122. Grundlagenartikel – Die RRG Charts



Hallo zusammen,

nach vielfachem Wunsch versuche ich mit meinen eigenen Worten die RRG Charts den Mr-Market-Lesern näherzubringen. Auch wenn ich sagen muss, dass die Beschreibung auf Stockcharts wirklich gut ist.

Hier die Links auf die Chartschool: RRG-Charts und RRG Indikatoren

Zur Warnung: Dies wird ein kleiner Diskurs in die Schulmathematik: Kurvendiskussion 🙂

Ich hoffe, dass mit diesem Artikel das Prinzip der Relativen Stärke dem ein oder anderen bewusster wird und er in Zukunft diese in seine Investment-Entscheidung mit einschließt.

Was bedeutet Relative Stärke? Ganz plummp gesagt: eine bessere Performance als ein Vergleichswert (Aktie, Index, o.ä.). Diese Relative Stärke kann man in vielfacher Art und Weise darstellen:

a.) als übereinander gelegte Linien-Charts - der Sektor-Performance zum Beispiel: hier

Man erkennt hier im 200 Tage Vergleich, dass die Technologies ihre Performance in der Konsolidierung eingebüßt haben und aktuell Utilities und Real Estate die Sektoren der Wahl sind. Am schlechtesten waren Materials, Energy und Industrials.

b.) oder als RRG-Chart wie hier

Man erkennt hier im RRG-Wochen-Chart, dass verschiedene Sektoren im roten (lagging) und andere in blauen, grünen oder gelben Sektoren sich befinden. Die Erklärung, warum das so ist, kommt weiter unten. Generell vielleicht schon mal hier: blau und grün sind die Sektoren der Wahl. Unter Umständen auch geld. Rot ist definitiv zu meiden.

Ein weiteres Wort zu RRG-Charts: leider kann man als nicht zahlendes Mitglied nicht den vollen Umfang der Funktionalität in Stockcharts nutzen.

c.) in Form von den 2 verschiedenen Indikatoren, die ich unterem Bild dargestellt habe

Man kann neben den RRG Charts sich auch die Herangehensweise der Berechnung als Indikatoren darstellen.

Wie bekomme ich die Indikatoren in stockcharts hin?

Unterhalb des Charts gibt es die Möglichkeit, Einstellungen anzupassen. Hier kann man zum einen einen Wert im Verhältnis zu einem anderen Wert setzen (Parameter "Price"). Dies geschieht in der Zelle "Parameters". Mit der Syntax "Wertpapier:Wertpapier" erhalte ich eine Darstellung wie sich der Kurs im Verhältnis zum Vergleichspapier geschlagen hat in Form einer Linie. Hier bietet sich an horizontale Unterstützungen und Widerstände oder auch Trendlinien zu zeichnen.

Mit Hilfe des RRG-Indikators (auszuwählen unter Indicators "RRG Relative Strength") kann man unter den Parametern den Markt wählen, mit dem man das Wertpapier vergleichen will. Hier in diesem Beispiel ist der S&P 500 gewählt worden.

d) Relations-Chart (Kerze bzw. Point and Figure)

Man bekommt neben dem Indikator auch ein stinknormales Chart in Relation zu einem Vergleichswert in Stockcharts angezeigt: einfach anstatt der Aktie mit der Syntax ":" die beiden Papiere miteinander verbinden.

Das ist seit 09/2011 ein klarer Trend gegen die Emerging Markets, oder?

Und jetzt? Welche ist die beste Darstellungsvariante a) b) oder d) ? Das kann ich nicht sagen. Jede Art der Darstellung hat ihren Sinn und wird von dem einen mehr und die andere von dem anderen mehr verwendet. Ich persönlich verwende a) fast nicht.

Das RRG Chart

Gehen wir auf das Chart b) näher ein. Schauen wir es uns noch einmal genauer an:

Es gibt eine horizontale Achse und eine vertikale Achse. Horizontal ist die relative Stärke "RS Ratio" zum Vergleichs-Wertpapier dargestellt. Vertikal ist das Momentum der relativen Stärke "RS Momentum" dargestellt. Dies ist die Ableitung (Steigung) der relativen Stärke. Fällt diese schneller, ist der Wert des Momentum niedriger. Fällt sie weniger schnell, steigt das Momentum.

Exkurs:
Der ein oder andere wird sich fragen, wie die relative Stärke im RRG - Chart (rote Linie) berechnet wird. Ich muss gestehen, ich kann das auch nur vermuten:
Schauen wir uns zum Beispiel das Chart des DAX im Jahr 2015/2016 an (roter Kasten), sehen wir im RRG-Indikator eine positive Divergenz zum Indikator DAX:VBINX. Ich erkläre mir den Unterschied zwischen den beiden so, dass man im RRG Chart einen Vergleichszeitraum definieren kann (standardmäßig 1 Jahr), was im DAX:VBINX nicht geht. Wenn die aktuelle Entwicklung weniger stark ist im Vergleich zum Vorjahr, hat man eine positive Divergenz.

Wieder zum RRG Chart zurück:
Nun sieht man in der Mitte ein Fadenkreuz, in dem sich beide Achsen treffen. Man kann nun die Sektoren wie folgt beschreiben:

Sektor Leading: Relative Stärke (RS) positiv, Momentum (Mom) positiv
Sektor Weakening: Relative Stärke (RS) positiv, Momentum (Mom) negativ
Sektor Lagging: Relative Stärke (RS) negativ, Momentum (Mom) negativ
Sektor Improving: Relative Stärke (RS) negativ, Momentum (Mom) positiv

Wie kann man nun diese Information für die Marktlage verwenden? Befindet sich ein Sektor/ eine Aktie auf dem Weg im blauen Quadranten von links unten nach rechts oben gewinnt sie weiterhin an relativer Stärke. Diese ist *noch* nicht positiv, jedoch kann man je nach Verlauf annehmen, dass die Entwicklung zu einer positiven rel. Stärke führt.

Ich habe oben geschrieben "je nach Verlauf". Es gibt Aktien oder Indikatoren, die im Improving Quadranten enorm an Momentum aufbauen und steil von links unten nach links oben schießen, jedoch keine relative Stärke zeigen, Bei diesen Entwicklungen ist die Gefahr eines Rückfalls in den roten Quadranten hoch. Dagegen ist eine gesunde, stabile Durchschreitung des blauen Sektors mit einer moderaten Steigung links unten nach rechts oben eher für einen "Run" zu neuen Höhen wahrscheinlicher.

Auf der anderen Seite ist es bei Aktien und Assets, die an Momentum im grünen Quadranten verlieren wahrscheinlich, dass deren Lauf/Überperformance vorerst vorbei ist.

Hier gibt es zwei Möglichkeiten eines weiteren Verlaufs:

Der starke Index: wie es Technology dieses Jahr gemacht haben, taucht der Index in den gelben Sektor ein, holt "Luft"/ vollführt im gelben Sektor eine Schleife und startet wieder zurück in den grünen Sektor.

Der schwache Index: Weiterführung einer Kreisbewegung - nach grün kommt gelb und dann rot. Diese Entwicklung ist den "Eintagesfliegen" vorenthalten - ein kurzes aufblitzen und dann wieder in der Versenkung abtauchen.

Ein weiterer Faktor der Beobachtung ist, die Entfernung/ Größe einer Kurve relativ zu den anderen Kurven:

Wir erkennen im unteren Bild lange und kurze Kurven. Jeder weiße Kreis, der in den Linien dargestellt ist, steht für eine Woche. Sind die Punkte also weit voneinander entfernt, verändert sich das RS-Ratio oder das RS-Momentum deutlich mehr als bei anderen.

In unterem Beispiel haben wir lange Linien bei den Staples und Utilities, weil sie in den letzten Wochen eine deutliche Überperformance gegen über dem SPY gemacht haben.

Auf der anderen Seite haben wir den Financial Sektor, der eine sehr kurze Linie darstellt - heißt: er ist mehr oder weniger mit dem SPY gegangen.

Der Transfer zu dem RRG Indikator

Kommen wir nun zu meinen Beschreibungen aus meiner letzten Marktanalyse, die für den ein oder anderen nicht nachvollziehbar waren.

Ich schaue ein Kerzenchart mit unten dargestellten RRG-Indikatoren an und transferriere gedanklich dieses auf die Darstellung eines RRG-Chart.

Ein Beispiel ist unten dargestellt:

Am Beispiel des Dax erkennt man im oberen Teil, dass beide Linien im RRG-Indikator (rot und grün) sich unter 100 befinden. Dies bedeutet, der Dax ist im roten Sektor.

Weiter können wir erkennen, dass die rote Linie aktuell fast ohne Steigung ist - sie hat einen Boden gefunden. Das heißt, dass das Momentum fast auf dem Fadenkreuz stehen muss.

Da die rote Linie tief im negativen Bereich ist, kann man darauf schließen, dass im RRG Chart der DAX weit links vom Fadenkreuz entfernt ist.

Sprich, wir haben aktuell keine Entwicklung im blauen Bereich von links unten nach rechts oben.

Wie würde eine solche Entwicklung aussehen? Die grüne Kurve wäre im positiven Bereich und die rote Linie wäre stark ansteigend.

Wie wende ich das nun in der Praxis an?

Die aktuelle Sektorperformance zeigt ein Bild, dass man Staples, Healthcare, Utilities übergewichten sollte.

Interessante Rising Stars könnten Financial und Real Estate sein.

In diesen 5 Sektoren könnte man sich mal vereinzelte Kandidaten suchen.

Die restlichen Sektoren sollte man aktuell eher meiden und auf einen Trendbruch warten. Dazu gehören Consumer Disc, Technology, Materials, Energy, Communication.

Ein Kandidat, der im Aufkommen war, jedoch die Stärke nicht weiterführen konnte ist Industry - ebenfalls zu meiden.

Wie findet man nun einzelne Kandidaten?

Zum einen könnte man sich ein Sektor-RRG-Chart aufrufen mit Hilfe des Drop-Down-Menü im RRG Chart (siehe unten)

Dieses Chart kann man Filtern. Alle Unternehmen, die von der RRG-Performance nicht gut aussehen, werden aus dem Chart gelöscht. Es bleibt folgendes Bild stehen:

Aus diesen Unternehmen könnte nun ein möglicher Kandidat gesucht werden.

Eine andere Alternative ist, die einzelnen Sektoren und deren Charts durchzugehen.

Weitere Fragen? Einfach melden.

Euer

Hullahuppi

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Was gute, technische Analyse (immer noch) leistet

Die wirklich wichtigen Dinge wollen immer wiederholt werden und es gibt wohl kaum einen Bereich, bei dem es so viel Missverständnisse gibt und so viel mit Halbwissen operiert wird, wie bei der technischen Analyse. Auch der Ruf der technischen Analyse ist daher nicht immer der Allerbeste, "Hokuspokus" ist da noch eine der "netteren" Charakterisierungen von denen, die technische Analyse nicht wirklich verstanden haben.

Das ist auch nicht völlig grundlos so, denn tatsächlich wird mit Charts auch allerhand Unfug verbreitet, was daran liegt, dass jeder schnell mal ein paar bunte Linien zeichnen kann, ohne überhaupt begriffen zu haben, worum es bei der technischen Analyse geht und worum gerade nicht.

Die wirkliche Leistung die gute Markttechniker erbringen, sind nämlich nicht eine Vielzahl bunter Linien, sondern die Interpretation des aktuellen Marktzustandes aus den vorhandenen Daten. Interpretation der Gegenwart statt "Prognosiritis", ist also das Motto.

Aber zurück zu den Missverständnissen. Da haben wir zunächst den weit verbreiteten Irrglauben, dass technische Analyse - wie zum Beispiel ein Chart - den Verlauf des Marktes in der Zukunft indizieren würde. Wenn man so will werden Charts also als eine Form von "Glaskugel" interpretiert, mit denen man in die Zukunft schauen kann.

Was für ein Blödsinn! Und dass das allüberall nachgeplappert wird und auch Volkswirtschafts-Professoren sich dann in langen Abhandlungen daran abarbeiten, ist einfach nur lächerlich. Denn was genau sagt es über Autoren, wenn sie den Gegenbeweis zu etwas zu führen versuchen, was nie ernsthaft behauptet wurde? Eben, dass sie auch nicht begriffen haben, worum es geht.

Also zum Mitschreiben: Gute Technische Analyse bildet den Marktzustand in der Gegenwart, im "Hier und Jetzt" ab. Und sie kann typische Entwicklungen der Vergangenheit heraus arbeiten.

Gute technische Analyse kennt aber ebensowenig die Zukunft, wie jede andere Methodik auch, inklusive volkswirtschaftlicher Prognosemodelle übrigens!

Wenn man aber den Marktzustand im "Hier und Jetzt" wirklich durchdrungen hat, kann man daraus sehr wohl Annahmen und Wahrscheinlichkeiten ableiten. Denn der selbstreferentielle Markt, der aus Erwartungen von Millionen Marktteilnehmer besteht, ist keineswegs so sprunghaft, dass er seine Moden, Tendenzen und Strukturen alle 2 Stunden wie eine Unterhose wechselt. Es ist sehr wohl möglich, aus dem Verständnis des Marktzustandes des "Hier und Jetzt", Chancen und Risiken für die Zukunft abzuleiten. Das sind aber immer nur Wahrscheinlichkeiten und nie Gewissheiten - niemand kennt die Zukunft, niemand!

Das ist worum es bei guter technischer Analyse geht. Übrigens auch fundamentale Daten und Analysen verschaffen keine Glaskugel in die Zukunft, außer man erfährt wirklich Insiderwissen, dessen kursbedeutende Kenntnis eigentlich ein Straftatbestand ist und nicht hätte weitergegeben werden dürfen. Denn alles was öffentlich an fundamentalen Daten bekannt ist, ist eben öffentlich und wurde auch schon von anderen gesehen und ist daher Teil der Erwartungen und damit der Kursentwicklung geworden.

Gute technische Analyse, versucht also den Puls des Marktes im "Hier und Jetzt" zu untersuchen, um daraus Tendenzen und Szenarien für zukünftige Entwicklungen abzuleiten. Das wohl wissend, dass auch die beste technische Ausgangslage nur Wahrscheinlichkeiten produziert, denn jederzeit kann eine neue, bisher unbekannte Nachricht oder Entwicklung das Gesamtbild verändern.

Das erscheint auf den ersten Blick nicht viel zu sein, aber es ist mehr als ein normaler Anleger bei der fundamentalen Analyse als Vorsprung erzielen kann, denn diese ist so aufwändig, dass ein normaler Anleger da völlig chancenlos ist, sich einen Edge zum Markt zu erarbeiten. In -> Vom Zerrbild des Value-Investing <- habe ich das dargestellt.

Nun ist es ja leicht und wohlfeil, einfach Behauptungen aufzustellen, schwieriger ist es, diese zu verifizieren. Da passt es doch gut, dass ich die obige Argumentation in noch mehr Detail vor fast zwei Jahren am 09.06.16 im folgenden Artikel schon geführt habe:
-> Die Märkte vor dem Sprung - Was gute technische Analyse leitet <-

Und in dem Artikel habe ich den damaligen Markt betrachtet und dazu Aussagen gemacht, Aussagen die man damals über den Marktzustand machen konnte und Begründungen warum man diese Aussagen machen konnte. Bitte tun Sie sich den Gefallen und lesen Sie diesen Artikel noch einmal 2 Jahre später, er erklärt mit dem Bild eines springenden Tigers sehr schön, was technische Analyse leisten kann und was nicht.

Und jetzt schauen wir, was daraus geworden ist. Das ist das gleiche Chart von 2002 bis heute, das ich Ihnen im Artikel vor 2 Jahren gezeigt habe, der damalige Artikel ist mit blauem Pfeil markiert:

Wenn Sie nun den alten Artikel gelesen haben, werden Sie sehen was man mit technischer Analyse erkennen kann. Dass "der Tiger" kurz vor dem Sprung war, war damals deutlich zu sehen, nur die Richtung und Sprunghöhe nicht, wobei die Struktur schon eine Präferenz nach oben generierte.

Wäre es damals im Juni 2016 nicht ein erheblicher Vorteil gewesen, diesen Verlauf schon als wahrscheinliches Szenario "zu kennen"? Wissen Sie noch, wie damals alle noch in Angst und Schrecken blockiert waren, im Markt auch Chancen zu sehen?

Gute technische Analyse versorgt uns also mit einem objektiven Blick auf den Marktzustand im Hier und Jetzt und daraus lassen sich für die Zukunft Wahrscheinlichkeiten und Szenarien ableiten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Im extrem kompetitiven Markt ist das aber schon eine ganze Menge.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Wie wir das neue Börsenjahr 2018 antizipieren können



Wie wir das neue Börsenjahr 2018 antizipieren können? Im Sinne "Wissen" und "Prognose" gar nicht, langfristige Wirtschafts- und Börsen-Prognosen sind Blödsinn, dass sich Kohorten von Volkswirten damit beschäftigen, macht es nicht besser.

Dabei gäbe es einen ganz einfachen empirischen Test. Diese Prognostiker müssten Ihr Kapital auf diese Prognose setzen, also mit der Brieftasche ihrem Mund folgen. Falls dann einer davon reich geworden ist, höre ich mir seine Prognosen danach gerne an. 😉

Warum das so sein muss und objektiv gar nicht anders sein kann, wurde hier - Stichwort unter anderem Reflexivität - oft und hinlänglich thematisiert und soll heute nicht Thema sein.

Thema ist dagegen, dass wir nicht ganz ohne Indikatoren sind, wenn wir bereit sind den Signalen des Marktes Gehör zu schenken.

Denn treue Mitglieder werden sich erinnern, wie skeptisch ich zum Jahreswechsel 2015/2016 wurde, so dass ich uns frühzeitig auf die Seitenlinie gebracht habe, bevor der Einbruch Januar 2016 so richtig einsetzte.

Treue Mitglieder werden sich auch daran erinnern, wie entspannt ich zum Jahreswechsel 2016/2017 war und frühestens zu Trumps Amtseinführung Ende Januar ein Problem erwartet habe, so kam es dann auch, es ging erst mal weiter hoch.

Warum war das so? Schauen Sie doch selber mal auf die beiden Charts, dann sehen Sie schon.

Das hier war 2015/2016:

Jetzt sehen es alle. Da war das Hoch schon Anfang November und danach hat der Markt nur noch leicht abwärts gebröselt und tiefere Hochs und Tiefs gebildet. Auf gut Deutsch, das Window Dressing, das Interesse sich den Jahresabschluss nicht zu versauen, hat gerade noch gereicht den Markt so eben zusammen zu halten. Wir hatten also eine ausgefallene Jahresendrally und ein Gewürge um die Niveaus zu halten. Dann kam 2016, was kommen musste.

Das hätte jeder sehen können und vorsichtig werden, ich hab es gesehen. Das lag vor unserer Nase, man musste nur hinschauen und das ernst nehmen. Und sicher hätte es anders kommen können, es kann immer anders kommen, das passt aber gut zu der Musterdiskussion im Forum, unser Job ist uns nach der dominanten Interpretation zu richten.

Und nun 2016/2017:

Hier ist keine Gefahr im Chart zu sehen. Wir haben einen starken Aufwärtstrend bis Mitte Dezember, der dann in eine stabile Seitwärtskonsolidierung übergeht, das klare Zeichen einer Trendfortsetzung.

Nichts gab hier Ende 2016 Warnsignale, einer kleiner Dip um Weihnachten wurde sofort wieder gekauft. Also konnte man ganz entspannt in den Jahreswechsel gehen und das war richtig so.

Und wie wird nun 2018?

Wenn Sie die Zeilen oben verstanden haben, kennen Sie die Antwort: Fragen Sie mich in 3 Wochen nochmal, wenn ich sehe wie die Jahresendrally läuft oder nicht läuft. Wenn Sie aber genau selber hinschauen, brauchen Sie mich nicht einmal. 😉

Sehen Sie, das ist das ganze Geheimnis. Und wissen Sie warum das trotzdem schwierig ist? Weil wir verflixten Affen zu oft trotzdem nicht danach handeln, weil wir immer klüger sein wollen als das, was uns dick und fett in den Charts anstarrt. 😉

Ihr Hari

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Charttool-Tag



Guten Morgen!

Zunächst ein kurzer Hinweis, heute kommt kein weiterer Artikel über Mittag, der am Nachmittag zur Wallstreet aber dann ganz normal. Ich muss - nachdem ich bei Saxo endgültig raus bin - dringend beim Charttool weiter testen, denn das Ding von der Comdirect ist zwar vom Handling her in Ordnung, aber von der Leistungsfähigkeit und Kursversorgung her ein Graus und unbrauchbar. Und das Charttool ist mein zentrales Arbeitsmittel, ohne das fühle ich mich wie behindert. Ich weiss schon warum ich so lange gezögert habe, auf das Saxo-Chart-Tool zu verzichten, denn das ist wirklich gut.

Heute ist mal -> Trading View <- zum Test dran. Das ist zwar eine soziale Plattform, den Teil werde ich aber nicht nutzen. Dafür gefällt mir das Handling der Charts und die Funktionalität gut. Ich bin ein Freund von browserbasierten Lösungen, ich skaliere viel in Charts herum und switche zwischen verschiedenen Perspektiven hin und her und liebe das elegant mit einem Mausklick machen zu können. Das Gefummel auf kleinen Buttons in den typischen proprietären Lösungen wie bei IB (TWS), Consors (Active Trader Pro) und anderen dieser Art kann ich nicht gebrauchen, das nervt nur.

Deshalb werde ich auch mit Stockcharts nicht warm, ich habe da schon einige Zeit investiert, aber es kommt keine Freude auf. Und tolle Lösungen wie TC2000 kann ich wegen ihrer Begrenzung auf US nicht gebrauchen, bei Tradingview habe ich auch DAX und Co. dabei, ohne das geht es eben nicht.

Vielleicht ergibt sich im Thread zu diesem Artikel ja auch eine Diskussion bzw Vorschlagssammlung zu Charttools. Das ist eine Frage die auch immer wieder aufkommt und die Alternativen und das für und wieder mal an einer Stelle zu besprechen, wäre sicher hilfreich. Sagen Sie doch also einfach mal was Sie nutzen und vor allem *warum* Sie genau das Tool nutzt und nicht etwas anderes - das wäre für viele Mitglieder sicher interessant und ein Mehrwert.

Morgen habe ich übrigens vor, mit Ihnen die weitere Entwicklung von Mr-Market in 2018 zu besprechen, denn Sie können darauf mit Ihrem Feedback wie immer auch Einfluss nehmen - falls ich dazu komme meine Gedanken ausführlich aufzuschreiben. 🙂

Was den Markt angeht, befindet sich der DAX immer noch in einer sehr sinnvollen Konsolidierung, die vom Charakter her gesund ist und eher zu Chancen denn Risiken führen könnte.

Das Chart sieht aber aktuell noch zu indifferent aus, um schon Aussagen zu machen wie es kurzfristig weiter geht. Ich gehe eher von einer Fortdauer der Konsolidierung aus:

Nach RWE und SGL Carbon, kann ich heute einen weiteren Rückgriff auf den Artikel -> Bullische Stampede <- von letzter Woche machen. Denn Heidelberg Cement hat den Erwartungen voll entsprochen und macht nach Zahlen nun wohl genau das, was das Chart schon vorher indiziert hatte:

Etwas länger her ist mein Setup bei Symrise, Ende September hatte ich Ihnen in -> Technisches Geschiebe <- das Ausbruchspotential gezeigt.

Nun sieht das Chart so aus, den Artikel habe ich darin markiert. Besser geht´s kaum:

Ich zeige Ihnen solche Entwicklungen im Nachgang wahrlich nicht, um mir selber auf die Schulter zu klopfen - ich zeige ja auch Dinge die nicht funktioniert haben. Ich zeige Ihnen das, weil ich einen Erkenntniseffekt auslösen will, nämlich dass Sie selber nach solchen Formationen Ausschau halten sollen.

Und das funktioniert ja auch, die Menge der Ideen und Setups im Forum ist im letzten Jahr viel besser geworden und oft muss ich etwas gar nicht mehr erwähnen, weil es da schon steht. Das finde ich Klasse und sage nur: Weitermachen!

Das Währungspaar Euro/Dollar ist übrigens weiter perfekt auf dem Weg, die SKS zu vollenden, die Symmetrie springt ins Auge.

Es ist doch witzig, da hatte ich gerade darüber geschrieben, dass am Devisenmarkt diese Muster wg Reflexivität nur schwer so einfach funktionieren, da beweist mir der Markt das Gegenteil. Wahrscheinlich genau deswegen. 😉

Wir sehen auf jeden Fall, dass die erste, kleinere SKS sauber durchgelaufen ist, bei der zweiten grösseren (in blau), hatten wir vielleicht gerade erst den Retest. Ein Schaden für den DAX wäre ein weiter fallendes EURUSD auf jeden Fall nicht!

So weit an diesem Morgen, jetzt vertiefe ich mich in TradingView. Wir lesen uns am Nachmittag wieder.

Ihr Hari

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Morgenspaltung II



Guten Morgen die Zweite!

Einen lustigen aber auch verträumten Blick in die Vergangenheit erlaubt uns heute Heise, denn -> vor 25 Jahren kündigte IBM seine Thinkpads an <-. Ich habe so ein Ding damals auch gehabt, allerdings kann ich das mit dem pechschwarzen Notizbuch und dem IBM-Gesangsbuch aus meiner Einstellung 1988 nicht bestätigen. Aber Entwickler waren halt schon immer anders als Verkäufer, vielleicht wollte man die jungen, klugen Nerds mit so etwas nicht mehr verschrecken, denn schon da waren ja Microsoft und Co. weit hipper, als in den Männergesangsverein IBM einzutreten. 😉

Der DAX ist weiter stabil und unverändert und ich erlaube mir daher heute morgen mal einen Ausflug ins Phantastische - wobei vielleicht ist es ja gar nicht so phantastisch.

Wir sind uns ja schnell einig, dass der DAX nun zu schnell zu weit gelaufen ist und man ihn nun nicht mehr kaufen sollte. Richtig? Wirklich richtig?

Jetzt ändern wir mal die Perspektive. Vergessen mal die Zahl 13.000, denn es ist -> eben nur eine Zahl! <-.

Betrachten wir mal das grosse Bild und richten uns nach der Markttechnik. Dann haben wir gerade eine ausgedehnte, mehrmonatige Konsolidierung hinter uns, die man als mittlere Konsolidierung in einer ausgedehnten Ausbruchsbewegung sehen könnte.

Wenn man das tut und die Prinzipien des Measured Move anwendet, kommt dabei das heraus, ein DAX über 14.000 zum Jahresende. Schluck!

Prognostiziere ich damit diesen Verlauf? Ach was, Blödsinn, ich prognostiziere gar nichts. Das Ding kann jetzt auch ein Doppeltop werden, das ich ja schon gezeigt habe.

Ich will nur unseren Geist für die Möglichkeiten öffnen, so wie ich letzte Woche in -> Das Kreuz mit dem Timing <- die Unterinvestierten unter Ihnen aus ihren Löchern getrieben habe und so falsch war das wohl bisher nicht.

Dieser extrem bullische Verlauf ist definitiv wahrscheinlicher, als die meisten derzeit denken, die nur den Gedanken "zu hoch zu weit" im Kopf haben. Es ist damit keineswegs das "wahrscheinlichste" Szenario, aber es ist eine Wirklichkeit, die uns sehr wohl ereilen kann und dann die Mehrheit überraschen würde - und genau das macht der Markt so gerne.

Sich jetzt eine Korrektur vorzustellen ist einfach. Einen DAX der weitere 1.500 Punkte im 4. Quartal oben drauf legt dagegen schwer. Vergessen wir das nicht und bleiben gedanklich offen und flexibel!

EURUSD kann sich weiter nicht entscheiden, im Chart sieht die Struktur aber weiter "prekär" für den Euro aus.

Die katalonische Sezession kann hier durchaus Einfluss nehmen, wenn sie Realität werden sollte, stark beeinflusst wird das Währungspaar im Moment aber wohl von der Yellen-Nachfolge-Spekulation und je nachdem ob da eine Taube oder ein Falke ans Ruder kommt, werden wir hier eine Auflösung sehen.

Etwas Grundsätzliches zu Chartmustern will ich noch loswerden und an einem Beispiel zeigen. Denn diese werden immer wieder missverstanden und wie objektive Fakten behandelt. Und genau deswegen können die nicht am Markt erfolgreich sein, die diese Muster überinterpretieren und ihnen zu viel Tiefe beimessen oder diese mathematisch festnageln wollen.

Chartmuster sind einfach nur Gesichter in Wolken, die wir mit unseren Mustererkennungs-Gehirnen sehen. Sie sind aber nicht objektiv da, die Kurse kennen keine Muster, sie sind nur in unseren Hirnen real. Und wie auch bei Wolken, kann ein leichter Wind das Muster verändern und plötzlich sieht die Wolke ganz anders aus. Das Muster "morpht" dann in ein Anderes.

Jetzt kommt dann gleich der nächste gedankliche Fehler, der typische "Gründler", für den die Welt immer deterministisch SO oder SO aber nicht grau dazwischen sein darf, stellt deswegen den Sinn der Chartmuster in Frage. Warum soll man sich mit etwas beschäftigen, das nur eine Vorstellung in unserem Kopf ist?

Ich kann da immer nur die Augen verdrehen, denn es zeigt eine völlig falsche, naive Sicht auf die Realität des Lebens. Das ganze Leben besteht aus Grautönen und unsere Interpretation der Wirklichkeit, die von unseren Sinnesorganen und unserem Gehirn bestimmt ist, ist kein bischen objektiv, auch wenn wir uns das gerne einbilden. Ich kann in dem Zusammenhang nur erneut an -> wie wirklich ist die Wirklichkeit <- erinnern.

Und unser Leben ist auch nicht schwarz/weiss und das was uns das Leben erst ermöglicht - die Fähigkeit zB mit unserer Mustermaschine sofort einen gefährlichen Menschen auf der anderen Strassenseite entsprechend einzusortieren - produziert eben auch Fehlsignale, wenn der düstere Typ unter der Kapuze mit dem Messer in der Tasche, sich als netter Jugendlicher auf dem Weg zu Halloween mit einem Theatermesser herausstellt.

Sagen wir es mal etwas spitz so. Wer als Mann Chartmuster Blödsinn findet, weil sie nicht mathematisch exakt zu vermessen sind, wird wohl auch Probleme haben die Muster seiner Frau zu erkennen und darauf emphatisch einzugehen. Das Dumme ist nur, diese Muster sind auch relevant .... 😉

Die Muster des Marktes geben uns einfach auf einen Blick die dominante Interpretation des Marktgeschehens, so wie wir auf einen Blick den Menschen auf der anderen Strassenseite einordnen. Und das hat jede Menge Wert, denn auch wenn es Fehlsignale produziert, verhindert es auch, dass wir einfach in jemanden mit einem echten Messer herein laufen.

Wer in dieser sekundenschnellen Mustererkennung gut ist, geht sicherer durchs Leben - die Evolution hat genau das selektiert und den Menschen zu dem gemacht was er ist. Und wer in dieser Mustererkennung gut ist, kann den Marktzustand besser erkennen als andere, nur für eine exakte Wissenschaft sollte das bitte keiner halten, es ist nämlich keine. Auch dann nicht wenn Idioten, die gar nicht kapiert haben was Markttechnik eigentlich ist, daraus mit vielen bunten Linien eine überanalysierte Pseudowissenschaft machen wollen und Charts mit dem Massband auf den Millimeter vermessen wollen. 😉

Ich nenne meine Haltung zum Markt als Trader daher oft die eines Wolkenspringers. Ich springe auf das schönste Muster, wohl wissend dass es nur eine Wolke ist. Und wenn es sich verändert, bin ich schon weitergesprungen und hüpfe woanders herum. 😉 Ich verbeisse mich nicht und das ist gut so!

Und das für mich wenig Erstaunliche ist: es funktioniert. Eben weil wer sich erfolgreich durch eine Menschenmenge bewegt, sich auch genau so verhält. Die 80-90% Präzision in einer Sekunde ist am Markt gefragt, nicht die 100% Präzision des Ingenieurs unter grossem Aufwand.

Ich habe ein schönes Beispiel für das Thema. Vor einer guten Woche habe ich Ihnen in -> Charts zum Tag <- auch Fresenius gezeigt und dazu kommentiert:

Ein Chart das gar nicht gut ausschaut, ist im DAX das von Fresenius. Hier gab es einen Trendbruch und besonders unschön ist, dass der Rebound-Versuch so schnell abverkauft wurde:

Und wenn Sie sich das Muster anschauen, dann war das auch eine kritische Situation. Nehmen Sie dazu im Chart unten einfach die letzten beiden grünen Kerzen weg.

Dann ist aber ein Wind aufgezogen und hat das Risiko weggeweht und die Wolke eröffnet nun auch andere Interpretationen eines Doppelbodes:

Das Ding kann immer noch wegknicken, der Wind hat aber die Wolke verändert. War deswegen die Beoachtung vor einer Woche falsch oder wertlos?

Keineswegs, das war absolut richtig da skeptisch hinzuschauen. Marktmuster sagen nichts über die Zukunft, sie zeigen uns den Marktzustand der Gegenwart. Es bestätigt nur, dass man bei potentiellen Aus- und Einbrüchen abwarten sollte, bis sie auch stattgefunden haben, bevor man sich gedanklich völlig damit verheiratet.

Merken wir uns also, dass es unerlässlich ist, dass wir uns einen offenen Geist bewahren. Die Muster in den Wolken sind keine Fakten und können sich wandeln. Wir fahren aber viel besser damit uns nach ihnen zu richten, als diese zu ignorieren. Wer den Mann mit dem Messer auf der anderen Strassenseite ignoriert kann sterben. Wer darauf instinktiv reagiert, im schlimmsten Fall einem netten Jugendlichen Unrecht tun.

Ihr Hari

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DAX, Euro und Gold. Doch keine Verrückheiten?

Ich schaue ja immer mal wieder gerne zurück um einen Blick darauf zu werfen, was denn aus Aussagen geworden ist. Zum 4. Advent letzten Jahres, also vor weniger als einem halben Jahr, habe ich Ihnen in -> DAX 15.000 und andere Verrückheiten <- drei "verrückte" Szenarien mit Charts gezeigt.

Ganz so verrückt, war das natürlich nicht gemeint, denn sonst hätte ich diese Szenarien ja nicht bewusst gezeigt. Denn in Szenarien zu denken - nicht in Prognosen, mit denen man die Emotion des "Rechthabens" verbindet - macht jede Menge Sinn. Denn Szenarien erweitern unseren Blick und machen uns bereit für die Möglichkeiten, statt uns dogmatisch in unseren eigenen Weltbildern zu vergraben.

Damals schriebe ich:

Trotzdem müssen wir uns ja auf die Zukunft vorbereiten und da kommen Szenarien ins Spiel. Wir können und sollten durchdenken, was passiert wenn. Auch das wird dann oft anders kommen, weil ein unerkannter Faktor einwirkt und die Gleichung verändert, aber selbst dann hat das Szenario noch Wert, weil wir die Abweichung erkennen können und auch daraus einordnende Schlüsse ziehen können.

Verschiedene Szenarien für die Zukunft zu haben, macht also Sinn. Auch für Anleger an der Börse. Nur sich mit einem Szenario gedanklich verheiraten, es lieben lernen und sich darin verbeissen, das sollten wir besser nicht. Wenn die Realität anders kommt, schmeissen wir das Szenario in den Müll und wechseln auf ein anderes Modell des Geschehens, dass der Wirklichkeit näher kommt. So einfach ist das.

Da Szenarien Sinn machen, kann man auch mal für 2017 durchdenken, was in 2017 im Extremfall möglich wäre. Und zu Szenarien gehört die Bedingung. Die Bedingung ist hier, einfach als Massstab zu nehmen, was uns die ganz langfristigen Charts für Signale geben, wohin sie also auf dem heutigen Wissenstand eher hindeuten.

Und nun habe ich mir mal erlaubt, im "verrückten" Szenario des DAX von damals einzuzeichnen, wo wir nun sind:

Nicht so schlecht, oder? 😉 Nun ist das nicht so schnell passiert, wie in dem Extremszenario beschrieben, aber der halbe Weg ist nun zurück gelegt und jetzt können sich viel mehr vorstellen, dass auch die zweite Hälfte noch vor uns liegt.

Im alten Artikel schrieb ich übrigens noch etwas:

Und ganz ehrlich, das Szenario, das ich persönlich in Würdigung der Gesamtlage derzeit für am Wahrscheinlichsten halte ist, dass wir nach einer massiven Rally, die im ersten Halbjahr höher führt, als wir uns heute vorstellen können, dann in 2017 ein bedeutendes Top ausbilden und in die erste echte Korrektur seit Beginn des Bullenmarktes laufen.

Mit anderen Worten, ich präferiere derzeit eher, dass wir mitten im letzten, ganz grossen Hurrah des Bullenmarktes sind, der in 2009 begann.

Aber missverstehen Sie das nicht als Crash-Prognose. Dieses Hurrah wird uns noch viel höher führen, als wir heute ahnen und heute ist nicht der Tag, sich dagegen zu stellen. Vielleicht nicht gerade auf 15.000 im DAX, aber doch zu neuen Höchstständen. Und dann wars das irgendwann in 2017.

Heute sehe ich dieses Top in 2017 nicht mehr so deutlich und rechne eher auch mit einem guten Jahresabschluss. Eben weil die Bewegung nicht so steil und übertrieben geworden ist, wie sie da im Szenario war. Die Anstiegs-Bewegung ist gesünder und damit nachhaltiger und sie hat in Form von guten Unternehmenszahlen fundamentale Grundierung. 2018 ist dann ein anderes Spiel, wenn wir zum Jahresende im DAX vielleicht den "verrückten 15.000" noch deutlich näher gekommen sind. Aber das ist eine Frage, der wir uns heute noch nicht stellen müssen.

Schauen wir auf die anderen beiden Szenarien von damals, sehen wir dass das EURUSD Szenario immer noch im Rennen ist, wenn auch noch nicht nach unten getriggert. Und bei Gold ist es zu den 1.000 USD nicht gekommen, das nun generierte niedrigere Hoch erlaubt aber durchaus, dass das nun noch nachgeholt wird.

Alles in allem kein perfektes, aber kein schlechtes Bild für drei extreme Szenarien, die bewusst provozierend als "verrückt" bezeichnet wurden. Das ist auch nicht so verwunderlich, so verrückt waren sie nämlich gar nicht und sind sie auch aktuell nicht. Denn sie fussten ja auf klaren, langfristigen Marktstrukturen und wenn der Markt zu uns spricht, sollten wir besser zuhören.

Und darin liegt auch die Botschaft dieses Artikels. Halten wir uns nicht an das, was wir glauben wollen, sondern lieber an die grossen Marktstrukturen, die uns in Charts anschreien. Die sind auch keine Garantie, sie produzieren aber bessere Ergebnisse als zu raten, weil in ihnen die aktuelle Tendenz des Marktes spricht. Die kann sich zwar immer ändern, sie läuft aber öfter weiter als dass sie sich ändert und das ist genau der Kern eines Trends.

Und denken wir in Szenarien, denn diese öffnen uns gedanklich für die Möglichkeiten, die der Markt uns bietet. Auch wenn zum Beispiel im DAX der konkrete Verlauf ein anderer war, die reine Erkenntnis letzten Dezember, dass ein sehr bullischer Verlauf in 2017 realistische Chancen hat, hätte doch unser Anlageverhalten zum Besseren verändert. Wir wären nicht mehr so leicht in Angst zu treiben und zu beeinflussen gewesen. Und wir hätten mehr Mut gehabt, die gegebenen Chancen auch zu ergreifen.

Lassen wir mit klugen Szenarien also Luft in unser Oberstübchen herein. Diogmatische Glaubenslehren dazu, was der Markt vermeintlich "machen muss", haben am Markt nichts verloren. Der macht was er will und unsere Chance ist nicht, das zu verändern, sondern es rechtzeitig zu beobachten und erkennen!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Gewürzte Charts – Von Oszillatoren und Indikatoren

Neben der täglichen Aktualität, besprechen wir auf Mr-Market auch immer wieder grundsätzliche Themen rund um die Märkte und diskutieren über die Techniken, die nötig sind, um Erfolg haben zu können.

Hier ist beispielhaft ein Beitrag vom 20.01.16, der aufzeigt, wie wichtig es ist, sich bei der Marktanalyse auf das Wesentliche zu konzentrieren und Charts nicht zu überladen.

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Chart Rodeo ohne Worte – Siemens, Gold, Öl, S&P500, DAX und McDonalds



Heute gibt es im freien Bereich mal etwas Ungewöhnliches. Normalerweise, finden Sie von mir hier ja immer viele Worte der Erklärung.

Heute aber, stelle ich sozusage "ohne Worte", einfach ein paar Charts ein, die ich gestern Abend und heute früh vor Handelsstart, zusammen mit Erklärungen und anderen Themen, im Premium-Bereich eingestellt habe.

Hier im freien Bereich, sind Sie heute mal "selber dran", daraus Schlüsse zu ziehen. Gerade wie man solche Schlüsse zieht und wie so Charts "zu lesen" sind, ist immer wieder wesentlicher Inhalt hier im Blog.

Viel Spass:

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Marktlage 2016 – Das Jahr des Bären?



Liebe Leser im freien Bereich,

nach der für die Wallstreet historisch schlechtesten ersten Börsenwoche der Geschichte, stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob dieser Markt nun weg kippt und 2016 endgültig zum Jahr der Bären wird?

Nun, im Artikel -> Welt in Bewegung mit unbestimmter Zukunft <-, habe ich ja letzte Woche dargestellt, dass es darauf keine definitive Antwort geben kann, weil die Zukunft prinzipiell unbestimmt ist und bleibt.

Dass wir am Markt nie 100% Sicherheit haben werden, heisst aber umgedreht auch nicht, dass wir gar nichts wissen und der Markt nur eine Abfolge unzusammenhängender Zufälle wäre.

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In aller Deutlichkeit



Ich möchte heute in aller Deutlichkeit noch einmal ein paar grundsätzliche, einordnende Worte zum Erfolg an den Märkten los werden.

Für erfahrene Anleger und langjährige Mitglieder, wird hier nichts Neues stehen. Aber gerade wer erst kurz dabei ist, sollte das nicht einfach überlesen, sondern sich ernsthaft damit beschäftigen.

Erfolg am Markt, ist alles andere als einfach. Faktum ist, nur eine Minderheit schafft es. Die Mehrheit scheitert aber und wäre bei einem rein passiven Ansatz besser aufgehoben.

Ich habe diese Notwendigkeit so passiv anzufangen, immer wieder thematisiert. Auch hier: -> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau <-

Es gibt aber auch einen Typus, der sich solchen Worten immer verweigert, weil er tendentiell unter Selbstüberschätzung leidet. Ich habe diesen Typus hier skizziert: -> Von Selbstüberschätzung und Tail Risks <-

Zitat:

Männer, jung noch dazu, neigen einfach zur Selbstüberschätzung. Diese Selbstüberschätzung hat auch einen evolutionären Sinn, denn ohne den Mut sich etwas zuzutrauen und sich sozusagen auf einen Säbelzahntiger zu stürzen, wäre die Menschheit schon verhungert. Deshalb setzt man in jungen Jahren, wenn man vor Energie fast platzt, auch gerne das Auto gegen den Baum. 😉 Mir ist das zwar nicht passiert, dafür habe ich aber in Selbstüberschätzung andere Dinge gemacht, die nicht weniger idiotisch waren. Ich weiss also schon, worüber ich da rede.

Und es fehlt vielen ganz eindeutig die Phantasie, was alles schief gehen kann und nach Murphy auch irgendwann schief gehen wird. Die berühmten "schwarzen Schwäne" und ihre Auswirkungen eben, die spezielle Ausprägungen des allgemeineren Begriffs vom Tail Risk sind.

Gerade wenn Sie zu dieser Kategorie gehören, sollten Sie nun also besonders aufmerksam lesen.

Denn ich *bin* am Markt erfolgreich. Seit Jahren und immer wieder und immer wieder. Mal mehr und mal weniger, aber unter dem Strich steht Erfolg.

Warum, ist die grosse Frage! Hier ist die Antwort:

(1) Weil ich den Ton des Marktes zuverlässig erkennen kann

Wenn Sie so wollen, habe ich also eine meistens zuverlässige Einschätzung des grossen Wetterberichtes. Aber auch wenn man weiss, dass über Mitteleuropa ein Hochdruckgebiet schwebt, schliesst das ja nicht lokale Gewitter, Regenschauer und Nebelbänke aus.

Auf gut Deutsch, ich kann nicht das kurzfristige Lokalwetter vorher sagen, aber zumindest kenne ich die Grosswetterlage.

Fragt sich, wie Sie das auch lernen können? Die Antwort wird Ihnen nicht gefallen. Denn dafür gibt es keinen Nürnberger Trichter.

Das ist die Summe von ganz viel Erfahrung und einer hohen Informationsaufnahme- und Verarbeitung. Die Fähigkeit die Grosswetterlage zu erkennen, muss man sich über Jahre erarbeiten. Unter anderem dabei, gebe ich Ihnen hier im Blog ja Hilfestellung.

(2) Weil ich in meinen Einschätzungen zu 60% richtig liege

Natürlich kenne ich die exakte Zahl nicht, vielleicht sind es nur 55% vielleicht auch 70%. Die Zahl 60 soll nur ausdrücken, dass ich etwas oberhalb des Zufalls liege, aber auch nicht viel mehr.

Heisst konkret, trotz all meines Wissens und meiner Erfahrung, liege ich immer noch in fast der Hälfte der Fälle falsch! Falsch liegen heisst dabei, dass der Markt nicht macht, was ich erwartet habe.

Und trotzdem ist "60" eine gute Zahl, denn die Mehrheit ist davon weit entfernt. Mehr "Sicherheit" geben auch die besten Techniken nicht her, dafür sorgt schon die Reflexivität.

Das ist die Botschaft die unbedingt sitzen muss, gerade bei dem sich selbst überschätzenden Anleger!

(3) Weil ich ein konsequentes Risikomanagement habe, an das ich mich strikt und diszipliniert halte

Wer (2) wirklich verinnerlicht hat, dem wird klar sein, wie *überlebenswichtig* dieser Punkt ist. "Risikomanagement" ist dabei ein Oberbegriff für viele individuelle Techniken, die alle ihre Vor- und Nachteile haben.

Diese Techniken eint aber der Sinn, das Risiko beherrschbar zu machen und Verluste konsequent zu begrenzen.

Wer das nicht hat. Wer nur auf seine "göttliche Eingebung" vertraut und nicht akzeptiert, dass auch das beste Setup anders laufen kann, wird früher oder später mit Karacho scheitern. Immer! Die Frage ist nur der Zeitpunkt.

Ich weiss nicht, wie ich das noch deutlicher sagen kann.

(4) Weil ich eine Strategie habe, der ich konsequent folge

Eine Strategie heisst, dass man weiss, was man machen will und was nicht. Wenn man die hat, läuft man nicht anderen hinterher - wer das tut, hat keine.

Wer eine Strategie hat, schätzt Input Dritter immer noch sehr. Input ist gut. Aber man prüft den Input daran, ob er zur eigenen Strategie passt oder diese weiter entwickeln kann. Und nur an diesem Kriterium, am Abgleich zur eigenen Strategie wird entschieden, ob der Input für einen persönlich Relevanz hat oder eben nicht.

Nun sind die Wege des Selbstbetrugs ja vielfältig und viele reden sich ein, sie hätten eine Strategie, dabei ist da nichts als ein Bündel von Gedanken. Wie können Sie also erkennen, dass Sie eine Strategie haben? Ich sage es Ihnen, es ist ganz einfach, ich habe da einen zuverlässigen Test für Sie.

Sie haben genau dann eine Strategie, wenn ich Ihnen *jetzt* einen Stift oder eine Tastatur in die Hand drücken kann - Sie setzen sich sofort hin und schreiben Ihre Strategie unter Zeitdruck und ohne zu Zögern in den verschiedenen Facetten auf.

Wenn Sie das können, haben Sie eine Strategie! Das sagt nichts darüber aus, ob diese gut oder schlecht ist, aber sie ist vorhanden! Wenn Sie das aber nicht können und nun erst mal überlegen müssen was Sie schreiben, haben Sie keine. Punkt!

Dabei ist eine Strategie immer individuell und meine ist nicht notwendigerweise Ihre. Ich will Ihnen ein Beispiel geben.

Rein technisch orientierte Trader argumentieren oft völlig zu Recht, dass sie alle Informationen um sich herum ausblenden und für sie nur der Kurs Relevanz hat. Solchen Tradern ist auch egal, was die Firma macht, es könnte das berühmte "Kühlschränke am Nordpol" Szenario sein. Nur die Charts und die Price-Action geben die relevanten Signale.

Diese Strategie ist völlig konsequent und "richtig" für einen bestimmten Typus von Trader. Richtig für jemand, zu dessen Rahmenbedingungen, Handelsstil, Zeitaufwand und Psychologie so eine konsequente Vorgehensweise passt.

Für "bestimmte" Trader ist diese Strategie also "richtig".

Es ist aber nicht meine Strategie. Ich mische - wie oft erklärt - fundamentale Aspekte bei der Selektion mit technischen Aspekten beim Timing. Ich will wissen, was "meine" Firmen machen und warum. Für mich ist dieses Wissen relevant und verschafft mir auch Vorteile bei der Einschätzung.

Wie ich persönlich funktioniere, habe ich zum Beispiel hier beschrieben: -> Der Trader das unbekannte Wesen <-

Das ist aber nur "meine" Strategie, für "meine" Rahmenbedingungen, die für "mich" funktioniert. Es ist nicht "Ihre". Der entscheidende Punkt ist:

Strategie ist immer individuell. Und wenn Sie Ihre nun nicht sofort aus dem Stand und im Detail einem Dritten erklären oder aufschreiben können, haben Sie keine!

So ...

Ich hoffe das war deutlich. Diese 4 Punkte oben machen mich in Summe erfolgreich. Würde einer der 4 fehlen, würde es auch bei mir nicht funktionieren.

Insbesondere wenn ich kein Risikomanagement hätte. Da könnte ich 9 mal hintereinander einen tollen Trade hinlegen, mit dem 10. Fall, würde ich das alles mit einem einzigen katastrophalen Verlust wieder zerstören.

Ich kann nicht mehr tun, als diese Dinge immer wieder deutlich zu schreiben. Handeln und sich Ihren eigenen Geistern stellen, müssen Sie dabei selber.

Nur Hilfe zur Selbsthilfe kann diese Community und ich dabei gewähren. Und das tun wir mit all unserer Kraft.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***