Hari Live Stream 29.06.20



15:10 MEZ - ZH2

Zunächst ein Hinweis in eigener Sache. Ich habe seit Freitag über das Wochenende eine Symptomatik entwickelt, wegen der ich Morgen Vormittag zum Arzt muss. Nein ganz sicher kein Corona, wen es interessiert im Bereich Neuralgie, also nicht schön, ernst zu nehmen und nicht aufschiebbar. Das Video fällt daher morgen Vormittag aus, am Nachmittag zum Stream hoffe ich normal wieder vor dem Schirm zu sitzen.

Der Markt heute in den Futures zeigt eine milde Gegenbewegung nach oben, der ich aber keine große Bedeutung beimesse. Wir haben ja schon letzte Woche gesehen, dass wenn große Adressen abladen, sie dafür den echten Handel brauchen.

Die kritisch aussehenden Charts dürften aber mittlerweile bei jedem halbwegs aufmerksam agierenden Marktteilnehmer angekommen sein, das Risiko ist deutlich sichtbar und hat viele gute fundamentale Argumente. Weswegen es zum Markt passen würde, wenn er heute wie letzten Donnerstag erst einmal wieder nach oben antäuschen würde, bevor er dann doch die 50-Tage-Linie testet:

Ich erinnere auch erneut daran, dass die beiden kommenden, letzten Tage des Q2 wg des außergewöhnlichen Verlaufs des Quartals sowieso unberechenbar sind und keinen echten Rückschluss auf das Geschehen im Q3 erlauben. Also Vorsicht derzeit mit allgemeinen Schlußfolgerungen.

15:20 MEZ

Wer sich an meine Kommentierung zum BVG-Urteil in Sachen EZB erinnert, das medial vielerorts als "grundlegende Kampfansage" beschrieben wurde weiss, dass ich es -> hier am 05.05.20 15:45 MEZ <- wie folgt als Papiertiger eingeordnet habe:

Aber ich erwarte eigentlich nur einen kleinen Stolperstein, der die Karawane nicht aufhalten wird. Sprich viel bringt das nichts mehr, das Thema ist durch....

Das was nun vom BVG moniert wird, ist auch keineswegs mutig und betrifft nicht die wirkliche Substanz der Staatsfinanzierung. Und natürlich sind die Anleihenaufkäufe der EZB Staatsfinanzierung, völlig lächerlich das umzudeklinieren! Hätte das BVG die Anleihenkäufe zur Staatsfinanzierung erhoben, dann *würden* wir eine harte Marktreaktion sehen. Davor sind sie aber zurückgeschreckt....

Nein, das BVG kritisiert hier nur, dass die EZB sich die Rechte einfach genommen hat und diese Abgabe nicht wie andere vom Bundestag genehmigt wird. Ja mei, würde der Bayer sagen, dann holen wir das halt nach.

Unser allerliebster Finanzminister hat in seiner Weisheit mein "ja mei" erhört und hat nun "geprüft", was immer das bedeutet. 😛 Bei der "ergebnisoffenen Prüfung" wäre ich auf jeden Fall gerne mal Mäuschen gewesen.....

-> Olaf Scholz und sein Finanzministerium haben Unterlagen der Europäischen Zentralbank geprüft. In einem Brief an Wolfgang Schäuble erklärt er, was daraus folgt <-

Na dann wird ja alles gut, wenn das nun "geprüft" ist, kann man also einfach weitermachen, war ja auch nur ein Nebenthema ohne grundsätzliche Bedeutung. Warum wohl bin ich nicht überrascht?

Wenn der gute Herr Voßkuhle Mumm gehabt hätte, hätte er das Urteil schon vor Jahren gefällt und gleich die Staatsfinanzierung einbezogen. Und den Konflikt mit dem EuGH geführt. So ist es zum Abgang einfach noch eine gesichtswahrende Aktion, mit der man hinterher "schaut mal ich hab doch" sagen kann. Die Mehrheitsverhältnisse sind nun durch neue Richter sowieso anders, also abhaken, die Karawane zieht weiter.

15:40 MEZ - ZH1

Man sieht schon nach 10 Minuten das identische Verhalten wie Freitag. Wenig Bewegung im Future und dann sofort Abgaben. Die Erklärung dürfte die gleiche sein, großes Geld braucht echten Handel.

15:52 MEZ - ZH2

Das folgende Chart werden sie kaum glauben, weil es so ungewohnt ist. Es unterstreicht aber meine Aussagen zur temporären Überperformance der europäischen Märkte, woran der "Biden-Effekt" ebenso wie die in Europa bessere Corona-Entwicklung beitragen.

Wir sehen - halten sie sich fest - den italienischen MIB30 und den SPY seit Anfang Juni im Vergleich. Noch Fragen?

16:20 MEZ - ZH2

Nachtrag, "Moin Moin" hat mich gerade auf das Währungsproblem beim obigen Vergleich hingewiesen. Recht hat er, mein Fehler, keine Ahnung warum ich da gepennt habe - wobei ich vermute es, das Konzentrieren fällt mir wg der Schmerzen schwerer.

Hier ist der Vergleich des in Dollar notierenden EWI zum SPY, gleiche Farbgebung wie oben, die Aussage ist damit ebenso deutlich:

16:35 MEZ - ZH3

Der Kampf wogt, der Markt ist schon wieder im Grünen. Daher gibt es heute auch Aktien des Tages auf beiden Seiten.

Auf der Long-Seite:

Die deutsche BioNTech (BNTX), die schon seit ein paar Tagen eine attraktive Ausgangslage zeigte:

Weiterhin Ballard Power (BLDP) mit Ausbruch:

Und mal etwas anderes als die Ausbrüche von Momentum-Werten, Ambev (ABEV) mit einer positiven Basenbildung entlang der 20-Tage-Linie. Hier aber *unbedingt* den ersten, bestätigenden Schub abwarten, das Ding ist noch unklar, das Volumen weist aber eher nach oben:

16:48 MEZ - ZH3

Auf der Short-Seite:

Diverse Momentum-Software-Aktien wie Docusign (DOCU), Zoom (ZM) oder RingCentral (RNSG) korrigieren heute. Beispielhaft sei Slack Technologies (WORK) gezeigt, die nun drohen nach unten abzukippen:

Und Beyond Meat (BYND), die wegen eines doppelten Downgrades abschmieren:

17:12 MEZ - ZH3

Den potentiellen Trade bei der Deutschen Bank (DB) habe ich in diesem Jahr schon mehrfach gezeigt, da kamen ja auch ein paar fundamental gute Nachrichten zusammen. Nun sieht das so aus und im Zweifel geht das eher nach oben raus, Absicherung nach unten ist auch einfach:

17:55 MEZ - ZH1

Viel fällt mir heute nicht ein, ich traue der Bewegung nur begrenzt. Wie ich Eingangs sagte war es nach der nun allgemeinen Erwartung von Schwäche durchaus logisch, dass erst einmal wieder ein Täuschungsmanöver nach oben kommt, bevor er dann doch die 50-Tage-Linie getestet wird.

Ich interpretiere in das heutige Geschehen also gar nichts und habe auch keinen Grund groß aktiv zu werden.

Auch der Russell2000 ist dem Einbruch erst einmal von der Schippe gesprungen, auch hier sind aber Zweifel erlaubt:

Abwarten und Tee trinken, ich sehe derzeit keinen Grund so oder so den Helden spielen zu wollen. Bis Morgen Nachmittag.

Wie Eingangs gesagt bin ich am Vormittag beim Arzt, es kommt also kein Video.

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Hari Live Stream 05.05.20



15:30 MEZ - ZH2

Die Märkte setzen die Stärke nahtlos fort, auch das Urteil des BVG zur EZB wird zumindest von den US Märkten mit einem Schulterzucken betrachtet - dazu im Nachgang zu diesem Eingangspost auführlich mehr.

Ich sehe das mit einer gewissen Faszination, weil ich habe im Nachgang zum Wochenende mit etwas mehr Schwäche gerechnet, auch wenn ich ansonsten völlig neutral und agnostisch war und keineswegs zwingend einen Bruch nach unten auf der Rechnung hatte - nur darauf vorbereiten sollten wir uns halt mit Risikomanagement.

Dass der Markt aber Trumps China Drohungen abschüttelt, Buffetts Skepsis und nun auch das BVG, ist schon faszinierend. Und das passiert ja nicht in einer Phase ansonsten großer Sicherheit, sondern eine massive Rezession von historischem Umfang ist im Gange!

Dass da die Bären langsam abdrehen und "böse Mächte" vermuten, kann man irgendwie verstehen. 😛

Für uns gilt das, was ich auch im Video sagte und sie sehen wie es sich bewährt. Wir sollten nach unten klar absicheren - aber bitte *nicht* zu zappelig und nahe, ich habe die Linie bewusst bei ca. 2.720 *unter* der Seitwärtszone gezogen.

Und ansonsten sollten wir mit mittlerem Exposure dabei sein und abwarten.

15:45 MEZ

Nur zum Bundesverfassungsgericht und zur EZB. Große Worte werden dazu in den Medien geschrieben, wenn wie hier vom -> Rütteln an der Allmacht der EZB <- die Rede ist, nur weil das BVG sich dazu bequemt hat, einen Rest von Selbstbehauptungswillen an den Tag zu legen.

Es wäre vermessen wenn ich jetzt behaupten würde, dass ich alle Konsequenzen schon durchdringe, darüber wird in den Frankfurter Bankentürmen jetzt sicher auch siniert. Aber ich erwarte eigentlich nur einen kleinen Stolperstein, der die Karawane nicht aufhalten wird. Sprich viel bringt das nichts mehr, das Thema ist durch.

Was ist *durch*?

Ganz grundsätzlich die langsame Verschiebung der Rechte des deutschen Souveräns an die supranationalen Organisationen EU und EZB, die - ich habe dazu mehrere Artikel verfasst und will das hier nicht ausführlich wiederholen - nach meiner Auffassung die Verfassung und unseren Staat von innen aushöhlt.

Das gelingt nur, weil wir durch den langsamen Übergang wie der Frosch sind, der langsam im Glas gekocht wird und der daher die langsam steigenden Temperaturen nie bemerkt.

Hätte man uns im Jahr 1995, also vor 25 Jahren, summarisch aufgelistet, was alles nun aus der Verfügungsgewalt unserer Verfassungsorgane nach Brüssel und zur EZB gewandert ist, ohne dass diese demokratisch legitimiert sind, wären wir wie der Frosch erschreckt aus dem Glas gesprungen und hätten gerufen: Das ist ein Verfassungsputsch!

Dabei hätte ich ja gar nichts gegen einen gemeinsamen europäischen Staat - womit ich nicht die EU, sondern ein enger integriertes Gebilde meine - dieser muss dann aber eine eigene Verfasstheit haben und vor allem demokratisch sein, was heisst 1 Bürger = 1 Stimme. Das und vieles andere ist bei der EU nicht gegeben und das Parlament mit seiner Stimm-Arithmetik und fehlenden Einflussmöglichkeiten ist weiter nur das Abziehbild eines echten Parlamentes.

Die Politik hat sich aber im Lichte des Wissens, dass eine echte Staatsgründung eines europäischen Staates nicht durchsetzbar ist, dazu entschlossen uns Bürger langsam wie den Frosch zu "erhitzen" und immer mehr an das Brüsseler-Gebilde abzugeben, dem an vielen Ecken eben echte Legitimation im Sinne eines Staates fehlt. Und die EZB ist davon nur eine weitere Variante, die nach den gleichen Methoden den Frosch erhitzt, bis er sich zersetzt und auflöst.

Diese langsame Bewegung, diese Verlagerung von wichtigen Entscheidungen des Verfassungs-Sourveräns an EU und EZB, hat das BVG mehr als 20 Jahre immer in kleinen Schritten mitgemacht, bis zur Selbstaufgabe.

Das was nun vom BVG moniert wird, ist auch keineswegs mutig und betrifft nicht die wirkliche Substanz der Staatsfinanzierung. Und natürlich sind die Anleihenaufkäufe der EZB Staatsfinanzierung, völlig lächerlich das umzudeklinieren! Hätte das BVG die Anleihenkäufe zur Staatsfinanzierung erhoben, dann *würden* wir eine harte Marktreaktion sehen. Davor sind sie aber zurückgeschreckt.

Dabei ist es doch ganz einfach. Würde die EZB die Staatsanleihen Italiens nicht mehr aufkaufen, könnte sich Italien nicht mehr finanzieren und wäre Pleite - das ist unbestreitbares Faktum. Was ist das jetzt bitte etwas anderes als Staatsfinanzierung durch die EZB?

Nein, das BVG kritisiert hier nur, dass die EZB sich die Rechte einfach genommen hat und diese Abgabe nicht wie andere vom Bundestag genehmigt wird. Ja mei, würde der Bayer sagen, dann holen wir das halt nach.

Ich bin mit einigen Staatsrechtlern statt dessen der Meinung, dass die Vertreter des Souveräns (das Parlament) ihre Rechte *gar nicht an andere abtreten können*, ohne sich vom Souverän dafür eine Genehmigung zu holen, was Volksabstimmung und Verfassungsänderungs-Konvent heissen würde.

Wenn ich als Gesellschafter einer Firma einen Geschäftsführer bestelle, kann der auch nicht sagen dass er seine Verantwortung jetzt mal woanders hin abgibt, sondern diese Entscheidung obliegt alleine mir, dem Gesellschafter, weil sie gesellschaftsverändernden Charakter hat und damit außerhalb der Kompetenz des eingesetzten Geschäftsführers oder hier Parlamentariers ist.

Und diese Abgabe der Rechte durch den Bundestag an übergeordnete Konstrukte *hat auch gesellschaftsverändernden Charakter*, weswegen diese dem Souverän vorzulegen wäre. Dieses strukturverändernde Thema, das einem Verfassungs-Konvent entspricht, ist mMn nicht durch eine allgemeine, repräsentative Wahl abgedeckt.

Man könnte auch anders formulieren:

Wir geben als Souverän über Wahlen unseren Parlamentariern das Recht, für uns gesetzgeberisch zu agieren. Aber haben wir ihnen damit auch das Recht gegeben, sich selber und die Ordnung unter der wir sie gewählt haben auszuhöhlen und langfristig abzuschaffen? Ich meine Nein.

Aber wie auch immer, diese staatsrechtliche Sicht wird auch vom BVG seit über 20 Jahren beiseite geschoben, was heute passiert ist, ändert daran gar nichts, zumal man sich an das wirklich wichtige Brett - die Staatsfinanzierung - gar nicht heran getraut hat.

Trotzdem hat selbst das zu einem kurzen Zucker im Euro und bei den italienischen Staatsanleihen geführt, aber auch nicht mehr:

Fazit: Ich habe das *RIP* zum BVG und zum deutschen Verfassungsstaat schon 2012 und -> zB hier 2014 <- beschrieben, daran hat sich nichts geändert. Ich zitiere von damals und könnte auch heute sagen:

Es bleibt mir weiter ein Rätsel, warum den Verfassungsrichtern scheinbar der Mumm fehlte, diesen notwendigen Strich am konkreten Fall mal scharf zu ziehen. Den Grenzstrich zwischen legitimer Abgabe bestimmter Rechte an eine übergeordnete Institution und einer illegitimen Aushöhlung der Verfassung ohne Mandat des Souveräns. Der EUGH hat dazu nichts beizutragen, das ist alleine eine Frage der deutschen Verfassung.

In meinen Augen hat das BVG aus Angst vor der Courage eine grosse Chance vertan, Europa wieder eine belastbare Grundlage zu verschaffen. Der Preis wäre dafür eine kurze Phase der Unsicherheit und Turbulenzen an den Märkten gewesen. Aber die kommen so oder so, man kann nicht ewig zusammen pressen, was gar nicht so zusammen gehören will.

16:35 MEZ - ZH3

Zu den Zahlen heute, Dominion Energy (D) und L3 Harris (LHX) überzeugen und haben eine ähnliche Struktur unter der abwärts gerichteten Trendlinie:

Newmont Goldcorp (NEM) ist diffus:

Und Regeneron (REGN) bestätigt die hohen Erwartungen:

16:40 MEZ

Noch einmal zum Thema Hedging im Bereich der Absicherung, weil immer die gleichen Probleme kommen und das frustriert.

Dieses Mal keine Erklärungen, davon gibt es genug, sondern kurze, knappe und unmissverständliche Handlungsanweisungen:

(1) Wer kein großes, wohl differenziertes Investment-Depot hat, braucht kein Hedging! Sparen Sie sich alle weiteren Punkte!

(2) Wer nicht zuverlässig große Long-Positionen mit den klassischen Methoden (Trends, Unterstützungen) timen kann, dem fehlt die Grundlage für das Hedging!

(3) Hedging löst *keines* der Timing-Probleme, die man auch ohne Hedging hat!

(4.1) Statt über Hedges zu grübeln, fragen Sie sich, wann sie ihr Depot teilweise oder ganz verkaufen wollen. Genau das machen sie dann auch, nur dass technisch gesehen ihre Hand statt bei vielen Aktien auf den Verkaufsknopf zu drücken, eine Gegenposition (Hedge) in gleicher Höhe kauft.

(4.2) Wenn Sie also wissen, wann sie verkaufen müssen, wissen sie auch, wann sie hedgen müssen. Wenn sie das nicht wissen, haben sie auch bei Hedges nichts verloren, sondern weit grundsätzlichere Probleme.

(5.1) Statt über das Auflösen von Hedges zu grübeln, fragen Sie sich, wann sie ihr Depot wieder aufbauen und ihr Exposure erhöhen wollen. Genau das machen sie dann auch, nur dass technisch gesehen ihre Hand statt bei vielen Aktien auf den Kaufknopf zu drücken, die Gegenposition (Hedge) in gleicher Höhe wieder auflöst.

(5.2) Wenn Sie also wissen, wann sie wieder kaufen wollen, wissen sie auch, wann sie die Hedges auflösen. Wenn sie das nicht wissen, haben sie auch bei Hedges nichts verloren, sondern weit grundsätzlichere Probleme.

Kurz und knapp, wer seine Positionen mit einer Strategie timen kann, kann auch Hedgen, wenn das wg Grösse des Depots einen Sinn macht. Wer nicht, der nicht.

Eine spezielle Timing-Logik für Hedges zur Absicherung gibt es nicht. Verkaufen und Kaufen sie, das ist die Frage, die Hedges sind nur technisches Tool dafür, das invers eingesetzt wird und nur wenn es wg großem Depot Sinn hat.

17:40 MEZ - ZH3

Ich bin heute durch allerlei abgelenkt, tut mir leid. Hier in Bayern werden die Beschränkungen ja nun auch gelockert und irgendwie wirkt das so, als ob nun überall der Wahnsinn ausbricht. Das Telefon klingelt, Leute fragen, die Schule meldet sich usw und so fort.

Meine Frau berichtet gerade, dass an der Kasse der Kunde vor ihr der Kassierin im Ton des Geheimnisses erklärt hat, dass ja Bill Gates an dem Ganzen schuld sei, weil der damit Millionen verdienen wolle. Und die hat natürlich interessiert zugehört.

Oh Gott das zieht Kreise, wir sind wieder im Mittelalter angekommen! Es ist einfach furchtbar.

Der Markt schiebt weiter hoch und negiert jede Schwäche, bald wird diese Darstellung damit in Frage gestellt und das Szenario einer temporären Topbildung muss verworfen werden:

17:55 MEZ - ZH3

Wer echte Weltraumaktien sucht, tut sich damit ja schwer. Um so erstaunlicher, dass mit OHB eine der wenigen aus Deutschland kommt, dank der Familie Fuchs, die Raumfahrt im Blut hat.

Ich habe das Unternehmen oft genug besprochen, daher hier kein Wort mehr dazu, aber auf das Chart will ich sie aufmerksam machen.

Diese Range wird irgendwann brechen und wenn nach oben, generiert das beim lila Stern über der 200-Tage-Linie ein Kaufsignal:

18:15 - ZH3 - ZH5

Ganz stark heute nach Zahlen auch der Laserspezialist IPG Photonics (IPGP):

Aber noch ist nichts passiert, es könnte aber bald was nach oben passieren:

18:20 - ZH3

Skyworks Solutions (SWKS), Apple-Zulieferer und 5G-Aktie - gestern Abend mit guten Zahlen und jetzt?

18:30 MEZ - ZH1

Ganz starker Tag, die Liquidität überrennt weiter alles. Schauen Sie hier via Finviz (klickbar) auf die 20 größten Aktien nach Marktkapitalisierung mit heute mindestens 4% Plus:

Zum weiteren Verlauf bin ich diese Woche weiter neutral und agnostisch. Ich sichere unter der Seitwärtsrange ab und bin ansonsten ruhig dabei.

Aber das Geschehen hat schon eine Botschaft für uns. Es ist die Botschaft, dass der von der Liquidität ausgehende Kaufdruck alles überrollt, selbst abstrakte Sorgen vor einem neuen Handelskonflikt.

Und das bedeutet, dass diese Range wohl eher *nach oben* bricht, außer - und das ist die große Wildcard - die zweite Infektionswelle kommt und die Öffnungen zurückgedreht werden müssten.

Aber dagegen haben wir ein Risikomanagement und wenn wir keines haben, brauchen wir eines. Mit dem Risikomanagement im Rücken, können wir aber entspannt nach oben agieren.

Bis Morgen!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Kein Arsch in der Hose



Ja ich weiss, diese Überschrift ist etwas *derb*, aber es sind die Gedanken die mir durch den Kopf gehen, wenn ich das Einknicken des Bundesverfassungsgerichts sehe.

Ich hatte das ja erwartet, warum steht in einem alten Artikel von 2012, den Sie wirklich noch einmal lesen sollten, weil er so aktuell ist:
-> Ja aber, oder wie man sich selber abschafft <-

Und was auch aus meiner Sicht von dem Urteil zu halten ist, lesen Sie -> hier <-.

Warum eigentlich, fühlt sich das dem Grundgesetz verpflichtete Verfassungsgericht, zwingend an die Rechtsprechung eines europäischen Gerichts gebunden? Es darf sie ja berücksichtigen, aber daran gebunden? Ist es die Aufgabe des Verfassungsgerichts, staatspolitische Erwägungen zu treffen und die Europa-Politik der Regierung als verlängerte Regierungsinstitution abzusichern, oder ist es nicht einfach nur seine Aufgabe, die eigene Verfassung zu interpretieren?

Haben die Bürger Deutschlands, von denen laut Verfassung alle Gewalt ausgehen soll, jemals dieser Übertragung von Kompetenzen und Nivellierung der eigenen Verfassung auf europäische Ebene zugestimmt? Gibt es eigentlich irgendwo ein Verfassungsgericht, vor das ich die Mitglieder dieses "Verfassungsgerichts" wegen Pflichtverletzung stellen kann?

Mehr will ich dazu lieber nicht sagen. Ich hatte es ja erwartet und bin Null überrascht. Ich zitiere wieder, was ich 2012 zum ESM-Urteil sagte:

Ich wünsche uns allen viel Glück in diesem neuen Staat der sich nun entwickelt, wie immer er ausgestaltet sein wird. Bundesbank und Bundesverfassungsgericht - und damit die Bundesrepublik Deutschland - haben aber mit dem heutigen Tag den Rubicon überschritten. Was danach kommt, wird Teil der Geschichtsbücher sein.

Kommen wir zum Markt.

Der hat die Rabulistik des BVG natürlich gemocht und sich um die Spitzfindkeiten des "Einhegens" auch nicht geschert und die Sache auf den Kern reduziert. Was den DAX angeht heisst das Freude, denn damit wurde ein weiteres Stück Unsicherheit aufgelöst. Der DAX steht über 10.000 und aus London kommt mal nichts Neues. Das "Remain" Upside ist damit vielleicht noch ein paar wenige hundert Punkte im DAX hoch, danach geht der Markt aber schon wieder in die Normalität über. Kommt nun doch ein "Brexit", sind dagegen eher schnelle 600-1.000 Punkte nach unten drin, was einem "Crash-Tag" im DAX entspricht.

Gold hat die gestern gezeigte Linie nun doch nach unten gebrochen und damit Raum für eine Abwärtsbewegung bis 1.250 USD geschaffen:

Gold 21.06.16

Trotzdem rate ich davon ab diese Struktur zu handeln und wenn sie noch so überzeugend aussieht. Denn letztlich hängt auch Gold nun von den Umfragen und dem Referendum ab und wenn das Edelmetall deswegen ausschlägt, wird es sich um diese Struktur nicht scheren, zu gross ist dann die Gewalt.

Achja, wo wir schon bei sich selbst ermächtigenden Institutionen sind. Mich hat die letzten Tage irritiert, dass der Yen die "Risk Off" Rally seit Donnerstag Abend nicht mitgemacht hat und sich damit von den Weltmärkten entkoppelt hat. Denn eigentlich hätte der Yen fallen müssen und nicht bis zum wichtigen Widerstand steigen:

JPYUSD 21.06.16

Ich meine technisch ist die Struktur ja ein Traum, hätte man da nicht schön Geld verdienen können, zumal wir diese Struktur immer wieder vor Augen hatten?

Aber mir geht es hier um die Frage, ob die Bank of Japan vielleicht die erste Notenbank ist, die die Kontrolle über ihre Währung verloren hat? Auf jeden Fall kann das dem BoJ Chef Kuroda nicht gefallen, der gestern als erster Notenbanker das Scheitern der Politik die Inflation zu erhöhen eingestanden hat. Und der IWF ist auch -> alles andere als positiv <-:

Under current policies, the high nominal growth goal, the inflation target, and the primary budget surplus objective all remain out of reach within the timeframe set by the authorities.

Ouch. Ist das der erste dicke Ziegelstein, der aus der Mauer der Notenbanken heraus bricht? Japan war ja immer der heisseste Kandidat für eine veritable Währungskrise und was bleibt Kuroda nun? Der erste echte Einsatz von "Helikopter Money"? Ich bin sicher, bevor Armageddon kommt, wird auch das noch probiert werden. Und erst wenn das auch scheitert, heisst es anschnallen und Rübensamen kaufen. 😉

Der Biotech Sektor hat bald mal wieder sein "Do or Die". Wir wissen ja schon lange, dass er durchaus bis zu Präsidentenwahl noch eine "Stufe" nach unten kippen kann, bevor das dann wohl der Boden sein dürfte.

IBB 21.06.16

Es lohnt sich aber nicht, da jetzt darüber zu spekulieren, weil wir wissen es nicht. Und dass der Sektor nun ein paar Tage schwach war sagt gar nichts, weil er kann dieses Mal genau so wieder unten drehen, wie mehrfach vorher. Oder eben nicht und das muss man schlicht abwarten.

Das am Freitag in -> Luft schnappen <- gezeigte Handelssetup bei Micron läuft übrigens. Wir sind 5% höher und kommen zum letzten Test vor dem endgültigen Ausbruch:

MU 21.06.16

Ansonsten werde ich bis Donnerstag immer das Gleiche sagen müssen. Einzelne, markttechnisch getriebene Trades, stehen unter dem Brexit-Vorbehalt und es bestehen Zweifel an der Sinnhaftigkeit. Denn wenn der grosse Scheibenwischer der Volatilität wieder kommen sollte, verschmiert er jede Struktur.

Apropos Volatilität. Nach dem der VIX seit Donnerstag gut die Hälfte des Anstiegs wieder abgegeben hat, werden wir am Freitag wissen, ob das nur das Luft holen vor dem Sprung oder tatsächlich schon ein Doppeltop war:

VIX 21.06.16

Bis Morgen!

Ihr Hari

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Das Warten



Guten Morgen!

Nun sind wir mittendrin, im lästigen Warten auf das Referendum, denn vorher wird der Markt nicht frei atmen können. Das ist wenig erbaulich und immer nervig, genau wie das Warten auf die FED, aber es ist, wie es ist.

Die Werte bei den Buchmachern scheinen sich nicht zu verändern, die Märkte bleiben stabil in Erwartung eines "Remain". Die kommende Tage und Stunden werden wir immer mehr in eine direkte Korrelation zwischen Umfragen/Buchmachern und der Kursentwicklung hinein laufen.

Schaut man auf den S&P500, sieht man wie der zwar in der Nähe der Allzeithochs hängt und damit seiner unverdrossenen Stärke Ausdruck gibt, man sieht aber auch die beiden "Hämmer" am Donnerstag und umgedreht gestern und besser kann man die Unsicherheit nicht ausdrücken, die im Markt hängt:

S&P500 21.06.16

Das wird sich vor Freitag nicht auflösen, so ist es halt.

Der DAX ist wieder in einem Band von 9.500 bis 10.500, das er schon seit März so hält und seitdem eigentlich nur sinnlos vor sich hin geschwungen hat. Hier wäre mal eine echte direktionale Bewegung wie ein frischer Wind an einem trüben Tag, aber auch hier gilt: vor Freitag wohl keine Chance:

DAX 21.06.16

Heute steht dann noch das -> Urteil des Bundesverfassungsgerichts <- zu den Outright Monetary Transactions (OMT) der EZB an, das vermutlich für die Märkte belanglos ist.

Wenn aber nicht, dann hat es einige Sprengkraft, die der Markt durch seinen reinen Blick auf den "Brexit" im Moment nicht auf dem Radar hat. Denn theoretisch könnten das BVG der Bundesbank untersagen, sich an OMT zu beteiligen. Faktisch glaubt aber kaum jemand, auch ich nicht, dass es dazu kommen wird.

Hier ist also Überraschungspotential der negativen Art, das Urteil wird gleich für 10 Uhr erwartet.

Um 11 Uhr kommt dann in Deutschland der ZEW und die beiden Reden von Yellen und Draghi um 15 und 16 Uhr am Nachmittag, sind heute erst, da habe ich mich gestern vertan.

Wie geht man mit so einer Lage um? Das hängt davon ab, ob Sie auf einen bestimmten Ausgang beim Referendum wetten wollen. Wenn nicht, wenn Sie eine ausgewogene Aufstellung suchen, muss man im Zuge der Erholung seit Donnerstag vielleicht abgebaute Hedges nun wieder aktivieren. Denn vom aktuellen Niveau aus, ist in den kommenden Tagen alles möglich.

Wenn eine Entscheidung alles überlagert, fällt es mir schwer zu einzelnen Aktien Sinnvolles zu sagen. Die Zeit dafür wird über den Sommer, gerade in der kommenden Quartalssaison im Juli wieder kommen. Aber eben nicht heute.

Ihr Hari

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Casino Royale



Guten Morgen!

Heute melde ich mal sehr früh, weil schon gestern spät Abends geschrieben.

Im Casino hat man keinen "Edge", sondern wettet bei Roulette blind auf Rot oder Schwarz und hofft auf die Gnade des Schicksals.

Das ist nicht die Art, wie man Geld an der Börse verdienen kann, das verdient man dort konsistent, in dem man die Wahrscheinlichkeiten durch kluge Analyse ein wenig zu den eigenen Gunsten verschiebt.

Diese Situation, haben wir aber diese Woche beim Brexit-Referendum nicht. Es ist tatsächlich eine Roulette-Situation, in der entweder das Eine oder das Andere mit relativ klar zu definierenden kurzfristigen Folgen eintritt und es dazwischen Wenig bis Nichts gibt.

Ob man sich als Anleger in so einer Situation völlig zurück zieht oder auf eine Seite wettet, können Sie nur selber für sich entscheiden, ich habe dafür keinen Rat.

Wichtig ist aber die Bedeutung der Umfragen und der Buchmacher zu beachten. Wenn die vor dem Referendum in eine Richtung ausschlagen, wird sich auch Chance und Risiko des Ausschlages danach verändert haben. Denn der Ausschlag des Marktes wird bei dem Ergebnis am stärksten sein, auf dem die geringerer Wahrscheinlichkeit der Umfragen und Buchmacher liegt.

Im Moment, am Anfang dieser Woche, sieht es bei den Umfragen ja so aus, als ob die "Remain" Fraktion wieder Oberwasser hat. In Folge, haben wir wohl einen sehr positiven Wochenstart vor uns und klar ist auch, wenn sich das zum Freitag hin verstetigen würde und der "Remain" Sieg immer sicherer würde, würde der Markt die Unsicherheit schon vorher auspreisen, der Sprung am Freitag nach oben, fällt dann weitgehend aus, weil schon verarbeitet.

Man kann sich diese Woche also auch Chartanalysen zu den Indizes sparen, klar ist, dass die Volatilität um das Referendum so hoch wird, dass normale Marken sowieso keine Relevanz mehr haben.

Als ob das aber nicht genügt, haben wir noch einen potentiellen Aufreger am Dienstag dieser Woche, der derzeit etwas unter dem Radar des Marktes läuft.

Und Schweizer Redakteure glauben scheinbar sogar noch an die Unabhängigkeit unseres Verfassungsgerichts: -> Karlsruhe gegen EZB <-

Ich nicht mehr, aber selten habe ich mir so sehr gewünscht, mal Unrecht zu haben und am Dienstag mit einer (für die Märkte bösen) Überraschung aufzuwachen.

Wenn wir von diesem Event absehen, haben wir zwar jede Menge wichtige Wirtschaftsdaten, am Dienstag sogar Mario Draghi und Janet Yellen nahezu zeitgleich um 15 und 16 Uhr mit Reden, aber trotzdem wird das alles von der Unsicherheit um den Brexit überlagert, die noch einmal anziehen dürfte - wenn, ja wenn, die Umfragen nicht schon vorher eindeutig werden.

Gehen wir also von viel Hektik und hin und her aus und einer hohen Korrelation zu dem, was Umfragen und Buchmacher sagen, aber lassen wir uns davon nicht verrückt macht. In der Nacht auf Freitag wird es im Casino Royale ernst und nicht vorher. Ausser das BVG hat eine plötzliche Anwallung von Selbstbehauptung, dann rappelt es wohl vorher schon. Und ausser die Umfragen sind im Vorfeld schon so glasklar, dass die Anpassung der Kurse schon vorher stattgefunden hat.

Die zweite Runde des Tippspiels, hat mit 63 eine bessere Teilnahmequote gebracht, aber immer noch fehlen ca. 20 der Angemeldeten und das obwohl ich mindestens 4x in Artikeln und Forum darauf hingewiesen habe. Es ist ja wirklich kein Problem mal eine Abstimmung zu verpassen, man sammelt dann halt keine Punkte. Das ist im Tippspiel durchaus vorgesehen. Zwischen "mal fehlen" und "gar nicht mitmachen obwohl angemeldet", ist aber ein Unterschied.

Ich hoffe, mit der dritten Woche hat dann jeder, der sich angemeldet hatte auch mal teilgenommen. Wer es sich anders überlegt hat, sollte sich dann jetzt wenigstens diesbezüglich äussern, das ist in meinen Augen das Mindeste den anderen Teinehmern gegenüber. Denn eine Tabelle mit "Leichen" am Ende, ist nicht nur sinnlos, sondern nimmt den anderen die mitmachen wollen, etwas von Ihrem Spass.

Das Ergebnis dieser Woche ist aber sehr interessant. Die Teilnehmer, die ja letzte Woche eine sehr gute Performance abgeliefert haben, erwarten in Mehrheit sehr eindeutig ein "Remain" und damit starke Märkte und eine Korrektur bei Gold.

Erstens einen positiven oder sogar sehr positiven S&P500:

Positiv, mehr als 20 und bis zu 40 Punkte Plus (55%)
Sehr Positiv, mehr als 40 Punkte Plus (24%)
Neutral, nicht mehr als 20 Punkte Plus oder Minus (11%)
Negativ, mehr als 20 und bis zu 40 Punkte Minus (6%)
Sehr Negativ, mehr als 40 Punkte Minus (3%)

Zweitens einen sehr positiven DAX:

Sehr Positiv, mehr als 300 Punkte Plus (59%)
Positiv, mehr als 150 und bis zu 300 Punkte Plus (29%)
Neutral, nicht mehr als 150 Punkte Plus oder Minus (6%)
Negativ, mehr als 150 und bis zu 300 Punkte Minus (3%)
Sehr Negativ, mehr als 300 Punkte Minus (3%)

Drittens eine sehr schwache Woche für Gold:

Sehr Negativ, mehr als 30 USD Minus (46%)
Negativ, mehr als 15 und bis zu 30 USD Minus (29%)
Neutral, nicht mehr als 15 USD Plus oder Minus (13%)
Positiv, mehr als 15 und bis zu 30 USD Plus (8%)
Sehr Positiv, mehr als 30 USD Plus (5%)

Beeindruckend liebe Teilnehmer. Beeindruckend! Eine klare Meinungsäusserung, die ich übrigens von der Tendenz her teile. Denn wenn man sich wegen dieses digitalen Events entscheiden *muss*, dann würde ich mich im Sinne 55-45 auf die Seite des "Remain"-Lagers stellen und da es eine neutrale Position hier ja nicht gibt, dann auch gleich mit "Karacho" und deutlich positiv.

Allerdings ist das BVG am Dienstag eine "Wildcard". Ich erwarte da zwar nichts von, wenn aber doch, dann ......

In Summe bin ich mit Ihnen für dieses Tippspiel aber von der groben Tendenz her einig. Und wenn es anders kommt, dann ist es halt so, letztlich ist das Referendum wie im Casino eben ein "Zock" auf Rot oder Schwarz und eher Glücksspiel für Anleger. Die erste Tabelle, kommt nach Ablauf dieser Tippwoche, also nächstes Wochenende.

So weit von mir, zum Anfang dieser Woche. Am Ende noch der Hinweis, dass das für mich voraussichtlich eine 4,5 Tage-Woche wird, weil ich am Freitag bis in den Nachmittag einen unverschiebbaren, auswärtigen Termin habe. Ich weiss, sicher nicht der optimale Tag dafür, ich kann es aber nicht ändern. Ich melde mich am Freitag dann am späten Nachmittag einmal, nicht aber am Vormittag. Tut mit leid, blödes Timing.

Ihr Hari

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Das Bundesverfassungsgericht, die EZB und die Schweiz

Montag 10.02.14 09:50 - EZB & Bundesverfassungsgericht & Schweiz

Ich möchte heute einen persönlichen Kommentar zur Thematik um die EZB, das Bundesverfassungsgericht (BVG) und die Schweiz los werden. In einem Börsenblog darf man auch mal über den Tellerrand in die Finanzpolitik hinein schauen.

Aufhängen möchte ich den Kommentar an einem Artikel der Welt, in dem die Auswirkungen und taktischen Konsequenzen der Vorgehensweise des BVGs auf die EZB aufgezeigt werden: -> Die EZB steht unbewaffnet dar <-

Nach meiner Meinung sieht man an den im Artikel dargestellten Zusammenhängen, auf welch wackeligen Boden sich das Bundesverfassungsgericht begeben hat, in dem es europapolitische Erwägungen in seinen Ratschluss hat einfliessen lassen. Damit ist es zum Mitspieler in einem politischen Poker geworden. Eine Rolle die ihm nach meiner Überzeugung weder zusteht, noch gut tut.

In meinen Augen wäre es sachgerecht gewesen, wenn sich das BVG auf das beschränkt hätte, was seine Aufgabe ist: zur Verfassung der Bundesrepublik Deutschland ein Urteil zu fällen und sich allen Erwartungen der Politik zu verweigern, den grösseren europäischen Kontext dabei einfliessen zu lassen. Denn Massstab des BVG sollte das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sein und sonst nichts.

Hätte das BVG die Verfassungswidrigkeit im Sinne des GG einfach festgestellt - und dazu gibt es ja scheinbar eine klare Mehrheit im Senat - wäre das ja nicht das Ende von Europa gewesen. Im Gegenteil, es hätte die Politik gezwungen, statt an einem Eliten-Projekt Brüssel weiter zu wurschteln und den "dummen Bürger" dabei aussen vor zu lassen, dem Verfassungs-Souverän (den Bürgern) die entscheidende Frage zu stellen: in welchem (europäischen) Staat er in Zukunft leben will. Und wenn dass das Brüsseler Europa sein sollte, dann ist auch alles legitimiert und die Verfassung wird entsprechend geändert.

Im Endeffekt wird in meinen Augen hier das Grundproblem deutlich. Die deutsche Politik hat schon mehr Verantwortung nach Brüssel abgegeben, als im Sinne einer Verfassungsidentität eigentlich zulässig wäre, ohne den Verfassungsstaat defacto auszuhöhlen. Nennen Sie mir mal Institutionen, die noch nicht weitreichende Kompetenzen an eine übergeordnete europäische Behörde oder Institution abgegeben haben. Damit verlieren die Institutionen der Verfassung aber ihre Relevanz, wenn man so will, wird die Verfassung von innen ausgehölt. Dass das BVG seinen Entscheid zum Grundgesetz nun massgeblich vom Urteil europäischer Richter abhängig macht, ist da nur der letzte Baustein in einer Kette, der auch schon Institutionen wie die Bundesbank defacto zum Opfer gefallen sind.

Und der in den 90er Jahren eingeführte Artikel 23 GG (der Europa Artikel) definiert auch nicht den Übergang in einen europäischen Superstaat, sondern nur die Möglichkeit, dass die Bundesrepublik auf die Wahrnehmung ihrer Rechte temporär verzichtet und diese temporär an Europa übertragen kann. Zwischen einer Selbstauflösung und der temporären Abgabe wichtiger Rechte bei Erhalt der Verfassungsidentität, besteht eben ein gewaltiger Unterschied.

So wird aber nach meinem Eindruck der Weg weiter beschritten, in dem die Politik weiter Fakten schafft, die defacto den Verfassungsstaat aushöhlen und entkernen, weil entscheidende Rechte an eine übergeordnete Einheit abgegeben werden. Die Ermächtigung des §23 GG ist nach meiner Wahrnehmung schon längst überdehnt.

Es bleibt mir weiter ein Rätsel, warum den Verfassungsrichtern scheinbar der Mumm fehlte, diesen notwendigen Strich am konkreten Fall mal scharf zu ziehen. Den Grenzstrich zwischen legitimer Abgabe bestimmter Rechte an eine übergeordnete Institution und einer illegitimen Aushöhlung der Verfassung ohne Mandat des Souveräns. Der EUGH hat dazu nichts beizutragen, das ist alleine eine Frage der deutschen Verfassung.

Denn am Ende würde das BVG damit Europa retten, weil eine belastbare demokratische Grundlage erzwungen würde. Zerstören wird Europa das "weiter so" auf einem Weg der Ausdehnung, der schon jetzt vielleicht nicht mehr wirklich von der Bevölkerung getragen wird.

Insofern passt auch das aktuelle Geschehen in der Schweiz um die "Masseneinwanderungs-Initiative" ins Bild. Ich bin sicher, es wird dem Wohlstand der Schweiz schaden, was jetzt als Folge des Entscheids passieren wird. Insofern hat sich die kleine Schweiz, deren Wohlstand sehr stark von der wirtschaftlichen Verpflechtung mit der sie komplett umgebenden EU abhängt, ein massives Ei ins Nest gelegt.

Und gleichzeitig empfinde ich aber den Unmut der Bevölkerung als verständlich und kann das Ergebnis nachvollziehen. Genau das passiert, wenn "Eliten" zu lange auf einem Weg gehen, ohne den Mann auf der Strasse mitzunmehmen. Und das ist auch das, was in Deutschland und Europa beim Projekt "Brüssel" passiert. Würde man in Deutschland eine ähnliche Volksabstimmung zulassen, bin ich nicht sicher, ob wir nicht auch das gleiche Ergebnis bekommen würden, wie in der Schweiz.

In meinen Augen hat das BVG aus Angst vor der Courage eine grosse Chance vertan, Europa wieder eine belastbare Grundlage zu verschaffen. Der Preis wäre dafür eine kurze Phase der Unsicherheit und Turbulenzen an den Märkten gewesen. Aber die kommen so oder so, man kann nicht ewig zusammen pressen, was gar nicht so zusammen gehören will.

So weit mein persönlicher Kommentar zum Thema.

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DAX, S&P500 und der Carry Trade – Was ist da an den Märkten los ?

08:45 Uhr. Heute früh möchte ich Ihnen - vor Eröffnung des Xetra-Handels in Frankfurt - in wenigen klaren Sätzen einen Eindruck davon vermitteln, was da an den Märkten wirklich los ist und warum wir heute die 8000er Marke im DAX wieder testen.

Man liest dazu allerlei zweidimensionale Ursache->Wirkung Vermutungen, die aber eher am Thema vorbei sind. Nein, es ist auch nicht das BVG mit seiner Verhandlung, das hat Mr. Market eher unter der Rubrik "traut sich sowieso nicht" abgehakt.

Was hier passiert hat die Ursache in grossen Geldströmen an den Weltfinanzmärkten und ich habe Ihnen nicht ohne Grund gestern die 4 Charts gezeigt, in denen man erkennen kann, dass das, was nun auch im DAX ankommt, schon einige Tage im Gange ist.

Es gibt aus meiner Sicht zwei Kernursachen:

Erstens die Unsicherheit über die weitere Politik der Notenbanken, insbesondere der FED. Nach der gewaltigen Aufwärtsbewegung seit November, gehört wirklich nicht viel Intelligenz dazu, im Lichte dieser Unsicherheit mal ein paar Einsätze vom Tisch zu nehmen. Genau das macht "Big Money" und war schon seit Wochen als "Distribution" zu beobachten. Einer der vielen Gründe, warum ich schon letzte Woche deutlich gemacht habe, dass ich über den Sommer auf die Seitenlinie trete.

Dieses Verhalten von "Big Money" hat einen netten Nebeneffekt. Es erhöht massiv den Druck auf die FED, die nächste Woche wieder tagt. Es legt der FED die Pistole an die Schläfe und sagt: "Hör auf über eine Reduktion des Stimulus zu diskutieren oder trage die Konsequenzen".

Dieses taktische Verhalten der Wallstreet ist aber nicht der Wichtigste der beiden Gründe. Wirklich entscheidend sind die weltweiten Geldströme aus dem Yen Carry-Trade. Es geht also um Japan, Japan ist der Kern dieser Bewegung.

Ich kann den Carry-Trade hier nicht in wenigen Worten erklären, aber im Kern geht es darum sich mit Micro-Zinsen nahe Null im Yen zu verschulden, um dann das Geld in höher rentierliche Anlagen umzuschichten. Anlagen wie High-Yield Bonds der Emerging Markets eben. Oder eben Anlagen im Aktienmarkt mit hoher Dividende.

Deswegen wurden die Dividenden-Bluechips zuletzt so stark verprügelt. Deswegen fallen die EMA Anleihen so massiv. Es ist die Auflösung des Yen-Carry-Trades. Es sind die weltweiten Geldströme des grossen Geldes, die diese Bewegung indizieren.

Das der Yen Carry-Trade überhaupt in sich zusammen fällt, hat mit der Rasierklinge zu tun, auf der die neue "Abenomics"-Politik der japanischen Regierung balanciert. Wenn Sie meinen Lunchtalk gestern mit der Wiwo anschauen, bekommen Sie einen oberflächlichen Eindruck davon, worum es da geht.

So weit die kurzen Hinweise wo man hinschauen muss. Simple Ursache->Wirkung Vermutungen aufgrund einzelner Nachrichten zeugen aktuell nur von Unkenntnis, wie die Geldströme der Welt wirklich funktionieren. Und nein, man kann nicht alles mit Charttechnik erklären, Chartbilder sind ein Abbild der realen Handlungen der Marktteilnehmer, erzählen aber nicht immer die Geschichte warum es diese Bewegungen gab. Manchmal sind Bewegungen rein technischer Natur, dann erzählt das Chart die ganze Geschichte. Manchmal aber - und derzeit ist so ein Fall, wie Ihnen die 4 Charts gestern deutlich zeigen sollten - stehen weit grundsätzlichere, fundamentale Themen dahinter.

Was heisst das für DAX und S&P500 ?

Mittelfristig bleibe ich bei meiner Erwartung einer volatilen Seitwärtsbewegung über den Sommer. In diesem Markt muss man im Moment nicht zwingend sein.

Kurzfristig denke ich, dass die Auflösung des Carry-Trades nun so weit fortgeschritten ist, das es Zeit für eine Gegenbewegung ist. Das Minus heute im Nikkei hat den Charakter einer kleinen Kapitulation. Gleichzeitig sitzen wir nun mit DAX 8000 und S&P500 Future 1600 auf den entscheidenden Unterstützungen, sind technisch kurzfristig überverkauft und habe heute eine grosse FED Buy-Operation im Markt.

Seien Sie also nicht überrascht, wenn es heute mal wieder nach oben geht, sobald ab Mittag die Wallstreet ins Spiel kommt.

Das wir diese wichtigen Unterstützungen nun sofort nachhaltig brechen, ist kurzfristig also das weniger wahrscheinliche Szenario. Wenn das aber doch passieren sollte - auch kleinere Wahrscheinlichkeiten können eintreten - muss man extrem vorsichtig sein. Denn unter diesen Unterstützungen dürften jede Menge Stops lauern, die eine Bewegung dann beschleunigen.

In diesem Sinne entstehen heute Chancen für aggressive "Mean Reversion" Trader. Für Anleger mit mittelfristigem Horizont, sehe ich aber über die kommenden Wochen eher wenig Grund, sich diesem Markt zu exponieren, der nach der zukünftigen Richtung sucht. Im Spätsommer werden wir klarer sehen.

Viel Erfolg heute wünscht Ihr Hari !

PS: Übrigens, diese Art der Begleitung durch den Tag bekommen die Premium-Mitglieder auf Mr-Market rund um die Uhr. Am Tag stelle ich ca. 5 - 15 derartiger, aktueller Informationsschnipsel ein, manchmal nur ein wichtiger Link, manchmal ein Chart mit Kommentierung, manchmal eine ausführliche Stellungnahme wie oben.

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Marktupdate – 17.09.12 – Konsolidierung oder Korrektur ?

11:00 Uhr

Nach den massiven Anstiegen rund um EZB, BVG und FED der letzten Wochen, ist der Markt in dieser Woche in jeder Hinsicht reif für eine technische Korrektur. Das zu erkennen, ist nun wirklich keine besondere Leistung, sondern offensichtlich.

Genau darin liegt aber auch das Problem. Es gibt so viele - gerade auch institutionelle - Marktteilnehmer, die in diesem Jahr die Indizes unterperformen und nicht ausreichend im Markt sind. Und die daher massiven Performancedruck haben und nach jeder Korrektur geradezu lechzen, um endlich einsteigen zu können. Und zu allem Überfluss nähert sich das Quartalsende mit Macht, das die "Performance-Anxiety" noch erhöhen dürfte.

Und deshalb kann es uns passieren, dass dieser Performance-Druck dazu führt, dass es zu keiner gesunden Korrektur kommt, sondern es bei einer mehr oder weniger volatilen Seitwärtsbewegung bleibt. Das ist auch das Modell, das ich persönlich mit Wahrscheinlichkeit präferiere, ein paar Tage der Seitwärts-Konsolidierung diese Woche, bevor der Markt zum Quartalsende noch einmal Fahrt nach oben aufnimmt und der DAX die 7500 knacken könnte.

Aber selbst wenn es zu einer Korrektur kommt, wäre ein Rückgang auf 7200 im DAX mehr als gesund und mittelfristig nur zu begrüssen. Ein derartiger Rückgang wäre eher als Geschenk zu werten, denn denken Sie daran, dass echte Bullenmärkte einen typischerweise nicht mehr aufsatteln lassen, wenn man einmal abgeworfen wurde. Die Kurse tendieren dazu einfach wegzulaufen. Und im Moment sieht für mich alles nach einem echten Bullenmarkt aus.

Für meine Aufstellung bedeutet das, dass ich meinen Long-Positionen weitgehend treu bleibe, diese Rally hat noch viel Luft und gerade im von mir mehrfach thematisierten Bereich Edelmetalle/Rohstoffe - also den Assets die Geldersatz darstellen - stehen wir bei vielen Aktien wohl erst am Anfang einer massiven Bewegung und nicht am Ende. Gleichzeitig erhöhe ich temporär für ein paar Tage nun mein "Hedging" durch entsprechend gegenläufige, selektive Short-Positionen.

In Summe wird damit meine Aufstellung etwas defensiver als die letzten Wochen und so beabsichtige ich die erwartete Konsolidierung dieser Woche gelassen auszusitzen.

Meine Grundeinstellung mit Blick zum Jahresende bleibt aber weiter klar bullisch, der Markt hat mir bisher keinerlei Signal gegeben, das eine Abkehr von dieser Haltung rechtfertigen würde.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Ihr Hari !

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Zum ESM Entscheid des BVG: Ja, aber – oder wie man sich selber abschafft.

10:30 Uhr

Das Bundesverfassungsgericht (BVG) hat in Sachen der einstweiligen Anordnung wie von Mr. Market erwartet mit "Ja, aber" geurteilt. Damit kann der ESM in Kraft treten. In der Urteilsbegründung hat der Vorsitzende Vosskuhle zum Ausdruck gegeben, dass beim ESM für sich voraussichtlich kein Verfassungsverstoss vorliegt, was das Verfahren in der Hauptsache im wesentlichen präjudiziert.

Ich kann mich dazu ein paar persönlicher, wertender Worte nicht enthalten. Betrachten Sie die folgenden Zeilen also als meine höchst subjektive Meinung.

Wie Sie als regelmässige Leser wissen, habe ich dieses Ergebnis schon vor Wochen vorher gesagt, weil in meinen Augen das BVG mittlerweile zu stark durch Politik und damit politische Erwägungen durchsetzt ist. Der ehemalige Ministerpräsident Müller ist dafür ein gutes Beispiel, als herausragender Jurist ist er - zumindest mir - nicht aufgefallen. Wenn Sie sich nicht erinnern, können Sie in meinem Artikel vom -> 09. Juli <- das heutige Ergebnis schon vor 2 Monaten nachlesen.

Nach der Bundesbank hat sich für mich damit die zweite bedeutende Institution der alten Bundesrepublik Deutschland aus dem Kreis der ernst zu nehmenden Faktoren verabschiedet. Denn das Problem hier ist kein juristisches, sondern hat mit der grundsätzlichen Positionierung zu tun, die sich das BVG als Verfassungshüter gibt. Es steht dem BVG frei, seine Rolle eng auszulegen und nur die Gesetze auf den Wortlaut zu prüfen. Oder sie weit auszulegen und den Gesamtzusammenhang einer komplexen Entwicklung auf die Verfassung zu würdigen. Es geht also um die Frage, ob nur über die Bäume oder auch über den Wald verhandelt wird.

Die Verfassung macht hierzu keine eindeutigen Vorgaben und gibt dem BVG durchaus den Rahmen, sich auch zum Wald ein Urteil zu machen. Denn auch wenn einzelne Gesetze verfassungsgemäss sind, kann das Zusammenspiel mehrerer Gesetze in Summe gegen die Verfassung verstossen. Die Kraft das Thema so grundsätzlich anzugehen, hat dieses BVG, mit diesen Mitgliedern, offensichtlich nicht (mehr) und hat sich dafür entschieden nur die Bäume zu betrachten. Frühere Senate des BVG waren da nach meiner Erinnerung selbstbewusster. Und damit hat sich das BVG als entscheidende Institution, die über den Geiste unserer Verfassung wacht, nach meiner persönlichen Ansicht defecto selber abgeschafft. Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang mal Jörg Krämer, den Chefvolkswirt der Commerzbank zu -> zitieren <-: "Wir bekommen eine Haftungsunion, die den Charakter der Währungsunion ändern wird - hin zu einer italienisch geprägten Währungsunion. Sie wird Parallelen aufweisen zum Italien der siebziger und achtziger Jahre." Das nenne ich einen Wald. Wer da über die Bäume verhandelt und nicht den Wald im Blick hat, versagt in meinen Augen vor der historischen Verantwortung.

Denn in Wirklichkeit geht es hier um den Wald. Mit dem was im Rahmen der Eurokrise passiert, haben wir es mit einer klassischen Aushöhlung unseres Staates von innen zu tun. Es sind viele kleine Schritte, die in Summe einen systemverändernden Charakter haben. Jeder einzelne Schritt, egal ob EFSF, ESM, die Rechtlosigkeit der Bundesbank in der EZB trotz 27% Anteil oder andere Massnahmen, können für sich begründet werden und sind mit einigem Wohlwollen auch verfassungsrechtlich zu rechtfertigen. Der Wald aber, das Zusammenspiel dieser Massnahmen, zum Beispiel mit einer EZB die nun unkontrolliert die Druckerpresse anwirft und damit defacto Lasten auf Deutschland verteilt, hat die Grenzen der Verfassung für mich persönlich schon lange überschritten. Wer das noch nicht sieht, dem empfehle ich beispielhaft -> diesen <- Artikel zur EZB.

Ich kann daher nur an meinen Artikel vom 29.06.12 erinnern, der mit dem Titel: -> Das Ende Deutschlands wie wir es kennen <- die Konsequenzen der Entwicklung schon thematisierte. Heute sehen wir einen weiteren Baustein auf diesem Weg, der nun unumkehrbar sein dürfte.

Es fehlt den Institutionen unseres Staates offensichtlich die Kraft oder auch die Kompetenz zu erkennen, dass die Massnahmen, die die Politik schon ergriffen hat, in Summe einen anderen Staat bedeuten, als den den die Verfassungsväter gegründet haben. Und es ist nach meiner Meinung offensichtlich, dass Artikel 20 des Grundgesetzes - nach dem alle Macht vom Volke ausgeht - in dieser entscheidenden Frage nicht mehr wirksam ist. Denn die absehbare Summe der Veränderungen, hat für mich einen verfassungsändernden Charakter und würde in meinen Augen eine Volksabstimmung bzw eine verfassungsgebende Versammlung als Legitimierung zwingend nötig machen. Ich bin ganz sicher, nicht anders hätten die Verfassungsväter das gesehen.

Mein persönliches Fazit lautet daher: Die Bundesrepublik Deutschland nähert sich ihrem Ende. Was danach kommt muss keineswegs schlechter sein und ich habe keine Angst vor einem gemeinsamen Europa, wenn es wirklich demokratischen Prinzipien folgt. Aber für mich ist nach dem BVG Entscheid nun auch klar, dass das deutsche Volk erst dann dazu gefragt werden wird, wenn der Prozess unumkehrbar ist. Dem Souverän obliegt dann die "Ehre" abzunicken, was sowieso schon nicht mehr realistisch änderbar ist. Mit dem Geist von Artikel 20 des Grundgesetzes hat das für mich nichts mehr zu tun. Und das das BVG nicht die Kraft hat, diesen entscheidenden Sachverhalt in Anbetracht des Rubicons ESM zu thematisieren, empfinde ich als endgültigen Sargnagel dieser Republik. Aber wer bin ich, dem BVG zu erklären, was seine Rolle ist ?

Was bedeutet das für die Märkte ? Kurze Feierstunde, dann dürfte sich der Blick auf die FED morgen richten. Denn dieses Ergebnis hatte der Markt im wesentlichen vorher schon eingepreist. Morgen ist das Risiko einer Enttäuschung oder "sell the news" Reaktion weit höher als heute.

Ich wünsche uns allen viel Glück in diesem neuen Staat der sich nun entwickelt, wie immer er ausgestaltet sein wird. Bundesbank und Bundesverfassungsgericht - und damit die Bundesrepublik Deutschland - haben aber mit dem heutigen Tag den Rubicon überschritten. Was danach kommt, wird Teil der Geschichtsbücher sein.

Ihr Hari

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