Portfolio Theorie Reloaded

Eigentlich ist die Frage ganz einfach: Wie baue ich mir als Investor ein sinnvolles Depot?

Was sich so einfach anhört, ist aber voller Untiefen, weil schon alleine sehr interpretationsfähig ist, was mit "sinnvoll" gemeint sein könnte!

Vielleicht "sicher"? Vielleicht "wenig korreliert"? Vielleich "profitabler als der Benchmark"? Vielleicht "weniger schwankungsanfällig als der Markt"? Für welchen Zeithorizont? Mit welcher Strategie?

Sie sehen, das Wort "sinnvoll" ist so "sinnlos", weil viel zu allgemein.

Wenn es nur um Einfachheit geht, könnte man sich zum Beispiel ein "sinnvolles" Depot nur aus einem einzigen ETF bauen, der den weltweit wichtigsten Leitindex S&P500 abbildet.

Damit hat man die 500 wichtigsten US Aktien und bekommt auch noch eine Profitabilitäts-Selektion mitgeliefert, da nur profitable Unternehmen in den S&P500 aufgenommen werden.

Da die US Märkte über Jahre viel besser als der Rest der Welt gelaufen sind, konnte man damit nicht viel falsch machen und lag vor den meisten anderen Indizes und das ohne eine einzige Änderung vorgenommen zu haben.

Es gibt natürlich keine Garantie, dass der S&P500 ewig diese Ausnahmestellung hat, aber es gibt derzeit auch kein Indiz dass diese bald endet, insofern kann man einfach weitermachen.

Und selbst was blindes "Buy and Hold" ohne *Check* angeht, wettere ich da bei ETFs gar nicht so sehr dagegen, wie bei einer Einzelaktie, die immer zur GE mutieren kann und bei der ein regelmässiger *Check* daher alternativlos ist. Aber der Index geht nicht pleite und wenn man "Cojones" hat und genügend restliche Lebenszeit bis zur Rente, kann man theoretisch einfach in jeder Krise halten.

Ich bin weiter nicht der Meinung dass das zu präferieren ist, weil unser "Affenhirn" in Krisen ein Risiko ist und man nervenschonend - siehe diverse Videos der Vergangenheit - starken Einbrüchen wie 2008 oder auch Covid im März recht einfach teilweise aus dem Weg gehen kann, wenn man dem Markt folgt. Aber ich lehne es auch nicht lauthals als *falsch* ab, weil ein S&P500 eben immer wiederkommt, im Gegensatz zu einer Aktie.

Also, ein *einfaches* aber brauchbares Portfolio bekommen sie, in dem sie den S&P500 via möglichst gebührenarme und liquiden ETFs kaufen. Fertig. War das mit "sinnvoll" gemeint?

Sie sind ja aber hier, weil sie vielleicht mehr als nur den Index wollen und mit dem S&P500 bekommt man auch viele "Gurken", die man nicht wirklich im Depot braucht. Also wollen sie vielleicht ein "besseres" Depot oder sie wollen auch andere Assets wie Anleihen und Gold oder wollen vielleicht die Volatilität des Depots reduzieren, es in Krisen gegenüber dem Index "abfedern" und dann wird es komplizierter und die Portfolio-Theorie kommt ins Spiel.

Wobei zu kompliziert sollte es auch nicht werden, denn sie werden schnell bemerken, dass ich deutlich gegen überoptimierte und zu komplizierte Portfolio-Gestaltungen argumentiere, weil die Reflexivität diese schnell wegwischt und den ganzen Aufwand unbrauchbar macht.

Je genauer wir am Markt ein Detail herausarbeiten wollen, desto mehr verschwimmt es und verändert sich mit der Zeit, "Gründeln" und "Detailverliebtheit" haben am Markt nur Wert, wenn man auch weiss auf welcher Ebene man aufhören muss.

Zu diesem ganzen Komplex habe ich 2017 einen Grundlagenartikel geschrieben, der aber wenig Diskussion ausgelöst hat, vielleicht auch weil das Thema sperrig ist.

Den will ich hier "Reloaden" und bitte sie, ihm noch einmal Aufmerksamkeit zu schenken:

-> Investmentgrundlagen – Über Diversifizierung, Marktkorrelation und die Portfolio-Theorie <-

Später kam dann noch ein Q+A dazu, das als Ergänzung bitte auch beachtet werden sollte:

-> Q+A Diversifizierung und Portfoliogestaltung <-

Wenn sie das gelesen haben, können wir hier die sinnvolle Diskussion vielleicht noch einmal starten.

Ich will noch ein paar Kernaussagen von mir wiederholen:

Erstens, Diversifizierung hat nur solange Sinn, wie sie das gewählte Ziel unterstützt aber nicht mehr, wenn sie das Depot zu grauen Masse zerstampft, die man auch mit einem Index oder dem MSCI World einfacher bekommen könnte. Zielgerichtete Diversifikation diversifiziert also Themen wie beispielsweise Währungen oder Anlageländer, bei denen man sich keine Klumpenrisiken ins Depot holen will. Behält aber den Anlage-Fokus des Depots im Blick und verwässert diesen nicht.

Zweitens, Portfoliogestaltung sollte die Korrelation von Assetklassen im Auge haben, so dass typische Krisen ganz natürlich gedämpft werden, ohne die Gesamtperformance deutlich zu schwächen.

Drittens, ein Aktien-Portfolio für eine Privatperson darf nicht zu klein sein, deutlich unter 10 Aktien hat man zu viele Klumpenrisiken. Ein Unternehmer kann all sein Geld in "seinem" Unternehmen alleine haben, der kontrolliert das ja dann aber auch und weiss genau als Insider was passiert. Als reine, "dumme" Anleger können wir aber keinem Unternehmen uneingeschränkt vertrauen und brauchen eine Basis-Diversifizierung, die muss aber nicht übertrieben sein.

Viertens, ein Aktien-Portfolio für eine Privatperson darf auch nicht zu groß sein, so dass man den Überblick verliert. Wer viel Zeit in den Markt investiert kann vielleicht eine mittlere zweistellige Zahl noch im Auge behalten, darüber bezweifele ich den Mehrwert.

Fünftens, ein balanciertes, diversifiziertes Depot braucht auch vorher durchdachte Mechanismen, wie man eine Balance wieder herstellt, wenn diese durch starke Bewegungen einzelner Werte ins Ungleichgewicht gerät.

Sechtens, Portfolio-Gestaltung sollte bei normalen Anlegern nicht zur Raketenwissenschaft überkompliziert werden, weil das sinnlose Aufwände sind, deren Edge durch den sich permanent wandelnden Markt schon bald wieder in Frage gestellt werden wird. Größere Adressen und Publikumsfonds haben dann noch andere - auch regulatorische - Erwägungen, die das Thema verkomplizieren, für uns als Anleger aber keine Relevanz haben. Auch bei der Portfolio-Gestaltung gilt für uns das KISS-Prinzip, es ist für normale Anleger keine Wissenschaft, auch wenn es andere gerne dazu machen, es ist solides Handwerk nach dem Prinzip "gut genug".

So .... soviel erneut zum Einsteig. Es gibt noch so viel zu sagen. 😉

Jetzt will ich sie damit erneut zum Thema einladen, es betrifft uns fast alle, die wir Investmentdepots haben und ist eine ausführliche Erörterung wert.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

28 Eine Frage des Stils


Da habe ich mir ja einen schönen Zeitpunkt ausgesucht, um bekanntzumachen, dass ich unter die Dividendensammler gegangen bin. 😉 Ich schreibe Anfang März darüber (-> 26 Eine Frage des Ziels <-) und die Märkte rauchen in den folgenden Tagen richtig ab, Hari verweist immer wieder auf die nun jammernden Buy&Hold-Jünger und es mehrt sich die Anzahl der Unternehmen, welche die Dividende kürzen oder zumindest einfrieren. Vor kurzem noch in der Finanzpresse als neuer Zins gefeiert, jetzt plötzlich out - so schnell kann es gehen.

Da ich mich aber nun mal für eine Dividendenstrategie entschieden habe und den Ansatz auch trotz des aktuellen Marktes für sinnvoll und insbesondere für mich passend halte, möchte ich hier meine Vorgehensweise ausführlicher vorstellen.

Auf den Ansatz des Investierens in Aktien mit stetig wachsender Dividende (kurz DGI, dividend growth investing) gibt es wahrlich kein Patent - viele gehen so vor. Erst kürzlich hat sich Stefan diesem Thema in seinem Gastartikel -> Was ich über DGI gelernt habe <- angenommen und nach dem zu urteilen, was man hier im Forum an der ein oder anderen Stelle lesen kann tun dies auch viele andere unter Ihnen.

Daher als Vorwarnung: Es wird für viele im Folgenden wenig bis nichts neues zu finden sein. Dennoch vermute ich, dass es für manche interessant ist, wie die Umsetzung einer solchen Strategie konkret aussehen kann.

Einflüsse

In meine Herangehensweise sind Ideen und Vorgehensweisen von zahlreichen Personen eingegangen, an deren Wissen ich über die Jahre hinweg teilhaben durfte. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind das u.a. Hari, Scapaflow und Pasolini aus diesem Blog sowie Chowder und ein paar weitere aus der SeekingAlpha-Community. Bestimmt haben noch mehr einen Einfluss, aber bei den namentlich genannten kann ich das konkret festmachen:

  • Scapaflow:
    Dein Enthusiasmus bzgl. des Ansatzes und das regelmässige Hochhalten durch entsprechende Kommentare -> im Forum <- haben mich den Ansatz nie ganz vergessen lassen. Das Werben für die -> bills to pay-Kette <- sowie die von dir namentlich so geprägten -> digital utilities <- haben meine Sicht auf interessante Unternehmen deutlich beeinflusst.

  • Hari:
    Beständiges Trommeln für Qualität, für Unternehmen, die beständig wachsen; das Wissen, dass Erwartungen den Preis einer Aktie bestimmen; dass die zukünftige Perspektive das entscheidende ist; die Fördertürme des 21. Jahrhunderts, ...

  • Pasolini:
    Die Betrachtung von Unternehmen mit Quartalskerzen über lange Zeiträume (-> Chartanalyse mit Vierteljahreskerzen <-) hat mir den Blick dafür geöffnet nicht nur ein paar Jahre zurückzuschauen, sondern ein paar Jahrzehnte. Das Faszinierende: Es gibt eine ganze Menge toller Unternehmen, die seit Jahrzenten beständig wachsen, auch aus schweren Phasen gestärkt hervorgegangen sind und als Sahnehäubchen kann man das in Form von Charts des Typs "von links unten nach rechts oben" auch über Jahrzehnte sehen.

  • Chowder:
    Beharren darauf, dass es nicht um den konkreten Wert des Portfolios und total return, sondern um das generierte jährliche Einkommen daraus geht. Dass Einbrüche egal sind, solange die Dividende zuverlässig weiter gezahlt und sogar erhöht wird. Gleichzeitig dennoch anpassungsfähig ohne ein sklavisches Buy and Hold, sondern durchaus mit aktivem Portfolio-Management.

Ziel

Das Ziel für unser DGI-Depot ist schnell formuliert: Eine weitere Einkommensquelle neben der dann irgendwann wie klein auch immer ausfallenden gesetzlichen Rente aufbauen. Also schnöde private Altersvorsorge. Dabei belasse ich dieses Ziel ganz bewusst so unpräzise, ganz ohne Jahresangabe und angepeiltes monatliches Einkommen, denn was weiß ich schon, was bis dahin noch alles passiert. Ich beabsichtige also, in einem meiner Meinung nach sinnvollen Rahmen für das Alter vorzusorgen, den Weg dahin aber Schritt für Schritt zu nehmen und falls notwendig Anpassungen vorzunehmen, wenn sich das aus Umständen ergibt, von denen ich jetzt noch nichts weiß.

Daraus folgt unmittelbar die Frage, was denn überhaupt ein sinnvoller Rahmen ist bzw. sein kann. Wie stellt man konkret ein Portfolio zusammen, welches einem viele Jahre in die Zukunft gedacht ein gesichertes Einkommen bieten und damit eine gewisse Flexibilität und Freiheit im Ruhestand ermöglichen soll?

Da ich kein Finanzprofi bin habe ich mir anfangs ganz naiv überlegt, welche Punkte mir wichtig sind und berücksichtigt werden sollen:

  • Sicherheit: Das Einkommen soll sicher sein, dass heißt, die Dividenden sollen möglichst sicher und die Wahrscheinlichkeit für eine Kürzung gering sein.
  • Wachstum: Das Einkommen aus dem Portfolio soll spürbar sein, es muss also über die Jahre ein gewisser Wachstumsaspekt erfüllt sein.
  • Einfachheit: Das Portfolios soll mit überschaubarem Aufwand und ruhiger Hand betreut werden können (im Bestfall auf lange Sicht sogar von meiner Frau, die sich wenig mit diesem Thema beschäftigen möchte).

Wo fängt man an?

Um diesen Vorstellungen gerecht zu werden stand am Anfang eine längere Phase des Forschens, Daten wälzens und Charts schauens. Für eine Vorauswahl an Unternehmen hatte ich mir gewisse Kriterien überlegt, die mir das Casting der Kandidaten erleichtern sollten. Stellen Sie sich da bitte nichts kompliziertes oder extrem tiefgründiges vor, denn ganz wichtig, ich bin kein Unternehmenversteher, kein Fundamentalanalyst, kein Bilanzenleser.

Lässt sich als derartiger Amateur denn dann überhaupt eine gute Zusammenstellung von Unternehmen finden? Ich behaupte ja, kann es aber natürlich nicht beweisen - zeigen kann das nur die Zeit. Beholfen habe ich mir mit der Überlegung, wie ich Kriterien formulieren kann, welche eine Auswahl im Sinne der obigen Wünsche und Ansprüche ermöglichen.

(1) Sicherheit:

  • Sichere Dividende, beispielweise messbar über die Anzahl Jahre ununterbrochener Zahlung der Dividende
  • Unternehmen mit hoher qualität, z.B. geringe Verschuldung, diverse Quality-Scores verschiedener Seeking-Alpha-Autoren, ...
  • Diversifikation der Unternehmen im Portfolio, z.B. mittels Anzahl Unternehmen, Sektorzugehörigkeit, Währungsraum, Story, Gewichtung untereinander,...
  • Hinreichend große Unternehmen, keine kleinen Klitschen. Marktkapitalisierung von von mindestens 1 Mrd. USD.
  • Überschaubarer Verschuldungsgrad, Credit Rating
  • Payout ratio, d.h. wird die Dividende überhaupt verdient oder droht eine Zahlung aus der Substanz heraus oder mittels Schulden.

(2) Wachstum:

  • Ununterbrochene jährliche Dividendenerhöhung von mindestens 5 Jahren, vorzugsweise bereits mit Beginn vor 2008.
  • Höhe des Dividendenwachstums:
    • Bei kleiner Dividenden-Rendite sollte die jährliche Erhöhung nicht zu klein ausfallen, wenn ein langfristig nennenswertes Einkommen angestrebt wird.
    • Bei Unternehmen mit einer hohen Dividende ist kleineres Wachstum hingegen ok und auch zu erwarten.
    • Vorsicht bei Unternehmen mit absurd hoher Dividendenrendite bzw. -wachstum, da diese es fraglich erscheinen lassen, dass sie beibehalten werden können. Wenn es zu schön ist um wahr zu sein, ist es meistens eben genau das.
  • Beständig wachsende Unternehmen:
    • Nicht nur alte, "satte" Unternehmen die nicht wissen wohin mit ihrem Geld, sondern auch innovative, sich beständig neu erfindende Unternehmen.
    • Beständig wachsende Unternehmen sollten am ehesten langfristig zur Zahlung einer steigenden Dividende fähig sein.
    • Eine hohe CAGR (compound annual growth rate) über große Zeiträume von z.B. 10, 20, 30 Jahren.

(3) Einfachheit:

  • Offensichtliche Investmentstories wie z.B. "bills to pay"-Kette
  • Einfache Instrumente, gerade aus steuerlicher Sicht heraus. Keine ETFs, CEFs, MLPs, ...
  • Kein Extra-Aufwand mit Rückerstattung von Steuern aus dem Ausland.
  • Unternehmen mit einem Trackrecord als beständig wachsendes Unternehmen kann man eher gelassener beobachten, besparen und laufen lassen als Zykliker, bei denen Timing eine wesentliche Rolle spielt.

Letztendlich habe ich nicht jedes dieser Kriterien hinterher tatsächlich verwendet bzw. manche Kriterien stärker gewichtet als andere. Sie haben mir aber wesentlich beim Durchforsten der gängigen Listen von DGI-Unternehmen geholfen (z.B. die CCC-Liste bei -> dripinvest <- oder die -> Dividend Radar-Liste <-) und mir dabei als eine Art Leitplanken gedient. Schnell war so eine Vorauswahl von 100-150 Unternehmen gefunden.

Diversifikation

Da diese Vorauswahl natürlich noch viel zu umfangreich war, stellte sich die Frage, wieviel wovon darf es denn bitte sein? Eine Frage mit vielen Antwortmöglichkeiten, über die man vortrefflich diskutieren und ggfs. auch streiten kann. Um eine hohe Sicherheit des Einkommens aus den Dividendenzahlungen zu erlangen habe ich mich für eine Diversifikation des Portfolios bzgl. verschiedener Aspekte entschieden:

(1) Diversifikation durch die Anzahl enthaltener Unternehmen:

Ich bin kein Freund von stark konzentrierten Positionen. Mit einem DGI-Depot bestehend aus beispielsweise zehn Werten würde ich mich nicht wohl fühlen. Mir wäre das Risiko zu groß, dass bereits durch ein Unternehmen welches die Dividende kürzt, ein relevanter Teil des Einkommens wegbrechen würde. Die Rechnung ist bei Gleichgewichtung einfach:

  • 10 Positionen: jeweils 10% Depotanteil
  • 20 Positionen: jeweils 5% Depotanteil
  • ...
  • 50 Positionen: jeweils 2% Depotanteil

Bekanntlich kann man nicht nur auf einer Seite von einem Pferd fallen. Von meiner Veranlagung her würde ich zu 50 oder noch mehr Positionen tendieren. Im Sinne von Einfachheit und geringem Betreuungsaufwand des Depots ist das aber zu viel und nicht optimal.

(2) Diversifikation durch Sektorzugehörigkeit der Unternehmen:

Anfänglich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, Unternehmen aus jedem der klassischen Sektoren zu wählen, um eine inhaltliche Streuung zu erreichen. Nach kurzer Überlegung habe ich das wieder verworfen und folgende Sektoren kategorisch ausgeschlossen:

  • Finance:
    In der Finanzkrise 2008 mussten etliche Unternehmen aus dem Finanzsektor ihre Dividende kürzen oder ganz streichen. In Zeiten der kreativen Geldschöpfung und Finanzmagie muss ich mir dieses Risiko nicht gezielt ins Depot legen.
  • Energy:
    Unternehmen aus dem Bereich der Ölförderung und -distribution haben es bekanntermaßen momentan schwer. Das war zum Zeitpunkt meiner Planung zwar noch nicht in diesem Maß absehbar, aber Hari predigt schon lange, dass in diesem Bereich kein Wachstum steckt. Manche dieser Unternehmen haben mit Sicherheit noch einige Jahre gutes Geschäft vor sich und zahlen oft hohe Dividenden, aber wenn man sich beispielsweise das Chart einer Exxon Mobil (XOM) anschaut, dann ist da außer einer hohen Dividende über viele Jahre kein echter Wert geschaffen worden. Und auch wenn ich nicht vorhersagen kann, wie lange wir in welchem Maße noch auf Öl angewiesen sein werden, so scheint es mir nicht der zukunftsträchtigste Sektor zu sein.
  • Materials:
    Ähnlich ist es mit dem Rohstoffsektor. So sehr wir auf Rohstoffe angewiesen sind, es steckt kein übermäßiges Wachstum in diesem Sektor. Daher war ich auch hier nicht interessiert.

Streicht man die eben genannten Sektoren verbleiben die folgenden Sektoren mit vielen interessanten Investitionsmöglichkeiten:

  • Utilities:
    Versorgungsunternehmen, für mich hier besonders interessant: Strom- und Wasserversorger. Es wird zu beobachten bleiben, in welchem Maß dezentrale Stromerzeugung durch Solar und Batterielösungen kommt und ob irgendwann günstige Möglichkeiten zur lokalen Wasseraufbereitung flächendeckend genutzt werden können. Solange das aber nicht der Fall ist, finden sich in diesem Bereich zahlreiche Unternehmen, die verlässlich wachsende Dividenden zahlen.
  • Verbrauchsgüter:
    Auf Zahnpasta, Seife, Klopapier, Windeln für unseren Nachwuchs und diverse andere Artikel des täglichen Gebrauchs werden wir auch in vielen Jahren nicht verzichten wollen. Selbst in wirtschaftlich angespannten Zeiten wird man wohl nicht als erstes Produkte aus diesem Bereich von der Einkaufsliste streichen. Daher ein Bereich, der definitiv auch im Portfolio vertreten sein sollte und ihm hoffentlich Stabilität verleiht, auch wenn hier kein großes Wachstum zu erwarten ist. In diesen Bereich gehören für mich aber auch die sogenannten sin stocks wie Tabakkonzerne, Getränkeproduzenten (sowohl Softdrinks als auch alkoholische Getränke) und Fast Food-Ketten. Menschen handeln nun mal nicht immer ausschliesslich vernunftgesteuert.
  • Healthcare:
    Da sie extrem vom Erfolg ihrer Produkt-Pipeline abhängen interessieren mich hier weniger die reinen Pharma-Konzerne, sondern eher diejenigen Unternehmen, die medizinische Geräte bzw. auch Implantate herstellen.
  • Industrials:
    In diesem Bereich gibt es einige grundsätzlich interessante Zykliker. Vielmehr schaue ich hier aber auf die Unternehmen aus dem Bereich Rüstung sowie perspektivisch auch Raumfahrt.
  • REITs:
    In diesem Bereich gibt es einige interessante Unternehmen. Vielleicht nicht gerade die klassischen Mall-REITs, aber trotz stark wachsendem Online-Handel werden wohl auch weiterhin physische Geschäftsflächen benötigt und vermietet werden. Im Hinblick auf unsere immer stärker digitalisierte Zukunft sind mit Sicherheit auch REITs in den Bereichen Sendemasten oder auch Datenzentren interessant.
  • Technology:
    Chips als Födertürme des 21. Jahrhunderts, fortschreitende Automatisierung, Software im allgemeinen, diverse digitale Services im Speziellen - in diesem Sektor liegt ein wesentlicher Teil unserer Zukunft. Unternehmen mit einem langen positiven Trackrecord bzgl. Dividendenwachstum gibt es hier (wenig überraschend) leider gar nicht so viele. Da in diesem Sektor aber möglicherweise die Procter&Gambles der Zukunft schlummern ist das ein sehr spannender Bereich und deshalb auch Unternehmen mit einer kurzen Dividendenhistorie interessant.

In dieser Beschreibung der Sektoren spiegeln sich (wenig überraschend) die Investment-Stories wider, die mich interessieren:

  • "bills to pay"-Aktien und "sin stocks" als Bereiche, in denen auch in Krisen mit entsprechenden Umsätzen zu rechnen ist, weil der Mensch nicht darauf verzichten kann bzw. nicht will.
  • Healthcare, insbesondere medical devices, also alles, was es uns ermöglicht unserer Endlichkeit ein wenig zeitlichen Aufschub zu geben bzw. Lebensqualität zu erhöhen/erhalten.
  • Chips, Technologie, digital utilities, Defense&Space - alles, wo "Zukunft" drauf steht.

Bei einer geplanten Diversifikation in eine hinreichend große Anzahl an Unternehmen und in verschiedene Sektoren bzw. Stories kommt man nicht umhin, sich irgendwann genauer festlegen zu müssen, welche Aktien man sich nun tatsächlich ins Depot legt. Die vermutlich einfachste Lösung wäre, alle Bereiche gleichzugewichten und dann einfach die Anzahl gewünschter Unternehmen im Depot durch die Anzahl relevanter Sektoren zu teilen.

An dieser Stelle hatte dann folgende Überlegung von Chowder nennenswerten Einfluss auf meine Aufteilung. So weit ich mich erinnern kann unterteilt er die verschiedenen Sektoren in drei Kategorien:

  • Defensive Werte: Utilities, Consumer Staples, Healthcare
  • Zyklische Werte: Industrials, REITs, Consumer Discretionary, Energy, Basic Materials
  • Sensitive: Financials, Technology

Da er in seinem Anlageleben, welches mehrere Rezessionen umfasst, die meisten Dividendenkürzungen bei Unternehmen aus dem Bereich "zyklisch" und "sensitiv" erlebt hat, ist seine Empfehlung eine klare Übergewichtung des defensiven Bereiches, etwa 60% defensiv, 20% zyklisch und 20% sensitiv. Mein Wunsch nach einer starken Ausrichtung hin zu Technologie und Zukunftsunternehmen verträgt sich mit dieser Einteilung nur bedingt. Letztendlich hatte das Depot am Ende etwa diese Aufteilung:

  • 45% defensive Werte
  • 30% zyklische Werte
  • 25% sensitive Werte

Das ist deutlich offensiver als eine 60-20-20-Einteilung und man kann sich fragen, wo sich da der oben postulierte Einfluss bemerkbar machen soll. Die Antwort ist einfach - ich bin mir recht sicher, dass ich ohne diesen Einfluss lange nicht so viele eher defensive Unternehmen im Portfolio hätte. So sind es beinahe die Hälfte der Unternehmen, ein Wert mit dem ich gut leben kann.

(3) Diversifikation durch verschiedene Währungsräume

Spricht man über Diversifikation kommt man eigentlich zwangsläufig am Thema Währung vorbei. Wenn schon streuen, dann richtig. Oder nicht? Ich habe mich bewusst für ein ausschließlich mit US-Unternehmen besetztes Depot entschieden. Die Überlegungen dazu sind hier oft genug thematisiert worden. Ich lebe im Euroraum, meine Rente wird dann irgendwann in Euro überwiesen (sofern es den dann noch gibt), weiterer Besitz wird dann wenn ebenfalls im Euroraum liegen. Das US-Depot ist damit eine gezielte Diversifikation weg vom Euro.

Natürlich habe ich keine Glaskugel, aber mir fehlt ein wenig die Fantasie, dass sich ingesamt der Euro in den nächsten 20, 30 Jahren besser entwickelt als der Dollar (mir ist bewusst, dass das in gewissem Sinn eine Prognose bzw. Meinung ist und kein fundiertes Wissen). Im Sinne der Einfachheit beabsichtige ich vorerst auch keine weitere Diversifikation beispielsweise in GBP oder CHF.

Qualtität sieht man

Unternehmen, die beständig wachsen steigern letztendlich auch beständig den Wert des Unternehmens. Diese Qualität lässt sich in Charts bewundern. Links unten, rechts oben - so kurz, so einfach. Die folgenden zwei Beispiele zeigen das:

(1) Hormel Foods (HRL)

(2) American States Water (AWR)

Solche Unternehmen wollte ich im Depot haben. Das Chart war für die Auswahl zwar nicht alles entscheidend, aber Unternehmen, welche dieses Kriterium nicht erfüllt haben sind mehrheitlich aus dem Auswahlprozess herausgefallen.

Wann geht's denn los?

Das Lustige beim Thema Börse ist ja, dass man aus allem ein Problem machen und sich beliebig verkopfen kann. Hat man endlich eine Vorstellung davon, von welchen Unternehmen man Aktien im Depot liegen haben will, stellt sich direkt die nächste Frage: Wie starte ich? Gebe ich einmalig alles verfügbare Kapital in den Markt, mache ich das stufenweise, gleichgewichtet pro Position oder doch lieber nach persönlichem Geschmack gewichtet? Warte ich auf die nächste Korrektur, unwissend, wann diese stattfinden wird?

Es gibt auf diese Fragen keine Antworten im Sinne richtig oder falsch. Was das Beste gewesen wäre wissen wir immer erst im Rückblick. In der letzten März-Woche 2020 zu kaufen war mit Sicherheit günstiger als Anfang Februar. War das aber der beste Zeitpunkt? Das wissen wir selbst jetzt noch nicht.

Klar ist allerdings: Erfahrungsgemäß steigen die Märkte langfristig und das Dividendensammeln ist eine Akkumulationsstrategie, die davon profitiert über einen langen Zeitraum verfolgt zu werden. Es spricht also viel dafür, nicht zu lange zu warten. Viele träumen davon, bei der nächsten großen Korrektur dann am Tief mit vollen Händen zuzugreifen. Möglicherweise haben wir im März bereits ein mehrjähriges Tief gesehen, vielleicht auch nicht. Nur wenige der "Träumer" werden dort in großem Umfang zugegriffen haben, zu groß ist in diesen Momenten die Angst (oder auch die Hoffnung), dass es noch weiter abwärts geht.

Irgendwann muss man ins Wasser springen. Ich persönlich glaube, dass der Zeitpunkt dafür zweitrangig ist. Wichtiger ist in meinen Augen, wie man von dort aus weitermacht. Davon wird meiner Meinung nach mehr abhängen als vom Startzeitpunkt.

Halbzeit

Wie Sie gesehen haben, ist meine Herangehensweise eher pragmatisch orientiert an dem, was ich zeitlich, aber auch von meinen Interessen her leisten kann. Mancher dort draußen wird alleine deshalb eine bessere Auswahl an Unternehmen treffen, weil er wesentlich mehr von den Unternehmen versteht, möglicherweise Stärken und Schwächen sieht, die ich gar nicht erkenne.

Es ist jedoch nicht sinnvoll, wenn ich versuche, dem nachzueifern. Das bin nicht ich, das entspricht mir nicht, das deckt sich nicht mit meinen Interessen. Wenn ich eines voller Überzeugung sagen kann: Wenn man etwas ohne Überzeugung tut, ohne Deckung mit den eigenen Bedürfnissen, Stärken und Schwächen, dann wird das immer eine Last sein, etwas, was man nach einer gewissen Zeit vernachlässigt und selbst wenn das nicht der Fall ist, das Ergebnis oft eher mäßig ausfallen wird.

Und wie sieht nun das perfekte DGI-Portfolio aus? Ehrlich, ich weiss es nicht. Vermutlich nicht wie meins. 😉

Aus der Vorauswahl von anfänglich 100-150 Unternehmen haben sich schrittweise etliche Unternehmen verabschiedet, so dass hinterher ca. 40 Werte übrig blieben. Habe ich ihnen die ewige Treue geschworen? Wie betreue ich diese Auswahl? Mehr davon beim nächsten Mal. Stay tuned.

Ihr calvin

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Muss man als Euro-Anleger seine Dollar Positionen absichern?



Im Forum der Community sind auch immer wieder grundlegende Fragen, die es Wert sind, in einem Artikel beantwortet zu werden.

Erfahrene Anleger haben oft den positiven Wunsch, ihr diversifiziertes Depot auch in den Währungen der Welt auf mehrere Beine zu stellen. Dazu haben wir hier schon Vieles besprochen.

Was aber, wenn jemand den gegenteiligen Wunsch hat? Was wenn der Besitz ausländischer Währungen auch als Risiko betrachtet wird und nicht nur als Chance zur Diversifizierung? Es gibt ja sogar von Fonds- oder ETF-Abietern oft spezielle "währungsgehedgte" Varianten, die diesen Wunsch befriedigen. Was ist davon zu halten?

Was also, wenn der Anleger sich fragt, ob er sich vor Währungsschwankungen absichern oder diese zumindest etwas abmildern sollte? Da halten viele Anleger doch US Werte in Euro und ein starker Euro bringt dann Kursgewinne manchmal wieder auf Null.

Sollte sich so ein Anleger also mit Währungsabsicherung (Hedging) beschäftigen?

Um die Frage aufzurollen, muss ich zunächst etwas ganz Grundsätzliches wiederholen. Denn jeder ist der Meinung er wüsste was eine Währung ist, aber ist das wirklich so?

Denn wenn wir den "Wert" einer Sache betrachten, müssen wir diese in einem Maßstab betrachten. Bei den Arabern gab es mal eine Zeit, in der alles in Kamelen ausgedrückt wurde, auch der Wert von Menschen. Dieses provokante Beispiel einer Währung, der Kamel-Währung, dient jetzt nicht nur der Auflockerung, sondern hat trotzdem Sinn, denn die "Kamelwährung" war eben auch eine, in ihr wurde Wert ausgedrückt.

Und genau darin liegt das Dilemma von Währungen. Wenn wir uns als Bürger des Euros oder des Schweizer Franken, oder in Deutschland sozialisiert mit der stabilen D-Mark, über den Wert einer Sache unterhalten, drücken wir das immer implizit in unserer Währung als "objektivem Maßstab" für Wert aus. Und das ohne darüber nachzudenken und ohne uns bewusst zu machen, dass es ein höchst schwammiger Wertmaßstab ohne jede Objektivität ist.

Wenn also ein typischer Anleger sieht, dass die Kursgewinne an der Wallstreet durch einen steigenden Euro in seinem Euro-Depotausweis fast auf Null gebracht werden, schliesst er daraus, dass das nicht gut ist und er gegensteuern muss. Diese "Null" scheint also als objektiver Wertmaßstab wahrgenommen zu werden. Aber ist das wirklich so?

Wären wir dagegen Bürger eines Entwicklungslandes und hätten einen persönlichen Erfahrungshorizont darin, dass die eigene Währung permanent an Wert verliert und gleichzeitig eine Hochinflation herrscht, wie zum Beispiel in Brasilien, würden wir ganz anders reden. Wir würden dann versuchen den Wert einer Sache in einer stabileren Währung auszudrücken und diese als Wertmaßstab benutzen - dem US Dollar zum Beispiel.

Also, den Wert einer Währung kann man immer nur in einer anderen Währung ausdrücken. Deshalb gibt es Währungspaare, wie wollte man auch den Wert des Euro in Euro ausdrücken, das Ergebnis wäre immer nur 1. Gold kann man als XAUUSD also in Dollar ausdrücken, den Euro als EURUSD in Dollar und so weiter.

Was passiert also, wenn ein Asset - zum Beispiel eine Aktie - in Euro gerechnet fällt und gleichzeitig in Dollar gerechnet steigt, eben weil EURUSD stark steigt? Ist das Asset dann mehr "wert" oder "weniger" wert oder spielt das gar keine Rolle?

Die Antwort ist keineswegs so einfach wie es scheint, sie liegt vielmehr im Auge des Betrachters.

Aus Sicht einer fiktiven Weltwährung wie der -> Sonderziehungsrechte des IWF <-, also aus Sicht von jemandem der theoretisch in den wichtigen Ländern der Welt mit Lokalwährungen kauft, hat sich der objektive Wert des Assets kaum verändert, denn in der "Weltwährung" ist er gleich geblieben. Die beste Entsprechung dieser "Weltwährung" ist übrigens Gold mit seiner vieltausendjährigen Geschichte.

Aus Sicht von jemandem aber, der alle Kosten in Euro begleichen muss, hat sich die Kaufkraft des Assets (der Wert) für anderen Waren verringert, wobei das auch nur teilweise für Waren gilt, die auch im Euro hergestellt werden. Denn wenn die Ware aus dem Dollarraum eingeführt wird, hat sich der Preis bei der Einfuhr verringert, was in einer theoretisch ideal preisreagiblen Welt, den "Wertverlust" des eigenen Zahlungsmittels komplett ausgleicht.

Aber wie auch immer, wenn man im Euroraum Ausgaben hat und diese mit dem Wert des Assets begleichen will, ist der "Wertverlust" subjektiv real.

An dieser Stelle haben wir daher auch den ersten Fall, für den eine Währungsabsicherung Sinn macht und auch von Firmen genutzt wird. Eine Firma die ihre Waren ins Ausland verkauft und mit den Einnahmen die Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlen will, will sich vielleicht nicht von Währungsschwankungen abhängig machen und "hegded" daher ihre zukünftigen Verkäufe. Das ist übrigens das Kernthema des Futures und Optionsmarktes, aus diesem berechtigten Bedürfnis heraus, die Zukunft schon heute absichern zu können, ist er ursprünglich entstanden.

Für einen privaten Anleger wäre das aber nur ein relevantes Szenario, wenn dieser seine laufenden Ausgaben für Leben und Wohnen aus nicht in Euro notierenden Einnahmen bestreiten müsste. Dann wäre ein Gedanke an Währungshedging sinnvoll, denn für den Preis von nicht unerheblichen Gebühren schliesst man dann Währungsrisiken aber auch Chancen aus.

Für einen privaten Anleger der im Euroraum lebt und arbeitet und durch die Arbeit genug verdient, um seinen Ausgaben zu bestreiten, besteht dieser Grund und damit der Bedarf an Währungsabsicherung aber eher nicht!

Gäbe es denn einen anderen Grund Auslandswährungen abzusichern - zu "hedgen"? Ja, bei Klumpenrisiken, wenn man zu stark von den Währungsentwicklungen abhängig ist und die Risiken nicht tragen kann.

Weiterlesen ...

Sag mal Hari ….. Wie ist das mit der Diversifizierung?



Ein neues Video, dieses Mal wieder ganz anders. In freier Natur mit dem iPhone aufgenommen und ungeschnitten ca. 12 Minuten geredet, meine Frau als "Kamerafrau" und Stichwortgeber.

Das Thema ist Diversifizierung. Ich habe Teile des Inhalts -> hier zum Thema Währungsdiversifizierung <- schon in Tiefe adressiert, es schadet aber auch vielleicht nicht, das Ganze mal so allgemein noch einmal aus meinem Munde direkt und akustisch zu hören.

Übrigens, es gibt jetzt eine eigene Kategorie "Videos", gehen Sie mal ins Menü und schauen den Pulldown unter "Hari Live Themen" an und klicken darauf.

Noch ein Hinweis, ich habe die Augen nicht so zusammen gekniffen, und das Gesicht nicht so verzogen, weil ich schlechte Laune habe, sondern weil die Sonneneinstrahlung von der Seite so stark war. Eine Ahnung von Frühling lag gestern Mittag bei uns in der Luft. Herrlich!

Und noch etwas. Ich lade Mitglieder hier im räumlichen Umfeld gerne ein, mit mir mal ein Interview zu drehen. Bedingung ist, dass Sie auch Ihr Gesicht zeigen. Bedingung ist auch, dass wir am Video - ausser bei ganz schlimmen Problemen wie einem schweren Hustenfall - nicht herum schneiden, sondern wir reden ganz authentisch so, wie uns der "Schnabel" gewachsen ist. Dafür dürfen Sie dann aber auch Ihre eigenen Fragen mitbringen. Wer Lust hat, meldet sich direkt per Mail.

Und nun viel Spaß!

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Q+A Diversifizierung und Portfoliogestaltung



Ich mache wie angekündigt mit den offenen Fragen aus dem -> Thread zu Sonderthemen-Wünschen <- weiter und beantworte diese.

Heute will ich mit Post 7 eine Frage adressieren, zu der ich eigentlich nicht so viel Neues zu sagen habe, die mir aber erlaubt einen Artikel und ein Thema in Erinnerung zu rufen, das mehr Aufmerksamkeit und Diskussion verdient hätte.

Ein weitergehender Beitrag zum Thema Diversifikation und Portfiolio-Theorie würde mich interessieren. Dies wurde ja schon mal am 17.02.2017 ("Investmentgrundlagen - Über Diversifizierung...).angesprochen.

Mich beschäftigt immer wieder mal die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, z. b. in den Emerging Markets unterwegs zu sein, oder ob man sich nicht nur auf die Hauptmärkte konzentrieren sollte. In einer Baisse korrigieren meist alle Regionen, so dass vor allem dann, wenn es anders nötig wäre, die Korrelation stark steigt.

Einzelinvestments sind in diesen Märkten ohnehin problematisch (fremde Sprache, fremde Kultur), so dass man nur auf Fonds oder ETF's ausweichen kann.

Worauf sich der Fragende bezieht, ist der Artikel:
-> Investmentgrundlagen - Über Diversifizierung, Marktkorrelation und die Portfolio-Theorie <-.
Ich empfehle diesen noch einmal zu lesen, da sind einige sehr grundlegende Aussagen enthalten.

Nun zielt die obige Frage aber auf etwas Konkretes und ich bin auch oft nicht sicher, ob abstrakte, allgemeine Aussagen von mir dann auch wirklich von allen auf ihre konkreten und individuellen Situationen übersetzt werden. Lesen, nicken und vergessen ist halt auch eine Eigenschaft von Menschen in der wachsenden Informationsflut. "Hier rein da raus" nennt man das auch ...;)

Deshalb will ich das Thema hier und heute mal nicht abstrakt, sondern ganz konkret aus meiner Sicht betrachten und zwar in Form einer Q+A Session. Und damit unter anderem auch die obige Frage mitbeantworten.

Um es zu vereinfachen, spreche ich hier nur über ein reines Aktien-Depot. Ein sinnvolles Investment-Depot hat aber auch andere Anlageklassen wie Anleihen, das würde das Thema hier aber noch einmal mit einer neuen Dimension verkomplizieren.

Los gehts:

Du warnst vor dem "Totdiversifizieren". Wann tritt das denn ein?

Nun, wenn Sie ohne Konzept zur Marktkorrelation 10 breite Sektor- oder Länder-ETFs im Depot haben, haben Sie damit indirekt faktisch hunderte, wenn nicht tausende Aktien weltweit im Depot. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie damit mehr oder weniger wie der MSCI World performen, ist sehr hoch. Wenn Sie 20 solche ETFs im Depot haben, ist es fast sicher. Dann können Sie sich diese ETFs gleich sparen und gleich den ganzen Markt via MSCI World kaufen.

Wann machen denn 10 ETFs im Depot Sinn?

Wenn Sie die Sektoren so ausgewählt haben, dass eben nicht der ganze Markt abgebildet wird, sondern Sie sehr stark selektieren, kann das bei guter Auswahl Sinn machen. Dafür brauchen Sie dann typischerweise spezialisierte Themen-ETFs.

Sie könnten sich mit 10 ETFs zum Beispiel ein "Zukunfts-Depot" zusammenstellen, dass aus ETFs auf den Chipsektor, Robotics, Biotech usw besteht. Dieses spezialisierte Depot ist dann breit aufgestellt und wird trotzdem nicht identisch zum MSCI World laufen.

Was aber Blödsinn wäre, wäre Index ETFs auf SP500, NASADAQ, EUROSTOXX, TOPPIX, HANGSENG gleichzeitig im Depot zu haben. Dann können Sie auch gleich den MSCI World kaufen, macht keinen Unterschied, ausser geringeren Gebühren.

Ich will keine ETFs, ich will mir aber aus einzelnen Qualitätsaktien ein passives Depot bauen. Wieviele machen da Sinn?

Nun, die Anzahl hat natürlich auch mit dem Anlagevolumen zu tun, zu kleine Positionen machen keinen Sinn, weil die Gebühren relativ zu hoch werden.

Aber wie im Artikel oben geschrieben, reichen dafür auch bei grossen Depots 10-20 einzelne Aktien aus, um ausreichend diversifiziert zu sein und das Ganze trotzdem leicht überblicken zu können.

Suchen Sie sich dann aus den von Ihnen gewünschten Sektoren die absoluten Qualitätstitel bzw Marktführer aus und achten Sie darauf, Sektoren, Länder und Währungen etwas zu mischen und nicht alle Aktien aus dem selben Korb (Sektor, Land, etc) zu holen. Dann haben Sie mit 10-20 Positionen ein gut diversifiziertes, passives Qualitätsdepot, das sich vor dem MSCI World nicht verstecken muss.

Natürlich kann man mehr haben, das ist nicht verboten. Machen Sie sich aber klar, dass Sie mit viel mehr Aktien den Sinn der aktiven Selektion zunehmend ad absurdum führen und sich immer mehr dem MSCI World annähern werden.

Du sagst 10-20 Aktien sind genug, hast aber nach eigenen Aussagen 40-50, wie passt das zusammen?

Ganz einfach, der Sinn einer Auswahl ist ja einen Edge zum breiten Markt zu erzielen, den wir hier mal mit dem MSCI World darstellen.

Bei einer rein passiven Anlage - also einmal kaufen und dann liegen lassen - reichen 10-20 gut ausgewählte Titel in meinen Augen völlig aus. Mehr braucht niemand, auch nicht der mit Millionen-Vermögen. Entscheidend ist dann vor allem auf Qualität zu achten.

Was ich mache, ist ja aber keine passive Anlage, ich "bewirtschafte" das Depot ja mit meiner Positionsgrössenstrategie. Faktisch treffe ich damit für jede Aktie langfristige Timing-Entscheidungen.

Das ist ein ganz anderer Ansatz, der die Sicherheit nicht über passive Diversifizierung erzielt, sondern über aktives Management. Dabei machen genau so viele Aktien im Depot Sinn, wie man interessante Investment-Kandidaten findet und diese auch noch mit aktivem Management handhaben kann. Bei mir sind das eben bei meinen zeitlichen Rahmenbedingungen typischerweise 40-50. Und ja ich schlage damit in der Regel den MSCI World, aber eben vor allem wegen meiner aktiven "Bewirtschaftung".

Wenn man so will ist mein Ansatz die Kombination von fundamentaler Selektion und aktivem Timing - mit passivem "Buy and Hold" von Indizes hat das rein gar nichts zu tun. Die Zahl 40-50 sorgt aber für gute Diversifizierung. Eine "Enron-Szenario" in einer meiner Aktien bringt mich also nicht ins Schwitzen.

Macht es Sinn in den Emerging-Marktes unterwegs zu sein

Ähh .. ja klar oder auch nicht, je nachdem ob man die EMAs vertreten haben will. Sie aber einfach zu SP500, NASADAQ, EUROSTOXX, TOPPIX und HANGSENG auch noch hinzufügen, macht gar keinen Sinn.

Sinn macht es also, wenn Sie da einen Schwerpunkt bilden wollen. Idealerweise halten Sie dann auch einzelne Aktien. Nur genau das muss man sich zutrauen, es macht nur Sinn, wenn man die Sprache spricht und Zugang zum Markt und damit zu Informationen aus erster Hand hat.

Bei mir ist das nicht der Fall, weswegen ich Einzelaktien aus den EMAs in der Regel *nicht* halte, ganz wenige Super-Bluechips mit weltweiter Bekanntheit wie Samsung vielleicht ausgenommen. Aber selbst das mache ich eher nicht, weil mir selbst bei Samsung der direkte Zugang zu Informationen fehlt. Meine Haltung dazu habe ich mal vor einigen Jahren in -> Zur Marktkapitalisierung <- dargestellt.

Jetzt muss meine Haltung nicht die Ihre sein, trotzdem rate ich dringend sich zu fragen, ob man zu einem Unternehmen der EMAs ausreichende Informationen bekommen kann. Dass eine Anlagepostille mal wieder eine Sau über den Hof treibt, ist kein valides Argument.

Bleiben ETFs der EMAs. Die können im Rahmen einer Portfoliogestaltung ohne Frage Sinn machen. Aber nur wenn man dann auch Schwerpunkte bildet und nicht als Beimischung zu einem Depot, das den Rest der Welt schon als ETFs enthalten hat.

Korrelieren die EMAs in der Krise nicht völlig synchron mit den anderen Märkten? Macht eine Diversifizerung dann selbst bei Schwerpunktbildung überhaupt Sinn?

Hmmm, das kann man so pauschal nicht sagen. Korrelationen sind immer in Bewegung und wechseln und haben vor allem mit den dominanten Anlagethemen zu tun. Ob eine Korrelation zweier Assets dann in einer Krise synchron (positiv) oder invers (negativ) ist, hat auch mit dem Charakter der Krise zu tun.

Ich will das mal an einem ganz einfachen Beispiel klar machen.

Krise 1: Wir haben ein neues Lehman-Szenario, eine Finanzkrise schwappt um die Welt und lässt die Finanzinstitute wackeln.

In dem Fall wird alles gleichzeitig fallen, vor allem eben der Finanzsektor und gerade die EMAs, weil diese besonders abhängig von genügend Liquidität sind. Scheues Geld zieht sich dann schnell in die noch relativ "sicheren" Häfen wie US und Deutschland zurück, die EMAs bleiben "blank" zurück und fallen stark.

Krise 2: Es kommt zu einem Ausbruch einer Pandemie in Asien. Diese schwappt zwar auch in andere Kontinente, hällt sich aber durch Flugverkehrskontrollen im kontrollierbaren Rahmen.

In Folge werden die "Tiger" Asiens in den Boden getrampelt, die Aktien Südamerikas werden zwar über Handelsbeziehungen auch leiden, im Vergleich werden das aber sichere Häfen sein. Eine einheitliche Korrelation EMAs - Entwickelte Märkte ist dann nicht darstellbar.

Die beiden Beispiele sollen zeigen: Aussagen zu Korrelationen kann man pauschal nicht machen. Die Emerging Markets im Depot zu haben, kann schon im Sinne Diversifizierung Sinn machen und es mag Szenarien geben, in denen die sich besser halten, als die entwickelten Märkte. Für besonders wahrscheinlich halte ich solche Szenarien aber nicht.

Insofern sehe ich die EMAs im Investmentdepot als "Kann-Thema", zwingend ist es nicht.

So... ich hoffe das hat einige Dinge klarer gemacht.

Ihr Hari

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Investmentgrundlagen – Über Diversifizierung, Marktkorrelation und die Portfolio-Theorie



Heute schreibe ich Ihnen erneut einen Grundlagentext zum Thema Investieren und noch dazu einen, der mir so grundlegend erscheint, dass ich ihn eigentlich glaube nicht schreiben zu müssen.

Oder vielleicht doch? Wir werden sehen. 🙂

Ich will mit den folgenden Zeilen auch keinen tiefgehenden Vortrag zum Thema halten, ich will das Thema nur anreissen und Sie motivieren, sich damit zu beschäftigen. Und da ich ja gesagt habe, dass jeder eine ruhige, profitable Anlagebasis braucht, ist es auch potentiell für jeden interessant.

Es geht dabei unter anderem um die "Diversifizierung", um die alte Weisheit also, dass man nicht alle Eier in einen Korb legen sollte, denn wenn der runter fällt, sind alle Eier nur noch weissgelbe Pampe.

Die zu einfache Schlussfolgerung daraus lautet: Diversifizierung ist gut! Aber ist sie das wirklich so pauschal?

Der Anleger, der sich zu den Wissenden zählt, weil er weiss was ein ETF ist, dessen Wissen damit aber endet, würde sich jetzt wie folgt ein Depot bauen wie im Gemischtwarenladen:

Da nehmen wir einen ETF der "Global Titans", dann einen der "Dividenden Aristokraten", weiter einen ETF des DAX. Dann sind weltweite "Infrastruktur-Aktien" ja interessant, also auch ein ETF dafür bitte. "Clean Tech" ist ein Zukunftsmarkt und "Biotech" auch, für beide also bitte einen ETF. Und die "Emerging Markets" muss man natürlich auch haben, also davon bitte einen ETF und dann darf das "Technologie-Thema" auch nicht fehlen, also bitte noch einen ETF auf den NASDAQ 100.

In Summe also "nur" 8 sehr breite ETFs. Ist das eine gute, diversifizierte Wahl?

"Diversifiziert" ist das bestimmt, das stimmt. Aber gut? Leider eher nein, weil es eben eher "totdiversifiziert" ist. Am Ende ist die Auswahl nur noch ein graue Masse, die aus wahrscheinlich 200 bis 500 der bekanntesten Aktien weltweit besteht und man würde näherungsweise die gleiche Performance erzielen, wenn man einfach den MSCI World kauft und fertig.

An dieser Stelle will ich einen kleinen Einwurf machen. Ich benutze hier den MSCI World als Proxy für den Weltaktienmarkt. Man kann aber darüber streiten, ob er das auch hinreichend ist mit seinen 60% Indexgewicht an US Aktien. Diese Diskussion ist aber akademisch und in der Praxis für den normalen Anleger bedeutungslos, denn mit seiner Diversifizierung von ca. 1.600 Aktien und mehr als 20 Ländern ist er hinreichend nahe an einem "Weltindex" dran und ausreichend breit. Da es sowieso keinen objektiven Massstab für den "idealen" Index gibt, ist der MSCI World hinreichend "Weltindex" genug und liquide handelbar und für uns daher ein rein pragmatisch sinnvoller Massstab der Aktienwelt.

Nun aber zurück zum "Totdiversifizieren". Womit wir beim Kern sind.

Diversifizierung ist eben nur dann sinnvoll, wenn sie gezielt, überlegt und in Maßen eingesetzt wird und die sinnvolle Selektion nicht konterkariert!

Letztlich ist es wie bei allen Anlagethemen. Wenn wir uns vom "Grauen Durchschnitt" entfernen wollen - den man an den Aktienbörsen eben näherungsweise mit dem MSCI World gleichsetzen kann - dann müssen wir dafür eben Zeit, Energie und Überlegung investieren.

Wenn wir das nicht tun, haben wir auch hier keinen "Edge", der Terminus passt beim Investieren ebenso wie beim Trading, denn jedweder Eingriff den wir vornehmen, um uns vom Schnitt (dem MSCI World) zu entfernen, muss ja ein profitabler Eingriff sein, also einer, der einen Mehrwert schafft. Schafft er keinen Mehrwert, kann man es auch gleich sein lassen.

Und Mehrwert kann man im Wesentlichen auf zwei Arten erzeugt werden. Einerseits natürlich durch höhere Rendite. Andererseits aber bei identischer Rendite durch geringeres Risiko.

Sie sehen, auch Investieren hat Anforderungen. Denn egal was man macht, wenn man vom "grauen Durchschnitt" bewusst durch Selektion abweicht, muss es sich mit einem definierbaren Vorteil beweisen, sonst war es eher sinnlos.

Damit kommen wir zu so wichtigen Themen wie Marktkorrelationen und der Portfolio-Theorie, die für professionelles Investieren Bedeutung haben.

Mit Marktkorrelationen wird das Verhältnis beschrieben, in dem Anlageklassen typischerweise zueinander stehen. Einige dieser Korrelationen bespreche ich hier immer wieder und zeige sie auch manchmal mit Kombicharts, die den Verlauf zweier Assets zueinander ins Verhältnis stellen. Und Korrelationen sind der entscheidende Faktor, wenn man "richtig" und "gut" diversifizieren will. Sprich wenn man zum Beispiel die Schwankungsbreite eines Depots senken will, ohne dabei die bewusst gewählte Selektion bis zur Unsichtbarkeit zu verschmieren.

Eine klassische und sehr einfach Korrelation, ist zum Beispiel die zwischen Gold und dem Dollar. Diese ist in der Regel invers, sprich wenn der Dollar steigt, fällt Gold und umgedreht. Und dafür gibt es gute Gründe, wie bei allen Korrelationen. Bei Gold und dem Dollar ist es die simple Tatsache, dass beides "Geld" ist, das zueinander in Beziehung steht.

Wenn man mit sinnvoller Diversifizierung operieren will, ist also das Verständnis der Korrelationen der Asset-Klassen zueinander von hoher Bedeutung.

Denn wenn man das nicht hat, kauft man vielleicht vermeintlich fünf verschiedene Assets, hat aber ohne es zu wissen doch wieder alle in einen Korb geworfen, weil diese stark positiv miteinander korreliert sind.

Dummerweise sind diese Korrelationen im Markt aber in Bewegung, sie wandeln sich im Laufe der Zeit. Schon an diesem Beispiel sieht man, wie wenig man glauben sollte, dass eine einmal gefundene Strategie im Markt, dauerhaft tragen kann. Den "Heiligen Gral" der Geldanlage gibt es nicht, ebenso wenig wie es den "echten" Gral je gegeben hat.

Die zweite wichtige Thematik, die hier im Blog bisher nur wenig zur Sprache kam, ist die Portfolio-Theorie. Also die Frage, wie man denn ein Depot sinnvoll aufbaut, damit es eben nicht nur die oben beschriebene graue Masse ist, die man sich ersparen und gleich durch den MSCI World ersetzen könnte.

Die Portfolio-Theorie ist ein eigenes Wissensgebiet, in dem man sich auch schnell im Stile eines "Gründlers" so vertiefen kann, dass man damit die praktische Anwendung aus dem Auge verliert. Schon alleine aufgrund der Reflexivität, ist zu grosse theoretische Tiefe ja am Markt eher schädlich, weil der Markt eben keine feste Basis mit festen Wahrheiten ist, die man auf die Kommastelle erforschen kann. Der Markt ist eben eher eine Art Pudding, den an die Wand zu nageln, eine echte Herausforderung ist. Und zum "Nageln" braucht man zupackenden Pragmatismus.

Dazu kommt, dass die Portfolio-Theorie wie alle graue Theorie, ziemlich viel Theorie ist. 😉 Bei einem festen Wissensgebiet wie den Naturwissenschaften, wäre das ja kein Problem, das Dumme ist nur, der Markt wandelt sich permanent, der alte Bastard. 😉

Ein schöner Grundlagenartikel, der das Problem eingängig thematisiert, findet sich zum Beispiel hier. Leider mit einer Werbung am Ende verbunden, die ich nicht teile, die "Value at Risk" Modelle sind eben auch nicht der "heilige Gral" und haben ihre Schwächen. Aber deswegen müssen die allgemeinen Aussagen der Analyse in den ersten zwei Dritteln ja nicht falsch sein:
-> Warum die moderne Portfoliotheorie nicht mehr modern ist <-

In dem Sie diesen Artikel lesen, ersparen Sie mir hier viele Worte, um zu einer Kritik der gängigen Portfoliotheorie anzuheben. Diese ist zu statisch und zu einfach. Die Selbstreferentialität und damit verbundene Wandlungsfähigkeit wird nicht berücksichtigt oder nicht verstanden, womit die realen Ergebnisse nicht zur Theorie passen.

Leider wie so vieles, wofür bei den Wirtschaftswissenschaften Nobelpreise verliehen wurden, das oft mathematisch anspruchsvoll, aber von so vielen unzulässigen Annahmen durchsetzt ist, dass die Realität eine andere Sprache spricht. Aber diese Grundsatzkritik kennen Sie ja von mir und wird auch in der Wirtschaftswissenschaft zunehmend geteilt, allerdings nur unter Schmerzen. 😉

Trotz dieser sehr berechtigten Kritik, sind einige Grundprinzipien der Portfolio-Theorie aber wichtig und wert verstanden zu werden, wenn man sich daran macht, ein eigenes, komplexes Depot sinnvoll aufzubauen. Und mit dem Wort "Portfolio-Theorie", meine ich eben nicht nur im engen Sinne das Modell von Markowitz, sondern grundsätzlich alle Modelle, die sich zum Ziel setzen, Anleitung bei der sinnvollen Gestaltung eines grossen Depots zu geben - man muss aber pragmatisch und lösungsorientiert heran gehen und darf sich nicht in der Theorie und Details verlieren, so sehr das manchen "Gründler" auch lockt. Denken Sie immer daran, der heilige Gral existiert nicht. 😉

Mit diesem grundlegenden, das Thema motivierenden Beitrag, will ich daher zweierlei bei Ihnen erreichen:

Einerseits klar machen, dass auch "Investieren" ebenso wie "Trading", inhaltliche Beschäftigung und qualitative Handlungen erfordert, wenn man damit mehr erreichen will, als einfach nur mit dem Markt mitzulaufen. Und um sinnvoll zu "Diversifizieren" reicht es nicht, von überall ein paar ETFs wild zu mischen, das verschafft keinen belastbaren Mehrwert gegenüber dem MSCI World.

Andererseits will ich aber einladen und aufrufen, die beiden Themen "Marktkorrelationen" und "Portfolio-Theorie" hier zum Thema zu machen. Bei der Portfolio-Theorie spreche ich dabei nicht über die theoretischen Grundlagen und akademischen Details, die helfen in der Anlage-Realität eher wenig, sondern primär um sinnvolle, umsetzbare Konzepte, die unser praktisches Handeln beim Strukturieren grosser Depots in gute Bahnen lenken.

Beschäftigen wir uns daher doch mal intensiver mit Marktkorrelationen und einer praktisch angewandten, pragmatischen Portfolio-Theorie, die uns real dabei hilft, ein sinnvoll diversifiziertes Depot zu schaffen, das für die Anforderungen der Zukunft gut aufgestellt ist.

Aber erneut, auch wenn es eine Wiederholung ist: Der selbstreferentielle Markt ist eben *kein* fest gefügtes Wissensgebiet, in dem es feste Regeln und Naturgesetze im Detail zu erforschen gibt. Er ist vielmehr immer in Bewegung und auch die Grundregeln nach denen er funktioniert, können sich wandeln. Denken Sie immer daran und verwenden Sie Ihre Energie darauf, etwas für Sie Praktikables und hinreichend Funktionierendes zu finden und umzusetzen und nicht wie Parsival, den heiligen Gral zu jagen.

Weil diese Welt der Mythen, des Glaubens und des Bluts und der Schlachten um die absolute Wahrheit, die können wir uns im Kino anschauen, sollten wir uns aber ansonsten ersparen und lieber unser Vermögen mehren.

Musik an, Film ab:

Ich bin gespannt, was Ihnen zum Thema einfällt.

Ihr Hari

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Community Projekt: Mean Reversion 2017



Heute früh habe ich mal wieder einen Blick auf unser Mean Reversion Depot von 2016 geworfen.

Wer neu dazu gekommen ist, die Logik und Auswahl wurde hier erläutert: -> 2016er Mean Reversion Depot <-

Ein Blick auf die aktuelle Performance nach fast einem Jahr, offenbart schnell, dass das Depot Stand heute früh immer noch alle grossen Indizes schlägt und mit mehr als 10% Gewinn, eine mehr als respektable Performance generiert.

Die meisten Manager grosser Publikumsfonds, wären dieses Jahr auf jeden Fall sehr glücklich, mehr als 10% Plus ausweisen zu können. Und das obwohl auch dieses Depot mit First Solar eine ganz herbe Enttäuschung beinhaltet:

meanrev-06-12-16

Wir sehen hier klar und deutlich, dass man schon mit 10 Aktien eine gesunde Diversifizierung hin bekommen kann, wenn sie denn sinnvoll ausgewählt sind und verschiedene Sektoren und Währungen abdecken.

Und wir sehen klar und deutlich, dass der Mean Reversion Ansatz sehr erfolgsträchtig sein kann, denn am Ende ist die Mean Reversion, also die Rückkehr zu "Mass und Mitte", eine der wenigen Konstanten des Marktes. Eines Marktes, der sich wie ein Gummiband in eine Richtung dehnen kann, aber am Ende doch zurück schnappen muss - ausser in den seltenen Fällen, in denen das Gummiband reisst, was mit einer Insolvenz eines Unternehmens gleichzusetzen ist.

2017er Mean Reversion Projekt

Das 2016er Ergebnis ist doch ein guter Grund, so einen Ansatz auch für 2017 auszuprobieren. Aber dieses Mal als gemeinsames Projekt der Community.

Die 10 "Mean Reversion" Aktien des Jahres 2017, werden also Sie ausgewählt haben, nicht ich wie 2016. Und wir werden das Depot dann in 2017 gemeinsam begleiten.

Ihr Job wird also im ersten Schritt die Benennung der Kandidaten und im zweiten Schritt die Auswahl der Top-10 sein, die dann das Depot bilden.

Mein Job wird sein, den Auswahlprozess so zu gestalten und zu steuern, dass das Ergebnis wieder ein diversifiziertes Depot mit breiter Aufstellung ist und sich nicht alles in wenigen Sektoren tummelt.

Hiermit bitte ich Sie also, in der ersten Phase mir Ihre Kandidaten für das 2017 Mean Reversion Depot zu nennen. Diese Phase soll knapp 2 Wochen bis Freitag 16.12. laufen.

In der Woche vor Weihnachten, werden wir dann gemeinsam aus den Kandidaten die 10 finalen Aktien auswählen.

Die Auswahl-Kriterien

Machen Sie hier im Forenthread zum Artikel also bitte Ihre Vorschläge. Mitmachen kann jedes Mitglied, dass im Forum schreiben darf, weil es sich hier wie alle anderen vorstellt hat:

-> Mitglieder stellen sich vor <-

Akzeptiert sind alle Aktien mit Notierungen in Europa oder den USA, die den folgenden, zwingenden Bedingungen entsprechen:

(1)

Alle Aktien haben eine Marktkapitalisierung von mindestens 1 Milliarde Euro bei europäischen Aktien oder 2 Milliarden USD bei US Aktien. SmallCaps und kleine MidCaps scheiden also aus.

(2)

Alle Aktien haben mindestens 100 Mitarbeiter. Biotech-Wetten mit 5 Mitarbeitern, einer Studie und gleichzeitig 5 Milliarden-Market-Cap, scheiden also aus.

(3)

Alle Aktien sind "solide" in dem Sinne, dass gerade keine umittelbar existenzbedrohende Krise existiert. Wetten auf die Wende bei Unternehmen, die gerade ganz nahe an der Insolvenz entlang schrammen, scheiden also aus.

(4)

Alle genannten Aktien sind in 2016 objektiv schwach gelaufen und hängen gegenüber den Indizes oder zumindest innerhalb des eigenen Sektors, deutlich hinterher.

(5)

Für alle genannten Aktien gibt es Gründe, warum sie in 2016 zurück hängen und die hoffen lassen, das sich das in 2017 ändert.

Das wars auch schon. Am Ende kommt also jede solide, genügend grosse Einzel-Aktie in Frage, die in 2016 relativ gesehen schwach gelaufen ist und bei der es gute Gründe gibt, warum sich das in 2017 ändern könnte.

Ich hoffe, dass wir viele ernst gemeinte Kandidaten bekommen. Wenn nicht mindestens 20 zusammen kommen, werde ich das Projekt abbrechen, ich hoffe aber auf viel, viel mehr.

Neben der reinen Auswahl auf am Ende 10, hat dieses Projekt auch den Sinn unsere Sinne zu schärfen und unser Universum zu erweitern, wo denn überall Kandidaten mit Nachholbedarf sind.

Ihre Meldung der Kandidaten:

Ihre Meldung im Forum soll mit den folgenden, zwingenden Informationen erfolgen.

(1) Name und Kürzel der Aktie

(2) Sektor/Branche bzw kurze Beschreibung des Kerngeschäftes

(3) Marktkapitalisierung und Mitarbeiter in ca. Werten

(4) Grund warum die Performance in 2016 schlecht war. Hier reicht ein Ein- oder Zweizeiler. Das soll keine Erklärung sein, die kann man parallel diskutieren, sondern nur ein grober Hinweis zum Grund.

(5) Grund warum die Chance (nicht Gewissheit) auf Besserung in 2017 besteht. Auch hier reicht ein Ein- oder Zweizeiler. Wie oben keine Erklärung, sondern ein Hinweis, der bei Wunsch woanders ausgeführt werden kann.

So ....

Jetzt hoffe ich, dass Ihnen das Projekt gefällt und wir alle miteinander, dadurch unser Universum der für 2017 aussichtsreichen Mean-Reversion-Kandidaten erheblich ausweiten.

Ihr Hari

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R&D-Aktien – Von einem archäologischen Versuch, zukünftige Gewinner auszugraben


Vorwort
Der folgende Artikel stammt als Gastkommentar von unserem Mitglied "Plastik".
Eigentlich war er nur für den internen Bereich gedacht, aber wir haben uns gemeinsam entschlossen, ihn etwas abgespeckt auch im freien Bereich zu veröffentlichen.
Auf meiner Seite schwingt dabei ohne Frage ein wenig Stolz mit, was wir in der Community für tolle Mitglieder haben!
Viel Spass und gute Erkenntnisse beim Lesen wünscht
Ihr Hari!

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Ein Gastartikel von "Plastik"

"Die Zukunft kaufen!"

"Hohe Gewinne garantiert!"

"Die heißesten Börsenrenner!"

Wer kennt sie nicht, die vollmundigen Sprüche, die einem aus zahlreichen Hochglanzmagazinen, aus viel versprechenden aber wenig haltenden Internet-Newslettern und von unzähligen, blinkenden Webseiten immer entgegenspringen. Wissen wir doch alle, dass die Börsen heute schon die Zukunft, das Aufgehen der vielversprechenden Geschichte, das neue Produkt, den technischen Durchbruch feiert und handelt.

Doch so manch eine der wohlklingenden Geschichten wird über kurz oder lang von der Realität eingeholt, und der eine oder andere Börsenüberflieger des Monats Mai wird schon im Juni vom Ausbleiben der Substanz hinter der an der Börse gehandelten Geschichte eingeholt und verschwindet wieder in der Versenkung.

Was aber nun, wenn man tatsächlich eine Methodik finden könnte, die es ermöglichen würde, der realen Substanz der Firmen tatsächlich auf den Grund zu gehen? Ist es möglich zu ermitteln, welche Firmen voraussichtlich in der nahen Zukunft eine Neuentwicklung, ein neues Produkt auf den Markt werfen? Und zwar, bevor dieses Wissen in den Markt einsickert!

Fleiß bei der Entwicklung bedeutet mehr Erfolg an der Börse!

Welche Firmen in den Weiten der Weltwirtschaft könnten das nun sein? Der Grundgedanke ist hier ganz einfach: es sind wohl diejenigen, die sich am meisten anstrengen und den meisten Fleiß bei der (Neu-)Entwicklung aufwenden! Womit wir bei den Aufwendungen für Forschung & Entwicklung (R&D) wären! Tatsächlich geben verschiedene Veröffentlichungen dieser Argumentation recht - insgesamt honoriert die Börse auf längere Sicht diejenigen Unternehmen überdurchschnittlich, die im Branchenvergleich mehr R&D-Aufwand als ihre Konkurrenten betreiben. (1),(2)

In den Kommentaren und Analysen zum Markt kocht dieses Thema eher auf kleiner Flamme, aber es gab bzw. gibt bereits seit mehreren Jahren einen englischsprachigen und kostenpflichtigen Newsletter zu diesem Thema, Moneyweek Research Investments (3), den ich persönlich allerdings nie abonniert habe.

Die Methodik und das R&D Scoreboard

Über Dr. Mike Tubbs, den Initiator dieses Börsenbriefs, bin ich dann auf das R&D Scoreboard (4) gestoßen, eine jährlich veröffentlichte Analyse der forschungsintensivsten 1500 Unternehmen in der EU, durchgeführt von der Europäischen Kommission (EC). Eine tabellarische Auswertung der weltweit forschungsintensivsten 2500 gibt es auch. Meines Wissens war Dr. Tubbs an der Entwicklung dieses R&D Scoreboards beteiligt. Die Daten stammen dabei aus den von den Firmen veröffentlichten Bilanzen. An der Spitze dieser umfangreichen Datenbank findet man bekannte Marktriesen wie z.B. VW, Daimler oder GlaxoSmithKline, aber weiter unten in der Datenbank wird es dann interessant.

Der Gedankengang ist nun: kann man anhand dieser Zahlen und Tabellen kleine bis mittelgroße vielversprechende Unternehmen finden, bevor der Markt es merkt? Zahlenmaterial gibt es mittlerweile mehr als ausreichend - das R&D Scoreboard wurde 2004 das erste Mal veröffentlicht.

Die Filterregeln

Somit habe ich mir in den vergangen Monaten die R&D Scoreboard-Tabellen vorgenommen und ein bisschen mit den Zahlen gespielt, um geeignete Filterregeln herauszufinden. Die genauen Zahlen finden sich im internen Bereich.

Filteregeln2

Portfolio-Methodik und Backtesting

Mithilfe dieser Filterregeln habe ich dann für jedes Jahr etwa 15 Firmen identifiziert (man muss gelegentlich mit den Parametern ein wenig spielen, damit man genug Firmen findet), und das beginnend mit 2008 für jedes veröffentlichte Scoreboard-Tabellenwerk gemacht. Dann habe ich die historischen Kurse rausgesucht und die Marktentwicklung übers kommende Jahr angeschaut.

Die Ergebnisse sind durchaus interessant! Man hat auf jeden Fall eine hohe Chance, echte Kracher zu finden. Pleitekandidaten waren bei der gewählten Unternehmensgröße eigentlich auch keine dabei, aber man muss auch ein bisschen Glück haben, weil es natürlich auch sein kann, dass man eine Firma erwischt, bei der der Kurs dann im kommenden Jahr 30-60% an Wert verliert! Es ergibt sich eine recht breite Auswahl an Firmen aus vielen Branchen und Ländern, man wäre also gegenüber reinen Sektor- oder Länderschwächen durch Diversifizierung halbwegs abgesichert. Weiterhin ist man bei insgesamt 15 Firmen auch breit genug aufgestellt, um die unvermeidlichen Fehlzünder abfedern zu können.

Die Selektionsmethodik beruht auf jährlicher Neuaufstellung des Portfolios zum 30.12. anhand der oben beschriebenen Kriterien. Dieses Selektionsverfahren wurde rückwirkend durchgeführt bis 30.12.2007 und mit DAX und NASDAQ (weil letzterer stark techniklastig ist) verglichen.

Das Ergebnis ist, dass man die ersten beiden Jahre (2008 u. 2009) sehr schlecht gefahren wäre - 2008 hätte das Portfolio signifikant stärker verloren als sowohl DAX als auch NASDAQ, und auch 2009 war die Erholung alles andere als überzeugend.

Bei späterem Einstieg (ab Ende 2009) sieht es aber sehr viel besser aus! Da hätte man den DAX ganz klar outperformt - beim NASDAQ ist es etwas enger, aber über mehrere Jahre durchgezogen betrachtet wäre man auch da immer vorne gelegen. Währungseffekte habe ich nicht berücksichtigt.

Ergebnisse des Backtestings

Die Auswertung ist wie folgt, wobei ich farblich den Gewinner (grün), den Zweiten (orange) und den Dritten (rot) entsprechend gekennzeichnet habe:

Daten

Fazit aus diesem Backtest: in guten Börsenjahren ist die Strategie recht vielversprechend - wenn die Weltwirtschaft allerdings in großem Stil einknickt, werden solche kleineren Firmen leider auch früher abgestoßen, und man braucht lange, um die Verluste wieder aufzuholen!

Das Portfolio im laufenden Jahr

Rückwirkend auf Anfang 2015 (Stichtag 30.12.2014, Schlusskurse) habe ich nun ein Musterdepot angelegt mit 16 Firmen, die ich mittels des Ende 2014 erschienenen R&D Scoreboards 2014 ausgewählt hätte.

Das Musterportfolio für das laufende Jahr findet sich im Premium Bereich und enthält Firmen wie z.B. PRA Health Sciences (PRAH) (+58% in €) und Playtech PLC (PTEC) (+33% in € )

PRAH 18.06.15

PTEC 18.06.15

Die absolute Gesamtperformance kann aus dem folgenden Chart abgelesen werden. Diese entspricht Stand Freitag, 12.6.2015, einer Gesamtperformance von +16,3%. Der DAX steht im gleichen Zeitraum bei +14,0% und der NASDAQ (in € bemessen) bei +12,1%.

Somit schlägt das Portfolio im Moment sowohl DAX als auch NASDAQ, wenn auch knapp! Für eine bessere Vergleichbarkeit, gerade im Hinblick auf die starken Währungseffekte dieses Jahr, empfiehlt es sich, einheitlich die €-Kurse zu betrachten.

Portfolio Performance 2015 06 12

Die Volatilität, bemessen als ATR (14), liegt im Moment bei etwas über 500, was bezogen auf den Gesamtwert des Portfolios (ca €93T) eher im niedrigen Bereich liegt.

Fazit

Der Grundgedanke der Analyse scheint recht vielversprechend zu sein. Man hat definitiv eine Chance, "Hidden Champions" sehr frühzeitig zu identifizieren, wobei das Portfolio- und Risk Management nicht vernachlässigt werden darf. Langfristig erfolgreich scheint die Strategie auch auf jeden Fall zu sein.

Ich beobachte das jetzt mal weiter, und dazu würden mich auch die Kommentare der Community interessieren! Mit Sicherheit kann man die Methodik noch verbessern, Risk Management betreiben, die Charttechnik bemühen, Stopps setzen, für kosteneffektive Umsetzung sorgen (geringer Umsatz, hohe Spreads, tw. exotische Börsen) etc. Natürlich könnte man die besten Aktien auch länger halten, nicht nur ein Jahr.

Da ja im Moment ebenfalls das -> Teamprojekt "Sicherheit durch Wachstum" <- ins Laufen kommt, kann ich die obige Arbeit nur wie folgt umschreiben:

Zwei Seelen, ein Gedanke!

Plastik

(1) "Kapitalmärkte belohnen F&E"; Deutsche Bank Research; 27. April 2011, zu finden -> hier <-

(2) "The impact of firms’ R&D strategy on profit and productivity"; B. Johansson, H. Lööf; Centre of Excellence for Science and Innovation Studies (CESIS), Royal Institute of Technology, Jönköping International Business School (JIBS); zu finden -> hier <-

(3) zu finden -> hier <-

(4) "R&D Scoreboard European Commission, zu finden -> hier <-

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Das Investment Thermo Fisher Scientific

Der folgende Beitrag erschien schon Freitag 27.03.15 13:45 in Hari Live

Ich habe ja schon mehrfach argumentiert, warum ich im Biotech-Boom die Hersteller der "Schaufeln" so sehr mag. Denn diese Unternehmen profitieren vom Boom, ohne die medikament-spezifischen Risiken der forschenden Unternehmen zu besitzen.

Selbst bei Branchen-Grössen wie Gilead Sciences (885823, GILD), genügt ja eine schlechte Nachricht zum Blockbuster Solvadi, und der Kurs knickt brutal ein.

Hinzu kommt dann noch die generelle Unsicherheit, ob durch den Aufstieg der Biosimilare und der wachsenden Macht der Intermediäre wie Express Scripts (A1JWJL, ESRX), nicht doch die riesigen Margen bald unter Druck geraten.

Einzelne Biotech-Unternehmen - und das gilt selbst für die Branchengrössen - sind daher für einen ruhigen Investmentansatz eher ungeeignet, weil zu volatil. Ein ruhiges Investment im Sektor macht daher nur bei breiter Diversifizierung via individuellem Basket, Fonds oder ETF Sinn.

Ganz anders dagegen ist die Lage bei den Unternehmen, die vor allem an den Tools, Hilfsmitteln, Testverfahren und Methoden verdienen, mit denen die Biotech Unternehmen forschen und ihr Geschäft betreiben.

Ganz analog zu den Herstellern von Schaufeln im Goldrausch des 19. Jahrhunderts, verdienen diese Unternehmen unabhängig davon, ob wirklich Gold gefunden wird. Und auch ein Medikament mit Nebenwirkungen oder eine Forschung, die von der amerikanischen FDA dann keine Genehmigung bekommt, kann die Hersteller der Schaufeln nicht tangieren.

Mein absoluter Favorit was das angeht und für mich *der* Bluechip in diesem Sektor, ist -> Thermo Fisher Scientific (857209, TMO) <- mit einem sehr breit aufgestellten, aussichtsreichen Produktportfolio.

Ich habe über das Unternehmen im Premium-Bereich schon mehrfach geschrieben und will mit diesem Post nun auch im freien Bereich darauf aufmerksam machen.

Denn gerade jetzt, während der Biotech-Sektor korrigiert, kann man im Chart leicht sehen, was die Vorteile eines Herstellers von "Schaufeln" sind, denn die Aktie hat im Vergleich zum Sektor deutlich weniger korrigiert:

TMO 27.03.15

Für mich ist das das Profil einer Aktie, wie ich sie für mein Investment-Depot mag.

Einerseits mit grossem Wachstum und Teil eines Marktes, der massiven Rückenwind hat. Sie wissen ja, ich segele bei Investments gerne mit dem Wind im Rücken und mag es nicht, dagegen ankreuzen zu müssen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen Artikel von Donnerstag 12.03.15 14:20 in Hari Live - "Mit dem Wind im Rücken segeln".

Andererseits ist es aber auch eine Aktie mit eingebauter Diversifizierung, die also nicht so schnell von einem einzelnen Problem aus der Bahn geworfen werden kann. Sicher kann man dadurch keine schnellen 100% Gewinn erwarten. Umgedreht sind aber auch nach unten die Risiken deutlich geringer und die Aktie kann vergleichsweise ruhig ihre Bahn ziehen.

Wenn Sie es nicht schon getan haben, tun Sie sich also den Gefallen und beschäftigen sich mal mit den Produkten von Thermo Fisher Scientific. Für mich ist das ein klarer Fall für mein Investmentdepot - und das nicht erst seit heute, wie treue Leser wissen.

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Bernanke, Premium, Tesla und Solar – Das Jahr 2013 auf Mr-Market

Liebe Leser,

ein spannendes, ereignisreiches und erfolgreiches Jahr auf Mr-Market.de, nähert sich langsam der Zielgeraden.

Es war ein sehr erfolgreiches Jahr für uns auf Mr-Market. Gerade für die grossen institutionellen Anleger, war es aber teilweise auch ein schwieriges Börsen-Jahr.

Erfolgreich war 2013, weil uns der Markt eine grosse Zahl hoher Gewinne beschert hat.

Erinnern Sie sich noch, wie wir im Mai von Anfang an dabei waren, als die von uns intensiv beobachtete Tesla Motors Aktie, mit Macht abhob und sich innerhalb von 6 Monaten bis zum Hoch verfünffachte ? Oder wissen Sie noch, wo der Solarsektor oder 3D Systems am Jahresanfang standen, die uns eine Verdoppelung des Einsatzes ermöglichten ? Für Trader war 2013 ein Traum, selten habe ich so viele, so sensationelle Kursraketen erlebt wie 2013.

Schwierig war das Jahr aber auch und das weniger für Trader, sondern mehr für Investoren, die auf eine Diversifizierung ihres breiten Portfolios achten müssen und sich nicht erlauben können, Risiken und technische Überdehnungen einfach blind auszublenden.

Denn mit dem gnadenlos nach oben strebenden Markt, konnte man als breit aufgestellter Investor in 2013 nur mithalten, wenn man alle Risiken ignorierte und jeden Dip kaufte, sobald er auftrat. Rationale Vorsicht, Diversifizierung, Cashbestände, Absicherung und Hedging - all die Fähigkeiten, die einen guten Portfoliomanager auszeichnen - wurden in 2013 eher nicht belohnt, sondern bestraft. Ich habe selten so viele V-förmige Reversals gesehen, wie in 2013.

Und weil solche V-förmigen Reversals eigentlich ungewöhnlich sind und durch den Liquiditätsdruck der Notenbanken in 2013 immer wieder die natürlichen Schwingungen der Märkte kurz geschlossen wurden, haben sich auch so viele Portfoliomanager in 2013 schwer getan und hinken nach dem was ich lese und höre, hinter der Performance von DAX und S&P500 hinterher.

Das ist aber nach meiner Ansicht kein Grund sich zu grämen, denn absolute Performance-Zahlen sagen ohne Kontext sowieso nichts und damit zu klappern ist kompletter Humbug. Performance kann immer nur im Verhältnis zur Grösse des Depots, der Strategie und dem Zeithorizont betrachtet werden und muss vor allem im Verhältnis zum eingegangenen Risiko bewertet werden. Eine Strategie, die in 2013 vielleicht dazu führte, dass man bei geringerem Depotrisiko am Ende ein paar Prozent gegenüber dem DAX hinterher hinkt, wird beim nächsten Absturz - und auch der wird kommen - dafür sorgen, dass man diesem aus dem Wege geht.

Auch ich selber habe diesen Dualismus des Jahres 2013 in meinen verschiedenen Depots bemerkt. Während es als dem Trend folgender Trader in 2013 leicht war, den Markt zu schlagen - dafür sorgten eben die ganzen Kurs-Raketen ala Tesla und Co. - war es als auf langfristigen, sicheren Ertrag ausgerichteter Investor, mit breit aufgestelltem Portfolio, eher schwierig, mit DAX, S&P500 und Co. vollständig mitzuhalten.

Alles in allem war es aber ein tolles und vor allem historisches Börsenjahr. Die Notenbanken waren zwar schon immer wichtig, aber in meiner Erinnerung der letzten ca. 25 Börsenjahre, gab es kein Jahr, in dem die Notenbanken so dominant für die Marktentwicklung waren wie 2013.

Abgesehen vom Markt selber, war 2013 aber auch deshalb für Mr-Market ein erfolgreiches Jahr, weil der Start des Premium-Bereiches im April zu einem schönen Erfolg geworden ist, auf den ich sehr stolz bin.

Mr-Market ist damit einer der ersten rein privat betriebenen Blogs im deutschsprachigen Raum, dem die Professionalisierung gelungen ist und der sich damit von allerlei bunt blinkenden Bannern und der Dominanz SEO geprägter Klickzahlen emanzipiert hat.

Denn diese Dominanz von Klickzahlen und SEO im Internet, fördert nach meiner Meinung nicht die Qualität des Contents, sondern fördert eher marktschreierisches Gebaren und lautes mediales Geklapper, dass mit allerlei Schlagwörtern im Titel auf Leserfang geht. Die Relevanz des Contents steht dann oft im diametralen Gegensatz zur Bugwelle der Überschrift.

Mag dieses mediale Geklapper im Unterhaltungsbereich bei den Berichten aus den diversen Königshäusern ja noch problemlos sein, weil ausser Zeitaufwand kein Schaden entsteht, ist es aber im Börsenumfeld besonders tückisch, wenn sich Leser davon zu Handlungen treiben lassen. Denn Mitglieder von Mr-Market wissen: was jeder weiss und worauf sich alle vorbereiten, kann genau deswegen an der Börse nur schwerlich eintreten. Dafür sorgt die Reflexivität der Märkte.

Der Erfolg des Premium-Bereiches ermöglicht uns nun, intensiv und sachlich zu diskutieren, uns gegenseitig zu helfen und uns auszutauschen. Und gemeinsam zu lernen und unsere Techniken im Kampf mit Mr-Market zu verbessern.

Und "wir" ist dabei eine dreistellige Community engagierter Leser, von denen viele auch in den Foren aktiv sind und eigene Ideen beitragen. Es ist uns gelungen, eine Community zu etablieren, die von Fachkenntnis aber auch Respekt voreinander geprägt ist und von der alle nur profitieren können. Foren-Trolle und notorische Rechthaber sind hier nicht existent und das wird auch so bleiben.

Ich möchte daher bei dieser Gelegenheit allen Premium-Mitglieder herzlich für das Vertrauen und die Unterstützung danken, die Sie diesem Blog in 2013 gegeben haben ! Besonders gilt mein Dank aber den vielen aktiven Mitgliedern, die mit eigenen Beiträgen und teilweise auch eigenen Artikeln die Community nach vorne bringen und zu einem Ort machen, an den man gerne jeden Tag zurück kehrt.

Ich bin stolz darauf, Teil dieser Gemeinschaft zu sein und ich verspreche, in 2014 nicht nachzulassen und mit der gleichen Energie weiter am Erfolg von Mr-Market zu arbeiten.

Denn selbst wenn viele nun hier her gefunden haben und Mr-Market nun als ihre Börsenheimat verstehen, es könnten noch viel mehr sein. Denn der Bedarf an wirtschaftlich unabhängigen, seriösen und kompetenten Informationen und Anleitungen zu den Finanzmärkten ist immens. Das Hauptproblem ist eher, dass die Menschen nur schwer zu den wenigen Stellen in einem Meer von Informationen finden, die wirklich etwas zu sagen haben, das über die Nacherzählung der diversen Geschehnisse hinaus geht.

So weit zu einem tollen Jahr 2013. Und dieses tolle Jahr war für mich auch ein arbeitsames Jahr, zusammen mit meinen eigenen Aktivitäten am Markt, habe ich hier nun einen neuen Fulltime-Job, der mich auch oft noch spät in den Abendstunden schreiben und diskutieren lässt, wie die Premium-Mitglieder wissen.

Deshalb brauche ich jetzt auch einmal eine Auszeit und werde mir diese in der einzigen Zeit des Jahres nehmen, in der auch die Börse mal weitgehend ereignislos ist.

In der Zeit vom kommenden Samstag 21.12.13 bis einschliesslich dem 06.01.14, wird daher hier im freien Bereich nicht mehr viel passieren. Ich schliesse einen neuen Artikel nicht perse aus, rechnen Sie aber nicht damit. Ab 07.01.14 bin ich dann wieder voll da.

Im Premium-Bereich werde ich meine Aktivitäten auch deutlich herunter fahren, dort werde ich aber nach Lust und Laune vielleicht den einen oder anderen Kommentar oder Artikel schreiben und wir werden uns in der Community auch über den Jahreswechsel sicher intensiv im Forum austauschen. Gerade grundsätzliche Fragestellungen bespricht man ideal in dieser Zeit, in der man nicht permanent von der Hektik des Börsengeschehens getrieben wird. Und insbesondere die Frage, welche Aktien in 2014 zu den neuen Favoriten gehören dürften, ist ja hoch spannend.

Für den Dienstag 07.01.14 ist dann - zum Start des neuen Börsenjahres auf Mr-Market - auch gleich um 12 Uhr wieder ein "Lunchtalk" mit der Wirtschaftswoche geplant, vielleicht merken Sie sich diesen Termin schon einmal vor.

So, nun bleibt mir nur, Ihnen ein paar schöne Festtage zu wünschen und falls Sie nicht zu den Premium-Mitgliedern gehören, auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr !

Machen Sie es gut und halten Sie die Ohren steif ! Wir lesen uns 2014 !

Ihr Hari

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