Petrobras & Volkswagen: Non-Value

Der folgende Artikel erschien Montag 28.09.15 10:30 in Hari Live und adressiert das ganz grundsätzliche Problem eines fehl interpretierten Value-Gedankens, mit dem sich zu viele Anleger immer wieder "Anlage-Gurken" ins Depot holen und daran dann auch noch zu lange festhalten.

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Ich habe hier ja schon oft gegen einen naiven, völlig falsch verstandenen Value-Gedanken gewettert, der dummerweise gerade in Deutschland immer wieder den unbedarften Anlegern verkauft wird und dort - typischerweise auf der Suche nach "Sicherheit" - auf fruchtbaren Boden fällt.

Und das ist der Irrglaube, dass es reichen würde, auf vergangene Stärke und die damit verbundenen Parameter wie KBV und KGV nach dem Motto "je kleiner desto besser" zu schauen, um "Value-Aktien" zu identifizieren.

Ich muss hier die Argumentation warum das Unfug ist, nicht wiederholen, sie steht sehr ausführlich im Artikel
-> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing <-.
Der Tenor lautet: Value-Investing funktioniert. Aber nicht so trivial und nicht so einfach für normale Anleger.

Es gibt aber aktuell einen geradezu wunderbaren Fall, um das Zerrbild zu demontieren und nein, das ist nicht Volkswagen, obwohl man das Thema auch da fest machen kann.

Es ist der brasilianische Öl- und Staats-Konzern Petrobras, der nicht nur mit dem niedrigen Ölpreis, sondern auch mit Korruption und zu grossem staatlichem Einfluss zu kämpfen hat. Und darüber wollte ich schreiben.

Dummerweise ist mir Ende letzter Woche dann Mark Dittli von der FuW im Artikel -> Der Bondmarkt-Wahnsinn <- zuvor gekommen, so dass ich die Story dahinter nun nicht wiederholen muss.

Ich will aber trotzdem noch ein paar ähnliche Sätze aus der Sicht der Aktienanlage hinzu fügen. Denn einige von Ihnen werden sich sicher daran erinnern, wie Petrobras 2010 oder 2011 gesehen wurde:

Riesig, erfolgreich, gigantische Ölfelder neu entdeckt, Teil einer dynamisch wachsenden Volkswirtschaft, gering bewertet, hohe Dividenden usw usw. Genau das war ein klassischen Beispiel für das Zerrbild des Value-Investings.

Und hier haben wir nun die US notierten ADRs zu Petrobras. Tiefer geht immer, oder? Und das soll "Value" sein?

Petrobas 28.09.15

Was ist passiert? Sie lesen es zum Teil bei Markt Dittli, aber gewisse Parallelitäten zu Volkswagen sind für mich persönlich durchaus da, wo es ja auch eine Staatsbeteiligung über das Land Niedersachsen gibt:

Grössenwahn, Korporatismus, Gemauschel und Rücksichtsnahmen zwischen Regierungen und Unternehmen und bei Petrobras zusätzlich und als I-Tüpfelchen sogar noch Korruption.

Und dann bringt das Schicksal halt plötzlich eine unerwartete Änderung der Spielregeln, wie bei Petrobras der stark fallende Ölpreis oder bei VW nun das aktuelle Geschehen, vermengt mit der Gezeitenwende der Elektromobilität.

Und es macht *Autsch* und alle schlummernden Probleme treten offen und schmerzhaft zu Tage. Was ist also eher "Value" als eine Petrobras?

Es sind Unternehmen mit einem dauerhaft stabilen Geschäftsmodell, die wachsen, agil sind und bewiesen haben, dass sie sich verändernden Umgebungsbedingungen schnell anpassen können und nicht wie die Dinosaurier beim ersten Meteoriten-Einschlag zu Grunde gehen. Und die auch nicht nur von einem Faktor wie dem Ölpreis abhängen.

Und um die zu finden, muss man sich intensiv mit dem Geschäftsmodell beschäftigen und auch nicht nur mit der Bewertung der Vergangenheit, sondern mit dem, was die Zukunft wahrscheinlich zu bieten hat. Das ist für normale Anleger kompetent fast nicht zu leisten und stellt sehr hohe Anforderungen, die weit über das Ablesen von Vergangenheits-Indikatoren wie KBV hinaus gehen.

Wenn man dem aber mit geringem Aufwand ein wenig näher kommen will, dann sind das Unternehmen wie die vorgestellte -> Procter & Gamble <- und eben nicht eine Petrobras, bei der alles von einem Parameter - dem Ölpreis - abhängt. Und auch nicht Volkswagen, das kurz vor einer bedeutenden Umwälzung der Technologie, einfach zu gross und träge geworden ist und auch ohne den aktuelle Skandal schon zum Problemfall geworden ist, siehe auch meinen Artikel schon von Mitte Juli -> Problemfall Volkswagen <-.

Übrigens, wer sehen will, wie es bei Volkswagen weiter geht, findet hier auch in der FUW ein treffendes Muster: -> BP has not outperformed since the scandal <-.

Wer also unbedingt VW mag und als Aktie nun unbedingt will, kann das mit Kursen unter 100€ vielleicht mit sehr langfristigem Ansatz tun. Vielleicht. Ich persönlich mache das nicht und bin daran völlig desinteressiert, aber ein langfristiges Investment mit Einstieg unter 100€ wäre vielleicht zu verantworten.

Nur schnelle Gewinne braucht man eher nicht zu erwarten, das Thema wird nun lange und schmerzhaft Folgeschäden generieren. Und wenn das so ist, warum will man dann überhaupt VW nun näher treten? Ich will und werde es auf jeden Fall *nicht*, ausser als taktischer Trade.

Denken wir einfach an Petrobras und wie wenig Grösse und Vergangenheitszahlen bedeuten, wenn ein Gezeitenwechsel in der Welt ansteht! Und wer davon auch noch nicht überzeugt ist, kann ja mal an E.ON und RWE denken.

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E.ON und RWE: Dead Money

Der folgende Artikel erschien in Hari Live vor 5 Tagen am Donnerstag 10.09.15 14:30 und bekommt mit dem heutigen, erneuten massiven Absturz um bis zu 10% ganz neue Relevanz, weil die -> Atomrückstellungen von E.On und RWE in Gefahr <- sein sollen.

Auch ein paar Tage alte Artikel können halt hohe Relevanz haben, lesen Sie mal:

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Vor Monaten, am Dienstag 03.02.15 17:50 unter dem Titel "Dead Money", hatte ich Ihnen in Hari Live mit sehr deutlichen Worten - damals war E.ON noch bei 13,x€ - klar gemacht, warum ich E.ON wie RWE für "Dead Money", also ein sinnloses Investment halte.

Und warum es ein grober Fehler ist, einfach auf Dividendenrenditen und KGVs zu starren und zu glauben, dass Aktien die da "billig" aussehen, auch attraktiv seien.

Nun haben wir ja in den letzten Wochen bei RWE die diversen Katastrophenmeldungen verfolgt und nun "scheppert" es auch bei E.ON wieder:

-> E.ON behält Atomkraftwerke und rechnet mit hohem Verlust <-

Aus Anlegersicht ist das ein Desaster, wie es schlimmer kaum sein könnte. Denn wer hält vernünftigerweise langfristig Aktien an einem Unternehmen, das mit potentiell existenzgefährdenden Milliardenkosten belastet ist?

Als Bürger finde ich es ja völlig in Ordnung, dass es den Stromkonzernen nicht erlaubt wird, sich "mit links" der Altlasten zu entledigen und die beim Steuerzahler abzuladen.

Wobei das nach meiner Vermutung am Ende sowieso passieren dürfte, weil die Konzerne theoretisch vorher Pleite gehen würden und dann auch wieder das Arbeitsplatz-Argument medienwirksam gespielt wird, um die Konzerne zu "retten". Bei RWE mit den kommunalen Aktionären, ist die "Rettung" fast sicher. RWE wird also bestimmt nicht Pleite gehen, eher wird es für den Steuerzahler sehr teuer.

Als Anleger aber, ist dieses das finale Signal für "raus, raus, raus" und ich halte es daher für gut vorstellbar, dass mit den 6% Minus heute noch lange nicht Schluss ist.

Schauen wir auf das Chart, sehen wir aber auch, dass uns die Markttechnik mal wieder viel früher gesagt hat, was hier los ist:

E.ON 10.09.15

Wir sehen das blaue Rechteck, in dem die Aktie nach dem 24.08. keinerlei brauchbaren Rebound zusammen bekommen hat. Und wir wissen ja:

Was nicht steigen kann, muss fallen! 😉

Nehmen wir die Kriterien für unser aktuelles Projekt der "guten Reversals", verstösst E.ON trotz der massiven Abgaben gegen alle drei Kriterien:

Erstens ist eine theoretische Pleitegefahr langfristig nicht völlig auszuschliessen. Zwar nicht heute und auch nicht direkt morgen, aber wenn sich eine dezentrale Energieerzeugung durchsetzen sollte und gleichzeitig die Atomkraftwerke real rückgebaut werden müssten und es dabei Probleme gibt, weiss ich persönlich derzeit nicht, woher die Unternehmen dafür den Cashflow nehmen wollen, Rückstellungen hin oder her.

Zweitens existiert in meinen Augen keinerlei tragfähiges Geschäftsmodell und es ist auch, trotz aller Bemühungen, für mich keines am Horizont. Bei RWE sieht es aufgrund der schwierigen Gesellschafterstrukturen sogar noch trüber aus.

Drittens haben wir hier keinen Rebound im Chart, sondern nur bärische Strukturen all überall.

Alle drei Kriterien sind also auf ROT und E.ON ist das krasse Gegenbeispiel zu einem "guten Reversal". Wir sehen daran auch, dass die Kriterien Wert haben und durchaus eine ebenso verprügelte, aber chancenreiche Aktie, von einer E.ON oder RWE unterscheiden können. Tief gefallen alleine, reicht eben nicht aus.

Trotzdem werden sich auch jetzt wieder Anleger und Medien finden, die der Meinung sind, dass E.ON ja nun tief genug gefallen sei und alles Schlechte im Kurs sei.

Ich kann dazu nur sagen: Falsch! Denn -> tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss! <-. Eine positive Überraschung aus dem Nichts, an die wir heute nicht denken, ist zwar immer drin, aber darauf nun blind wetten?

Was ohne Frage passieren wird ist, dass rein aus technischen Gründen, die Aktie nach dem Auslaufen des aktuellen Absturzes irgendwann auch wieder zurück kommen wird, eben weil es immer Dip-Käufer wie oben gibt, die gerne alles einsammeln, was sich billig anfühlt.

Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass E.ON in absehbarer Zeit auch noch einmal über 10€ schaut.

Aber darüber hinaus? Für mich einfach "Dead Money", totes Geld also, solange sich da nicht ganz grundsätzlich etwas am Geschäftsmodell oder den Rahmenbedingungen ändert.

Es gibt aktuell so viele tolle Reversal-Kandidaten, die ebenso viel verloren haben und sich eben *nicht*, mit so einem existenzgefährdenden Rucksack abschleppen müssen. Konzentrieren wir uns auf die, die "guten Reversals"!

Ihr Hari

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Elementary my dear Mr. Market: the game is afoot ! – Das Spiel hat begonnen !

Dieser Artikel ist nur für treue Leser von Mr-Market. Egal ob Premium oder nicht.

Woher ich das weiss ? Weil ich in den Titel keines der ziehenden Schlagwörter wie "Commerzbank, K+S, Solarworld, E.ON" hinein gepackt habe. 😉 Wären Sie alle drin, würde der Artikel tausende Klicks bekommen. Je mehr Buzzwords desto besser für die Klickrate. So wie jetzt aber - nur mit einer Hommage an Sherlock Holmes - wird niemand auf diesen Artikel klicken, wenn er oder sie nicht sowieso regelmässig bei Mr-Market vorbei schaut.

Das nur als kleine Anekdote am Rande, wie das Spiel um Aufmerksamkeit im Internet funktioniert. Und es funktioniert deshalb so, weil wir Menschen so ticken und mit Mustererkennung im Internet unterwegs sind. Und so neigen wir dazu, uns schon bekannte "Weisheiten" im Sinne der Bestätigung unserer Überzeugungen erneut rein zu ziehen - weil sich das so gut anfühlt. Ein Umstand, der auch bei der Preisfindung an den Märkten als "Confirmation Bias" eine wichtige Rolle spielt.

Nun aber zum Markt und da ist seit gestern Sherlock Holmes Ausruf "The game is afoot !" mehr als berechtigt.

Sie erinnern sich, ich hatte hier vorgestern aufgrund des Bollinger Band Crashs im S&P500, verbunden mit der Ernennung von Janet Yellen, schon fest mit einem Bounce gerechnet. Der kam auch - einen Tag später - und wurde durch die Anzeichen, dass man in Washington miteinander redet gestern massiv unterfeuert. Und durch die Dynamik der Bewegung, wurde der gestrige Bruch der Trendlinie auch erneut zur Bärenfalle, wie schon 5-mal seit November 2012 vorher.

Ist damit das Debt Limit Problem wirklich gelöst ? Kein bisschen natürlich, im Gegenteil - es wurde einfach im Sinne "kicking the can down the road" weiter verschoben. Das hat aber für die Kursentwicklung zunächst keine Relevanz.

Denn an dieser Stelle kommt wieder etwas zum Tragen, was wir unbedingt über die Märkte verstehen müssen: Die Märkte leben nicht in der Gegenwart. Sie leben in der Zukunft und die Preise bilden sich aus den Zukunftserwartungen aller Marktteilnehmer.

Und was waren die Erwartungen der Marktteilnehmer vor 2 Tagen ? Ganz klar, dass eine Lösung gefunden wird und dass dann eine massive "rip your face off" Rally stattfinden würde. Das war ganz klar der Konsens im Markt.

Und weil dieser Konsens war wie er war, will natürlich niemand der Letzte sein, weil dann ja die schönen Gewinne schon alle verfrühstückt sind. Und so entsteht so ein extrem positiver Tag wie gestern, weil alle schon beim ersten Anzeichen einer Einigung aufspringen, um den anderen zuvor zu kommen. Eine selbsterfüllende Prophezeiung also. Und dann werden Stops gezogen, Shorts gesqueezed usw. usw. und die Rally nährt die Rally und so ein Trendtag entsteht.

Jetzt könnte man ja meinen, man hätte da eine perfekte Methode für den nächsten Trade, aber so einfach ist das leider nicht. Denn diese Erwartungen können auch das Gegenteil auslösen. Weil alle darauf warten, tritt es nicht ein. Und wenn das zu lange dauert das Warten, werden dann die Erwartungen aus Enttäuschung aufgelöst, was genau zur entgegengesetzten Bewegung führt. Die zu hohe Erwartung war dann Ursache des Einbruches. Den Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Szenario, macht dabei der Zeitpunkt und Charakter des Katalysators. Und der war gestern in Form des Vorschlags der Republikaner so zeitnah und durchschlagend, dass die Marktteilnehmer eine Lösung für das Debt Limit als gegeben genommen haben. Und damit den Mechanismus der selbsterfüllende Prophezeihung ausgelöst haben.

Merken Sie sich also unbedingt: die Kursbewegung kommt nicht, weil sich die Realität geändert hat. Die US sind immer noch ohne Lösung und der politische "Gridlock" ist nur verschoben, aber nicht aufgehoben. Der Markt bewegt sich aber aufgrund der Anpassungen der Erwartungen an die Zukunft. Und diese Erwartungen haben sich nun deutlich zum Positiven verändert, eine nahende Lösung ist nun als Faktum angenommen.

Es gab gestern übrigens eine weitere Erwartungskomponente, die die Rally befeuert hat und über die hatte ich auch schon gestern im Premium-Bereich geschrieben. Die derzeitige Blockade wirkt sich natürlich negativ auf Arbeitslosenzahlen und das Wachstum in den USA aus. Und damit dürfte das Thema des "Tapering" für dieses Jahr endgültig vom Tisch sein. Entsprechende Äusserungen des FED Mitglieds Bullard hatte ich auch gestern im Premium-Bereich verlinkt.

Das gefällt Mr. Market natürlich ganz besonders, denn einerseits sind die negativen Wirkungen auf das Wachstum ja nur temporär und nicht strukturell, andererseits ist ungehemmter Stimulus nun weiter gesichert. Besser geht es für die Wallstreet nicht, die mal wieder auf ganzer Linie bekommen hat, was sie sich wünscht.

Und so hat das Spiel begonnen. Das Spiel der Weihnachtsrally im 4. Quartal, bei der keiner der Letzte sein will, der aufspringt.

S&P500 11.10.13

Aufmerksame Leser werden jetzt natürlich sofort bemerken, dass die Medaille zwei Seiten hat. Wenn jetzt in den Erwartungen des Marktes eine Lösung zum Debt Límit schon verfrühstückt wird und sich alle für eine "4th Quarter Rally" positionieren, bleibt kein Erwartungshub mehr übrig, wenn die Lösung dann tatsächlich kommt.

Und genau so ist es. Wenn die Lösung kommt, wird der Markt schon weiter in die Zukunft schauen. Und wenn sie doch nicht kommt, wird Mr. Market um so erstaunter und wütender korrigieren.

Kurzfristig ist mit dem gestrigen Schub nun aber ein bullisches Signal gegeben worden. Wir müssen heute zwar noch abwarten, ob es noch zu einem bösen Reversal wie beim Pop nach der "No Taper" Entscheidung der FED Mitte September kommt. Unmöglich ist das nicht. Mein Eindruck ist aber eher nein.

Dann wird der Markt mit guter Wahrscheinlichkeit die Hochs im S&P500 bei 1730 testen. Aber erst was danach passiert, wird wirklich das Schicksal des 4. Quartals bestimmen. Denn es gibt viele Anzeichen für eine grundlegende Topbildung und nachlassendes Momentum in den US Indizes. Und das es mehrere Versuche zu neuen Hochs gibt, ist in so einem Bullenmarkt mehr als normal. So ein Bulle stirbt nicht so einfach von heute auf morgen, er rafft sich vielmehr immer wieder auf, bis er irgendwann unter der eigenen Last mit einem lauten Krachen zusammen bricht.

Genau das macht es auch so schwierig so einen Markt zu shorten. Man wird x-mal auf dem falschen Fuss erwischt und mit Verlust ausgestoppt, weil sich der Bulle doch wieder aufrafft. Und wer er dann endlich stirbt, dann ist man schon so demoralisiert, dass man nicht mehr dabei ist, wenn es endlich wirklich auf der Short-Seite Geld zu verdienen gibt. Deshalb kann ich immer nur wieder dringend davon abraten, solche Märkte oder auch Momentum-Aktien "auf Verdacht" zu shorten, egal wie schön die vermeintliche Topbildung aussieht. Erst wenn der Markt wirklich fällt und technisch eindeutig nach unten zeigt, dann kann man in der Mitte der Bewegung auf der Short-Seite sinnvolle Gewinne bei mässigem Risiko einfahren.

Insofern könnte man im S&P500 nun kurzfristig Stops unter das gestrige Tief setzen und auf dem Rücken des Momentums das Spiel nach oben mitspielen, nachdem man leichte Schwäche heute abgewartet hat. Bei einem typischen Ablauf gäbe es heute also eine leichte Konsolidierung, bevor es dann nach oben weiter geht. Mittelfristig wäre ich aber nicht zu optimistisch, sondern eher vorsichtig, sobald sich der S&P500 wieder in der Nähe der alten Hochs befindet.

Europa dagegen - und damit auch der DAX - ist klar im Rallymodus und profitiert von Liquiditätszuflüssen aus anderen Märkten und zeigt klare Überperformance zu den US Indizes. Insbesondere unser "Liebling" der spanische Index IBEX35 ist einfach beeindruckend und der Trade ein Volltreffer. DAX 9.000 und IBEX 10.000 in nicht zu ferner Zukunft, ist also keineswegs besonders optimistisch, sondern eher realistisch. Auch beim DAX haben wir nun mit den Tiefs der letzten Tage schöne Niveaus zur Absicherung.

Ich wünsche viel Erfolg !

Und bitte denken Sie daran. Das Internet ist voll mit allerlei Crash-Gurus und Horrorgeschichten und einige dieser Logiken teile ich sogar, weil das Makrobild nach meiner Ansicht dabei schon richtig erkannt wird. Nein, ich bin wirklich nicht überzeugt, dass dieses historische Experiment der Notenbanken und der Politik gut ausgeht. Und ich bin ziemlich sicher, dass wir in einigen Jahren ein ganz anderes Währungssystem haben und davor noch schlimme Verwerfungen erleiden müssen.

Nur - und das ist so wichtig zu verstehen - es nützt nichts, vielleicht in 3 Jahren mal Recht zu bekommen, wenn man die ganze Zeit vorher gegen den Markt ankämpft und sein Depot dabei ruiniert. Es gibt Marktteilnehmer, die kämpfen seit 2009 gegen dieses Markt an. Und was hat es ihnen gebracht ausser Leid und Verlusten ? Wenn sie dann irgendwann Recht bekommen, werden sie sich darüber nicht mehr freuen können, falls sie dann noch überhaupt im Markt sind.

Ignorieren Sie also all diese Weissagungen und Prognosen. Die halten Sie nur vom wirklich Wichtigen ab: Im "Hier und Jetzt" Geld zu verdienen !

Ich habe es schon an anderer Stelle gesagt: wir haben keine Wahl, wir müssen auf dieser Party tanzen und das Spiel mitspielen ! Es schadet aber nichts, die Eventualitäten zu kennen und sich gedanklich darauf vorzubereiten. Nur handeln dürfen wir nicht nach Eventualitäten, sondern nur nach dem, was uns Mr. Market sagt. Und die Botschaft ist klar:

Das Spiel hat begonnen !

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Hari Live – Archiv 01.09.13 – 07.09.13

Premium gross

Hari Live - Archiv 01.09.13 - 07.09.13

Freitag - 06.09.13 16:55 - Volatilität

Vor dem Wochenende habe ich noch ein Chart zum Schmunzeln für Sie. Wobei es auch einen lehrreichen Teil enthält.

Es sind die Arbeitsmarktdaten in ein Bild komprimiert. 😉 Und dieses Bild erklärt auch, warum ich mich ungerne vor so Ereignissen positioniere: jede Menge Volatilität die kaum zu beherrschen ist und am Ende nichts passiert, nur alle aus ihren Stops geflogen:

S&P500 06.09.13

Besser ist - was ich ja schon oft gepredigt habe - sich nach dem Ereignis, wenn der Markt sich ausgeschwungen hat, in die sich dann durchsetzende Richtung zu positionieren. Dieses Bild sollte deutlich machen, warum man so Events mit engen Stops nicht beherrschen kann und da nur Geld verliert.

Weiterlesen ...Hari Live – Archiv 01.09.13 – 07.09.13

E.ON, Tesla, Suncor, Vivendi und 3D Systems – Gedanken zu einzelnen Aktien – 02.04.13

Zum Beginn des 2. Quartals und am Vormittag des ersten Handelstages, möchte ich ein paar kurze Gedanken zu ausgewählten Einzelaktien mit Ihnen teilen. Vielleicht bringt Sie das ja auf Ideen. Keine grossen Analysen und keine Charts, nur kurze Hinweis:

(1) E.ON (WKN: ENAG99)

Ich habe zuletzt -> hier <- und -> hier <- ausführlich zur Aktie geschrieben. Man kann über das Unternehmen und die fundamentalen Entwicklungen denken was man will. Der Tageschart beginnt aber für mich nun gut auszusehen. Wir arbeiten an einer Cup&Handle Formation, die 50-Tage-Linie wird bald nach oben drehen und die Bullen scheinen nun vom Momentum her die Oberhand zu gewinnen. Das könnte eine schöne Wende werden und ist allemal einen Blick wert.

(2) Tesla Motors (WKN: A1CX3T, TSLA)

Mit der gestrigen Meldung, dass demnächst der erste Quartalsgewinn folgt, verlässt Tesla die Phase, in der die Existenz des Unternehmens in Frage stand. Der Markt honorierte das gestern mit 16% Plus und weitere spannende Neuigkeiten sollen in Kürze folgen. Heute wird ein Teil der Gewinne typischerweise wieder abgegeben, trotzdem spricht viel dafür, dass dieser Ausbruch nun von grundsätzlicher Natur war.

Ich hatte Tesla ja -> hier <- im Blog vor über einem Jahr zum ersten Mal ausführlich besprochen. Und seit dem war es mit dem Titel eine volatile Reise, die aber letztlich immer weiter hoch führte. Man sieht daran, dass der Glaube an ein hervorragendes Management Anlass sein kann, auch so eine volatile Aktie einfach im Sinne "Buy and Hold" zu halten und Geduld aufzubringen, damit das Management zeigen kann, was es drauf hat. Ich war seit dem dauerhaft mit einer kleinen Position drin, alleine weil ich diese extrem spannende Story nicht verpassen will. Und werde es weiter sein. Fürs Trading halte ich Tesla für eher ungeeignet, weil die Aktie zu stark von News getrieben wird.

(3) Suncor Energy (WKN: A0NJU2, SU)

Zunehmend spannend finde ich auch vom Chartbild her wieder Suncor Energy. Der kanadische Ölsand-Förderer würde von der von der Obama Administration forcierten "Keystone" Pipeline massiv profitieren, die das kanadische Öl an die US amerikanische Westküste bringen soll. Fundamental ist die Bewertung sowieso in Ordnung, geopolitische Risiken spielen Suncor eher in die Hände, da man sich im sicheren Kanada bewegt und schauen Sie mal auf das Tages- bzw. Wochenchart und auf das riesige zulaufende Dreieck, das sich da seit 2011 bildet.

(4) Vivendi (WKN: 591068)

Ich hatte Vivendi schon mehrfach erwähnt, allerdings ist seitdem nicht so furchtbar viel passiert. Aber immer noch hat die Aktie eine riesige Cup&Handle Formation in 2011/2012 und leidet unter einem Konglomeratsabschlag. Sollte sich dieser auflösen - und das könnte schnell passieren, wenn ein Verkauf der Maroc Telecom gelingt - dürfte die Aktie schnell bei 20€ stehen, oder gute 20% höher. 6% Dividendenrendite versüssen die Wartezeit. Das Risiko nach unten sieht dagegen recht begrenzt aus.

(5) 3D Systems (WKN: 888346, DDD)

Ich hatte bei der Aktie zuletzt mehrfach zu mehr Geduld gemahnt. Und zuletzt vor gut 2 Wochen -> hier <- das grosse Bild dargestellt. Ich will Ihnen nun nicht verhehlen, dass ich das Chartbild der Aktie immer besser finde. Wer die relativ geringe Aufwärtsbewegung nun negativ wertet, weil man zuletzt riesige Swings gewohnt war, macht möglicherweise einen Fehler. Nehmen Sie doch einfach mal das Tageschart und schauen sich an, wie die Aktie aus dem Tief vom September 2012 heraus gekommen ist, bevor der gewaltige Anstieg so richtig begann. Sehen Sie Parallelen ?

Auch heute haben wir wieder diese eher zaghaft beginnenden höheren Hochs und Tiefs. Und fundamental halte ich die Story für völlig intakt. Ich finde, es gab schon schlechtere Szenarien, als hier mittelfristig Long zu sein, zumal die potentiellen Stopniveaus mit den Tiefs vom 18.03. und vom 26.03. sehr präzise definiert sind. Wenn der neue Aufwärtstrend wirklich der Beginn von mehr seien sollte, dürften wir die 29,88 USD vom 26.03. nicht mehr sehen und die 27,88 USD vom 18.03. erst recht nicht.

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Augen auf bei E.ON ! – Beginnt der Rebound ? – 21.03.13

Sie erinnern sich vielleicht an meinen Artikel vom 30.01.13, in dem ich erklärt hatte, warum ich damals beim Energieversorger E.ON -> langfristig eingestiegen <- war. Heute früh Stand 09.45 Uhr sollten wir unbedingt noch einmal genau hinschauen.

Den Grund konnte man damals auf einen recht einfachen Nenner bringen: E.ON war einfach weit genug gefallen, genügend Substanz war vorhanden und es waren genügend negative Erwartungen eingepreist, um ein langfristiges Engagement von diesem Niveau aus zu rechtfertigen. Den perfekten Boden trifft man sowieso nie und ein Boden schien auf dem Niveau vom 30.01. nahe genug.

Meine langfristige Sicht auf die Aktie ist heute unverändert und die letzten Wochen haben diese Sicht auch bestätigt. Ich möchte hier auch nicht die ganzen fundamentalen Fakten und aktuellen Entwicklungen rund um Brasilien oder die Energiewende nacherzählen, die können Sie woanders besser lesen und das schafft keinen Mehrwert. Fakt ist aber, das in den letzten Wochen weitere diverse Mistkübel über dem Unternehmen ausgeschüttet wurden, es gibt Probleme auf allen Ebenen und das Sentiment könnte kaum schlechter sein. Der Kurs kam aber trotzdem nicht weiter als bis zur Unterstützung bei 12,5€ herunter - die mit dem Tief von 2011 korreliert - und liegt nun wieder deutlich über 13€.

Es scheint also tatsächlich so zu sein, dass die Aktie trotz schlechter Nachrichten nicht mehr weiter fallen will. Und mein langfristiges Engagement bleibt gelassen bestehen. Aber auch kurz- und mittelfristig wird E.ON nun interessant.

Um das zu erkennen, schauen Sie selbst mit mir auf das Tageschart seit Mai 2012:

EON - Augen auf - 21.03.13

Sie sehen, das die Aktie seit dem Tiefpunkt von Anfang Februar nun das dritte höhere Tief ausgebildet hat, die Definition eines beginnenden Aufwärtstrends. Sie sehen auch, dass der Kurs nun die 50-Tage-Linie durchbrochen hat, ein wichtiges Signal. Und Sie sehen, dass die Aktie kurz davor ist, auch das Hoch vom 12.02.13 bei 13,495€ hinter sich zu lassen.

Diesen Moment, den Moment wenn E.ON überzeugend durch 13,5€ hindurch geht, sollte man noch abwarten um sicher zu gehen, dass die Aktie nicht in ihre bisherige Seitwärtsbewegung zurück fällt. Sobald das gelingt, ist aber eine Erreichung des 23er Fibonacci-Retracements bei ca. 14,1€ sehr wahrscheinlich geworden, dort wo ich den grünen Stern hingezeichnet habe.

Und dann beginnt es erst richtig interessant zu werden. Denn wenn Sie als regelmässiger Leser von Mr-Market.de nun etwas Übung in Kursmustern haben, sehen Sie sofort die potentielle, riesige Cup&Handle Formation die sich da ausbilden könnte.

Das ist aber noch Zukunftsmusik. Klar ist aber, dass E.ON nun nach einem Ausbruch riecht. Und wenn der in Bewegung kommt, dürfte die Aktie auch wieder deutliches institutionelles Interesse anziehen. Die Chance auf eine Wende ist also gar nicht so klein und die Nacht ist immer am dunkelsten, wenn der Morgen kurz bevor steht.

Falls sich das aber alles erneut als Bullenfalle heraus stellen sollte, ist es eine gute Idee einen Stop mit Abstand unter dem Februartief, also unter 12,4€ haben. Wenn diese Marke erneut unterschritten wird, sind bei E.ON wohl alle Hoffnungen zu begraben. Dann würde ich auch meine Langfristposition auflösen. Danach sieht es aber im Moment nicht aus.

Ihr Hari

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E.ON – Warum ich jetzt langfristig eingestiegen bin – 30.01.13

Eigentlich mag ich ja E.ON überhaupt nicht.

Ein fett gewordener Versorger, der sich über Jahre in Quasi-Monopol Gewinnen sonnen konnte. Ein Energieunternehmen, das massiv unter der Energiewende leidet und zukünftig unter dem Trend zur dezentralen Energieerzeugung leiden wird. Ein Konzern, der sein Geschäftsmodell und seine Strategie neu erfinden muss. Ein Unternehmen, das ich als Endkunde als teuer, unflexibel und ohne klare Strategie wahrnehme. Ein Grosskonzern, dem der Wind der "Political Correctness" heftig ins Gesicht weht und wohl weiter wehen wird.

All das und mehr sind gute Gründe, warum E.ON vom Kurs her nun bei gut 13 € notiert und nicht mehr bei über 50€ wie Anfang 2008. All das scheint aber nun im Kurs verarbeitet. Man könnte meinen, dass jeder Hohn- und Mistkübel den man über so ein Unternehmen ausschütten kann, nun ausgeschüttet wurde.

Aber auch technisch hatte der Verlauf der letzten Wochen einiges zu bieten, wie ja auch Lars Röhrig in seinem schönen Beitrag zum -> Stopp Loss Orders richtig setzen <- dargestellt hat.

Schauen wir doch mal auf das Tageschart von E.ON seit 2011 und rekapitulieren wir, wie ich die Aktie hier erlebt habe:

E.ON 30.01.13

Sie erinnern sich vielleicht: am 13.11.12, dem Tag des massiven Absturzes, habe ich einen rein taktischen Reboundtrade gewagt, da eine Aktie nach einem derart massiven zweistelligen Absturz in der Regel am Folgetag ein gutes Stück zurück kommt.

Als dieser Rebound nicht statt fand, bin ich sofort wieder raus und habe mich auf die Seitenlinie begeben. In dieser Phase wurde ich mehrfach gefragt, ob jetzt nicht die Zeit wäre E.ON zu kaufen und meine Antwort war eigentlich immer NEIN. Denn wenn eine Aktie nach so einem Absturz nicht bouncen kann, bedeutet das, dass eben KEINE Übertreibung vorhanden ist, sondern die Neubewertung noch nicht abgeschlossen ist.

So wartete ich bis in den Dezember hinein und als E.ON bei 13,6€ einen temporären Boden gefunden hatte, war die Zeit gekommen, sehr vorsichtig und mit engen Stops, die sich abzeichnende Stabilisierung zu spielen. Diese Stabilisierung stellte sich dann - durchaus nicht untypisch - ab Mitte Januar als Bärenflagge heraus. Durch enge Stops im Sinne der Trendfolge konnte der taktische Trade aber trotzdem mit leichten Gewinnen abgeschlossen werden und ich war wieder an der Seitenlinie. Es folgte der unvermeidliche, erneute Rutsch bis zeitweise knapp unter 13€.

Nun ist damit endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem ich E.ON nicht mehr nur rein taktisch als kurz- oder mittelfristigen Trade, sondern als langfristiges Investment betrachte. Denn auch wenn alle obigen Argumente wahr sind, haben wir es doch mit einem Unternehmen voller Substanz und mit grossem, positivem Cashflow zu tun. Und ohne grosse Versorger wird es auf absehbare Zeit auch in Deutschland nicht gehen. Darüber hinaus befindet sich E.ON nun auf dem Weg der geographischen Diversifizierung und erschliesst sich neue Geschäfte ausserhalb der Grenzen der "Energiewende".

Vom Sentiment her sind nun genug Mistkübel ausgegossen worden und es fällt mir schwer mir vorzustellen, wie die Wahrnehmung einer E.ON noch schlechter werden könnte. Und auch der Kurs ist nun bis auf die massive Unterstützung aus dem Jahr 2011 zurück gekommen.

Ich glaube daher, dass eine E.ON nun an dem berühmten Punkt sein könnte, wo alles Negative eingepreist wäre. Sollte diese Sicht richtig sein, wird die erste positive Nachricht - die irgendwann kommt, vielleicht Morgen oder in 3 Monaten - zu einer Neubewertung führen, weil Mr. Market plötzlich merkt, dass das Unternehmen doch nicht nur aus Problemen, sondern auch aus Chancen besteht.

Damit hat E.ON für mich nun den Punkt erreicht, der ein langfristig orientiertes Investment rechtfertigt. Ich bin nun also wieder Long E.ON und habe einen Stop, den ich ein Stück weit unter das Tief vom 12.09.11 gesetzt habe. Damit hat dieses Investment nun auch ausreichend Raum zu atmen.

Denn wenn man ein langfristiges Investment eingehen will, schaden zu enge Stops nur. Abgesehen davon, habe ich solche langfristigen Stops auch nicht im System eingegeben, sondern einfach zusammen mit dem Investment notiert. Es handelt sich also um einen gedanklichen Stop. Bei kurzfristigen Trades führt dagegen nach meiner Erfahrung kein Weg an im System hinterlegten Stops vorbei.

Und nun heisst es für mich einfach Geduld zu haben und zu warten, bis Mr. Market für E.ON eine andere Wahrnehmung entwickelt. Ich bin zuversichtlich, dass das in den kommenden Monaten passieren wird. Nur den Zeitpunkt kenne ich mangels Glaskugel ebenso wenig, wie jeder andere Marktteilnehmer.

Ihr Hari

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Börsenjahr 2013 – 02.01.2013 – Beobachtungen zum Jahresanfang – Teil 2

Hier um 17.30 Uhr der zweite Teil meiner Beobachtungen zum Anfang des Börsenjahr 2013:

Wenig Favoritenwechsel im DAX

Schaue ich insbesondere heute auf den DAX, sehe ich im aktuellen Handel die alten "Gurken" wie E.ON und Metro bestenfalls mit dem breiten Markt mitlaufend. Auch die in 2012 schwache K+S "röchelt" weiter vor sich hin. Von einem Favoritenwechsel ist da (bisher) nicht viel zu merken.

Auffällig ist die relative Schwäche bei Bayer, die Aktie ist aber auch 2012 sehr gut gelaufen und steckt voller positiver Erwartungen. Es kann daher gut sein, dass diese Schwäche am Ersten des Jahres ein Signal ist. Auch eine Aktie die mir in 2012 zu gut gelaufen ist und die nun in meinen Augen nach einer Korrektur schreit ist Beiersdorf.

Ebenso auffällig und bemerkenswert ist der Intraday Abverkauf von Linde von 134,7 EUR bis 130,9 EUR oder Intraday fast 3%. Ich kenne die Ursache noch nicht, aber dass mus man unbedingt beobachten. Denn auch wenn ich bei Linde weiter von einer guten Geschäftsentwicklung und sogar einem Schub durch die Lincare Übernahme ausgehe, birgt das Chart schon das Potential einer grösseren Top-Bildung in sich.

Apple, Rohstoffe und Gold- und Silberminen riechen nach Rally.

Betrachtet man, was schon an Silvester bei den Firmen rund um Apple wie Broadcom oder Qualcomm, bei den Rohstoffwerten rund um Rio Tinto & Co. und den Gold- und Silberminen passierte - alles Werte die im 4. Quartal lange sehr schwach waren - ist es bemerkenswert, wie diese Stärke am heutigen Jahresanfang massiv bestätigt wurde. Es kann gut sein, dass wir es in diesen Fällen mit einer neuen Tendenz zu tun haben.

Hier scheint frisches Geld in aus Sicht des Marktes unterbewertete Assets hinein zu fliessen und alle genannten Sektoren haben eine Menge Potential.

Südeuropa hat nach wie vor eine Menge Aufholpotential

Bemerkenswert auch, wie das schöne Plus im DAX erneut durch ein Plus von mehr als 3% im IBEX35 und MIB40 getoppt wurde. Die -> hier <- und -> hier <- vorgestellten Trades sind weiter hoch aktuell, die Bullenflaggen haben sich wie erwartet nach oben aufgelöst und es gibt noch jede Menge Luft für Gewinne in 2013.

Der Stahlsektor scheint mitten im Rebound zu stehen

Passend zur positiven Entwicklung in China, setzt sich der Rebound bei den unter anderem -> hier <- am 05.12.12 besprochenen Klöckner und Salzgitter weiter nach Lehrbuch fort. Insbesondere Klöckner hat perfekt sein Ausbruchsniveau bei ca. 8,9€ gestestet und dreht nun weiter nach oben.

Am stärksten ist heute Thyssenkrupp, was aber kein Wunder ist, da die Aktie auch mit Abstand am schlechtesten gelaufen ist. Ich fasse die Aktie aus den hier mehrfach besprochenen Gründen aber weiterhin nicht an. Wer einen Sektor sucht, in dem er in den kommenden Wochen und Monaten den Markt deutlich schlagen kann - eine weitere Erholung von China und der Eurozone voraus gesetzt - ist hier vielleicht gar nicht schlecht aufgehoben. Die notwendigen Stops für Klöckner und Salzgitter sind auf jeden Fall nun klar durch die Tiefs vom 21.12. bzw 28.12. definiert und erlauben einen gut abgesicherten Longtrade.

iRobot und die riesigen Gaps

Es gibt eine Reihe kleinerer Aktien, die ich wie 3D Systems (WKN 888346, DDD) aufgrund ihrer besonderen technologischen Position auf meinem Radar habe. Dazu zählt der Roboterspezialist iRobot (WKN A0F5CC, IRBT), auf den ich mit dem folgenden Tageschart und dem Blick auf die beiden riesigen Gaps aufmerksam machen will.

Zumindest das kleinere Gap von Oktober 2012 bei 22,4 USD scheint die Aktie mit aktuell 8% Plus nun in Angriff zu nehmen. Auslöser der Gaps waren Verzögerungen bei den militärischen Aufträgen im Verteidigungsbereich (Minenräumung etc.), diese sind aber nun eingepreist. Das private Geschäft läuft dagegen gut und das Potential des Marktsegmentes ist ähnlich wie beim 3D Druck gewaltig.

Und um mal ganz wild herum zu spekulieren: Wenn es irgendwo ein Segment gibt, das wie weiland die Musikplayer durch das iPod danach schreit, durch einfache und schicke Lösungen einem Massenmarkt geöffnet zu werden - dann sind es die Haushaltsroboter, die schon weit mehr können, als Otto Normalverbraucher ahnt und durchaus das Potential haben auch unter der Überschrift "schick und hipp" wahrgenommen zu werden. Wer will denn keinen R2D2 haben, der ihm Teile der lästigen Hausarbeit abnimmt ? Oder steht hier jemand auf Staubsaugen ? 😉

Da finde ich den Namen iRobot im Sinne Apple vielleicht schon prophetisch. Vielleicht verleibt sich ja mal ein Grosser iRobot ein, wer weiss.

iRobot 02.01.13

Das warme Wetter und der US Gaspreis

Das in den USA sehr warme Winterwetter macht den -> hier <- vorgestellten Trade auf den ETF UNG zu nichte. Wer den Stop knapp unter der 200-Tage-Linie beachtete, wurde nach einem grossen Gap heute ausgestoppt. Die letzte Verteidigungslinie ist nun das Tief vom 28.08.12 bei 17,69 USD. Solange das hält, ist der Aufwärtstrend seit April 2012 noch intakt. Fällt auch dieses Tief, sollte man vom UNG wohl weiten Abstand halten.

So weit erst einmal meine ersten Eindrücke zum Anfang des Jahres. Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins Börsenjahr 2013 !

Ihr Hari

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