2050: Das Ende des ÖPNV – Resistance is futile!



Heute beginne ich mit den ersten zwei Thesen im Rahmen der Artikel-Reihe, die sich um Szenarien für die Zukunft des Jahres 2050 dreht.

Ich verweise dazu ausdrücklich auf meinen einleitenden Artikel und meine damit verbundenen Wünsche an die Diskussionskultur:
-> Die Welt im Jahre 2050 - eine Artikelreihe <-

Beide Szenarien kennen Sie auch von anderen Äusserungen meinerseits im Forum, weswegen ich heute auch gleich zwei Themen abhandele. In zukünftigen Artikeln der Reihe, geht es dann immer nur um ein Thema.

Szenario 1: Im Jahr 2050 wird es keinen öffentlichen Personennahverkehr mehr geben.

Zunächst einmal ist als fast sicher zu betrachten, dass es in 30 Jahren ein 100% vollautonomes Fahren (und vielleicht sogar Fliegen) geben wird. Daran besteht wenig Zweifel, die Technologie gibt das locker her.

Vielleicht wird es dann in Deutschland immer noch nicht so weit sein, in anderen Ländern mit anderen Voraussetzungen aber schon. Schauen Sie mal, wie hier in Singapur nun -> elektrische Flugtaxis Thema werden <-, auch beim autonomen Fahren wird es in so Staaten wg guter Infrastruktur schon lange möglich sein, während wir noch darüber Studien mit "Folgeabschätzungen" finanzieren oder die Umsetzbarkeit generell in Frage stellen.

Beurteilen wir die Frage des vollautonomen Fahrens also nicht aus dem Blickwinkel alter deutscher Nebensträßchen ohne definierten Straßenrand in Hintertupfingen. Auch dahin wird es kommen, nur halt viel später als wo Straßen mit dem Lineal geplant und neu angelegt werden und schon heute überall perfekte Mobile-Verbindung existiert.

Vollautonom heisst, dass es keine Lenkräder und Steuerknüppel mehr gibt, ausser vielleicht als theoretische Notfallsysteme. Man steigt ein, nennt das Ziel und wird hintransportiert. Fertig.

Bei vollautonomen Fahrzeugen und einer etablierten Technologie, wird die Unfallrate - von schweren Systemfehlern abgesehen - gegen Null tendieren. Das verringert massiv den notwendigen Karrosserieaufbau, die keine Crashtests mehr bestehen müssen und macht die Fahrzeuge leichter und einfacher.

Das Antriebssystem wird definitiv vollelektrisch sein, nur das Speichermedium der Energie ist unklar. Es wird aber definitiv um Faktoren kleiner sein, als heutige Batteriesysteme. Auch das macht die Fahrzeuge leichter und einfacher.

Energie wird günstig und ausreichend vorhanden und kein begrenzender Faktor sein, siehe eine andere These die später kommt. Das macht die Fahrten billig.

Die Steuerungssysteme sind standardisiert, wie bei "Windows" wird sich ein dominantes Steuerungssystem durchsetzen. Das macht die Fahrzeuge billiger und einfacher zu handhaben.

In Summe, werden autonome Fahrzeuge des Jahres 2050 äusserlich und technisch standardisiert, vergleichsweise bilig und leicht sein. "Kabinenroller" unterschiedlicher Größe sozusagen.

Wenn Menschen die Fahrzeuge nicht mehr fahren, spielen auch die Fahrcharakteristika, Leistung etc keine Rolle mehr. Die Distinktion wird im Innenraum stattfinden, wer kein Geld hat, fährt halt im "Standardroller", die anderen im Ledersessel mit Massagefunktion und Anschluss für die VR Brille. Und der Dritte baut sein Fahrzeug zu seinem mobilen Lebensraum aus, wie ich das schon mehrfach skizziert habe.

Diese Fahrzeuge werden so billig in der Fertigung sein und der Vorteil von Haustür zu Haustür gefahren zu werden so überzeugend, dass das Geschäftsmodell zentraler Transportsysteme - auch ÖPV genannt - die die Menschen zusammenpacken, im kurzen und mittleren Entfernungsbereich völlig zusammenbrechen wird. Nur im Bereich der Langstrecke, wird es diese Systeme wie beim Interkontinentalflug noch geben.

Wer so wenig Geld hat, dass er sich auch keinen eigenen "Standard-Kabinenroller" leisten kann, oder keinen eigenen will, greift dann halt auf Sharing-Dienstleister zurück. Deren Fahrzeuge surren dann vor die Haustür und öffnen einladend die Türen.

Das Parkproblem existiert in den Städten auch nicht, das lässt sich bei vollautonomen Fahrzeugen platzsparend unterirdisch in "automatischen Waben" lösen. Ein vollautomatisches Fahrzeug muss eben *nicht* mehr in der Nähe des Menschen parken, es muss nur jederzeit zügig zum ihm kommen können. Geladen werden kann durch Induktion oder was auch immer die Technologie in 30 Jahren hervorbringt.

Die Zeiten zugeparkter Straßen in den Städten, sind dann vorbei, autonome Fahrzeuge können brav im Untergrund warten, bis sie wirklich benötigt werden. Stillgelegte U-Bahn-Strecken, sind dazu in den Großstädten die ideale Basis, aus der die "Parkwaben" hervor gehen können.

Was wir gesellschaftlich brauchen, ist also kein Ausbau der Bahn, das Schiene-Rad-System ist wegen seiner unflexiblen Streckenführung und den uneffektiven Knotenpunkten, die zu langen Anfahrten zwingen, schon bald überholt. Der einzige Vorteil ist heute, dass man in der Bahn nicht selber fahren muss - ein großer Vorteil an zeitlicher Freiheit, der mich auf mittleren Strecken derzeit noch Bahn fahren lässt.

Dieser Vorteil verschwindet mit vollautonomen Fahrzeugen völlig. Es gíbt schlicht keinen Grund mehr, zeitfressend zu einem zentralen Bahnhof zu fahren und sich dann mit Menschenmassen in Beförderungsmittel zu zwängen. Die großen Städte gewinnen mit der Auflösung der zentralen Gleisanlagen riesige, hoch attraktive Arreale zur Stadtentwicklung. Bei rein elektrischem Antrieb und klimaneutraler Energieerzeugung, verschwindet auch das Umweltargument der Bahn im Nirwana.

Wir brauchen also einen Push bei Netzabdeckung und Signal-Qualität, bei der Standardisierung der Straßen und bei Leitsystemen. Die Bahn ist "tot", sie weiss es nur noch nicht.

Das wird in Deutschland aber als Letztes passieren, aber es wird woanders in der Welt passieren und so überzeugend sein, dass es sich bis 2050 durchgesetzt hat.

Szenario 2: Cyborgs sind 2050 die Norm

Die IT Technik schreitet mit exponentieller Geschwindigkeit voran, gleichzeitig wachsen "Life Sciences" und das Bedürfnis, sich selber zu verbessern.

Schon bald werden Sensoren und Chips nur noch so marginale Grössen haben und so wenig Strom verbrauchen, dass sie problemlos und unsichtbar implantiert werden können, um diverse Funktionen zu erfüllen.

Das können rein medizinsche Funktionen sein, sozusagen wie eine Medikamentendosierung oder ein mikroskopischer Herzschrittmacher. Medizinische Anwendungen werden aber nur eine kleine Untermenge sein.

Schon bald wird aber auch die Verbesserung von Körper- und Geistesfunktionen ein Thema der Forschung sein, weil damit riesige Gewinne winken. Muskeln stimulieren, Übersetzungschips im Ohr, das Gehirn anregen, Körperprozesse verbessern oder verlängern, der Phantasie und dem Wunsch einen Vorteil zu erlangen, sind kaum Grenzen gesetzt. Die Forschung in dem Bereich wird explodieren, weil dahinter ein massiver Bedarf steckt.

Getrieben wird der Bedarf auch durch den massiven Aufstieg von Unterhaltungssystemen, in denen Menschen in virtuellen Welten unterwegs sind. Wofür man heute noch eine Brille aufsetzt, wird dann durch den Anschluss einer bionischen Schnittstelle an zentrale Unterhaltungssysteme viel effizienter möglich sein und das Thema weiter pushen, weil die Menschen es haben wollen. Die Pornoindustrie wird dabei ganz vorne dabei sein.

Niemand wird deswegen wie ein "Borg" aussehen, dazu sind diese Implantate des Jahres 2050 viel zu klein. Von einer kleinen Schar Puristen abgesehen - so wie heute die Amish-People - wird die Mehrheit nach anfänglichem Zögern diese Implantate aber annehmen, so wie heute Brillen normal sind. Und diese Implantate sind nicht zu sehen.

Aber wenn andere beispielsweise ihre Konzentrationsfähigkeit erheblich anheben können, dann braucht man das auch, um selber nicht zurück zu bleiben. Wer will zB nicht das Gesichtsfeld erheblich verbessert haben?

Klar, heute sagt man leichthin "das brauche ich nicht". Das hat man anfangs aber auch zu Handy, Notebook und vielem anderen gesagt. Warten wir aber mal ab, wenn die Menschen den Vorteil erlebt haben.

So werden Menschen des Jahres 2050 auf die eine oder andere Art und Weise durch Implantate "verbessert" sein, ansehen wird man es Ihnen aber nicht. Mit den heutigen Vorstellungen von Cyborgs, wird das also nichts zu tun haben, Menschen werden aber faktisch welche sein.

Ein riesiges Geschäft wird um das Thema der Verbesserung der Körper- und Sinnesfunktionen entstehen, einerseits medizinisch motiviert und andererseits darüber hinaus, mit dem Ziel einen Vorteil zu erlangen oder sich medial zu unterhalten.

Steve Jobs hat mal gesagt, dass er glaube, dass die größten Innovationen des 21. Jahrhunderts an der Schnittstelle von Biologie und Technologie entstehen werden. Und das eine neue Ära beginnt. Ich glaube dass er recht hat.

Das Geschäft wird von neuen Firmen oder neuen Ablegern alter Firmen wie Apple gemacht werden, die eine Form von "biologischen Chips" entwickeln, also die Synthese von heutigen Chips und Biofunktionen.

Eine Apple Watch mit der Überwachung der Herzfrequenz, ist von diesem Trend der erste ganz klitzekleine, klobige Anfang. Glaubt jemand ernsthaft, dass man zur Überwachung dieser Körperfunktionen in 30 Jahren noch Uhren braucht? Nein, mikroskopisch kleine Implantate werden genügen.

Und es wird nicht nur "überwacht", sondern auch massiv "verbessert" und mit elektronischen Systemen "verbunden" werden. Ein Multi-Billionen-Markt - nicht Milliarden, Billionen.

Und falls Sie denken, dass ich hier "spinne", behaupte ich, dass ich wahrscheinlich zum Thema noch zu defensiv bin, wenn man 30 Jahre als Zeitraum nimmt. Schauen Sie mal, -> was Facebook hier gekauft hat <-.

Die Verschmelzung von Mensch und Maschine, hat schon begonnen. Nach einer Hype-Phase, die bald beginnen könnte, werden erst einmal die Mühen der Ebene kommen und alles nicht so schnell gehen, wie erhofft. Aber in 30 Jahren? Da ist wohl das Plateau der Produktivität erreicht.

Was die Verbindung des Gehirns mit Computern angeht, bin ich auch im Zeitraum 30 Jahre immer noch eher skeptisch. Was sonstige Verbesserungen von Körperfunktionen angeht, aber nicht.

Ihr Hari

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Apple – One more thing! Warum Garmin und Co. nun ein Problem haben.

Der folgende Beitrag erschien in Hari Live schon am späten Abend des Dienstag 09.09.14 22:20, also direkt nach dem Apple Event.

Er zeigt beispielhaft auf, wie im Premium-Bereich Themen sehr persönlich und aktuell kommentiert werden. Der Beitrag hat aber auch heute - zwei Tage später - noch Aktualität, weil er aufzeigt, dass das ganze Marktsegment der Fitness-Devices rund um Garmin und Co. nun in ein potentielles Problem hinein läuft.

Tim Cook hat geliefert und zum ersten Mal seit dem Tod von Steve Jobs, gingen ihm die berühmten Worte "one more thing" unter dem Jubel der Apple-Gläubigen über die Lippen.

Morgen werden die Blogs und Medien zu Apple voll sein mit dürren, nacherzählenden Berichten und Analysen ohne originäre Gedanken, bringt ja auch immens Klickzahlen. Grund für mich, das schon heute Abend zu machen und ohne Klickzahlen - nur für Sie. 😉

Im Apple Event kam alles so, wie es der Markt in Mehrheit schon erwartet hatte, die beiden iPhones, das iPhone als Geldbörse und die Apple Watch!

Da das wie erwartet war, hat auch der Markt letztlich keine grossen Bewegung gezeigt, obwohl der Intraday-Hub gewaltige 7% erreichte. Aber wir konnten hier mal wieder erleben, welchen sensationellen Job der Markt macht, um im Vorfeld so eines breit erwarteten Events alles Notwendige einzupreisen.

Selbst die absehbare Sell-the-News Reaktion wurde schon im Vorfeld verarbeitet, denn das war der Einbruch vom 03.09., der überzogene Erwartungen im Vorfeld wieder normalisierte. Und so hat es sich für uns mal wieder gelohnt, nicht davon auszugehen, dass wir klüger als der Markt sind, sondern davon auszugehen, dass der die Nachrichtenlage so gut verarbeitet, wie wir es nie könnten.

Einen Edge im Zusammenhang mit Nachrichten können wir durch Markttechnik generieren, wenn der Markt überraschende Ereignisse verarbeiten muss, dann neigt er zu Übertreibungen. Oder bei weniger beachteten Aktien, ETFs und Sektoren, wo nicht jeder Hinz und Kunz auf die Chartstrukturen schaut. Aber bei Apple und einem lange vorbereiteten Event, ist ein Edge für uns als Individuen gegenüber Mr. Market halt sehr unwahrscheinlich - dafür sorgt die Reflexivität. Und wenn man so will, ist diese Erkenntnis genau doch wieder ein Edge, nämlich gegenüber denen, die mit Raten und Spekulieren ihre Energie verbrauchen und dafür dann nicht präsent sind, wenn es wirklich darauf ankommt, weil Mr. Market sehenden Augen seine Karten aufdeckt.

Total spannend war für mich aber die Intraday Bewegung, die ein wunderbares Schauspiel von Antizipation und Gier war. Und ein perfekter "Sell the News" Event war Intraday auch rund um das Announcement der Apple Watch zu bewundern. Schauen Sie selber im kurzfristigen Minutenchart:

Apple 09.09.14 2

Erst war da die Angst, dass da nichts kommen würde. Dann legt Cook gleich am Anfang mit den iPhones los und da war dem Markt sofort klar, dass da noch mehr kommen muss, denn sonst würde Cook sein Pulver nicht sofort verschiessen. Und so setzte sich ein "Buy the Rumor" Trade in Bewegung, der Apple bis 103 USD bis fast zu historischen Höchstständen brachte.

Dann kam das Announcement und der klassische "Sell the News" Event setzte ein. Denn zum "grossen Erstaunen" des Marktes ;), kann die Apple Watch nicht teleportieren, keine Laserstrahlen aussenden und interagiert auch nicht mit Biochips im Körper - wobei ernsthaft, das Letztere dürfte früher oder später kommen, unser Leben als "Cyborgs" dürfte langfristig nicht aufzuhalten sein. Zu gross sind die Vorteile und auch wenn die aktuelle Generation da Berührungsängste hat, wird die folgende Generation das wahrscheinlich alles viel selbstverständlicher nehmen. Und nein, wir werden dabei nicht wie Borg aussehen, sondern die Industrie wird Wege finden, dass die Implantate als "cool" und "hip" wahrgenommen werden.

Aber zurück zu Apple heute. Der heutige Kursverlauf ist eher irrelevant, ausser dass er im Positiven bestätigt, dass die gefundene Bewertung des Marktes im Wesentlichen gerechtfertigt ist.

Erst ab Morgen werden die Marktelefanten bei Apple richtig in den Ring steigen und ich denke, dass langfristig die Tendenz weiter hoch ist. Ob morgen vielleicht doch noch leichte Schwäche kommt oder nicht, kann ich Ihnen nicht sagen und ist mittelfristig auch irrelevant.

Übrigens denke ich auch, dass die Apple Watch ein Erfolg wird. Je nachdem welches Bild man sieht, wirkt sie mal so und mal so, mal klobig und mal elegant. Aber genau das wird auch ihr Erfolg sein, die massive Wandelbarkeit und Konfigurierbarkeit, auch von den Farben her. Und Geschmack ist halt sehr individuell, ich persönlich finde eine ganze Reihe der übergrossen, überkomplizierten mechanischen Uhren, für die vermögende Menschen derzeit zehntausende von Dollars oder Franken ausgeben, einfach nur protzig/peinlich. Andere finden die stilvoll und toll. Beide Haltungen sind legitim. Über Geschmack lässt sich halt nicht streiten, weil es keinen objektiven Massstab dafür gibt.

Die starke Fokussierung der Apple Watch auf Gesundheits und Fitness Daten wird wohl einschlagen. Bisher ist der Markt weitgehend von Einzellösungen von Spezialisten wie beispielsweise Garmin geprägt, die eine Apple mittelfristig vom Markt drängen dürfte, denn ein Smartphone System mit unzähligen Apps unabhängiger Entwickler ist weit flexibler als alles, was die Spezialisten je programmieren können. Garmin ist heute, beispielhaft für den Sektor, übrigens um über 3% im Minus und schauen Sie mal auf das Chart, seit sich die Gerüchte um die Apple Watch konkretisieren. Aua, das sieht nicht schön aus :

garmin 09.09.14

Übrigens funktioniert auch das neue Apple Pay mit der "Uhr", sprich man kann bezahlen, in dem man die Uhr an die Kasse hält. Auch das wird ein Grund für Akzeptanz sein. Das Ding wird wohl ein Erfolg, davon gehe ich aus.

In Summe hat Apple geliefert und man kann von weiter steigenden Absatzzahlen ausgehen. Der Einstieg in die Wearables ist gemacht und das ist langfristig bedeutend, auch wenn kurzfristig bei der Apple Watch noch einige Fragen offen sind und sicher auch noch Verbesserungsmöglichkeiten bestehen.

Grund für mich, wie schon heute in der Vorbesprechung zum Event angekündigt, ab morgen in jede weitere Schwäche hinein zu akkumulieren und meine derzeitige Basisposition Zug um Zug über die kommenden Tage hinweg wieder auf Zielgrösse zu bringen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht!

Ihr Hari

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Charts des Sommers – US Biotechnologie – Von einer anderen Welt

Heute werfen wir bei den Charts des Sommers einen Blick auf das US Biotechnologie Segment. Während hier in Deutschland die viel zu kleinen und eher unterkapitalisierten Unternehmen eher vor sich hin krebsen, wurde in den US der grosse Kursturbo gezündet, angeführt von Schwergewichten wie Gilead Sciences (WKN 885823).

Ich zeige Ihnen die Entwicklung des Sektors anhand des US ETFs IBB. "The Sky is (not) the Limit" kann man da nur sagen:

IBB 16.07.13

Auch diese Entwicklung ist an den meisten deutschen Anlegern vorbei gegangen, die sich in der Zeit lieber mit der Commerzbank-Aktie und anderen "Fallen Angels" mit ihren vergangenen Geschäftsmodellen vergnügt haben.

Dabei existiert da direkt vor unserer Nase ein neuer langfristiger Bullenmarkt, der das Potential hat "der" Bullenmarkt des 21. Jahrhunderts zu werden. Denn die Fortschritte die im Bereich Biotech gemacht werden, sind teilweise beeindruckend und ich versteige mich hier sogar zu der Vermutung, dass ich zu der letzten Generation der Menschheit gehöre, die noch regulär im normalen hohen Alter sterben wird.

Wer es sich leisten kann, wird vielleicht schon in wenigen Jahrzehnten weitgehend gesund ein dreistelliges Alter erreichen können. Und das wird die Welt umkrempeln. Es wird neue Chancen und neue Risiken generieren. Es werden daraus grosse Vorteile und grosse Nachteile erwachsen. Die Logik des alten "Erwerbslebens" wird in Folge nicht mehr funktionieren. Und es wird deswegen soziale Verwerfungen geben und möglicherweise auch bewaffnete Konflikte um den Zugang zu lebensverlängernden Methoden. Das Zeitalter des technologisch "verbesserten" Menschen steht auf jeden Fall kurz bevor. Und auch wenn es mit Sicherheit eine grosse, emotionale Ablehnungsfront dagegen geben wird - jeder denkt dann direkt an Frankenstein - werden sich die Vorteile, die das Individuum daraus generiert, letztlich durchsetzen.

Ist das eine "schöne" oder "bessere" Welt als heute ? Nein, nicht notwendigerweise, weder das eine noch das andere, einfach eine "andere". So war es mit dem Fortschritt schon immer. Ich kenne das Frösteln, das viele zB bei dem Gedanken an "Human Enhancement" empfinden und ich kann das gut nachempfinden, auch ich habe da ein komisches Gefühl und denke direkt an StarTrek und Khan Noonien Singh. Aber dieses Frösteln und die Angst vor einer anderen Welt als der, die man selber versteht, haben die Menschen ebenso empfunden als das "Feuerross" durch die Prärie fuhr, wie es heute auch ältere Menschen empfinden, die in der Welt der Apps und Gadgets nicht mehr zurecht kommen. Und auch heute gilt, die heutige Welt ist nicht notwendigerweise besser als die unserer Grosseltern, sie ist aber auch nicht perse schlechter, sie ist anders. Die moralische Integrität der handelnden Menschen ist sowieso der weit wichtigere Faktor für eine lebenswerte Welt, als die Frage mit welcher Technologie sie das tun.

Und mitten drin in dieser Entwicklung stehen auf der einen Seite die Biotech Firmen. Und auf der anderen Seite die Unternehmen, die im Sinne Cyborg, elektronische Tools mit dem menschlichen Körper verbinden. Auch diese Entwicklung ist schon im Gange und gerade in der jungen Generation gibt es vielfach eher wenig Ablehnung beim Gedanken an nützliche Implantante, es hat sich sogar schon so etwas wie eine Ästhetik für diese Art "verbesserter" Menschen entwickelt.

Aber wie auch immer man dazu steht - ich gehöre mit meiner vorsichtig, skeptischen Offenheit da sicher eher zu einer Minderheit, der Konsens gerade in Deutschland dürfte totale Ablehnung sein - diese Entwicklung wird in meinen Augen mit hoher Sicherheit einer der bedeutendsten Trends des laufenden Jahrhunderts werden. Am Ende wird wohl eine andere gesellschaftliche Definition von "Mensch" stehen, als wir sie heute haben. Und die Biotech Industrie wird auch ihren Anteil an dieser Entwicklung haben und dabei jede Menge Geld verdienen.

Jetzt ist das eher noch Zukunftsmusik und die heutige Biotech-Industrie kann man eher noch als klassische "Arzneimittel-Industrie" beschreiben. Ich wollte mit den obigen Gedanken auch nur klar machen, welche massiven, lang laufenden Trends hinter diesem Thema stehen. Ein Thema, dem sich die Menschheit so oder so in diesem Jahrhundert wird stellen müssen.

Wer aber heute in einem langfristigen Bullenmarkt sein will, in dem es noch primär um die Heilung von Krankheiten geht und der insofern moralisch unbedenklich ist, kommt um den Biotech-Sektor einfach nicht herum. Natürlich wird es immer wieder scharfe Korrekturen geben, vielleicht schon morgen. Und ob heute der ideale Zeitpunkt ist um in den Markt einzusteigen, darf nach diesem Anstieg bezweifelt werden. Aber irgendwann sollte man wohl den Einstieg finden.

Da es in Deutschland (noch) keine spezialisierten ETFs gibt, erscheint mir dabei die Aktie von BB Biotech (WKN: A0NFN3) noch die sinnvollste Alternative, letztlich handelt es sich bei der Aktie vom Charakter her um einen von Branchenspezialisten aktiv gemanagten Fond.

Wert beobachtet zu werden ist dieser Sektor aber allemal. Da spielt die Zukunft und wir hier im Premium-Bereich von Mr-Market, werden uns dem Thema regelmässig widmen.

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Hari´s Märkte am Abend – 30.03.12 – Wochenabschluss – Resistance is futile

22 Uhr - Handelsschluss

So geht im DAX das beste erste Quartal seit über 10 Jahren nun mit 18% Plus zu Ende.

Eigentlich war ich ja recht optimistisch, dass wir das Quartal im DAX noch über 7000 abschliessen. Die Gelegenheit war auch da und der S&P500 hat mit 1408 nicht nur über der 1400er Marke, sondern sogar weniger als 1% von den 2012er Höchstständen entfernt geschlossen.

"Eigentlich" hätte der DAX da heute locker die 7000er Marke schaffen können und mehr. Es sollte aber nicht sein und die relative Schwäche des DAX ist mal wieder augenfällig. Bei identischem Stand des S&P500 waren wir vor kurzem im DAX noch 200 Punkte höher bei über 7100.

Ob hier schon wieder Sorgen um die Eurozone zuschlagen, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, die Vermutung ist aber sehr naheliegend und 200 Punkte relativer Verlust in wenigen Tagen sind schon bemerkenswert. Sollte sich das Anfang April fortsetzen, wäre das wohl ein Signal, dass man in Anbetracht der Frankreich-Wahl und diverser anderer Sorgen rund um Spanien, zunächst einmal seinen Blick vom DAX weg über den grossen Teich richten sollte, wie ja schon im Herbst letzten Jahres.

Trotzdem sehe ich gute Chancen für einen "First of Month Jumper" am Montag und danach wird es richtig spannend wohin der Markt läuft.

Die letzten Tage habe ich ja ausgiebig zur allgemeinen Marktlage geschrieben und mit dem gestrigen Beitrag -> hier <- meine Erwartungen an den April auch auf den Punkt gebracht. Dem habe ich heute nichts hinzu zu fügen. Warten wir demütig ab, womit uns Mr. Market "beglückt".

Zum Abschluss des Quartals möchte ich deshalb heute mal etwas anderes machen, als lange über den Gesamtmarkt zu reden. Ich möchte Ihnen eine Liste von 5 hier schon besprochenen Ideen, für das 2. Quartal 2012 erneut in Erinnerung rufen. Ich werde diese Ideen jeweils nur mit einem Chart und ganz wenigen Zeilen präsentieren, die Logik dahinter müssen Sie selber finden und sich eine eigene Meinung bilden. Für alle diese Aktien gilt aber: Ich habe sie entweder schon im Depot oder habe vor, das bei nächster Kurs-Gelegenheit zu tun.

Cameco (WKN 882017)

Sie erinnern sich an meinen Artikel -> hier <- vom 16 Januar zu Cameco und Uran, als Cameco noch bei 20 USD notierte ? Alle damals getroffenen Aussagen sind in meinen Augen nach wie vor gültig. Cameco steht kurz davor seine SKS Formation abzuarbeiten und hat im Zuge der allgemeinen Schwäche der Rohstoffe gut abgegeben. Ein Rückgang bis zum GAP vom Januar ist wohl noch möglich, dann sehe ich durchaus Chancen, dass der Kurs oberhalb 20 USD wieder dreht und in der nächsten Bewegung dann die 26 USD hinter sich lässt.

Suncor Energy (WKN A0NJU2)

Hier schon mehrfach im Zusammenhang mit dem Iran-Risiko erwähnt, stellt der kanadische Förderer von Öl aus Ölsanden eine in meinen Augen interessante Möglichkeit dar, auf den Ölpreis zu wetten, ohne dabei Risiken wie Nahost oder defekte Tiefseequellen ala BP, Total im Depot zu haben. Die Förderung von Ölsanden ist zwar ökologisch umstritten, weil sie wie der Braunkohle-Tagebau temporär ganze Landstriche zu Mondlandschaften macht, aber das Risiko, das ein kleines Ventil gleich 10 Milliarden Kosten verursacht, dürfte hier nicht in dem Masse vorhanden sein. Und nachdem die Natur wieder nachgewachsen ist, haben auch die Braunkohlelandschaften ja durchaus ihren Reiz. Auch Suncor hat nun mit dem ganzen Sektor abgegeben und könnte möglicherweise bald zum nächsten Schub im Aufwärtstrend ansetzen, der im Herbst letzten Jahres begann.

Krones (WKN 633500)

Der grundsolide Maschinenbauer Krones musste fast seine gesamten 2012er Gewinne wieder abgeben, weil ein Rechtsstreit aus der Vergangenheit und Einmaleffekte auf die Zahlen drückten. Gleichzeitig haben wir aber eine ausgezeichnete Marktposition, einen positiven Ausblick des Managements und die Ankündigung deutlich gesteigerter Ertragskraft. Weiterhin hatten wir vor kurzem einen signifikanten Insiderkauf über rund 380.000€. Ich persönlich sehe bei Krones aktuell nur noch wenig Risiko nach unten, da viele negative Erwartungen eingepreist sind, dafür aber einige Chancen nach oben.

DIC Asset (WKN 509840)

Auch schon im Februar hier besprochen, steigt dieser Spezialist für Gewerbeimmobilien immer weiter. Mein Kursziel bleibt 9€ und wenn man bedenkt, dass der Titel immer noch nur bei ca. 50% des Net Asset Value (Buchwert der Immobilien) notiert, sind 9€ auch gut vorstellbar. DIC Asset litt lange unter Fragezeichen zur Finanzierung und der Vermietungssituation des grossen Projektes "Maintor". Nun lichtet sich der Nebel scheinbar, weswegen gute Chancen bestehen die Lücke zum NAV zu verkleinern. Die allgemein gute Lage auf dem deutschen Immobilienmarkt und bei der Konjunktur, schadet der Aktie sicher auch nicht. Bei so einem kleinen Wert würde ich aber immer mit Stops operieren, das Tief vom 23.03.12 bei ca. 6,6€ bietet sich dafür an.

K+S (WKN KSAG88)

Eine Aktie die ja nun wirklich kein Geheimtip ist, aber ich muss es einfach noch einmal sagen: Ich bin bei K+S davon überzeugt, dass Kurse unter 40€ langfristige Kaufkurse sind. K+S ist höchst solide, gut finanziert, wächst jedes Jahr und hat Übernahmephantasie als I-Tüpfelchen. In meinem Investment-Depot ist die Aktie eine der grössten Langzeitpositionen, die ich ganz gelassen laufen lasse.

Zum Abschluss noch ein Lesetip. Wenn man frühzeitig neue Entwicklungen antizipieren will und damit an der Börse Geld verdienen, kann es nicht schaden diese zu erkennen, bevor es die breite Masse tut und Artikel in den bekannten Anleger-Postillen erscheinen. Und dazu sollte man auch mal über die Gegenwart hinaus, die Gedanken in die Zukunft streifen lassen. Ein guter Ideengeber über den täglichen Tellerrand hinaus, inklusive Stoff zum Nachdenken, ist dabei für mich die "Telepolis" aus dem Heise Verlag.

Und nun kommt ein neues Sonderheft zu dem sehr spannenden Thema "Human Enhancement" oder kurz "Cyborg" auf den Markt, dass Sie sich -> hier <- anschauen und bestellen können. Auch ich glaube, dass "Human Enhancement" das Potential hat das "nächste grosse Ding" nach der IT-Revolution zu werden - und damit auch an der Börse neue Weltkonzerne hervor zu bringen, deren Namen wir heute noch gar nicht kennen. Genau so wenig wie wir 1980 Apple, Microsoft oder Google kannten. Schon alleine deshalb kann es nicht schaden, den Blick für eine mögliche Zukunft frühzeitig zu schärfen.

Und nein, ich bekomme kein Geld von Heise und stehe auch ansonsten in keiner Beziehung zum Verlag, die wissen noch nicht einmal von meiner Empfehlung hier. Für mich persönlich waren vergangene Telepolis Sonderhefte aber immer wieder spannend zu lesen und hatten auch den einen oder anderen Augenöffner. Deshalb werde ich auch dieses sofort bestellen und mit Spannung lesen.

In diesem Sinne: We are the Borg - Resistance is futile ! 😉

Ich wünsche Ihnen (trotzdem) ein guten Schlaf und ein schönes Wochenende !

Ihr Hari