. Dabei gibt es heute keine wirklich neuen Erkenntnisse, die sich vor allem im ungewöhnlichen Bewegungen in bestimmten Segmenten zeigen würden. Hier wird einfach alles rausgeworfen und was vorher am besten lief, leidet am stärksten - Risk OFF halt.

Und das gerade die deutschen Industriewerte am meisten leiden ist auch nichts Neues, es liegt schlicht daran, dass die Investoren der Wallstreet in jeder Korrektur zunächst die ausländischen Werte verkaufen. Deshalb fällt der DAX auch wieder viel stärker als der S&P 500. Kennen wir alles aus dem letzten Herbst.

Bleibt die Frage WANN und WO man in diesen Markt wieder einsteigen sollte. Denn sobald diese Korrektur ausläuft - unter der Annahme, dass es bei einer kurzen Korrektur bleibt - bekommt man möglicherweise den sichersten Einstieg seit Jahresanfang, weil dann gerade ein reinigendes Gewitter hinter uns liegt.

Was das "WANN" angeht, rechne ich am morgigen Mittwoch eher noch nicht mit der Wende. Für eine sofortige V-förmige Wende fehlt es Morgen unter Umständen am Katalysatoren und nach diesem langen Anstieg, wäre eine mehrtägige Korrektur auch äusserst normal. Ausserdem wird bei einigen institutionellen Investoren heute wohl erst einmal überlegt und morgen dann möglicherweise noch einmal auf den "SELL" Knopf gedrückt.

Erst ab Donnerstag wird es wohl interessant. Denn am Donnerstag haben wir die Entscheidung um die Umschuldung Griechenlands und die EZB Sitzung und am Freitag die US Arbeitsmarktdaten. Ich halte das nach meinem heutigen Erkenntnisstand für einen möglichen, groben zeitlichen Rahmen der Korrektur, also mit einem möglichen Ende im Bereich Donnerstag bis Montag kommende Woche. Jedes dieser Ereignisse hat das Potential, nach dem heutige Abverkauf das Signal zur Rally nach oben zu geben. Sollte der Donnerstag enttäuschen und von erneuten Abgaben geprägt sein, reichen am Freitag möglicherweise schon durchschnittliche Arbeitsmarktdaten für eine Erleichterungsrally.

Zum "WO" habe ich mich in Sachen DAX schon geäussert. Eine erste Auffangzone ist bei ca. 6650, die Marke die ich heute früh um 10 Uhr schon nannte und an der der Markt heute auch konsequent zunächst zum Stehen kam, bevor er in der Schlussauktion dann doch darunter schaute. Ob diese Marke aber morgen im echten Handel hält, ist für mich zweifelhaft, dafür ist sie auch nicht ausgeprägt genug. Viel wohler fühle ich mich bei der massiven Unterstützung oberhalb 6400 und es würde mich eher wundern, wenn wir im Rahmen dieser Korrektur da einfach durchfallen. In diesem Fall müsste man dann wohl auch die Frage stellen, ob es wirklich nur eine simple Korrektur der Aufwärtsbewegung ist. Aber an dieser Stelle sind wir noch lange nicht, denn solange wir oberhalb DAX 6400 drehen, ist für den Aufwärts-Trend eigentlich nichts passiert.

Und was die richtigen Aktien für einen theoretischen Rebound wären, ist auch leicht zu beantworten, denn für eine nachhaltige Sektorrotation halte ich die Aufwärtsbewegung noch für zu jung. Kaufenswert sind also in meinen Augen die klassischen Industrie-Werte, die in den letzten Wochen am besten gelaufen sind und nun in der Korrektur auch am stärksten verprügelt werden. Viele Qualitätsaktien die wir hier in den vergangenen Wochen besprochen haben, wurde heute um 5-7% nach unten geprügelt. Wenn da in den kommenden Tagen noch ein Schub nach unten kommen sollte, haben wir in meinen Augen bei einigen Titeln attraktive Kaufkurse.

Insofern erübrigen sich heute auch Kommentare zu Einzelaktien, das heutige "Meer in Rot" birgt für mich keine grossen Überraschungen was Einzelbewegungen angeht. Wenn überhaupt ist zu bemerken, dass die gestern massiv verprügelten Rohstoffwerte heute nur noch mässig im Rahmen des Marktes abgaben. Der gestern von mir am Beispiel Rio Tinto skizzierte Punkt, könnte also näher rücken.

Warten wir also einfach ab, wann und wo der Markt dreht und versuchen wir diese Korrektur optimal für unser Depot auszunutzen.

Was das Thema Iran angeht, kann ich mir gut vorstellen, dass im Weissen Haus als Kompromiss zwischen beiden Positionen nun ein letzter diplomatischer Versuch vereinbart wurde und entsprechende Aktivitäten entfalten sich ja gerade in Form von erneuten Atomverhandlungen. Sollte auch dieser diplomatische Versuch scheitern, vermute ich, dass die US aber Israel Unterstützung für einen Militärschlag zugesichert haben. Und ich denke auch, wie schon seit Monaten, dass Israel nicht nur blufft, sondern diesen Schlag auch führen wird.

Hoffen wir also, dass der Iran den Ernst der Lage und die allerletzte Chance zur friedlichen Lösung endlich erkennt. Denn eigentlich ist doch alles ganz einfach, niemand spricht dem Iran das Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie ab. Lässt er also ohne Bedingungen und mit aller Offenheit internationale Inspektoren ins Land, wäre der Konflikt wohl schnell gelöst. Und wenn man den permanenten Beteuerungen Irans zur rein zivilen Nutzung der Kernenergie Glauben schenkt, gäbe es ja auch keinerlei Problem internationalen Inspektoren überall Zugang zu gewähren. Ich befürchte aber, man hat doch etwas zu verbergen. Und Israel kann und wird nicht zulassen, dass eine Regierung die Israel die Existenzberechtigung abspricht, Atomwaffen in die Hand bekommt.

Insofern halte ich die Tage und Wochen nach dem Scheitern der jetzigen - wahrscheinlich letzten - diplomatischen Initiative für die wirklich kritische Zeit. Diese Woche geht der Kelch des Krieges aber wahrscheinlich noch einmal an uns vorbei.

Zum Schluss noch ein ganz anderes Thema, das aber gut zu dem heutigen Tag passt: Die Volkswirtschaftslehre mit ihren Irrlehren. Denn glauben Sie wirklich, es gäbe heute objektive neue Erkenntnisse im Markt, aufgrund derer wir gerade heute "höchst effizient" korrigieren und nicht schon gestern oder vorgestern ? Glauben Sie wirklich dieses Verhalten des Marktes heute sei rational und es basiere auf effizienter Informationsverarbeitung, dass wir heute bei vielen Qualitätsaktien um 5-7% nach unten rauschen, aber eben nicht gestern ?

Ihnen wird nicht entgangen sein, dass ich mir immer mal wieder eine deutliche Spitze gegen die traditionelle Volkswirtschaftslehre erlaube. Besonders die Adepten der "Efficient Market Hypothesis" (EMH) haben es mir schon seit Jahren angetan, die es ja immer noch schaffen für derartige Ergüsse Nobelpreise zu bekommen. Und falls Sie sich in dem Thema nicht so auskennen, dabei handelt es sich nicht um eine obskure Theorie, sondern um einen der Grundpfeiler der gängigen volkswirtschaftlichen Lehre in den letzten Jahrzehnten.

Denn ich halte die EMH - als immerhin diplomierter Wirtschaftswissenschafter, aber vor allem als erfahrener Beobachter von Märkten - für eine dogmatisch verengte Irrlehre, die schon lange hätte im Müllkorb landen müssen. Es ist nur deshalb nicht passiert, weil sich diese Herren nach meiner Ansicht nicht dazu bequemen wie eine wirkliche Wissenschaft zu agieren und ihre Hypothesen einer rationalen Überprüfung mit der wissenschaftlichen Methode zu unterziehen. Da suhlt man sich lieber über Jahrzehnte im Wohlwollen anderer Apolegeten der gleichen Irrlehre und erfreut sich an gegenseitiger Bestätigung, statt den einzigen wirklich objektiven Richter anzurufen: Mr. Market. Denn der würde ein klares Urteil sprechen, genau das ist aber scheinbar das Problem.

So werden auf derartige, schon lange empirisch falsifizierte Ideologien - denn um nichts anderes handelt es sich für mich - fröhlich abgehobene mathematische Modelle darauf gesattelt, auf Basis derer nicht nur arme Studenten gequält und Nobelpreise eingeheimst werden, sondern noch schlimmer auch Risiko-Modelle der Finanzindustrie aufgebaut werden. Die "Güte" dieser Modelle konnten wir ja vor erst kurzem in Sachen Lehman beobachten. Mathematisch gesehen sind diese Modelle ja auch durchaus anspruchsvoll, aber auch ein Haus kann so stabil konstruiert sein wie man will, wenn das Fundament auf Sand steht, ist all der Aufwand sinnentleert.

Dabei hat die EMH ja durchaus auch ihre interessanten und bedenkenswerten Ansätze und nicht alles an der EMH ist Unfug. Das Problem entsteht eher durch den dogmatischen Wahrheitsanspruch, verbunden mit der Weigerung eine wissenschaftliche Falsifizierung ernst zu nehmen. Dogmatismus und Wissenschaft sollten eigentlich ein Widerspruch in sich sein, bei bestimmten Volkswirten ist diese Erkenntnis aber scheinbar noch nicht angekommen.

Glücklicherweise mehren sich nun langsam die Stimmen der Kritiker aus der Wirtschaftswissenschaft, die sich nicht mehr länger blind diesen Irrlehren anschliessen wollen. Paul Krugman ist schon länger so einer und nun auch Thomas Straubhaar, dessen sehr lesenswertes Interview zum Thema ich Ihnen daher -> hier <- auf keinen Fall vorenthalten will.

Seien Sie also sehr kritisch, wenn Sie in Medien von irgendwelchen Volkswirtschaftsprofessoren - die sich gerne auch mal "Weise" nennen lassen - mal wieder abstrakte Vorhersagen im Diktus der Alternativlosigkeit hören. Denn wie Thomas Straubhaar richtig bemerkt, sind diese Dogmatiker mit ihrem Wahrheitsanspruch in Deutschland noch der Mainstream an den Universitäten. Und wenn Ihnen jemand erzählen will, dass Märkte in der Regel effizient seien, weil alle relevanten Informationen angemessen eingepreist seien, dann suchen Sie sich ganz schnell einen anderen Gesprächspartner, denn Ihr Gegenüber hat absolut keine Ahnung wovon er redet, Professor hin oder her ! Es ist eine Schande, dass unzählige deutsche Studenten auch im Jahr 2012 immer noch nur dann gute Noten erzielen können, wenn sie diesen Irrlehren folgen.

Vielleicht werden Sie sich fragen, warum ich bei dem Thema so aggressiv und gnadenlos reagiere. Ganz einfach, weil wir gerade eine grundlegende Krise unseres an sich ausgezeichneten Wirtschaftssystems erleben, die noch schlimme Folgen für kommende Generationen haben kann, weil sie Radikalen, Spinnern und längst vergessenen Ideologien wieder Wasser auf die Mühlen liefert. Und diese Krise wurde ganz grundlegend gerade von diesen Theorien der "effizienten Märkte" befeuert. Letztlich baut das, was man das "angelsächsische Finanzsystem" nennt, zu einem guten Teil auf diesen Irrlehren auf. Und es macht mich wütend, dass man dafür immer noch Nobelpreise bekommt, statt geächtet zu werden.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen auch noch ein kleines, aber ebenso unterhaltsames wie lesenswertes Buch empfehlen: Kenneth Galbraith: Eine kurze Geschichte der Spekulation. Dieser schon 1990 veröffentlichte Klassiker spannt den Rahmen von der Tulpenblase des 17. Jahrhunderts bis Heute, ist ungeheuer lehrreich und von jedermann zu verstehen - in meinen Augen ein Muss für jeden, der an den Märkten unterwegs ist. Wer danach immer noch an effiziente Märkte glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !
Ihr Hari

Marktupdate DAX – 05.03.12 – Ein Test für die Bären

13.30 Uhr - DAX 6847

Ein ganz kurzes Update zur Marktlage. Zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit, hat der DAX - wie am 28.02. und 01.03. - die 6800 von oben getestet und ist wieder abgeprallt.

Allerdings ist die Gegenbewegung im Gegensatz zu den beiden Tagen vorher bisher eher kraftlos und lässt Raum für einen weiteren Absacker.

Ich halte das für die Bären nun für eine grosse Chance. Diesen Elfmeter sollten sie jetzt versenken, denn jetzt reicht ein kleiner Auslöser um die erste echte Korrektur nach unten in Bewegung zu setzen. Kursziel wäre für mich dann DAX 6650 als erste Auffangzone.

Nur wenn das jetzt endlich passiert, werde ich die Bären wieder ernst nehmen und ein defensivere Haltung einnehmen. Denn seit Anfang 2012 haben die Bären in solchen Momenten reihenweise versagt. Sollten die Bären auch dieses dritte Mal wegen Kraftlosigkeit an DAX 6800 scheitern, steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass wir in Kürze einen Ausschlag zur Gegenseite erleben und den ersten ernsthaften Test der 7000er Marke bekommen.

Insofern halte ich das was gerade passiert für kurzfristig richtungsweisend. Denn es wird uns zeigen, ob die Bären noch am Leben sind oder so schwach und schlapp bleiben wie schon das ganze Jahr 2012.

Wenn Sie mich fragen was ich erwarte, kann ich nur meine Aussage vom letzten Freitag widerholen: Alles ist möglich, aber solange die Bären nicht beweisen das sie ernst zu nehmen sind, haben die Bullen unser Vertrauen verdient.

Hari´s Märkte am Abend – 03.02.12 – Wochenabschluss – Von verzweifelten Bären

21.00 Uhr - 1 Stunde vor Handelsschluss -  Was für eine Woche ! Sieg für die Bullen auf der ganzen Linie !

Mr. Market bestätigt erneut, wie gerne er den "Weg des maximalen Schmerzes" geht. Und der ist, wie ich -> hier <- ja vor einer guten Woche begründet hatte, derzeit massiv nach oben. Denn genau dieses Szenario - den "Runaway Move" in dem wir ohne Halten einfach nach oben rennen - konnte sich fast niemand vorstellen und damit war auch fast niemand dafür positioniert.

Und so verrückt sich das bei einem so starken Markt anhört: Dieser Markt macht ganz vielen Menschen jede Menge Schmerzen ! Denn auch für jemanden wie mich - der diese Bewegung frühzeitig erkannt und entsprechend profitiert hat - ist es unmöglich sie vollständig mitzunehmen, weil man ja zu Recht nicht im völligen Blindflug und ohne Sicherung nach oben rennen will. Auch ich habe also aktuell Gedanken wie "wäre ich mal hier mehr Risiko eingegangen". Glauben Sie mir, Sie sind nicht allein !

Denn wenn die klassischen technischen Hilfsmittel unbrauchbar werden weil sie sowieso am Anschlag laufen, dann kann man als rational agierender Mensch nicht volles Risiko gehen. Die Folge ist, dass auch ich hätte noch mehr profitieren können. Nur denken Sie daran, wie fühlt sich dann aktuell jemand an der Seitenlinie oder noch schlimmer Short ? Das genau ist der Weg des maximalen Schmerzes ! Mr. Market ist halt einfach ein ziemlich hinterhältiger Geselle ....

Und wer glaubt die bärische Sicht vieler Marktteilnehmer habe sich nun geändert und der Markt sei zu euphorisch, liegt in meinen Augen falsch. Ich empfehle dazu mal die aktuelle Sentiment-Analyse von Cognitrend -> hier <- zu lesen. Die Phase der Euphorie kommt sicher noch, sie liegt aber in meinen Augen noch vor uns.

Die Bären die nun an der Seitenlinie stehen akzeptieren nämlich die neue Realität keineswegs. Statt dessen graben sie sich noch in ihrem festgefahrenen 2011er Bias ein und halten sich an allen verfügbaren Begründungen fest, die ihren Bias bestätigen könnten. Und vielleicht haben die Bären damit ja sogar Recht und irgendwann in 2012 kippt alles wieder und wir stürzen mit der Weltkonjunktur richtig ab. Nur was nützt diese theoretische Möglichkeit ihnen heute ? Heute steigt der Markt massiv und wer nicht dabei ist, verpasst eine Menge. Der Markt ist im Moment halt primär von Liquidität getrieben. Und die wird von den Notenbanken derzeit so über uns herab geschüttet, dass es kein Halten mehr gibt. Die letzte Liquiditätsrally trat die FED im September 2010 mit dem QE2 Programm los. Diese Rally lief damals fast 5 Monate ohne zurück zu schauen .....

Im Sentiment Cycle nennt man das was die Bären gerade durchleben die "Denial Phase". Man verweigert sich der neuen Realität, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Was bedeutet, dass der Markt noch einen erheblichen Schub bekommen könnte, wenn die Bären endlich aufgeben. Und nach dem heutigen Tag werden wohl einige aufgeben und das Lager wechseln. Trotzdem finde ich es nach dem Schub von heute richtig, über das Wochenende Risiko heraus zu nehmen. Es gibt auch nächste Woche sicher wieder Dips, bei denen man einsteigen kann.

Und eines will ich hier noch einmal in aller Deutlichkeit sagen, weil es mir so wichtig erscheint: die technischen Hilfsmittel wie zb Oszillatoren um den Wendepunkt im Markt zu erahnen sind nun in diesem "Runaway Move" in ihrer Aussagekraft deutlich geschwächt. Die Wende kann nun also erst in einem Monat bei 7200 im DAX oder schon nächste Woche kommen. Ja, ich meine das ernst, es kann auch nächste Woche schon kippen, auch wenn das für mich nicht das wahrscheinlichste Szenario ist. Wir haben jetzt also zunehmend markttechnischen Blindflug mit immer weiter erhöhtem Risiko, je weiter diese Rally läuft. So ist das halt bei einem "Runaway-Move". Wer sich das nicht vorstellen kann, dem empfehle ich sich -> hier <- noch einmal den Anstieg von Silber 2011 vor Augen zu führen und nachzulesen, wie man mit dem Dilemma umgehen kann. Merken Sie sich also unbedingt diese zwei Regeln eines "Runaway Moves":

1. Die Bewegung dauert länger als man sich vorstellen kann !
2. Der Absturz kommt ohne Vorwarnung und ist nicht vorhersehbar !

Wir haben also keine Wahl als solange auf der Party zu tanzen wie die Musik spielt. Und uns dann ganz schnell in die Büsche zu schlagen. Das ist zumindest mein Plan 😉 Schaun wir mal ob ich den Plan einhalten und vor allem schnell genug rausspringen kann.....

Aktie des Tages war heute neben der -> hier <-schon besprochenen Temenos (WKN 676682) für mich eine meiner Lieblingsaktien:
Rheinmetall (WKN 703000) mit 5% Plus. Warum gerade heute dieser Anstieg, kann ich Ihnen nicht sagen, dafür war Rheinmetall die Tage davor eher schwach, insofern spricht viel für einen reinen Aufholeffekt. Das es dann sogar 5% wurden, ist wohl die klassische Dynamik bei einem Ausbruch über eine Zone die lange nicht geknackt werden konnte, wie bei Rheinmetall der Bereich um 42€. Ich finde die Aktie nach wie vor attraktiv und wer sich den Chart oder auch die fundamentale Bewertung mal anschaut, erkennt noch einige Luft nach oben. Nachlegen werden ich bei 45€ nicht mehr, verkaufen aber auch nicht.

Auch Nordex (A0D655) steigt weiter dynamisch, heute erneut um 5%. In der Nähe von 6€ werde ich dort wohl - aus rein charttechnischer Sicht - erst einmal aussteigen.

Weiter im Aufwärtstrend sind auch alle Autowerte, angeführt im DAX von Daimler (WKN 710000) mit heute 3% Plus. Man sieht daran in meinen Augen, wie das Geld der US Investoren wieder in den DAX und insbesondere in die klassischen Industrietitel strömt, das im zweiten Halbjahr 2011 abgezogen wurde. Das ist für mich auch die Erklärung, warum diese Titel im letzten Jahr trotz guter Absatzzahlen so furchtbar verprügelt wurden und dieses Jahr trotz ähnlicher Absatzzahlen so toll laufen: schlicht massive Geldströme aus und in den DAX und sonst nichts. Die bekannten Autobauer sind da ein besonders beliebtes Ziel der US Geldströme. Und wenn es keinen externen "Game Changer" gibt, ist dieser Geldstrom wohl noch nicht am Ende.

Aber auch die hier vor kurzem schon erwähnten IT-Netzwerk Aktien wie zum Beispiel Juniper Networks (WKN 923889) mit heute 5% Plus, scheinen nun ins Rollen zu kommen. Da würde ich jetzt mal genauer hinschauen weil das sicher Profiteure eine besseren US Konjunktur sind und das wäre zum Beispiel so ein Segment, wo man noch nicht so viel verpasst hat.

Auffällig ist zum Schluss heute die Schwäche in Gold und Silber, für die ich derzeit noch keine überzeugende Erklärung habe, ausser das eine Korrektur halt mal fällig war. Das bei so einer Rally auch die "Krisenwährung" Gold aufgelöst wird könnte ich ja nachvollziehen. Warum dann aber das Industriemetall Silber so leidet, ist mir noch unklar. Hier muss man nächste Woche genau hinschauen, denn so unklare Bewegungen sind oft das Kräuseln auf der Wasseroberfläche, dass auf bedeutende Bewegungen unter der Oberfläche hindeutet. Angekündigt wurde das schon gestern durch einen grossen "Selling on Strength" Tag beim grössten Gold ETF "GLD".

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !