Notenbank – Halbzeit



Eine verrückte Börsen-Woche geht zu Ende, die mit drei zähen Warte-Tagen ohne grosse Kursbewegung begann und dann gestern einen Höhepunkt an Volatilität fand, wie ich das lange nicht mehr an einem Tag gesehen habe. Im Future des DAX hatten wir gestern eine maximale Bandbreite von 600 Punkten und das in wenigen Stunden. Wahnsinn!

Heute nun, ist das passiert, was ich gestern Abend im Forum und heute früh im Artikel schon vermutet hatte. Der gestrige Absturz war technischer Natur, vermutlich ein Short-Squeeze im Euro als Auslöser und heute normalisiert sich die Lage wieder. Aber ein Rest an Unsicherheit bleibt, denn eigentlich müsste der DAX nach *diesem* Massnahmenbündel der EZB nun über 10.000 stehen, er kämpft aber noch um die 9.800.

Auch der Banken-Trade ist heute wie erwartet aufgegangen, die Deutsche Bank notiert aktuell fast 7% im Plus und hat damit den gestrigen Einbruch im Gegensatz zum DAX fast völlig aufgeholt. Die Massnahmen der EZB sind eben eigentlich gezielt auf die Banken gerichtet, insofern bestehen da Chancen, dass da auch über den Tag hinaus noch etwas geht. Mehr als ein mehrtägiger oder mehrwöchiger Trade, ist das aber nicht.

In Summe hätte man sich diese Woche aber auch schenken können, sie begann am Montag im DAX bei 9.764 und steht nun nicht weit davon entfernt. Der S&P500 war etwas stärker, hat bisher aber auch nur ein minimales Plus. Viel Irrsinn haben wir gestern also gesehen, im Saldo aber wenig Ergebnis. Die abwartende Haltung ohne Änderungen, die ich im Wetterbericht vorgenommen habe, war also zutreffend. Bis einschliesslich Mittwoch, war das berechtigte Antizipation einer Seitwärtsbewegung, das Geschehen ab Donnerstag war aber nicht antizipierbar und hätte auch ganz anders ausgehen können.

Leider kann ich heute aber nur "Halbzeit" vermelden, denn am Mittwoch Abend kommender Woche steht die FED an und Montag und Dienstag ist daher ein ähnlich zäher Verlauf zu erwarten, wie wir das Anfang dieser Woche auch hatten.

Am Mittwoch Abend haben wir dann aber ein anderes Szenario. Die Aktionen der EZB, wie auch die Marktberuhigung der letzten Wochen, spielen der FED in die Hände und die kann daher gelassen bei ihrer Sprachregelung bleiben. Eine unmittelbare Zinserhöhung ist sehr unwahrscheinlich, aber ansonsten sollte der Kurs Richtung Zinserhöhungen zumindest sprachlich erhalten bleiben.

Es bestehen also gute Chancen, dass die FED am Mittwoch eher erst einmal zum "Non-Event" wird, auf jeden Fall nicht so chaotisch wie die EZB diesen Donnerstag.

In der kommenden Woche stehen wir dann wieder vor so einer Frage, wie es nach der Wochenmitte mit der FED weiter geht. Klar vorher zu sehen, ist das nicht, es hängt eben von der FED ab.

Mein präferierter Pfad geht aber derzeit von einer bullischen Entwicklung aus, denn auch die Massnahmen der EZB sollten den Markt am Ende eher nach oben bringen.

Wenn ich also auf den S&P500 schaue, der technisch sowieso recht gut aussieht, kann ich mir einen nach der FED einsetzenden Schub bis Ende März nach oben durchaus gut vorstellen und erst Anfang Mitte April wird es dann wieder riskant:

S&P500 11.03.16

Sie erinnern sich ja an diese Chartstruktur, die ich schon oft gezeigt habe. Im Moment befinden wir uns in der Widerstandszone um 2.000 und über 2.080 liegt der Measured Moved des Doppelbodens. Noch vor ein paar Wochen, war diese Widerstandszone um 2.000 ein guter Kandidat für eine Wende nach unten. Seit der Charakteränderung am 01.03., sieht es aber in meiner Präferenz eher so aus, als ob diese Zone die Bewegung nach oben nicht aufhalten kann und wir erst einmal in Richtung der alten Hochs laufen.

Ob mein -> Wunsch <- einer echten Bereinigung und eines Rückgangs im S&P500 bis 1.600 dann ab April in Erfüllung geht, steht völlig in den Sternen. Mit dem gestrigen Tag, ist das Szenario etwas wahrscheinlicher geworden, aber es ist keineswegs so sicher, dass man sich darin nun verbeissen sollte.

Lassen wir diese Frage einfach auf uns zu kommen, statt jetzt die Zukunft erraten zu wollen. Das Problem ist leider, wenn der S&P500 nun im März noch einmal nach oben Richtung 2.080 schiebt, dann kann man wohl mal wieder die Bücher über den Sommer zu machen und mehrere Monate Ferien machen, denn nach oben ist dann nur noch sehr begrenztes Potential im Markt.

So war es ja letztes Jahr, Sie erinnern sich ja sicher, dass ich schon Ende April in meinem Depot in den Sommermodus gegangen bin, weil nach oben nicht mehr viel zu erwarten war. Und dann habe ich den ganzen Juli durch vor einer Topbildung und einem Abbruch gewarnt, bis der Einbruch dann Mitte August auch endlich kam - Höhe- und Wendepunkt der 24.08.15 mit dem markanten ETF-Crash.

In Summe war der letzte Sommer aber eine wenig produktive Börsen-Zeit, wie immer, wenn nach oben nichts mehr geht und die Bereinigung nach unten einfach noch nicht kommen will. Da wäre es doch schöner, wenn es dieses Jahr mal gleich im April richtig "rappeln" würde und der Markt im Sommer sich langsam erholen kann, oder?

Aber wir wissen ja, wie oft der Markt solche Wünsche erfüllt, rechnen wir also nicht fest damit. 😉 Wahrscheinlicher ist wohl, dass wir mehr von dem hier kriegen: -> Welcome to the Chop Shop! <-

Zu Gold habe ich im Artikel -> Was macht nun Gold <- heute früh ja eigentlich alles Notwendige gesagt. Ich selber habe das schon vollzogen und habe nur noch Basispositionen und jede Menge Gewinne im Sektor temporär mitgenommen.

Da ich aber weiss, wie viele von Ihnen an dem Thema hängen, will ich auch hier noch einmal an den Artikel erinnern und auch das kurzfristige Chart einmal zeigen:

Wir hatten heute Nacht um 02:10 Uhr im asiatischen Handel eine Art "Exhaustion-Top" bei 1.284. Seitdem geht es runter:

XAUUSD 11.03.16

Das ist hoch genug, um für mehrere Wochen das Ende der Aufwärtsbewegung zu markieren und eine Reihe anderer Faktoren deutet eindeutig auch in diese Richtung.

Sicher, nichts ist absolut sicher und es kann immer alles anders kommen. Wenn nun ein Faktor in den Markt kommt, der systemisches Risiko erzeugt, wird Gold wieder nach oben schiessen.

Trotzdem kann reines Raten auf irgendwelche Events nicht der Massstab unseres Handeln sein. Massstab unseres Handelns muss sein, was vor unserer Nase Realität ist und das indiziert nun, dass es eher die Zeit ist Gewinne zu sichern, als neue Positionen einzugehen. Präziser geht es in einem prinzipiell immer ungewissen Markt einfach nicht.

Und falls das nicht genügt, nehmen Sie als Signal, dass der Chairman von Franco-Nevada aktuell von -> Gold 8.000 USD <- redet.

Sie werden lachen, aber ich würde das gar nicht so einfach abtun. Und übrigens, das Interview ist sehenswert und seine Aussagen kompetent.

Unter gewissen Szenarien, in denen das Vertrauen in Geld schwindet, weil die Notenbanken die Kontrolle verlieren, ist Gold 8.000 gar nicht mal völlig unmöglich. Nicht wahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich. Aber rein vom Timing her, sind die Phasen, in denen solche Berichte den Markt erreichen, meistens die Phasen, in denen man mal kürzer treten sollte. 😉

An Einzelaktien will ich heute primär den Blick auf eine Aktie richten, auf IBM. Und das unter der Überschrift "heimlich, still und leise".

Schauen Sie mal:

IBM 11.03.16

Bruch des Abwärtstrends seit Mitte letzten Jahres und wunderschönes "Island Reversal" mit Doppelboden. Im Artikel -> IBM Erweckung <- hatte ich am 18.02. diesen Verlauf indiziert und seit dem schiebt die Aktie kontinuierlich langsam hoch, ohne dabei durch grosse Schübe deutlich aufzufallen.

"Heimlich, still und leise" eben. Von der Markttechnik her, sieht dieses langsame Hochschieben aussichtsreich aus. Wir wissen ja, wie oft der Markt etwas riecht und die Nachrichten dann nachgeschoben werden.

Nun hat IBM so viele Quartale es immer wieder versäumt, einen Beweis der Wende zu liefern und echtes Wachstum zu zeigen. Vielleicht ist das ja wiederum nur die Antizipation des Marktes für einen niedrig bewerteten Bluechip, dem man - wie ich - die Wende aus Vergangenheits-Erfahrung einfach zutraut.

Das Problem ist nur: an dem Tag, an dem IBM mit seinen Quartalszahlen diesen Beweis zum ersten Mal überzeugend antritt, wird diese Aktie über Nacht 10% höher stehen, wenn das dann mal ausreicht. Denn schon jetzt erscheint Bewertung und Substanz attraktiv.

Ein Weg den ich in so Fällen immer einschlage, ist der Kompromiss zwischen einer Basisposition heute und einer Erhöhung, die aber erst nachgeschoben wird, wenn der Beweis wirklich angetreten wurde.

Nun gut, einer geht doch noch. Aus meinem derzeitigen "Lieblingssektor" Agrar, will ich noch einmal auf Bunge (BG) hinweisen. Schauen Sie einfach hier her:

BG 11.03.16

Die Aktie zeigt seit Anfang März kontinuierliche Stärke. Nun kommt sie an eine wichtige Entscheidung. Auch das ist aber so eine Aktie wie IBM, solide und verprügelt, die im Sinne "Investment" durchaus ihre Chancen hat. Ganz besonders natürlich, wenn nun die Abwärtstrendlinie gebrochen wird.

Übrigens, Mosaic (MOS) hat ja sein - >Ziel <-von 30 USD erst einmal erreicht und scheint nun in die gesunde Korrekturphase einzutreten, hier gilt ähnliches wie bei Gold: Gewinne mitnehmen und mit Korrektur rechnen.

MOS 11.03.16

Deere (DE) dagegen, hatte sein Retracement wohl schon und ist auf 80 USD wohl eher wieder ein langfristiger Kauf:

DE 11.03.16

So .... damit ist es für mich heute auch gut. Nach dem gestrigen, anstrengenden Tag und dem heutigen Rebound, ist für mich auch die Luft raus und ich freue mich auf 2 Tage ohne Börse.

Kommende Woche läuft von meiner Seite im Blog alles noch ganz normal, danach sind aber hier in Bayern vom 21.03. bis 01.04. 2 Wochen Osterferien und ich gehe in den Ferienmodus.

In den Osterferien bedeutet das wie so oft im Ferienmodus, dass ich zwar durchgehend präsent bin und jeden Tag schreibe, das aber mit gebremstem Schaum und in der Regel nur einen einordnenden Artikel am Vormittag pro Tag.

An dieser Stelle will ich schon ankündigen, dass ich in den kommenden Pfingstferien im Mai von 17.05. - 28.05., mal 2 Wochen totale Auszeit nehmen werde, in denen ich im Blog mal ausnahmsweise gar nichts mache. Das habe ich mal dringend nötig und freue mich schon jetzt darauf.

Damit wünsche ich Ihnen nun ein schönes Wochenende, erholen Sie sich gut!

Ihr Hari

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Trend und Erschöpfungshoch



Es gibt Dinge, die muss man immer wieder und immer wieder sagen. Und besonders schön ist das, wenn man sich im Nachhinein anschauen kann, was aus Erklärungen der Vergangenheit dann wirklich geworden ist.

Am Dienstag 17.03.15 10:20 habe ich am Beispiel von Humana Inc. (856584, HUM) - einer Aktie, die wir vorher und hinterher hier nie mehr besprochen haben - ein paar grundsätzliche Zeilen dazu geschrieben, dass man Gewinne laufen lassen sollte.

Damit Sie es alle noch einmal lesen, habe ich den Text noch einmal hier her kopiert:

Heute habe ich noch ein schönes Beispiel für Sie, warum Aktien, die schon weit gestiegen sind, deswegen nicht "teuer" sind. Und warum Trendkanäle auch nach oben ausbrechen können.

Es ist die sensationelle Erfolgsgeschichte des Healthcare-Unternehmens Humana (HUM), das unter anderem auch massiv vom "Medicare"-Programm Obamas profitiert.

Ich will Geschichte und Geschäftsmodell von Humana hier nicht nacherzählen, das können Sie selber im Web lesen. Im Kern haben wir es hier mit "Brot und Butter" Geschäft im Healthcare-Bereich zu tun, also dem Betrieb von Altenheimen, Krankenhäusern und Krankenversicherungen. Mir geht es hier im Artikel um etwas anderes.

Schauen wir zunächst auf das langfristige Chart seit 2008. Der Reflex, den das Chart auslöst ist: "Übertrieben, Fahnenstange, Korrektur unvermeidlich". Wir kennen diesen Reflex, oder? 😉

HUM 17.03.15 1

Nun schauen wir auf den Zeitraum der letzten 2 Jahre und was wir sehen ist einfach nur "WOW" - ein perfekter Trend und Sie wissen ja: "The Trend is your friend".

HUM 17.03.15 2

Mit einem Blick auf die letzten Monate sehen wir dann auch, wie sehr der Trend unser Freund war. Denn wir haben hier einen Ausbruch nach oben! aus dem steigenden Trendkanal!

HUM 17.03.15 3

Und wenn wir dann noch einen Blick auf die Fundamentaldaten werfen, sollte man ja meinen, dass diese nun jenseits von Gut und Böse wären. Aber weit gefehlt, Humana notiert mit der Marktkapitalisierung nur beim halben Umsatz und einem KGV von um die 20 und einem KBV von unter drei. Das ist für so einen massiv steigenden Wert noch sehr im Rahmen.

Was haben wir hier also für einen Fall vor uns?

Wir haben hier ein Unternehmen, dass durch einen massiven Treiber nach oben katapultiert wird. Nicht unähnlich der Situation im DAX, bei dem der Treiber der Euro und die EZB ist.

Hier dürfte der Treiber Obamas Medicare Programm sein, das sich langsam durchzusetzen scheint, zumindest wird das Gegenfeuer der Tea Party leiser.

Und wir sehen, wie oft im Verlauf der letzten Jahre man hätte denken können, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Und doch ist der Trend immer weiter gelaufen. Immer weiter.

Deswegen folgen wir Trends. Und stellen uns nicht gegen den Markt. Denn ernsthaft, wenn Sie sich das Chart oben anschauen, wie viel hätten Sie darauf gewettet, dass Humana nun nach oben aus dem Trendkanal ausbricht?

Wenn Sie mich jetzt fragen, wie das mit Humana weiter geht, habe ich dazu keine Meinung. Mir ist die Aktie zu "politisch" und ich verstehe als Europäer zu wenig, wie die politische Lage rund um Medicare ist. Aus gleichen Gründen fasse ich in Europa auch Aktien wie Südzucker nicht an, weil hier noch der politisch Einfluss um die Zucker-Quote mir die Lage zu unübersichtlich macht.

Aber ich wollte Ihnen mit diesem Post auch nicht die Aktie Humana empfehlen. Ich wollte Ihnen zeigen, wohin Kurse und Trends gehen können, wenn der Treibstoff der Rakete gross und mächtig genug ist. Und Humana ist ja nun kein Biotech-Unternehmen, das mit Innovation hohe Erwartungen erzeugt. Nein, das hier ist eher "Brot und Butter" - Geschäft, hier werden Krankenhäuser betrieben und Krankenversicherungen angeboten. Und trotzdem haben wir so einen Chart!

Die Lehre daraus ist: "The Trend is your friend". Und wir stellen uns NIE gegen den Markt.

So und jetzt mal ganz ehrlich, schauen Sie noch einmal auf das Chart oben. Würden Sie so eine Aktie kaufen?

Jetzt zeige ich Ihnen, wie es weiter gegangen ist, denn das ist sehr lehrreich. Sehen Sie selbst:

HUM 04.12.15

Im Zeitraum zwischen dem Artikel Mitte März bei 174 USD und dem Hoch Ende Mai, hat die Aktie bis knapp 220 USD Ende Mai noch einmal 45 Punkte oder noch einmal 26% zugelegt!

Das ist doch eine Hausnummer, insbesondere weil der Markt in der Phase nur seitwärts eierte. Man hätte also auch Mitte März dieses Chart von oben noch kaufen können. Getan dürfte es fast niemand haben, zu sehr blinkte das "zu weit gelaufen" Schild in unseren Köpfen auf.

Raus hätte man erst gemusst, nach dem passiert war, was sich ein Exhaustion-Top (Erschöpfungshoch) nennt. Das ist, wenn am Ende einer langen Anstiegsphase, unter hohem Volumen und bei guten Nachrichten, alles in eine Aktie rein rennt, diese noch einmal eine massive Trendbeschleunigung erfährt und dann die Käufer ausgehen. In der Luftfahrt ist das der Strömungsabriss, oder auch "Stall".

Ich habe das Chart hier noch mal für Sie, dieses mal um das Volumen darzustellen. Achten Sie auf den gewaltigen Volumen-Spike, schon der erste war klares Signal, dass das ein finales Exhaustion Top war. Danach folgte massive Distribution.

Humana 04.12.15 2

Was lernen wir daraus:

Erstens, dass wir Gewinne laufen lassen. Wir akzeptieren, dass wir dadurch vielleicht ein paar Prozent am Ende wieder verlieren, aber die Chance ist noch höher. Hier waren es selbst nach diesem Chart von Mitte März, noch einmal 26%, die zu holen waren! Die Trendlinie unter der Aufwärtsbewegung, war hier der ideale Massstab zur Absicherung, der uns die ganze Zeit im Trade gelassen hätte.

Zweitens, dass Stärke neue Stärke gebiert. Erneut sehen wir hier also wieder, dass eine Aktie die schon stark gelaufen ist, deswegen eher weiter hoch läuft. Stärke ist ein positives Kriterium und kein Negatives.

Drittens, dass man bei starken Trends - abweichend von der normalen Trendfolge - dann raus muss, wenn am Ende langer Bewegungen, so ein ganz markanter Volumenschub nach oben einsetzt und der dann dreht. Das ist das "Erschöpfungshoch".

Wir müssen bei Drittens aber akzeptieren, dass wir das erst erkennen können, *nachdem* der Markt gedreht hat. Wir akzeptieren also, dass wir ein paar wenige Prozent vom Hoch wieder verlieren werden, das ist es aber wert, um bis zum Schluss dabei zu sein.

Eine ideale Methode um das umzusetzen, ist der enge Trailing Stop, den wir aber abweichend vom Trendfolge-Stop erst dann aktivieren, wenn eine Aktie zu so einem finalen Schub mit Momentum ansetzt, der die Aktie aus dem Trendkanal nach oben heraus katapultiert.

Die Botschaft bei stark nach oben trendenden Aktien lautet also:

Wir bleiben im Sinne der Trendfolge dabei. Konsequent dabei.

Wir lassen uns abwerfen:

(1) Wenn der Trend bricht.
(2) Oder schon früher, wenn wir gerade ein "Exhaustion Top" mit seiner typischen Charakteristik erleben, das wenn es existiert, immer am Ende langer Anstiegsphasen steht.

Ich hoffe das war hilfreich, um die Themen noch einmal zu rekapitulieren.

Ihr Hari

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Erschöpfungs-Hoch im Biotech Sektor

Der folgende Beitrag erschien schon Montag 23.03.15 16:20 in Hari Live

Wer mal anschaulich sehen will, wie ein (zumindest temporäres) Erschöpfungs-Hoch (Exhaustion-Top) aussieht, braucht nur auf den Biotech Sektor und den ETF IBB zu schauen.

IBB 23.03.15

Wir sehen am Freitag 20.03. ein Eröffnungsgap, das unter Volumen dann über den ganzen Tag massiv abverkauft wird und so diese rote Kerze generiert.

Nun bedeutet diese Wende nicht, dass der IBB nun deswegen zwingend und grundlegend einbrechen muss, obwohl es denkbar ist. Aber zumindest ein temporäres Hoch wurde nun mit hoher Wahrscheinlichkeit generiert und ein Rückgang zumindest zur 50-Tage-Linie wie im Chart eingezeichnet, hat hohe Wahrscheinlichkeit.

Im kurzfristigen 10-Minuten-Chart sieht das dann so aus:

IBB 23.03.15 2

Hier kann man dann schön sehen, wie das Eröffnungsgap sofort zu massiven Abgaben genutzt wurde. So ein Signal bleibt höchst selten ein singuläres Ereignis und insofern war das heutige Down-Gap nur folgerichtig.

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Hari Live – Archiv 26.10.14 – 01.11.14

Premium gross

Hari Live - Archiv 26.10.14 - 01.11.14

Freitag 31.10.14 16:40 - Hurrah! Urlaub!

So liebe Mitglieder, es ist so weit. 🙂

Ich schreibe sehr, sehr gerne für Sie. Aber auch das Schönste braucht mal eine Pause, damit man sich danach wieder darauf freuen kann. Kluge Menschen sagen zu Recht, man muss erst einmal wegfahren, um nach Hause zurück kommen zu können. Und nach Hause zurück zu kommen, ist immer wieder schön.

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DAX und S&P500 – Wie lange steigen die Indizes im Runaway-Move weiter ?

Die grossen Indizes steigen und steigen. Jeder Dip wird gnadenlos gekauft, die Geldflut der Notenbanken deckt die konjunkturellen Probleme zu und sorgt für eine Vermögenspreisinflation an den Märkten.

Da stellt sich die wichtige Frage, woran könnte man denn erkennen, dass diese Bewegung zu Ende geht ? Gibt es Methoden, die einen davor warnen, als letzter auf die Party zu kommen ?

Zunächst einmal sei gesagt, dass die klassischen Oszillatoren in solchen Bewegungen kaum Aussagekraft mehr haben. In solchen Phasen laufen diese am Anschlag und laufen länger am Anschlag, als es ein falsch aufgestelltes Depot aushält.

Und ich habe noch eine schlechte Nachricht, es gibt keine - zumindest kenne ich keine - Technik, mit der man den exakten Top und Wendepunkt eines Runaway-Moves zuverlässig vorhersehen kann. Es gibt nur einen Erfahrungswert und der lautet, dass dieser Punkt höher liegt als sich die grosse Mehrheit vorstellen kann. Bedeutet, mit Rationalität ist man eigentlich immer zu früh draussen.

Es gibt bei diesen Bewegungen aber ein Muster und das zeichnet sich dadurch aus, dass die Korrekturen zuverlässig von ähnlicher Grössenordnung in ähnlichen Abständen kommen. Und dieses Muster kann man nutzen.

Ich möchte Ihnen dieses Muster am aktuellen Chart des Leitindex S&P500 zeigen. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart der gesamten Anstiegsbewegung seit November 2012:

S&P500 10.05.13 Runaway-Move

Sie sehen, dass die Korrekturen sich immer im Bereich von ca. 50 Punkten bewegen. Sie sehen auch den immer ähnlichen Abstand zwischen den Korrekturen. Sie sehen weiter, dass jeder Korrektur ein temporäres "Exhaustion Top" voraus geht, also eine dynamische Bewegung, der die Kraft ausgeht.

Und Sie sehen jedes Mal da ein V-förmige Reversal, dass eigentlich recht selten ist, hier aber signalisiert, dass da unter der Decke eine Macht (Notenbank) am Werk ist, die immer wieder den Nachbrenner unter den Kursen zündet.

In Summe wie ich finde ein sehr eindrucksvolles Bild, das die Struktur dieser Bewegung deutlich macht. Und da der S&P500 der weltweite Leitindex ist, kann man in ihm die Struktur auch am deutlichsten heraus arbeiten. Im DAX wird diese Struktur durch andere Faktoren überlagert, letztlich folgt aber auch der DAX dem Geld der Wallstreet.

Nun können wir aus dem Bild aber auch etwas lernen und bekommen damit grobe Anhaltspunkte, wie wir mit der aktuellen Bewegung umgehen sollten:

Der Abstand zwischen den Korrekturen zeigt, dass der jetzige Anstieg möglicherweise noch Luft nach oben hat. Er ist im Rhythmus der Bewegungen auf jeden Fall noch nicht weit genug gelaufen, auch wenn nun viel dafür spricht, dass die Dynamik der Bewegung nachlässt. Ca. 1650 im S&P500 sind aber ein sinnvolles kurzfristige Ziel, das sich auch aus der Höhe der Umkehrstruktur ableitet.

Danach ist mit steigender Wahrscheinlichkeit mit einer erneuten Korrektur zu rechnen. Und dabei ist entscheidend, ob es sich wieder um eine ca. 50 Punkte Korrektur handelt oder ob sich daraus mehr entwickelt. Unter der Annahme einer Bewegung bis 1650 in der nahen Zukunft, wäre der Bereich um 1600 im S&P500 also entscheidend. Wie sich der Markt dort verhält - nachdem er erneut um ca. 50 Punkte korrigiert hat - gibt uns die wichtigen Informationen. Die eingezeichnete Trendlinie macht diesen wichtigen Bereich deutlich.

Fazit:

Den Top eines solchen Runaway-Moves zu treffen ist nahezu unmöglich und eher Glück. Es können noch drei weitere dieser Wellen kommen und niemand kann voraussagen, was die letzte Welle ist. Trotzdem sind wir nicht im völligen Blindflug, denn wir wissen was *nicht* passieren darf, wenn die Bewegung weiter andauern soll.

Wesentlich bedeutender ist deshalb, wie sich der Markt *nach* einer 50 Punkte Korrektur verhält. Sollte er zum ersten Mal seit November 2012 nicht zu einem V-förmigen Reversal ansetzen, muss man dann davon ausgehen, dass die Bewegung seit November 2012 am Ende ist. Und dann steigt das Risiko eines scharfen Einbruches immens, weswegen man diese Situation besser auf der Seitenlinie beobachtet.

Mit einem händisch jeden Tag gepflegten Trailing-Stop, kann man diese Struktur schön abbilden und absichern. Und solange der Stop nicht getroffen wird, lässt man die Gewinne laufen und spart sich das Grübeln darüber, wo der Top sein könnte. Denn denken Sie immer daran: er ist in der Regel höher, als Sie sich vorstellen können. 😉

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