Der Notenbank-Dezember: „It´s the currencies stupid!“

Der letzte Monat des Jahres 2015 ist angebrochen, alle rechnen fest mit der Jahresendrally, in der wir uns eigentlich schon mitten drin befinden. Und alle fragen sich, wie 2016 wohl werden wird?

Denn viele Bewegungen an den Märkten scheinen überdehnt und sind reif für eine markante Wende. Je nach dem wie man rechnet, dauert dieser Bullenmarkt nun schon seit 2009 bzw 2011, also zwischen 5 und 7 Jahren. Und der Bärenmarkt bei Rohstoffen und den Emerging Markets, geht nun ins fünfte Jahr.

Natürlich sind die Notenbanken mit ihrem historisch einmaligen Experiment der grossen Geldschwemme, wesentliche (wenn auch nicht alleinige) Treiber bei diesem Spiel und wir wissen alle nicht, ob das gut ausgehen wird.

Die Notenbanker wissen es aber selber nicht, auch wenn sie natürlich den Anschein der Allmacht unbedingt aufrecht erhalten müssen, sonst würde mehr zusammen brechen, als ein paar Egos. Denn würden sie die Zusammenhänge und Mechanismen wirklich verstehen, mit denen die Märkte auf ihre "kreativen" Massnahmen in der Realität reagieren, wäre die Politik der Notenbanken ja schon längst erfolgreich gewesen.

Ist ist aber nicht, die Notenbanken konnten bisher weder die Konjunktur ernsthaft anschieben, noch ihre Inflationsziele auch nur ansatzweise erreichen. Und ob die US Wirtschaft nicht auch alleine aus dem Loch gekommen wäre - und das dann mit mehr Dynamik als aktuell - wenn sich die FED die ganzen QE Programme nach dem Auslaufen der unmittelbaren 2008er Krise gespart hätte, werden wir nie heraus finden, weil wir kein Paralleluniversum zur Verfügung haben.

Insofern sind aber auch die Selbstbeweihräucherungen eines Ben Bernankes, dass die Politik der FED die Weltwirtschaft gerettet habe, mit äusserster Vorsicht zu geniessen. Ebenso wie die Selbstvergewisserungen Mario Draghis, dass seine Politik zwangsläufig zum Wohle Europas sei.

Solche Selbstgewissheiten beruhen auf einem interventionistischem Weltmodell der Planbarkeit von Wirtschaftszyklen, das keineswegs der heilige Gral der Ökonomie ist, den es sowieso nicht gibt. Richtig war es, in der 2008 Krise mit der Geldpolitik dagegen zu halten, um diese abzufedern. Darüber gibt es keinen Dissens. Und auch, dass man mitten in der Eurokrise den Staaten erst einmal ein wenig Zeit kaufte, hatte Logik.

Aber ob diese immer gleiche Medizin auch in 2015 und 2016 noch Sinn hat? Das ist stark in Frage zu ziehen. Nach Jahren und Jahren der immer gleichen Arzneigabe ohne durchgreifende Besserung, wäre es für gute Ärzte ja eigentlich mal Zeit, die Wirksamkeit der Therapie zu hinterfragen. Diese Frage wollen sich die Notenbanker der Gegenwart aber wohl nicht stellen, lieber macht man weiter mit dem, was schon bisher kaum funktioniert hat.

Aber wie auch immer, auch wenn die Notenbanken die Ursache vieler Bewegungen sind und auch am grossen Bullenmarkt seit 2009 bzw 2011 ihren Anteil haben, brauchen sie einen Transmissionsriemen, um ihre Politik in der realen Wirtschaft ankommen zu lassen. Das Kreditgeschäft ist so ein Transmissionsriemen, der wahrscheinlich Bedeutendste für die Märkte, sind aber die Währungen.

Die Währungsbewegungen sind es, die auch in 2015 ganz massgeblich für Erfolg oder Misserfolg der Geldanlage entscheidend waren und es weiter sein werden. Erinnern wir uns nur an das erste Quartal mit der grossen Rally im DAX, die in Euro grandios aussah, aus Sicht eines US Anlegers aber weit weniger beeindruckend war, weil ein grosser Teil schlicht dem Wechsel des Euros zur Weichwährung geschuldet war.

Wenn man so will, waren also viele Gewinne die DAX Anleger in dieser Zeit auch "Scheingewinne", weil das Depot zwar nominal höher stand, der Wert des Depots im Vergleich zu einem weltweiten Währungskorb aber keineswegs so gestiegen ist. Und in einer globalisierten Welt, ist es halt eine Illusion, nur auf die eigene Währung zu schauen, denn wenn man Waren oder Leistungen aus anderen Währungsräumen bezieht, zahlt man den bitteren Preis der Abwertung.

So möchte ich in Abwandlung von Bill Clintons berühmtem "It's the economy, stupid", allen die das nicht sehen wollen nun zurufen: "It´s the currencies stupid!"

Was hier los ist, zeigt uns wunderbar das langfristige Chart des Währungspaares Euro und Dollar:

Dollar 01.12.15

Wir sehen den massiven Absturz des Euros von 2014 bis zum Ende des 1. Quartals 2015, der seit dem von einer Seitwärtskonsolidierung abgelöst wurde. Wenn Sie im Euroraum das Gefühl hatten, dass viele Waren von US Unternehmen teurer wurden, hier ist der Grund zu sehen.

Nun gibt es zwei typische Varianten. In der Einen, wird das ein Doppelboden und der Euro steigt von hier wieder zum Dollar.

In der Anderen, war das nur eine Zwischenkonsolidierung und eine zweite Abwärtsspirale setzt sich in Gang, die typischerweise von Art und Umfang her, der ersten Phase in 2014 ähnelt. Was bedeutet, dass in dem Fall EURUSD bei der Parität nicht halt machen würde, sondern durch fällt.

Welche der beiden Varianten nun zum Tragen kommt, werden die beiden Notenbank-Entscheidungen am 03.12. bei der EZB und am 16.12. bei der FED letztlich präjudizieren. Diese Bewegung von EURUSD aber richtig zu treffen, dürfte *die* entscheidende Frage sein, die über Wohl und Wehe der Depots in 2016 entscheiden wird.

Denn wenn EURUSD weiter durch die Parität durch fällt, werden die US Börsen zunehmend unter Druck geraten und in Europa dagegen zunächst eine fröhliche Rally ablaufen, zumindest nominal in Euro gerechnet. Und das Elend der Rohstoffe und der Edelmetalle, ist dann lange, lange noch nicht am Ende. Auch eine massive Krise in den Emerging Markets dürfte dann aufziehen, da diese unter einem starken Dollar leiden und einen erneuten massiven Anstieg des Dollars wohl nicht verkraften können.

Wenn EURUSD hier aber zum Doppelboden ansetzt, könnte 2016 zum grossen Jahr der Rohstoffe und Edelmetalle werden, die Emerging Markets werden dann ein Comeback erleben und die US Börsen neue Höhen erklimmen. Die ohnehin anämische Konjunktur in Europa wird aber nicht ans Laufen kommen und die Lebenslügen der Eurozone noch stärker an die Oberfläche treten, was den DAX sehr nach oben begrenzen dürfte.

Das Interessante an der aktuellen Ausgangslage ist, dass der Markt derzeit eine glasklare Erwartung hat, die bisher die Tendenz von EURUSD nach unten unterstützt hat.

Der Markt erwartet einen massiven neuen Stimulus der EZB übermorgen am Donnerstag. Die EZB hat sich dafür kommunikativ zu deutlich aus dem Fenster gelehnt, um nun nichts zu machen.

Und der Markt erwartet nun eine Zinserhöhung der FED Mitte Dezember, ist sich nur noch nicht schlüssig, ob das nun der Beginn eines längeren Erhöhungs-Zyklus oder nur eine einmalige Aktion sein wird.

Beide Erwartungen drücken bisher EURUSD weiter nach unten, weswegen der nun die Tiefs von Anfang 2015 erneut testet. Das taktische Problem ist aber, diese Erwartungen sind wohl schon weitgehend eingepreist und können für sich keine weitere Abwärtsbewegung mehr stützen.

Wenn die EZB die aufgeblasenen Erwartungen also leicht enttäuscht und die FED klar zu verstehen geben sollte, dass auf eine einmalige Erhöhung, erst mal keine weiteren folgen werden, fällt die Logik der aktuellen Bewegung bei EURUSD in sich zusammen und der Doppelboden kommt schnell auf die Agenda.

Das ist die grosse Frage der kommenden Wochen vor Weihnachten. Wer diese Frage nicht richtig trifft, wird ein deutliches Problem im Depot haben.

Man muss sich wirklich fragen, was die Notenbanken reitet, so eine entscheidende Wegscheide direkt in die Vorweihnachtszeit zu legen und damit die Märkte gerade zur massiven Gezeitenwende in 2016 hinein einzuladen. Aber wie auch immer, die Frage der Währungen ist die grosse Frage, der wir uns im Notenbank-Dezember stellen müssen.

Im Premium Bereich haben wir dieses Szenario schon lange auf dem Radar, konnten damit die "Buy the Rumor" Rally in die EZB hinein seit Anfang Oktober mitnehmen und sind uns im Klaren, was eine bestimmte Entwicklung für die Rohstoff- und Edelmetallmärkte bedeuten würde. Auch einzelne Gelegenheiten legen wir uns dazu schon zurecht.

Bei den fraglichen Terminen, werden wir dann eng dran sein, um sofort die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wenn Sie das auch wollen und frühzeitig mitbekommen wollen, wie sich diese Sache entwickelt, stossen Sie doch zu uns dazu!

Ihr Hari

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Bernanke, Premium, Tesla und Solar – Das Jahr 2013 auf Mr-Market

Liebe Leser,

ein spannendes, ereignisreiches und erfolgreiches Jahr auf Mr-Market.de, nähert sich langsam der Zielgeraden.

Es war ein sehr erfolgreiches Jahr für uns auf Mr-Market. Gerade für die grossen institutionellen Anleger, war es aber teilweise auch ein schwieriges Börsen-Jahr.

Erfolgreich war 2013, weil uns der Markt eine grosse Zahl hoher Gewinne beschert hat.

Erinnern Sie sich noch, wie wir im Mai von Anfang an dabei waren, als die von uns intensiv beobachtete Tesla Motors Aktie, mit Macht abhob und sich innerhalb von 6 Monaten bis zum Hoch verfünffachte ? Oder wissen Sie noch, wo der Solarsektor oder 3D Systems am Jahresanfang standen, die uns eine Verdoppelung des Einsatzes ermöglichten ? Für Trader war 2013 ein Traum, selten habe ich so viele, so sensationelle Kursraketen erlebt wie 2013.

Schwierig war das Jahr aber auch und das weniger für Trader, sondern mehr für Investoren, die auf eine Diversifizierung ihres breiten Portfolios achten müssen und sich nicht erlauben können, Risiken und technische Überdehnungen einfach blind auszublenden.

Denn mit dem gnadenlos nach oben strebenden Markt, konnte man als breit aufgestellter Investor in 2013 nur mithalten, wenn man alle Risiken ignorierte und jeden Dip kaufte, sobald er auftrat. Rationale Vorsicht, Diversifizierung, Cashbestände, Absicherung und Hedging - all die Fähigkeiten, die einen guten Portfoliomanager auszeichnen - wurden in 2013 eher nicht belohnt, sondern bestraft. Ich habe selten so viele V-förmige Reversals gesehen, wie in 2013.

Und weil solche V-förmigen Reversals eigentlich ungewöhnlich sind und durch den Liquiditätsdruck der Notenbanken in 2013 immer wieder die natürlichen Schwingungen der Märkte kurz geschlossen wurden, haben sich auch so viele Portfoliomanager in 2013 schwer getan und hinken nach dem was ich lese und höre, hinter der Performance von DAX und S&P500 hinterher.

Das ist aber nach meiner Ansicht kein Grund sich zu grämen, denn absolute Performance-Zahlen sagen ohne Kontext sowieso nichts und damit zu klappern ist kompletter Humbug. Performance kann immer nur im Verhältnis zur Grösse des Depots, der Strategie und dem Zeithorizont betrachtet werden und muss vor allem im Verhältnis zum eingegangenen Risiko bewertet werden. Eine Strategie, die in 2013 vielleicht dazu führte, dass man bei geringerem Depotrisiko am Ende ein paar Prozent gegenüber dem DAX hinterher hinkt, wird beim nächsten Absturz - und auch der wird kommen - dafür sorgen, dass man diesem aus dem Wege geht.

Auch ich selber habe diesen Dualismus des Jahres 2013 in meinen verschiedenen Depots bemerkt. Während es als dem Trend folgender Trader in 2013 leicht war, den Markt zu schlagen - dafür sorgten eben die ganzen Kurs-Raketen ala Tesla und Co. - war es als auf langfristigen, sicheren Ertrag ausgerichteter Investor, mit breit aufgestelltem Portfolio, eher schwierig, mit DAX, S&P500 und Co. vollständig mitzuhalten.

Alles in allem war es aber ein tolles und vor allem historisches Börsenjahr. Die Notenbanken waren zwar schon immer wichtig, aber in meiner Erinnerung der letzten ca. 25 Börsenjahre, gab es kein Jahr, in dem die Notenbanken so dominant für die Marktentwicklung waren wie 2013.

Abgesehen vom Markt selber, war 2013 aber auch deshalb für Mr-Market ein erfolgreiches Jahr, weil der Start des Premium-Bereiches im April zu einem schönen Erfolg geworden ist, auf den ich sehr stolz bin.

Mr-Market ist damit einer der ersten rein privat betriebenen Blogs im deutschsprachigen Raum, dem die Professionalisierung gelungen ist und der sich damit von allerlei bunt blinkenden Bannern und der Dominanz SEO geprägter Klickzahlen emanzipiert hat.

Denn diese Dominanz von Klickzahlen und SEO im Internet, fördert nach meiner Meinung nicht die Qualität des Contents, sondern fördert eher marktschreierisches Gebaren und lautes mediales Geklapper, dass mit allerlei Schlagwörtern im Titel auf Leserfang geht. Die Relevanz des Contents steht dann oft im diametralen Gegensatz zur Bugwelle der Überschrift.

Mag dieses mediale Geklapper im Unterhaltungsbereich bei den Berichten aus den diversen Königshäusern ja noch problemlos sein, weil ausser Zeitaufwand kein Schaden entsteht, ist es aber im Börsenumfeld besonders tückisch, wenn sich Leser davon zu Handlungen treiben lassen. Denn Mitglieder von Mr-Market wissen: was jeder weiss und worauf sich alle vorbereiten, kann genau deswegen an der Börse nur schwerlich eintreten. Dafür sorgt die Reflexivität der Märkte.

Der Erfolg des Premium-Bereiches ermöglicht uns nun, intensiv und sachlich zu diskutieren, uns gegenseitig zu helfen und uns auszutauschen. Und gemeinsam zu lernen und unsere Techniken im Kampf mit Mr-Market zu verbessern.

Und "wir" ist dabei eine dreistellige Community engagierter Leser, von denen viele auch in den Foren aktiv sind und eigene Ideen beitragen. Es ist uns gelungen, eine Community zu etablieren, die von Fachkenntnis aber auch Respekt voreinander geprägt ist und von der alle nur profitieren können. Foren-Trolle und notorische Rechthaber sind hier nicht existent und das wird auch so bleiben.

Ich möchte daher bei dieser Gelegenheit allen Premium-Mitglieder herzlich für das Vertrauen und die Unterstützung danken, die Sie diesem Blog in 2013 gegeben haben ! Besonders gilt mein Dank aber den vielen aktiven Mitgliedern, die mit eigenen Beiträgen und teilweise auch eigenen Artikeln die Community nach vorne bringen und zu einem Ort machen, an den man gerne jeden Tag zurück kehrt.

Ich bin stolz darauf, Teil dieser Gemeinschaft zu sein und ich verspreche, in 2014 nicht nachzulassen und mit der gleichen Energie weiter am Erfolg von Mr-Market zu arbeiten.

Denn selbst wenn viele nun hier her gefunden haben und Mr-Market nun als ihre Börsenheimat verstehen, es könnten noch viel mehr sein. Denn der Bedarf an wirtschaftlich unabhängigen, seriösen und kompetenten Informationen und Anleitungen zu den Finanzmärkten ist immens. Das Hauptproblem ist eher, dass die Menschen nur schwer zu den wenigen Stellen in einem Meer von Informationen finden, die wirklich etwas zu sagen haben, das über die Nacherzählung der diversen Geschehnisse hinaus geht.

So weit zu einem tollen Jahr 2013. Und dieses tolle Jahr war für mich auch ein arbeitsames Jahr, zusammen mit meinen eigenen Aktivitäten am Markt, habe ich hier nun einen neuen Fulltime-Job, der mich auch oft noch spät in den Abendstunden schreiben und diskutieren lässt, wie die Premium-Mitglieder wissen.

Deshalb brauche ich jetzt auch einmal eine Auszeit und werde mir diese in der einzigen Zeit des Jahres nehmen, in der auch die Börse mal weitgehend ereignislos ist.

In der Zeit vom kommenden Samstag 21.12.13 bis einschliesslich dem 06.01.14, wird daher hier im freien Bereich nicht mehr viel passieren. Ich schliesse einen neuen Artikel nicht perse aus, rechnen Sie aber nicht damit. Ab 07.01.14 bin ich dann wieder voll da.

Im Premium-Bereich werde ich meine Aktivitäten auch deutlich herunter fahren, dort werde ich aber nach Lust und Laune vielleicht den einen oder anderen Kommentar oder Artikel schreiben und wir werden uns in der Community auch über den Jahreswechsel sicher intensiv im Forum austauschen. Gerade grundsätzliche Fragestellungen bespricht man ideal in dieser Zeit, in der man nicht permanent von der Hektik des Börsengeschehens getrieben wird. Und insbesondere die Frage, welche Aktien in 2014 zu den neuen Favoriten gehören dürften, ist ja hoch spannend.

Für den Dienstag 07.01.14 ist dann - zum Start des neuen Börsenjahres auf Mr-Market - auch gleich um 12 Uhr wieder ein "Lunchtalk" mit der Wirtschaftswoche geplant, vielleicht merken Sie sich diesen Termin schon einmal vor.

So, nun bleibt mir nur, Ihnen ein paar schöne Festtage zu wünschen und falls Sie nicht zu den Premium-Mitgliedern gehören, auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr !

Machen Sie es gut und halten Sie die Ohren steif ! Wir lesen uns 2014 !

Ihr Hari

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S&P500 und DAX – Korrektur oder Bärenfalle ?

Gestern war ein unschöner Tag an den Märkten. Es gab Gewinnmitnahmen quer Beet, beinahe keine Assetklasse war davon unbetroffen.

Und besonders bemerkenswert ist, dass der Leitindex S&P500 nun kurz davor steht, eine deutlich geformte Schulter-Kopf-Schulter Formation (SKS) auszulösen, die typisch für eine zumindest temporäre Topbildung ist:

S&P500 Stunden 12.12.13

Diese SKS haben wir hier im Premium-Bereich schon seit Tagen als relevante Möglichkeit verfolgt und sind insofern nicht überrascht. Die wirklich spannende Frage ist, durchschlägt diese nun die Nackenlinie nach unten und löst damit die Formation - nach dem klassischen Retest von unten - auch aus ? Die relevante Nackenlinie liegt dabei irgendwo etwas unter 1780 USD. Den exakten Verlauf der Nackenlinie kann man in der Regel erst dann endgültig festlegen, nachdem die Formation getriggert ist und Realität wurde.

Es wäre die erste deutlich bärische Formation, die im S&P500 seit langer, langer Zeit triggern würde und diese hätte insofern Bedeutung über den Tag hinaus.

Vergessen Sie aber bitte nicht, dass eine SKS nur dann einen statistischen Edge generiert, wenn sie wirklich ausgelöst wurde. Vorher ist es nur eine Möglichkeit und das ist (noch) die aktuelle Situation.

Denn wir sollten dieses Jahr nicht den gleichen Fehler immer wieder machen und nur aufgrund erster Warnzeichen sofort zu bärisch werden. Vorsicht ist gerechtfertigt, Panik und Kursschlussreaktionen aber nein !

Auf der Seite der Bullen gibt es nämlich auch gewichtige Argumente.:

Erstens die Historie, nach der die erste Dezemberhälfte ganz typisch für Schwäche und eine Konsolidierung ist, während die zweite Dezemberhälfte typischerweise sehr stark ist.

Zweitens die Tatsache, dass der Markt jetzt schon die Befürchtungen vor einem Tapering zur FED-Sitzung kommenden Mittwoch den 18.12. einpreist. Das schafft Raum für positive Überraschungen. Denn ganz ehrlich, ich persönlich wäre eher überrascht, wenn auf einer der letzten Sitzungen mit Bernanke als Chairman - Janet Yellen soll ab 01.02.14 die Führung übernehmen - und dann noch kurz vor Weihnachten, so eine weit reichende Entscheidung getroffen würde. Wohl wissend, dass der Markt seine Anpassungsbewegungen dann zum volumenarmen Jahreswechsel vollziehen müsste. Das ist mehr "Mut", als ich von der FED erwarte, die ja doch sehr vorsichtig mit dem Markt umgeht.

Drittens ist das was wir bisher gesehen haben, kein massiver Abgabedruck, sondern einfach Gewinnmitnahmen quer Beet. Und die sind als solche ganz normal. Warum sollte auch ein Investor, der nun auf 20% oder 30% Gewinn sitzt, davon nicht mal etwas mitnehmen und sich ruhige Weihnachten gönnen ?

Und letztlich und viertens zeigt auch das Tageschart des S&P500, dass hier nun Raum für eine Korrektur ist, aber der übergeordnete Aufwärtstrend sich noch nicht im Entferntesten in Gefahr befindet:

S&P500 Tag 12.12.13

Man kann Trendlinien auf vielfältige Arten und Weisen zeichen und es gibt nie "die" Trendlinie, denn sie sind keine objektiven Marken, sondern nur Visualisierungen einer Bewegung. Aber egal wie man zeichnet, eine Korrektur herab bis ca. um die 1720 im S&P500 wäre völlig normal, gesund und kein Grund zur Panik. Und natürlich wäre der DAX dann auch wieder deutlich unter 9000. Aber wäre das wirklich so schlimm ? Erinnern Sie sich noch, wie lange 8000 wie eine kaum erreichbare Marke aussah und wissen Sie noch, wann der DAX diese Marke überhaupt wieder geschafft hat ?

Was heisst das nun konkret für uns als Anleger:

Erstens ist es rational, wenn man auf Gewinnen sitzt, diese nun teilweise zu realisieren und es zum Jahresende mal gemütlicher anzugehen.

Zweitens ist es rational, nun Vorsicht walten zu lassen, sich genaue Stopmarken zu definieren, sich ein Risikomanagement zurecht zu legen und damit für den Fall gewappnet zu sein, falls der S&P500 tatsächlich herab bis 1720 zu korrigieren beliebt.

Drittens ist es rational, im Zuge dieser Vorsicht nun Positionsgrössen abzubauen und ganz generell Risiko aus dem Depot zu nehmen.

Irrational ist es aber, nun den grossen "Top" auszurufen, diesen Markt aggressiv zu shorten und generell in Panik zu verfallen. Dafür gibt es noch überhaupt keinen Anlass. Unterschätzen Sie nie die Kraft des Bullen.

Was hier gerade passiert, kann sehr wohl nur der Dip sein der erfrischt. Und genau im Januar, wo fast jeder der zwei Beine und zwei Arme hat nun von einer Korrektur ausgeht, kommt dann eine erneute Jahresanfangsrally. Genau genommen spricht die aktuelle Konsolidierung genau dafür, dass hier mal wieder einige diesen Bias der Jahresanfangkorrektur haben und ihr aus dem Weg gehen wollen. Sie wissen aber auch, dass das was alle erwarten und wo sich jeder darauf vorbereitet, am Markt eher selten passiert. Oder ?

Statt zu raten und uns von unseren Emotionen treiben zu lassen, lassen wir also lieber den Markt entscheiden. Jetzt sagt der Markt uns: etwas Vorsicht kann nicht schaden. Der Aufwärtstrend ist aber erst dann gebrochen, wenn er gebrochen ist. Und hat solange unseren Respekt verdient !

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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Die Rohstoffe, das US Debt Limit und der US Dollar

19:25 Uhr. Die Rohstoffe und die damit verbundenen Trades, haben uns hier auf Mr-Market seit Anfang Juli viel Freude gemacht. Frühzeitig sassen wir in diesem Trade drin, der durch FED Chef Bernanke, aber auch bessere Wirtschaftsdaten aus China ausgelöst wurde.

Schon mehrmals habe ich Ihnen das Segment beispielhaft am ETF -> iShares Europe Basic Resources (WKN: A0F5UK) <- gezeigt, in dem unter anderem die Rohstoffriesen wie BHP Billiton (WKN: 850524) oder Rio Tinto (WKN: 852147) enthalten sind. Schauen wir also mal auf das aktuelle Chart mit Tageskerzen:

Basic Resources 26.09.13

Alles in Butter, kann man da nur sagen und man sieht, welch schöne Gewinne in dem Sektor seit Anfang Juli möglich waren. Der Trend ist eindeutig nach oben, nach Lehrbuch von höheren Tiefs geprägt und bisher nicht in Gefahr.

Und trotzdem werde ich nun etwas unruhiger und vorsichtiger, was den Sektor angeht. Und das hat zwei Gründe.

Erstens steuert der Sektor nun auf die Entscheidung zu, ob die seit Anfang Juli zu beobachtende Stärke nur eine Gegenbewegung im übergeordneten Abwärtstrend ist, oder ob es sich hier um eine grosse, langfristige Trendwende handelt. Beides ist immer noch möglich.

Auch das kann man anhand des obigen ETFs schön visualisieren, wenn wir das identische Chart von oben nun auf Wochenkerzen aufzoomen und damit einen Blick zurück bis 2009 bekommen:

Basic Resources Wochen 26.09.

Jetzt darf man bei so Branchen-ETFs, noch dazu in Euro notierend, solche Trendlinien nicht überbewerten. Denn letztlich gibt es unzählige Arten in den Sektor zu investieren und alle diese Arten stellen den gesamten Sektor dar und haben teilweise leicht unterschiedliche Charts, weil alleine durch die unterschiedlichen Darstellungswährungen Divergenzen resultieren.

Trotzdem ist dieses Chart typisch für die Lage des Sektors als Ganzes. Die Entscheidung ob das nur eine Gegenbewegung oder doch eine grosse, dauerhafte Wende wird, ist nicht mehr fern. Heisst aber auch umgedreht, es ist keineswegs gegeben, dass der seit Juli andauernde Aufwärtstrend so weiterläuft. Bisher haben wir diese Gewinne hier gelassen mitgenommen. Nun wird es Zeit weniger gelassen und weit aufmerksamer zu werden.

Noch mehr als dieser Umstand, treibt mich aber die Entwicklung beim US Dollar um, mit dem der Rohstoffsektor typischerweise invers korreliert ist. Ein schwacher Dollar bedeutet in der Regel starke Rohstoffaktien und umgekehrt.

Sie erinnern sich vielleicht an meinen Beitrag von Anfang Juli -> Das Ungeheuer Devisenmarkt <-, in dem ich Ihnen schon den gigantischen “Megaphone Pattern” gezeigt hatte, den ich mir nun, mehr als 2 Monate später, noch einmal anschauen möchte:

Dollar Index 26.09.13

Sie sehen im Chart deutlich, wie der Dollar durch die "No Taper" Überraschung der FED noch einmal massiv gedrückt wurde, nachdem schon vorher die Richtung sowieso nach unten zeigte. Sie sehen damit auch, was letztlich hinter der Stärke der Rohstoffaktien stand, nämlich ein Dollar, der genau zu Bernankes Rede Anfang Juli massiv zu schwächeln begann. Aktuell notiert EURUSD wieder um die 1,35 - wir hatten also eine mehrmonatige Phase des schwachen Dollars.

Und das ist auch, was mich nun zunehmend nervös macht. Für diesen schwachen Dollar, war die Reaktion der Rohstoffwerte in den letzten Wochen viel zu verhalten. Klar, rein vom Chart her ist der Trend intakt, aber ich betrachte die Unfähigkeit des Sektors im Lichte des seit "No Taper" noch schwächeren Dollars eine Rally hinzulegen, als klares Warnsignal !

Nun sieht man auf dem Chart auch, dass der US Dollar Index gerade vielleicht eine Bärenflagge ausbildet, an die sich dann ein letzter Schub anschliessen könnte, der den Dollar herab zur unteren Begrenzung des Megaphones bringen würde. Auslöser könnte eine höhere Nervosität vor der Debt Limit Problematik sein, schon heute hat man bemerken können, wie der Markt beginnt wieder auf das Gerede der Boehners (Republikaner) dieser Welt zu reagieren. Und die Angst vor einem Budgetstop unterminiert das Vertrauen in den Dollar, weswegen es den obigen Kurs weiter drücken sollte.

Dieser letzte Schub nach unten wäre dann sozusagen die letzte Phase, in der die Rohstoffe Unterstützung vom Dollar haben. Dann ist absehbar, dass Anfang Oktober erstens eine Lösung für die Debt Limit Problematik gefunden werden wird. Und zweitens ist absehbar, dass die "To taper or not to taper" Unsicherheit wieder kommen wird - die nächste FED Sitzung ist gewiss und durch das aktuelle Gerede der diversen FED Gouverneure wissen wir, wie umstritten die Entscheidung im September war.

Beide Ereignisse werden voraussichtlich den Dollar massiv stärken, weswegen die im Chart skizzierte Entwicklung gute Chancen hat. Und das Problem ist: wenn ein starker Dollar auf den Rohstoff-Sektor trifft, der bei einem schwachen Dollar schon zuletzt nicht mehr richtig weiter steigen wollte, dann erhöht das die Risiken im Sektor ganz erheblich. Das gilt übrigens auch ausdrücklich für Gold - die Unfähigkeit während einer Phase des schwachen Dollars wieder von der 1300 USD Linie wegzukommen, lässt mich skeptisch eine Augenbraue heben und erhöht die Risiken nach unten deutlich.

Soweit meine Logik, warum ich für den Rohstoffsektor nun wieder aufmerksamer und vorsichtiger werde. Bisher konnte man den Sektor ganz gelassen laufen lassen, zu klar war der neue Aufwärtstrend. Nun aber wird es kritischer.

Das heisst nicht, dass man nun sofort aussteigen muss. Der Trend zeigt immer noch nach oben und vielleicht bekommen wir auch den grossen Ausbruch über den langfristigen Abwärtstrend hinweg. Aber ich werde nach unten den Trades nun nicht mehr viel Platz gewähren und lieber ein paar Gewinne mitnehmen, als in dieser Phase der Unsicherheit zu aggressiv auf der Long-Seite zu stehen. Und auch die finalen Stops werden näher heran gezogen, um nun die Gewinne zu sichern. Denn wenn der Dollar massiv nach oben schiesst, kann es im Rohstoffsektor auch schnell nach unten gehen.

Soweit meine Sicht auf die Zusammenhänge. Ich hoffe es war für Sie hilfreich, um die Grosswetterlage im Sektor besser einzuschätzen.

Wenn Sie dieser Entwicklung nun regelmässig folgen wollen, auch um davon zu profitieren, dann lade ich Sie herzlich ein, zum Premium-Bereich der Mr-Market Community dazu zu stossen. Die weit überwiegende Mehrzahl der hier im Blog aktiven Leser ist schon dabei. Im Premium-Bereich besprechen wir diese Themen immer wieder und verfolgen gemeinsam die täglichen Volten von Mr. Market. Eine grobe Übersicht der letzten Artikel im Premium-Bereich, finden Sie im Blog rechts oben.

Ihr Hari

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Charts des Sommers – US Bonds (TLT) und Volatilität (VIX)

Anhand des TLT, des ETFs langlaufender US Staatsanleihen, kann man erkennen, dass es Bernanke möglicherweise gelungen ist, den Anstieg der Renditen bei den Staatsanleihen zu stoppen.

Der TLT hat die steile Abwärtstrendlinie gebrochen und möglicherweise einen Doppelboden ausgeformt. Zur FED Sitzung am Mittwoch Abend dürfte hier die Entscheidung fallen. Weiter auf fallende Bonds und steigende Renditen zu setzen, könnte riskant sein, zumal das Sentiment nun sehr negativ geworden ist und damit die Märkte zu einer Mean Reversion einlädt.

TLT 29.07.13

Ganz spannend finde ich in dem Zusammenhang auch den Blick auf die langfristige Darstellung der Volatilität seit 2008, hier in Form des CBOE Volatility Index VIX:

VIX 29.07.13

Die Angst scheint aktuell aus dem Markt verschwunden zu sein. Nicht unbedingt der Zeitpunkt, zu dem langfristige Long-Positionen das optimale Chance-Risiko-Verhältnis haben. Das indiziert aber keine unmittelbare Wende und kann noch Monate so weiter gehen. Aber die nächste Krise kommt bestimmt und diese Ruhe wird nicht dauerhaft Bestand haben.

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DAX-Betrachtung: Sommeranfang – Hausseende ?

DAX-Betrachtung: Sommeranfang – Hausseende ?

Ein Gastkommentar von Tokay

Der Sommeranfang 2013 markiert möglicherweise das Ende der seit Spätherbst 2011 laufenden Haussebewegung. Die seit Frühjahr 2009 bestehende größere Hausse ist damit noch nicht beendet, doch sie wird wahrscheinlich in eine mehr oder weniger volatile Seitwärtsbewegung übergehen. Diese Seitwärtsbewegung wäre dann Ausdruck von Unsicherheit über die weitere Richtungsentwicklung.

Betrachten wir dazu das Langfristchart
Auf des Messers Schneide

Hier erkennen wir eine durch C beschriebene Aufwärtsbewegung. Diese Aufwärtsbwegung wurde mehrmals getestet, blieb jedoch erhalten. Sie wird nun erneut getestet und die Trendlinie wird nun sehr dynamisch angelaufen (Kreis am Schnittpunkt). Offenbar haben wir hier eine Reaktion (vielleicht eine Überreaktion?) auf die Andeutungen von Bernanke, der ein Zurückfahren der Anleihekäufe der Fed angedeutet hat.

Gehen wir nun zum mittelfristigen Chart
Auf des Messers Schneide II

Hier haben wir etwa seit Juni 2012 eine markante Aufwärtsbewegung, gekennzeichnet durch die Linie AB. Seit Anfang Mai 2013 beobachten wir nun eine Konsolidierung, markiert durch die Linie CD. Hier fällt nun auf, daß diese Konsolidierung dynamischer verläuft als die vorangeggangene Konsolidierung im Frühjahr (gestrichelte Linie). Dies deutet auf eine erhöhte Rückschlagsgefahr hin und Alarm ist nun unmittelbar im Verzug. In jedem Fall haben wir nun ernste Anzeichen dafür, daß die seit Spätherbst 2011 laufende Haussebewegung sich dem Ende nähert und günstigenfalls in eine volatile Seitwärtsbewegung übergeht.

Tokay

P.S. 24.06.13:
Der seit 2011 laufende Aufwärtstrend wurde heute gebrochen. Ob dauerhaft, ob vorübergehend - das wird sich zeigen. In zahlreichen Kommentaren wird darauf verwiesen, dass der amerikanische Anleihemarkt schon seit einigen Wochen deutlich verloren hat. Nun folgen die Aktienmärkte nach. Dies deutet eher Richtung Deflation, nicht Inflation und ist mindestens ebenso gefährlich.

Auf des Messers Schneide3

Auf des Messers Schneide II 4

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Der Mund des Bernanke und die Ruhe des Hari

Die nächsten 2 Wochen werden Artikel hier etwas spärlicher werden, denn ich erlaube mir - nachdem ich nun fast 12 Monate ohne Pause und Urlaub durchgearbeitet habe - mal eine Zeit der Erholung. Eine Zeit, in der ich nicht mehr jeden Tag rund um die Uhr vor dem Schirm sitze.

Wie ich ja an verschiedener Stelle kommuniziert habe, habe ich mein eigenes Exposure zum Markt nun deutlich reduziert. Verblieben ist alleine ein Teil meiner "Investitionen", in denen ich mich nicht so sehr nach den Bewegungen des Marktes richte.

Trotzdem können Sie auch in diesen 2 Wochen immer mal wieder mit einer Wortmeldung und vielleicht auch mal mit einem Artikel meinerseits rechnen. Kommentare und administrative Aufgaben werden auch in dieser Zeit zuverlässig erledigt. Allerdings kann es auch mal etwas länger als sonst dauern, bis ich mich rühre. Das Forum läuft natürlich ohne Pause weiter.

Anfang Juli bin ich dann wieder voll für Sie da.

Zum Abschluss daher noch ein paar allgemeine Hinweise zum Markt:

Im Premium Bereich habe ich schon heute früh darauf hingewesen, der "Mund Bernankes" Jon Hilsenrath, hat im Wall Street Journal dem Markt grünes Licht gegeben. Es ist an der Wallstreet ein offenes Geheimnis, das die FED über Jon Hilsenrath den Markt vorbereitet. Die FED wird also nächste Woche wohl bestätigen, dass das Ende der Geldschwemme noch weit weg ist. Lesen Sie selbst:
-> Hilsenrath on FED <-

Damit ist viel von der Spannung vor der -> FED Sitzung am 18./19.06. <- nächste Woche aus dem Markt genommen. Diese Nachricht tut dem Markt natürlich gut, von dieser Seite ist ein erneuter Schub bis zu den Höchstständen durchaus möglich.

Ob es dazu kommt, wird wesentlich auch davon abhängen, wie sich die grossen Währungen bewegen. Wenn der Yen wieder zu fallen beginnt, sollten sich die Geldströme wieder umkehren und der Carry Trade wieder kommen. Und damit die alten Favoriten und Dividenden-Bluechips ihre Bewegung wieder aufnehmen. Achten Sie also auf die Währungen und insbesondere das USDJPY Währungspaar.

Wenn allerdings der Markt trotz des grünen Lichts von der FED belieben sollte, durch die starke Unterstützung bei 1600 im S&P500 und 8000 im DAX nach unten zu rollen, dann ist höchste Vorsicht und striktes Risikomanagement geboten.

Das nach meiner Analyse aufgrund der aktuellen Marktsituation für die kommenden Wochen wahrscheinlichste Szenario, ist eine volatile Seitwärts-Bewegung zwischen 1600-1700 im S&P500 und 8000-8500 im DAX, die Bullen und Bären gleichermassen frustrieren wird und in der letztlich, ausser für Daytrader die die täglichen Swings ausschöpfen, nicht viel zu holen ist.

Lassen wir uns überraschen.

Über den Sommer hinweg zu sehen ist seriös nicht möglich. Ein wesentliches Datum auch für die Weltbörsen! wird die Bundestagswahl sein. Denn an Deutschland hängt der Euro und am Euro eine Menge mehr. Ich bin fest davon überzeugt, dass die EZB und Brüssel alles mögliche und mehr dafür tun werden, dass die Eurozone bis dahin für Deutschlands Bürger stabil erscheint. Auch das BVG wird sein Urteil möglicherweise erst nach der Wahl sprechen, wobei der Markt da eher ein "Durchwinken mit gesichtswahrendem aber inhaltlich irrelevantem erhobenem Zeigefinger" erwartet. Insofern haben wir hier möglicherweise ein paar Monate einen "Draghi-Put" im Markt, der zu starke Abwärtsbewegungen konterkarieren dürfte, soweit möglich. Was nach der Wahl dann passiert, ist eine ganz andere Geschichte.

So weit das ganz grobe Bild, wie es sich mir im Moment darstellt. Wir sprechen uns irgendwann im Laufe der nächsten Woche an dieser Stelle.

Ihr Hari

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Doppelboden bei Gold ? Arbeiten die Edelmetalle an der Wende ?

Am gestrigen Pfingstmontag sind im Segment Gold und Silber dramatische Dinge passiert, aber niemand scheint es so richtig zu registrieren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in den grossen Medien immer noch die Geschichte vom schlimmen Absturz erzählt wird (Metall des Teufels), während Silber gestern Abend um 18:15 Uhr Intraday schon fast 15% gestiegen war und eine sensationelle Wende hinlegte. Nicht bemerkt wurde auch, dass der Abverkauf unter geringem Volumen stattfand, während das Volumen im Rebound anzog.

Aber auch Gold hat gestern eine bedeutende Wende hingelegt, schauen Sie mit mir auf das Tageschart von XAUUSD mit Stand heute Morgen 09:00 Uhr :

XAUUSD 21.05.13

Sie sehen den potentiellen Doppelboden, bei dem das zweite Tief über dem ersten liegt. Wenn dieser Doppelboden bestätigt wird, ist das eine bullische Struktur mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Wende !

Entscheidend ist also die Bestätigung und die müsste in den folgenden 3 Tagen - also bis Donnerstag - durch eine starke Bewegung über 1400 USD kommen. Bis dahin ist heute zunächst mit leichtem Bröseln nach unten zu rechnen, nach dem gestrigen Tag kein Wunder. Kurzfristig stellt die 1400er Marke einen starken Widerstand dar.

Morgen gilt es dann, denn am morgigen Mittwoch spricht um 16 Uhr FED Chef Ben Bernanke und um 20 Uhr kommt das FOMC Sitzungsprotokoll in den Markt, dass in der Vergangenheit von den Bären gerne benutzt wurde, um den Sektor nach unten zu prügeln.

Was aber für einen Doppelboden spricht, sind mehrere Faktoren:

Erstens haben wir nun ein extrem negatives Sentiment in Sachen Gold und Silber, die Edelmetalle sind im Moment die am meisten verachtete Anlageklasse. Man kann es auch wunderbar an der typischerweise prozyklischen Presse beobachten. Überall, egal wo man hinschaut, wird vom Ende des Gold-Bullen geredet, Kursziele unter 1000 USD - ja bis zu 500 USD - werden herum gereicht und was findet man dagegen überhaupt nicht mehr ? Eben: Artikel, die eine bevorstehende Rally indizieren. Niemand traut sich mehr mit so einer Meinung heraus, zu gross ist die Angst, wieder auf dem falschen Fuss erwischt und mit Häme bedacht zu werden. Was aber selbst der dümmste Trader und Anleger schon mitbekommen hat, hat keine prognostizierende Wirkung im Markt mehr. Das Herdendenken ist schon wieder in voller Blüte zu bewundern !

Zweitens sind auch alle mir bekannten technischen Indikatoren im extrem überverkauften Niveau. Das gilt insbesondere auch für die COT Daten, in denen man sehen kann, wie professionelle Akteure aufgestellt sind.

Drittens gibt es mittlerweile eine hohe Short-Quote, denn ein Short auf Gold und Silber scheint ein "Sure-Play" zu sein. Diese Shorties werden covern, wenn Gold wieder über 1400 USD steigt und damit den Doppelboden bestätigt. Das erzeugt einen erheblichen Schub unter den Kursen.

Viertens sind entgegen der öffentlichen Rhetorik alle fundamentalen Argumente pro Gold gültiger denn je. Und ja, wir haben schon jetzt erhebliche Inflation, sie steckt halt in den Assetmärkten, wie man unschwerlich an den Indizes erkennen kann. Ich meine, es muss ja auch alles OK sein und Gold wird nicht mehr benötigt, denn Goldman Chef Blankfein hat ja nun die -> Bankenregulierung gelobt <- und glaubt an den -> Fortbestand des Euro <-. Damit wäre ja dann alles geklärt. Wer hier Sarkasmus findet, darf ihn behalten. 😉

Fünftens beobachte ich nicht nur eine Stabilisierung bei Gold und Silber, sondern auch andere verprügelte Rohstoffaktien wie Kohle oder Kupfer zeigen Lebenszeichen. Eine Sektor-Rotation wäre in dieser Phase der Rally nur typisch, denn das heisse Geld sucht nun - nachdem einige Sektoren nun extrem gut gelaufen sind - händeringend nach neuen Gelegenheiten. Am Ende hebt die Flut halt alle Boote, das war schon immer so.

Fazit:

Es gibt viele gute Argumente dafür, dass Gold nun einen Doppelboden gefunden hat. Dagegen steht einfach die Stärke des Abwärtstrends und der ist ja noch nicht gebrochen. In Anbetracht all dieser Faktoren sehe ich die Chancen für den Doppelboden aber oberhalb 50%. Natürlich kann alles wie immer ganz anders kommen, ein weiterer Absturz unter das Tief vom 16.04.13 ist in meinen Augen nun aber nicht mehr die wahrscheinlichere Wette. Und mit dem potentiellen Doppelboden haben wir nun ein hervorragendes Stopniveau, um potentielle Positionen nach unten abzusichern.

Wer ganz sicher gehen will wartet ab, bis Gold das Hoch vom 03.05.14 überschritten und damit dann nicht nur die 1500 USD, sondern auch die 50-Tage-Linie zurück erobert hat. Wenn das passiert ist, gibt es ein starkes Kaufsignal in Form eines dicken, fetten "W" im Chart. Nur dann kann das auch wieder jeder sehen.

Zu einer ähnlichen Sicht - vorsichtig, aber latent bullish - kommt ein Artikel zur gestrigen Bewegung in den Minen -> hier <-, die grossen ETFs wie der GDX stiegen gestern um 6%.

Summa Summarum ist es also zu früh, die Wende bei den Edelmetallen endgültig auszurufen. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung sind die Chancen für eine Wende hier aber keineswegs schlecht.

Ihr Hari

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