BMW – hätte, hätte, Fahrradkette …



Gestern gegen 15 Uhr, vor ziemlich genau 24 Stunden, habe ich eine -> BMW Handelsidee <- mit dem folgenden Chart bei 73,92€ gezeigt:

BMW 03.02.16

Dieser Trade ist nun gescheitert und ausgestoppt. Ein guter Grund um zu schauen, was da schief gegangen ist.

Die Antwort ist: Aus Sicht des Setups Nichts!

Das Setup war sauber und völlig in Ordnung. Hätte ich gestern eine Wahrscheinlichkeit dazu geschrieben, wäre es auf jeden Fall 60/40, vielleicht sogar 70/30 gewesen. Und wenn mir heute wieder genau so ein Trade vor der Nase stehen würde, würde ich es wieder so sehen.

Was in Wirklichkeit passiert ist, ist einfach grosses Pech, was das Timing angeht. Denn erst einmal lief der Trade wie geplant und BMW ereichte mit 74,80 um exakt 15:30 Uhr sein Hoch, ein gutes Prozent höher als beim Einstieg.

Dann aber kam der grosse Elefant in den Raum, die FED und hat ein massives -> Deleveraging <- an den Weltmärkten ausgelöst, in dessen Folge nicht nur der Dollar wie ein Stein fiel, sondern eben auch der Euro massiv stieg und die Indizes weg kippten.

Aber selbst das hat den Trade nicht endgültig zerstört, aber heute früh enttäuschte Daimler mit dem Ausblick und zog BMW erneut ein Stück nach unten.

Aber selbst das hat den Trade nicht endgültig zerstört, aber seit heute mittag steigt der Euro weiter brutal, das Deleveraging, die Auflösung der Carry-Trades, ist im vollen Gange und alle Indizes kippen nun deutlich weg.

Und das ist schlicht zu viel. Egal wie stark ein Reversal ist, was zu viel ist, ist zu viel. Ein Anstieg des Euros von nun 3% innhalb von 24 Stunden ist schlicht brutal und geht natürlich an einem Exportwert wie BMW mit Produktion auch in Deutschland nicht spurlos vorbei. Und einem DAX nun unter 9.300, kann sich BMW auch nicht entziehen.

Ohne diese brutalen Verwerfungen an den Devisen-Märkten, hätte der verhaltene Ausblick bei Daimler den Trade kaum aufgehalten. Aber was zu viel ist, ist zu viel:

BMW 04.02.16 2

Nichts davon, hat seine Ursache in BMW selber, aber insbesondere der Euro, wirkt sich natürlich heftig aus. Dass sich so eine brutale Währungsbewegung, die bisher stärkste des Jahres 2016, genau 30 Minuten nach dem man so einen Trade startet in Gang setzt, ist schlicht Pech. "Shit happens" sozusagen. Oder auch: "Hätte, hätte, Fahrradkette"

Deswegen sage ich ja immer, es gibt keine absolute Sicherheit und ich hätte dem Trade im Falle 70/30, eben immer noch eine Wahrscheinlichkeit des Scheiterns von einem Drittel eingeräumt. Und genau dieses Drittel ist nun halt eingetreten.

Wir lernen daraus am konkreten Fall, was ich auch schon oft gesagt habe:
Man kann im Markt alles richtig machen und trotzdem falsch liegen.

Wichtig ist aber, den Einzelfall gedanklich vom Prinzip zu trennen. Denn den nächsten Trade, der sich mir so darstellt, mache ich wieder, einfach weil so ein Setup tatsächlich eine höhere Erfolgschance generiert, als wenn man nur "irgendwann" kauft.

Hier gilt also: 2-3% Verlust fressen, Mund abwischen, weiter machen!

Was das "Weitermachen" angeht, sehe ich die Autobauer BMW und Daimler nun tatsächlich in Bereichen, wo sie für mich auch auf der Long-Seite wieder interessant werden. Lange habe ich diese - weil zu teuer - ja nicht mit der "Kneifzange" angefasst. Nun sehe ich hier zunehmend wieder Chancen und interessiere mich wieder dafür, auch langfristig.

Es gilt nun also, auf das nächste saubere Setup zu warten und dann wieder zuzupacken. In so einem wetterwendischen Markt, kann das recht schnell gehen. Ganz sicher ist auf jeden Fall: es wird nicht jedes Mal eine halbe Stunde danach die FED aus einer monatelang gehaltenen Deckung kommen. Mit diesen Überraschungen muss man einfach leben, wenn man am Markt unterwegs sein will.

Und es gibt auch keinen Ort, an dem man sich vor diesen Einflüssen völlig verstecken kann. *Alles* am Markt wird davon massiv beeinflusst, nicht nur BMW.

Ihr Hari

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Der Euro und der Abgrund



*Das* Ereignis der letzten Woche, waren natürlich die extrem guten US Arbeitsmarktdaten. Und wenige Tage vorher hatte Janet Yellen - die die Daten da wahrscheinlich in ihrer Tendenz schon kannte - die seit langem schärfsten Worte hinsichtlich einer ersten Zinserhöhung gefunden.

Damit hat sich Yellen defacto festgelegt. Durch das Zögern im September, wurde der Ruf der Konsequenz sowieso schon beschädigt und um jetzt noch auf eine Erhöhung im Dezember zu verzichten, bräuchte Yellen ganz eindeutige, negative Daten.

Vielleicht beschliesst der Markt ja, sie dazu zu zwingen und dreht nun mit Macht nach unten. Darauf wetten, würde ich aber nicht. Realistisch ist nun, von der ersten Zinserhöhung seit 10 Jahren in den US für Dezember auszugehen.

Realistisch ist aber auch davon auszugehen, dass Yellen alles tun wird, um die Angst vor schnellen weiteren Schritten zu dämpfen. Vielmehr dürfte sie ein "one and done" Szenario bevorzugen, das schon im September der richtige Ansatz gewesen wäre, um Handlungsfreiheit zu gewinnen.

Den stärksten Effekt dieser Politik konnte man natürlich an den Devisenmärkten und insbesondere bei EURUSD ausmachen. Während die BoJ, die PBoC und die EZB alle ihre Währungen abwerten, setzt die FED eine Zinserhöhung auf die Agenda.

Dass das EURUSD nach unten presst, ist klar und offensichtlich. Und die Implikationen, die das im Chart auslöst, sind gewaltig, schauen Sie selbst:

EURUSD 09.11.15

Rein von der Struktur her, wurde damit die Bewegung der letzten Monate als Seitwärtskonsolidierung mitten im Absturz qualifiziert, an die sich dann eine erneute Absturzphase anschliesst, die typischerweise einen ähnlichem Umfang wie die erste Phase besitzt.

Das würde EURUSD dann weit unter Parität bringen. Alleine ich glaube nicht daran, weil sich das die FED schlicht nicht leisten kann. Die US Konjunktur beginnt unter dem starken Dollar zu ächzen, wie wir ja auch an vielen Quartalszahlen gesehen haben.

Insofern denke ich, dass der "One and Done" Ansatz, spätestens ab Mitte Dezember das Bild wieder ändern wird und EURUSD nicht so massiv abstürzen wird.

Chancenreich finde ich dagegen einen "Game Plan", nachdem EURUSD noch bis Anfang Dezember, bis zur EZB Sitzung zu Schwäche neigt und dabei vielleicht marginal neue Tiefs generiert.

Dann aber, im Zuge der EZB Sitzung und später der FED Sitzung, würde im Laufe des Dezembers ein Tiefpunkt generiert und was wir bekommen, ist dann eher eine Art Doppelboden in EURUSD:

EURUSD 09.11.15 2

Ich betone aber, das ist nur ein Gedankenspiel, ich handele EURUSD eher nicht, weil ich damit zu unmittelbar zum Sklaven der Lippenbewegungen der Notenbanker werde.

Aber zumindest haben wir nun für ein paar Wochen Klarheit insofern, als weiter Druck auf EURUSD entstehen dürfte. Die Frage ist also, wann diese Erwartungen endgültig und vollständig eingepreist sein werden. Bis vor die EZB Sitzung Anfang Dezember, sollten aber die Erwartungen überwiegen, dass der Euro noch weiter nach unten gepresst wird. Erst mit der Sitzung, kommt dann Enttäuschungspotential im Sinne der "vollendeten Tatsache" auf.

Den Aktien-Märkten sollte diese Lage daher bis Anfang Dezember in Summe gut tun, denn der Euro-Carry-Trade sorgt dafür, dass damit genügend Kapital in die Märkte gekippt wird und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks.

Richtig gefährlich wird es aber, wenn sich das nach der FED drehen sollte. Aber über diese Brücke gehen wir, wenn wir vor ihr stehen.

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Finanztransaktionssteuer – Von Ahnungslosigkeit und Lobbyismus – Eine Wutrede

Nachdem die EU-Kommission einen ersten Vorschlag zur Finanztransaktionssteuer vorgelegt hat, gehen die Berichte über erste Einzelheiten durch die Welt, nachzulesen unter anderem -> hier <-.

Wenn ich lese, was sich da wieder ausgedacht wurde, steigt mir die Zornesröte ins Gesicht und ich kann nicht anders, sondern muss zu einer sehr persönlichen Wutrede ansetzen. Wer klare Worte in einem persönlichen Kommentar nicht erträgt, möge nicht weiterlesen.

Zunächst ist es mir wichtig festzuhalten, dass ich durchaus ein Freund der Idee einer - richtig umgesetzten - Börsenumsatzsteuer (Tobin Tax) bin. Die Absichten die sich damit verbinden, sind nicht nur ehrenhaft, sondern sogar sehr sinnvoll.

An erster Stelle steht für mich die Entschleunigung der Märkte. Man sollte sich darauf zurück besinnen, was der volkswirtschaftliche Sinn eines Aktienmarktes ist. Er dient dazu den Wert von Firmen und Geschäftsmodellen festzulegen und die Unternehmen daher mit Kapital für ihre Aktivitäten zu versorgen.

Über die Pervertierung des Marktes als Spielplatz von wild gewordenen Algorithmen wurde völlig vergessen, dass die Erfindung eines Marktes zum Austausch von Waren und zur Festlegung von Preisen im freien Spiel von Angebot und Nachfrage, eine der ganz wesentlichen zivilisatorischen Errungenschaften der Menschheit ist. Ohne die Erfindung des Marktes wäre zum Beispiel Arbeitsteilung nicht möglich gewesen, denn der Bauer der im Herbst seine Ernte zu Geld machen will, hätte keine Chance gehabt auf genügend Käufer zu treffen. Ohne Markt keine Arbeitsteilung. Und ohne Arbeitsteilung keine Zivilisation. Dieser Zusammenhang ist ebenso wahr, wie von der breiten Masse unverstanden.

Dieser volkswirtschaftliche Sinn der Aktien-, Devisen- und Anleihenmärkte ist extrem hoch und kluge Politik würde alles unterlassen, was diese wichtige Funktion der Märkte behindert. Umgedreht würde kluge Politik alles unterbinden, was das Funktionieren des Marktes als Preisfindungsorgan in Frage stellt. Und multi-millionen Pseudotransaktionen im Millisekundenbereich im High Frequency Trading (HFT) haben schlicht null volkswirtschaftliche Bedeutung, im Gegenteil, sie stellen die Funktionsfähigkeit der Märkte in Frage. Und Millionen an Derivaten, in denen die vorhandenen echten Assets in Form von Aktien, Anleihen oder Devisen nur umverpackt und duchgequirrlt werden, um in der komplexen Konstruktion die Ertäge des Finanzsektors zu verstecken, haben auch keine volkswirtschaftliche Bedeutung. Zumal keiner dann mehr versteht, was hinter der vierten Umverpackung überhaupt noch enthalten ist, wie ja wunderbar 2008 zu beobachten. Die Welt wäre eine bessere, gäbe es diese Derivate nicht. Die Welt wäre aber nicht die gleiche, gäbe es keine freien Märkte für Aktien, Anleihen und Devisen.

Vor diesem Hintergrund könnte eine kompetent ausgeführte Finanztransaktionssteuer eine gute Sache sein. Sie könnte den Finanzsektor tatsächlich beteiligen, weil sie jede Transaktion einer kleinen Umsatzsteuer unterzieht. Und sie könnte die Finanzmärkte entschleunigen, weil nur noch echte Transaktionen mit echten Assets im Hintergrund wirtschaftlichen Sinn machen. Die Algorithmen des HFT wären auf jeden Fall sofort unwirtschaftlich. Und von den Börsenbetreibern abgesehen, die weniger Umsatz machen, würde niemand auf der Welt HFT vermissen.

So weit doch eigentlich eine schöne Ausgangslage und nun schauen wir mal, was unsere ach so kluge EU-Kommission daraus gemacht hat.

0,1% Transaktionssteuer pro Aktientransaktion und 0,01% pro Derivat. Hallo ? Warum wohl soll der volkswirtschaftlich sinnvolle Transfer von Unternehmensanteilen 10x so stark besteuert werden, wie so ein sinnloses Derivat ? Kann mir das einer von den EU-Bürokraten bitte erklären ? Und damit das híer kein EU Bashing wird, weite Teile der deutschen Politik, angeführt von SPD und Grünen begrüssen das ja scheinbar auch. Von dem Teil der Bevölkerung mal ganz abgesehen, der schon bei der Prozentrechnung in der Schule abwesend war.

Ich habe eine starke Vermutung woran das liegt. Und ja, es ist meine persönliche, gemeine, unfaire und höchst subjektive Meinung und reine Vermutung. Ich habe dafür keine Beweise, nur meinen in Jahrzehnten gestählten Riecher.

Aber ich vermute stark, dass die Finanzlobby bei der Definition des Vorschlages kräftig mitgemischt hat. So läuft es halt in Brüssel. Und das ist halt die Folge davon, wenn die Politik nicht wirklich etwas von Themen versteht, über die sie Gesetze verfassen will. Wenn Ahnungslosigkeit und Lobbyismus zusammen treffen, wird es für die Bürger und Firmen die nicht mit am Tisch sitzen und keine Lobby haben, halt oft sehr teuer.

Wobei, so sehr überrascht bin ich ja nicht. Denn aus der globalen Sicht eines ideologisch beseelten Politikers ist die Welt doch auch mal wieder ganz schlicht: Aktien und dieses ganze "Zockerzeug", das muss doch was mit der bösen Finanzindustrie zu tun haben. Und wenn man das irgendwie besteuert, trifft man schon den Richtigen. Jawoll !! Leider Nein, meine lieben gerechtigkeits-beseelten Politiker, leider Nein !

An einer realen Aktientransaktion, wenn also Bürger/Firma A über die Börse von Bürger/Firma B ein Aktienpaket kauft, verdient die Finanzindustrie so gut wie nichts. Alleine die Broker und die Börsen verdienen ein bisschen Transaktionsgebühr, das ist aber nicht das Geschäft der gelgehaarten Jünglinge des Herrn Jain in London. An solchen realen Aktiengeschäften, hat die Finanzindustrie kein besonderes Interesse, daran verdient sie nicht viel.

Ein Interesse hat die Finanzindustrie aber daran, ihre unzähligen Derivate als "Produkte" umzuverpacken und teuer in die Welt zu bringen. Ein Interesse hat die Finanzindustrie daran, wenn mit diesen "Produkten" fröhlich Handel betrieben wird, je mehr desto besser.

Und jetzt frage ich Sie vor diesem Hintergrund: warum sollen volkswirtschaftlich sinnvolle Aktiengeschäfte 10x so stark besteuert werden wie Derivate ? Wer hat da "beratend" mitgewirkt ? Fakt ist, Bürger und Firmen die mit realen Assets am Markt agieren wollen, haben keine Lobby.

Richtig wäre es genau umgedreht. Wenn überhaupt, dürften alle Geschäfte mit realen Assets wie Aktien, Anleihen und Devisen nur sehr minimal besteuert werden. Gerade so, dass das HFT unprofitabel wird. Alle Derivate aber sollten einen hohen Steuersatz haben. Genau dann würde der Finanzsektor beteiligt. Das würde 90% des derivativen Mülls im Markt einfach tot schlagen. Und übrig bleiben würden nur die wenigen derivativen Konstruktionen, die tatsächlich einen volkswirtschaftlichen Mehrwert schaffen, so zum Beispiel beim Währungshedging, das viele Firmen betreiben müssen. Denn nicht alle Derivate sind perse unsinnig, weite Teile des Wildwuchses aber schon. Die Finanztransaktionssteuer wäre so das Medium, das die Spreu vom Weizen trennen würde.

Warum also 0,1% auf Aktiengeschäfte und 0,01% auf Derivate ? Kann mir das einer mal erklären und meinen Verdacht ausräumen, dass hier Ahnungslosigkeit auf Lobbyismus getroffen ist ? Ich wäre wirklich dankbar, wenn mir jemand meinen Glauben an die Kompetenz der Politik wieder geben könnte. Also her mit den Argumenten, BITTE !

Aber als ob das nicht reichen würde, um mir die Frustration ins Gesicht zu malen, tut dann "Volkes Stimme" in Form der Meinungen der durchschnittlichen Foristen zum Thema ihr Übriges, wie oben im Artikel im Forum nachzulesen.

Ich will deshalb mal in Erinnerung rufen, was diese 0,1% pro Transaktion wirklich sind und was sie für uns Bürger, für die Volkswirtschaft und für die Aktienmärkte bedeuten werden:

1. Erstens ist es eine Steuer die auf den Umsatz und nicht auf den Gewinn anfällt. Die beste Entsprechung dazu wäre die Grunderwerbsteuer, auch eine Steuer die auf die gesamte Transaktion gewinnunabhängig anfällt. Jetzt beträgt diese aktuell ca. 3-5%. Nur kauft ein normaler Bürger ohne wirtschaftliches Interesse am Immobilienmarkt im Leben vielleicht 1-3 Objekte. Selbst ein konservativer Aktien-Anleger hat aber im Jahr eine kleine zweistellige Zahl von Transaktionen.

2. Addieren sich so pro Kauf plus Verkauf 0,2%. Multipliziert mit der Umschlaghäufigkeit, die bei Lesern dieses Blogs sicher im Bereich 2-10x pro Jahr liegen dürfte, kommen so schnell 2% zusätzliche jährliche Kosten zusammen. Das ist eine gewaltige Hürde um am Aktienmarkt überhaupt Geld verdienen zu können.

3. Werden diese neu anfallenden Kosten von der vermeintlich "beteiligten" Finanzindustrie einfach umgelegt und den Bürgern in Rechnung gestellt. Am Ende verteuern sich damit nicht nur Aktientransaktionen der "bösen" Zocker, sondern Fondsparpläne werfen niedrigere Renditen ab und die Lebensversicherungen sind noch weniger in der Lage, für ihre Versicherten eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften, denn mit Anleihen alleine geht das nicht mehr. Am Ende zahlen alle Bürger in Deutschland gleichermassen, die Geld anzulegen haben oder für ihren Ruhestand vorsorgen wollen.

4. Wird die Steuer damit zum Konjunkturprogramm für Derivate, denn plötzlich wird es Sinn machen, statt die Aktie direkt zu kaufen, ein "umverpacktes" Derivat zu kaufen. Die eine Hälfte dieses Vorteils steckt sich der Finanzsektor in die Tasche und freut sich über die tolle Finanztransaktionsteuer, die seine Taschen füllt, statt ihn zu "beteiligen". Über die andere Hälfte "freut" sich der normale Anleger und vergisst, dass er nicht 50% gespart hat, sondern ohne Grund nun eine Schuldverschreibung einer Bank (ein Derivat) im Depot liegen hat, wo er vorher zu geringeren Kosten wirklich Anteile an einem echten Unternehmen hielt.

5. Und zu guter Letzt wird der ganze deutsche Aktienmarkt leiden. Denn nach den Prinzipien der Kommission die in dem Artikel oben erklärt werden, müsste es auch der US Anleger mit US Broker zahlen, wenn er eine deutsche Aktie kaufen will. Was wird dieser institutionelle Anleger also wohl machen ? Genau: einen Bogen um den deutschen Aktienmarkt !

Short DAX und Long S&P500 dürfte dann eine sinnvolle Strategie werden. Aber bitte mit Derivat ! 😉 Ach schöne neue Finanztransaktionssteuer !

Jetzt höre ich schon die Stimmen, die mir erklären, so weit sei es ja noch nicht und es sei ja noch so vieles unklar. Das stimmt auch. Nur hat sich die Politik zu sehr auf die Einführung einer solchen Steuer festgelegt und sie hat die öffentliche Meinung hinter sich. Und es kommt die Wahl, die ein weites Feld für Populismus darstellt, zumal wenn Wähler keine Prozentrechnung beherrschen. Also wird eine solche Steuer kommen. Und wenn nicht so, dann noch schlimmer, Hauptsache man kann behaupten, man hätte "den Finanzsektor beteiligt".

Den Glauben, dass hier von alleine eine volkswirtschaftlich sinnvolle Lösung gefunden wird, habe ich nicht. Nennen Sie mich ruhig einen Defätisten. Ich nenne mich einen Realisten.

Ihr (frustrierter) Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 09.05.12 – Bedeutende Wende bei den Goldminen ?

22 Uhr - Handelsschluss

Was für ein Tag 🙂

Es gibt Tage die in Erinnerung bleiben, der 04. Oktober 2011 war so einer, als der S&P500 unter 1100 abkippte und bei 1078 in der letzen Handelsstunde dann ohne Vorwarnung brutal die Kaufprogramme von Big Money einstiegen und damit seitdem das absolute Tief markierten. Ich war damals schnell genug die Bedeutung des Moments zu erkennen und zu thematisieren. Wer sich an meine Beiträge damals bei Investors Inside erinnert - noch am selben Abend - weiss, wie skeptisch die Mehrzahl der Leser war. Aber so ist das immer an bedeutenden Wendepunkten, sie kommen immer dann, wenn sich der Blick der Mehrheit schon in die Gegenrichtung orientiert hat.

Heute fühlte es sich bei den Goldminen ähnlich an. DAX kurz davor die 6400 zu verlieren, S&P500 unter 1350 und Gold unter 1590 USD. Ich sass um 15.30 Uhr bei Handelsstart der Wallstreet buchstäblich mit dem Finger am Abzug über meinen Goldminen, denn heute war der Tag der Bestätigung, nachdem Gold die 1610 USD gebrochen hatte.

Zur Eröffnung wurden dann unter grossen Volumen die letzten schwachen Hände heraus gekegelt und dann kamen die Kaufprogramme massiv in den Markt. Der GDX (Goldminen ETF) 2,0% im Plus, Barrick (WKN 870450) 2,5% und Newmont Mining (WKN 853823) 4,0% um nur die beiden grössten Namen zu nennen. Diese Wende heute könnte bedeutend sein. Wir brauchen natürlich die Bestätigung morgen, ohne die ist das heute alles nichts wert. Aber bisher hat das alle Inkredenzien eines klassischen "Swing-Low", eines bedeutenden Wendepunktes bei den Goldminen.

Damit hat sich erneut bestätigt, wie wichtig es ist die Bestätigung abzuwarten und sich auch nicht verrückt machen zu lassen, bevor die amerikanischen Handelsplätze offen sind. Erst dann entscheidet sich das Schicksal des Tages. Diese Technik der "Bestätigung" hat nun verhindert, dass ich in einen möglichen Tiefpunkt hinein die Goldminen verkauft habe.

Es wird ja bei den Goldminen auch mal Zeit, diese sind nach meiner Analyse fundamental, gegenüber dem Goldpreis und markttechnisch dermassen überverkauft und unterbewertet, dass hier erhebliches Potential nach oben besteht. Alleine für eine reine Normalisierung der Bewertung sind nach meiner Ansicht dicke zweistellige Gewinne drin. Sollte Morgen die Bestätigung kommen, werde ich im Handelssystem über das Vehikel des ETFs GDX aggressiv Long gehen. Im Investmentdepot bin ich ausreichend investiert und werde nur hier und da aufstocken. Für eine aggressive Wette im GDX gibt es nun auch einen wunderschönen Stop, nämlich genau die 41 USD, die heute die Wende ausgelöst haben. Damit ist ein derartiger Trade hervorragend, bei mässigem Risiko abgesichert.

Sollten diese 41 USD nach unten durchschlagen werden, ist die Stärke heute wohl ein Fehlsignal oder genauer gesagt ein "Dead Cat Bounce". Damit brauche ich auch nicht mehr den Goldpreis als "Notvehikel" um den Minensektor einzuschätzen, die 41 USD sind nun eine saubere Begrenzung, die eine nachhaltige Wende von einem unwichtigen Bounce unterscheidet. Denn zur Vorsicht gemahnt nach wie vor der Goldpreis, der sich heute zwar bei 1590 USD stabilisierte, aber nicht genügend Kraft hatte die 1600 wieder zu erreichen. Der Goldpreis indiziert nun eher noch tiefere Kurse, es wäre aber nicht das erste Mal, das die Minen dem Goldpreis ein paar Tage voraus laufen. Insofern werde ich nicht in voreilige Euphorie verfallen und werde unbedingt die morgige Bestätigung für die heutige Bewegung abwarten. Morgen werde ich wissen, ob das heute bedeutend oder nur ein "Dead Cat Bounce" war. Die Chance einer bedeutenden Wende besteht nun aber und das ist viel mehr, als es noch heute Vormittag schien.

Hier der GDX Chart der letzten Tage von 21.30 Uhr. Beachten Sie das Volumen, die kapitulationsartigen Verkäufe gestern Abend und heute bei Handelsstart und dann das Volumen bei der Gegenbewegung.

Es blieb aber heute nicht nur bei der Wende in den Goldminen, sondern auch die Indizes drehten knapp unter 6400 im DAX und knapp unter 1350 im S&P500 wieder. Das Marktverhalten in den grossen Indizes ist aber für mich lange nicht so überzeugend, wie der potentielle "Swing Low" bei den Minen. Da muss man einfach Morgen abwarten. In Anbetracht der üblen Lage in Europa, rechne ich nicht mit grossen Anstiegen, sondern mit weiterer, starker Volatilität. Aber wenn wir uns nur mal wieder etwas nach oben, vom Abgrund weg arbeiten würden, das wäre doch auch schon mal was 😉

Noch etwas hatte heute einen ähnlichen Charakter wie die Goldminen. Arch Coal (WKN 908011), das "kohleschwarze Depotdesaster" 😉 eröffnete mit 2% Minus und schloss mit 9% Plus ! Und das ohne für mich sichtbare Nachricht und bei hohem Volumen. Sehr merkwürdig und sehr typisch für ein "Swing-Low", wenn der gnadenlose Verkaufsdruck sich endlich erschöpft hat. Sicher hat der weiter starke Gaspreis geholfen, aber die anderen Kohle-Minen waren nicht so stark, da muss was in der Aktie selber los sein. Vielleicht doch eine Übernahme ? Wer weiss und bei der Bewertung durchaus vorstellbar.

Zahlen und Ausblick bei Klöckner (WKN KC0100) waren heute eigentlich ein "Non-Event". Nichts davon war wirklich neu, sicher war es eine kleine Enttäuschung, dass der Ausblick weiter mau bleibt, aber das war nun wirklich auch keine Überraschung. Der Markt "bedankte" sich mit 8% Minus, womit Klöckner die Tiefs von Oktober und November 2011 erneut testet. Wenn so etwas ohne echten Grund passiert, sagt es eine Menge über die Verfassung des Marktes aus und die ist im Moment sehr schlecht.

Aber eigentlich sah das heute auch nach einer echten Kapitulation bei Klöckner aus und viel spricht daher in meinen Augen markttechnisch dafür, dass 8,2€ bei Klöckner wieder Kaufkurse waren. Aber die Situation im Markt ist so unklar, dass ich zum Thema Stahl lieber keine Prognosen wage. Denn eine Auto- und Maschinenbauindustrie mit vollen Auftragsbüchern und gleichzeitig eine Stahlindustrie am Boden, das habe ich bisher noch nicht erlebt und insofern greifen hier auch keine Erfahrungswerte mehr. Wir sind, was die Eurokrise angeht, eindeutig in unerforschten Gewässern und das macht Prognosen rein aus Markttechnik sehr, sehr schwierig.

K+S (WKN KSAG88) ist dagegen vergleichsweise ein Fels in der Brandung in diesen Tagen. K+S lieferte ganz gute Zahlen im Rahmen der Erwartungen und einen stabilen Ausblick. K+S ist eine der Aktien, die in ihrer Geschäftsentwicklung nicht direkt mit dem Desaster in der Euro-Zone korreliert ist. Bei attraktiver Bewertung überwiegen hier in meinen Augen die Chancen, ich halte bei K+S weiterhin ganz entspannt eine Long-Position.

Bemerkenswert fand ich heute auch Wacker Chemie (WCH888). Nachdem der Ausblick zuletzt doch nicht so begeistern konnte wie erhofft, verliess das spekulative Geld die Aktie wieder und diese mäanderte unter 60€ herum. Heute schaute der Kurs dann unter 58€ und gegen 17 Uhr ging es dann mit einem Schlag Intraday um 5% nach oben, bis 61€. Ich kenne den Grund dieser Bewegung nicht, aber auch da muss wie bei Arch Coal etwas los sein, was einige wissen, wir aber nicht. Auf jeden Fall ist die Kursentwicklung der letzten Tage und dieser heutige Sprung für mich Indiz, dass der Abwärtsdruck möglicherweise aus der Aktie weicht und man den Blick nun wieder nach oben richten könnte. Ich bin mit meiner Long-Position nach wie vor investiert.

Zum Abschluss möchte ich einen Kommentar hier auch im Artikel nutzen, damit er nicht übersehen wird. Es geht um die Frage:

Was zeichnet einen optimalen Broker aus, wenn man seine Trading-Aktivitäten professionalisieren will ?

Über dieses wichtige Thema wurde hier zuletzt diskutiert und ich möchte daher hiermit auch meinen Beitrag leisten, damit meine Leser am Ende bei einem seriösen, leistungsfähigen Anbieter landen. Deshalb hier meine ganz persönlichen, subjektiven Selektionskriterien für einen guten Broker für “Profis”, oder solche die es werden wollen.

Ein guter Broker ....

(1) bietet das komplette Handelsportfolio ab, also Aktien, Futures, Devisen, CFDs etc.

(2) ist an den wichtigsten Handelsplätzen der Welt direkt vertreten.

(3) legt seine Bilanzen offen und hat ein klares Geschäftsmodell, aus dem man erkennen kann, dass der Broker sein Geld mit seinen Kunden verdient und nicht gegen sie. Indiz dafür ist, wenn die Mitarbeiter bereit sind und die Kompetenz haben, das Geschäftsmodell dem Kunden zu erklären.

(4) hat zuverlässige und leistungsfähige EDV-Systeme, die auch in der Vergangenheit bei hoher Volatilität nicht in die Knie gingen. Hier hilft zb der Flash-Crash 2010 als Erfahrungswert oder Anfang August 2011 der Beginn des Absturzes. Einige der Direktbanken in Deutschland waren da letztes Jahr Offline, die vermeintlich “günstigste” war über Tage nicht zuverlässig erreichbar. Ich nenne das "Schönwetterbanken", vermeintlich günstig kann halt ziemlich teuer werden. 😉 Im Web finden sich noch die Kundenbeschwerden, wenn man gezielt sucht.

(5) hat deutschsprachigen Support der nicht nur behauptet wird, sondern in Form deutschsprachiger Mitarbeiter mit Namen (also real vorhanden) irgendwo in Europa sitzt. Sollte man testen bevor man Kunde wird, behauptet wird viel. 😉

(6) hat ein einfaches, transparentes Gebührensystem.

Das sind die in meinen Augen entscheidenden Kriterien. Nicht entscheidend ist, worauf "Otto Normalanleger" permanent starrt, die Gebührenhöhe. Die ist eher sekundär für die grundsätzliche Entscheidung und kann man dann in der Schlussrunde verhandeln, wenn man sich nur noch zwischen 2-3 Favoriten entscheidet. Denn wenn ein Broker die obigen Kriterien erfüllt und seit Jahren weltweit erfolgreich ist, dann hat er so oder so konkurrenzfähige Gebühren. Anders geht das gar nicht. Und ein paar Euro mehr pro Trade sind gut investiert, wenn dafür die EDV stimmt und immer noch läuft, während die anderen Offline sind, weil sie unter der Last zusammen brechen.

Deshalb Vorsicht vor diesen gebührenorientierten, sogenannten “Broker-Vergleichen” in den beliebten Zeitschriften, die gehen nach meiner Ansicht in der Regel an den entscheidenden Punkten vorbei.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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