Basket vs Themen-ETF

In unserem diesjährigen Community-Projekt, haben wir ja -> Themenbaskets <- ins Zentrum gestellt.

Immens populär werden auch die Innovation&Technology Themen-ETFs von ARK, -> hier im Forum <- sind die zum Beispiel Thema.

Und so wäre es wohl für viele Anleger attraktiv, sich zu faszinierenden und zukunftsträchtigen Themen entsprechende ETFs oder Baskets ins Investment-Depot zu legen. Wer will zum Beispiel nicht bei der absehbaren -> Gene Revolution <- langfristig dabei sein?

Leider sind US ETFs für mitteleuropäische Anleger aber "dank" Mifid unerreichbar, außer sie gehen den Weg eines gewerblichen Depots oder lassen sich als "Professional" einstufen, was auch gut überlegt sein will und Voraussetzungen hat.

Aber da gibt es auch für "arme Mifid-Anleger" ja Angebote, ich benutze mal bewusst die Angebote des Marktführens Blackrock (BLK) in Form der iShares ETFs.

Schauen sie mal, da gibt es auf den ersten Blick attraktive Themen, beispielsweise:

-> iShares Global Clean Energy IQQH <-,
in dem die Clean Energy Aktien versammelt sind wie Plug Power (PLUG) oder First Solar (FSLR).

-> iShares Automation & Robotics 2B76 <-
in dem sich jede Menge Technologiewerte wie Teradyne (TER) finden, die an der Automatisierung beteiligt sind.

-> iShares Digitalisation DGTL <-
in dem sich Covid Gewinner von der Art von Docusign (DOCU) finden.

-> iShares Healthcare Innovation HEAL <-
in dem zum Beispiel Healthcare-IT Unternehmen wie Intuitiv Surgical (ISRG) zu finden sind.

-> iShares Aging Population AGED <-
in dem man von der alternden Bevölkerung profitieren will, zum Beispiel mit der hier bekannten Orpea (ORP) als Pflegeheimbetreiber.

Und so weiter und so fort, es gibt noch einige weitere Angebote und das hört sich doch nicht so schlecht an!? Oder?

Sie ahnen schon, dass nun das dicke Ende kommt. 😛

Nein, "schlecht" sind die ETFs nicht, das wäre unfair. Aber sie liefern zu oft nicht das Thema im Schaufenster, sondern ganz viel graue Masse, die sich überschneidet und am Ende auch nichts anderes produziert, als einfach den NASDAQ zu kaufen. Und dafür sind dann die Gebühren von vielleicht im Mittel 0,5% pa zu viel.

Während der ICLN noch halbwegs pointiert ist und das Thema mit ca. 30 Positionen ganz gut abdeckt, können wir das andere Ende der Sinnhaftigkeit am AGED betrachten.

Der ETF will ja von der "alternden Bevölkerung" profitieren und hat dazu sage und schreibe 300 - in Worten *dreihundert* - Positionen, die fast alles enthalten was man sich vorstellen kann, weil alles auch etwas mit Altern zu tun hat.

Das sind jede Menge Biotechs dabei, weil die forschen halt an Krankheiten und krank sind vor allem alte Menschen. Da sind jede Menge Versicherungen dabei, weil Lebensversicherungen sind auch für alte Menschen, wie auch Krankenversicherungen. Da sind sogar Broker wie Schwab (SCHW) dabei, weil alte Menschen haben mehr Zeit zum Börsenhandel und Geldanlegen, meint zumindest der ETF-Manager. 😛

Da sind weiter Kreuzfahrtanbieter dabei wie Norwegian Cruise Line (NCHL), aber auch Yamaha Motor, wohl nach dem Motto der "großen Freiheit im Alter". Und natürlich sind auch Medizin-Technik-Aktien wie Edwards Lifesciences (EW) dabei.

Und nun frage ich: Was soll eine solche Zusammenstellung, außer ein schönes Marketing-Vehikel zu sein? Die Performance ist natürlich zB zum HEAL (Healthcare Innovation) weitgehend identisch und auch zum SPX nicht so unterschiedlich - wie denn auch, wenn von jedem Dorf ein Hund dabei ist?

Der AGED ist ein extremer Fall der Sinnlosigkeit, aber vom Prinzip her haben viele der Themen-ETFs das Problem. Man bekommt jede Menge Aktien mit dazu, die man bei einem fokussierten Basket gar nicht sehen will, zum Beispiel weil man sie sowieso anderweitig hat. Oder legen sie zum Beispiel Wert darauf, dass in einem fokussierten Automation & Robotics ETF dann AMD die 6. und Apple die 10. Position nach der Größe ist? Eher nein, die sind aber genau so drin!

So hat man dann auf dem Papier ein spannendes Thema gekauft, zahlt dafür erhöhe Gebühren für das "Management" dieses Wust an Aktien, hat aber keinen Mehrwert daraus und könnte gleich den NDX oder SPX als ETF kaufen. Schönes Marketing ist das, mehr nicht.

Ideal wären echte Themen-ETFs mit nur 20-30 genau selektierten Werten, die punktgenau ihren Schwerpunkt im Thema haben und nicht nur wie Schwab "auch" Alte als Kunden haben - ach was! 😛

So ideal und fokussiert ist das noch im ICLN abgebildet und bei wenigen anderen Themen-ETFs. Die sind aber selten.

Wir halten also fest: Über ETFs kann man spannende Themen ohne Mühen kaufen und halten, man bekommt aber manchmal nicht das, was man wirklich haben will.

Womit wir zur anderen Alternative kommen, die mit mehr Mühen verbunden ist, dafür aber punktgenau zusammengestellt werden kann und daher auch echte Überperformance generieren kann. Dem Basket.

Früher hat das Kostenargument gegen Baskets gesprochen, sich zB ein "Gene Revolution Basket" mit 10 Werten zusammenzustellen, kostet Geld und wenn man das mit kleinerem Depot machen will, machte das schon gar keinen Sinn.

Diese Problematik ist im Zeitalter von Zero-Fee-Brokern und Interactive Brokers aber Geschichte. Wer den kleineren Betrag von nur 3.000$ in ein Gene-Revolution-Basket mit 10 Werten investieren will, kann das bei IB problemlos mit 0,35$ Gebühren pro Position tun, ohne durch die Gebühren einen echten Nachteil zu haben. Auch kleinste Baskets funktionieren heutzutage also kostentechnisch gesehen.

Schwieriger ist das Handling und Risikomanagement der Baskets, das erfordert nämlich Kompetenz und eine klare Strategie.

Denn man muss unbedingt immer das Basket als *Ganzes* sehen und den Austausch von Werten vom Risikomanagement des Baskets trennen.

Den Austausch von Werten sollten man wie ein ETF oder Fonds auch nur an festen Terminen - zB einmal im Jahr - nach fundamentalen Parametern vollziehen, so dass man zum Beispiel immer die "10 wichtigsten" Unternehmen des Themas im Basket hat.

Das Risikomanagement macht aber auf Einzelaktien-Basis keinen Sinn, das wäre viel zu träge und aufwendig. Das kann man nur mit Hedging-Mechanismen machen, die zB den NASDAQ als Gegenposition nutzen, was nun aber in 2021 durch die steuerlichen Änderungen und die damit verbundenen Einschränkungen bei Futures und Optionen schwieriger geworden ist.

Wer Hedging nicht beherrscht für den ist die beste Lösung dann eher, die Baskets bewusst so klein zu lassen, dass man ganz auf ein aktives Risikomanagement verzichten kann und diese bis zur nächsten Rebalancierung laufen lässt. Das ist durchaus zu verantworten, aber nur wenn die Auswahl kompetent ist und die Größe sehr begrenzt bleibt - letztlich stellt die Positionsgröße dann das Risikomanagement dar.

Sie sehen, mit dem Basket sind eine Menge Anforderungen an Kompetenz und Erfahrung verbunden. Man muss überhaupt die "idealen" 5-20 Unternehmen für ein Thema auswählen können und man muss das Risikomanagement solcher Baskets mit Hedging-Techniken im Blick haben.

Wenn diese Voraussetzungen aber gegeben sind, sind gut definierte Baskets diesen "Mischmasch-ETFs" deutlich überlegen, so kann man sich spannende Themen direkt ins Investitionsdepot legen.

Wir haben ja dieses Jahr dazu mit den Mitglieder-Baskets viel Anschauungsmaterial und ich bin sicher sie werden erleben, wie spannend und profitabel das sein kann, ganz besonders wenn das Thema des Baskets ihnen dann beruflich auch etwas sagt, sie also echte Kompetenz zum Thema haben.

Fazit:

Es ist hoch attraktiv langfristig in Zukunftsthemen zu investieren.

Mit vielen hier in Europa verfügbaren ETFs hat man zu viel "Mischmasch", zu viel "von jedem Dorf ein Hund". Das sieht dann vom Namen her schön aus, schafft aber keinen echten Mehrwert gegen NDX und Co.
Dafür hat man aber kaum Aufwand und kann sich zurücklehnen.

Mit selbst zusammengestellten Baskets kann man Zukunftsthemen perfekt abbilden und es macht auch noch Spaß, wenn einem die Themen etwas sagen. Es ist damit punktgenaue, herausragende Investment-Performance möglich, die hat aber ihren Preis.
Und der Preis ist Zeit und Kompetenz beim "Handling", denn so ein Basket will betreut werden.

Wählen sie ihren Weg falls sie weg vom grauen Einheits-Index wollen, wie wenig der manchmal aussagt, erleben wir ja gerade im selektiven Stockpicker-Markt.

Mein eigener Weg ist naheliegend und bekannt: der 5-10er Korb (Basket). Ich mag diese Methodik sehr und habe durchweg gute Erfahrungen damit. Aber ich bin nicht sie, sie brauchen ihren Weg!

Ihr Hari

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Hari Live Stream 14.01.21

Und täglich grüsst die Liquidität ZH2

Wir sehen vorbörslich einen unveränderten und seitwärts konsolidierenden Markt, so wie das schon die ganze Woche der Fall war.

Wenn man genau hinschaut, kann man sogar einen ganz milden "Suppenteller" im Future erkennen, ich habe das eingezeichnet - bärisch ist das nicht.

Für heute Abend wird Biden mit der -> Vorstellung von Details seines Stimulus-Plans <- erwartet, der bis zu 2 Billionen $ erreichen soll und bei Aktien natürlich auf Wohlgefallen trifft, bei Anleihen aber eher zu steigenden Renditen und fallenden Kursen führt.

Vielleicht gibt es danach ja einen kleinen "Sell the News" Effekt, davor sollte die freudige Erwartung heute aber weiter für einen starken Markt sorgen. Insofern grüsst mal wieder täglich die Liquidität, denn die ist maßgeblich an diesem trotz Covid bullischen Markt beteiligt.

Space - The final Frontier ZH3

Manchmal muss man schnell sein. Gestern nachbörslich kam die Information, dass die populären ARK Investment ETFs von Cathie Wood nun wahrscheinlich auch einen ARKX auflegen, der sich um die Raumfahrt und die Eroberung des Weltraums kümmert.

In kürzester Zeit sprangen nachbörslich die wenigen echten Raumfahrtaktien wie Virgin Galactic (SPCE) oder Maxar (MAXR) markant nach oben und das um bis zu 20%. Auch heute sind vorbörslich noch rund 16% bei beiden Aktien übrig!

Ich habe es sofort gesehen und kurz nach der Geisterstunde -> hier Post 348 <- und -> hier Post 43 <- entsprechende Kommentare abgesetzt.

Denn klar war auch, dass das für OHB spannend werden würde, die einen geringen Freefloat haben, markteng sind und eigentlich in ein solches Portfolio gehören.

Das Ergebnis ist: Heute ist OHB nur deswegen rund 10% im Plus:

Dabei ist ja nicht einmal klar, ob OHB überhaupt im ETF sein wird und natürlich ist es auch nicht der noch nicht existente ETF der für die Bewegung sorgt, sondern die reine Spekulation, dass es passieren wird. Genau das zeigt aber das Problem auf, denn die gleiche "Manipulation" kann eben auch ein positiver, medialer Kommentar von Cathie Wood auslösen, der dann eine Aktie hochpusht, die gleichzeitig schon im ETF liegt.

Das zieht berechtigte Kritik auf sich, ich schreibe dazu im Nachgang ein paar Worte. Hier geht es aber zunächst darum davon zu profitieren und da ist festzuhalten dass die ARK ETFs so populär geworden sind und Cathie Woods derartig medialen "Guru-Status" erlangt hat, dass die Gelder der Wallstreet in den teilweise marktengen Titeln zu erheblichen Auswirkungen führen werden.

Gerade OHB ist dafür prädestiniert, weil an der Wallstreet grundsätzlich höhere Multiples gezahlt werden als in Deutschland und OHB dümpelt immer noch eher unbekannt vor sich hin. Würde OHB an der NASADQ notieren, wäre das P/E Multiple sicher eher 30 statt aktuell 15 und der Kurs wäre doppelt so hoch. Etwas was nun auch durch solche ETFs ausgelöst werden könnte.

Die Popularität der ARK ETFs ist auch so hoch, dass auch wenn diese Schübe rein auf Verdacht ein Übertreibungselement haben, die Existenz dieses ETFs die Bewertung des ganzen Sektors sicher verbessern wird.

Unsere Aufgabe ist es daher zunächst davon zu profitieren, was uns leicht fällt, weil der ARKX doch gar nicht der erste ETF zum Thema ist.

Da gibt es schon den -> Procure Space ETF UFO <-, der aber nie so hohe Popularität erlangt hat, was nicht mit dem Inhalt, sondern mit dem guten Marketing von ARK zu tun hat.

Wer wissen will, was potentiell im ARKX sein wird und daher hochgekauft werden wird, kann und sollte sich also mal in den -> Holdings des UFO <- tummeln.

Viele wirklich reine Raumfahrtaktien gibt es nicht und die Wichtigste ist mit SpaceX leider nicht an der Börse. So werden diese ETFs mit allerlei "vom Rand" aufgefüllt, mit Unternehmen die "auch" irgendwas mit Raumfahrt machen - mit der Betonung auf "auch".

Perversion des ETF Gedankens

Ich habe über das Thema schon mehrfach ausführlich geschrieben, ganz explizit sogar hier 2017: -> Wie ETFs den Markt verzerren <-.

Richtig durchgedrungen bin ich nach meinem Eindruck nie, man will das auch nicht lesen, zu populär ist der ETF-Gedanke und zu leicht und verlockend ist es, mit ETFs ohne großen Aufwand ganze Segmente abzudecken.

Es ist auch schwierig zu beweisen, weil Kurse werden ja immer von vielen Faktoren beeinflusst und man kann immer nur vermuten, welchen Einfluß ETFs darauf haben.

Umso schöner ist der obige Fall rund um den neuen ARKX, weil er wie im Brennglas das Problem beweist und aufzeigt. Dass eine Aktie wie SPCE mal eben um 20% steigt, nur weil man vermutet dass ein populärer ETF in diese investieren wird, zeigt die *Perversion des ETF Gedankens* auf.

Denn ETFs sind eigentlich dazu gemacht den Markt neutral nachzubilden, die Kurse der Aktien im ETF also zu dokumentieren, aber nicht überhaupt selber zu erzeugen. Diese Neutralität ist zentraler Teil des ETF-Konzeptes, diese sollten nie zu "aktiven" Investoren werden, die die Kurse erst machen.

Am konkreten Fall können wir diese Perversion nun wunderbar beobachten, eine Kritik die den ARK ETFs von Cathie Wood auch schon an anderer Stelle berechtigt entgegengeschlagen ist, weil viele der jungen Technologiewerte halt eher markteng sind.

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der *Star*-Status von Cathie Wood wohl verdient ist. Sie macht einen guten Job, hat den Fokus auf den richtigen Themen und kommunziert dazu aktiv mit ihren Anlegern in einer Art und Weise, wie man sich das von anderen Fonds- bzw ETF-Managern immer gewünscht hat. Sie macht also einen guten Job und hat sich redlich verdient einen guten Ruf erarbeitet.

Aber .... auch das muss gesagt werden, was sie tut ist nun wahrlich nichts Neues. Sie ist nicht die Einzige die den Wert von Innovation und Wachstum für erfolgreiche Depots entdeckt hat und gezielt solche Aktien verfolgt, wir hier machen das zum Beispiel seit es Mr-Market gibt, weil es eben schon immer zentraler Teil meines Ansatzes war.

Dass sie nun so einen *Star-Status* erlangt hat, hat viel mit Marketing zu tun und das wiederum mit der außergewöhnlichen Performance der ARK ETFS und die wiederum ..... und da liegt das Problem ..... ist wie hier bei den Space-Aktien zum Teil als selbsterfüllende Prophezeihung selbst erzeugt.

Die ARK Fonds haben also nicht so ein viel besseres Händchen als alle anderen, sie machen die Kurse reflexiv auch selber, weil Ruf und Liquidität marktenge Technologie-Werte pushen!

Das kann man durchaus auch ein "Ponzi-Scheme" nennen, die Bezeichnung ist in meinen Augen hier übertrieben und zu hart, ist aber auch nicht ohne wahren Kern, den wir gerade erleben.

Ganz seriös gesehen, dürften die ETFs von ARK eigentlich in marktenge Titel gar nicht investieren, was aber wiederum den Ansatz zerstören würde, Innovation frühzeitig zu erkennen.

Wir können das nicht ändern, unser Job ist davon zu profitieren. Wir sollten aber verstehen woher diese "Wunderperformance" der ARK ETFs auch kommt und was da passiert, damit uns auch die Risiken klar sind.

Denn dieses Momentum das die Aktien so steigen lässt, funktioniert in Krisen auch in die Gegenrichtung. Dann wird es völlig egal sein, dass vielleicht eine SPCE gar nicht von der Krise betroffen ist, sie wird trotzdem in den Kurs-Boden gerammt werden - man gebe sich da keiner Illusion hin!

Im Artikel oben von 2017 hatte ich dazu wie folgt geschrieben und diese Sätze haben heute umso mehr Gültigkeit:

Wäre die ETF-Industrie ehrlich, müsste sie also die Grösse von ETFs hart begrenzen und auch das Gesamtvolumen begrenzen das in ETFs aufgenommen wird, weil man ansonsten reflexiv das Prinzip der passiven Abbildung kaputt macht. Dem steht natürlich das wirtschaftliche Interesse entgegen, deshalb wird es nicht passieren.

Wenn man sich dann vor Augen führt, dass nach aktuellen Zahlen von Moodys -> passives Investieren mittlerweile 29% des US Marktes ausmacht <-, dann muss jedem mit Verstand klar sein, dass dieses Drittel des Marktes natürlich den Markt nicht nur passiv beobachtet, sondern ihn zu einem guten Teil macht!

Sagen wir es mal klar und deutlich: Der ETF Ansatz als passiver Beobachter geht gerade am eigenen Erfolg zugrunde und wird ad absurdum geführt - mit unbekannten Folgen für Märkte und Anleger.

Beobachtung kann eben nur gelingen, wenn sie das Beobachtungsobjekt nicht beeinflusst. Mittlerweile beeinflussen und bestimmten ETFs aber zunehmend den Markt. Am Beispiel ZBRA, RAVN und ROBO habe ich beispielhaft gezeigt, wie das real ablaufen kann. Bei 29% passiver Vehikel im Markt ist klar, dass das Problem sehr grundsätzlich ist.

Die Dominanz des passiven Investierens in ETFs führt also dazu, dass der Markt seine Fähigkeit die *einzelnen* Geschäftsmodelle individuell zu bewerten wieder einbüsst. Wenn man so will, wird der Markt wieder ineffizienter.

Für uns als Anleger ist das auch Chance, denn man muss in der neuen Welt nur noch die grossen "heissen" Trends identifizieren, die mit ETFs abgefackelt werden und da aufsatteln. Es vergrössert aber auch massiv die Risiken, denn wenn in einer Krise alle ihre ETFs verkaufen wollen, wird das ein Blutbad, wie wir es noch nie gesehen haben und vor dem man sich nirgendwo verstecken kann.

Wie schnell das gehen kann, davon haben wir am 24.08.15 eine erste Vorahnung bekommen, ich bin ganz sicher, es war erst ein Anfang. ETFs unbedarften Anlegern als Mittel des "sicheren" Investierens anzudienen, ist also in Wirklichkeit das Handeln mit Gefahrengütern und früher oder später wird es den Anlegern auf die eine oder andere Art und Weise vor die Füsse fallen.

Die Flut der schönen neuen ETF-Welt hebt also *alle* Boote, so sie in ETFs vertreten sind. Und senkt alle Boote in der Krise. Vergessen wir die Macht dieses neuen Mechanismus nie, eine Macht die in den kommenden Jahren noch wachsen wird.

Weitere ARKX Kollateraleffekte ZH3

Weitere Kollateraleffekte des neuen ARKX sind heute neben den schon erwähnten MAXR und SPCE unter anderem auch zu bewundern bei:

Aerovironment (AVAV) - teilweise, es gibt auch eine interessante Übernahme die den Kurs beeinflusst:

Kratos Defense & Security (KTOS)

Loral Space & Communication (LORL)

Aktien des Tages ZH3

TSM Semiconductor (TSM)

TSM liefert die -> erwartet superben Zahlen <-, der weltgrößte Chipfertiger dokumentiert damit seine Dominanz, dokumentiert damit aber auch das "Klumpenrisiko" das sich die westliche Welt schafft, wenn sie alle Fertigungsaktivitäten bei diesen wenigen Produzenten wie TSM (Taiwan) oder Samsung (Korea) konzentrieren würde:

Maxar Technologies (MAXR)

Warum wissen wir 😀

Acacia Communications (ACIA)

Hier ist der blaue Kreis im Chart sehr wichtig, ohne würde man es kaum sehen. Grund ist die -> Übernahme durch Cisco (CSCO) <-

Was man auch im Chart sieht ist, dass die Nachricht schon vorher gesickert ist und erwartet wurde, ein Fall für die SEC?

Crispr Therapeutics (CRSP)

Sunpower (SPWR)

Was für eine rhythmische Bewegung seit September!

Kann man kaufen / Allianz / ZH3 ZH4 ZH5

Mal ganz was Langweiliges. Auch das gehört dazu und bildet die Basis von Investment-Depots.

Hier die Allianz als Beispiel für *kann* man kaufen, muss nicht, aber nichts spricht so richtig dagegen.

Kann man aus Sicht von ZH3 kaufen:

Kann man aus Sicht von ZH4 kaufen:

Kann man aus Sicht von ZH5 kaufen, sie müssen sich nur Covid als Anomalie wegdenken und sie bekommen eine wunderbar schaukelnde Aufwärtsbewegung:

Und kann man aus Sicht der Dividende sowieso kaufen.

Der Dollar an der Wegscheide EURUSD ZH3

Bei EURUSD steht heute eine Wegscheide an, bei der Bidens Bekanntgabe der Details des Stimulus wahrscheinlich richtungsweisend ist.

Im Sinne der Trendfolge ist eine Auflösung nach oben marginal zu präferieren, sehr groß ist diese Präferenz aber nicht, beides ist gut denkbar und die Reaktion auf den Stimulus könnte den Unterschied machen:

Wird der Me(ä)rz kommen? / UNFI / ZH4

Der SPX eiert vor sich hin, aber der Index sagt wenig aus und das Bild ist weiter extrem heterogen und ein "Stockpicker-Markt":

Die Indizes erzählen schon dehalb nur einen Teil der Geschichte, weil es jede Menge starke Rebounds und Setups bei kleineren Aktien gibt, nicht nur bei Space, sondern in vielen Sektoren mit Nachholpotential.

Hier ist mit United Natural Foods (UNFI) so ein Beispiel, wie es sie derzeit viele im Markt gibt:

Es ist leicht zu sagen, dass der Markt eine Pause braucht und zunehmend korrekturreif ist, ja das ist er. Es ist aber schwer so ein Momentum zu brechen, weswegen es auch durchaus noch ein paar Wochen hochgehen kann, bevor dann unvermeidlich eine schärfere Entladung einsetzt.

Eine Entladung, die wie der erste Schnee natürlich trotzdem bei vielen "völlig unverhofft" kommen wird, damit konnte man ja nicht rechnen. 😛 Ich hoffe sie gehören dann nicht dazu, meine Projektionen kennen sie seit Wochen.

Heute haben wir wie gesagt mit Bidens Ankündigung seines Stimulus-Pakets eine Wegscheide, die je nach Inhalt zu einem Sell-the-News Effekt führen könnte.

Weniger marktrelevant, aber für uns als Bürger Deutschlands bedeutend ist aber, was in der CDU am Samstag passiert, wenn die Partei einen neuen Vorsitzenden wählt.

Ich rechne mit Laschet, das "Establishment" hat sich deutlichst positioniert und im Hintergrund sind auch sicher diverse Absprachen getroffen worden. Ich vermute dass auch Röttgen ein Angebot hat, um die Stimmen des Aussenseiters in einer möglichen Stichwahl Laschet zukommen zu lassen.

Vielleicht hat es seitens Laschet sogar eine Absprache und Rollenverteilung mit Söder gegeben, der zuletzt erstaunlich freundlich gegenüber Laschet kommuniziert hat.

Das Partei-Establishment rund um Merkel will eindeutig den Aussenseiter Merz nicht und ich rechne daher auch eher nicht damit, dass der Merz kommt, der März schon, der dauert aber noch.

Dabei hilft, dass es innerparteilich derzeit nicht die großen Konflikte gibt, die ein Außenseiter an der Basis als personfizierte Alternative nutzen könnte. Die Pandemie sediert die Partei ein wenig, das nutzt eher Laschet denn einem Außenseiter.

Und ganz ehrlich, so wenig ich von Laschet halte, so wenig halte ich auch von der Führungsfähigkeit von Merz. Er hatte seine große Chance gegen eine schwache AKK und hat diese versiebt, ich vermute übermorgen ist das Kapitel Merz für die CDU abgeschlossen und wenn er es doch wird, bin ich wirklich und ehrlich überrascht - dann hätten wir eine völlig offene Lage mit großer Spannung.

Es wäre so überraschend, weil es einem Aufstand der Parteibasis gleichkäme, die Merz wohl favorisiert. Genau dafür ist die CDU aber nicht bekannt, die auch immer genügend Pöstchen hat, um wackelige Funktionäre ruhig zu stellen.

Aber wie auch immer, für uns als Bürger ist das wichtig, weil damit die Kanzlerfrage indirekt entschieden wird, für die Börsen ist das ein Nebenthema, weil deutsches Geld keine wirkliche Relevanz im Markt hat.

Ich schließe diese Schreibwoche damit, wir lesen uns wie immer am Sonntag mit dem Wochenausblick zur KW3, in der Biden dann Präsident wird.

Machen sie es gut!

Ihr Hari

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Hari Live Stream 18.11.20

Rückkehr zur Rotation ZH2

Die Rotation ist wieder im Gang, wenn auch milder als die letzten Tage, der Russell2000 liegt bei den Indizes vorne und der NASDAQ relativ hinten.

Der Grundtenor des Marktes ist aber weiter positiv und das ist die eigentlich wichtige Botschaft.

Das Grundmodell, das ich schon am Montag vor 10 Tagen hatte bleibt also erhalten: Dieser Montag markierte ein kurzfristiges Top, das letzte und potentiell diese Woche nicht überschritten wird. Die kommenden Thanksgiving Woche KW48 hat aber gute Chancen dann die aktuelle Seitwärts-Konsolidierung nach oben zu beenden.

Da der Markt gerne reflexiv etwas vorläuft und keiner der "Letzte" sein will, kann dieser Schub auch durchaus schon Ende dieser Woche kommen.

Kompression im DAX ZH3

Der DAX zeigt im Daily eine enge Kompression unter der Nackenlinie, die eher bullisch zu werten ist. Das Volumen sinkt in der Konsolidierung, Abgabedruck ist kaum vorhanden.

Sollte der DAX hier über die Nackenlinie schnellen, könnte das dynamisch ablaufen:

Investment Nikkei 225 ZH3 ZH5

Kurzfristig auf Tagesbasis, hat der Nikkei die antizipierte Rally vollzogen und braucht nun eine Zwischenkonsolidierung:

Ganz langfristig auf Ebene von Quartalskerzen sehen wir aber dieses bedeutende Bild, das ich ihnen schon vor Monaten gezeigt habe und das ich erneut in den Fokus rücken möchte:

Unklarheit bei Gold ZH3

Weiterhin völlig Unklarheit bei Gold, der Ausbruch wurde durch die Impfnachricht am 09.11. zum Fakeout und ich habe aktuell keine Meinung:

Riesige Bitcoin-Schüssel ZH5

So unklar Gold derzeit ist, so bullisch ist Bitcoin. Und vor allem der langfristige Blick auf das Monthly lässt eine riesige, bullische "Schüssel" aufscheinen.

Wobei "Schüssel" schon sehr vereinfacht, die Formation ist komplexer, hat aber trotzdem den Charakter einer riesigen Doppel-Schüssel an die sich bei typischem technischem Verlauf nun vielleicht noch ein kleiner "Henkel" anschliessen könnte - aber nicht muss.

Wie auch immer man das Ding nennen will, es ist in jedem Fall eine langfristig bullische Formation:

Aktien des Tages ZH3

Target (TGT)

Hoffnung für Ladengeschäfte nach -> guten Zahlen <-:

PG&E (PCG)

Wells Fargo (WFC)

Auch so eine namhafte "Gurke", die nun vielleicht zum Leben erwacht. Denn mit dem Ende von Covid, werden die Kreditportfolios der privaten Kunden auch wieder besser werden:

Lending Club (LC)

Und im Kleinen, sehen wir bei LC ein ähnliches Bild wie bei WFC, da LC auch von Krediten an Privatleute lebt.

Das Langfrist-Chart ist furchtbar, aber manchmal kommt eben doch der Dreher kurz vor dem Exitus, wie wir ja auch bei Tupperware (TUP) gerade erleben:

Übrigens dazu ein Wort der Warnung. Solche Setups bei so ausgebombten Aktien können mit etwas Glück zu schönen Trades werden. Aber *nur* als eng abgesicherte Trades, alles andere ist bei dieser Art Aktien unverantwortlich!

General Motors (GM)

Selbst GM lebt und nimmt im Rebound immer mehr Fahrt auf. Man sieht die Zeit der industriellen Nachholbewegungen ist definitiv da:

Rotations-Grundierung ZH4

Wer seine individuelle Akien-Selektion weiter auf Wachstums-Aktien im Technologie-Segment richten will, gleichzeitig aber ein wenig an der Rotation in "alte" Aktien teilhaben will, könnte das auch abbilden, in dem er sich 1-3 Basis-ETFs mit "langweiligen" Aktien ins Depot legt und dann nicht weiter darüber nachdenkt und sich weiter auf die Momentum-Unternehmen konzentriert.

Ein so ein Vehikel könnte für deutsche Anleger der -> iShares EURO STOXX Select Dividend 30 ETF EXSG <- sein, der 30 europäische Aktien mit hoher Dividendenausschüttung vereint.

Der Nachholeffekt ist eindeutig da und die Bewegung eindeutig schon massiv im Gange, 3-4% Dividende gibt es pro Jahr auch. Die enthaltenen Aktien sind wenig überraschend und haben idR kein besonderes Potential neben dem Nachholeffekt, darum geht es ja aber auch nicht.

Mit solchen ETFs hat man eine Grundierung um die Nachholeffekte mitzunehmen, braucht dafür aber nicht zu viel der begrenzten Aufmerksamkeit abziehen, die ist bei potentiellen Ver-X-fachern besser aufgehoben ist:

Intelligentes, dezentrales Arbeiten / die Arbeitswelt nach Corona

Ich bin recht sicher, dass die Corona-Pandemie in der Arbeitswelt grundlegende Änderungen angestossen hat, die auch nach der Pandemie nicht wieder einfach verschwinden. Es wird keine vollständige Rückkehr zu "Vorher" geben, weil Corona grundlegende Entwicklungen teilweise nur beschleunigt hat, die schon vorher da waren.

Ob das dann wie -> Bill Gates hier vermutet <- 50 Prozent der Geschäftsreisen und 30 Prozent der Bürotage betrifft, kann ich nicht sagen und empfinde ich instinktiv als zu hoch gegriffen - zumindest für die nahe Zukunft. Aber wenn es zunächst nur 30 Prozent der Geschäftsreisen und 15 Prozent der Bürotage wären - was ich mir gut vorstellen kann - setzt das immer noch erhebliche Veränderungen in Gang.

Diese Veränderungen wurden vom Aktienmarkt seit März schon aufgegriffen, können aber unmöglich schon vollständig erfasst und antizipiert sein, dafür ist alles zu sehr in Bewegung.

Das Feld des "intelligenten, dezentralen Arbeitens" kann und sollte von uns also noch intensiv beackert werden, das passt auch gut zu den neuen Mitgliederdepots 2021, über die ich Morgen schreiben werde und die sich mehr an Sub-Sektoren ausrichten werden.

Lassen sie uns doch einmal gemeinsam nachdenken, so wäre ich zum Beispiel an Anlagen im Bereich des kombinierten Wohnen und Arbeitens interessiert, dagegen nicht an klassischen Büro-Immobilien, die Zeit der Großraumbüros geht wohl langsam zu Ende und der Bedarf an zentralem Büroraum in den Ballungszentren wird sinken, da hat Bill Gates wahrscheinlich recht.

Typische Immobilien-ETFs vereinen aber leider beide Seiten, was sie für mich eher uninteressant macht, in klassiche Büroimmobilien will ich nicht mehr investieren. Ein ETF "modernes, integriertes Wohnen und Arbeiten", würde dagegen mein hohes Interesse finden.

Aber auch bei den ganzen Diensten im Bereich IT, sowie bei vielen ganz praktischen Fragen die sich stellen, wenn sich die Arbeitswelt dezentralisiert, lässt sich noch viel Innovation generieren und damit für uns auch Geld verdienen, wenn wir Trends frühzeitig erfassen.

Betrachten sie diesen Post also als Aufruf, über die Dezentralisierung der Arbeitswelt mal intensiver nachzudenken und das hier zu diskutieren. Ich habe das schon im Auge und es ist sicher besser investierte Energie, als über die Zukunft von Ölplattformen zu kontemplieren. 😉

Ruhige Stärke ZH3

Der Markt zeigt weiter ruhige Stärke, schauen sie im Daily des Futures wie bullisch diese Konsolidierung nun ist, die nach unten nicht abgeben will:

Auch der VIX fällt weiter zurück, die Signale bleiben auf Grün!

Ich schliesse damit und wünsche einen schönen Abend!

Morgen schreibe ich zu den Mitgliederdepots 2020 und 2021 und am Nachmittag kommt ganz normal der Stream.

Ihr Hari

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Post Covid Growth Investments

Der Montag diese Woche dürfte wie mehrfach besprochen einen Wendepunkt an den Märkten darstellen. Von da an wird der Markt zunehmend über Covid hinausschauen und teilweise auch andere Favoriten in den Fokus nehmen.

Deswegen werden die alten Tech-Favoriten kaum dauerhaft in Ungnade fallen, zu klar wird es weiter der NASDAQ sein, von dem Wachstum ausgeht. Aber klar ist auch, dass nun ein balancierterer Ansatz in unseren Depots Sinn macht und man nun auch Unternehmen aufnehmen kann, die man bisher wegen ihrer Probleme mit Covid zurecht hat links liegen lassen.

Nun sind solche Unternehmen leicht zu finden, wenn man zum Beispiel auf Ölwerte, Fluggesellschaften oder Freizeitparks schaut. Aber sind das abgesehen von einem Rebound-Trade langfristig sinnvolle Investments?

Ich habe da wie sie wissen meine Zweifel, wenn dann kann ich noch am ehesten Freizeitparks als Investment in Erwägung ziehen.

Da wäre es doch ideal, wenn es Wachstumswerte mit Investmentqualität geben würde, die trotzdem aufgrund einer besonderen Konstellation unter Covid gelitten haben.

Also sozusagen das Beste dreier Welten, Aktien mit beständigem Wachstum, Aktien mit Investmentqualität und Aktie die nun trotzdem Nachholbedarf haben, nachdem das Ende von Covid langsam in den Radar des Markes rückt.

Das ist natürlich nicht ganz einfach, aber wir haben ja einen Pool in den wir schauen können und das sind die Aktien der 2. Reihe des Wachstumsdepots bzw der Investments der 2. Reihe.

Ich habe diese 9 Aktien Zug um Zug vorgestellt, bei einigen der Werte habe ich den Eindruck, dass sie noch nicht die angemessene Würdigung erfahren haben, viele dürften die Aktien gesehen und vergessen haben. Dass das teilweise ein Fehler war, werden sie gleich sehen.

Schauen wir also doch mal, wo die 9 Werte stehen und ob sich daraus nach Covid eine Chance ergibt:

Cognex (CGNX)

Cognex wurde -> hier beschrieben <-, gehört nicht zu den Covid-Geschädigten, hat nun aber eine riesige Tasse zwischen 2016 und heute generiert.

Hier kann man sich gut noch einen "Henkel" vorstellen, der dann noch einige Monate dauert und dann könnte die Aktie reif zum großen Ausbruch sein:

Hexcel (HXL)

Hexcel wurde -> hier beschrieben <- und ist ein glasklarer Covid-Geschädigter.

Das Hauptgeschäft von HXL hängt noch von Boeing und Airbus ab und mit deren Absturz wurde auch HXL nach unten gezerrt, ohne dass das Unternehmen selber durch Fehler dazu beigetragen hätte.

Damit ist HXL nun ein Fall der potentiell in das obige Raster passt, hier verbindet sich Zukunft mit massiven Nachholeffekten nach Covid. Allerdings wird ein kompletter Rebound wohl Geduld und Zeit brauchen, es wird Jahre dauern, bis die Luftfahrtindustrie wieder auf den alten Niveaus ist:

Aptiv (APTV)

Aptiv wurde -> hier beschrieben <- und ist zunächst mit der allgemeinen Autoindustrie gefallen, wurde dann aber aufgrund seines Schwerpunktes Autonomes Fahren schnell wieder hochgekauft.

Auch hier liegen noch Nach-Covid Potentiale, denn wenn die breite Autoindstrie wieder auf die Beine kommt, dürfte das der Aktie mittelfristig einen weiteren Schub verpassen. Kurzfristig scheint die Aktie überkauft und braucht eine Pause:

Eurofins Scientific (ERF)

Eurofins Scientific wurde -> hier beschrieben <- und ist ein glasklarer Covid-Profiteur der vom Boom bei Laborausrüstung massiv profitiert.

Die Aktie erscheint zunächst ausgereizt und muss Luft holen, ist danach aber weiter interessant:

Roper Technologies (ROP)

Roper wurde -> hier besprochen <- und wurde als Industrie-Wert schon von Covid getroffen, hat sich im Sektor aber ausgezeichnet gehalten.

Letztlich kann man hier weder im Positiven noch im Negativen einen großen Effekt von Covid sehen. Roper bleibt einfach ein Investmentwert den man hält:

Teledyne Technologies (TDY)

Teledyne wurde -> hier beschrieben <-, ist eigentlich als Teil des Aerospace & Defense Sektors von Covid schwer getroffen, hat sich aber aufgrund der Güte seiner Produkte trotzdem ausgezeichnet gehalten.

Wie Aptiv ist das eine Aktie, der man zusammen mit einem Rebound im breiten Sektor noch Einiges zutrauen kann:

Eaton (ETN)

Eaton wurde -> hier beschrieben <- und hat seine Erfolgsstory mit Covid noch beschleunigt, weil der Schwerpunkt "Energie Management" unter Covid nicht leidet, ja beim Wechsel in dezentrales, verteiltes Arbeiten sogar einen Schub bekommt.

Die Aktie ist wie Eurofins nun reif für eine Konsolidierung und überkauft, danach aber weiter ein aussichtsreiches Investment:

Hexagon (HEXA.B)

Hexagon wurde -> hier besprochen <- und hat sich mit dem Bereich Meßtechnik und Geoanalytik auch als Covid-Profiteur herausgestellt.

Hier gilt das oben zu anderen Gesagte, die Aktie ist nun reif für eine Pause, darüber hinaus aber weiter als Investment attraktiv:

Halma (HLMA)

Halma wurde -> hier beschrieben <- und hat sich wie erwartet als völlig resistent gegenüber so ziemlich allem - auch Covid - herausgestellt.

Halma ist weiter einfach ein Investmentwert wie aus dem Bilderbuch, kann jetzt aber auch mal eine Pause gebrauchen:

Summa Summarum

Wir haben hier ein Universum von 9 Aktien guter Qualität vor uns, die alle Wachstum in sich tragen und als Investments geeignet sind.

4 Aktien - und zwar ERF, ETN, HEXA.B und HLMA, haben von Covid profitiert und neue Hochs erklommen. Diese brauchen eine Pause, sind aber weiter als Investments interessant.

4 Aktien - und zwar CGNX, APTV, ROP und TDY, haben sich in der Krise im Vergleich zu ihren Sektoren sehr gut gehalten und sollten mit einem Rebound der unterliegenden Sektoren besonders profitieren.

1 Aktie - und zwar HXL, wurde mit dem Luftfahrt-Sektor brutalstmöglich abverkauft, hat nun aber aufgrund einer unverändert attraktiven Produktpalette erhebliches Rebound-Potential.

Alles in allem also ein schönes Universum, das ich ihnen mit diesem Beitrag hoffentlich wieder ein wenig näher gebracht habe.

Ihr Hari

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Meine Sicht auf ETFs



Viel habe ich in den letzten Jahren nicht mehr zu ETFs geschrieben, weil ich diese selber kaum noch handele und auch für Investments nur in Ausnahme-Situationen einsetze.

Gleichzeitig sind viele neue Mitglieder hinzu gekommen und immer wieder merkt man die unausgesprochene Frage, was denn mit ETFs sei?

Das habe ich zwar alles schon einmal geschríeben, aber es ist über verschiedene Artikel verteilt und deswegen dachte ich es macht Sinn, meine Sicht auf dieses Anlage-Vehikel hier mal in einem Artikel zu bündeln.

Wer schon länger dabei ist, kennt diese Argumentationen schon und wird insofern nicht viel Neues lesen.

Ich gehe das Thema mal in einem strukturierten Frage- und Antwort-Spiel heran.

(1) Hast Du was gegen ETFs?

Nein, überhaupt nicht. Für Anleger mit eher kleinen Depots, die sich keine eigene Diversifizierung aus Einzelaktien bauen können, macht das Vehikel Sinn. Es macht auch Sinn für Anleger, die ganze Sektoren oder Märkte kaufen wollen, ohne sich damit viel Arbeit zu machen.

Prinzipiell ist gegen ETFs nichts einzuwenden, die sind kein "Teufelszeug".

(2) Warum setzt Du ETFs kaum ein?

Erstens weil diese mir in der Regel nichts bringen und zweitens weil mir in bestimmten Bereichen bestimmte damit verbundene Risiken nicht passen.

(3) Warum bringen Dir ETFs in der Regel nichts?

Weil mein Depot groß genug ist, um mir selber Themen-Baskets zu bauen und mein Depot auch aus Einzelaktien ausgezeichnet diversifiziert und ausbalanciert ist.

Statt dessen ETFs zu kaufen, würde für mich nur bedeuten, unnötige Gebühren zu zahlen, die bei ETFs zwar nicht riesig sind, sich aber doch über die Jahre kumulieren.

Und dann bekomme ich mit den breiteren ETFs auch viele "Gurken" ins Depot, die ich gar nicht haben will.

Am Ende ist es mir zu viele graue Masse und wenn man zu viele ETFs hat, ist man sowieso "totdiversifiziert" und kann gleich den MSCI World kaufen.

Das ist aber eine Stilfrage und will ich nicht als Regel für alle pauschalieren, das kann jeder halten wie er mag.

Siehe dazu auch der Artikel:

-> Investmentgrundlagen - Über Diversifizierung, Marktkorrelation und die Portfolio-Theorie <-

(4) Welche damit verbundenen Risiken schrecken Dich denn ab?

Zwei Themenbereiche.

Erstens die Unsicherheit, ob man in der Krise überhaupt noch an seine Assets kommt. Da werben die Anbieter ja gerne damit, dass man "Sondervermögen" hätte, aber dieses "Sondervermögen" ist ja nicht auf das Individuum hinterlegt, sondern pauschal für den ETF irgendwo in einem anderen Land, zB in Irland. Die Darstellung des "Sondervermögens" ist mir bei den ETFs in der Regel auch zu diffus und nicht überzeugend, ich weiss nicht wirklich, was darin ist und wie man daran kommt.

In einer Phase einer harten Krise, in der große Finanzinstitute wackeln, ist also keineswegs davon auszugehen, dass man noch so einfach an sein "Sondervermögen" kommt. Denn das muss dann erst mal in einem Abwicklungsverfahren auseinander "klambüstert" werden und es wird viele divergente Ansprüche aus aller Welt geben und großes Chaos.

Da ist mir die Namensaktie auf meinen Namen im Aktienbuch allemal lieber. Das ist jetzt kein riesigen Problem und solange wir keine schwere Krise haben auch irrelevant. Aber es ist ein Argument.

Siehe auch die ausführliche Diskussion dieser Thematik im Artikel:

-> Zur Sicherheit im Armageddon <-

Zweitens - und das war auch der Grund, warum ich von ETFs nun weitgehend Abstand genommen habe - ist es die erlebte Illiquidität schon in kleineren Krisen.

Auslöser war der ETF Flash Crash am 24.08.15 und ich habe das hier im Artikel -> zwei europäische ETFs <- thematisiert:

ETFs sind hier im Blog seit dem ETF Flash Crash am 24.08.15 ja kein grosses Thema mehr.

Zu deutlich sind für sehende Augen die Probleme, die sie durch ihre Dominanz herauf beschwören, denn Kursfolger können nur so lange folgen, solange da jemand ist der kompetent führt. Und im Falle des Falles, wenn es mal eng wird und alle zum Ausgang streben, muss man wohl davon ausgehen, dass die Liquidität der ETFs völlig austrocknet und für einige Zeit keine Kurse mehr gestellt werden - sprich man in der scharfen Abwärtsbewegung wohl gar nicht mehr raus kommt, während man am freien Markt bei Einzelaktien zwar schlechte Kurse, aber immer noch Liquidität finden wird.

Einen Vorgeschmack auf dieses Schwarze Loch der Liquidität und Handelsaussetzungen, hat eben dieser genannte 24.08.15 geliefert, eine erste Warnung vor einem weit grösseren Sturm, der uns irgendwann mit hoher Wahrscheinlichkeit ereilen wird.

Trotzdem gibt es ja auch keinen Grund die ETFs perse zu verteufeln, sie sind in bestimmten Anwendungsfällen immer noch das Mittel der Wahl und solange man sich der Risiken und Begrenzungen im Krisenfall bewusst ist, auch durchaus noch mit Vernunft einzusetzen.

Aber auch darüber hinaus, gab es von Markt-Kennern wie Carl Icahn immer wieder für mich logisch argumentierte Warnungen, dass bestimmte ETF-Kategorien wie Bond-ETFs strukturell illiquide sein würden und bei einem echten Einbruch gar nichts mehr gehen würde. Siehe auch hier:
-> Carl Icahn calls Blackrock a dangerous Company <-

Und da frage ich mich doch, warum ich mir das im Depot antun sollte, wenn ich wie oben mit Direktinvestments, auch meine Diversifizierung machen kann.

Es gibt in der Regel keinen Grund für mich, diese beiden Risiken einzugehen, auch wenn diese in einem gesunden Markt begrenzt und eher theoretischer Natur sind. Aber das ist halt wie bei einem Regenschirm, den hat man auch für Regen und nicht für Sonnenphasen.

(5) Setzt Du denn ETFs gar nicht ein?

Doch, aber ausschließlich da, wo ich in Märkte will, die ich mit Einzelaktien nicht sinnvoll kaufen kann.

Wenn ich zum Beispiel ein China-Exposure aufbauen will, dann mache ich das nicht über Einzelaktien, weil ich durch die sprachliche und kulturelle Schranke weitgehend blind bin, was chinesischen Aktien angeht.

Das mache ich dann mit ETFs wie dem ASHR und seinen Abarten, auch in Deutschland ist der verfügbar.

Ich betone also erneut, ich bin kein ETF Gegner und setze diese selber ein. Diese haben aber für mich Nachteile, die ich nur dann in Kauf nehme, wenn es nicht anders geht.

(6) Wenn Du denn ETFs kaufst, zu welchen Anbietern gehst Du?

Eigentlich kann man zu allen großen Anbietern gehen, da ist von außen nicht wirklich eine klare Präferenz zu formulieren. Es gibt Ratings zur Stabilität der Emittenten von Morningstar zum Beispiel, aber ich bin nicht sicher, ob ich da viel darauf geben soll.

Aber ich habe vier Präferenzschienen, die im Zweifel bei der Auswahl den Ausschlag geben, wenn mehrere gleichwertige ETFs zur Auswahl stehen.

(1)

Ich ziehe voll replizierende ETFs den Swap-Konstrukten vor, da weiss ich wenigstens, was ich im Depot habe.

(2)

Ich ziehe günstigere ETFs im Zweifel vor, denn bei ETFs wird keine Management-Leistung erbracht und insofern ist billiger besser, wenn wirklich das Gleiche drin ist.

(3)

Ich ziehe ETF Spezialisten wie Blackrock oder Vanguard, den Töchtern von Großbanken wie Comstage oder X-Markets vor. Der Grund ist, dass ETFs ja langfristig im Depot liegen sollen. Und bei Anbietern, deren Kerngeschäft ETFs sind, kann man fest von Stabilität ausgehen. Bei Banktöchtern, besteht dagegen immer das Risiko, dass die im allgemeinen Restrukturierungswahn dieser Institute verkauft, reduziert, eingestellt oder was auch immer werden.

Siehe zum Beispiel -> hier <-, Comstage wurde an Societe General verkauft - viele dürften das gar nicht wissen. Das ist zwar kein Drama, aber das braucht man auch nicht zwingend.

(4)

Ich ziehe im Zweifel den grösseren und daher liquideren ETF vor, denn Liquidität heisst verlässliche Handelbarkeit.

So weit ein Überblick meiner Sicht auf ETFs. Wenn man ein Depot aus Einzelaktien zusammenstellen kann und dafür die nötige Depotgröße hat, ist das in meinen Augen ETFs vorzuziehen. Es gibt aber auch keinen Grund ETFs zu verteufeln, in bestimmten Anwendungsfällen und bei bestimmten Anlegern machen sie Sinn.

Vergessen Sie aber bitte auch nicht, dass es viel mehr "Fonds-Aktien" als Alternative gibt, als man gemeinhin denkt. Ich meine damit Aktien, die inhärent wie ein Fonds geführt werden und deswegen eine eigene, innere Diversifizierung haben. Das Gegenteil also von "One Product Companies".

Denken Sie beispielsweise nur an Indus Holdung, die Aktie ist wie ein Fonds für kleine deutsche Mittelständler. Denken Sie an BB Biotech für den Healthcare-Bereich. Denken Sie an die bekannten Thermo Fisher Scientific (TMO), Danaher (DHR) und viele andere, aber auch neue Namen wie Roper Technologies (ROP), die alle ihre vielfältigen Geschäftsfelder wie eine Investment-Gesellschaft führen.

Oder denken Sie an Warren Buffetts Berkshire Hathaway (BRK.B) , das Musterbeispiel einer Fondsaktien mit tollem Management. Und das ohne Zusatzgebühren auf Anlegerseite. 😉

Legen Sie also ruhig mit ETFs an, seien Sie sich aber der oben beschriebenen "Ecken und Kanten" gewahr.

Ihr Hari

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Der neue, alte Markt – alles wie immer?

Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und ist doch der alte geblieben. Diesen Umstand und was das für Anleger bedeutet, will ich heute auch im freien Bereich kurz anreissen.

Gewandelt hat sich der Markt aufgrund zweier, grundlegender Entwicklungen, die in den letzten Jahren vermehrt Fahrt aufgenommen haben. Einerseits dem Aufstieg passiver Investmentvehikel wie der ETFs, andererseits dem Aufstieg des algorithmischen Handels.

Was die passiven Investmentvehikel angeht, ist deren Logik ja einfach und bestechend. Sie wollen die Bewegungen des Marktes - wie ein Beobachter an der Seitenlinie - aufnehmen und abbilden, wollen selber aber eigentlich gar keinen Einfluss nehmen.

In der idealen Welt steigt oder fällt also eine Aktie wie Apple aufgrund fundamentaler oder markttechnischer Gründe, der dazugehörige ETF, bildet das einfach passiv ab, wie ein guter, neutraler Dokumentator.

Leider funktioniert diese Theorie im reflexiven Markt nur solange, wie die Menge der passiven Investmentvehikel sehr klein und unbedeutend ist. Wir haben es hier also mit einer weiteren Variante des Beobachterproblems zu tun und sobald die ETFs selber zum Marktfaktor werden - was sie mittlerweile sind - beeinflussen sie auch direkt das Beobachtungsobjekt, die einzelnen Aktien nämlich.

Und das funktioniert so. Stellen Sie sich einen ETF auf Technologieaktien vor, den viele im Depot haben. Nun beginnt der Markt eine Baisse wie letzten Herbst und Anleger, die ihre Depots schützen wollen, verkaufen ihre Technologie-ETFs.

In diesem ETF enthalten, ist aber eine Aktie, die gerade eine neue Innovation höchst erfolgreich auf den Markt bringt und damit sensationelle Gewinne schreibt, die niemand erwartet hat. Individuelle Stockpicker kaufen diese Aktie auch massiv hoch und genau in dieser Phase beginnt der Markt zu fallen und Anleger stossen ihre ETFs ab.

Und was passiert? Wenn die ETFs nur eine Minderheit des Handelsvolumens der Aktie ausmachen, wird die Aktie weiter steigen, aber weniger steigen. Wenn aber die ETFs das Handelsvolumen der Aktie dominieren, wird die Aktie auch fallen, obwohl sie eigentlich von Stockpickern hochgekauft wird!

Je mehr ETFs also das Handelsvolumen einzelner Aktien dominieren, desto mehr steigen oder fallen alle enthaltenen Aktien unisono - ob die Aktien individuell gut oder schlecht dastehen, hat immer weniger Relevanz.

Genau das beobachten wir zunehmend und letztlich macht das den Markt ineffizienter bei der Preisfindung. Nun aber zum zweiten Faktor, dem algorithmischen Handel.

Das was man heutzutage "Algos" nennt, hat mit künstlicher Intelligenz noch herzlich wenig zu tun. Es sind einfach Methoden und Techniken, die bisher von Menschen gehandelt wurden und nun automatisch von Maschinen abgewickelt werden. Trendfolge ist ein sehr einfaches Beispiel, es gibt aber auch viele andere, komplexere Techniken.

Dadurch dass nun Maschinen das Gleiche im Markt machen wie Menschen, ändert sich erst einmal nichts, an einer wichtigen Stelle aber doch.

Denn Menschen würden Dinge in Frage stellen und auch versuchen proaktiv Bewegungen zu antizipieren. Menschen sind aber auch weniger diszipliniert und gnadenlos, als es Maschinen sein können.

Wenn also eine Sache fünfmal geklappt hat, hätte ein Mensch zunehmend Skepsis, ob es auch zum sechsten Mal funktionieren wird. Eine Maschine hat dieses Skepsis aber nicht, die machen störrisch immer weiter bei dem was Erfolg bringt, so lange, bis es eben nicht mehr funktioniert.

Auch die zunehmende Dominanz der Algorithmen im Markt, hat also einen ähnlichen Effekt wie den der ETFs. Es macht den Markt uniformer und macht in "störrischer", heisst die Flut hebt alle Boote, die Ebbe senkt alle Boote und eine Bewegung die Erfolg hat, läuft viel länger als Menschen sich vorstellen können.

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegung laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

Und das können wir auch wunderbar an den Entwicklungen der letzten Jahre festmachen. 2017 war ein ungemein störrisches Jahr, in dem der Markt jedwede negative Nachricht einfach ignoriert hat und gegen alle Logik ohne Pause hochgelaufen ist - Buy the f***ing Dip (BTFD)!

Im Herbst diesen Jahres, ist der Markt dann in eine Abwärtsbewegung gewechselt, die im Dezember in einen gnadenlosen Aberverkauf wechselte, so als ob es kein Morgen mehr geben würde - Sell the f***ing Rip (STFR)!

Und nun seit dem 26.12.18, ist der Markt wieder in einer ebenso gnadenlosen BTFD Bewegung, so als ob es nie wieder finstere Nacht geben würde:

Merken wir uns diesen Mechanismus also und passen uns an. Die Effekt ist nicht negativ für uns Menschen, sondern positiv.

Denn wenn einmal eingeschlagene Bewegungen oder Logiken länger als bisher stabil bleiben, gibt es noch weniger Grund als schon vorher, herumzuraten und Tops oder Bottoms im Vorfeld erkennen zu wollen.

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Machen wir nur einen Fehler nicht, übersetzen wir dieses störrische Verhalten nicht automatisch in so gleichförmige Bewegungen, wie wir sie aktuell haben. Wenn es Erfolg verspricht, nach einem positiven Tag immer auf einen negativen Tag zu setzen und umgedreht, werden auch diesen Mechnismus Algorithmen erkennen und ausnutzen, so lange, bis es nicht mehr funktioniert. Dann bekommen wir eine Schaukelbörse ohne Richtung, aus Sicht der Algorithmen ist aber auch das eine einheitliche Bewegung.

Dass Märkte sich wandeln, ist nichts Neues und nicht Schlimmes. Der Markt des Jahres 1970 war auch nicht vollständig mit dem des Jahres 1930 zu vergleichen. Die Essenz bleibt, die Details ändern sich, das ist der Lauf der Welt und sollte uns nicht schrecken.

Passen wir uns dem Wandel an und bekämpfen ihn nicht, das ist die Fähigkeit erfolgreicher Anleger.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Wallstreet Stream 13.09.18



15:30 MEZ

Die EZB Sitzung hatte -> wie erwartet keine Überraschungen <-.

Interessant ist aber, dass exakt seit 14:30 Uhr, seit Beginn der Pressekonferenz, der Euro hoch gekauft wird und nun doch nach oben auszubrechen scheint:

Das spricht gegen einen direkten Auslöser durch Draghis Worte, denn zum Start um 14:30 Uhr gab und gibt es keine Inhalte, die Anlaß dafür sein könnten.

Ich habe eher den Verdacht, dass der Auslöser aus den US in Form des Verbraucherpreisindex CPI kommt, der nämlich nach dem PPI gestern erneut etwas schwächere Daten geliefert hat, als erwartet. Das wiederum senkt das Risiko aggressiver Zinssteigerungen der FED und drückt damit den Dollar.

Aber was immer der Auslöser war, EURUSD hat sich scheinbar nach oben in Bewegung gesetzt und droht den Abwärtstrend zu verlassen:

15:40 MEZ

Ein schwächerer Dollar, gute Nachrichten aus Asien und eine sich nach einer starken Zinserhöhung leicht erholende türkische Lira, stützt natürlich auch die Emerging Markets.

Der ETF EEM zeigt eine Gegenbewegung, zu einer Trendwende gehört aber noch einiges mehr:

15:50 MEZ

Cisco (CSCO):

16:04 MEZ

Corning (GLW), gut passend zum Thema Apple und dem neuen Artikel -> Das neue Phone ist die Watch <-

16:06 MEZ

Qualcomm (QCOM), auch für uns wenig überraschend:

16:08 MEZ

iQIYI (IQ) - jetzt endlich?

16:12 MEZ

Der Aerospace & Defense Sektor setzt seine Stärke wie erwartet fort:

16:24 MEZ

Klar bullische Struktur nun auch beim -> Wachstumsdepotwert Cognex (CGNX) <-

Das massive Reversal nach den schwachen Zahlen Ende April war der erste Hinweis, der Volumenschub nach den nächsten Zahlen Ende Juli war der zweite Hinweis.

Danach hatten wir eine enge, bullische Konsolidierung, ohne etwas abgeben zu wollen und wohin das in der Regel führt sehen wir gerade:

17:04 MEZ

Also ich bin ja wahrlich kein Fan von Banken, aber es zumindest vermerkt, dass bei der Commerzbank nun eine mittelfristige Trading-Chance existiert.

Wir haben einen doppelten Boden, auf dessen erstem Tief ein Ausverkauf war und nach dem zweiten Tief das Aufwärtsvolumen anzog - so soll das sein:

Die Abstufung in den MDAX, sollte in den Kursen vearbeitet sein.

17:40 MEZ

Kleine Info, Ihnen ist vielleicht aufgefallen, dass die Xing und Linkedin Buttons vor einiger Zeit von der Website verschwunden sind.

Heute nun, habe ich beide Konten bei beiden Diensten endgültig *gelöscht*.

Warum? Es geht mal ausnahmsweise nicht primär um Datensicherheit. Es geht um das ganze Prinzip dieser Dienste, das für mich keinen Mehrwert generiert.

Erstens bekommt man dauernd Kontaktanfragen von Leuten mit denen man nichts anfangen kann und die nicht mal eine Zeile dazu zu schreiben bereit sind. Wer braucht das?

Zweitens ist die Einsicht Dritter in das eigene Netzwerk ein Problem, die kompliziert administriert werden muss und doch von den Algorithmen der Anbieter abhängig ist. Meine wirklichen, wichtigen Kontakte zu relevanten Personen will ich ja gerade nicht mit jedermann teilen. Echtes Netzwerk lebt gut außerhalb des öffentlichen Raums, sonst ist es keins. Was dann bleibt, sind Sekundärkontakte, ohne dass daraus irgendein Vorteil entsteht.

Drittens ist damit Werbung verbunden und natürlich machen die Firmen mit meinen Daten auch Geld.

Warum also da noch dabei sein? Nein, wie gesagt ich halte es lieber mit den Mohikanern: "Don´t leave any footsteps". Wer wirklich wichtig ist, kennt sich direkt.

Was bleibt ist bei mir ein Fragezeichen zum Geschäftsmodell, Xing läuft ja sogar richtig gut. Womit machen die also Geschäft, es können nur unsere Daten sein, oder?

18:06 MEZ

Reicht das nun heute, damit sich der SPX nach oben absetzen kann?

Kann sein, kann auch nicht sein. Aber es ist auf jeden Fall *nicht* bärisch was wir da sehen und ich denke ein latenter Optimismus, der sich nicht von all den Untergangs-Propheten anstecken lässt, dürfte weiter Früchte tragen.

Gerade einige Einzelwerte haben attraktive Setups, ein paar habe ich Ihnen heute gezeigt. Und Technologie und Fortschritt geht sowieso immer, der wird nämlich nicht aufhören.

Damit schließe ich und wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Mifid: Die Alterativen zu US ETFs



Mit diesem Artikel, will ich wie versprochen das Thema der für uns nicht mehr handelbaren US ETFs zusammenfassen, einordnen und damit auch einen zentralen Ankerplatz für uns bieten, um Informationen darüber zu teilen.

Leider muss ich Sie gleich enttäuschen, es gibt keine neuen Ideen, keine "geheimen Möglichkeiten" von mir, weil da keine sind. Es ist einfach so, dass der Verlust dieser ETFs aufgrund Mifid II schmerzhaft ist und nur teilweise komplett kompensiert werden kann. Traurig aber wahr.

Der Sinn dieses Artikels ist also Themensammlung und Einordnung, eine Art zentrales Inhaltsverzeichnis für das Thema sozusagen. Wer sich bisher nicht für US ETFs interessiert hat, zum Beispiel weil kein Konto bei internationalen Brokern wie IB oder DeGiro existierte, kann diesen Artikel also eher ignorieren, interessante Kontextinformationen sind aber trotzdem für alle darin.

Worum geht es?

Mit Mifid II sind alle grossen US ETFs - von SPY über QQQ bis GDX - für europäische Retail-Kunden nicht mehr handelbar. Dass ich mit diesen Dingern seit mehr als 10 Jahren operiere - kein Argument. Offene Positionen kann man noch schließen, aber keine neuen Positionen eröffnen.

Dahinter steht -> dieser Vorgang <-, also nicht die Broker, sondern Mifid II, die wunderbare Regulierung, die uns nun auch dann erreicht, wenn wir wie bei IB UK an der britischen Regulierung hängen.

Worum es unter anderem geht ist ein dreiseitiges Informationsblatt, das "KID", das Retail-Kunden ausgehändigt werden muss, bevor diese ein strukturiertes Produkt handeln dürfen. Nun könnte man ja meinen, was hindert die großen ETF Anbieter, so ein blödes Blatt Papier zu erzeugen?

Die Antwort ist tragisch. Nicht das Blatt ist das Problem wenn man bestimmten Quellen glaubt, das Problem ist, dass die europäische Regulierung darauf Informationen verlangt - wie völlig unsinnige Worst-Case Szenarien - die wiederum nach US Recht verboten sind!

Das Problem der ETF Anbieter ist also ein Rechtskonflikt zwischen europäischer und US-Regulierung und wenn man nun die Kunden hart trennen könnte, ein US Amerikaner also keine europäischen ETFs mit "KID" kaufen könnte, wäre auch das lösbar. Genau da liegt aber der Haken, gerade in den englischsprachigen Ländern Irland und UK.

Deshalb sind diese Dokumente nicht da. Mit viel Glück werden ein paar Anbieter das irgendwann nachholen, wenn ihre Rechtsabteilungen genügend gebrütet und die Regulierer das OK gegeben haben, das dauert aber. Einige Anbieter werden den Pfad aber gar nicht gehen.

Im Ergebnis sind derzeit alle US ETFs für uns einfach "weg" und in Zukunft davon vielleicht nur noch ein Teil.

Was wissen wir schon?

Die Community hat dankenswerterweise damit begonnen, nach Alternativen zu schauen. Diese Kommentare sammeln sich bisher im Wesentlichen in zwei Threads:

-> Interactive Brokers und die Klone <-

Und einen neuen Thread von Stockpix mit dem Namen: "Handelbare ETFs mit KID nach Mifid". Die Posts dieses neuen Threads werde ich hier in den Thread zu diesem Artikel überführen und den anderen Thread schliessen. Das sieht dann etwas komisch aus, weil die Referenz zu diesem Artikel damit erst Post 6 ist, aber das überleben wir. 😉

Darüber hinaus gibt es Kommentare in -> Überblick zum Start KW25 <-

Ich bitte von nun an das Thema zentral hier im Thread zu diesem Artikel zu führen, damit wir alle davon am Meisten profitieren. Vielen Dank!

Welche Alternativen haben Investoren?

In meinen Augen haben Investoren keinerlei Problem und können das Thema ganz gelassen sehen.

Die ETF Industrie hat schon begonnen, das ETF Portfolio in Europa auszuweiten, der von mir genannte -> iShares NASDAQ US Biotechnology ETF BTEE <- oder seine thesaurierende Alternative BTEC ist so ein Fall, der inhaltlich weitgehend dem bekannten IBB in den US entspricht. Den kann man einfach kaufen und gut ist es.

Im Thread hier zum Artikel haben andere, vor allem unser "Wastl", schon Alternativen zusammen getragen, schauen Sie da einfach mal rein, das passt. Weitere Alternativen sind sehr willkommen, lassen Sie das eine Gemeinschaftsaktion sein, um uns ein neues Universum zu erschließen.

Sicher, es gibt ein paar spezielle Sektoren-ETFs in den US, bei denen es in Europa noch schwierig ist. Gerade der Bereich Aerospace & Defense ist nicht leicht, weil ja so "böse, böse". 😉

Hierbei ist aber anzumerken, dass es für Investoren auch gar nicht zwingend um ETFs gehen muss, es gibt viele gute Fonds als Alternative.

Ich bin da in der Logik ganz bei unserem "Tibesti". Sicher ist ein "billiger" passiv gemanagter ETF besser als ein "teuer" Fonds, in dem das Fondsmanagement den leichten Weg geht und nur einen Index abbildet und sich damit faktisch wie ein ETF verhält. Und richtig, das gilt für zu viele Fonds, gerade für die aus den Großbanken. Aber anders herum ist ein gut gemanagter Fonds eben besser als ein passiver ETF, auch wenn die inneren Kosten etwas höher sind und auch wenn es nur die Minderheit ist, die das schafft. Aber wer hindert uns daran, genau diese Minderheit an Fonds in unser Depot zu legen?

Wer also investieren will und gerade nicht täglich hin und her handeln will, findet auch in Europa genügend Fonds und ETFs um fast alles abzubilden was er will, insofern betrachte ich den Verlust der US ETFs hier als ärgerlich und unangenehm, aber nicht als Drama.

Welche Alternativen haben Trader?

Für Trader ist das Ganze schon ärgerlicher. Gerade wer sich darauf spezialisiert hat, ganze Sektoren rauf und runter zu handeln, guckt nun etwas dumm aus der Wäsche.

Denn die ganzen oben bei Investoren genannten ETFs der Eurozone, kann man dafür weitgehend vergessen aus einem einzigen Grund: der Handelbarkeit.

Sie sind in der Regel zu wenig liquide, die Spreads sind zu hoch und dann das Killerargument, die Handelbarkeit außerhalb der europäischen Börsenzeiten ist nur noch selten und dann mit Apothekerpreisen bei den Spreads möglich - für Trader also gar nicht.

Das ist schon eine ziemliche Unverschämtheit bei IB zu sehen, wie ein ETF wie der SPY5 der den S&P500 abbildet oder IUIT der den Nasdaq abbildet, ab 17:30 MEZ an der London Stock Exchange (LSE) keine Kurse mehr hat, obwohl ja die enthaltenen Aktien an der Wallstreet voll laufen. In Deutschland bekommt man dann im Direkthandel noch weiter Kurse, aber wie gesagt mit absolut unveschämten Spreads.

Kurz und bündig, all die europäischen ETFs sind für (Sektor-)Trader, so es darin im Wesentlichen um US Werte geht, eher nicht zu gebrauchen.

Denken Sie nur an den denkwürdigen 09.02. diesen Jahres und die letzten 2 Stunden des Handels. Wollen Sie da als Trader auf großen Positionen sitzen, die sich nicht mehr bewegen können, obwohl die darin enthaltenen Aktien massiv in Bewegung sind? Lächerlich!

Aber für Trader gibt es eine brauchbare Alternative und das sind CFDs. Denn IB bietet auf die meisten US ETFs weiter CFDs und die kann man weiter handeln: -> Übersicht IB US CFDs <-

Sicher ist das lächerlich, denn wegen der Regulierung, die uns "dumme kleine Anleger" ja schützen soll, muss man nun als Anleger die Risiken erhöhen um das Gleiche zu tun, weil man ein vorhandenes Produkt in den Mantel eines CFDs kleidet. Auch die Kosten gehen damit ja hoch, man hat die Kosten des ETFs die in ihm stecken und dann noch sinnlos die Kosten des CFDs oben darauf.

Aber lächerlich oder nicht, für einen Trader sind die CFDs unproblematisch zu handhaben, man hat einen Kostennachteil, das ist ärgerlich, ansonsten ändert sich nichts.

Insofern ist das Thema für Trader doof, aber kein ernste Sache. Man kann damit leben, bis die Regulierer sich irgend einen anderen Kram ausgedacht haben.

Welche Alternativen haben Hedger?

Tja, die haben ein echtes Problem und spüren echten Verlustschmerz. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass ein Hedge - so wie ich ihn einsetze - kein direktionaler Trade, sondern ein Absicherungsgeschäft ist. Risikomanagement also, auch wenn es sich der gleichen Mittel bedient, wie ein Trade auf einen ETF.

Wann mache ich aber Absicherungsgeschäfte? Wenn es rappelt und die Krise kommt. Und wann rappelt es besonders schlimm und ein Hedging ist kriegsentscheidend? Wenn man in ein Lehman-Szenario läuft wie weiland 2008.

Man setzt diese Instrumente, wie einen Short auf den SPY, also gerade dann ein, wenn die bekannte "Kacke am Dampfen" ist. Ein Trader hat dann vielleicht alle Positionen geschlossen und zuckt die Schultern. Ein Hedger hat gerade dann Alarmzustand.

Gerade aber ein sauberer Leerverkauf auf die größten ETFs der Welt wie den SPY, ist in meinen Augen in solchen Situationen relativ noch das Sicherste und Beste was man machen kann. Denn wenn der SPY kippt, gibt es auch keine Börse mehr, auf die Formel kann man das bringen. In dem man im SPY ist, bringt man in Krisen seine Anlageinteressen mit denen aller großen institutionellen Anleger in Gleichklang. Dafür wird schon gesorgt werden, sonst ist die Welt wie wir sie kennen am Ende.

Auf jeden Fall hätte ich in so einer Situation mit allen derivativen Produkten ein Problem, gleich welcher Art. Man weiss nie, was da im Hintergrund passiert, gerade auch bei CFDs. Mit einem sauberen Short auf den SPY oder QQQ im Vergleich dagegen noch am Allerwenigsten.

Machen wie es konkret, Sie wissen dass mein Depot nicht ganz klein ist. Nehmen wir mal theoretisch an, es wären sagen wir mal x Millionen. Und stellen wir uns Lehman Reloaded im Jahr 2018 vor.

Würde ich dann ohne grosse Sorgen mit einem einzigen Leerverkauf auf den SPY im Wert von x Millionen mein Depot neutralisieren, also hedgen? Ja, das würde ich tun, ohne große Sorgen zu haben.

Würde ich dann aber ohne grosse Sorgen einen CFD auf den SPY im Wert von x Millionen nehmen und darin Short gehen und ruhig schlafen? Eindeutig Nein. Nicht weil ich bei CFDs größere Sorgen als bei anderen Derivaten habe, sondern einfach wegen des generellen Risikos der Gegenpartei, das alle Derivate besitzen.

Und da liegt das Problem. Europäische ETFs sind zum Hedging wegen der mangelnden Handelbarkeit - siehe oben - ungeeignet. Am Abend des 09.02. brauche ich Handlungsfähigkeit.

Und CFDs auf die US ETFS sind mir persönlich genau dann zu riskant, wenn ich sie am wichtigsten brauche. Ein Regenschirm also, den man nur bei Sonne gebrauchen kann, der aber bei Regen droht zusammen zu klappen. Tolle Sache. 🙁

Ich habe derzeit keine saubere Antwort auf das Dilemma und muss auch abwarten wie sich das entwickelt. Solange wir in einem normalen Markt wie aktuell sind, spricht nichts dagegen CFDs zum Hedgen zu nehmen.

Wenn wir aber nun wieder ein Lehman-Szenario hätten, würde ich eher die Positionen echt abbauen, als dann mit diesen Mitteln noch auf CFD-Hedging zu vertrauen. Wären SPY und QQQ noch da, würde ich aber einfach einen Short auf diese herein hauen und gut wärs!

Und klar gibt es viele andere Möglichkeiten eine Gegenposition zwecks Hedging aufzubauen, wie auch Optionen, das weiss ich auch. Das Elegante an einem Short auf die großen ETFs ist aber, dass man direkt und elegant den Index zum Kurs des Index handelt, ohne Umrechnen zu müssen und andere Effekte auf dem Zeitstrahl berücksichtigen zu müssen, wie bei Optionen mit ihrer Volatilität und Futures mit ihren Rolleffekten.

Eine für mich noch offene und zu untersuchende Option sind die Futures, die man ja über zB den E-Mini Future auch gut handeln kann. Mit dem Thema werde ich mich in der nächsten Zeit wohl mal intensiver befassen, denn eine in der Krise belastbare Lösung zum Hedging brauche ich einfach.

Zum Abschluß noch ein generelles Wort zum Handel mit CFDs in der Krise

Ich mache meinen CFD Handel bisher in Deutschland bei Comdirect auf der Plattform, nicht bei IB, auch wenn das von den Spreads her etwas teurer ist.

Es hat auch Vorteile, DAX CFDs laufen zum Beispiel ab 08 Uhr und nicht erst ab 09 Uhr wie bei IB, vor allem aber ist der Gedanke an eine Krise dabei meine Motivation.

Ich habe keinerlei Zweifel an der Solidität und Stabilität von IB. Wenn wir uns aber einer schweren Krise gegenüber sehen, kann es wichtig sein im richtigen Rechtsraum zu sein, um Ansprüche durchsetzen zu können. Es ist halt für uns schwieriger in London UK Recht durchzusetzen, als in Frankfurt deutsches Recht.

Bei weltweit etablierten Assets wie Aktien, habe ich damit auch in der Krise kein Problem. Das wird die englische Aufsicht für mich genau so gut machen oder besser, als die deutsche und bei Aktien ist auch weltweit klar, dass alle das Gleiche meinen.

Bei CFDs aber ist es der freie Handel mit einer Gegenpartei. Und wenn es dick auf dick kommt und sich die Bits und Bytes in den Depots verknoten und das Chaos herrscht, ist mir wichtig, dass diese Gegenpartei in Frankfurt sitzt und für mich sprachlich und rechtlich leicht zu erreichen ist, als dass die Gegenpartei "irgendwo" sitzt.

Das nur als Gedanke, wenn man schon mit CFDs grössere Summen bewegt. Meine Antwort darauf ist: Bleiben Sie mit Derivaten die sie in einer Krise einsetzen wollen in ihrem Land, für die meisten von uns also Deutschland. Einen echten Nachteil gibt es nicht, so weltbewegend ist der Unterschied bei den Spreads der CFDs dann nicht.

Bei Aktien und ETFs dagegen, "echten" Assets und nicht nur einer Zahlenposition im Handel mit einer Gegenpartei, können wir unbesorgt in die Welt hinaus gehen, solange unser Broker solide und seriös ist. Aktien sind Aktien und eine Apple ist weltweit die gleiche Apple, egal wo man diese handelt. Und die SEC in New York und die FCA in London ist keineswegs weniger kompetent und scharf, als die deutsche Bafin.

So ....

ich hoffe das hat einen Überblick und eine Einordnung des Themas verschafft. Nun hoffe ich auf weiteren Input und weitere Ideen von Ihnen.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wochenausblick KW25


Thema der Woche

Thema der Woche ist natürlich die dramatische, politische Eskalation der Migrationskrise in Deutschland. Ich will an dieser Stelle nichts weiter zum politischen Teil sagen, wen es interessiert, der findet -> hier im Forum <- eine längliche Kommentierung des Themas, wie immer hier bei uns, im gehobenen Stil reifer Menschen.

Ich will hier nur noch einmal klar stellen, wie ich ganz generell dazu stehe:

Ich bin *für* eine kraftvolle, selektive Einwanderungspolitik, wie das Kanada und andere machen, aber *gegen* eine Politik, die im Sinne "die Tür mach auf" jeden in die Sozialsysteme lässt, der das nur will.

Ich bin *für* eine Bereicherung unserer Kultur durch neue Einflüsse von aussen, aber *gegen* eine völlige kulturelle Wurschtigkeit, die alles gleich Wert findet, den gebildeten, aufgeklärten Wissenschaftler ebenso, wie den die Frau schlagenden, analphabetischen Ziegenhirten. Wenn alles gleich ist, opfert man eben auch die Aufklärung.

Ich bin *für* die kompromisslose Hilfe bei wirklichen Kriegsflüchtlingen und Vertriebenen - auch im großen Maßstab wenn durch Kriege in der Nähe notwendig - aber *gegen* eine Vermischung mit der Einwanderungsfrage und von vorne herein als rein temporäre Hilfestellung angelegt, die Leib, Leben und ein Dach über dem Kopf sichert, aber sonst nichts und mit dem Tag endet, zu dem eine Rückkehr möglich ist. Integrationsfragen stellen sich dann gar nicht, weil von vorne herein keine geplant ist, sondern es nur um eine temporäre Hilfestellung geht.

Ich bin *für* eine weltoffene Gesellschaft, in der Vorurteile keine Bedeutung mehr haben, weil nur zählt, wie jemand sich verhält, was er leistet und zur Gesellschaft beiträgt. Genau deswegen bin ich *gegen* die Verwischung der individuellen Verantwortlichkeit, denn der Mensch ist perse weder gut noch böse, gut oder böse ist aber das, was er *tut*. An seinen Handlungen sollst Du den Menschen erkennen! Und eine Gesellschaft die aufhört, von ihren Mitbürgern gesellschaftsförderndes Verhalten zu fordern, sondern alles nur noch schulterzuckend toleriert, hört auf eine Gesellschaft zu sein. Oder mit anderen Worten: grenzenlose Toleranz schafft die eigene Grundlage ab.

Ich denke dass sich eine große Mehrheit der gebildeten Mitteleuropäer, mehr oder weniger hinter obigen Aussagen versammeln kann, selbst wenn man Nuancen vielleicht anders formulieren würde. Dann gibt es aber eine Minderheit, die tatsächlich an die "Open World" Ideologie glaubt, nach der niemand irgendwo "illegal" sein kann, weil jeder dahin gehen können soll, wo er will.

Das ist eine schöne Utopie, die ich übrigens teile - aber nur als reine Utopie für eine Welt der Zukunft, die befriedet und vereint ist.

Wir sprechen hier ja oft über die Selbstreferentialität sozialer Systeme, die Reflexivität. Wer das auch nur ansatzweise begriffen hat, kann in der aktuellen Welt die "Open World" Ideologie nicht ernst nehmen. Denn wenn jeder sich aussuchen kann wo er hin geht, wird jeder dahin gehen, wo am meisten zu holen ist, womit reflexiv genau der Zustand des "zu holens" außer Kraft gesetzt wird. Am Ende steht nicht Wohlstand für alle, sondern Armut für alle, das ist völlig klar, wenn man ideologische Scheuklappen und Traumvorstellungen entfernt und mit einem Mindestmaß sozioökonomischer Kompetenz mal darüber nachdenkt.

Wer die Welt voran bringen will, braucht den Wettbewerb der Systeme und Weltanschauungen und damit auch die Abgrenzung derselben voneinander. Fortschritt entsteht durch Vorbild, durch den Unterschied, nicht dadurch dass alle dahin rennen wo man temporär etwas holen kann, bis es dann verbraucht ist. Fortschritt entsteht, indem man sich an Vorbildern ausrichtet und daran arbeitet genau so oder besser als die Anderen zu werden. Das aber tun zu können, erfordert "die Anderen", an denen man sich orientiert und mit denen man sich vergleicht.

Vielfalt braucht Abgrenzungen, sonst endet die Vielfalt.

Wenn Farben nicht auf einem Farbbrett getrennt werden, laufen sie ineinander und es entsteht Grau. Trotzdem kann man mit verschiedenen Farben ein brilliantes, farbenprächtiges, "buntes" Bild malen - eine Farbe alleine kann das nicht. Aber erst die Abgrenzung der Farben erlaubt, so ein buntes Bild zu malen.

Das gilt gerade auch für die Kultur. Denn wer am Ende des Prozesses der Globalisierung eine lebenswerte, befriedete, aber kulturell reiche und vielfältige Welt will, braucht die kulturellen Abgrenzungen, sonst wird es ein grauer Schmelztigel werden, in dem alles irgendwie gleich auf dem Einheitsniveau ist, wie die Läden der Fussgängerzonen Deutschlands schon jetzt.

So weit mein Position zum Thema.

Ich bin also sozusagen auch ein "Bunter", ich habe aber aufgrund der Mechanismen sozialer Systems verstanden, dass wer die Vielfalt und Buntheit der Welt erhalten und weiter fördern will, Abgrenzung und klare kulturelle Vorgaben braucht. Oder mit anderen Worten, ein Land und eine Kultur ist mehr als nur eine Ansammlung von Menschen, die hier schon länger oder kürzer leben und nun halt da sind.

Für manch Verirrte wird man durch so eine Haltung wie oben zum "Nazi", aber Leute die so denken und verbal um sich schlagen, sind für mich schlicht nicht satisfaktionsfähig und damit keiner Erwiderung wert.

Was die Auswirkungen der politischen Entwicklung auf die Börse angeht ist klar, dass das den Markt alles nur marginal interessieren wird, solange die Regierung steht. Fällt aber die Regierung auseinander, wird das deutlich negative Auswirkungen auf DAX und Eurostoxx haben. Die Reaktion auf die Fake News von Reuters zur Auflösung der Koalition in Berlin zeigt schon, dass dann was passieren wird:

Die kommenden Tage sind wir vielleicht klüger.

Ereignis der Woche

Das Ereignis der Woche ist, dass es im Gegensatz zur letzten Woche keines gibt. 😉

Vielmehr liegt nun der Börsensommer vor uns, die großen Katalysatoren sind erst einmal hinter uns, wenn man von dem politischen Risiko absieht, das ich oben beschrieben habe.

Letzte Woche hat der US Markt mit der erwarteten Resilienz auf die riesengroße Menge an Nachrichten reagiert, hier ist der Wochenverlauf aus der -> bekannten Übersicht von Jill Mislinski <-:

Sie sehen mein Satz von letzter Woche ist eingetroffen:

Und ich wäre keineswegs überrascht, nein ich rechne sogar eher damit, dass am Ende der Woche in den Kursen gar nicht so viel passiert ist. Zumindest ist das das Muster der letzten 2 Jahre.

Wir treten nun also in ein Nachrichten-Vakuum ein, die ökonomischen Daten in der kommenden Woche sind durchschnittlich und es gibt jede Menge Notenbanker vor den Mikrofonen, aber nichts Substantielles.

Wir haben gesehen, wie ruhig der Markt letzte Woche unter Dauerfeuer der Nachrichten war. Es wäre nicht untypisch, wenn er im Vakuum volatiler würde.

Hinweis der Woche

Einen ärgerlichen und potentiell traurigen Hinweis muss ich heute los werden. Wie -> hier im Forum <- schon Thema, sind über das Wochenende bei Interactive Brokers alle grossen US ETFs - von SPY über QQQ bis GDX - auf "nicht handelbar" für europäische Retail-Kunden gesetzt worden. Offene Positionen kann man wohl noch schließen, aber keine neuen eröffnen.

Dahinter steht -> dieser Vorgang <-, also nicht IB im eigentlichen Sinne, sondern Mifid II, die wunderbare Regulierung, die uns nun auch bei IB UK tragischerweise wohl doch erreicht.

Worum es wohl geht ist ein dreiseitiges Informationsblatt, das Retail-Kunden ausgehändigt werden muss, bevor diese ein strukturiertes Produkt handeln dürfen. Sinnlose Gängelung mit viel Papier also mal wieder, wie ich sie erst vor Kurzem hier angeprangert habe: -> Mifid II und der Nanny Staat <-

Nun gibt es zwei Varianten, in der positiven Variante, sind diese Infoblätter da, wir reden hier nur über ein technisches Problem bei IB beim Scharfschalten der Dokumente. Das würde bedeuten, irgendwann am Montag ist das Problem einfach weg und alles geht normal weiter, außer das man irgendwas anklicken muss.

In der negativen Variante - und ich befürchte das wird die Realität sein - gibt es diese Dokumente nicht, weil die großen ETF Anbieter in Abwägung zu recht sagen "Scheiss doch auf die paar europäischen Retail-Hansel". Denn sich mit dieser Regulierung zu befassen, kostet ja auch Zeit und Energie und dem stehen die Umsätze von ein paar semi-professionellen privaten Tradern wie uns gegenüber, was sich nicht lohnt.

Wenn das der Ausgang ist, bedeutet es auch für mich, dass ich meine Hedging-Strategie adjustieren muss, die bisher stark auf Shorts auf den großen SPYs und QQQs basiert.

In jedem Fall zeigt es aber, in welch ungute, freiheitsfeindliche Richtung sich die Gesellschaft entwickelt, der Nanny-Staat wird immer intensiver und der nächste Schritt ist dann vielleicht, dass auch Auslandsaktiengesellschaften solcher Regulierung unterzogen werden.

Wie hieß es schon bei Raumpatrouille:

Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen schon Wirklichkeit sein.

Ätzend, die Freiheit ist auf dem Rückzug und die Totengräber tragen das Gewand der guten Absicht und des moralinen Tugendterros.

Man stelle sich eine Szene vor, wie ein Paar in heißen, schmutzigen Sex vertieft ist, so ungefähr wie wenn ich den SPY shorte. 😉 Mitten im schweißnassen Akt bricht die Sittenpolizei die Tür auf und hält dem verdutzen Paar ein mehrseitiges Formular zu Risiken und Nebenwirkungen des benutzten Sexspielzeugs vor die Nase, das bitte zu lesen und zu unterschreiben ist, bevor man den Vorgang fortsetzt.

So ungefähr wirkt dieses Ding bei IB auf mich. Und zwischen diesem regulativen Papierwahn, der niemandem hilft und nichts verändert und einem Veggie-Day, besteht eine direkt Linie in Form eines Zeitgeistes, den es in der französischen Revolution schon früher gab. Das Gegenteil dieses Zeitgeistes ist die Freiheit des Einzelnen, was die Freiheit zu scheitern und sich selber zu schädigen ausdrücklich einschließt.

Wir werden Anfang der Woche sehen, wie das ausgeht.

Chance und Risiko der Woche

Schon seit 2 Wochen steht eigentlich auch für die US Indizes ein kleinerer Rücksetzer im Raum, er kommt aber nicht, was Erinnerungen an 2017 wachruft.

Diese Woche im "Vakuum", wird es wohl zum Schwur kommen und um den gut zu treffen, sollte man auf die "Leader" schauen. Das ist auch der Russell2000 der SmallCaps, aber das sind eben nur SmallCaps. Der wirkliche "Leader" ist Tech und ohne dass bei Tech ein "Risk Off" Effekt einsetzt, wird auch der breite Markt nicht wirklich korrigieren. Schauen wir also auf Chance und Risiko beim NASDAQ100:

Chance ist also die Fortsetzung des aus dem April stammenden, beeindruckenden Aufwärtstrends. Risiko ist ein stärkere Korrektur bis ca. 7000, die eigentlich "fällig" ist.

Ich selber habe mich hier eher auf der sicheren Seite positioniert, das Risiko in einem "2017er Szenario" ein wenig Performance zu verlieren, nehme ich in Kauf.

Index der Woche

Index der Woche ist erneut der Eurostoxx 50 als Abbild der Lage im Euroland.

Jeder mit ein wenig Übung sieht sofort, dass die markante Bewegung von Donnerstag eher *gegen* die Logik der Markttechnik war, das war eher ein bärischer Keil:

Übersetzt bedeutet das, dass das was Draghi produziert hat, eine *echte Überraschung* für den Markt war, die massiven Bewegungen in allen Assetklassen künden klar davon.

Vor der Fähigkeit Draghis, den Markt wie ein Puppenspieler genau das machen zu lassen was er will, kann man professionell gesehen nur den Hut ziehen, auch wenn einem die Politik dahinter nicht gefällt.

Kommende Woche steht für den Markt nun an, diese Bewegung zu bestätigen. Wenn die deutsche Regierung zerfällt, wird das am Ende eher ein Fakeout werden, davon ist dann auszugehen.

Chart/Grafik der Woche

Hier habe ich diese Woche nichts.

Sektor der Woche

Ja die Edelmetalle mal wieder. Schauen Sie mal, wie am Freitag auf den GDX darauf geschlagen wurde, genau da wo die Chance bestand, dass sich das nun nach oben in Bewegung setzt:

Oder auch Silber selber, faszinierend oder?

Man kann das nennen wie man will, einige nennen es "Manipulation". Ich nenne es einfach großes Geld, das die Edelmetalle nicht ausbrechen haben will. Und solange das so ist, sollten wir weiter zurückhaltend bleiben und uns im Sektor erst dann wirklich engagieren, wenn die Dinge hier irgendwann in Bewegung geraten. Wenn Silber diesen Abwärtstrend aber bricht, wird es sehr dynamisch sein, auch das ist klar.

Aktie der Woche

Na was wohl, Tesla (TSLA). Die 360 USD sind erreicht und Sie wissen ja weil ich es im Forum -> hier in Post 7 <- geschrieben habe, dass ich bei 278 USD erhöht und "Musks Hybris" gekauft habe - "Buy & Hold mit Tesla und Popcorn" sozusagen.

Nun, mein Popcorn ist leer und Tesla bei 360, so viel habe ich grinsend gemampft. Manche "meinungsstarke Anleger", die länglich vorrechnen können, warum die Hummel sowieso nicht fliegen kann, werden es einfach nie lernen. Der Markt interessiert sich nicht für das, was wir glauben und meinen und wer sich so in der Herde auf die Short-Seite legt, ruft einfach nur laut: schlagt mich bitte!

Wie geht es weiter? Natürlich hängt das von den Nachrichten um den Produktionsablauf ab, aber ich gehe weiter davon aus, dass Musk das in den Griff bekommt. Wenn Tesla abschmiert, dann nicht deswegen, sondern wegen Konkurrenz und Verlust der Vorreiterrolle. Aktien brechen nicht wegen Themen ein, die tausendfach öffentlich durch den Meinungs-Kakao gezogen werden.

Letztlich ist das aber egal, was irgendwer - mich eingeschlossen - denkt, weil das Chart spricht zu uns und es ist ein starkes Chart, mit Bedarf für ein Retracement. Heisst taktisch ist jetzt der Zeitpunkt, um bei 360 USD Gewinne mitzunehmen oder diese zumindest eng zu sichern. Ich habe meine "Überposition" vom 03.05. wieder verkauft und bin noch mit meiner alten "Spassposition" drin, warte ab und fülle mein Popcorn wieder auf.

Sicher, wenn die Aktie in einem riesigen Squeeze nun sofort oben rausschiebt, dann ist das halt so und ich mit weniger dabei als vorher, aber man muss eine Entscheidung treffen und 360 war das Ziel des Trades und insofern ist die Teilgewinnmitnahme hier nur konsequent.

Ich rechne aber eher mit ein paar Wochen eiern unter der 360 und dann erst dem Ausbruch, als mit einem sofortigen Durchmarsch, aber wir werden sehen. Sollten die Bären es schaffen den Kurs jetzt auf 320 zu drücken und sollte die Nachrichtenlage dabei unverändert bleiben, lege ich vielleicht wieder nach. Ein Long gegen 30% Shortquote, wenn jemand derartig unkonventionell und kompromisslos wie Musk mit Haut und Haaren für die Sache kämpft, ist mir einfach zu "lecker" um das verpassen:

Ihr Hari

Disclaimer:

Der Wochenausblick ist ein im Jahr 2018 wöchentlich wiederkehrendes Format, dessen Sinn, Inhalt und Logik -> hier <- erläutert wurde.

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Zur Sicherheit im Armageddon


Im Forum habe ich -> hier nach neuen Themen für Lehrer Bömmel gefragt <-. Eine Frage war wie folgt:

Hari, auf Deinen aktuellen Artikel bei Tichy gab es einen Leserkommentar mit einer Fragestellung, die mich auch sehr interessieren würde. Es ging dort um "Qualitätsaktien im Krisenfall", mich würde aber auch im Normalfall interessieren:

Wo sind eigentlich meine Aktien? Wer hat die in welcher Form? Wie komme ich an meine Aktien? Wo ist mein Anspruch verbrieft? Zitat: "Was passiert mit unseren Forderungen in einer Krise? Leider sind es doch nur Forderungen, denn fast niemand von uns hat doch seine Aktien in realer Papierform, im Original, als Urkunde im Safe zuhause liegen, ja nicht einmal die Bank hat die Aktien in physischer Form in ihrem Safe"

Was nützen mir gute Aktien ("Qualität, Qualität, Qualität"), wenn diese nur eine Zahl und ein Textbaustein in meiner DiBa-App sind?

Wichtiger Punkt und ja, ich habe diesen Kommentar zu -> meinem Artikel <- auch gesehen und halte ihn für im Kern richtig, aber trotzdem für wenig hilfreich und die Anleger auf die falsche Fährte lockend. Und das will ich heute erklären. Hier ist er:

Zitat von Hari: „Und da sind wir auch gleich bei der Qualität, denn in der Krise wird sowieso alles massiv fallen – wirklich alles – , darauf müssen wir uns einrichten. Die Frage ist also nicht, was wie stark fällt, sondern was nach der Krise noch die Chance hat, zu stehen und wieder an Wert zu gewinnen. “

Kommentar: Was ist aber nach der Krise mit den „Qualitäts-Aktien“? Wo sind die überhaupt? Wer hat sie? Wo liegen sie? In welcher Form? Wer hier im Forum hat seine Aktien zuhause? Also ich habe keine daheim. Hari, haben Sie Aktien daheim? Die Wahrheit ist doch, nicht einmal die Bank hat unsere Aktien. Die Aktien stehen lediglich als Stückzahl in irgendeinem Verwahrbuch. Das Ganze nennt sich Buchverwahrung.
Glaubt irgendwer, eine Forderung gegen die Depotbank hätte nach der Krise noch irgendeinen Wert? Gibt es die Depotbank noch? Und wenn ja, wer beschafft uns die Aktien? Dieser Punkt wird überhaupt nicht thematisiert. Was passiert mit unseren Forderungen in solch einer Krise? Leider sind es doch nur Forderungen, denn fast niemand von uns hat doch seine Aktien in realer Papierform, im Original, als Urkunde im Safe zuhause liegen, ja nicht einmal die Bank hat die Aktien in physischer Form in ihrem Safe. In den Krisen zuvor, in den 20er Jahren hatten Aktionäre ihre Aktien als Urkunden daheim im Safe. Die haben mitunter ihren Wert bis nach der Krise behalten. Aber doch nicht anno 2018. Wir spielen in einem Casino mit virtuellen Werten, die wir nie real gesehen haben. Leider ist das so. Ich will Antworten von Euch!

Zunächst einmal, der Autor hat von Details abgesehen in der Kernaussage Recht. Er hat aber nicht nur Recht für Aktien und das ist sehr wichtig zu verstehen, er hat Recht für unser ganzes Leben und deshalb hat er wieder Unrecht mit seiner Argumentation gegen Aktien.

Denn wir müssen immer zwei Arten von Krisen unterscheiden. Eine Systemkrise wie Lehman, in der das System wackelt aber nicht kippt. Und ein "Armageddon", also eine Krise, in der unsere Gesellschaftsordnung zerfällt.

Wenn Letzteres passiert und im schlimmsten Fall auch noch der Strom weg ist, steht alles in Frage, da unser ganzes Leben weitgehend digitalisiert und von Datenbanken abhängig ist.

Da wird von ETF Anlegern argumentiert, dass diese ja "sicher" seien, weil die ja "Sondervermögen" seien. Im Falle Armageddon Quatsch. Um an Sondervermögen in Irland zu kommen, braucht man ein funktionierendes Rechtssystem über Ländergrenzen hinweg. Es braucht noch nicht einmal ein "Armageddon" um das in Frage zu stellen, schon der Zerfall der EU dürfte genügen, dass man an Sondervermögen in Irland nicht mehr so einfach kommt.

Da wird von Immobilien-Besitzern argumentiert, dass diese ja "sicher" seien, weil es ein Grundbuch gäbe in dem der Besitz dokumentiert ist. Stimmt, noch sind die Grundbücher auf Papier, aber auch das ändert sich. Und wenn die Grundbücher mal digital sind, gilt das Gleiche wie zu Aktionärsverzeichnissen.

Im Falle "Armageddon" aber, wenn die gesellschaftliche Ordnung nicht mehr funktioniert, funktionieren aber auch bei einer Immobilie Gerichte nicht mehr, die dann nach 3 Jahren Recht sprechen. Dann gilt das Faustrecht, dem man nur mit Schrotflinte und scharfem Schäferhund begegnen kann. Und solches Faustrecht in Sachen Immobilien gibt es doch heute schon, was sind denn Hausbesetzungen der linken Szene anderes? Und bekommt man diese Hausbesetzer mit heutigem Rechtssystem schnell raus? So viel zur Sicherheit von Immobilienbesitz im Falle "Armageddon". 😉

Da wird von Rentenbesitzern argumentiert, dass die Rente ja sicher sei. Ja stimmt, solange wir eine staatliche Ordnung und Demokratie haben. Danach nicht mehr.

Und Ansprüche aus Lebensversicherungen? Ich bitte Sie, die sind auch nur elektronisch in Computern und im Falle von Armageddon zusammen mit den Versicherungs-Unternehmen schlicht weg.

Da wird von Gold-Besitzern gerne argumentiert, dass das ja "sicher" sei, weil man das physikalisch habe. Naja, wenn das Faustrecht gilt, ist es vor allem die Frage wie lange man es hat. Ein Revolver am Kopf verändert da schnell die Vermögensverhältnisse, schneller als bei Konten bei Banken.

Und es ist extrem fraglich, ob in so einer Situation wirklich jemand Gold haben will. Denn wenn es darum geht genügend Essen zu finden und seine Familie zu schützen, hat Gold nur dann Wert, wenn man daran glaubt, dass die Situation temporär ist - wie 1945-1947 nach dem Krieg. Wenn dieser Glaube aber nicht da ist, ist Gold nur totes, nutzloses Metall und die "Währung" sind dann eher Steckrüben, Zigaretten und alles was man Essen und im kalten Winter verheizen kann.

Ich könnte weiter machen, ich denke Sie wissen worauf ich hinaus will. Der Kommentator hat also Recht und leitet die Anleger trotzdem in die Irre. Denn wenn der Zustand eingetreten ist, dass elektronische Aktionärsverzeichnisse nichts mehr wert sind und auch juristisch nicht mehr durchgesetzt werden können, haben wir noch schlimmere Probleme und unser Aktienbesitz wird uns eher peripher berühren, weil wir Hunger und Angst um unser Leben haben.

Das ist der Fall Armageddon. Es gibt keine Sicherheit im Falle Armageddon, schon gar nicht bei Geldanlagen. Und das ist kein Spezialproblem von Aktien wie der Kommentar impliziert. Am Besten geht es in so einer Phase einem Bauern mit viel Land zum Anbau von Nahrung und vielen scharfen Hunden zur Bewachung des Landes.

Lassen wir den Fall des grossen Armageddon also mal beiseite, den singulär aus Aktiensicht zu betrachten, führt nicht weiter. Es gibt keinen Nachteil von Aktien im grossen Armageddon, sie werden vielmehr ebenso wertlos, wie praktisch alle anderen Anlageformen.

Betrachten wir mal die neue Systemkrise ala Lehmann, in der das System wankt aber erhalten bleibt. Ein kleines Armageddon eben. Dann kann es immer noch schwierig werden, juristische Ansprüche über Ländergrenzen hinweg durchzusetzen.

Genau dieses Thema habe ich hier schon 2016 adressiert und zwar in -> Armageddon <-. Wobei damit eben nicht das grosse Armageddon wie oben gemeint ist, sondern eine kleinere Variante, ein neues, schlimmeres Lehman, nach dem die Welt Jahre braucht um wieder zur Normalität zu finden. Bitte lesen Sie das mal!

Und wenn Sie das gelesen haben, kennen Sie auch meine Antwort: Namensaktien die im -> Aktienbuch <- von der Aktiengesellschaft geführt werden. Was konkret heisst, erklärt -> dieser Artikel ganz gut <-. Im angelsächsischen Raum sind Namensaktien Standard.

Fazit:

Der Autor des Kommentars hat generell Recht, mit seinem negativen Fokus auf Aktien aber gerade Unrecht. Das Problem der digitalen Speicherung von Besitz existiert generell, wenn man darauf achtet Namensaktien von Weltkonzernen zu besitzen, ist man relativ gesehen noch am Besten dran.

Klar, wenn der Dienstleister Clearstream nicht mehr existiert und die Allianz vergessen hat, dass wir Aktionär waren, bleiben nur gedruckte Kontoauszüge vor einem Gericht, falls es das dann irgendwann mal wieder gibt.

Aber immerhin, die Gesellschaft Allianz weiss in allen sonstigen Fällen direkt, dass wir Aktionär sind - im Gegensatz zu Inhaberaktien.

Und nun sagen Sie mir mal was hätten Sie lieber im Falle eines kleinen Armageddon, im dem das Finanzsystem und der Euro zerbricht, die lokale staatliche Ordnung mit Strom und Polizei aber erhalten bleibt.

Hätten Sie dann lieber einen ETF, dessen Anteil an einem in Irland liegenden Sondervermögen Sie dann in Irland "irgendwo" geltend machen müssen, insbesondere wenn der ETF-Anbieter selber nicht mehr operabel ist.

Oder hätten Sie dann nicht doch lieber die Namensaktie von Allianz oder Apple, bei der die Unternehmen Sie als Aktionär direkt mit Anschrift kennen und selbst wenn Clearstream abnibbelt, vielleicht ja doch eine ältere Kopie des Aktionärsbuches haben?

Ich weiss schnell, was da meine Präferenz wäre und deshalb ist der Kommentar im Ergebnis falsch. Er macht an der falschen Stelle Angst, denn alle anderen Anlageformen sind nicht besser, Und er erzeugt eine unberechtigte "Sicherheit" bei physikalischem Besitz, die leicht mit einem Revolver ausser Kraft zu setzen ist und in einem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung auch wird.

Das ist übrigens der absolut zentrale Gedankenfehler, den alle Goldbugs machen, die den Gedanken an die physische Verfügbarkeit zur alleinigen Monstranz erheben. Denn genau dann, wenn der Fall eintritt, gegen den sich diese Menschen schützen wollen, wird niemand mehr da sein, der sie gegen Raub und Diebstahl schützen kann - ausser die eigene Knarre immer am Mann und auch das nützt nur begrenzt gegen gut organisierte Banden.

Wer früher mal Western gesehen hat, weiss was ich meine. Das war eine Zeit in der die Sicherheit nicht staatlich garantiert wurde. Nun stelle man sich mal eine einsam gelegene Farm vor, deren Farmer dann mitten in einer Hungersnot in die Kleinstadt mit Goldpulver kommt und damit Nahrung bezahlt. Was glauben Sie wohl, was innerhalb des nächsten Monats auf der Farm passiert wäre, wenn durch den Kauf mit Gold jeder weiss, dass da was zu holen ist? Wie viel hat dann also phyischer Besitz genützt?

In der schlimmen Krise, vor der die Angst haben, die in Massen Gold horten, ist physischer Besitz gerade nicht sicher, sondern ein Risiko, das man permanent mit Gewalt verteidigen muss. Hinterlegte Besitzansprüche an Konzernen, die es nur dann nicht mehr geben wird, wenn die Steinzeit dauerhaft zurück kommt, erscheinen mir da relativ gesehen noch "am Sichersten", auch wenn es absolute Sicherheit natürlich auch da nicht gibt.

Ihr Hari

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