30 Ein sicheres Ding


Wären wir hier nicht bei Mr-Market, ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass so mancher Leser genau deshalb diesen Beitrag angeklickt hat, weil er sich einen heißen und erträglichen Tipp erhofft. Und falls Sie genau darauf gehofft haben müssen Sie es ja nicht verraten. 😉 Ich habe selbst lange nach solch sicheren Dingern gesucht. Unser Affenhirn springt einfach auf dieses verheißungsvolle Wörtchen „sicher“ an.

Nun gehören wir in diesem erlauchten Kreis tendenziell eher der Gattung „fortschrittlicher Affe“ an. Das bringt mit sich, dass man sich der Existenz und der Auswirkung des Affens in einem bewusst ist, ihn hegen und pflegen kann und ihn zu nehmen weiß. Je weiter man auf diesem Weg ist, umso besser kann man diesem Affen mit einer gewissen Distanziertheit begegnen, wahrnehmen was ihn bewegt und zielgerichtet mit ihm umgehen, ihm ab und an mal ein Zuckerl geben oder ihn auch gezielt einfach Affe sein lassen.

Einer Einschränkung unterliegen wir aber alle: Wir werden diesen Affen niemals los werden – er ist nun mal ein Bestandteil von uns. Das ist keine neue Erkenntnis, aber dieser kürzlich von Hari verlinkte -> wunderschöne Artikel von Charlie Bilello <- hat mich an ein paar meiner „das ist absolut sicher“-Momente erinnert. Und was ist das schon anderes als „Affe pur“… 😉

Anhand einiger eindrucksvoller Charts zeigt Charlie Bilello letztendlich eine simple, auch von Hari immer wieder gepredigte, Wahrheit auf:

Der Markt *muss* gar nichts. Selbst Dinge, die wir für völlig undenkbar halten, können passieren.

Wiederholung als beliebtes Stilmittel, eine Botschaft unmissverständlich klar zu machen:

Nichts ist sicher. Grob das Einzige, was tatsächlich sicher ist hat symbolisch mit einer Sense zu tun und eher wenige beschäftigen sich mit diesem Thema freiwillig.

Das Blöde: Es ist mir in der Theorie völlig klar, dass es an der Börse kein "sicher" und keine Gewissheit geben kann und falls doch wäre das halt längst eingepreist. Aber der Affe reagiert auf diese Reize, beispielsweise:

  • Die Hoffnung auf einen schnellen und hohen Gewinn ohne sich diesem unangenehmen Risiko auszusetzen, dass man vielleicht doch Geld verliert.
  • Das erhabene Gefühl des Erleuchteten, der spezielles Wissen hat, welches nicht allen vergönnt ist. Warum auch immer man diese Ausnahmestellung eigentlich sein eigen nennen können sollte – man sollte da sicherheitshalber nicht zu ausgiebig drüber sinnieren, es könnten Fragezeichen entstehen. 😉

Es gibt zahlreiche weiterer solcher Reize. Sie haben aber bezogen auf Trades eine gemeinsame Eigenschaft:

Sie führen alle dazu, dass man mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu große Positionen eingeht wenn man sich des Wirkens des Affenhirns nicht bewusst ist. Und solche zu große Positionen haben einen besonderen emotionalen Hebel – Hybris, wenn es in die gewünschte Richtung läuft, massiven Druck und damit erhöhte Anfälligkeit, Fehler zu begehen, wenn sich der Kurs in die falsche Richtung in Bewegung setzt. Um es besser greifbar zu machen ein paar Beispiele.

Ein teurer Tweet

Ja, Sie dürfen lächeln (bitte lachen Sie nicht zu laut) und du, lieber Hari, darfst den Kopf auf den Tisch schlagen:

„Am considering taking Tesla private at $420. Funding secured“

August 2018, Elon Musk setzt seinen legendären Funding Secured-Tweet ab. Ich war dabei, denn da war ja noch Luft nach oben. Und das sicher! Einstieg beim blauben Pfeil, das Ziel vor Augen (blauer Stern). Da das so sicher war, hatte ich die Position entsprechend groß gewählt – es soll sich ja lohnen! 😉

Das Chart zeigt den bekannten weiteren Verlauf. Musk musste zurückrudern, der Kurs folgte und meine zu große Position machte mir Druck. Das bittere, wenn man mit Überzeugung unterwegs ist: Man hat nicht zwingend die Flexibilität, die Überzeugung zeitnah in Frage zu stellen. Es kam wie es kommen musste – ich stieg zu spät (pinker Pfeil) aus einem Trade aus, den ich ohne diesen „sicher“-Aspekt vermutlich nie in dieser Größe eingegangen wäre.

Übernahme-Fantasie

Ende 2017 wollte Broadcom (AVGO) für ein saftiges Sümmchen Qualcomm (QCOM) übernehmen. Eigentlich sind solche Vorgänge für mich nie wirklich interessant gewesen. Hier war ich eher zufällig mit von der Partie:

Ursprünglich nur wegen des Chartmusters bei (1) eingestiegen, aufgrund des recht weit weg liegenden Stopps (gestrichelte Linie) dem kurzen Taucher entgangen, lag ich aufgrund des dann bekanntwerdenden Übernahmeangebots schlagartig deutlich im Plus.

Es folgten nach dem ersten Schub keine größeren Abgaben, vielmehr wurden mögliche Übernahmepreise rumgereicht, die Fantasie aufkommen ließen (Sternchen). Es grünt so grün, warum dann nicht mehr davon? Ist doch sicher. Also Position bei (2) deutlich vergrößert. Zu deutlich. Wieder eine zu große Position.

Es folgte ein Hin und Her zwischen QCOM und AVGO, denn QCOM hatte kein Interesse daran übernommen zu werden. Preislich resultierte das in einer Menge Volatilität, die mich aufgrund der zu großen Position schließlich bei (3) aus meiner Position heraus ängstigte. Autsch.

Warnzeichen

Beide Beispiele haben gemein, dass ich mich von einer Überzeugung bzw. sehr starken Meinung leiten ließ und damit Risiken einging, denen ich nicht gewachsen war. Zu viel Meinung und Überzeugung, zu große Positionen, wenig Blick nach links und rechts was möglicherweise gegen meine Überzeugung sprechen könnte – alles Bestandteil der Anatomie eines solch sicheren Trades. Und wenn sich die eigene Überzeugung (treffender wäre letztendlich wohl „Hoffnung“) nicht realisiert, dann wird man zittrig, wie das bei zu großen Positionen vermutlich vielen geht. Meist endet das schmerzhaft. Zumindest bei mir.

Schmerz hat aber auch etwas Gutes – er hat das Potential zu lehren, wenn wir denn bereit sind, das auch zuzulassen. Ich habe aus den obigen Beispielen gelernt sehr aufmerksam zu werden, wenn ich im Begriff bin, eine Position in einer für mich ungewöhnlichen Größe kaufen zu wollen. Ist doch sicher, oder? Da gehen bei mir inzwischen die Warnlampen an und so manches Mal hat mich das von weiteren Dummheiten abgehalten.

Der schaukelt das schon

Bei GE beispielsweise habe ich den Drang sehr bewusst wahrgenommen aktiv zu werden und das am Besten im großen Stil:

Anfang Oktober 2018 (blauer Pfeil) wird bekannt, dass Larry Culp das Ruder bei GE übernehmen wird. Derjenige, der erfolgreich die hier wohlbekannte und geschätze Danaher geführt hat.

Nach kurzem Gezappel triggerte die Wendeformation (1) mit dieser Nachricht im Rücken und ich musste mich beherrschen, hier die Füße still zu halten. Zum Glück gelang mir dies, denn der weitere Verlauf war nicht besonders schön.

GE ist so bekannt und groß (gewesen), dass es ein leichtes ist, ein „too big to fail“ zu unterstellen und wenn dann noch ein fähiger CEO dazukommt, was soll dann noch schief gehen?

Vermutlich hat mancher so gedacht und wenn ich hier wieder mit einer Überzeugungsposition dabei gewesen wäre – ich bin mir nicht sicher, ob ich bereits bei (2) den Absprung geschafft hätte oder ob ich nicht noch bis mindestens (3) hätte schwitzen müssen, um dann endgültig in den sauren Apfel zu beißen.

Ende gut, alles gut?

Im Prinzip ja – ein paar teure Trades des „ein sicheres Ding“-Musters haben mich vor vielen weiteren dieser Art bewahrt. Doch wie ich eingangs schrieb, das Affenhirn werden wir nie los, wir können nur lernen es in gewisse Bahnen zu lenken. Und manchmal erwischt es einen doch und man fällt noch einmal in alte Muster zurück (ich hatte das am Ende von -> Eine Frage des Ziels <- angedeutet).

So geschehen diesen Februar bei AMZN. Der Markt schob seit Oktober hoch, ich war aus Trading-Sicht zwar dabei, aber insgesamt recht verhalten, in zu vielen anderen Bereichen des Lebens war meine Aufmerksamkeit gefordert. Das war im Prinzip ok, denn mir war bewusst, dass ich nicht genug Zeit und Energie hatte, eng am Markt zu sein.

Es schlich sich aber ein Stück weit FOMO ein – so ein genialer Anstieg und ich hatte nur eingeschränkt davon profitiert. Zur gleichen Zeit schickte sich AMZN an, aus dieser fast eineinhalbjährigen Korrektur- und Seitwärtsphase auszubrechen (hier mit Wochenkerzen), wir hatten das im Forum und Hari im Stream thematisiert:

Amazon, nicht irgendeine fragliche Klitsche. Also hole ich all das, was ich in den Monaten davor verpasst hatte, jetzt einfach mit diesem sicheren Ding wieder rein. So dachte ich in einem Anfall von Affenhirn in Reinform.

Erst Überzeugung, dann große Position. Schließlich Corona. Und ich aufgrund der zu großen Position in Schockstarre wie ein Kaninchen vor der Schlange, dann aber mit Schmerzen raus (pinker Pfeil im untenstehenden Chart).

Natürlich hätte ich halten können, aber die Position war emotional zu groß für mich, mein Blick zu wenig klar dafür, dass AMZN wohl kaum dauerhaft da unten bleiben wird. Hatte mich der Markt mal wieder erwischt und der Affe sich durchgesetzt. Und damit es auch im Gedächtnis bleibt folgte dann diese Entwicklung und ich hätte sehr nett verdient, wenn ich denn dabei geblieben wäre:

Unterm Strich

Nichts, aber auch wirklich nichts an der Börse ist sicher (und falls doch, dann wäre das längst eingepreist bevor ich in meiner ach so großen Weisheit davon Kenntnis erlangen würde). Die Wahrheit liegt auf dem Platz, im Hier und Jetzt – schon morgen kann es anders aussehen.

Die beste Form von Sicherheit an den Märkten ist wohl tatsächlich das von Hari beworbene Wolkenspringen, -> die Flexibilität und Bereitschaft sich anzupassen <-, beweglich zu sein, sich nicht auf etwas zu versteifen, nur um dann mit seinen Überzeugungen (und mangelnder Beweglichkeit) unterzugehen.

Für von Natur aus eher mit dem Flugtalent eines Pinguins mit Bleigürtel augestattete Wolkenspringer wie mich ist das herausfordernd. So manches fehlende Talent kann man per Ausdauer und Beharrlichkeit ausgleichen – Talent wird oft überbewertet, auch wenn es sicherlich hilfreich und nützlich sein kann. Also kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, aber bis das mit dem Wolkenhüpfen passabel klappt ist wohl noch ein gutes Stück Weg zurückzulegen.

Wenn Ihnen das alles nicht völlig unbekannt vorkommt und Sie auch schon den ein oder anderen Moment hatten, in dem Sie dem Affenhirn auf den Leim gegangen sind: Was sind Ihre „das muss genau so kommen und kann gar nicht anders sein“-Charts? Wir können ja eine Sammlung aufmachen. 😉

Ihr calvin

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Von Resilienz, Flexibilität und dem Fechten


Resilienz, ein schönes Wort.

Nach gängiger Definition ist es die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche Ressourcen zu überwinden und sogar für eigene Weiterentwicklung zu nutzen

Für uns Marktteilnehmer, uns Nußschalen auf dem Ozean des Weltgeschehens, ist Resilienz besonders wichtig. Denn nur resiliente Charaktere haben die Chance einerseits dauerhaft im Markt zu sein und nicht aufzugeben und andererseits dabei auch noch erfolgreich zu sein.

Jetzt frage ich sie aber: Ist ein "Prepper", der sich in seinen Bunker zurückzieht und mit Waffen und Nahrung umgibt deswegen resilient?

Die Frage impliziert schon die Antwort: Nein! Er hat sich auf ein genau definiertes Krisenszenario vorbereitet und wird dann - so ist halt das Leben - garantiert von etwas ganz anderem niedergestreckt.

Er kann seinen Bunker also gegen anrennende Zombie-Horden verteidigen, dummerweise stirbt er an einer blöden Blutvergiftung oder eben einem neuen Virus. Tough Luck. 😉

Es ist sowieso keine gute Idee, uns immer vor dem letzten Desaster schützen zu wollen, weil unser Recency-Bias uns dazu zwingt. Der lesenswerte Artikel -> Stop preparing for the last Desaster! <- bringt das schön auf den Punkt. Und ich garantiere ihnen, die sicherste Phase um in einen Flieger zu steigen ist immer *nach* einem schlimmen Absturz kurz zuvor, weil dann alle übervorsichtig und aufmerksam sind.

Ein Desaster kommt fast immer aus einer Ecke, die man vorher nicht erwartet hat. Oder hatte Ende 2019 jemand auf dem Radar, was wir nun in der Pandemie erleben - never ever!

Jetzt wird es aber noch schlimmer, ein Markt *muss* sogar wegen Ereignissen und Entwicklungen fallen, die niemand auf dem Radar hatte. Denn wäre es anders, wären alle vorbereitet, würde der reflexive Markt gar nicht mehr fallen können!

Dumme Sache, oder? 😀

Womit wir bei der für uns so wichtigen Resilienz sind. Denn wir müssen uns am Markt - und letztlich auch im Leben, auch wenn wir das gerne mit einer Kontrollillusion überlagern - der Endlichkeit und der Unsicherheit stellen.

Ich habe dazu vor Jahren den Artikel -> Warum wir die Unsicherheit lieben lernen müssen <- geschrieben, denn das was wir nicht bekämpfen und besiegen können, sollten wir im Sinne Sun Tzu umarmen und uns damit arrangieren.

Darin heisst es:

Die Grundvoraussetzung für Erfolg an den Märkten ist aber, dass wir die Unsicherheit nicht bekämpfen und aufhören, ein reiner "Sicherheitssucher" zu sein, denn da gibt es keine. Sicherheit verschaffen uns nur die eingeübten Fähigkeiten, mit denen wir uns aus jeder Situation wieder heraus retten können. Das nennt man als Überbegriff "Risikomanagement" und dahinter verbergen sich verschiedenste Techniken, deren Einsatz sehr individuell ist.

Aber wenn wir es nicht schaffen, die Unsicherheit zu lieben und als Chance zu sehen, müssen wir zumindest lernen sie zu akzeptieren, ohne uns daran aufzureiben. Andernfalls haben wir keine Chance gegen Mr. Market.

Der Bunker ist also eine Illusion, er verschafft keine Sicherheit, er täuscht diese nur vor. Der Bunker macht uns vielmehr zu einer "sitting Duck", einem leichten Ziel für die Unsicherheit, denn wir sind unbeweglich geworden, wir können nicht ausweichen, wir krallen uns sozusagen im Erdreich fest und das Schicksal kann ganz genüsslich Ziel nehmen.

Was können wir denn dann tun um am Markt resilienter und damit gelassener zu werden?

Ich sage es ihnen gleich, das Zauberwort heisst Flexibilität, gewürzt mit einem Bewusstsein für die aktuelle Situation (Situation Awareness). Nur das schafft Resilienz im prinzipiell ungewissen und unberechenbaren Markt.

Stellen wir uns mal ein Phantasieszenario vor. Wir sind darin ein Superheld und stehen auf einem freien Feld, das von einer Seite aus eine Stunde lang mit schweren Waffen beschossen wird. Wir müssen diese Stunde "nur" überleben, das ist das Ziel.

Dabei haben wir die Auswahl, welche von zwei Superkräften wir nutzen wollen.

In der ersten Variante haben wir einen *Superschild* der so gut wie undurchdringlich ist, So gut wie, denn in einem ganz blöden Szenario, in dem Treffer gleichzeitig aus bestimmten Winkeln einschlagen, kann der Schild doch zerbrechen. Das ist aber sehr unwahrscheinlich, nur nicht absolut unmöglich.

In der zweiten Variante haben wir eine "Supergeschwindigkeit" mit der wir jedem Schuß aus dem Weg gehen können, außer wir stolpern oder sind unaufmerksam. Denn wir sehen die Geschosse in "Zeitlupe" in unserem Geist und haben immer 2-3 Sekunden um zur Seite zu treten und die Geschosse vorbeifliegen zu lassen.

Was glauben sie wohl, womit ich mich sicherer fühle und was ich ohne Zögern wählen würde? Nach der Vorrede dürfte die Anwort klar sein, es ist nicht der Schild (der Bunker), es ist die Geschwindigkeit (der Wolkenspringer).

Und das *ist* auch objektiv sicherer, denn während wir im einen Fall eine "Sittung Duck" sind und wir nur passiv und ergeben hockend auf den Schild hoffen können, liegt es im anderen Fall alleine an uns und unserer Aufmerksamkeit, wie das ausgeht.

Da sind wir also beim Kern, der für den Markt eindeutig so ist: Flexibilität schafft Sicherheit, Flexibilität schafft Resilienz!

Einerseits bedeutet das eine geistige Flexibilität, wir haben gelernt die Unsicherheit zu akzeptieren. Alleine diese Tatsache, dass wir uns dieser Unsicherheit bewusst sind und uns keinen Illusionen hingeben, dass morgen schon alles ganz anders sein kann, macht uns im Kopf freier und flexibler. Denn das womit man rechnet, kann einen nur begrenzt überraschen. Wer sich dagegen eine nicht vorhandene Sicherheit eingeredet hat, wird am Ende ganz böse und schutzlos auf dem falschen Fuß erwischt.

Andererseits bedeutet es das Training von Abläufen und Strategien, mit denen wir mit den gängigen Situationen elegant umgehen. Wir legen uns also nicht auf einen Bunker fest, sondern wir haben verschiedene, durchdachte Strategien, die wir je nach den Umständen einsetzen.

Beim Fechten sind das Aktionen wie Battutta, Coupé, Flêche, Rimesse oder Riposte. Das sind feste Techniken bzw Angriffe oder Verteidigungen, mit denen man dem Gegner begegnet.

Auch beim Fechten weiss man vorher nicht, was der Gegner (hier der Markt) für Angriffe starten wird, man hat aber ein eingeübtes Repertoire, wie man damit umgeht! Und wer das nicht hat, wer nicht instinktiv einem Angriff des Gegners begegnen kann, hat schnell verloren.

Genau das schafft Gelassenheit, genau das schafft Resilienz, das Selbstvertrauen und die Übung mit einer Situation umgehen zu können! Beim -> Klettern <- ist das übrigens nicht anders.

Resilienz stellt sich also der Unsicherheit, sie umarmt sie sogar und trainiert damit umzugehen.

Am Markt müssen wir also wie ein Fechter sein, immer bereit für eine Überraschung des Gegners, aber voller Techniken, damit elegant umzugehen.

Diese geistige und taktische Flexibilität ist auch die Grundvoraussetzung entspannt das Spiel auf dem Platz zu beobachten und erst zu *reagieren* - Riposte! - wenn die Situation eintritt und eine Reaktion gefordert wird!

Und diese Sicherheit erlangt man durch Training, Training und noch einmal Training! In dem man übt auszuweichen und einen Gegenangriff zu starten, bis man es automatisiert beherrscht. Es gibt keinen anderen Weg, alleine mit dem Lesen von Büchern wird niemand zum guten Fechter!

Bei uns an der Börse ist die Parade der Stop, wir gehen dem Angriff der Kurse aus dem Weg und die Riposte ist der "Gummibandtrade" danach, wenn der Markt seinen Angriff erschöpft hat.

Wenn wir das trainiert haben, wenn wir das beherrschen, gewinnen wir Gelassenheit und Resilienz. Denn was kann einem derart guten Fechter noch etwas anhaben?

Merken wir uns also unbedingt:
Flexibilität und Training machen uns resilient - wenn wir in Bewegung sind und Ausweichen können, kann uns der Markt nie vernichten.

Und von diesem "Fecht-Training" kommt im Laufe der Zeit Gelassenheit, wir wissen was wir können und wissen, dass wir uns auf unsere Abwehrtechniken verlassen können.

Und das nennt man dann Risikomanagement und erlangt man nicht im Bunker des Rechthabens und auch nicht mit Glaskugeln von Wahrsagern.

Und noch etwas Wichtiges. Lassen Sie es an der Börse *nie* dazu kommen, dass Ihnen beim Fechten die Emotion und das Ego dazwischen kommt wie im folgenden Video.

Es geht nicht darum jemanden zu besiegen, es geht an der Börse darum, die Fechtbewegungen möglichst perfekt auszuführen, sich also auf den Prozeß zu konzentrieren und nicht den "Sieg", wie hier:

In diesem Sinne: En Garde!

Ihr Hari

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