Was gute, technische Analyse (immer noch) leistet

Die wirklich wichtigen Dinge wollen immer wiederholt werden und es gibt wohl kaum einen Bereich, bei dem es so viel Missverständnisse gibt und so viel mit Halbwissen operiert wird, wie bei der technischen Analyse. Auch der Ruf der technischen Analyse ist daher nicht immer der Allerbeste, "Hokuspokus" ist da noch eine der "netteren" Charakterisierungen von denen, die technische Analyse nicht wirklich verstanden haben.

Das ist auch nicht völlig grundlos so, denn tatsächlich wird mit Charts auch allerhand Unfug verbreitet, was daran liegt, dass jeder schnell mal ein paar bunte Linien zeichnen kann, ohne überhaupt begriffen zu haben, worum es bei der technischen Analyse geht und worum gerade nicht.

Die wirkliche Leistung die gute Markttechniker erbringen, sind nämlich nicht eine Vielzahl bunter Linien, sondern die Interpretation des aktuellen Marktzustandes aus den vorhandenen Daten. Interpretation der Gegenwart statt "Prognosiritis", ist also das Motto.

Aber zurück zu den Missverständnissen. Da haben wir zunächst den weit verbreiteten Irrglauben, dass technische Analyse - wie zum Beispiel ein Chart - den Verlauf des Marktes in der Zukunft indizieren würde. Wenn man so will werden Charts also als eine Form von "Glaskugel" interpretiert, mit denen man in die Zukunft schauen kann.

Was für ein Blödsinn! Und dass das allüberall nachgeplappert wird und auch Volkswirtschafts-Professoren sich dann in langen Abhandlungen daran abarbeiten, ist einfach nur lächerlich. Denn was genau sagt es über Autoren, wenn sie den Gegenbeweis zu etwas zu führen versuchen, was nie ernsthaft behauptet wurde? Eben, dass sie auch nicht begriffen haben, worum es geht.

Also zum Mitschreiben: Gute Technische Analyse bildet den Marktzustand in der Gegenwart, im "Hier und Jetzt" ab. Und sie kann typische Entwicklungen der Vergangenheit heraus arbeiten.

Gute technische Analyse kennt aber ebensowenig die Zukunft, wie jede andere Methodik auch, inklusive volkswirtschaftlicher Prognosemodelle übrigens!

Wenn man aber den Marktzustand im "Hier und Jetzt" wirklich durchdrungen hat, kann man daraus sehr wohl Annahmen und Wahrscheinlichkeiten ableiten. Denn der selbstreferentielle Markt, der aus Erwartungen von Millionen Marktteilnehmer besteht, ist keineswegs so sprunghaft, dass er seine Moden, Tendenzen und Strukturen alle 2 Stunden wie eine Unterhose wechselt. Es ist sehr wohl möglich, aus dem Verständnis des Marktzustandes des "Hier und Jetzt", Chancen und Risiken für die Zukunft abzuleiten. Das sind aber immer nur Wahrscheinlichkeiten und nie Gewissheiten - niemand kennt die Zukunft, niemand!

Das ist worum es bei guter technischer Analyse geht. Übrigens auch fundamentale Daten und Analysen verschaffen keine Glaskugel in die Zukunft, außer man erfährt wirklich Insiderwissen, dessen kursbedeutende Kenntnis eigentlich ein Straftatbestand ist und nicht hätte weitergegeben werden dürfen. Denn alles was öffentlich an fundamentalen Daten bekannt ist, ist eben öffentlich und wurde auch schon von anderen gesehen und ist daher Teil der Erwartungen und damit der Kursentwicklung geworden.

Gute technische Analyse, versucht also den Puls des Marktes im "Hier und Jetzt" zu untersuchen, um daraus Tendenzen und Szenarien für zukünftige Entwicklungen abzuleiten. Das wohl wissend, dass auch die beste technische Ausgangslage nur Wahrscheinlichkeiten produziert, denn jederzeit kann eine neue, bisher unbekannte Nachricht oder Entwicklung das Gesamtbild verändern.

Das erscheint auf den ersten Blick nicht viel zu sein, aber es ist mehr als ein normaler Anleger bei der fundamentalen Analyse als Vorsprung erzielen kann, denn diese ist so aufwändig, dass ein normaler Anleger da völlig chancenlos ist, sich einen Edge zum Markt zu erarbeiten. In -> Vom Zerrbild des Value-Investing <- habe ich das dargestellt.

Nun ist es ja leicht und wohlfeil, einfach Behauptungen aufzustellen, schwieriger ist es, diese zu verifizieren. Da passt es doch gut, dass ich die obige Argumentation in noch mehr Detail vor fast zwei Jahren am 09.06.16 im folgenden Artikel schon geführt habe:
-> Die Märkte vor dem Sprung - Was gute technische Analyse leitet <-

Und in dem Artikel habe ich den damaligen Markt betrachtet und dazu Aussagen gemacht, Aussagen die man damals über den Marktzustand machen konnte und Begründungen warum man diese Aussagen machen konnte. Bitte tun Sie sich den Gefallen und lesen Sie diesen Artikel noch einmal 2 Jahre später, er erklärt mit dem Bild eines springenden Tigers sehr schön, was technische Analyse leisten kann und was nicht.

Und jetzt schauen wir, was daraus geworden ist. Das ist das gleiche Chart von 2002 bis heute, das ich Ihnen im Artikel vor 2 Jahren gezeigt habe, der damalige Artikel ist mit blauem Pfeil markiert:

Wenn Sie nun den alten Artikel gelesen haben, werden Sie sehen was man mit technischer Analyse erkennen kann. Dass "der Tiger" kurz vor dem Sprung war, war damals deutlich zu sehen, nur die Richtung und Sprunghöhe nicht, wobei die Struktur schon eine Präferenz nach oben generierte.

Wäre es damals im Juni 2016 nicht ein erheblicher Vorteil gewesen, diesen Verlauf schon als wahrscheinliches Szenario "zu kennen"? Wissen Sie noch, wie damals alle noch in Angst und Schrecken blockiert waren, im Markt auch Chancen zu sehen?

Gute technische Analyse versorgt uns also mit einem objektiven Blick auf den Marktzustand im Hier und Jetzt und daraus lassen sich für die Zukunft Wahrscheinlichkeiten und Szenarien ableiten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Im extrem kompetitiven Markt ist das aber schon eine ganze Menge.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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DAX, Euro und Gold. Doch keine Verrückheiten?

Ich schaue ja immer mal wieder gerne zurück um einen Blick darauf zu werfen, was denn aus Aussagen geworden ist. Zum 4. Advent letzten Jahres, also vor weniger als einem halben Jahr, habe ich Ihnen in -> DAX 15.000 und andere Verrückheiten <- drei "verrückte" Szenarien mit Charts gezeigt.

Ganz so verrückt, war das natürlich nicht gemeint, denn sonst hätte ich diese Szenarien ja nicht bewusst gezeigt. Denn in Szenarien zu denken - nicht in Prognosen, mit denen man die Emotion des "Rechthabens" verbindet - macht jede Menge Sinn. Denn Szenarien erweitern unseren Blick und machen uns bereit für die Möglichkeiten, statt uns dogmatisch in unseren eigenen Weltbildern zu vergraben.

Damals schriebe ich:

Trotzdem müssen wir uns ja auf die Zukunft vorbereiten und da kommen Szenarien ins Spiel. Wir können und sollten durchdenken, was passiert wenn. Auch das wird dann oft anders kommen, weil ein unerkannter Faktor einwirkt und die Gleichung verändert, aber selbst dann hat das Szenario noch Wert, weil wir die Abweichung erkennen können und auch daraus einordnende Schlüsse ziehen können.

Verschiedene Szenarien für die Zukunft zu haben, macht also Sinn. Auch für Anleger an der Börse. Nur sich mit einem Szenario gedanklich verheiraten, es lieben lernen und sich darin verbeissen, das sollten wir besser nicht. Wenn die Realität anders kommt, schmeissen wir das Szenario in den Müll und wechseln auf ein anderes Modell des Geschehens, dass der Wirklichkeit näher kommt. So einfach ist das.

Da Szenarien Sinn machen, kann man auch mal für 2017 durchdenken, was in 2017 im Extremfall möglich wäre. Und zu Szenarien gehört die Bedingung. Die Bedingung ist hier, einfach als Massstab zu nehmen, was uns die ganz langfristigen Charts für Signale geben, wohin sie also auf dem heutigen Wissenstand eher hindeuten.

Und nun habe ich mir mal erlaubt, im "verrückten" Szenario des DAX von damals einzuzeichnen, wo wir nun sind:

Nicht so schlecht, oder? 😉 Nun ist das nicht so schnell passiert, wie in dem Extremszenario beschrieben, aber der halbe Weg ist nun zurück gelegt und jetzt können sich viel mehr vorstellen, dass auch die zweite Hälfte noch vor uns liegt.

Im alten Artikel schrieb ich übrigens noch etwas:

Und ganz ehrlich, das Szenario, das ich persönlich in Würdigung der Gesamtlage derzeit für am Wahrscheinlichsten halte ist, dass wir nach einer massiven Rally, die im ersten Halbjahr höher führt, als wir uns heute vorstellen können, dann in 2017 ein bedeutendes Top ausbilden und in die erste echte Korrektur seit Beginn des Bullenmarktes laufen.

Mit anderen Worten, ich präferiere derzeit eher, dass wir mitten im letzten, ganz grossen Hurrah des Bullenmarktes sind, der in 2009 begann.

Aber missverstehen Sie das nicht als Crash-Prognose. Dieses Hurrah wird uns noch viel höher führen, als wir heute ahnen und heute ist nicht der Tag, sich dagegen zu stellen. Vielleicht nicht gerade auf 15.000 im DAX, aber doch zu neuen Höchstständen. Und dann wars das irgendwann in 2017.

Heute sehe ich dieses Top in 2017 nicht mehr so deutlich und rechne eher auch mit einem guten Jahresabschluss. Eben weil die Bewegung nicht so steil und übertrieben geworden ist, wie sie da im Szenario war. Die Anstiegs-Bewegung ist gesünder und damit nachhaltiger und sie hat in Form von guten Unternehmenszahlen fundamentale Grundierung. 2018 ist dann ein anderes Spiel, wenn wir zum Jahresende im DAX vielleicht den "verrückten 15.000" noch deutlich näher gekommen sind. Aber das ist eine Frage, der wir uns heute noch nicht stellen müssen.

Schauen wir auf die anderen beiden Szenarien von damals, sehen wir dass das EURUSD Szenario immer noch im Rennen ist, wenn auch noch nicht nach unten getriggert. Und bei Gold ist es zu den 1.000 USD nicht gekommen, das nun generierte niedrigere Hoch erlaubt aber durchaus, dass das nun noch nachgeholt wird.

Alles in allem kein perfektes, aber kein schlechtes Bild für drei extreme Szenarien, die bewusst provozierend als "verrückt" bezeichnet wurden. Das ist auch nicht so verwunderlich, so verrückt waren sie nämlich gar nicht und sind sie auch aktuell nicht. Denn sie fussten ja auf klaren, langfristigen Marktstrukturen und wenn der Markt zu uns spricht, sollten wir besser zuhören.

Und darin liegt auch die Botschaft dieses Artikels. Halten wir uns nicht an das, was wir glauben wollen, sondern lieber an die grossen Marktstrukturen, die uns in Charts anschreien. Die sind auch keine Garantie, sie produzieren aber bessere Ergebnisse als zu raten, weil in ihnen die aktuelle Tendenz des Marktes spricht. Die kann sich zwar immer ändern, sie läuft aber öfter weiter als dass sie sich ändert und das ist genau der Kern eines Trends.

Und denken wir in Szenarien, denn diese öffnen uns gedanklich für die Möglichkeiten, die der Markt uns bietet. Auch wenn zum Beispiel im DAX der konkrete Verlauf ein anderer war, die reine Erkenntnis letzten Dezember, dass ein sehr bullischer Verlauf in 2017 realistische Chancen hat, hätte doch unser Anlageverhalten zum Besseren verändert. Wir wären nicht mehr so leicht in Angst zu treiben und zu beeinflussen gewesen. Und wir hätten mehr Mut gehabt, die gegebenen Chancen auch zu ergreifen.

Lassen wir mit klugen Szenarien also Luft in unser Oberstübchen herein. Diogmatische Glaubenslehren dazu, was der Markt vermeintlich "machen muss", haben am Markt nichts verloren. Der macht was er will und unsere Chance ist nicht, das zu verändern, sondern es rechtzeitig zu beobachten und erkennen!

Ihr Hari

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Gewürzte Charts – Von Oszillatoren und Indikatoren

Neben der täglichen Aktualität, besprechen wir auf Mr-Market auch immer wieder grundsätzliche Themen rund um die Märkte und diskutieren über die Techniken, die nötig sind, um Erfolg haben zu können.

Hier ist beispielhaft ein Beitrag vom 20.01.16, der aufzeigt, wie wichtig es ist, sich bei der Marktanalyse auf das Wesentliche zu konzentrieren und Charts nicht zu überladen.

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Chart Rodeo ohne Worte – Siemens, Gold, Öl, S&P500, DAX und McDonalds



Heute gibt es im freien Bereich mal etwas Ungewöhnliches. Normalerweise, finden Sie von mir hier ja immer viele Worte der Erklärung.

Heute aber, stelle ich sozusage "ohne Worte", einfach ein paar Charts ein, die ich gestern Abend und heute früh vor Handelsstart, zusammen mit Erklärungen und anderen Themen, im Premium-Bereich eingestellt habe.

Hier im freien Bereich, sind Sie heute mal "selber dran", daraus Schlüsse zu ziehen. Gerade wie man solche Schlüsse zieht und wie so Charts "zu lesen" sind, ist immer wieder wesentlicher Inhalt hier im Blog.

Viel Spass:

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Marktlage 2016 – Das Jahr des Bären?



Liebe Leser im freien Bereich,

nach der für die Wallstreet historisch schlechtesten ersten Börsenwoche der Geschichte, stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob dieser Markt nun weg kippt und 2016 endgültig zum Jahr der Bären wird?

Nun, im Artikel -> Welt in Bewegung mit unbestimmter Zukunft < -, habe ich ja letzte Woche dargestellt, dass es darauf keine definitive Antwort geben kann, weil die Zukunft prinzipiell unbestimmt ist und bleibt.

Dass wir am Markt nie 100% Sicherheit haben werden, heisst aber umgedreht auch nicht, dass wir gar nichts wissen und der Markt nur eine Abfolge unzusammenhängender Zufälle wäre.

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Marktlage Update S&P500 – Die Macht der Muster

Vor genau einer Woche, habe ich hier im freien Bereich zuletzt einen Blick auf die allgemeine Marktlage gerichtet und Ihnen im Artikel -> Die grosse Marktlage am Beispiel des Leitindex S&P500 <- drei Charts des Leitindex S&P500 gezeigt mit dem Hinweis, dass diese Charts Ihnen ein aussagekräftiges und objektives Bild der Lage vermitteln.

Was ist dann in der letzten Woche nicht alles passiert, denken wir nur an die zumindest übertriebene Meldung am Freitag zu direkten Kampfhandlungen zwischen der Ukraine und Russland, die den DAX hat über 200 Punkte abstürzen lassen.

Und trotzdem, alles was Sie wissen mussten, war in diesen drei Charts und heute, eine Woche später, ist es exakt so gekommen, wie die Charts indiziert haben. Mehr musste niemand wissen, um die Marktlage richtig einzuordnen.

Denn um zu rekapitulieren, sahen wir da einen etablierten Aufwärtstrend mit der guten Chance auf der Trendlinie nach oben zu drehen. Wir sahen die entscheidenden Unterstützungs- und Widerstands-Strukturen, die einen Rebound von einer echten Korrektur trennen und wir sahen die im Aufbau befindliche, potentielle inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation (iSKS), bei der damals noch nicht einmal die rechte Schulter Realität war.

Eine Woche später ist die iSKS fast vollendet. Und wer die rechte Schulter zum Einstieg nutzte, nach dem klar wurde, dass es eine rechte Schulter und kein Absturz wird, sitzt nun auf schönen Gewinnen:

S&P500 19.08.14 2

Wer dagegen versuchte, rein aus dem Chart des DAX viel Honig zu ziehen, sitzt nun in einem rechten "Chaos" zwischen Bärenflagge mit erneutem Absturz unterhalb 9400 und doch einem vollen Rebound. Der Grund für das Chaos ist zweierlei. Erstens ist der DAX weit stärker durch die geopolitischen Ereignisse in der Ukraine beeinflusst. Zweitens aber, ist und bleibt der DAX ein "Nebenindex" im weltweiten Massstab - sozusagen ein "Hündchen", dass an der langen Leine der Wallstreet liegt und eben von ausländischen Kapitalströmen massgeblich beeinflusst wird.

Wenn man für die Lage der Weltmärkte die besten und verlässlichsten Signale will, ist einfach der S&P500 der Ort der Wahl. Schauen Sie nur, wie die Falschmeldung von Freitag im S&P500 nur der (erfolgreiche) Retest der Nackenlinie der iSKS war. Schon das indizierte die Stärke, die wir nun seit Anfang der Woche wieder sehen.

Jetzt werden mich einige der freien Leser bestimmt wieder fragen wollen, wie es nun weitergeht. Meine Antwort wird Ihnen nicht gefallen, denn die lautet: "Tut mir leid, Sie stellen erneut die falsche Frage!"

Wie es weiter geht, weiss niemand. Die Zukunft ist offen. Und die, die gerne darüber fabulieren, wissen es schon gar nicht. Vielleicht kommt Morgen wieder eine Nachricht aus der Ukraine und alles ist anders. Vielleicht wird der S&P500 - nachdem die iSKS ihr Bewegungsziel oberhalb 1980 erreichte - nun ein niedrigeres Hoch generieren und in ein Top übergehen. Vielleicht werden aber auch die 2000 im S&P500 bald fallen und der Aufwärtstrend weiter gehen. Hören Sie einfach auf, Ihre wertvolle Lebenszeit und Energie mit Spekulationen zu Dingen zu vergeuden, die Sie sowieso nie vorher sehen werden!

Tun Sie besser etwas anderes. Denn obwohl wir die Zukunft nicht kennen, wissen wir aber eine ganze Menge bei den Dingen, die wir wirklich in der Realität des "Hier und Jetzt" beobachten können. Und die sollten wir nicht übersehen:

(1) Wir wissen, dass ein Erreichen des Bewegungsziels im S&P500 eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit hat. Und alle, die die iSKS erkennen konnten, hatten die Chance einen guten Teil dieser Stärke der letzten Tage mitzunehmen. Wir in der Mr-Market Community haben das mit grosser Freude getan.

(2) Wir wissen, dass die US Märkte in einem nicht gebrochenen, sehr starken Aufwärtstrend sind. Und dass es keine weltweite Baisse gibt, ohne dass auch US Indizes Schwäche zeigen.

(3) Wir sehen, dass ein Markt,der im Zuge all der geopolitische Krisen so nahe der historischen Höchststände navigiert, grosse innere Stärke hat. Und dabei verarbeitet der Markt sogar die Annahme, dass die FED die Zinsen irgendwann in 2015 anzieht.

(4) Wir wissen, dass uns der Markt mit neuen Mustern schon bald zeigen wird, ob er zu neuen Hochs aufbricht oder hier nun "stallt" und ein Top ausbildet. Wir müssen nur akzeptieren, dass wir ein Top nie zum exakten Zeitpunkt und nie "vorher" erkennen können, wie sollte das denn auch gehen, das wäre sinnloses Raten? Aber wenn sich die Muster zeigen, ein gutes Stück unter dem Top, werden wir sie erkennen, wie wir auch diese Wendeformation vor einer Woche erkennen konnten. Und so können wir immer noch einem Grossteil der Bewegung aus dem Weg gehen und stehen weit besser da als alle, die nur den Stimmungen hinterher rennen.

In Summe ist es also die völlig falsche Frage zu fragen, wie die Kurse morgen sein werden. Wer sich von diesem Ratespiel nicht lösen kann, wird nie auf einen grünen Zweig kommen, denn die Zukunft ist und bleibt unbestimmt. Dass eine ganze Industrie existiert, die Ihnen etwas anderes vorgaukeln will: geschenkt. 🙂

Richtig und sinnvoll ist es aber, die ganze Energie darauf zu verwenden um zu erkennen, was der Markt gerade jetzt in der Realität tut - und dann seine Aufstellung an dieser Realität zu adjustieren. Wenn Sie das schaffen und das mediale Rauschen ausschalten lernen, dann kennen Sie die Kurse von morgen immer noch nicht. Sie sind dann aber so sinnvoll aufgestellt, dass Sie die unbestimmte Zukunft gelassen kommen lassen können.

Zum klassisch prozyklischen Markt-Geplapper der Massen-Medien, hat übrigens Josh Brown gerade einen kurzen, witzigen Beitrag. Das ist wirklich -> LOL <- und so typisch! 😉 Und übersehen Sie bitte nicht seinen zynisch, sarkastischen Kommentar "Keep playing, let me know how this works out for you." am Ende des Posts. Da kann ich wirklich nur belustigt grinsen. 🙂

Ihr Hari

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Zu Gast bei Hari – Ein Besuch der mir zu denken gab

Zu Gast bei Hari - Ein Besuch der mir zu denken gab

Ein Gastkommentar von Ramsi

Um die Weihnachtszeit herum hatte ich aufgrund eines Mailkontaktes zwischen uns eine Einladung von Hari erhalten, mich mit ihm am Ammersee zu treffen. Auslöser des Gespräches war mein Wunsch gewesen, meine Trading-Praxis zu intensivieren und zu verbessern und Hari war so freundlich sich für mich Zeit zu nehmen, um heraus zu finden, ob er mir dabei helfen könnte.

In einem kleinen gemütlichen Wirtshaus bei Seefeld setzten wir uns bei klirrenden Außentemperaturen auf eine Tasse Kaffee zusammen. Und ja, ich kann bestätigen, Hari ist real. Er hat zwei Arme, zwei Beine und darauf einen Kopf und sieht so aus, wie man sich einen gestandenen Mann und erfolgreichen Geschäftsmann so vorstellt. 😉

Das Gespräch dauerte noch keine 5 Minuten, als mich Hari schon zum ersten Mal zum Grübeln anregte. Ich hatte im Vorfeld damit gerechnet, dass wir uns einfach locker und unverbindlich unterhalten würden. Doch die erste Frage war gleich so intensiv und auf den Punkt kommend, wie ich Hari dann auch in Folge erlebt habe. Smalltalk ist seine Sache nicht. Er fragte ebenso schlicht wie durchschlagend: „Warum willst du eigentlich Traden ?“.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich war, zumindest in dieser Situation, die Beantwortung alles andere als leicht und einfach. Mancher würde jetzt vielleicht sagen: „Natürlich will ich Geld verdienen!“. Aus meiner Sicht ist Geld alleine jedoch kein Antrieb etwas über Jahre jeden Tag viele Stunden zu betreiben und damit einen beträchtlichen Teil seines Lebens auszugestalten.

Letztlich war die Quintessenz meiner folgenden Überlegungen neben einer natürlichen Begeisterung für Börse, Charts und Kursentwicklungen mein Drang, mich mit intelligenten und fleißigen Menschen in einem ernsten Umfeld zu messen und damit zu erfahren, ob ich in einer derartig konkurrierenden Umgebung überhaupt irgendwie bestehen kann. Ferner möchte ich mittlerweile auch in Erfahrung bringen, ob es mir möglich ist, zu lernen mich selbst zu kontrollieren, meine Emotionen, meine Angst und meine Gier zu überwinden und mich dadurch souveräner auf dem Börsenparkett bewegen zu können.

Hari hatte mich schon im Vorfeld darin bestätigt, dass eine solche mentale Entwicklung von großem Nutzen, nicht nur für die Börse, sondern auch für andere Bereiche des Lebens ist. Es bedarf sicherlich keiner großen Vorstellungskraft, dass eine starke Psyche souveränes öffentliches Auftreten bedeutet.

Die Frage nach dem „Warum“ halte ich daher im Nachhinein für sehr wichtig und habe viel darüber nachgedacht. Der erste oder spätestens zweite Schritt der allermeisten Konzeptausgestaltungen für Veränderungsversuche, sei es im Unternehmen oder wo auch immer, behandelt doch die Zielsetzung. Was will ich erreichen ? Und warum ? Was ist meine Motivation ? Und ich nehme an, dass Hari damit zunächst erfahren wollte, ob meinen eigenen Plänen überhaupt realistische und erreichbare Ziele gegenüberstehen.

Im weiteren Verlauf des Gespräches ging es vor allem um Eines: Wie ist meine persönliche Lebenssituation und wie passt das Traden in mein Leben hinein. Ich bin mit der Einstellung in das Treffen gegangen, dass Traden mit beachtlichem Erfolg entweder ganz oder gar nicht erfolgen muss. Entweder ich stehe um 07:00 Uhr auf und gehe um 23:00 Uhr schlafen, oder ich kann dauerhaften, unabhängigen Erfolg an der Börse gleich an den Nagel hängen.

Ich glaube, dass viele von Ihnen diese Suche nach nachhaltigem und vor allem selbstständigem Erfolg selbst genau kennen, denn andernfalls wären Sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit einer solchen Regelmäßigkeit auf dieser Seite.

Anders als von mir erwartet, riet Hari mir direkt davon ab, Trading sofort am Anfang als Vollzeitjob in Angriff zu nehmen. Er hat mir geraten, zunächst das Trading an mein Leben anzupassen, aber nicht mein Leben an das Trading. Wenn ich mir irgendwann meiner Sache ganz sicher sein würde und genügend Erfahrung hätte, könnte ich das ändern, aber nicht am Anfang meines Berufslebens.

Am meisten überraschte mich dabei, dass er beispielhaft anführte, dass zeitlich enge Schranken (z.B. tägliche Handlungen an der Börse nur zwischen 21:00 Uhr und 22:00 Uhr – davor nur nachdenken und planen) für meine „Lehrzeit“ sogar äusserst sinnvoll wären, weil sie dabei helfen würden mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, statt mich über Tag von Mr. Market emotional hin und her werfen zu lassen.

Primär solle ich mich als junger Mensch und (noch) Student aber auf meinen beruflichen Werdegang konzentrieren und das Trading zweitranging hinten anstellen. Hari versicherte mir aber, dass die Erfahrungen des Berufslebens („Wie der Hase läuft“) für einen jungen Trader wie mich auch für die mentale Entwicklung unerlässlich seien. Natürlich nur, wenn ich dann auch in Jobs tätig bin, die im weitesten Sinne mit Wirtschaft und Börse zu tun haben.

Auch hatte ich vor dem Gespräch noch die Erwartung, dass es so etwas wie eine definierte Menge an Tips, Tricks und Weisheiten geben würde, die – wenn mir von Hari vermittelt – mich automatisch zu einem erfolgreichen Trader machen würden. Auch diesen Zahn zog mir Hari. Anders als von mir angenommen, machte er mir klar, dass ich weniger Hilfe beim Erlernen von Techniken benötige, die könnte ich mir aus Büchern und „on the job“ selber aneignen. Nein ich bräuchte vor allem Hilfe, um mir meine eigenen Fehler technischer und emotionaler Art vor Augen zu führen und im Laufe der Zeit die nötige Eigendisziplin zu entwickeln. Meine Schlussfolgerungen für mein Handeln müsste ich aber immer selber ziehen.

Ich verstehe nun, dass konkrete Handlungsanweisungen in der Regel im Widerspruch zum Versuch stehen würden, eine auf mein persönliches Wesen zugeschnittenen Entwicklung zu erreichen. Man könnte also auch sagen: es gibt keine leichte Abkürzung beim Erfolg an der Börse. Bestimmte Erfahrungen muss man einfach selber machen und man muss seinen eigenen, individuellen Stil entwickeln, der zum eigenen Charakter passt.

Durch das Gespräch ist mir klar geworden, dass:

  • Erfolg an der Börse eine kontinuierliche Entwicklung ist und sich nicht wie das Six-Pack im Fitnesscenter nach ausreichenden Versuchen plötzlich einfach konkretisiert.
  • Meine persönliche Trading-Strategie an meinen persönlichen Werdegang und meine Lebensumfeld geknüpft ist und sich nicht durch stures Arbeiten von Trainingsaufgaben im Saxo-Trader einstellen wird.
  • Mein Bestehen am Kapitalmarkt davon abhängig ist, ob ich meine Psyche beim Traden aufmerksam analysieren und sie notfalls austricksen bzw beherrschen kann.

Was für mich allerdings kein großes Problem (zumindest im Börsenbereich) darstellt, ist der Punkt auf dem Hari zu Recht auch immer grossen Wert legt: Eine ehrliche Selbstreflexion und –kritik.

Ich habe jedoch auch in meiner persönlichen Umgebung den Eindruck, dass sich viele Menschen damit schwer tun und vermutlich verängstigt sind, eigene Schwäche zu offenbaren – selbst und gerade im stillen Kämmerlein vor dem Spiegel.
Auch wenn es mir an Lebenserfahrung mangelt, anderen hier Ratschläge zu erteilen, kann ich nur empfehlen, sich in Selbstbeobachtung zu üben und Kritik anzunehmen, statt mit ablehnenden Verteidigungsreflexen zu reagieren. Rechthaberei hat mir bisher kein Depotplus verschafft, Ihnen vielleicht?

Natürlich sind diese Erkenntnisse nur auf mich zugeschnitten, aber vielleicht erkennt sich der eine oder andere in dem einen oder anderen Punkt wieder und ich konnte etwas zum Grübeln anregen. In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Tag !

Und ich danke Hari herzlich für die genommene Zeit, die mich erheblich weiter gebracht hat.

Ramsi

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