US Transportation Sektor als Wirtschaftsindikator

Der folgende kurze Hinweis erschien Mittwoch 28.05. auf Hari Live

Wissen Sie, was ein starker Indikator dafür ist, dass wir es in den US mit einem echten Aufschwung zu tun haben und nicht nur mit einer FED induzierten Rally ? Und wissen Sie, dass dieser Indikator in den letzten Wochen des Seitwärtsmarktes beständig nach oben gezogen ist und damit eigentlich den jetzigen Ausbruch vorweg nahm ?

Es ist der US Transportation Sektor, hier dargestellt anhand des -> iShares Transportation Average ETF (IYT) <-, in dem sich FedEx und Co. tummeln. Dieser ETF bildet den -> Dow Jones Transportation Average Index <- nach, der 1884! kreiert wurde und damit sogar noch älter als der "Dow Jones Industrial Average" (DOW) ist.

Dieser Transportation Index ist deshalb ein guter Indikator, weil man von der Menge der transportierten Güter, sinnvolle Schlüsse auf die wirtschaftliche Aktivität ziehen kann.

Jetzt wird dieser Index in seiner absoluten Höhe, natürlich auch vom generellen Trend hin zu mehr Versand und Paketen bestimmt, von dem auch eine Deutsche Post profitiert. Insofern braucht man aus dem gegenüber 2007 deutlich höheren IYT nicht zu schliessen, dass die wirtschaftliche Aktivität aktuell viel höher als 2007 sei.

Aber abseits von absoluten Werten, lässt sich relativ eine klare Aussage ableiten. Der ETF hat klar signalisiert, dass die Wirtschaft in den US keine wirkliche Delle erfahren hat und das hat Crash-Szenarien noch unwahrscheinlicher gemacht, als sie sowieso schon waren.

Schauen Sie auf die Stabilität und bullische Struktur des IYT im Tageschart, während die Indizes ihr Zick-Zack der letzten Wochen vollzogen:

IYT 28.05.14

Und auf den beeindruckenden Langfrist-Trend im Wochenchart:

IYT 28.05.14 w

Die Botschaft ist klar, die US Wirtschaft befindet sich auf einem positiven Weg.

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Sind Industrieaktien – am Beispiel General Electric – nun billig oder teuer ?

Ich möchte heute mal ein Gedankenexperiment mit Ihnen machen und die plakative Frage stellen, ist General Electric (WKN 851144, GE) nun billig oder schon zu teuer ?

GE wähle ich aus zwei Gründen. Erstens weil es nur wenige Aktien gibt, bei denen man so schöne Vergleichsdaten in die Vergangenheit hinein bekommen kann. Und zweitens, weil GE immer noch, der Benchmark für die US, aber auch für die weltweite Industrie ist.

Und wenn die US Industrie nun auf die Beine kommen sollte - wonach es ja aussieht - wird die breit aufgestellte GE profitieren. Insofern ist die Frage doch spannend, ob GE heute schon überbewertet ist.

Jetzt könnte man diese Frage natürlich anhand der populären Parametern wie KGV und KBV beantworten wollen, aber das führt für langfristige Betrachtungen nicht wirklich weiter. Denn das KGV ist ein Wert, der sich an den Gewinnerwartungen orientiert, dummerweise ändern diese sich im Laufe der Zeit massiv.

Und das KGV ist entgegen der landläufigen Annahme auch ein ziemlich mieser Indikator, um Unter- oder Überbewertungen aufzuspüren, bei Zyklikern ist das KGV an den Wendepunkten sogar ein Kontraindikator. Ich habe diese Problematik ausführlich im Artikel -> Warum billige Zykliker teuer sind und umgekehrt <- ausgeführt und kann jedem, der diesen Zusammenhang nicht kennt, nur wärmstens empfehlen, den Artikel noch einmal zu lesen.

Aber auch das vermeintlich so objektive KBV ist in Zeiten des IFRS auch nicht mehr das , was es mal war, weil auch der Buchwert zyklischen Schwankungen unterliegt, von Verzerrungen durch Goodwill ganz zu schweigen. Denken Sie alleine mal an die Bewertung von Lagerstätten bei Rohstoffen, die natürlich auch vom langfristigen Rohstoffpreis abhängt. Auch diese Problematik habe ich in dem Artikel -> Vom Irrsinn des IFRS oder warum einfache Kennziffern wie das KBV kaum Aussagekraft haben <- ausgearbeitet.

Was uns also sinnvoll bleibt um das Bewertungspotential, der GE Aktie zu vergleichen, ist der Kursverlauf im sehr langfristigen Chart, den man - wenn man es ganz genau machen wollte - um die Inflation diskontieren müsste. Letzteres ist schwierig und habe ich hier nicht vollzogen, aber auch ohne die Anpassung bekommt man ein Gefühl dafür, welche Bewertungen bei einer Aktie wie GE im Maximum wie Minimum möglich sind, wenn die Gewinnsituation und Konjunktur die entsprechenden Voraussetzungen schaffen.

Schauen wir also auf das GE-Chart mit Wochenkerzen, das bis 1996 zurück reicht. Und was sehen wir ?

GE 09.01.14

Wir sehen eine phantastische Chance Ende 2008, diese Ikone zu Ausverkaufspreisen auf dem "Grabbeltisch" ins Depot zu legen und sich dann bis heute schlafen zu legen - genau da, wo auch Warren Buffet zugeschlagen hat.

Und wir sehen auch, dass sich für GE bald die Frage stellt, ob die Aktie aus der jahrzehntelangen Konsolidierung ausbrechen kann. Diese Konsolidierung ist gleichbedeutend mit dem säkularen Bärenmarkt an den Aktienmärkten, der 2000 begann.

Das es sich nur um eine Konsolidierung handelt wird klarer, wenn wir das Bild bis 1984 expandieren:

GE 09.01.14 842

Ich betrachte GE als das Musterbeispiel für die übergeordnete Lage der weltweiten Industrie-Märkte. Wir sehen anhand GE, dass die Industriesektoren immer noch in einem säkularen Bärenmarkt gefangen sind, der 2000 begann.

Aber wir sehen auch, dass GE im langfristigen Massstab aktuell zwar nicht mehr billig, aber auch keineswegs zwingend zu teuer ist. Wenn die US Industrie wirklich anziehen sollte, gibt es keinen Grund, warum GE nicht auch doppelt so hoch notieren könnte wie heute. Und damit würde das Ende dieses säkularen Bärenmarktes eingeleitet.

Das sagt jetzt nichts darüber aus, ob wir in 2014 eine 20% Korrektur erleben oder nicht. Das ist sehr gut möglich. Es eröffnet aber den Blick für die sehr langfristige Perspektive. Denn irgendwann wird dieser Bärenmarkt enden und eigentlich ist die Zeit bald reif dafür. Und dann beginnt der Spass an den Aktienmärkten erst so richtig.

Lassen wir uns also von den Zahlen der hohen Indexstände nicht blenden. Es gibt noch Bluechips mit Potential. Und diese dürften unter anderem im Industriebereich zu finden sein.

Ziehen Sie aus diesen Aussagen aber keine Schlussfolgerungen für die Kursentwicklung morgen oder nächste Woche. Das sind zwei verschiedene paar Schuhe. Ich will mit dem Beispiel GE eigentlich nur erneut klarmachen, dass die hohen Zahlen der Indizes genau nichts bedeuten. Die langfristige Frage ist eher, ob die Weltwirtschaft wieder Katalysatoren oder innovative, technologische Durchbrüche erlebt, die den nächsten grossen Bullenmarkt einleiten. Denn bei aller Begeisterung über die aktuelle Kursentwicklung, im ganz grossen Bild befinden wir uns immer noch in einem säkularen Bärenmarkt. Vielleicht am Ende desselben, aber immer noch nicht endgültig raus.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal an den Artikel
-> Aktienmärkte von 1896 bis heute – Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor ? <- erinnern.
Ein Artikel, der aus einer anderen Warte, zu einer sehr ähnlichen Schlussfolgerung kommt.

Bleiben wir also offen für die Möglichkeiten. Alle hacken auf den Notenbanken herum und ich gehöre da ja auch dazu, weil ich weiss auf welcher Rasierklinge wir da gerade balancieren. Und die Vernunft gebietet, nun von einer baldigen, scharfen Korrektur an den Märkten auszugehen.

Aber kurzfristige Korrektur hin oder her, stellen wir uns nur mal theoretisch vor, es gelänge den Notenbanken doch das Kamel durchs Nadelöhr zu bugsieren und einen selbst tragenden, weltweiten Aufschwung zu initiieren, der dann durch neue Technologien wie 3D Druck oder Biotech massiv befeuert wird.

Wo stehen wir denn 2020 dann an den Aktienmärkten ? Hat sich 1981, bei einem Stand des Dow Jones Index von 1000, als der letzte grosse säkulare Bärenmarkt zu Ende ging, jemand ernsthaft vorstellen oder glauben können, dass der gleiche Index 1999 bei rund 11.000 notieren würde ?

Lassen Sie uns einfach offen für die Möglichkeiten bleiben. Die Zukunft ist und bleibt unbestimmt und hat jede Menge Überraschungen für uns parat. Und lassen Sie uns auf den menschlichen Erfindergeist setzen. Auch wenn in Deutschland gerade "bewahren" und das Festhalten am Status Quo en vogue ist, Deutschland ist nicht die Welt ! Und der Wandel ist gut, unsere ganze menschliche Existenz beruht auf dem evolutionären Erfolgsmodell Wandel. Früher nannte man das auch hier im positiven Sinne "Fortschritt" !

Ihr Hari

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Aktienmärkte von 1896 bis heute – Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor ?

Wir sorgen uns zu Recht um 10% Gewinn oder Verlust. Wir reden vom "Crash" und verfallen in Panik, wenn der DAX mal wieder auf 5000 Punkte fällt. Im grossen, langfristigen Bild der Märkte ist das aber alles nur Rauschen. Und es ergibt sich eine höchst interessante Perspektive, mit langfristig sehr bullischen Implikationen, wenn man sich mal die Mühe macht, das ganz grosse Bild zu betrachten.

Und deshalb habe ich mir die Daten des Dow Jones Index seit 1896 besorgt. Ja, Sie lesen richtig, seit nun fast 117 Jahren in der Vergangenheit ! Die Quelle ist dabei die St. Louis FED gewesen, Sie können die Daten selber -> hier <- nachvollziehen.

In normalen Charttools bekommt man dergleichen historische Darstellungen in der Regel nicht, da ist irgendwann in den 80ern oder 90ern Schluss, weswegen ich auch Excel bemühen musste. Und natürlich arbeite ich hier mit einer logarithmischen Achse, um die prozentualen Steigerungen richtig darzustellen. Immer wieder sieht man auch bei so Langfristcharts lineare Achsen, die völlig blödsinnige Darstellungen produzieren, so als ob Börse überhaupt erst in den 80er Jahren los gegangen wäre und es vorher nur um die Nulllinie schwankte.

Und nun schauen Sie mit mir auf dieses Langfristchart des Dow Jones Index seit 1896:

Dow Historisch

Was wir sehen ist höchst beeindruckend. Es gab drei übergeordnete säkulare Bullenmärkte, der Erste endete mit dem 1929er Crash, der Zweite endete Mitte der 60er Jahre und der Dritte mit der Internet-Blase im Jahr 2000. Dazwischen lagen drei säkulare Bärenmärkte und ja, wir sind aktuell immer noch in einem säkularen Bärenmarkt bzw. zumindest in einer 10 Jahre andauernden Konsolidierung.

Jetzt darf man bei so einem langfristigen Bild natürlich auch die Inflation nicht übersehen, es ist mir mit meinen begrenzten Mitteln aber nicht möglich, diese hier korrekt einzuarbeiten. Würde man es aber tun, würde man die säkularen Bärenmärkte weit deutlicher als hier, als Bärenmärkte erkennen, denn die Menschen haben in diesen Phasen nach Inflation effektiv Geld verloren. Das ist auch für die Phase seit 2000 richtig, obwohl rein von den nominellen Zahlen her, schon wieder neue Höchststände erreicht wurden. Und die Steigung der säkularen Bullenmärkte wäre dann optisch nicht so hoch, wie es hier aussieht. An der prinzipiellen Abfolge der Marktphasen ändert das aber nichts. Und auch nicht daran, dass die säkularen Bärenmärkte irgendwann nach 15 Jahre vorbei waren.

Auch falls Sie denken, da sei ja zum Beispiel in den 70ern an den Börsen fast gar nichts passiert, lassen Sie sich nicht durch die logarithmische Skalierung täuschen. Objektiv schwankte der Dow in den 70ern zwischen 500 und 1000, also immer noch um 50% ! Sie sehen ja auch, wie im langfristigen Massstab die grossen Korrekturen im letzten Jahrzehnt aussehen - es sind in dieser Darstellung eher Petitessen und nur Konsolidierungen auf hohem Niveau. Angefühlt hat sich 2008 für uns aber anders. Und wer objektiv 50% des eingesetzten Kapitals verliert, hat die Hälfte seines Vermögens verloren, was keine Petitesse ist.

Die wichtige Schlußfolgerung dieses grossen Bildes ist aber, dass wir möglicherweise am Beginn eines neues jahrzehntelangen Bullenmarkets stehen könnten. Damit das passiert, braucht es aber Katalysatoren, die die Produktivität der Weltwirtschaft massiv anschieben und damit höhere Bewertungen rechtfertigen. In den 90er Jahren war das der Siegeszug der Computer und des Internets, verbunden mit der Friedensdividende aus dem Fall des eisernen Vorhangs.

Was könnte es in Zukunft sein ? Die Ergebnisse einer Biotechnologie vielleicht, die das Leben massiv verlängert, die Intelligenz der Menschen steigert und so die ganze Welt umkrempelt ?

Ich weiss es nicht. Und im grossen Bild können wir vorher auch problemlos noch einmal um 40% korrigieren. Für uns sehr schmerzhaft, im grossen Bild aber einfach nur ein paar weitere Jahre im säkularen Bärenmarkt seit 2000.

Der grosse neue Bullenmarkt kommt also noch. Und wahrscheinlich dauert es weniger als 10 Jahre, bis es wieder so weit ist. Das sagt uns dieses Chart. Vielleicht hat er auch schon mit dem Ausbruch zu neuen Hochs begonnen. Oder er beginnt vielleicht 2016, nach einem erneuten bösartigen Taucher um 40%, in dem die Verzerrungen durch die Notenbanken abgebaut werden.

Lassen Sie uns diesen säkularen Bullenmarkt aber nicht vergessen, wenn wir uns mal wieder über das Klein-Klein des Momentes sorgen. Und wenn wir zu Recht sagen, dass die aktuellen Kurse durch den Einfluss der Notenbanken zu weit gelaufen sind. Kurzfristig sind sie das wohl. Langfristig stehen uns die grossen Kursgewinne erst noch bevor.

Ihr Hari

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Börsenregeln reloaded III – Never Catch A Falling Knife !

Ein Gastartikel von Tokay

Börsenregeln reloaded III - Never Catch A Falling Knife !

Seit dem Frühjahr gibt es Befürchtungen bei den Börsenbeobachtern über bevorstehende Kurskorrekturen. Diese Mutmaßungen sind weitgehend eingetroffen. Auch wenn der Satz „Sell in May“ der längerfristigen Betrachtung nicht standhält, in diesem Jahr hat er sich leider bewahrheitet. Der DAX ist im Frühjahr über die 7.000er Marke geklettert und befindet sich seither im Sinkflug. Wird dieser Rückgang weiter gehen und gar in einem Crash enden? Oder handelt es sich nur um eine vorübergehende Konsolidierung? Können einem hier die alten Börsenregeln weiterhelfen?

Eine sehr alte Börsenstrategie ist die sogenannte Dow-Theory, die von Charles Dow, dem Begründer des „Dow Jones Index“ wie auch des „Wall Street Journals“ erdacht wurde. Demnach kauft man, sehr grob gesprochen, den Markt, wenn der Dow Jones Index seinen 200-Tage-Durchschnitt nach oben kreuzt und man verkauft ihn, wenn der Dow Jones unter diese Linie fällt.

Im folgenden Diagramm sehen wir die entsprechenden Entwicklungen im DAX seit 1991. Wir handhaben diese Regel von Dow ein wenig restriktiver und bauen noch einen Sicherheitspuffer ein, um die Anzahl der Fehlsignale zu verkleinern.Wir verkaufen also erst dann wenn der DAX den 200-Tage Durchschnitt abzüglich 2 Prozent dieses Durchschnittes unterschreitet(dargestellt durch die gelbe Linie). Umgekehrt würde erst dann gekauft werden, wenn der DAX höher steigt als der 200-Tage-Durchschnitt plus 2 Prozent vom gleitenden Durchschnitt(Überschreiten der grünen Linie). Innerhalb des Korridors entstünde keine Aktivität.

Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich:

  • In den 90er Jahren, aber auch während der Hausse 2003-2007 gab es sehr oft Fehlsignale. Verkaufte man den DAX, dann begann er kurz danach zu steigen und man musste zu höheren Kursen wieder einsteigen um die danach einsetzende Hausse nicht zu verpassen. Somit hieß es: The trend is your friend.
  • In trendlosen Zeiten(sie sind häufiger, als man glaubt), auch und gerade in den 90er Jahren, z.B. 1994 oder 1998, führte diese Regel dazu, dass man verkauft hätte und die Kurse weder nennenswert gestiegen oder gefallen wären. Die passende Börsenregel dazu: Hin und her macht Taschen leer.
  • Ein durchgreifender Wechsel passierte in den 200ern, denn dreimal, nämlich in 2000, 2008 und in 2011 hätte das Befolgen dieser Regel dazu geführt, dass einem schwere Verluste erspart geblieben wären. Somit also: Greife nicht ins fallende Messer!

Es ist offensichtlich, dass diese unterschiedlichen Entwicklungen mit den jeweiligen Bedingungen im Börsenumfeld zusammenhängen. So waren z.B. die Einbrüche 1998 nach der Asien-Krise nur von kurzer Dauer, da das Makroumfeld in den westlichen Ländern nach wie vor eindeutig positiv geprägt war. Eine Verkaufsentscheidung, die anhand der Dow Theory getroffen wurde, wäre demnach eine Fehlentscheidung gewesen.Die 2000er Jahre hingegen waren gekennzeichnet von der Korrektur der ins unermessliche gestiegenen Erwartungen der Investoren gegen Ende der 90er Jahre. Und in 2011wurden die Märkte von der Eurokrise dominiert, welche die Risikoabschläge insbesondere für den Finanzsektor dramatisch ansteigen ließ.

Betrachten wir anhand der besonders einprägsamen Jahre 2000 und 2011, wie sich damals das „fallende Messer“ abgespielt hat:

Hier sehen wir den DAX-Verlauf von Mitte März 2000 bis Mitte September 2000, als die Untergrenze des 200-Tage-Durchschnitts unterschritten und somit das Verkaufssignal ausgelöst wurde. Der DAX korrigierte damals bereits seit einem halben Jahr(Strecke AB). Der gleitende Durchschnitt, also die orangefarbene Linie plus dem Pufferbereich stieg jedoch bis dahin noch an. Bei Punkt C, also am 13. September 2000, unterschritt der DAX die gelbe Linie, somit also die Untergrenze des 200-Tage-Durchschnitts. Die Baisse, die danach entstand, kam erst im Frühjahr 2002 zum Stillstand. Was auffällt, ist die stark divergierende Entwicklung der Kurse kurz vor diesem Einbruch. Der kurzfristige Trend war bis dahin negativ, der langfristige Trend des DAX aber positiv, welch letzterer damit gebrochen wurde.

Recht ähnlich war die Entwicklung im August 2011, als sich die Eurokrise zuspitzte:

Die Entwicklung verlief hier zunächst gleichförmig,wurde dann durch die Reaktor-katastrophe von Fukushima jäh unterbrochen. Jedoch nicht abgebrochen, wie sich zeigte: Zwar wurde die 200-Tage-Linie knapp unterschritten, nicht jedoch die Signallinie! Man wäre also trotz der Katastrophe im Markt geblieben. Hätte man dennoch verkauft, so wäre kurz darauf ein Kaufsignal geliefert worden, als der DAX die grüne Linie überschritt. Man kann dies so interpretieren, daß aus Marktsicht die fundamentalen Bedingungen nach wie vor intakt waren.

Und nun kam es im August 2011 zum Aufeinandertreffen(Punkt B) zwischen der Halbjahres-Trendlinie(Strecke AB) und dem 200-Tage-Durchschnitt. Das Unterschreiten von Punkt B mochte noch nicht zum Auslösen eines Verkaufssignals führen, dies war aber spätestens am 02. August 2011 der Fall, als die gelbe Linie unterschritten wurde. Auch hier hatten wir eine auffällige Divergenz zwischen kurzfristig rückläufiger Trendlinie und der längerfristig wirkenden 200-Tage-Linie, aus der sich eine negative Dynamik entwickelte.

Der Nachteil dieser einfachen Methode liegt darin, dass man einen Teil des Rückgangs hinnehmen muss, da man nur schwer abschätzen kann, ob er von Dauer ist. Ihr Vorteil liegt darin, dass bei Abwärtsbewegungen mit großer Dynamik das Kapital weitgehend gesichert werden kann. Dies gilt, wenn die Kurse weiter fallen, aber auch dann, wenn sie wieder ansteigen, denn dann kann man nach der gleichen Methode wieder in den Markt einsteigen, hat aber die vorhergehenden Verluste vermieden.

Und nun werden sich die Leser sicher fragen, ob man mit dieser Analyse die Entwicklung der kommenden Wochen und Monate abschätzen kann? Hier ist sie:

Hier haben wir nun eine umgekehrte Gemengelage: Denn wir hatten im vergangene Jahr eine deutlich positive Entwicklung(Strecke AB), im wesentlichen bedingt durch verringerte Risikoabschläge und durch positive Gewinnüberraschungen. Aufgrund der Eurokrise des Sommers 2011, welche nun wieder erneut aufgeflackert ist, haben wir einen längerfristig negativen Trend. An Punkt B, den wir noch nicht erreicht haben, begänne die Entwicklung kritisch zu werden. Sollte auch noch die gelbe Toleranzlinie nach unten durchschritten werden, dann wäre dies höchste Alarmstufe. Somit ist die Entscheidung über die kommende Entwicklung zwar noch nicht gefallen, aber sie steht wohl in Kürze bevor. Daraus folgt, dass die kommenden Handelstage und -wochen mit größter Aufmerksamkeit beobachtet werden müssen. Dies gilt insbesondere auch für Nachrichten bezüglich der Eurokrise, bei der möglicherweise grundlegende Weichenstellungen kurz bevor stehen.

Tokay