DAX Future Flash Crash

06.02.14 15:15 Uhr

Wenige Minuten nach dem Ereignis, heute um 13.50 Uhr, habe ich meinen Lesern im Premium-Bereich das folgende Chart gepostet:

Flash Crash 06.02.14

Lange war ich im Zweifel, ob der DAX Future wirklich einen Flash-Crash hatte, oder nur meine Datenversorgung einer Anomalie unterlag.

Nun endlich, kommt nach über einer Stunde über einen Artikel des Wall Street Journals die Bestätigung:
-> Flash Crash am deutschen Aktienmarkt <-.
Meine Datenversorgung war also intakt und der Flash Crash real.

Das bei so einer Bewegung der Computerhandel eine zentrale Rolle spielt, ist nach meiner Ansicht ziemlich sicher. Der beliebte "Fat Finger" als Begründung genügt mir dabei nicht.

Wie mir überhaupt die im obigen Artikel zitierte Reaktion der Deutschen Börse zu nonchalant am wirklichen Problem vorbei geht. Unzählige Anleger, egal ob privat oder institutionell, sitzen nun auf ungerechtfertigten Verlusten, weil Stops und Barrieren gezogen wurden. Gleichzeitig sehe ich aber an den diversen Derivaten, das die Volatilität nicht nach oben angepasst wurde. So, als ob nichts gewesen wäre.

Das eine passt aber nach meiner Ansicht nicht zum anderen. Entweder war das ein normaler Marktverlauf, dann müsste sich so ein Swing auf die Volatilität auswirken. Oder es war eben eine Anomalie und danach sieht es für mich aus. Dann hat mir die Deutsche Börse aber mehr zu erklären, als ich bisher lesen kann.

Klar ist auf jeden Fall, dass ohne den Computerhandel so etwas nicht möglich wäre. Einem Computerhandel, von dem auch die Deutsche Börse profitiert. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen fast 1,5 Jahre alten Artikel zur -> Co-Location <-

Eine Stopkaskade, wie in dem Artikel des WSJ gemutmasst wird, ist immer möglich und ist auch völlig normales Marktverhalten. Nur kommt dann der Kurs nicht sofort wieder wie ein Strich auf das Ausgangsniveau zurück. Das passt als Begründung nach meiner Ansicht eher nicht zusammen und die Deutsche Börse schuldet uns in meinen Augen eine bessere Erklärung, als diese paar dürren Worte, die ich bisher finden kann.

Laut -> Reuters <- wird schon eingeräumt, dass Anträge auf "Misstrades" vorliegen. Insofern ist das Thema ganz bestimmt noch nicht abgeschlossen.

Insofern hoffe ich, dass Deutsche Börse und die Börsenaufsicht, hier bald mehr Licht ins Dunkel bringen. Und vor allem auch Konsequenzen daraus ziehen !

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Hochfrequenzhandel (HFT) – Deutsche Börse – Die Co-Location muss weg !

Heute möchte ich die Regulierung des Hochfrequenzhandels (High Frequency Trading HFT) noch einmal zum Thema eines persönlichen Kommentars machen.

Regelmässige Leser von Mr-Market.de wissen, dass ich schon mehrfach gegen HFT gewettert habe, weil in meinen Augen durch die Börsen das faire Spielfeld (level playing field) kaputt gemacht wird, auf dem jeder freie Markt zwingend basiert.

Damit es keine Missverständnisse gibt, muss ich auch noch einmal darauf hinweisen, dass HFT und Algos zwei völlig verschiedene Dinge sind. Ein Algorithmus (Algo) ist nichts weiter als eine programmierte Logik, mit der Computer kaufen und verkaufen, letztlich nicht anders als es auch Menschen könnten, wenn diese dafür genügend Disziplin hätten und so schnell rechnen könnten.

Solange Algos genau den gleichen Marktzugang haben wie Menschen, ist dagegen absolut nichts einzuwenden. Wenn jemand so smart ist, besonders kluge Algorithmen zu schreiben, soll er auch den Vorteil daraus einstreichen. Niemand hindert mich ja daran, selber einen Algorithmus zu schreiben, der für mich tradet. Würde man das anders sehen, könnte man auch gleich Intelligenztests für Menschen per Regulierung befehlen und den Intelligentesten unter uns den Marktzugang verbieten, weil diese ja auch einen Wettbewerbsvorteil haben.

HFT dagegen ist von ganz anderem Kaliber. HFT lebt von der Schnelligkeit und die ist wiederum nur durch die Co-Location möglich. Und HFT handelt gar nicht fair, sondern stellt millionenfache "Fake-Orders" in den Markt, die dazu dienen den Markt zu sondieren und aufgrund des Geschwindigkeitsvorteils wieder aus dem Markt genommen werden können, wenn ein Dritter ernsthaft darauf agieren will. HFT aber könnte ohne Co-Location gar nicht existieren. Und damit kommen wir zum wahren Übeltäter.

Denn Co-Location bedeutet, dass die Börsen wie zum Beispiel auch die Deutsche Börse, gegen (teures) Entgeld Server-Plätze direkt neben ihren Zentralrechnern vermieten. Damit gewähren sie bestimmten Marktteilnehmern einen Geschwindigkeitsvorteil, gegen den alle anderen keine Chance haben. Denn auch bei Ausbreitung der Signale mit Lichtgeschwindigkeit haben Kabellängen eine Bedeutung. Wer es nicht glaubt, kann sich -> hier <- eine der Pressemitteilungen der Deutschen Börse zur Co-Location anschauen. "Latenzsensitiv" heissen diese Kunden da, ein schöner Name für etwas, was für mich persönlich einfach zweifelhaftes Geschäftsgebahren ist. Denn ein Co-Location Kunde kennt eine Order schon, bevor sie jemand anders überhaupt sehen kann. Und ja, das Angebot der Deutschen Börse ist im juristischen Sinne bestimmt legal. Ob derartige Bevorzugung zum volkswirtschaftlichen Auftrag der Börsen als Handelsplatz passt, steht aber auf einem anderen Blatt !

Für mich persönlich - und wie ich weiss für viele andere professionelle Marktteilnehmer auch - steht das Prinzip der Co-Location in krassem Gegensatz zum Prinzip des "level playing fields". Letztlich ist das in meinen Augen moralisch auch nicht viel anders, als wenn DAX Unternehmen bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen per Adhoc diese Daten zahlungskräftigen Kunden eine Minute vorher übersenden würden, womit diese dann an der Börse fast sicheren Reibach machen könnten. Bei Unternehmen wäre das Frontrunning und zu Recht strafbar ! Warum Börsen - deren volkswirtschaftliche Aufgabe es sein sollte einen fairen Marktplatz für Unternehmensbewertungen zur Verfügung zu stellen - etwas ähnliches in Form der Co-Location legal machen dürfen und das nicht strafbar ist, übersteigt meine Phantasie. Wenn irgendwo die Regulierung und Politik versagt, dann hier !

Ein freier Markt beruht darauf, dass alle Marktteilnehmer einen diskriminierungsfreien, gleichen Marktzugang haben. Nur dann kann ein Markt seine Funktion ausführen und dem besten, klügsten, wertigsten Angebot zum Erfolg verhelfen. Dieses Prinzip wird nach meiner Ansicht von Börsen mit der Co-Location aus Profitstreben ausgehebelt. Was legal ist, ist deswegen noch lange nicht legitim.

Jetzt hat unsere liebe Politik, egal ob Regierung oder Steinbrück, ja damit begonnen das Thema HFT in den Fokus zu nehmen. Und das ist überfällig, denn nach meiner Ansicht hat HFT keinerlei volkswirtschaftliche Bedeutung, ausser, dass es die Kassen und Kurse der Börsenanbieter füttert. Für die Volkswirtschaft gibt es dagegen nur ein gewaltiges Schadenspotential, siehe Flash-Crash. Nur wird von der Politik das Problem mal wieder nicht verstanden, sondern nach meiner Ansicht statt dessen sozusagen von hinten durchs Auge wieder eine unsinnige Überregulierung forciert. Dabei hat uns all die tolle Regulierung ja so wunderbar vor den Verwerfungen der letzten Jahre geschützt. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten.

Wenn ich zum Beispiel davon lese, dass in einer zukünftigen Regulierung Algorithmen offen gelegt und "geprüft" werden sollen, kann ich darüber nur herzlich lachen. Wer soll das bitte schön tun ? Und welchen Sinn hat das ? Wenn ich persönlich an meinem PC also einen einfachen Algorithmus erstelle, der für mich mein Handelssystem bedient - ja das geht ! - soll das "geprüft" werden ? Etwa von einer Bafin Abteilung mit 5 Mitarbeitern ? Nach welchen Kriterien ? Wer sich so etwas ausdenkt, zeigt mir damit nur, dass er überhaupt nicht versteht womit er sich befasst.

Über solche Ideen kann ich nur sehr traurig lachen und die sind auch völlig am Thema vorbei. Selbst eine prinzipiell sinnvolle Mindesthaltedauer von zb einer Zehntelsekunde, die HFT Orders der Gefahr aussetzt auch wirklich ausgeführt zu werden, hätte ihre negativen Seiteneffekte. Dabei ist die perfekte Lösung doch so einfach:

Den Börsen muss Co-Location und ähnliche Angebote für gut zahlende Kunden verboten werden ! Alle Handlungen, die bestimmten Marktteilnehmern einen unfairen Vorteil verschaffen, müssen strafrechtlich belangt werden, ebenso wie heute schon Insider-Frontrunning bei Unternehmensveröffentlichungen !

In dem Moment, wo ein gleicher Marktzugang für alle wieder hergestellt ist, wird HFT wie vom Erdboben verschwunden sein. Denn ohne den durch die räumliche Nähe entstehenden Geschwindigkeitsvorteil, macht das Prinzip schlicht keinen Sinn mehr ! Ja, so einfach ist es !

Aber ich befürchte, diese Lösung - vielleicht noch verbunden mit einer kurzen Mindesthaltedauer der Order im System - ist viel zu einfach und kostet nichts. Deshalb wird sie nicht kommen. Statt dessen werden wir neue Behörden haben, die zu prüfen haben, was man gar nicht prüfen kann und das Kernproblem wird weiter im System schwären.

Frei nach dem Motto: "warum denn einfach, wenn es auch schwierig geht !"

O tempora o mores !

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Hari´s Märkte am Abend – 20.03.12 – Bemühte Bären – Deutsche Börse, Metro

21 Uhr - Handelsschluss

Da war Sie also, die gestern antizipierte Schwäche und die Bären haben es heute tatsächlich doch mal geschafft, mehr als 50 Punkte nach unten zu kommen. Applaus ! 😉 Aber im Bereich um DAX 7050 war dann schnell wieder Schluss und auch der S&P500 wollte nicht so richtig unter 1400.

Für mich entwickelt sich der Markt daher im Moment wie erwartet: etwas Schwäche in dieser Woche und daraus resultierend eine Chance für die kommende Woche, die dann den Quartalsabschluss bringt.

Heute im späten Handel hat die Wallstreet schon wieder in Richtung der Nulllinie nach oben geschoben, insofern ist es möglich, dass es das heute schon wieder mit der Schwäche war und wir Morgen schon wieder über DAX 7100 stehen. Ich persönlich rechne aber diese Woche eher noch mit weiterem Hin und Her und wäre auch nicht so überrascht, wenn wir die 7000er Marke im DAX noch einmal von oben testen. Ich denke aber auch, dass wir die endgültigen Hochs dieses Frühjahr noch nicht gesehen haben und wir noch die Chance auf einen weiteren dynamischen Schub Richtung DAX 7500 haben - vielleicht mit etwas Glück schon nächste Woche. Erst danach habe ich vor in die Defensive wechseln und auf eine grössere Korrektur zu warten.

Ob es dann wirklich so kommt, wird sich zeigen. Die Erfahrung sagt, dass diese idealtypischen Abläufe wie oben fast nie eintreffen, das wäre ja auch zu einfach. 😉 Trotzdem ist es für meinen Stil wichtig, immer einen "Gameplan" im Kopf zu haben - ich bin aber auch in der Lage diesen "Gameplan" innerhalb eines Tages komplett zu verändern, wenn mir Mr. Market das durch seine Signale nahe legt.

Kommen wir also zu den einzelnen Aktien.

Geschlachtet wurde heute der ganze Autosektor mit Minus von 4-6% querbeet durch alle Titel. Die in der Presse kolportierten "Gründe" sind in meinen Augen keine, hier war wohl primär Markttechnik am Werke, auch wenn sicher mal wieder die Angst um China etwas zum Absturz beigetragen hat. Denn nachdem der Sektor schon die Tage vorher langsam bröselte, war das die typische Trendbeschleunigung, die aber auch oft das Ende der Bewegung ankündigt. Für mich war das heute das Signal, wieder in den Sektor einzusteigen. Ich habe heute am frühen Mittag wieder neue Positionen in Daimler (WKN 710000), Continental (WKN 543900) und den Volkswagen Vorzügen (WKN 766403) eröffnet.

Zunehmend ärgerlich reagiere ich dagegen auf Reto Francioni, den schweizer Chef der Deutschen Börse (WKN 581005). Eigentlich hatte ich ja erwartet, dass wir vom CEO nun fast 2 Monate nach der gescheiterten Fusion mit der NYSE endlich mal etwas Grundlegendes oder Neues zur zukünftigen Strategie hören. Denn nachdem sich das Management nun endlich wieder intensiv um das operative Geschäft kümmern kann und sich nicht mehr in Fusions-Phantasien erschöpfen muss, sollte die Zeit dafür wohl da sein.

Aber nein, was wir heute statt dessen hören, ist ein Beschluss des Aufsichtsrates, dass nun in Sachen gescheiterter Fusion Klage gegen die EU-Komission eingereicht werden soll. Damit werden aber in meinen Augen völlig sinnlose Schlachten der Vergangenheit erneut geschlagen und nur wieder Kapazitäten gebunden und weitere Kosten verursacht. Die Anwaltskanzleien in Frankfurt wird es wieder freuen. Selbst wenn man in 2 Jahren eine solche Klage gewinnen würde, was wohl höchst unwahrscheinlich ist, wäre über die Fusion doch schon die Zeit hinweg gegangen.

Und auch der Streit um die Sicht der Kommission auf ein mögliches Monopol im heutigen Derivatemarkt, überzeugt mich als Argument für diese Klage nicht. Denn wenn dann ein Urteil ergeht, ist es inhaltlich sowieso Makulatur, weil sich der Markt in zwei Jahren doch schon längst weiter entwickelt hat. Immerhin soll es laut Presseberichten im Aufsichtsrat keine Einstimmigkeit bei der Entscheidung für die Klage gegeben haben, sollte das stimmen, bin ich scheinbar nicht allein in meiner Ablehnung.

Weiterhin ist das in der Presse vermutete Argument, man müsste aus haftungsrechtlichen Gründen klagen, für mich ebenso wenig überzeugend. Denn bei geschätzten 80 Millionen € internen Kosten haben wir kein Volumen, bei dem sich bei einem Konzern mit Milliarden-Umsatz nun zwingend Vorstand und Aufsichtsrat persönlich engagieren müssen. Das ist ein Volumen für die zweite Reihe. Und wenn man nun im Management so viel Angst vor persönlicher Haftung haben sollte, weil man 80 Millionen ohne Ergebnis ausgegeben hat, dann weiss ich nicht so recht was ein Gerichtsentscheid daran verbessern sollte. Denn dieser könnte die Situation sogar verschlimmern, wie wir alle wissen, sind wir vor Gericht auf hoher See.

Sollte an den in der Presse vermuteten Haftungsüberlegungen etwas dran sein, hätten wir mit dieser Denke aber für mich einen Grad der Perversion des Haftungsprinzips erreicht, der laut nach dem Gesetzgeber schreien würde ! Der Vorstand und der Aufsichtsrat haben schlicht eine unternehmerische Entscheidung getroffen, eine Fusion mit der NYSE zu verfolgen. Das diese scheitert, ist das unternehmerische Risiko. Wenn das ein Haftungsfall wäre, könnten wir unsere Firmen zusperren, weil niemand mehr eine grundlegende Entscheidung im Risiko trifft. So weit sind wir aber noch nicht - allerdings auf dem Weg dahin und das ist schlimm genug ! Daher habe ich ja auch meine Kritik an einer mittlerweile überzogenen und innovationsfeindlichen Organhaftung -> hier <- schon sehr deutlich geäussert.

Viel wichtiger wäre es aber für mich, dass Herrn Francioni endlich mal etwas zur operativen Strategie der Deutschen Börse einfällt, nachdem er schon in den Jahren zuvor für meinen Geschmack viel zu passiv war. Und sollte das nicht bald passieren, hoffe ich, dass sich der Aufsichtsrat mal bald nach einem engagierteren und kreativeren CEO umsieht. Denn die Position der Deutschen Börse in Europa ist in meinen Augen voller Potentiale, statt der "grossen Würfe" muss man aber halt auch mal Kärnerarbeit leisten.

An dem Fall sieht man aber erneut, welches Riesenproblem wir in Deutschland mit unserer mangelnden Aktienkultur haben. Denn diese Entscheidung über Herrn Francioni treffen letztlich die Aktionäre die den Aufsichtsrat bestellen und das ist ja auch richtig so. Nur sind das halt primär angelsächsische Investoren. Da muss man sich über manche Entscheidung nicht mehr wundern, die keineswegs im Interesse des deutschen Finanzplatzes lag. Dabei ist die Börse eigentlich eine für die Volkswirtschaft höchst wichtige, hoheitliche Infrastruktur, vergleichbar mit Telefon- oder Strassennetz. Deutschland kann es sich nicht leisten, das Thema weiter treiben zu lassen und selbst ich alter Marktwirtschaftler bin keineswegs überzeugt, dass eine Börse unbedingt in privater Hand sein sollte. Die Funktion der Börse in einer Marktwirtschaft ist eine regulierende und steuernde und derartige Funktionen sind eigentlich hoheitliche Aufgaben !

Auswüchse wie das High Frequenzy Trading, in dem gut zahlenden Marktteilnehmern ein für mich unfairer Vorteil durch schnelleren Zugang gewährt wird, sind doch nur vor dem Licht der privatwirtschaftlichen Gewinnmaximierung zu erklären und aus dieser Sicht auch logisch und nachvollziehbar. Nur dem eigentlichen volkswirtschaftlichen Sinn einer Börse - für alle einen gleichen Marktzugang zu ermöglichen und so erst einen freien Markt der Unternehmensfinanzierung und Bewertung zu schaffen - laufen diese Aktivitäten doch diametral entgegen. Die Frage welchen Vorteil die deutsche Volkswirtschaft davon hat, dass die Deutsche Börse überhaupt selber an der Börse notiert ist, hat mir noch niemand überzeugend erklären können.

Zurück zur Aktie der Deutschen Börse selber. Diese ist für mich derzeit eigentlich interessant bewertet und wenn das Management nun eine überzeugende Wachstumstrategie einschlagen würde, wäre die Deutsche Börse auf diesem Niveau für mich auch ein Kauf. Nachdem ich das zum Thema "Klage" aber heute wieder gehört habe, habe ich genervt vom Management bei über 50€ Gewinne mitgenommen, zumal das Risiko eines Doppel-Tops nicht völlig von der Hand zu weisen ist.

Wie richtig es ist, sich nicht nach den Nachrichten, sondern nach den Erwartungen der Marktteilnehmer zu richten, konnte man heute wieder wunderbar bei der Metro (WKN 725750) beobachten. Las man am Morgen die Artikel in der Fachpresse, hätte man einen Absturz um 10% antizipieren müssen. Schlechte Zahlen, riesige Baustellen, noch keine Antworten. Kein Silberstreif am Horizont. Den Kurs kostete das aber nur noch ein müdes Zucken, weil das war alles schon enthalten. Dann kam das neue Management mit Aussagen und jedes Wort wurde positiv aufgesogen und der Kurs stieg zeitweise um 3%, bevor die allgemeine Marktschwäche ihn wieder etwas herab zog.

Ich habe bei Metro heute aber erst einmal Gewinne mitgenommen und bin ausgestiegen und habe das Kapital lieber in den verprügelten Autosektor geschoben. Denn mich haben die Aussagen des neuen Managements nicht ausreichend überzeugt, ich hätte mir mehr strategische Gedanken gewünscht und nicht nur Aussagen, dass man aggressiv im Preiskampf mitspielen will. Denn das ist wohl selbstverständlich in diesem Markt. Metro bleibt aber auf meinem Radar, denn die schlechten Nachrichten sind eindeutig verarbeitet und sobald ein Katalysator auftaucht, kann es auch deutlich nach oben gehen.

Der Fall Metro zeigt uns exemplarisch, wodurch die Börse primär bewegt wird, nicht durch Fakten, sondern durch Erwartungen ! Erwartungen werden zwar auch von Fakten beeinflusst, sind aber nie völlig rational, sondern immer mit Emotionen wie Hoffnung oder Angst vermischt. Wer freiwillig darauf verzichtet diese Emotionen zu messen und zu betrachten - wie zum Beispiel grosse Teile der klassichen Markttheorie in der Wirtschaftswissenschaft - wird nie in der Lage sein den Markt auch nur ansatzweise zu verstehen. Aber auch für uns, die normalen Anleger, sollte das eine erneute Lehre sein. Für eine kurz- oder mittelfristige Anlage sollten man nach meiner Überzeugung weniger Zeit darauf verwenden vergangene Finanzzahlen zu studieren, als vielmehr zu verstehen, welche Erwartungen der Markt in die Anlage schon eingepreist hat und welche nicht ! Denn genau das beeinflusst den Kurs in der nahen Zukunft.

Übrigens, Apple (WKN 865985) notierte heute über 600 USD ! Erinnern Sie sich noch daran, wie ich bei 500 USD -> hier <- davor gewarnt hatte, so einen Runaway-Move zu shorten, egal wie einladend das aussieht ? Ich hoffe Sie haben es nicht versucht 😉

Achja, die Kohlewerte rund um Peabody Energy (WKN 675266) setzen heute ihre Reise nach unten fort. Das es heute Peabody mit Minus 5% weit stärker als andere Kohletitel traf, lag daran, dass der Rückgang durch Ängste um Chinas Bedarf ausgelöst wurde. Und Peabody ist geographisch recht diversifiziert, was heute gegenüber den reinen US Kohle Werten zum Nachteil wurde. Relative Vorsicht ist also im Sektor weiterhin angesagt, der Anstieg der letzten Tage war wohl noch nicht nachhaltig. Auf dem Radar sollte man den Sektor aber trotzdem behalten, denn das nun heisses Geld in den Sektor geflossen ist, sind für mich erste Anzeichen eines erwachenden Interesses an den Kohleaktien.

Und das der Rohstoffsektor heute durch die Bank schwach war, lag auch nur mal wieder an der alle paar Wochen aufflackernden Angst um Chinas Rohstoffbedarf. BHP Billiton (WKN 908101) hatte sich dahingehend zurückhaltend geäussert, ohne mit wirklichen Überraschungen aufzuwarten. Für die Märkte war das aber wieder einmal willkommener Anlass, die China-Angst zu spielen. Börse, wie Geschichte, wiederholt sich nicht, sie reimt sich aber und zwar ganz gewaltig 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 14.02.12 – Konsolidierung

21.45 Uhr kurz vor Handelsschluss

Heute ist der dritte Tag, an dem sich Mr. Market in einer Konsolidierung befindet, ohne all zu viel von dem gewonnenen Terrain wieder abzugeben. Unter der Decke war heute aber schon erhebliche Schwäche sichtbar und das in vielen klassischen Industrie-Aktien - wie zum Beispiel den Autobauern - die in den vergangenen Wochen ja sehr gut gelaufen waren.

Derartige Konsolidierungsphasen sind normal und sehr gesund für einen steigenden Markt. Und wenn in der Konsolidierung nur so wenig abgegeben wird wie derzeit, spricht das für die Stärke des Marktes und bereitet den Boden für die nächste Bewegung nach oben.

Wie immer gibt es aber auch eine Schattenseite der Medaille und derartige Phasen könnten auch eine Topbildung andeuten und zwar dann, wenn sich das "Schlaue Geld" das diese Bewegung seit Ende Dezember voll mitgenommen hat, nun aus dem Markt verabschieden sollte, während die Lücken von nachströmenden Marktteilnehmern geschlossen werden die unbedingt - aber zu spät - noch auf den Zug aufspringen wollen. In solchen Phasen ruckeln die Börsen dann auch ziellos hin und her, bis die Nachzügler voll im Markt sind und dann geht es massiv runter, weil jetzt keine Käufer mehr da sind.

Sicherlich ist die Marktstimmung nun positiver geworden als noch vor 2 Wochen und die Anzahl der Artikel und Börsenbriefe die wieder mit "tollen Kursraketen" und "schnellen Gewinnen" locken steigt wieder. Und im Chart des DAX könnte man auch eine Schulter-Kopf-Schulter Formation als Top hinein interpretieren, die im Stundenchart sogar ziemlich eindrucksvoll aussieht. Aber von einem übertriebenen Optimismus im Markt kann nach meiner Ansicht derzeit noch keine Rede sein. Und auch in dem von mir eng verfolgten -> Selling on Strength <- Indikator der US Börsen gibt es noch keine Hinweise, dass Big Money nun massiv aussteigt. Und auch das Chartbild ist nicht so eindeutig wie es aussieht, wenn man sich den DAX in anderen Zeiträumen betrachtet.

Insofern ist es nur vernünftig und rational, den Bullen die derzeit eindeutig am Drücker sind auch für die nächste Zeit mehr Vertrauen zu schenken als den Bären. Ich bleibe daher zwar verhalten und vorsichtig, aber bullish. An dem Tag an dem der Markt die Konsolidierungzone mit Volumen nach oben durchbricht und die 6850 im DAX hinter sich lässt, werde ich nachlegen und mein Long-Exposure erhöhen. Denn dann kommen die 7000 wahrscheinlich recht schnell in Reichweite.

Morgen soll ja Griechenland endlich entschieden werden und dann könnte mal wieder für ein paar Monate Ruhe in das Thema kommen. Ich kann Ihnen nicht recht sagen wie der Markt darauf reagiert und eine "Sell the News" Reaktion wäre eigentlich klassisch. Ich glaube aber auch, dass das Thema mitterweile derart ausgelutscht ist und es wirklich keiner mehr hören will, dass der Markt vielleicht einfach nur die Schultern zuckt. Nur eine echte Überraschung wird wohl noch für grosse Bewegungen sorgen und eine solche Überraschung kann im Moment wohl nur eine negative sein.

Insofern bleiben Sie ruhig, bereiten Sie sich Einstiegspunkte für Ihre Lieblingsaktien vor und nutzen Sie diese Phase für Ihre Hausaufgaben, die Ihnen dann schnelles Handeln ermöglichen, wenn der Markt sich massiv in Bewegung setzt. Ich werde aber auch nicht zögern aus dem Markt zu gehen, sollten wir die Konsolidierung mit Dynamik nach unten verlassen und die 6650 durchschlagen, wo sich im Stunden-Chart auch interessanterweise die 200 Tage Linie befindet. Denn dann wäre das nächste Ziel wohl irgendwo oberhalb 6400 im DAX, wo die nächste deutliche Unterstützung liegt.

Lassen Sie sich beim folgenden Chartbild des DAX bitte nicht davon täuschen, dass der grüne Pfeil kürzer ist als der rote und der leere Raum nach unten grösser aussieht. Solche optischen Eindrücke manipulieren uns nämlich mehr, als wir ahnen. Diese Optik ist nur eine Folge der Skalierung, weil ich die DAX 6400 noch auf dem Bild haben wollte. Damit ist keine negative Aussage zum Markt verbunden. Ich gehe sogar davon aus, dass das Upside beim Ausbruch nach oben absolut bis deutlich über 7000 reicht und daher eher grösser ist, als das Downside bis 6400 im DAX. Und ja, man kann die Box um die Konsolidierung auch etwas nach oben verschoben zeichnen und natürlich kann die Seitwärtsbewegung auch noch tagelang weitergehen, aber man kann in so einem Bild nicht alle Eventualitäten darstellen, ich wollte Ihnen nur einen optischen Eindruck der Konsolidierung verschaffen und Ihnen zeigen, warum es wichtig ist genau hinzuschauen, wenn wir aus der Konsolidierung ausbrechen. Nicht mehr aber auch nicht weniger - so ein Chart ist keine präzise Voraussage zur Zukunft !

Auffällig war für mich heute die Schwäche des klassischen Grundstoffsektors, repräsentiert durch breit aufgestellte Titel wie zum Beispiel Rio Tinto (WKN 852147). Ich führe diese Schwäche auf die enttäuschenden US Konjunkturdaten und erneute Sorgen um Chinas Inflation zurück. Denn eine zu hohe Inflation in China, würde die Möglichkeiten weiterer monetärer Stimuli einschränken. Und wir wissen ja wie allergisch Mr. Market darauf reagiert, wenn ihm seine Drogen genommen werden.

Zu Einzelaktien sage ich heute nichts, es ist auch wenig Erwähnenswertes passiert. Die Deutsche Börse (WKN 581005) habe ich schon gestern besprochen und das K+S (WKN KSAG88) bei dem Schnee vor meiner Haustür weiter steigt ist auch nicht so überraschend. Darüber hinaus habe ich ja aus gegebenem Anlass zu ThyssenKrupp (WKN 750000) einen ausführlichen -> Artikel <- veröffentlicht. Es wäre für mich auch hilfreich zu wissen, ob Sie mit den kurzen Hinweisen zu mehreren Einzelaktien in "Hari´s Märkte am Abend" etwas anfangen können oder ob ich mich in Zukunft eher auf die reine Sicht auf den Gesamtmarkt konzentrieren sollte.

Ich wünsche einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 13.02.12 – Leoni, Deutsche Börse, Kirch vs Deutsch Bank, Temenos

22 Uhr Handelsschluss

Ein eher langweiliger Tag an der Börse geht zu Ende. Wie ich heute um 12 Uhr in meinen -> Marktupdate <- schon bemerkte, weiss der Markt nicht so recht wohin er will. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass das bis zur (hoffentlich) endgültigen Griechenland-Entscheidung voraussichtlich diesen Mittwoch dann auch so bleibt. Und wenn dann Griechenland endlich sein Geld hat um eine paar weitere Monate zu überleben, wäre eine "sell the news" Reaktion des Marktes auch nicht so untypisch.

Insofern mache ich es heute kurz, zumal ich ja -> hier <- zu Tesla Motors schon einen hoffentlich interessanten Artikel veröffentlicht habe.

Leoni

Die hier schon mehrfach erwähnte Leoni (WKN 540888) will ich aber nicht vergessen, die heute mit fast 5% Plus erneut derart dynamisch in den Himmel gestiegen ist, dass einem Angst und Bange werden kann.

Fundamental und von den Geschäftsaussichten her, sieht Leoni für mich weiterhin höchst attraktiv aus und hat für mich sogar noch Potential nach oben. Man sollte allerdings realistisch bleiben und ich gehe davon aus, dass spätestens im Bereich um 40€ Gewinnmitnahmen einsetzen. Insofern muss man bei aller Begeisterung für den Titel jetzt wohl nicht mehr unbedingt dem Kurs hinterher rennen, sondern sollte sich eher etwas in Geduld üben.

Deutsche Börse

Interessant sind sicher auch die Quartalszahlen und Aussagen der Deutschen Börse (WKN 581005), die heute nach Börsenschluss veröffentlich wurden. Diese lagen im Rahmen meiner hier ja mehrfach besprochenen Erwartungen. Die Dividende für 2011 soll auf 2,30€ pro Aktie erhöht werden und zusätzlich soll eine Sonderdividende von 1€ pro Aktie fliessen. Der Rest der überschüssigen Liquidität soll in Aktienrückkäufe fliessen.

Der nachbörsliche Kurs näherte sich in Folge den 50€ und ich habe das nun heute am späten Abend zum kompletten Ausstieg genutzt. Denn wenn der Dividendeneffekt von ca. 6,5% bezogen auf den heutigen Kurs ausläuft, kann ich mir gut vorstellen, dass die ungelösten strategischen Fragen der Deutschen Börse wieder in den Vordergrund treten und den Kurs belasten.

Ein derartiger Rücksetzer wäre dann aber vielleicht wieder eine Einstiegschance in eine prinzipiell spannende Aktie, bei der dem Management dann vielleicht ja auch in Zukunft etwas Besseres mit der Liquidität einfällt, als es für Aktienrückkäufe zu verwenden. Denn nun hat das Management der Deutschen Börse ja endlich wieder Zeit, sich ausschliesslich um das operative Geschäft zu kümmern. Und vielleicht werden meine persönlichen Wünsche ja doch noch irgendwann erhört und der für mich wenig erfolgreiche Herr Francioni wird durch jemanden mit mehr Innovationskraft und Gestaltungswillen ersetzt.

Kirch vs Deutsche Bank

Ein Ereignis fand ich heute bemerkenswert, auch wenn es nur mittelbar mit der Börse zusammen hängt. Der Prozess Kirch gegen die Deutsche Bank (WKN 514000) scheint nach der Meldung des Manager Magazins -> hier <-mit einem Vergleich zu Ende zu gehen, nach dem die Deutsche Bank knapp 800 Millionen Euro zahlen soll.

Was offiziell "Vergleich" genannt wird, ist wenn es sich bestätigt in meinen Augen ein grandioser, posthumer Sieg von Leo Kirch, seinen Vertreter und Anwälten gegen einen Weltkonzern mit nahezu unbegrenzter juristischer und finanzieller Schlagkraft. Man kann über den verstorbenen Leo Kirch denken wie man will und seine ganze Weltanschauung war mir (so weit die Darstellungen der Presse stimmten, denn ich kannte ihn nicht persönlich) immer höchst suspekt. Aber der hier gezeigte Durchsetzungs- und Behauptungswillen ist bemerkenswert und vor dieser Kraft und Energie kann ich nur meinen Hut ziehen.

Und dem Land und anderen Unternehmen hat Leo Kirch in meinen Augen damit einen Dienst getan, denn nie wieder wird sich wohl ein Bankvorstand derart "locker" öffentlich zu seinen Kunden äussern, wie das Rolf Breuer in meinen Augen getan hat. Insofern löst dieses "Peanuts" eindeutig übertreffende Ende hoffentlich einen positiven und Demut fördernden Lerneffekt bei den "Masters of the Universe" aus.

Fusion Misys - Temenos

Im folgenden ein abschliessendes Wort zur zuletzt -> hier <- besprochenen Temenos (WKN 676682), bei der sich ja die Ereignisse kurz nach der Vorstellung hier überschlagen haben:

Am Mittwoch Morgen letzter Woche kamen insofern negative Nachrichten in den Markt, als das Tauschverhältnis der Aktien bei der Fusion auf den Stand von Dienstag Abend nach Börsenschluss festgezurrt werden soll. Das ist deshalb eher negativ, weil Temenos ja aktuell nach meiner Ansicht noch unter Wert gehandelt wird und es nun keine Chance zu geben scheint, diese Differenz im Zuge der Fusion aufzuholen. Wie ich in dem Artikel oben schon schrieb, ist das ein weiteres Beispiel dafür, warum derartige Fusionsverhandlungen mit so vielen Risiken verbunden sind, dass es fraglich ist ob man während dessen investiert sein muss. Ich habe daher auch konsequent am Vormittag des letzten Mittwochs in die fallenden Kurse hinein meine Gewinne mitgenommen und bleibe nun auf Zeit an der Seitenlinie.

Unklar ist, ob die Aktionäre von Temenos in Anbetracht des für mich wenig attraktiven Umtauschkurses zustimmen werden. Ich kann mir diese für Temenos eher ungünstige Bewertung nur damit erklären, dass das Temenos Mangement im neuen Konzern möglicherweise die Führung übernimmt und daher möglicherweise ein Eigeninteresse daran hatte, den Deal auch zu einem ungünstigen Kurs für die Temenos Aktionäre zu erzwingen. Der scheinbare Abgang des bisherigen Misys CEOs Mike Lawrie deutet auf jeden Fall in diese Richtung. Und die Fusion als solche macht ja jede Menge Sinn und ist prinzipiell im Interesse der Aktionäre, weil sich beide Unternehmen sehr gut ergänzen und in mehrfacher Hinsicht von geringeren Kosten und grösserer Marktmacht profitieren könnten. Ob sich die Temenos Aktionäre dieser Sicht anschliessen oder sich dem eher ungünstigen Umtauschkurs verweigern, wird sich zeigen. Die Meldung der NZZ dazu -> hier <-

Insofern sollte man in meinen Augen nun an der Seitenlinie bleiben, das neue fusionierte Unternehmen dann aber ganz eng auf den Radar nehmen, sobald die Fusionswirren vorbei sind. Denn alles was ich zu Temenos sagte, gilt für das neue Unternehmen erst recht. Bankensoftware hat jede Menge Zukunft und die fusionierte Temenos/Misys wird in diesem Spiel eine ganz bedeutende Rolle haben.

Ich wünsche eine gute Nacht !

Hari´s Märkte am Abend – 10.02.12 – Wochenabschluss

22 Uhr Handelschluss

Da ist sie also, die erste ernst zu nehmende Korrektur seit Wochen und als solche mehr als überfällig. Ich freue mich darüber, dass sie nun endlich da ist ! Wer heute um 08.20 Uhr meine Warnung sah, hatte die Chance der Bewegung um 100 DAX Punkte von 6750 runter bis 6650 aus dem Weg zu gehen.

Schade finde ich, dass wir bei DAX 6650 schon wieder eine Umkehrformation hatten und schon wieder gestiegen sind. Denn wenn es das mit der Korrektur schon wieder war, könnten wir dann auch in den nächsten Tagen keinen Tag mal entspannt die Bewegung nach oben geniessen. Denn nur nach einer erfolgten, nachhaltigen Korrektur gibt es eine Phase geringen Risikos für Longs. Und was heute passiert ist, reicht zwar um als Korrektur zu gelten, aber nicht um den überkauften Zustand des Marktes wirklich zu bereinigen.

Unten sehen Sie den DAX Future Chart aus 10 Minuten Sicht. Man sieht wunderbar die inverse Schulter-Kopf-Schulter (ISKS) Formation mit einem Tief etwas unter 6650 und einer Nackenlinie (je nachdem wie man sie genau zieht) bei ca. 6685.

Wer sich mal für einen einfachen Intraday-Trade interessiert, der schaue auf das blaue Dreieck im Chart in Höhe der Nackenlinie. Beim Ausbruch über die Nackenlinie bin ich im Handelssystem Long gegangen um die erwartete Bewegung der ISKS Formation mitzunehmen, die rein rechnerisch Potential bis ca. 6720 hatte, weil diese Bewegungen gerne den Abstand zwischen Tiefpunkt und Nackenlinie (hier also ca. 35 Punkte) noch einmal oben drauf legen. Nachdem sich aber abzeichnete, dass die Bullen dafür nicht genügend Kraft hatten, weil sie den kleinen Dip um 6700 schon nicht mehr kaufen konnten, habe ich mit kleinem Gewinn glatt gestellt - das ist das nach unten zeigende blaue Dreieck. Keine grosse Sache also, aber vielleicht ein nettes Beispiel, wie man eine Chart-Formation traden kann. Sie sehen weiter rechts (also später) noch einen weiteren kleinen Long-Trade, den ignorieren wir aber mal um die Erklärung hier nicht ausufern zu lassen.

Was die Entwicklung des Marktes Anfang nächster Woche angeht, habe ich nach diesem Tag keine klare Tendenz die ich mit Ihnen teilen könnte. Denn eigentlich sollte es noch etwas unruhig weiter gehen. Das Thema Griechenland steuert ja nun definitiv aufs grosse Finale zu und auch wenn selbst eine Pleite den Markt nach meiner Erwartung nicht mehr zum grossen Einbruch bringen würde, hat es doch das Potential für eine Fortsetzung dieser Korrektur. Die Umkehrformation schon bei 6650 öffnet aber auch die Möglichkeit, dass wir ganz schnell den GAP von heute morgen unterhalb 6800 wieder schliessen.

Man kann argumentieren, dass diese Umkehrformation ja im späten Handel durch das Abrutschen bis 6670 wieder negiert wurde. Aber ich bin damit vorsichtig diese späten Bewegungen im DAX überzubewerten, da diese ja nur noch rechnerische Fortschreibungen der Wallstreet sind. Im echten Handel wollte der Markt nicht mehr unter 6650 und das ist zunächst mal ein Faktum, dass man einfach so stehen lassen muss. Insofern bin ich heute Abend für kommenden Montag ohne klare Tendenz - auch wenn ich einer Fortdauer der Korrektur leicht höhere Chancen einräume. Ich erwarte also demütig, was Mr. Market so alles in Petto hat.

Nehmen wir aber mal theoretisch an, wir würden Anfang nächster Woche weiter korrigieren. Wenn Sie mich dann fragen, wie weit es runter gehen könnte, bin ich natürlich überfragt. Ich kann Ihnen aber sagen, was "nach Lehrbuch" eine normale Bullenmarkt-Korrektur wäre und die läge so im Bereich von ca. 3-6%. Nehmen wir 5%, also gut 300 Punkte im DAX an, dann landen wir in der Zone von DAX 6400. Genau diese Zone ist auch die erste, wo ich erwarten würde, dass ein Rücksetzer nachhaltig wieder gekauft wird. Denn um diese Zone haben wir im Januar lange gekämpft und 6400 nach dem Ausbruch am 30. Januar sogar noch einmal von oben getestet. Das heisst nicht, dass wir nicht auch schon höher drehen können. Das heisst nur, dass ich da keine Marken sehen kann, die für mich echte Signifikanz haben.

All diese Diskussionen um die Höhe einer Korrektur sollten Sie aber nicht dazu verleiten, das Wesentliche aus dem Auge zu verlieren:
Wir sind immer noch mitten in einer dynamischen Aufwärtsbewegung und auch wenn wir bis 6400 im DAX korrigieren, ist noch nichts passiert, was diese in Frage stellt !

Ich habe heute auch wieder allerlei komplexe Chartanalysen gesehen, in denen sogar mit "unsichtbaren Widerstandsmarken" und ähnlichem um sich geschmissen wurde. Deshalb - und weil ich hier ja auch versuchen will Wissen zu vermitteln, das Sie weiter bringt - noch ein paar Zeilen zum Thema Chartanalyse aus meiner persönlichen Sicht bzw. Erfahrung:

Denn "unsichtbare Widerstandszonen" und ähnliches sind für mich "Voodoo" und sind für mich Ausdruck des Elends der "Chartisten". Denn weil es so leicht ist ein paar bunte Linien zu ziehen, tummeln sich leider ein paar im Markt, denen die Grundlagen fehlen und die manchmal gar nicht verstanden haben wann Charttechnik überhaupt funktionieren kann und wann eben nicht. Das mangelnde Verständnis um Zusammenhänge wird dann durch selbst erzeugte Komplexität verdeckt. Dabei funktioniert richtig eingesetzte Chartechnik tatsächlich, aber nicht weil die Linien schön aussehen, sondern nur wenn einer der beiden folgenden, wichtigen Parameter erfüllt ist:

(1) Die Marke/Linie muss die Massenpsychologie echter Kaufs/Verkaufsentscheidungen der Marktteilnehmer abbilden - das Prinzip des charttechnischen Widerstands ist dafür ein klassisches Beispiel. In anderen Worten, die Chartmarke bzw das Muster muss eine Signifikanz im Markt gehabt haben, weil viele Marktteilnehmer bei hohem Volumen dort in einer bestimmten Art und Weise aktiv waren. Das ist übrigens auch der Grund warum Chartmarken "verblassen", weil sie eben je älter sie werden an Signifikanz verlieren. Ein Widerstand aus dem Jahr 2000 hat heute keine Relevanz mehr, weil kaum noch ein Titel in Depots existiert, der zu dieser Zeit gekauft wurde.

(2) Oder - wenn die Marke/Linie keine reale Signifikanz nach (1) hat - muss sie in Mode gekommen sein und muss von den Marktteilnehmern und Algos intensiv verfolgt werden. Die Fibonacci Retracements sind aktuell so ein Beispiel. Objektiv ist das in meinen Augen auch Voodoo. Dabei bin ich mir der mathematischen Hintergründe sehr wohl bewusst und auch der Tatsache, dass in der realen Natur tatsächlich bestimmte Fibonacci-Folgen existieren und das aus gutem Grund. Die Übertragung des Gedankens auf die Börsen überzeugt mich aber aus Gründen die hier den Rahmen sprengen würden gar nicht, ebenso wenig wie die Elliott-Wellen Theorie, die aber gerade etwas aus der Mode gekommen ist. Und trotzdem funktionieren Fibonacci-Retracements aktuell. Denn wenn genug Marktteilnehmer diese Marken beobachten und darauf reagieren - und gerade die Algos agieren derzeit gerne auf den Fibonacci Retracements - dann erzeugt das eine selbsterfüllende Prophezeihung, man nennt das Mode. Eben weil viele Marktteilnehmer darauf achten, findet genau die Bewegung statt nach der sie geschaut haben. So entsteht eine positive Rückkopplung und Verstärkung der Muster.

Man könnte daraus auch einen sehr philosophischen Schluss ziehen, der weit über die Märkte hinaus geht: die Suche nach einer "objektiven" Wirklichkeit ist sinnlos, weil wir selbstbezüglich Teil dieser Wirklichkeit sind und diese beeinflussen - schon alleine durch unsere Beobachtung. Wenn Sie so wollen Heisenberg auf Makrolevel 😉

Daraus folgt übrigens auch eine wichtige Regel für die Märkte, die man sich unbedingt merken sollte: Auch sachlicher Unfug kann im Markt "wahr" und "real" werden, wenn nur genug daran glauben und danach handeln. Und statt es abzulehnen, ist man gut beraten diese Dinge im Auge zu behalten und sich danach zu richten, wenn man erfolgreich sein will. Denn der Markt ist nicht rational und interessiert sich nicht dafür warum eine Bewegung stattfindet. Insofern funktioniert ein Trading nach Fibonacci Retracements im Moment sehr gut. In 10 Jahren werden es vielleicht irgend welche andere "geheimnisvollen Zahlen" sein. Raum bietet die Mathematik dafür ja genug.

Eine Marke die aber weder breit bekannt nach (2), noch für den realen Handel der Vergangenheit signifikant nach (1) ist, die ist tatsächlich nur in der Phantasie des Chartisten relevant - wie ein Gesicht in den Wolken. Und leider gibt es von dieser Art Marken zuviele und das bringt die im Kern sinnvolle Charttechnik unnötig in Misskredit. Deswegen gibt es auch so viele die die Charttechnik komplett ablehnen, ebenso wie sie von vielen geliebt wird. Beide Seiten haben in meinen Augen recht, wollen aber nur die jeweils eine Seite der Medaille sehen.

Soweit ein Ausflug zur Charttechnik so wie ich sie erlebe und einsetze, nun zurück zu den Aktien.

Eine bereinigende Korrektur kann äusserst gesund für den Markt sein. Unter anderem, weil man anhand relativer Stärke in einer Schwächephase oft gut beobachten kann, welche Aktien noch dringend nach oben wollen. Schauen wir daher zum Abschluss der Woche - abweichend von der sonstigen Logik - heute also mal auf Aktien, die in der Korrektur kaum zurück gekommen sind oder heute sogar im Plus lagen. Das sind sicher interessante Kandidaten für die nächste Woche und vielleicht ist ja auch eine Idee für Sie dabei:

1. Aixtron (WKN A0WMPJ) war heute lange im Plus und rutschte erst spät ins Minus. Aixtron will scheinbar nach oben. Der Chart sieht wirklich attraktiv aus und wer nur dem Chart folgt, sollte bei Aixtron jetzt wohl investiert sein. Ich bin es nicht mehr, weil mir die Auftragslage zu undurchsichtig ist und ich fundamental noch kein positives Argument für Aixtron sehe. Das heisst aber nicht, dass ich negativ über die Aktie denke und ich bin mir bewusst, dass ich hier vielleicht eine starke Bewegung verpasse. Aber es gibt für mich genug andere Aktien mit riesigem Potential, wo ich solche fundamentalen Sorgen nicht haben muss. Und ich steige halt in meinem Investmentdepot nie nur aus charttechnischer Sicht in einen Titel ein, sondern es gehören auch immer andere Parameter dazu. Das ist mein Stil und mit dem bin ich bisher gut gefahren. Und deshalb halte ich mich daran diszipliniert, auch wenn ich dadurch mal eine Chance verpasse.

2. Veolia (WKN 501451) gab auch erst gegen Ende des Tages etwas mehr ab. Hier bin ich long und bleibe es auch. Man muss bei Veolia sicher Geduld haben, aber ich bin mittelfristig sehr zuversichtlich.

3. DIC Asset (WKN 509840) war heute erneut im Plus. Es handelt sich um eine deutsche Immobilien-Aktie mit Gewerbeimmobilien im Bestand und einem grossen Projekt in Frankfurt (Maintor). Der Titel notiert weit unter Net-Asset-Value (Buchwert), weil der Markt Zweifel an den Projekten hat und sich vor der Refinanzierung fürchtet. Hier könnten jetzt aber nach guten Vermietungsnachrichten der Knoten platzen und 6% Dividendenrendite sind auch nicht zu verachten. Ich bin Long DIC Asset mit Kursziel 9€.

4. Nordex (WKN A0D655) hat seit Beginn der Anstiegsbewegung Anfang Januar eine schöne untere Trendbegrenzung ausgebildet, auf der wir nun mit der Korrektur seit 06.02.12 aufgesetzt sind. Einiges spricht nun also dafür, dass es hier weiter hoch geht. Heute war Nordex sogar leicht im Plus. Und fundamental wird Nordex durch die Beteiligung von Susanne Klatten nicht nur geschützt, sondern auch im innovativen Bereich Carbon gepusht. Ich bin da heute für einen kurzfristigen Trade über einige Tage wieder eingestiegen.

5. Deutsche Börse (WKN 581005) wollte heute auch so recht nichts abgeben. Hier wartet der Markt auf die Quartalszahlen kommenden Montag und die Auflösung, was mit der Sonderdividende aus der gescheiterten Fusion passiert. Ich bin noch mit einem Teil investiert, würde aber eine positive Nachrichtenlage nach dem kommenden Montag zum vollständigen Ausstieg im Bereich oberhalb 50€ nutzen, weil ich dem Titel nach dem starken Anstieg der letzten Tage kurzfristig nicht viel mehr als 55€ zutraue.

Zum Abschluss noch ein paar Worte in eigener Sache und zu den beiden Umfragen.:

Ich bedanke mich für die grossartige Teilnahme an der Umfrage zur Uhrzeit, zu der "Hari´s Märkte am Abend" erscheinen sollen ! Auch über das Ergebnis freue ich mich, weil niemand 18 Uhr angekreuzt hat. 😉 Hätte sich dafür eine Mehrheit gebildet, wäre ich natürlich dem Wunsch der Leser gefolgt, hätte es aber nur beschränkt sinnvoll gefunden, weil um 18 Uhr noch die grosse Musik an der Wallstreet spielt.

So lautet mein Fazit nach Ihrem Feedback nun: Die Artikel erscheinen regulär um 22 Uhr oder kurz danach. In Ausnahmefällen, wenn es entweder meine persönlichen Umstände erfordern oder der Markt nur ruhig vor sich hin dümpelt auch früher. Aber bis auf extreme Ausnahmen nie vor 20 Uhr. Richten Sie sich also in Zukunft auf die Bandbreite 20 Uhr bis 22.30 Uhr ein !

Beim Thema "Breite des Blogs" ist die Teilnahmezahl noch nicht so perfekt. Wer das noch nachholen will ist herzlich eingeladen. Was ich bisher sehe, veranlasst mich dazu es bei der aktuellen Breite 1366 Pixel zu belassen. Das bedeutet zwar, dass für eine Minderheit der Leser mit 1280 Breite ein kleiner Teil der rechten Kommentarspalte abgeschnitten wird. Damit kann man aber denke ich leben und für alle anderen bedeutet es eine übersichtliche Breite, in der man auch komplexere Informationen unterbringen kann.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende !

Hari´s Märkte am Abend – 08.02.12 – Commerzbank, Banco Santander, Klöckner, Aixtron

21 Uhr, 1 Stunde vor Handelsschluss

Immer wenn der Markt mal korrigieren will, kommt die Kavallerie zur Rettung ... so auch heute. Insofern gibt es nicht viel Neues zum Markt zu sagen. Wir warten weiter auf Godot - oder genauer gesagt Griechenland - und der Markt will im Vorfeld nicht wirklich runter.

Was passiert wenn eine Einigung scheitert, kann ich Ihnen nicht sicher sagen. Vom meinem Marktgefühl her reche ich in diesem Fall mit einer "Schreckkorrektur", die aber im Bereich von 3-5% auslaufen sollte und schon bald wieder gekauft wird. Denn eigentlich sollte jetzt dem letzten klar sein, dass mit all diesen Verhandlungen nicht die echte Rettung Griechenlands verhandelt wird, sondern nur Zeit erkauft wird, bis das Unvermeidliche passiert.

Viel wichtiger als die Nachricht einer möglichen Pleite Griechenlands, dürfte für den Markt daher in diesem Fall die begleitende Kommunikation der Euro-Zone sein. Wenn glaubhaft gemacht werden kann, dass um alle anderen Staaten eine Brandmauer gezogen wurde, erwarte ich das Mr. Market zu Griechenland nur die Schultern zuckt. Kommt dagegen sogar eine Einigung die der Markt mag weil wieder Geld gedruckt wird, dürfte es wohl noch einmal eine Welle nach oben geben, die dann das Potential hat einen kurzfristigen Top im Aufwärtstrend darzustellen. DAX 7000 sind für diesen Fall sicher in Reichweite.

Bemerkenswert ist, dass wir heute schon den zweiten Tag hintereinander relativ aggressive Bewegungen nach unten hatten. Das hatten wir intraday über viele Tage nicht mehr und es könnte sein, dass das die ersten Anzeichen sind, dass der Markt seinen Charakter wieder ändert. Allerdings ist das im Moment nicht mehr als die berühmte -> "Fliege an der Wand" <-, die man zwar im Auge haben, aber ansonsten besser ignorieren sollte.

Denn der Trend ist bisher weiter eindeutig nach oben und solange das so ist, halte ich es für einen Fehler sich Short dagegen zu stellen, nur weil man sich einbildet, man könnte die Wende perfekt timen - glauben Sie mir, man kann es nicht, von wenigen Glücksfällen abgesehen.
Wer es noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich in diesem Zusammenhang einen Blick in -> diesen <- aktuellen Beitrag, der nachdrücklich aufzeigt, wie weit und vor allem wie lange so eine Rally laufen kann.

Nun zu Einzelaktien:

Aktie des Tages war natürlich erneut die Commerzbank (WKN 803200), die mit 7% Plus heute genau das tat, was sich schon gestern ankündigte. Wenn Sie mich fragen, was ich über die weitere Entwicklung der Commerzbank aus fundamentaler Sicht denke, kann ich Ihnen nur sage: Absolut keine Ahnung !

Gerade weil ich vielleicht besser als der Durchschnittsanleger verstehe, was in so einer Bankbilanz steht bzw was in ihr eben nicht steht - gerade weil ich weiss, wie sehr so eine Bank für einen Aussenstehenden eine "Black Box" ist und welche Überraschungen da möglich sind - gerade deshalb weiss ich, dass ich zu Banken rein gar nichts weiss !

Rein vom Chart her ist die Lage der Commerzbank aber sonnenklar. Der Titel kämpft um den Ausbruch über verschiedenste Marken wie zb der 200er Linie, die sich alle in der Zone um 2,1€ gruppieren. Sollte diese Zone überwunden werden, gibt es wahrscheinlich noch einmal einen schönen Schluck aus der "Pulle" nach oben. Und rein vom bisherigen Chartverlauf her spricht sehr viel dafür, dass diese Zone bald geknackt wird.

In meinem Investmentdepot hat eine Commerzbank aber nichts zu suchen. Wer mittelfristige Anlagen will, hat in meinen Augen derzeit genug spannende Unternehmen mit weit grösserer Visibilität, als bei einer Bank oder speziell der Commerzbank. Für einen normalen Anleger mit wenig Zeit für die Börsen finde ich es gefährlich, sich nur an dem vermeintlichen Aufholpotential zu orientieren, denn es gibt nach wie vor nicht nur Chancen, sondern auch massive Risiken die sich in einer Nachricht über Nacht materialisieren könnten. Für mein Tradingdepot ist eine Commerzbank mit dieser Volatilität aber natürlich ein idealer Kandidat und ich habe zum Beispiel heute auch gut an dem Titel verdient. Wer dieses Spiel eingehen will, sollte aber unbedingt permanent am Ball bleiben. "Buy and Hold" passt in meinen Augen nicht zur Commerzbank !

Übrigens, wenn Sie sich aktuell für Banken interessieren, dann werfen Sie doch mal einen Blick auf die Banco Santander (WKN 858872). Bank aus Spanien - Igitt, werden Sie vielleicht jetzt sagen. Aber gemach, Banco Santander macht sein Hauptgeschäft mittlerweile im boomenden Südamerika und ist deswegen auch vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Ein vergleichsweise gutes Eigenkapital, eine Dividendenrendite von 8% und jede Menge Rückstellungen für die spanische Immobilienkrise zeichnen diese Bank für mich aus. Abgesehen davon hat die Banco Santander vergleichsweise planbare und kontinuierliche Erträge, weil sie sich vor allem im Massen- (Retail-) Geschäft tummelt und kaum Investmentbanking betreibt. Alle oben gemachten Einschränkungen zu Banken gelten natürlich auch zu diesem Titel und ich empfehle ausdrücklich niemandem, sich unbedingt eine Bankaktie ins Depot zu legen. Aber wenn Sie sich sowieso schon für Bankaktien interessieren, wäre ein Blick in diese Richtung vielleicht gar nicht so eine schlechte Idee.

Nebenbei erwähnt - nach ähnlicher antizyklischer Logik - ich habe heute eine Studie gesehen, nach der nach fundamentalen Kriterien (Buchwert etc) der billigste Aktienmarkt der Industrieländer derzeit der italienische Markt ist. Wenn Sie also daran glauben, dass Mario Monti die Kurve bekommt, wäre das eine antizyklische Wette. Und gute Industrie- bzw Konsum-Werte mit internationalem Geschäft gibt es in Italien ja einige.

Sehr stark waren heute alle Stahltitel, Klöckner (WKN KC0100) und Salzgitter (WKN 620200) mit jeweils 3-4% Plus. Geholfen hat heute definitiv ein positiver Ausblick des Verbands "Wirtschaftsvereinigung Stahl". Ich bin bei beiden Titeln Long, wobei Klöckner natürlich das grössere Potential hat, während ich bei Salzgitter schon erste Gewinne mitgenommen habe und nur noch mit 50% der ursprünglichen Position investiert bin.

Die Deutsche Börse (WKN 581005) hat heute mit erneut 3% Plus die 50€ erreicht, hier beginne ich mit teilweisen Gewinnmitnahmen.

Für die grosse Stärke heute von Aixtron (WKN A0WMPJ) habe ich keine rechte Erklärung. Auch wenn der Chart der Aktie gut aussieht, ist mir das nun zu viel Blindflug in Anbetracht schlechter Daten der Mitbewerber und meine Position gegenüber den Insidern die den wirklichen Auftragsbestand kennen einfach zu schwach. Ich habe heute daher die Gewinne mitgenommen und bin nun ganz raus aus dem Titel. Das heisst nicht, dass ich eine negative Meinung zur Aktie habe, es kann gut sein, dass da nun ein Ausbruch nach oben bevor steht. Aber mir ist die Lage zu undurchsichtig und es gibt im Markt genug andere Chancen, auf die ich meine Energie aktuell effizienter konzentrieren kann.

Ich wünsche einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 06.02.12 – Deutsche Börse, K+S, Itron

20 Uhr. Heute mache ich es kurz. Denn Mr. Market macht einfach da weiter, wo er letzte Woche aufgehört hat.

Der Markt will einfach nicht nachgeben, auch wenn es in einzelnen Titeln heute durchaus Korrekturen von 1-2% gab. Der DAX hat dabei aber noch nicht einmal die 6700er Marke erreicht.

Selbst die endlose Geschichte um Griechenland, die man ja nun wirklich nicht mehr hören kann, bringt den Markt kaum aus der Fassung. Das Thema Griechenland ist für den Markt einfach abgehakt.

Der Markt würde wahrscheinlich nur dann nervös reagieren, wenn er Grund zu der Annahme hat, dass es eine unkontrollierte Kettenreaktion in der Euro-Zone gibt. In Anbetracht einer EZB die nun wie die FED das Liquiditätsfüllhorn über die Märkte ausgiesst, hat der Markt davor aber scheinbar wenig Angst.

So bleibt mir an diesem ruhigen Tag nicht viel, was ich Ihnen Neues sagen könnte. Trotz der sibirischen Kälte draussen fühle ich mich langsam wie an einem heissen Sommertag, an dem man sich nach einem erfrischenden Regenguss (der Korrektur) sehnt, wonach die Sonne dann gerne wieder strahlen kann. Aber genau weil viele so fühlen, kommt der Regenguss eben nicht. Und wenn er irgendwann kommt, dürfte er nur ein kurzes, wenn auch heftiges, Sommergewitter sein, weil alle die jetzt verzweifelt an der Seitenlinie stehen das zum Einstieg nutzen werden.

In diesem Sinne lassen Sie wie ich die Gewinne laufen und ziehen Sie Ihre Stops immer fleissig nach. Bei ein paar meiner Favoriten habe ich die kleinen Dips heute gleich wieder zum Einstieg genutzt, nachdem ich sie am Freitag verkauft hatte.
Und merken Sie sich für die Zukunft, wie sich ein "Runaway-Move" anfühlt. Sie sind offensichtlich gerade mitten in einem drin !

An Einzelaktien möchte ich heute an die Deutsche Börse (WKN 581005) erinnern, in die ich ja aus den -> hier <- genannten Gründen eingestiegen bin. Bei dem Titel sollte man die am 13.02.12 anstehenden Quartalszahlen beachten. Es könnte sein, dass am 13.02. auch gesagt wird, was mit der nun nicht ausgezahlten Sonderdividende passiert - zumindest hat Francioni das aktuell in einem Interview mit der FTD angedeutet. Auch heute war die Deutsche Börse mit fast 3% Plus wieder sehr stark. Da bei der Deutschen Börse sicher die wichtigen Köpfe des Finanzplatzes Frankfurt schon heute ahnen was Sache ist, betrachte ich die aktuelle Stärke als Indiz für gute Nachrichten am 13.02.12. und vermute, dass der Anstieg vom "Smart Money" getrieben ist.

K+S (WKN KSAG88) hat heute übrigens die 40€ geknackt und damit den hier schon bemerkten Aufwärtstrend bestätigt. Ich sehe da kurzfristig durchaus Luft bis in die Zone um 44-45€, mittelfristig auch noch mehr.

Einen intensiven Blick sollte auch der hier schon mehrfach angesprochene Smart-Grid Spezialist Itron (WKN 888379) wert sein. Ein zukunftsträchtiges Marktsegment, der erfolgreiche "Alt-CEO" wieder am Ruder, eine faire Bewertung und ein Chart der mir den Mund ganz wässrig macht, sind doch wie ich finde eine ganze nette Mischung. Ich bin schon seit der Rückkehr von CEO LeRoy Nosbaum Long Itron und hatte Ihnen den Titel ja -> hier <- schon Anfang Dezember letzten Jahres detailliert vorgestellt.


Source: Finviz.com

Viele andere der hier regelmässig besprochenen Aktien haben heute eine kleine Konsolidierung durchgemacht, die wieder den Boden für einen erneuten Anstieg bereitet, falls der "Runaway-Move" weiter gehen sollte. Und danach sieht es ja im Moment schon aus.

Ich wünsche einen schönen Abend !