Hari Live Stream 09.06.21

Organisatorische Erinnerung

Da sich in der letzten Zeit bei der Verlängerung wieder mühsame Friktionen mehren, möchte ich noch einmal ausdrücklich an meinen folgenden Artikel erinnern:

-> Verwaltung ist mühsam <-

Ich empfehle wirklich sich die wenigen Minuten zu nehmen und das noch einmal anzuschauen, es ist ganz einfach für alle, um den Verwaltungsaufwand niedrig zu halten.

Wichtig für den Fall des Falles dass sie die Verlängerung einfach vergessen sollten, ist auch was in Punkt 5 steht.

Wenn sie mit mir offen und ehrlich umgehen, werden sie bei mir auf großes Wohlwollen stossen, jeder übersieht mal was und ich bin kein Bürokrat, sondern sie sind mir wichtig.

Das Gegenteil passiert aber, wenn jemand meint er sei sehr schlau und könne mit Stories oder durch Zahlungen ins Blaue mich zu Handlungen verleiten - dann passiert das genaue Gegenteil, ich werde hart und grundsätzlich.

Die 200€ weniger, die sie als treues Mitglied für alle weiteren Jahre zahlen, sind ein *Rabatt* dafür, dass sie eben treu und ohne Friktionen dauerhaft dabeibleiben. Dieser Rabatt ist eine Motivation sich auf Mr-Market einzulassen und dauerhaft Teil der Community zu werden - denn das ist mein Interesse, nicht schnelles Geld.

Gerne dürfen sie bei der Mitgliedschaft auch rein und rausspringen, wochenlang überlegen, rumzappeln und dann doch weitermachen wollen - das ist alles OK, dann aber eben zu den regulären 490€ - genau dafür ist der Rabatt ja da oder eben nicht.

Also, etwas zu Vergessen ist gar kein Problem, das passiert mir auch ab und zu. Niemand braucht deswegen argumentative Klimmzüge oder eine Kotau machen, die Lösung ist ganz einfach, sich sofort und zeitnah nach Entdecken bei mir per E-Mail melden, 2 nette, ehrliche Zeilen zu schreiben und wir werden das Problem mit guter Wahrscheinlichkeit lösen, wenn es nicht jedesmal passiert.

Dass sie überhaupt in die Situation kommen können die Verlängerung zu vergessen, beruht darauf, dass ich keine automatischen Verlängerungen und Abbuchungen machen will und werde.

Das wäre nämlich viel schlimmer, da sind dann zwar die zufrieden, die dabei bleiben wollen, dafür werden die Diskussionen umso nerviger mit denen, die eigentlich aufhören wollen. Und ich will hier niemanden mitschleppen, der nicht dabei sein will.

Also, nutzen sie die von mir verschickte Erinnerung um die Verlängerung zeitnah vorzunehmen, dafür ist die Erinnerung da. Wenn sie es trotzdem vergessen und das kein Dauerzustand jedes Jahr wird, regeln wir das sobald sie es bemerken, aber nur wenn sie dann zeitnah und offen reagieren, so wie ich auch mit ihnen umgehe.

Vielen Dank!

Und täglich grüsst das Schaukeltier ZH2

Ich könnte und müsste mich heute wiederholen, schauen sie doch selber, es ändert sich rein nichts an der Lage:

In den Indizes passiert weiter nichts, die kleinen Aktien haben dagegen einen positiven Ton, ohne wirklich überzeugend zu sein.

Wenn man bedenkt, dass wir uns noch in den beiden statistisch eher positiven Wochen des Juni befinden, senkt das nicht das Risiko dass wir zum Ende des Quartals noch eine Abgabenphase erleben.

Davor liegt aber erst einmal die FED kommenden Mittwoch und da nun auch Yellen -> von höheren Zinsen redet <-, wissen sie auch was den Markt zu guten Teilen etwas dämpft, da will man doch erst einmal abwarten, wie sich Powell dazu nächste Woche positioniert.

Insofern haben wir eine potentiell mal wieder wichtige FED-Sitzung vor uns, bis dahin könnte es aber durchaus so wie beim Murmeltier weitergehen.

Überkauft, aber nicht extrem

Schöne Übersicht -> von Bespoke hier <- zu den Aktien des DOW und damit ein wenig zur taktischen Marktlage bei den klassischen Industrie-Aktien:

Wir sehen dass viele Aktien überkauft sind, auch ein Grund warum es da gerade nur schaukelt und nicht richtig voran geht. Aber dieser Zustand ist nur von mässigem Charakter und gilt nicht für alle Aktien.

In Summe ein ebenso diffuses Bild wie die aktuellen Kursbewegungen, das Eine hat durchaus auch ein wenig mit dem Anderen zu tun. Der Markt markiert gerade weder einen klaren Boden noch ein klares Hoch, es ist "irgendwas dazwischen", ein Schaukeltier eben. 😉

Was wirklich wichtig ist

Ich habe überlegt darüber wieder einen Artikel zu schreiben, es aber gelassen weil es hoffnungslos ist. Denn während wir uns politisch mit allerlei Manierismen, Schwurbeleien, kleinen Betrügereien und völlig unwichtigen Moralschlachten befassen, finden die wirklich zentralen Dinge still und leise unterhalb der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit statt.

Denn was kann es für uns als Staatsbürger Wichtigeres geben, als die Frage ob wir überhaupt noch einen Staat und eine Verfassung haben oder ob wir den schon nach Brüssel entsorgt haben? Entsorgt in ein Konstrukt, das zwar gerne Staat sein würde, dem es dazu aber an allem fehlt, einer Verfassung sowieso.

Denn was sich hinter dem sperrigen -> Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland <- verbirgt, für das sich so richtig niemand interessieren will, weil Twitterschlachten um Spiegelstrich und Gendergedöns ja viel wichtiger sind, verbirgt sich die für uns absolut zentrale Frage, ob wir überhaupt noch ein souveränes Staatswesen sind, in dem die Bürger direkt ihre Legislative und mittelbar darüber ihre Exekutive und Jurisdiktion wählen.

Dieser Satz bringt den für unser Staatswesen zentralen Machtkampf auf den Punkt:

Nach Ansicht der EU-Kommission stellt das Karlsruher Urteil einen „gefährlichen Präzedenzfall für das Unionsrecht“ dar. Wenn es Schule mache, bestehe die Gefahr, dass das Bundesverfassungsgericht anderen Urteilen des EuGH in Deutschland die Rechtswirkung aberkenne.

Es geht um die Kernfrage, die große Machtfrage, ob letztgültiges Recht für uns als Bürger in Karlsruhe oder in Brüssel gesprochen wird und wenn es in Brüssel gesprochen würde, müsste man folgerichtig als Bürger fragen, warum wir dann nicht nach dem urdemokratischen Prinzip von "ein Mensch eine Stimme" darüber abstimmen können und was denn überhaupt die Verfassung ist, auf deren Grundlage dieser "Staat EU" agiert?

Es ist die Frage ob sich Deutschland endgültig als Nationalstaat abschafft, eine Frage die ich zum Beispiel hier schon vor Jahren immer wieder thematisiert habe:

2018 ganz grundsätzlich den Zusammenhang erklärend, unabhängig vom speziellen Thema Euro: -> Europas strukturelles Problem <-

Ich empfehle diesen Artikel noch einmal zu lesen, er ist topaktuell und es ist eigentlich "Staatsbürgerpflicht" sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, denn es geht zentral um unser Gemeinwesen und seine Verfasstheit.

Und hier viel früher zum speziellen Thema der Eurokrise, die genutzt wurde um die Schranken der Verfassung zu überwinden:

2012: -> Das Ende Deutschlands wie wir es kennen <-

2013: -> Ja, aber – oder wie man sich selber abschafft <-

Und weil ich das alles schon gesagt habe, brauche ich es auch nicht zu wiederholen. Ich erinnere nur daran, dass unsere Zukunft bei solchen zentralen, abstrakten Fragestellungen geschrieben wird und nicht beim Gelaber bei Maischberger oder Will. Maischberger und Will, das ist "Opium für das Volk" oder "Brot und Spiele".

Ich glaube auch den Ausgang des Ganzen zu kennen, ich bin da ganz pessimistisch was den Bestand dieser Verfassung Deutschlands angeht, die wird faktisch mehr und mehr ausgehöhlt, ohne den Souverän ernsthaft zu fragen.

Und ich betone erneut, dass ich mich über einen echten europäischen Bundestaat sehr freuen würde, aber einen echten Bundesstaat, mit echter Demokratie, einer Stimme für jeden Bürger egal aus welchem Land, zentralen Institutionen im Bereich Aussenpolitik, Verteidigung, Wirtschaft, aber ansonsten allergrößter Freiheit der Bundesstaaten bei allem anderen. Ein wenig so, wie die US nach der Gründung mal waren und heute immer noch mehr sind, als dieses vermurkste Brüsseler Konstrukt.

Ein echter Bundesstaat mit einer echten Verfassung, die die Bürger Europas sich gegeben haben. Und dann hat auch ein Europäischer Gerichtshof als letztgültige Instanz seine volle Berechtigung und meine volle Unterstützung.

Das wäre aber ein anderes Deutschland als wir heute haben und in einer Demokratie sollte das der Souverän entscheiden. Im Gegensatz zu anderslautenden Behauptungen gibt die repräsentative Demokratie den Repräsentanten nicht das Recht den Staat abzuschaffen, ohne dafür den Souverän explizit zu fragen. Um das durchzusetzen, bräuchte es aber Verfassungsorgane, die sich nicht selber kastrieren wollen.

Was wir da beim Verfassungsgericht erleben, ist nach meinem Eindruck das letzte Rückzugsgefecht, weil die Unterstützung aus Berlin dafür völlig fehlt.

Und genau das ist ein echtes Problem. Denn ich bin gerne Europas Bürger, aber eines echten, demokratischen Bundesstaates.

Biotech (BNTX) und der rationale Markt ZH3

Das Chart von Biontech ist ein schönes Beispiel, wie der Markt rational abwägt und Risiken wie Chancen einzupreisen versucht. Das 2022er Forward P/E das diesem Chart als Erwartung zugrunde liegt, beträgt nur 7!

Das bedeutet, wenn all die guten Nachrichten sich auch so realisieren würden, wenn BNTX und MRNA weiter die uneingeschränkten Platzhirsche beim Impfen bleiben und auch die Milliardenverträge sich realisieren, die nun schon mit EU und Co. geschlossen wurden, dann ist BNTX auf dem aktuellen Niveau *völlig unterbewertet*!

Denn wenn so ein Umsatz- und Gewinn-Niveau dauerhaft wäre, wenn der Markt da Dauerhaftigkeit erwarten würde, dann würde er BNTX jetzt ein 2022er P/E von 20 und mehr zubilligen, was bedeutet dass der Kurs um 300% höher stehen würde. Schluck. 😛

Das tut der Markt aber nicht, weil er sieht die Risiken und was alles schief gehen kann. Und deswegen versucht er zu diskontieren.

Da die Bewegung aber in so kurzer Zeit so massiv ist und es wenig Maßstäbe gibt sich zu orientieren, tut sich der Markt damit sehr schwer - wer will es ihm verdenken?

Klar ist aber, das sollten wir nicht unterschätzen, dass wenn sich die ganzen guten Nachrichten realisieren und BNTX in eine dominante Stellung hineinwächsen würde, dann wären die aktuellen Kurse "viel zu billig".

Wir wissen es nur nicht, weil vielleicht geht ja was schief und morgen kommt die Nachricht, dass die Impfungen 2 Jahre danach schlimme Nebenwirkungen erzeugen. Oder vielleicht kommt Curevac plötzlich doch in die Puschen und hat eine viel bessere Imfpung.

Und dann wäre BNTX heute viel zu teuer - that´s life. Faktum ist aber, dass der Markt diese extrem unsichere Lage sehr gut und rational navigiert!

Aktien des Tages ZH3

Biomarin Pharmaceuticals (BMRN)

Canopy Growth (CGC)

Was robbt denn da? Es ist eindeutig zu früh da schon viel hinein zu interpretieren, aber auf den Radar im Sinne Watchlist kann man diese Entwicklung am SMA200 mal nehmen:

Trip Advisor (TRIP)

Eine Boom bei Reisen absehbar und so ein Chart? Hmmm. Hmmm. 😉

Die Risiken sind, dass es mit dem Boom nichts wird, weil eine Mutante alles wieder abwürgt. Oder eben unternehmensinterne Probleme. Aber interessant finde ich das schon:

Merck KGaA (MRK)

Die deutsche Merck, potentiell als Folge der Vetriebspartnerschaft mit Biogen (BIIB):

Expedia (EXPE) ZH4

Nochmal zurück zum Thema Reise, dieses Mal im Weekly. Auf Kompression folgt was? .... Na wir werden sehen. 😉

Was machen eigentlich die Goldminen? ZH4

Die Frage ist schnell beantwortet, eine kleine Pause, aber (bisher) keine Richtungsänderung:

Murmeltier mit Schluckaufgefahr ZH3

Was macht der breite Markt? Na sie wissen schon, Murmeltier, Schwurbeltier, Schaukeltier - suchen sie es sich aus, aber das ist keines neuen Chart des Tagesverlaufes würdig.

Aber der Blick auf das Daily mit seiner langsamen Starre, man könnte auch sagen mit dem *Sprungbrett* kurz vor den Notenbanken, sieht schon nicht ungefährlich aus. So ein Sprungbrett hatten wir vor Kurzem schon einmal und zwar Ende April:

Damit sage ich keine Richtung voraus, eigentlich ist das eher ein Ausbruchssetup nach oben, aber hier kann nun jederzeit Volatilität einsetzen, die dann nicht überraschend wäre. Es braucht nur den Katalysator.

Insofern seien wir nun ein wenig vorsichtiger bzw aufmerksamer, wir verlassen die Phase der Lethargie und nähern uns einem Punkt, an dem es ganz plötzlich wieder volatil und dynamisch werden könnte!

Den zweiten Sonderartikel haben sie heute schon -> hier zu SPACs <- bekommen, wir lesen uns morgen ganz regulär zum Stream wieder.

Machen sie es gut!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Hari Live Stream 05.05.20



15:30 MEZ - ZH2

Die Märkte setzen die Stärke nahtlos fort, auch das Urteil des BVG zur EZB wird zumindest von den US Märkten mit einem Schulterzucken betrachtet - dazu im Nachgang zu diesem Eingangspost auführlich mehr.

Ich sehe das mit einer gewissen Faszination, weil ich habe im Nachgang zum Wochenende mit etwas mehr Schwäche gerechnet, auch wenn ich ansonsten völlig neutral und agnostisch war und keineswegs zwingend einen Bruch nach unten auf der Rechnung hatte - nur darauf vorbereiten sollten wir uns halt mit Risikomanagement.

Dass der Markt aber Trumps China Drohungen abschüttelt, Buffetts Skepsis und nun auch das BVG, ist schon faszinierend. Und das passiert ja nicht in einer Phase ansonsten großer Sicherheit, sondern eine massive Rezession von historischem Umfang ist im Gange!

Dass da die Bären langsam abdrehen und "böse Mächte" vermuten, kann man irgendwie verstehen. 😛

Für uns gilt das, was ich auch im Video sagte und sie sehen wie es sich bewährt. Wir sollten nach unten klar absicheren - aber bitte *nicht* zu zappelig und nahe, ich habe die Linie bewusst bei ca. 2.720 *unter* der Seitwärtszone gezogen.

Und ansonsten sollten wir mit mittlerem Exposure dabei sein und abwarten.

15:45 MEZ

Nur zum Bundesverfassungsgericht und zur EZB. Große Worte werden dazu in den Medien geschrieben, wenn wie hier vom -> Rütteln an der Allmacht der EZB <- die Rede ist, nur weil das BVG sich dazu bequemt hat, einen Rest von Selbstbehauptungswillen an den Tag zu legen.

Es wäre vermessen wenn ich jetzt behaupten würde, dass ich alle Konsequenzen schon durchdringe, darüber wird in den Frankfurter Bankentürmen jetzt sicher auch siniert. Aber ich erwarte eigentlich nur einen kleinen Stolperstein, der die Karawane nicht aufhalten wird. Sprich viel bringt das nichts mehr, das Thema ist durch.

Was ist *durch*?

Ganz grundsätzlich die langsame Verschiebung der Rechte des deutschen Souveräns an die supranationalen Organisationen EU und EZB, die - ich habe dazu mehrere Artikel verfasst und will das hier nicht ausführlich wiederholen - nach meiner Auffassung die Verfassung und unseren Staat von innen aushöhlt.

Das gelingt nur, weil wir durch den langsamen Übergang wie der Frosch sind, der langsam im Glas gekocht wird und der daher die langsam steigenden Temperaturen nie bemerkt.

Hätte man uns im Jahr 1995, also vor 25 Jahren, summarisch aufgelistet, was alles nun aus der Verfügungsgewalt unserer Verfassungsorgane nach Brüssel und zur EZB gewandert ist, ohne dass diese demokratisch legitimiert sind, wären wir wie der Frosch erschreckt aus dem Glas gesprungen und hätten gerufen: Das ist ein Verfassungsputsch!

Dabei hätte ich ja gar nichts gegen einen gemeinsamen europäischen Staat - womit ich nicht die EU, sondern ein enger integriertes Gebilde meine - dieser muss dann aber eine eigene Verfasstheit haben und vor allem demokratisch sein, was heisst 1 Bürger = 1 Stimme. Das und vieles andere ist bei der EU nicht gegeben und das Parlament mit seiner Stimm-Arithmetik und fehlenden Einflussmöglichkeiten ist weiter nur das Abziehbild eines echten Parlamentes.

Die Politik hat sich aber im Lichte des Wissens, dass eine echte Staatsgründung eines europäischen Staates nicht durchsetzbar ist, dazu entschlossen uns Bürger langsam wie den Frosch zu "erhitzen" und immer mehr an das Brüsseler-Gebilde abzugeben, dem an vielen Ecken eben echte Legitimation im Sinne eines Staates fehlt. Und die EZB ist davon nur eine weitere Variante, die nach den gleichen Methoden den Frosch erhitzt, bis er sich zersetzt und auflöst.

Diese langsame Bewegung, diese Verlagerung von wichtigen Entscheidungen des Verfassungs-Sourveräns an EU und EZB, hat das BVG mehr als 20 Jahre immer in kleinen Schritten mitgemacht, bis zur Selbstaufgabe.

Das was nun vom BVG moniert wird, ist auch keineswegs mutig und betrifft nicht die wirkliche Substanz der Staatsfinanzierung. Und natürlich sind die Anleihenaufkäufe der EZB Staatsfinanzierung, völlig lächerlich das umzudeklinieren! Hätte das BVG die Anleihenkäufe zur Staatsfinanzierung erhoben, dann *würden* wir eine harte Marktreaktion sehen. Davor sind sie aber zurückgeschreckt.

Dabei ist es doch ganz einfach. Würde die EZB die Staatsanleihen Italiens nicht mehr aufkaufen, könnte sich Italien nicht mehr finanzieren und wäre Pleite - das ist unbestreitbares Faktum. Was ist das jetzt bitte etwas anderes als Staatsfinanzierung durch die EZB?

Nein, das BVG kritisiert hier nur, dass die EZB sich die Rechte einfach genommen hat und diese Abgabe nicht wie andere vom Bundestag genehmigt wird. Ja mei, würde der Bayer sagen, dann holen wir das halt nach.

Ich bin mit einigen Staatsrechtlern statt dessen der Meinung, dass die Vertreter des Souveräns (das Parlament) ihre Rechte *gar nicht an andere abtreten können*, ohne sich vom Souverän dafür eine Genehmigung zu holen, was Volksabstimmung und Verfassungsänderungs-Konvent heissen würde.

Wenn ich als Gesellschafter einer Firma einen Geschäftsführer bestelle, kann der auch nicht sagen dass er seine Verantwortung jetzt mal woanders hin abgibt, sondern diese Entscheidung obliegt alleine mir, dem Gesellschafter, weil sie gesellschaftsverändernden Charakter hat und damit außerhalb der Kompetenz des eingesetzten Geschäftsführers oder hier Parlamentariers ist.

Und diese Abgabe der Rechte durch den Bundestag an übergeordnete Konstrukte *hat auch gesellschaftsverändernden Charakter*, weswegen diese dem Souverän vorzulegen wäre. Dieses strukturverändernde Thema, das einem Verfassungs-Konvent entspricht, ist mMn nicht durch eine allgemeine, repräsentative Wahl abgedeckt.

Man könnte auch anders formulieren:

Wir geben als Souverän über Wahlen unseren Parlamentariern das Recht, für uns gesetzgeberisch zu agieren. Aber haben wir ihnen damit auch das Recht gegeben, sich selber und die Ordnung unter der wir sie gewählt haben auszuhöhlen und langfristig abzuschaffen? Ich meine Nein.

Aber wie auch immer, diese staatsrechtliche Sicht wird auch vom BVG seit über 20 Jahren beiseite geschoben, was heute passiert ist, ändert daran gar nichts, zumal man sich an das wirklich wichtige Brett - die Staatsfinanzierung - gar nicht heran getraut hat.

Trotzdem hat selbst das zu einem kurzen Zucker im Euro und bei den italienischen Staatsanleihen geführt, aber auch nicht mehr:

Fazit: Ich habe das *RIP* zum BVG und zum deutschen Verfassungsstaat schon 2012 und -> zB hier 2014 <- beschrieben, daran hat sich nichts geändert. Ich zitiere von damals und könnte auch heute sagen:

Es bleibt mir weiter ein Rätsel, warum den Verfassungsrichtern scheinbar der Mumm fehlte, diesen notwendigen Strich am konkreten Fall mal scharf zu ziehen. Den Grenzstrich zwischen legitimer Abgabe bestimmter Rechte an eine übergeordnete Institution und einer illegitimen Aushöhlung der Verfassung ohne Mandat des Souveräns. Der EUGH hat dazu nichts beizutragen, das ist alleine eine Frage der deutschen Verfassung.

In meinen Augen hat das BVG aus Angst vor der Courage eine grosse Chance vertan, Europa wieder eine belastbare Grundlage zu verschaffen. Der Preis wäre dafür eine kurze Phase der Unsicherheit und Turbulenzen an den Märkten gewesen. Aber die kommen so oder so, man kann nicht ewig zusammen pressen, was gar nicht so zusammen gehören will.

16:35 MEZ - ZH3

Zu den Zahlen heute, Dominion Energy (D) und L3 Harris (LHX) überzeugen und haben eine ähnliche Struktur unter der abwärts gerichteten Trendlinie:

Newmont Goldcorp (NEM) ist diffus:

Und Regeneron (REGN) bestätigt die hohen Erwartungen:

16:40 MEZ

Noch einmal zum Thema Hedging im Bereich der Absicherung, weil immer die gleichen Probleme kommen und das frustriert.

Dieses Mal keine Erklärungen, davon gibt es genug, sondern kurze, knappe und unmissverständliche Handlungsanweisungen:

(1) Wer kein großes, wohl differenziertes Investment-Depot hat, braucht kein Hedging! Sparen Sie sich alle weiteren Punkte!

(2) Wer nicht zuverlässig große Long-Positionen mit den klassischen Methoden (Trends, Unterstützungen) timen kann, dem fehlt die Grundlage für das Hedging!

(3) Hedging löst *keines* der Timing-Probleme, die man auch ohne Hedging hat!

(4.1) Statt über Hedges zu grübeln, fragen Sie sich, wann sie ihr Depot teilweise oder ganz verkaufen wollen. Genau das machen sie dann auch, nur dass technisch gesehen ihre Hand statt bei vielen Aktien auf den Verkaufsknopf zu drücken, eine Gegenposition (Hedge) in gleicher Höhe kauft.

(4.2) Wenn Sie also wissen, wann sie verkaufen müssen, wissen sie auch, wann sie hedgen müssen. Wenn sie das nicht wissen, haben sie auch bei Hedges nichts verloren, sondern weit grundsätzlichere Probleme.

(5.1) Statt über das Auflösen von Hedges zu grübeln, fragen Sie sich, wann sie ihr Depot wieder aufbauen und ihr Exposure erhöhen wollen. Genau das machen sie dann auch, nur dass technisch gesehen ihre Hand statt bei vielen Aktien auf den Kaufknopf zu drücken, die Gegenposition (Hedge) in gleicher Höhe wieder auflöst.

(5.2) Wenn Sie also wissen, wann sie wieder kaufen wollen, wissen sie auch, wann sie die Hedges auflösen. Wenn sie das nicht wissen, haben sie auch bei Hedges nichts verloren, sondern weit grundsätzlichere Probleme.

Kurz und knapp, wer seine Positionen mit einer Strategie timen kann, kann auch Hedgen, wenn das wg Grösse des Depots einen Sinn macht. Wer nicht, der nicht.

Eine spezielle Timing-Logik für Hedges zur Absicherung gibt es nicht. Verkaufen und Kaufen sie, das ist die Frage, die Hedges sind nur technisches Tool dafür, das invers eingesetzt wird und nur wenn es wg großem Depot Sinn hat.

17:40 MEZ - ZH3

Ich bin heute durch allerlei abgelenkt, tut mir leid. Hier in Bayern werden die Beschränkungen ja nun auch gelockert und irgendwie wirkt das so, als ob nun überall der Wahnsinn ausbricht. Das Telefon klingelt, Leute fragen, die Schule meldet sich usw und so fort.

Meine Frau berichtet gerade, dass an der Kasse der Kunde vor ihr der Kassierin im Ton des Geheimnisses erklärt hat, dass ja Bill Gates an dem Ganzen schuld sei, weil der damit Millionen verdienen wolle. Und die hat natürlich interessiert zugehört.

Oh Gott das zieht Kreise, wir sind wieder im Mittelalter angekommen! Es ist einfach furchtbar.

Der Markt schiebt weiter hoch und negiert jede Schwäche, bald wird diese Darstellung damit in Frage gestellt und das Szenario einer temporären Topbildung muss verworfen werden:

17:55 MEZ - ZH3

Wer echte Weltraumaktien sucht, tut sich damit ja schwer. Um so erstaunlicher, dass mit OHB eine der wenigen aus Deutschland kommt, dank der Familie Fuchs, die Raumfahrt im Blut hat.

Ich habe das Unternehmen oft genug besprochen, daher hier kein Wort mehr dazu, aber auf das Chart will ich sie aufmerksam machen.

Diese Range wird irgendwann brechen und wenn nach oben, generiert das beim lila Stern über der 200-Tage-Linie ein Kaufsignal:

18:15 - ZH3 - ZH5

Ganz stark heute nach Zahlen auch der Laserspezialist IPG Photonics (IPGP):

Aber noch ist nichts passiert, es könnte aber bald was nach oben passieren:

18:20 - ZH3

Skyworks Solutions (SWKS), Apple-Zulieferer und 5G-Aktie - gestern Abend mit guten Zahlen und jetzt?

18:30 MEZ - ZH1

Ganz starker Tag, die Liquidität überrennt weiter alles. Schauen Sie hier via Finviz (klickbar) auf die 20 größten Aktien nach Marktkapitalisierung mit heute mindestens 4% Plus:

Zum weiteren Verlauf bin ich diese Woche weiter neutral und agnostisch. Ich sichere unter der Seitwärtsrange ab und bin ansonsten ruhig dabei.

Aber das Geschehen hat schon eine Botschaft für uns. Es ist die Botschaft, dass der von der Liquidität ausgehende Kaufdruck alles überrollt, selbst abstrakte Sorgen vor einem neuen Handelskonflikt.

Und das bedeutet, dass diese Range wohl eher *nach oben* bricht, außer - und das ist die große Wildcard - die zweite Infektionswelle kommt und die Öffnungen zurückgedreht werden müssten.

Aber dagegen haben wir ein Risikomanagement und wenn wir keines haben, brauchen wir eines. Mit dem Risikomanagement im Rücken, können wir aber entspannt nach oben agieren.

Bis Morgen!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Armes England

Ein Land im Chaos: Der Brexit-Wirrwarr. Die Terror-Anschläge. Die Wahl. Und jetzt dieses furchtbare Feuer. Es ernüchtert schrecklich nach dem immer frivoler kommentierten Taumeln der noch ungebildeten Regierung.

Aber vielleicht wird, was letzteres angeht, ja alles gar nicht so schlimm. Ein neues Datum für die von der Königin vorgetragene indirekte Regierungserklärung zur Eröffnung der neuen Unterhaus-Legislaturperiode ist gefunden (21.6.), die Probleme mit dem Ziegenhautpergament konnten wohl geklärt werden. Dagegen ist der Tolerierungspakt mit der nordirischen DUP immer noch in der Schwebe. Es ist aber vielleicht sowieso wünschenswert, daß dieses „Confidence and Supply“ Agreement nicht zustande kommt. Es beinhaltet ja DUP-Unterstützung bei Haushalt und Vertrauensfrage im Austausch gegen Einzelzugeständnisse an die Unionisten in Nordirland. Darin sehen viele einen Verstoß gegen die Neutralität Großbritanniens im nordirischen Friedensprozeß. Bizarr, daß die Tories, die Jeremy Corbyn seine Positionen zur IRA in schrillen Tönen vorgehalten hatten, jetzt selbst eine Fast-Koalition mit einer Partei verhandeln, die ebenfalls historisch mit einem Bein im Terror steht.

Eine echte Minderheitsregierung der Tories wäre ja ebenfalls denkbar. Zumal, wenn sie sich über Parteigrenzen hinweg um einen neuen Brexitansatz bemühten. Damit würde dieses zentrale politische Thema, das im Wahlkampf kaum ernstzunehmend debattiert wurde, endlich die gebührende Aufmerksamkeit erhalten. Witzbolde haben schon gefordert, man solle Lord Buckethead als Chefunterhändler nach Brüssel schicken, den Scherzkandidaten aus Mays Wahlkreis. Stattdessen könnte es noch besser eine inoffizielle GroKo in UK regeln. Einigte man sich politisch querbeet auf einen Brexit light, auf einen Status im Stil von Norwegen oder Schweiz, dann wäre die Sache ruckzuck in trockenen Tüchern. Ein Entgegenkommen der Tories ist sogar realistisch und zeigt sich schon in ersten Statements für einen Soft Brexit aus ihren Reihen. Denn die ebenfalls durchaus möglichen Neuwahlen wollen die Tories um jeden Preis vermeiden. Sie müßten eine Niederlage befürchten.

Das ist offensichtlich das Fazit dieser Tage. Die politische Stimmung hat sich grundlegend und nachhaltig verändert. Corbyn ist plötzlich „wählbar“ geworden. Und das schreckliche Feuer im schlampig betriebenen, unsauber renovierten Sozialblock paßt auf grimmige Weise zu dieser tiefgreifenden Wandlung der öffentlichen Wahrnehmung. Denn die Katastrophe wird allgemein der herrschenden Sparpolitik angelastet. Der Kampf gegen „red tape“, gegen Regulierungen und Sicherheitsregeln ganz buchstäblich auch im Wohnungs- und Mietwesen, die Verunglimpfung der staatlichen Schutzfunktion als „Nanny state“, Schrumpfung des öffentlichen Handelns, Privatisierung: Das klingt pötzlich alles sehr hohl. Der Brand wird stillschweigend als eine tragische Bestätigung des Corbynschen Moments aufgefaßt. Die Tories und die Brexiteers haben einen Schuß vor den Bug bekommen, UKIP ist erledigt, New Labour ist Geschichte. Wie es sich nun auch immer konkret weiterentwickeln und -verheddern mag, der Ruf der „austerity“-Poliutik ist schwer beschädigt, vielleicht unwiderruflich.

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Der letzte Ritter der Mitte



Guten Morgen!

Macron ist es geworden und das war nach der Debatte am Mittwoch, in der Macron einen Fehler vermieden hat, schon weitgehend klar und wurde auch vom Markt schon am Freitag gefeiert.

Wie gefährlich solche medialen Momente in den Wahlkämpfen der Neuzeit sind, in denen nicht Politiker und schon gar nicht Parteiprogramme, sondern mediale Profile von Kandidaten gewählt werden, konnten wir ja hautnah am SPD Wahlverlierer Albig beobachten. Sein Satz von der fehlenden Augenhöhe im Gespräch mit seiner Ex-Frau, hat ihm mit Sicherheit massiv geschadet, weil jedermann daraus ein Charakterprofil ableitet, das man in die eigene Erlebenswelt übertragen kann. Ob Albig das wirklich so gemeint hat, ist völlig unerheblich, der massive Schaden war in dem Moment angerichtet. Und auch der Gewinner Günther hätte nur einen klitzekleinen Fehler machen müssen, der das bereit stehende Abziehbild des unerfahrenen Naivlings bedient hätte und schon wäre die Wahl ganz anders ausgegangen.

Wir müssen leider festhalten, dass schauspielerische Qualitäten ein integraler Bestandteil politischen Erfolges sind. Wichtig ist, ein klares Eigenprofil zu entwickeln und das dann konsequent zu pflegen, damit es authentisch wirkt. Ob man wirklich so ist? Geschenkt.

Aber man mus auch festhalten, dass das nichts mit der Neuzeit zu tun hat, das war schon immer so. Alle grossen Verführer, Diktatoren und Helden der Geschichte, waren auch Schauspieler und haben zumindest während ihres Aufstiegs authentisch gewirkt und die Emotionen ihrer Jünger damit bedient. Wer weiss was Führung ist, weiss auch dass dieses Schauspiel, diese Fassade zwingend dazu gehört.

Gute Führung unterscheidet sich von verlogener unter anderem dadurch, dass man die Divergenz zwischen gepflegtem Aussenbild und Realität nicht zu gross werden lässt. Merkel hatte so einen verheerenden Moment, in dem diese Diskrepanz plötzlich sichtbar wurde, im Herbst 2015. Seitdem tut sie alles dafür, diese Lücke wieder zu schliessen und die alle Wunden heilenden Zeit, ist dabei ihr Verbündeter.

Macron ist es also geworden, aber zu Jubel besteht keinerlei Anlass und die über 60% für ihn zeichnen ein völlig falsches Bild. Es gibt keine 60% Mehrheit für Macron und seine Politik in Frankreich und das wird sich bei der kommenden Parlamentswahl schnell zeigen. Es gab nur eine 60% Mehrheit gegen LePen, das ist Faktum. Es war keine "Pro Macron", sondern eine "Contra LePen" Wahl - nichts anderes.

Schon heute haben Gewerkschaften - konkret die CGT - zu Protesten gegen Macrons "neoliberale" Politik aufgerufen. Wer das absurd findet, steht nicht alleine. In der bundesdeutschen Farbenlehre würde man Macron wohl als "sozialliberal" einsortieren und selbst wenn er "rechter" wäre, auch ihm sollte man mal 100 Tage gönnen, bevor man zu protestieren beginnt.

Aber es zeigt, womit Macron es zu tun hat. Auf der einen Seite eine weiter gefestigte Front National mit ihren Nationalstaats-Fetischisten, die keine sinnvolle Antwort auf die Zukunft der Welt haben. Auf der anderen Seite der Sozialutopist Melenchon, der mit Konzepten aus der Mottenkiste auch Hugo Chavez heissen könnte, einen grossen Unterschied würde es nicht machen.

Wenn man so will ist Macron in einem Land, das seine Altpolitiker nun weitgehend entsorgt hat, der "letzte Ritter der Mitte". Ein Ritter ohne Hausmacht, der sich starker und wachsender Strömungen auf beiden Seiten erwehren muss und in den kommenden 5 Jahren durch seine fehlende Hausmacht unter dem grossen Risiko steht, zum "Ritter ohne Kraft" zu werden und zu scheitern.

Macron hat ohne Frage eine Chance. Aber wenn er diese nicht nutzt, werden sich in der nächsten Stichwahl LePen und Melenchon oder wer immer ihre Nachfolger sind gegenüber stehen. Gewisse Parallelen dazu, wie in der Weimarer Republik die Mitte zwischen den Extremen zerrieben wurde, sind nicht zu übersehen.

Dabei gibt es für mich gar keinen Zweifel, dass eine Rückkehr zum reinen Nationalismus in Europa keine Zukunft hat. Diese Nationalstaaten sind - selbst Frankreich und Deutschland - viel zu klein und schwach um alleine in dieser sich entwickelnden Welt ihren Weg zu gehen.

Andererseits gibt es auch keinen Zweifel, dass dieser real existierende Brüsseler Apparat eine Totgeburt ist, ein Elitenprojekt, das bei den Menschen nicht ankommt und vor allem auch durch seinen Zentralismus mehr Schaden als Nutzen anrichtet.

Was Europa in meinen Augen wirklich braucht, ist eine Union freier Nationalstaaten. Das heisst eine echte Bündelung wirklich gemeinsamer Interessen im Bereich Aussenpolitik, Handelspolitik und Verteidigungspolitik und das bis zu einem echten, gemeinsamen Präsidenten und einer gemeinsamen Aussen- und Verteidigungspolitik. Also schon ein echter Staatenbund mit gemeinsamen Institutionen. Auf der Ebene darunter aber völlig freie Nationalstaaten ohne Brüsseler Vereinheitlichungs-Gängelung, in denen sich die Identität der Bürger wiederfindet.

Mehr Integration bei den einen Themen. Den völligen Verzicht auf Gleichmacherei bei anderen Themen. Eine Union freier Vaterländer. Witzigerweise ist das immer das Bild gewesen, das Frankreich von Europa hatte, während die deutsche politische Elite in ihrem Bemühen Deutschland abzuschaffen, immer den voll integrierten Super-Bundesstaat in Europa verfolgte.

Letzteres ist aber eine Illusion und wird nie Realität werden und nur Deutschland in seinem von den Eliten getragenen Selbst-Ekel, verfolgt ernsthaft diese Denkschule. Dieser sehr lesenswerte Artikel von Wolfgang Streeck bringt es auf den Punkt, den ich Ihnen unbedingt empfehlen möchte: -> Nicht ohne meine Nation <-

Wenn Deutschland nun umschwenken würde und auch die Idee des Staatenbundes der Vaterländer verfolgen würde, könnte sich daraus mit Macron eine Menge positive Dynamik entwickeln. Aber das würde Gestaltungswillen erfordern, womit wir wieder bei der Besetzerin des Bundeskanzleramtes sind, die keine Historie beim Gestaltungswillen hat, sondern sich immer nur moderierend auf die vorherrschende Strömung setzt, was immer diese ist. Eine gute Traderin müsste Merkel damit übrigens sein, die richtige Haltung hat sie dazu.

So weit mein Blick auf diese Wahl in Frankreich, die kommenden 5 Jahre werden wohl die letzte Chance sein, das Ruder ohne revolutionäre Veränderungen noch herum zu reissen.

Der Markt zeigt heute in seiner Reaktion, was ich schon am Freitag angekündigt habe. Macrons Sieg wurde schon am Freitag abgefackelt und nun steht das Risiko einer "fait accompli" Reaktion im Raum, einer Korrektur nach der vollendeten Tatsache.

Ob es dazu kommt und wie tief so eine Korrektur geht kann ich nicht wirklich sagen. Ich halte es aber für sehr wahrscheinlich, dass der übergeordnete Aufwärtstrend erhalten bleibt.

Im Chart des SP500 sehen wir mit einem potentiellen Doppeltop das Risiko das wir vor uns haben. Zumindest mit dieser kleinen Korrektur wie eingezeichnet, sollte man nun rechnen, aber auch ein Gapfill vom 24.04. ist denkbar:

Im DAX habe ich Ihnen schon am Freitag gezeigt, dass diese Rally zwar noch theoretisch Luft bis über 13.000 hat, der Punkt an dem sie aber zwangsweise Luft holen muss nicht mehr weit sein dürfte.

Im grossen Bild über den Sommer favorisiere ich ganz grob gezeichnet immer noch so ein Szenario für 2017:

Also die Etablierung einer Sommerange mit eingebetteter Korrektur irgendwann - typischerweise im Juni - und dann ein gutes Jahresende für ein prinzipiell positives Börsenjahr.

Aber das ist wie gesagt nur ein grobes Szenario, ein Gedankenmodell sozusagen, mit dem ich nun arbeite. Wenn der SP500 nun doch über 2.400 nach oben hinweg zieht, sind wir in einem ganz anderen Spiel.

So weit an diesem Morgen, jetzt schauen wir mal, wie tief die "Sell the News" Reaktion gehen will, die ja schon leicht angelaufen ist.

Ihr Hari

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Erneuerer oder Schwätzer?



Guten Morgen nach der Wahl in Frankreich!

Mit dieser Wahl wurde für den Euro ein erheblicher Block aus dem Weg geräumt, wie nah das Desaster war, sah man ja schon an den Gerüchten um Kapitalverkehrskontrollen. Der zweite Wahlgang in 2 Wochen birgt etwas weniger Unsicherheiten und Macron wird wohl der nächste Präsident der französischen Republik. Mit ihm kommt - wie in Frankreich üblich - viel Pathos, aber auch der positive Wunsch eines jüngeren Menschen, noch etwas grundlegend zu bewegen.

Gleichzeitig besitzt Macron aber keine politische Hausmacht und läuft ohne parlamentarische Unterstützung daher Gefahr, zu einem "Grüß-Gott-August" zu werden, der wie Obama die grossen, wohlfeilen Reden schwingt, aber nichts auf die Reihe bringt. Die entscheidende Wegscheide dafür sind die Parlamentswahlen im Juni, wenn es Macrons Bewegung da nicht gelingt sich eine parlamentarische Hausmacht zu erobern, spricht viel für das Obama Szenario und LePens grosse Zeit kommt dann danach in ein paar Jahren, wenn eine bürgerliche Erneuerungsbewegung gescheitert ist.

In unserem ureigenen Interesse sollten wir Macron ein anderes Schicksal wünschen und Deutschland muss und wird dabei auch mithelfen wollen. Trotz seines absehbaren Sieges sollte aber nicht übersehen werden, dass über alle Kandidaten hinweg ca. 50% der Franzosen gegen die EU und gegen den Euro gestimmt haben, wenn man Stimmen der Kandidaten zusammen zählt, die das im Programm trugen, allen voran Melenchon und LePen.

Ich persönlich bin etwas hin und her gerissen. Ich wünsche mir einerseits eine Zukunft eines vereinten Europas und gerade weil ich die Geschichte sehr gut verstehe, sehe ich keine Zukunft Deutschlands alleine in seiner geostrategisch prekär eingezwängten Lage. Diese Chance, Mitteleuropa im positiven Sinne neu zu ordnen - im Sinne eines neu erweckten, lockeren Staatesbundes wie des heiligen römisches Reiches deutscher Nation - wurde mit der kleinen Reichsgründung Bismarcks ohne Östereich/Ungarn 1871, dem damit aufkommenden Nationalismus und den 2 Weltkriegen als Folge grundlegend vertan. Diese Chance kommt nicht wieder, die einzige Hoffnung eines in die Zukunft schreitenden Mitteleuropas, ist und bleibt die europäischen Einigung. Was das angeht, bin ich mit dem politischen Mainstream einer Meinung.

Die einzige Zukunft in Europa zu sehen, heisst aber nicht zwingend in diesem real existierenden Brüsseler Europa. Dieses ödet mich an und zeichnet sich durch Stillstand und richtungslose Starre aus. Dieses Europa würde ich gerne ersetzen durch eines, das die Stärke der Vielfalt orchestriert, statt zum Bürokraten-Stadel zu mutieren. Und damit das gelingt - und das ist die anderen Seite meiner Gedanken - wäre etwas mehr Drama eigentlich gut. Denn erst in der Krise kommt in der Demokratie die Bereitschaft zum Wandel. So verrückt sich das anhört, könnte gerade der Kataklysmus eines Sieges LePens die Kräfte der Veränderung erst richtig zum Leben erwecken. Ich weiss, das ist ein riskantes Spiel, das auch nach hinten los gehen und Europa zerstören kann und Macron ist demgegenüber die sicherere, einfachere Wette. Aber es ist ein Spiel das Veränderung bringt und Veränderung hat mich noch nie geschreckt.

Insofern bin ich eben hin und her gerissen, ob ich das mit Marcon wiederkehrende "weiter so" wirklich begrüsse, auch wenn es nun mit jugendlicherem, optimistischerem Ton vorgetragen wird. Die entscheidende Frage wird sein, ob es das Treiben und Leiden der EU nur verlängert, oder ob es zu einem Ruck führt. Einen Ruck, den ich mir beim deutschen Politpersonal aber leider nicht vorstellen kann und an diesem Personal wird sich im Herbst wohl durch die Wahl rein gar nichts ändern. Das bräuchte erst eine ganz grundlegende Wahlrechtsreform, die die Frösche im Teich aber verweigern werden.

Am Ende treffe aber ja nicht ich diese Entscheidung, insofern brauche ich da auch nicht zu grübeln, die französischen Wähler treffen diese und mit deren Wahl in Form von Macron, kann ich gut leben. Zumindest erspart es uns nun unmittelbar schwere Verwerfungen, mit denen wir uns auseinander setzen müssen. Ob damit die Blechdose aber nur etwas weiter die Strasse herunter getreten wird, ob mit Marcon die EU nun eine neue Zukunft bekommt oder nur das Leiden verlängert wird, ist offen. Das ist aber ein langfristiger Blick, kurzfristig ist der Wahlausgang für die Märkte eine eindeutige Erleichterung. Der massive Sprung im Euro kündet davon:

Ganz wichtig wird dabei sein, ob EURUSD nun diese Nackenlinie hinter sich lassen kann, nach dem initialen Schub der Nacht, sehen wir hier schon wieder ein Zögern. Das dürfte damit zu tun haben, dass sich der Blick nun sofort auf die EZB Sitzung diesen Donnerstag richtet. Es kann sein, Gerüchte künden schon davon, dass Draghi nach dem Sieg Macrons nun den Deckel lüftet und Indikatoren in Richtung eines gemässigten Ausstiegs aus der Negativzinspolitik gibt. Wenn das passiert, dürfte der Euro nach oben weg gehen. Es dürfte dieses Fragezeichen sein, das den Kurs noch zögern lässt.

Was die Indizes angeht, habe ich vor ein paar Tagen in -> Mal Hinschauen! <- im freien Bereich das Chart des SP500 so gezeigt und dazu geschrieben:

Wenn sich diese Gefahr aber nicht realisiert, ist mit einer deutlichen Erleichterungs- und Erholungsreaktion zu rechnen. Und das passt auch zum grösseren Bild, wenn man mal hinschaut:

Das Hauptaugenmerk dieser Woche sollte aber nicht auf dem SP500, sondern auf den europäische Aktien liegen, die nun gute Chancen zur Erleichterungsrally haben. Im Eurostoxx 50 sollte sich das nun in einer klaren Auflösung der Flagge nach oben äussern:

Ganz grundsätzlich gehe ich aber davon aus, dass die Erleichterungsrally nun schnell abgefackelt wird, aber keine grosse nachhaltige Wirkung hat und schon morgen gedanklich vom Radar des Marktes ist. Das liegt daran, dass es im Gegensatz zum Brexit und zur US-Wahl hier wohl keine wirklich grosse Skepsis im Vorfeld gab. Ein Melenchon-LePen Szenario hätte den Markt ins Herz getroffen und wohl zu einem Desaster geführt, darauf war er nicht vorbereitet. Umgedreht bedeutet das aber auch, dass das unmittelbare Upside daraus nun begrenzt ist, für einen schönen Erleichterungssprung sollte es aber locker reichen und der DAX dürfte wohl die 12.400 bald wieder testen.

Aber auch wenn grosse Aufreger nun hinter uns liegen, wird uns diese Woche bestimmt nicht langweilig. Denn die Quartalssaison erreicht ihre Hochphase. Wir haben diese Woche an hier besprochenen Aktien:

Montag:

Alcoa (AA), Barrick Gold (ABX), Haliburton (HAL), Kimberly-Clark (KMB), Newmont Mining (NEM), Philips (PHG), Telekom Austria (TELA), Unisys (UIS), Villeroy&Boch, Whitbread (WTB)

Dienstag:

3M (MMM), AK Steel (AKS), AT&T (T), Acadia Healthcare (ACHC), Arconic (ARNC), Baker Hughes (BHI), Biogen (BIIB), Canon (CAJ), Caterpillar (CAT), Chipotle Mexican Grill (CMG), Coca Cola (KO), Corning (GLW), Cree (CREE), Dupont (DD), Edwards Lifesciences (EW), Eli Lilly (LLY), Freeport McMoran (FCX), Illumina (ILMN), iRobot (IRBT), Juniper (JNPR), Ericsson (ERIC), Lockheed Martin (LMT), Logitech (LOGI), McDonalds (MCD), Novartis (NOVN), Pentair (PNR), Puma, SAP, Texas Instruments (TXN), US Steel (X), Valero Energy (VLO), Xerox (XRX)

Mittwoch:

Amgen (AMGN), Amphenol (APH), Assa Abloy, Barcleys (BCS), Baxter (BAX), Boeing (BA), Cavium (CAVM), Citrix Systems (CTXS), Clariant (CLN), Coeur Mining (CDE), Credit Suisse (CS) Cryolife (CRY), Dassault Systems, Dolby Labs (DLB), FLIR Systems (FLIR), First Solar (FSLR), Fiserv (FISV), General Dynamics (GD), GlaxoSmithKline (GSK), Goldcorp (GG), Hess (HES), Komatsu, New Gold (NGD), Nintendo, Northrop Grumman (NOC), Novozymes, Pacific Biosciences (PACB), Paypal (PYPL), Pepsico (PEP), Procter & Gamble (PG), Santander, Seagate (STX), ServiceNow (NOW), Suncor Energy (SU), Tenaris (TS), Teradyne (TER), Thermo Fisher Scientific (TMO), Total, Twitter (TWTR), United Technologies (UTX), Xilinx (XLNX)

Donnerstag:

A10 Network (ATEN), AbbVie (ABBV), Agenus (AGEN), Agnico Eagle Mines (AEM), Airbus (AIRG), Alexion (ALXN), Alphabet (GOOGL), Amazon (AMZN), American Airlines (AAL), Astra Zeneca (AZN), BASF, Bayer, Baiersdorf, Bristol-Myers Squibb (BMY), Celgene (CELG), Cerner (CERN), Checkpoint Software (CHKP), Cliffs Natural Resources (CLF), Cypress (CY), DMG Mori Seiki, Deutsche Bank, Dow Chemical (DOW), Exakt Sciences (EXAS), Expedia (EXPE), Fielmann, Flex (FLEX), Ford (F), Fortinet (FTNT), GoPro (GPRO), Intel (INTC), International Paper (IP), Johnson Controls (JCI), Kuka, Krones, Marathon Petroleum (MPC), Microsoft (MSFT), Mueller Water Products (MWA), Oaktree (OAK), Orange, Potash (POT), Raytheon (RTN), Roche, ST Micro, Sarepta (SRPT), Skyworks (SWKS), Sony, Starbucks (SBUX), Stora Enso, Synaptics (SYNA), Teradata (TDC), Under Armour (UA), UPS (UPS), Vale (VALE), Verisign (VRSN), Vertex Pharmaceuticals (VRTX), Vossloh, Wacker Chemie, Weatherford (WFT), Western Digital (WDC), Yandex (YNDX)

Freitag

Agco (AGCO), Cameco (CCJ), Chevron (CVX), Colgate-Palmolive (CL), Daimler, Exxon Mobile (XOM), General Motors (GM), Linde, MTU Aero Engines, Norsk Hydro, Philips 66 (PSX), Thomson Reuters (TRI), UBS, Ventas (VTR), Weyerhaeuser (WY)

Wow! Das ist die grösste Ballung an namhaften Quartalsberichten in einer Woche seit langer Zeit. Das liegt am Osterfest, das dieses Jahr Mitte April liegt und daher dazu geführt hat, dass einige Zahlen aus der Ferienphase hinaus nach hinten geschoben wurden und so ballt es sich diese Woche. Langweilig wird uns also bestimmt nicht!

Und als ob das nicht reicht, haben wir auch an Wirtschaftsdaten eine gut gefüllte Woche. Die EZB am Donnerstag habe ich schon erwähnt. Diese Woche entscheidet sich wohl auch die Frage des Government Shutdowns in den US und für Mittwoch hat Trump Neuigkeiten zur grossen, gehypten Steuerreform angekündigt. Und die Bank of Japan steht diese Woche auch am Donnerstag an. Dazu kommen eine Reihe von Wirtschaftsdaten wie der ZEW Index heute.

In Summe ist also extrem viel los, das Ganze aber mit einem positiven Unterton. Ich habe in den letzten Wochen oft dazu geraten, die Füsse und Hände still zu halten, denn man muss nicht gegen einen Markt kämpfen, der keine echte Richtung hat.

Diese Woche aber haben wir zum ersten Mal seit Februar die Chance auf echte Bewegung und damit echte Gewinne. Wir sollten nun also chancenorientierter denken, in der Lageampel habe ich diese Haltung schon gestern Abend dargestellt.

Lange haben wir auf eine Korrektur gewartet, in echter Schärfe wollte sie uns der Markt am Ende doch nicht geben. Dafür hat uns der Markt aber seit Anfang März eine flache Konsolidierung gegeben, die im SP500 eine bullische Flagge geformt hat. Die Chance dass diese Konsolidierung nun endet und sich Bewegung Bahn bricht, ist so gut wie seit Wochen nicht mehr.

Machen Sie es gut!

Ihr Hari

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Mal Hinschauen!



Ostern liegt hinter uns. Wer nicht in fernen Ländern war, wurde über die Feiertage mit Kälte und Regen "beschenkt" und diese Woche wird es Nachts hier bei uns in Sichtweite der Alpen wieder Bodenfrost geben.

Da können wir wohl fest davon ausgehen, dass es nicht das Wetter in Mitteleuropa ist, das so viele junge, körperlich starke, dunkelhäutige Männer sich von Libyen aus ins Mittelmeer stürzen lässt, in der berechtigten Hoffnung in internationalen Gewässern dann aufgelesen und ins gelobte Land verfrachtet zu werden.

Während wir hier über Ostern eingemummelt sassen und viel gelesen haben, drückte sich die Welt durch alle medialen und realen Ritzen in unsere Hirne. Ohne jetzt hier auf die einzelnen Verrücktheiten eingehen zu wollen, muss ich gestehen, dass die Irrationalität und Ideologisierung, die aus so vielen medialen Zeilen und Politikeraussagen spricht und die Köpfe der Menschen füllt, mich schlicht "verrückt" macht.

Zu ganz vielen dieser Themen, von Anatolien über Istanbul nach Tripolis, weiter nach Marxloh und dann nach Brüssel und erneut weiter nach Paris und London sozusagen, gibt es ganz klare und offensichtliche Wahrheiten, die für jeden mit sehenden Augen und halbwegs klarem Verstand offen liegen. Man braucht kein Raketenwissenschaftler zu sein um diese zu erkennen und anerkannte Fachleute - wirkliche Fachleute, keine Fensterredner - wiederholen diese Wahrheiten auch immer wieder und immer wieder. Und trotzdem hat das keine Wirkung, obwohl die Dinge so offensichtlich sind und die Lösung so klar. Wie in einem Paralleluniversum, bewegt sich der politisch Diskurs in einer Scheinwelt, die kaum mehr zu ertragen ist und Änderung ist in keinster Weise in Sicht, aus absolut keiner Richtung.

Dabei müsste man nur mal unvoreingenommen *Hinschauen*. Hinschauen!

Aber schon das ist wohl zu viel verlangt. Es ist schon bemerkenswert, dass die Diskussion um "Fake-News" - die es unter dem Namen "Desinformation" schon seit der Steinzeit gegeben hat - gerade jetzt aus der Politik heraus geschürt wird, wo sich die Politik scheinbar in einer Berliner Filterblase befindet, die man eher als "Fake-Universum" beschreiben könnte. Ob da wohl ein Zusammenhang existiert? 😉

Damals beim Wechsel von Bonn nach Berlin, haben kluge Köpfe genau vor dieser Abschottung gewarnt, die im kleinen, beschaulichen Bonn nicht möglich war, das dem Land als Bundeshauptstadt gut zu Gesicht gestanden hat. Nun haben wir den Salat, aber auch das waren eben kluge Fachleute, die nicht gehört wurden - wieder mal. Insofern kann man eine direkte Linie von Kohls Kanzleramtsbau zu Erdogans Sultanspalast ziehen. In beiden Fällen geht es um Abschottung, Machtprojektion und Abgehobenheit, auch wenn Erdogans peinlicher Schnörkelbunker sicher noch zwei Nummern schlimmer ist, als Kohls Kanzleramt. Einer gesunden Demokratie, in der die Interessen des Volkes wirklich von echten Abgeordneten vertreten werden, sind diese Abschottungen auf jeden Fall zutiefst abträglich.

Ich erinnere daran, dass im Weissen Haus nicht nur gelebt wird, sondern die Amerikaner grossen Wert darauf legen, dass ihr(e) Anführer(in) Familien mit Kindern haben. Denn Kinder machen demütig, motivieren uns, uns für ihre gute Zukunft zu engagieren und zwingen uns immer wieder, uns der Realität zu stellen, statt uns in eine Scheinwelt zurück zu ziehen. Nein, im Weissen Haus sitzt auch die Presse in eigenen Räumen und wenn man zum Oval Office über den Rasen läuft, kann man spielenden Kindern begegnen - wenn auch immer mit einem Herrn vom Secret Serivce mit kritischem Blick in der Nähe, aber das muss wohl sein, die Welt besteht eben nicht nur aus Engeln.

Es wird aber vieles dafür getan, das weisse Haus nicht nur zu einem abgehobenen Regierungsbunker, sondern zu einem Ort des Lebens zu machen, der in die reale Welt eingebettet ist. Es zeichnet gute demokratische Systeme eben aus, dass ihre Anführer mitten im Leben stehen und auch dass sie eigene Berufe und Fähigkeiten haben, die über das politische Dasein hinaus gehen. Denn wenn man selber noch im Leben steht, reicht es oft einfach mal *Hinzuschauen* und man braucht dann keine Einflüsterer und Demoskopen mehr, um eine Scheinwelt der Bürger zu zeichnen, man spürt selber in den Knochen, was wirklich los ist.

Aber "Hinschauen" wurde im von den Parteien deformierten politischen System Deutschlands scheinbar verlernt. Und ich kann es nicht ändern, auch wenn ich gerne würde. Und deshalb sollten wir uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können, so zum Beispiel was wir im Depot haben und was nicht.

Und dabei gibt es ja auch das Problem des *Hinschauens*, denn unverändert wird herum spekuliert, wie es nun mit den Börsen weiter geht. Damit lassen sich ja auch so schöne Klicks generieren und die grossen Schwadronierer mit den lautstarken Prognosen sind medial immer erfolgreicher, als der differenziert argumentierende und sich seiner eigenen Begrenzungen bewusste, echte Börsen-Fachmann.

Wir sollten unsere Zeit aber nicht damit verbringen, was andere glauben, wie der Markt sich weiter entwickeln wird. Denn den Markt interessiert das herzlich wenig und im Zeitalter der Algos, werden die Erwartungen der menschlichen Herde sogar ganz gezielt abgeschöpft.

Wir schauen einfach ganz rational auf das was ist. Wir pflegen eben das *Hinschauen*. Und das liefert uns ganz erstaunliche und klare Aussagen.

Denn wenn wir den Leitindex S&P500 betrachten, sind zwei Aussagen wahr:

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Versuch der Wiederholung



Guten Morgen,

Renzi hat eine verdiente Klatsche bekommen und wurde auf das Normalmass eines normalen italienischen Politikers geschrumpft. Der "grosse Änderer der Gezeitenströme", als der er sich gerne inszeniert, ist er offensichtlich nicht.

Der Markt hatte dieses Ergebnis ja erwartet, allerdings nicht in dieser Deftigkeit. Das ist aber eher ein Positivum. Denn das erzwingt nun klare Positionierung und eine zügige Neuwahl, die allemal besser als ein langwieriges Herumeiern ist.

Was wir hier mit dem Referendum vor uns haben, ist eine rein italienische, interne Angelegenheit. Nämlich der - wenn auch schlecht umgesetzte, so doch im Kern lobenswerte - Versuch die starren und verkrusteten Politikstrukturen des Landes zu zerschlagen.

Dass wir hier überhaupt so über eine rein italienische, interne Angelegenheit diskutieren und das aus Sicht der Börse ernst nehmen müssen, zeigt wie im Brennglas das ganze Konstruktionsdesaster des Euros und die massiven Mängel des Konstruktes EU, so wie es sich mit dem Brüssel Wasserkopf nun entwickelt hat.

Denn wir haben Renzi nicht gewählt und haben auch keinen Einfluss auf das Referendum. Und trotzdem sind wir über den Transmissionsriemen des Euros mitgefangen und mitgehangen.

Umgedreht haben die anderen europäischen Länder Merkel nicht gewählt, als diese vor einem Jahr die mediale "Ihr Kinderlein kommet" Melodie spielte und Grenzen in ihrem unermesslichen Ratschluss, für nicht mehr kontrollierbar erklärte. Und die anderen Ländern waren mitgefangen und mitgehangen und tragen wie wir die Folgen noch heute.

Wir sind in Europa nun also durch eine gemeinsame Währung verknüpft, von der jeder Mensch mit Verstand weiss, dass diese eigentlich den Schlusspunkt eines gemeinsamen Wirtschafts- und Rechtsraums darstellt und nicht - wie gemacht - den Anfang.

Das haben auch die Väter des Euros gewusst, aber darauf gesetzt, dass dieser die politische und wirtschaftliche Integration erzwingen würde. Wenn man so will, war schon das ein höchst undemokratischer Putsch von oben, denn den Völkern Europas sollte so im stillschweigenden Einvernehmen durch die Hintertür etwas aufgezwungen werden, von dem man verstand, dass man es in direkten Volksabstimmungen nicht bekommen würde.

Was ist das bitte für ein Demokratie-Verständnis? Schon da, vor 20 Jahren, ist diese höchst undemokratische Hybris zu sehen, die dem dummen europäischen Wahlvolk aufzwingen will, wozu es selber scheinbar zu dämlich ist und die nun als Welle des Nationalismus zurück schwappt.

Wenn man später in den Geschichtsbüchern diejenigen suchen wird, die den Intergrationsprozess Europas abgewürgt haben, wird man auf diese Politiker stossen, die den Euro als Disziplinierung und Verhaltensschulung der europäischen Bürger ersonnen haben.

Darüber hinaus sind wir in Europa durch den Brüsseler Wasserkopf verknüft, der sich als europäische Regierung geriert, es aber nicht ist und nirgendwo so richtig liefern kann, ausser bei der Krümmung der Bananen.

Das ist Brüssel aber gar nicht mal vorzuwerfen und den Menschen die sich da bemühen, schon gar nicht. Es ist wie beim Euro die zwingende Konsequenz aus den Strukturmängeln und dem unaufgelösten Widerspruch zwischen nationaler Selbstbehauptung und einer Brüsseler "Zentralregierung".

Dieser Widerspruch wird übrigens ganz zentral von den Staats- und Regierungschefs der einzelnen Länder gefördert, die sich bei dem durchschaubaren Versuch ihr eigenes Machtpotential zu erhalten, sogar sehr berechtigt hinter dem Demokratie-Defizit Brüssels verstecken können.

So geht das nicht - das passt konstitutionell vorne und hinten nicht! Wir sind in der EU miteinander verwoben, ohne dass wir die institutionellen Grundlagen eines gemeinsamen politischen Raumes geschaffen haben. Das kann schlicht nicht funktionieren und es funktioniert auch nicht.

Wie würden wir es denn finden, wenn wir erstens für die Schulden des Nachbarn im Haus nebenan mithaften, ohne dass wir bei seinen Kauforgien mitreden dürfen? Und wie würden wir es finden, wenn unser Nachbar zweitens beschliesst, sein Haus für Obdachlose zu öffnen, diese dann aber auch durch unseren Garten latschen und in unseren eigenen, engeren Lebensraum eindringen?

Es würde zu massivem Nachbarschaftsstreit und juristischen Auseinandersetzung führen. Vielleicht auch zu Faustkämpfen an der Grenze. Und das wäre sehr verständlich. Denn Verantwortung und Entscheidungskompetenz, müssen untrennbar miteinander verbunden sein und dürfen nie aufgebrochen werden! Wenn der eine Entscheidungen treffen kann, deren Konsequenzen der andere auszulöffeln hat, ist Streit und Missgunst die unvermeidbare Folge!

Befriedet könnte die Situation nur werden, wenn entweder die gegenseitige Mithaftung aufhört, oder alle Entscheidungen gemeinsam im Konsens getroffen werden. Beides geht, der Zwischenzustand aber nicht, in dem der eine entscheidet und der andere mithaftet.

Genau das ist das Problem der EU, das durch den fehlkonstruierten Euro massivst verschärft wurde. Entweder wir haben eine echte gemeinsame Regierung, die wir gemeinsam demokratisch wählen und die sich für alle gleichermassen zuständig fühlt. Das ist der Bundesstaat. Oder wir lösen die gegenseitige Mithaftung auf, das ist der lockere Staatenbund, der gemeinsame Interessen bündelt, aber auch nur da, wo sie wirklich vorhanden sind.

Der jetzige Zustand aber ist instabil und wenn nicht schnell der Übergang in einen der beiden stabilen Zustände gelingt, fliegt das ganze Konstrukt unkontrolliert auseinander.

Insofern zeigt uns diese rein italienische Angelegenheit wieder wie im Brennglas, wie schief die ganze Konstruktion von EU und Euro mittlerweile ist.

Kommen wir zum Markt.

Und in dem passiert das, was zu erwarten war. Der initiale Rally-Versuch.

Praktisch jeder rechnet damit, dass wir hier im Sinne -> Alle guten Dinge sind Drei <- erneut ein Szenario vor uns haben, in dem jeder der nicht schnell kauft, es bald bereuen wird.

Weil das so ist, wird nun gekauft. Und diese Käufe haben ja auch ihre Berechtigung, denn Europas Märkte war vor dem Referendum schon sichtbar unter Druck, was nun eine Erleichterungsreaktion im Sinne der vollendeten Tatsache favorisiert.

Wo ich mir aber gar nicht sicher bin ist, ob diese absehbare erste Reaktion auf Dauer hält.

Sie wissen, es gab zuletzt viele Wochen, eigentlich seit Trumps Sieg, in denen ich eine klare Richtung hatte und die dann auch im Wesentlichen so eingetroffen ist. Diese Woche bin ich aber unsicher. Diese Woche habe ich diese klare Tendenz nicht. Punkt.

Die aktuelle Stärke kommt erwartet. Aber was passiert Morgen? Ich weiss es nicht.

Und dieses "ich weiss nicht" soll nicht das Gegenteil andeuten, es ist keine versteckte, konträre Position, ich gehe hier definitiv nicht Short. Es sagt nur was da steht: Ich bin nicht sicher genug um mich festzulegen, ob die absehbare initiale Stärke halten wird.

Im Kern, hat Stärke an Europas Märkten nun aber eine leichte Präferenz, weil sich nun Unsicherheit wieder abbauen kann und Geld wieder zurück fliessen kann, das vorher abgeflossen . Dafür ist weitere Schwäche in den US aber gut vorstellbar.

Im grösseren Bild zum Jahresende, stehen die Ampeln für mich aber so oder so noch auf Grün. Die EZB wird weisse Salbe verstreichen, die FED wird erhöhen, das weiss aber sowieso schon jeder und aus China kommen auch heute Nacht wieder ansprechende Daten mit einem Dienstleistungs-Index, der für steigende konjunkturelle Dynamik spricht.

Der beste Indikator für das aktuelle Geschehen ist Gold und der Euro. Gold bewegt sich kaum und bestätigt damit, dass der Markt keine systemischen Ängste hat. Es ist einfach (mal wieder) eine Neuwahl in Italien.

Und der Euro zeigt in der Nacht deutliche Schwäche, kommt nun aber schon wieder sehr deutlich zurück - eine massive Euro-Schwäche sieht anders aus:

eurusd-05-12-16

Also:

  • Bleiben wir ruhig und gelassen
  • Bleiben wir grundlegend optimistisch zum Jahresende.
  • Folgen wir der frühen Stärke nicht blind und euphorisch.
  • Trauen wir Europas Märkten aber nun etwas mehr zu, als vor dem Referendum.

Und wer noch Futter braucht um die bullischen Chancen zu sehen, schaut heute bei Chris Ciovacco vorbei:
-> Reliable contrarian indicator says stocks could rise 25% <-.

An einem italienischen Börsentag, jemand mit offensichtlich italienischen Vorfahren, der ins bullische Horn bläst - das passt doch. 😉

Oder in Kurzform: Bleiben wir bei unserer Linie der kontrollierten Offensive!

Bis später.

Ihr Hari

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Euroland und das Maul des Schreckens

Viele normale Anleger sehen die Börsenwelt ja nur aus dem Blickwinkel ihres Heimatmarktes und wer da in 2016 den DAX erlebt, muss ja glauben, dass die Weltmärkte 2016 ein einziges Jammertal sind und der Brexit ganz schreckliche Folgen hat.

Stimmt aber nicht - beides nicht. Zumindest nicht für die Weltmärkte, wohl aber für Euroland und die Aktienindizes in Euroland, wie den DAX oder den Eurostoxx50.

Wie grauselig das Bild wirklich ist, erkennen wir, wenn wir in das sich seit Anfang 2016 öffnende Maul des Schreckens schauen:

SPY-DAX 06.07.16

Da ist er, der gruselig schwache DAX in Landeswährung im Vergleich zum weltweiten Leitindex S&P500, dem breiten Index der US Märkte. Anfang 2016 waren beide noch nebeneinander, nun hat sich das Maul des Schreckens weit geöffnet.

Nun könnte ja jemand auf den Gedanken kommen, das läge ja nur an einzelnen "Gurken-Aktien", von denen sich mit Versorgern, Autobauern und Banken ganz besonders viele im DAX tummeln.

Stimmt aber nicht, schauen wir mal auf den breiter gefassten Eurostoxx50:

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Ob nach dem Brexit das englisch Runde in das französisch Eckige geht?

Der Brexit hat die Märkte auf dem falschen Fuss erwischt, denn noch am Donnerstag Abend um 23 Uhr hatte in Anbetracht von Umfragen und Buchermacherwerten, niemand mehr ernsthaft mit dem Brexit gerechnet.

Wenn Sie sich aber beispielsweise mal den Wochensaldo des DAX letzte Woche anschauen, der sich nur um 74 Punkte von 9.631 auf 9.577 herab bewegt hat, sehen Sie schnell, dass wir trotz der 10% Minus am Freitag gar keinen Crash hatten, es wurden einfach nur die Gewinne von Montag bis Donnerstag mit einem Schlag wieder abgebaut, weil diese auf einer falschen Annahme (dem "Remain") fussten.

Summa Summarum, war das Marktverhalten am Freitag aber recht kontrolliert, sehr volatil zwar, aber ohne echte Panik. Auch die Finanzsysteme haben Stand gehalten und Banken, die trotz dieses lange planbaren Events ihre EDV trotzdem nicht im Griff hatten, sollte man konsequenterweise mit Abzug von Kapital strafen. Denn Schönwetterbanken braucht niemand.

Womit sich nun die Frage für Anleger stellt, wie es nun weiter geht.

Denn entscheidenden Punkt dafür, hatte ich schon vor einer guten Woche unter Punkt (5) des Artikels -> Brexit für Dummies <- geschrieben:

Fünftens, ob der "Brexit" oder das "Remain", dann Europa schwächen oder stärken wird, ob es Grossbritannien zu einem abgehängten, irrelevanten Wurmfortsatz Europas, oder gerade erst zu einem höchst erfolgreichen Wirtschaftsstandort macht, diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und hängt weniger von der Entscheidung selber, als davon ab, wie die Details danach gestaltet und verhandelt werden.

Der schlichte Narrativ, der nun vom "Remain"-Lager in Europa verbreitet wird, ist ja, dass die Briten nun das grössere Problem als die EU haben und sich "störrische, ungebildete Alte" in England, sozusagen selber in den Fuss geschossen haben.

Für bestimmte Denkschulen, ist die Welt ja immer simpel. Wenn man nicht ihrer Meinung ist, ist man wahlweise rechtsextrem, ungebildet, in der Vergangenheit lebend, fremdenfeindlich oder einfach nur blöd. Es lebt sich einfach gut, wenn die Welt so fein in Gut und Böse geteilt ist und man so immer nur bei den "Guten" ist.

Unsere Geldanlagen, sollten wir aber auf keinen Fall nach so einem dürftigen Narrativ richten, oder haben Sie den Eindruck, dass die Leute die dabei am Lautesten rufen, besonders erfolgreich an der Börse sind? 😉

Wahr ist, was ich oben schon geschrieben habe: Diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und hängt weniger vom Brexit selber, als davon ab, wie die Details danach gestaltet und verhandelt werden.

Und dabei beschleicht mich ein Verdacht. Der Verdacht, dass die EU nun das viel grössere Problem hat.

Denn das grösste Problem der Märkte ist nun Unsicherheit. Wo wird denn nun die Unsicherheit grösser sein?

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Was der Brexit für uns bedeutet



Was bedeutet der Brexit für uns als Anleger? Die Antwort habe ich am Wochenende vorbereitet.

Damit führe ich die -> Themen, die Sie interessieren <- weiter. Aber diese Frage ist ja auch unabhängig davon, nun völlig naheliegend.

Zunächst einmal, bedeutet die Abstimmung zum Brexit für uns Risiko *und* Chance! Das hört sich vielleicht wie eine Binsenweisheit ab, ist aber trotzdem ganz wichtig, sich klar zu machen.

Denn wir neigen dazu, solche Veränderungen des Status Quo primär als Risiko einzusortieren - weswegen ich übrigens auch nach wie vor eine Ablehnung des Brexit für wahrscheinlicher halte.

Aber auch wir als Anleger, sehen in so Situationen vor allem die Risiken und fragen uns, welche "Katastrophen" uns da wohl an den Börsen blühen. Weniger sehen wir die Chancen, die sind aber gleich hoch.

Denn faktisch haben wir von den Umfragen her im Moment eine 50/50 Situation zwischen Befürwortern und Gegnern. Und genau weil das so ist, hat sich der Markt auch mehr oder weniger "in der Mitte" zwischen den Extremen aufgestellt.

Egal wie das also ausgeht, es wird ein Anpassung in eine Richtung geben, denn die Mittelposition kann man ja nicht wählen. 😉 Und der Markt wird sich in seiner Einschätzung nun auch immer mehr an den Umfragen orientieren. Wenn also die Gegner des Brexit wieder in Vorsprung kommen sollten, wird der Markt den Brexit auspreisen und umgedreht.

Insofern noch einmal, diese Abstimmung beinhaltet Chance *und* Risiko für uns. Was die beiden Richtungen konkret für die Assetklassen bedeuten, dazu komme ich gleich.

Eine weitere Aussage ist aber wichtig vorher zu machen. Der Markt hasst Unsicherheit und er liebt Klarheit, egal in welche Richtung.

Heisst je näher wir dem 23.06. mit einer 50/50 Ausgangslage kommen, desto nervöser wird der Markt werden. Und wenn das Ergebnis dann da ist, besteht die Chance auf eine Erleichterungsrally im Sinne "fait accompli".

Missverstehen Sie das bitte nicht, wenn der Brexit kommt, kann es immer noch einen Einbruch geben. Aber am Markt überlagern sich ja immer mehrere Faktoren und einer davon ist die prinzipielle Unsicherheit vor der Entscheidung und die wird vorher in den Kursen eskompiert und danach im positiven Sinne ausgepreist.

Heisst bei einer 50/50 Situation kurz vor der Abstimmung ist die Wahrscheinlichkeit für eine Rally nach der Abstimmung klar höher, als vorher - was nicht heisst, dass es dann nicht trotzdem runter gehen kann, so ist das nun mal mit Wahrscheinlichkeiten. 😉

Kommen wir nun zu den Auswirkungen der Abstimmung selber. Auch hier gilt eine generelle Regel:
Es wird alles nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wird.

Vor der Abstimmung werden das alle als die "Stunde Null" stilisieren, nach der die Welt eine andere ist. Und entsprechend nervös wird der Markt sein. Die Welt ist danach ja vielleicht auch wirklich eine andere und die einmal getroffene Entscheidung, wird dann auch bindend und nicht einfach wieder zu annulieren sein.

Aber .... um den Brexit dann real werden zu lassen, müssen dann erst diverse Verträge und Vereinbarungen mit der EU ausgehandelt werden, es müssen Gesetze angepasst werden und und und. Das dauert mindestens 2 Jahre, in denen sich die Lage auf der Insel dann langsam in Richtung einer Welt ohne EU entwickelt.

Nichts davon wird also *sofort* passieren. Die Märkte werden ohne Frage einen Teil dieser Entscheidungen vorweg nehmen, dann aber schnell zur Tagesordnung übergehen und die kommenden Schritte begleiten. Auf die grosse emotionale Welle der Entscheidung, kommen Monate und Jahre der Detailarbeit und ganz realistisch, ob ein Brexit dann am Ende gut oder schlecht für Grossbritannien sein wird, wird sich auch erst anhand dieser Details entscheiden und die Börse wird das schnell erkennen.

So schlecht leben die Schweiz und Norwegen ja auch nicht ausserhalb der EU mit ihren diversen bilateralen Verträgen, die ich im weitesten Sinne hier mal zusammenfassend "Assoziierung" nenne. Sicher wird nun aus Brüssel so getan, als ob man dann an den Briten ein Exempel statuieren würde. Das ist im Moment einfach versteckte Wahlhilfe für die Brexit-Gegner um Cameron. Aber am Ende werden Juncker & Co. ganz pragmatisch den für die EU vorteilhaften Kompromissweg gehen und ich sehe nicht, warum man - nach einigem Kettengerassel für die Galerie - dem langjährigen Mitglied Gross-Britannien einen Status verwehren sollte, den die Schweiz und Norwegen haben.

Sicher kann man argumentieren und das tut das Lager um Cameron ja auch, dass mit dem Status der Schweiz und Norwegen, Grossbritannien dann schlechter dran ist, als bisher. Denn diese Länder müssen sich fast genau so vielen Vorgaben aus Brüssel anpassen, wie heute die Briten auch - nur die Briten können im Moment wenigstens mitreden, Schweiz und Norwegen eben nicht.

Wir haben es hier aber mit einer Demokratie zu tun und da zählt bei so einer Frage auch viel Emotion. Wenn der Brexit formal vollzogen wird, hat diese Emotion des "mir san mir" - hier des "Empah" 😉 - dann ihre Befriedigung. Ob am Ende durch eine Assoziierung nicht fast genau die gleichen Abhängigkeiten existieren wie als Mitglied, fragt dann keiner mehr, weil das sind für den durchschnittlichen Wähler viel zu komplexe Details.

Letztlich - die Schweizer hier im Blog mögen mir das verzeihen - ist das doch auch heute die Situation der Schweiz. Wäre die Schweiz in der EU, würde sich zunächst im Lande gar nicht so viel ändern, weil sowieso schon heute sehr viel den Brüsseler Regeln angepasst werden muss. Als "Insel" im Meer der EU, kann sich die Schweiz dem nicht entziehen, wenn sie sich nicht völlig abschotten will, was mit massiven Wohlstandsverlusten der Bevölkerung einher gehen würde.

Als Mitglied der EU, könnte man aber ernsthaft mitreden, was man heute eben nicht kann. Und diesen Einfluss nur auf die (geringen) Prozentzahlen zu reduzieren, springt viel zu kurz. Denn der Einfluss eines Nettozahlers ist alleine deswegen grösser und vor allem könnte die Schweiz das entscheidende Zünglein spielen, das in der EU wieder einem "nordeuropäischen", eher wirtschaftsliberalen Kurs zur Mehrheit verhilft. Denn letztlich findet in der EU und damit in Europa auch eine Art "Kulturkampf" zwischen einem staatsgelenkten Wirtschaftsmodell und einem liberal-freiheitlichen Wirtschafts-Ansatz statt, das die Fans der staatlichen Lenkung gerade klar gewinnen.

In die Detaildiskussion, wie der Saldo für die Schweiz nun aussieht, will ich mich aber als Nicht-Schweizer nicht einmischen, aber eben nur sagen, dass die Antwort offen und der Saldo auf der rein vertraglichen Ebene, nicht zwingend negativ sein muss. Hierzu gibt es auch in der Schweiz unterschiedliche Ansichten.

Was dem EU-Beitritt in der Schweiz aber eindeutig entgegen steht, ist neben dem desaströsen und abstossenden Bild, dass das Brüsseler Kulissengeschiebe vermittelt (siehe auch -> Gauweiler <-), vor allem auch die eigene Identität, wenn man so will der Gründungsmythos der Eidgenossenschaft. Und da schwingt sehr viel Emotion und Selbstverständnis mit.

Und das ist ja auch sehr in Ordnung und auch wichtig, weil es dem Staatswesen Substanz und Identität gibt, etwas was wir hier in Deutschland leider immer noch nicht wieder gefunden haben, weil die alte preussische Identität durch das dritte Reich desavouirt wurde und der von den 68ern an die Stelle gesetzte Selbsthass, wahrlich nicht geeignet ist, eine neue Identität zu begründen.

Wäre ich ein Schweizer, würde ich aktuell daher wohl *gegen* einen EU Beitritt stimmen, wohl wissend, dass es ohne diese Identitäts-Ebene, vielleicht sogar einen positiven Saldo für die Schweiz gäbe, die EU mitzugestalten. Aber diese Identität ist eben so wichtig und für den eigenen Staat prägend, dass es ohne diese die Schweiz in der heutigen Form vielleicht gar nicht mehr geben würde und um diese Schweiz zu erhalten, würde ich wohl auch heute gegen einen EU Beitritt stimmen.

Nationen sind eben mehr als reine Zweckgemeinschaften zum Abschliessen von Wirtschaftsverträgen. Die Unfähigkeit das zu begreifen und auf der EU-Ebene eine neue fühlbare Identität zu schaffen, ist das grosse Versagen der EU-Technokraten und der europäischen Polit-"Elite" und das lässt die EU nun Zerfallserscheinungen zeigen. Die meisten Länder sind da sozusagen Mitglied, um ein paar Verträge und Vorteile "abzugreifen". Aus mehr Gründen aber die meisten Länder eben nicht. Wertegemeinschaft? Pah, das ich nicht lache!

Nur die deutsche Regierung sucht in Brüssel die eigene Identität, die zwischen den Nazis und den 68ern in Deutschland irgendwie zerbröselt ist und derzeit schmerzhaft vermisst wird. Aber da wird sie diese nicht finden, denn technokratische Konstrukte und Identität, sind ein Widerspruch in sich.

Um meinen Blick auf die EU zusammen zu fassen, könnte man also sagen: "Ja, wir brauchen die EU. Aber nicht *diese*!"

Aber zurück zum Brexit. Der Punkt, den ich mit dem Ausflug zur Schweiz machen wollte ist, dass die Frage des "Brexit" für die Bevölkerung erst einmal eine Frage von Emotion und Identität ist. Grossbritannien würde damit wieder seine Sonderrolle abseits des Kontinents wählen, sozusagen eine neue Phase der -> Splendid Isolation <- Ende des 19. Jahrhunderts.

Ob dann daraus tatsächlich grobe Nachteile für Grossbritannien entstehen, ist nicht vorab klar und hängt von den vielen Details des "Danach" ab. Das Ergebnis kann am Ende einerseits ein wegkippendes, irrelevantes "Inselchen" sein, das seine Zukunft hinter sich hat, wie auch eine "grosse Schweiz" - rein wirtschaftlich gesehen natürlich. Geopolitisch wird GB nie zur "Schweiz", zu schwer wiegt die Geschichte des Commonwealth.

Lange Rede kurzer Sinn. Selbst wenn Grossbritannien aus der EU aussteigt, ist die Zukunft noch nicht geschrieben. Wir müssen unterscheiden zwischen den kurzfristigen Reaktion des Marktes, die auf den Schubladen beruhen, in die der Brexit einsortiert wird. Und der tatsächlichen, langfristigen Entwicklung.

Letztere langfristige Zukunft, ist aber offen und deswegen brauche ich auch nicht darüber spekulieren, wie sich dann Kurse auf Jahre entwickeln.

Was wir aber können, ist ein Bild davon zu entwerfen, was kurzfristig in der Woche danach passiert, wenn die Entscheidung "so oder so" ausfällt.

Gehen wir also mal davon aus, dass wir vor der Wahl immer noch eine 50/50 Situation haben und dann fällt die Entscheidung knapp auf die eine oder andere Seite. Was bedeutet das?

Wenn der Brexit abgesagt wird...

... dann ist das ganz simpel: Rally in Europa, die Unsicherheit wird ausgepreist. Punkt.

Das Pfund steigt wieder zum Euro, britische Banken werden besonders profitieren, weil hier der Unsicherheits-Discount am höchsten ist.

Und alles was ich weiter unten gleich als unter dem Brexit leidend darstelle, hat Chancen auf eine Rally.

Das wars dann auch schon, dann gehe alle wieder zur Tagesordnung über.

Wenn der Brexit aber kommt

... dann dürfte das Pfund stark fallen. Die britische Banken und Versicherungen dürfte es sehr hart an der Börse treffen. Alle von London operierenden multinationalen Konzerne, werden auch einen Sicherheitsabschlag bekommen, das gilt auch für die Bergbaukonzerne wie Rio Tinto oder BHP Billiton.

Auf der anderen Seite ist absehbar, dass eine britische Regierung diese multinationalen Konzerne nach einem Brexit besonders "pampern" wird. Insofern kommt ein kurzer Schreck und dann Erholung.

Die ganzen Aktien der Eurozone dürften dann aber leiden, weil US Anleger ihr Geld abziehen, denn sofort werden in den ersten Tagen die Schlagzeilen zum "Zerfall der Eurozone" umlaufen. Das ist zwar Unsinn und wenn, dann nicht so schnell, aber erst einmal läuft Unsicherheit um und bis die sich legt und man merkt, dass alles nicht so heiss gegessen wird, vergehen ein paar Tage.

Der Markt dürfte schnell auf die Achillesferse Grossbritanniens zusteuern und das ist die Tatsache, dass die Insel extrem auf Importe - auch für das tägliche Leben - angewiesen ist, weil eben zuwenig in GB selber hergestellt wird, wo zwar London als Finanzplatz wucherte, Industrie und Mittelstand aber ein "Mickerdasein" führen.

Mit dem fallenden Pfund, werden aber alle Importe sehr viel teurer, was der Bevölkerung zunächst mal einen Kaufkraftschock verschafft, sozusagen ein böses Erwachen nach dem Jubel des "mir san mir".

Das wird vor allem die Retailer treffen, wie zum Beispiel die ehemalige Buffett-Beteiligung Tesco. Bei denen würde ich nach dem Brexit nicht Aktionär sein wollen, auch nicht bei anderen Retailern auf der Insel.

Profitieren würden vom billigen Pfund aber die wenigen britischen Industriekonzerne mit Weltrang und Auslandsgeschäft, der Rüstungsriese BAE Systems wird einerseits dazu gehören, andererseits wird die Unsicherheit über einige pan-europäische Projekte, den Kurs wohl belasten.

Was überwiegt vermag ich nicht zu sagen, weltweit exportierende Konzerne wie BAE, werden aber eher den Einschlag halbwegs durchstehen, als nur auf die Insel zurück geworfene Unternehmen. Ein gutes Beispiel für einen Profiteur des Brexit könnte Vodafone sein. Am Geschäft ändert sich bei Vodafone durch den Brexit gar nichts, das billige Pfund treibt die Gewinne aber in die Höhe.

Und gibt es auch einen sicheren Gewinner eines Brexit auf dem Kontinent? Ja, deutsche Bundesanleihen. 😀

Wer glaubt, der Bund Future können nicht mehr steigen und die Renditen nicht noch weiter in den Minus-Bereich rutschen, wird kurz nach einem "Ja" zum Brexit wohl eines Besseren belehrt werden. 😉

Fazit

So weit eine Einordnung des Geschehens aus meiner Sicht. Sie sehen, richtig klar sind eigentlich nur ein paar Reaktionen direkt nach der Abstimmung, das aber auch nur, wenn es vorher nicht schon durch Umfragen vorweg genommen wurde.

Wie sich das Ganze dann über die kommenden 2 Jahre entwickelt, in denen sich dann überhaupt erst klärt, was der "Brexit" im Detail bedeutet, ist völlig offen und daher für uns nicht wert, uns heute darüber den Kopf zu zerbrechen.

Wird der Brexit abgelehnt, bekommen wir also eine recht sichere Rally in Europa.

Kommt er, kommt wahrscheinlich Hektik für ein paar Tage. Die Wahrscheinlichkeit, dass es aber *nicht* zur grossen Krise führt und alles nicht so heiss gegessen wie gekocht wird, erscheint ziemlich hoch.

In Summe gilt also für mich: Keine Panik vor dem Brexit.

Dass die Einschätzung, von der ersten Reaktion abgesehen, keineswegs so einfach ist, wie es scheint, macht die FUW sehr schön mit der Frage deutlich:
-> Wird Frankfurt vom Brexit profitieren? <-

Eines ist aber ganz sicher: Die Zukunft ist einfach noch nicht geschrieben!

Ihr Hari

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