Wochenausblick KW26 2019



KW 26 liebe Mitglieder, das Jahr ist schon wieder halb herum, es ist unfassbar wie schnell das geht.

In den letzten 2 Wochen meines Ferienmodus, hat der Markt eine entscheidende Charakteränderung vorgenommen, die ich aber noch gleich am Montag vor 2 Wochen in -> Januar-Deja-Vu <- wahrgenommen und thematisiert habe.

Denn bis dahin musste man sich noch fragen, wie weit dieser Rebound trägt und ob er nicht doch zu verkaufen ist und zu neuen Tiefs führt. Die immense Stärke von Freitag 07.06., machte aber eine Änderung der Wahrnehmung notwendig.

Denn wieder einmal hat der Markt - wie schon im Januar - nicht getan, was er im bärischeren Modell der großen Sommerdelle machen sollte. Und wenn ein Markt nicht macht was er sollte, sollten wir ganz aufmerksam werden und unsere Modell anpassen.

Das mehrfach gezeigte Modell der ausgedehnteren Sommerkorrektur ist damit überholt, weil der Abwärtstrend seit Anfang Mai mit der Rückeroberung der 50-Tage-Linie endgültig gekillt wurde. Denn aus dem damals schon klar erwarteten kurzfristigen Bounce, wurde (wieder einmal) ein mittelfristiges "V", das uns nun wieder zu den Hochs getragen hat.

Es ist diese Haltung im Sinne "strong opinions, weakly held", die so wichtig für Erfolg an den Märkten ist. Wir operieren mit Szenarien und Gedanken-Modellen und benutze diese auch als Leitlinien für unser Handeln, aber nur solange, wie die Wirklichkeit mit den Annahmen übereinstimmt. Wenn nicht mehr, ändern wir schnell unser Modell.

Diese Modelle sind also keine festen Prognosen, die wir verteidigen und mit ihnen den Markt bekämpfen, sondern einfach situationsangepasste Leitlinien des Handelns, die wir bei sich änderndem Börsen-Wetter ebenso wechseln, wie wir wetterabhängig auch Kleidung wechseln würden, ohne dabei zu zögern.

Vor 2 Wochen schrieb ich aus den Ferien:

Und wieder hat der Markt am Freitag nicht gemacht, was er tun sollte und wieder sollten wir das ernst nehmen. Betrachten wir das Glas wieder als halbvoll und trauen dem Markt mehr zu. Und wählen wir eine dieser drei Zonen je nach unserem Risikoempfinden als Triggermarke für diese positive Haltung. Heisst, nur wenn der Markt darunter fällt, ist die neue - bullischere - Sicht in Frage zu stellen.

Diese Änderung des Gedankenmodells vor 2 Wochen war im Nachhinein richtig, nach einer seitwärts konsolidierenden Ferienwoche, ging es letzte Woche markant hoch, auch weil EZB, FED und Trump sozusagen einen "dreifachen Bärentöter" auf den Markt losgelassen haben. Zwei Notenbanken im "Race to the Bottom" und ein Präsident der Handels-Hoffnung verbreitet, was will der manische Fiat-Money-Bulle mehr?

Hier bei -> Advisory Perspectives <- ist der Korrekturumfang auch wieder schön visualisiert:

Schauen wir doch einfach mal auf das Chart des Leitindex S&P500 auf drei Zeitebenen, ohne uns dafür zu interessieren, was der Auslöser dieser Bewegung war:

Im Daily sehen wir den Korrekturverlauf, der am Ende gute 7% Minus gebracht hat.

Es war dieses Mal eine 1-2-3 Korrektur, die komplett im Mai abgelaufen ist und im Juni schon vor Ende des Monats die Abwärtsbewegung wieder negiert hat.

Heisst konkret, hier ist es schneller hoch als runter gegangen, was historisch sehr selten und klar bullisch zu werten ist:

Im Weekly sehen wir eine Struktur "mit Henkel", die auch klar bullisch zu werten ist, der "Measured Move" wäre bei ca. 3.500 - Schluck! 😉

Und ganz langfristig mit Quartalskerzen, kann man sich ja die Frage stellen, ob so ein markanter Einbruch wie im Q4 2018, der dann sofort wieder zu den Hochs gekauft wird, schon jemals der Vorbote eines großen Tops gewesen war?

Die Antwort ist sehr klar: Nein! Ähnliche Einbrüche wie 1987 der schwarze Montag oder 1998 der LTCM Crash oder die Eurokrise 2011, waren am Ende temporäre Korrekturen, die mit der Rückkehr zu den Hochs auch beendet waren.

Die großen Tops 2000 und 2007 sahen dagegen anders aus, die haben langsam zu fallen begonnen und dann erst Fahrt aufgenommen.

Auch dieses Bild ist langfristig bullisch, vor allem auch, wenn man sich den Verlauf in den 90ern vor Augen führt und sich daran erinnert, dass wir nun aus einem 13 Jahre andauernden Bärenmarkt heraus getreten sind, der von ca. 2000-2013 andauerte.

Bullenmärkte sind gerne deutlich länger, als die vorangegangenen Bärenmärkte, auch das sollten wir nicht unterschätzen:

Dann haben wir natürlich auch die Daten aus dem letzten BAML Funds Manager Survey, die -> an Extreme in Investor Fear and Pessimism <- zeigen:

Diese Daten sind mittelfristig konträr, also sehr bullisch zu lesen. Wer nicht im Markt ist, muss wieder zukaufen:

Und die Renditen der US Staatsanleihen, hier die 10jährigen, sind wieder stark auf 2% zurück gekommen und haben damit nur den langfristigen Abwärtstrend bestätigt.

"Race to the Bottom" kann man dieses Langfristchart der US Renditen über mehr als 30 Jahre nennen. Das ist das "segensreiche" Wirken der Notenbanken, eine Gefahr für die Ausnahmestellung von Aktien mit ihren 5-7% mittlerer Rendite per Annum, stellt diese Entwicklung definitiv nicht dar.

Summa Summarum also ein mittelfristig sehr bullisches Bild, allerdings auch eines, in dem nun im Sinne "Goldilock" fast alles positiv auf den Markt geworfen wurde, was zur Verfügung steht.

Wenn man etwas Negatives finden will, ist es also die berechtige Frage, was denn nach diesem "dreifachen Bärentöter" von EZB, FED und Trump in der letzten Woche nun noch ein positiver Katalysator sein soll, wo doch alles abgefackelt erscheint?

Ich wäre mit dieser Schlußfolgerung aber vorsichtig, ein Markt der nach oben will, findet auch den passenden Katalysator irgendwo.

Wir haben nun noch die Handelsthematik voraus, die kommendes Wochenende mit dem Treffen Trump-Xi beim G20 einen Höhepunkt finden wird. Bis dahin, muss man eher von einer "Buy-the-Rumor" Hoffnung in dieser Sache ausgehen.

Gleichzeitig neigt der Markt ja aber zum Schaukeln und nach einer so starken Woche wie der letzten, sollte man in der kommenden Woche eher von einer Konsolidierung und leichter Schwäche ausgehen.

Wir haben kommende Woche auch wieder diverse Wirtschaftsdaten von Ifo-Index, über Verbrauchervertrauen bis Auftragseingänge.

Gleichzeitig sollte der Markt spätestens nach dem G20 in den typischen volumenärmeren Sommermodus der Monate Juli und August wechseln, auch wenn die Juli-FED-Sitzung vom 31.07. und die Quartalssaison sicher noch Aufmerksamkeit ziehen wird.

Ich will daher heute keine neue Projektion zeichnen, ich habe dazu derzeit keine klare Meinung und kann mir viel vorstellen - einen sofortigen Ausbruch nach oben über 3.000 im S&P500 ebenso, wie jetzt ein erneuter, kleiner Rücksetzer und dann ein wochenlanges "Sommer-Gezackere" auf den aktuellen Niveaus.

Klar erscheint aber, dass im übergeordneten Bild dieser Markt weiter bullisch ist und ihm etwas zuzutrauen ist. Alle Notenbanken im Abwertungsmodus, während die Konjunktur noch recht gut läuft und über Rezession mehr spekuliert wird, als dass sie wirklich da ist - das ist ja auch wirklich "Goldilock", was sonst?

Auch die "Katastrophenhausse" wird nun wohl zunehmend zum Thema, weil immer mehr Menschen erkennen werden, dass es eigentlich nur noch einen Ort gibt, an dem es akzeptable Renditen gibt und das ist der Aktienmarkt. Die Risiken von Immobilien-Investments, werden ja in Deutschland aus politischen Gründen gerade allen eindrücklich klar gemacht - ich kann mir kaum vorstellen, dass Privatpersonen hier nun noch große Investments auf dem Mietmarkt tätigen und wenn, sind sie "mutig". 😉

Im Ergebnis sind wir weiter mitten in einer notenbankinduzierten Hausse, was aber nicht heisst, dass es über den Sommer trotzdem nicht auch mal rumpelig werden kann.

Übrigens, selbst der DAX stützt dieses Bild, der nach der vorletzten Korrekturwoche nun wieder nach oben in Bewegung zu kommen scheint:

Ein Wort ist unter dem Stichwort der "notenbankinduzierten Rally" natürlich auch zu Gold zu verlieren, das einen sehr bedeutenden Ausbruch aus einer jahrelangen Bodenbildung vollzogen hat:

Der Auslöser ist klar, es sind die Erwartungen an die taubenhafte FED und die Wahrnehmung des "Race to the Bottom" aller Notebanken. Aber was auch immer der Auslöser ist, das ist so oder so eine langfristig sehr bullische Struktur.

Und ich will noch etwas deutlich sagen:

Die selben Anleger, die ab 2011 viel zu lange an der Goldstory festgehalten haben und sich in Jahren im Bärenmarkt herumgequält haben, laufen aber aus dieser Erfahrung heraus nun Gefahr, die Chance nicht wahrnehmen zu wollen.

Beides ist aber falsch und wer einmal zu lange braucht, um sich gedanklich umzustellen, tut es in die Gegenrichtung gerne wieder, weil das Problem ein psychologisches ist. Aber ebenso wie ich in 2013 und 2014 oft über die quasi-religiösen Gold-Bugs gespottet habe, die sich einen Bärenmarkt mit "Manipulations-Gequatsche" schön reden wollten, will ich heute eindringlich sagen, dass das vielleicht nun auch wieder eine grundlegende Charakteränderung darstellt.

Es ist noch zu früh es als endgültig darzustellen, aber die Chance erscheint nun hoch, dass der jahrelange Bärenmarkt bei den Edelmetallen gerade zu Ende geht!

So .... jetzt sehe ich Sie schon auf den Kaufdruck drücken und muss daher warnend den Finger heben! Ich rede hier über die langfristigen Implikationen. Kurzfristig ist Gold nun massiv überkauft und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ausbruch noch einmal testen. Und so ein Test kann auch negativ ausfallen und zum "Fakeout" werden und Gold doch noch 2 Jahren in dieser Bodenbildung verbleiben.

Werfen Sie also die Zeitebenen nicht durcheinander, das Geschehen das wir gerade erleben, hat eine gute Chance im *langfristigen* Bild die Zeitphase zu markieren, in der der jahrelange Bärenmarkt bei Gold zu Ende ging - auch wenn jetzt kurzfristig erst einmal wieder ein paar Schmerzen und der Retest kommen könnte.

Lernen wir also weiter, die Zeitebenen zu beachten und dem Markt immer opportunistisch zu begegnen. Und wenn er seinen Charakter ändert, reagieren wir darauf, bei S&P500 wie Gold.

Die Glaubenskriege und das Festhalten an eingegrabenen Überzeugungen, überlassen wir am Markt dagegen den typischen, "meinungsstarken Anlage-Loosern", die mit dieser geistig starren Haltung nur Eines sicher haben: Verluste. Damals "gläubige" Gold-Anleger der Jahre 2013 und 2014, wissen genau was ich meine. Diese Phase könnte nun aber bei den Edelmetallen vorbei sein, mehr als 6 Jahre Bärenmarkt sind auch eigentlich genug.

Ich wünsche allseits eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

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Börsenjahr 2019 – Dem Optimismus eine Chance!

Ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019, wünsche ich auch an dieser Stelle allen freien Lesern!

Seit dem letzten Artikel am 17.12. ist viel passiert und wir haben in der Community dazu auch viel besprochen. Die Grundlage eines schlechten Jahresanfangs wie beschrieben, wurde durch eine katastrophale Kommunikation des FED Chefs Powell in der Woche vor Weihnachten zerstört.

Denn die Grundlage der Vergleiche zu 2008 und 2016 war ja, dass im alten Jahr die Kurse noch zusammengehalten werden, um die Performance nicht zu versauen, dann aber im neuen Jahr das große Geld "abzuladen" beginnt.

Was aber passiert ist, ist in Folge der FED am 19.12. ein Zusammenbruch des Marktes, der mit einem Ausverkauf am Freitag vor Weihnachten und genau am Heiligabend, historische Ausmaße angenommen hatte. Je nachdem wie man rechnet, war das der schlechteste Dezember seit der großen Depression der 30er Jahre, in deren Folge dann auch Adolf Hitler an die Macht gespült wurde - oder es waren sogar die schlimmsten Börsenweihnachten überhaupt!

Damit war die Grundlage eines im alten Jahr zusammengehaltenen Marktes gar nicht da, womit uns schon vor Weihnachten klar war, dass kurzfristig eher ein Rebound anstehen würde und so ist es dann ja auch gekommen:

Klar ist nun, dass wir hier eine Situation vor uns haben, die nach einem klassischen Test der Einbruchszone bei 2.600 nachgerade schreit, der dann abgewiesen wird und zu neuen Tiefs führt. Das ist das Model das die Bären haben dürften und es ist nicht von der Hand zu weisen.

Klar ist aber auch, dass in den US alle Binnendaten eigentlich immer noch eher positiv sind. So passen solche extrem guten Arbeitsmarktdaten wie letzten Freitag, einfach nicht mit einer Rezession vor der Tür zusammen - überhaupt nicht!

Und klar ist daher auch, dass der US Markt mit seiner Korrektur der Realität schon deutlich voraus gelaufen ist. Und das weil der Markt zu zwei Themen eine negative Erwartungen entwickelt hat. Erstens zur FED, das hatte Powell Anfang Oktober ausgelöst und Mitte Weihnachten eskaliert. Zweitens zum Handelskrieg mit China, der das ganze Jahr schon seine Schleifspuren hinterlässt, siehe Apple.

Objektiv deutet in den US weiter wenig auf eine Rezession hin und *trotzdem* hat der S&P500 20% abgegeben und die stärkste Korrektur seit 2008 generiert. Und das alles nur aus Angst, dass es schlechter werden *könnte*, aus reinem Konjunktiv heraus!

Das ist nicht ungewöhnlich, der Aktienmarkt hat immer schon 9 der letzten 5 Rezessionen vorher gesagt, man sollte sich das aber klarmachen. Und genau deshalb, ist eine positive Überraschung hier wahrscheinlicher, als es die historische Erfahrung nach so massiven Einbrüchen impliziert. Man darf das bullische Szenario nicht vom Tisch wischen.

Ich will hier im freien Bereich die taktische Diskussion um das was die kommenden Woche ansteht und wie sich das auf die Kurse auswirkt, gar nicht führen. Wie das Jahr wird, weiss sowieso niemand und man kann bestenfalls die Entwicklung der kommenden Wochen richtig einschätzen. Und wenn wir das wieder wie so oft hinbekommen, ist das das Maximum was möglich ist. Man fliegt eben auf Sicht, aber gute Sicht kann schon einen Vorteil verschaffen.

Ich will hier stattdessen das ganz große Bild betrachten, wie es sich für langfristigen Investoren darstellt. Viele Anleger haben ja in den letzten Jahren immer gesagt, dass sie dann bei der nächsten Korrektur endlich einsteigen würden.

Ich habe mich darüber immer lustig gemacht, weil die Erfahrung sagt, dass die die in den letzten Jahren immer gezögert haben, es in der Korrektur erst recht nicht können, weil dann die Nachrichtenlage so negativ ist. Dann wird wieder gezögert und am Ende passiert das Gleiche wie 2009 oder 2013 oder 2016, man wartet auf den "ganz großen Crash", der aber dummerweise statistisch nur alle paar Jahrzehnte mal kommt, der letzte liegt jetzt 10 Jahre zurück.

Schauen wir doch mal, wo wir in 2019 nun stehen:

  • Kann diese Korrektur sich ausweiten, der S&P500 bis zur 2016er Ausbruchzone fallen und damit 30-40% korrigieren? Eindeutig ja!
  • Kann der DAX wieder vierstellig werden? Eindeutig ja!
  • Kann eine Einigung zwischen US und China scheitern und ein heißer Handelskrieg entstehen? Eindeutig ja!
  • Kann Italien zu einem Bruch der Eurozone führen? Eindeutig ja!
  • Kann die Konjunktur in Deutschland als Folge einer Mischung von gesellschaftlicher Larmoyanz und Selbstverstümmelung endgültig in eine Rezession abkippen? Eindeutig ja!
  • Können die Probleme mit Krediten in den Emerging Markets sich zu einer neuen Kreditkrise ausweiten? Eindeutig ja!

Und so weiter, ich könnte mit anderen Themen weitermachen. Das alleine sagt uns aber gar nichts, denn diese Aussagen hätte ich auch vor 2 Jahren am Anfang von 2017 mehr oder weniger so machen können und Sie wissen ja, wie gnadenlos die Börsen in 2017 hoch geschoben haben.

Entscheidend ist nicht, dass diese Risiken existieren, entscheidend ist wie wahrscheinlich sie sind und wie viel davon schon im Markt eingebacken ist!

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Der Palantir


Ein gutes, gesundes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr allerseits!

Ich hatte Ihnen noch ein Lebenszeichen versprochen, bevor der Blog ab kommenden Montag 07.01.19 wieder seinen Normalmodus aufnimmt. Hier ist es.

Bevor ich zum Markt komme, aber noch ein Rückblick auf die Abstimmung zum neuen Artikelrhythmus 2019. Hier ist das Ergebnis:

Welchen Artikel-Rhythmus bevorzugen Sie?

  • Den neu für 2019 vorgeschlagenen Rhythmus (87%, 293 Votes)
  • Den alten Rhythmus des Jahres 2018 (13%, 43 Votes)

Total Voters: 336

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Gut die Hälfte der Mitglieder haben teilgenommen, was nicht berauschend, in der Zeit zwischen den Jahren mit vielen Reisen und börsenfreier Zeit, aber OK ist.

Das Ergebnis ist eindeutig und braucht keine besondere Interpretation mehr, so werden wir es machen!

An die Minderheit, die gerne weiter den Morgenbericht gehabt hätte, sei erneut gesagt, dass diese Umstellung keine inhaltliche, sondern nur eine zeitliche Umstellung ist!

Schon bisher macht die Wallstreet ca. 2/3 der Themen im Blog aus, weil es einfach der größte, interessanteste und liquideste Markt der Welt ist. Aber das Drittel, das sich schon bisher um Europa, Deutschland und den Rest der Welt drehte, wird genau so erhalten bleiben, es wird halt im Rahmen des Streams thematisiert, der von nun an daher einfach wieder "Hari Live Stream" heissen wird, um das zu verdeutlichen.

Und falls mal in der Nacht oder morgens in Europa etwas sehr Bedeutendes passiert, kann es auch in Zukunft einen Morgenbericht geben. Das ist dann aber die Ausnahme und nicht die Regel und genau da liegt der Unterschied, beim Normalfall.

So viel dazu, nun zum Marktgeschehen.

Wenn der Markt einen starken Jahresabschluss hatte und man voller Hoffnung ein neues Jahr beginnt, sind die ersten Tage des neuen Jahres gerne sehr stark. Frisches Geld rollte dann sozusagen in den Markt.

Wenn der Markt schon schwächelte, aber im alten Jahr noch zusammengehalten wurde, erleben wir am Jahresanfang gerne große Schwäche, wenn die großen Adressen ihre Schleusen endlich öffnen können, ohne sich die Jahresperformance kaputt zu machen. Über letzteres Szenario hatte ich hier mehrfach geschrieben.

Bis Mitte Dezember sah es auch durchaus noch nach dem letzteren Szenario aus, einem halbwegs versöhnlichen Ende und dann großen Risiken zum Jahresanfang.

Nun, wir haben alle erlebt, dass der Markt dann mit der FED in der letzten Woche vor Weihnachten einen anderen Weg eingeschlagen hat und massiv zusammengeklappt ist. Wir hatten den schwächsten Dezember seit der Weltwirtschaftskrise, die Anfang der 30er Jahre am Ende auch Adolf Hitler an die Macht gespült hat - das ist doch historisch mal wirklich ein außergewöhnlicher Dezember gewesen. 😉

Dadurch sind die obigen Logiken alle außer Kraft gesetzt. Weder haben wir gute Stimmung die zu massiven Käufen verleitet, noch wurde der Markt so zusammengehalten, dass erst jetzt die Marktelefanten die Schleusen öffnen.

Wir haben vielmehr einen sehr indifferenten Beginn des Börsenjahres 2019, der von Unsicherheit und ganz unterschiedlichen Motivationen kündet.

Heute früh sorgten die schwachen chinesischen Wirtschaftsdaten wieder für einen Angstreflex, dann kamen Schnäppchenkäufer in den Markt. Überlagert ist das von steuerlichen Erwägungen, Rückkäufen von Titeln also, die man aus steuerlichen Gründen in 2018 noch abgestossen hat.

Dann haben wir die Schließung einer großen Menge von Hedgefunds, von mehreren hundert habe ich an der Wallstreet gelesen, von denen einige schon in 2018, andere aber erst Anfang 2019 abgewickelt werden. Wir haben diverse strategische Repositionierungen der großen Adressen und das alles erzeugt einen großen indifferenten Wirrwarr, dem ich nicht zu viel Bedeutung beimessen würde.

Man sieht das auch schön an den Devisenmärkten, da hatten wir in der Nacht durch China eine EURUSD Stärke, ab 07 Uhr Morgens in Europa ging es aber massiv abwärts:

Warum kann ich Ihnen nicht sagen, "eigentlich" sollte der US Government Shutdown den Dollar eher schwächen, wie -> Nordea hier lesenswert darstellt <-. Aber was ist schon "eigentlich" am Jahresanfang?

Mein Rat ist also, es langsam angehen zu lassen und diesem Wirrwarr nicht zu früh zu viel Bedeutung beizumessen. Auch ich mache jetzt noch Ferien und beginne erst am Sonntag mich wieder ernsthaft mit dem Markt zu beschäftigen.

Ein Blick auf den S&P500 offenbart weiter ein Bild das eher dafür spricht, dass wir noch zur gelben Zone hochlaufen und diese testen:

Dann aber, bestehen gute Chancen auf neue Schwäche, es wäre schon sehr außergewöhnlich, wenn wir nach diesem Einbruch und dieser markanten Monatskerze, ein "V"-Reversal generieren und die Tiefs nicht mehr testen.

Aber in diesem Markt, der auch im Dezember ja "außergewöhnlich" war, sollte man nichts ausschliessen. Trotzdem dürfen wir unser Handeln nicht danach ausrichten, wahrscheinlich bleibt eben wahrscheinlich, auch wenn nichts sicher ist. Und wahrscheinlich ist weiter eine erneute Schwächephase.

Und dann werden wir sehen, ob der Markt mit höherem Tief dreht, einen Doppelboden mit Undercut generiert oder Richtung SPX 2.100 durchfällt. Ich kann Ihnen das heute nicht sagen, niemand kann Ihnen das sagen, das hängt ja auch nicht unwesentlich von dem ab, was der Handelskonflikt und die FED nun an Nachrichten generiert.

Summa Summarum ist es aber ein realistischer Gameplan, nach initialer Stärke noch von einem Schwächeanfall auszugehen, der dann aber gute Chancen hat, gegen Ende des 1. Quartals kaufbar zu sein und zu einem guten Börsenjahr 2019 zu führen.

Das ist das eine Hauptszenario mit dem ich operiere, im anderen fallen wir dann durch und setzen dann als Retest auf dem Ausbruch mit Trumps Wahl auf. Auch das habe ich Ihnen schon gezeigt und würde dann bedeuten, dass wir eher bis zum dritten Quartal warten müssen, bis dieser Bärenmarkt zu Ende ist. Hier wäre dieses Szenario:

Welches der beiden Szenarien es wird und ob nicht noch ein Drittes, kann Ihnen nur ein Palantir zeigen, ich nicht. Und da man in Palantiren gerne auch mal Saurons Auge begegnet, rate ich Ihnen dringend davon ab, solche Angebote von Glaskugellesern anzunehmen.

Bleiben wir lieber flexibel und passen uns zügig dem an, was real auf dem Platz gespielt wird, als etwas prognostizieren zu wollen, das sich prinzipiell der Vorhersagbarkeit entzieht.

Ich habe einen leichten Bias für den positiven Ausgang der schon im 1. Quartal kaufbar ist, aber so oder so müssen wir nun erst einmal das Ausschaukeln hinter uns bringen und dabei Geduld an den Tag legen.

Wer jetzt schon aktiv sein will und nicht warten will, sollte mehr Augenmerk auf einzelne Aktien legen, als auf die Indizes. Einzelne Werte die nun plötzlich unter Volumen gekauft werden, könnten eine positive Botschaft des großen Geldes beinhalten. Die Indizes selber, sind aber eher zwischen Baum und Borke und geben noch keine belastbaren Signale.

Ich wünsche uns allen noch ein paar schöne Ferientage, am Montag geht es hier wieder regulär mit dem Wochenausblick los.

Ihr Hari

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Wochenausblick KW50


Predigt der Woche

Das mit der "Predigt" ist ein kleiner Spaß und der Punkt hier ein Einmalthema. 😉

Aber der Markt fordert einen. Das tut er immer, seit Oktober aber extrem.

Man hat eigentlich genug mit sich selber und seinem Depot zu tun, dann aber noch permanent für andere zu schreiben und das nicht nur einfach abstrakt zu tun, sondern sich in diese herein zu versetzen und so proaktiv zu helfen zu versuchen, wie ich das tue, ist sehr fordernd.

Meine Frau sagt immer, dass ich Sie als Mitglieder zu sehr verwöhne. Es ist in den letzten Wochen schon wieder fast zur Selbstverständlichkeit geworden, dass ich auch Abends noch zum Handelsschluss im Forum schreibe, das ist aber nicht dauerhaft durchzuhalten, ich bin auch nur ein Mensch und mit 290€ im Jahr hat niemand mein ganzes Leben gekauft.

Einerseits will ich Sie ja selbstständig machen, andererseits erzeuge ich mit meiner Präsenz aber auch eine Abhängigkeit, weil man kann sich ja darauf verlassen, dass "der Hari" was dazu sagt und das fördert Passivität bei denen, die eben doch lieber anderen folgen wollen, als sich durch die Mühen einer eigenen Strategie zu quälen. Und dass das durchaus Mühen sein können, macht Ihnen unser Calvin ja in seiner spannenden Kolumne immer wieder klar.

Auch jetzt schreibe ich schon wieder am Sonntag Morgen, weil es eben wichtig ist und der Markt in einer kritischen Phase.

Machen Sie sich aber bitte klar, dass ich irgendwann nicht mehr da sein werde. Das ist keine Ankündigung, ich habe derzeit vor noch lange da zu sein, aber es ist das Wissen um das Schicksal. Denn wenn ich Pech habe und das gesundheitlich durch so etwas wie einen Schlaganfall erzwungen wird, kann es auch mit einem Schlag und überraschend passieren. Ich habe dafür keine Anzeichen und lasse mich checken, aber mit 56 kommt man in Bereiche, wo man sich bewusst machen muss, dass dieser Schlag einfach kommen kann.

Wie Sie sich dann bitte verhalten, habe ich schon vor Jahren hier beschrieben: -> Im Falle meines Todes <-

Und falls Sie jetzt nicht sowieso schon so weit sind, müssen Sie dann selber auf eigenen Anleger-Beinen stehen oder sich jemanden anderen suchen, dem Sie folgen können. Ich sage aber ganz selbstbewusst, dass Sie es im deutschen Sprachraum schwer haben werden, da jemanden vergleichbar zu mir zu finden. Besser wäre also, ganz selbstständig mit eigener Strategie zu werden und mich dann noch als Bereicherung, Abgleich, Ergänzung, Anregung und Benchmark zu lesen, aber nicht mehr als "Führung" durch den Markt.

Das nur als Einleitung, bevor ich für Sie wieder an einem Sonntag einen besonders ausführlichen und intensiven Wochenausblick schreibe, einfach weil es mir nötig erscheint.

Ereignis der Woche

Das Ereignis der Woche ist für uns die EZB-Sitzung am Donnerstag. Die ist eigentlich dieses Mal eher sekundär, weil die großen Fragen des Marktes zu den Themen Zinsen und Handel vor allem in Washington und Peking gewälzt werden, aber sie ist trotzdem besonders spannend.

Denn der gute Mario Draghi hat ja nun mit der Straffung des Zinszyklus noch nicht einmal begonnen, weil er statt eine Bereinigung zu fördern, lieber jede Menge Zombiebanken und Unternehmen am Leben gehalten hat. Was macht er denn dann, wenn nun die Konjunktur im Euroraum abraucht, was die Börsen ja zu indizieren scheinen, den Europas Aktien sind schon fast ganz 2018 in einem Bärenmarkt?

Er kann dann die Zinsen auf Minus 2% senken und damit massive Negativzinsen auf Konten der Bürger erzwingen und Lebensversicherungen und Krankenversicherungen endgültig zerstören. Dann könnte es aber sein, dass selbst der träge deutsche Michel zur gelben Weste greift und es ziemlich ungemütlich wird, auch für Draghi.

Um so wichtiger werden in der kommenden Woche die Wirtschaftsdaten, von denen es einige sehr Wichtige gibt.

So am Montag das japanische und britische BIP. Am Dienstag hier der ZEW und Inflationsdaten aus den US. Am Mittwoch weitere US Inflationsdaten, eine Rede Powells und die Öldaten. Am Donnerstag einen Zinsentscheid der SNB und am Freitag den japanischen Tankan-Wirtschaftsindex, Industrieproduktion aus China, sowie Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland und Einzelhandelsumsätze aus den US.

Chance und Risiko der Woche

Chart/Grafik der Woche

Index der Woche

Diese drei Punkte fasse ich wieder zusammen, denn die Lage ist recht einfach und klar. Es lohnt sich auch nicht, hier viel zu spekulieren, es ist ein Moment in dem wir wach und klar im Kopf sein müssen.

Ich versuche daher bewusst prägnant und klar zu sein und Ihnen statt Analysen und Szenarien einfach nur eindrücklich klar zu machen, wo wir stehen.

Schauen Sie noch einmal auf dieses Chart des Leitindex S&P500:

Sie sehen die Botschaft schon, da ist letzte Woche ab Dienstag etwas passiert, was nicht hätte passieren sollen.

Denn wir hatten eine FED die auf Taube geschaltet hat und zumindest einen Waffenstillstand beim Handelsthema - zumindest schien es so. Und am Montag hat der Markt auch gemacht, was zu erwarten war.

Der logische Pfad wäre dann der lila Pfad gewesen, ein Retracement maximal bis zum Gapfill vom Montag und dann ein starkes Jahresende.

Im letzten Wochenausblick habe ich geschrieben:

Die zwei wichtigstens Sorgen des Marktes, wurden in den letzten 7 Tagen zumindest teilweise beiseite geräumt. Jerome Powell hat am Mittwoch deutlich geblinzelt und die FOMC Minutes haben das bestätigt. Sorgen dass die FED beim Zinszyklus in 2019 überziehen würde, sind ungerechtfertigt. Und nun haben auch Trump und Xi einen Weg gefunden, der sich kooperativ anfühlt und das Risiko eines echten Handelskrieges zumindest verschiebt und die Hoffnung weiterleben lässt.

Es ist völlig klar, dass diese beiden Entwicklungen der letzten Woche, verbunden mit einer sowieso überverkauften Markttechnik, den Markt haben am Abgrund drehen lassen und den Beginn eines mittelfristigen Bärenmarktes erst einmal wieder verhindert haben.

Wenn ich hier Wahrscheinlichkeiten zu vergeben hätte würde ich sagen, ein versöhnlicher Jahresabschluss ist wahrscheinlich und ein Boden zu 80-90% temporär drin, also sehr wahrscheinlich temporär drin.

Ich betone das "temporär", weil auch wenn ein versöhnlicher Jahresabschluss nun wahrscheinlich ist, damit nicht die Frage beantwortet ist, ob wir gerade in einer großen Topbildung sind oder wir nur einen erfrischenden Dip hinter uns haben und der Bullenmarkt in 2019 weitergeht.

Und ich würde das in ähnlicher Lage wieder schreiben, es war auch im Nachhinein für mich die richtige Sicht der Dinge. Passiert ist aber etwas ganz anderes. Ich habe das Geschehen in Artikeln wie -> Lügen treffen auf automatisierte Umschichtungen <- ausführlich analysiert und will das hier nicht wiederholen.

Wirklich verstörend war aber gar nicht einmal der Einbruch am Dienstag, den konnte man noch mit Trumps Chaos und folgender Markttechnik gut erklären. Aber der Freitag nach dem starken Reversal, der erinnerte doch stark an einen vollwertigen Bärenmarkt!

Und so sind wir nun zum dritten Mal an der Begrenzung unten bei ca. 2.600 im SPX.

Wenn Sie sich erinnern, war ich beim ersten Mal im Oktober noch recht optimistisch, auf den ersten Einbruch folgt immer noch ein Rebound und ein 10% Einbruch im Oktober und dann freie Fahrt ins Jahresende wäre doch perfekt gewesen!

Beim zweiten Einbruch Mitte November war ich - wenn Sie sich erinnern - schon skeptischer. Ich habe Artikel zu Bärenmärkten geschrieben und Sie eindringlich vor dem gewarnt was passieren kann, wenn wir durchfallen.

Dann generierte der Markt aber die Chance auf einen Doppelboden und auf ein "W" und die FED spielte mit und Trump scheinbar auch und alles schien gut zu werden......

Der Markt hat aber ab Dienstag etwas ganz anderes gemacht und ich habe schon oft gepredigt, wie gefährlich Märkte dann sind. Achten Sie auch auf den Cross zwischen 50- und 200-Tage-Linie, den wir *jetzt* haben, nicht beim ersten Test und nicht beim zweiten Test, wir haben ihn *jetzt*. Ich thematisiere das weiter unten beim "Thema der Woche" noch.

Ich bin auch sicher, nicht mal die Bären haben letzte Woche so viel Schwäche erwartet! Und wo so viel Schwäche ist, müssen große Adressen sein die abstossen und das ist ein Problem in sich, denn die machen den Markt und nicht wir! Joe Fahmy - ich thematisiere das weiter unten - führt das auch auf Hedge-Fonds Auflösungen zurück, eine weitere Theorie. Am Ende ist es sekundär wer da verkauft, wichtig ist zu sehen, dass hier große Adressen aus Aktien-Exposure heraus gehen.

Und deshalb bin ich nun noch bärischer geworden und der Blick nach unten überwiegt hier bei mir. Höchststände dieses Jahr sind sowieso ausser bei einem Wunder vom Tisch und selbst im besten Fall, steht dann ein niedrigeres Hoch im Raum, wie ich das oft geschrieben und in Charts als Projektion gezeigt habe.

Auch ist völlig klar, dass diese Schaukelbewegung zwischen den beiden Polen bei ca. 2.820 und 2.600 eine Unmenge an Energie aufgebaut hat. Wohin auch immer dieses Biest ausbricht, es könnte eine extrem brutale, gandenlose Bewegung werden, nach unten nennt man das dann einen "Crash".

So und jetzt werden mich viele an die Sentimentdaten erinnern, auch daran dass wir nun eine derart miese Stimmung im Markt haben - ich bin ja auch skeptisch - dass das schon ein Kontraindikator ist. Außerdem gibt es auch durchaus bullische Divergenzen, wenn man danach sucht.

All das stelle ich nicht in Abrede, im Gegenteil, ich wäre nicht mal überrascht, wenn dieser Markt nun am Montag ansatzlos zur Rally ansetzt und erst am 10. Januar bei SPX 3.000 aufhört. Ich traue diesem Bastard im Moment alles zu, nachdem er letzte Woche nun gegen alle Erwartungen verstossen hat

Aber ... ein dickes aber ... die Risiken sind mindestens ebenso groß, vielleicht aktuell sogar größer. Welche Gefahr besteht, wenn alle bei einem Bruch nach unten zum Ausgang rennen, habe ich oft genug beschrieben.

Auch habe ich zuletzt mehrfach, selbst im freien Bereich, Sätze wie diesen geschrieben:

Zum ersten Mal seit 2011 - nicht 2016 und nicht dieses Frühjahr, aber diesen Spätherbst 2018 - halte ich das Risiko, dass der Markt über eine normale Korrektur hinaus ernsthaft einbricht und wir auch aus langfristiger Investmentsicht in einen Bärenmarkt eintreten, für so signifikant, dass wir uns damit auseinandersetzen und davor schützen müssen.

Was ich Ihnen also mitgeben will, ist das folgende Fazit zur Lage :

Ich habe keine Ahnung, was der Markt kommende Woche machen wird. Vielleicht läuft er wieder zur oberen Begrenzung, vielleicht fällt er durch. Ich habe keine Ahnung!

Ich respektiere aber Risiko und kann Risiko einschätzen und das ist aktuell immens!

Was das für Sie bedeutet, müssen Sie auf Ihre Strategie übersetzen.

Für mich heisst das in meiner bewährten und beschriebenen Logik, dass ich in voller Deckung bin und diese erst verlasse, wenn der Markt sich diese Woche glaubhaft vom unteren Rand entfernt. Und ein ernst zu nehmendes Signal bekomme ich nun sowieso erst dann, wenn der Markt diese Range verlässt - ich befürchte mit Karacho!

Die Angst zu Verpassen ist für mich in diesem Moment kein guter Ratgeber. Ja mei, vielleicht verpasse ich ein wenig nach oben, bis ich mich wieder mehr exponiere, falls der Markt nun doch zur Rally ansetzt. Aber diese paar Prozent sind kein Problem im Vergleich zum Risiko, theoretisch in eine Klospülung zu geraten, auch "Crash" genannt.

Ausserdem, falls ein Rebound gleich am Montag kommt, hindert mich nichts und niemand daran, diesen aggressiv zu spielen, Sie wissen schon "Gummibandtrade" und so. Das ist dann aber ein Trade, den ich am Tag eng mitführe und "babysitte" und hat mit meiner Deckung meines trägeren Investmentdepots nichts zu tun.

Das ist die Art, wie *ich* den Markt im Rahmen meiner Strategie sehe. Das muss nicht Ihre Sicht sein, selbst wenn Sie zur gleichen Analyse wie ich kommen.

Also, die wichtigste Zeile dieser Woche:

Wir achten das Risiko und begrenzen es. Alles andere kommt danach, das ist die erste Anlegerpflicht!

Amen 🙂

Strategie der Woche

Damit schliesst sich ein einmaliger Punkt an, in dem ich noch einmal betonen will, wie entscheidend die Übersetzung meiner obigen Worte auf *ihre* Strategie ist! Und Ihre Strategie ist *Ihre* und nicht meine und ich kann in so Situationen hier nur den Markt beschreiben, dabei aber nicht Empfehlungen für völlig widerstreitende Strategien geben.

Schauen wir auf die bekannte Danaher (DHR) als Proxy für besonders starke Aktien:

Wo ist hier die Gefahr? Ja, in Form der gesteigerten Volatilität ist schon das Risiko zu sehen, dass auch Danaher plötzlich mal eine Überraschung nach unten produziert. Auf Monatssicht "bockt" die Aktie jetzt wie ein störrischer Bronko und das passiert gerne vor Richtungswechseln.

Aber davon abgesehen zeigt dieses Chart keinerlei Grund hier jetzt zu verkaufen und von einer Investitionsstrategie mit ruhiger Hand abzuweichen, im Gegenteil! Wer hier also langfristig dabei ist, kann und sollte das weiter tun und für den ist aus Sicht von Danaher die Diskussion um die 2.600 im SPX irrelevant!

Sehen Sie was ich damit meine, dass Sie meine Worte oben auf Ihre Strategie umsetzen müssen? Das hohe Risiko dass die Indizes noch einmal in einem Schwall 10% abgegeben ist da! Gleichzeitig kann es trotzdem richtig sein, mit den richtigen Aktien ruhig Kurs zu halten und sogar langfristig im Akkumulationsmodus zu bleiben. Und ob das richtig ist, hat für einen jetzt 30-jährigen natürlich eine andere Antwort, als für einen jetzt 70-jährigen, der da einen weit kürzeren Zeithorizont hat.

Ich kann Sie nur eindringlich auffordern sich klar zu machen, dass Sie meine Marktsicht als Input auf Ihre Belange *übersetzen* müssen. Wenn Sie das nicht können, weil Sie gar keine Basis haben auf die Sie etwas übersetzen, haben Sie auch keine eigene Strategie, kein Konzept wie Sie mit dem Markt umgehen und das führt in so kritischen Marktphasen fast sicher zu Schmerz, Frust und Problemen!

Widerspruch der Woche

Auch das ist ein einmaliger Punkt. Sie wissen es gibt einige Quellen die ich ernst nehme und dazu gehören Jeff Miller und Joe Fahmy. Und diese beiden mit ihrem ganz unterschiedlichen Ansatz entwickeln dieses Wochenende eine gänzlich unterschiedliche Tonlage zum Markt. Das ist für sich selten und wert genauer betrachtet zu werden.

In Jeff Millers -> Weighing the week ahead <- betrachtet er wieder sehr ausführlich die fundamentale Lage in den US, zieht dafür viele Quellen heran und kommt zu einem klaren Ergebnis:

Die fundamentale Lage ist deutlich positiver, als die Stimmung des Marktes, der Markt ist in einer negativen Feedback-Schleife, genauso wie er im letzten Jahr in einer positiven Feedback-Schleife war. Und für langfristige Anleger gilt es nicht in Panik zu verfallen, sondern Kurs zu halten und Schwäche tendentiell für Zukäufe zu nutzen.

Und wissen Sie was? Ich glaube er hat Recht!

Dann haben wir Joe Fahmy mit seinem sehr sehenswerten Video von letzter Nacht: -> More downside ahead? <-.

Sehenswert ist dabei nicht der Video-Teil, in dem sieht man auch nur die Indizes die Sie kennen, sehenswert ist was er sagt und das könnte fast von mir sein. Er weist auf die Schwäche hin und das immense Risiko, dass es noch weiter herunter geht. Er weist auf die ungewöhnlichen, starken Abgaben hin und ordnet diese Hedge-Fonds Auflösungen zu. Und er befürchtet, dass der Markt vielleicht noch bis Jahresende einigermassen zusammen gehalten wird, Anfang 2019 aber noch ein Schwall nach unten in der Größenordnung von noch einmal 10% kommen könnte. Er sagt aber auch, dass danach die Luft völlig bereinigt ist und wir hier kein 2008 vor uns haben.

Und wissen Sie was? Ich glaube er hat Recht!

Beide Sichten decken sich mit meiner Sicht. Ich glaube eher nicht, dass hier der Bullenmarkt endet und wir *die* große Topbildung vor uns haben. Im Gegenteil, vor dem Hintergrund was derzeit alles an berechtigten Sorgen auf den Markt geworfen wird, während gleichzeitig die FED im Straffungsprozess ist, hält dieser sich ziemlich gut.

Ich glaube vielmehr, dass wir hier das Gegenstück zum gnadenlosen 2017 erleben, da hat der Markt jedes Risiko einfach ignoriert, jetzt überhöht und übertreibt er jedes Risiko gleich.

Ich sehe aber auch die Schwäche, sehe die Marktmechanik und betrachte das Risiko als sehr hoch, dass wir entweder sofort oder im 1. Quartal 2019 noch einmal 10% abgegeben und das zu einer lange fälligen 20% Korrektur machen.

Für mich ist da also kein Widerspruch, im Gegenteil. Auch wenn diese Aussage bei denen nicht auf Gefallen stossen wird, die jetzt schon emotional ausgelaugt sind, aber nach diesem langen Anstieg sind 2 Monate Korrektur auch zeitlich eher zu wenig, da können gut noch einmal 2-3 Monate nachkommen, bevor sich die Korrektur erschöpft hat.

Womit wir gleich beim nächsten Thema wären, dem Schutz unseres emotionalen Kapitals ....

Thema der Woche

Das Thema der Woche ist Psychologie, die Psychologie in schweren Marktphasen und wir haben eine schwere Marktphase!

Da kommt schnell Frust auf, wenn Gewinne eines Jahres wieder zerstört werden oder man sich mit einer emotionalen "Hüftbewegung" wieder einreisst, was man vorher mühsam aufgebaut hat.

Dieser Frust ist menschlich, verständlich, aber falsch und fehlgeleitet, er ist genau die Ursache die dazu führt, dass Anleger in großen Bärenmärkten an den Tiefs dann nicht mehr zugreifen können, weil sie vorher schon emotional ausgepowered sind. Ich habe in -> Wie man in einem Bärenmarkt überlebt <- ausdrücklich betont, dass wir auch unser emotionales Kapital schützen müssen. Bitte lesen Sie noch einmal -> diesen Artikel über die geheimnisvolle Glaskugel der Assyrer <-, in dem ich den Ablauf der Gefühle genau beschreibe, wir sind gerade mal 2 Monate in diesem Prozeß, der - wenn das eine Topbildung sein sollte - über ein Jahr andauern kann und dann wohl wird.

Denn gerade dann, wenn alle frustriert aufgeben, wenn sie sich fragen wozu sie das machen, wenn doch nur Frust und Minus dabei heraus kommt, genau in diesem Moment ist der Markt im März 2009 und es liegen 2 Jahre mit locker erspielten 50% Plus vor Ihnen!

Ergreifen können das aber nur die, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht emotional und finanziell ausgepowered sind. Man könnte auch böse sagen: Der Markt trennt die Spreu vom Weizen. 😉

Es gibt zwei Wege, wie man damit umgehen kann und einen den man nicht beschreiten sollte.

Man kann erstens auch im Bärenmarkt diskretionär agieren wollen, also eigene Entscheidungen zu treffen um den Markt zu timen. So wie ich das mache. Dann setzt man sich diesen Gefühlen aus und wird Momente der Verzweiflung und der Euphorie erleben, wenn man dabei bleibt, wird man aber in Summe daran wachsen, auch charakterlich.

Das ist aber ein verdammt harter Weg, nicht jeder wird den beschreiten können, nicht jeder ist emotional dafür gebaut. Denn wenn man das tut, sollte man sicher wissen, dass man stark genug ist dran zu bleiben und auch Niederlagen zu verdauen.

Man kann aber zweitens sich selber emotional auch völlig heraus nehmen und seine Handlungen einer festen Strategie mit einem festen System überantworten, das nach festen Triggern operiert. Mit dem Beispiel des Kreuzens der 50- und 200-Tage-Linie im Artikel -> Die Hari-Methodik in der Light-Version <- habe ich eine ganz triviale Variante so eines Systems beschrieben.

Das ist ein einfacherer Weg, man muss es nur tun, man muss seine Handlungen nur einem System überantworten. Und "einfach" heisst auch nicht perse "schlecht", sondern eben nur einfacher. Auch das erfordert Disziplin, aber nicht die psychische Stabilität, die der diskretionäre Weg in den kritischen Momenten erfordert, in dem man aus freier Entscheidung sein Vermögen navigiert. Man hat dann jemanden der einem sagt was zu machen ist: das System.

Beide Wege sind sinnvoll, welcher für Sie richtig ist, können nur Sie beantworten.

Was aber falsch ist, ist blauäugig in so einen Bärenmarkt zu rennen - lesen Sie wie gesagt unbedingt noch einmal meinen Artikel zu den Assyrern, da ist diese Typologie beschrieben - und dann mittendrin "aufzugeben". Dieses "mittendrin" ist garantiert der falsche Moment, es ist der Moment an dem ich schon wieder feuchte Lippen bekomme und zappelig werde.

Bitte machen Sie sich das klar, machen Sie sich klar welcher Schmerz potentiell vor Ihnen liegt, wenn das hier theoretisch noch bis weit ins nächste Jahr weiter geht und der SPX 30 oder 40% von den Hochs fällt und beantworten Sie dann die Frage, wer Sie sind und was Sie wollen.

Eine einfache Methodik wie beispielsweise diese 50/200er Kreuzungstechnik, ist keine Schande und bringt Sie zuverlässig durch unruhige Zeiten, auch wenn Sie davon keine große Überperformance erwarten können. Sie sind dann in den ganz tiefen Löchern aber wenigstens draussen und können halbwegs entspannt das Drama beobachten.

Und übrigens, ich habe dazu wichtige Nachrichten, wir haben durch den überraschenden, erneuten Absturz letzte Woche, gerade so ein Ausstiegssignal nach dieser Technik bekommen! Das erste seit Januar 2016, das sollte man sich schon mal deutlich machen!

Vielleicht ist es ein Fehlsignal, dann müssen Sie schon bald wieder kaufen. Das gibt es, es ist nicht einmal untypisch, weil die Kreuzungsphasen gerne mit Hin- und Her-Gezappel einher gehen. Vielleicht ist es aber auch kein Fehlsignal!

Wenn Sie also emotional nicht sicher sind, warum überlassen Sie die Entscheidung nicht solchen Signalen?

Hinweis der Woche

Ich erinnere an meinen Artikel -> Die 2019er Mitglieder Depots <-. Sie haben noch bis kommendes Wochenende die Möglichkeit selber Depots einzumelden.

Erfreulicherweise ist es dieses Wochenende losgegangen und wir haben nun schon zu den Themen Wachstum und Dividenden mehrere Vorschläge, sehen Sie -> hier <- was bisher eingegangen ist.

Nur zum Thema Mean Reversion ist es noch dünn, dabei bietet doch gerade da 2019 gute Chancen, denn im Gegensatz zu 2016 und 2017 haben wir dieses Jahr zum Jahresende ja eine deutliche Korrektur, die viele Aktien schwer verprügelt hat, gerade in Europa oder bestimmten Branchen, denken Sie nur an die Tabakbranche als Beispiel.

Aber wie auch immer, wir werden in der Woche vor Weihnachten eine Abstimmung machen und je ein Depot pro Thema wählen. Ich möchte Sie einladen, schon jetzt in das Nachdenken einzusteigen und mit den Autoren der Depots in den Dialog zu treten, warum sie genau die und keine andere Aktie gewählt haben. So dass Sie am nächsten Wochenende schon wissen, welches Depot sie jeweils wählen werden.

Ich wünsche einen guten Start in die Woche!

Ihr Hari

Disclaimer:

Der Wochenausblick ist ein im Jahr 2018 wöchentlich wiederkehrendes Format, dessen Sinn, Inhalt und Logik -> hier <- erläutert wurde.

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Jetzt oder Nie!

Eine Frage liegt natürlich an den Märkten in der Luft, die Frage nach der Jahresendrally bzw als Alternative der großen Topbildung.

Wer mir hier schon länger seit 2012 folgt weiss, dass ich vorschnellen Crash-Propheten immer eine klare Absage erteilt habe, selbst hier im freien Bereich war das überdeutlich. Als wir Anfang 2016 korrigierten, habe ich eine grössere Baisse nicht ernsthaft in Erwägung gezogen und das als kaufbare Korrektur betrachtet. Als Trump vor 2 Jahren gewählt wurde, habe ich schnell die Rallychance darin gesehen. Und als diesen Februar die Märkte einknickten, habe ich auch das als kaufbare Korrektur betrachtet und die Chance im Rebound gesucht.

Eigentlich habe ich diesem Markt und den dahinter stehenden Treibern seit 2011 getraut. 2011 im Zuge der Eurokrise war das letzte Jahr, in dem ich ernsthafte Sorgen um den Markt hatte und etwaige Schwäche nicht als normale Korrektur betrachtet habe. Danach begann ja auch die Geld-Expansion der Notenbanken, es war also gar nicht so schwer diese bullische Haltung einzunehmen. Dass unzählige Crash-Propheten in all den Jahren trotzdem die Depots ihrer Jünger zerstört haben, beweist ja nur wie sinnlos und nur auf Klicks ausgerichtet, diese permanente Angstmache ist.

Als der US-Markt Anfang Oktober diesen Jahres erste Risse in der ruhigen Oberfläche zeigte, habe ich auch das gesehen und wir haben uns in der Community darauf vorbereitet. Es war schon Anfang September völlig klar, dass -> entweder das Eine fallen oder das Andere steigen muss <-. Und da die anderen Märkte eben nicht stiegen, mussten die US Märkte auch früher oder später fallen.

Dass die Oktober-Korrektur kam, war also erwartbar, genau genommen seit dem Sommer überfällig und hat sich sogar konkret in den Tagen Ende September / Anfang Oktober angekündigt. Zu dem Zeitpunkt war aber auch mein Modell das einer weiter kaufbaren, gesunden Korrektur, die dann zum Jahresende von Stärke abgelöst wird.

So bliebt das auch lange und das Marktverhalten passte. Wir hatten am 29.10. ein schönes Tief auf den Niveaus des Frühjahres und haben unter Volumen gedreht. Am 07.11. haben wir im Zuge der US-Zwischenwahl die Zwischenhochs von Mitte Oktober wieder erreicht und haben begonnen eine schöne Wendeformation zu bilden, die ich in Lila skizziert habe.

Bis dahin war eigentlich noch alles in Butter und das Modell der kaufbaren Korrektur dominant. Wenn die Bullen jetzt in den Ring steigen und kaufen würden, hätte man zum Jahresende weiter optimistisch sein können.

Haben Sie aber nicht. Definitiv nicht! Stattdessen gab es diverse sehr negative Tage, die nun zu einem vollen Retest der Tiefs vom 29.10. geführt haben. Gerade die letzte Woche war bezeichnend, die Thanksgiving-Woche hat eigentlich historisch einen hervorragenden Trackrecord für Stärke, was wir bekamen, war aber ein jämmerliches Abwärtsgebrösel, wie ich es in dieser Woche schon lange nicht mehr erlebt habe,

Das Ganze ging einher mit einer dramatischen Verschlechterung der Marktmechanik, die letzten 2 Wochen zeigten mehrere Tage mit echtem Bärenmarktverhalten, in denen jedweder Rallyversuch gnadenlos abgeschnitten wurde.

Gleichzeitig verschlechterten sich auch andere Indikatoren und einige Warnzeichen traten an die Oberfläche, nicht irgendwelche dubiosen "Omens", sondern ernst zu nehmende Indikatoren wie beispielsweise ein merkbarer Anstieg der Yields bei wackeligen Hochzinsanleihen.

Das waren alles Dinge, die man auf der "rechten Schulter" einer Wendeformation nicht sehen wollte und schon gar nicht in einer traditionell starken Marktphase kurz vor Weihnachten. Und es waren alles Dinge, denen keine großen Neuigkeiten gegenüber standen, vielmehr war durch die US-Wahlen gerade ein Unsicherheitsfaktor abgeräumt worden und selbst die FED hat vor ca. 10 Tagen leicht zu blinzeln begonnen.

Trotzdem konnte der Markt keine Stärke entwickeln. Das war bemerkenswert und völlig anders als in allen Korrekturen der letzten Jahre zuvor. Egal ob Flash Crash am 24.08.15, die Korrektur zum 2016er Jahresanfang oder der Brexit; Schwäche wurde gekauft, wenn der Markt irgendwann technisch überverkauft war. Die bullischen Kräfte waren immer dominant, in diesem November 2018 sind sie es nicht mehr und das darf man nicht übersehen!

Und wenn ein Markt nach langer Korrektur keinen Rebound zusammen bekommen kann - auch nicht an den Stellen, wo der Rebound normalerweise zuverlässig kommen würde - dann ist das ein sehr gefährlicher Markt geworden!

Das alles und viele Details, die ich in meinen vielen täglichen Artikeln bespreche, haben meine Sicht in den letzten 2 Wochen erheblich verdüstert. Auch das Sentiment ist immer noch viel zu gelassen, so richtig rechnet weiter niemand mit fortgesetzten Schmerzen.

Und so stehen wir nun am Anfang dieser Woche vor einem "Jetzt oder Nie" Moment. Entweder die Bullen steigen jetzt hier in den Ring und erzwingen den Doppelboden, oder weit grösseres Ungemach liegt vor uns!

Der Unterschied zwischen einer normalen 10% "Feld-Wald-und-Wiesen-Korrektur" und einem echten, mittelfristigen Bärenmarkt, dürfte sich in den kommenden Tagen entscheiden, optisch sichtbar gemacht, an der Frage eines Doppelbodens im S&P500 oder nicht.

Spätestens das nervös erwartete Treffen Trump-Xi beim G20 Gipfel am nächsten Wochenende, dürfte hier die Entscheidung herbeiführen. Wenn das ohne Konsens und im Streit zu Ende geht, werden die Ängste um den Handelskrieg und eine weltweite Rezession noch einmal erheblich nach oben schnellen und den S&P500 wohl von hier einbrechen lassen. Über das Risiko Italiens müssen wir dabei dann gar nicht reden.

Zum ersten Mal seit 2011 - nicht 2016 und nicht dieses Frühjahr, aber diesen Spätherbst 2018 - halte ich das Risiko, dass der Markt über eine normale Korrektur hinaus ernsthaft einbricht und wir auch aus langfristiger Investmentsicht in einen Bärenmarkt eintreten, für so signifikant, dass wir uns damit auseinandersetzen und davor schützen müssen. Es ist Zeit für die Bullen, jetzt oder nie!

Aber noch schlimmer als nur weitere Abgaben, der Markt wirkt so angeschlagen, dass wenn er markant durch die Tiefs von Oktober durchfallen würde, sogar eine abstrakte Crash-Gefahr existieren würde. Denn Crashs kommen nicht aus dem Nichts, wenn ein Markt gerade neue Hochs erklimmt, ist das Risiko praktisch Null. Crashs treten dann auf, wenn ein schwacher Markt schon fällt und in den freien Fall übergeht, weil unten die Sicherungen heraus fallen.

Weiterlesen ...

Wie man in einem Bärenmarkt überlebt


So ... der 21.11. ist da, wenn auch erst kurz nach der Geisterstunde. Den folgenden Artikel habe ich schon letzte Woche vorbereitet, eine Stimme sagte mir, dass es Zeit dafür wird, das Wort vom Bärenmarkt mal in den Mund zu nehmen. 😛

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Ja, ich spreche von einem Bärenmarkt liebe Mitglieder. 🙂

Die Wahrheit ist, es kann aktuell sein, dass schon einer begonnen hat oder dass wir zumindest in überschaubarem Zeitraum in einen hinein kommen. "Kann sein" beschreibt eine Möglichkeit, die nicht Null sondern realistisch ist und das ist die Lage, in der wir uns nun befinden.

Lange, viele Jahre lang, habe ich uns - von kurzen Unterbrechungen wie diesen Februar abgesehen - im Markt gehalten und das war auch verdammt richtig so. So konnten wir seit 2012, seit dieser Blog so richtig aktiv ist, doch so einiges mitnehmen, während unzählige Permabären nichts Besseres zu tun hatten, als andauernd den Weltuntergang herbei zu schreiben und - wenn sie ihr Geld dahin tun würden wo ihr Mund ist - ihre Depots zu schrotten.

Nun aber, ist das Risiko dass wir in einen Bärenmarkt eintreten so hoch, wie noch nie seit 2012. Auch die Delle Anfang 2016 war immer als Korrektur zu erkennen, eine dauerhafte Baisse habe ich nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Heute ist das anders und der Grund ist die Price-Action, die ich seit Wochen sehe.

Trotzdem würde ich im Zweifel immer noch nicht auf den Bärenmarkt setzen, sondern darauf, dass dieser Markt nach diesem absolut notwendigen Regenguss sich wieder stabilisiert. Das Risiko, dass wir in grössere Unwetter geraten, ist aber nun so relevant geworden, dass man sich damit mal ernsthaft auseinander setzen sollte. Und das will ich heute mit Ihnen tun. Ob dann wirklich ein Bärenmarkt kommt, wissen wir nicht und überlassen wir weiterhin den Gekröselesern, wir folgen besser dem Markt.

Aber egal was nun passiert, es hat in jedem Fall Wert, uns klarzumachen, wie man einen potentiellen Bärenmarkt am Besten überlebt. Und da viele der Mitglieder erst nach 2009 in den Markt gekommen sind und nie einen ausgewachsenen Bärenmarkt erlebt haben, macht es doch Sinn, dass ich Ihnen nun heute ein paar Grundregeln an die Hand gebe.

Bevor ich das tue, bitte ich Sie aber -> diesen Artikel über die geheimnisvolle Glaskugel der Assyrer <- noch einmal zu lesen. Das ist wichtig, um Sie in die richtige Stimmung zu bringen, damit Sie sich die folgenden Ratschläge dann besser vorstellen können.

Wenn ich Ratschläge zum Thema gebe, ist es natürlich auch wichtig zu unterscheiden, wer man anlagetechnisch ist. Ich unterteile daher das Thema in Investoren und Trader.

(1) Grundsätzliches

Die erste und wichtigste Grundregel ist zu verstehen, dass ein Bärenmarkt nicht einfach das inverse Geschehen im Bullenmarkt ist. Bärenmärkte haben ihre eigenen Regeln.

Schauen Sie mal, so sieht ein Bullenmarkt im S&P500 ETF SPY aus, das sind die 90er Jahre mit Monatskerzen:

Wir sehen ein gleichmäßiges Hochschieben mit vergleichsweise geringer Volatilität, wie wir es ja auch in 2013 oder 2017 hatten. Ab und zu sind dazwischen mal schärfere Korrekturen, aber selbst so eine massive Korrektur wie die LTCM Krise von 1998, kann diese Struktur nicht wirklich in Gefahr bringen.

Nun mache ich aber einen Trick, um die optische Vergleichbarkeit sicherzustellen. Ich invertiere die Skala und so schauen wir nun auf zwei Bärenmärkte.

Das was wir 2000-2003 nach der Internet-Blase erlebt haben, ist noch halbwegs mit obigem Bullenmarkt vergleichbar, man sieht aber schon die Unterschiede:

Es gibt viel öftere, massive und scharfe "Spikes" nach unten (invertiert nach oben), die dann in ebenso scharfen "Snappern" aber teilweise wieder wettgemacht werden.

Und jedes Mal wenn der Rebound kommt, fühlt es sich an, als ob der Boden drin sei und man nun unbedingt einsteigen müsste. Erst hinterher ist man dann klüger.

Wenn man aber Pech hat und einen richtig üblen Bärenmarkt bekommt, kann der auch so aussehen:

Das ist das Verhalten eines kleines Momentum-Wertes, der wieder in sich zusammenfällt. Auf Ebene großer Indizes wie dem S&P500, gibt es das aber nicht in einem Bullenmarkt!

Nur Bärenmärkte können solche massiven Spikes in großen Indizes generieren! Die Volatilität ist erheblich höher als in Bullenmärkten, die Bewegungen schärfer und umfangreicher in beide Richtungen.

Und noch etwas Grundlegendes. Bärenmärkte attackieren nicht nur unser Depot, sondern auch unser emotionales Kapital.

Wir sind eben keine Maschinen, wir sind Menschen und wir dürfen uns vom Markt daher nicht treiben lassen. Denn so ein Bärenmarkt kann Monate, ja im schlimmsten Fall Jahre andauern. Immer wieder hat man sich dann für einen Boden positioniert und er kommt doch nicht. Und wenn er dann kommt, ist man emotional fertig und schaut nicht mehr hin.

Das darf nicht passieren! Halten Sie auch mit Ihrem emotionalen Kapital Haus, nicht nur mit Ihrem Kapital auf dem Konto. Deshalb ist es so wichtig, rechtzeitig weit genug aus dem Markt zu gehen, um das Geschehen gelassen betrachten zu können. Und es ist wichtig, auch immer mal wieder ganz in volle Deckung zu gehen und zum Markt die Schultern zu zucken und auf besseres Wetter zu warten.

Profis sind immer wieder ganz aus dem Markt, zumindest emotional. Sie treffen aber bewusste Entscheidungen das zu tun, sozusagen wie eine Pause. Anfänger dagegen werden vom Markt in eine Pause "getrieben", weil sie dann nicht mehr können, weil ihnen die Puste ausgeht. Das genau ist dann aber oft der Punkt der höchsten Spannung und wenn die Anleger dann wegschauen und ignorieren, passiert in der Regel das, worauf sie vorher so lange gewartet haben!

Merken Sie sich also für Bärenmärkte: Einfach mal in volle Deckung zu gehen und abzuschalten, wirkt oft wie ein Jungbrunnen und ist zwingend nötig. Wer dagegen versucht jede Zuckung zu antizipieren, um nur ja nichts zu verpassen, wird aufgerieben!

Wir halten allgemein fest:

  1. Der Markt steigt in 70% der Zeit und fällt nur in 30% der Zeit.
  2. Wenn der Markt fällt, fällt er aber schneller als er steigt. Aufwärts im Treppenhaus, abwärts im Fahrstuhl (2001) oder mit dem Fallschirm (2008)
  3. Ein Bärenmarkt besteht aus einer Folge sehr massiver Abwärts-Spikes, die von ebenso scharfen Rebounds abgelöst werden. Rebounds die sich jedes Mal wie *die* Wende anfühlen und dann doch enttäuschen. Das "zehrt" an Nerven und Depot.
  4. Ein Bärenmarkt attackiert auch Ihr emotionales Kapital! Lassen Sie das nicht zu, sorgen Sie für Pausen und nehmen Sie rechtzeitig so viel Exposure heraus, dass Sie das Geschehen relativ entspannt verfolgen können.

(2) Wie überlebt ein Investor einen Bärenmarkt?

Die Antwort ist einfach: In dem man ihm aus dem Weg geht. 😉

Genau das ist aber eine immens schwierige Aufgabe, denn es gibt eben keinen sicheren Ort in einem ausgewachsenen Bärenmarkt! Im Artikel -> Zur Sicherheit im Armageddon <- habe ich das ausführlich thematisiert.

Cash ist beispielweise am Anfang ein sicherer Ort, wenn es sich aber um eine Finanzkrise handelt oder starke Inflation beteiligt ist, wird Cash im fortgechrittenen Bärenmarkt selber zum Risiko. Im Artikel -> Armageddon <- habe ich thematisiert, dass man am Hochpunkt der Krise potentiell seinen Cash schnell wieder in Assets wie Qualitäts-Aktien tauschen muss. Auch das sollten Sie nun (nochmal) lesen, ich will die Argumentation hier nicht wiederholen.

Aber auch Gold bietet keine absolute Sicherheit, wie in beiden Artikel oben beschrieben. Klar, ganz langfristig erhält es die Kaufkraft, das stimmt. Aber in der "richtigen" Krise, kann Gold durchaus selber um 40% fallen, insbesondere wenn wie 2008 der "Margin-Call" durch das System fährt.

Anleihen sind im Bärenmarkt natürlich sinnvoll, zumal die Notenbanken dann die Zinsen senken - zumindest die, die sie vorher erhöht haben. 😉 Das gilt aber auch nur für Anleihen allerbester Bonität und selbst die haben in bestimmten Situationen ihre Fragezeichen. So hat Deutschland aktuell noch eine AAA-Einstufung und ich frage mal ganz dumm, wenn bestimmte Entwicklungen weitergehen, würden Sie Deutschland dann noch Ihr Geld leihen? 😉

Also, es gibt im ausgewachsenen Bärenmarkt keinen absolut sicheren Ort zum Verstecken!

Der beste Weg damit umzugehen ist eine Strategie, die das Exposure deutlich reduziert, aber dem Markt nahe bleibt, so wie die Strategien die wir hier letzte Woche in Artikeln beschrieben haben. Denn wenn es keinen absolut sicheren Ort zum Verkriechen gibt, kann man sich nur schützen, in dem man flexibel und in Bewegung bleibt.

Lassen Sie mich das Prinzip an einem Bild erläutern. Stellen Sie sich vor, Sie liegen in der Steinzeit unter Beschuss von Steinkatapulten. Die Flugbahn der Geschosse kann man also verfolgen, man hat nur wenig, aber doch etwas Zeit, denen aus dem Weg zu gehen.

Nun gibt es zwei legitime Varianten sich dagegen zu schützen. Die Eine gräbt sich irgendwo in einen Schützengraben ein. Das schützt zu einem guten Teil und ist besser als offen im Gelände zu sitzen. Wenn es aber einen Volltreffer auf ihren Schützengraben gibt, dann war es das.

Die andere Variante, stellt sich besonders aufmerksam auf einen Bereich mit guter Sicht und sobald eine Kugel mit ihrer Flugbahn sichtbar wird, rennt man schnell aus dem Einschlagbereich heraus. Letztere Methode ist anstrengender und erfordert hohe Aufmerksamkeit, das Überleben ist aber fast sicher, während es in der Schützengraben-Variante nur wahrscheinlich ist.

Wie alle Bilder ist auch das ein wenig schief, ich hoffe es vermittelt trotzdem den Punkt.

Wer wirklich "sicher" sein will, darf in der Krise nicht die Augen zumachen und muss flexibel bleiben. Sicher kann 100% Cash in der dafür "richtigen" Krise die einfache und gelassene Methode sein, um dem Bärenmarkt aus dem Weg zu gehen - bei einer Konjunkturkrise ohne Finanzkrise wird das so sein - es gibt aber eben auch die negativen Varianten und die wären dann ebenso fatal, wie ein Einschlag direkt im Schützengraben!

Immer wach und flexibel zu sein, bedeutet aber nicht jeden Abend stundenlang auf den Markt zu starren, das macht nur fertig und sollten nur Trader machen, für die dann da auch was zu holen ist. Es bedeutet für Investoren vielleicht einmal am Tag zu schauen ob es neue Entwicklungen gibt und ansonsten mit automatischen Alerts zu operieren, die einem sagen, wenn eine wichtige Situation sich entwickelt.

Konkret heisst das für Investoren:

  1. Mit den richtigen Assets, zum Beispiel Utilities oder Anleihen, mit intelligenter Diversifizierung, ist es auch im Bärenmarkt legitim, teilweise im Markt zu bleiben!
  2. In jedem Fall aber muss frühzeitig die Cash-Quote aufgebaut werden!
  3. Wenn der Bärenmarkt sich weiter verschärft, gibt es Szenarien in denen die Cashquote dann mitten im lautesten Schlachtenlärm wieder abgebaut werden muss. Nicht aus Spekulation, sondern zwecks Sicherheit!
  4. Wenn Sie automatisierte Strategien für Ein- und Ausstieg benutzen, denken Sie an die oben beschriebenen massiven Spikes und wählen sie Trigger, die dafür genügend Spielraum haben, damit Sie nicht zerrieben werden. Ein Bärenmarkt ist volatiler und härter als ein Bullenmarkt!
  5. Ein "ganz raus" Szenario, kann mit Glück gut funktionieren, hat aber eigene Risiken, weil Kapital ja irgendwo gehalten werden muss, am Ende in Cash. Die höchste Sicherheit bietet Diversifizierung und Flexibilität. Bleiben Sie wach und auf den Beinen, achten Sie aber auch auf Pausen und Phasen des Abstands!

Etwas Wichtiges noch. Wenn Sie kein sehr guter Trader sind, versuchen Sie gar nicht erst den Bärenmarkt auf der Short-Seite zu spielen. Es hört sich immer so einfach an, "in beide Richtungen" bei Märkten zu partizipieren. Fakt ist aber, dass es auf der Short-Seite viel, viel schwieriger ist. Auch dazu gibt es schon Artikel, siehe zum Beispiel: -> Nur die Harten kommen in den Garten <-.

Und noch etwas Wichtiges. Da Aktienmärkte langfristig steigen, um 5-7% per Annum im Mittel, ist es noch Wichtiger als einem Bärenmarkt aus dem Weg zu gehen, dann auch den Einstieg in Qualitätsaktien wieder zügig zu finden!

Wir überbewerten Verluste instinktiv, wer aber noch einige Jahrzehnte des Lebens und der Akkumulationsphase vor sich hat, sollte langfristig gesehen anders herum denken. Heisst konkret:

Wenn es uns gelungen ist, bei einem Bärenmarkt wie 2000-2003 oder 2007-2009 den ersten 30% Verlust aus dem Weg zu gehen, haben wir einen hervorragend Job gemacht und müssen uns dann von den (berechtigten) Ängsten lösen, dass der Markt noch einmal 10 oder 20% fällt.

Midenstens ebenso wichtig ist dann nämlich, den Einstieg wieder zu finden und das macht man in so einer Situation dann am Besten mit inkrementellem Einstieg. Sobald ein Bärenmarkt also lange genug und tief genug vorangeschritten ist, fangen jüngere Investoren in der Akkumulationsphase wieder an inkrementell neue Positionen aufzubauen, wohl wissend, dass es noch tiefer gehen kann. Ältere Investoren, die keine Zeit zur Akkumulation mehr haben, warten dagegen ab, bis der Markt wirklich gedreht hat, sind also bewusst eher später dran.

Psychologisch gesehen, müssen wir also in einem Bärenmarkt lange skeptisch bleiben und davon ausgehen, dass Rallies wieder abverkauft werden. In einem Bärenmarkt haben die Bullen etwas zu beweisen, nicht umgedreht!

Irgendwann sind wir aber "tief genug" gefallen und wenn nicht das Ende der Welt bevorsteht, wird sich die Wirtschaft auch wieder erholen. Wenn dieser Punkt erreicht ist, von dem wir bei einem ausgewachsenen Bärenmarkt nicht vor 20-30% Minus ausgehen sollten, dann muss sich unser Blick wieder auf die Chancen richten, *obwohl* zu diesem Zeitpunkt die Medien voll mit Weltuntergangsmeldungen sein werden!

Dabei diesen Zeitpunkt zu erkennen, kann ich Ihnen dann bestimmt helfen, aber natürlich nur, wenn Sie dann weiter dabei sind.

Übrigens habe ich dazu schon einen Plan was den Blog angeht. Im Artikel zu den "Assyrern" habe ich ja beschrieben, dass ich davon ausgehe, dass ein 1-2 Jahre andauernder Bärenmarkt, in dem ich über Monate immer nur "Füsse stillhalten" schreiben kann, bei den Anlegern "die Spreu vom Weizen trennt" und auch hier einige frustriert aufgeben werden, die dann Börse (Börse ist Scheiße) und damit auch Mr-Market beiseite legen werden.

Das ist psychologisch verständlich, aber falsch, diese Phasen sind für uns immens wichtig und ich bin ganz sicher, dass nur die am Ende im neuen Bullenmarkt Erfolg haben werden, die den Bärenmarkt auch bewusst durchlebt haben. Die anderen sind dann viel zu lange ängstlich, weil die Medien lange ängstlich sein werden und verpassen die besten Jahre wieder, wie schon 2009 und 2010 passiert.

Ich will hier aber kein Unterhalter für lustgetriebene Schönwetteranleger sein, so funktioniert das auch nicht und dann sind alle meine Bemühungen sowieso zum Scheitern verurteilt. Und das werde ich in der Krise dann vielleicht dadurch exekutieren, dass ich die Verlängerungsgebühren lasse wie sie sind - die bleiben jetzt wie versprochen für ein paar Jahre unverändert - den Neueinsteigerpreis aber *drastisch* erhöhe, von heute auf 340€ auf zum Beispiel 590€.

Klar wird mich das dann ein paar Neu-Mitglieder kosten, um Umsatzmaximierung geht es mir hier ja aber bekanntermassen nicht primär. Ich sehe uns, wie im Februar geschrieben und im Video mit Jonkers erklärt, als Gemeinschaft (Community) an Bord der NCC-2873 Mr-Market, auf der wir gemeinsam das Börsen-Universum erforschen und alle Gefahren und Schwierigkeiten auch gemeinsam bestehen.

Wer dieses Schiff beim ersten Schütteln verlassen will, ist jederzeit frei das zu tun. Die Rückkehr, ist dann aber nur unter Hürden möglich, das ist das Signal, das ich mit der Preispolitik dann vielleicht setzen werde.

(3) Wie überlebt ein Trader einen Bärenmarkt?

Hier kann ich mich kürzer halten. Wer nicht nur herumdaddelt, sondern ernsthaft tradet, arbeitet mit "Setups", also mit einem konkreten Beuteschema, aus dem er seine Trades schöpft.

Grundsätzlich funktioniert das in beide Richtungen gleich, man kann aufwärts oder abwärts handeln und muss sich nur bewusst sein, dass das Shorten ein paar systemische Nachteile und Nickeligkeiten hat, wie im verlinkten Artikel oben beschrieben.

Wenn ein Trader sich also diszipliniert an seine Strategie hält, wenn er Verluste eng begrenzt, kann er ohne Probleme auch im Bärenmarkt weiterhandeln, halt mit einer inversen Hauptrichtung. Wobei es auch im übergeordneten Bärenmarkt ja auch immer irgendwo einen Bullenmarkt gibt - es gibt also Teilmärkte, in denen man auch bullische Setups findet.

Trotzdem, eine Warnung habe ich auch für Trader. Gerade weil der Bärenmarkt so viel volatiler ist, rate ich dazu die Zeitebenen zu reduzieren und ideal nur noch Intraday zu handeln!

Ich habe ja 2008 real erlebt und da sogar auch Short eine Rendite erzielt. Wenn man nun auf die Charts von 2009 wie oben mit Wochen oder Monatskerzen schaut, könnte man meinen, das sei wie ein Strich runtergegangen und man musste nur oben einen Short einwerfen und unten die Gewinne mitnehmen.

Blödsinn! Auf den niedrigeren Zeitebenen gibt es massive Volatilität, die gerne in Form von Overnight-Gaps auftritt. Und nie weiss man, ob das nun nicht doch *der* Rebound ist und man kann daher die Short-Positionen auch nicht einfach im Rebound stehen lassen, viel zu riskant!

Um diesen massiven Overnight-Gaps aus dem Wege zu gehen, die einen im Laufe der Zeit zerreiben und psychologisch fertig machen, macht es Sinn nur Intraday zu agieren.

Und gerade weil im Bärenmarkt harte Snapper an Folgetagen oft wieder verkauft werden, gibt es ganz ausgezeichnete Setups, die man einfach nur diszipliniert spielen muss und das sind alles Varianten von Sell The Fu****g Rebound (STFR).

Wenn es also so einen Snapper gegeben hat und ein neuer Tag negativ eröffnet, dann ist die Chance gut, an so einem Tag einen negativen Trendtag zu erleben, den man dann bis kurz vor Handelsschluss mitnimmt und dann geht man wieder aus dem Markt.

Im Herbst 2008 hat es viele, viele solche Tage gegeben, an denen man Snapper für mehrere Tage danach dann Intraday shorten konnte und 3-5% tiefer am Ende des Tages covern. So habe ich da mit geringem Risiko Gewinn auf der Short-Seite generiert. *Nicht* in dem ich mehrtägige oder sogar mehrwöchige Positionstrades gefahren habe, das wäre viel zu riskant gewesen, in ein massives Gap zu laufen und dann ein Problem zu haben.

Schauen Sie mal, ich habe den "Lehman-Herbst" mal auf Tageskerzen expandiert. Nun sehen Sie, dass das was in Monatskerzen wie ein Strich nach unten aussieht, in Wirklichkeit permanent von massiven Aufwärtssnappern unterbrochen wurde, ich habe die Besten mit blauen Pfeilen markiert:

Das kann man als Shortie nicht einfach aussitzen, weil man nie weiss, ob es jetzt nicht doch *die* Wende wird. Erst hinterher ist man klüger.

Fazit:

Trader fahren im Bärenmarkt ihre Strategie weiter, sie reduzieren aber die Haltedauer und gehen den massiven Overnight-Risiken so weit wie möglich aus dem Weg. Einem Bärenmarkt kann man nicht mal eine Stunde trauen, auch nicht in Abwärtsrichtung! Einem stabilen Bullenmarkt, kann man dagegen auch mal wochenlang trauen, ohne große Risiken zu haben. Das ist der zentrale Unterschied!

Und falls Trader einzelne Aktien und nicht Indizes shorten wollen, sollten sie sich ein Beispiel an den Raubtieren in der Savanne nehmen. Die greifen immer die schwächsten Mitglieder einer Herde als Erstes an, weil ihre Chancen da am Besten sind!

So sollten es auch Shorties halten, eine Wette gegen eine starke Aktie, nur weil man "meint", dass die ja auch mal fallen müsste, ist das Verhalten von Anfängern. Gute Shorts richten sich dagegen auf schon fallende und schwache Aktien!

Das wars fürs Erste. Es gibt noch viel zu sagen, aber ich muss ja für die nervenzehrenden Monate eines Bärenmarktes auch noch Futter haben. 😉 Und für einen Artikel reicht es sowieso und ist eher wieder zu lang geworden.

Prägen Sie sich die Kernaussagen ein, es ist recht sicher, dass wir in den kommenden Jahren gemeinsam einen Bärenmarkt erleben, nur genau wann kann ich Ihnen nicht sagen.

Ihr Hari

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Wallstreet Stream 15.11.18



15:10 MEZ

Ein neuer Tag und das Gewürge dauert an, die Futures sind schon wieder im Negativen. Ich gehe zunehmend davon aus, dass die iSKS aus dem Spiel ist und wir die Tiefs von Oktober wieder sehen werden.

Wie schon vorgestern gesagt, bin ich voll in Deckung und mache daher heute erst mal gar nichts.

Auch an Trading bin ich heute nicht interessiert. Auf der Short-Seite ist mir das Risiko zu groß jederzeit in einen massiven Snapper zu laufen, die kommen in so Gemengelagen aus dem Nichts.

Auf der Long-Seite habe ich kein Vertrauen und alle positiven Bewegungen werden sofort abverkauft.

Insofern mache ich gar nichts und wenn ich es Ihnen nicht versprochen hätte, würde ich nun auch keinen Stream schreiben.

Daher bleibt der Stream voraussichtlich kurz und nachrichtenarm. Aufwecken könnte mich, wenn die Bullen die diversen Katalysatoren nun mal nutzen würden, ein Abflauen des Abgabedrucks ist aber vorbörslich nicht ansatzweise zu sehen.

Ich arbeite schon an dem Artikel "Überleben im Bärenmarkt" für nächste Woche. Einen Teil stelle ich hier schon ein, denn der ist wichtig und beschreibt, warum es genau richtig ist in so Phasen mal Abstand zu halten:

Und noch etwas Grundlegendes. Bärenmärkte attackieren nicht nur unser Depot, sondern auch unser emotionales Kapital.

Wir sind eben keine Maschinen, wir sind Menschen und wir dürfen uns vom Markt daher nicht treiben lassen. Denn so ein Bärenmarkt kann Monate, ja im schlimmsten Fall Jahre andauern. Immer wieder hat man sich dann für einen Boden positioniert und er kommt doch nicht. Und wenn er dann kommt, ist man emotional fertig und schaut nicht mehr hin.

Das darf nicht passieren! Halten Sie auch mit Ihrem emotionalen Kapital Haus, nicht nur mit Ihrem Kapital auf dem Konto. Deshalb ist es so wichtig, rechtzeitig weit genug aus dem Markt zu gehen, um das Geschehen gelassen betrachten zu können. Und es ist wichtig, auch immer mal wieder ganz in volle Deckung zu gehen und zum Markt die Schultern zu zucken und auf besseres Wetter zu warten.

Profis sind immer wieder ganz aus dem Markt, zumindest emotional. Sie treffen aber bewusste Entscheidungen das zu tun, sozusagen wie eine Pause. Anfänger dagegen werden vom Markt in eine Pause "getrieben", weil sie dann nicht mehr können, weil ihnen die Puste ausgeht. Das genau ist dann aber oft der Punkt der höchsten Spannung und wenn die Anleger dann wegschauen und ignorieren, passiert in der Regel das, worauf sie vorher so lange gewartet haben!

Merken Sie sich also für Bärenmärkte: Einfach mal in volle Deckung zu gehen und abzuschalten, wirkt oft wie ein Jungbrunnen und ist zwingend nötig. Wer dagegen versucht jede Zuckung zu antizipieren, um nur ja nichts zu verpassen, wird emotional aufgerieben

15:35 MEZ

Der britische Regierungs-Dienstleister Babcock International (BAB), mit einem starken Arm auch im Verteidungsbereich, war ja hier schon im Forum Thema. Einige haben sich -> im Forum <- gefragt was da los sei und nun gab es einen guten Hintergrundartikel bei Bloomberg, den die Interessierten nicht übersehen sollten: -> Short sellers go on nuclear offensive in britain <-

Auch im ganz langfristigen Chart sind wir nun an einem spannenden Punkt, wer mag sollte den Artikel also mal lesen. Ich selber kommentiere den Artikel nicht, weil ich da keinen Mehrwert zu bieten habe:

16:00 MEZ

Cisco (CSCO) ist eine der wenigen Aktien, bei der die Chartstruktur nach dem Oktobereinbruch noch intakt ist. Und gestern dann die guten Zahlen, die in einem gesunden Markt zu mindestens 5% Gewinn, wenn nicht mehr geführt hätten.

Nun bröselt auch das schon wieder, die Ebbe senkt halt auch die guten Boote:

Trotzdem sind das die Aktien, die wir uns für den Tag bereitlegen sollten, an dem die Marktmechanik wieder positiver wird. Die starken Aktien, die im Oktober gute Zahlen geliefert haben und nun nur mit der Ebbe nach unten gezerrt werden.

16:08 MEZ

An einem trüben Tag mal was Erheiterndes. Das habe ich gerade in die Mail bekommen.

*Ah Ja!* kann ich da nur sagen, da muss aber jemand noch üben. Das ist so schlecht, dass es schon wieder gut ist: 😉

16:26 MEZ

Es gibt eine Sorte Aktien, über die ich - wie Sie vielleicht gemerkt haben - schon lange nicht mehr geschrieben haben. Und das sind die Rohstoffriesen wie Rio Tinto (RIO).

Der Grund ist, dass die mir ein Rätsel sind und ich nicht weiss, in welcher Phase des Zyklus die sind.

Schauen Sie mit mir mal auf Rio Tinto in USD, ich habe bewusst den Dollar und nicht das Pfund gewählt, weil ich ja ein Fragezeichen zum weltweiten Zyklus habe und der Dollar eben die weltweite Rohstoffwährung ist:

Ist das nun stark oder schwach? Vor allem in welcher Phase des Zyklus ist das? Denn wir reden ja nun über Handelssorgen und konjunkturelle Sorgen. Wir reden über Zölle und China und Überkapazitäten und all das hat auch mit Rio Tinto zu tun.

Nur zeigt der Kurs von RIO aktuell aber keinerlei Anzeichen von echter Schwäche, eine Rezessionserwartung ist hier also nicht im Kurs und in der Oktober-Korrektur, ist die Aktie erstaunlich stabil gewesen. Ist das Stärke?

Oder ist es nicht bemerkenswert, dass trotz des massiven Stimulus der Notenbanken, die Aktie seit dem Platzen der Rohstoffblase 2011 nie wieder richtig in Gang gekomemn ist? Ist das Schwäche?

Oder liegt das nur an den Währungen, so sieht RIO nämlich im zum Dollar stark gefallenden Pfund aus:

Jetzt kenne ich viele Einzelfaktoren die einwirken und die Argumente dazu. Wie gesagt Überkapazitäten, Handelshemmnisse, der Dollar, die Probleme der EMAs mit einem zu teuren Dollar usw und so fort.

Nur in eine schlüssiges Gesamtbild bekomme ich das nicht zusammen, es passt immer irgendwo nicht. Kann jemand aushelfen oder hat einen ausführlichen und kompetenten Artikel parat, der diese Einzelfaktoren mal zu einem in sich logischen Gesamtbild zusammenbindet?

16:42 MEZ

Uh, Oh, der DAX. Stärke geht anders. Wohl dem, der hier in Deckung und nicht exponiert ist:

Passend dazu dieser treffende Artikel von Ulf Poschardt hinter der Bezahlschranke: -> Unser selbstverliebtes Lummerland <-

Man kann diese selbstgerechte, satte Grundhaltung wunderbar beispielhaft an dem medialen Umgang mit Elon Musk festmachen. Was wurde nicht alles von Leuten geschrieben, von Idiot bis Spinner. Und das hat mal ausnahmsweise gar nichts mit Politik zu tun, sondern ist landestypisch. Nur die Schwerpunkte der Kritik sind in den Lagern unterschiedlich.

Für die kollektivistischen, gleichheitsbesoffenen Linken ist er ein Geldsack, der seinen kapitalistischen Spinnereien frönt, statt das Geld den Armen in Afrika zu geben.
Für die ebenso kollektivistischen, völkischen Rechten, ist er ein typisch amerikanischer Schwätzer, der viel redet, aber nichts auf die Reihe bekommt.

Und während beide Seiten in Ihrem selbstgerechten und innovationsfeindlichen Wohlgefühl schwelgen, wird unsere Kernindustrie abgehängt. Das Ergebnis ist dann auch an der Börse zu beobachten, die brutale Schwäche der Autoindustrie ist ein wesentlicher Grund für diesen DAX. Bei Otto Normalverbraucher der seinen Job verliert, kommt diese Realität dann mit Verzögerung an, die Börsen sind eben Vorlaufindikatoren.

Ich wage mal eine politische Prognose:

Richten wir uns auf brutale Verteilungskämpfe ein, wie sie die Republik vielleicht zuletzt in den 70er Jahren erlebt hat, ich sage nur "Heinz Kluncker".

17:00 MEZ

Sie erinnern sich ja sicher an diverse Kommentare meinerseits zur Chipindustrie und sogar im freien Bereich die -> Fördertürme des 21. Jahrhunderts <-.

Wenn man mal etwas Positives an so einem trüben Tag finden will, dann ist es die Chipindustrie.

Wir haben da einen Sektor, dessen Zukunftsaussichten über jeden Zweifel erhaben ist, wir wissen nur nicht, wie tief der aktuelle Abwärtszyklus geht.

Wir haben aber im Sektor relative Stärke in der aktuellen Schwäche, die Aktien fallen seit Oktober unterdurchschnittlich und sind ausgebombt, was sie zu heißen Kandidaten bei einem Rebound macht.

Und wir haben in den Ausblicken des Managements durchweg solide Ausblicke gehört, die besser sind als die Stimmung des Marktes, der immer noch den massiven Abwärtszyklus voraus sieht.

Und dann haben wir Charts wie beispielsweise das hier von Lam Research (LRCX) im Weekly, das zwar noch kein Boden ist, aber doch langsam die Chance dazu entwickelt:

Ich kann Ihnen nicht sagen, ob das schon das Tief war oder nicht. Das hängt auch stark vom Gesamtmarkt ab. Aber ich bin recht sicher, dass sich hier ausgezeichnete langfristige Chancen entwickeln, die zumindest auf die Watchlist gehören und die wenn man sie unbedingt schon jetzt realisieren will, ein klassischer Fall für einen langsamen, inkrementellen Einstieg sind.

Entweder warten Sie hier noch, oder Sie machen kleine Schritte. Hier in dieser Unsicherheit eine volle Position zu verballern ist unangemessen. Denn bitte bedenken Sie, die obige Story kann wahr sein und beispielsweise LRCX trotzdem noch einmal um 30% fallen. Wenn überhaupt, dann inkrementell - Hopium ist keine Strategie!

PS: *WICHTIG*, habe ich zum Thema Chipindustrie vergessen zu schreiben : Heute Abend kommen nachbörslich NVidia (NVDA) und Applied Materials (AMAT) mit Zahlen!

18:00 MEZ

Sehen Sie so kanns gehen. Da beginnt man den Stream unlustig, weil ich zum herum mäandrierenden Markt wie beschrieben passiv-fatalistisch bin, bis der mal in Bewegung kommt.

Genau das schafft aber Raum mal ein paar grundlegende Gedanken zu denken, weswegen sich dann im Forum auch ein paar interessante Themen ergeben, zu denen ich zB -> hier bei Tesla im Forum <- was Längeres in Post 814 geschrieben habe, was auf einen längeren Beitrag von "ChKuhba" direkt davor in 813 eingeht, der sich auf einen Artikel zu Batterien in 811 bezieht. Schauen Sie doch mal rein und schließen sich an, ist doch ein wichtiges und für uns diskussionswürdiges Thema, ob unsere Kernindustrie überlebt und wenn ja wie.

Natürlich können wir das auch hier im Thread zum Stream weiter besprechen, ich habe das ja mit der Erwähnung des Artikels von Ulf Poschardt hier auch angestossen.

Letztlich sind es ja zwei verwandte Themenkomplexe. Im Speziellen die schwächelnde deutsche Autoindustrie im disruptiven Wandel. Im Allgemeinen die bräsige, gesellschaftliche Selbstgefälligkeit im Land. Insofern zwei verwandte Themen für zwei Threads.

Was den Markt angeht, sieht der doch heute gar nicht so schlecht aus. Notorische Dauerbullen würden hier nun eine "Stabilisierung" verorten und ja da ist was dran:

Trotzdem beteilige ich mich heute nicht an den Zuckungs-Interpretationen, wie mehrfach gesagt haben die Bullen nun etwas zu beweisen und dafür müssten sie nun hochpowern und die 200-Tage-Linie in Angriff nehmen. Dann haben sie meine Aufmerksamkeit, aber nur dann.

Bis Morgen, im Forum schreibe ich weiter.

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Vergangenheit und Zukunft



Sie wissen, dass ich mich alle paar Monate gerne mal zurück lehne und mir die ganz grossen, langfristigen Linien der Marktstrukturen vor Augen führe. Nicht weil ich dann fest auf einen bestimmten Ausgang wette, sondern weil ich mir der Möglichkeiten und grossen Trends bewusst werden will.

Heute will ich das mal wieder tun und in sehr langfristigen Charts mit Monatskerzen nach Wahrheiten und Tendenzen suchen, die im täglichen Klein-Klein gerne untergehen.

Britisches Pfund zum Dollar 1972 - 2017

Ganz klar ist, dass GBP langfristig zum Dollar eher unterbewertet denn überbewertet ist. Eine Normzone kann man im Bereich 1,4 - 1,7 grob verorten. Es dürfte Sinn machen, hier eher auf das Pfund zu wetten, statt dagegen.

Wen es historisch interessiert, den Tiefpunkt 1985 erreichte das Pfund (und viele andere Währungen) zum Dollar, kurz bevor sich das -> Plaza Abkommen <- abzeichnete.

Gold 2002 - 2017

Dass Gold im Lichte der Dollarschwäche derzeit keine besonders starke Figur abgibt, habe ich kommuniziert. Im grossen Bild sind solche mehrwöchigen Tendenzen aber irrelevant, das Chart von XAUSUSD seit 2002 offenbart eine ganz andere Struktur:

Hier sieht das eher nach dem Beginn einer neuen Aufwärtsphase aus, als nach dem Gegenteil, wiewohl beide Richtungen noch möglich sind. Die riesige Konsolidierung seit 2011 scheint aber eher abgeschlossen. Ganz grundsätzlich ist es ja auch so, dass alle Fiat-Währungen in ihrem Wert langfristig nur eine Richtung kennen, nach unten. Das nennt man übrigens Inflation. 😉

US Crude Oil 2000 - 2017

Machen wir es uns doch mal ganz einfach. Nehmen wir mal an, dass Chartstrukturen eine Bedeutung haben und nicht nur sinnlose Gesichter in Wolken sind. Dann wischen wir einfach mal alles weg, was wir zu Öl gehört haben oder vermuten. OPEC, Fracker, Russland, alles ganz egal.

Und dann schauen wir auf das Langfristchart. Weitere Worte sind dann wohl unnötig, oder? 😉

Emerging Marktes (ETF EEM) 2003-2017

Die grosse Erzählung des Aufstiegs der Emerging Markets, ist mit der Finanzkrise 2008 scheinbar gestorben. Woran das liegt ist eine spannende Frage, die Notenbankpolitik spielt mit Sicherheit eine erhebliche Rolle.

Ein Gedankenmodell ist, dass die Niedrigzinsen der Industrieländern ab 2008 die Abwertungspolitik der Emerging Marktes konterkarieren, weil die Währungen der Industrieländer damit nicht mehr so extrem zu den Währungen der Emerging Markets aufwerten, wie vor der Krise. Damit kommen die realen Produktivitätsunterschiede wieder stärker zum Tragen, die oft kultureller Natur sind und daher nicht so schnell weggegehen werden, wie es noch in den 90er Jahren schien.

Man kann das sehr schön an Brasilien festmachen, das Land ist eben trotz aller Entwicklung immer noch Brasilien und kann nicht die gleiche Produktivität erreichen, wie nordeuropäische Länder.


(Anmerkung, ich habe eine Kursanomlie in 2005 bereinigt)

Wie geht das weiter? Schwer zu sagen, an eine grundlegende, lange neue Aufstiegsphase der Emerging Markets, glaube ich relativ zu den Industrieländern nicht. Das Zurückdrehen der Globalisierung und das Rückverlagern von Produktion wieder in die alten Industrieländer, weil sie durch Technologie keine billigen Menschenmassen mehr erfordert, wird die politische Stabilität und Produktivitätsvorteile der alten Industrieländer eher wieder in den Vordergrund heben.

Dow Jones 1986 - 2017

Einen "Kracher" habe ich noch. 😀

Erinnern Sie sich an das Chart? Es stammt aus diesem Artikel aus 2013: -> Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor? <-

Eine kleine Änderung habe ich vorgenommen. Wir wissen ja, dass wir im DOW nun bei 21.000 stehen. Diese habe ich eingezeichnet - nicht ganz massstäblich, weil rechts nicht mehr genügend Platz war, aber der Punkt ist auch so gemacht.

Achja und eine Numerierung der Bullenmärkte habe ich eingefügt, wobei man sich auf die mittlere Länge konzentrieren sollte. 😉

Wie heisst es so schön? "Past performance is not indicative of future results". Das stimmt und sollte man nie vergessen und sich nie zu sicher fühlen. Augenöffnend, was wir hier vielleicht vor uns haben, finde ich dieses Chart aber schon.

Und immerhin war es die letzten 4 Jahre zutreffend. Kennen Sie viele andere, die 2013 solche Charts herum gereicht haben? Sich einen offenen Geist zu bewahren, hat halt Wert. 😉

Ihr Hari

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Wie eine Topbildung aussieht



Nein, wir haben noch keine Topbildung. Wir haben derzeit einen stampfenden, schiebenden, schwitzenden Bullenmarkt. 😀

Aber ich habe ja zuletzt immer wieder betont, dass neue Hochs *keine* Gefahr sind, dass Märkte in der Regel *nicht* sofort auf dem Fusse drehen - ausser es passiert etwas völlig Überraschendes - und dass man deswegen bei neuen Hochs keine Angst haben muss. Denn mir ist völlig klar, wie schwer es unserem Affenhirn fällt, so starke Märkte zu kaufen. Viel lieber greift unser Affenhirn zu, wenn etwas stark fällt, weil es sich dann billig anfühlt - Sie wissen schon, das berühmte fallende Messer - Aua! 😉

Berechtigten Grund zur Sorge gibt es dagegen, wenn klare Wendeformationen existieren, oder man so eine "Brösel, Brösel, Brösel" Situation hat, an deren Ende dann der Absturz über die Klippe kommt.

Nun sind Worte aber nur Worte, einprägsame Bilder machen mehr Eindruck. Deswegen mache ich mit Ihnen heute eine Chartreise durch die letzten 5 Situationen, die im langfristigen Bild mit Wochenkerzen den Namen "Crash" oder "Einbruch" zu Recht getragen haben. Als da sind:

  1. Eurokrise 2011 aus Sicht von S&P500 und DAX
  2. Lehman 2008 aus Sicht von S&P500 und DAX
  3. Internetblase 2000 aus Sicht von S&P500 und DAX
  4. Long Term Capital Management (LCTM) Crash 1998 aus Sicht von S&P500 -> LTCM Crash <-
  5. Schwarzer Montag 1987 aus Sicht von S&P500 -> Black Monday <-

Für die beiden Ereignisse von 1998 und 1987 habe ich keine sauberen Charts vom DAX mehr, daher nur die S&P500 Betrachtung. Ich rate dazu, sich die beiden Links zu 1998 und 1987 mal zu Gemüte zu führen, um zu verstehen, worum es dabei gegangen ist. Denn das wird für die Bewertung wichtig sein und viele werden diese Krisen nicht bewusst erlebt haben, es kann ja nicht jeder so eine alter "Knacker" wie ich sein. 😉

Der Black Monday von 1987 hatte übrigens keinen klaren Katalysator, man könnte sagen, der Markt ist unter dem eigenen Gewicht zusammen geklappt. Der LCTM Crash dagegen hatte für den Markt eine eindeutige, plötzlich und in ihrer Dynamik völlig überraschende Ursache. Insofern ist 1998 die Ausnahme und es wird interessant sein zu sehen, ob auch die Kurse da ein Ausnahmeverhalten zeigen.

Im Folgenden zeige ich Ihnen nun die 8 Charts mit Markierung und kurzen Worten, die weitgehend für sich sprechen. Gegen Ende dann eine Zusammenfassung.

So .... ich denke die Botschaft ist klar. In allen - wirklich in allen - Fällen ausser 1998 bei LCTM, hat sich der Einbruch vorher durch zumindest ein niedrigeres Hoch, eine klare Topbildung oder eine Brösel,Brösel,Brösel Situation mit klarem Abwärtstrend angedeutet. In vielen Fällen wie 2000 gab es sogar x-fache Warnungen mit niedrigeren Hochs und damit *Null* Grund, diese Reise nach unten mitzumachen.

Wer also die Charts und die Marktmechanik klar beachtet hat, wer dann ausgestiegen ist, wenn sich klar ein Abwärtstrend oder eine vollendete Topformation ergab, war immer auf der sicheren Seite und hat den grossen Absturz *nicht* voll mitmachen müssen. Vielmehr konnte dieser Marktteilnehmer dann viel tiefer wieder kaufen und so einen massiven relativen Ertrag erzielen. Der Crash legte die Grundlage für riesige Gewinne danach sozusagen.

Sicher, vom Top 10 oder 20% Prozent abgeben zu müssen ist nicht schön, wer das vermeiden will, muss halt auf kleineren Zeitebenen wie Tageskerzen solche Absicherungsaktionen machen und damit etwas intensiver rein und raus gehen. Der entscheidende Punkt ist aber, einen Grund den Weg nach unten mitzumachen, gab es nicht für die, die Augen hatten zu sehen und wenigstens die Grundkonzepte von Trends verstanden haben.

Es gab nur eine Ausnahme: LTCM 1998. Und das, weil das für die Märkte völlig überraschend und schnell, ohne grosse Vorbereitung kam. Gestern sprach ich davon, dass wir auch so einen Fall hätten, wenn der koreanische Gnom nun einen Atomkrieg beginnen würde. Stimmt, in dem Fall gibt es keine Vorwarnung in den Charts und keine tieferen Hochs die *Alarm* für sehende Augen schreien. In dem Fall geht es sofort massiv runter.

Mit diesem Restrisiko müssen wir aber leben, sonst dürfen wir Morgens gar nicht mehr aufstehen und selbst in so einem Fall ist noch Zeit, mittendrin händisch die Reissleine zu ziehen, wir haben im Chart da Wochenkerzen und keine Minutenkerzen!

Fazit: Keine Panik bei neuen Hochs. Sicher kann das ein Top werden, aber riskant wird ein Markt erst später, wenn er anfängt tiefere Hochs und tiefere Tiefs zu generieren. Brösel, Brösel eben. 😉

Ich hoffe das trägt zur Beruhigung bei und hilft Ihnen, Bullenmärkte in Zukunft auch mal richtig mitzugehen. Hören Sie nicht auf die ganzen Crash-Propheten mit ihrem Gebrabbel, die haben auch keine Glaskugel.

Der Markt weist uns den Weg, der ist nicht unser Feind, sondern unser Hirte. 😉

Ihr Hari

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Kinder Morgan und Deutsche Post – Bullenmarkt oder Bärenmarkt?

Die breiten Indizes von S&P500 bis DAX, haben nun zum bisher besten Rebound-Versuch des Jahres angesetzt. Drei Tage hintereinander, ist der S&P500 nun gestiegen und auch der DAX hat mit der 9.300er Marke, einen ersten wichtigen Widerstand zurück erobert.

Natürlich kommen dann - das ist wie beim Murmeltier, das täglich grüsst - gleich die "grossen" Prognostiker aus ihren Ecken, die dann die "grossen Wende" ausrufen und wieder "Kaufkurse" schreien, wie sie das ja schon am Anfang des Jahres so treffend und punktgenau getan haben. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten. 😉

Oder andere, die Permabären, sind sich so etwas von sicher, dass es es immer weiter runter gehen *muss*, dass sie diesen ersten ernst zu nehmenden Rebound des Jahres, nun schon wieder Shorten, weil das "Endspiel" ja zwangsläufig begonnen hat und wir sowieso schon bald vor einer Währungsreform stehen.

Das kann alles sein und ich schliesse nichts aus, es hilft uns aber herzlich wenig. Und wer sich zu stark und verbohrt mit einer vermeintlich "sicheren" Zukunft verheiratet, hat nur eines garantiert: dass er im Markt keinen Erfolg haben kann. Denn der Markt ist immer in Bewegung und per Definitionem wetterwendisch.

Eine besonders absurde Form des Drangs etwas statisch zu definieren, was in Realität immmer in Bewegung ist, ist dabei der Versuch, einen Bullen- oder Bärenmarkt über absolute Prozentzahlen zu definieren.

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