Wer hat Angst vorm bösen Trump?

Dieser Tage kann man wieder fasziniert beobachten, wie Differenzierung auf der Strecke bleibt, wenn es um die Person Trump geht.

Da hat der Mann nun Strafzölle für Aluminium und Stahl verkündet, etwas was er schon länger angekündigt hatte.

Völlig klar war, dass die deutschen, sogenannten "Mainstream-Medien (MSM)" darauf einschlagen würden. Egal was Trump macht, es wird immer darauf eingeschlagen, weil es in der Person Trump in einem Paket daherkommt, das auch bei Wohlmeinenden eher Abscheu ob dieser hohlen Ansammlung an Ego und Selbstlob hinterlässt.

Und für die Politik ist es eine wohlfeile, bigotte Gelegenheit, sich mal wieder als Verteidiger des Freihandels zu inszenieren, dabei sind genau die gleichen Politiker schnell mit einer Subvention an der Hand, wenn es nur der heimischen Industrie im Wahlkreis dient.

Ist also alles nur deshalb falsch, nur weil es von einer fraglos wenig sympathischen Person gesagt wird?

Aber auch umgedreht können wir die Tage beobachten, dass genau die, die sich zurecht über den moralischen Absolutismus der MSM ärgern, dann manchmal umgedreht in die gleiche Falle gehen und pauschale Urteile fällen.

Ist also alles nur deshalb falsch, weil es von den Mainstream-Medien und der Politik kommt und sich gegen Trump wendet?

Die Antwort ist in beiden Fällen *Nein*.

Wer nun unreflektierte Jubelgesänge auf Trumps Zoll-Politik verfasst - und ich habe da am Wochenende in anderen Blogs so allerlei gelesen - ist keinen Deut besser als die, die er kritisiert. Denn die Antwort zum Thema Handel ist komplex, differenziert, keineswegs einfach und nicht Schwarz/Weiss.

Zunächst einmal sei daran erinnert, dass der weltweite Freihandel ein scheues Reh ist und nur funktionieren kann, wenn alle Beteiligten einen multilateralen, kooperativen Ansatz fahren. Schert nur ein wichtiger Spieler aus, ist es damit vorbei.

Und es sei daran erinnert, dass Handel eben kein Nullsummenspiel ist, sondern vom freien Handel am Ende alle profitieren. Das ist völliger Konsens bei praktisch allen Wirtschaftsfachleuten und Ökonomen, gleich welcher ökonomischer Denkrichtung. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel.

Im Übrigens bestätigen die weltweiten Daten zur Wohlstandsentwicklung seit Fall des eisernen Vorhangs eindrucksvoll diese Sicht. Die Welt ist im Gesamten gesehen durch den Handel erheblich wohlhabender geworden, Armut und Hunger wurden eindrucksvoll zurück gedrängt, wenn auch noch nicht beseitigt. Alle Daten auf Ebene der ganzen Welt, zeigen statistisch in diese Richtung.

Um diesen kooperativen Ansatz am Leben zu erhalten, wurde die World Trade Organisation (WTO) gegründet, deren "Rechtsprechung" sich alle fortgeschrittenen Handelsnationen unterwerfen um den kooperativen Ansatz mit Leben zu füllen. Dabei lassen die Regeln der WTO sehr wohl Zölle und Handelsschranken zu, sie müssen sich aber selektiv als Gegenmaßnahme gegen andere Vertragsverletzungen richten und genau das ist der entscheidende Punkt, der bei Trumps Ansatz zu kritisieren ist.

Kommen wir also zu Trumps Zöllen und der Angst vor einem Handelskrieg, ich will mal versuchen das Ganze aus meiner Sicht rational und ohne Schwarz/Weiss-Denken aufzudröseln. Und ob Trump charakterlich dieses oder das ist, sollte bei einer rationalen Bewertung seiner Politik keine Rolle spielen.

Erstens, ist es richtig, dass China zwar den Freihandel im Munde führt und wie in Davos 2017 auch immer wieder nützliche Idioten in der westlichen Wirtschaft findet, die dieser Propaganda zujubeln, weil sie Dollarzeichen in den Augen haben - faktisch aber ganz harte Macht- und Industriepolitik betreibt, die sich um die Regeln der WTO nur dann kümmert, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Man muss nur beispielsweise schauen, wie China die eigenen Branchen mit einer gesetzlich erzwungenen 51% Zwangsmehrheit gegen ausländischen Einfluß schützt, während man sich gleichzeitig in Europa einkauft, wo solche Schutzmauern nicht existieren. Das ist eindeutig asymetrische Industrie-Kriegsführung, die den blauäugigen und kurzfristig profitverliebten westlichen Eliten noch auf die Füße fallen wird.

Zweitens, ist es fraglos richtig, dass die gewaltigen Überkapazitäten die China aus innenpolitischen Gründen in vielen Industriebereichen - wie auch Stahl und Aluminium - am Leben erhält, eigentlich ein Skandal sind und mit Marktwirtschaft rein gar nichts zu tun haben.

Drittens, ist es daher folgerichtig und nicht zu kritisieren, dass sich andere Volkswirtschaften dagegen mit Zöllen abschotten, die WTO lässt das ausdrücklich zu und ein Handelskrieg ist das damit nicht. Europa tut es und wenn Trump nun Zölle nur gegen China wenden würde, wär daran nichts zu kritisieren.

Viertens, ist es fraglos richtig, dass auch in der EU hier und da Doppelmoral in Sachen Handel herrscht, im Großen und Ganzen hält sich die EU aber an die WTO Regeln und betreibt kein weltweites Einfluss-Powerplay damit wie China und die USA.

Fünftens, ist auch das Handelsverhältnis der US zu Europa im Saldo eher von Fairness geprägt. Da Trump Autozölle zum Thema gemacht hat sei daran erinnert, dass die EU 10% Importzölle für US Fahrzeuge nimmt, die US aber nur 2,5% Importzölle für PKW, dafür aber 25% für Vans und Trucks. Im Saldo gleicht sich das wieder aus, was im Handel genau Fairness bedeutet.

Sechtens, wenn dann zwischen EU und US eine Seite einen Überschuß generiert, ist es nicht das Ergebnis unfairer Vorteile, sondern das Ergebnis besserer Produkte. Dass bei Autos die EU durch Deutschland einen klaren Überschuß besitzt, liegt an besseren Autos als sie bisher von Ford und GM produziert wurden. Erst mit Tesla dreht sich das Blatt wieder. Und dass im IT und Internet-Bereich die US-Konzerne im Sinne FAANG den Handel dominieren, liegt an den besseren Produkten des Silicon Valley, die weltweite Marktmacht haben.

Was ist also das Problem an Trumps Zöllen? Warum besteht nun Angst vor einem Handelskrieg?

Weil er eben nicht nur - nach den Regeln der WTO berechtigt und für die US überfällig - China straft. Sondern weil er die Zölle pauschal für alle erheben will, auch die, die sich an faire Regeln halten!

Genau das wäre der Sündenfall und würde gegen WTO-Regeln verstossen. Genau davor haben alle Angst, weil es dann Gegenmaßnahmen auf den Plan bringt und sich daraus ein Handelskrieg entwickeln könnte, in dem alle nur verlieren können.

Selektive Gegenmassnahmen sind absolut akzeptabel. Eine generelle Abschottungspolitik nach Autokraten-Manier, der Trump am Wochenende fatalerweise mit Drohungen in Richtung der deutschen Autobauer Nahrung gegeben hat, ist aber inakzeptabel und schadet als Allererstes Amerika selber, das seine weltweite Dominanz auf Freihandel aufbaute und nicht auf Abschottung.

Und das so zu sehen ist keineswegs "Trump-Bashing", denn:

  • Seine eigenen Wirtschaftsberater Finanzminister Steve Mnuchin und Gary Cohn wenden sich dagegen.
  • Die Republikanische Partei (GOP = Grand Old Party) ist in überwältigender Mehrheit dagegen, die Demokraten sowieso.
  • Praktisch alle Ökonomen gleich welcher Denkschule sind dagegen und das will schon was heißen wenn man weiß, wie "spinnefreind" die sich teilweise sind.

Tja und die deutschen Main-Stream-Medien schießen halt auch dagegen, weswegen die Kritik aber nicht falsch sein muss. Man kann auch aus den falschen Gründen die richtige Meinung haben.

Der Kern des Problems sind also nicht ein paar Prozent bei Stahl, das kann man als nebensächlich abhaken. Der Kern des Problems ist, dass Trump mit seinem Verhalten einen unilateralen Ansatz signalisiert und der kann das zarte, kooperative Pflänzchen des Welthandels schnell kaputt machen. Und am Ende wären wir alle ärmer.

Und geben wir uns keiner Illusion hin, das ist ein Thema, das sich im Gegensatz zu vielen medialen Säuen mal tatsächlich auf die Gewinne der Unternehmen auswirkt. Sollte der Markt also die Meinung entwickeln, dass sich hier ein Handelskrieg entwickelt, werden die Kurse stark fallen und das zurecht!

Im Moment glaubt der Markt das aber noch nicht, er setzt darauf, dass Trump von seinem Umfeld wieder in die Spur gebracht wird und es zu keiner generellen Eskalation kommt. Hoffen wir das der Markt Recht behält, dann kann 2018 noch ein gutes Aktienjahr werden.

Wer dagegen wissen will was Abschottung und Handelskriege bewirken, muss nur in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts schauen. Und was das hervor gebracht hat, wissen wir hoffentlich alle, wenn wir auch nur ein wenig geschichtliche Bildung besitzen.

Ihr Hari

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Ob nach dem Brexit das englisch Runde in das französisch Eckige geht?

Der Brexit hat die Märkte auf dem falschen Fuss erwischt, denn noch am Donnerstag Abend um 23 Uhr hatte in Anbetracht von Umfragen und Buchermacherwerten, niemand mehr ernsthaft mit dem Brexit gerechnet.

Wenn Sie sich aber beispielsweise mal den Wochensaldo des DAX letzte Woche anschauen, der sich nur um 74 Punkte von 9.631 auf 9.577 herab bewegt hat, sehen Sie schnell, dass wir trotz der 10% Minus am Freitag gar keinen Crash hatten, es wurden einfach nur die Gewinne von Montag bis Donnerstag mit einem Schlag wieder abgebaut, weil diese auf einer falschen Annahme (dem "Remain") fussten.

Summa Summarum, war das Marktverhalten am Freitag aber recht kontrolliert, sehr volatil zwar, aber ohne echte Panik. Auch die Finanzsysteme haben Stand gehalten und Banken, die trotz dieses lange planbaren Events ihre EDV trotzdem nicht im Griff hatten, sollte man konsequenterweise mit Abzug von Kapital strafen. Denn Schönwetterbanken braucht niemand.

Womit sich nun die Frage für Anleger stellt, wie es nun weiter geht.

Denn entscheidenden Punkt dafür, hatte ich schon vor einer guten Woche unter Punkt (5) des Artikels -> Brexit für Dummies < - geschrieben:

Fünftens, ob der "Brexit" oder das "Remain", dann Europa schwächen oder stärken wird, ob es Grossbritannien zu einem abgehängten, irrelevanten Wurmfortsatz Europas, oder gerade erst zu einem höchst erfolgreichen Wirtschaftsstandort macht, diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und hängt weniger von der Entscheidung selber, als davon ab, wie die Details danach gestaltet und verhandelt werden.

Der schlichte Narrativ, der nun vom "Remain"-Lager in Europa verbreitet wird, ist ja, dass die Briten nun das grössere Problem als die EU haben und sich "störrische, ungebildete Alte" in England, sozusagen selber in den Fuss geschossen haben.

Für bestimmte Denkschulen, ist die Welt ja immer simpel. Wenn man nicht ihrer Meinung ist, ist man wahlweise rechtsextrem, ungebildet, in der Vergangenheit lebend, fremdenfeindlich oder einfach nur blöd. Es lebt sich einfach gut, wenn die Welt so fein in Gut und Böse geteilt ist und man so immer nur bei den "Guten" ist.

Unsere Geldanlagen, sollten wir aber auf keinen Fall nach so einem dürftigen Narrativ richten, oder haben Sie den Eindruck, dass die Leute die dabei am Lautesten rufen, besonders erfolgreich an der Börse sind? 😉

Wahr ist, was ich oben schon geschrieben habe: Diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und hängt weniger vom Brexit selber, als davon ab, wie die Details danach gestaltet und verhandelt werden.

Und dabei beschleicht mich ein Verdacht. Der Verdacht, dass die EU nun das viel grössere Problem hat.

Denn das grösste Problem der Märkte ist nun Unsicherheit. Wo wird denn nun die Unsicherheit grösser sein?

Weiterlesen ...Ob nach dem Brexit das englisch Runde in das französisch Eckige geht?

Der Euro und der Grexit: Der Kern des Problems

Die Medien sind voll mit Analysen und Meinungen zum möglichen Grexit und auch in den internationalen Foren werden sich die "Haare gerauft" und gegenseitige Vorwürfe erhoben.

Ich könnte jetzt Seiten um Seiten zum Thema schreiben, wie wir das im Premium Bereich schon in den letzten Wochen getan habe, um das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Oder ich mache es kurz und klar, um in all dem argumentativen Durcheinander mal wieder den Blick auf den Kern des Problems zu lenken.

Denn der Kern des Problems ist nicht griechische "Faulheit" oder deutsche "Sturheit", es ist ein Euro, der so wie aktuell konstruiert, gar nicht funktionieren kann.

Denn ein einheitlicher Währungsraum kann nur funktionieren, wenn dem Währungsraum auch eine einheitliche Wirtschafts- und Fiskalgesetzgebung zugrunde liegt. Und dann auch noch eine zumindest ähnliche Rechts- und Wirtschafts-Kultur im Währungsraum existiert.

Das war bei Gründung des Euros eigentlich klar, nur wurde es politisch versäumt, die guten ersten Jahre zu nutzen, um diese Strukturen nachzuholen und als Euroraum rechtlich und wirtschaftlich zusammen zu wachsen. Das waren die Jahre, in denen gerade die Südländer massiv von den fallenden Risikoaufschlägen profitierten, die wiederum die Folge davon waren, dass eben auch Stabilitätsanker wie Deutschland nun den Währungsraum bildeten.

So wie der Währungsraum des Euros aber heute konstruiert ist, unverändert als Flickenteppich ohne einheitliche Wirtschaftskultur, Wirtschaftspolitik und Fiskalpolitik, kann er nicht dauerhaft bestehen. Entweder er wächst schnell eng zusammen, oder er fällt auseinander. Punkt.

Es gibt historisch keine Währungsunion, die je mit derart fehlenden Grundlagen funktioniert hat. Aber einige Beispiele, die genau deswegen gescheitert sind.

Und Griechenland hat durchaus Recht, mit diesem „Reform“-Programm kann es nicht leben. Das liegt aber nicht am Programm, sondern am Euro. Griechenland kann mit seiner mangelnden Wettbewerbsfähigkeit und seinen ineffizienten öffentlichen Strukturen in keinem Programm gleich welcher Art im Euro leben und auch nicht ganz ohne Reformprogramm. Egal was man nun macht, wenn Griechenland in diesem Euro bleibt, werden wir in ein paar Jahren und viele verbrannte Milliarden später, wieder vor dem gleichen Problem stehen. Denn Griechenland gehört nicht in den Euro und hat nie hinein gehört.

Ein Land wie Griechenland braucht den Wechselkursmechanismus und damit verbunden die Abwertung der Währung, wie die Luft zum Atmen. Ohne die Abwertung, wird Griechenland in ein paar Jahren wieder vor den gleichen Problemen stehen, ganz egal was nun passiert.

Und umgedreht braucht Deutschland die Aufwertung wie die Luft zum Atmen, um dauerhaft zukunftsfähig zu bleiben. Mit einer dauerhaft schwachen Währung wird Deutschland langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Das süsse Gift der schnellen, leichten Gewinne, das sich nun aktuell scheinbar positiv auswirkt und Stärke vorspiegelt, wirkt erst in ein paar Jahren, dafür aber um so stärker.

Der Euro versucht in eine Währung zu pressen, was nicht zusammen gehört. Griechenland und Deutschland können nicht in einer gemeinsamen Währung sein, wenn es nicht eine einheitliche Regierung und gemeinsame Kultur gibt. Das ist die grosse Lebenslüge des Euros. Er ist eine fatale Fehlkonstruktion, die den Spaltpilz an Europa legt, aber kaum einer in der Politik traut sich, es zu sagen und daraus die logischen Konsequenzen zu ziehen.

Schaut man ganz rational auf das gesamte Bild, ergeben sich nach meiner Überzeugung nur drei Alternativen:

(1) Der Euroraum wächst nun schnell in einen einheitlichen Rechts- und Wirtschaftsraum mit einheitlicher Gesetzgebung und Regierung zusammen und schafft damit endlich die Voraussetzungen dafür, dass der Euro überhaupt funktionieren kann.

Das ist leider völlig unrealistisch. Die deutsche Gesellschaft wäre dazu wohl noch am ehesten bereit. Aber gerade die südeuropäischen Gesellschaften wie in Griechenland, wären nie bereit, ihre Souveränität an einen Bundesstaat abzugeben. Nie im Leben. Das gilt auch für Frankreich.

(2) Der Euroraum schrumpft sich gesund und gleicht sich an, in dem die stärksten Länder wie Deutschland austreten.

Obwohl es theoretisch wohl die beste Lösung wäre und tatsächlich zu einer Art Nord- und Süd-Euro führen würde, der dann besser funktionieren kann, ist es leider auch unrealistisch. Denn es gibt ein Land, das nicht aus dem Euro austreten kann, weil er sonst am Ende wäre. Und das ist Deutschland. An dem Tag, an dem Deutschland aus dem Euro austritt, bricht ein Finanz-Tsunami in der Welt los, gegen den alles was wir bisher erlebt haben, ein Kindergeburtstag wäre. Und das, weil der "Rest-Euro" jede Glaubwürdigkeit verliert und ihn keiner mehr haben will.

Man kann es auch mit einer Metapher beschreiben: Einem Körper kann man Finger und sogar eine Hand und einen Fuss abschneiden und er kann immer noch leben. Aber das Herz und die Lunge kann nicht entfernt werden.

(3) Womit nach zwei unrealistischen Möglichkeiten, nur eine Dritte bleibt: Der Euroraum schrumpft sich gesund und gleicht sich an, in dem die schwächsten Länder, angefangen mit Griechenland, austreten.

Die Variante (3) ist die einzige, die realistisch denkbar ist. Dabei hat auch sie erhebliche Risiken auf der politischen Seite. Nein, es ist keine "schöne" Variante, aber die einzige die realistisch ist. Denn damit werden in der öffentlichen Wahrnehmung schwache Volkswirtschaften einfach "zurück gelassen" und das wird zu Radikalisierung führen und am Ende auch dem Zusammenhalt in der EU massiv schaden.

Aber dieser Schaden der gegenseitigen Vorwürfe und des Auflebens alter nationaler Ressentiments, ist ja schon längst eingetreten und eine Lösung ohne Schmerzen gibt es leider nicht mehr. Das hat uns die Politik der 90er Jahre mit der Einführung des fehlkonstruierten Euros eingebrockt, der Europa spaltet und nicht eint.

Zu glauben, man könne den Euro - so wie er aktuell ist - zusammen halten und trotzdem souveräne Länder bleiben, ist aber völlig illusorisch und wer das verfolgt, betreibt nach meiner festen Überzeugung Konkursverschleppung.

Dieser Euro hätte so nie gegründet werden dürfen. Da er nun aber mal in der Welt ist, bleibt nur der Weg des Gesundschrumpfens auf einen Kreis von Ländern, die sich kulturell, rechtlich und wirtschaftlich so nahe sind, dass sie einen gemeinsamen Währungsraum bilden können.

Je länger diese Grundsatzdiskussion aufgeschoben wird, desto schlimmer werden die Schmerzen und die Scherkräfte in der Eurozone werden. Und desto schlimmer werden die Folgen für die Einheit Europas sein. Wer Frieden und Freundschaft in Europa erhalten will, muss diese Diskussion nun führen.

Die Mathematik lässt sich halt nicht betrügen und nicht mit medialer Rabulistik beruhigen. Und auf den ausgleichenden Wechselkursmechanismus, kann man zwischen Volkswirtschaften nur dann verzichten, wenn die Volkswirtschaften sich sehr ähnlich sind oder es eine gemeinsame Regierung gibt, die demokratisch legitimiert einen Lastenausgleich organisiert, so wie das bei der deutschen Wiedervereinigung passiert ist. Punkt.

Ihr Hari

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Russland und Osteuropa – Kaufen, wenn die Kanonen donnern ?

Dieser Börsenweisheit wurde schon oft zitiert und beweist doch immer wieder erstaunliche Trefferquote. Nicht kurzfristig, kurzfristig ist die Zukunft unbestimmt und niemand kann politische Volten oder sogar Kriegsverläufe vorher sehen.

Aber langfristig ist an der Regel etwas dran. Und das liegt daran, dass der Markt dazu tendiert, im ersten Schreck einer potentiell kriegerischen Entwicklung, alles Negative sofort einzupreisen. Der Markt übertreibt also am Anfang oft nach unten - "Angst fressen Seele auf" sozusagen. Im weiteren Verlauf reicht dann schon eine durchwachsene Entwicklung aus, die übergrossen Ängste des Marktes wieder zu nehmen und so steigen die Kurse wieder in alte Regionen.

Damit stellt sich bezogen auf Osteuropa und Russland doch die Frage, ob es auch in den dortigen Aktienmärkten, zu so einer Überreaktion gekommen ist, die im Zuge einer langsamen Normalisierung nun langsam abgebaut wird.

Wir verfolgen das Thema im Premium-Bereich schon seit Ende April, seit erste klare Entspannungszeichen aus dem Kreml kamen und die unmittelbare Gefahr eines Einmarsches in der Ukraine zu schwinden schien. Denn der Markt interessiert sich natürlich für einen potentiellen Konflikt zwischen Russland und dem Westen. Und er interessiert sich auch für die Folgen von Wirtschaftssanktionen auf einzelne Unternehmen und den Freihandel generell. Für einen Bürgerkrieg in einem wirtschaftlich irrelevanten Land wie der Ukraine, interessiert sich der Markt aber eigentlich nicht, solange das eine interne Angelegenheit bleibt und eben daraus folgend zu keiner Eiszeit zwischen Russland und Europa kommt.

Insbesondere nach den klaren Aussagen von Putin nach dem Besuch des Vorsitzenden der OSZE und Schweizer Bundespräsidenten Didier Burkhalter in Moskau, scheint das unmittelbare Kriegsrisiko rund um die Ukraine sehr viel kleiner geworden zu sein. Was bleibt ist ein instabiles Land mit potentiellem Bürgerkrieg, was aber die Märkte mangels wirtschaftlicher Relevanz nicht sehr beschäftigen wird.

Und genau diese Lage hat der Markt schon nachvollzogen. Ich schaue dabei als Investmentvehikel gerne auf den -> iShares MSCI Eastern Europa (A0HGZV, IQQR), in dem Aktien primär aus Russland, Polen, Tschechien und Ungarn zusammen gefasst sind.

Schauen wir auf das Tageschart:

IQQR 12.05.14

Wir sehen einen potentiellen Doppelboden bzw. eine klassische W-förmige Wendeformation mit höherem zweiten Tief. Und das sind oft attraktive Tradingchancen - beim brasilianischen Index Bovespa, haben wir erst vor wenigen Wochen gesehen, welches Potential so eine Struktur haben kann.

Nun unterliegt dieser Trade natürlich politischem Einfluss und ist daher deutlich wackeliger als der Bovespa-Trade. Niemand kann den weiteren Verlauf rund um die Ukraine wirklich vorher sagen und auch eine plötzliche, erneute Eskalation ist nicht auszuschliessen.

Aber dafür gibt es Stops, die sinnvoll unter dem rechten Tief des potentiellen Doppelbodens liegen. Und der Markt hat schon viele Risiken eingepreist.

Wer also den richtungslosen DAX leid ist, hat nun ein paar Aktienmärkte in Europa, wo wirklich etwas gehen könnte, wenn sich langsam die Vernunft wieder durchsetzt und am Ende die Ukraine zu einer lockeren föderalen Lösung gelangt, die wahrscheinlich Russland wie Europa gleichermassen zufrieden stellen würde.

Eine föderale Lösung, die man schon viel früher hätte haben können, wenn nicht dieses zerrissene Land mit Macht in eine sinnlose "entweder/oder" Entscheidung zwischen Europa und Russland getrieben worden wäre, die zwangsläufig zu so einer Krise führen musste.

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Wird der DAX langsam müde ? Der Krim-Krimi und die Folgen

Wird der DAX langsam müde ? Der Krim-Krimi und die Folgen

Ein Gastkommentar von Tokay

Die letzten Tage und Wochen waren auf den Aktienmärkten von großer Unruhe geprägt, insbesondere der deutsche Aktienmarkt, insbesondere der DAX. Das war natürlich zu einem guten Teil bedingt durch die Großwetterlage im Osten, auf der Krim, in Russland, in der Ukraine. Die dortigen Entwicklungen ließen Befürchtungen hochkommen bezüglich eines neuen kalten Krieges.

Wir scheinen uns an einem Scheideweg der internationalen Politik zu befinden, wofür die Krim schon einmal der historische Ort war. Auch befinden wir uns im historischen Jahr 2014, in welchem sich der Erste Weltkrieg zum hundertsten Male jährt. Dass es zu einem solchen kommen würde, hatten die Zeitgenossen zwar befürchtet, aber nicht im Ernst für möglich gehalten . Auch dass Russland so ohne weiteres die Krim annektieren würde, hat man nicht für möglich gehalten. Man sollte die Parallelen nicht zu weit treiben, doch sieht man nur zu deutlich, dass eine nicht ausbalancierte Ausgangslage in der internationalen Politik eine hohe Dynamik in sich birgt. Wohin gehört die Ukraine? Zur EU ? Zu Russland? Es ist die Aufgabe kluger Politik, diese Dynamik entweichen zu lassen. Das wird allerdings nicht von heute auf morgen geschehen können.

Heftig hat der DAX auf die Ereignisse reagiert: Er brach in Folge der Krim-Krise kräftig ein, konnte sich zwischenzeitlich jedoch wieder etwas fangen. Doch hat in Folge der Krise die Nervosität auf dem Markt zugenommen.

Betrachten wir die Entwicklung des DAX seit 2009:

DAX 01.02.2009 bis heute

Die Krim-Krise hat letztlich dafür gesorgt, daß der langfristige Aufwärtstrend ABC des DAX ramponiert wurde. Ist er damit beendet? Es ist noch zu früh, das zu beurteilen. Denn nachhaltig wurde die Trendlinie bisher ja nicht gebrochen. Sollte es dynamisch unter die Aufwärtstrendlinie ABC gehen, oder gar unter die „innere Linie“(fein gestrichelt) dann wäre dies eindeutig der Fall. Soweit ist es aber vorerst noch nicht.

Wichtiger ist die Frage ob die obere Begrenzungslinie DEF touchiert oder überschritten werden kann. Wenn ja, könnte man die Abwärtsszenarien ad acta legen. Aber wehe, ein allfälliger Aufwärtstrend prallte an dieser Linie ab – dann könnte sich eine erhebliche Abwärtsdynamik entfalten, die erst eine „Etage“ tiefer zum Stillstand kommen könnte.

Man wundert sich natürlich etwas, weshalb so „ein bisschen“ Krim einen derartigen Einfluss ausüben kann. Die fundamentalen Bestimmungsfaktoren sind ja weiterhin nicht ungünstig. Und auf den Gang der Finanzmärkte hat Janet Yellen bestimmt erheblich mehr Einfluss als Wladimir Putin. In seiner ersten Sitzung unter Yellen hat das oberste Fed-Gremium beschlossen, die Anleihekäufe weiter wie geplant zurückzufahren. Das ist eigentlich eine gute Nachricht, denn mit anziehender Konjunktur ist eine monetäre Alimentierung der wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr erforderlich, zumal ja einige Fehlanreize gesetzt werden. Auch dokumentiert dies die Stetigkeit der Fed-Politik. Allerdings muss die Gewinnentwicklung dann halten, was die Gewinnerwartungen heute einpreisen, denn sonst stünde die Hausseentwicklung ernsthaft zur Disposition.

Wir wissen, dass für die Entwicklung der europäischen Indizes und damit auch des DAX die US-Börsen ein wesentlicher Bestimmungsfaktor sind. Wie sieht es hier also aus? Beginnen wir mit dem großen Leitindex, dem S&P 500:

SuP 500 2009 bis heute

Wir erkennen hier eine beeindruckende Aufwärtsentwicklung entlang der Linie ABC. Diese Linie ist in 2013 praktisch nie ernsthaft getestet worden. Schwächephasen wurden immer energisch gekauft. Die höher verlaufende „innere Linie“(fein gestrichelt, sie entspricht der exponentiellen Trendfunktion, also dem mittleren Trend) ist flacher, sie wird bei Fortschreibung der jetzigen Entwicklung die ABC-Linie gegen Ende 2014 schneiden(Punkt P). Ein baldiges Ende der Hausse ist also per heute nicht zu erkennen.

Und was macht die Hightechbörse NASDAQ, die im Ruf steht, empfindlicher zu reagieren, als der Marktdurchschnitt?

Nasdaq Composite 2009 bis heute

Hier ist der Aufwärtstrend noch weniger in Gefahr. Seit Beginn 2009 hat sich das Kursniveau fast verdreifacht und die heutigen Kurse kommen nicht auch nur ansatzweise in die Nähe der unteren Begrenzungslinie ABC. Erst bei einem Unterschreiten eines Kurslevels von 3870 Punkten wäre Gefahr im Verzug. Die untere Begrenzungslinie verläuft jedoch praktisch parallel zur „inneren Linie“; ein Unterschreiten der Untergrenze des Aufwärtstrend geschähe aus quasi heiterem Himmel.

Trotz alledem hinterlässt die Analyse den Betrachter mit gemischten Gefühlen. Die Aufwärtsentwicklung am deutschen Markt dauerte lange und sie war sehr dynamisch. Es ist nahezu zwangsläufig, dass eine solche Entwicklung nicht ewig dauern kann. Die internationalen Anleger sehen das auch so, sie wenden sich vermehrt anderen europäischen Märkten zu, wie die Kursverläufe im Zuge der Krim-Krise deutlich aufgezeigt haben. Der DAX wird also langsam müde, der Anleger indes sollte hellwach bleiben!

Tokay

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Der DAX, die Krim, China und Kupfer – da stimmt was nicht !

Aufmerksamen Beobachtern des Marktes fallen derzeit zwei Anomalien auf, die Anlass zur Irritation geben.

Die erste Anomalie, ist die massive relative Schwäche des DAX gegenüber fast allen anderen Indizes, egal ob es sich um den S&P500 oder weiter westlich befindliche europäische Indizes, wie den spanischen IBEX35 handelt.

Ich will Ihnen dazu nun ein eindrucksvolles Chart zeigen, das wohl kaum Zufall ist und das in meinen Augen die Antwort beinhaltet:

DAX vs S&P500 11.03.14

Sie sehen den direkten Vergleich des Leitindexes S&P500 und des DAX. Und Sie sehen, dass der DAX seit Anfang März beeindruckende und sehr ungewöhnliche 5%! relative Performance zum S&P500 verloren hat.

Schauen wir auf die Zeitskala, sehen wir auch, dass diese relative Schwäche in dem Moment einsetzte, in dem Russland auf der Krim seine Muskeln und seine rote Linie zeigte, hinter die es wohl nicht mehr zurückweichen wird. Das Chart zeigt uns, es geht den Investoren nicht um die Ukraine, die ist wirtschaftlich unbedeutend. Es geht um das Verhältnis Russlands zum Westen und im speziellen zur EU. Und unter einem aufkommenden neuen Konflikt, wird primär die deutsche Wirtschaft leiden, dicht gefolgt von Österreich oder Finnland - alles Länder die traditionell gute Wirtschaftsbeziehungen mit Russland haben.

Bedenken Sie bitte auch, das der DAX nicht von deutschen, sondern primär von den Handlungen angelsächsischer Grossinvestoren (institutionelles Geld) bestimmt wird. Und diese haben scheinbar ein Wahrnehmung entwickelt, die ich teile: Der Konflikt um die Krim und die Ukraine wird nicht schnell verschwinden, wir sehen viel eher den Beginn einer neuen strategischen Grosswetterlage, eine Gezeitenwende im Verhältnis Russlands zur EU.

Diese institutionellen Investoren können aber weltweit anlegen und brauchen wirklich den DAX nicht, um ihr Kapital arbeiten zu lassen. Und wenn diese nun langfristig Kapital aus dem DAX abziehen und in andere Märkte umschichten, dann war es das mit den Hochs beim DAX, dann muss man den Blick deutlich nach unten richten.

Ich habe diese Vermutung schon seit letzter Woche und wir haben das im Premium-Bereich intensiv besprochen. Dieses Chart bestätigt die Vermutung und der DAX scheint nicht mehr der Index zu sein, in dem man unbedingt sein muss.

Schauen wir auf ein detailliertes Chart mit Tageskerzen, sehen wir, dass der DAX nun auch eindeutig ein tieferes Hoch generiert hat, das oft das erste Signal für eine vollzogene Topbildung darstellt. Das Beste was dem DAX nach meiner Erwartung in der aktuellen Situation nun passieren könnte, habe ich im Chart eingezeichnet: ein fortdauernde Seitwärtsbewegung, an deren Ende durch eine überraschende Lösung des Konfliktes zwischen EU und Russland, dann doch noch der Schub zur 10.000er Marke kommt. Das Szenario einer vollzogenen Topbildung und damit einer bevorstehenden scharfen Korrektur, ist aber ebenso wahrscheinlich !

DAX 11.03.14

Schauen wir Richtung China, sehen wir eine zweite Anomalie, die sich derzeit natürlich auch negativ auf den DAX auswirkt.

Am 07.03. hat es den ersten Default (Ausfall) einer Unternehmensanleihe in China gegeben. Bisher wurde das nicht zugelassen und durch das staatsgesteuerte Bankensystem immer aufgefangen. Auf die Märkte wirkt das wie ein Fanal und löst massive Ängste aus, zumal die sonstigen Wirtschaftsdaten aus China auch zweifelhafte Signale geben.

Am stärksten reagiert der Markt dabei über das Industriemetall Kupfer (Dr. Copper), das bisher als zuverlässiger Indikator für den Zustand der Weltwirtschaft galt. Ein Blick auf die kontinuierliche Darstellung des US Coppper Futures, zeigt den massiven Einbruch und die zeitliche Koinzidenz zum Corporate Bond Default in China:

Copper 11.03.14

Gleichzeitig stehen die Indizes in den US aber immer noch nahe der Höchststände und die US Wirtschaft scheint langsam aber sicher Fahrt aufzunehmen. Ein Spiegelbild des realen industriellen Bedarfs kann dieser Absturz bei Kupfer also nicht sein. Es ist eher der Versuch des Marktes, die Zukunft zu antizipieren und ein spekulatives Element spielt dabei mit Sicherheit eine Rolle.

Ob es in China nun wirklich zu einer Kreditkrise kommt, die schon lange vorher gesagt wird, ist völlig offen. Zu undurchsichtig sind die Daten und zu intransparent die politische Einflussnahme, als das man hier verlässliche Schlussfolgerungen ziehen könnte. Aber das Risiko ist da und wir können nur hoffen, dass Dr. Copper hier nur von Spekulanten nach unten gezerrt wurde. Das Chart impliziert zumindest, dass nun eine technische Gegenbewegung anstehen könnte.

Summa Summarum haben wir aber mit hoher Wahrscheinlichkeit Abflüsse von institutionellem Geld aus dem DAX, basierend auf einer strategischen Lagebeurteilung rund um Russland und die EU. Wir haben weiterhin das Damoklesschwert einer Kreditkrise in China, das den exportlastigen DAX besonders treffen würde. Und wir haben in Deutschland eine grosse Koalition, die in Selbstgefälligkeit Wohltaten verteilt und die Lehren völlig vergessen hat, die andere Länder wie Frankreich gerade schmerzhaft lernen müssen.

In Summe steht es um die Weltwirtschaft und die weltweiten Aktienmärkte gar nicht so schlecht und der Leitindex S&P500 befindet sich nach wie vor in einem etablierten Aufwärtstrend. Insofern muss der DAX nun keineswegs zwingend einbrechen und die aktuelle Schwächephase kann in Summe an den Weltmärkten eine gute Kaufgelegenheit sein. In Anbetracht der unveränderten Politik der Notenbanken, spricht viel für eine Fortsetzung des Bullenmarktes.

Aber ob man sein Kapital in den kommenden Woche und Monaten nun unbedingt gerade im DAX arbeiten lassen muss, darf aufgrund der drei genannten Parameter durchaus bezweifelt werden.

Relativ gesehen, gibt es für mich auf der Welt derzeit bessere Opportunitäten als den DAX. Wenn Sie diese kennenlernen wollen, stossen Sie zur Mr-Market Community dazu ! Denn die Anlagewelt ist gross, nutzen wir ihre Möglichkeiten !

Ihr Hari

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Was bleibt ? Kurze Gedanken zum Euro-Drama

Ein paar Gedanken meinerseits zum Euro-Drama

Der ehemalige Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hat eine in meinen Augen treffende Analyse zum Euro-Dilemma geschrieben, die viele wichtige Aspekte trifft. Ich empfehle den Artikel sehr zur Lektüre.

-> Gebt Souveränität ab <-

So sehr ich persönlich mir ein wirklich vereintes, demokratisches Euro mit dem urdemokratischen Prinzip "Ein Bürger eine Stimme" wünschen würde, so sicher bin ich aber auch, dass diese echte politische Union in der weit überwiegenden Mehrheit der Euro-Länder nicht gewollt und derzeit nicht durchsetzbar ist.

Schon gar nicht nach dem obigen urdemokratischen Prinzip, das Deutschland 80 Millionen Stimmen geben und kleinere Länder marginalisieren würde. Aber so ist echte Demokratie nun mal, es hätte nichts mit Demokratie zu tun, wenn Ihre und meine Stimme bei den entscheidenden Fragen der Union weiterhin weniger wert wäre, als die eines Luxemburgers zum Beispiel.

Ulrich Wilhelm sieht diesen Mangel an Bereitschaft ebenso. Und er sieht auch, dass eine gemeinsame europäische Öffentlichkeit nicht vorhanden ist, die zwingende Grundvoraussetzung eines gemeinsamen Staatswesens ist. Es hat in all den Jahrzehnten keine wirkliche Integration über die Ländergrenzen hinweg gegeben. Was wissen wir ausser Urlaubszielen denn wirklich über Portugal, Irland, Polen oder Finnland ? Nicht viel ! Interessiert es uns was in den Ländern passiert ? In der Regel Nein !

Dabei wäre, wenn überhaupt, in Deutschland wohl noch mit am leichtesten eine Mehrheit für eine politische Union zu erzielen. Denn hier in Deutschland ist die Zustimmung zum Gedanken der echten Union am höchsten. Aber auch diese Zustimmung sinkt nun mit jedem Monat, den das Drama fortschreitet.

Zu allem Überfluss fehlt uns auch noch Zeit, denn die Fehlkonstruktion des Euros lässt die Schere der Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Ländern immer weiter aufgehen. Ohne das Mittel des Wechselkurses, werden die wettbewerbsschwachen Länder immer weiter zurück fallen. Und selbst wenn Deutschland nun alles vorhandene Geld dorthin kippen würde, würde das nichts ändern. Denn die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit liegen auch in kulturellen und strukturellen Ursachen begründet, die man nicht einfach so mit einem Fingerschnippen ändern kann, in Demokratien schon gar nicht. Solche Änderungen dauern eher eine Generation.

So erstrebenswert das Ziel einer tieferen Union also ist, so unrealistisch erscheint mir seine Durchsetzung mit Blick auf die nächsten Jahre. Insofern haben Ulrich Wilhelms im Ziel richtigen Worte schon etwas von Romantik. Wenn überhaupt wäre es realistisch nur in einem kleinen Kerneuropa vorstellbar, dass dann offen für die Nachzügler bleiben müsste. Aber selbst wenn nun in einer Handvoll Ländern in den nächsten 12 Monaten Volksabstimmungen über eine neue gemeinsame Verfassung erfolgreich wären - was schon eine äusserst optimistische Vorstellung ist - wäre es immer noch das Ende des Euro. Denn das Dilemma der Wettbewerbsfähigkeit der Peripherie bleibt bestehen, es würde durch so ein Kerneuropa sogar noch evidenter.

So haben wir also eine Alternative die wir nicht können (Die Union) und eine andere die wir nicht wollen (Das Ende des Euro).

Hat irgend jemand noch eine ernstzunehmende Alternative ? Wenn nein, warum machen wir uns dann weiter etwas vor ?

Was bleibt ....

... ist nur Schadensbegrenzung: den Euro so schnell wie möglich geordnet auflösen, solange wir das noch in Freundschaft mit unseren Nachbarn können. Oder im schlimmsten Fall als Deutschland austreten und damit das Ende herbeiführen, wobei das der mit Abstand schlechtere Weg gegenüber einer gemeinschaftlichen Auflösung im Konsens wäre.

All das Gerede um die schlimmen Folgen eines Endes des Euros ist völlig irrelevant und trübt nur den Blick für das Wesentliche, denn die Folgen kommen so oder so. Wir haben nur die Wahl, ob wir diesen schwierigen Schritt in einem geplanten, geordneten und koordinierten Prozess durchstehen, oder ob es zu einem ungeordneten Chaos kommt, weil uns die Realitäten überrollen. Letzteres würde tatsächlich in die Katastrophe führen.

Der Euro in der heutigen Form ist aber für mich schon Geschichte, die Politik will es nur noch nicht wahrhaben. Je schneller sie es merkt, desto erträglicher wird der Schaden und der Schmerz sein. Und deswegen streite ich dafür, dass die Politik endlich merkt, dass der Euro so nicht zu halten ist. Nicht weil ich gegen Europa oder eine gemeinsame Währung bin, sondern weil ich wenigstens Freundschaft, offene Grenzen und den gemeinsamen Wirtschaftsraum erhalten will.

Ich wünschte wirklich, ich könnte hier mehr Optimismus verbreiten. Aber so klar und hart sehe ich die Lage.

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Ein historischer Tag – Das Ende Deutschlands, wie wir es kennen.

Vorsicht, hier kommen sehr subjektive, persönliche und harte Worte.

Markieren Sie sich den heutigen 29.06.12 im Kalender, es bestehen gute Chancen, dass das ein historischer Tag ist. Denn heute in den frühen Morgenstunden wurde nach meiner Ansicht das Ende des Deutschlands eingeleitet, wie wir es kennen.

Sie finden das übertrieben ? Ich nicht, denn die entscheidenden Wendepunkte der Geschichte sind nicht die Tage, an denen etwas mit Pomp offiziell verkündet wird, was sich schon lange vorher entwickelte. Nein, es sind die Tage, an denen die Parteien unter Aufbietung aller Kräfte miteinander ringen und sich endgültig zeigt, wer die grösseren Kräfte, den grösseren Mut besitzt und wer zurück zieht.

Im amerikanischen nennt man solche Tage einen "Inflection Point", einen Begriff aus der Mathematik, der mit dem deutschen "Wendepunkt" zwar eine Näherung, aber keine perfekte Entsprechung hat.

Der zweite Weltkrieg wurde militärisch auch nicht im Mai 1945 entschieden, als die Kapitulation bekannt gegeben wurde. Nein, nicht einmal Anfang 1943 in Stalingrad. Der zweite Weltkrieg wurde im Oktober 1941 vor Moskau entschieden, das war der "Inflection Point". Was danach kam, waren nur noch qualvolle Jahre bis zum unvermeidlichen Ende.

Aber zurück zur Gegenwart. Erinnern wir uns, mit welcher Bugwelle die Parteien in den EU-Gipfel gegangen sind ? Monti redete vom "Euro der zum Teufel geht" und warf damit alles an Erpressungspotential in die Waagschale, was er zu bieten hatte. Und Merkel machte den "nicht in meinem Leben" Satz zur gemeinsamen Haftung. Dieser Gipfel, das war der Höhepunkt des Ringens der beiden Positionen. Noch nie war die Spannung so gross und das Klima in der EU so giftig. Das war der Tag, an dem sich eine Seite durchsetzen würde, der Inflection Point.

Und zurückgezogen, verloren, das hat unsere Regierung und damit wir als Deutsche. Dinge, die man vorher kategorisch ausgeschlossen hatte - wie eine direkte Kapitalisierung spanischer Banken durch EFSF und ESM - wurden durchgewunken. Damit finanzieren deutsche Arbeitsnehmer mit ihren Steuergeldern nun direkt spanische Zombi-Sparkassen ohne einen Hauch von Einfluss zu haben. Und damit hat die spanische Regierung weder Not noch Interesse daran, sich dort weiter hart zu engagieren. Und Italien darf nun Gelder aus dem ESM entnehmen, ohne das die "bösen" schwarzen Herren aus der Troika kommen.

Es ist wie im orientalischen Basar, wenn der Basarhändler spürt, dass der Kunde nicht wirklich bereit ist ohne Ware aus dem Laden zu gehen und die Tür zu schliessen, hat man ganz schlechte Karten was den Preis angeht. Und so ist es auch hier, mit Deutschlands Staatsräson, die Eurozone um jeden Preis zu "retten", haben wir uns erpressbar gemacht und sind nun erpresst worden.

Ich schreibe lieber nicht, was ich über die sich im Wind drehende Merkel & Co., und noch schlimmer über die Hollande die Füsse leckende SPD-Troika denke, die Deutschlands Position mutwillig geschwächt hat. Man muss sich das mal vorstellen, Monti konnte Deutschland mit Verweigerung der Zustimmung zu Wachstumspakt und Transaktionssteuer erpressen, obwohl beide Punkte gar nicht im originären Interesse unserer Regierung gelegen haben. Das ist ein echter Witz ! Diese beiden Punkte wurden aber seitens unserer Opposition zur Bedingung der Zustimmung zum ESM gemacht. So spielt man perfekt mit Italien und Frankreich über Bande - Pfui Spinne !

Aber wie auch immer, meine Wut und Abscheu ist mein persönliches Problem. Was in den nächsten Jahren hier passiert, betrifft uns aber alle. Wenn die deutschen Bürger diesen Weg nicht wollen, haben sie nun nur noch eine kleine Chance, sie müssten bei der nächsten Bundestagswahl anderen Parteien als den vorhandenen zu einer Mehrheit verhelfen, was unrealistisch ist. Auf das von Ex-Politikern durchsetzte BVG würde ich nicht setzen.

Da ich daran nicht glaube, kann ich dem hart arbeitenden deutschen Arbeitnehmer nur raten: Lasst es sein, geniesst das Leben, es lohnt sich nicht, sich abzurackern ! Denn es reicht ja nicht, dass ein durchschnittlicher Facharbeiter beim "Daimler" schon heute im Grenzsteuersatz ankommt und von seiner Lohnerhöhung gleich die Hälfte einkassiert wird. Es reicht auch nicht, dass dieser Facharbeiter ein geringeres Durchschnittsvermögen als zum Beispiel Belgier und Italiener besitzt und im letzten Jahrzehnt reale Wohlstandsverluste hingenommen hat, nur um noch härter zu rackern. Nein, nun finanziert er damit auch noch die Fehlspekulationen spanischer Banken.

Ich bin heute übrigens aus Kroatien zurück gekommen. Ich habe in Kroatien nagelneue Infrastruktur vorgefunden, alles perfekt. Dann bin ich in Slowenien auf perfekten, nagelneuen Autobahnen gefahren. Dann habe ich in Österreich die hervorragend gewarteten Autobahnen und Tunnel genossen. Und dann kam ich nach Deutschland auf die A8 München-Salzburg und holperte im dichten Verkehr über alte Betonplatten aus "Adolfs Zeiten", ohne Seitenstreifen, mit verrosteten und verbogenen Leitplanken. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen.

Die südlichen Länder der Euro-Zone haben gewonnen, das ist nun klar. Der 29.06.12 ist ein historische Tag. Die Schuldner zwingen den Gläubigern ihren Willen auf. Man kann jedem Deutschen nun nur noch mit Sarkasmus raten, sich diesen Lebensstil selber anzueignen, selber Schulden aufzunehmen und das Leben im Hier und Jetzt in vollen Zügen zu geniessen. Wenn wir dann Morgen unsere Schulden nicht mehr bedienen können, werden wir schon einen Dummen finden, bei dem wir sie abladen können.

Das Europa mit so einer Haltung im Wettbewerb mit aufstrebenden Volkswirtschaften wie China nicht mithalten kann, sollte offensichtlich sein. Aber darüber macht man sich keine Gedanken, wenn man das Leben im Hier und Jetzt geniesst. Nach uns die Sintflut !

Ihr Hari

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