Das Muster aller Muster: Der Tiger auf dem Sprung!

Sie wissen ich fahre aufgrund des Zeitaufwandes des Blogs seit einigen Jahren keinen systematischen Trading-Ansatz mehr. Denn beides gleichzeitig geht einfach nicht.

Damit will ich sagen, dass ich keine feste Trading-Routine mehr habe, mit der ich nach meinen Beute-Schemata jeden lieben Tag den Markt scanne, um ihm jeden Tag etwas abzutrotzen.

Meine Lieblingssetups sind mir aber geblieben, ich habe damit ja auch viel Übung. Nur dass ich diese nur noch rein opportunistisch nutze. Wenn an mir etwas vorbei kommt das perfekt passt, dann nutze ich es opportunistisch. Und wenn nicht oder andere Dinge vorgehen, dann eben nicht.

Ich bin also sozusagen zum "Rosinenpicker" geworden oder man könnte auch sagen, ich warte auf die gebratenen Tauben, bis sie von alleine mein Sichtfeld erreichen, dann beisse ich zu. Hmmmm 😀

Aber welche Setups mag ich denn besonders?

Das gibt es Eines, das würde ich das "Muster aller Muster" nennen, die beste, klarste, profitabelste Ausgangslage, die ich als Swingtrader mit Zeithorizont Wochen/Monate regelmässig finden konnte.

Dieses Muster ist uralt und man findet es unter vielen Namen, so ist es bei Mark Minervini in -> Trade Like a Stock Market Wizard <- der sogenannte VCP-Pattern, was "Volatility Contraction Pattern" heisst. Die Abkürzung gibt dem Ganzen eines seriöseren, fast wissenschaftlichen Sinn, Klappern gehört halt zum Geschäft. 😛

In seinem Buch schreibt er dazu:

Most investors cannot resist the urge to buy stocks at the wrong time, usually when the price is declining. I’m constantly asked whether I like this stock or that stock, and 99 percent of the time my reply is, “I wouldn’t buy it here.” The reason for this is that I have a strict discipline that only allows me to buy at a very specific point: the point at which reward outweighs risk. How do I identify this point?

If there is any one commonality or Holy Grail that I follow and practice regularly, it is the concept of volatility contraction. This is a key distinction that I look for in almost every trade. A common characteristic of virtually all constructive price structures (those under accumulation) is a contraction of volatility accompanied by specific areas in the base structure where volume contracts significantly. I use the volatility contraction pattern (VCP) concept to illustrate this. For our purposes here, VCP is part of the supply and demand setup. The main role that VCP plays is establishing a precise entry point at the line of least resistance. In virtually all the chart patterns I rely on, I’m looking for volatility to contract from left to right. I want to see the stock move from greater volatility on the left side of the price base to lesser volatility on the right side."

Und weiter:

If a stock is under accumulation, a price consolidation represents a period when strong investors ultimately absorb weak traders. Once the “weak hands” have been eliminated, the lack of supply allows the stock to move higher because even a small amount of demand will overwhelm the negligible inventory. This is referred to as the line of least resistance. Tightness in price from absolute highs to lows and tight closes with little change in price from one day to the next and also from one week to the next are generally constructive. These tight areas should be accompanied by a significant decrease in trading volume. In some instances, volume dries up at or near the lowest levels established since the beginning of the stock’s advance. This is a very positive development, especially if it takes place after a period of correction and consolidation, and is a telltale sign that the amount of stock coming to market has diminished. A stock that is under accumulation will almost always show these characteristics (tightness in price with volume contracting). This is what you want to see before you initiate your purchase on the right side of the base, which forms what we call the pivot buy point. Specifically, the point at which you want to buy is when the stock moves above the pivot point on expanding volume. This is a vital concept for successfully timing the continuation of an existing trend. For the best situations, during this contraction in volatility, volume will also contract during specific points that can be identified time and again.

Absolut, kann ich voll unterschreiben. Das ist auch mein "Muster aller Muster", in Form von ersten Schüben aus einer Basis oder in Form von "Dreiecken" nach starken Schüben, in denen das Volumen austrocknet.

Habe ich das jetzt bei Minervini abgeguckt? 😀

Ganz falsch, denn sie kennen diese Muster hier unter anderem Namen schon lange von mir. Treue Leser kennen Sprüche wie: Auf Kompression folgt Expansion! Na, klingelt da was?

Treue Leser kennen auch das Muster des -> ersten großen Volumenschubs <-, auch das sollte laut klingeln und wenn nein, schauen sie in den verlinkten Artikel von 2016.

Und dann kennen sie die diversen "Flaggen" und "Dreiecke" die ich gerne zeichne und gerne darauf achte, dass so eine Konsolidierung eines vorangegangenen Schubs dann mit fallendem Volumen (Kompression) einher geht.

Denn wenn Kursbewegungen und damit die ATR (Average True Range) nach einer Expansionsphase zusammenschnurren, ideal in einer Konsolidierung, dann ist das manchmal wie ein Tiger der seine Schultern senkt und Körperspannung aufbaut, weil er zum Sprung auf das Opfer ansetzt - alle Katzen können das.

Andere Trader haben dafür andere Namen, dieses Muster taucht bei praktisch allen erfolgreichen Tradern der letzten hundert Jahre unter unterschiedlichen Namen und Definitionen auf und funktioniert weiter ganz hervorragend.

Diese Namen sind aber egal, Namen sind Schall und Rauch und für Abgrenzungsdiskussionen was man wie nennen darf - etwas was Deutsche sehr mögen 😛 - ist mir mein Leben sowieso zu kurz.

Vielleicht sollte ich mein Muster EVS nennen, für "der erste Volumenschub", oder TAS für "Tiger auf dem Sprung" - hört sich doch auch gleich mehr nach wissenschaftlicher Theorie an, oder? 😉

Was ich ihnen hier vermitteln will, ist dass es viel wichtiger ist die Substanz des Geschehens zu erfassen und wiedererkennen zu können, es genügt die Substanz intus zu haben.

Denn egal ob man das jetzt VCP, EVS oder TAS nennt und egal wie im Detail man das Setup ausformt, all das basiert auf *uralten Mechanismen von Angebot und Nachfrage im Markt*, die Mark Minervini oben gut darstellt.

Eine Aktie ist bullisch und in der Akkumulation, sie konsolidiert irgendwann, das Angebot wird von der Nachfrage aufgesogen (die Kompression) und die Aktie ist danach wie der Tiger auf dem Sprung. Dann kommt ein wie auch immer gearteter Katalysator und der *Volumenschub* setzt ein und schafft eine ausgezeichnete Trading-Chance.

Das ist es, das ist das *Muster aller Muster* für mich, das funktioniert schon seit 100 Jahren und unter 100 Namen und Detailausprägungen, die sich alle leicht unterscheiden und doch auf der gleichen Substanz basieren.

Und dass es schon so lange funktioniert, zeigt -> Minervini hier mit dem Dow von 1904 <-, das erspart mit selber nach alten Beispielen zu suchen. 😉

The Volatility Contraction Pattern (VCP) is a timeless footprint driven by the law of supply/demand.

Das Schöne an diesem Setup sind zwei Dinge, die sich gegenseitig verstärken.

Erstens ist die Absicherung recht leicht und logisch, wenn man sich am Ende der Kompression befindet. Es sollte dann nämlich von einem kurzen Fakeout abgesehen nach oben wegbrechen und wenn nicht, wenn es nach unten geht - auch das gibt es, wenn auch seltener - dann kann man *sofort* abschneiden und das Risiko begrenzen.

Wenn aber zweitens der expansive Schub mit Volumen nach oben kommt, kann man gleich ins Grüne ziehen, solange man etwas Abstand lässt. Dieser Schub wird dann nämlich höchst selten gleich negiert, viel öfter entwickelt sich weiteres Momentum, wie auch oben beim Dow vor 100 Jahren zu sehen.

Das Setup erlaubt also eine enge, saubere Absicherung, ein "Lauern" auf den Schub - der Tiger hat seine Schultern schon gesenkt - und dann oft schnelle Gewinne. So muss das sein. 😉

Wie ich oben sagte, gibt es bei so Mustern viele Überschneidungen mit anderen Mustern und man kann seine Zeit damit verbringen das theoretisch abzugrenzen. Wer mag kann das tun, ich halte das in übertriebener Form sogar für kontraproduktiv, weil es eine Berechenbarkeit vorgaukelt und auch den Blick verengt.

Denn die Essenz von Bewegungen erstreckt sich über verschiedene Muster hinweg, so ist es zum Beispiel sekundär ob ein Keil im bullischen Trend an der Oberseite leicht fällt, waagerecht läuft oder leicht steigt und ob man das "Keil" oder "Dreieck" nennt. Entscheidend ist dass die Kurse von unten immer näher herankommen, dass also die Tiefs schneller steigen als die Hochs und sich die Formation zur Spitze hin verengt, die dann oft den Ausbruch in Trendrichtung nach oben bringt. Und dass das Volumen austrocknet, die "Kompression" stattfindet.

Es ist auch Geschmackssache, ob man gleich den ersten Schub kauft oder auf eine Bestätigung wartet, beides kann man tun, beides erfordert leicht abweichendes Risikomanagement. Das Entscheidende ist, dass man das darunter liegende, universelle Prinzip von Angebot und Nachfrage verstanden hat, dann kann man darauf basierend seinen eigenen "Pattern" detaillieren und damit handeln.

Und darauf wollte ich sie hier erneut stossen, auf das Muster aller Muster. Beschäftigen sie sich damit, wenn sie Trader sind! Finden sie *ihr* VCP, EVS, TAS, whatever!

Kaufen sie sich in Stärke ein, die unter hohem Volumen aus einer Konsolidierung oder Basis abhebt, kaufen sie die Raketen wenn sie starten und die Triebwerke zum ersten Mal brüllen!

All surprised how strong that thing is. Genau! 😉

Übrigens, einfach nur so, schauen sie mal was aus dem "EVS" bei EXAS aus 2016 geworden ist, der wurde oben im Artikel thematisiert. Das ist nicht jedes Mal so und geht hier auch über einen einzelnen Trade hinweg, ich will damit nur zeigen, welche "Macht" in diesen "Tigern" stecken kann, auf allen Zeitebenen.

Ihr Hari

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Wallstreet Stream 18.10.18

15:15 MEZ

Der Markt eiert bisher richtungslos vor sich hin. Ich bin nicht der Meinung, dass wir diesem Markt vertrauen können, in meinen Augen bereitet der Markt eine starke Bewegung vor, die uns entweder in einem "V" sofort nach oben, oder eben zum erwarteten Retest führt.

Ich habe hier die letzten vier Tage im S&P500 E-Mini Future mal als Box markiert, ich denke es wird deutlich was ich sage:

Im grösseren Bild führt das dann schon bald zu dieser Entscheidung, die man durch ein in Rot gehaltenes Dreieck versinnbildlichen kann, dessen obere und untere Begrenzung wohl durch die heutige Volatilität definiert wird:

Sie sehen, wir hatten auch unten am Boden ab Ende letzter Woche so ein Dreieck, auf Kompression folgt Expansion!

15:25 MEZ

Aber eine Sache gibt es zur Beruhigung unruhiger Seelen: Danaher (DHR) 😉

Das hier wohl bekannte und oft als "investmentgrade" erwähnte Unternehmen, -> liefert mal wieder gute Zahlen <- und erhöht mal wieder den Ausblick.

Und liegt vorbörslich im Plus. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, "Steady as she goes!"

15:30 MEZ

Mal ganz etwas Anderes, stark gesellschaftlich relevantes. Faszinierend und gleichzeitig bedenklich finde ich das:

-> Beeindruckender Deepfake-Jungbrunnen für Harrison Ford <-

Wenn Sie wissen wie Harison Ford aussieht und jung aussah und wenn Sie idealerweise den Film ohne ihn gesehen haben, dann wird Sie das Video beeindrucken. Schauen Sie es sich an!

Es ist fast beängstigend, das *ist* der junge Harrison Ford und wenn das so in einem Film käme, würde ich keinen Verdacht schöpfen.

Wichtig ist das, wegen der gesellschaftlichen Auswirkungen. Wir jammern jetzt schon über "Fake-News", dabei können wir immer noch bei bewegten Bildern Realität sehen - zumindest gestellte "Realität" und deren Ausschnitte.

Mit dieser Technologie kann aber schon in 10, vielleicht schon in 5 Jahren, auf jedem besserem PC jedes Video beliebig verändert werden, so dass es für uns *keine mediale Realität* mehr gibt, nur noch die, die wir vor unserer Haustür mit eigenen Augen sehen können.

Wer die Medien kontrolliert, könnte uns zum Beispiel jeden Tag Videos eines neuen Kanzlers zeigen, den es gar nicht zu geben braucht und das ist nur eine Anwendungsmöglichkeit!

Gesellschaftlich ist das eine Umwälzung, die ganz sicher die Reputation und Glaubwürdigkeit von Quellen noch viel wichtiger macht, als sie es heute schon sind.

Ein Modell wie Mr-Market mit einem geschlossenen Community, in der Sie wissen dass ich *real* bin, auch weil Sie mich schon real am Stammtisch gesehen haben und weil meine Motivation glaubwürdig ist, so ein Modell wird immer wichtiger werden, weil man ohne diese sozialen Filter *niemandem und nichts mehr glauben kann*.

Lassen Sie uns das mal diskutieren, denn ich halte das Thema für extrem wichtig.

Aber auch als Börsianer ist das interessant, weil daraus neue Geschäftsmodelle entstehen werden und die Lieferanten dieser Technologie natürlich vor Boomzeiten stehen.

Und woran denkt man dabei, was ist * das neue Öl des 21. Jahrhunderts * ?

Natürlich Chips und die damit verbundenen Technologien, angeführt von Namen wie nVidia.

15:46 MEZ

Ganz spannend sind heute auch -> die guten Zahlen von Philip Morris (PM) <-. Sie erinnern sich sicher, dass ich schon mehrfach, zuletzt im Video, den potentiellen Doppelboden zum Thema gemacht habe.

Genau das scheint nun vielleicht zu passieren, die Aktie steht nun nach 3% Plus heute vor dem letzten Schub, den es noch zu vollziehen gilt:

15:55 MEZ

Eínen Fall wo ein Gummiband mal reisst, können wir heute beim Luftfahrt-Mischkonzern Textron (TXT) nach -> einem klaren "Miss" <- bewundern, das vor allem auf einem stotternden Markt für Privatjets beruht.

Wir saßen gestern noch knapp über Trendlinie und 200-Tage-Linie und waren noch überverkauft. Der Trend war also noch intakt und ein Rebound möglich.

Hier hat es aber mal einen Knall gegeben und das Gummiband ist gerissen und wenn so etwas passiert, dann geht es schnell abwärts:

Den Aerospace & Defense Sektor beeinflusst es aber nur marginal negativ, weil der Markt versteht, dass es ein spezielles Problem von Textron mit einem Teil seines Geschäftes ist.

16:40 MEZ

Der Markt kämpft. Wir hatten es gestern zweimal, dass Schwäche aufkam, die wieder gekauft wurde. Wir haben es heute erneut:

Was sagt uns das?

Es sagt uns was ich schon Eingangs sagte, dass wir diesem Markt gerade nicht trauen können. Er reisst wie ein unruhiger Bronco an seinen Seilen der Widerstandszone und irgendwann wird eine Seite die Oberhand gewinnen und er wird losrennen.

Und genau deswegen macht auch die Beschäftigung mit einzelnen Opportunitäten derzeit nur begrenzt Sinn, weil wenn dieser Bronco zu rennen beginnt, er im Sinne "die Flut hebt/senkt alle Boote" alles andere weitgehend mitreissen wird!

Wir müssen das einfach akzeptieren und ich bin deswegen auch schweigsamer und weniger auf einzelne Chancen fokussiert.

Vorbereitung und Geduld, das sind derzeit unsere Aufgaben! Und wenn der Bronco rennt, kommt die Zeit des konsequenten Handelns.

16:48 MEZ

Wahre und warnende Worte: -> Sucker Rally <-

Nur weil es Minervini sagt, muss es jetzt nicht nach unten gehen. Ich formuliere es wie oben neutraler:

Ich bin nicht der Meinung, dass wir diesem Markt vertrauen können, in meinen Augen bereitet der Markt eine starke Bewegung vor, die uns entweder in einem "V" sofort nach oben, oder eben zum erwarteten Retest führt.

Im Ergebnis kommt es aber auf das Gleiche raus. Wer sich jetzt nicht auf die wesentlichen Eventualitäten zumindest gedanklich vorbereitet, handelt seinem Depot gegenüber verantwortungslos.

Betrachten Sie das als eine Warnung kritischer Entwicklungen voraus, wir sind sozusagen in einem großen planetaren Nebel. Nur ob wir darin von Romulaner angegriffen werden oder doch das gelobte Utopia erblicken, das ist noch herauszufinden.


17:34 MEZ

Ich wiederhole, es wird gefährlich! Es sieht so aus, als ob da nun was ins Rutschen kommen könnte:

17:38 MEZ

Und der Goldminen-Hedge scheint zu funktionieren. Mit dem abwärts drehenden Markt, dreht der GDX nach oben:

17:55 MEZ

Das ist er der Retest, das kann man jetzt schon sagen:

Ich habe nach dem Rebound von Dienstag gestern und heute mehrfach betont, wie wichtig die Vorbereitung auf den Retest ist.

Heute ist es mir sogar gelungen, *bevor* die Bewegung richtig einsetzte, noch eine explizite Warnung zu setzen, weil man es "riechen" konnte. Mehrfach habe ich heute gesagt, dass dem Markt nicht zu trauen ist.

Ich will sagen, besser wird man es in Unsicherheit nicht vorbereiten können und klopfe mir da selber auf die Schulter. Jetzt sind Sie auf sich gestellt, jetzt wird sich zeigen, ob Ihre Vorbereitung etwas wert ist.

Ich kann Ihnen nun nicht sagen, ob der Retest erfolgreich sein wird oder wir durchfallen - ich bin der Zukunft gegenüber genau so blind wie Sie alle. Aber ich weiß was ich wann zu tun habe!

Der Abend könnte spannend werden und ich bleibe natürlich dran, werde wegen anderer Verpflichtungen aber nicht mehr hier schreiben.

Aber im Forum werde ich das Ganze vor Handelsschluß wohl noch einmal werten, bis dahin wünsche ich gute Entscheidungen und vor allem *Konsequenz und Disziplin* bei der Umsetzung!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Zugstream 02.03.18



19:00 MEZ

Guten Abend liebe Mitglieder!

Ich sitze im ICE von Hannover nach München, wo ich kurz vor 23 Uhr ankomme. Mir geht es gut, der Zug ist leer, ich habe einen Tisch vor mir, zwei Steckdosen, bisher brauchbare Verbindung, ein heisses Getränk - was will man mehr. Und freue mich auf zuhause.

Ich begleite hier jetzt für Sie den Markt locker bis Handelsschluss, so ich Verbindung habe - Inschallah!

Und ich freue mich, dass der Markt scheinbar/vielleicht macht, was ich insgeheim erhofft/erwartet habe, dass er im späten Freitag-Handel nämlich wieder dreht.

Sehen Sie selbst:

Wobei, es kann natürlich auch nur ein fieser Retest von unten sein, bevor es dann bei 2.700 wieder in den Orkus geht. Wir werden das jetzt zusammen erleben, seit dem 09.02. darf man die letzten 2 Stunden eines Freitags ja ernst nehmen 🙂

19:25 MEZ

Zwischen Göttingen und Kassel immer wieder Funklöcher, was mit der TWS zu permanenten Ausfällen führt. Uff.

Ich will noch ein paar grundsätzliche Worte zu dem loswerden, was da gerade passiert. Es ist ja selten so, dass die Themen die als "Grund" für Bewegungen durch die Presse gehen, wirklich ursächlich mit den Marktbewegungen zu tun haben. Hier ist es aber nach meiner Ansicht der Fall.

Es kann gut sein, dass der SP500 gestern nie durch die 2.700 durchgegangen wäre, ohne Trumps Zolltarife. Der Widerstand wurde vorher gut verteidigt.

Und wenn Sie mal schauen was jetzt passiert - die EU droht sofort mit Strafzöllen - hat der Markt allen Grund das nicht zu mögen. Denn bei einem Handelskrieg verlieren am Ende alle und die Kurse fallen.

Es ist sogar anders herum, der Markt nimmt das noch nicht richtig ernst, er rechnet damit, dass das am Wochenende von Trump wieder abgeschwächt wird. Und deshalb reagiert er noch vergleichsweise ruhig und gelassen. Was wir da haben für Stahl und Aluminimum ist ja kein Drama und dass Trump so etwas machen will, hatte er oft gesagt. Ein Drama wäre es aber, wenn es jetzt eskaliert!

Ich sage Ihnen was, wenn sich nun wirklich ein Handelskrieg zwischen US und EU entwickeln würde - also EU macht Strafzölle, Trump legt nach, EU legt nach usw. - dann fallen wir viel, viel tiefer, dann sind wir 20% tiefer!

Also das Thema ist ernst, der Markt nimmt es noch recht gelassen, weil er zurecht denkt, dass doch keiner so blöd sein kann sich selber in den Fuss zu schiessen, denn in einem Handelskrieg US-EU verlieren definitiv alle, Deutschland übrigens als Erster!

Was wir heute Abend sehen ist also ein kleiner Hoffnungstrade, der auch darauf beruht, dass die Marktteilnehmer zu denken beginnen. Gestern wurde im Schreck alles verkauft, heute überlegt man, welche Branchen denn durch einen Handelskrieg überhaupt betroffen wären. Biotech ist es nicht. Rüstung auch nicht, weil Rüstung sowieso immer Einzelgeschäfte mit Ausfuhrgenehmigung sind.

Das schafft durchaus Chancen, wenn die Sorgen sich zerschlagen werden. Denn dann sind jetzt einige Unternehmen mitverkauft worden, die gar nicht von einem Zollkonflikt betroffen wären. Das entdeckt der Markt gerade wieder.

Aber noch einmal. Das Thema selber ist *kein* Papiertiger, das ist ernst. Wenn das über das Wochenende eskaliert und neue Drohungen aus dem Weissen Haus kommen, dann gehen wir nächste Woche viel tiefer.

Irgendwie hat Trump gerade vergessen zu twittern, wie durch ihn sich der DOW so toll nach oben bewegt. Warum wohl? 😉

19:38 MEZ

Twitter (TWTR) - übrigens auch von Zöllen nicht betroffen - ist bärenstark im schwachen Markt und weigert sich beharrlich, das Gap zu schliessen. Will uns das was sagen?

19:55 MEZ

Fulda - was macht denn eigentlich K+S? Das:

Braucht man so eine Aktie? Was hat der Erwerb von "Legacy" in Kanada jetzt an "Wertsteigerung" für die Aktionäre gebracht? Was die Ablehnung des Angebotes von Potash?

Wofür genau wird das Topmanagement bezahlt? Den Abbau der Salze können die Mitarbeiter nämlich auch ohne die. 😉

Übrigens zum Namen, versuchen Sie mal K+S bei Tradingview zu finden, machen Sie es mal, wenn Sie das Kürzel nicht kennen. 😉

20:10 MEZ

Teladoc (TDOC) - Thema Telemedizin - ursprünglich eingeführt im Forum von unsererm "HvH" und von mir in -> Zug-Gedanken mit Beuteschema <- auf meiner letzten, langen Bahnreise hier bekannt gemacht, ist auch bärenstark im schwachen Markt:

Übrigens auch TDOC hat natürlich nichts mit Zöllen zu tun, wie praktisch alle Software-Firmen. Jetzt müssten wir noch herausfinden, wer da in Deutschland den Markt aufrollt, denn das Thema kommt ja nun endlich. Compugroup vielleicht? Nur mal so herum geraten. Kann mal jemand den Jens Spahn fragen, ob er da was vorhat?

20:18 MEZ

Hier das Langfristchart von Compugroup. So schlecht nicht:

20:35 MEZ

Einfach nur zur Anschauung - an uns zuletzt ein wenig vorbei gegangen - ist die früher oft besprochene Splunk (SPLK), eines der vielen Software-Unternehmen heute mit dickem Grün.

Lange geeiert, dann ein Dreieck, dann ......

20:43 MEZ

Da bahnt sich vielleicht was unerfreuliches im Solar-Sektor an. Während Software und Biotech mit Zöllen wenig zu tun hat, hat es der Solarsektor um so mehr!

21:10 MEZ

Na, ob der Markt sich heute Abend noch entscheiden kann? Es sieht nicht mehr nach einem 09.02. aus, sondern eher nach einem "normalen" Freitag, in dem wir unentschieden und in der Schwebe ins Wochenende geschickt werden.

Das macht ja auch Sinn, es ist wichtig wie die Politik nun weitermacht, einen Handelskrieg braucht niemand.

Einige im Markt sehen im SP500 schon wieder eine iSKS wie hier in Lila eingezeichnet. Ich halte das für einen bullischen Bias und mache mir das aktuell nicht zu eigen, ich sehe die Struktur eher als dieses Dreieck, heisst da passiert vielleicht ganz am Ende noch was:

21:48 MEZ

Der Chipfertiger Ambarella (AMBA), verprügelt wegen seiner Abhängigkeit zu GoPro, hat gestern Abend übrigens überraschend gute Zahlen geliefert.

Nun wissen wir ja, dass so überraschende Schübe zu den Zahlen (heute Plus 13%) gerne das ganze Quartal "nachlaufen", vor allem in den ersten Wochen, wenn Analysten dann ihre Projektionen anpassen.

Verbunden mit diesem Langfristchart könnte das vielleicht ein interessanter Trade werden:

22:02 MEZ

So liebe Mitglieder,

das ist ja vom Umfang noch ein sehr normaler Stream geworden. Der Markt hat sich in den letzten Minuten tatsächlich aufgerafft und denen mit der SKS, ebenso wie meinem Dreieck, ein wenig Recht gegeben:

Auf jeden Fall schickt er uns recht nahe an der 2.700 ins Wochenende, nur um die Spannung aufrecht zu halten. Perfekt gemacht, oder? 😉 Das wiederum, ist der ganz normale, uralte Markt, wie er schon immer war, dafür braucht es keine Algos.

Ich habe nun fertig, muss aber durch den Schnee noch um 23 Uhr zum Auto und dann nach Hause. Das ist nötig, weil der liebe MVV mal wieder beliebt Bauarbeiten auf unserer Strecke zu machen und keine S-Bahnen fahren. Aber sehen wir es positiv, Schnee ist besser als Regen, dann wäre es Blitzeis.

Ich wünsche uns allen ein schönes Wochenende, Morgen wird mein Sohn 10 Jahre alt. Das ist doch auch mal was und deshalb musste "Papa" heute auch unbedingt noch nach Hause.

Wir lesen uns am Sonntag wieder zum Wochenausblick der KW10, die hoffentlich den Vorfrühling bringt.

Machen Sie es gut!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Die Besten aus 2016!



Wie ich schon erzählt habe, bekomme ich sehr oft nette Kommentare zusammen mit der Verlängerung. Gerade auch von den Mitgliedern, die ansonsten nur stumm mitlesen.

Ich will mich an dieser Stelle nur noch einmal pauschal dafür bedanken, sagen dass ich alles lese und mich darüber freue und Sie um Verständnis bitten, dass ich in der Regel nicht individuell darauf reagiere, das schaffe ich einfach nicht.

Aber seien Sie sicher, Ihre Worte kommen immer an und werden geschätzt. Und das will ich Ihnen heute auch beweisen, denn immer mal wieder kommen dann auch Wünsche, ich möge doch auch mal alte Trades nacharbeiten, so dass man den ganzen Ablauf sehen kann.

Das will ich heute auf ungewöhnliche Art und Weise tun. Ich habe ja gerade die Steuererklärung 2016 hinter mir und bei der Gelegenheit habe ich natürlich auch mein Interactive Brokers Konto abgerechnet, auf dem viele Trades in 2016 gelaufen sind. IB stellt die Gewinn- und Verlustrechnung dabei sehr schön saldiert pro Titel dar, man sieht also mit wieviel man im Saldo bei einer Aktie abgeschlossen hat, auch wenn man viele Trades auf diese Aktie im Jahr gemacht hat.

Ich habe für Sie heute meine beiden grössten Gewinner-Trades des Jahres 2016 heraus gesucht. Also nicht die grössten Einzeltrades, sondern die Aktien mit denen ich prozentual (*nicht* absolut!) die grössten Gewinne in 2016 hatte.

Und für diese Aktien habe ich Charts erzeugt und die Trades nachgearbeitet. Ich kann das nicht mehr im Einzeln alles kommentieren, bei aller Dokumentation kann ich auch nicht mehr jeden Gedanken und jede Situation memorisieren, die nun ein Jahr zurück liegt. Aber ich denke man sieht sehr schön, wie ich mit den Bewegungen rein und raus geschwungen bin und sich so die Gewinne saldierten. Vielleicht kann man daraus ja auch etwas lernen.

Wichtig ist dabei auf jeden Fall ein Handelssystem zu haben, bei dem man wegen Gebühren nicht zögern muss, sondern ohne zu Zögern aus- und wieder einsteigen kann. Nur das gibt einem die Freiheit, die Wellen auch zu spielen.

Und noch einmal, damit auch Neueinsteiger das nicht in den falschen Hals bekommen. Ich beschreibe hier nur *Swing Trades*, also kurz- bis mittelfristige, opportunistische Handlungen rein basierend auf Markttechnik. Mein vom Umfang her weit höher kapitalisiertes Investmentdepot, ist hier *nicht* Thema. Wenn Sie zu dessen Prinzipien etwas finden wollen, sollten Sie zum Beispiel das Wort "Positionsgrössenstrategie" als Suchwort benutzen.

Ein technischer Hinweis noch, ich zeige immer den Zeitraum an, in dem ich aktiv war. Gerade bei den Goldminen, die in der ersten Jahreshälfte ja massiv stiegen, zeige ich deshalb auch nur das erste halbe Jahr. In der zweiten Hälfte gab es da nichts zu traden für mich.

Noch ein Hinweis, Käufe und Gründe die dazu führten, sind immer in *Grün* eingezeichnet. Verkäufe und Gründe die dazu führten in *Rot*. Allgemeine Kommentare in Blau.

Und noch ein Hinweis, damit man etwas im Detail erkennen kann, sind diese Charts hier klickbar und damit vergrösserbar.

Los geht. Hier sind die beiden prozentual stärksten Gewinner-Trades des Jahres 2016, beide dreistellig im Plus.

Yamana Gold (AUY)

Wenig überraschend, ist einer der beiden stärksten prozentuale Gewinner des Jahres bei mir eine Goldmine.

Übrigens, präzise gesagt, hatte ich im ersten Halbjahr 2016 mehrere Aktien dieses Kalibers die sogar höhere prozentuale Gewinne als der zweite Name unten (Alarm.com) hatten. Da das aber alles Minen waren, Hecla (HL) war zum Beispiel dabei, habe die alle einen ähnlichen Verlauf und ich zeige hier nur stellvertretend AUY.

Alarm.com (ALRM)

Habe ich Ihnen einmal letztes Frühjahr vorgestellt und ansonsten still und leise und recht erfolgreich gehandelt.

Hier ist der Artikel, zusammen mit einer Reihe anderer interessanter Namen, die auch heute noch ein Rolle spielen. Insofern schauen Sie doch noch einmal in den Artikel rein: -> Mögen hätten wir schon gewollt, aber dürfen haben wir uns nicht getraut <-

Und hier ist das bewegte Chart, das teilweise geradezu zum fröhlichen Lachen war. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich gelacht habe, als das mit dem Abverkauf zu den Zahlen zum zweiten Mal völlig identisch funktionierte: 😉

Bitte bedenken Sie dabei, das sind eben die beiden prozentual gesehen *besten* Trades des Jahres 2016. Ich treffe nicht immer so perfekt, wären die Ein- und Ausstiege hier nicht so perfekt, wären es nicht die Besten. Insofern ist das eine positive Selektion die nicht ausdrücken soll, dass ich das immer so hinbekomme - ich bitte Sie, ich bin ein fehlbarer Mensch.

Trotzdem erkennt man, dass auch bei diesen beiden Charts keine Geheimnisse dabei waren. Es sind die Techniken, die ich hier immer beschreibe, wobei für Sie vielleicht wichtig ist zu sehen, welch hohe Bedeutung bei mir das Volumen hat, um den Kerzen eine Gewichtung zu geben. Und bei ALRM sehen Sie, wie gut es sein kann vor den Zahlen raus zu gehen, gerade wenn sich ein bärischer Edge bildet, weil der Markt sich zu bullisch in die Kurve legt. Das Quäntchen Glück gehört dann natürlich auch dazu.

Aber ganz grundsätzlich, können Sie das alles auch und hätten das auch 2016 gekonnt. Dass es vielleicht nicht geklappt hat, liegt an der Umsetzung und den Hürden die wir uns mit unserem Affenhirn und seiner permanenten Angst selber legen. Nicht aber daran, dass so etwas zu tun eine Geheimwissenschaft wäre.

Und mein Erfolg des letzten Jahres entstand auch nicht aus zwei tollen, dreistelligen Treffern, sondern aus der Menge an 10, 20 und 30% Gewinnen, denen geringere Verluste gegenüber standen. Die Masse und Wiederholung machts!

Denken Sie also immer daran, wir selber sind beim Handel an der Börse unsere grösste Hürde. Neben einem technisch sauberen Ein- und Ausstieg, braucht es auch eine Psyche, die das auch diszipliniert durchzieht. Und dabei können Rituale, Routine und klare Strategie immens helfen. Ohne das, wird keiner auf einen wirklich grünen Zweig kommen. Aber diese Predigt kennen Sie ja schon. 😉

Ihr Hari

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Von Opportunismus und Handelssetups



Wir haben in den letzten Wochen einiges über Investments besprochen. Heute möchte ich den Blick mal wieder auf den kurz- und mittelfristigen, opportunistischen Handel richten.

Voraus schicken möchte ich aber erneut eine Warnung, diese beiden Dinge nicht miteinander zu vermischen!

Ich weiss, diese Warnung wird trotzdem teilweise unverstanden verhallen, denn wenn ich die Argumentation vieler Anleger "da draussen" in Foren lese, warum sie gerade jetzt eine Aktie kaufen oder verkaufen wollen, ist es zu oft eine wirre und intellektuell gruselige Mischung von langfristigem, fundamentalen "Hopium", verbunden mit dem kurzfristigen aber fehlgeleiteten Versuch, den Markt durch Herumraten zu Timen.

Das Irre dabei ist, diese Anleger fühlen sich dabei subjektiv auch noch als "Investoren", während sie in Gedanken permanent herum rätseln, ob der Kurs nun Morgen hoch oder runter geht. "Trader", die opportunistisch einen Edge identifizieren, sind sie aber auch nicht, eher Schafe, die von Angst und Gier getrieben dem Markt hinterher laufen. "Investoren", sind sie aber auch nicht, denn das bedeutet fachlich weit mehr, als sich von Hopium erfüllt eine schöne Zukunft auszumalen oder ein paar Indikatoren der Vergangenheit wie KGV und KBV abzulesen. Letzteres war ja in den letzten Wochen klar Thema hier.

Faktisch ist es so, dass eine Aktie problemlos ein gutes langfristiges Investment sein kann und trotzdem kurzfristig ein klarer, taktischer Short. Oder eine Aktie kann gute Chancen auf schnelle 20% Gewinn bieten, gleichzeitig sich aber auf einem endlosen "tiefer geht immer" Pfad in den Orkus befinden, der zuverlässig mit der Insolvenz enden wird. Werfen wir kurz- und mittelfristige Handelserwägungen also auf keinen Fall gedanklich mit Investmentfragen in einen Topf. Die beiden Dinge haben *nichts* miteinander zu tun. Nichts! Punkt!

Wer einen klaren Kopf hat, dem sollte klar sein, dass mit diesem gedanklichen Wirrwarr kein Blumentopf abseits von Zufallserfolgen zu gewinnen ist. Und ich kenne auch keinen der so agierenden Anleger, der wirklich am Markt Erfolg hat, weder als Trader noch als Investor.

Nein, wenn wir handeln, müssen wir wissen *warum* wir handeln, auf welcher *Zeitebene* wir agieren und *wo* unser Vorteil (Edge) konkret gegenüber dem Markt liegt. Denn der Markt ist klug und hat alles was man auf einfache Art und Weise wissen kann, sowieso schon in den Kursen eingebacken, so dass sich kein leichter Edge ergeben kann.

Was es bedeutet wirklich Investor zu sein, darüber habe ich zuletzt geschrieben. Heute geht es darum, was es bedeutet ein Trader zu sein, der auf einen Differenzgewinn aus ist.

Und dabei steht ein Wort im Mittelpunkt: Opportunismus. Purer, gnadenloser Opportunismus, der die harte Wahrheit der Kurse, nicht mit Hoffnungen und Überzeugungen vermischt.

Und in diesem Stil will ich Ihnen heute beispielhaft drei typische Situationen zeigen, die taktisch oft aussichtsreich sind. Nicht weil uns die Unternehmen interessieren und auch nicht, weil wir zu deren fundamentaler Entwicklung eine Meinung haben, sondern alleine aus der Price-Action abgeleitet, die durch bestimmte Muster mit Tendenz in eine bestimmte Richtung weist:

Flaggenstruktur am Beispiel Tesla (TSLA):

Der Klassiker ist die gegenläufige Flagge im bestehenden Trend. Damit diese ideal ist, muss das Abwärtsvolumen in der Flagge abflauen und dann mit dem Ausbruch nach oben wieder ansteigen. Gerne gibt es am Ende von Flaggen auch einen Fakeout in die Gegenrichtung, trotzdem generiert eine lange genug gelaufene Flagge oft einen guten Einstiegspunkt - wie hier bei Tesla:

Wie weit jetzt der aktuelle Schub geht, kann ich Ihnen nicht sagen, wenn man drin ist, kann man mit -> Trailing Stops <- arbeiten. Und man kann mit dem -> Prinzip des measured Moves <- ein grobes Gefühl für das Bewegungspotential entwickeln.

Das trendbestätigende, zulaufende Dreieck am Beispiel Iamgold (IAG)

Wenn sich nach einem ersten Schub, eine Dreiecks-Struktur bildet, die unten von steigenden Tiefs und oben von fallenden Hochs geprägt ist, zeugt das vom Kampf von Bullen und Bären, die sich zeitweilig egalisieren und um die Richtung ringen. Der Kurs schwingt sich sozusagen aus.

Wenn dann gleichzeitig trotz des voran gegangenen Schubs unten die Tiefs langsam steigen und gleichzeitig das Volumen austrocknet, zeugt das davon, dass den Bären jede Kraft fehlt, dem Kurs eine Wende zu geben.

Wenn nun nicht von irgendwoher eine überraschende, die Erwartungen verändernde Nachricht kommt, ist am Ende des Dreiecks die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich der Aufwärtstrend wieder Bahn bricht und das dann besonders aggressiv, weil er wieder Kraft schöpfen konnte. Bestätigend darf man dann ein im Ausbruch stark steigendes Volumen werten:

Der plötzliche Trendbruch am Beispiel Cameco (CCJ)

Trendlinien sind oft subjektiv, aber je mehr Schnittpunkte mit dem Kurs sie haben, desto bedeutender und "realer" werden sie. Wenn wir einen stabilen Abwärtstrend haben mit vielen Aufliegepunkten der Trendlinie und wenn diese Abwärtstrendlinie mit Volumen und Karacho plötzlich nach oben gebrochen wird, dann lohnt es sich sehr oft dieser Richtung zu folgen, da kommt dann weit öfter noch mehr nach, als das Gegenteil:

In diesem Stil gibt es unzählige Muster, auf die man sich spezialisieren könnte. Beliebt bei mir ist auch die grosse, langfristige Basis (Bodenbildung) aus der ein Ausbruch erfolgt oder bekannte Muster wie SKS oder Cup´n Handle. Letztich ist aber weniger wichtig *welches* Muster Sie wählen, als dass Sie sich *überhaupt* ernsthaft fokussieren und so ein Muster dann auch mal im Detail trainieren.

Mein Rat, wenn Sie ernsthaft handeln wollen: Konzentrieren Sie sich zunächst auf eine bis maximal 3 derartige Strukturen, die Ihnen persönlich zusagen und mit denen Sie emotional gut klar kommen. Dann scannen Sie den Markt gezielt nach solchen Setups, die in ihr neues Beuteschema passen, überlegen sich eine Absicherungsstrategie dafür und dann beginnen sie diese zu Handeln.

Perfekter Erfolg wird sich auch mit guten Setups nicht sofort einstellen, weil viel hat auch mit der "Execution" also der Ausführung im Detail zu tun. Das müssen Sie aber als einen inkrementellen Verbesserungsprozess verstehen und auch so agieren und das können Sie auch nicht theoretisch lernen, sondern müssen Sie real immer wieder mit echtem Geld erfahren. Trading kann eben nur durch Trading und nicht theoretisch gelernt werden.

Sie analysieren Ihre Trades also *alle* im Nachhinein und stellen sich immer die Frage, ob Sie Ihre Setups und das Risikomanagement adjustieren sollten. Am Ende wird dann eine Taktik stehen, die ihnen einen kleinen statistischen Edge generiert und dieser folgen Sie so lange, bis dieser Edge verschwindet - und das wird er, im reflexiven Markt ist nichts von Ewigkeit.

Konzentrieren Sie sich dabei auf den optimalen Prozess und optimale Entscheidungen und versuchen Sie Freude und Ärger über Gewinn und Verlust auszublenden. Wenn Sie sich auf einen guten Prozess konzentrieren, der zwingend ein gutes Risikomanagement beinhaltet, kommt der Erfolg im Laufe der Zeit statistisch von alleine.

Das ist das "harte Brot" des Traders. Wer aber glaubt ernst zu nehmendes Investieren wäre einfacher und weniger aufwändig, macht sich was vor. Jedwede Methode, die versucht aus dem Markt mehr heraus zu holen, als er von alleine zu geben bereit ist, ist mit Anstrengung verbunden, geschenkt wird einem im Leben eben nichts, auch nicht am Markt.

Was aber in keinem Fall funktioniert, weder als Trader noch als Investor, ist fröhlich als Bienchen ziellos herum zu summen und überall mal zu kosten, was einem gefällt, ohne dabei einer klaren, beschreibbaren Strategie zu folgen.

Ihr Hari

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Gilead und das Dreieck



Im Artikel -> Biotech - Tage der Wahrheit <- vorgestern, habe ich dargestellt, an welch wichtiger Wegscheide sich der Biotech-Sektor nun befindet, der solange ein massiver Treiber des Bullenmarktes war.

Nirgendwo kann man diese Situation schöner verdeutlichen als am Bluechip des Sektors schlechthin: Gilead Sciences.

Schauen wir auf das Tageschart, sehen wir ein massives zulaufendes Dreieck, dass man selten in dieser Klarheit vor sich sieht:

Gild 25.11.15

Die entscheidende Frage ganz analog zum IBB ist hier also, geht es nach oben, oder doch nach unten weg? Hier sagt das OBV klar "nach oben" und ich neige selber auch eher zu dieser Interpretation, die sich an allerlei Details festmacht.

Aber trotzdem ist der Ausgang offen und ich bin kein Fan davon, solche Dinge zu erraten. Ich warte lieber, bis mir der Markt zeigt, wohin er will und verzichte für die höhere Sicherheit auf ein paar Prozent, kann dann aber den Trade viel besser und mit weniger Risiko managen.

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Tesla Motors und der Unterschied eines Trades von einem Investment

Der folgende Hinweis erschien schon am Montag 11.08.14 16:30 in Hari Live.
Er ist wegen seines grundsätzlichen Charakters aber auch Tage später noch bedenkenswert.
Mittlerweile werden am Markt auch schon Kursziele oberhalb 300 USD herum gereicht.

Ich hatte das Thema Tesla Motors (A1CX3T, TSLA) hier schon mehrfach in den letzten Wochen besprochen, zuletzt ausführlich am Mittwoch 06.08.14 16:45 und da war die Aktie von Tesla Motors noch bei 243 USD und der Ausbruch aus dem zulaufenden Dreieck begann.

Nun steht sie heute bei 263 USD und damit wieder 6% im Plus:

tsla 11.08.14

Ich reite mit diesem erneuten Post so auf dem Thema herum, weil es ein lehrreiches Musterbeispiel darstellt was geht, wann man sich auf die Price-Action konzentriert und alles andere als "Rauschen" ausblendet.

Wir hatten einen klaren Ausbruch aus dem zulaufenden Dreieck und sahen grosse relative Stärke während der aktuellen, allgemeinen Korrektur der Märkte - all das habe ich hier in den letzten Wochen mit Ihnen besprochen und konnte man leicht sehen, wenn man sich auf das "Hier und Jetzt" konzentriert.

Und hier ist das Ergebnis. Und hatte es jetzt irgend eine Relevanz, was wir über die Bewertung von Tesla denken und wie wir deren Geschäftsaussichten individuell einschätzen? Und wenn ich das so sage, sage ich das auch an mich selber. Ich habe ja bei der Bewertung, trotz aller Begeisterung für die Aktie, auch meine Probleme, wie ich hier ja schon erklärt habe.

Ich weiss aber, es hat eben keine Relevanz! Und das ist auch grundsätzlich auf der kurz- bis mittelfristigen Zeitebene so. Wenn keine Überraschungen kommen, ist die Markttechnik der dominante Faktor bei der Bewertung einer Aktie auf dieser Zeitebene. Tesla zeigt uns das wieder. Erst bei langfristigen Investments rücken auch andere Faktoren in der Bedeutung nach vorne.

Darin steckt auch einer der vielen Gründe, warum ich einer Trennung von Investment- und Trading-Depot das Wort rede, wenn man gedanklich diszipliniert genug ist, das auch konsequent so durchzuziehen. Denn im Investmentdepot habe ich nur eine kleine Basisposition bei Tesla Motors und werde erst wieder in einer Korrektur erhöhen, weil mir die Aktie nun erneut zu weit enteilt ist. Das hält mich aber nicht davon ab, im Trading-Depot solche markttechnischen Strukturen auf den kürzeren Zeitebenen auszunutzen.

Die eine Entscheidung hat absolut nichts mit der anderen zu tun. Eine Entscheidung für ein längerfristiges Investment erfolgt auf Basis ganz anderer Kriterien, als so ein Trade. Diese gedankliche Trennung muss man unbedingt hinbekommen, sonst sollte man von so einer Trennung die Finger lassen, weil man nur Chaos anrichtet, wenn man Aktien aus langfristigen Gründen kauft und aus kurzfristigen dann verkauft. Oder umgekehrt.

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Über Trendfolge: Indus Holding (620010) mit bullischem Momentum

Das folgende Chart der Indus Holding (620010) mit ihrem mittelständischen Beteiligungsportfolio, wurde schon gestern in Hari Live veröffentlicht, nach dem die Aktie mit 4% Plus erneut nach oben ausbrach.

Ich will es aber auch hier im freien Bereich zeigen, weil es sich auf den Artikel hier vom 31.03.14 -> Der echte Mittelstand in einer Aktie <- bezieht.

Und weil das Chart einfach perfektes Anschauungsmaterial ist, um im Sinne der Trendfolge zu lernen:

Indus 26.05.14 2

Sie sehen seit Ende letzten Jahres eine beständige Abfolge klarer, bullischer Konsolidierungen. Ein positives Chart in Perfektion, bei dem man nach dem Ausbruch aus dem zulaufenden Dreieck immer wieder - in Sinne der Trendfolge - den Stop erfolgreich unter das letzte Tief ziehen konnte !

Sie wollen jetzt wissen, ob es weiter hoch geht ? Dann stellen Sie genau die falsche Frage, mit der Sie nie auf einen grünen Zweig kommen werden. Und wenn Sie nach Artikeln suchen, die Ihnen diese Frage mit einem "heissen Tip" beantworten, dann wünsche ich viel Glück in Alice Wunderland ! Denn die Zukunft ist unbestimmt und niemand kann Ihnen sagen, was die Indus-Aktie morgen machen wird. Niemand!

Aber etwas Anderes ist wahr und das ist die entscheidende Botschaft. Wenn eine Aktie so eine klar bullische Struktur hat und zu so einer flaggenartigen Konsolidierung ansetzt, wie hier mehrfach geschehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Struktur erneut nach oben aufgelöst wird. Auf jeden Fall höher als das Gegenteil. Und zwar solange, bis auch dieser Trend irgendwann mal endet.

Und in dem man im Sinne der Trendfolge seinen Stop immer wieder unter das letzte Tief nachzieht, kann man so eine Bewegung mitgehen, ohne zu wissen, wann genau die Aktie den Höhepunkt erreicht. Vergessen Sie also das Rätselraten darum, was die Börse morgen macht. Das führt zu nichts. Konzentrieren Sie sich statt dessen darauf, im Hier und Jetzt nur solche Positionen einzugehen oder zu halten, die ein positives Chance-Risiko-Verhältnis haben. Und kappen Sie alle Verluste konsequent und ohne zu zögern.

Wenn Sie das schaffen, kommt der Erfolg durch das Wunder der Statistik im Laufe der Zeit von ganz alleine. Aber das zu schaffen und nicht mehr in die Zukunft zu starren und die Glaskugel zu bemühen, das ist die psychologisch wirklich schwierige Aufgabe, der Sie sich stellen müssen !

Ihr Hari

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