160. Die Marktlage 31.07.2021



Hallo zusammen,

der Juli ist auch schon wieder vorbei...leider mit 2 Schreckensnachrichten (Flutkatastrophe und Explosion in LEV) in meiner Region, die mich direkt/indirekt beide betroffen haben - keine schöne Zeit.

Weiterhin noch einen schönen Sommer mit hoffentlich etwas besserem Wetter.

Zusammenfassung

Weiter geht die Reise nach oben, jedoch ist Vorsicht angesagt.

Langfristig sind wir zu schnell und zu weit gelaufen - jedoch ist der Aufwärtstrend voll intakt. Eine längere Seitwärtsphase oder eine geordnete >5 % Konsolidierung wäre für den Markt wünschenswert, um diese überdehnte Lage abzubauen. Die Geldschwemme macht diesen frommen Wunsch, befürchte ich, dieses Jahr, zunichte.

Mittelfristig sind wir ebenfalls in einem fortgeschrittenen Status - da jeder Dip in der näheren Vergangenheit sofort gekauft wurde, ist eine Konsolidierung auch in dieser Zeitebene angebracht und vernünftig. Aufgrund einer negativen Divergenz im Weekly Chart ist die Chance der Bären sogar da, die Kurse nach unten zu drücken.

Kurzfristig sieht die Lage nicht eindeutig aus. Die Anzeichen deuten eher auf steigende Kurse hin - jedoch gibt es auch einige Argumente für fallende Kurse.

Nach Abwägung aller Charts und Informationen heißt das für mich in der Summe:
Die Zeichen sind aktuell nicht eindeutig: kurz- und mittelfristig sind steigende oder fallende Kurse möglich - mehr Argumente für steigende. Lassen wir unsere Investments weiter laufen, definieren wir Stop-Niveaus und verkaufen ggfs. gut gelaufene Investments. Lassen wir uns nicht in die FOMO Ecke drücken. Es gab schon bessere Zeitpunkte, freies Geld in Investments anzulegen.

Die Investitionsquote der Ampel wird auf 60% vorgeschlagen. Es gibt nach Point and Figure Technik keine bearishen berechneten Kursziele, ausschließlich bullishe von 4.440 bis 4.750 Punkte.

Interessante Assets: Gold/ Silber, TLT
Interessante Märkte: Japan, Deutschland, UK
Interessante US-Sektoren: Transport-Sektor, Solar, Halbleiter, Biotech

Makro-Charts

Wie gehabt, erst einmal ein Blick auf allgemeine Charts:

Der Dollar konnte sich nicht mit Macht aus einem Doppelboden befreien: ein neues Verlaufshoch wurde nicht erreicht. Noch ist hier nichts entschieden. Wir sollten die Währung insbesondere im Hinblick auf Rohstoffe, den Dax und die Emerging Markets im Auge behalten.

Der Global Dow zieht weiter seine Kreise. Eine Konsolidierung sieht anders aus. Einfach nur stark.

Das kumulierte Advance Decline Chart ist von der oberen Begrenzung des Trendkanals abgeprallt. Alles weiter im Lot.

Ein kleines Fragezeichen ergibt sich beim nächsten Chart. Hier können wir eine negative Divergenz ähnlich der beiden Male in 2020 erkennen. Droht uns ein Satz nach unten, wie es auch letztes Jahr 2x kam?

Der nächste Indikator könnte für ein nahes Ende der Gähnphase stehen, wo er nahe der pullback area angekommen ist - höhere Kurse?

Gleiches gilt für diesen Indikator: Kurse über 0 kündigen kommende Stärke an.

Die Marktlage-Ampel

Meine selbst gebaute Marktlageampel empfiehlt aktuell eine Investitionsquote von 60%. Insbesondere der sehr schwache mittelfristige Wert für zu dieser Bewertung.

Jedoch gibt es aus der Point and Figure Technik weiterhin keine bearishen Kursziele. Ausschließlich bullishe Kursziele von 4.440 bis 4.750 Punkten sind viele aktiv.

Bei Betrachtung der Bull-Percent-Status der verschiedenen Sektoren hat sich deutlich etwas im Vergleich zum letzten Monat getan. Letzten Monat hatten wir ein buntes Bild von bullishen und bearishen Status. Diesen Monat überwiegt der bearishe Status.

Ins Auge fällt als interessantester Sektor der Transport Sektor. Dieser weist den niedrigsten Wert aller BP's auf und steht neben dem Utilities Sektor als einziger in einem bullishen Status.

Marktlage langfristig

Bei der Betrachtung des Monthly Chart des S&P 500 drängen sich die beiden deutlich überdehnten Indikatoren auf. Der PPO ist genauso wie der RRG Indikator überdehnt. Der grüne Momentum-Indikator des RRG zeigt bereits erste Ermüdungserscheinungen.

Jedoch: weiterhin ist keine Schwäche zu erkennen. Solange das noch nicht der Fall ist, gehen wir weiter mit.
Nur: endlos kann das nicht weiter gehen...

Marktlage mittelfristig

Wir erkennen im Weekly Chart des S&P 500 eine negative Divergenz zum PPO, der am fallen ist; der SPX-Kurs hat dagegen ein Verlaufshoch generiert.

Der RRG Indikator *könnte* ähnlich letzten November nun wieder bullish drehen und zu höheren Kursen führen.

Lassen wir den Markt entscheiden und uns nicht von Möglichkeiten leiten: aktuell empfielt sich bei Betrachtung diese Charts eher etwas in Deckung zu gehen, da tiefere Kurse kommen könnten.

Bei Betrachtung des 2% Point and Figure Chart bleibt einem auch die Spucke weg. Wie lange geht der Kurs ohne Unterlass nach oben? Vorsicht und Stops nachziehen ist auch hier geboten.

Das AAII Sentiment gibt uns keine klare Aussage für eine favorisierte Richtung in der Zukunft: weder das bullishe noch das bearishe Lager sind all zu gross.

Marktlage kurzfristig

Auch im Daily Chart des S&P 500 können wir eine negative Divergenz erkennen. Das riecht ebenfalls nach einer Konsolidierung. Jedoch bin ich mir bei Betrachtung der Indikatoren nicht so sicher. Hier wäre auch neue Stärke im Bereich des Möglichen.

Der Fear and Greed Indikator besagt, dass die Anleger eher schon ihre Schutzschilde hoch gefahren haben. Ausgedeht sollte demnach eine Konsolidierung nicht ausfallen.

Interessant ist der "Prozent der 10". Dieser hat eine ausreichende Zeit in einer Wartestellung auf Konsolidierungsniveau verbracht. Nun wurde ein neues Verlaufhoch generiert. Weiter steigende Kurse?

Relative-Strength-Charts (RRG)

Kommen wir zu den RRG Charts und beginnen mit der relativen Performance der Assets zum Vergleichsindex VBINX:

Fast ausschließlich sehen wir im Weekly abtauchende Assets: Ausnahe ist der Überflieger TLT, Gold hält sich auch wacker. Im Daily schlagen sich alle Assets schlecht - bei den Aktien und dem TLT könnte als erstes ein neuen Aufbäumen aufkommen.

Bullenflagge mit tiefem Boden im Rel-Stärke Indikator und dem RRG-Indikator. Weitere Stärke ist hier zu vermuten.

Die Rohstoffe sind im Rallymodus. Der Widerstand wurde überhaupt nicht wahrgenommen - einfach weiter!

Gold ziert sich. Eigentlich sieht das nicht schlecht aus im Monthly - kommt der Ausbruch aus der Konsolidierungsformation?

Noch besser sieht Silber aus...

Relative Performance International vs. S&P 500:

In den letzten Wochen zeigt sich wieder die Übermacht aus den USA - relativ zu diesem Markt ist wieder kein Kraus gewachsen. Auch der schweizer Index konnte seine Überperformance nicht halten und sackt kurz nach Übergang in den Leading Quadranten nach unten.

Im Daily Bereich gibt es keinen Markt im rechten Bereich. Stärke zeigen hier UK und die Schweiz. Könnte zweiteres sich noch einmal aufbäumen? Sehr schwach dagegen sehen EEM und der FXI aus - nach den verstörenden Maßnahmen der chinesischen Regierung zum Aktienmarkt machten die Kurse und somit auch der RRG Indikator eine harte Wendung.

Wenn hier mal der Deckel durchbrochen wird...sieht gut aus insbesondere der RRG Indikator

Starke Konsolidierung!

Die Trendlinie hat erst einmal nicht gehalten.

Die Konsolidierungsbox ist erst einmal noch da. Gut sieht es aber nicht aus...

Weiter nicht schlecht. Ein Retracement auf das Ausbruchsniveau in einem schwachen Markt wäre aber auch nicht all zu schlimm.

Relative Performance der US-Sektoren vs. S&P 500

Ähnlich wie bei den internationalen Märkten gibt es auch nicht viele Sektoren, die mit dem Markt mithalten können - Big Tech treibt den US Markt nach oben. Einzig mit dem XLK sieht nach der Biotech Sektor interessant im Weekly aus.

Im Daily sehen einige gut aus: XLE dreht im äußeren Bereich, was gute Chance für eine kommende impulsive bullishe Bewegung geben kann. Ansonsten kommen der Transportsektor, die Consumer Disc, Healthcare, Tech und der Materials Sektor für Überperformance in Frage.

Sehr schöne Bullenflagge - einzig ist der RRG Indikator noch nicht am drehen.

Schöner Abpraller des RRG Indikators aus dem grauen Bereich.

Nächster Schub nach oben? RRG Indikator hat gedreht...

Das sieht souverän aus.

auch nicht schlecht

Point-and-Figure-Charts

Meine beobachteten Point and Figure Charts

Euer

Hullahuppi

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Von Panzerspitzen und Systemführern


Heute möchte ich Sie auf eine Entwicklung aufmerksam machen, die mittelfristig interessante Anlagechancen im Aerospace&Defense-Sektor Europas generieren könnte.

Diese hat mit einem Unternehmen zu tun, das hier schon oft Thema war und an dem wir schon viel (Kurs-)Freude hatten. Es ist Rheinmetall, die Panzerschmiede, das einzige Rüstungsunternehmen, das man in Deutschland an der Börse kaufen kann.

In letzter Zeit habe ich Rheinmetall aber nicht mehr groß kommentiert, weil eine grundlegende strategische Weichenstellung immer noch offen ist. Wer sich erinnert, ich habe schon 2017 sehr bitter die wohl auf Animositäten beruhende Entscheidung der privaten Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) kritisiert, sich mit dem französischen Panzerbauer Nexter ins Bett zu legen, statt die völlig logische Fusion mit Rheinmetall zu vollziehen.

Hier ein Auszug aus meinem Kommentar vom -> vom 14.02.17 <-:

Im deutschen Markt zieht heute wenig meine unmittelbare Aufmerksamkeit. Aber Rheinmetall sticht heute heraus, lange haben wir von dieser Aktie nichts mehr gehört, die ohne jede Frage aufgrund der absehbar stark erhöhten Verteidigungsbudgets in Europa fundamental stark unterstützt ist. Heute wird sie durch einen bisher nicht sichtbaren Grund befeuert, eine Hochstufung der UBS dürfte für aktuell 5% Plus nicht als Ursache ausreichen.

Allerdings hat die Aktie auch ein massives strategisches Handicap und das ist dieses Dilemma, dass in vielen Bereichen Rheinmetall nicht der Systemlieferant, sondern nur Zulieferer wie zum Beispiel mit der berühmten Glattrohrkanone für den Leopard ist. Vielen wird nicht bekannt sein, wie absurd und persönlich die Fehde zwischen dem Rheinmetall Management und dem der privaten Krauss-Maffei-Wegmann seit Jahren ist. Diese Fehde hat wohl massgeblich dazu geführt, dass sich KMW lieber in eine -> Ehe mit der franzöischen Nexter <- gestürzt hat, obwohl ein Zusammengehen mit Rheinmetall die industriell viel logischere und einfachere Variante gewesen wäre.

Aber "Bruderzwiste" sind halt besonders intensiv, das Management der beiden Unternehmen scheint sich zu hassen, kann aber gleichzeitig nicht ohne einander, was aber für unnötige Friktionen sorgt. Gerade nach der Nexter-KMW Fusion droht Rheinmetall dabei ein wenig ins Abseits zu geraten, während Rheinmetall gleichzeitig seit Jahren damit scheitert, sein Rüstungsgeschäft durch Zukäufe sinnvoll zu auszubauen und den Autozulieferer Kolbenschmidt-Pierburg abzustossen, der sowieso ein strategisches Problem hat, denn wer braucht Kolben in Elektroautos?

Rheinmetall ist also zwiespältig zu sehen. Ein Unternehmen mit Produkten, die absehbar einen Boom in den nächsten Jahren erleben werden. Aber auch ein Unternehmen, mit massiven strategischen Problemen, die seit Jahren ungelöst sind. Deswegen kann man Rheinmetall auch noch für ein KGV von 11 und ein KBV von unter 2 kaufen, was weit unter Vergleichswerten liegt. Eine General Dynamics (GD), die unter anderem den "Abrams" herstellt, notiert beispielsweise bei einem KGV von 18 und einem KBV von 5.

Rheinmetall hat seitdem eine wilde Kursbewegung hingelegt, ein Anstieg der dann wieder abgegeben wurde. Aber in den letzten Monaten kam richtig Leben in den Kurs, der Markt riecht etwas. Und ich glaube ich weiß was er riecht und finde es selber spannend.

Denn das strategische Dilemma könnte sich nun vielleicht doch auflösen, denn eine der beiden Seiten der Animositäten, der -> KMW Eigner Manfred Bode <-, ist im Herbst letzten Jahres gestorben.

Das macht nun eine Tür ganz weit auf, die schon von Frankreich und Deutschland selber aufgestossen wird, denn die müssen sich nun auf zwei Leuchtturmprojekte einigen.

Einerseits den Nachfolger des Eurofighters und des Tornados, das -> Future Air Combat System (FACS) <- soll diesen Nachfolger generieren.

Das wird wohl unter französischer Systemführerschaft von Dassault erfolgen und das macht Sinn, weil Deutschland seine ehedem leistungsfähige Luftfahrtindustrie vernachlässigt und weitgehend in Airbus hat aufgehen lassen.

Für uns als Anleger ist das derzeit nur begrenzt spannend, weil dieses Projekt locker ein Jahrzehnt, wenn nicht mehr dauern wird und erst in Jahren aus dem Planungsstadium heraus sein wird. Echte Effekte auf die Umsätze und Gewinne von Firmen, sind also erst in Jahren zu erwarten.

Andererseits geht es aber im zweiten Leuchtturmprojekt um den neuen Kampfpanzer, auch Euro-MBT (Main Battle Tank) genannt.

Und eben weil Frankreich in der Luft die Systemführerschaft hat, wird es Deutschland wohl am Boden bei den Panzern sein. Alles andere wäre idiotisch, denn bei Panzern hat klar Deutschlands Industrie die größere Kompetenz und Reputation.

Ich traue unserer Politik mittlerweile durchaus zu, diese Reziprozität nicht duchzusetzen, hoffe aber immer noch auf eine Erleuchtung. Denn ohne klaren Systemführer, gehen solche länderübergreifenden Projekte gerne in die Hose.

Schon -> letzten November <- ging dann durch die Presse, dass Rheinmetall wieder im Rennen sei, mit dem Abgang des bisherigen KMW-Patriarchen, war der Weg wohl frei, sich von den persönlichen Animositäten gegenüber Rheinmetall zu lösen.

Ich habe das damals schon aufmerksam beobachtet, hatte aber noch meine Rest-Zweifel wegen französicher Widerstände.

Nun aber hat der Rheinmetall CEO Pappberger -> im Rahmen der Bilanzpressekonferenz <- und damit hochoffiziell und verbindlich die Absicht formuliert, die Mehrheit am Panzer-Gemeinschaftsunternehmen zu übernehmen.

Und er hat explizit die Unterstützung der Bundesregierung dazu genannt. Auch das kann man offiziell nicht machen, ohne sie tatsächlich zu haben. Da habe ich am Montag aufgemerkt und beschlossen, Ihnen dazu diese Woche zu schreiben.

Erneut, wenn die Bundesregierung nicht von Dilettanten bevölkert ist, wird es dazu kommen, weil eben die Systemführerschaft in der Luft durch Frankreich Teil eines groß angelegten Deals sein muss. Frankreich kann nicht das Eine haben, ohne das Andere zu geben, zumal beide Schwerpunkte ja Sinn machen. Ich habe aber noch Restzweifel, aber wir werden sehen.

Und warum erkläre ich das hier so lang und breit?

Weil das endlich das strategische Problem von Rheinmetall lösen würde.

Rheinmetall könnte damit von der Größe her zur "puren Panzer-Company" werden, was der Vorstand ja schon länger will, aber mangels Größe nicht umsetzen kann, weil er keine Übernahmeziele hat. Auch der Verkauf von Kolbenschmidt-Pierburg könnte damit endlich in Gang kommen.

Eine derartige Einigung zwischen Frankreich und Deutschland würde Rheinmetall zu *dem* zentralen Bodenfahrzeugs-Ausrüster Europas machen und damit erhebliche Potentiale generieren. Und diese Potentiale sind schneller zu heben als in der Luft, weil die Entwicklungszyklen zwar auch Jahre dauern, aber doch kürzer sind als in der Luftfahrt.

Genau das riecht der Markt wohl und lässt Rheinmetall nun steigen. Ich bin nicht der Meinung, dass das Potential des zentralen Bodenfahrzeugs-Ausrüsters in Europa schon heute ausreichend im Kurs ist. Wir alle wissen, welch erhebliches Auftragsvolumen da zwangsläufig im nächsten Jahrzehnt heranrollt. Klar ist aber auch, dass der Markt schon etwas Hoffnung einpreist, wenn sich das wieder zerschlägt, geht es bei Rheinmetall wohl wieder abwärts.

Das wollte ich mit Ihnen teilen. Ein unmittelbarer Handlungszwang ergibt sich daraus nun nicht. Aber ich werde das genau im Auge behalten und ich bin seit genau diesem Herbst 2018, als die Nachricht kam, dass die Animositäten sich dem Ende zuneigen, wieder bei Rheinmetall drin. Die technischen Setups dazu, hatte ich hier im November und Januar geteilt.

Ihr Hari

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Steigende Stimmung



Guten Morgen!

Gestern schrieb ich von der Reversal-Chance und diese ist nicht nur immer noch auf der Agenda, sondern hat sich weiter ausgeformt.

Die Stimmung steigt aufgrund neuer Gespräche zwischen China und den US, schwächer als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten und heute Nacht dann auch noch einer besser als erwartet ausgefallenen, chinesischen Industrieproduktion.

Ob das aber reicht, um insbesondere in China und in Deutschland eine Wende der Indizes herbei zu führen, ist weiter offen, aber zumindest nun gut denkbar.

In den US kommen heute noch allerlei Wirtschaftsdaten, insbesondere Einzelhandelsumsätze um 14:30 Uhr. Eine Überraschung und damit ein Kurseinfluß ist aber unwahrscheinlich, zu klar ist, dass die US Konjunktur einfach brummt.

Wenn wir auf den DAX schauen, sehen wir schnell worum es geht. Wenn der nun die Widerstandszone um 12.130 - die lange Unterstützung war - wieder nach oben überwinden kann und damit auch in den langfristigen Trend zurückkehren, kann man optimistischer werden. Die Chance ist heute da!

Wenn das nun aber trotz der fördernden Nachrichtenlage und trotz einer überkauften Marktlage nicht gelingt, muss man recht bärisch werden:

Der Euro hat dagegen die alte, fallenden Trendlinie überwunden und eine Wendeformation gebildet. Der scheint sich nach oben in Bewegung setzen zu wollen, was das Potential des DAX wieder etwas begrenzt:

Wenn ich auf den nun immer wichtiger werdenden MDAX schaue, ist hier noch gar nichts passiert, der bewegt sich weiter in der nun ein Jahr bestehenden, riesigen Konsolidierungsbox:

Summa Summarum sind wir nicht wirklich klüger und müssen unverändert bei unserer schon länger bestehenden Haltung bleiben: Positiv und optimistisch, aber mit einem gehörigen Schuß Vorsicht versehen.

Übrigens, ich bin gerade mal die Charts deutscher Aktien durchgegangen. Da ist aktuell recht wenig, was mir so richtig im positiven Sinne ins Auge springt.

Auch das ist ein Signal, denn ein Markt ist vor allem ein Markt von Einzelaktien und nicht nur ein Index. Und wenn viele Aktien tolle Setups haben, ist das meistens ein positives Signal. Wenn viele Aktie das aber nicht und eher zweifelhafte Topstrukturen haben, ist eine gewisse Grundvorsicht weiter zwingend nötig.

Als Beispiel zeige ich Ihnen dazu nun einfach mal ThyssenKrupp, dann wissen Sie was ich mit "zweifelhafter Topstruktur" meine:

Oder auch ganz langfristig Henkel, das macht alles nicht so richtig an:

Ausnahmen gibt es, wie die gestern gezeigte Commerzbank oder auch langsam wieder die Autobauer, so richtig umhauend sind die Chartstrukturen der DAX Aktien aber trotz Korrektur nicht.

So weit so kurz heute früh. Wir lesen uns am Nachmittag zum Stream.

Ihr Hari

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Vom Arm umdrehen



Guten Morgen!

bevor ich zum Markt komme, möchte ich auf meine Schlußfolgerung zum Thema Wochenausblick am Sonntag eingehen. Das Thema hattte ich ja -> hier <- zur Abstimmung gestellt.

Meine Schlußfolgerung wird Sie auf den ersten Blick vielleicht überraschen, weil sie entgegen der Abstimmung zu sein scheint. Das ist sie aber nicht, weil die Abstimmung eine wichtige Information erbracht hat. Lassen Sie mich das erklären.

Zunächst das Ergebnis:

Ab kommendem Wochenende kommt der Wochenausblick nicht mehr am Sonntag, sondern wie bis Ende letzten Jahres immer am Montag Morgen - nur das letzte Halbjahr war die Ausnahme bzw ein Versuch, der nun wieder eingestellt wird.

Am Montag Morgen wird er etwas gekürzt und mit dem "Überblick zum Start" zusammengelegt. Da er trotzdem recht umfangreich ist, wird er in der Regel bis 11 Uhr am Montag Morgen erscheinen, nicht bis 10 Uhr.

Nun zur Begründung:

Zunächst habe ich bemerkt, dass einige in meine "Präferenz" etwas anderes herein interpretiert haben, als ich. Meine "Präferenz" für Alternative 1 war nämlich keineswegs meine persönliche, im Sinne wie es mir am besten passen würde, sondern es war die Alternative, die ich mir mit dem Hut Ihres Host, Coach und Mentors aufgezogen habe, also meine Annahme was für alle das Beste ist.

Meine persönliche Präferenz ist selbstverständlich immer Alternative 2 gewesen, so dass mein Wochenende ganz frei ist, 2 Tage Erholung und den Kopf frei braucht jeder. Das wurde offensichtlich teilweise anders interpretiert und daher mich unterstützend auf Alternative 1 geklickt. Wenn ich eine Verantwortung habe und die empfinde ich hier, nehme ich aber *immer* die Position des Gesamtwohls ein und wenn ich wirklich über meine eigenen, persönlichen Bedürfnisse spreche, bezeichne ich diese auch genau so.

Das ist aber nur ein Nebenthema, denn die wichtige Erkenntnis der Umfrage kommt von anderer Stelle. Denn bis Sonntag spät Abends hatten gerade mal ca. 200 Mitglieder geklickt und eine Option ausgewählt. Davon gut die Hälfte Alternative 1.

Selbst wenn ich also annehme, dass alle die sich bis Sonntag Abend eindeutig für den Wochenausblick am Sonntag ausgesprochen haben, *nicht* in die Fehlinterpretation von oben gefallen sind, reden wie hier über gerade mal ein Sechstel der Mitglieder!

Denn alle die gar nicht geklickt und gar nicht gelesen haben, haben damit ja auch eine Aussage getroffen und zwar die, dass sie der Wochenausblick am Sonntag nicht interessiert!

Das ist für mich die große Überraschung dieser Umfrage, denn ich dachte das Interesse ruhig am Sonntag sich auf die Börsenwoche vorzubereiten sei höher. Daher auch meine Präferenz zu Alternative 1 aus vermeintlicher Sicht auf das Gesamtwohl.

Nun nehme ich gerne an, dass es noch ein paar gibt, die zufällig an diesem Sonntag mal nicht herein geschaut haben, dann kann man den Prozentsatz etwas auf 20% erhöhen.

Es bleibt aber dabei, dass gerade mal 20% der Mitglieder ein aktives Interesse an einem Wochenausblick am Sonntag haben.

Das verändert alles. Das verändert meine Präferenz und für dieses geringe Interesse muss ich nicht etwas für mich Schmerzhaftes tun, mir nämlich den Sonntag zerschneiden und damit die Zeit deutlich zu verkürzen, in der ich pro Woche mal den Kopf von der Börse frei bekomme.

Damit ist die Entscheidung klar, der Stream am Freitag bleibt, das Wochenende ist wieder konsequent börsenfrei und die Woche startet wie bis Ende 2017 schon immer am Montag - nun gegen 11 Uhr mit einem Wochenausblick in kompakterer Form.

Kommen wir zum Markt, der heute die Chance auf einen Rebound hat. Ob er diesen vollzieht und wie weit dieser geht, wird für uns die ganz wichtige Information zum Charakter des Marktes sein.

Denn wie ich schon gestern spät Abends -> hier im Forum <- geschrieben habe, können plötzliche Einbrüche immer mal auftreten, es ist der Rebound, der uns den Charakter des Marktes offenbart.

Dabei ist es faszinierend zu sehen, wie die Cyberdyne Systems Fraktion im SPX sich eindeutig auf die gleitenden Durchschnitte kapriziert. Schauen Sie selber:

Am Freitag hatte der SPX exakt auf dem 20er SMA geschlossen. Das Signal war damit grün, alles war noch in Butter, der Markt hatte die Handelssorgen ja wochenlang abgeschüttelt, warum sollte es dieses Mal anders sein?

Dann kam gestern das riesige Gap-Down, nachdem große Adressen mit Trumps Handelsgezeter offensichtlich die Geduld verlieren. Es begann also zu "mattern".

Am Ende des gestrigen Tages kam mit den -> beschwichtigenden Aussagen von Navarro <- dann der Rebound, der den Markt exakt auf die 50-Tage-Linie hoch führte - was ein Zufall. 😉

Damit haben wir heute die Rebound-Chance.

Wenn der Rebound heute kommt und zumindest die 2.740, ideal sogar die 20-Tage-Linie wieder erobert, dann ist alles in Butter, im optimalen Fall haben wir gestern einen Fakeout gesehen und es geht in Folge nach oben weg.

Wenn heute der Rebound aber nicht kommt oder schnell ausläuft und im Laufe des Tages der SPX durch die 50-Tage-Linie durchfällt, dann ist das Signal der "tiefgelbe Alarm", denn der Markt will dann deutlich tiefer.

Wenn der SPX in den kommenden Tagen dann auch noch die 200 Tage Linie verliert, dann haben wir roten Alarm und sollten endgültig in voller Deckung sein, den Stahlhelm so weit herunter gezogen wie es geht!

So ungefähr könnte man diese Thema sehr sauber spielen und sein Risiko-Management gestalten. Der Rebound heute gibt uns also das wichtige Signal.

Um zum Handelskrieg zurück zu kommen, das was Jim Cramer dazu -> hier <- geschrieben hat, der ja mit dem Präsidentenberater Larry Kudlow befreundet ist und daher gewissen Einblick hat, zeigt das Bild, das da nun beim großen Geld existiert und es ist kein schönes Bild:

Now, if you believe that you've seen us fighting back hard against pretty much everyone on trade, you ain't seen nothing yet. Trump's fixated on autos, on steel and aluminum, on tech and on intellectual property. He made it clear today that big tariffs are coming for autos and I believe that will include foreign autos that are made in Mexico. He believes he has seen remarkable job creation in steel and aluminum. I think he is about to ban any acquisitions whatsoever by the Chinese in order to preserve our tech companies and not have them used against us. And intellectual property? I think he's going to demand that the Chinese stop the process of demanding joint ventures if they want U.S. companies to come there and hire.

Das Bild sagt, dass Trump gerade erst angefangen hat und er wird die Situation gnadenlos weiter verschärfen, weil er aufgrund der aktuell positiven Konjunktur in den US davon ausgeht, dass der optimale Moment existiert, um den anderen der Welt seinen Willen aufzuzwingen.

Das ist zwar das Verhalten eines Straßenschlägers, der kein Interesse an belastbaren, vertrauensvollen Beziehungen hat, was aber keine Überraschung ist. Denn wenn man sich Trumps Lebenslauf anschaut - so weit darüber bekannt ist - hat er keine echten Freunde und Partner. Er hat treue Untergebene, die schon länger an seiner Seite sind, aber keine echten Freunde und Partner. Auch die permanente Fluktuation im weißen Haus passt da perfekt ins Bild.

Trump kennt scheinbar Feinde, nützliche Idioten und loyale Satrappen, dazwischen ist wenig, zu Beziehungen auf Augenhöhe ist er nicht in der Lage. Für die Welt ist das langfristig verheerend, denn diese kann nur mit Vertrauen und langfristig angelegter Partnerschaft existieren, aber die Folgen werden eben erst später sichtbar werden.

Wenn Cramer recht hat, bleibt uns das Thema also im Sommer erhalten und wenn die anderen nicht nachgeben, wird Trump es weiter eskalieren, er wird sozusagen versuchen den anderen den "Arm umzudrehen".

Für die Börsen bedeutet das Ungemach, aber nur solange, bis sich echte negative Effekte in der US Wirtschaft zeigen, denn Trump will im November Zwischenwahlen gewinnen.

Auch diese Analyse passt ins Bild des -> was wäre wenn <- Videos von gestern, die Handelsthematik hat sehr wohl das Potential, den Markt bis zur 2.400er Zone herab zu zwingen und damit eine fast 20% Korrektur von den Höchstständen zu erwzingen. Sie hat aber wohl für sich alleine nicht das Potential für mehr, weil auch Trump eben Wahlen im November gewinnen will.

Für Europa und den DAX sieht es da natürlich schlechter aus. Nicht nur dass Deutschland am meisten durch Handelsbeschränkungen zu verlieren hat, nicht nur dass der Schnatterhaufen EU nicht wirklich stark und geeint gegen Trump vorgehen wird, sondern die Regierungskrise in Deutschland stellt ein weiteres Risiko dar - wobei ich nicht sicher bin ob für Deutschland die Krise riskanter ist oder ein "weiter so" der Groko, aber das ist ein anderes Thema.

In Summe liegen schwere Lasten auf einem DAX, der immer noch relativ nahe an den Höchstständen ist und die potentielle SKS die ich wie Sie wissen schon lange auf dem Radar habe, wird zunehmend real und hätte einen Measured Move bei - Überraschung! - exakt 10.000 - 13.600-11.800=1.800 Fallhöhe unter der Nackenlinie.

Was könnte beim DAX im optimalen Fall heute gehen? Ich denke so bis ca. 12.470 wäre Luft, dann spätestens rechne ich aber mit drehenden Kursen, denn der DAX bleibt klar bärisch. Nur eine Wallstreet die in den vollen Rallymodus wechselt, kann den DAX nun wohl retten:

Grundsätzlich ist damit heute so ein Tag wie ich ihn im Video beschrieben habe, in dem man in einer Gegenbewegung Anpassungen machen kann. Es macht nämlich keinen Sinn in einem schwachen Tag zu paniken, die Börse schaukelt immer, auch wenn es abwärts geht!

Nun kann Ihnen aber niemand sagen - auch ich nicht - ob sich die Korrektur ausweitet weil der Handelskrieg eskaliert oder wir schon bald wieder drehen. Und gleichzeitig rate ich ja von direktionalem Raten ab.

Das bedeutet, das alles was wir als Investoren tun können und sollten ist, unser Risiko zu managen, was bedeutet, unser Gesamtexposure so aufzustellen, wie es zu so einem Markt passt.

Und zu so einem Markt passt eben "leichtes Gepäck" und gerade *keine* direktionalen Wetten mit dem ganzen Kapital, das sage ich ja schon seit Monaten.

Wer schon so aufgestellt ist, hat auch heute wenig Handlungsbedarf und adjustiert vielleicht hier und da und schaut wie oben beschrieben, was der SPX nun macht. Wer das aber nicht hat, hat in einem möglichen Rebound die Chance in Stärke hinein abzubauen und diesen entspannten Zustand zu erreichen. Aber gut, wenn Sie sich sicher sind, dass der Markt sofort dreht und zur Rally ansetzt, dann können Sie auch heute "All In" gehen, das alles ist alleine Ihre Entscheidung. Was ich aber in meinem eigenen Depot mache, habe ich beschrieben, es ist leichtes Gepäck mit dem ich unterwegs bin.

Bis zum Stream heute Nachmittag. Start vielleicht erst zwischen 15:30 und 16:00 Uhr MEZ

Ihr Hari

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Italienische Erwartungen



Guten Morgen!

Zunächst einmal will ich erneut daran erinnern, dass es heute durch eine kleine OP bei mir um 14 Uhr keinen regulären Wallstreet-Stream gibt. Wenn es mir gut genug geht, melde ich mich aber gegen 18 Uhr mit einer kurzen Sicht auf den Markt. Ab Morgen läuft alles ganz normal, inklusive Wallstreet Stream.

Wenig überraschend, gibt es heute früh wenig Neues zu berichten. Die Wallstreet liegt ja noch im Schlaf und auf einen anämischen Tag am deutschen Markt, schließt sich ein ebenso anämischer Morgen an.

Aber das wird sicher ab Mittag anders, die Wallstreet hat heute die Voraussetzungen für größere Bewegungen, denn der Markt muss sich nun entscheiden, ob er doch noch einen Retest vollziehen oder direkt zu den Hochs durchstarten will:

Urban Carmel hat die Lage gestern - wie immer sehr lesenswert - analysiert: -> Weekly Market Summary <-

Der Tenor lautet wie folgt und deckt sich völlig mit meiner Marktsicht:

In summary, the rebound in US equities has been strong enough and persistent enough to suggest that it has further to run. Sentiment and volatility backwardation support that view. However, a low retest over the coming weeks is still a viable risk.

Der DAX eröffnet heute mit leicht positivem Ton, ich würde da aber nichts hinein interpretieren, wie das Chart oben impliziert, ist weitgehend offen wie die US Märkte die Woche beginnen.

Ganz interessant ist heute vielleicht ein Blick rund um die Welt und die Frage, was der Nikkei so treibt. Schauen wir mal selber im ganz langfristigen Bild mit Monatskerzen:

Das sieht sehr bullisch aus, grosse Konsolidierung 2015-2017 und nun Ausbruch und gerade eben erfolgter Retest. Wie präzise das ein Retest genau auf das Ausbruchsniveau von 2015 war, zeigt ein Blick auf die Wochenkerzen:

Für mich ist das klar ein eher bullisches Bild und da der japanische Aktienmarkt zu den wichtigsten der Welt gehört, ist das ein weiterer Baustein im Bild, dass der Bullenmarkt fortbesteht.

Interessant ist vielleicht auch, was im italienischen MIB40 vor der Parlamentswahl am 04.03.18 geschieht. Die Brüsseler Politik hat da ja einige Sorge vor einem Sieg der 5-Sterne-Bewegung, der Markt und der Euro scheinen aber eher unbesorgt.

Wir sehen einen relativ starken MIB40, der aus Sicht von 2018 immer noch im Plus steht und damit den superschwachen DAX klar schlägt, der völlig abgeschmiert ist:

Das ist doch erstaunlich oder? Aber selbst wenn wir auf Wochenkerzen wechseln und das ganze Jahr 2017 betrachten, sehen wir wie viel stärker und strukturell bullisch der MIB40 zum DAX ist:

Wenn wir dagegen 2016 vergleichen, war es genau umgedreht. Wenn wir nun unser Wissen in die Waagschale werfen, dass am Markt ja Zukunft gehandelt wird, dann macht dieses Chartbild eine klare Aussage über die Erwartungen, die ausländische Investoren hinsichtlich Deutschland haben.

Es sind keine guten Erwartungen, es sind Erwartungen unsicherer Regierung, tendentiell wirtschaftsfeindlicher Politik und einer zunehmenden gesellschaftlichen Destabilisierung. Und doch, das was wir hier vor Ort erleben, kommt sehr wohl bei den großen US Investoren an, die sind gut informiert. Die interessiert aber nur die Auswirkung auf die Unternehmen und keine kulturellen Fragen. Aber auch für die Unternehmen sieht es in einer neuen Gruko der Umverteiler nicht rosig aus, die Mittelstandsvereinigung der Union hat ja schon klare Worte gefunden.

Ausserdem gibt es da ja noch den bei den Mittelmeer-Anrainern allgemein umjubelten Umstand, dass da nun eine SPD an den Schalthebeln des Finanzministeriums sitzt, die das Geld der deutschen Bürger nur zu gerne auf dem Altar Brüsseler Begehrlichkeiten opfern möchte - natürlich nur der höheren Sache wegen, das ist ja immer so. Dass dieser Umstand eher für Investitionen in Italien und gegen Investitionen in Deutschland spricht, sollte selbsterklärend sein. Wozu Minister und Kanzler ihren Amtseid schwören, dessen Sinn sie dann in das Gegenteil verkehren, kann mir mittlerweile auch niemand mehr erklären.

Hier ist, was Artikel 56 des Grundgesetzes festlegt und was unsere Minister und Kanzler schwören:

Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.

Dem Wohle des deutschen Volkes. Von anderen Völkern ist nicht die Rede. Von Migranten auch nicht. Was ja nicht das Kümmern um deren Schicksal ausschliesst, das auszuschließen, ist nie die Absicht der Verfassungsväter gewesen. Aber die Verfassung definiert eben einen Schwerpunkt des Strebens, die Hauptsorge sozusagen, für dessen Wohlergehen Politiker vor allen anderen Erwägungen verantwortlich sind. Und das ist das Wohle des deutschen Volkes, wenn Eide und Verfassung noch etwas Wert sein sollen.

Schon lange ist das aber nur noch eine Worthülse und an der Stelle sind die Grünen weit ehrlicher als CDU oder SPD, die schon 2013 die Abschaffung dieser Formel forderten: -> Steit um Eid auf deutsches Volk <-. Man kann den Grünen also nicht vorwerfen, sie würden keine klare, konsistente Position beziehen.

Ehrlich wäre, den Satz durch "Dem Wohle der europäischen Einigung" oder noch besser "Dem Wohle aller die hier leben" zu ersetzen, denn so wird es nun gelebt. Wobei dabei das Problem aufkommen würde, das "hier" zu definieren, denn dafür müsste man die Existenz von Grenzen ja zur Kenntnis nehmen.

Man sieht daran sehr schön was wirklich passiert ist, eine Ideologie des Globalismus, der geeinten Welt, hat einfach beschlossen den Sinn der Verfassung umzudeuten. Waren ja auch alles "Nazis" die Verfassungs-Väter und Mütter, wer vom "Volke" redet, steht doch sowieso in direkter Linie zum Volksgerichtshof der Nazis - oder etwa nicht?

Wobei ich selber als alter "Trekkie" diesen globalistischen Gedanken einer "geeinten Menschheit" ja durchaus gutheisse und nicht in die Welt der nationalstaatlichen Befindlichkeiten zurück will. Aber nicht so naiv und unter Ignorierung jeglicher kultureller und ökonomischer Zusammenhänge, wie das gerade geschieht. Das Projekt einer "geeinten Menschheit" ist ein langfristiges und diffiziles, das man nicht dadurch zum Durchbruch bringt, dass man nur noch von denen redet, die hier leben.

Zu große Naivität wird eher dazu führen, dass die alten nationalen Reflexe wiederkommen und sich archaische Riten und Kulturen wieder durchsetzen und mehr Schaden angerichtet wird, als Fortschritt für die Menschheit entsteht. Ein neues dunkles Zeitalter kommt eben immer im Mantel naiver, guter Absichten.

Aber wie auch immer, unsere Verfassungsväter haben anderes gewollt, aber wer sind diese dummen alten weissen Männer und Frauen der 50er Jahre schon, wenn grosse Weltenlenkerinnen das Alternativlose tun?

Auf jeden Fall scheint der Markt die Wahl in Italien ganz entspannt zu sehen. In Italien wird sowieso immer weiter gewurschtelt, das hat Tradition und eine Mitte-Rechts Regierung unter Mithilfe des "Untoten" Berlusconi, muss für die Unternehmen nichts Schlechtes bedeuten.

Übrigens, auch im deutschen Markt gibt es Aktien mir relativer Stärke, recht gut hat sich die hier im Forum schon erwähnte Kion Group mit ihren Gabelstablern gehalten. Der Aufwärtstrend ist weiter intakt und das Chartbild darf nach wie vor eher bullisch gewertet werden. Relative Stärke zum DAX ist eindeutig da:

So weit so kurz an diesem Dienstag Morgen, schauen wir, was die Wallstreet für uns in Petto hat.

Ihr Hari

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Übelkeit und Zynismus



Heute muss ich wieder krampfhaft versuchen, nur nicht auf die Medien zu klicken, weil in mir dann Übelkeit hochsteigt. Nicht wegen der Medien, die sind hier nur die Überbringer der Botschaft und suchen Klicks oder wollen die bekannten ideologischen Muster bedienen. Sondern wegen dieses infantilen, emotionsgetriebenen, jeglicher Rationalität entleerten Wirrwarrs, das in unserer Gesellschaft um das Thema Migration herrscht. Faktum ist, dass mit der Einzelfalllogik die echten, harten und absolut unvermeidbaren Fragen wieder nur zugedeckt werden, weil sich niemand an diese heran traut. Mehr will ich dazu gar nicht sagen, sonst werde ich noch ausfallend oder bekomme einen Herzinfarkt vor Verzweiflung über dieses Desaster und die opportunistische Rückgratlosigkeit aller, von Regierung bis Opposition. Bloss weg in den Urlaub, vielleicht sollte ich meine Brieftasche zücken, da was kaufen und gleich da bleiben. 😉

Ja und -> das <- macht auch nicht glücklich. Ich habe es mir anders überlegt, ich bleibe nicht im Urlaubsland (Südspanien). Der "sicherste" Ort ist auf der genau anderen Seite der Welt in Neuseeland. Die haben Verstand, eine Demokratie, ein schönes Land und sind noch weiter von Kim weg als wir. Und bilden sich auch nicht ein, die ganze Welt im Land "dulden" zu müssen. Alte Säcke nehmen die zwar nicht, die lassen nicht jeden rein der rein will und haben trotzdem oder gerade deswegen eine moralische Mitte. Aber vielleicht lassen sie ja reiche Säcke rein, die das Land bereichern wollen und polizeilich makellos sind?

Den Teflon-Markt interessiert das aber alles nicht, das kennen wir ja schon. It doesn´t matter, until it matters. Eines ist sicher, wenn es zu einem heissen Konflikt um Korea kommt, wird es "mattern" und zwar schnell und brutal. Dann werden wir erleben was die Dominanz der Algos in einem fallenden Markt bedeutet. Denn die weltweiten Lieferketten brechen dann schnell zusammen. Nehmen wir Apple mit dem OLED Display im iPhone 8. Wo wird das noch mal her geliefert? Ah, vor allem Samsung - Südkorea. Und wenn Apple wegknickt, knicken weitere Zulieferer weg und wenn die ..... to be continued. Sehen Sie?

Ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel, in den potentiell auch Japan hereingezogen wird, wäre für die Weltwirtschaft ein einziges Desaster. In praktisch jedem Gerät steckt zumindest ein Chip oder sonstiges Teil, das aus Südkorea oder Japan kommt. Da wäre es ziemlich zynisch gesagt noch besser, Deutschland wieder in die Steinzeit zu bomben. Dann wären zwar Weisswürste und Luxuslimousinen weg, aber wenigsten laufen weltweit die Kühlschränke und Notebooks noch.

Trotz meines heutigen Zynismus-Anfalls und eines Marktes, der weiter im nervenden Text macht, versuche ich objektiv zu bleiben. Wenn ich mir diese Struktur und Konsolidierung im SP500 anschaue, ist diese objektiv eher bullisch denn bärisch:

Denn wenn die Bären auch nur die geringeste Kraft hätten, müsste hier ein tieferes Retracement einsetzen. Tut es aber (mal wieder) nicht.

Blackstone (BX) hatte ich mehrfach erwähnt, so auch erst vorgestern in -> Erkenntnisdefizit <-. Kurzfristig ist da eindeutig Druck drauf, schauen Sie selber und langfristig sieht die Struktur richtig eindrucksvoll aus, siehe vorgestern:

Der Solarsektor wartet weiter auf den Urteilsspruch des Pubertisten zum Thema Paris. Wenn der Austritt kommt, sind sicher noch mal ein paar wenige Prozent nach unten drin, mit viel mehr rechne ich aber nicht, weil das Abkommen direkt ja sowieso keine grossen Auswirkungen auf die Unternehmen hat, wie alle Abkommen, denen alle Staaten als kleinster gemeinsamer Nenner zunicken können.

Der Wert des Abkommens liegt in meinen Augen mehr im Abstrakten, dass man überhaupt mal zu einem weltweiten, gemeinsamen Vorgehen fähig ist und das müsste selbst der gut finden, der nicht vom Klimaalarmismus befallen ist und das ganze Thema zwar ernst, aber doch gelassen und ruhig betrachtet.

Insofern ist die Entscheidung von Trump ein Signal, das über das Klimathema hinaus geht. Es ist ein Signal, ob er lernfähig und beratbar ist, oder ob er um jeden Preis seine überzogene Wahlkampfrhetorik in konkrete Politik umsetzen will. Wenn er aussteigt, wäre ich nicht überrascht, wenn das über das Thema hinaus kritisch gesehen würde, weil es eben bedeutet, dass er auch anderen Quatsch umsetzen wird, den er im Wahlkampf abgelassen hat. Den Teflon-Markt wird es aber wohl wieder nicht interessieren. 😉

Das Security Software Unternehmen Palo Alto Networks (PANW) hat gestern Abend später als die Mehrheit Zahlen geliefert und auf der ganzen Linie überzeugt. Ein Plus von 17% ist der Lohn, im Chart steht nun eine riesige Konsolidierungsstruktur zur Entscheidung an:

Deere (DE) ist ja übrigens auch so ein gnadenloses Teil, wie zuletzt bei den Techaktien gezeigt. Deere übernimmt heute das deutsche Unternehmen -> Wirtgen / Vögele <- und steigt und steigt.

Das ist ja hier nicht unbemerkt an uns vorbei gegangen, ich will an meinen Beitrag -> Selbstverzwergung <- von letztem November erinnern, weil er sehr schön zeigt, wie man bei so Themen anders herum argumentieren muss, als es uns fundamentale Gedanken instinktiv eingeben. Bei damals 102 USD hatte ich nach dem Volumenschub am zweiten blauen Pfeil argumentiert:

Für fundamental denkende Anleger ist das insofern überraschend, weil noch im Sommer die Meldungen herum gingen, dass sich die Flaute in den Absatzmärkten noch weiter hinziehen würde und von den Landmaschinen-Aktien nichts zu erwarten sei. Und die guten Zahlen von Deere beruhen auch nicht auf steigenden Umsätzen, sondern auf ausgezeichneter Kostenkontrolle, die die Gewinne hat trotz fallender Umsätze steigen lassen.

Nun kann man das Negativ interpretieren, es erscheint mir aber falsch und der Markt sieht es auch anders. Und technisch orientierte Anleger wurden schon im August aufmerksam, als der erste Volumenschub - wie so oft - im Nachhinein zum wichtigen Signal wurde.

Denn umgedreht wird ein Schuh daraus. Der Absatz an Landmaschinen, ist seit Jahren in der Krise, weil geringe Getreidepreise und andere Ursachen, in Teilen der Welt - insbesondere auch in Südamerika - dazu geführt haben, dass die Bauern keine Neuinvestitionen machen. Das ist alles in den Kursen und das ist eigentlich ein schwerer Sturm über der Branche, ein Sturm nachdem das langfristige Chart von Deere so aussieht.

.................

Upps ... und wo ist da die Krise?

Genau! Genau deshalb wird umgedreht ein Schuh daraus. Was für eine herausragende Aktie und für ein gut geführtes Unternehmen, dass in so einer Absatzschwäche so einen Chartverlauf hinlegt!

Und nun ist die Kostenbasis viel tiefer und nun stellen wir uns nur mal vor, nun würden auch die Umsätze wieder steigen, denn irgendwann werden die Bauern Ersatzinvestitionen tätigen müssen!

Die Gewinne würden durch die Decke gehen und der Kurs auch und deshalb kann Deere von hier durchaus weiter steigen, wenn sie der Investitionsstau mal auflösen sollte.

Sie sehen, so ist gekommen. Wieder einmal hat der erste Volumenschub den Weg gewiesen. Wieder einmal waren fundamentale Daten so nachlaufend, dass sie ohne Relevanz und eher Kontraindikatoren waren. Die Wahrheit liegt auf dem Platz, man muss das Spiel nur zu lesen wissen!

Bei Deere bin ich dabei und habe Freude, aber ganz ehrlich, dass es so gnadenlos weiter geht, hätte ich nicht gedacht und beim ersten Anzeichen einer Wende werde ich die Positionsgrösse auf die Basis zurückführen. Denn mitgehen ist eine Tugend, aber nur nach oben. 😉

Im Biotech-Sektor geht es, typisch für diesen Markt, heute wieder hoch. Runter-Hoch-Runter. Wenn wir auf mittelgrosse Werte wie Regeneron (REGN) und Vertex (VRTX) schauen, sehen wir aber, wie diese aus bullischen Konsolidierung weiter nach oben drehen, was eindeutig positiv ist. Und das sind Milliardenwerte mit Marketcap von 48 und 30 Milliarden USD. In Summe sollte man also das Gesamtbild des IBB nicht zur Monstranz erheben, der Sektor ist derzeit weder perse bullisch noch perse bärisch, er ist einfach differenziert zu betrachten:

So weit für heute, ich gehe mich jetzt betrinken. Anders ertrage ich die Nachrichten aus diesem Land nicht mehr.

Bevor ich dann endgültig unzurechnungsfähig bin, noch der Hinweis, dass dieser Markt in seiner inneren Struktur eindeutig weiter bullisch ist. Ich kann also nur wie eine Gebetsmühle wiederholen:

Vorsicht ja, dagegenstellen nein. Intelligentes, vorsichtiges Mitgehen ist weiter das Gebot.

Oder sie machen es wie ich in den kommenden 2 Wochen, gehen mal ganz raus bzw neutralisieren komplett und sagen zum Markt und zur Welt:

Ist mir doch egal, macht doch euren Mist alleine! Prost!

Ihr Hari

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Keep Calm and Carry On!




Es geht Schlag auf Schlag und so wird das diese Woche und wohl das ganze Jahr weiter gehen. Die Geschichte ist zurück, sie wird jeden Tag neu geschrieben und wir sind mittendrin.

Während "The Donald" sich gerade via Twitter wieder selber lobt, böse Zungen würden von "sich einen runter holen" sprechen, wird auch woanders Geschichte geschrieben.

Theresa May hat ihren Plan für einen Brexit vorgestellt. Die genaue Analyse will ich unserem Kolumnisten Libertin überlassen, ich kann von meiner Warte nur sagen, dass ich das gezeichnete Bild eines "Global Britain" aus britischer Sicht gut nachvollziehen kann und auch für ein sinnvolles Ziel halte.

Wenn überhaupt ein Land die Chance dazu hat, ein weltweit agierender "Flugzeugträger" der Freiheit und Wirtschaft zu werden, dann Grossbritannien mit seiner langen Geschichte des Commonwealth und als Mutter der Weltsprache Englisch, die sich mehr und mehr zur dominanten internationalen Verkehrssprache entwickelt.

Es sind neben der Insellage diese beiden "weichen" Faktoren, die GB so prädestiniert für diese Rolle machen - Geschichte und Sprache - eine Rolle die Deutschland in seiner geostrategischen Lage nicht einmal ausfüllen könnte, wenn es doppelt so gross wäre und 160 Millionen statt 80 Millionen Einwohner hätte.

Deutschland ist mit dem Kontinent Europa und seinem Schicksal auf Gedeih und Verderb verheiratet, Grossbritannien ist das nicht, in Zeiten des Internets und Transatlantik-Flügen in wenigen Stunden, schon gar nicht.

Deutschland ist - insbesondere nach der territorialen Kastrierung durch den 1. und 2. Weltkrieg - aber zu klein und schwach um Europa zu führen. Ohne diese Kastrierung, sässe hier nun wohl ein industrialisierter Koloss mit 100-120 Millionen Einwohnern. Selbst mit dieser Kastrierung, ist es aber immer noch das bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Land der EU.

Und es ist trotzdem zu klein und schwach, um die klare Führungsmacht Europas zu sein. Gleichzeitig ist Deutschland aber die einzige Macht im Kern des Kontinents, die so etwas wie eine Führungsmacht überhaupt sein könnte, wenn es sonst keiner kann. Andere Kandidaten für diese Rolle sind schlicht nicht existent. Dieses Dilemma ist seit der deutschen Reichsgründung 1871 das Dilemma Europas und es ist immer noch nicht gelöst.

In diesem Sinne ist Deutschland "unverzichtbar" für Europa, ganz besonders wenn sich Amerika unter Trump mehr auf sich selbst beschränken würde. Gleichzeitig gibt es aber schnell wieder aufflammende Reflexe, die jede - auch vorsichtige - Führung Deutschlands unterminieren. Gerade die Länder Osteuropas und gerade das Polen Kaczynskis, würden aber nach einem Abzug des amerikanischen Dominanz, schnell wieder in die "Presszone" zwischen russischem und preussisch-deutschem Einfluss geraten und alleine nicht die Kraft haben, sich dagegen zu wehren.

Ich sage bewusst preussisch-deutsch, weil die Geschichte und ihre Antagonismen wiederzukehren scheint und das im Gewand des 21. Jahrhunderts, in dem Deutschland im Vergleich zu Russland territorial und militärisch so viel kleiner, wirtschaftlich aber so viel grösser und internationaler geworden ist, als es vor 100 Jahren der Fall war.

Insofern ist das Festhalten deutscher Regierungen an Europa schon richtig, es scheint wirklich keine Alternative für diesen Kontinent zu geben, als die Einigung unter einem gemeinsamen Dach, so schwierig sie auch ist.

Gerade weil das so ist und weil das historisch wohl ohne Alternative ist - so widerwillig ich dieses Wort benutze - war es aber auch so ein monumentaler Fehler, die EU sich so überdehnen zu lassen und zu einer grossen Schwatzbude ohne innere Substanz werden zu lassen. Viel wichtiger wäre es gewesen, eine echte Union eines Kerneuropas zu forcieren, bevor man weitere Staaten ausserhalb dieses kontinentalen Kerns hinzu bittet. Und der fehlkonstruierte Euro könnte der Sargnagel werden, der dieses überdehnte Konstrukt dann potentiell zum Einsturz bringen wird.

Insofern könnte Grossbritannien uns Vorbild sein, uns wieder auf das Wesentliche und die grossen historischen Fragen zu konzentrieren. So wie Grossbritannien sich nun ganz nachvollziehbar wieder mehr den Weltmeeren zuwendet, die seinen Aufstieg beförderten, muss Deutschland und Kerneuropa sich wieder darauf konzentrieren, endlich dieses Dilemma Europas zu lösen, das seit mindestens 1871 besteht.

So absurd sich das anhört, könnte massiver Druck von aussen die einzige Kraft sein, die einen solchen Prozess in Gang bringen könnte. Wenn überhaupt, übermässig optimistisch bin ich da nicht.

Wir sollten uns aber daran erinnern, dass auch die durch Bismarck forcierte -> Reichsgründung <- erst den äusseren Druck brauchte, um sich dann trotz massiver Animositäten gegen Preussens Dominanz zu vollenden. So darf man auch heute ausserhalb eines deutschsprachigen Blogs solche Vergleiche nicht in den Mund nehmen, weil sie sofort verständliche anti-preussische hier anti-deutsche Reflexe hervor rufen.

Ich will damit ja auch nur zeigen, dass die Vereinigung von etwas, das sich noch nicht zusammengehörig fühlt, ein Prozess ist und einen Katalysator braucht. Und Druck von aussen ist der ideale Katalysator. einen besseren kenne ich nicht.

Wenn das aber nicht gelingt, wenn Kerneuropa nicht zusammen finden kann, ist es dazu verdammt unter der Pax Americana in die Zweitrangigkeit abzurutschen, oder sich ganz aus der Weltgeschichte zu verabschieden. Der Traum dass alle diese kleinen Länder - gerade die Länder Osteuropas - fröhlich im Sinne der Schweiz vor sich hin leben, ist mit Verlaub naiv. Europa ist nicht die Schweiz und die Schweiz konnte diese Rolle historisch auch nur einnehmen, weil sie so klein ist, dass sie geostragisch immer unter dem Radar gelaufen ist. Neutralität ist eben nur solange zu halten, solange die Nachbarn mit der Neutralität kein Problem haben und keine Begehrlichkeiten geweckt werden.

England aber, braucht zwar Freundschaft mit Europa und sinnvollen Handel, am Schicksal des Kontinents, hängt es aber nur begrenzt. Insofern betrachte ich die Frage, ob der von May immer noch sehr schwammig formulierte Pfad zum Brexit nun ins Verderben oder in eine glorreiche Zukunft führt, immer noch für völlig offen. Es wird auf die Details ankommen und nicht auf die blosse Absicht.

Der Markt hat auf jeden Fall auf Mays Rede erst einmal mit Erleichterung reagiert, so weit man das an dem Verlauf des Pfund festmachen darf, das heute massiv nach oben zurück schnappt:

Ich denke, hier wirken drei Faktoren. Auslöser ist erstens die nachvollziehbare Entspannung, das nun überhaupt mal ansatzweise Klarheit existiert und May ja zwar den Austritt aus dem Binnenmarkt verkündet hat, zweitens und gleichzeitig aber den Wunsch nach einem ausgedehnten Freihandelsvertrag bekräftig hat.

Bedeutet, dass GB zwar nicht mehr zum EU Binnenmarkt gehört, sich aber wie andere Handelsmächte wie die USA, mit der EU auf einen freundschaftlichen Regelsatz einigen will. Und wenn in der EU kein Hang zur Selbstverstümmelung existiert, warum sollte die es nicht tun, denn auch die EU profitiert von Handelspartnern.

Wirkliche Ursache dieser Bewegung dürfte aber die Auflösung von Shorts sein, die durch obige Interpretation nun an die Wand gepresst werden. Und so kommt dann so eine Bewegung zustande:

Wenn man das in ein Wochenchart transportiert, entsteht so etwas. Das fragt man sich doch, kann das wahr sein?

Ich habe noch meine Zweifel und die Theorie, dass die Parlamentsabstimmung am Ende des Prozesses vom Markt als Positivum gesehen würde, halte ich für völligen Quatsch. Der Markt ist nicht blöd und am Ende der Verhandlungen, haben die Firmen schon längst mit den Füssen abgestimmt und dem Parlament steht nur noch die Aufgabe zu, das normativ Faktische abzunicken. Das bringt dann bestenfalls noch etwas Unsicherheit, ist heute aber kein Positivum.

Aber wer glaubt das genüge heute schon, der irrt. Gold hat sich von der 1.200er Zone gelöst und wieder gegenüber dem Dollar eine Überperformance hingelegt.

Sie sehen leicht, dass Gold nun mit dem Kopf aus der Widerstandszone heraus ragt, die damit zur Unterstützung geworden ist. Damit kommt nun eine Ausdehnung der Basisposition in Betracht, die man unter der neuen Unterstützung absichern sollte.

Die aktuelle Bewegung läuft nun bald in eine überkaufte Marktlage, die einen erneuten Test der Unterstützung von oben wahrscheinlich macht. So wie in Lila als Szenario eingezeichnet, sähe also der ideale Einstieg aus, dem man dann näher treten könnte, ohne nach unten grosse Risiken zu gehen.

Also, wer nun nicht meint unbedingt noch dabei sein zu müssen, der atmet jetzt durch und wartet noch ein wenig. Das Retracement runter auf 1.200, das wäre - wenn es kommt - dann ein sauberer Einstieg mit klar begrenztem Risiko und darum geht es uns doch.

Apropos Risiko, jetzt stellen wir uns mal vor, wir bekämen nun tatsächlich die überfällige Sell-the-News Reaktion nach Trumps Amtseinführung. Wo würde die uns im S&P500 hinführen, wenn wir davon ausgehen, dass es ein kaufbarer Dip ist und das Jahr noch höhere Kurse vor uns liegen:

Die Antwort liefert das Chart:

Da oberhalb 2.100 und oberhalb der Tiefs vor der Wahl, da beim 38er Fibo Retracement, da ist eine sinnvolle Zielzone für einen überfälligen Dip, die - wenn so ablaufend - einer Korrektur von ungefähr 7% entsprechen würde.

Im grossen Bild wäre es aber nach wie vor nur ein belangloser Dip im grossen Trend:

Das ist das, was ich als realistisches Szenario auf dem Radar habe, wenn ich von Vorsicht bei gleichzeitig bestehendem, übergeordnetem, bullischen Trend rede.

Was ist sonst bei den Zahlen passiert?

Aqua America (WTR) liefert -> überzeugende Zahlen <- und ist nun in einer attraktiven, charttechnischen Ausgangslage:

Der Mitbewerber American Water Works (AWK), der erst in 2 Wochen berichtet, wird natürlich von AWK mitgezogen und hat eine nicht minder interessante Ausgangslage:

Beide Wasser-Utilities, erscheinen weiter langfristig aussichtsreich. Insofern hat es schon schlechtere Einstiegspunkte gegeben, als den aktuelle Zeitpunkt der Korrektur, die letzten Sommer begann.

Morgan Stanley (MS) kann die Kette guter Quartalszahlen des Sektors nicht ausreichend fortsetzen, was in meinen Augen aber noch wichtiger ist, ist die Sicht auf den Finanz-Sektor als Ganzes:

Das sieht nun doch recht gefährlich aus, wenn der ganze Markt nun zur Korrektur ansetzt, wird es uns wohl der XLF auch anzeigen.

Ganz interessant ist auch die Marktreaktion bei United Health Group (UNH) nach den -> eher guten Zahlen <-.

Das Unternehmen ist ja direkt dem Chaos um Obamacare und der Absicht Trumps die Reform zu ersetzen ausgesetzt. Trotzdem ist die Unsicherheitsreaktion doch sehr verhalten, der Markt signalisiert daher Vertrauen, dass Trump etwas anderes an die Stelle von Obamacare setzen wird, das zumindest für die Anbieter solcher Versicherungen ebenso profitabel ist.

So weit der vielen Worte für heute, wir kommen wieder in eine Marktphase, wo man nicht mehr weiss, worüber man als Erstes schreiben soll und ich nicht mehr alles adressieren kann, sondern selektiv werden muss.

Ich widme mich jetzt meinen eigenen Positionen. Bis Morgen!

Ihr Hari

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Jahr der Entscheidungen

Ein neues Börsenjahr liegt vor uns und es hat so begonnen, wie wir das im alten Jahr schon erwartet haben: ruhig und mit bullischem Unterton.

Schon seit November sage ich, dass bis zur Amtseinführung Trumps am 20.01.17, der Markt noch in seinem "Buy the Rumor" Wohlgefühl verharren kann. Wobei man das nicht auf den Tag genau verstehen sollte, sondern eher im Sinne "um die Amtseinführung herum", der Markt neigt dazu, Dinge schon vorher in Gang zu setzen.

Erst danach, muss aus Twitter-Zeilen dann echte Politik werden, was erhebliches Enttäuschungspotential beinhaltet. Das bedeutet aber nicht, dass daraus zwingend eine Enttäuschung werden muss, diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und liegt im Wesentlichen in der Hand des grössten Donald aller Zeiten. 😉

Mit den Wahlen in Frankreich im Mai und in Deutschland im Herbst, dürfte dann auch die vor sich hin schwärende Frage nach der Zukunft Europas und des Euros, endlich einer Entscheidung zugeführt werden.

Gerade Frankreich ist dabei von immenser Bedeutung, während es in Deutschland ja wahrscheinlich mal wieder "alternativlos" weiter geht. Der Wahlkampf hat ja offensichtlich in diesen Tagen schon begonnen, wenn man sieht, wie sich Parteien aller Coleur, nun seit Jahresanfang unisono einer klaren Sprache bedienen, für die man noch vor 15 Monaten im berüchtigten Herbst 2015, als Rechtsextremist beschimpft worden wäre.

Was davon zu halten ist, dürfte jedem halbwegs klar denkenden Menschen offensichtlich sein: Wahlkampf eben und was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern? Egal woran wir politisch glauben, wir sollten bei der Wahl die Parteien nach ihrem Handeln beurteilen und nicht nach ihren wohlfeilen Worten.

Frankreich aber, dürfte schon im Mai der grosse Wendepunkt sein. Ein jeder Potenz beraubtes "weiter so" im Stile Hollandes, dürfte wohl nicht auf der Agenda stehen. Eher sind es zwei Alternativen, die wohl zur Wahl anstehen. Auf der einen Seite das Modell eines Europas der kulturellen Identität, dass den vielfältigen Regionen und Nationalitäten wieder Raum gewährt und diese als Stärke achtet, statt sie als Verstoss gegen die "EU-Norm" wegregulieren zu wollen. Andererseits das klare Ende des bekannten Europas und damit auch des Euros, mit unabsehbaren Konsequenzen und hoher Volatilität.

Wie das ausgeht und vor allem wie die Börse darauf reagieren wird, ist heute aber unmöglich vorher zu sehen, ebenso wenig wie im Oktober letzten Jahres, der Ausgang der US Wahl. Insofern sind alle Jahresprognosen mal wieder nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurden.

Uns hier bei Mr-Market, tangiert das bei unseren Börsenaktivitäten aber auch gar nicht, die grossen Prognosen überlassen wir denen, die ihr Geld mit Klicks verdienen.

Wir nehmen den Markt und das Geschehen in der Welt auch dieses Jahr wieder Schritt für Schritt und erzielen unsere Vorteil dadurch, dass wir uns schnell anpassen und von den Bewegungen profitieren, wohin sie uns auch immer führen mögen.

Als Staatsbürger aber, als Mütter und Väter von Kindern, denen wir eine positive, chancenreiche Welt hinterlassen wollen, ist 2017 wohl das Jahr der Entscheidungen, in dem wir unser ganzes Gewicht in die Waagschale werfen sollten, um dieses Land und diese Welt für unsere Kinder ein klein wenig zu einem besseren Ort zu machen.

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Der helle Wahnsinn



Das war gestern der helle Wahnsinn liebe Mitglieder. Ein historischer Tag und das nicht nur wegen der Zeitenwende, die mit Trump kommen dürfte, sondern auch wegen des Geschehens am Markt.

Schauen Sie mal, die Intraday Daten des S&P500 Futures: 2.031,56 im Tief -> 2.169,81 im Hoch = 6,8% Intraday Hub

Und die Intraday Daten des DAX Futures: DAX Future - 10.034,5 im Tief -> 10.683,50 im Hoch = 6,5% Intraday Hub

Nun werden sich bestimmt Börsen-"Experten" da draussen finden, die nun ganz auf cool machen, um ihre vermeintliche Erfahrung damit zu unterstreichen. Aber alles Blödsinn, das *war* ganz herausragend gestern, ein ganz besonderer Börsentag mit historischen Dimensionen, da darf man mal erstaunt und auch ein bisschen fassungslos sein. Gerade als erfahrener Marktbeobachter, denn gerade weil man das ist, kann man das Ungewöhnliche erkennen, einschätzen und werten.

Wie ungewöhnlich gestern war, offenbart uns ein Blick auf einen sensationellen Hammer als Tageskerze im Chart des S&P500. Das war definitiv der grösste Intraday-Hub im ganzen Jahr 2016 und nicht nur in 2016, sondern seit dem 09.08.2011, also seit über 5 Jahren. Und damals war das eine Gegenbewegung nach längeren Verlusten vorher, also gar nicht zu vergleichen.

Am Folgetag (heute) ging es 2011 wieder um 4% herunter, aber erneut, das ist nicht zu vergleichen. Heute gehe ich eher davon aus, dass der Markt mit abnehmendem Momentum noch etwas weiter hoch schiebt, denn so ein Ereignis wird nicht an einem Tag eingepreist und viele hat das gestern auf dem falschen Fuss erwischt, die sich heute repositionieren müssen.

Um eine halbwegs vergleichbare Situation zu finden, muss man schon in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg in das Jahr 1948 zurück gehen, wir hatten also gestern wahrlich ein historisches Ereignis!

sp500-09-11-16-2

Der gestrige Tag hat uns auch mal wieder vor Augen geführt, wie der Markt es schafft, uns immer wieder Demut einzubläuen. Sie haben es doch Live in meinen Texten der letzten Tag erlebt:

  1. Ich hatte die Fallhöhe nach einem Trump-Sieg mit gut 5% und ca. 2.000 im S&P500 richtig.
  2. Ich hatte den darauf folgenden Rebound richtig. Die Furcht, dass Trump den Markt zum Einsturz bringt oder perse schlecht für Aktien wäre, hatte ich nie. Vielleicht wird er mal die Welt zum Einsturz bringen, wenn er wirklich der Narzist ist, den ich befürchte in ihm zu sehen, aber das dann irgendwann in der Zukunft und nicht direkt nach der Wahl.
  3. Ich hatte den Umfang des Rebounds richtig, der wieder bis in die alte Range führt.
  4. Ich hatte die Sektoren richtig, die im Rebound zu kaufen sind.

Fast perfekt also. Und trotzdem fühlt man sich dann, als ob man ein Idiot wäre, weil der Markt all das oben, viel schneller als erwartet, in einem Tag zusammen zieht. Und damit habe ich nicht gerechnet. Alles richtig und doch nicht so richtig. Faszinierend!

Aber immerhin, waren auch so schöne Gewinne drin, hinterher ist man halt schlauer und denkt "hätte ich doch". Diese Form von Gedanken, muss man aber schnell beiseite legen. Denn perfekt trifft man es am Markt nie. Wer an so einem, extrem volatilen und historischen Tag mit signifikanten Gewinnen nach Hause geht, hat eine Menge richtig gemacht. Klopfen Sie sich also auf die Schultern, wenn Sie dazu gehören. Punkt. Mund abwischen, weitermachen!

Meine Theorie, warum das gestern so gekommen ist, steht übrigens im Chart. Es ist das Muster des Brexit, der in allen Köpfen war. Keiner wollte der Letzte sein und diesen Rebound wieder verpassen. Was es dann noch brauchte, war ein Katalysator und den hat Trump mit seiner Siegesrede geliefert, in der er überraschend konziliant, staatstragend und rational war. Und ab ging die Post.

Es ist also wohl ganz einfach:

Der Markt hat gestern den 5-tägigen Brexit-Reversal-Zyklus in einem Tag wiederholt, weil das keiner verpassen wollte. Irre!

Wenn das so ist, sind wie nun da, wo wir analog Anfang Juli war. Sprich erst die Hälfte der Aufwärtsbewegung ist verfrühstückt und neue Hochs können noch kommen.

Wobei das bitte nicht so zu verstehen ist, als ob der Markt gestern einfach gekauft wurde. Nein, wir hatten eine extrem Spreizung in den Sektoren, die Bespoke -> hier <- übersichtlich darstellt.

Was also passiert ist, ist dass die schnellen Marktteilnehmer das Gleiche gemacht haben, was ich mit Ihnen auch gestern früh besprochen habe: die Repositionierung des Portfolios, für die "World of Donald". Wie ich oft sage, die anderen im Markt sind eben auch nicht blöd und in so Situationen muss man zupackend sein, wenn man vom frisch gebackenen Kuchen, noch ein warmes, gutes Stück bekommen will.

Die Indizes sind also gestiegen, weil die "Trump-Sektoren" hart gekauft wurden. Sie sind aber so schnell und hart aus den Tiefs gestiegen, weil jeder den Brexit vor Augen hatte und keiner der Letzte sein wollte.

Aber viele Marktteilnehmer, haben das gestern bestimmt verpasst und deshalb können die Märkte heute wahrscheinlich noch etwas steigen, bevor sie dann erstmal wieder in eine Konsolidierung eintreten.

Trotzdem, selbst wenn es von hier weiter hoch geht, sollten wir nicht vergessen, was ich nun schon oft gesagt habe. Trump ist noch nicht richtig eingepreist, weil niemand wirklich wissen kann, was Trump bedeutet. Diese Anpassungen kommen nun erst, Schritt für Schritt mit jeder Nachricht. Und erst in einigen Monaten werden wir wissen, welchen Ton diese Präsidentschaft wirklich hat, gerade auch aus Sicht der Börse gesehen.

Erinnern wir uns doch, wie der von mir damals "Schwätzer" genannte Obama, hier von weiten Teilen der sich progressiv gebenden "Eliten" gefeiert wurde, als ob er der Messias wäre. Was er dann abgeliefert hat, ist eher traurig, er ist in meinen Augen vor allem an seiner Arroganz und fehlenden Empathie gescheitert - seiner Unfähigkeit, mit ihm fremden und andersartigen Partnern, sinnvolle Arbeitsbeziehungen aufzubauen, die von Vertrauen geprägt sind.

Das hat man an seinem Nicht-Verhältnis zu anderen Staatsführern gesehen, selbst die geradezu mädchenhafte Bewunderin Merkel, hatte nicht mehr als eine freundliche Arbeitsbeziehung zu ihm. Das hat man aber auch an seiner Unfähigkeit gesehen, innenpolitisch mit vernünftigen Mitgliedern der Republikaner Vertrauensverhältnisse aufzubauen, die die Blockade der Republikaner gebrochen, das Land voran gebracht und wahrscheinlich Trump unnötig gemacht hätten. Treue Mitglieder wissen, wie negativ ich das schon vor Jahren kommentiert habe, erinnert sich jemand an den Namen "Boehner" und diverse Schlachten um das Budget, die den Markt auch sehr beschäftigt haben?

Aber hätte, hätte, Fahrradkette. So wurde in Obama auf jeden Fall alles Gute hinein interpretiert, der Friedensnobelpreis ohne Verdienste war eher peinlich und er hat in seinen 8 Jahren wenig geliefert für den Frieden der Welt, oder ist diese Welt nun friedlicher als vor Obama? Und das aktuelle Chaos in Syrien und die sich zunehmend aggressiv gerierenden Autokraten, haben auch mit seinem Zögern und seiner Unentschiedenheit zu tun.

In Trump wird nun wie weiland in Reagan, alles Schlechte hinein interpretiert von denen, die sich in ihrer Hybris als moralische Instanz für richtig oder falsch in der Welt aufspielen. Und erinnern wir uns auch, wie Kohl vom gleichen Milieu immer als "Birne" verspottet und lächerlich gemacht wurde. Vielleicht überrascht uns Trump ja doch.

Ich habe ja schon im Tichy Artikel geschrieben, dass wir noch nicht wissen, ob das nun ein "Reagan-Trump" wird, den die Börse lieben wird, oder ein "Goldwater-Trump", der Unglück über die Welt bringt. Wir werden sehen. Bei aller Skepsis und der grossen innerlichen Ablehnung, mit der ich auf den charakterlichen Typus Trump schaue, den ich persönlich verachte - die Hoffnung stirbt zuletzt, dass es nur Fassade und Taktik war!

Insofern ist wirklich alles offen und ich sehe die gestrige Rally als ein technisches Spektakel, weil es so eine markante Vorlage im Brexit gab. Nun, ab heute, muss genauer nachgedacht werden und wie das nun weiter geht, hängt eben stark von den Signalen ab, die Trump und sein sich entwickelndes Team dann absetzen werden.

Wenn man Trump beiseite lässt und nur schaut, was im S&P500 steckt, dann hat der übergeordnet gerade den Retest des grossen Ausbruches aus der Seitwärtskonsolidierung seit Anfang 2015 vollzogen.

Wenn das so wäre, würde es nun nur noch einen Pfad geben und der geht nach oben und der -> Crack-up Boom <- entfaltet sich in all seiner Perversion. Zu einem Trump, der massiv Geld schöpfen lässt, um seine Ausgabenprogramme zu finanzieren, würde das durchaus passen. Aua!!

sp500-09-11-16-3

Und der DAX? Der hat trotz seiner ebenso beeindruckenden Intraday-Rally gestern, noch nichts wirklich Relevantes gemacht:

dax-09-11-16-2

Eine gewisse Grundskepsis habe ich da nun, denn über Deutschland hängen mit Trump nun viele Fragezeichen und über seinen Exporten wohl auch.

Aber das war ja noch nicht alles, schauen wir auf den brutalen, historischen Selloff in den US Staatsanleihen, den uns zum Beispiel die Langläufer in Form des ETFs TLT zeigen:

tlt-09-11-16

Mit 4% Minus, war das der grösste Absturz in 5 Jahren. In 5 Jahren!

Das ist für mich primär Ausdruck einer Erwartung, dass mit Trump einer Änderung der Zinspolitik der FED kommt und dass zur Finanzierung seiner Vorhaben jede Menge neue Anleihen ausgegeben werden.

Wenn wir das sehen, wissen wir, wo das Geld für den Aktienmarkt her gekommen ist. Nicht nur aus "covered Shorts", sondern auch aus dem Bondmarkt. Und wenn sich das fortsetzt, ist das "Crack-Up-Boom" Chart gar nicht mehr so gesponnen, denn wo soll das Kapital denn hin, das aus dem Bondmarkt fliesst, wenn da die Renditen steigen? Wahrlich ein historischer Tag, der für alle eine Überraschung parat hatte, auch für mich.

So weit für heute Morgen - dem Morgen, an dem sich der Rauch über dem Schlachtfeld langsam verzieht.

"Normal" - wenn es so etwas in der aktuellen, historischen Lage überhaupt gibt - wären nun heute und vielleicht morgen noch leichte Gewinne durch die zu spät Gekommenen. Dann käme eine kurze Findungsphase und dann könnte es zum Jahresende durchaus weiter hoch gehen - je nachdem, wie sich Trumps Präsidentschaft anlässt. Die Schwankungsbreite und auch das Enttäuschungspotential, ist aber sicher in den kommenden Woche nicht gering. Bullisch darf man also sein, euphorisch eher nicht.

Zu einzelnen Opportunitäten, melde ich mich nachher.

Ihr Hari

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Kann man so dumm sein?



Guten Morgen!

Ein schwieriges, weil unerträglich starres Quartal, geht mit einer passenden Woche zu Ende, die noch schwieriger war.

Dreimal hatten wir saubere Aufwärtsimpulse, den Ersten nach der FED, den Zweiten nach der Clinton/Trump Debatte und den Dritten gestern nach der OPEC.

In allen drei Fällen gab es keine Folgekäufe und der initiale Impuls bröselte weg und das in einer Gesamtsitution, die nach dem Ausverkauf am 09.09., durchaus das Potential für einen bullischen Schub hatte.

Das war sehr merkwürdig, das ist sehr merkwürdig und ich bin im Nachgang beim Versuch das Geschehen objektiv zu betrachten, auch nicht der Meinung, dass ich zu bullisch war, ich würde es wieder so einschätzen, wenn ich diese Price-Action vor mir hätte. Vielmehr scheint irgend etwas hier "komisch" zu sein, man könnte auch sagen "es stinkt".

Drei so Impulse ohne Folgekäufe sind auf jeden Fall *sehr* aussergewöhnlich und das reiht sich in ein Quartal ein, das aus Sicht der Indizes eher zum Vergessen war, nur die ersten zwei Juli-Wochen haben im Nachgang des Brexits Spass gemacht, dann kam die grosse Starre über uns.

Stellt sich die Frage was hier stinkt und die Vermutung ist naheliegend, dass es systemische Ängste um die Deutsche Bank sind. Erste Erinnerungen an Lehman kommen da auf, mit Nachrichten von Geldabflüssen und offiziellen Dementis.

Die Nachricht, dass -> Hedge Funds Geld abziehen <- hat durchaus das Potential, eine Art professionellen Bank-Run in Gang zu setzen und ja, das ist gefährlich und das ist auch mit hoher Wahrscheinlichkeit der Grund für die markante Schwäche, die sich nun in DAX & Co. abzeichnet.

Besonders riskant wird das heute, weil sowieso in Frankfurt ein langes Wochenende bevor steht. Niemand wird heute wohl ernsthaft dagegen wetten, was im DAX das Potential für einen Ausverkauf schafft.

Umgedreht reicht aber eine Nachricht, dass die Bundesregierung die Deutsche Bank stützt und die Märkte werden in einem lauten *Wooshh* wieder nach oben laufen. Sicher sollten sich die Bären also nicht sein.

Ich muss gestehen, das Geschehen um die Deutsche Bank wirkt surreal auf mich. Kann man in der US Administration - und zu der gehören natürlich auch die Justizbehörden - wirklich so dumm sein, wissentlich eine Systemkrise mit einer bewusst überhöhten Forderung zu erzeugen? Eine Systemkrise, die bei der Verpflechtung dann auch die US Grossbanken wieder ans Wackeln bringen würden?

Ich meine es ist doch eine einfache Rechnung. Die Deutsche Bank hatte vor der Forderung noch ca. 20 Milliarden Marktkapitalisierung. Wenn man dann 14 Milliarden fordert, sollte selbst "Klein-Fritzchen" klar sein, was das bedeutet und auslöst.

Und gleichzeitig weiss jeder, dass die Forderung völlig überzogen ist und eher eine bewusste Züchtigung darstellt. Also noch einmal:

Kann man wirklich so dumm sein? Oder ist hier eine Agenda dahinter und in Kürze hören wir dann von der Übernahme der DB durch ein US Grossinstitut, womit sich Deutschland endgültig von der Landkarte der Investmentbanken verabschiedet. Investmentbanken die schon eine hohe Bedeutung für die Wirtschaft haben, nicht für normale Bürger, aber für die Unternehmen, in denen die normalen Bürger arbeiten.

Ich sehe das Geschehen mit Staunen und Kopfschüttel und rechne eigentlich jede Sekunde mit stützenden Sätzen. Denn erneut, jeder weiss: die Deutsche Bank kann man nicht kippen lassen, auch die US nicht und Deutschland schon gar nicht. Die Folgen wären desaströs.

Kann man wirklich so dumm sein?

Für den heutigen Tag heisst das wohl, dass die Krise sich einfressen wird und Absturzpotential im DAX vorhanden ist, der gleich auf der Unterstützung eröffnen dürfte:

dax-30-09-2016

Wenn die fällt, sehen wir schnell die 10.000. Aber jede Minute kann nun ein Statement kommen und dann findet man sich 200 Punkte höher wieder.

Ehrlich gesagt, ich kann so ein Environment nicht handeln und verkrieche mich lieber in meiner "Börsen-Höhle".

Ihr Hari

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