Die EZB Rally oder: Der beste DAX heisst MDAX

In den letzten beiden Jahren gab es eine feste Grösse, auf die wir uns bei einer strategischen Asset Allokation zuverlässig verlassen konnten. Und das war die Tatsache, dass die US Indizes besser laufen, als die europäischen.

Das war ja auch kein Wunder, denn während die Konjunktur in den USA wieder Tritt fasste, woran billiges Gas seinen Anteil hatte, dümpelte Europa anämisch vor sich hin.

Verstärkt wurde der Effekt durch die Stärke des US Dollar, die die grossen Kapitalströme in die US Märkte zog. Denn wenn ich ein weltweit agierender Asset-Manager bin, dann wähle ich doch bevorzugt Märkte, bei denen schon alleine die Währungsentwicklung für Gewinne sorgen wird, völlig unabhängig von einer Kursentwicklung.

Wobei der Dollar und die Stärke der US Märkte ja ein bisschen wie das "Henne und Ei" Problem ist. Einerseits spielt die Zinserwartung an die Notenbank natürlich auch eine Rolle und die FED signalisiert ja, dass sie in 2015 die Zinsen wieder erhöhen will. Anderseits sorgt aber gerade eine starke Wirtschaft für eine harte Währung, Deutschland hat das ja in den Zeiten der Bundesbank (sie ruhe in Frieden - ich trauere ihr nach) immer wieder vorgemacht.

Insofern ist der starke Dollar nicht nur Auslöser für Kapitalströme, sondern er ist auch Folge der starken US Wirtschaft und letztlich haben wir es hier mit einer sich gegenseitig verstärkenden Wirkung wie in kommunizierenden Röhren zu tun.

Nun aber, mit dem Beginn von 2015, scheint sich eine Änderung dieser Überperformance der US Märkte anzudeuten. Zumindest ist das in den Charts klar zu sehen, die ich Ihnen nun zeigen will.

Schauen wir erst einmal auf den S&P500, der in 2015 wild schwingt und relativ richtungslos ist, mit der Gefahr eine Topbildung zu vollziehen:

S&P500 15.01.15 2

Zum Vergleich schauen wir auf den DAX, der das Dreieck schon nach oben verlassen hat und eine klar bullische Grundstruktur besitzt:

DAX 15.01.15 2

Wir sehen deutlich, wie viel besser der S&P500 in ganz 2014 gelaufen ist. Dort war ein klarer Aufwärtstrend, während der DAX richtungslos vor sich hin eierte.

Deutlich wird aber auch, ab wann sich ein Unterschied zu dieser Entwicklung andeutete: eigentlich erst ab Anfang 2015, nachdem klar wurde, dass die EZB tatsächlich ein Anleihenkaufprogramm starten wird.

Damit wird die EZB Sitzung am kommenden Donnerstag 22.01.15 zum extrem wichtigen Faktor für die Märkte. Denn der Markt hat offensichtlich schon einen "Buy the Rumor" Trade aufgelegt, der derzeit im vollen Gange ist.

Abhängig davon, was die EZB real macht, wird dieser Trade wieder in sich zusammen fallen oder, wir erleben den Start einer grundlegenden Änderung der Kapitalströme, dieses mal aus den US Indizes in die europäischen Märkte.

Die Chancen für Letzteres sind gar nicht schlecht, denn der starke Dollar entfaltet zunehmend seine Wirkung und macht der US Industrie das Leben nicht leichter, zumal nun durch den einbrechenden Ölpreis auch Sorgen um die Fracking-Industrie hinzu kommen.

Und der Fracking-Boom hat natürlich in der Vergangenheit massive Investitionen ausgelöst, von denen viele Industrieunternehmen wie General Electric (851144, GE) profitiert haben. Der absehbare Zusammenbruch dieser Industrie, hinterlässt nun eine Schleifspur bei den Zulieferern und Dienstleistern, auch die schwache Kursentwicklung von GE hat genau mit dieser Erwartung des Marktes zu tun.

Gleichzeitig sollte der schwache Euro die europäische Exportwirtschaft zunehmend stützen. Das ist sicher nur ein kurzfristiger Effekt, Währungsabwertungen haben noch nie zu einer starken Wirtschaft geführt und die US Industrie wird langfristig unter dem Druck des Dollar nur noch stärker und wettbewerbsfähiger werden. Mittelfristig, mit der Sicht auf Monate, ist das aber ein positiver Faktor für die europäischen Unternehmen und die Sicht auf die kommenden Monate ist ja die, die uns beim Handel an den Märkten besonders interessiert. Langfristig sind wir sowieso alle tot. 😉

Auf jeden Fall haben die europäischen Aktienmärkte sowieso eine Menge nachzuholen, die Erwartungen an eine positive Überraschung sind gering und gleichzeitig deuten aber makroökonomische Entwicklungen und die Politik der Notenbanken dahin, dass Europa die Chance hat zu überraschen.

Nun ist Mr. Market ja der beste Frühindikator den man sich vorstellen kann und deshalb ist es besonders interessant zu sehen, wo nun die stärksten Gewinne im "Buy the Rumor" Trade in die EZB hinein sind.

Da fällt mir einerseits der spanische Aktienindex IBEX35 ein, was kein Wunder ist, denn hier treffen die positiven Effekte eines möglichen Anleihenkaufprogramms auf schon vollzogene Strukturreformen, die im Gegensatz zum erstarrten Italien schon für sich alleine leichte Hoffnung für das Land machen.

Auffällig ist aber auch, dass der MDAX nun seit kurzer Zeit noch viel besser als der DAX aussieht und schon den Ausbruch zu neuen Hochs vollzogen hat. Schauen wir auf das Chart und vergleichen wir das mit S&P500 und DAX oben, der Unterschied ist augenfällig!

MDAX 15.01.15

Die Gründe dafür sind offensichtlich. Der MDAX ist industrielastiger als der DAX, Maschinenbau ist hier ein wichtiger Faktor. Damit schlägt hier der schwache Euro besonders stark zu und auch die niedrigen Ölpreise sind ein positiver Katalysator.

Es könnte für die kommenden Monate also Sinn machen, auf Europas Exportindustrie zu setzen. Und wenn man das tut, führt kein Weg am MDAX und seinen Unternehmen vorbei.

Damit das Wirklichkeit wird, muss die EZB aber nächsten Donnerstag erst einmal liefern. Ich glaube übrigens kein bisschen daran, dass die Notenbank mit ihrer Geldpolitik die prinzipiellen Erstarrungen in Europa überwinden kann. Das könnte nur eine andere Politik, als wir sie haben und langfristig macht es daher jede Menge Sinn, weiter auf die US Industrie zu setzen, die ungleich bessere Voraussetzungen hat.

Aber für eine ein paar Monate andauernde Hoffnungsrally an den europäischen Märkten, ist die aktuelle Ausgangslage auf jeden Fall gut und wenn die EZB liefert, wird es der Markt wie ein Drogensüchtiger erst einmal goutieren. Was danach kommt, ist eine ganz andere Geschichte.

Achja .... und dann war da ja noch Griechenland. Aber "Who cares"? Die Schulden liegen mittlerweile bei der öffentlichen Hand, also uns, den Steuerzahlern. Und wir werden dafür blechen, das war schon immer klar, allen Beteuerungen unserer politischen "Elite" zum Trotz. Den Markt interessiert das aber nur noch am Rande, wenn es nicht zu völlig unkontrolliertem Chaos, bei einem möglichen "Grexit" kommen sollte.

Aber selbst der "Grexit" wird wohl ein schöner Traum bleiben, die absurde Logik des "Zusammenhaltens um jeden Preis" feiert in der Eurozone immer noch Urstände. Und solange die, die das bezahlen müssen, nicht die sind, die die Entscheidungen treffen, wird das auch so bleiben. Mit dem Geld Dritter lässt sich immer besonders freigebig um sich werfen.

Vielleicht sollte die Eurozone sich aber mal an der Medizin orientieren, in der sogar wichtige Körperteile wie Finger und sogar ein Bein bei einer unkontrollierbaren Infektion amputiert werden, um den Hauptkörper zu retten. Und auch der Körper ist ein komplexes System, dessen Reaktionen nur schwer vorher zu sehen und bestenfalls mit Wahrscheinlichkeiten zu fassen sind. Man macht es aber trotzdem, zum Wohl des grossen Ganzen.

Ihr Hari

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Die Giganten IBM und Apple kooperien – Grosse Chance für Apple

Heute erreicht mich die folgenden Nachricht: -> IBM und Apple kooperieren! <-

Diese Nachricht kann man aus meiner Sicht gar nicht hoch genug hängen. Und auch wenn es IBM bestimmt nicht schadet, dürfte der Haupt-Profiteur Apple sein. Gut gemacht Tim Cook!

Wir müssen uns klar machen, dass Apple mit seinem Qualitätsimage, aber auch seiner Monokultur und recht starken Abgrenzung gegen fremde Software, eigentlich theoretisch schon lange dafür prädestiniert war und ist, in den Firmennetzen bei Endgeräten eingesetzt zu werden.

Denn für eine IT bzw Infrastruktur-Abteilung, sind die offeneren Systeme wie Android - bei denen der Anwender extrem viel verändern kann - ein echter Graus. Denn diese individuelle Veränderung der Benutzer birgt Gefahren und das nicht nur wegen simpler Schadsoftware. Auch und gerade beim Thema Industriespionage. Natürlich kann man auch Apple Geräte ausspähen, keines ist völlig sicher. Aber für eine IT Abteilung ist es viel einfacher, bei einer einheitlichen Installationsbasis für Sicherheit zu sorgen, als beim Wildwuchs von Android & Co.

Bisher aber hat Apple wenig - und in meinen Augen zu wenig - für die Geschäftskunden getan. Man konnte ja auch genügend Geld im Retail-Geschäft mit den normalen Endkunden verdienen, die Geräte waren ja "hip" genug.

Nun aber scheint Apple das riesige Potential der Geschäftswelt erschliessen zu wollen und hat dabei mit IBM den idealen Partner gefunden. Kein Unternehmen dürfte so gut vernetzt in den grossen Konzernen sein, keines hat einen so seriösen Ruf. Und als weiteren Pluspunkt, ich sehe in dieser Kooperation kaum Konfliktzonen, die Interessen sind wirklich weitgehend komplementär und ergänzen sich in Perfektion.

Ich bin ja selber ein alter "IBMer" und weiss daher, wie dieser Laden tickt. Die entscheidende Frage wird nun sein, ob man diese Kooperation abseits der Absichten der Chefs auch auf den mittleren Management-Ebenen mit echtem Leben füllen kann. Denn auf beiden Seiten findet sich eine extrem selbstbewusste Unternehmenskultur, die dazu neigt, sich selbst zu genügen.

Wenn und falls das aber gelingt, werden beide Unternehmen massiv profitieren und vor allem für Apple dürfte das erhebliche Potentiale heben. Und rein rational - von theoretischen Animositäten der beiden Kulturen abgesehen - sehe ich auch keinen Grund, warum das nicht funktionieren sollte. Denn beide Seiten profitieren und die recht selbstbewussten IBMer dürften durch die zuletzt wenig überzeugenden Zahlen auch demütig genug sein, das nun als Chance zu begreifen.

Fazit:

Diese vergleichsweise kleine Meldung, lässt mich also in Kenntnis der Unternehmen aufhorchen. Hier könnte Bedeutendes auf den Weg kommen. Und dem Aktienkurs von Apple wird es gut tun, auch wenn die Effekte eher langfristiger Natur sein dürften.

Auf jeden Fall ist das ein weiterer Grund, weiter eine Long Position in Apple zu halten. Im Premium-Bereich gehen wir die positive Kurs-Entwicklung bei Apple schon seit Monaten mit und zumindest bis zur offiziellen Bekanntgabe der neuen Geräte im Herbst - wahrscheinlich iWatch und neue iPhones - dürfte die Aktie im Sinne "Buy the Rumor" weiter gut unterstützt sein.

Mit der heutigen Kooperation eröffnet sich Apple aber auch darüber hinaus grosse Umsatzpotentiale. Erneut: gut gemacht Tim Cook!

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Leitindex S&P500 nimmt die historischen Höchststände ins Visier – 05.03.13

Im frühen Handel in Europa merken Sie schon, wie die Indizes wie S&P500 und DAX heute scheinbar mit Macht nach oben drehen. Auslöser dürfte die absehbare Auflösung diverser Sorgen sein.

Erinnern Sie sich bitte daran, dass Mr. Market nichts so sehr hasst wie Unsicherheit. Deshalb kehrt nach dem ersten Schreck nun auch vorerst Ruhe an den südeuropäischen Aktienmärkten ein und die Indizes nehmen ihre alte Aufwärtstendenz wieder auf. Deshalb kehrt nach dem Vollzug des Sequesters auch in den USA nun wieder Ruhe ein, denn die Furcht war grösser, als die unmittelbar spürbaren Auswirkungen. Und auch Signale, dass eine -> Entspannung im Haushaltsstreit <- kurz bevor steht, tragen zu der guten Stimmung bei. Damit gibt es im Moment kurzfristig keine grosse Hürde mehr im Fokus der Wallstreet, die einer Fortsetzung der Rally im Wege stehen könnte.

Die alte Regel "buy the rumor, sell the news" hat halt universelle Gültigkeit. Und da sich diese Regel auf positive Nachrichten bezieht, funktioniert Mr. Market bei erwartet schlechten Nachrichten bzw Sorgen genau umgekehrt: "sell the rumor, buy the news".

Auch technisch hat der Rücksetzer rund um Berlusconi und Sequester das Sentiment bereinigt und eine bullische Übertreibung beseitigt. Damit ist der Boden bereitet, damit die Indizes den lange erwarteten Run auf historische Höchststände doch noch dieses Frühjahr in Angriff nehmen können.

Und zu allem Überfluss generiert der Leitindex S&P500 gerade eine beeindruckende, bullische, inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation im Stundenchart, die ein rechnerisches Ziel von 1565-1575 generiert. Sehen Sie selbst im Stundenchart:

S&P500 iSKS 05.03.13

Sie sehen die überdeutliche inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation, die kurz vor der Aktivierung steht (in den Futures ist es aktuell schon geschehen). Eine so deutliche inverse SKS macht es sehr wahrscheinlich, dass diese von den Algos getradet wird, was wiederum das Eintreffen des rechnerischen Ziels wahrscheinlich macht.

Das einzige Fragezeichen dieser Formation ist im Moment, wo die Nackenlinie sinnvoll zu ziehen ist. Die 1525 eignen sich dafür ebenso wie die 1530. Daraus ergeben sich dann die rechnerischen Kursziele von ca. 1565-1575 im S&P500.

Und jetzt raten Sie mal, was auch um die 1570 herum liegt .... genau, die historischen Jahreshöchststände vom 08.10.2007 bei 1576. Da sag doch noch mal jemand, der Markt hätte keinen Sinn für die Schönheit von Zahlen 😉

Diese inverse SKS nimmt also exakt die historischen Höchststände ins Visier. Ehrlich gesagt wäre ich schon fast erstaunt, wenn sich die Algos diese Gelegenheit nehmen lassen !

Das diese Entwicklung auch für den DAX die 8000 in Reichweite bringt, dürfte offensichtlich sein.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – wohin uns die Sommerrally führen könnte

22 Uhr - Handelsschluss

Heute Abend mal wieder ein paar Worte zum Markt. Sozusagen aus der Sicht eines entspannten "Urlaubers", der die Märkte mit mehr Entfernung (und damit weniger Präzision) als sonst durch eine Sonnenbrille betrachtet. 😉

Es ist mit oder ohne Sonnenbrille offensichtlich, dass die Sommerrally ins Laufen gekommen ist. Was sind die Auslöser dieser Entwicklung ? In meinen Augen zwei wesentliche Parameter:

(1)

Psychologisch primär eine Form von Entspannung, die wir alle spüren. Denn obwohl sich in Europa substantiell nichts geändert hat, sind die Schlagzeilen und Horrornachrichten etwas von den Titelseiten verschwunden. Wir sorgen uns einfach nicht mehr so sehr, wie noch vor Wochen. Das ist eine ganz typische menschliche Verhaltensweise, wir können Hochspannung einfach nicht unbegrenzt aushalten. Und so sorgt unser eigener Körper ganz natürlich dafür, dass bei jedem Thema, gleich wie schwierig, im Laufe der Zeit eine Gewöhnung eintritt. Und dafür reicht es, dass einfach der permanente "Alarm" fehlt, der Mensch vergisst - so war er schon immer. 😉

Und wenn man mal nicht mehr jeden Tag auf Europa und den fiskalischen Weltuntergang starrt, dann treten halt auch die einzelnen Aktien wieder in den Vordergrund. Und dann entdeckt man, dass an einigen Stellen doch ganz attraktive Einstiegskurse vorhanden sind. Und so setzt sich nach dem katastrophalen 2. Quartal nun das langsame Hochschieben des Sommers in Gang. Leser die länger dabei sind wissen, dass ich genau diese Entwicklung für den Sommer schon mehrfach, seit Ende März immer wieder, prognostiziert hatte. Schwieriges 2. Quartal und ruhiges Hochschieben im Sommer war seit Monaten mein Mantra, wenn ich das mittelfristige Bild betrachtete.

(2)

Der zweite wesentliche Faktor ist, dass ein konstanter Bid im Markt ist, der es den Bären nahezu unmöglich macht grosse Geländegewinne in den Indizes zu verzeichen. Dieser Bid speist sich wiederum aus zwei Quellen:

Einerseits hält Ben Bernanke die Hoffnung hoch. Er hat zwar nichts Konkretes gesagt und die Aussagen der FED sind eigentlich unverändert und es gibt kein konkretes Anzeichen einer bevorstehenden weiteren Geldpolitische Lockerung. Aber Hoffnung ist ein mächtiges Werkzeug, nicht umsonst gilt die Regel "buy the rumor, sell the news". Und diese Hoffnung verschafft dem Markt Sicherheit nach unten.

Darüber hinaus ist wirklich bemerkenswert, wie die grossen defensiven Titel seit Monaten steigen und steigen. Schauen Sie sich mal an, wie sich eine Johnson&Johnson (WKN 853260) oder Merck & Co. (WKN A0YD8Q) entwickelt. Und das sind nur Beispiele, das ganze Segment der defensiven Bluechips sieht im Moment fast wie "Growth"-Werte aus. Ich kann mich lange nicht erinnern, bei Aktien wie oben solche dynamisch ansteigenden Charts gesehen zu haben. Für mich ist daher ganz klar, dass hier massiv Kapital in diese Titel fliesst. Hier positionieren sich die institutionellen Anleger, die Ihre Cash Bestände zu Recht lieber in derartigen Bluechips sichern, als der nächsten Phase der Krise auszusetzen. Die permanenten "Buying on Weekness" Tage der letzten Wochen in diesen Titeln, bestätigen das Bild institutioneller Zuflüsse in die defensiven Werte. Diese Entwicklung zeigt aber auch, dass die Währungs- und Staatsschulden-Krise keineswegs als beendet betrachtet wird, sie hat nur ein Pause eingelegt, diesen Sommer dürfen wir mal endlich durchschnaufen.

Deswegen muss man auch unbedingt zwischen den Indizes und den einzelnen Aktien unterscheiden. Die defensive Bluechips steigen und da sie in den Indizes eine hohe Gewichtung haben, laufen die Indizes nach oben und sehen recht gut aus. Schaut man aber abseits der defensiven Bluechips in den konjunktursensiblen Segmenten des Marktes, sieht es zum Teil ziemlich finster aus. Wer diese defensiven Bluechips nicht in seinem Depot hat, dürfte bei einem Performance-Vergleich zu den Indizes daher im Moment in der Regel blass aussehen.

Man kann es also auch so sagen: Es gibt einen "Flight to Safety" im Aktienbereich, der die Indizes besser aussehen lässt, als der breite Markt in Wirklichkeit ist. Bei aller Freude über die Sommerrally, sollten Sie also das grosse Bild nicht aus dem Auge verlieren.

Was bedeutet das nun für die kommenden Wochen ?

Schauen wir mal auf das Tages-Chart des S&P500 Futures.

Man sieht sehr leicht den Aufwärtstrend. Man sieht aber auch, dass wir nun an einer wichtigen Wegscheide sind. Wir müssen nun unbedingt die Juli-Hochs übersteigen, ansonsten laufen wir grosse Gefahr eine Art "Doppeltop" auszubilden und zumindest bis zum unteren Ende des Trendkanals herunter zu fallen, hier bei ca. 1344, dem 50er Fibo-Retracement. Das haben wir heute aber noch nicht geschafft, wir brauchen Morgen also den "follow-through". Das negative Szenario ist als b) eingezeichnet.

Bekommen wir aber Morgen den "follow-through", sollten wir bis in den Bereich um 1387 laufen, bevor wir dann etwas Luft holen, ideal die 1363 noch einmal testen um dann endgültig die 1400 in Angriff zu nehmen. Das ist Szenario a) im Bild.

Es gibt noch ein Abart von Szenario a) in der wir Morgen erst einmal bis zum 62er Retracement bei 1363 Luft holen, bevor wir dann doch weiter hoch drehen. Ich bin mir bei diesem Szenario aber nicht so sicher, da ich vermute, dass der vermeintliche "Doppeltop" dann eher zu stärkeren Abgaben führen würde.

Meine Präferenz aus Urlaubersicht, also mit etwas Abstand und nicht ganz der tiefen Analyse wie sonst:

Ich präferiere Szenario a). Die zunehmende Breite der aktuellen Bewegung, die wiederholt starke Price-Action in der letzten Handelsstunde, die absehbare Nachrichtenruhe der nächsten Wochen, sowie die Unfähigkeit der Bären nennenswertes Momentum aufzunehmen, sprechen für mich für eine der Varianten des Szenario a), das uns noch diesen Sommer bis 1400 im S&P500 und im DAX bis knapp unter 6900 bringen könnte. Szenario b) wird erst dann ernst, wenn wir nach einer für morgen oder übermorgen zu erwartenden kleinen Korrektur die 1363 nachhaltig verlieren.

Insofern geniessen Sie den Sommer. Ich verspreche Ihnen, die Krise kommt im Herbst wieder. Damit ich diese Meinung ändere, müssten die konjunktursensiblen Aktien beginnen Stärke zu zeigen und damit eine Wende bei der Weltkonjunktur "wittern". Davon sind wir aber weit entfernt und um das zu erkennen, reicht es eine Aktie wie Klöckner (WKN KC0100) anzuschauen.

Insofern kann es im Moment wohl nicht schaden, das zu tun, was das institutionelle "Smart Money" im Moment auch tut: die grossen, defensiven Bluechips bei einer Korrektur einzusammeln. Unsere gemeinsam -> hier <- erstellte Aktienauswahl, bietet da einige interessante Kandidaten.

Gute Nacht allerseits !

Ihr Hari

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Marktupdate – 27.06.12 – Marktsentiment vor dem EU Gipfel

21.00 Uhr

Eine wichtige Frage für kurzfristige Anleger vor dem EU Gipfel dürfte sein, was der Markt erwartet bzw welche Szenarien eingepreist sind und welche nicht.

Das ist besonders interessant, weil wir dieses Mal eine ungewöhnliche Situation haben. Zuletzt war es immer so, dass der Markt vor solchen Terminen im Sinne "buy the rumor" mit Hoffnung anzog, während er nach den eher durchwachsenen Ergebnissen dann gerne im Sinne "sell the news" wieder abgab.

Dieses Mal ist aber alles anders, denn Angela Merkel hat mit für mich im Stil überraschenden und aussergewöhnlich harten und deutlichen Worten jegliche Hoffnung auf eine einfache Lösung im Sinne "Deutschland kippt um" aus dem Markt genommen. Ich halte das für sehr bemerkenswert, da es so ganz untypisch für die ansonsten vorsichtige und sich alle Szenarien offen haltende Merkel ist.

Ich betrachte das als Indikator, das wir möglicherweise auf einen entscheidenden Wendepunkt in der endlosen Geschichte der Euro-Krise zulaufen. Bis gestern habe ich auch an einen Gipfel zum "Gähnen" geglaubt, nun bin ich nicht mehr sicher.

Jetzt kann man natürlich nicht ausschliessen, dass es in Amerika Marktteilnehmer gibt, die immer noch Illusionen über Deutschlands offene Brieftasche nachhängen. Den Profis im "Big Money" muss man aber genügend Intelligenz und Verständnis zubilligen, dass sie nun keine Erwartungen an einen "Quick Fix" beim EU-Gipfel mehr haben. Dieses zumal die Phrase "not in my lifetime" ja gestern via Zero Hedge quer durch die Wallstreet lief.

Das wir heute einen starken Tag erleben, hat deswegen auch nichts mit Europa zu tun. Aus Sicht der Nachrichtenlage spielt hier China eine Rolle, wo man nun weitere fiskalische Stimulierungsmassnahmen erwartet. Und auch die Markttechnik hat die Stärke schon signalisiert - wer jetzt hier Koch und Kellner ist, überlasse ich denen die es interessiert, mich interessiert aber nur das Ergebnis. Das China und nicht Europa eine Rolle spielt, kann man auch gut an den heute stärksten Sektoren beobachten - wenn Rohstoffe gut laufen, ist eigentlich immer China irgendwie im Spiel.

Was Europa und den Gipfel angeht, kann man die Stimmung des Marktes aber eher als lethargisch und von Europa genervt bezeichnen. Die aktuelle Cognitrend Analyse -> hier <- passt da gut ins Bild. Aber auch Artikel wie -> hier <- beim "Reformed Broker" bringen es auf den Punkt.

Wenn diese Analyse von Lethargie richtig ist, muss man das aus Sicht des Sentiments als eine eher positive Entwicklung werten. Denn dann könnte der Gipfel nur noch dann nachhaltig enttäuschen, wenn er im Streit auseinander geht - was ich aber für sehr unwahrscheinlich halte, zumal nun auch aus Frankreich deutlich konsensorientiertere Signale kommen, nachdem endlich die Wahlen hinter uns liegen.

Umgedreht könnte aber jede überraschende, positive Wendung nun ein Feuerwerk am Markt zünden. Sollte es Hollande und Merkel also gelingen da ein "Überraschungsei" zu finden, dürften die Shorts am Montag - oder je nach Zeitablauf des Gipfels vielleicht schon am Freitag - ein böses Erwachen haben. Und zwar dann nicht nur wegen des "Ei" an sich, sondern auch wegen des Signals einer neu gefundenen deutsch-französischen Eintracht. Diese Eintracht für sich, könnte der Markt nach Merkels medialer Vorbereitung, wohl schon als positive Wendung werten.

Wir haben also die ungewöhnliche Situation, dass Lethargie im Markt auf eine Frau Merkel trifft, die scheinbar nach eigener Einschätzung in eine Entscheidungsschlacht geht. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit grosser Bewegungen danach, denn bisher war es eher anders herum - vor dem Termin hyperventilierte der Markt schon, nur um sich danach zu fragen warum eigentlich.

Aus reiner Sentimentsicht, kann man den EU-Gipfel also durchaus mit der "Chancen-Brille" betrachten. Bitte bedenken Sie aber, dass Sentiment nur ein Baustein einer Analyse ist und auch nur einen gewissen statistischen Vorteil verschafft, der leicht durch reale Entwicklungen überlagert werden kann. Aber jeder statistische Vorteil hat seinen Wert und vielleicht liegt er dieses Mal auf der Seite der Bullen.

Ihr Hari

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Marktupdate: FED – Buy the Rumor, Sell the News !

15:00 Uhr

Ein kurzer Kommentar zur aktuellen Lage im Vorfeld der FED Sitzung.

Es ist für mich nun sichtbar, dass sich das gestern schon skizzierte Szenario des "FED Hoffnungs Trades" gerade realisiert. Der Markt preist also heute und vielleicht auch noch Mittwoch früh, eine neue fiskalische Massnahme der FED ala QE3 ein.

Auch ein Rolle bei der guten Stimmung dürfte die positive Erwartung eines "End of Quarter Window Dresssing" sein, denn letztes Jahr brachte das 2. Quartal in den letzten Tagen erhebliche Anstiege.

Erinneren Sie sich in diesem Zusammenhang bitte an die alte Regel "Buy the Rumor, Sell the News" ! Und bitte bedenken Sie, dass wir nun in einigen Bereichen wieder einen kurzfristig technisch überkauften Zustand erreicht haben !

Damit die FED in Anbetracht der grossen Erwartungen morgen um 18.30 Uhr noch positiv überraschen kann, müsste Bernanke nun wohl eine richtig begeisternde Massnahme, wie zb echte Assetkäufe auflegen. Ob das aber in Anbetracht der doch brauchbaren Konjunkturentwicklung in den US wirklich kommt, wage ich zu bezweifeln. Eine reine Verlängerung von Operation Twist oder andere kleine Massnahmen, dürfte der Markt aber nun wohl schon mit Enttäuschung quittieren.

Das alles sind nicht die Inkredenzien, die es für mich lohnend machen vor der FED nun heftig den Kursen hinterher zu rennen. Ich bin ja auch ausreichend Long aufgestellt. Vielmehr werde ich die aktuelle Stärke im Laufe des heutigen späten Handels nutzen, um etwas Risiko aus meinem Depot zu nehmen. Sollten wir heute also im DAX weiter Richtung 6400 steigen, werde ich im späten Handel möglicherweise sogar kurzfristig Shorts auf die Indizes eingehen, um eine mögliche "Sell the News" Reaktion am Mittwoch zu spielen.

Erneut sei gesagt, dass das hier nur ein kurzfristiges Spiel mit Wahrscheinlichkeiten ist und nicht mit einem mittelfristigen Marktausblick zu verwechseln ist. Und sicher ist morgen auch eine brutale Rally möglich, wenn die FED den Markt positiv überraschen sollte. Das ist aber in Anbetracht der aktuellen Vorfreude des Marktes in meinen Augen nun weniger wahrscheinlich, als eine Enttäuschung.

Was den mittelfristigen Ausblick auf das 3. Quartal angeht, werde ich mich dazu wohl erst nächste Woche äussern, nachdem der Rauch der FED-Entscheidung verflogen ist. Sie erinnern sich aber sicher, dass ich schon vor Monaten das Bild eines schwierigen 2. Quartals entworfen habe, an das sich dann ab Mitte Juni ein überraschend positiver Sommer anschliesst, in dem die Kurse langsam aber stetig hochschieben. Dieses Szenario ist nach wie vor aktiv und hat nach wie vor meine Präferenz. Warum und wieso und ob ich das nach der FED immer noch so sehe, lesen Sie dann hier im Blog kommende Woche.

Insofern sollten Sie meine taktische Sicht auf die FED-Sitzung nicht mit einer prinzipiell negativen Marktsicht verwechseln, denn ich bin für den Markt mittelfristig eher positiv gestimmt. Sollte eine "Sell the News" Situation nach der FED eintreten, werde ich diese Schwäche je nach Nachrichtenlage möglicherweise sofort wieder kaufen. Das insbesondere, weil das hier besprochene Cup&Handle Szenario im S&P500 nun aktiv ist, wir haben also ein Kursziel von 1400 und durchaus die Chance, diese Marke schon bis Ende des 2. Quartals zu erreichen.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen und denken Sie immer an Ihre Absicherung für den Fall des Falles, auch geringe Wahrscheinlichkeiten können eintreten !

Ihr Hari

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