Mal ehrlich machen



Guten Morgen!

München, Reutlingen, Ansbach und viele andere "kleinere" Ereignisse unterhalb der Ebene von Toten. Ein schreckliches Wochenende liegt hinter uns und ganz ehrlich, es fällt mir immens schwer, mich auf die Börse zu konzentrieren. Denn ganz andere Gedanken, sind in meinem Kopf.

Klar ist, dass all das wovor kluge und vernünftige Menschen (auch hier im Blog) seit letztem Herbst gewarnt haben und dafür in dunkle Ecken gestellt wurden, nun eintritt. Und trotzdem sind politische Eliten und Medien immer noch weit davon entfernt, sich mal ehrlich zu machen und das Problem beim Namen zu nennen, das wenn nicht schnell und hart gegengesteuert wird, in Deutschland sogar zu einer Art Bürgerkrieg führen kann.

Denn unter deutschen Männern werden nun auch alte archaische Reflexe wieder an die Oberfläche treten, die in einer zivilisierten Welt nicht mehr benötigt wurden. Wenn die eigene Familie bedroht ist, kommen diese aber wieder, das ist ganz sicher, denn diese Reflexe sind in unseren Genen angelegt.

Selbst ich spüre das schon, ich verspüre einen Drang in mir, mich wieder fitter und kampffähiger zu machen, um meine Familie besser schützen zu können. Dabei geht es nicht um Bomben, dagegen kann man nichts machen, sondern um die Bedrohungen des Alltages, wie zum Beispiel in Zügen - es gab in Norddeutschland übrigens eine weitere Messerattacke im Zug.

Und wenn selbst ein rationaler, gebildeter und abgeklärter Mann wie ich, diese Reflexe nun in seinem Bauch rumoren hört (nur abgeklärt genug ist, denen nicht einfach zu folgen), was denken Sie wohl, was der "gemeine Baggerfahrer" bald denken und tun wird?

Genau das passiert, wenn das Vertrauen in das staatliche Gewaltmonopol und in Recht und Ordnung kaputt gemacht wird.

Das ganze Problem und die ganze Unehrlichkeit, wird wunderbar am Täter in Ansbach sichtbar. 27 Jahre, Syrer, abgelehnter Asylbewerber, polizeibekannt wegen Drogen- und Gewalt-Delikten und *trotzdem* immer noch mit "Duldung" im Land. Trotzdem wird in Schlagzeilen noch euphemistisch von "Flüchtling" gefaselt. Besser als mit diesem "Einzelfall", kann man die Lebenslügen nicht zusammen fassen, die hinter dieser desaströsen Entwicklung stehen.

Während dessen sind die Grenzen weiter offen wie ein Scheunentor, die sogenannten Kontrollen sind nichts weiter als Placebo-Sichtkontrollen, wenn aber jemand seine Papier weggeschmissen hat, kommt er nach wie vor ins Land, auch wenn "pseudo-kontrolliert". Und gerade die Grenze zu Polen wird zum Problem, über die immer mehr Tschetschenen kommen: -> Tschetschenen reisen über Polen ein <-.

Und deren Gewaltpotential sollte ja nun bekannt sein. Ich erlaube mir dazu stellvertretend Katrin Göring-Eckardt zum Thema zu zitieren: "Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!" Das "blauäugig" zu nennen, ist da noch höflich.

Schlimm dabei ist, dass trotzdem immer noch die "für oder gegen Flüchtlinge" Diskussion geführt wird, die völlig am Thema vorbei ist. Wenn wir mal ein paar Gestrige ignorieren, die in die homogene Welt der 60er Jahre zurück wollen, dann gibt es diese Diskussion doch gar nicht, sie wird uns nur in "Neusprech" immer wieder aufgezwungen.

Ich gehe davon aus, dass 90% der Bevölkerung gerne bereit sind, echte Flüchtlinge ins Land zu lassen. Und eine grosse Mehrheit der Bevölkerung sieht auch, dass in Migration nichts Negatives liegt, sondern unsere Gesellschaft diese braucht.

Gleichzeitig versteht 90% der Bevölkerung aber auch, dass wir nicht jeden Entwurzelten der Welt aufnehmen können. Das geht alleine nicht, weil die Welt aus 8 Milliarden Menschen besteht und Deutschlands schon dicht besiedelte Population, gerade mal ein Hundertstel davon ist.

Die unbedingt nötige Diskussion ist also: Wen und wieviele wir aufnehmen. Und damit stellt sich zwangsläufig die Selektionsfrage an den Grenzen oder schon davor und genau um diese offensichtliche Frage, wird sich immer noch verlogen herum gedrückt.

Dabei zerstört genau diese Weigerung die Humanität und zerstört die Bereitschaft, Migration als etwas Positives, weil zum Wohle aller sinnvoll Gesteuertes zu begreifen. Unserem Land wird aber mit beiden Extremen ein Bärendienst erwiesen, mit völlig offenen Grenzen wie aktuell ebenso, wie mit totaler Abschottung.

Es gibt nur einen funktionierenden Weg der Humanität, der sicherstellt, dass hier auch in 20 Jahren noch ein Gesellschaft ist, die zur Humanität fähig ist: Migration ja, aber geordnet und bewusst. Und das geht nicht ohne Selektion. Ob per Punktesystem wie das Kanada macht oder anders, ist dabei nebensächlich.

Und dazu gehört auch, endlich mal Migration von temporärem Asyl zu trennen, sprachlich wie von den Massnahmen her, denn das sind zwei völlig verschiedene paar Schuhe. Aber selbst dazu, ist unserer Politik nicht in der Lage.

Ohne Selektion geht geordnete Migration aber nicht. Und Selektion geht nur, wenn man die Grenzen für die Nicht-Selektierten schliesst. Das mus man nicht mögen, es bleibt trotzdem die Wahrheit.

Erst wenn diese Lebenslügen enden, kann es besser werden. Und davon sind wir meilenweit entfernt, wie Placebo-Diskussionen wie zu Gewaltspielen zeigen. Vorher wird es wohl noch rapide schlimmer werden. Denn ohne einen Rücktritt der Regierung, wird es schon jetzt nicht mehr abgehen, zu sehr haben sich die Beteiligten mit dieser völlig verfehlten Politik verknüpft, die die Republik auf direktem Weg in die grösste Krise ihres 70-jährigen Bestehens führt.

Und nun versuche ich mich auf die Börse zu konzentrieren, so schwer mir das heute fällt.

Denn für die Börse ist das Geschehen noch irrelevant. Der Blick der Börse richtet sich auf wirtschaftliche Einflüsse und schaut dabei nicht viel weiter als ein Jahr in die Zukunft. Mittelfristige gesellschaftliche Entwicklungen, sind für die Börse erst dann Kategorie, wenn sie unmittelbar zu sehen sind. Der einzige Bereich, der schon jetzt durch die Destabilisierung beeinflusst wird, ist unmittelbar der Tourismus und damit verbundene Aktien.

Letzte Woche ist auf jeden Fall das eingetreten, was ich erwartet hatte. Wenn alle ein Korrektur erwarten, kommt (noch) keine. Und das könnte auch das Thema dieser Woche sein, wenn da nicht in der Mitte der Woche am Mittwoch, die FED-Sitzung wäre.

Von der FED-Sitzung wird zwar keine Zinserhöhung erwartet, aber doch Hinweise, ob es nicht doch noch im September dazu kommt. Denn wenn auch der September ohne Zinserhöhung verstreicht, wird es wegen der Präsidentschaftswahl wohl vor Dezember nichts mehr werden.

Das Hauptproblem der FED-Sitzung am Mittwoch ist aber weniger das was gesagt wird, sondern die Tatsache, dass der Markt so korrekturreif ist und jeder kleine Katalysator nun ausreichen kann, um diese auszulösen.

Tief muss die Korrektur nicht zwingend sein, zu stark ist der Markt. Aber sie wird unvermeidlich kommen, nur den genauen Tag kennen wir nicht. Ich erinnere an mein Chart von Freitag:

S&P500 22.07.16

Im DAX ist mehr Potential, ich sehe gute Chancen, dass der nun zügig die 10.500 anläuft, siehe auch hier ein Chart von letzter Woche:

DAX 20.07.16

Was den Markt diese Woche eher zusammen halten wird, ist dagegen der absolute Höhepunkt der Quartalssaison. Es berichten:

Montag: Danaher (DHR), ENI, Express Scripts (ESRX), Gilead Sciences (GILD), Kimberly-Clark (KMB), Rockwell Collins (COL), Texas Instruments (TXN)

Dienstag: 3M (MMM), AK Steel (AKS), Akamai (AKAM), Anadarco Petroleum (APC), Apple (AAPL), BP, Ballard Power (BLDP), Baxter (BAX), Check Point Software (CHKP), Citrix Systems (CTXS), Eli Lilly (LLY), Freeport McMoran (FCX), Illumina (ILMN), iRobot (IRBT), Juniper (JNPR), MTU Aero Engines, MAN Group, Mc Donalds (MCD), Michelin, Mobileye (MBLY), Twitter (TWTR), Under Armour (UA)

Mittwoch: ARM Holding, Agnico Eagle Mines (AEM), Airbus, Altria (MO), Amgen (AMGN), BASF, Barrick Gold (ABX), Bayer, Boeing (BA), Coca-Cola (KO), Coeur Mining (CDE), Deutsche Bank, Dolby Labs (DLB), FLIR Systems (FLIR), Facebook (FB), Garmin (GRMN), GlaxoSmithKline (GSK), GoPro (GPRO), Goldcorp (GG), Hochtief, Hess (HES), Kinross Gold (KGC), LG Display (LPL), Logitech (LOGN), NXP Semiconductor (NXPI), New Gold (NGD); Nintendo, Northrop Grumman (NOC), Open Text (OTEX), Peugeot, ST Micro, Saft, ServiceNow (NOW), Solar City (SCTY), Statoil, Suncor Energy (SU), Teradyne (TER), Vertex Pharmaceuticals (VRTX), Vossloh

Donnerstag: Agenus (AGEN), Alexion (ALXN), Alphabet (GOOG), Amazon (AMZN), Anglo American, Astra Zeneca (AZN), BAE Systems, BNP Paribas, Baidu (BIDU), Baker Hughes (BHI), Bunge (BG), Carrefour, Celesio, Centrica, Clariant, ConocoPhilips (COP), Cray (CRAY), Credit Suisse, Cypress (CY), Danone, Diageo, Dialog Semiconductor, Drägerwerk, Expedia, Fords (F), Fortinet (FTNT), Gea Group, International Paper (IP), Komatsu, Kyocera, L-3 Communications (LLL), Linde, Mastercard (MA), Nordex, Pentair (PNR), ProSiebenSat1, Qiagen, Raytheon (RTN), Renault, Schneider Electric, Stericycle (SRCL), Suez Envrionment, Synaptics (SYNA), Taser (TASR), Telefonica, Thermo Fisher Scientific (TMO), Thomson Reuters (TRI), Total, Vale, Verbund, Verisign (VRSN), Volkswagen, Wacker Chemie, Weatherford (WFT), Western Digital (WDC), Wincor Nixdorf, Yamana Gold (AUY), Yandex (YNDX)

Freitag: AB Inbev (BUD), AbbVie (ABBV), Arcelor Mittal, BBVA (BBVA), Barcleys, Embraer, Essilor, Exxon Mobile (XOM), Generali, Heidelberg Cement, Hitachi, MAN, Merck&Co (MRK), Phillips 66 (PSX), Reckitt Benckiser, Sanofi, Sika, Swiss Re, UBS, UPS (UPS), Vinci, Wolters Kluwer, Xerox (XRX)

Bisher war die Quartalssaison eher positiv und ich gehe davon aus, dass das so bleibt.

Gleich um 10 Uhr kommt der IFO-Index. Klar ist, dass es schon alleine durch den Brexit zu einem deutlichen Rückgang gekommen sein sollte, die Frage ist eher wie tief und stark dieser ausfällt.

Ansonsten ist an Wirtschaftsdaten heute nicht viel los.

Damit können wir also zusammenfassend festhalten:

(1) Dass der S&P500 nicht mehr viel Luft nach oben hat, bevor eine zwangsläufige Korrektur einsetzen wird, die zum "Retest" werden kann.
(2) Dass der DAX mehr Potential hat und durchaus überraschen könnte
(3) Dass eine Korrektur frühestens zur FED diese Woche, potentiell aber erst im August einsetzen wird.
(4) Dass der Markt (vorbehaltlich neuer Entwicklungen) aber so stark ist, dass dieser "Dip" wohl wieder in den Herbst zu kaufen ist.

Zum Abschluss noch als wichtiger, interner Hinweis:

Dieses ist die letzte Woche, bevor dieser Blog und ich im August in den traditionellen Ferienmodus wechseln.

Eine ruhigere Zeit an der Börse gibt es in der Regel auch nicht, denn auch die Politiker und Notenbanker liegen dann mal am Strand und reden nicht angestrengt in Mikrofone.

Trotzdem ist auch im August eine Korrektur möglich, wir haben das ja letzten Herbst mit dem ETF Flash Crash eindrucksvoll erlebt. Und ob wir nun einmal für ein paar Wochen von weiteren Anschlägen und Amokläufen verschont bleiben, ist ja zumindest fraglich. Der nächste Anschlag kommt bestimmt, offen ist nur wo und wann.

Der Ferienmodus des Blogs läuft also vom 01. August bis 02. September, wobei ich in der letzten Woche in den September hinein, schon wieder langsam "Fahrt" aufnehme. In den Wochen vorher wird es wie hier gewohnt laufen.

Ich bin in der Zeit also präsent und schreibe auch, aber nur ca. 1x am Tag und das recht entspannt, wann immer es mir passt. Ferienmodus heisst also nicht völlige Abstinenz meinerseits, sondern nur der Verzicht auf festen Rhythmus und Verpflichtungen. Die Kolumnisten - von denen mehrere aktuell im Urlaub sind - schreiben sowieso in ihrem eigenen Rhythmus.

Einzige Ausnahme wird die erste Woche des Ferienmodus vom 01.-05. August sein. In dieser Woche werde ich hart arbeiten, aber nicht hier. 😉 Hier im Blog werde ich weitgehend abwesend sein. Denn ich helfe meinen Eltern umzuziehen, die ihr Haus aufgeben und in betreutes Wohnen wechseln.

Also in Kurzform:

Woche vom 01.-05.08: Weitgehende Stille und Abwesenheit meinerseits. (Wetterbericht und Tippspiel werden trotzdem weitergeführt)
Drei Wochen vom 08.08.-26.08: Ferienmodus mit einem lockeren Bericht pro Tag "irgendwann", ohne festen Rhythmus.
Woche vom 29.08.-02.09.: Langsames Hochfahren des Normalmodus, der ab 05.09. wieder voll gegeben ist.

Ich wünsche eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

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Eine dramatische Börsenwoche – Teil 1: Bernankes Nachfolge und die Bundestagswahl

Eine der wichtigsten Börsenwochen des Jahres hat begonnen.

Eröffnet wurde sie standesgemäß. Und zwar mit dem Paukenschlag, dass der Favorit auf die Bernanke Nachfolge Larry Summer zurück gezogen hat und das offensichtlich unter massivem öffentlichen Druck. Die Wallstreet liebt es, denn deren Favoritin ist Janet Yellen, von der man erwartet noch aggressiver auf Stimulus zu setzen, als das Bernanke schon tat. Und so finden wir logischerweise den DAX heute früh auf historischen Höchstständen oberhalb 8600 wieder.

Allerdings wird die Freude wohl nur dann andauern, wenn es Yellen dann auch wird. Wie vom Wall Street Journal kolportiert, soll Obama nach einem "dritten" Kandidaten suchen und das würde die Unsicherheit eher erhöhen, der Markt mag Unsicherheit einfach nicht.

Am Ende der Woche dräut dann auch noch die Bundestagswahl und auch diese hat es in sich, denn bedingt durch unsere Wahlrecht mit der 5-Prozent-Hürde, wird die Regierung der grössten Volkswirtschaft der Eurozone möglicherweise nur von sehr wenigen Stimmen abhängen und damit eher "ausgewürfelt", als nach dem exakten Volkswillen festgelegt werden.

Denn es gibt 3 Parteien in Form der FDP, den Piraten und der AfD, bei denen völlig unklar ist, ob sie die 5-Prozent Hürde überspringen werden. Und so lassen sich, abhängig vielleicht von nur ganz wenigen realen Stimmen, unterschiedlichste Regierungsszenarien kreieren. Gewiss ist nur eines: Sie sollten unbedingt zur Wahl gehen, denn selten war das Ergebnis so unbestimmt wie dieses mal.

Die 5 Prozent Hürde macht das möglich, die damals von den Verfassungsvätern gewählt wurde, um "Weimarer Verhältnisse" zu verhindern. Das ist auch gelungen, hat aber umgedreht die Politverdrossenheit gefördert, denn es hat die Macht der schon im Bundestag vertretenen Parteien zementiert und dauerhaft ist es nur der Öko-Bewegung durch die "Grünen" in der Geschichte der Republik gelungen, dieses Kartell der Etablierten ein einziges Mal aus eigener Kraft aufzubrechen. Die Linke kann man da nicht zählen, die hat ja ihre Wähler durch die Wiedervereinigung mitgebracht und war quasi sofort oberhalb der Schranke.

Ich persönlich würde eine Absenkung auf zum Beispiel 2-3% für demokratisch geboten halten, um im Bundestag wirklich den Volkswillen abzubilden und für ein lebendigeres Parlament zu sorgen. Mit einer Hürde von 2-3% kann man immer noch eine zu grosse Zersplitterung verhindern. Aber das ist nur meine Meinung, um unsere Demokratie lebendiger zu gestalten. Es wird kaum passieren, denn welches Interesse sollen die etablierten Parteien daran haben, die das Wahlrecht ändern müssten ?

Aber wie auch immer, die meisten der Szenarien der Bundestagswahl, werden die Märkte völlig unbeeindruckt lassen, da die aktuell im Bundestag vertretenen Parteien in ihrer Ausrichtung Richtung Europa und Aussenpolitik kaum zu unterscheiden sind. Und ob die aktuelle Koalition erhalten bleibt oder es eine grosse Koalition gibt, wird den Märkten bestenfalls ein Gähnen abringen.

Aber es gibt zwei Szenarien, über deren Folgen Sie sich im klaren sein sollten:

(1)

Falls Rot-Grün eine Mehrheit bekommt, zum Beispiel weil FDP und AfD gleichermassen an der 5-Prozent-Hürde scheitern - oder noch stärker, wenn es eine Rot-Grün-Linke Regierung gibt - sollten Sie nicht in deutschen Nebenwerten sein. Die internationalen Börsen wird das nicht weiter interessieren, im Gegenteil, den Südländern und ihren Renditen und damit dem Eurostoxx wird so ein Wahlergebnis eher gut tun, weil diese Parteien die Euro-Rettungspolitik der aktuellen Regierung monetär noch toppen wollen. Perse ist eine Rot-Grüne Regierung für die internationalen Märkte also auch eher "Schulterzucken" bzw. für Südeuropas Märkte positiv.

Aber bei der deutschen mittelständischen Exportindustrie, die man typischerweise in MDAX und SDAX wieder findet, dürfte das zu bösen Verkäufen führen. Und zwar neben der erwarteten Schwächung der Wettbewerbskraft, primär aus der von den Parteien verfolgten Vermögenssteuer heraus. Denn hier gibt es viele Familienunternehmen mit Ankeraktionären, die im Falle so einer Steuer Aktien verkaufen müssten, um die Steuer bedienen zu können und das wird der Markt sofort antizipieren. Das Musterbeispiel dieser Problematik unter den DAX Konzernen ist BMW, die Familie Quandt hält hier die Fäden in der Hand und die Börse würde die BMW Aktie in so einem Fall deshalb wohl erst einmal verkaufen und erst dann nachdenken.

(2)

Falls die AfD einen Überraschungserfolg gegen die Demoskopen Richtung 8-10% landet und - zum Beispiel weil FDP und Piraten draussen bleiben - defacto zum Zünglein an der Waage wird, könnte der einzige Fall eintreten, in dem die Bundestagswahl über den rein deutschen Aktienmarkt hinaus zu Verwerfungen führt. In diesem Fall darf man keine Aktien aus den europäischen Südländern haben und Bonds dieser Länder schon gar nicht. Die Märkte werden schnell die Frage stellen, ob sich durch die Existenz dieser Proteststimme im Parlament nicht sofort die Merkelsche "Rettungspolitik" ändert. Sich geänderten Strömungen anzupassen, darin hat die Bundeskanzlerin ja Meisterschaft entwickelt. 😉

Vordergründig würde es dann natürlich auf eine grosse Koalition hinaus laufen. Aber mit einer starken AfD im Nacken, wird entweder diese Koalition ihre Europa-Politik anpassen und schärfer deutsche Interessen vertreten. Oder es wird gar nicht zur grossen Koalition kommen, weil Merkel bewusst ist, dass die grossen Parteien dabei nur verlieren können. Wie man einen vermeintlichen Partner so umarmt, dass man ihn dann erdrückt, verdaut und ausspuckt - hat Merkel ja nicht nur mit der SPD vorgeführt, sondern eindrücklich auch an der FDP vorexerziert. Insofern werden sich die Märkte in dem Fall noch in der Wahlnacht die Frage stellen, ob wir hier eine erneute Wende der Regierungschefin ala "Energiewende" erleben, mit der sie sich der öffentlichen Stimmung anpasst. Und dieses Risiko würden die Aktienmärkte sofort in die Kurse der Aktien und Anleihen Südeuropas einpreisen. Ob es dann ein paar Wochen später tatsächlich eintritt, ist eine ganz andere Frage.

So weit meine Sicht auf die Bundestagswahl aus der Warte der Märkte. Das wahrscheinliche Szenario ist also ein grosses Gähnen und nur in den beiden obigen Szenarien sehe ich direkte Auswirkungen, die uns im Vorfeld bewusst sein sollten.

Das wichtigste Thema der Woche ist aber die FED Sitzung am Mittwoch mit der Frage des "Tapering". Dazu folgt heute noch ein zweiter Teil der Vorschau.

Ihr Hari

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