Die Fördertürme des 21. Jahrhunderts und die Illusion der Sicherheit

Normale Anleger sind Sicherheitssucher. In der idealen Welt würde man gerne 6% Rendite ohne Verlustrisiko kassieren und wenn einem so eine Verheißung dann als "Mittelstandsanleihe" daher kommt, ist man Feuer und Flamme.

Nur ist das natürlich eine Illusion, wie viele Anleger solcher Anleihen schmerzhaft lernen mussten. Denn Chance und Risiko bilden immer eine Einheit und wer ihnen Chancen ohne Risiko verkaufen will, der lügt und optimiert primär die eigene Brieftasche.

Klügere Anleger, suchen die Sicherheit dann bei soliden Firmen und Geschäftsmodellen, die schon Generationen überdauert haben. Kein grundlegender falscher Ansatz, aber auch keine Garantie für irgendetwas, wie uns gerade der große US Einzelhändler -> Sears <- mit seiner Pleite vormacht. Wer oft in Amerika war oder ist, wird die großen Kaufhäuser noch kennen, die nun den Weg allen Irdischen gehen.

Sears (SHLD) ist das Opfer von technologischen Umbrüchen geworden, die man sich vor 20 Jahren noch nicht vorstellen konnte und unter anderem den Namen Amazon (AMZN) tragen:

Das nennt man Disruption und machen wir uns nichts vor, *nichts* ist am Ende davor gefeit, auch keine 100 Jahre alten Geschäftsmodelle. Läden braucht man immer ... ja, ja ... 😉

Deswegen macht es immer noch Sinn, nach stabilen, bewährten Geschäftsmodellen Ausschau zu halten, nur kann man auch die nicht 40 Jahre einfach liegen lassen, weil der sich weiter beschleunigende Wandel, noch vieles auf den Kopf stellen wird, was wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.

Wo kann man denn dann "Sicherheit" finden?

Absolute Sicherheit gibt es nicht, sie ist eine gerne kostenpflichtig verkaufte Illusion, um die Seelen von uns Nußschalen auf dem Strom des Schicksals zu beruhigen. Denn am Ende steht immer der Tod, im Leben, in der Wirtschaft und im ganzen Univerum.

Aber relative Sicherheit kann man finden, denn es gibt Themen, die in den nächsten Jahrzehnten mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Boom erleben werden.

Daten seien das Öl des 21. Jahrhunderts, kann man derzeit allenthalben lesen und jederman der weitsichtig und als "Innovations-Experte" erscheinen will, nimmt das gerne in den Mund.

Nun gut, das kann sein und einen wahren Kern hat es bestimmt, ich bin aber trotzdem noch nicht vollständig überzeugt. Nicht nur weil mir zu viele gewichtig darüber reden, von denen einige im wahrsten Sinne des Wortes "von Tuten und Blasen keine Ahnung haben". Sondern auch weil das Bild hakt, denn bei Öl hat schon sehr schnell auch Otto Normalverbraucher begriffen, wie wertvoll Öl ist - ältere Semester denken dabei an James Dean und "Giganten".

Bei den Daten ist diese Erkenntnis aber noch nicht gereift, Otto Normalverbraucher gibt immer noch sein Wertvollstes für ein paar Likes und bunte Pixel-Herzchen her, wenn sich das aber ändert, werden auch viele "Geschäftsmodelle" wieder sterben, die heute die Welt zu dominieren scheinen. Wer dabei unter anderem an Google und Facebook denkt, liegt nicht ganz falsch.

Aber egal ob Daten nun das Öl des 21. Jahrhunderts sind oder nicht, es gibt "Fördertürme", die auch für Daten benötigt werden, die aber auch alles andere fördern können, was das 21. Jahrhundert braucht. Und diese "Fördertürme" sind Chips!

Ja Chips und die damit verbundene Chipindustrie, es wird praktisch nichts mehr ohne Chips darin geben. Herzschrittmacher? Kühlschränke? Lampen? Fortbewegungsmittel? Sie könne nehmen was Sie wollen, ja selbst die Verpackungen die auch in der langsam verendenden Sears in den Grabbeltischen lagen, haben schon Chips, auch RFID genannt. Und das wird nicht weniger werden, sondern mehr.

Die Chipindustrie hat die wahren Fördertürme des 21. Jahrhunderts in der Hand und ohne Fördertürme kein Öl, auch das hat schon James Dean gewusst.

Nun hatte die Chipindustrie in der Vergangenheit eine unschöne Eigenschaft, sie wurde von Boom&Bust Zyklen getrieben, weil es durch den langen Vorlauf beim Aufbau von Produktionsanlagen, zu einem beständigen Wechsel von Unter- und Überkapazitäten kam.

Das zeichnete aber vor allem Massenschips wie DRAM (Arbeitsspeicher) aus und die Frage ist berechtigt, ob in einer Welt in der Spezialchips immer mehr Lebensbereiche durchdringen, diese Zyklen noch so tief und ausgeprägt sein werden, wie in der Vergangenheit - ich glaube eher Nein!

Aber selbst wenn die Zyklen doch so bleiben, eine Einzelfirma in der Chipindustrie kann immer mal auf eine falsche Technologie setzen und vom Markt verschwinden. "Sicher", ist daran rein gar nichts.

An diese Stelle lohnt es sich, sich erneut an das Prinzip der -> Schaufeln für den Boom <- zu erinnern. Beim Goldrausch in Kalifornien, wurden wie wir wissen nicht die sicher reich, die nach Gold gruben, sondern die, die die Schaufeln dafür verkauft haben!

Im übertragenen Sinne sind das für die Chipindustrie die Chipausrüster, die die Produktionslinien der Chiphersteller mit Technologie ausrüsten. Ich will Ihnen hier mal Charts der eher bekannten Applied Materials (AMAT) und der niederländischen ASML Holding, aber auch der etwas weniger bekannten Lam Research (LRCX) zeigen:

Wir sehen überall klare Trendbrüche, die erfahrenen Anlegern schon vor Monaten ein sauberes Ausstiegssignal gegeben haben. Im seit Jahren boomenden Sektor, hat also ein neuer Abwärtsyzklus schon längst eingesetzt - Boom&Bust aus dem Lehrbuch eben!

Egal wie positiv die Zukunft der Chipindustrie aussieht - denn wenn sich die Menschheit nicht ausradiert, werden Chips immer mehr und immer dominanter werden - ich kann nur dringend davon abraten, hier nun sofort und nur auf Verdacht herein zu greifen. Denn man nennt das zu Recht ein "fallendes Messer" und in das greift man nicht, wenn einem die eigenen Finger etwas wert sind!

Das hier noch eine Menge theoretisches Potential nach unten ist, will ich Ihnen anhand der letzten 30 Jahre von Lam Research (LRCX) in logarithmischer Darstellung zeigen:

Von aktuell 145$, im schlimmsten realistisch vorstellbaren Fall noch auf vielleicht 60$ herunter, das wäre noch ein schmerzhafter Weg! Vorsicht also, kluge Anleger warten ab, bis so ein Abwärtszyklus ausgelaufen ist und das kann - muss nicht, kann - möglicherweise noch dauern!

Beachten Sie also, dass wir den Wendepunkt nicht kennen. Der kann erst in einem Jahr kommen, aber auch schon diese Woche, denn der Sektor zeigt kurzfristig aktuell erste Anzeichen einer Bodenbildung.

Wir müssen den Wendepunkt aber auch nicht kennen, den exakten Boden trifft man sowieso nie. Wir müssen einfach akzeptieren, dass wir die ersten paar Prozent einer Wende verpassen - unsere Aufgabe ist nicht im Vorfeld herumzuraten, sondern dann beherzt zuzupacken, wenn die Wende real da ist! Und dann ist noch mehr als genug Potential vorhanden, in der nächsten Aufwärtsphase kann sich der Sektor kurstechnisch problemlos wieder verdoppeln.

Klar ist also, dass dieser aktuelle Abwärtszyklus massive Chancen generiert, denn eines ist so klar, wie etwas in einer sich immer schneller wandelnden Welt nur klar sein kann:

Den Chips gehört die Zukunft und die wenigen Ausrüster, die der Chipindustrie ihre "Schaufeln" zur Verfügung stellen, werden noch lange, lange stark wachsen, auch wenn dieses Wachstum - wie in den letzten 30 Jahren von Lam Research (LRCX) zu sehen - immer in großen Aufwärtswellen vonstatten geht.

Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück, der Charakter jedes aufwärts strebenden Marktes. Die Chipausrüster machen gerade einen Schritt zurück, danach dürften hier erhebliche Chancen liegen.

Das wollte ich auch mal mit Ihnen im freien Bereich teilen, in der Community ist das schon länger Thema.

Ihr Michael Schulte (Hari)

PS: Übernächste Woche bin ich übrigens im Ferienmodus. Der nächste Artikel im freien Bereich kommt also erst in 2 Wochen.

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Bilfinger mit Intraday Reversal – Cevian holt sich Sperrminorität

Der folgenden Hinweis erschien gestern Montag 29.09.14 17:10 in Hari Live, wenige Minuten nachdem die Nachricht den Markt erreichte, dass Cevian bei Bilfinger auf eine Sperrminorität über 25% aufgestockt hatte,

Achtung, der Baukonzern Bilfinger (WKN: 590900) legt ein massives Intraday-Reversal hin. Auslöser dürfte die Meldung sein, dass der Finanzinvestor Cevian über 25% geht:

Bilfinger 29.09.14

Nachdem die Aktie auch im langfristigen Chart extrem überverkauft ist und 50% ihres Wertes innerhalb kürzester Zeit verloren hat, könnte sich da auf mehreren Zeitebenen nun eine Chance auftun:

Bilfinger 29.09.14 2

Kurzfristig, für Trader, ist dieser Vertrauensbeweis von Cevian vielleicht Auslöser einer temporären Rally, die man als kurzfristigen Trade mitnehmen könnte, wenn man unter dem heutigen Tief absichert.

Mit mittelfristigem Anlagehorizont, fassen wir als erfahrene Anleger aber nicht in fallende Messer und ein solches fallendes Messer ist Bilfinger derzeit noch. Aber man kann nun ganz genau schauen, ob sich da nun bald eine Wendeformation formt. Denn auf dem jetzigen Niveau sollte die Aktie unter längerfristiger Perspektive wieder attraktiv sein.

Ein weiterer Rückgang auf die Unterstützung oberhalb 40€ ist aber noch gut denkbar, spätestens dann aber, sollte die Aktie ein langfristiger Kauf sein, wenn der europäischen Wirtschaft nicht generell "der Himmel auf den Kopf fällt".

Gebaut wird sozusagen fast immer und die Restrukturierung von Bilfinger hin zu mehr Dienstleistungen ist der richtige Weg. Und nachdem sich Hochtief in Folge der Übernahme durch die Spanier von ACS nach meinem Eindruck mehr oder weniger selber zerlegt hat, verbleibt in Deutschland Bilfinger als Marktführer bei den ganz grossen Projekten.

Mit der Rückkehr von Herbert Bodner als CEO, ist ein alter Hase nun am Lenkrad, da sollte es nach dem initialen Aufräumen keine bösen Überraschungen mehr geben. Und mit Cevian ist ein fähiger Grossinvestor an Bord. In Summe scheint das ein attraktives langfristiges Setup zu sein. Nun gilt es den richtigen Einstieg zu finden und dabei ist der heutige Tag besonders beachtenswert.

Achten wir nun also aufmerksam auf Wendesignale im Chart, die nun auf dem Weg hinab Richtung 40€ jederzeit kommen können. Die heutige Nachricht von Cevian indiziert, dass auch andere mit mehr Einblick in die Unternehmens-Internas, die jetzige Bewertung von Bilfinger scheinbar für langfristig attraktiv erachten.

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Wacker Chemie – Der Turnaround Kandidat, der Solarworld nicht ist ?

Es gibt einen typischen Verlauf bei sogenannten Turnaround Aktien und Wacker Chemie (WKN WCH888) ist ein klassisches Beispiel.

Zunächst einmal sind die idealen Turnaround Kandidaten Unternehmen mit grosser Substanz und einem etablierten, profitablen Geschäftsmodell. Das ist wichtig, weil das garantiert, dass der Turnaround wirklich irgendwann kommt, er also nur eine Frage der Zeit ist. Alleine darauf kompromisslos zu achten, verschafft einem schon einen erheblichen Vorteil, denn es gibt wohl nichts Schlimmeres, als auf den Turnaround einer Aktie zu setzen, die dann langsam und schmerzhaft Richtung Null fällt - so wie gerade bei Solarworld zu beobachten.

Wirklich verwunderlich ist das Geschehen bei Solarworld für mich persönlich aber nicht, denn Solarworlds temporärer Erfolg beruht nach meiner persönlichen Ansicht indirekt auf durch das EEG erzwungenen Subventionsgeldern, die bei Ihnen und mir über Jahre via Stromrechnung einkassiert wurden und letztlich die Taschen von Unternehmern wie Herrn Asbeck füllten. Laut Wirtschaftswoche übrigens -> mindestens 75 Millionen <- die Herr Asbeck verdient hat. Wenn Sie so wollen für mich also eine staatliche organisierte Umverteilung "von unten nach oben" aus den Brieftaschen Otto Normalverbrauchers in die Taschen der Solarindustrie. Mittlerweile ist ja auch in der Politik angekommen, dass das zu dramatischen Entwicklungen beim Strompreis führt und das Schwarze-Peter-Spiel hat schon begonnen.

Herr Asbeck von Solarworld dürfte diese meine persönliche Einschätzung wahrscheinlich nicht teilen, zumindest nicht wenn man seinen letzten Einlassungen folgt, nach denen am Niedergang von Solarworld & Co. ja vor allem die bösen Chinesen mit ihren Dumpingpreisen schuld sind. Jetzt ist es auch unbestreitbar, dass der Wettbewerbsdruck hoch ist und die Chinesen mit weit geringeren Kosten operieren können und sich auch nicht schämen, Wissen und Technologie auf nach westlichen Massstäben rechtlich fragwürdige Art und Weise an sich zu bringen. Insofern hat Herr Asbeck ja auch nicht völlig unrecht.

Nur würde ich gerne mal wissen, in welcher Branche das anders ist ? Überall konkurrieren deutsche Mittelständler mit China und überall haben sie mit Kostennachteilen, Industriespionage und Dumpingangeboten zu kämpfen. Und trotzdem halten diese Mittelständler die Nase oben und behaupten sich aus eigener Kraft durch Innovationskraft. Nur die Solarindustrie kann das nicht, warum wohl ?

Meine ebenso harte wie persönliche Meinung ist: weil es diese aufgeblähte Industrie ohne die Subventionen des EEG nie gegeben hätte und Unternehmer wie Herr Asbeck nun nicht Multimillionäre wären. Wir hätten heute eine andere Solarindustrie, kleiner, härter, innovativer, besser organisiert. Eine Solarindustrie die wie andere Branchen aus eigener Kraft gegen China bestehen könnnte. Denn Subventionen machen fett und lahm, sich dem harten Wettbewerb stellen zu müssen macht dagegen fit und innovativ, wie weite Teile des deutschen Mittelstands immer wieder aufs Neue beweisen.

Aber wie auch immer, zurück zum Thema Turnaround Aktien. Was ich mit dem Ausflug zu Solarworld sagen will ist, dass es sehr wichtig ist nur bei solchen Aktien auf einen Turnaround zu setzen, die ein etabliertes, eigenständiges und profitables Geschäftsmodell haben und nur temporär unter exogenen Faktoren leiden.

So ein Unternehmen ist für mich Wacker Chemie (WKN WCH888) - Ein Unternehmen der Spezialchemie, das im Bereich Polysilizium auch unter dem "Solardesaster" leidet, dadurch aber nicht in der Existenz in Frage gestellt wird.

Aber selbst wenn man so ein Unternehmen identifiziert hat, ist der typische Ablauf bei derartigen Situationen immer ähnlich. Der Kurs fängt schon zu einem Zeitpunkt an zu fallen, wo die Mehrheit die grundlegenden Probleme noch nicht sehen kann. Dann notiert der Kurs 20% unter Höchstkurs und die ersten "Schnäppchenjäger" kaufen wieder. Der Kurs fällt aber weiter. Bald notiert er 40% tiefer und jetzt ist die Aktie wirklich "saubillig" - nur der Kurs fällt trotzdem weiter. 😉

Und so geht es schmerzhaft weiter. Der Kurs fällt und fällt und immer wieder verbrennen sich Anleger die Finger, weil sie die Aktie nach den alten Massstäben für billig halten. Der Fehler den die Anleger machen, ist die Aktie immer noch aus der alten Brille zu betrachten und zu übersehen, dass es schon längst ein "New Normal" gibt. Und so geht es schmerzhaft weiter, über Monate und Jahre, bis irgendwann niemand mehr ein Pfennig darauf setzen will, dass diese Aktie je wieder dreht.

Dann, genau an diesem Tag, hat der Kurs seinen Tiefpunkt erreicht und setzt aus dem "Nichts" und ohne Nachricht zu einer Rally an. Alle Anleger, die vorher immer wieder ins fallende Messer griffen, sind nicht mehr dabei und haben die Aktie frustriert beiseite gelegt.

Nun haussiert der Kurs, ausgehend von den tiefen Niveaus im hohen zweistelligen Prozentbereich, obwohl diese Bewegung aus langfristiger Sicht nicht mehr als ein "Zacken" im langfristigen Abwärtstrend ist. Nachdem die Aktie über Tage und Wochen hochgelaufen ist, werden nun auch die ersten der alten Anleger wieder aufmerksam und trauen sich - angeregt durch die gute Stimmung in den Medien - einen ersten Fuss in die Aktie zu stellen.

Genau das ist der Tag, an dem die Aufwärtsbewegung ausläuft und die Aktie zu einer bösen Korrektur ansetzt. Eine Korrektur, die typischerweise ca. die Hälfte des ursprünglichen Anstiegs wieder auslöscht und die Anleger endgültig aus der Aktie vertreibt.

Dann erst ist die Situation so bereinigt, dass die Aktie bereit für eine dauerhafte Aufwärtsbewegung ist - der nächste mehrjährige Anstieg kann kommen. 🙂

Schauen wir auf Wacker Chemie, könnte es gut sein, dass sich die Aktie im Moment genau an diesem Punkt der auslaufenden ersten 50% Korrektur befindet. Schauen Sie selbst auf die Charts und ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse.

Erstens das 4-Stunden-Chart seit Oktober 2012 mit dem zulaufenden Dreieck, dass sich mit statistisch höherer Wahrscheinlichkeit nach oben auflöst:

Wacker Chemie Turnaround 04.02.13

Zweitens das Wochenchart seit 2007, das die Korrektur und Gegenbewegung in eine grössere Perspektive stellt. Sie sehen, die potentielle Cup&Handle Umkehrformation und Sie sehen auch, wie der Abgabedruck ausläuft und Raum für eine potentielle grosse Wendeformation bietet:

Wacker Chemie Umkehrformation 04.02.13

Wie immer kann alles ganz anders kommen und ein Stop dürfte auch hier sinnvoll sein. Aber selbst wenn Wacker Chemie doch wieder nach unten dreht und neue Tiefs generiert: ich sehe im Moment nichts, was gegen ein dauerhaftes Überleben von Wacker Chemie sprechen würde und dann dürfte aus langfristiger Perspektive der Tiefpunkt nicht mehr allzu weit entfernt sein.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Recency Bias – Warum wir konditioniert sind, an der Börse Geld zu verlieren – 28.11.12

Wieder konnten wir schön beobachten, wie wir Anleger durch unseren "Recency Bias" dazu neigen uns mit unserer Emotion prozyklisch ein Bein zu stellen. Sie erinnern sich sicher an meinen Artikel vom Freitag über -> den Tag der wenig zählt <-.

Nun habe ich ja mittlerweile Übung darin, anhand Ihrer Reaktionen in den Kommentaren und anhand dessen was geschrieben und eben gerade nicht geschrieben wird, abzuschätzen wie solche Analysen Pi-mal-Daumen ankommen. 😉 Am Freitag sprang mir das "wovon redet der denn" geradezu entgegen. Verbunden mit Unverständnis, warum ich am Freitag vor Handelschluss erst einmal auf die Seitenlinie getreten bin.

Es fühlte sich ja auch alles so toll an am Freitag, wir rannten bis 1409 im S&P 500 und die Jahresendrally war scheinbar Realität geworden. Oder etwa nicht ?

Nun sehen Sie ja, wo wir heute stehen. Und das auch meine Erwartung von gestern eingetreten ist, dass in Kürze eine Enttäuschung über die Langsamkeit der Fiscal-Cliff Verhandlungen eintritt, die dem "alles wird gut" Gefühl erst einmal einen Dämpfer verschafft.

Habe ich jetzt also ein Glaskugel und kann die Zukunft vorher sehen ? Definitiv nein ! Ich bin mir nur eines kleinen aber wichtigen psychologischen Sachverhaltes sehr bewusst, den ich Ihnen heute mit Haris nervigem "erhobenem Zeigefinger" wieder unter die Nägel reiben möchte. Nicht um Sie zu ärgern, sondern um Ihnen an diesem entscheidenden Punkt über eine Hürde zu helfen, mit der wir uns alle rumplagen: es geht um den "Recency Bias", den ich auch in meiner -> Anlagephilosophie <- thematisiere.

Dahinter verbirgt sich unsere evolutionäre Konditionierung, den Ereignissen der nahen Vergangenheit eine höhere Bedeutung für unser Handeln beizumessen, als den "abstrakten" Wahrheiten die länger zurück liegen. Wir sind also weit stärker durch kurzfristige Anreizsysteme getrieben, als wir selber wahrhaben wollen. Oder mit anderen Worten, die vermeintliche Rationalität die wir uns in unserem Selbstbild zusprechen, ist in weiten Teilen Illusion. Wir sind sozusagen Sklave unserer evolutionären Konditionierung. Wir haben die Chance uns durch die Kraft unserer Geistes und unseres Willens darüber zu erheben. Das kostet aber erhebliche Energie und vor allem ein hohes Mass an Intelligenz und Selbstreflektion.

Genau deswegen fühlt es sich so toll an, nach 4 Tagen starkem Anstieg dann auch noch dem Markt hinterher zu hechten. In diesem Moment fühlt sich einfach alles "richtig" an, man ist Teil der Herde und man will dann diesen Moment geniessen und auch gar nichts hören, was das in Frage stellen könnte. Noch schlimmer, man verspürt geradezu einen Drang den Kursen hinterher zu laufen, weil man Angst entwickelt etwas zu verpassen.

Umgedreht ist es nach 4 Tagen starken Verlusten. Da dreht sich einem der Magen um und die ganze Wahrnehmung ist nur noch auf den Schutz des Kapitals gerichtet. Nun zu kaufen fühlt sich einfach falsch an und die wenigsten schaffen es, genau dann massiv in den Markt zu steigen.

Dabei ist es objektiv tatsächlich so, dass im ersten Fall die Risiken eines Einstiegs überwiegen, während im zweiten Fall die Chancen überwiegen. Unsere evolutionäre Konditionierung sagt uns aber das genaue Gegenteil.

Der erste Schritt dieses Problem zu besiegen ist die Selbsterkenntnis. Man muss seine eigenen Gefühle als Kontraindikator begreifen, denn es ist doch kein Wunder, man ist doch selber Teil der Herde und schwingt durch mediale Untermalung mit in den Wellenbewegungen der öffentlichen Erregung.

Wenn Sie also Euphorie in sich spüren und Angst bekommen etwas zu verpassen, dann legen Sie lieber ihre Hände erst einmal unter den Hintern, machen einen Spaziergang und versuchen ruhig und rational nachzudenken. Und wenn sich Ihnen ob der Verluste der Magen umdreht und Sie überlegen jetzt ganz aus dem Markt zu gehen, dann gehören ihre Hände eher auf die Tastatur um an der richtigen Stelle einzusteigen.

Sicher kann man auch so falsch liegen und etwas was stark gefallen ist kann noch weiter fallen und umgekehrt. Die Regel des fallenden Messers kennen ja wohl alle und die ist auch richtig. Aber zumindest die Wahrscheinlichkeiten hat man so zu seinen Gunsten beeinflusst und für den Fall das es noch weiter runter geht, gibt es Stops.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, dass diese Regel auch nur für die breiten Indizes gilt, die ja eine ausgewogene Mischung verschiedenster Aktien und Branchen sind. Nach 4 Tagen gleichmässiger Bewegung in eine Richtung ist die Wahrscheinlichkeit einer Gegenbewegung in den breiten Indizes einfach objektiv sehr hoch. Punkt. Und das ist auch kein Widerspruch zur Trendfolge, sondern integraler Bestandteil der Trendfolge. Gegenbewegungen gehören einfach zu jedem Trend.

Diese Regel gilt aber nicht für einzelne Aktien. Bei denen sollte man in keinem Fall einfach in ein fallendes Messer greifen, denn die können durchaus an einem Stück durchfallen ! Indizes machen das aber nicht - ausser in sehr seltenen Crashsituationen wie 2008.

Und eine weitere Massnahme ist wichtig. Man braucht ein "System" nach dessen Regeln man agiert. Ein System das man sich rational ohne emotionalen Einfluss überlegt hat. Das kann dann in den schwierigen Phasen wie ein Korsettstange wirken, die einen auf Linie hält.

Eines kann ich Ihnen aber garantieren. Wenn Sie meine mahnenden Worte oben nun einfach wegwischen, werden Sie scheitern. Sie werden weiter zu den Marktteilnehmern gehören, die prozyklisch immer zu spät dran sind. Wie die Mehrzahl der privaten Anleger und das aus genau dem oben genannten Grund !

Nach dieser "Predigt", will ich Ihnen nun ganz rational und trocken sagen, wie ich den Markt Stand Heute 09.30 Uhr sehe:

(1)

Die wichtige Marke ist nach wie vor die 1390 im S&P500 bzw die 7200 im DAX. Siehe auch -> hier <- den Artikel von vor einer Woche.

(2)

Die Möglichkeit, dass wir gerade nur eine Schulter im Abwärtstrend sehen und danach die Schulter-Kopf-Schulter Formation im S&P500 Richtung 1300-1320 vollenden, ist nach wie vor vorhanden und real. Würde also ein temporärer Taucher unter 1390 nicht wieder gekauft, wäre das ein Signal für dieses Szenario.

(3)

Wahrscheinlicher ist nun aber nach meiner Analyse und in Würdigung aller mir sichtbaren Daten, dass die Jahresendrally schon begonnen hat. Und was wir hier erleben, ist ein notwendiger Rücksetzer. Ein Rücksetzer, der eben irgendwo bei 7200 im DAX und 1390 im S&P500 ein Ende finden sollte. Wobei man solche Marken bitte nicht exakt verstehen darf. Ein zeitweiliges Unterschreiten solcher Marken ist fast Standard. Entscheidend ist also nicht, ob wir exakt bei 7200 drehen, sondern ob man erkennt, dass unterhalb der Marke schon bald wieder Kaufinteresse in den Markt kommt. Oder eben nicht.

(4)

Insofern wird ein Erreichen dieser Marken für mich Signal für einen Long Einstieg sein, mit entsprechenden Stops für den Fall abgesichert, dass das Kaufinteresse eben doch nicht kommt.

(5)

Tritt der hier avisierte Rückgang in diese Regionen gar nicht ein, wäre spätestens das Übersteigen der Hochs von Freitag für mich ebenso Signal wieder einzusteigen. Wahrscheinlich bin ich schon früher wieder drin, dass ist aber eine zu komplexe Entscheidungsfindung - die auch viel mit Marktgefühl zu tun hat - um diese hier in einem Blogeintrag als simple wenn->dann Logik auseinander dividieren zu können.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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“Greife nicht ins fallende Messer”: DAX nach der Woche der Richtungsentscheidungen

Ein Gastartikel von Tokay

Update aus aktuellem Anlaß zu Börsenregeln reloaded III

Wir sind nun am Ende einer Woche der Richtungsentscheidungen, und so stellt sich die Frage: Sind die Würfel jetzt gefallen? Dies ist das Thema der folgenden Zeilen.

Der langfristige Trend des DAX, gemessen am gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, war bis Anfang Juni negativ und hat seither ins positive gedreht (Strecke AE). Der mittelfristige Trend ist seit Ende März negativ (Strecke BCG), wurde aber gesamthaft in den vergangenen Handelstagen nach oben durchbrochen (Strecke mit den Auflagepunkten FGH); dies offensichtlich als Folge des „glimpflichen“ Wahlausgangs in Griechenland sowie einer positiven Erwartungshaltung der Märkte in Bezug auf eine geldpolitische Expansion insbesondere seitens der FED. Es hat sich damit ein kurzfristig positiver Trend herausgebildet, der allerdings Ende der Woche bereits wieder touchiert wurde. Gleichzeitig sehen wir auch eine Begrenzung der Erholung nach oben, markiert durch die Strecke CI.

Folgende Szenarien sind damit im Bereich des Möglichen:

  • Optimistische Sicht : Die Strecke FGH etabliert sich als untere Begrenzung eines neuen mittelfristigen Trends. Falls also der heutige Schlusskurs in der nächsten Woche nicht nennenswert unterboten und zugleich die Linie CI überquert wird (DAX bei ca. 6.400), spräche dies für den Auftakt zu einer Sommerrallye.
  • Pessimistische Sicht: Die Linien FGH und ebenso die Fortsetzung der Linie ACG werden unterschritten (DAX spürbar unter 6.000), dies würde wahrscheinlich einen Abschwung Richtung 5.500 Punkte bewirken.

Es ist im Augenblick schwer zu beurteilen, welche Sichtweise die Oberhand gewinnen wird, da die Einflussfaktoren überwiegend politisch geprägt sind. In jedem Fall wird es interessant sein zu sehen, ob die jetzige Konsolidierung in der nächsten Woche rasch zum Stillstand kommt. Die optimistische Sichtweise könnte durch positive Nachrichten von der „Euro-Front“ unterfüttert werden (Bankenunion, Spekulation auf weitere Zinssenkungen durch die EZB), während die pessimistische Sichtweise durch das Ausbleiben solcher Nachrichten an Nahrung gewönne. Wie wir in den letzten Tagen gesehen haben, beginnt sich nunmehr auch die Wirtschaftslage beim Zugpferd Deutschland zu verschlechtern (ZEW, Ifo-Index, Einkaufsmanager-Index). Vorsicht ist somit das Gebot der Stunde.

Tokay

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„Greife nicht ins fallende Messer“: Der DAX am Vorabend von Richtungsentscheidungen

Ein Gastartikel von Tokay

Update aus aktuellem Anlaß zu Börsenregeln reloaded III

Wir nähern uns einer entscheidenden Woche und nehmen daher noch einmal den DAX in Augenschein. Wir erinnern uns: Die Aufwärtsentwicklung seit Jahresanfang (Strecke AB) wurde Ende März gebrochen. Der seither bestehende Abwärtstrend (Strecke BEF) bleibt weiterhin intakt.

Die Abwärtstrendlinien BEF bzw..DF wurden zu Anfang Juni unterschritten. Somit wurde die 200-Tage-Linie unterschritten sowie der kurzfristige Abwärtstrend bestätigt; die Hochpunkte der Abwärtsbewegung wurden immer kleiner. Auch der Pufferbereich der 200-Tage-Linie wurde unterschritten, was ebenfalls negativ zu werten war, doch wurde diese wieder überschritten(Bewegung GH). Die Bären konnten somit vorerst noch nicht weiter ins Lager der Bullen eindringen. Freitag Abend wurde mit dem DAX-Schlusskurs von 6229,41 sogar die Abwärtstrendlinie BEF touchiert.

Möglicherweise kommt es nächste Woche zu einer monetär induzierten Überschreitung dieser Abwärtstrendlinie, wenn sich die heutige Entwicklung fortsetzt. Die Notenbanken der Welt scheinen entschlossen, das „fallende Messer“ nicht Realität werden zu lassen. Am wahrscheinlichsten aus heutiger Sicht ist es, dass diese Erholung sich verflüchtigt und eine Rückkehr in den Bärenmarktmodus entlang des Bereichs 6000 bis 6100 erfolgt. Es müssten Anschlusskäufe stattfinden, die den DAX in den Bereich 6400 bis 6500(etwa auf der Höhe der Strecke CE) tragen, um eine Trendumkehr bzw. sogar eine Sommerrally zu bewirken, die allerdings nach jetzigem Stand recht unerwartet käme, was dafür spräche. Eine ebenfalls geringere Wahrscheinlichkeit hat das Unterschreiten des kurzfristigen Tiefs von 5950, doch könnte hierdurch eine Bewegung Richtung 5500 Punkte ausgelöst werden. Dies könnte dann passieren, wenn sich aus den „Grexit“-Szenarien etwa aufgrund einer Regierungsübernahme in Griechenland durch die Syriza-Partei eine Eigendynamik entwickelt.

Tokay

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