Warum das „Smart Money“ mehr groß als „smart“ ist


Der folgende Grundlagen-Artikel erschien Anfang diesen Jahres im Premium-Bereich. Für die Lesbarkeit im freien Bereich, wurde er bei Referenzen und Links leicht überarbeitet

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In diesem Artikel, möchte ich für Sie einordnen, was sich hinter dem Begriff "Smart Money" verbirgt, für den es auch andere Begriffe gibt wie das "Big Money" oder die "Markt-Elefanten".

Und auch der "Composite-Operator" der sogenannten -> Wyckoff-Terminologie <- beschreibt die gleiche Gruppe, der Begriff ist eine abstrakte Metapher für die Gruppe im Markt, die alleine durch Größe und Wissen, die Richtung des Marktes ganz wesentlich beeinflussen kann.

Auch ich spreche oft flapsig vom "Smart Money" oder von den "Marktelefanten" und meine damit die gleiche Gruppe, die mit dem Begriff "Composite Operator" in ein eingängiges Bild gefasst wird. Womit sich vielleicht doch mal die Frage anschliesst, wer damit überhaupt gemeint ist und ob das "Smart Money" wirklich so smart ist?

Vor allem, wir lesen und erleben doch immer wieder, dass Hedgefunds zu Hunderten auch 2018 Pleite gegangen sind, dass Fondsmanager sich 2018 durchweg nicht mit Ruhm bekleckert haben und im tiefen Minus mit ihren Fonds hängen und selbst "Helden" wie David Eichhorn, der in der Reihe der -> greatest Investors <- genannt wird, in 2018 mal eben -> 28% Verlust gemacht haben <-.

Wie "smart" ist dieses "Smart Money" also eigentlich und stehen hinter dem "Composite Operator" konkrete Namen mit besonderem Insiderwissen?

Die wichtige Antwort drauf ist Nein! Alle kochen nur mit Wasser, auch die Einhorns dieser Welt! Und es gibt dieses "Smart Money" und diesen "Composite Operator" gar nicht als dedizierte Personen oder Gruppen, das ist eine Fiktion. Es sind einfach abstrakte Konzepte, die einen Sinn haben.

Bevor ich zum Sinn komme sei gesagt, dass es natürlich echtes Insiderwissen im Markt gibt. Wir erleben das immer wieder bei Einzelaktien, wenn schon Stunden oder einen Tag vor einer wichtigen Nachricht, die Kurse in die (im nachhinein) richtige Richtung zu laufen beginnen. Da wissen dann schon welche was, die gleicher als gleich sind und starten faktische Insidertrades, die in der Regel unentdeckt bleiben.

Nur das sind keineswegs immer die gleichen Personen und es ist vor allem spezifisches Wissen zu einem Ereignis oder einem Unternehmen - was den ganzen Markt angeht, ist das weit schwieriger bis unmöglich.

Schauen wir doch die letzten Wochen des Jahres 2018 an. FED-Chef Jerome Powell hat mit seiner Kommunikation schwer überrascht, wahrscheinlich er sich auch selber, weil ihm gar nicht klar war, welche Lawine des Missvergnügens er da vor Weihnachten in Gang setzen würde. Und Trump kaspert mit Chinas Xi herum und selbst seine eigenen Berater die um ihn sind wie Larry Kudlow, werden immer wieder von seiner nächsten Volte überrascht, siehe seine überraschende Entscheidung im Telefonat mit Erdogan aus Syrien abzuziehen.

Und dabei sind die beiden Themen FED und Handelskonflikt, die großen Sorgen die den Markt gerade bewegen und ich garantiere Ihnen, das "Smart Money" bzw der "Composite Operator" rätselt genau so über Trump wie wir. Wie will ein Dritter auch etwas wissen, das Powell nicht bewusst ist und Trump nicht mit seinen Beratern bespricht, bevor er es verkündet?

Ja, vielleicht bekommen die mal was von Kudlow gesteckt, der es wieder seinem alten Partner Jim Cramer steckt, wer weiss das schon? Und die haben die besseren Daten zu dem was im Markt passiert, als wir kleinen "Blindfische". Aber trotzdem, wirklich etwas "wissen" tun sie nicht und ökonomische Daten sind auch mehrdeutig und so besonders "smart" können sie dann auch nicht sein, wenn man sich - siehe oben - die Ergebnisse vor Augen führt.

Wie passt das dann denn überhaupt alles zusammnen?

Eigentlich gibt es also kein konsistentes Smart-Money und doch funktionieren Konzepte, bei denen man genau schaut, was diese Markt-Elefanten treiben und diese Konzepte führen zu besseren Anlageentscheidungen.

Es lohnt sich also den Handlungen der "Markt-Elefanten", des "Composite Operators" zu folgen und gleichzeitig ist der aber meistens gar nicht so smart und weiss nicht viel mehr als wir.

Erneut, wie passt das zusammen?

Meine Antwort ist einfach und elegant und sie ist absolut faszinierend, weil es mal wieder die -> Reflexivität <- ist, die hier den entscheidenden Faktor ausmacht.

Die Antwort ist verkürzt gesagt:

Die Markt-Elefanten bestimmen den Markt, weil sie Elefanten sind. Weil sie Elefanten sind, können sie von dieser Dominanz aber nicht immer profitieren.

Denn das "Smart Money" ist gar nicht besonders "smart", es ist aufgrund seiner schieren Feuerkaft aber trotzdem marktbestimmend.

Stellen Sie sich eine Kugelpyramide vor und nun will einer seine Kugel heraus ziehen, eine Kugel die so groß ist, dass die Statik der Pyramide davon abhängt. Wenn diese Kugel gezogen wird, fällt die ganze Pyramide zusammen.

Die Pyramide fällt aber nicht zusammen, weil der so "smart" war und das vorher geahnt hat. Sie fällt zusammen, weil die Kugel zu gross und wichtig war, um auf sie in der Pyramide zu verzichten.

Die großen Adressen bestimmen also wesentlich den Markt, aber nicht weil sie - von Ausnahmen abgesehen - die Zukunft besser kennen als wir, sondern ganz profan, weil sie der Markt sind!

Es ist also eine selbsterfüllende Prophezeihung, ein Markt erreicht sein Top dann, wenn die großen Adressen denken, dass er sein Top erreicht hat und deshalb zu verkaufen beginnen. Genau das haben wir diesen Oktober beobachtet, als der Markt fiel, obwohl es dafür keinen harten Anlass in den Wirtschaftsdaten gab.

Und noch schlimmer, diese großen Adressen können davon selber auch nur begrenzt profitieren, weil sie eben so groß sind, dass sie ihre Verkäufe über einen langen Zeitraum verteilen müssen, weil sie ansonsten sich durch einen zusammenbrechenden Markt selber ins Knie schiessen würden.

Genau das nennt man die Distributionsphase, genau das ist das Wirken des "Composite Operators". Und dahinter verbirgt sich kein konkreter, besonders "smarter" Mensch, sondern dahinter verbirgt sich einfach das große Volumen, das den Markt bestimmt und lange braucht, um sein Geld abzuziehen oder wieder zu investieren.

Es gibt also genau genommen gar kein "Smart Money", von Ausnahmen echten Insiderwissens abgesehen. Es ist im reflexiven Markt einfach so, dass das große Geld "der Markt ist" und wenn das verkauft, wird der Markt fallen - einen Grund braucht es dafür dann nicht, den liefern die Medien nach.

Dieses "große Geld", dieser "Composite Operator", sieht also smart aus, weil er Bewegungen auslöst, er weiss aber eigentlich gar nicht so viel, er reisst eher den Markt durch seine schiere Größe nach unten.

Deswegen sind die abstrakten Konzepte der "Markt Elefanten" und des "Composite-Operators" wichtig, weil wenn wir lernen zu erkennen, was die großen Institutionen machen, wir auch wissen wohin der Markt will. Denn die sind der Markt - mehr als wir auf jeden Fall!

Wirklich "smart" sind die aber auch nur in Ausnahmefällen, wenn sie wirklich Insiderwissen haben, ansonsten kochen die genauso mit Wasser wie wir.

Konkret gesagt, gib theoretisch einem Affen 20% der Marktkapitalisierung einer Aktie und lass ihn Stück für Stück verkaufen. Der Affe wird im Nachhinein unglaublich "smart" aussehen, weil er im Wesentlichen ab dem Hochpunkt des Kurses zu Verkaufen begonnen hat und danach ist der Markt nur noch gefallen.

Genau das ist aber die Reflexivität, das ist ein selbstreferentieller Markt. Der Affe war gar nicht "smart", er war einfach nur "gross". 😉

Ich hoffe das hilft ein wenig, diese Begriffe besser einzuordnen. Es gibt kein pauschales "Smart Money" und doch ist es für uns wichtig, seinen Bewegungen zu folgen. Ein vermeintlicher Widerspruch, den die Reflexivität auflöst.

Und die beste Methode das Verhalten des großen Geldes zu erkennen, ist auf die Preisstrukturen des Marktes zu schauen und dabei immer das Volumen im Auge zu behalten. Denn zum Ein- wie Ausstieg wird am Markt nicht geklingelt, der Erste der davon weiß, ist in der Regel der Kurs selber. Erst dann fangen andere an, darüber zu schreiben.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Vom Smart Money, dem Composite Operator und den Markt-Elefanten


In diesem Artikel, möchte ich für Sie einordnen, was sich hinter dem Begriff "Smart Money" verbirgt, für den es auch andere Begriffe gibt wie die "Markt-Elefanten".

Und auch der "Composite-Operator" der Wyckoff-Terminology beschreibt die gleiche Gruppe, der Begriff ist eine abstrakte Metapher für die Gruppe im Markt, die alleine durch Größe und Wissen, die Richtung des Marktes ganz wesentlich beeinflussen kann.

Erst vor Kurzem hat unser "Pasolini" in seinen beiden Artikeln zu -> Kurszyklen <- diesen "Composite-Operator" in seinem Wirken dargestellt und ich habe vor einem Jahr in einem Video zu -> Distributionsstrukturen <- auch das Wirken dieser Gruppe thematisiert.

Abgesehen davon spreche ich oft flapsig vom "Smart Money" oder von den "Marktelefanten" und meine damit die gleiche Gruppe, die mit dem Begriff "Composite Operator" in ein eingängiges Bild gefasst wird. Womit sich vielleicht doch mal die Frage anschliesst, wer damit überhaupt gemeint ist und ob das "Smart Money" wirklich so smart ist?

Vor allem, wir lesen und erleben doch immer wieder, dass Hedgefunds zu Hunderten auch 2018 Pleite gegangen sind, dass Fondsmanager sich 2018 durchweg nicht mit Ruhm bekleckert haben und im tiefen Minus mit ihren Fonds hängen und selbst "Helden" wie David Eichhorn, der in der Reihe der -> greatest Investors <- genannt wird, in 2018 mal eben -> 28% Verlust gemacht haben <-.

Wie "smart" ist dieses "Smart Money" also eigentlich und stehen hinter dem "Composite Operator" konkrete Namen mit besonderem Insiderwissen?

Die wichtige Antwort drauf ist Nein! Alle kochen nur mit Wasser, auch die Einhorns dieser Welt! Und es gibt dieses "Smart Money" und diesen "Composite Operator" gar nicht als dedizierte Personen oder Gruppen, das ist eine Fiktion. Es sind einfach abstrakte Konzepte, die einen Sinn haben.

Bevor ich zum Sinn komme sei gesagt, dass es natürlich echtes Insiderwissen im Markt gibt. Wir erleben das immer wieder bei Einzelaktien, wenn schon Stunden oder einen Tag vor einer wichtigen Nachricht, die Kurse in die (im nachhinein) richtige Richtung zu laufen beginnen. Da wissen dann schon welche was, die gleicher als gleich sind und starten faktische Insidertrades, die in der Regel unentdeckt bleiben.

Nur das sind keineswegs immer die gleichen Personen und es ist vor allem spezifisches Wissen zu einem Ereignis oder einem Unternehmen - was den ganzen Markt angeht, ist das weit schwieriger bis unmöglich.

Schauen wir doch jetzt die letzten Wochen an. Powell hat mit seiner Kommunikation schwer überrascht, wahrscheinlich er sich auch selber, weil ihm gar nicht klar war, welche Lawine des Missvergnügens er da vor Weihnachten in Gang setzen würde. Und Trump kaspert mit Xi herum und selbst seine eigenen Berater die um ihn sind wie Kudlow, werden immer wieder von seiner nächsten Volte überrascht, siehe seine überraschende Entscheidung im Telefonat mit Erdogan aus Syrien abzuziehen.

Und dabei sind diese beiden Themen die großen Sorgen die den Markt gerade bewegen und ich garantiere Ihnen, das "Smart Money" bzw der "Composite Operator" rätselt genau so über Trump wie wir. Wie will ein Dritter auch etwas wissen, das Powell nicht bewusst ist und Trump nicht mit seinen Beratern bespricht, bevor er es verkündet?

Ja, vielleicht bekommen die mal was von Kudlow gesteckt, der es wieder Cramer gesteckt hat, wer weiss. Und die haben die besseren Daten zu dem was im Markt passiert, als wir kleinen Blindfische. Aber trotzdem, wirklich etwas "wissen" tun sie nicht und ökonomische Daten sind auch mehrdeutig und so besonders "smart" können sie dann auch nicht sein, wenn man sich - siehe oben - die Ergebnisse vor Augen führt.

Wie passt das dann denn überhaupt alles zusammnen?

Eigentlich gibt es also kein konsistentes Smart-Money und doch funktionieren Konzepte, bei denen man genau schaut, was diese Markt-Elefanten treiben und die zu besseren Anlageentscheidungen führen.

Es lohnt sich also den Handlungen der "Markt-Elefanten", des "Composite Operators" zu folgen und gleichzeitig ist der aber meistens gar nicht so smart und weiss nicht viel mehr als wir.

Erneut, wie passt das zusammen?

Meine Antwort ist einfach und elegant und sie ist absolut faszinierend, weil es mal wieder die Reflexivität ist, die hier den entscheidenden Faktor ausmacht.

Die Antwort ist verkürzt gesagt:

Die Markt-Elefanten bestimmen den Markt, weil sie Elefanten sind. Weil sie Elefanten sind, können sie von dieser Dominanz aber nicht immer profitieren.

Denn das "Smart Money" ist gar nicht besonders "smart", es ist aufgrund seiner schieren Feuerkaft aber trotzdem marktbestimmend.

Stellen Sie sich eine Kugelpyramide vor und nun will einer seine Kugel heraus ziehen, eine Kugel die so groß ist, dass die Statik der Pyramide davon abhängt. Wenn diese Kugel gezogen wird, fällt die ganze Pyramide zusammen.

Die Pyramide fällt aber nicht zusammen, weil der so "smart" war und das vorher geahnt hat. Sie fällt zusammen, weil die Kugel zu gross und wichtig war, um auf sie in der Pyramide zu verzichten.

Die großen Adressen bestimmen also wesentlich den Markt, aber nicht weil sie - von Ausnahmen abgesehen - die Zukunft besser kennen als wir, sondern ganz profan, weil sie der Markt sind!

Es ist also eine selbsterfüllende Prophezeihung, ein Markt erreicht sein Top dann, wenn die großen Adressen denken, dass er sein Top erreicht hat und deshalb zu verkaufen beginnen. Genau das haben wir diesen Oktober beobachtet, als der Markt fiel, obwohl es dafür keinen harten Anlass in den Wirtschaftsdaten gab.

Und noch schlimmer, diese großen Adressen können davon selber auch nur begrenzt profitieren, weil sie eben so groß sind, dass sie ihre Verkäufe über einen langen Zeitraum verteilen müssen, weil sie ansonsten sich durch einen zusammenbrechenden Markt selber ins Knie schiessen würden.

Genau das nennt man die Distributionsphase, genau das ist das Wirken des "Composite Operators". Und dahinter verbirgt sich kein konkreter, besonders "smarter" Mensch, sondern dahinter verbirgt sich einfach das große Volumen, das den Markt bestimmt und lange braucht, um sein Geld abzuziehen oder wieder zu investieren.

Es gibt also genau genommen gar kein "Smart Money", von Ausnahmen echten Insiderwissens abgesehen. Es ist im reflexiven Markt einfach so, dass das große Geld "der Markt ist" und wenn das verkauft, wird der Markt fallen - einen Grund braucht es dafür dann nicht, den liefern die Medien nach.

Dieses "große Geld", dieser "Composite Operator", sieht also smart aus, weil er Bewegungen auslöst, er weiss aber eigentlich gar nicht so viel, er reisst eher den Markt durch seine schiere Größe nach unten.

Deswegen sind die abstrakten Konzepte der "Markt Elefanten" und des "Composite-Operators" wichtig, weil wenn wir lernen zu erkennen, was die großen Institutionen machen, wir auch wissen wohin der Markt will. Denn die sind der Markt - mehr als wir auf jeden Fall!

Wirklich "smart" sind die aber auch nur in Ausnahmefällen, wenn sie wirklich Insiderwissen haben, ansonsten kochen die genauso mit Wasser wie wir.

Konkret gesagt, gib theoretisch einem Affen 20% der Marktkapitalisierung einer Aktie und lass ihn Stück für Stück verkaufen. Der Affe wird im Nachhinein unglaublich "smart" aussehen, weil er im Wesentlichen ab dem Hochpunkt des Kurses zu Verkaufen begonnen hat und danach ist der Markt nur noch gefallen.

Genau das ist aber die Reflexivität, das ist ein selbstreferentieller Markt. Der Affe war gar nicht "smart", er war einfach nur "gross". 😉

Ich hoffe das hilft ein wenig, diese Begriffe besser einzuordnen. Es gibt kein pauschales "Smart Money" und doch ist es für uns wichtig, seinen Bewegungen zu folgen. Ein vermeintlicher Widerspruch, den die Reflexivität auflöst.

Und die beste Methode das Verhalten des großen Geldes zu erkennen, ist auf die Preisstrukturen des Marktes zu schauen und dabei immer das Volumen im Auge zu behalten.

Ihr Hari

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Wyckoff Charting: Kurszyklen – Teil I

Heute folgt ein weiterer Artikel unseres "Pasolini", dieses Mal zum Wyckoff Charting, das zwischen den Zeilen schon oft angeklungen ist. Ich danke Pasolini und wünsche viel Spaß beim Lesen!

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Vorbemerkung Pasolini:

Ich habe mich bemüht, die spezifische Fachsprache in diesem Beitrag auf ein Minimum zu reduzieren; einige Begriff lassen sich jedoch nur schwer umgehen. Wer etwas nachlesen oder sich überhaupt mit den Grundzügen der Wyckoff Methode vertraut machen möchte, dem empfehle ich das -> Tutorial auf stockcharts.com <-.

Als appetizer ein kleiner Auszug aus der Einleitung dieses Tutoriums:

"Mr. Wyckoff saw retail investors getting fleeced repeatedly, and dedicated himself to instructing the public about “the real rules of the game” as played by the large interests, or “smart money,” behind the scenes. In the 1930s he founded a school, which later became the Stock Market Institute. The school's central offering was a course integrating the concepts that Wyckoff had learned about how to identify large operators' accumulation and distribution of stock, and how to take positions in harmony with these big players. His time-tested insights are as valid today as when they were first articulated."

Wyckoff (1873 ‒ 1934) gilt als einer der fünf "Titanen" der technischen Analyse, zusammen mit Dow, Gann, Elliott, und Merrill.

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Im Lebenszyklus von Aktien, denen das Interesse von Investoren gilt, wechseln verschiedene Phasen einander ab. In ihnen spiegeln sich die Aktivitäten des composite operator wider, dessen Kauf‒ und Verkaufsentscheidungen stark kursbeeinflussende Wirkung entfalten. Als Klassiker aus dem Hause Wyckoff tritt dabei ein 4‒Stufen‒Modell in Erscheinung, das den Aktienkursverlauf als Abfolge der Phasen Akkumulation > Markup > Distribution > Markdown beschreibt. Dieser Ablauf kann sich wiederholen.

Der Wyckoffsche Ansatz liefert dem charttechnisch ausgerichteten Anleger ein Modell, das Kursverhalten von Aktien durch eine detaillierte Analyse von Angebot und Nachfrage, die auf dem Studium von Preisverhalten, Volumen und Zeitablauf beruht, zu verstehen und künftige Bewegungen zu antizipieren. Es ist nicht das einzige Modell, aber es ist dasjenige, mit dem ich gut vertraut bin. Und das liegt daran, dass es mir über längere Zeiträume gute Dienste leistet.

Am Anfang des Zyklus steht die Akkumulationsphase, in der der composite operator einen möglichst großen Teil des auf den Markt gelangenden Angebots aufsaugt ("absorbing stocks like a sponge").

Während des vorangehenden Ausverkaufs ("selloff") wurden zwar viele Aktien abgestoßen, aber es gibt immer noch genügend Anleger, die es versäumt haben, sich rechtzeitig von ihren Beständen zu trennen, oder die in ein fallendes Messer gegriffen haben und nun feststellen, dass die Kurse zwar nicht weiter fallen, aber auch nicht wieder ‒ oder allenfalls marginal ‒ zu steigen beginnen. Je länger diese Phase der Stagnation dauert, desto stärker steigt die Verkaufsbereitschaft der verbliebenen Anleger, die für einen längeren Zeitraum keine signifikanten Kursanstiege mehr erwarten.

Und das ist der Zeitpunkt, an dem der composite operator das Spielfeld betritt. Sein Ziel ist es, möglichst viele der in dieser Zeit angebotenen Aktien aufzukaufen. Um unerwünschte vorzeitige Kurssprünge zu vermeiden, geht er dabei sehr behutsam vor und verteilt seine Käufe auf viele kleinere Einheiten/Pakete, die er über einen längeren bis langen Zeitraum (das hängt vom Umfang des Angebots ab) verteilt.

Die Dauer dieser Phase liegt daher nur selten unter einem Jahr, sie kann aber auch mehrere Jahre betragen.

Im Chart tritt sie in verschiedener Form auf, z.B. als flaches und horizontal sich ausdehnendes Rechteck, als Wellenbewegung, als im Schneckentempo/Zeitlupe sich vollziehender Anstieg, oder als Variante dieser Formationen. Nicht selten kommt es in dieser Phase zu Fehlausbrüchen nach oben und unten.

Nicht immer folgt eine Akkumulation auf einen Absturz. Sie kann auch ‒ dann in Form einer Reakkumulation ‒ nach einem schon erfolgten Kursanstieg auftreten. In diesem Falle voll-zieht sich die Aufwärtsbewegung in Etappen. Das Ende einer Etappe ist gekommen, wenn Anleger zu dem Schluss kommen, dass es an der Zeit ist, aufgelaufene Buchgewinne durch Verläufe in reale Gewinne zu verwandeln.

Im Unterschied zur Distributionsphase ist es hier nicht der composite operator, der verkauft. Im Gegenteil, dieser erkennt in dem Wert weiteres Potential und nimmt das Verkaufsangebot gerne an. Auch diese Phase kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Im Chart erscheint sie gern als Rechteck oder als sich sanft und nach unten rundender Bogen.

Was löst den Übergang von der Akkumulations‒ zur Anstiegsphase (markup) aus?

Nachdem der composite operator auf seiner ausgedehnten Shoppingtour einen großen Teil des Angebots aufgekauft hat, steht nur noch eine kleine Menge Aktien für den Handel zur Verfügung. Wenn nun neue Kaufbereitschaft entsteht, z.B. infolge einer kursbewegenden Nachricht (pivotal news), trifft eine steigende Nachfrage auf ein knappes Angebot. Und die ist nur mit höheren Preisen zu befriedigen. Damit ist der Grundstein für den Kursanstieg gelegt.

Im Chart kann der Beginn des Anstiegs häufig an Hand bestimmter Merkmale identifiziert werden. Dazu zählen eine lange weiße Kerze, ein pocket pivot als Volumensignatur (dazu muss das Volumen am Tage / in der Woche / im Monat, in dem diese Kerze generiert wird, höher sein als das Abwärtsvolumen der zurückliegenden 10 Handelstage/‒wochen/‒monate) Gern gesehen wird dabei auch die Überwindung eines gleitenden Durchschnitts, z.B. des SMA 10 oder SMA 12 im Monatschart oder des EMA 20 oder SMA 20 im Wochenchart.

Der folgende Anstieg kann sehr gleichmäßig verlaufen und mit niedriger Volatilität glänzen, er kann aber auch eine stufen‒ oder wellenförmige Struktur annehmen. Das ist dann der Fall, wenn es während der Fahrt zu einigen Zwischenhalten kommt, bei denen ein Teil der Fahrgäste (nicht jedoch der composite operator) aussteigt, während neue hinzukommen.

Die übliche Dauer dieser Phase liegt zwischen zwei und über fünf Jahren, die in dieser Zeit auflaufenden Kurszuwächse bewegen sich zwischen 100% und über 1000%.

Irgendwann endet jeder Kursanstieg, selbst der längste und schönste, und es beginnt die Phase der Distribution. Wie kommt es dazu?

Verantwortlich dafür zeichnet auch hier der composite operator, der zu dem Schluss kommt, dass es an der Zeit ist, Gewinne zu realisieren und seine Chips vom Tisch zu nehmen. Seine Motive dafür können verschiedener Natur sein, und für Kleinanleger ist es müßig, darüber zu spekulieren. Viel wichtiger ist es, wenn sie ihre Aufmerksamkeit darauf konzentrieren, die Handelsaktivitäten des composite operator im Chart aufzuspüren.

Dieser hält eine Megaposition, und es erfordert Zeit und Geduld ebenso wie großes Geschick, eine so große Anzahl von Aktien so unauffällig zu verkaufen, dass kein Abwärtstrend ausgelöst wird, bevor alle Anteile neue Abnehmer gefunden haben.

Es steht außer Frage, dass sich Verkaufsaktivitäten in diesem Umfang mit Fortschreiten der Distribution als strukturelle Veränderungen im Preisverhalten niederschlagen. Im Wyckoff-Blog auf https://stockcharts.com gibt es dazu eine -> ausführliche Darstellung "Context is King" <-, die zu referieren den Rahmen dieses Beitrages sprengen würde.

Aber auch ohne Wyckoff-Experte zu sein, stehen die Chancen nicht schlecht, Anzeichen von Distribution im Chart zu erkennen.

Es beginnt häufig damit, dass der Steigungswinkel des Anstiegs sich verändert, gut zu sehen am Verlauf eines geeigneten gleitenden Durchschnitts, also z.B. des SMA 20 / EMA 20 im Wochenchart oder des SMA 10 / SMA 12 im Monatschart.

Die Chartformationen, die sich in dieser Phase entwickeln, können verschiedene Gestalt annehmen. Verbreitet sind die vier folgenden: (1) ein Rechteck, in dem die Kurse über einen längeren Zeitraum an einer oberen (Widerstands‒)linie scheitern und von einer unteren (Unterstützungs‒)linie zurückkommen (beliebt sind hier auch Fehlausbrüche nach oben und unten), (2) eine Wellenbewegung, bei der die Wellenkämme Doppel‒ oder Mehrfachhochs markieren und die Wellentäler die unteren Umkehrpunkte, (3) ein leicht steigender oder fallender Keil, bei dem die Kurse um eine Art Mittellinie mäandrieren, und (4) ein nach oben gewölbter Bogen, der sich über einen längeren Zeitraum aufspannt.

Diese Formationen können in zahlreichen Variationen auftreten. In seltenen Fällen beginnt Distribution bereits während eines sich noch fortsetzenden Anstiegs.

Besondere Aufmerksamkeit innerhalb dieser Formationen verdient das Auftreten bestimmter Kerzen oder deren Kombinationen, z.B. das erstmalige Auftreten (z.T. nach Jahren (!) einer langen roten Kerze, das erste Erscheinen einer klassischen Kerzenumkehrformation auf einer höheren Zeitebene, d.h. im Wochen‒ oder Monatsfenster, der erste Schlusskurs signifikant unter dem bevorzugten gleitenden Durchschnitt, das Auftreten einer Folge von Kerzen mit langen oder zumindest längeren oberen Dochten.

Die beschriebenen Kerzenmuster spiegeln strukturelle Veränderungen im Preisgefüge von Aktien wider, machen also den "change of character" im Chart sichtbar.

Je mehr dieser Anzeichen auftreten und je länger die Dauer der Formation, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass wir Zeuge von Distribution werden: der composite operator verkauft und ― um mit einem Bild von Kostolany zu sprechen ― die Aktien wechseln von den starken zu den schwachen Händen.

Das Ende dieser Phase ist gekommen, wenn der composite operator alle seine Aktien ver-kauft und der Kurs keine institutionelle Unterstützung mehr hat, was sehr schnell zu einem starken Absturz (markdown) führt, da jetzt aufkommendes Verkaufsinteresse auf eine sehr schwache Nachfrage trifft.

Typische Erscheinungsformen dieser Phase im Chart sind eine große Abwärtslücke, eine sehr lange rote Kerze in einem höheren Zeitfenster, drei schwarze Krähen im Wochen‒ oder gar Monatsfenster u.ä.

Von den vier Phasen des gesamten Kurszyklus ist diese mit Abstand die kürzeste: kann die durchschnittliche Länge der drei anderen in Jahren gemessen werden, so reichen für den markdown mehrere Wochen, selten sind es mehr als zwei bis drei Monate.

Mit dem Absturz hat der Kurs einen kompletten Zyklus absolviert. Bei fundamental gesunden und weiterhin aussichtsreichen Werten kann der Kreislauf nun von neuem beginnen.

Und damit zu den Beispielen, die alle im Monatsfenster erscheinen. Als Musterbeispiel für den Eintrag in die Lehrbücher qualifiziert sich das Chart von Siltronic [WAF], denn es enthält alles, was das Herz eines Wyckoff‒Jüngers erfreut: ein markdown, das mit einem Ausverkauf (selloff) endet, und in der Folge einen vollständigen neuen Kurszyklus, in dem die vier Phasen klar voneinander abgegrenzt und damit besonders gut zu identifizieren sind.

Für Handelsentscheidungen sollte eine tiefere Zeitebene gewählt werden: schon im Wochenchart sprechen Umkehrsignale, Lage der Schlusskurse und Volumenbalken eine deutliche Sprache.

Auch im Chart von bet‒at‒home [ACX] sind die einzelnen Phasen leicht zu unterscheiden, wobei der gleitende Durchschnitt gute Dienste leistet.

Bei Infineon [IFX] wird es schon etwas schwieriger; auf die Frage, wo die Akkumulation endet und der Anstieg beginnt, gibt es keine eindeutige Antwort, und durch höhere Volatilität kommt es zu einer Reihe von Fehlausbrüchen. Dafür ist der change of character während der Distributionsphase kaum zu übersehen.

Als nächstes betrachten wir zwei bekannte deutsche Nebenwerte, die lange Zeit als sichere Häfen galten: Fielmann [FIE] und Fresenius [FRE]. Auch wenn ― wie Hari häufig betont ― Bewertung kein Timingfaktor ist, könnte man hier vermuten, dass schwaches Wachstum und hohe Bewertung auf Dauer doch nicht kompatibel sind.

Bis diese Erkenntnis im Bewusstsein einer größeren Zahl von Anlegern reift, vergeht ein längerer Zeitraum. Das könnte die besonders lange Dauer der Distributionsphase bei beiden Werten erklären. Starke Einbrüche wie bei Fielmann Ende 2016 wurden nicht als change of character und damit als Warnhinweis interpretiert, sondern als Kaufgelegenheit. Dabei zeigt die Betrachtung im Wochenchart sehr schnell, dass hier bei mehreren Versuchen in 2017 keine neuen Hochs mehr erreicht werden konnten, die mit dem ersten Einbruch verbundene Warnung also nicht ohne Grund war. Dass sie lange Zeit ignoriert wurde, ändert nichts an ihrer Berechtigung.

Bei Fresenius ist im übrigen sehr schön zu sehen, wie der SMA 12 im Monatschart, der seit 2010, also mehr als sieben Jahre, als Unterstützungslinie fungiert hatte, ab September 2017 zur Widerstandslinie wird. Auch das ist ein Beispiel für den change of character, der hier stattgefunden hat.

Dazu zeigt das Chart in nahezu idealtypischer Weise das Bild des Bogens, an dem sich die Kurse zuerst auf der Ober‒, dann auf der Unterseite solange entlang hangeln, bis die Sehne reißt.

Bei den nächsten beiden Werten ist der Ausgang der aktuell ablaufenden Phase nach meiner Einschätzung noch offen: Distribution oder Reakkumulation ― das ist hier die Frage.

Bei Carl Zeiss Meditec [AFX] ist zum ersten Mal seit fast zehn Jahren eine sehr lange rote Kerze (Kursspanne fast 20%) im Monatschart erschienen, dazu gab es 3 aufeinander folgende Monate mit sehr großen roten Volumenbalken (60% ‒ 100% über SMA 30). Allerdings war bis jetzt noch kein Schlusskurs unter dem SMA 12 zu verzeichnen.

Sollte hier Distribution stattfinden, dürfte sie bei einem nicht ganz kleinen Wert wie AFX noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wer sich für die Aktie interessiert, sollte in der nächsten Zeit Kurs und Volumen besonders gut im Auge behalten und vor allem darauf achten, ob es dem Kurs gelingt, das Hoch von Anfang September zu überwinden.

Ganz ähnlich stellt sich die Chartsituation bei Wirecard [WDI] dar.

Zu bedenken ist hier auch, dass beide Titel seit den Tiefs der Finanzkrise stark zugelegt haben, Carl Zeiss Meditec fast 1000% (IRR ca 25%), Wirecard sogar mehr als 2500% (IRR ca 43%). Da liegt die Vermutung nicht so fern, dass der composite operator angefangen hat, aufgelaufene Buchgewinne in reale Kursgewinne zu verwandeln.

Fazit

  • Chartananlyse nach der Wyckoff‒Methode stellt dem interessierten Investor ein Verfahren zur Verfügung, die Kursentwicklung von Aktien über einen kompletten Zyklus zu verfolgen und daraus seine Schlüsse zu ziehen.
  • Dass der Ansatz nicht mit allen Werten gleich gut (und bei etlichen wahrscheinlich auch gar nicht) funktioniert, spricht nicht gegen ihn. Im Gegenteil, wer sich auf die Aktien konzentriert, bei denen die Anwendung der Methode klare Erkenntnisse liefert, hat gute Chancen, den Spuren des großen Geldes zu folgen, und das befindet sich in der Regel auf der Gewinnerseite

P.S.

Natürlich funktioniert der Ansatz nicht nur bei deutschen Werten, sondern auch bei anderen, z.B. amerikanischen. Wenn Interesse besteht, kann ich die Anwendung der Methode in einem weiteren Beitrag an einer Reihe von amerikanischen Aktien demonstrieren, darunter sehr bekannten und im Blog häufig erwähnten.

Pasolini