U-Turns, Schulnoten und ein Abschied

„You turn if you want to“, schoß Margaret Thatcher einst in einer Rede ihren innerparteilichen Gegnern vor den Bug. „The lady’s not for turning.“ Ein bekanntes Zitat, eine beliebte Belegstelle für Thatchers eisernen Willen, die diesen Sommer in den britischen Medien immer wieder als Kontrastmittel bemüht wurde. Denn die Zeiten haben sich geändert bei den Tories. U-Turns hat die Regierung im Jahre 1 von COVID-19 gleich im Dutzend hingelegt.

Zunächst den abrupten Schwenk von „Herdenimmunität“ zu einem drakonischen Lockdown. Oder etwa die schwindelerregende Kehrtwende in der Schulpolitik, als neulich das gesamte Corona-spezifische Prüfungssystem gekippt wurde. Und das jüngste Vorhaben, durch ein unilaterales Abändern des EU-Austrittsabkommens wissentlich, vorsätzlich und eingestandenermaßen (!) internationales Recht brechen zu wollen, kann man wohl auch einen U-Turn nennen, nachdem Johnson diesen Vertrag vor wenigen Monaten ja noch eigenhändig unterzeichnet hatte.

Eigentlich soll es hier aber ein anderer U-Turn angesprochen werden, wobei das eigentlich nicht das richtige Wort ist. Eher geht es um ein Abbiegemanöver auf die Ausfahrt der Autobahn. Wie Hari schon angekündigt hat, werde ich die Libertannica-Kolumne beenden. Ein Schritt, der vielleicht nicht überraschend kommt oder auch nicht einmal groß auffällt, schließlich habe ich ja seit über einem halben Jahr schon keine Kolumne mehr geschrieben. Wie kam es dazu?

Die Kolumne hat sich seit einfach seit längerer Zeit immer weiter weg vom Wirtschaftsbezug bewegt, der für eine Kolumne in einem Finanz-Blog aber nötig ist; das Politische drängte sich immer mehr in den Vordergrund. Ich entwickelte beispielsweise - auch durch die eingehendere Beschäftigung - eine regelrechte Brexit-Obsession. Sicher ist das auch objektiv ein sehr wichtiges Thema, an dem sich auch viele andere grundsätzliche Fragen durchdenken lassen, etwa Souveränität und Legitimität.

Mit dem formalen Austritt Großbritanniens Ende Januar war dann aber ein gewichtiges Kapitel der Brexit-Geschichte abgeschlossen, und ich etwas ratlos über die weitere Themengestaltung. Zugleich habe ich mich während der letzten drei Jahre auch in meinem eigenen Leben in gewissem Umfang von London wegbewegt. Jedenfalls ist mir kein neuer Dreh eingefallen, mit dem ich die Kolumne weiterentwickeln könnte – der anfängliche Ansatz war für mich „auserzählt“. Daher nun die Einstellung.

A propos mein Leben: Mich selbst hat in den letzten Wochen und Monaten in der britischen Welt vor allem das schon erwähnte Schulthema bewegt, weil meine Tochter in London davon betroffen war. Es ist in Deutschland nicht richtig wahrgenommen worden, obwohl es sich um eine politisch-gesellschaftliche Panne der obersten Liga handelt. Auch wenn das Thema aus deutscher Sicht weit weg wirken mag, in Großbritannien hat es ein Erdbeben ausgelöst und verrät einiges über die derzeitige Regierung.

Corona-bedingt hatte sie die zentralen Prüfungen für die britischen Entsprechungen zu Abitur und Mittlerer Reife 2020 abgesagt. So weit so gut, doch die Noten wurden stattdessen nach einem Algorithmus vergeben, der darauf abzielte, ein statistisch stimmiges Gesamtergebnis zu erzeugen, ohne aber die absolute individuelle Leistung zu berücksichtigen. Die von den Schulen schon im Vorfeld routinemäßig ermittelten „Predicted Grades“ (Noten durch Vorleistungen wie strenge Testprüfungen) wurden weitgehend ignoriert, vielmehr wurden 40% dieser Noten im Endergebnis herabgewertet. Außer an Privatschulen. Es kam zu Tausenden von willkürlichen, unplausibel schlechten Ergebnissen, durch die eigentlich gute Schüler ihren zugesagten Studienplatz verloren.

Die Eltern unter den Lesern können vielleicht nachvollziehen, daß diese Vorgänge weite Kreise der Bevölkerung komplett auf die Palme brachten. Die Bürger packten angesichts dieser gedankenlosen Ungerechtigkeit die Mistgabeln aus. Die Regierung mußte schließlich zurückrudern, was vielen angehenden Studenten aber nicht half: Ihre Plätze waren schon anderweitig vergeben. Zum Glück betraf das meine Tochter nicht.

Dies aber nur als aktuelle Anekdote am Rande der Autobahnausfahrt. Ich komme zum Ende, im doppelten Sinn heute, und bedanke mich bei Hari für die Gelegenheit, in den letzten Jahren auf seinem Blog meine Gedanken nach Gutdünken auszubreiten. Ich habe viel davon profitiert, durch ein vertieftes Verständnis britischer Belange, aber ebenso durch den Kontakt zur spannenden, bunten, sympathischen Runde der Kolumnisten und zu Hari selbst. Ich kann das Kolumnistentum nur weiterempfehlen und freue mich nun auf den brandneuen MangleProcess, dessen Thema mich persönlich besonders interessiert. Aber das war es jetzt erst einmal von mir – jedenfalls im Format der Kolumne, versteht sich.

Toodle pip!

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Londoner Tagträumerei

Don’t mention the Brexit! Seit der Wahl ist eine unheimliche Stille in der britischen Öffentlichkeit eingekehrt. Der überlegene Sieg der Tories zog einen Schlußstrich unter die parlamentarischen Verrenkungen der May-Jahre. Die Wirtschaft scheint sich derweil etwas zu berappeln. Ober-Leaver Johnson bewegt sich nun ganz vorsichtig und möglichst geräuschlos durch den Hindernis-Parkours der Regierungsverantwortung und übertönt allenfalls durch einige erstaunlich linke Policies – von Ausgabenprogrammen bis zu Verstaatlichungen – latent nagende Zweifel an der Zukunft. Die Remainer lecken derweil ihre Wunden und sind in Wahrheit ebenfalls froh, vom obsessiven Fokus auf das Dauerthema der letzten vier Jahre ablassen zu können. Mir geht es nicht anders. Doch am heutigen Freitag dem 13., äh pardon 31., an dem der Brexit offiziell, wenn auch vorerst folgenlos, vollzogen wird, wird man um das B-Wort nicht ganz herumkommen.

Statt die ganze verfahrene Polit-Chose noch einmal von vorne aufzurollen, sitze ich am Fenster und lasse mein England innerlich Revue passieren. Und erlaube mir, einige persönliche Assoziationen hier etwas unkoordiniert auszubreiten. Die beleidigte, feindselige Verstocktheit, die der Brexit für mich verkörpert, das passt so überhaupt nicht zu meinem englischen Kosmos. Zugegeben, mein England ist in Wahrheit nur mein London, hier verbringe ich 99,9% meiner (begrenzten) Zeit auf der Insel. Und London ist bekanntlich nicht England (ich spreche bewußt nur von dieser einen britischen Nation). Obwohl, ein bißchen ist es das schon. Ein zentralistischer Staat, der einst die dominante Weltmacht war; dessen koloniale Geschichte bis heute prägend ist; der ohne die Wirtschaftskraft seiner Finanzindustrie nicht vorstellbar wäre: London ist seine Kosmopole, die einzige in Europa, und nur in einer komplexen wechselseitigen Dialektik konnten sowohl London als auch England und noch dazu das (noch) Vereinigte Königreich das werden, was sie sind.

Das Kosmopolitane, Offene, Tolerante – gegen das bestimmte Schichten des Brexit-Sentiments gerichtet scheinen – es war für mich einer der stärksten Eindrücke, als ich Anfang der 2000er zu Zeiten von Blair und Cool Britannia hier erstmals aufschlug. Ein Gedächtnisbild: der Besuch sommerlicher Vernissagen einer Galerie im East End, die zu einem Kleinbetrieb gehörte, in dem lesbische Designerinnen bunte Luxusdildos herstellten und verkauften. Die Kunst war aber keinesfalls anrüchig, immer sehr ambitioniert und interessant. Direkt nebenan ein muslimisches Zentrum, wo ernste Männer mit bestickten Kappen ein- und ausgingen. Man schlürfte seinen Weißwein, blinzelte vor dem Dildo-Shop in die Sonne und nickte den Muslimen dabei vielleicht einmal zu. Kein Miteinander wohl, aber ein friedliches Nebeneinander der größten denkbaren Gegensätze, das hat mir gefallen. Ein naiver Eindruck? Vielleicht. Der 7. Juli 2005 kam bald, dessen britisch-muslimische Selbstmordattentäter diesem Grundgefühl einen Knacks gaben. Die fundamentale britische Toleranz war nun in der Defensive, aber nicht geschlagen. Die Ansprache bei der Gedenkveranstaltung hielt ein griechischstämmiger Busfahrer mit starkem Akzent. Genau er wurde als Repräsentant ausgewählt, als Stellvertreter seines Berufs und seiner Stadt. Ein Akzent ist hier keine Schande, anders als allzu oft in Deutschland. Es ist vielleicht kein Wunder, daß die Hauptstadt eines globalen Kolonialimperiums eine besonders weltoffene Einstellung aufweist. Berlin zum Beispiel kann da nicht mithalten, wie neulich ein ungnädig gestimmter Ai Weiwei in einer etwas dämlichen Einlassung zu Protokoll gab. Ob Kopftuch oder nicht, in London ist dagegen jede ihres Glückes Schmied, wie die türkischstämmige Autorin Kübra Gümüşay berichtet. Selbstverständlich gehören dazu die bekannten Kehrseiten dieses in mancher Hinsicht fast schon amerikanischen Lebensgefühls.

Dieses spezielle Freiheitsgefühl war wohl einer der Gründe, warum so viele Osteuropäer gerade hier einwanderten, nachdem es ihnen möglich war. Ob Blairs großzügige Politik damals, ja ob die EU-Osterweiterung clevere Schachzüge waren, darüber kann man getrost streiten. Aber z.B. die anti-polnischen Ressentiments, die hierzulande nach dem Referendum an die Oberfläche kamen, bis hin zu Mord und Totschlag, die waren nachhaltig erschütternd. Um so mehr übrigens, wobei es fast schon beschämend ist, dies in einem Atemzug zu nennen, wenn man sich die spezifisch britisch-polnische Verflechtung vor Augen hält. Sie reicht ja in den Zweiten Weltkrieg zurück, als etwa die polnischen Fliegerstaffeln unter dem Kommando der RAF einen großen Beitrag zur Abwehr der Deutschen in der Battle of Britain lieferten. 2017 wurde bei einer Online-Abstimmung des RAF Museums ein Pole zum größten Spitfire-Piloten des Zweiten Weltkriegs gewählt – Franciszek Kornicki, der im selben Jahr noch im Alter von einhundert Jahren verstarb. An dieser Wahl hatte die polnische Community hierzulande einen bestimmenden Anteil. Warum auch nicht? Doch die Daily Mail (jene Zeitung, die 2016 Britannias oberste Richter als „Feinde des Volkes“ bezeichnete) sprach hierbei von einem „Highjacking“ der Umfrage durch die Polen. Statt einmal ein bißchen darüber nachzudenken, was dieses Ergebnis über Großbritannien und die Welt und die Strahlkraft der britischen Offenheit zu sagen haben könnte. Genau in diesem engstirnigen Denken hinter dem Wort „Highjacking“ liegt das Problem, das ich mit dem Brexit habe, mehr als in allen abstrakten politischen, ökonomischen, technokratischen Überlegungen.

Es gibt in der Geschichte aber in Wahrheit keine Tunnels und Einbahnstraßen. Auch wenn manche EU-Bürger, auch Bekannte von mir, das Land verlassen haben oder dies noch tun werden, die meisten der drei Millionen werden ihr Leben hier weiterführen, und das so uneinig gewordene Königreich wird nicht über Nacht all seine Tugenden verlieren. Immerhin ist mit Johnson jetzt jemand am Ruder, der bei allem – gern auch mal xenophob tönendem – Opportunismus und bei aller Rüpelhaftigkeit immerhin auch den Vorzug der Prinzipienlosigkeit hat. Er ist zumindest von Haus aus kein „Little Englander“. Ganz anders als Theresa May, die mit ihrer Mitverantwortung für den Windrush-Skandal und ihrer schlimmen „Hostile Environment“-Politik aus meiner Sicht faktisch viel üblere Entscheidungen gefällt hat als etwa Johnson in seiner Zeit als Bürgermeister von… London. Die Hoffnung stirbt also wieder mal zuletzt, und ich bleibe am Ball. Muß ich ja auch notgedrungen, schon aus familiären Gründen. Aber zwei Pints in einem leutseligen Pub, wo sich arm und reich, dick und dünn ein Stelldichein geben, wie auch hoffentlich heute Abend wieder hier im schönen Norden der britischen Hauptstadt, das will ich einfach nicht missen.

Franciszek Kornicki

PS: Das Foto zeigt Franciszek Kornicki in einem Flugzeug von 1942 und befindet sich auf der Webseite der Daily Mail.

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Hari Live Stream 10.12.19



15:55 MEZ - ZH2

Es geht schon los. Was? Das Gezappel in Erwartung der Handels-Entscheidung am Wochenende.

Ich sage Ihnen ganz offen, ich rate dazu diese Woche eher einen Schritt zurück zu gehen und sich von diesen Swings nun nicht in zu tiefes Interpretieren drücken zu lassen. Ich behaupte mal, dass das was jetzt passiert, nicht wirklich substantiell ist.

Irgendwann wird die Nachricht kommen, "Deal Phase 1", "Verschiebung in Good Faith" oder "No Deal never". Dann werden wir eine starke Bewegung sehen, die von den Algos ausgeht. Wenn wir Pech haben, passiert das am Wochenende.

Was vorher passiert, sollten wir daher mit gebremstem Interesse über uns ergehen lassen, außer Notenbanken und Brexit generieren diese Woche echte Überraschungen.

16:00 MEZ - ZH3

Incyte (INCY) - sieht nach Ausbruch in Folge konsolidierenden Hochschmelzens aus:

16:05 MEZ - ZH3

Der DAX hat wie immer stärker ausgeschlagen als der SPX und hat heute einen ziemlich markanten Hammer hingelegt, der genau an der 50-Tage-Linie abgeprallt ist.

Wir sehen im Chart schnell, dass eine Replik des Geschehens von September/Oktober aber immer noch gut drin ist:

16:30 MEZ - ZH3 - ZH4

Vereinzelt kommen ja immer noch Quartalszahlen herein, heute haben wir daraus resultierend bei Autozone (AZO) wieder einen wunderbaren Ausbruch in wahrer Schönheit:

17:00 MEZ - ZH4 - ZH5

Beim franzöischen Pharmakonzern Sanofi steht mal wieder eine -> Umstrukturierung und ein Strategiewechsel an <- und der Markt feiert es.

Es besteht nun die realistsche Chance, dass die Aktie aus der mehrmonatigen Konsolidierung nach oben ausbricht:

Ich selber interessiere mich für die Aktie weniger. Erstens ist kaum ein Trend zu sehen, alles nur eine riesige Seitwärtsbewegung und das seit 20 Jahren. Und Strategie-Änderungen sind zwar kurzfristig nett, zeigen aber in der Regel, dass es vorher eben keine richtig funktionierende Strategie gab:

Tja und dann gibt es noch die leidige Problematik von hoher Dividende und französischer Aktie mit Quellensteuerproblematik. Soo dolle ist Sanofi dann auch nicht, dass ich mir noch freiwillig ca. ein halbes Prozent Quellensteuer pro Jahr als Balast auferlegen will. Von der Finanztransaktionsteuer ganz zu schweigen, die es in Frankreich schon gibt, neben der Quellensteuerproblematik aber nebensächlich ist.

Pharmaaktien aus Schweiz, GB oder US, interessieren mich da mehr.

17:20 MEZ - ZH3

Virgin Galactic ist ja nun unter dem Kürzel SPCE an der Börse. Heute schiesst die Aktie -> nach einem Morgan Stanley Analystenkommentar nach oben <-:

Sie wissen ja, wie sehr mich prinzipiell das Thema interessiert und wie sehr ich erwarte, dass hier wirklich eine neue Milliarden-Industrie heran wächst.

Trotzdem bin ich an SPCE so gut wie nicht interessiert und stelle auch die Logik dieses Analysten in Frage bzw betrachte diese Sätze als reine Spekulation ohne Basis:

A viable space tourism business is what you pay for today … but a chance to disrupt the multi-trillion-dollar airline [total addressable market] is what is really likely to drive the upside,

Abstrakt für den ganzen Markt ist das richtig, Space-X hat ja schon in Studien gezeigt, wie disruptiv solche "Hypersonic"-Verbindungen für den weltumspannenden Flugverkehr werden könnten. Ich stelle also die prinzipielle Logik des Analysten nicht in Frage.

Ich stelle aber in Frage, dass Virgin Galactic die Firma ist, die das dann umsetzen wird und dafür die nötigen ingenieursmässigen und finanziellen Resourcen besitzt. Space-X ist in der Technologie um Faktoren weiter, als die bemühten Atmosphären-Hüpfer von Branson. Und dieses Gap öffnet sich weiter und schliesst sich nicht.

Für mich sieht dieser Börsengang nach wie vor eher nach einem Verzweiflungsakt zwecks Finanzierung aus. Das Potential ist richtig beschrieben, es werden aber andere sein, die das Potential heben. Virgin hat einfach nicht genügend zu bieten, um da technologisch mithalten zu können.

Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, bis dahin bin ich aber hier eher skeptisch. Ein Börsengang von Space-X dagegen, mit seiner gezeigten technologischen Brillianz - Raketen landen auf dem Hintern, Hach! 😀 - würde von mir mit Begeisterung aufgenommen, wäre deshalb aber auch viel, viel teurer.

17:40 MEZ - ZH4

Wenn wir schon bei Raumfahrtaktien sind, bei OHB SE habe ich ja schon am 11.11. und auch -> hier am 22.11. 16:15 MEZ <- thematisiert, dass da im Hintergrund etwas läuft, das vielleicht nicht mehr mit normalen Kursbewegungen zu tun hat.

Damals war das noch 40€, jetzt sind wir schon 10% höher bei 44,6€ bei gleichbleibend hohem Volumen:

Damals schon waren meine Worte:

Irgend jemand akkumuliert hier bei OHB strategisch, das erscheint bei dem Chart wahrscheinlich.

Sicher gibt es -> einfach gute Nachrichten auf der Auftragsseite <-, der Wettlauf ins All ist schon im Gange.

Ob das aber alleine diese Bewegung und diese beständigen Zuflüsse unter hohem Volumen erklären kann, da bin ich weiter nicht sicher.

Wie auch immer aber, das Anlagethema ist eindeutig *HOT*. Denn auch strategisch zufliessende Gelder, zeugen ja von der Attraktivität der Aktie. Insofern ist es am Ende egal, was der Grund ist.

17:55 MEZ - ZH3

Zwei Tage noch bis zur Brexit-Wahl in UK. Was die Märkte erwarten, ist in den letzten Tagen leicht an GBPUSD zu sehen:

Das ist ziemlich sicher die Erwartung einer klaren Mehrheit für Johnson und damit endlich eines Endes der Blockade des Parlaments.

Das ist wahrscheinlich *keine* Aussage über Brexit ja oder nein. Im Gegenteil, wenn nun ein wirtschaftsfreundlicher Remainer klar in Front liegen würde und die Alternative nicht ein Altkommunist wie Corbyn wäre, wären die Märkte potentiell noch mehr begeístert.

Ich interpretiere diese Bewegung einfach als Freude darüber, dass wieder eine klare Regierungsmehrheit absehbar ist, die die Dauer-Warte-Schleife nun beendet. Egal wie. Eine stabile Regierung, die auch regieren kann, hilft dem Pfund.

Klar ist damit aber auch, was am Freitag passiert, wenn es für Johnson doch nicht reicht und die Hängepartie erhalten bleibt.

18:00 MEZ - ZH1

0,01% Bewegung um 18 Uhr. LOL, da wissen Sie warum ich oben meinte, dass die aktuellen Bewegungen "nicht substantiell" seien.

Das Warten geht also weiter und wir lassen uns davon besser nicht zu sehr in den Bann ziehen. Irgendwann wird diese massiv bewegende Handels-Nachricht kommen - irgendwann am späten Abend. Oder bei FED, EZB und Brexit passiert etwas gänzlich Überraschendes.

Bis dahin warten wir.

Ihr Hari

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Do or die oder doch nicht

Es ist Dezember. Nicht mehr Oktober. Der 31.10. ist längst vergangen. Aber Boris Johnson lebt immer noch. Obwohl Großbritannien noch nicht aus der EU ausgetreten ist. Und dabei hatte BoJo doch geschworen, eine Verlängerung der Mitgliedschaft über den 31.10. hinaus gäbe es nur über seine Leiche. Lieber ein harter No-Deal-Brexit, sofort. „Do or die!“ „I’d rather die in a ditch!“ Lieber stürbe er in einem Graben. Ja, ja.

Mourir pour Brexit? Nichts dergleichen. Die Show wurde verschoben. Das Parlament sei mal wieder dran schuld, so anschließend die Ausrede Johnsons. Nur ein weiterer Wellenschlag in diesem Meer von Lügen. Zwar hatte der sogenannte Benn-Burt-Act der Hinterbänkler ihn tatsächlich zu einer Verlängerung gezwungen. Aber genau dann wäre ja eigentlich die Alternative ins Spiel gekommen, die Sache mit dem Graben, sprich: ein Rücktritt. Doch Johnson Ankündigung war von vorneherein nicht ernst gemeint. Das ist der Grund, warum er noch lebt. Ganz offensichtlich. Das wissen alle.

Aber nichtsdestotrotz. Johnson geht es gut. Sehr gut sogar. Nachdem sich die Brexit Party unter Farage aus dem Bruderzwist mit den Tory-Brexiteers weitgehend zurückgezogen hat und eitler Starrsinn das Remain-Lager spaltet, segeln die Tories mit derzeit 43% Prognose einem schönen Sieg entgegen. Wie kann das sein? Warum nehmen die Wähler Johnson seine ungewöhnlich stark ausgeprägte Verlogenheit – sie scheint eher habituell zu sein als taktisch durchdacht – anscheinend in keiner Weise übel? Warum glauben sie ihm auch nur ein einziges Wort – etwa das absurde Versprechen, mit seiner Wahl nächste Woche sei das Thema Brexit ein für alle Mal erledigt? Verbreitete Furcht vor dem sozialistischen Beelzebub Corbyn mag das teilweise erklären, oder auch dessen rückgratlose Weigerung, eine konsequente Brexit-Position zu beziehen. Corbyns Idee, eine Labour-Regierung könne innerhalb von drei Monaten einen völlig neuen Deal aushandeln (mutmaßlich weiterhin unter Ausschluss der Freizügigkeit!), ist ja ebenso irreal wie Johnsons Versprechungen. Wobei Corbyns Ansatz eine gewisse perverse Logik hat. Das Referendum hat’s gegeben, nur ein Referendum kann’s nehmen. Und Politiker haben sich demgegenüber nur als ausführendes Gefäß des Volkswillens zu verhalten, ohne eigene Meinung, wie im Idealbild eines sowjetischen Arbeiterrats. Wie politisch schief diese Vorstellung ist, führt erneut vor Augen, welche zerstörerische Wirkung die Abhaltung des Referendums 2016 für die Verfassung Großbritanniens hatte. Oder, meinetwegen, welche tiefen Widersprüche sie dort zum Vorschein brachte.

„Get Brexit done!“, fordert und verspricht Johnson. Aber natürlich geht es dabei nur um die Bedingungen des Austritts und der Übergangszeit. Was danach nach wie vor aussteht, ist ja bekanntlich der zweite, problematischere Teil des Brexit – die Verhandlung einer neuen Beziehung zwischen EU und UK. Die wären in den wenigen verbleibenden Monaten im Jahr 2020 kaum seriös machbar. Egal! Auf keinen Fall würde er eine weitere Verlängerung mittragen, schwört Johnson… Diese Plot-Line kennen wir allerdings inzwischen, und trauen ihr kein bißchen. Aber dem Wahlvolk ist es schnurz. Wieso?

Es gibt nur eine Erklärung. Weil es angelogen werden will. Weil es vergessen will, daß die Versprechen Johnsons nicht einzulösen sind. Weil es sich über den enormen Schlamassel hinwegtäuschen will, den es sich mit der destruktiven Protestwahl von 2016 eingebrockt hat, darin kaum ehrlicher sich selbst gegenüber als Johnson… weil es sich also so schnell wie möglich in die kuschelige Wärme des britischen Weihnachtsfests mit Rumkuchen an Brandysahnesauce flüchten möchte. Johnson ist genau der richtige Mann für diese Gefühlslage. Und wenn die dann zu brechenden Versprechen nächstes Jahr stillschweigend unter den Teppich gekehrt werden müssen? Ist das dem Wahlvolk vollkommen schnurz. Ebenso schnurz, wie ihm etwa Johnsons brüsker Verrat an den nordirischen Unionisten war. Denn die nächste Ausredenfassade wird zu diesem Zeitpunkt schon längst errichtet sein.

Und vielleicht ist es auch einfach alles nur gut so. Dass der Bevölkerung die bitteren Wahrheiten über die Konsequenzen des Akts von 2016 nur scheibchenweise zugemutet werden. Etwa dass eine erneute Verlängerung unvermeidlich sein wird. Dass „Canada Minus“ ebenso der britischen Wirtschaft schadet wie alle anderen Varianten des Brexit. Dass das Schicksal der in der EU lebenden Briten weiterhin unklar bleibt (die eben angekündigte, ziemlich willkürliche Erschwerung der Einreisebedingungen für EU-Bürger lässt nichts Gutes hoffen). Das soll alles dann bitteschön erst Ende nächstes Jahr drankommen. Auch wenn dann der Brexit-Zirkus in die nächste Runde gehen wird: Für den Moment haben sich die Wogen sichtlich geglättet, das Pfund hat wieder Vertrauen gefunden, Stabilität scheint gesichert.

Faktisch wird am Ende so oder so auch unter Johnson wohl kein No-Deal-Brexit stehen („WTO-Bedingungen“). Dies die wahre Erkenntnis der vergangenen Wochen. Es war ja eben nicht eine EU-Verlängerung, sondern exakt im Gegenteil zu seinen Aussagen gerade der No-Deal-Brexit, den Johnson um jeden Preis verhindert hat - „nur über seine Leiche“. Und koste es ihn seine moralische Integrität – das Thema ist längst zum schlechten Scherz mutiert... Der Nachteil dieser Entwicklung ist allerdings: Erst in einiger Zeit werden wir erfahren, wie das nächste Kapitel der unendlichen Geschichte namens „Brexit“ betitelt sein wird. Dass diese Fortsetzung aber folgt, das steht außer Frage. Und seinen Inhalt erahnen wir eigentlich auch schon. Alles läuft auf ein Remake hinaus.

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Sensation im Prorogue-State

Letzte Sonntag bin ich von einer Wanderung zurückgekehrt. Wider Erwarten hatte es an unserer Hütte überhaupt kein Netz gegeben, obwohl sie gar nicht dermaßen abgelegen war. Nur auf den Gipfeln konnte man regelmäßig zumindest Mails checken, dort war der Empfang Spitze. Na gut, keine so große Überraschung in den Bergen, könnte man sagen, aber ich war dieses Jahr irgendwie nicht darauf gefaßt. Der Effekt war erst komisch, dann herrlich. Eine Woche ohne Brexit! Dadurch fiel mir erst auf, wie obsessiv ich die Nachrichten im Alltag verfolge. Ja, es war auch eine Woche ohne Finanznachrichten, klar. Nach meiner Rückkehr habe ich aber zunächst die Brexit-News und dann erst Hari Live aufgearbeitet, wie ich gestehen muß.

Nur daß Bercow zurückgetreten sei, der Parlamentssprecher, war unterwegs zu mir durchgedrungen. Doch der wollte ja eigentlich schon längst zurückgetreten sein, also war das gar keine dramatische Neuigkeit. Er hatte seine Amtszeit ja ungeplant fortgesetzt, weil er den Fehdehandschuh der Regierung aufgenommen hatte, die das Unterhaus immer mehr missachtete. Und nun sagt er im Oktober bye-bye.

Ansonsten war noch ein Detail bemerkenswert: Ein schottisches Gericht hat die Suspension des Unterhauses durch die Regierung als verfassungswidrig eingestuft – anders als Gerichte in Wales und in England. Die Sache ging in Berufung, heute verkündete der Oberste Gerichtshof sein Urteil. Ist die Suspension rechtens (engl.: prorogation, to prorogue)? Oder hat Johnson die Queen über die Motive getäuscht und damit die Exekutivmacht missbraucht? Er hat behauptet, die Suspension diene nur, wie auch sonst am Ende einer Parlaments-Session (einem parlamentarischen Geschäftsjahr o.ä.) üblich, der Vorbereitung auf die neue Queen’s Speech. Die Gegenseite argumentiert, die Verlängerung der üblichen Suspensionszeit um eine Woche deute darauf hin, der eigentliche Zweck sei, das Parlament mundtot zu machen.

Nicht, dass diese Entwicklung einen spielentscheidenden Einfluss auf die Brexit-Schmierenkomödie hätte. Für den Fall einer Niederlage vor Gericht hatte die Regierung schon mit dem Gedanken geliebäugelt, einfach eine neue Suspension zu verhängen. Die eigentliche Bedeutung des Urteils ist auf der verfassungspraktischen Ebene des Vereinigten Königreiches zu sehen. Dessen weitgehend ungeschriebene Verfassung ist ja eine Mischung aus Gesetzen, Konventionen und Traditionen. Mit der eigentümlichen Besonderheit, dass es letztlich das Parlament selbst ist, das den Gesetzesanteil der Verfassung nach Belieben umändern kann. Und darin liegt ein riesiger Unterschied zu in den meisten anderen konstitutionellen Staaten, wo das Verfassungsgericht oberste Autorität hat. Die britische Verfassung bindet das Parlament und die Regierung natürlich auch durch die Konventionen. Aber die, so zeigt die jüngste Geschichte, sind dehnbar. Nicht nur Boris Johnson, sondern auch John Bercow hat bei Gelegenheit konventionell „unorthodoxe“ Entscheidungspfade gewählt. Mit dem aktuellen Verfahren stand also weniger der Brexit selbst im Rampenlicht, sondern die weitreichende konstitutionelle Frage, welche Autorität sich das höchste Gericht selbst über die Exekutive gibt.

Nun ist das Urteil vor wenigen Minuten gefallen, und es ist eine Sensation. Die Suspension war nicht rechtens. Die Frage ist nun, ob Boris Johnson diese neuerliche, massive Niederlage wegstecken und bis zu den sicher bald anstehenden Wahlen durchhalten kann. In den Meinungsumfragen stehen die Tories ja weiterhin erstaunlich gut da, ein Sieg aus eigener Kraft wäre nicht unplausibel. Wir werden sehen, was das für den Brexit bedeutet.

Die wichtigere Botschaft ist: Die britische Verfassung ist stabiler als gedacht. Die vielen Schwachstellen waren ja allmählich nicht länger durch altertümelnde Folklore zu überdecken. Doch nun hat das oberste Gericht gezeigt, daß auch in Großbritannien die Judikative in letzter Instanz einen unabhängigen Pfeiler des Rechtstaats darstellt. Eine Tatsache, deren Bedeutung über den Ausgang des Brexit-Theaters vermutlich weit hinausgeht.

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King Boris

Boris am Draht

Es ist soweit. Heute wird das Ergebnis der Mitgliederbefragung der britischen Konservativen bekannt gegeben. Diese gut 150000 Personen haben bis gestern darüber abstimmen können, wer der nächste Premierminister wird. „Take back control“ – dieses Motto der Brexitbewegung hatte sich der Rest der Nation in der Praxis vermutlich irgendwie anders vorgestellt. Jedenfalls nicht als die alleinige Entscheidungsgewalt einer verschwindend geringen Minderheit. Zumal es sich dabei um einen besonders unrepräsentativen Ausschnitt der Bevölkerung handelt; ziemlich betagt, erstaunlich extrem. Eine Mehrheit der Tories würde ja schließlich laut einer großen Umfrage neulich ohne zu Zögern die Gesundheit der Wirtschaft, den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs und sogar die Existenz der eigenen Partei drangeben, um nur den Brexit zu garantieren. Und auch bei all ihrer Verehrung für Boris Johnson ist noch lange nicht klar, ob die in der breiteren Öffentlichkeit auch so geteilt wird. Wenn die Tories heute also King Boris krönen, den überwältigenden Favoriten, und dieser bald mit triumphierender Nonchalance über die Schwelle von Nr. 10 schlurfen wird, dann sagt das noch nichts über seine realen Chancen bei einer echten Wahl aus, der er sich über kurz oder lang wird stellen müssen.

Darüber hinaus ist es wirklich abstoßend, dass nun über den Rest des Sommers die ganze Farce der letzten drei Jahre nun unter Johnson auf drei Monate komprimiert erneut abrollen wird. Leere Versprechungen, hohle Drohungen, fruchtlose Parteimanöver. Als hätte niemand etwa daraus gelernt. „Have your cake and eat it“ – d.h. inzwischen: den verhandelten Backstop tilgen und dennoch während der Übergangsperiode Zugang zum Binnenmarkt behalten – und andernfalls „No Deal“. So das Programm, angeblich. Aber sicher, Herr Alexander Boris de Pfeffel Johnson.

Bedrückend ist nun natürlich auch die Parallele zu den USA. Die Brexit-Entscheidung und die Wahl Trumps werden ja als Auswüchse desselben globalen populistischen Trends gesehen. Und mit Johnson bekomme die englische Variante nun auch ihrerseits einen passenden Scharlatan zum Führer. Da ist vieles dran, angefangen von der Biographie (privilegierte Jugend) über den charismatischen Politikstil, die demagogische Gefallsucht, eine atemberaubende opportunistische Prinzipienlosigkeit, grenzenlose Egozentrik und Eitelkeit bis hin zu einem ausgeprägten Don-Juan-Komplex. Beide wurden von der Mehrheit der Funktionäre der eigenen Partei lange als chancenlose, gar verabscheute Außenseiter abgetan. Und beide sind erfahrene Medienfiguren (Reality-TV-Host bzw. Zeitungskolumnist).

Aber es gibt auch markante Unterschiede. Johnson ist zunächst mal kein autoritäres Schreikind, sondern – ein Intellektueller wäre vielleicht zu viel gesagt, aber zumindest ein begabter, gewitzter Parleur. Der alles entscheidende Punkt ist aber ein anderer. Trump agiert als legitimer Präsident der überwältigenden Weltmacht in einer Position der Stärke. Ganz anders Johnson. Auch wenn er in wenigen Tagen Zugang zu den britischen Atomwaffen erhält: Er wird als Premier einer Minderheitsregierung mit bröselnder parlamentarischer Basis und einer entsetzlich schwachen internationalen Verhandlungsposition sowohl der EU als auch Dritten gegenüber bald mit dem Boden der Tatsachen Bekanntschaft machen. Bei allem Widerwillen darf man doch gespannt sein, wie diese Kollision ausgehen wird. Genug palavert also. Vorhang auf. Trommelwirbel. Manege frei für den Clown.

Bildquelle: https://www.mirror.co.uk/incoming/gallery/boris-johnson-stuck-zip-wire-1200004

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Im Juni

Nun ist es dieses wirklich eingetreten: June will be the end of May. Theresa M. hat es eben verkündet: Sie tritt am 7.6. zurück. Die letzten Umfrageergebnisse für die hierzulande gestern abgehaltenen Europawahlen sagten den Tories 7% voraus. Boris Johnson wird wohl neuer Premier. Geht die Welt unter? Das vielleicht nicht ganz, aber man kann es niemandem verübeln, der sich längst angeekelt abgewandt hat von dem jämmerlichen Spektakel britischer Regierungskunst im Jahre 2019.

Es ist ja so, daß auch der notorische Polit-Clown und schändlich unfähige Ex-Außenminister Johnson mangels einer Regierungsmehrheit, ganz zu schweigen vom Mangel einer Parlamentsmehrheit für No Deal, kaum effektiver Politik wird machen können als May. Neuwahlen sind dann also unausweichlich, natürlich sollten die vor der Oktober-Deadline der EU-Verlängerung stattfinden. Und dann tritt auch der Faktor Jeremy Corbyn wieder auf den Plan. Prost Mahlzeit. Die heillose Verwirrung wird mindestens ein halbes Jahr weitergehen.

Nachdem May drei Jahre verhandelt hat, wird Johnson nun wohl alles wieder auf Null stellen und mit No Deal Drohungen Eindruck zu schinden versuchen. Nicht bei der EU, auch er wird wissen, daß das zwecklos ist; aber bei der Basis und den zu Farage abgewanderten Tory-Wählern. Folgt mit einem lautstarker krakeelenden, aber ebenso machtlosen Johnson nun also, frei nach Marx, als Wiederholung der endlosen selbstbezüglichen britischen Brexit-Geschichte die Farce auf die Tragödie? Oder folgt die Tragödie auf die Farce? Die Farce auf die Farce? Die Tragödie auf die Tragödie?

Es ist jedenfalls offensichtlich, daß das Chaos sich jetzt noch ausweiten wird. Auch wenn Johnson sich in den letzten Jahren als hemmungsloser No-Deal-Hardliner geriert hat („Fuck business“, so seine kolportierte Antwort auf die Frage, ob das den wirtschaftlichen Schaden wert sei): Man darf nicht vergessen, dass er ebenso prinzipienlos ist wie etwa ein Trump, der seine Haltung z.B. zum Schwangerschaftsabbruch aus Opportunitätsgründen einfach mal um 180° ändert. Die verdrehte Hoffnung, ausgerechnet „Boris“ könnte letztlich das Ende der suizidalen No-Deal-Fantasie einläuten, wenn die Sachzwänge eines Tages wirklich greifbar vor Augen stehen, ist vielleicht gar nicht so abwegig.

Derweil hat man das Gefühl, in England geht doch schon ein bißchen die Welt unter. Einem engen Freund mit EU-Paß wurde gestern hier in London die Abgabe seiner Stimme verwehrt - wegen bürokratischer Versäumnisse der Behörden. Er war nicht der einzige, das Phänomen ist sehr verbreitet. Die englischen Schlamper-Verwaltungen waren nicht in der Lage, rechtzeitig die nötigen Informationen und Formulare an manche EU-Bürger zu senden. Es ist unglaublich.

Ich kann zu alldem heute auch nicht mehr denken und sagen. Ich bin, für mich wirklich ungewöhnlich, komplett angeekelt. Für die Analyse der Details des nun anstehenden politischen Kampfes in Großbritannien verweise ich auf die spannenden, wenn auch teils etwas zynischen Überlegungen der hochintelligenten Diskutanten bei Talking Poltitics.

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Hari Live Stream 29.03.19



15:30 MEZ - ZH2

Herrliches Wetter draußen, da mag man wirklich nicht rein und sich vor den Schirm setzen, ich komprimiere es daher heute auch und mache gegen 17 Uhr Schluß.

Heute ist auch der letzte Handelstag des ersten Quartals 2019 und heute scheint der Window-Dressing-Effekt noch einmal zuzuschlagen, der Markt schließt das Quartal vielleicht so, wie es 3 Monate war: sehr stark!

Mitgewirkt bei dieser Stärke hat mal wieder - wie überraschend 😉 - eine Meldung in Sachen Handel und zwar -> dieser Tweet <- von Finanzminister Mnuchin, in dem er von konstruktiven Gesprächen spricht.

Wie weit das trägt und ob hier bald eine "Sell the News" Reaktion kommt, müssen Sie jemanden anderen fragen, mein Hauptmodell ist weiter die Seitwärtsbewegung um 2.800, solange hier nichts Definitives sichtbar wird.

15:40 MEZ - ZH3

Faszinierend die relative Ruhe im britischen Pfund, während es im Parlament "Spitz auf Kopf" steht. Ich interpretiere das aber eher als "Ruhe vor dem Sturm" und denke wie schon geschrieben, dass die Unberechenbarkeit den Markt einfach abwarten lässt:

Denn immer noch sind praktisch alle Optionen auf dem Tisch und am Ende können wenige Stimmen es in die eine oder andere Richtung kippen lassen. Rationale Entscheidungsfindung für die Nation geht anders. 😛

15:50 MEZ - ZH3

Krones liegt immer noch in Lauerstellung:

15:54 MEZ - ZH1

Interessant, der Markt fängt an auf den Brexit zu reagieren. Das hier im NASDAQ setzte sich merkbar genau dann in Bewegung, nachdem die Nachricht von der erneut im Unterhaus gescheiterten Abstimmung zu Mays Deal kam:

Damit ist der Deal endgültig mausetot und jetzt bleibt wohl nur Austritt ohne Abkommen am 12.04. oder eine lange Verschiebung, die am Ende dann wohl zu einem kompletten Absagen des Brexits führen dürfte.

16:35 MEZ - ZH3 - ZH4

Blackberry (BB), gibt es die als Firma noch? Ja als Plattform/Software Anbieter sehr wohl. Und die haben heute -> überraschend gute Zahlen <- geliefert und zeigen heute einen markanten Volumenschub:

Damit sind hier die Ingredienzien für einen "Post Earnings Drift" gegeben, will sagen, wenn die Aktie nun nicht sofort zurückfällt wie letzten September, ist hier noch einiges mehr drin:

16:50 MEZ - ZH5

Schon lange habe ich nichts mehr über "unsere" Wasser-Utilities in den US geschrieben, nachdem sich Aqua America (WTR) letzten Herbst mit der Fusion mit einem Gasversorger aus der Riege der reinen Wasserversorger verabschiedet hat.

Meine Reaktion im Herbst war harsch, -> im Stream vom 23.10.19 <- habe ich um 15:24 MEZ an Deutlichkeit nicht zu überbieten geschrieben:

Klare Aussage von mir, bisher war WTR ein Investmentkandidat, das ist mit dem heutigen Tag vorbei. Ich bin da raus!

Ich hatte WTR im Depot, weil es ein Wasserversorger ist, wenn ich einen Gasversorger haben will, kann ich das woanders tun. Ich bin sicher viel Profis denken so, Konglomerate sind aus gutem Grund nicht sehr beliebt an der Börse.

Und ich mag es einfach nicht, wenn mir als Aktionär etwas ganz anderes untergeschoben wird, als wofür ich mich mit Kapital engagiert habe. Das Unternehmen hiess Aqua America und *nicht* Gas America!

Das war die richtige Reaktion, sofort danach hat auch der Markt diese harsche Reaktion gezeitigt und WTR abverkauft. Mittlerweile hat sich das ein wenig erholt, aber viel zu holen war nach wie vor nicht:

Den wirklichen Vergleich kann man aber erst dann ziehen, wenn man WTR dem Mitbewerber American Water Works (AWK) gegenüber stellt, der ein reiner Wasserversorger geblieben ist und bis dahin mit WTR relativ parallel lief:

Ich denke das Chart ist eindeutig, AWK ist weiter eine Investment-Position bei mir.

Und wer jetzt glaubt das sei Zufall, kann ja die bisherige Nummer 3 im Markt der reinen Wasserversorger zu Rate ziehen: California Water Service (CWT):

Ich denke das genügt. Wir sehen recht eindeutig, dass der Markt keine Mischkonzerne mag und es schon gar nicht mag, wenn ein hoch erfolgreiches Geschäftsmodell, ohne Not mit artfremden Geschäften wie Gas "verwässert" wird.

Und ich mag das auch nicht, so deutlich wie ich Aqua America (WTR) im Oktober heraus geschmissen habe, mache ich das selten.

Jetzt missverstehen Sie das bitte nicht, ich breche nicht pauschal den Stab über WTR, das ist nun einfach ein Versorger wie andere auch und kann immer noch eine gute Entwicklung nehmen.

Der Punkt ist aber, es ist kein reiner Wasser-Versorger mehr und daher ziehe ich AWK und CWT seit letzten Herbst klar vor.

17:10 MEZ - ZH1

So liebe Mitglieder, wie angekündigt suche ich jetzt um 17:15 Uhr noch einmal den Rest der Sonne und begebe mich ins Wochenende.

Der Markt macht mit dem Geschiebe weiter und dürfte wohl den Tag so auch abschliessen.

Nächste Woche ist dann wieder Sommerzeit bei uns, will sagen die Wallstreet läuft wieder von 15:30 - 22:00 MEZ.

Gleichzeitig ist die nächste Woche rappelvoll mit wichtigen Wirtschaftsdaten und das neue, zweite Quartal beginnt.

Ich sehe das zweite Quartal nicht negativ, aber mit mehr Skepsis als den Beginn des ersten Quartals. Gerade heute Mittag hatte ich jemanden im Rahmen des -> Mentoring <- hier bei mir, die/der immer einmal im Quartal zu mir kommt und sich daran erinnerte, wie ich vor drei Monaten beim Abschied noch "jetzt aber rein!" sagte.

Diesen Satz habe ich heute nicht gesagt, eher "jetzt mal Gemach". Ich rechne wie hier besprochen mit Präferenze eher mit viel Geschiebe und Seitwärtsgeschaukel in diesem Quartal. Ich lasse mich aber von den Bullen gerne vom Gegenteil überzeugen. 😉

Ich wünsche uns allen ein schönes, erholsames Wochenende. Wir lesen uns hier wie immer Sonntag/Montag mit dem Wochenausblick.

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Kein Aprilscherz

Nein, heute ist natürlich nicht der 1. April. Heute ist vielmehr der 29. März. Zum Scherzen reizt das Datum trotzdem. Klar, es ist der lange angekündigte glorreiche Tag des Austritts Großbritanniens aus der EU; jener Tag also, an dem Theresa May bis zuletzt eisern als Abschiedstermin festgehalten hatte, ein Versprechen, das sie anscheinend über 100 Mal wiederholt hat; jener Tag, den der arbeitsscheue EU-Abgeordnete Nigel Farage zum öffentlichen Feiertag erklären wollte; den Tag also auch, für den der etwas kühlere Kopf Philip Hammond die Sonderprägung einer 50p-Münze angekündigt hatte, von der nun aber plötzlich nicht mehr wirklich die Rede ist. Man munkelt, das Design habe sich inzwischen verändert, hier der frei imaginierte Eindruck eines Künstlers, wie er als Mockup im Netz zirkuliert…

50p Queen Facepalm

Es ist schon schräg. May hat sich in einer heroischen letzten Geste über ihre ganz persönliche Klippe gestürzt und ihre Partei-"Freunde" Boris Johnson und Jacoble Rees-Mogg um die Unterstützung ihres Deals bei der dritten Abstimmung angefleht, die heute stattfinden soll – mit dem Einsatz ihres ganzen Amtes, das sie aufzugeben bereit sei als Gegenleistung… Politik bizarr! Möglich wird die heutige Abstimmung "MV3" (Meaningful Vote 3, Korrektur: Abstimmung heute nicht um 12h, wie ich zunächst schrieb, sondern ab 15.30 MEZ) nur, weil entsprechend der überraschenden Vorgabe von Speaker Bercow eine substantielle Änderung in der Vorlage eingebaut wurde. Und zwar die, dass der zweite Teil - die "politische Erklärung" - vom Austrittsabkommen abgetrennt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Labour jammert darüber: "Blind Brexit!" Aber das ist nicht das wirkliche Problem, die Erklärung ist ja sowieso rechtlich unverbindlich. Der Haken ist vielmehr, daß die Zahlen - die parlamentarische Stimmen-"Arithmetik" - immer noch gegen Mays Deal sprechen. Die beiden Windbeutel Johnson und Rees-Mogg sind zwar prompt umgefallen und haben ihre hehren Brexiteer-Ideale verkauft – für eine Führungschance für Johnson. Doch die sture DUP blockt immer noch und vermasselt voraussichtlich heute den Deal, nebst einigen weiteren Abgeordneten von Labour, die die Tories unbedingt bräuchten.

Und das Parlament, so spotten manche, hat derweil mal wieder weniger als nix hinbekommen und sich bei den Indicative Votes auf keinen einzigen der acht (unverbindlichen!) Vorschläge einigen können. Diese Einschätzung wäre aber wohl voreilig. Denn, wie Oliver Letwin, der konservative "Erfinder" der Indicative Votes, erklärt: Wenn Mays Deal wirklich zum dritten Mal scheitert und No Deal ganz konkret droht, wird sich das Haus voraussichtlich ganz schnell auf eine Variante einigen. Die bislang populärste in der Abstimmung war die von meinem Lieblings-Tory Ken Clarke: ein Zollunion mit der EU, also einer der softeren Brexits. Könnte man zur Not doch mit leben. Das Pfund jedenfalls lebt noch, auch wenn es gestern mal wieder auf die Mütze bekommen hat. Wenn May dann heute zum dritten Mal auf die Nase fällt, wenn also MV3 vorbei ist, geht es am Montag weiter… mit IV2: Indicative Votes 2. Bring it on!

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Das englische Drama – und die Chance darin



Es ist 21 Uhr am 12.03.19 und das ist der zweite Artikel heute außer der Reihe, dafür kommt morgen Vormittag dann keiner.

Aktueller Anlaß ist die Brexit-Abstimmung, die Theresa May -> gerade wie erwartet verloren hat <-.

Nun wird das Drama also weitergehen, morgen wir wohl über einen Ausstieg ohne Vereinbarung abgestimmt, was auch scheitern dürfte und dann kommt die Verlängerung auf die Agenda. Das aber nur als grobe Idee, der weitere Ablauf ist nun völlig unberechenbar.

Da stellt sich doch die Frage, ob man nun aus britischen Aktien fliehen sollte und meine Antwort ist wie schon seit 2 Jahren: Eindeutig Nein!

Im Gegenteil, das Chaos kann mit den richtigen Aktien auch eine Chance sein.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen wie der Markt reagiert, schauen wir daher mal auf das Verhältnis des britischen Pfunds zum Euro in Stundenkerzen:

Gestern kam die Nachricht, dass May ein "Zugeständnis der EU" bekommen hätte. Jedem war klar, dass es nur "weiße Salbe" ist, aber wer weiß, vielleicht hilft es ja doch, Politik ist nicht immer rational.

In Folge steigt das Pfund zum Euro.

Dann kommt heute Mittag die -> kalte Dusche für May <-, der britische Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox bekräftigt seine Bedenken gegen das Abkommen.

Da war es faktisch schon tot. Und das Pfund fällt wieder.

Nun kommt mit der Abstimmung die Bestätigung und der Kurs schwankt unsicher.

Wie passt das zusammen?

Ich denke recht einfach. Wenig überraschend, will der Markt nun ein Ende des Dramas und Sicherheit. Ich denke es geht dabei nur sekundär um die Frage Brexit ja oder nein, es geht primär darum, dass die ganzen Risiken die mit einem chaotischen Brexit verbunden sind, nun endlich enden.

Denn der Markt sorgt sich primär vor Unsicherheit, mit einem Brexit könnte er ebenso gut umgehen, wie mit einem "Remain". Nur diese quälende Unsicherheit, die belastet.

Und heute Abend schwankt der Kurs nur, weil die Ablehnung seit Mittag erwartet wurde und man nun argumentieren kann, dass ein Rücktritt vom Brexit auch wieder wahrscheinlicher wurde. Kurz, es sind zu viele Optionen in der Luft.

Und diese Unsicherheit lastet eben auf dem Pfund und auf dem Markt, was bedeutet, dass wenn diese Unsicherheit weggeht - wie auch immer - das Pfund wohl zum Euro steigen wird. Das ist meine unmaßgebliche Vermutung.

Wir können also anhand der Signale des Marktes festhalten, dass das britische Pfund von einer wie auch immer gearteten Lösung zum Euro profitieren sollte, einfach weil Unsicherheit entweicht. Bis dahin sind aber noch wilde Swings zu erwarten.

Auch mittelfristig kann man für das Pfund zum Euro eher optimistisch sein, denn während die EZB - um Südeuropa am Leben zu halten - eher über neue Negativzinsen nachdenkt, ist die britische "Base Rate" zwar nicht berauschend, -> mit 0,75% aber weit von der Nulllinie entfernt <- und Pläne für Negativzinsen sind nicht bekannt.

Das heisst, man kann in den kommenden Jahren eher davon ausgehen, dass das Zinsdelta zwischen BoE und EZB weiter aufgeht und auch das sollte das Pfund stützen.

Und damit kommen wir endgültig zum Vorteil für uns als Anleger in Mitteleuropa.

Denn wir suchen ja unter anderem auch nach langfristigen Anlagemöglichkeiten, bei denen wir im Falle des Falles nicht mit dem Euro in den Orkus gezogen werden, das Thema hatten wir ja zuletzt mehrfach besprochen, so auch in -> Fluchtbewegung vor Draghi? <-

Und auch die Schweizer werden das Problem haben, die können sich als vom Euro umgebenes Land, dem Klammergriff nämlich gar nicht entziehen, weil eine zu große Aufwertung zum Euro aufgrund der Handelsabhängigkeiten nicht zu verkraften wäre.

Ich hatte ja auch argumentiert, dass europäische Dividendenwerte bei tieferen Negativzinsen im Euroland so oder so als "Fluchtwährung" herhalten werden und gerade auch institutionelles Geld dort geparkt werden wird.

Das ist kein Widerspruch zu Dollar-Anlagen, es ist einfach Folge einer notwendigen Diversifizierung. Wenn man aus dem Euro will, ist die Auswahl nicht so berauschend und man kann schließlich nicht alles in den US Dollar legen.

Also wird das britische Pfund einen Anteil von diesem "Fluchteffekt" abbekommen und das wird das Pfund weiter treiben.

Halten wir also mal fest:

Erstens haben wir ein britisches Pfund mit guten Chancen, mittel- und langfristig zum Euro aufzuwerten.

Zweitens finden sich die stärksten Dividendenzahler Europas zu einem guten Teil im britischen FTSE100.

Drittens sind das aber oft internationale Konzerne, die nicht so sehr vom Brexit betroffen sind und jeden Ausgang ganz gut verkraften können.

Viertens hat UK bis auf ein paar Ausnahmen keine Quellensteuer bei Dividenden, was Dividendenanlagen bei FTSE Aktien besonders attraktiv macht.

Eigentlich doch keine so schlechte Ausgangslage für uns als Investoren oder?

Und was wären das für Aktien? Hier ist die ganze Liste der UK FTSE100 Dividenden-Zahler, der FTSE100 hat einen beeindruckenden Durchschnitts-Yield von 4,5%, wie gesagt weitgehend ohne Quellensteuer für uns:

-> Dividend Yields FTSE100 <-

Ich greife aber mal drei Beispiele heraus. Alle drei Aktien mit Monatskerzen an der LSE, also Zeithorizont ZH5.

Schon im Video erwähnt wurde der Spirituosen-Riese Diageo (DGE).

Diageo hat "nur" einen Yield von 2,2%, dafür aber dieses beeindruckende Langfristchart - gesoffen wird halt immer, darauf einen Buchanan's! 😉

Dann natürlich für die Tabak-Konzerne British American Tobacco (BATS), die waren hier auch schon Thema mit ihrem aktuellen Yield von 6,6%.

Wird auch immer geraucht? Nicht ganz so sicher wie gesoffen, aber dieses Risiko wurde ja in einer massiven Korrektur verarbeitet, die Analogien zum Geschehen von 2000 hat:

Und dann natürlich *der* Versorger National Grid (NG.) mit einem Yield von 5,3%.

Der ist nicht ganz so dynamisch wie Diageo, dafür ist dem der Brexit relativ egal, Gas & Strom braucht man nämlich mit und ohne Brexit und der Konzern hat auch Netze in Australien und den USA.

Und das Langfrist-Chart zeigt nun einen sehr netten Doppelboden, mit Ähnlichkeiten zum Geschehen 2009/2010:

So ... und nun frage ich: Sind das nicht attraktive Alternativen dafür, seine Euros vor der Entwertung Herrn Draghis zu beschützen?

Ich finde schon. Und wenn nicht die drei, werden sie bei anderen Unternehmen des FTSE100 bestimmt fündig, Brexit hin oder her. Und wenn es nicht immer nur Aktien sein sollen, können Sie dem Pfund ja auch über Anleihen näher treten.

Ich betone aber, es gibt keinen Grund für Hektik bei diesen Aktien, nichts spricht dagegen hier noch ein wenig abzuwarten, wie das Brexit-Drama sich weiter entwickelt. Das wird in den kommenden Wochen nun so oder so entscheidende Wendungen nehmen, die das Pfund noch einmal stark hin und her treiben können.

Ich betone auch erneut, dass solche Aktien wie oben *nicht* im Wettbewerb zu den starken "Growth"-Werten wie Danaher (DHR) stehen. Das ist hier eine ganz andere Agenda, bei der es primär darum geht, Alternativen für Cash auf dem Konto mit Negativzinsen zu finden. Aber in einem großen Depot haben sehr wohl ganz unterschiedliche Agenden Platz, auch das ist "Diversifizierung".

Natürlich legt man auch nicht alle Eier in einen Korb, auch nicht in den Schoß der Queen. Aber einen Teil so eines "Cash-Ersatz-Depots", dürfen britische Aktíen bestimmt ausmachen - weitgehend unabhängig davon, wie das im britischen Drama nun weitergeht.

Und weil das so ist, betrachte ich die Wirrungen des Brexits (wie hier bekannt schon länger) weiter eher als Chance für Anleger. Wir dürfen aber nicht übersehen, dass genügend andere das auch so sehen. Trotzdem besteht die Chance, dass ein gewisser Unsicherheits-Malus hier immer noch in den Kursen ist.

Ihr Hari

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