Sind Derivate für Kleinanleger Fluch oder Segen?

Derivate haben keinen guten Ruf. Manchmal werden sie auch verteufelt. Mit diesem Beitrag, der auf einer ausführlichen Antwort im Forum des Premium-Bereiches beruht, will ich versuchen, mich dem Thema etwas differenzierter zu nähern.

Denn ich selber nutze Derivate, wie Zertifikate und Optionsscheine, nur sehr selten und höchst wählerisch.

Und das liegt daran, dass Derivate ja in der Regel auf einem Basiswert (dem Underlying) beruhen, also einem Index, einer Aktie oder einem Sektor. Und auf diesem Underlying, baut sich dann das Konstrukt des Derivats auf.

Der Kauf eines Derivates macht also ganz grundsätzlich nur dann Sinn, wenn das Derivat etwas bietet, was man im Underlying selber nicht bekommen kann. Das könnte die Möglichkeit Short zu gehen sein, oder vielleicht ein Währungshedge, der im Konstrukt des Derivates eingebaut ist. Ich kann aber wenig Sinn darin erkennen, eine Allianz per Derivat zu kaufen, wenn man die gleiche Handlung direkt auf Xetra durchführen kann.

Ausnahme sind dabei CFDs, die ich selber sehr oft nutze. Das liegt daran, dass CFDs zwar formal auch Derivate sind, das Underlying aber in der Regel 1zu1 abbilden und sich damit vom Kursverlauf her genau wie das Underlying verhalten. Einige der weiter unten diskutierten Nachteile von klassischen Derivaten wie Zertifikaten oder Optionsscheinen, existieren für CFDs daher nicht.

Aber selbst für CFDs gilt: ich sehe keinen sinnvollen Grund, beispielsweise eine Allianz Aktie via CFD zu kaufen, wenn ich die "echte" Allianz auch als Aktie an Xetra kaufen kann. Dafür gibt es dann aber gute Gründe einen CFD zu benutzen, wenn man die Allianz shorten will, denn das kann man mit dem Underlying nicht so einfach gestalten.

In Summe gibt es in meinen Augen also keinen Grund, Derivate pauschal zu verteufeln. Denn manchmal decken sie auch sinnvolle Nischen ab, die man anderes gar nicht adressieren könnte.

Trotzdem haben sie in meinen Augen drei strukturelle Nachteile gebenüber den Assets selber, die sie derivativ abbilden. Keiner dieser Nachteile ist so massiv, dass er einen "Showstopper" darstellt und man deswegen sagen müsste, man "darf" keine Derivate nutzen. Aber in Summe macht es diese nach meiner Ansicht etwas unattraktiver, weswegen man - wenn man die Wahl hat - in meinen Augen besser das "Original" nutzt. Und weswegen ich selber Derivate (mit Ausnahme von CFDs) nur sehr selten nutze.

1) Sie sind (oft) weniger ausfallsicher

Und damit meine ich nicht den Ausfall (die Pleite) des Emittenten, das wäre sowieso der Gau und wenn grosse Emittenten wie Deutsche Bank und Commerzbank ausfallen sollten, haben wir alle ganz andere Probleme. Und zwar auch die unter uns, die keine Derivate nutzen.

Dieses Hauptargument, das immer in der öffentlichen Meinung gegen Derivate ins Feld geführt wird, ist also eigentlich keines.

Nein, ich meine damit die kleineren Probleme, wie den Ausfall beim Handelssystem, fehlende Kurse, falsche Kurse und ähnliches. Also die "kleinen" Ärgernisse, die auftreten können und Anlegern das Leben schwer machen.

Der Grund ist ganz einfach und leicht einzusehen. Wenn man eine Aktie kauft oder am Devisenmarkt direkt EURUSD handelt, dann kann bei jedem von uns, theoretisch der Broker nicht erreichbar sein und keine Kurse mehr stellen. Dieses Grundrisiko der IT-Strukturen haben wir immer - wir alle.

Mit einem Derivat kommt aber noch eine zweite Ebene des Risikos hinzu: neben dem Broker, kann auch der Emittent IT-Probleme haben und keine Kurse mehr stellen. Und das gilt auch für den Fall, dass man das Derivat von der gleichen Bank kauft, bei der man sein Depot hat, denn in der Regel stehen unterschiedliche Computersysteme hinter Depotführung, Handelssystem und dem Market Making der Derivate.

Nun ist dieses Ausfallrisiko nicht hoch, es verdoppelt aber die Problem-Wahrscheinlichkeit. Und Sie werden erstaunt sein, wie oft ich - der ich rund um die Uhr am Markt unterwegs bin - kurze Ausfälle bei den Market Makern der Derivate beobachte. Ich erinnere mich noch lebhaft an den August 2011, als sich die Eurokrise in Gang setzte, da war es teilweise ganz schlimm und wer da bei bestimmten Brokern war, konnte teilweise tagelang nicht agieren. Und auch die Emittenten haben teilweise die Kursstellung einfach eingestellt.

Insofern ist ein gerne gebrachtes Argument, das man selber "noch nie ein Problem hatte" auch nicht wirklich stichhaltig. Denn wenn das Risiko eines Ausfalls gering ist, merken die meisten nichts davon. Wenn das Problem dann aber mal auftritt - und meistens natürlich mitten im schönsten Absturz - ist der Ärger gross.

Ein Anstieg eines Risikos von 0,02 auf 0,04 ist halt einfach eine Verdoppelung, auch wenn es in beiden Fällen so gering ist, dass man es meistens nicht bemerkt. Das ist ein wenig wie beim Truthahn vor "Thanksgiving" oder dem Weihnachtskarpfen, dem geht es auch immer gut, bis es ihm nicht mehr gut geht. 😉

Deswegen muss man nichts verteufeln, aber wenn man ein kleines Risiko noch einmal halbieren kann, macht es Sinn das zu tun. Also warum ein Derivat nutzen, wenn man das Gleiche auch direkt machen kann?

2) Sie sind (oft) komplexer

Das gilt nicht immer, aber oft und vor allem für Zertifikate und Optionsscheine. Und klar, wenn man sich an die Strukturen eines Derivates mal gewöhnt hat, stellt das kein Argument mehr dar, man weiss halt, wie das funktioniert.

Für Anleger, die das tagtäglich machen, ist das alles transparent und einfach, weil sie die Funktionsweise des Derivats rauf und runter kennen. Ein Neueinsteiger, steht aber oft erst einmal vor Fallstricken. Nehmen wir den Devisenmarkt und EURUSD als Beispiel:

In der Zeitung steht das Währungspaar EURUSD sei auf 1,08 gestiegen. Fein. Wenn man nun am Devisenmarkt EURUSD Long gehen will, dann kauft man EURUSD genau zu 1,08. Und verkaufe das Währungspaar ein paar Tage später zu 1,10. Damit ist der Gewinn und die Kursstellung völlig transparent, es gehen die Gebühren ab und fertig.

Mit einem Derivat aber, das auf EURUSD aufsetzt, hat man in der Regel "irgend einen" Kurs, bei dem man auch nicht wirklich nachvollziehen kann, ob er fair gestellt wurde, weil es keinen Referenzmarkt gibt. Dann hat man "Knock-Out-Barrieren", Volatilität was auch immer - eben viele Spezial-Parameter, die von der Konstruktion des Derivats abhängig sind.

Erneut, das muss kein Problem sein und wenn man sich im Detail in die Funktionsweise hinein denkt, kann man auch das gut verstehen. Nur ist es erst einmal weniger transparent und selbsterklärend, als EURUSD einfach zu genau dem Kurs zu kaufen, zu dem er auch in der Zeitung steht.

Und ich habe selber in der Vergangenheit auch Fälle erlebt - auch bei grossen Emittenten - bei denen Unschärfen und Gestaltungsspielräume bei der Konstruktion des Derivates, nach meiner subjektiven Interpretation vom Market Maker genutzt wurden, um die Kursstellung zu "optimieren"- böse Zungen würden sagen "um die Anleger abzuzocken". 😉 Gerade die Frage, wann und wie die Volatilität im Derivat herauf oder herab gesetzt wird, ist dafür ein beliebtes Spielfeld.

3) Sie sind (oft) teurer

Auch das ist nicht immer richtig, es gibt Ausnahmen die von den individuellen Umständen abhängen. Aber im Kern ist es doch ganz einfach, bei einem Derivat ist ein weiterer "Mitesser" an Bord, der das Derivat anbietet, weil er Gewinn machen will.

So wird sich ein Bank, die ein Derivat auf EURUSD anbietet, sich dafür auch am Devisenmarkt refinanzieren. Einem Devisenmarkt, an dem wir auch direkt handeln könnten. Und dann baut die Bank rund um EURUSD noch eine derivative Konstruktion und natürlich kostet diese und die Kosten werden ins Produkt eingepreist - wo auch immer, das hängt vom Produkt ab.

Abgesehen davon, werden solche Derivate auf die Underlyings ja nicht deshalb kreiert, weil die Banken "gute Menschen" sind. Sondern weil diese damit zusätzlichen Gewinn machen wollen. Da aber der Preis des Underlyings, sich objektiv an der Börse oder am Devisenmarkt ergibt, muss der zusätzliche Gewinn der Bank, der das Geschäft mit Derivaten überhaupt erst legitimiert, im Derivat selber versteckt sein.

Deswegen darf man bei den Derivaten auch nicht immer nur die reinen Gebühren betrachten, denn auch in der Konstruktion selber können Kosten versteckt sein. Und die kann man eben schwer sehen, weil es eben keine Vergleichskurse gibt. Um das zu analysieren. muss man sich aber intensiv mit der individuellen, derivativen Konstruktion befassen.

Wenn man den Verlauf der Kurse von Derivaten direkt mit dem Underlying vergleicht, stellt man auf jeden Fall oft mal Abweichungen fest, die über die Zeit grösser werden. Grund sind dann fast immer "innere" Kosten in der Konstruktion des Derivats. Und diese sind nicht per Zufall da, sondern weil der Emittent dieses Geschäft ja macht, weil er damit verdienen will.

Es mag Einzelfälle und Anwendungsfälle geben, bei denen die derivative Lösung dann für den einzelnen Anleger doch günstiger ist. Gerade bei Anlegern mit kleinen Depots kann das sein, wenn mal wieder Sonderaktionen laufen um Derivate zu promoten. Denn durch die vergleichsweise hohen Grundgebühren für Kleinanleger beim Kauf- und Verkauf an der echten Börse, haben Derivate die Chance bei Sonderaktionen hier Gebühren-Vorteil zu generieren.

Im grossen Bild ist aber klar, dass ein weiterer gewinnorientierter Mitesser in der Nahrungs-Kette des Finanzproduktes, eher zu höheren Kosten beim Anleger führen muss.

Fazit:

Derivate sind auch für Kleinanleger keine Teufelei und kann man gut einsetzen, wenn man sich der Funktionsweise und Nachteile bewusst ist.

Das Problem ist eher, dass der Umgang mit Derivaten vom Anleger in der Regel höhere Kenntnisse erfordert, als der Kauf des Underlying selber. Umgedreht sind es aber eher die "kleinen Anleger", die diese Derivate nutzen, während die grossen, eher erfahrenen Anleger an Xetra, Eurex und Co. unterwegs sind oder derivative Konstruktionen nutzen, die sie sich selber "gebaut" haben. Aus dieser Diskrepanz entstehen oft Probleme mit Derivaten.

In Fällen wo Derivate Situationen abbilden, die man ansonsten nicht direkt handeln könnte, kann man sie aber nutzen, wenn man die Funktionsweise wirklich versteht. In Fällen aber, wo sie letztlich nur bieten, was man im Underlying auch selber tun könnte, ist aus den obigen Gründen in meinen Augen das Underlying vorzuziehen.

Ganz grundsätzlich gilt natürlich, dass die Solidität des Emittenten ein zentraler Risikofaktor ist, den man im Auge behalten sollte. Solange man bei grossen Adressen wie der Deutschen Bank oder Commerzbank bleibt, braucht man das Risiko aber auch nicht über zu bewerten. Denn wenn die kippen sollten, haben wir alle ganz andere Probleme. Und zwar auch die Anleger, die keine Derivate nutzen. Dann sitzen wir alle mehr oder weniger im gleichen Boot.

Insofern spricht erst einmal null und nichts dagegen, bestimmte Sondersituationen mit Derivaten zu handeln. Man muss sich halt nur genau mit der individuellen Funktionsweise beschäftigen. Und man sollte immer erst einmal schauen, ob man das Gleiche nicht mit dem Asset selber oder mit einem sehr transparenten CFD abwickeln kann, der den Kursverlauf des Underlying 1zu1 abbildet.

Ihr Hari

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Last des Euro und Widerstand des DAX

Wohin bewegt sich der DAX? Haben wir den Boden der Korrektur schon mit den zwei markanten Tiefs vom 07. und 14. Mai gesehen? Oder taucht der Index noch unter 11.000?

Das ist die Frage, die uns nach den wilden Swings der letzten zwei Wochen, nun alle umtreibt. Eine definitive Antwort wird Ihnen aber keiner geben können und wer das Gegenteil behauptet, ist schlicht ein Scharlatan.

Aber wenn man den Markt liest, gibt es Indikationen, die einem wichtige Hinweise geben können. Ein bischen so wie früher ein Indianer, der sein Ohr auf den Boden gelegt hat und schon von Ferne hören konnte, dass da ein "Eisernes Pferd" heran schnaufte. 😉

Hinweise sind keine Garantien und Sicherheiten, aber klare Hinweise sind auch mehr, als reines Raten und deshalb sehr wichtig. Und wer wissen will, wie es im DAX weiter geht, darf dabei den Euro nicht vergessen.

Denn seit einiger Zeit besteht eine klare inverse Korrelation zwischen Euro (hier ausgedrückt im EURUSD Währungspaar) und dem Verlauf des DAX. Und diese Korrelation will ich Ihnen mit diesem eindrucksvollen Chart zeigen, welches die inverse Entwicklung zwischen DAX und Euro seit letztem Jahr darstellt.

Diese inverse Korrelation hat übrigens eine Menge mit der Tatsache zu tun, dass es nicht deutsche Anleger, sondern US Anleger sind, die den Verlauf DAX mit ihren Volumina dominieren. Und aus der Sicht eines institutionellen Anlegers im Dollarraum, stellt sich die Lage des DAX eben ganz anders dar als für uns, die wir hier im Euro als Währung sitzen. Das aber nur am Rande, diese Thematik besprechen wir immer wieder im Detail im Premium-Bereich.

Zurück zum Euro und zum DAX. Schauen wir auf das Chart:

DAXEUR 19.05.15

Was wir sehen ist eindrucksvoll und erklärt sich von alleine. Es hat also lange genügt, auf den Euro zu schauen, um zu wissen, wohin der DAX geht. Wer sich mit der Chartstruktur des Euros befasst sieht schnell, dass sich hier eine veritable Wendeformation aufzubauen scheint, die EURUSD durchaus über 1,15 bis zum Beispiel 1,20 bringen könnte. Ich gehe zwar davon aus, dass wir früher oder später die Parität sehen, aber vorher kann der Euro durchaus noch einen stärkeren Rebound hinlegen, als wir uns im Moment vorstellen.

Würde der Euro weiter steigen, wäre das für den DAX nach der aktuellen Korrelation fatal. Aber es naht vielleicht Rettung!

Denn wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie im grünen Bereich im rechten Teil des Charts, wie sich der DAX zunehmend vom steigenden Euro abkoppelt. Wir beobachten das im Premium-Bereich schon seit Wochen und ziehen unsere Schlüsse daraus. Immer wieder gab es zuletzt Tage, in denen der DAX trotz starkem Euro auch steigen konnte. Dazwischen waren dann aber auch wieder Rückfälle in die Zeit der inversen Korrelation.

Was kann man aus dem zunehmenden Widerstand des DAX ableiten?

In meinen Augen, dass der DAX stärker ist, als er ausschaut und die Chancen für eine positive Entwicklung im weiteren Jahresverlauf gar nicht schlecht sind - selbst wenn der Euro noch weiter steigen sollte. Solche Korrelationen zwischen Währung und Index sind auch nicht in Stein gegossen, sondern ändern sich. Und diese Änderungen markieren oft wichtige Wendepunkte im Marktgeschehen, aber auch das ist ein anderes Thema, ich kann hier in einem kurzen Artikel im freien Bereich nicht alles adressieren.

Umgedreht hat der Leitindex S&P500 zwar gerade einen kleinen Ausbruch zu neuen Hochs vollzogen, das aber derart zäh und unter geringem Volumen, dass man befürchten muss, dass hier nicht mehr all zu viel Upside existiert. Der S&P500 ist also in meinen Augen schwächer als er aussieht.

Sicherheit über den weiteren Verlauf des DAX in diesem Jahr verschafft uns das natürlich nicht. Aber wer in den Märkten oder bei "Gurus" Sicherheit sucht, ist sowieso noch völlig auf dem falschen Dampfer und hat keine Chance auf dauerhaften Erfolg.

Unsere Aufgabe als erfolgreiche Anleger ist viel mehr, mit der Unsicherheit umzugehen und kleine Signale und Indizien für uns zu nutzen, in dem wir konsequent auf Wahrscheinlichkeiten setzen.

Und in diesem Sinne sagt uns der zunehmende Widerstand des DAX gegen den starken Euro, dass man die DAX-Bullen wohl noch nicht so einfach abschreiben sollte!

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Disparitäten in DAX, EURUSD, S&P500 und Öl

Jeden Morgen um 9 Uhr herum, schreibe ich in Hari Live eine kurzen Lagebericht zum kommenden Handelstag. Heute - vor der EZB Sitzung am Nachmittag - stelle ich diesen ausnahmsweise auch mal in den freien Bereich, um Ihnen zu zeigen, was Sie da jeden Tag erwartet.

Donnerstag 05.03.15 08:50

Guten Morgen!

Die durch die Währungen direkt oder indirekt indizierte Disparität in einigen Asset-Märkten ist wirklich zunehmend auffällig. Denn die Lage im DAX kann man heute morgen recht leicht mit dem kurzen Satz beschreiben: "Euro weiter runter = DAX weiter hoch". Aus Dollar-Sicht ist aber im DAX eher wenig passiert.

Mehr muss man im Moment nicht wissen und wenn ich in die Medien und diversen Blogs schaue, finde ich es faszinierend, wie fast nirgendwo dieser unmittelbare Zusammenhang adressiert wird. Es liegt wohl daran, dass nur eine Minderheit einen globalen Blick hat, sprich die Asset-Klassen aus unterschiedlichen Währungssichten betrachtet. Rein aus lokaler Eurosicht, ist das ja auch alles ganz einfach: der DAX ist in einem massiven Bullenmarkt.

Aber auch in anderen Asset-Klassen finden wir nun solche Disparitäten, hier ist ein Artikel zur -> Disparität im Ölpreis <-. Dieser beschreibt einige Einflussfaktoren gut, aber auch er übersieht die Währungen, denn selbstverständlich gibt es auch eine zeitliche Disparität zwischen den Wechselkursen und den Auswirkungen auf Öl, denn Öl wird ja physikalisch transportiert und in Verträgen verkauft, die sich wiederum selber mit Wechselkursen auseinander setzen müssen und in der Regel bis zu einem Zeitpunkt in der Zukunft fixiert oder zumindest gehedged sind. Heisst, die Auswirkungen der Wechselkurse auf Marktstrukturen haben eine zeitliche Verzögerung.

Unbedingt beachten müssen wir auch, dass heute um 13:45 Uhr der neue EZB Entscheid kommt und um 14:30 Uhr dann doch wieder eine Pressekonferenz mit Mario Draghi. Nun wird es heute mit 99% Sicherheit wohl keine grundlegenden Änderungen in der Policy geben, wäre es anders, hätte Draghi die Märkte schon vorbereitet. Aber heute stehen die Details zum Anleihenkaufprogramm an.

Und die werden vom Markt mit Sicherheit kritisch beäugt und auch hinterfragt werden. Denn der Absturz des Euros hat in hohem Masse mit Erwartungen an dieses QE der EZB zu tun. Sollten die Details zum Programm den Markt heute enttäuschen, wird das den Euro nach oben bringen und den DAX nach unten zerren. So einfach scheint die Kurswelt im Moment.

Wir schauen deshalb lieber auf den Leitindex S&P500, um zu erkennen, ob der Markt als Ganzes nun noch im Korrekturmodus ist, oder der schon wieder beendet sein könnte. Und der S&P500 hat eine klare Aussage, die durch tiefere Hochs und tiefere Tiefs untermauert ist: die Korrektur dauert an:

S&P500 05.03.15 2

Ich muss die Varianten nun bestimmt nicht in das Chart zeichnen, denn Sie als treue Leser sehen leicht, was das nun bedeutet. Auf jeden Fall ist doch faszinierend, wo genau der S&P500 gestern geschlossen hat, oder?

Zu einer fortdauernden Korrektur im S&P500 passt auch, dass die initiale Schwäche zwar gestern auch wieder gekauft wurde - wie in den letzten Tagen - aber die Gegenbewegung dann doch keinen durchschlagenden Erfolg hatte und schnell ihre Kraft verloren hat.

Das ist eine bemerkenswerte Änderung des Charakters, denken Sie an meine Worte von gestern 11:40 Uhr zum "Korrekturverhalten", wo ich genau so einen Mechanismus beschrieben habe.

Sollten die versprengten und desillusionierten Bären also dieses Mal in der Lage sein, aus der Chance etwas zu machen, dann sind wir nun langsam an dem Punkt, an dem sich die Korrektur wirklich nach unten in Bewegung setzen könnte. Im mittelfristigen Chart sieht man auch sehr schön, wo wir da nun vielleicht stehen:

S&P500 05.03.15

Trotzdem sind das alles nur Möglichkeiten, auch der S&P500 ist in der Hand der Bullen und solange so ein Triggern so einer Topformation wie oben nicht kommt, sind das nichts weiter als "feuchte Träume" versprengter Bären. Werden wir also nicht zu schnell zu skeptisch, die Bullen haben nach wie vor unser Vertrauen verdient und ich rechne persönlich zwar mit allerlei fortdauerndem "Kursgezappel", am Ende aber doch eher wieder einer Auflösung nach oben.

Und im DAX dürfen wir einfach die derzeit gültige, schlichte Logik nicht unterschätzen, die da lautet: solange der Euro fällt, steigt der DAX - zumindest nominell in Euro gerechnet.

Und wenn wir auf das Chart von EURUSD schauen sehen wir ja schnell, dass bis zur Parität noch gut Luft nach unten ist:

EURUSD 05.03.15

Und langsam gewinnt man beim Euro den Eindruck, dass der Markt diese Parität sehen will. Auch das Chart deutet in diese Richtung.

Aber trotz der grundlegend bullischen Erwartung, sollten wir die obigen Szenarien besser im Hinterkopf behalten, damit wir - wenn sie eintreten sollten - schnell und konsequent agieren können. Insbesondere die heutige EZB Pressekonferenz um 14:30 Uhr hat das Potential, den Euro durchzuschütteln. Und wenn der Euro den weiteren Absturz Richtung Parität im Chart noch verhindern will, dann wäre heute "allerletzte Eisenbahn" dafür!

Ich wünsche einen erfolgreichen Tag!

Ihr Hari

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Euro und Dollar EURUSD – Race to the Bottom

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 24.10.14 12:00 in Hari Live

Ein Blick auf das EURUSD Währungspaar, das ja für uns massive Implikationen bei allen Asset-Klassen hat, offenbart im Tageschart eine Struktur, die für mich eher für eine bärische Konsolidierung im fortlaufenden Abwärtstrend spricht:

EURUSD t 14.10.14

Wenn das so passiert, wird von dem Moment an, wo EURUSD aus dem Dreieck heraus fällt, auch der Druck auf den Goldpreis wieder steigen, womit das hier zuletzt gezeigte Szenario eines Tauchers unter 1180 USD schnell auf den Radar kommt.

Damit eine echte Wendeformation entsteht und man einen weiter fallenden Euro erst einmal von der Agenda nehmen kann, müsste EURUSD nun schnell über 1,30 steigen. Das würde das Gesamtbild deutlich ändern, davon gehe ich aber eher nicht aus.

Wenn es aber weiter runter geht, könnte EURUSD erst oberhalb 1,20 dann wieder eine Unterstützung finden, deren Bedeutung im Wochenchart schnell deutlich wird:

EURUSD 24.10.14

Sollte diese aber auch nicht halten und aufgrund Disparitäten in der Notenbank-Politik (EZB expansiv, FED bremsend) auch die 1,20 fallen, eröffnet sich ein bedeutender, freier Raum, in dem EURUSD schnell auf Parität zum Dollar fallen könnte, wie man im Monatschart sieht, das bis in die 80er Jahre zurück geht:

EURUSD m 24.10.14

Ob das so kommt ist für mich allerdings zweifelhaft, da wir ja schon jetzt gesehen haben, dass die FED eine zu starke Aufwertung des Dollars nicht zulassen will, weil das Ihrer Strategie des Anschubs des Wachstum in den US zuwider läuft.

Der "Race to the Bottom" der weltweiten Währungen ist also im vollen Gange und das spricht dafür, dass EURUSD dann um 1,20 erst einmal einen längerfristig validen Boden finde.

Für die europäischen Aktien ist das insofern wichtig, als wir solange von einer fortdauernden Unterperformance der europäischen Aktienmärkte ausgehen müssen, wie sich keine Stabilisierung bei EURUSD abzeichnet. Denn solange gibt es keinen guten Grund für Asset-Manager an der Wallstreet, das Kapital in Assets zu schieben, bei denen eine Entwertung durch Währungsverfall zu erwarten ist.

Sobald diese Stabilisierung aber da ist, wird sich die Wahrnehmung des Marktes ins Gegenteil kehren und man wird den kurzfristig positiven Effekt auf die europäische Wirtschaft, durch erhöhte preisliche Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus rücken. Insofern ist die Zeit für die europäischen Märkte vielleicht dann gekommen, wenn diese Stabilisierung eintritt.

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Der Euro, der Dollar, der DAX und die Wettbewerbsfähigkeit

Ich weiss, ich weiss, Sie wollen heute lieber etwas von mir zum Marktgeschehen lesen. 😉 Diese Aktualität und Guidance ist aber den Mitgliedern vorbehalten. Ich habe für Sie hier aber einen Artikel zum EURUSD Währungspaar, den ich gestern Vormittag um 10:30 in Hari Live Online gestellt habe. Und der ist ja vielleicht auch nicht uninteressant:

Witzig, ich wollte heute etwas Grundsätzliches zu der Frage schreiben, ob bei einem fallenden Eurokurs nun die Abflüsse ausländischen Geldes überwiegen, oder die kurzfristig gewonnene Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie, da hat Jochen Steffens -> hier <- genau das zum Thema gemacht. Ich gebe ihm von der Grundaussage her recht, möchte den Sachverhalt aber trotzdem vielleicht noch etwas prägnanter erklären - wie von mir sowieso geplant.

Zunächst einmal die Grundlagen:

1. Es ist bekannt und Faktum, dass der DAX in Mehrheit von ausländischen Investoren dominiert wird und darunter wiederum in Mehrheit von US Investoren der Wallstreet.

2. Es ist bekannt und Faktum, dass ein fallender Euro zu Währungsverlusten bei diesen Anlegern führt, was ihre Motivation dämpft, ausserhalb des Dollarraumes anzulegen.

3. Es ist bekannt und Faktum, dass eine schwächer werdende Währung, kurzfristig der Exportindustrie des Landes hilft, weil die Industrie bei den Preisen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger wird - auch wenn nach meiner festen Überzeugung langfristig eine schwache Währung genau das Gegenteil bewirkt, weil sie den Druck zur internen Optimierung und Innovation nimmt.

4. Es ist bekannt und Faktum, dass der DAX und die europäischen Märkte seit einiger Zeit eine klare Unterperformance zum S&P500 zeigen.

Dieses alles voraus geschickt, stellt sich nun also die Frage, was bei der Kursentwicklung des DAX dominiert, die Abflüsse der US Gelder wegen der Währungsverluste, oder die höhere preisliche Wettbewerbsfähigkeit.

Meine persönliche Antwort darauf ist ganz klar und ohne Konjunktiv: Beides! Der Zeitfaktor macht den Unterschied. Ich will Ihnen das an einem theoretischen Szenario des EURUSD Währungspaares verdeutlichen.

EURUSD 31.07.14

Sie sehen die Entwicklung von EURUSD bis heute und Sie sehen einen angedachten weiteren Verlauf, den ich hier als Szenario eingezeichnet habe. Damit ist keinerlei Prognose für EURUSD verbunden, dieses theoretische Szenario dient ausnahmslos nur dazu, den Punkt hier an einem fiktiven Beispiel zu verdeutlichen.

Während EURUSD bei 1,40 toppte und die FED begann, über eine Zinserhöhung zu grübeln, stellte die EZB eher erhöhten Stimulus in den Raum. Das hat in weiten Teilen die Erwartung geprägt, dass der Euro aus fundamentalen Gründen bald zu fallen beginnen sollte und so ist es ja dann auch gekommen.

Diese Erwartung aber bewegt die Märkte, wie wir hier ja wissen und deswegen haben institutionelle Investoren schon damals begonnen, aus Sorge vor Währungsverlusten den Euro-Raum unterzugewichten. Unter anderem deshalb, dürften wir diese aktuelle Unterperformance des DAX erleben - es fehlt an ausländischen Zuflüssen.

Anders herum brauchen die realen Vorteile bei der Wettbewerbsfähigkeit aber Zeit, diese müssen sich erst durch das System fressen. Denn Märkte sind nicht so schnell preisreagibel, wie die Erwartungen der Menschen, oft spielen ja auch langlaufende Kontrakte eine Rolle bei den Preisen. Und auch die Quartalszahlen, die dann aufgrund von Währungsgewinnen gut aussehen, werden ja erst in ein paar Monaten veröffentlicht.

Wir haben hier also mit hoher Wahrscheinlichkeit eine zeitliche Disparität zwischen ganz real anstehenden Währungsverlusten für US Investoren, auf die diese sehr schnell und sogar vorausschauend reagieren. Und vielleicht später eintretenden erhöhten Gewinnen der Unternehmen durch Währungsgewinne.

Wenn dieses Bild zutrifft - und davon bin ich überzeugt - wird sich die Erwartung des Marktes also bei weiter fallendem Euro, der sich einem Boden nähert, umkehren. Dann haben die US Investoren ihre DAX Bestände ausreichend abgebaut und sie werden sich Gedanken darüber machen, ob dieser schwache Euro nicht die Gewinne der DAX Unternehmen treiben wird.

Und so überwiegt am Anfang der Bewegung für den DAX der negative Effekt des fallenden Euros, am Ende dürfte aber der positive Effekt überwiegen. Was in Summe die europäischen Märkte und den DAX durchaus zu Kandidaten für eine relative Überperformance macht, aber eben nicht heute, sondern in den kommenden Monaten.

Jetzt ist EURUSD natürlich nur ein Faktor an den Märkten, der wiederum durch andere Faktoren überlagert wird. Die Märkte sind weit komplexer als eine simple, eindimensionale wenn->dann Beziehung. Insofern muss der DAX nicht steigen, nur weil sich EURUSD irgendwann langsam dem Ende der Abwärtsbewegung nähert. Und eine relative Überperformance kann auch nur bedeuten, dass der DAX dann weniger fällt, als andere Märkte. Aber es ist ein wichtiger Faktor im Spiel, den man einfach kennen sollte.

Dieser Zusammenhang ist übrigens auch ein schönes Beispiel, den man bei einer Sektorenstrategie per ETF, die ich ja in dem letzten Artikel thematisiert habe, zum eigenen Vorteil ausnutzen kann.

Ich hoffe, ich konnte Ihren Blick auf das EURUSD Währungspaar und seine Auswirkungen etwas erhellen.

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Starker Dollar, schwacher Euro – Gold mit Blick zur 1000 USD Marke

Wie erwartet, haben die gestrigen FOMC Minutes - die Protokolle der letzten FED Sitzung von Ende Oktober - als Katalysator gewirkt und Bewegungen in Gang gesetzt, die das Potential haben, über den Tag hinaus Trends zu begründen.

Während in den breiten Indizes das Urteil noch aussteht und es gut vorstellbar ist, dass die Märkte auch die erneuten Sorgen um ein Tapering verdauen und Anfang Dezember noch einmal zur Jahresendrally antreten, ist die Lage bei der Weltleitwährung Dollar, sowie damit in Korrelation stehenden Assets wie Gold und Öl, viel klarer.

Der Dollar scheint eine Phase neuer Stärke einzuläuten, die man in diversen Charts schon vorher antizipieren konnte und wir haben diese Entwicklung im Premium-Bereich auch schon gestern vorweg genommen. Zum Beispiel im Verhältnis Euro zu Dollar sieht man schön, wie der Euro aus einer deutlich sichtbaren Bärenflagge nun nach unten weggebrochen ist:

EURUSD 21.11.13

Diese Bewegung hat das Potential, den Ton der Märkte bis zum Jahresende zu bestimmen. Das ist ja auch kein Wunder, während die FED über ein Tapering - also eine Rückführung des Stimulus - zumindest nachdenkt, hat die EZB eine Verschärfung der geldpolitischen Massnahmen im Blick, wie zum Beispiel Negativzinsen. Ich sehe die Disparität zwischen einer EZB mit geldpolitischem Nachholbedarf und einer FED, die zumindest über eine Abbremsung diskutiert, eher nicht kurzfristig verschwinden. Weswegen eine Short-Position auf EURUSD, über den Tag hinaus Chancen beinhalten könnte. Gleiches gilt für eine Shortposition auf JPYUSD, also den japanischen Yen versus den Dollar.

Wichtiges passierte in Folge der FOMC Minutes gestern auch bei Gold. Auch diese Entwicklung haben wir schon gestern im Premium-Bereich vorweg genommen, denn die anämische Schwäche von Gold war offensichtlich. Und auch gestern gab es wieder einen -> Trading Halt an der Comex <-, weil eine zu grosse Position auf einen Schlag abgeladen wurde. Die Versuche grosser Marktteilnehmer, den Kurs nach unten zu pressen, dauern also eindeutig an.

In dem Gold gestern das Tief vom 15.10. bei 1251 USD hinter sich gelassen hat, weist die Tendenz nun unzweideutig nach unten. Eine Chance besteht noch, dass das bedeutende Tief vom 28.06. bei 1180 USD hält, allerdings muss man mehr und mehr den Eindruck bekommen, dass Gold noch "unfinished Business" nach unten hat.

Gold 21.11.13

So lange der spekulative Druck an der Comex von grossen Marktteilnehmern erhalten bleibt, sind alle Gegenbewegungen im Sinne Trendfolge zu verkaufen, der übergeordnete Abwärtstrend ist voll intakt. Und genau hier kommt die runde Marke 1000 USD ins Spiel. Es wird zunehmend wahrscheinlich, dass der Markt diese Marke einfach sehen will, die wahrscheinlich auch für die Shorties dann Katalysator wäre zu covern, und den aggressiven Druck auf den Goldpreis einzustellen.

Ich kann auch an dieser Stelle wieder nur gebetsmühlenartig wiederholen: was Sie persönlich glauben oder für fundamental richtig halten, ist ohne Belang für den Markt. Vergessen Sie das nie ! Alles was zählt sind die Kurse die aufgerufen werden, nur die bewegen Ihr Depot.

Vielleicht haben die Gold-Bugs sogar Recht und irgendwann - wenn die Gross-Banken anfangen, die aufgestaute Liquidität in die Realwirtschaft als Kredite auszugeben - wird nicht nur die Asset-Inflation (die schon da ist), sondern auch die Inflation der Warenkörbe massiv anziehen. Die Renditen am Anleihenmarkt werden dann trotz Interventionen der Notenbanken weiter steigen. Als Folge können die Staaten ihre aufgeblasenen Schuldenberge nicht mehr bedienen und der grosse Knall mit dem grossen Reset des Währungssystems kommt, mit Goldpreisen oberhalb 3000 USD - falls ein freie Kursstellung bei Gold dann überhaupt noch zugelassen wird, denn auch den Verbot des privaten Besitzes von Gold hatten wir historisch schon.

Vielleicht ist das irgendwann mal so. Vielleicht auch nicht. Aber Gold kann trotzdem vorher noch unter 1000 USD fallen. Es wäre sogar typisch für den fiesen Mr. Market, genau das zu tun und alle noch abzuschütteln, bevor die grosse Rally kommt. Denken Sie also unbedingt an das "Hier und Jetzt", nur das ist real, nicht die Spekulationen, Wünsche und Prognosen. Und im "Hier und Jetzt" zeigt der Trend bei Gold unzweideutig nach unten. Und das sollte man im Depot respektieren. Der Rest sind feuchte Träume.

Ihr Hari

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Trendfortsetzung bei Wacker Chemie (WCH888) ?

Vor Handelseröffnung im Xetra eine kurze, summarische Stellungnahme zum Spezialchemie-Unternehmen Wacker Chemie (WKN: WCH888), ohne auf Details einzugehen. Wacker hatte uns ja im Juli -> eine Menge Freude <- gemacht.

Wacker Chemie hat heute durchwachsene Zahlen mit Umsatz- und Gewinnrückgang geliefert, aber die Jahresprognose bestätigt. Unter dem starken Euro werden wahrscheinlich noch viele Unternehmen der deutschen Exportindustrie leiden und das wird sich auch in negativen Kursüberraschungen auswirken.

Alles in allem betrachte ich die Zahlen persönlich aber nicht als besonders überraschend. Die Auswirkungen des EURUSD Kurses waren klar absehbar. Und auch der Markt hat das im Fall Wacker Chemie schon vorher begriffen und uns mit der Bildung eines -> Rounded Top <- im August und September schon früh mitgeteilt, dass man bei der Aktie nun etwas vorsichtiger werden muss. Wir haben diese Chartstruktur hier schon vor einiger Zeit besprochen, die besonders deutlich im Chart mit Tageskerzen zu sehen ist:

Wacker Chemie 31.10.13

Heute dürfte es dann zunächst einige Abgaben aus Enttäuschung geben. Genau diese Abgaben bergen aber die Chance für einen Einstieg im Sinne der Trendfolge in sich. Das Chart zeigt klar, dass im Bereich ab 65EUR nach unten, eine gute Chance für eine Trendfortsetzung besteht. Genau dort liegt auch die 200-Tage-Linie. Betrachten Sie so eine Trendlinie dabei bitte nicht als "exakte" Linie. Das ist sie nicht. Sie definiert aber eine Zone, in der eine Wende Logik hat, was auch durch den RSI unterstrichen wird.

Im längerfristigen Chart mit Wochenkerzen sieht man noch besser, warum die Trendfortsetzung in diesem Bereich Logik hat:

Wacker Chemie 31.10.13 Wochen

Es wird aber auch anders herum ein Schuh daraus. Wenn der Kurs weiter fällt und die Trendfortsetzung nicht statt findet, muss man konsequent an die Seitenlinie treten bzw. dort bleiben. Und zwar spätestens unter 60 EUR, wenn auch die Nackenlinie des Ausbruchs von Juli den Rückgang nicht begrenzt. Denn eine derartige Reaktion in Anbetracht einer bestätigten Jahresprognose, würde darauf hindeuten, dass der Markt mehr weiss, als es an der Oberfläche den Anschein hat.

Ich werde auf jeden Fall nun genau hinschauen, ob überhaupt und wo Wacker Chemie nach den heute absehbaren Verlusten eine Wende hinlegt. Und wenn diese Wende kommt, werde ich über einen Wiedereinstieg nachdenken. Dabei agiere ich persönlich erst nach der Wende, wenn sie denn kommt. Ich habe weniger Angst davor ein paar Prozent nach oben zu verpassen, als durch verfrühtes Herumraten in einen bösen Abwärtsrutsch zu geraten. Und eine durchaus denkbare, nachhaltige Bewegung unter 60 EUR würde die positiven Szenarien der Trendfolge sowieso grundlegend zerstören.

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Gold und Dollar in unerwarteter Richtung

11:00 Uhr. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie es der Markt schafft, genau das zu tun, was die Wenigsten erwarten.

Es ist aber auch logisch, dass es so sein muss, denn in Richtung der erwarteten Bewegung sind ja alle schon positioniert und insofern können sich auf diesem Pfad nur noch schwerlich neue Käufer finden. Das ist die verflixte Reflexivität der Märkte, Märkte die letztlich nur die Spiegelbilder unserer Wünsche, Hoffnungen und Ängste sind. Und deswegen kämpfen wir auch letztlich gegen uns selber, wenn wir gegen den Markt ankämpfen.

Nun haben wir wieder neues Anschauungsmaterial für diese unheimliche Fähigkeit des Marktes. Gestern ist endlich das Debt Limit vom Radar verschwunden und nun kann der Markt uns seine neuen Karten zeigen. Er muss sich nun entscheiden, wie es zum Jahresende weiter geht und ob er nun in bestimmten Sektoren eine fundamentale Wende vollzieht.

Vor der Debt Limit Diskussion war die Überlegung logisch, dass der Dollar durch die Unsicherheit geschwächt wird - wir konnte das ja im EURUSD Kurs schön beobachten - und gleichzeitig Gold eine temporäre Stütze erfährt, weil Gold das ultimative Krisenmetall ist - inbesondere wenn die Weltleitwährung ein strukturelles Problem hat. Nach der strukturellen Lösung dieser Debt Limit Belastung, sollte sich diese Korrelation dann wieder umdrehen. Und da Gold selbst mit dieser Stütze nicht richtig vom Fleck kam, war es logisch anzunehmen, dass sich danach der Absturz fortsetzt.

So habe auch ich lange gedacht und das hier kommuniziert, denn das ist logisch. Allerdings weiss ich auch, dass letztlich der Preis der ultimative Richter ist und ich kenne die Fähigkeit des Marktes gut, das Unerwartete zu tun. Und mir war klar, dass das Sentiment in Gold so schlecht ist wie lange nicht, selbst die Gold-Bugs zweifeln und es scheint, als ob sich der ganze Markt in eine Richtung lehnt. Was aufgrund der Reflexivität impliziert, dass diese Richtung nicht mehr eintreten kann - zumindest nicht sofort, wenn alle damit rechnen.

So habe ich schon gestern die positive Bewegung und die sich aufbauende inverse Schulter-Kopf Formation bei Gold bemerkt und in Hari Live kommunziert. Auch die Schwäche des Dollar habe ich heute früh bemerkt und alle "Long Dollar" Wetten sofort glattgestellt.

Und nun schauen Sie mal im Chart mit Stundenkerzen, was Gold gemacht hat:

Gold 17.10.13

Diese Bewegung ist keineswegs irrational. Denn machen Sie sich bitte klar, dass die "Long Dollar nach Lösung" Logik von einem Szenario ausging, in dem eine saubere Lösung für das Debt Limit gefunden wird. Das ist aber nicht der Fall, die Blechkanne wurde erneut nur wieder etwas die Strasse herunter gekickt. Und die "Short Gold" Logik ging davon aus, dass das Tapering zwar aufgeschoben ist, aber nun bald kommen wird. Auch das scheint nun aber nicht der Fall, zu gross ist der konjukturelle Schaden durch die politische Schlacht in Washington. Und zu guter Letzt hat die Herabstufung der USA durch die chinesische Ratingagentur hier möglicherweise als Katalysator mitgewirkt.

Ich sage ja immer, wir sollen auf den Markt hören und ihm folgen. Und Mr. Market sucht nun gerade die neue Richtung. Die sichtbare Bewegung entspricht einer neuen Interpretation des Marktes und die lautet so:

1. Tapering wird es in 2013 nicht geben. Frühestens 2014 wenn überhaupt.
2. Eher wird durch die FED beim Stimulus nachgelegt, weil die Konjunktur nicht vom Fleck kommt.
3. Der politische Gridlock in Washington bleibt bestehen und der nächste Kampf um den Jahreswechsel wird noch giftiger ausfallen.

In Summe setzt der Markt also auf noch mehr Droge, noch mehr Stimulus, noch mehr von allem, was letztlich die Währung entwertet. Der "Race to the bottom" ist in vollem Gange.

Das scheint das Bild der Marktteilnehmer zu sein, die jetzt Gold hochkaufen und den Dollar verkaufen. Ob die sich damit durchsetzen, müssen wir sehen. Das sind nur die ersten Bewegungen und es dauert wohl ein paar Tage, bis sich die neue Richtung etabliert und am Markt durchgesetzt hat. Und die ersten Bewegungen weisen nicht immer in die richtige Richtung.

Insofern können diese Bewegungen durchaus eine Eintagesfliege sein, die sofort negiert wird, sobald die Marktelefanten heute Nachmittag das Spielfeld betreten. Aber trotzdem sollten wir diese Bewegungen erst nehmen. Es sind die ersten Vorboten der Neuorientierung des Marktes nach dem Debt Limit Chaos.

Und zum Jahresende werden wir nur dann Geld verdienen können, wenn wir diese Neuorientierung schnell verstehen und unsere Aufstellung gedanklich flexibel danach ausrichten. Gegen den Markt kann man kein Geld verdienen, die Strassen im südlichen Manhattan sind gepflastert mit den Leichen von Leuten, die klüger als der Markt sein wollten.

Hier im Premium Bereich will ich Ihr Guide sein, diese neuen Trends frühzeitig zu erkennen und profitabel daran teil zu haben.

Ihr Hari

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