Die Marktlage Ende Februar

Kommende Woche mit den bayrischen Faschingsferien, ist auch dieser Blog im Ferienmodus, es gibt dann im freien Bereich keinen Artikel.

Daher will ich heute auch mal einen groben Blick auf die Marktlage werfen, mein letzter Kommentar dazu hier im freien Bereich ist ja hier in -> Das endlose Zögern und die Unsicherheit <- auch schon wieder 3 Wochen her.

Seitdem hat der Leitindex S&P500 auch die 200-Tage-Linie genommen und klopft nun an die Verlaufshochs des letzten Oktobers und Novembers an. Hinter uns liegt seit dem 26.12.18 eine brutale Stärkephase ohne grössere Pausen, die sich Weihnachten kaum jemand hätte vorstellen können.

Erneut wurde damit das bewahrheitet, was ich Ihnen vor mehr als einem Monat in -> Der neue, alte Markt - Alles wie immer? <- geschrieben habe:

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegungen laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

....

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Auch vor einem Monat wäre es also richtig gewesen, dem Trend weiter zu folgen, hier ist der heutige Stand:

Ein Geruch von 2017 liegt nun in der Luft, als es auch beständig nur nach oben ging und man über Monate auf ein Retracement wartete, das dann nie kam.

Dieses Mal haben wir aber eine andere Grundlage, man sieht im Chart sehr gut, dass die Bewegung unter die 2.600er Zone, die Anfang Dezember begann, eine "Anomalie" war.

Denn eigentlich war der Markt am 03.12.18 mit dem G20 Treffen bereit, einen Boden zu finden und in das traditionell starke Jahresende zu wechseln. Was dann ab dem 04.12. kam, waren aber brutale Abgaben des großen Geldes, die auf zwei Faktoren beruhten, die sich gegenseitig bedingen:

Einerseits machten Rezessionsängste die Runde, die aber unsubstantiiert waren. Ich erinnere als ein Beispiel nur an das ganze Gerede um die invertierte Zinskurve, das ich schon letzten Sommer kritisch kommentiert habe. In einem reflexiven Markt reicht es aber, dass die einen verkaufen, damit auch andere verkaufen und sich die Karawane in Bewegung setzt.

Andererseits machte die FED mehrere kommunikative Fehler, von denen Jerome Powell in der FED-Sitzung vor Weihnachten den Allergrößten gemacht hat und damit die obigen Ängste erst richtig befeuert hat. Powell wurde vom Markt schwer bestraft und schon wenige Tage danach merkte man, wie die FED versuchte zurückzurudern.

Mittlerweile sind die unmittelbaren Rezessions-Ängste wieder vom Tisch, das Geraune von einer Rezession in der Zukunft gibt es immer und hat als Geraune ohne harte Daten, keinen gesteigerten Wert. Und die FED hat sich 180 Grad gedreht und ist nun so taubenhaft, wie man nur sein kann. Natürlich ist das in die Zukunft hinein ein Problem, weil nun Mittel schon verschenkt wurden, aber es hat eben diese Rally befeuert.

Was wir oben im Chart vor uns sehen, ist also kein 2017, es ist die Korrektur einer Anomalie, einer Fehlbewertung des Marktes, die zu einem guten Stück mit der Richtungsänderung der FED zu tun hat. Ein schönes Sprichwort zum Vorlaufindikator Aktienmarkt sagt ja:

The stock market hat predicted 9 of the past 5 recessions

Das war also wieder so ein Fall, der Vorlaufindikator des Marktes ist höchst sensibel und ahnt Ungemach immer lange *vor* den ökonomischen Daten, was aber das Risiko in sich birgt, dass nicht jeder Warnung dann auch wirklich ein Problem folgt. Trotzdem lohnt es sich den Markt ernster zu nehmen als ökonomische Daten, denn es gab keine Rezession, die der Markt nicht als Erster gerochen hat, nur sind leider auch ein paar Fehlsignale dabei, wie im Dezember.

Nun sind wir also eigentlich nur da, wo wir auch ohne diesen verrückten Dezember und Januar hätten sein müssen, streichen Sie den Bereich unter der grünen Unterstützung einfach gedanklich weg. 😉

Stand heute haben wir also einen sehr starken Markt, der nun aber klar überkauft ist und im Bereich ca 2.800 im S&P500 in eine erneute Widerstandszone läuft.

Von hier ein Rücksetzer in den kommenden 2 Wochen, wäre also alles andere als ein Wunder, der Markt ist aber so stark, dass man davon ausgehen kann, das die Unterstützung um 2.600 mit Präferenz auch bei einem Retracement halten wird.

Gleichzeitig zeigen andere Märkte, die ja teilweise das ganze Jahr 2018 im Bärenmarkt waren, nun auch klare Lebenszeichen, schauen Sie zum Beispiel mal auf die Struktur die sich im MDAX aufbaut, das sieht auch nicht so schlecht aus:

Summa Summarum ist die Lage geprägt von:

  • einem sehr starken Markt, dem mittelfristig noch Einiges zuzutrauen ist. Starke Märkte sterben nicht so schnell, wie wir oft erlebt haben.
  • kurzfristig einer überkauften Marktlage, so dass ein markantes, scharfes Retracement nun jederzeit um die Ecke kommen kann.
  • den Handelsgesprächen als dem großen Katalysator - ein Sell-the-News Effekt nach Abschluss einer eigentlich positiven Einigung, wäre kein Wunder, nachdem der Markt nun wochenlang in Hoffnung hochgeschoben ist.
  • einer starken Unterstützung im S&P500 bei ca. 2.600, die wenn sie überhaupt erreicht wird, mit Präferenz halten sollte.
  • anderen Weltmärkten in Europa und den Emerging Markets, die seit Anfang 2018 im Bärenmarkt waren und nun erhebliches Aufholpotential besitzen.
  • diversen abstrakten Risiken wie Brexit, den "Mueller Tapes", der Kreditsituation in China usw, die immer als gute Argumente der Bären dienen, aber der Regel "it doesn´t matter until it matters" unterliegen.

Wir sollten also kurzfristig etwas mehr Vorsicht an den Tag legen und auch mal mit einem scharfen Retracement rechnen, können aber mittelfristig für 2019 weiter positiv sein.

Und gibt es einen Faktor, der das ganze Gebäude zum Einsturz bringen könnte und uns in eine noch schlimmere Korrektur als im Dezember drücken? Ja zwei sogar!

Einerseits eine von Italien ausgehende Zerstörung der Eurozone. Ich rechne damit nicht in naher Zukunft, vorher wird die EZB noch "everything and the kitchen sink" auf das Problem werfen und auch Dinge wie noch tiefere Negativzinsen angehen. Und erst dann irgendwann in der Zukunft, ist die Eurozone wohl "reif", weil die Spannungen dann unerträglich werden.

Darauf jetzt zu wetten, wäre also wohl ein Verlustgeschäft, denn -> zu früh ist am Markt nur ein anderes Wort für falsch <-

Andererseits ein Scheitern der Handelsgespräche. Wenn diese Gespräche in Vorwürfen und einem Handelskrieg zwischen US und China enden sollten, dann wird das Gebäude kippen, davon bin ich überzeugt und dann sehen wir die Tiefs vom Dezember wieder.

Nur wie wahrscheinlich ist das? Xi wie Trump haben nun ein Incentive sich zu einigen und insbesondere Trump will in gut 18 Monaten wiedergewählt werden und kann daher keine Rezession gebrauchen, die seine Wähler im "Rostgürtel" besonders hart treffen würde.

Also, die Lage ist mal wieder schwierig aber nicht hoffnungslos. 😉 Dem -> Optimismus sollte mittelfristig weiter eine Chance gegeben werden <-, auch wenn kurzfristig nun erhöhte Vorsicht sinnvoll ist.

Und wenn doch eines der großen Desaster wie oben eintritt, dann sollte man *dann* darauf zügig und konsequent reagieren und nicht versuchen im Vorfeld auf etwas zu wetten, dessen Eintreffen völlig im Ungewissen ist.

Ich wünsche gute Entscheidungen und schöne Faschingsferien!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Eine andere Bilanz des Zustands Europas – 7 Jahre nach der Eurokrise

Bald 7 Jahre ist es her, dass die Eurokrise im Herbst 2011 massiv ihr hässliches Haupt erhoben hat. Und nun im Jahr 2018, befindet sich Europa wieder in einer existentiellen Krise, die nur vordergründig auf einer ganz anderen Problematik beruht.

Denn hintergründig, sind nach meiner Ansicht die gleichen Mechanismen am Werk, die 2011 erst die Lage haben so eskalieren lassen: Formelkompromisse, Machterhalt, wirtschaftliches Analphabetentum, Schaufensterpolitik, Etatismus und Kuhhändel, sind die Stichworte dieses Politikstils, der die Lösung nicht in der Substanz, sondern im kleinsten gemeinsamen Nenner findet.

Ohne diese Mechanismen, statt dessen mit zupackenden, pragmatischen, realitätsbezogenen Maßnahmen im europäischen Geiste, hätte es zu dieser Strukturkrise Europas in 2018 nie kommen müssen. Denn auch die Migrations-Krise hat wenn man sie ohne Scheuklappen betrachtet, logische Lösungsansätze, die sich allerdings wie jeder Realismus, nicht mit Hypermoralismus vertragen. Viele negative Entwicklungen die Europa in den letzten Jahren erlebt hat - der Brexit gehört auch dazu - sind nach meiner Ansicht letztlich die Folge des oben beschriebenen Politikstils.

Und viel Wasser ist seit dem Herbst 2011 den Rhein herabgeflossen und viel Papier wurde mit wohlklingenden Formulierungen bedruckt, wie der Euro doch so wunderbar "gerettet" wurde, alles ganz fundiert vom Ende her gedacht - schon klar.

Auch zum Thema Griechenland dringen nun Nachrichten zu uns, dass das Land ja die Krise überwunden hätte. Das glaubt zwar nur, wer der Grundrechenarten nicht fähig ist, da sich aber die Öffentlichkeit herzlich wenig für die Hintergründe dieser Behauptung interessiert, kann man alles Mögliche zur gefühlten Wahrheit umdefinieren.

Das soll jetzt hier aber nicht Thema sein, weil mit länglichen Argumentationen, mit Zahlen und Herleitungen, erreicht man nur die kleine Minderheit, die sowieso schon von alleine in der Lage ist, die Insolvenzverschleppung in Griechenland zu erkennen. Einen Aha-Effekt, erreicht man bei der Mehrheit so nicht.

Ich will mich daher dem europäischen Problem mal auf ganz andere Art und Weise nähern, vielleicht ist das ja eindrucksvoller, gerade weil es nicht argumentiert, sondern nur etwas zeigt.

Wir wissen, dass die Aktienmärkte der Vorlaufindikator der Wirtschaft sind und ihre Kursentwicklung in der Regel ein getreuliches Bild der wirtschaftlichen Leistungskraft abgeben. Wenn die Aktienmärkte am Boden sind wie 2008, dann gibt es in der Regel auch ein substantielles Problem in der Weltwirtschaft. Und wenn sie auf Höchstständen sind, zeigt es wie die Wirtschaft "brummt".

Ich denke das ist unstrittig, auch wenn die Kursentwicklung nicht alleine davon abhängt. Aktienmärkte sind primär von Zukunftserwartungen geprägt und werden auch von schierer Liquidität bewegt, trotzdem bleibt es dabei, dass sie auch ein Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung sind, denn in ihnen werden die Wachstum- und Gewinnerwartungen mit einem Preisschild versehen.

Deshalb wäre es doch mal eine gute Idee zu schauen, wie sich denn die US Aktienmärkte und die europäischen Aktienmärkte seit 2011 im Vergleich entwickelt haben. Ich meine, wenn ich den Tenor einiger Medien nehme, müsste es doch klar sein. Dann haben wir in den US ein dysfunktionales, politisches System am Werk, das mit Donald Trump seinen Höhepunkt der Lächerlichkeit erreicht hat. Kurz, knapp und flapsig gesagt, da drüben scheinen ja nur "Idioten" am Werk zu sein. Nur gut, könnte man da meinen, dass wir in Europa leben, wo wir so gut, nachhaltig und wirtschaftsfreundlich geführt werden - immer vom Ende her gedacht natürlich! Und besser als die "Amis", verstehen wir die Welt ja sowieso. Oder nicht? 😉

Also schauen wir mal und vergleichen seit 2011 den großen S&P500 Index der 500 größten US Unternehmen und den Eurostoxx 50 Index, der 50 grössten europäischen Unternehmen:

Upps! Da muss wohl jemand die Skala vertauscht haben, kann das wirklich sein, dass die US Märkte so nach oben geflogen sind und die europäische Wirtschaft nicht vom Fleck kommt?

Das kann doch nicht sein, so gut wie wir regiert werden und so furchtbar die US!

Halt, da gibt es ja einen Fehler im Vergleich, die Indizes werden in Landeswährung verglichen und da es ja zwischen Euro und Dollar auch Währungseffekte gibt, sollte man den Vergleich fair auf Basis eines Maßstabs, einer Währung also, machen.

Nun gut, machen wir das in der Weltwährung Dollar und nehmen auf beiden Seiten ETFs aus dem Dollarraum, womit die Vergleichbarkeit perfekt gegeben ist. Wir nehmen den größten S&P500 ETF SPY und auf der anderen Seite den größten Eurostoxx 50 ETF FEZ. Und nun schauen wir mal, nun wird man die Leistung unserer europäischen Rettungspolitiker bestimmt sehen können:

Autsch, das ist ja noch schlimmer? Und an dieser Stelle verlasse ich den Boden des obigen Sarkasmus wieder und werde wieder ernst.

Denn es ist tatsächlich schlimmer, weil der Euro in der Zeit zum Dollar weiter gefallen ist, sprich an Außenwert verloren hat, sprich alle Besitzer von Eurobeständen im Vergleich zu Dollarbesitzern ärmer geworden sind.

Da haben Sie also den Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa im Vergleich zu den USA aus Sicht der Kursentwicklung der größten Unternehmen. Und selbst wenn man ein paar Faktoren wie Liquidität aus der Gleichung nimmt, bleibt immer noch genügend Differenz übrig, um das zu einem Dokument der europäischen Schwäche zu machen.

Da sehen Sie, wie gut die Eurozone wirklich "gerettet" wurde. Sie wurde am Leben gehalten, das stimmt. Die Musik wirtschaftlicher Expansion und Innovation, findet aber woanders statt und zwar da drüben über dem Atlantik, wo aus Sicht vieler Europäer die "Idioten" wohnen - je wirtschaftsferner der Autor, desto zuverlässiger wird dieses Urteil gefällt.

Warum der Aufschwung in Europa so jämmerlich ist, hat mit vielen Faktoren zu tun, im Saldo aber mit den Strukturproblemen und Lebenslügen dieses Brüsseler Europas und des Euros, die sich politisch wie oben zeigen.

Dass sich Großbritannien bei der Gestaltung des Brexits nun gerade in den Fuß schießt, ist dabei kein Gegenargument, denn deren politische Vertreter sind auch nicht anders als unsere. Und sich aus dem Brüsseler Verordnungsgewirr zu lösen, wäre eine Aufgabe für einen echten Entfesselungskünstler, den die Briten aber derzeit nicht an der Spitze haben. Die Klebrigkeit des Brüsseler Verordnungsgewirrs und die Schwierigkeit sich daraus zu lösen, sagt aber nichts über die Qualität desselben aus. Die Qualität im Sinne der Auswirkungen auf die Unternehmen, können wir oben im Chart bewundern.

Europa hat einfach ganz tiefgehende strukturelle Probleme, die unter anderem in strukturellen Fehlkonstruktionen wie dem Euro begründet sind, die aber permanent nur mit Formelkompromissen und "weißer Salbe" zugeschmiert werden. Ich nenne das einfach strukturelles Politikversagen, ein anderes Wort fällt mir dafür nicht ein.

Und wissen Sie eigentlich, was das ganz Schreckliche an den obigen Charts ist?

Ich sage es Ihnen: Unsere Leitzinsen sind immer noch bei Null. Was machen wir eigentlich im nächsten Abschwung, der so sicher wie das Amen in der Kirche kommt?

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Mediale Schlagzeilen und die Börse

Wenn man nach den absehbaren Terminen und Ereignissen geht, gehört diese Woche wohl zu den ereignisreichsten des Jahres. Es wäre aber ein grober Fehler, von der medialen Welle mit der Ereignisse kommentiert werden, unmittelbar auf die Bedeutung für die Börsen zu schliessen.

Hier ist also für Sie die "Vorschau" die Ihnen sagt, was in meinen Augen diese Woche wirklich für die Märkte wichtig ist:

Options Expiration (OpEx) am Freitag: geringe Bedeutung

Die OpEx wird von manchen "Börsenexperten" immer gerne wie eine geheimnisvolle Monstranz vor sich her getragen, deren Verständnis die "Logenmitglieder" von den "Uneingeweihten" unterscheidet. Dabei ist die Wirklichkeit viel profaner, die OpEx entfaltet ihre Wirkung vor allem mit zunehmender zeitlicher Nähe, weil sie Kurse bei bestimmten Marken "festtackert" bzw wenn diese Marken nachgeben, dann eine Bewegung verstärkt. Ich vergleich das gerne mit magnetischer Kraft, in der Nähe der OpEx werden Kurse an den wichtigen Marken gehalten, wenn sie sich aber entfernen, dann mit einem "Schnappen" wenn der Magnet sich löst. Diesen Vorgang gibt es aber jeden Monat bzw jedes Quartal und insofern ist die OpEx nicht unwichtig, aber doch business as usual.

Türkei: geringe bis keine Bedeutung

Was da an präpotentem Gehabe abläuft, erspare ich mir zu kommentieren. Der Markt sieht das aber auch so, die Türkei ist wirtschaftlich ein Nebenthema und mit dem aktuellen wirtschaftlichen Absturz, wird sie bald selbst das nicht mehr sein. Politisch und kulturell ist das Geschehen von hoher Bedeutung. Aber die Märkte interessiert das bestenfalls am Rande und langfristige gesellschaftliche Entwicklungen werden an den Märkten eher nicht bewertet.

Die FED Sitzung am Mittwoch: mittlere Bedeutung

Eigentlich hat die FED Sitzung eine sehr hohe Bedeutung, nur ist dieses Mal ja schon weitgehend klar, dass die FED eine Zinserhöhung vollziehen wird und das ist auch schon in den Kursen. Überraschend wäre nur, wenn es zu keiner Zinserhöhung kommt. Insofern liegt das Augenmerk wieder auf den Formulierungen und vor allem dem weiteren Ausblick und das kennen wir ja schon und hat mittlere Bedeutung.

Eine Menge wichtiger Wirtschaftsdaten wie den ZEW oder den Philly Fed: mittlere Bedeutung

Auch das ist ja "Business as usual" und kennen wir. Die Daten haben einige Bedeutung, weil daraus ja Schlussfolgerungen für die Aktivitäten der Marktteilnehmer gezogen werden. Da derzeit viele Daten aber recht konsistent auf eine anziehende Weltkonjunktur hinweisen, werden die Daten nur dann richtig Wirkung entfalten, wenn sie von der Erwartung abweichen.

Beginn des Brexit: mittlere Bedeutung

Nach Vermutungen -> könnte am Dienstag der Brexit beginnen <- und die Erwartungen wie dieser Brexit sich dann real gestalten wird, haben hohe Bedeutung für die Märkte. Nicht dass der Brexit kommt, das ist natürlich in den Kursen, aber die feinen Hinweise wie der Hase dann in den kommenden 2 Jahren laufen wird, haben erhebliche Konsequenzen und die Märkte reagieren sensibel darauf.

Notenbanksitzungen der Bank of Japan (BoJ), der Bank of England (BoE) und der Schweizer Nationalbank (SNB) am Donnerstag: mittlere Bedeutung.

Pauschale Aussagen sind hier schwer, die Sitzung der BoE möglicherweise nach einem beschlossenen Brexit, wird natürlich besondere Aufmerksamkeit ziehen. Aber im Saldo kann man auch hier eher "Business as usual" erwarten.

Wahl in den Niederlanden am Mittwoch: mittlere Bedeutung

Die Wahl selber hätte - selbst wenn Geert Wilders gewinnen würde - aufgrund des Wahlsystems eher mässige Bedeutung für die Märkte. Aber die politischen Implikationen für Frankreich sind hoch und dort dürfte sich im Mai erst einmal das Schicksal des Euros entscheiden und das interessiert die Märkte natürlich immens.

Merkels Besuch bei Trump am Dienstag: hohe Bedeutung

Für die Märkte potentiell das zentrale Ereignis der Woche. Und das nicht weil da zwei Politiker reden, sondern wegen der Implikationen. Merkels Besuch wird der Lackmustest für die neue Handelspolitik der Trump-Administration sein, zumindest wird der Markt das unter dieser Überschrift beäugen.

Besonders schwierig einzuschätzen ist dabei die Lage wohl auch, weil in Trumps Administration selber wohl ein -> Civil War <- zur Handelspolitik ausgebrochen ist, in dem sich die Goldmänner als Vertreter des freien Welthandels und Protektionisten wie Navarro und Bannon gegenüber stehen. Wo der Präsident steht, ist unbekannt.

Die Bedeutung dieses Ausgangs für die Börsen, kann man gar nicht hoch genug hängen und der Verlauf des Besuchs von Merkel wird dafür Indiz sein. Denn mit dieser grundlegenden Machtfrage stehen und fallen dann Handelsbeschränkungen und Konflikte, oder eben ein eher ruhiges Umsteuern und Neuverhandeln der Handelsbeziehungen im Konsens. Bisher hat der Markt einseitig darauf gesetzt, dass "schon alles gut werden wird". Falls das eine Fehleinschätzung ist, dürfte die Reaktion der Börsen sehr harsch sein. Ein sehr freundlicher und konsensualer Termin, kann aber gerade deutschen Aktien noch einmal zu einem Schub verhelfen.

So sehe ich persönlich die börsentechnische Bedeutung der absehbaren Ereignisse dieser Woche. Möge es Ihnen bei Ihren Entscheidungen helfen.

Ihr Hari

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Hokuspokus und die technische Analyse

Nicht immer ist das neu Geschriebene das Beste, sondern manchmal lohnt sich auch zu wiederholen, was schon gesagt wurde. Besonders interessant ist das, wenn man nach Ablauf von vielen Monaten schauen kann, was denn damals aus den Worten in der Realität geworden ist.

Heute will ich daher an einen Artikel vom 09.06.2016, also von vor dem Brexit erinnern, mit dem Titel
-> Die Märkte auf dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-.

Und genau das ist mein Thema heute, denn hier im freien Bereich schlägt auch immer wieder "Otto Normalanleger" auf, der technische Analyse typischerweise für Hokuspokus hält. Böse Zungen könnten sagen: "wat de bur net kennt frett he net". 😉

Fairerweise muss man sagen, dass die Vertreter der technischen Analyse auch teilweise selber daran Schuld tragen, denn da es so einfach ist, ein paar bunte Linien zu malen, wird damit auch viel Schindluder getrieben. Vor allem fehlt es oft an dem Verständnis, wo die Grenzen der technischen Analyse sind und aufgrund welcher Mechanismen, sie überhaupt Deutungskraft hat.

Denn die technische Analyse sagt die Zukunft nicht voraus, nichts und niemand kann die Zukunft vorher sagen, auch nicht der der "Prognosiritis" anheim gefallende Glaskugeldeuter. Die technische Analyse gibt aber ein zutreffendes Bild des Marktzustandes der Gegenwart und ein derartiger objektiver Blick auf die Gegenwart ohne Bias, ist eine Menge wert, denn die Zukunft muss sich ja erst aus der Gegenwart entwickeln.

In obigem Artikel, wird das Prinzip besonders deutlich. Vor allem auch, weil wir nun 8 Monate weiter sind und uns im S&P500 anschauen können, wie sich die Märkte entwickelt haben. Nämlich so:

So und nun lesen Sie bitte diesen Artikel noch einmal. Bitte tun Sie sich den Gefallen!
-> Die Märkte auf dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-.

Danach wird klarer sein, was technische Analyse leisten kann und was nicht und warum sie so wertvoll für uns ist. Denken Sie an den Tiger. 😉

Ihr Hari

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Algo Trading – Es ist so verflucht artifiziell!


Ich stelle nun mal eine Behauptung auf, die ich nicht beweisen kann. Der Gegenbeweis kann aber auch nicht geführt werden.

Ich behaupte es trotzdem, im Premium-Bereich habe ich das schon direkt nach dem Brexit so argumentiert:

Wir sind in einem Markt angekommen, der fast nur noch aus (verfluchten) Algos besteht.

Und die Kursentwicklungen der letzten Monate beweisen es!

Denn die Bewegungen im S&P500, zum Beispiel um die Wende nach dem Brexit herum, sind nun so artifiziell, das wirkt wie aller menschlicher Emotion entkernt. Schon im Februar diesen Jahres aus dem Tief heraus, war das so.

Menschen werden aber durch den Brexit überrascht. Menschen schwitzen, sie ängstigen sich. Sie diskutieren, was nun passiert. Sie zögern und dann rennen sie alle rein.

All das sah man früher in den Kursen, nach so emotionalen Momenten, wie dem Brexit. Noch vor 5 Jahren, war das anders. Da gab es an so Wendepunkten einen emotionalen Ausverkauf.

Ich erinnere mich an den denkwürdigen 03./04. November 2011, dem Tiefpunkt der Eurokrise. Ich habe damals über diesen Moment geschrieben.

Die Finanzkrise lag keine 3 Jahre zurück und alle hatten noch den Schreck in den Gliedern. Der S&P500 kippte weg zu neuen Tiefs und allen Bären lief der Sabber aus den Lefzen, Tim Knight von Slope-of-Hope verteilte triumphierende Posts.

So sah das damals aus:

03.04.11.11

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Diamantenfieber oder das Geheimnis des Marktes

Am 17.06.16 - also vor einem guten Monat - habe ich vor dem Brexit, für die Mitglieder im Premium-Bereich den folgenden Artikel unter dem Titel "Diamantenfieber" geschrieben.

Nun werden Sie sich denken: "Warum soll ich denn einen über einen Monat alten Artikel lesen? Nichts ist so alt, wie eine alte Zeitung!"

Sie müssen natürlich gar nichts, Sie sind ja freiwillig hier. Sie dürfen nun also gerne wieder wegklicken.

Ich kann Ihnen nur sagen, es hat natürlich einen Grund, warum Sie den alten Artikel lesen sollten. Denn es vermittelt eine wichtige Wahrheit zum Markt.

Die Wahrheit, dass man keine wilden Spekulationen und Prognosen braucht, um am Markt erfolgreich zu sein und auch kein Herumraten, ob der Brexit oder irgend ein anderes Ereignis, nun so oder so ausgehen wird.

All diese -> Prognosiritis < -, verstellt uns nur den Blick auf das Wesentliche.

Denn das Wesentliche findet in den Märkten jeden Tag vor unserer Nase im "Hier und Jetzt" statt. Alleine das genau zu beobachten und aus dem Marktverhalten rationale Schlüsse zu ziehen, verschafft uns mehr Vorteil, als drei wilde Prognosen oder Spekulationen gleichzeitig.

Und wenn Sie den folgenden Artikel von vor dem Brexit lesen, werden Sie verstehen was ich meine:

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Euroland und das Maul des Schreckens

Viele normale Anleger sehen die Börsenwelt ja nur aus dem Blickwinkel ihres Heimatmarktes und wer da in 2016 den DAX erlebt, muss ja glauben, dass die Weltmärkte 2016 ein einziges Jammertal sind und der Brexit ganz schreckliche Folgen hat.

Stimmt aber nicht - beides nicht. Zumindest nicht für die Weltmärkte, wohl aber für Euroland und die Aktienindizes in Euroland, wie den DAX oder den Eurostoxx50.

Wie grauselig das Bild wirklich ist, erkennen wir, wenn wir in das sich seit Anfang 2016 öffnende Maul des Schreckens schauen:

SPY-DAX 06.07.16

Da ist er, der gruselig schwache DAX in Landeswährung im Vergleich zum weltweiten Leitindex S&P500, dem breiten Index der US Märkte. Anfang 2016 waren beide noch nebeneinander, nun hat sich das Maul des Schreckens weit geöffnet.

Nun könnte ja jemand auf den Gedanken kommen, das läge ja nur an einzelnen "Gurken-Aktien", von denen sich mit Versorgern, Autobauern und Banken ganz besonders viele im DAX tummeln.

Stimmt aber nicht, schauen wir mal auf den breiter gefassten Eurostoxx50:

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Nostradamus lebt – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit über den Markt

Ich habe so einen ähnlichen Artikel schon einmal geschrieben, aber doppelt genäht hält besser. 😉

Betrachten wir doch mal "fundamental" und "objektiv" die Welt- und Marktlage:

  • Die Flüchtlingskrise wird wieder anschwellen und zu einer veritablen Staatskrise mit Unruhen führen. Check!
  • Früher oder später werden Atomwaffen in den Händen von Selbstmordattentätern sein. Check!
  • Wenn man der Hydra des Terrorismus einen Kopf abschlägt, wachsen sofort drei Neue nach. Check!
  • Der Westen hat seinen inneren Kompass verloren und verliert sich und die Werte der Freiheit, in kulturellem Relativismus. Check!
  • Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und wird zwangsläufig scheitern. Check!
  • Das Brüsseler Europa der Beliebigkeit und des Konsens um jeden Preis, hat sich überdehnt und scheitert gerade. Check!
  • Der Brexit wird andere Länder dazu animieren auszutreten, wenn man sieht, dass die Briten vom Austritt profitieren. Check!
  • Der "Club Med" wird die EU zunehmend dominieren und sie zu einer Transferunion machen. Check!
  • Deutschland wird durch die weiche Währung langsam seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Check!
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