Der DAX, die Emerging Markets und der Recency Effekt

Die FED hat gestern ihre ruhige Hand beibehalten und erneut den Stimulus von 75 auf 65 Milliarden USD pro Monat reduziert. Wir haben das hier im Blog bis in die Nacht hinein Live verfolgt.

In meinen Augen die psychologisch richtige Entscheidung, denn damit wird Gelassenheit und Selbstbewusstsein hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung in den USA ausgedrückt. Hätte die FED wegen der Währungskrise in den Emerging Markets sofort wieder kalte Füsse bekommen, wären nach anfänglicher Freude der Märkte, wohl noch viel grössere Fragezeichen in den Köpfen der Marktteilnehmer entstanden.

Insofern war die Reaktion des Marktes nach der FED zwar latent negativ, aber doch alles in allem erstaunlich ruhig. Und damit besteht heute eine gewisse Chance für eine Stabilisierung. Über eine kurzfristige Stabilisierung hinaus, sind Prognosen aber nicht möglich und auch sinnlos, wie ich hier ja oft predige. Wir haben ja erst gestern wieder gesehen, wie schnell der Markt auf der Ferse kehrt machen kann, als der DAX nach den Interventionen der türkischen und südafrikanischen Notenbanken erst über 9500 hoch schoss, um gleich darauf wieder einzuknicken.

Im grossen Bild muss man einfach festhalten, dass wir im Moment deutlich erhöhte Risiken an den Märkten haben und daraus sollten wir klugerweise in unseren Depots Konsequenzen ziehen.

Schaue ich auf Kommentare und Meinungen, die ich aktuell im grossen weiten Meer des deutschen Internets lese, erscheint es mir aber nötig, an zwei wichtige Sachverhalte zu erinnen, die man gerade in der jetzigen Phase nicht vergessen sollte.

(1) Der Recency-Effekt

Unsere Gehirne sind so konditioniert, dass sie die Erfahrungen der nahen Vergangenheit bei der Entscheidungsfindung höher werten, als altes, grundsätzliches Wissen. Wenn man so will, haben unsere Gehirne eine Art eingebaute Trendfolge. Was zuletzt ein paar mal funktioniert hat, wird von uns auch bei der kommenden Entscheidung als richtiger Weg bevorzugt.

Im Kern ist das evolutionär ein sehr sinnvolles Muster und sogar an den Börsen kann das hilfreich sein, wenn man lange, stabile Trends hat. An den wichtigen Wendepunkten wirkt sich diese Konditionierung aber verheerend für das Anleger-Depot aus.

Verheerend deshalb, weil man viel zu lange an den alten Mustern festhält und so schnell einen grossen Teil der Gewinne wieder abgibt, die man sich vorher mühsam erarbeitet hat.

Nun haben wir aktuell einen massiven "Recency-Effekt" und das ist die Konditionierung, dass jeder Rückgang (Dip) sofort wieder eine Kaufgelegenheit an den Aktienmärkten sei. Das sensationelle Jahr 2013 hat uns diese Wahrnehmung nachhaltig eingebläut. Und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass dieser Reflex auch nun wieder die richtige Strategie ist und die Märkte doch wieder zu neuen Höchstständen ziehen.

Trotzdem, wenn ich im aktuellen Report von -> Cognitrend <- dann lese, wie die institutionellen Anleger sofort wieder ins bullische Lager wechseln, weil sie darauf konditioniert sind den Dip sofort zu kaufen, lässt mich das eine Augenbraue hochziehen. Denn an dem Tag, an dem der Dip mal keine Gelegenheit zum Kauf war, wird dieser Reflex ein Blutbad auslösen.

Prüfen Sie sich also selber, wie stark sie von der Angst vermeintlich etwas zu verpassen beeinflusst sind. Solche Reflexe sind selten gute Ratgeber. Wenn der Markt wirklich nach oben will, wird er uns das zeigen. Und bis dahin ist Geduld ein besserer Ratgeber, als die Angst etwas zu verpassen.

(2) Der Markt spinnt in der Regel nicht - uns fehlt zu oft Wissen !

In Anbetracht der starken Bewegungen, weil sozusagen in China ein Fahrrad umfällt, liest man bei Laien auch immer wieder Unverständnis, gewürzt mit Sätzen wie: "die spinnen die Börsianer".

Dabei ist die Wahrheit eher, dass dabei nicht verstanden wird, was die Märkte wirklich antreibt. Es sind die Erwartungen an zukünftige Entwicklungen, die in der Gegenwart zu Kursbewegungen führen. Deswegen sind auch die 10 Milliarden USD als Wert nicht so wichtig, die die FED gestern objektiv den Stimulus zurück gefahren hat. Wichtig ist viel mehr die daraus abzuleitende Erwartung, dass der Stimulus nun Zug um Zug auf Null gefahren wird. Und daraus ergeben sich massive Konsequenzen.

Auch könnte man sich als Laie ja fragen, was hat denn der DAX mit der türkischen Lira oder anderen Währungen der Emerging Markets zu tun ? Die Antwort ist, in der Erwartung der Zukunft jede Menge.

Denn was wir derzeit erleben, ist eine Währungskrise der Emerging Markets, die gegenüber Dollar und Euro massiv abgeben. Das verteuert dort die Importe und bringt sogar den Gedanken an den "Gottseibeiuns" der Märkte - Kapitalverkehrskontrollen - auf den Plan.

Was bedeutet es aber, wenn in Brasilien, Türkei, Südafrika und Co. die Einfuhren viel teurer werden ? Eben - weniger Einfuhren. Und wer liefert hochwertige Güter in diese Länder ? Genau, der Exportweltmeister Deutschland.

Die Schwäche des DAX, wenn die Währungen der Emerging Markets einknicken, ist also völlig logisch und das ist nur ein Aspekt in der komplexen Gleichung. An den Märkten werden eben Zukunftserwartungen gehandelt und nicht die Gegenwart !

Sicher übertreibt der Markt manchmal und kann auch Situationen am Ende falsch einschätzen. Aber wenn wir mal wieder nicht verstehen, warum der Markt macht was er macht, schliessen nur Laien daraus, dass der Markt "spinnt". Der erfolgreiche Anleger dagegen geht davon aus, das ihm selber ein wichtiges Puzzleteil an Information fehlt und versucht diese Lücke so schnell wie möglich zu schliessen. Denn das ist die Regel, dass der Markt wirklich "spinnt", die seltene Ausnahme.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag !

Ihr Hari

PS: Übrigens ist heute bei Mr-Market der vorletzte Tag des alten Preismodells.
Aber 01.02.14 gilt auf Mr-Market.de eine -> veränderte Preisstruktur für Neumitglieder <- !

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10 Erwartungen an DAX & Co. , die zu offensichtlich sein könnten, um 2014 einzutreffen

Erfahrene Marktbeobachter wissen, dass am Markt das, was offensichtlich scheint und alle erwarten, kaum mehr eintreffen kann. Zumindest nicht exakt so, wie erwartet. Dieser Zusammenhang ist auch kein Zufall, denn der Markt sind ja wir, die Menschen und die Algorithmen, die von uns Menschen programmiert wurden.

Und wenn wir alle in eine Richtung positioniert sind, ist keiner mehr da, der noch in diese Richtung kaufen könnte. Wir haben ja alle schon gekauft. Und wenn keiner mehr kauft, kann ein Markt nicht mehr steigen, egal wie gut die Nachrichten ausschauen.

Deswegen hat der Markt diese geheimnisvolle Fähigkeit, genau das zu tun, was wir alle nicht erwarten und uns immer wieder zu überraschen. Manchmal hat man dieses merkwürdige Gefühl, als würde uns Mr. Market über die Schulter schauen. Und nur darauf warten, dass wir am Markt kaufen und verkaufen, um dann in genau dieser Sekunde in die Gegenrichtung zu laufen.

Und irgendwie ist das auch tatsächlich so. Ganz besonders dann, wenn wir zu lange warten, um auf eine Richtung aufzuspringen. Wir glauben zwar, es sei „sicherer“, erst einmal lange abzuwarten und erst dann zu kaufen, wenn alles rundum gut aussieht. Im normalen Leben ist das auch eine sinnvolle Strategie. An der Börse ist es aber die Strategie, die einen im Jahr 2000 die Deutsche Telekom kaufen liess. Oder im Jahr 2007 noch Bankaktien. Es ist die Strategie, die das Depot vernichtet. Denn „falscher Zeitpunkt“, ist am Markt nur eine euphemistische Umschreibung für „Verlust“.

Besonders beliebt beim fiesen Mr. Market ist es, die Anleger nicht nur monetär zu zerstören, sondern dann auch noch zu demoralisieren. Und das geht so, dass die Kurse erst einmal lange gegen die vom Anleger erwartete Richtung laufen. Der Anleger aber wartet ab. Und leidet. Und wartet. Und irgendwann verliert er bei dicken Buchverlusten die Geduld. Und verkauft.

Und genau an diesem Tag dreht der Markt und die Entwicklung, auf die der Anleger spekuliert hatte, tritt tatsächlich ein. Und die Kurse schiessen durch den Einstandskurs nach oben und er Anleger hat riesige Gewinne verpasst, obwohl er genau die richtigen Gedanken zum Markt hatte. Und sitzt demoralisiert und frustriert an der Seitenlinie.

Eine derart fiese Entwicklung ist aber kein Zufall. Denn der Markt sind wir und wir sind Teil der Herde. Und wenn wir frustriert verkaufen, verkaufen auch andere frustriert, die genauso empfinden. Und wenn die letzten verkauft haben, ist keiner mehr da zum Verkaufen. Und der Markt muss und wird steigen, egal wie die Nachrichtenlage ist. Das ist die zwangsläufige Folge davon, wie der Markt funktioniert. Wenn wir den Markt schlagen wollen, treten wie damit gegen unsere eigenen Ansichten an, die in der Regel Teil der Herde sind.

Um nicht in diese emotionalen Fallen zu gehen, ist es deshalb wichtig, bei Verlusten nicht abzuwarten, sondern diese schnell und konsequent zu begrenzen. Einsteigen kann man immer wieder, schon am nächsten Tag, wenn es sein muss.

Und es ist wichtig, sich klar zu machen, was die Herde erwartet. Denn das was alle erwarten, wird in dem Moment nicht mehr funktionieren, wo auch der letzte auf diese Geschichte aufgesprungen ist. Umgedreht wird eine solche Herdenbewegung – auch Trend genannt - aber weiterlaufen, solange es noch genügend gibt, die aufspringen können. “Zu früh“ auf die Gegenseite zu wechseln und pauschal immer gegen die Herde zu wetten, ist also auch nur eine andere Formulierung für „Verlust“.

Es gibt einige Marktteilnehmer, die haben seit 2009 unermüdlich den grossen Crash ausgerufen und hatten dafür auch immer allerlei wohlklingende Begründungen. Denn während im restlichen Leben „Sex Sells“ eine Weisheit ist, gilt für die Gattung der medialen „Börsen-Pornographie“ die Regel: „Crash Sells“. 😉

Ihren Depots dürfte es aber gar nicht gut getan haben, seit 2009 auf den Crash zu warten. Und wenn der „grosse Crash“ dann irgendwann doch kommt – und das ist ja in Anbetracht des einmaligen Experiments an unserem Geldsystem keine geringe Wahrscheinlichkeit - werden die Wartenden so demoralisiert und Ihr Depot so geschmolzen sein, dass Sie gar nicht mehr dabei sind, wenn die Weissagung endlich eintrifft.

Deswegen ist es wichtig, solche Wetten gegen die Herde nicht blind im Voraus einzugehen - sozusagen ins fallende Messer zu greifen - sondern erst dann einzusteigen, wenn diese tatsächlich beginnen Realität werden. Wenn die Trendwende sich also konkret andeutet. Dann aber sollte man nicht mehr lange zögern, sondern die Chance beherzt ergreifen und sich sofort konsequent nach unten abzusichern.

Ich will daher heute in einem Gedankenexperiment 10 vermeintlich offensichtliche „Weisheiten“ für 2014 aufschreiben, die heute nach meiner Einschätzung von einer deutlichen Mehrheit erwartet werden. Und deshalb gar nicht so offensichtlich sind, wie sie scheinen.

Jetzt wird nicht bei jeder dieser vermeintlichen Weisheiten in 2014 das Gegenteil passieren. Viele werden sogar eintreffen, aber eben nicht notwendigerweise dann, wenn es die Mehrheit erwartet.

Ich finde es aber wert, sich als Gedankenexperiment mal das Gegenteil vorzustellen. Nicht um schon jetzt blind darauf zu wetten. Aber um die Trendwende als einer der Ersten zu erkennen, falls und sobald sie tatsächlich Realität werden sollte! Sozusagen, um den Geist für die Menge der Möglichkeiten zu schärfen!

Hier sind sie also, die 10 aktuellen Weisheiten der Herde, die zu offensichtlich sein könnten, um in 2014 exakt so eintreten zu können:

(1) Der Aktien-Markt ist zu weit gelaufen und wird gleich Anfang 2014 massiv korrigieren

(2) Der Goldbulle ist tot

(3) Dividendenaktien bringen höhere Erträge als Wachstumsaktien ohne Dividende

(4) Die Zinsen werden noch lange unten bleiben

(5) Der Euro hat in der aktuellen Konstruktion keine Zukunft

(6) Die Inflation kommt nicht

(7) Die Emerging Markets sind out

(8) Die FED beginnt Anfang 2014 mit dem Tapering

(9) Tesla Motors ist krass überbewertet 😉

Und zum Schluss:

(10) Deutschland geht es gut 😉

Ihnen werden bestimmt noch andere Themen einfallen. Die Frage ist dabei immer, was ist die Erwartung der Herde? Und ist die Herde schon so angeschwollen, dass es kaum mehr die Gegenmeinung gibt? Solange die Herde noch nicht genügend angeschwollen ist, wird der Trend auch weiter laufen.

Genau das sind dann die spannenden Themen, in denen Chancen liegen, wenn man seine Augen und Ohren spitzt und genau hinschaut. Aber „Ohren spitzen“ heisst noch nicht handeln! Gehandelt wird im Depot erst, wenn sich die neue Richtung wirklich anbahnt.

Denn eine universell gültige Regel ist: „Stelle Dich nie gegen den Markt!“. Man darf aber sehr wohl bei den Ersten sein, die einen Richtungswechsel des Marktes bemerken! 😉

Eines ist schon jetzt klar, das Börsenjahr 2014 wird wieder spannend !

Ihr Hari

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S&P500: Warum die Seitenlinie manchmal auch ein guter Ort sein kann …..

.... erkennt man hier wunderbar am Chart des Leitindex S&P500 mit Tageskerzen, welches das ganze letzte Jahr darstellt:

S&P500 13.11.13

Sie sehen die rhythmische, massiv bullische Aufwärtsbewegung. Man könnte fast meinen, man sieht die Momente, in denen dem Bullen wieder neue Steroide gespritzt wurden. 😉

Sie sehen aber auch den signifikanten Absturz vom Donnerstag letzter Woche und das sofortige Reversal am Freitag. Ein Reversal, das aber bisher keine neuen Höchststände generieren konnte.

Zusätzlich lastet heute die Enttäuschung über die wirtschaftspolitischen Nachrichten aus China auf dem Markt und treibt vor allem den Rohstoff-Sektor nach unten. Auch die Emerging Markets sehen nicht mehr all zu gut aus und liegen auf bedeutenden Unterstützungen, die besser halten sollten.

In Summe ist daher im Moment die Lage im S&P500 für Anleger recht überschaubar. Einiges spricht dafür, dass der Index sich nun in ein zyklisches Tief im Bereich um 1700 bewegt. Über einen Trendbruch muss man im Moment noch nicht reden, der muss erst real werden. Und bisher haben die Bullen klar die Hoheit auf dem Spielfeld und haben deshalb auch unseren Respekt verdient - zumindest bis zum Jahresende.

Umgedreht, wäre eine schnelle Bewegung über die nahen Hochs vom 30.10. und 07.11 bei knapp unter 1778 das klare Indiz, das es schnell bis 1800 und darüber hinaus gehen könnte und die Weihnachtsrally damit schon eingesetzt hat.

Solange diese Hochs aber vom Markt nicht genommen wurden, ist temporäre Vorsicht keine schlechte Idee. In den richtigen Momenten ist eben auch die Seitenlinie eine sinnvolle Aufstellung. Selbst in massiven Bullenmärkten wie aktuell, man darf halt nur nicht vergessen, den Dip, ebenso wie den Ausbruch zu Höchstständen, dann auch wieder zu kaufen ....

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Die Eurokrise ist zurück – DAX und MIB auf wackeligen Beinen

Ich predige ja immer, dass wir dem Markt folgen sollten, statt nur die Bestätigung unseres eigenen Bias zu suchen oder noch schlimmer, uns im Gefühl "Recht zu haben" sonnen zu wollen. Letzteres wird von Mr. Market in der Regel gnadenlos abgestraft, in der Eurokrise sowieso.

Dann machen wir das doch heute mal, an dieser Wegscheide. Und zwar heute Mittag gegen 12 Uhr - vor der Eröffnung der Wallstreet.

Schauen Sie mit mir auf 3 Indizes im Stundenchart seit dem Jahresanfang 2013. Und bitte versuchen Sie mal Ihre Erwartungen beiseite zu legen, sondern nur zu schauen, was diese Charts uns wirklich sagen.

Fangen wir mit dem Leitindex S&P500 an:

S&P500 Stundenchart 06.02.13

Sie sehen einen wunderschönen Trend und einen Trendkanal. Der Markt hat es gestern sogar geschafft, die potentielle SKS Formation noch zu terminieren, weil er kurzzeitig zu neuen Höchstständen lief. Und der Runaway-Move ist immer noch intakt, die 1495 haben erneut gehalten.

Zwar zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen beim Momentum und die Möglichkeit einer Topbildung ist real da, der Aufwärtstrend ist aber unbeschädigt und sollte respektiert werden. S&P500 1525 sind sehr wahrscheinlich und historische Höchststände schon bald gut möglich.

Alles in Butter also und Feuer frei für die Bullen ? Schauen wir auf einen anderen Chart, der alles andere als so gut wie der S&P500 aussieht:

DAX Stundenchart 06.02.13

Würden Sie das als bullisches Chart bezeichnen ? Würden Sie diesen Chart eher shorten, weil sich da eine Bärenflagge abzeichnet ? Wo sehen Sie hier einen Aufwärtstrend ? Ich sehe nämlich keinen !

Sie werden vielleicht überrascht sein, das ist der Chart des DAX sei Jahresanfang ! Gibt es dazu mehr zu sagen ? Nur ein Blinder kann in Anbetracht dieses Bildes uneingeschränkt und ungesichert Long agieren. Dieses Chart gemahnt zur Vorsicht, das ist, was uns der Markt sagt. Sicher kann alles anders kommen und theoretisch morgen eine Rally bis 8000 einsetzen. Wahrscheinlich ist das für die kommenden Tage aber nicht mehr und der Markt spricht eine andere Sprache. Und mehr als das, was uns der Markt in der Gegenwart sagt, haben wir nie.

Zuletzt ein drittes Chart, dass wohl die Ursache des gemischten Bildes im DAX darstellt. Der MIB40 aus Italien. Man könnte es auch "Berlusconis Rückkehr" nennen, denn der Absturz fällt mit Umfragen zusammen, die Berlusconis Partei wieder im Kommen sehen.

MIB Stundenchart 06.02.13

Eindrucksvoll oder ? Ganz klarer und eindeutiger Trendbruch Ende Januar ! Das schreit geradezu nach einer fünften dynamischen Abwärtsbewegung und andere Charts der Eurozone sehen nicht viel besser aus.

Fazit:

Das Chartbild der Märkte hat sich seit Ende Januar dramatisch eingetrübt, weil die Eurokrise wieder in den Köpfen der Investoren ist. Das ist die klare Sprache des Marktes. Wer klug ist beginnt umzudenken, Korrekturen gehören nun einmal zu jedem Bullenmarkt und wir hatten lange keine richtige Korrektur mehr. Politische Märkte haben bekanntlich kurze Beine, insofern gibt es keinen Grund für Panik und das Bild kann sich auch schnell wieder drehen, aber im Moment ist es wie es ist.

Die US Indizes und übrigens auch die Emerging Markets von Brasilien bis China, zeigen nach wie vor bullische Strukturen. Die europäischen Aktienmärkte haben dagegen ihre Erholungsphase Ende Januar beendet. Und es gibt rein aus dem was die Charts uns sagen, keinen Grund anzunehmen, dass diese schwierige Phase in Kürze wieder vorbei ist.

Es ist vielmehr realistisch anzunehmen, dass diese Phase unter anderem mit den Sorgen um Italien im Zuge der bevorstehenden Wahl zu tun hat. Und erst wenn diese Wahl im Rückspiegel liegt - oder schon vorher Umfragen klare Mehrheiten für eine neue Reformregierung indizieren - haben die europäischen Märkte wohl die Chance den Aufwärtstrend wieder aufzunehmen.

Wer bis dahin auf der Long-Seite Geld verdienen will, ist in den USA, Japan, Brasilien oder China möglicherweise besser aufgehoben.

Über diese Phase Februar / März hinaus spricht in meinen Augen viel dafür, dass die "Grosse Rotation" im Gange ist und wir ein sehr positives Aktienjahr 2013 erleben werden - auch im DAX und in Europa. Aber vorher könnte es sein, dass wir noch einmal etwas saueren Wein trinken müssen. So ist das halt bei Mr. Market !

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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